Jedes Volk, besonders die Menschen in Rußland, können echte Patrioten von Bastarden und Verrätern unterscheiden. Und wir werden sie ausspucken, wie ein Insekt, das uns unabsichtlich in den Mund geflogen ist. Ich bin mir sicher, daß diese notwendige und natürliche Säuberung unserer Gesellschaft unser Land nur stärken wird.
NS Es wird nicht erst seit kurzem sehr viel über sogenannte fake news gesprochen, vor allem darüber, es müsse mit Faktengegen fake news vorgegangen werden, es müsse aufgeklärt werden und so weiter und so fort. Dabei. Es genügt sehr oft, und darauf ist wohl noch viel und sehr oft hinzuweisen, die sogenannten fake news richtig zu lesen, die bereits die Wahrheit enthalten.
„Die Sonne, die uns täuscht“. So der Titel eines Films von Nikita Michalkow. Die Täuschung, die ermüdet. Derart von den Täuschungen ermüdet, reicht es bald nur noch dahin, Zitate hinzuschreiben, aus so viel vergangenen Jahren, Jahrzehnten die deutlich machen, es kann je keine Täuschung auch über Wladimir Putin und über Österreich geben …
Putin war damals Besucher eines Lesekreises, in dem Werke des Eurasiers Lew Gumilew gelesen wurden, und es war offenbar Regisseur Nikita Michalkow, der Putin die Lektüre Iljins empfahl. [8] Später schaffte es die Phraseologie Alexander Dugins in präsidialen Reden und prägte zu einem nicht unerheblichen Maß den offiziellen Diskurs russischer Machthaber.[9]
Iljins religiös-philosophisch fundiertes Staatskonzept erhielt erst im neokonservativen Denken der Ära Putin eine neue Aktualität. Im Oktober 2005 wurden – auf Initiative des konservativen Regisseurs Nikita Michalkow – Iljins sterbliche Überreste aus der Schweiz nach Moskau überführt und im Donskoi-Kloster erneut beigesetzt. Präsident Putin war bei dieser Zeremonie persönlich zugegen. Iljins Nachlass wurde mit Mitteln des Oligarchen Viktor Wexelberg aufgekauft und der Moskauer Universität übergeben. Putin selbst berief sich publikumswirksam in den föderalen Ansprachen der Jahre 2005, 2006 und 2014 auf Iljin und zitierte ihn als Gewährsmann für eine genuin russische Gesellschaftsordnung, die auf religiösen Werten beruht. Mittlerweile gehört Iljin zu den kanonischen Autoren der russischen Geistesgeschichte, deren Texte beim zentralen russischen Abitur eingesetzt werden.
In der Schweiz verherrlichte Iwan Iljin Russland, die Kirche und den Faschismus. Heute inspiriert er das Denken und Handeln Wladimir Putins.
Iljin löste mit seinem Buch Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse aus dem Jahr 1925 eine intensive Debatte über das Verhältnis von Politik und Gewalt aus. Er setzte sich in diesem umfangreichen philosophischen Werk polemisch mit Lew Tolstois berühmtem moralischen Grundsatz „Widerstehe dem Bösen nicht mit Gewalt“ auseinander. Tolstoi hatte argumentiert, dass gewaltsamer Widerstand gegen das Böse nur neues Unrecht hervorbringe. Iljin verfasste sein Buch unter dem unmittelbaren Eindruck der bolschewistischen Machtergreifung und des russischen Bürgerkriegs. Er rief auf zum Mut „zu verhaften, zu verurteilen und zu erschießen“. In einer Reihe von Vorträgen vor russischen Exilanten in ganz Europa verwies Iljin auf das Vorbild des Erzengels Michael und des Drachentöters Georg und hielt fest: „Wir werden dann siegen, wenn unser Schwert wie Liebe und Gebet sein wird, unser Gebet und unsere Liebe aber das Schwert!“ Die gewaltsame Bekämpfung des Bösen stellt aus Iljins Sicht ein notwendiges Übel dar, durch das der Verteidiger des Guten aber Schuld auf sich lädt. Nur eine anschließende religiöse Askese könne den Gotteskämpfer wieder sittlich läutern.
Iljin im heutigen Russland Um die Rezeption Iljins im heutigen Russland und einige widersprüchliche Aspekte seiner Verklärung zu verdeutlichen, müssen wir gleich auf ein Spezifikum von „Unsere Aufgaben“ hinweisen: Den erbitterten Hass auf die sowjetischen Geheimdienste und die UdSSR, welche von Iljin nicht selten als „Sowjetien“ bezeichnet wurde. Bis zu seinem Tode war Iljin überzeugter Monarchist, orthodox-christlicher Fundamentalist und Anhänger eines „einigen und unteilbaren Russlands“, eines Zarenreiches mit Finnland, Polen sowie einem Dutzend weiterer, heute unabhängiger Länder als Bestandteile. Keine andere Tugend beschrieb er in so leuchtenden Farben, wie den selbstvergessenen Dienst für die „Weiße Sache“.[5] Die Bewunderung für den europäischen Faschismus ließ bei Iljin selbst nach der Zerschlagung des NS-Regimes kaum nach. So schrieb er 1948, wenige Jahre vor seinem Tode:
„In der Zeit des Vormarschs von linkem Chaos und linkem Totalitarismus war [der Faschismus] eine gesunde, notwendige und unausweichliche Erscheinung. […] Schließlich hatte der Faschismus insofern recht, als er aus einem gesunden national-patriotischen Gefühl entstand, ohne das kein Volk seine Existenz oder Kultur behaupten kann. […] Denn man sollte immer daran denken, dass der Sozialismus antisozial ist, und soziale Gerechtigkeit und soziale Befreiung keinen Sozialismus oder Kommunismus dulden können.“[6]
Hier drückt sich Iljin sehr gezähmt aus, im Artikel „National-Sozialismus: Neuer Geist“ (1933) begrüßte Iljin die Errichtung des NS-Regimes viel leidenschaftlicher.[7]
„Die Teuerung ist ein Problem für die Menschen in unserem Land und deswegen haben wir auch schon gehandelt, um die Menschen vor der Teuerung zu schützen. Wir haben ein umfangreiches Maßnahmenpaket bereits auf den Weg gebracht. Sie wissen, äh, der Energiekostenbonus von 150 Euro, der Teuerungsausgleich, der ganz besonders auf die, äh, vulnerablen Gruppen, also auf die, äh, insbesondere einkommensschwachen Gruppen schaut, die Länder haben Heizkostenzuschüsse erhöht, wir haben die Ökostrompauschale und den Förderbeitrag ausgesetzt, also je nach Einkommenssituation eines Haushalts macht das bis zu 800 Euro in diesem Jahr aus. Aber wir sehen, die Gaspreise sind getrieben, jetzt auch durch die kriegerische Situation. Wir sehen, daß ist weiter ein Problem. Deswegen haben wir uns am Sonntag ausgetauscht, haben wir am Sonntag auch sehr viele Vorschläge diskutiert und jetzt geht’s drum, ein wirksames, ein zielgerichtetes Paket auch auf den Weg zu bringen. Daran arbeit‘ ma grad unter Hochdruck. Und wenn es fertig ist, werden wir es auch gemeinsam präsentieren und dann rasch umsetzen.“ Es gelte jetzt auf die kriegerische Situation zu reagieren, so Gewessler, kurzfristig mit Blick auf den nächsten Winter arbeite man an einer Diversifizierung der Lieferländer und an der Gasbevorratung. Längerfristig gehe es darum, die Energiewende voranzutreiben und den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu beschleunigen, so die Ministerin.
„Vulnerabel“, das ist das notierte Wort, weshalb die gewesslerische Präsentation des so ergiebigen sonntäglichen Austausches mit dem beeindruckenden Ergebnis der in Aussicht gestellten gemeinsamem Präsentation am 15. März 2022 ein eigenes Kapitel sich redlich verdiente.
Auf dieser Höhe der Zeit versteht also die Ministerin lerneifrig zu sprechen, und welches Denken mag je diesem Repräsentationssprechen zugrunde gelegt sein, wenn an die eigentliche Bedeutung dieses nun so hippen Wortes …
Vulnerabilität (Verwundbarkeit, Verletzbarkeit) bezeichnet die genetische und/oder biografisch erworbene Anfälligkeit eines Menschen oder einer Gruppe für Krankheiten oder Problemverhalten beziehungsweise die Disposition, ein Suchtverhalten oder eine psychische Krankheit zu entwickeln. Vulnerable Menschen sind damit anfällig für äussere Einflüsse und in ihrer gesunden Entwicklung stärker gefährdet als resiliente Personen. Vulnerabilität ergibt sich aus dem Vorhandensein und dem Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychischer, sozialer und physikalischer Risikofaktoren bei geringer Resilienz. Bei vulnerablen Personen können kritische Lebensereignisse und belastende Situationen die Entstehung eines Sucht- oder Problemverhaltens mit auslösen, Schutzfaktoren und Resilienz hingegen der Entwicklung einer Sucht- oder psychischen Erkrankung entgegenwirken.
Das ist eine zu zitierende Definition dieses Begriffes, die allein schon Anlaß zu einem mannigfachen Diskurs über die Verwendung dieses Wortes gibt.
Die Attribuierung konstituiert ein Gefälle: Hier die starke Helferin, dort die alte, schwache Empfängerin. Wer als vulnerabel etikettiert wird, erhält nicht einfach vermehrte Zuwendung, sondern er trägt ein Stigma, erfährt unter Umständen Diskriminierung und erlebt Bevormundung, alles unter dem Vorzeichen vermeintlichen Schutzes.
„Es ist grauslich, aber wer weiß eine andere Lösung?“, twitterte eine Kabinettsmitarbeiterin der grünen Umweltministerin Leonore Gewessler. Diese „Krot“ müsse man in der Hektik mangels Alternativen eben schlucken.
So wird eine Kabinettsmitarbeiterin der Ministerin in „Reise nach Saudi-Arabien: Schramböcks Naivität“ von Jan Michael Marchart vom 14. März 2022 im „Standard“ zitiert; sie meint damit nicht die Verwendung des Begriffs Vulnerabilität als Stigma, sondern die Diversifizierung der … und fragt rührend auch gleich, ob wer eine andere Lösung – ihre Ministerin je noch danach zu fragen, scheint ihr bei aller präsentativer Vielsprechigkeit nicht vielversprechend …
Und der nächste Winter ist nicht allzu weit entfernt, der ein sehr kalter Winter zu werden verspricht, nicht durch die Außentemperatur, sondern durch die Innentemperatur, die empfindlich herabgesenkt werden wird müssen, wenn die Preise insbesondere für das Heizen weiter derart extrem steigen, wird es ein Winter – würde gesagt werden können, wenn es in diesem Land keine Krisenerfahrung geben würde – der Krise werden, aber in einem Land der Jahreskrisenerfahrung kann der Winter nicht als abgesonderte Krisenzeit angeführt werden.
Krise, des Landes einzige Jahreszeit, Krise, Österreichs Zyklus, Krise, des Landes Periode. Auch wenn gehofft werden möchte, die Krisenperiode daure wie die Regierungsperiode im Land fünf Jahre, so ist deren Ende aber noch nicht erreicht.
So gilt es, bereits jetzt sich darauf vorzubereiten, dafür vorzusorgen. Ein Norwegerpullover mag gegen grimmige Kälte im Freien gut schützen, aber gegen die Eiseskälte in den Behausungen wird ein Norwegerpullover viel zu dünn sein, es werden viel dickere Pullover hermüssen – Nehammerpullover. Am besten, im Frühling bereits mit der Vorsorge zu beginnen, sich mit genügend Nehammerpullovern einzudecken. Dabei ist aber auf Nachhaltigkeit zu achten, diese selbst zu stricken oder zu häkeln, ganz nach dem eigenen Können, als Fortgeschrittene zu stricken, als Anfänger zu häkeln.
Weder für Anfängerinnen noch für Fortgeschrittene dürfte das Strickmuster noch das Häkelmuster für den Nehammerpullover eine besondere Herausforderung darstellen, ist es doch das ein und dasselbe einfache, wie von dessen Anleitung abzulesen ist:
Einmal 2019 Maschen Staatskrise, einmal 2020 Maschen Noch im Krisenmodus, einmal 2021 Maschen Regierungskrise, einmal 2022 Maschen Wieder in den Krisenmodus gehen und dann wieder, das kann variiert werden, Maschen Regierungskrise und Maschen Staatskrise, zu beachten dabei bloß, daß der Bund nicht mit Maschen Krisenmodus abgeschlossen wird.
Türkis wird als Farbe für den Nehammerpullover durchaus empfohlen, diese paßt hervorragend zu einer schwarzen Filzhose, aber auch zu einer grünen und ebenfalls sehr wärmenden Luis-Trenker-Hose, aber auch zu einem braunen und ebenfalls sehr warmhaltenden Winterlodenrock – der farblichen Kombination aber sind, einfach wie kurz gesagt, keine Grenzen gesetzt.
Verschwiegen soll – auch um den Verdacht des Plagiats zu entgehen – abschließend nicht werden, wem diese einfache und ebenso kurze Häkelanleitung zu verdanken ist. Einer Volkspartei, und es kann eben nur von einer Volkspartei sein, die weiß, wie Menschen sich glatt vor Krisen schützen können – durch Hilfe zur Selbstwinterhilfe.
PS Statt letzter christschwarzer Titan der Intellektualität hätte auch gesagt werden können, Ehrenritter, zu dem wurde er tatsächlich erhoben, oder schlicht demokratisch Präsident, das war Erhard Busek auch, sogar vielfacher Präsident. Eine verzeihliche Titel-Anhänglichkeit in einem titelüberreichen Land wie Österreich.
Er war Gründungsvater und Ehrenpräsident von Vienna Economic Forum, dessen Ziel die regionale wirtschaftliche Kooperation zu fördern, dessen Mitgliedsland u. a. auch die Ukraine ist.
In einem derart engen Tal wie Österreich ist es unvermeidlich, daß menschgemäß alle mit allen auf die eine und vor allem rechte Art aufeinanderstoßen …
Wir müssen wieder in den Krisenmodus gehen“, sagt Bundeskanzler Karl Nehammer zur aktuellen Lage. Einverstanden, aber dazu gibt es Fragen: In den Krisenmodus gehen mit einer Wirtschaftsministerin, die am laufenden Band haarsträubenden Unsinn verkündet, zuletzt, dass man doch das Swift-Zahlungssystem mit Händisch-Erlagschein-Ausfüllen umgehen könne? Mit einer Landwirtschafts/Tourismus/Rohstoff-Ministerin, die ihre Hauptaufgabe in Querschüssen gegen das Land Wien und in der Sicherung der Skisaison sieht? Mit einer Verteidigungsministerin, deren Heeresreform soeben vom Militärberater des Bundespräsidenten, einem Brigadier, als völlig untauglich bezeichnet wurde? Und das sind nur die auffälligsten Defizitposten in einer Bundesregierung, die auch sonst nicht durch sonderlich brillante Minister und Ministerinnen glänzt. Nehammer selbst bemüht sich um eine relativ sachliche Politik. Er verzichtet auch auf die Mätzchen von Sebastian Kurz. Aber nicht auf manche personelle Hinterlassenschaft von Kurz. Das reicht nicht „in Zeiten wie diesen“, um einen alten Kreisky-Slogan zu zitieren. Wir haben Krieg in Europa, eine drohende Energieknappheit, explodierende Pandemiezahlen und einen entsprechenden Murks in der Corona-Politik. Im Krisenmodus braucht man die besten Leute. (Hans Rauscher, 11.3.2022)
Sein Rücktritt erfolgte und die Bestellungen erfolgen nach dem in Österreich verinnerlichten Peter-Prinzip: sie werden hinaufgetreten.
Hans Rauscher stellt zwar die richtigen Fragen, aber dem Falschen. Und er, Rauscher, nimmt von dem von ihm befragten Falschen die falsche Annahme auf, er, Rauscher, erklärt sich sogar mit der vom Falschbefragten falschen Annahme einverstanden: „Wir müssen wieder in den Krisenmodus gehen.“
Es gibt Krisen, die zu bewältigen sind, und wie das getan werden kann, dafür gibt es Modi, nicht nur einen Modus …
Im real existierenden Nehammermodus muß, einfach wie kurz gesagt, in keinen Krisenmodus mehr gegangen werden.
Hans Rauscher bringt Beispiele vom „haarsträubenden Unsinn“ des Personals dieser derzeitigen österreichischen Bundesregierung. Und er, Rauscher, meint, „im Krisenmodus“ würden die „besten Leute“ gebraucht werden. Einverstanden.
Aber für den Modus Nehammer sind es bereits die besten Leute. Für den Nehammermodus können, damit wird auch Hans Rauscher einverstanden sein können, je keine besseren Leute mehr gefunden werden. Und unter diesen Besten als der Beste Nehammer selbst.
Hans Rauscher fällt hierzu ein Slogan von einem österreichischen Staatsmann ein, und daß ihm, Rauscher, nur dieser Staatsmann einfallen kann, ist die Bekundung, daß es nach diesem in Österreich keine Männer und Frauen an der sogenannten Staatsspitze mehr gab, nach diesem, Österreich mehr und mehr in den personellen Bankrott schlitterte, der nun im Modus des Hinterlassenen zum totalen Bankrott sich vollendet.
On glancing casually at Oblomov a cold, a superficially observant person would have said, “Evidently he is good-natured, but a simpleton;” whereas a person of greater penetration and sympathy than the first would have prolonged his glance, and then gone on his way thoughtfully, and with a smile as though he were pleased with something.
Auch ein kühler, flüchtiger Beobachter würde, wenn er Oblomow im Vorbeigehen angeblickt hätte, gesagt haben: »Das muß ein guter Kerl, eine treue Seele sein!« Ein Mensch mit tieferem Blicke und wärmerem Herzen würde ihm lange ins Gesicht geschaut haben und, in angenehmes Sinnen versunken, mit einem Lächeln auf den Lippen weitergegangen sein.
With Oblomov, lying in bed was neither a necessity (as in the case of an invalid or of a man who stands badly in need of sleep ) nor an accident (as in the case of a man who is feeling worn out) nor a gratification (as in the case of a man who is purely lazy). Rather, it represented his normal condition. Whenever he was at home—and almost always he was at home—he would spend his time in lying on his back. Likewise he used but the one room—which was combined to serve both as bedroom, as study, and as reception-room—in which we have just discovered him. True, two other rooms lay at his disposal, but seldom did he look into them save on mornings (which did not comprise by any means every morning) when his old valet happened to be sweeping out the study. The furniture in them stood perennially covered over, and never were the blinds drawn up.
Das Liegen war bei Ilja Iljitsch weder etwas Notwendiges wie bei einem Kranken oder bei jemand, der schlafen will, noch auch etwas Zufälliges wie bei jemand, der müde geworden ist, noch auch etwas Genußreiches wie bei einem Faulpelz; sondern es war dies sein normaler Zustand. Wenn er zu Hause war (und er war fast immer zu Hause), so lag er stets; und zwar lag er beständig in ein und demselben Zimmer, in dem wir ihn gefunden haben, und das ihm als Schlafzimmer, Wohnzimmer und Salon diente. Er hatte noch drei andre Zimmer; aber in diese warf er nur selten einen Blick, höchstens des Morgens, und auch das nicht alle Tage, sondern nur, wenn sein Diener das Wohnzimmer ausfegte, was nicht täglich geschah. In jenen Zimmern steckten die Möbel in Überzügen, und die Rouleaus waren herabgelassen.
Wladimir Putin, 61 Jahre nach dem Tod von Iwan Gontscharow geboren, richtet das Glück der Anderen, obgleich ein Oblomow, zugrunde. Von Glück soll gar nicht gesprochen werden. Glück, ein Wort, das nur in der Utopie existiert, in der Wirklichkeit des Menschen aber so inexistent und ewig abwesend wie das geschlechtslose Wesen, getauft auf Gott. Obgleich ein Oblomow, zerstört Putin die Existenz von Menschen, vernichtet Putin das Leben von so vielen, vielen Menschen. Sie sollen mit ihm
Did you hear the old beggar’s story? He came to rack and ruin—though for no apparent reason.
Er ist zugrunde gegangen, um nichts und wieder nichts.
Wenn von Oblomow gesprochen wird, ist zu hören, er ist ein Parasit, er schafft es nicht, sein heruntergekommenes, verwahrlostes Landgut in Ordnung zu bringen, er ist mit den Zumutungen der Moderne gänzlich überfordert, und er ist, einfach wie kurz gesagt, träge.
All das trifft, wird an Rußland bei Tag gedacht, auf Wladimir Putin zu.
Aber er, Putin, ist doch, wird eingewendet werden wollen, recht aktiv, tatkräftig, fällt Entscheidungen, und dennoch verkörpert er, Putin, beispielhaft die Trägheit Oblomows.
Es ist die Trägheit Oblomows, von der auch Putin vollkommen erfaßt ist. Von der Trägheit, Politik auf diese uralte, auf diese überholte, auf diese gemeingefährliche, auf diese massenmörderische Weise zu betreiben, die Trägheit, Politik nur als Krieg zu – denken müßte hier als Zeitwort folgen, aber bei einem Christkindl wohl das gänzlich falsche.
So bleibt Putin zwar tief eingemümmelt in seinem Kabinett, aber das Unglück, das Pascal, der in einem Jahr vor 400 Jahren geboren wurde, aus der Welt zu schaffen hoffte, mit seiner Erkenntnis, das Unglück käme daher, daß die Menschen nicht ruhig im Zimmer bleiben, ist auch 360 Jahre nach seinem Tod nicht aus der Welt geschafft, obgleich alle in ihrem gemachten Bett …
„Ich habe es oft gesagt: das ganze Unglück der Menschen kommt daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“
Es gab immer die Verlockung, Blaise Pascal zuzustimmen, daß das ganze Unglück der Menschen daher kommt, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.
Ein Verdacht aber bestand stets, der verantwortlich dafür, der Verlockung zu widerstehen, Pascal zuzustimmen. Der Verdacht, daß bereits das Zimmer das ganze Unglück der Menschen ist. Daß das Unglück viel früher auf den Menschen gekommen ist. Das Unglück schuld daran ist, daß der Mensch überhaupt sich Zimmer zur Zuflucht baute.
„All unser Unglück verdankt sich der Tatsache, dass wir unsere Bäume verlassen haben.“
Es bedarf keiner Verlockung, Sylvain Tesson zuzustimmen, daß all das Unglück der Menschen sich der Tatsache verdankt, daß sie ihre Bäume verlassen haben.
Es ist lange her, daß Tesson „Petit traité sur l’immensité du monde“ schrieb und veröffentlichte. „Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt“ enthält aber nicht nur diesen Satz über all das Unglück, daß sich der Tatsache verdankt, die Bäume verlassen zu haben, sondern auch einen Bericht, der an die Gegenwart denken läßt.
„Seit dem Ende der Sowjetunion gibt es in Russland zahlreiche Anwärter für das Einsiedlerleben, die dem Lauf der modernen Welt den Rücken zu kehren, und brechen auf, um verlassene Weiler oder sogar einsame Hütten neu in Besitz zu nehmen, außerhalb der Welt. Die Flucht in die Wälder bedeutet, der modernen Scheußlichkeit die kalte Schulter zu zeigen.“
„Den Russen fällt es nicht sehr schwer, in die Wälder zurückzukehren, haben sie sie doch weitaus später verlassen als die Westeuropäer. In ihrem Blut gibt es Pflanzensaft, und in ihrer gemeinsamen Geschichte die Tradition des Vagabundentums. In bestimmten literarischen Kreisen Russlands wird die (von Tolstoi übernommene) Legende kolportiert, derzufolge Zar Alexander nach seiner Abdankung nicht gestorben sein (so die offizielle Version), sondern seinen Wanderstock genommen haben soll, um inkognito durch Russland zu streifen. Und Nikita Chruschtschow? Tönte er nicht, er wolle, sollte er eines Tages in größter Not sein, gerne wie Goethes Wanderer, das heißt als romantischer Vagabund, leben?“
„Einzuwenden ist, dass die Zurückgezogenen Russlands von der Notwendigkeit und nicht vom romantischen Impuls des Waldgängers getrieben werden. Es ist eher die Aussicht, den täglichen Borschtsch mit ein paar Pfund Bärenspeck aufzubessern, als der Durst nach Transzendentalismus, der sie unter das Blätterdach führt.“
Tesson berichtet auch von einem letzten Waldgänger, den er nach seiner Rückkehr nach Irkutsk traf.
„Haben Sie das immer schon gemacht? Das Leben in den Wäldern? Wo denken Sie hin? Ich war früher Oberst der Luftwaffe. Ich saß am Steuer von Souchoi-Maschinen. Ich war in Moskau, Berlin, Budapest! Aber dann? Dann brach die UdSSR zusammen, durch Gorbatschow auf den Hund gekommen. Und nach diesem Leben hatte ich das Bedürfnis nach Stille und bin hierher gekommen. Seit zwölf Jahren habe ich keinen Fuß mehr in die Stadt gesetzt und werde nie mehr in die Welt zurückkehren. Und warum werden Sie nie zurückkehren? Weil es hässlich ist.“
In der Fernsehanstalt des Süßwasserkleberabfüllers tritt hin der Sohn, um für Neutralität gegen Rußland zu werben, am 6. März 2022.
In der Fernsehanstalt des Sex-und-Grapsch-Fernsehmachers tritt der Vater hin, um für Verständnis gegen Putin und sein Rußland zu werben, am 7. März 2022.
Am 27. Jänner 2022 etwa, so verständnisvoll gesinnungsneutral sind Sohn und Vater gegen Dugins Putin, in ihrem Bollwerk der Gesinnungswerte ein Interview mit Putins Dugin, der ehrenreicher
„Univ.-Prof. Dr. Alexander Dugin ist ein russischer Politiker, Politologe, politischer Philosoph und Publizist und lehrte an der renommierten Moskauer Lomorossow-Universität internationale Beziehungen“
nicht vorgestellt werden kann:
„Der russische Politologe Alexander Dugin über Ursachen und Hintergründe des Ukraine-Konflikts, dem Kampf globalistischer Eliten gegen Putins Russland und die Rolle der Europäer“
Mit dem Aufmacher dieser bollwerkischen Vaterundsohnausgabe:
„Russland-Ukraine: Schatten der Vergangenheit“
Eines kann ihnen nicht abgesprochen werden, stets selbst die Wahrheit zu sagen, wofür sie stehen, für welche sie aufstehen, auch mit diesem Aufmacher: „Schatten der Vergangenheit“.
Sie würden jetzt, weil sie meinen in diesem Kapitel nichts über die Aussagen erfahren zu haben, gerne noch wissen, fragen wollen, aber was haben diese denn im Fernsehen konkret gesagt, etwa am 6. März, am 7. März zum Beispiel?
Der Inhalt? Nun, der Inhalt: Schatten der Vergangenheit.
Und wie sieht das Morgen des unabhängigeren Österreichs aus?
Gewessler, Köstinger, Nehammer reisen dafür nach – Katar, in die Vereinigten Arabischen Emirate,
Seitens des jemenitischen Premierministers Ahmed Obeid bin Daghr hieß es, die Beschlagnahmung von See- und Flughafen auf Sokotra durch das Militär der VAE sei ein „ungerechtfertigter Angriff auf die Souveränität des Jemen”.
Die UN-Resolution zur Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine ist im Sicherheitsrat erwartungsgemäß am Veto Russlands gescheitert. China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) enthielten sich bei der Abstimmung am Freitagabend in New York.
Das wäre doch nur folgegerichtig. Teilen Katar und Iran sich dort ein Gasfeld.
Das Positive für Nehammer, Köstinger und Gewessler wird wohl sein, sie werden dort mit nichts Neuem konfrontiert werden, sie kennen das schon alles von ihrem russischen Lieferanten – sogar das mit den Völkerrechtsverletzungen; sie sind halt doch formvollendete und gute Gastgeberinnen.
Sie meinen, dies bereits gelesen zu haben. In einem anderen Kapitel. Dann meinen Sie es richtig. Im Nachhinein stellt sich ab und an heraus, daß Stellen in einem Kapitel für sich ein eigenes Kapitel beanspruchen. Und diese Stelle der Reise von Gewessler, Köstinger und Nehammer im Kapitel Nehammer hat ordentlich von Putin gelernt ist so eine Stelle, die ein eigenes, eines neues Kapitel und zugleich verbleibend im Alten …
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