Der von Wladimir Putin gesinnungsgemäß ein für alle Mal bis zur grausamen Kenntlichkeit einbekannte Patriotismus auch der FPÖ

Jedes Volk, besonders die Menschen in Rußland, können echte Patrioten von Bastarden und Verrätern unterscheiden. Und wir werden sie ausspucken, wie ein Insekt, das uns unabsichtlich in den Mund geflogen ist. Ich bin mir sicher, daß diese notwendige und natürliche Säuberung unserer Gesellschaft unser Land nur stärken wird.

Grausam kenntlicher als von Wladimir Putin in einer Fernsehansprache am letzten Mittwoch, 16. März 2022, kann patriotisch nicht gesprochen werden, spätestens seit diesem letzten Mittwoch ist immer bei allen, die als echte, wahre Patrioten oder einfach wie kurz als Patriotinnen hintreten, die menschgemäße Konsequenz des Patriotismus mitzudenken, und diese ist, alle, die in Augen der Patrioten keine Patrioten sind, alle, die von Patriotinnen bezichtigt werden, keine Patriotinnen zu sein, als „Verräter“ und „Bastarde“ als Insekten auszuspucken.

Und was ausgespuckt wird, ist zerkaut, zermalmt, tot.

In Österreich ist es vor allem die für kurz gewesene Regierungspartei und weiter im Parlament hintretende Partei mit ihren „ausgeprägten“ Patriotinnen vornehmlich männlicher Gestalten. Und bei jedweder Wahl ist mehr denn je nach dieser putinischen Kenntlichmachung des Patriotismus auch in Österreich daran zu denken, wenn die Hand das Kreuz über sich selbst bei dieser Partei …

NS Es wird nicht erst seit kurzem sehr viel über sogenannte fake news gesprochen, vor allem darüber, es müsse mit Fakten gegen fake news vorgegangen werden, es müsse aufgeklärt werden und so weiter und so fort. Dabei. Es genügt sehr oft, und darauf ist wohl noch viel und sehr oft hinzuweisen, die sogenannten fake news richtig zu lesen, die bereits die Wahrheit enthalten.

Das letzte aktuelle Beispiel, das exemplarisch nicht nur für Wladimir Putin angeführt werden kann, hierfür ist die Lüge des Wladimir Putin vom letzten Mittwoch: der Plan eines Blitzkriegs gegen Rußland sei nicht aufgegangen. Und das ist von Wladmir Putin wahr gesprochen. Es reicht völlig, diesen seinen Satz richtig zu lesen: Sein Plan eines Blitzkriegs ist nicht aufgegangen.

Acht Jahre lang hat Wladimir Putin seinen Traum, er könne Kiew in zwei Wochen einnehmen, in Wahrheit umgedeutet, als Wahrheit gedeutet, er könne mit einem Blitzkrieg Kiew einnehmen, in zwei Wochen Kiew einnehmen, das wäre tatsächlich eine Blitzkriegeinnahme gewesen, und nun, da ihm dies nicht gelungen ist, sein Blitzkriegplan zerschlagen und seine Wahrheit wieder Traum ist, den er abermals falsch deutet: als nicht seinen Blitzkrieg …

„Burnt by the sun“ – Nikita Michalkow, Iwan Iljin: Teachers of Wladimir Putin

Gerade in Österreich ist in den Tagen seit dem 24. Februar 2022, als Wladimir Putin wieder mit seinen nächsten Menschenschlachtungen begann, die neuerliche Hingabe an die Täuschung festzustellen, die Bereitschaft, sich täuschen zu lassen, sich über die Gesinnung von Wladimir Putin und seine ihm treuergebenen Burschenschaften und Mädelschaften täuschen zu lassen, vorneweg ein Präsident außer Dienst, der die Täuschung vorantreibt, Wladimir Putin hätte ordentlich von einem Mann gelernt, mit dessen Gesinnung Wladimir Putin nichts gemein hat, außer das Gemeine, das Brutale, das Abscheuliche, das Grausliche, das Lügen, aber die Gesinnung hinter dem Grauslichen, hinterm dem Abscheulichen, hinter dem Brutalen, hinter dem Gemeinen, hinter dem Lügen hat ihn, Putin, nicht Josef Stalin ordentlich gelehrt, sondern Iwan Iljin, der ihm, Putin, gelehrt wurde von Nikita Michalkow, und weiter ist Wladmir Putin ein lerneifender Schüler von Alexander Dugin, der wiederum in Österreich ein recht willkommener Gast, ein Gesinnungsapostel, der österreichischen Parlamentspartei mit Burschenschaften und Mädelschaften …

… einer Parlamentspartei, die für kurz Regierungspartei wieder einmal war in Österreich – so ist es verständlich, daß es in Österreich eine Täuschungsanstrengung in der Dimension eines nationalen Schulterschlusses bedarf, um nicht mit Wladimir Putin auf die österreichischen Verhältnisse gestoßen zu werden, dessen Gesinnung mehr mit Österreichischem …

„Die Sonne, die uns täuscht“. So der Titel eines Films von Nikita Michalkow. Die Täuschung, die ermüdet. Derart von den Täuschungen ermüdet, reicht es bald nur noch dahin, Zitate hinzuschreiben, aus so viel vergangenen Jahren, Jahrzehnten die deutlich machen, es kann je keine Täuschung auch über Wladimir Putin und über Österreich geben …

Putin war damals Besucher eines Lesekreises, in dem Werke des Eurasiers Lew Gumilew gelesen wurden, und es war offenbar Regisseur Nikita Michalkow, der Putin die Lektüre Iljins empfahl. [8] Später schaffte es die Phraseologie Alexander Dugins in präsidialen Reden und prägte zu einem nicht unerheblichen Maß den offiziellen Diskurs russischer Machthaber.[9]

Iljins religiös-philosophisch fundiertes Staatskonzept erhielt erst im neokonservativen Denken der Ära Putin eine neue Aktualität. Im Oktober 2005 wurden – auf Initiative des konservativen Regisseurs Nikita Michalkow – Iljins sterbliche Überreste aus der Schweiz nach Moskau überführt und im Donskoi-Kloster erneut beigesetzt. Präsident Putin war bei dieser Zeremonie persönlich zugegen. Iljins Nachlass wurde mit Mitteln des Oligarchen Viktor Wexelberg aufgekauft und der Moskauer Universität übergeben. Putin selbst berief sich publikumswirksam in den föderalen Ansprachen der Jahre 2005, 2006 und 2014 auf Iljin und zitierte ihn als Gewährsmann für eine genuin russische Gesellschaftsordnung, die auf religiösen Werten beruht. Mittlerweile gehört Iljin zu den kanonischen Autoren der russischen Geistesgeschichte, deren Texte beim zentralen russischen Abitur eingesetzt werden.

In der Schweiz verherrlichte Iwan Iljin Russland, die Kirche und den Faschismus. Heute inspiriert er das Denken und Handeln Wladimir Putins.

Iljin löste mit seinem Buch Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse aus dem Jahr 1925 eine intensive Debatte über das Verhältnis von Politik und Gewalt aus. Er setzte sich in diesem umfangreichen philosophischen Werk polemisch mit Lew Tolstois berühmtem moralischen Grundsatz „Widerstehe dem Bösen nicht mit Gewalt“ auseinander. Tolstoi hatte argumentiert, dass gewaltsamer Widerstand gegen das Böse nur neues Unrecht hervorbringe. Iljin verfasste sein Buch unter dem unmittelbaren Eindruck der bolschewistischen Machtergreifung und des russischen Bürgerkriegs. Er rief auf zum Mut „zu verhaften, zu verurteilen und zu erschießen“. In einer Reihe von Vorträgen vor russischen Exilanten in ganz Europa verwies Iljin auf das Vorbild des Erzengels Michael und des Drachentöters Georg und hielt fest: „Wir werden dann siegen, wenn unser Schwert wie Liebe und Gebet sein wird, unser Gebet und unsere Liebe aber das Schwert!“ Die gewaltsame Bekämpfung des Bösen stellt aus Iljins Sicht ein notwendiges Übel dar, durch das der Verteidiger des Guten aber Schuld auf sich lädt. Nur eine anschließende religiöse Askese könne den Gotteskämpfer wieder sittlich läutern. 

Iljin im heutigen Russland
Um die Rezeption Iljins im heutigen Russland und einige widersprüchliche Aspekte seiner Verklärung zu verdeutlichen, müssen wir gleich auf ein Spezifikum von „Unsere Aufgaben“ hinweisen: Den erbitterten Hass auf die sowjetischen Geheimdienste und die UdSSR, welche von Iljin nicht selten als „Sowjetien“ bezeichnet wurde.
Bis zu seinem Tode war Iljin überzeugter Monarchist, orthodox-christlicher Fundamentalist und Anhänger eines „einigen und unteilbaren Russlands“, eines Zarenreiches mit Finnland, Polen sowie einem Dutzend weiterer, heute unabhängiger Länder als Bestandteile. Keine andere Tugend beschrieb er in so leuchtenden Farben, wie den selbstvergessenen Dienst für die „Weiße Sache“.[5] Die Bewunderung für den europäischen Faschismus ließ bei Iljin selbst nach der Zerschlagung des NS-Regimes kaum nach. So schrieb er 1948, wenige Jahre vor seinem Tode:

„In der Zeit des Vormarschs von linkem Chaos und linkem Totalitarismus war [der Faschismus] eine gesunde, notwendige und unausweichliche Erscheinung. […] Schließlich hatte der Faschismus insofern recht, als er aus einem gesunden national-patriotischen Gefühl entstand, ohne das kein Volk seine Existenz oder Kultur behaupten kann. […] Denn man sollte immer daran denken, dass der Sozialismus antisozial ist, und soziale Gerechtigkeit und soziale Befreiung keinen Sozialismus oder Kommunismus dulden können.“[6]

Hier drückt sich Iljin sehr gezähmt aus, im Artikel „National-Sozialismus: Neuer Geist“ (1933) begrüßte Iljin die Errichtung des NS-Regimes viel leidenschaftlicher.[7]

Vulnerable Diversifizierung

„Die Teuerung ist ein Problem für die Menschen in unserem Land und deswegen haben wir auch schon gehandelt, um die Menschen vor der Teuerung zu schützen. Wir haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket bereits auf den Weg gebracht. Sie wissen, äh, der Energiekostenbonus von 150 Euro, der Teuerungsausgleich, der ganz besonders auf die, äh, vulnerablen Gruppen, also auf die, äh, insbesondere einkommensschwachen Gruppen schaut, die Länder haben Heizkostenzuschüsse erhöht, wir haben die Ökostrompauschale und den Förderbeitrag ausgesetzt, also je nach Einkommenssituation eines Haushalts macht das bis zu 800 Euro in diesem Jahr aus. Aber wir sehen, die Gaspreise sind getrieben, jetzt auch durch die kriegerische Situation. Wir sehen, daß ist weiter ein Problem. Deswegen haben wir uns am Sonntag ausgetauscht, haben wir am Sonntag auch sehr viele Vorschläge diskutiert und jetzt geht’s drum, ein wirksames, ein zielgerichtetes Paket auch auf den Weg zu bringen. Daran arbeit‘ ma grad unter Hochdruck. Und wenn es fertig ist, werden wir es auch gemeinsam präsentieren und dann rasch umsetzen.“ Es gelte jetzt auf die kriegerische Situation zu reagieren, so Gewessler, kurzfristig mit Blick auf den nächsten Winter arbeite man an einer Diversifizierung der Lieferländer und an der Gasbevorratung. Längerfristig gehe es darum, die Energiewende voranzutreiben und den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu beschleunigen, so die Ministerin.

Kurz nach der gewesslerisch-nehammerisch köstingerischen Reise ist auch die Wirtschaftsministerin zu einer Willkommensreise aufgebrochen – zum saudi-arabischen Kontinent. Mittlerweile wird sie, da sie das Flugzeug nicht selbst zu lenken hatte, auch am richtigen Ort gelandet sein.

Also auch die Wirtschaftsministerin arbeitet, an der „Diversifizierung“ von …

Wladimir Putin, er wird es möglicherweise nicht akzeptabel finden, seiner in Österreich angesehenen Monopolstellung verlustig gehen zu sehen, aber es wird dem arabischen Kontinent recht gefallen, sein Ansehen in Österreich in ungeahnte Höhen steigen, über den Wolken schweben zu sehen, wo die Freiheit nach einem Hadern bekanntlich grenzenlos ist, und es wird Österreich selbst in seiner Achtung extrem steigen, daß das Österreich der derzeitigen Bundesregierung als Fahnenträgerin aller Rechte vor allem der „vulnerablen“ Menschen dermaßen demokratisch ihre Hinwendung und ihre Zuwendung diversifiziert.

„Vulnerabel“, das ist das notierte Wort, weshalb die gewesslerische Präsentation des so ergiebigen sonntäglichen Austausches mit dem beeindruckenden Ergebnis der in Aussicht gestellten gemeinsamem Präsentation am 15. März 2022 ein eigenes Kapitel sich redlich verdiente.

Die Ministerin spricht von „vulnerablen Gruppen“ … Wie modern die Ministerin doch zu sprechen weiß, nicht so großväterlich wie einst etwa Leopold Kunschak, dem die „vulnerablen Gruppen“ noch die „kleinen Leute“ waren, die, auch wenn sie gesund, fleißig, unbescholten usw. sind, dennoch den Schutz, und das teilt sie mit ihm, das ist ihr Gemeinsames, von den von ihnen reichlich profitierenden Nichtvulnerablen bedürfen …

„Vulnerabel“, das Wort, das das Virus lehrte

Auf dieser Höhe der Zeit versteht also die Ministerin lerneifrig zu sprechen, und welches Denken mag je diesem Repräsentationssprechen zugrunde gelegt sein, wenn an die eigentliche Bedeutung dieses nun so hippen Wortes …

Vulnerabilität (Verwundbarkeit, Verletzbarkeit) bezeichnet die genetische und/oder biografisch erworbene Anfälligkeit eines Menschen oder einer Gruppe für Krankheiten oder Problemverhalten beziehungsweise die Disposition, ein Suchtverhalten oder eine psychische Krankheit zu entwickeln. Vulnerable Menschen sind damit anfällig für äussere Einflüsse und in ihrer gesunden Entwicklung stärker gefährdet als resiliente Personen. Vulnerabilität ergibt sich aus dem Vorhandensein und dem Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychischer, sozialer und physikalischer  Risikofaktoren bei geringer  Resilienz. Bei vulnerablen Personen können  kritische Lebensereignisse und belastende Situationen die Entstehung eines Sucht- oder Problemverhaltens mit auslösen,  Schutzfaktoren und Resilienz hingegen der Entwicklung einer Sucht- oder psychischen Erkrankung entgegenwirken.

Das ist eine zu zitierende Definition dieses Begriffes, die allein schon Anlaß zu einem mannigfachen Diskurs über die Verwendung dieses Wortes gibt.

Im Zusammenhang mit „Teuerung“ aber von „vulnerablen Gruppen“ zu sprechen, ist gewiß ein Fehlsprechen aus einem Fehldenken in bezug auf Ökonomie.

Die Attribuierung konstituiert ein Gefälle: Hier die starke Helferin, dort die alte, schwache Empfängerin. Wer als vulnerabel etikettiert wird, erhält nicht einfach vermehrte Zuwendung, sondern er trägt ein Stigma, erfährt unter Umständen Diskriminierung und erlebt Bevormundung, alles unter dem Vorzeichen vermeintlichen Schutzes.

„Es ist grauslich, aber wer weiß eine andere Lösung?“, twitterte eine Kabinettsmitarbeiterin der grünen Umweltministerin Leonore Gewessler. Diese „Krot“ müsse man in der Hektik mangels Alternativen eben schlucken.

So wird eine Kabinettsmitarbeiterin der Ministerin in „Reise nach Saudi-Arabien: Schramböcks Naivität“ von Jan Michael Marchart vom 14. März 2022 im „Standard“ zitiert; sie meint damit nicht die Verwendung des Begriffs Vulnerabilität als Stigma, sondern die Diversifizierung der … und fragt rührend auch gleich, ob wer eine andere Lösung – ihre Ministerin je noch danach zu fragen, scheint ihr bei aller präsentativer Vielsprechigkeit nicht vielversprechend …

Drittes Coronafrühjahr – Anleitung zum Häkeln

In ein paar Tagen beginnt das dritte Coronafrühjahr.

Und der nächste Winter ist nicht allzu weit entfernt, der ein sehr kalter Winter zu werden verspricht, nicht durch die Außentemperatur, sondern durch die Innentemperatur, die empfindlich herabgesenkt werden wird müssen, wenn die Preise insbesondere für das Heizen weiter derart extrem steigen, wird es ein Winter – würde gesagt werden können, wenn es in diesem Land keine Krisenerfahrung geben würde – der Krise werden, aber in einem Land der Jahreskrisenerfahrung kann der Winter nicht als abgesonderte Krisenzeit angeführt werden.

Krise, des Landes einzige Jahreszeit, Krise, Österreichs Zyklus, Krise, des Landes Periode. Auch wenn gehofft werden möchte, die Krisenperiode daure wie die Regierungsperiode im Land fünf Jahre, so ist deren Ende aber noch nicht erreicht.

So gilt es, bereits jetzt sich darauf vorzubereiten, dafür vorzusorgen. Ein Norwegerpullover mag gegen grimmige Kälte im Freien gut schützen, aber gegen die Eiseskälte in den Behausungen wird ein Norwegerpullover viel zu dünn sein, es werden viel dickere Pullover hermüssen – Nehammerpullover. Am besten, im Frühling bereits mit der Vorsorge zu beginnen, sich mit genügend Nehammerpullovern einzudecken. Dabei ist aber auf Nachhaltigkeit zu achten, diese selbst zu stricken oder zu häkeln, ganz nach dem eigenen Können, als Fortgeschrittene zu stricken, als Anfänger zu häkeln.

Weder für Anfängerinnen noch für Fortgeschrittene dürfte das Strickmuster noch das Häkelmuster für den Nehammerpullover eine besondere Herausforderung darstellen, ist es doch das ein und dasselbe einfache, wie von dessen Anleitung abzulesen ist:

Einmal 2019 Maschen Staatskrise,
einmal 2020 Maschen Noch im Krisenmodus,
einmal 2021 Maschen Regierungskrise, einmal
2022 Maschen Wieder in den Krisenmodus gehen
und dann wieder, das kann variiert werden, Maschen
Regierungskrise und Maschen Staatskrise,
zu beachten dabei bloß, daß der Bund nicht
mit Maschen Krisenmodus abgeschlossen wird.

Türkis wird als Farbe für den Nehammerpullover durchaus empfohlen, diese paßt hervorragend zu einer schwarzen Filzhose, aber auch zu einer grünen und ebenfalls sehr wärmenden Luis-Trenker-Hose, aber auch zu einem braunen und ebenfalls sehr warmhaltenden Winterlodenrock – der farblichen Kombination aber sind, einfach wie kurz gesagt, keine Grenzen gesetzt.

Verschwiegen soll – auch um den Verdacht des Plagiats zu entgehen – abschließend nicht werden, wem diese einfache und ebenso kurze Häkelanleitung zu verdanken ist. Einer Volkspartei, und es kann eben nur von einer Volkspartei sein, die weiß, wie Menschen sich glatt vor Krisen schützen können – durch Hilfe zur Selbstwinterhilfe.

Im engen Tal, ohne Ausweiche

Beim Tod von Erhard Busek wurden die Reihen des derzeitigen Personals der ÖVP und die ihrer Bünde abgegangen, und als die Letzte dieses Personals passiert war, war klar, was zu Erhard Busek gesagt werden kann.

Im Angesicht dieser christschwarzen Personalreihen war Erhard Busek wahrlich ein Titan der Intellektualität.

Beim Tod eines Menschen wird gerne gesagt, er hinterlasse eine nicht zu schließende Lücke.

Das wird diesem Personal insbesondere der letzten Jahre zum Tod von Erhard Busek nicht einfallen, zu sagen. So dicht geschlossen sind seit Langem seine Reihen, daß mit dem Tod des letzten intellektuellen Titanen aus der christschwarzen Partei, der in einer Zeit aktiv war, als es für kluge Menschen in dieser Partei doch auch einen führenden Platz gab, es ihr gar nicht auffallen kann, daß nun in ihren Reihen eine Lücke klafft.

Dies jedoch ist nicht wahr. Denn.

Als schmerzlich mußte sie es – und das nicht erst seit Kurzem – empfinden, daß Erhard Busek ihr eine Lücke riß.

Ihr Erhard Busek die Lücke war, die zu schließen ihr nicht und nicht gelang, eine Lücke, die ihr eine Krise war, eine so lange von ihr nicht und nicht zu bewältigende, eine von ihr nicht und nicht zu meisternde Krise.

Nun ist die Krise gemeistert, die Lücke für immer geschlossen. Denn, so steht es geschrieben, den Seligen im Geiste hilft Gevatter Tod auf seinen unergründlichen Wegen seiner unermesslichen Güte.

PS Statt letzter christschwarzer Titan der Intellektualität hätte auch gesagt werden können, Ehrenritter, zu dem wurde er tatsächlich erhoben, oder schlicht demokratisch Präsident, das war Erhard Busek auch, sogar vielfacher Präsident. Eine verzeihliche Titel-Anhänglichkeit in einem titelüberreichen Land wie Österreich.

Er war Gründungsvater und Ehrenpräsident von Vienna Economic Forum, dessen Ziel die regionale wirtschaftliche Kooperation zu fördern, dessen Mitgliedsland u. a. auch die Ukraine ist.

Er war Präsident des EU-Russia Centre, dessen Ziel es ist, engere Beziehungen zwischen der EU und Russland zu fördern, Vorstellungen über die Zukunft der Beziehungen zu entwickeln und sicherzustellen, dass beide Seiten internationale Standards in Bezug auf die Schlüsselelemente einer Zivilgesellschaft wie Demokratie, Menschenrechte und eine unabhängige Justiz einhalten.

Erhard Busek, ein Präsident von vielem und für viele, der sich, will es scheinen, nur knochentrockenen Aufgaben stellte. Aber dem war nicht so. Das Tanzbein fröhlich zu schwingen, darin sah er wohl kein intellektuelles Vergehen, vor allem dann, wenn er, wie für die Veranstalter des Russischen Balls in der Hofburg, daß ihnen zur Ehre gereichte, den Vorsitz des Ehrenkomitees übernahm.

In einem derart engen Tal wie Österreich ist es unvermeidlich, daß menschgemäß alle mit allen auf die eine und vor allem rechte Art aufeinanderstoßen …

Einem Hang aber gab Erhard Busek nicht nach, der Veranstalterin des russischen Balls die Ehre zu geben, zu ihrem Referat in Oberösterreich anzureisen, ihr gar den Ehrengast des Europäischen Forums in Linz zu machen; ein Forum schillernder Persönlichkeiten, wie etwa der auch von einem Präsidenten Angelobte

Die Sonne kann in Österreich nicht so blenden wie Titel und Namen, auch einen Erhard Busek. Nirgendwann sonst strahlen Titel und Namen so blendenreich wie in den Hofburgnächten der Bälle …

Der Name der Veranstalterin des russischen Balls selbst ist recht schlicht und zeugt von der gesellschaftlichen Durchlässigkeit in Österreich.

Es gibt keine richtige Politik mit Falschen

Wir müssen wieder in den Krisenmodus gehen“, sagt Bundeskanzler Karl Nehammer zur aktuellen Lage. Einverstanden, aber dazu gibt es Fragen: In den Krisenmodus gehen mit einer Wirtschaftsministerin, die am laufenden Band haarsträubenden Unsinn verkündet, zuletzt, dass man doch das Swift-Zahlungssystem mit Händisch-Erlagschein-Ausfüllen umgehen könne? Mit einer Landwirtschafts/Tourismus/Rohstoff-Ministerin, die ihre Hauptaufgabe in Querschüssen gegen das Land Wien und in der Sicherung der Skisaison sieht? Mit einer Verteidigungsministerin, deren Heeresreform soeben vom Militärberater des Bundespräsidenten, einem Brigadier, als völlig untauglich bezeichnet wurde? Und das sind nur die auffälligsten Defizitposten in einer Bundesregierung, die auch sonst nicht durch sonderlich brillante Minister und Ministerinnen glänzt. Nehammer selbst bemüht sich um eine relativ sachliche Politik. Er verzichtet auch auf die Mätzchen von Sebastian Kurz. Aber nicht auf manche personelle Hinterlassenschaft von Kurz. Das reicht nicht „in Zeiten wie diesen“, um einen alten Kreisky-Slogan zu zitieren. Wir haben Krieg in Europa, eine drohende Energieknappheit, explodierende Pandemiezahlen und einen entsprechenden Murks in der Corona-Politik. Im Krisenmodus braucht man die besten Leute. (Hans Rauscher, 11.3.2022)

Die Hinterlassenschaft von Kurz ist ohne den in einem demokratischen Land sonst je schon wie selbstverständlich erfolgten Rücktritt von Karl Nehammer auch die Hinterlassenschaft von Nehammer, der wiederum eine Hinterlassenschaft von Kurz ist, der selbst eine Hinterlassenschaft von …

Karl Nehammer trat zurück – als Innenminister.

Als Innenminister trat Nehammer zurück, für einen Innenminister aus dem recht erleuchteten Museumstal.

Sein Rücktritt erfolgte und die Bestellungen erfolgen nach dem in Österreich verinnerlichten Peter-Prinzip: sie werden hinaufgetreten.

Hans Rauscher stellt zwar die richtigen Fragen, aber dem Falschen. Und er, Rauscher, nimmt von dem von ihm befragten Falschen die falsche Annahme auf, er, Rauscher, erklärt sich sogar mit der vom Falschbefragten falschen Annahme einverstanden: „Wir müssen wieder in den Krisenmodus gehen.“

Es gibt Krisen, die zu bewältigen sind, und wie das getan werden kann, dafür gibt es Modi, nicht nur einen Modus …

Im real existierenden Nehammermodus muß, einfach wie kurz gesagt, in keinen Krisenmodus mehr gegangen werden.

Der Krisenmodus ist der Modus Nehammer.

Hans Rauscher bringt Beispiele vom „haarsträubenden Unsinn“ des Personals dieser derzeitigen österreichischen Bundesregierung. Und er, Rauscher, meint, „im Krisenmodus“ würden die „besten Leute“ gebraucht werden. Einverstanden.

Aber für den Modus Nehammer sind es bereits die besten Leute. Für den Nehammermodus können, damit wird auch Hans Rauscher einverstanden sein können, je keine besseren Leute mehr gefunden werden. Und unter diesen Besten als der Beste Nehammer selbst.

Nur im Modus Nehammer kann das Beste aus dem Besten gezogen werden. Um etwa aus dem dutinischen Schlund der Abhängigkeit – wie rasch doch nach Jahrzehnten die Abhängigkeit erkannt – herauszukommen, eiligst in den Schlund der nächsten Abhängigkeit wertefrei sich zu begeben, der ein und derselbe Schlund ist, ewig bereit und gierig darauf, alles zu verschlingen, alles zu zerstören, alles zu vernichten, was, einfach wie kurz gesagt, die Moderne ist. Und mit dabei unbedarft, grünwertevergessen die Ministerin, als wäre sie immer schon eine christschwarze Ministerin gewesen

Hans Rauscher fällt hierzu ein Slogan von einem österreichischen Staatsmann ein, und daß ihm, Rauscher, nur dieser Staatsmann einfallen kann, ist die Bekundung, daß es nach diesem in Österreich keine Männer und Frauen an der sogenannten Staatsspitze mehr gab, nach diesem, Österreich mehr und mehr in den personellen Bankrott schlitterte, der nun im Modus des Hinterlassenen zum totalen Bankrott sich vollendet.

Das Fazit ist, wofür ein etwas anders lautender Satz von einem Philosophen auf Österreich zuzuschneiden ist:

Es gibt keine richtige Politik mit Falschen.

„Er ist zugrunde gegangen, um nichts und wieder nichts.“

On glancing casually at Oblomov a cold, a superficially observant person would have said, “Evidently he is good-natured, but a simpleton;” whereas a person of greater penetration and sympathy than the first would have prolonged his glance, and then gone on his way thoughtfully, and with a smile as though he were pleased with something.

Auch ein kühler, flüchtiger Beobachter würde, wenn er Oblomow im Vorbeigehen angeblickt hätte, gesagt haben: »Das muß ein guter Kerl, eine treue Seele sein!« Ein Mensch mit tieferem Blicke und wärmerem Herzen würde ihm lange ins Gesicht geschaut haben und, in angenehmes Sinnen versunken, mit einem Lächeln auf den Lippen weitergegangen sein.

In Österreich, in diesem Land mit seinen Menschen mit tieferen Blicken und wärmeren Herzen, wäre simpleton wohl anders übersetzt worden, vielleicht, wenn sie es für sich gedacht hätten, mit Trottel, den im Griff zu haben, ein Leichtes ist, wie so oft in der Vergangenheit gedacht wurde, es werde ein Leichtes sein, einen solchen Einfaltspinsel im Griff zu haben, aber im öffentlichen Umgang mit ihm tun sie, die Menschen in Österreich, viele, viele Jahre so, als wäre er „unser Christkindl“, das zur Freude von allen nur Geschenke bringt, Gas, und auch Gesinnung, von der es zwar reichlich schon im Lande gibt, aber von der Österreich nie genug haben kann und vor allem will.

With Oblomov, lying in bed was neither a necessity (as in the case of an invalid or of a man who stands badly in need of sleep ) nor an accident (as in the case of a man who is feeling worn out) nor a gratification (as in the case of a man who is purely lazy). Rather, it represented his normal condition. Whenever he was at home—and almost always he was at home—he would spend his time in lying on his back. Likewise he used but the one room—which was combined to serve both as bedroom, as study, and as reception-room—in which we have just discovered him. True, two other rooms lay at his disposal, but seldom did he look into them save on mornings (which did not comprise by any means every morning) when his old valet happened to be sweeping out the study. The furniture in them stood perennially covered over, and never were the blinds drawn up.

Das Liegen war bei Ilja Iljitsch weder etwas Notwendiges wie bei einem Kranken oder bei jemand, der schlafen will, noch auch etwas Zufälliges wie bei jemand, der müde geworden ist, noch auch etwas Genußreiches wie bei einem Faulpelz; sondern es war dies sein normaler Zustand. Wenn er zu Hause war (und er war fast immer zu Hause), so lag er stets; und zwar lag er beständig in ein und demselben Zimmer, in dem wir ihn gefunden haben, und das ihm als Schlafzimmer, Wohnzimmer und Salon diente. Er hatte noch drei andre Zimmer; aber in diese warf er nur selten einen Blick, höchstens des Morgens, und auch das nicht alle Tage, sondern nur, wenn sein Diener das Wohnzimmer ausfegte, was nicht täglich geschah. In jenen Zimmern steckten die Möbel in Überzügen, und die Rouleaus waren herabgelassen.

Iwan Gontscharow, 189 Jahre nach Blaise Pascal geboren, hat eine Antwort darauf gefunden, wie das Unglück vermieden kann, indem die Menschen einfach ruhig in ihrem Bett bleiben. Damit ist zwar nicht das Unglück für den einzelnen Menschen in seinem Bett abgewendet, aber er kann über die anderen Menschen kein Unglück bringen.

Wladimir Putin, 61 Jahre nach dem Tod von Iwan Gontscharow geboren, richtet das Glück der Anderen, obgleich ein Oblomow, zugrunde. Von Glück soll gar nicht gesprochen werden. Glück, ein Wort, das nur in der Utopie existiert, in der Wirklichkeit des Menschen aber so inexistent und ewig abwesend wie das geschlechtslose Wesen, getauft auf Gott. Obgleich ein Oblomow, zerstört Putin die Existenz von Menschen, vernichtet Putin das Leben von so vielen, vielen Menschen. Sie sollen mit ihm

Did you hear the old beggar’s story?
He came to rack and ruin—though for no apparent reason.

Er ist zugrunde gegangen, um nichts und wieder nichts.

zugrunde gehen. Darin gleicht er einem Österreicher, mit dem er den Willen teilt, mit ihm auch sein eigenes Volk untergehen zu lassen, und die totale Gleichgültigkeit gegen alle Menschen.

Wenn von Oblomow gesprochen wird, ist zu hören, er ist ein Parasit, er schafft es nicht, sein heruntergekommenes, verwahrlostes Landgut in Ordnung zu bringen, er ist mit den Zumutungen der Moderne gänzlich überfordert, und er ist, einfach wie kurz gesagt, träge.

All das trifft, wird an Rußland bei Tag gedacht, auf Wladimir Putin zu.

Aber er, Putin, ist doch, wird eingewendet werden wollen, recht aktiv, tatkräftig, fällt Entscheidungen, und dennoch verkörpert er, Putin, beispielhaft die Trägheit Oblomows.

Es ist die Trägheit Oblomows, von der auch Putin vollkommen erfaßt ist. Von der Trägheit, Politik auf diese uralte, auf diese überholte, auf diese gemeingefährliche, auf diese massenmörderische Weise zu betreiben, die Trägheit, Politik nur als Krieg zu – denken müßte hier als Zeitwort folgen, aber bei einem Christkindl wohl das gänzlich falsche.

So bleibt Putin zwar tief eingemümmelt in seinem Kabinett, aber das Unglück, das Pascal, der in einem Jahr vor 400 Jahren geboren wurde, aus der Welt zu schaffen hoffte, mit seiner Erkenntnis, das Unglück käme daher, daß die Menschen nicht ruhig im Zimmer bleiben, ist auch 360 Jahre nach seinem Tod nicht aus der Welt geschafft, obgleich alle in ihrem gemachten Bett …

„All unser Unglück verdankt sich der Tatsache, dass wir unsere Bäume verlassen haben.“

„Ich habe es oft gesagt: das ganze Unglück der Menschen kommt daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“

Es gab immer die Verlockung, Blaise Pascal zuzustimmen, daß das ganze Unglück der Menschen daher kommt, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.

Ein Verdacht aber bestand stets, der verantwortlich dafür, der Verlockung zu widerstehen, Pascal zuzustimmen. Der Verdacht, daß bereits das Zimmer das ganze Unglück der Menschen ist. Daß das Unglück viel früher auf den Menschen gekommen ist. Das Unglück schuld daran ist, daß der Mensch überhaupt sich Zimmer zur Zuflucht baute.

„All unser Unglück verdankt sich der Tatsache, dass wir unsere Bäume verlassen haben.“

Es bedarf keiner Verlockung, Sylvain Tesson zuzustimmen, daß all das Unglück der Menschen sich der Tatsache verdankt, daß sie ihre Bäume verlassen haben.

Es ist lange her, daß Tesson „Petit traité sur l’immensité du monde“ schrieb und veröffentlichte. „Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt“ enthält aber nicht nur diesen Satz über all das Unglück, daß sich der Tatsache verdankt, die Bäume verlassen zu haben, sondern auch einen Bericht, der an die Gegenwart denken läßt.

„Seit dem Ende der Sowjetunion gibt es in Russland zahlreiche Anwärter für das Einsiedlerleben, die dem Lauf der modernen Welt den Rücken zu kehren, und brechen auf, um verlassene Weiler oder sogar einsame Hütten neu in Besitz zu nehmen, außerhalb der Welt. Die Flucht in die Wälder bedeutet, der modernen Scheußlichkeit die kalte Schulter zu zeigen.“

„Den Russen fällt es nicht sehr schwer, in die Wälder zurückzukehren, haben sie sie doch weitaus später verlassen als die Westeuropäer. In ihrem Blut gibt es Pflanzensaft, und in ihrer gemeinsamen Geschichte die Tradition des Vagabundentums. In bestimmten literarischen Kreisen Russlands wird die (von Tolstoi übernommene) Legende kolportiert, derzufolge Zar Alexander nach seiner Abdankung nicht gestorben sein (so die offizielle Version), sondern seinen Wanderstock genommen haben soll, um inkognito durch Russland zu streifen. Und Nikita Chruschtschow? Tönte er nicht, er wolle, sollte er eines Tages in größter Not sein, gerne wie Goethes Wanderer, das heißt als romantischer Vagabund, leben?“

„Einzuwenden ist, dass die Zurückgezogenen Russlands von der Notwendigkeit und nicht vom romantischen Impuls des Waldgängers getrieben werden. Es ist eher die Aussicht, den täglichen Borschtsch mit ein paar Pfund Bärenspeck aufzubessern, als der Durst nach Transzendentalismus, der sie unter das Blätterdach führt.“

Tesson berichtet auch von einem letzten Waldgänger, den er nach seiner Rückkehr nach Irkutsk traf.

„Haben Sie das immer schon gemacht?
Das Leben in den Wäldern? Wo denken Sie hin? Ich war früher Oberst der Luftwaffe. Ich saß am Steuer von Souchoi-Maschinen. Ich war in Moskau, Berlin, Budapest!
Aber dann?
Dann brach die UdSSR zusammen, durch Gorbatschow auf den Hund gekommen. Und nach diesem Leben hatte ich das Bedürfnis nach Stille und bin hierher gekommen. Seit zwölf Jahren habe ich keinen Fuß mehr in die Stadt gesetzt und werde nie mehr in die Welt zurückkehren.
Und warum werden Sie nie zurückkehren?
Weil es hässlich ist.“

Der Oberst hätte dazu beitragen können, die Welt weniger häßlicher zu machen, oder wenigstens die Illusion zu nähren, die Welt werde weniger häßlich, als sie es bleibend wurde, hätte er, der Oberst, den Oberstleutnant an der Hand genommen, den Oberstleutnant in den tatsächlichen Wald geführt, es wäre der Welt erspart geblieben, das wenigstens, daß der Oberstleutnant auf der Suche nach seiner letzten Eremitage noch tiefer in den Wald flieht, jetzt dabei die Ukraine mit dem Wald verwechselt, wie er zuvor schon so vieles auf die häßlichste Weise verwechselte, im Wald sich immer schon wähnend, seit mehr als zwei Jahrzehnten.

PS Sylvain Tesson hat viele Auszeichnungen bekommen, die höchsten, beispielsweise auch den Prix Goncourt. Und nun hat er eine bekommen, die ihm, auch wenn er es nicht wissend missen wird, noch fehlte, die Entschuldigung. Höchststaatspersönlich überreicht von der österreichischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, die sich „ganz offiziell bei allen Geografen“ dafür entschuldigte, den Kontinent Afrika zum „Land Afrika“ herabgestuft zu haben. Somit hat sich die Wirtschaftsministerin aus dem tirolerischen St. Johann auch offiziell bei Sylvian Tesson entschuldigt, der ein Geograph ist.

PPS Das Große hat Margarete Schramböck zum Kleinen gemacht. Wie sie wohl die Größe des müllnerischen Kunschak-Denkmals auf dem KL-Platz einschätzt, ihr das Kleine auch zum Großen erhoben?

Fernsehen der Vergangenheit

In der Fernsehanstalt des Süßwasserkleberabfüllers tritt hin der Sohn, um für Neutralität gegen Rußland zu werben, am 6. März 2022.

In der Fernsehanstalt des Sex-und-Grapsch-Fernsehmachers tritt der Vater hin, um für Verständnis gegen Putin und sein Rußland zu werben, am 7. März 2022.

Der Sohn ist dafür, sich in Österreich gegen Putin neutral zu verhalten, ein Sohn, der wie sein Vater aber sich selbst nicht neutral verhält.

Vater und Sohn, die das Wort des zurzeitigen Präsidenten des österreichischen Parlaments vollauf bestätigen können: „Gesinnungsneutral waren wir nie.“

Der Vater bringt dafür Verständnis auf, daß die, einfach wie kurz gesagt, Werte der westlichen Demokratien Putin und seiner Gesinnungsschaft zuwider sein müssen, sind es doch Werte, gegen die Sohn und Vater selbst ein Bollwerk

Am 27. Jänner 2022 etwa, so verständnisvoll gesinnungsneutral sind Sohn und Vater gegen Dugins Putin, in ihrem Bollwerk der Gesinnungswerte ein Interview mit Putins Dugin, der ehrenreicher

„Univ.-Prof. Dr. Alexander Dugin ist ein russischer Politiker, Politologe, politischer Philosoph und Publizist und lehrte an der renommierten Moskauer Lomorossow-Universität internationale Beziehungen“

nicht vorgestellt werden kann:

„Der russische Politologe Alexander Dugin über Ursachen und Hintergründe des Ukraine-Konflikts, dem Kampf globalistischer Eliten gegen Putins R­ussland und die Rolle der Europäer“

Mit dem Aufmacher dieser bollwerkischen Vaterundsohnausgabe:

„Russland-Ukraine: Schatten der Vergangenheit“

Eines kann ihnen nicht abgesprochen werden, stets selbst die Wahrheit zu sagen, wofür sie stehen, für welche sie aufstehen, auch mit diesem Aufmacher: „Schatten der Vergangenheit“.

„Schatten der Vergangenheit“, die Wahrheit bricht stets durch, die Wahrheit läßt sich nicht, mögen Sohn und Vater sich noch so recht darum bemühen, durch eine ersetzen, verdrängen, zerstören, die ihnen Wahrheit sein will.

Es ist die Freiheit der Wahrheit, in allem zu sein, auch gegen ihren Willen in ihrer Wahrheit enthalten zu sein. Es ist die Freiheit, die Sohn und Vater je nicht meinten, es ist die Freiheit, der der Vater keinen Erfolg je wünschte.

„Schatten der Vergangenheit“: Fernsehen der Gegenwart.

In Österreich das Fernsehen der letztverbliebenen Universalgelehrten. Mit dabei auch diesmal wieder eine Universalgelehrte, die über alles zu sprechen gedrängt, was die Menschen seit Anbeginn und zur Zeit bewegt: Viren, Sprache, Krieg, Demokratie …

Wer in dieser Runde allerdings fehlte, nicht mit einem Servus begrüßt wurde, ist ein Mann, der für das Fernsehen in Österreich wohl ein noch für einen recht, recht rechten Anlaß aufgesparter Universalgelehrter sein dürfte, nämlich der Mann, der vor Kurzem erst Putins Dugin interviewte, was erst hätte dieser beitragen können, mit seinem direkt erfahrenen Wissen aus Inside des dutinischen Kopfes, zur Aufklärung …

Sie würden jetzt, weil sie meinen in diesem Kapitel nichts über die Aussagen erfahren zu haben, gerne noch wissen, fragen wollen, aber was haben diese denn im Fernsehen konkret gesagt, etwa am 6. März, am 7. März zum Beispiel?

Der Inhalt? Nun, der Inhalt: Schatten der Vergangenheit.

Nach Moskau

Und wie sieht das Morgen des unabhängigeren Österreichs aus?

Gewessler, Köstinger, Nehammer reisen dafür nach – Katar, in die Vereinigten Arabischen Emirate,

Seitens des jemenitischen Premierministers Ahmed Obeid bin Daghr hieß es, die Beschlagnahmung von See- und Flughafen auf Sokotra durch das Militär der VAE sei ein „ungerechtfertigter Angriff auf die Souveränität des Jemen”.

Die UN-Resolution zur Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine ist im Sicherheitsrat erwartungsgemäß am Veto Russlands gescheitert. China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) enthielten sich bei der Abstimmung am Freitagabend in New York.

um „unabhängiger vom russischen Gas …“

Das ist das unabhängigere Morgen von Österreich. Nach Rußland. Und nicht zu vergessen. Der Iran hat ebenfalls enorm viel Gas. Vielleicht ist ohnehin schon daran gedacht, gar schon geplant, daß bald der menschenrechtsbeseelte Bundespräsident – im Iran werden seine herzlichen Glückwünsche unvergessen sein – dorthin aufbricht, um Österreich künftig noch unabhängiger von …

Das wäre doch nur folgegerichtig. Teilen Katar und Iran sich dort ein Gasfeld.

Das Positive für Nehammer, Köstinger und Gewessler wird wohl sein, sie werden dort mit nichts Neuem konfrontiert werden, sie kennen das schon alles von ihrem russischen Lieferanten – sogar das mit den Völkerrechtsverletzungen; sie sind halt doch formvollendete und gute Gastgeberinnen.

Sie meinen, dies bereits gelesen zu haben. In einem anderen Kapitel. Dann meinen Sie es richtig. Im Nachhinein stellt sich ab und an heraus, daß Stellen in einem Kapitel für sich ein eigenes Kapitel beanspruchen. Und diese Stelle der Reise von Gewessler, Köstinger und Nehammer im Kapitel Nehammer hat ordentlich von Putin gelernt ist so eine Stelle, die ein eigenes, eines neues Kapitel und zugleich verbleibend im Alten …