Hans reicht, was Hänschen gelernt

Halbwahrheiten, Meinungsblasen, Propaganda, Euphemismen, Fake News, Verschwörungstheorien […]

ist auf dem Umschlag zu lesen, damit wäre alles vom Buch von Konrad Paul Liessmann gesagt, fiele dazu nicht eine weitere tiefdenkende Persönlichkeit und eine ebenso große kennende der Tierwelt ein, nämlich Markus Krall

Die Brücke ist eine Sache des Menschen. Die Natur kennt keine Brücken. Tiere folgen vielleicht ihren Bahnen, aber sie legen keine Wege an, noch weniger Brücken.

Lauter lügen, auf Seite 242 ist das zu lesen, geschrieben von Paul Konrad Liessmann, und er zitiert hier zu seinem Beistand Georg Simmel, der wußte, was Konrad Paul Liessmann noch weiß: „Der Wegebau ist eine spezifisch menschliche Leistung; auch das Tier überwindet fortwährend und oft in der geschicktesten und schwierigsten Weise einen Abstand, aber dessen Anfang und Ende bleiben unverbunden, es bewirkt nicht das Wunder des Weges. Im Bau der Brücke gewinnt diese Leistung ihren Höhepunkt.“ Und auch Friedrich Nietzsche hat zur Brücke etwas zu sagen, das zitiert ebenfalls wissend Konrad Paul Liessmann, und er, Liessmann, folgert: „Der Mensch benützt nicht Brücken, sondern er selbst wird zur Brücke, auf der andere an ein anderes Ufer gelangen werden. Was es aber bedeuten mag, den Menschen selbst als Brücke zu nehmen, hat niemand so eindringlich in Worte gefasst wie Franz Kafka“

Aber, Ameisen bauen ebenfalls Brücken, auch eine Ameise wird selbst zur Brücke, auf der andere Ameisen an das andere Ufer gelangen —

Lauter lügen, Konrad Paul Liessmann, Paul Zsolnay Verlag, 1. Auflage 2023, mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wien

[U]nd wie sagte doch Jean-Claude Juncker, der sich gerne als moralische Instanz gab: „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Haben wir das schon vergessen? Und als es darum ging, gute Stimmung für Flüchtlinge zu erzeugen, scheuten auch sogenannte Qualitätsmedien nicht davor zurück, jenseits der Fakten von […]

Konrad Paul Liessmann, auf Seite 18; zwei Jahre davor hat Jean-Claude Juncker auf Nachfrage auch dieses Zitat erklärt. Wer dieses Zitat von Jean-Claude Juncker sonst noch recht verbreitet, sind jene auch aus der Gesinnungsschaft, denen es wohl eine rechte Ehre war, ihn, Liessmann, als Mitunterzeichner des „Briefes der 800“ zu haben, mit dem sie gegen das Gendern unterschrieben,

wohl auch deshalb, wie Konrad Paul Liessmann auf Seite 18 wieder einmal auf das Gendern kommt und schreibt: „[D]ie Nonchalance, mit der in Genderdebatten Verweise auf biologische Fakten ignoriert und ins rechtskonservative Eck abgeschoben werden.“

Lauter lügen, Konrad Paul Liessmann, Paul Zsolnay Verlag, 1. Auflage 2023

Wirklich konsequent vertraten lediglich Augustinus und Immanuel Kant die Auffassung, dass es unter keinen Umständen erlaubt sein könne, zu lügen, da damit der menschlichen Kommunikation, die auf Vertrauen beruht, der Boden unter den Füßen weggezogen würde.

Unter keinen Umständen, so Liessmann auf Seite 22, könne es erlaubt sein, zu lügen; Augustinus auf Pferden allerdings

und Putin wird diese Auffassung von Kant ganz und gar teilen, dem er in Dankbarkeit für das Gelernte sein Haus …

Die „Kritik der reinen Vernunft“ als nicht mehr zeitgemäß zu verdammen, weil sich in Immanuel Kants vorkritischen Schriften Formulierungen finden, die heute den Tatbestand der rassistischen Äußerung erfüllten, mag ein Beispiel dafür sein, wie sehr ein moralischer Anachronismus blind machen kann gegenüber jenen Erkenntnisssen und Einsichten aus vergangenen Tagen, die sich alles andere als überlebt haben.

Lauter lügen, Seite 92. 2020 erhielt Dr. Susanne Schröter, zu der Konrad Paul Liessmann

Das kann nur bedeuten, dass das Andere der Freiheit, der Zwang, die Unterwerfung, als beglückende Norm empfunden wird. Zum Störenfried des Common Sense wird, wer sich dieser Norm nicht einmal widersetzt, sondern darauf verweist, dass es in diesen und ähnlichen Fragen unterschiedliche Zugangsweisen gibt, die jeder für sich entscheiden und verantworten könne. Das Anliegen des Studenten passt ins Bild. Nur ein Beispiel: Im Jahr 2019 forderten selbsternannte Antirassisten, dass ein Symposium an der Universität Frankfurt, das von der renommierten Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter organisiert worden war, abgesagt und die Professorin entlassen werden sollte, da unter anderem auch die Islamkritikerin Necla Kelek eingeladen war. Der Vorwurf des antiislamischen Rassismus war in diesem Zusammenhang zwar vollkommen unzutreffend, er zeigt aber, dass die Denunziation, die sich als Empörung tarnt, mittlerweile in bestimmten Kreisen zum Common Sense geworden ist.

auf Seite 146 schreibt, den „Immanuel-Kant-Preis“ der „Initiative Aufbruch 2016“ … nun, zu Susanne Schröter könnte viel geschrieben werden, aber es muß nicht, denn, in der heutigen Zeit ist es leicht, sich selbst zu informieren. Ein Wort, das allenthalben vorkommt, im Zusammenhang mit Susanne Schröter, ist: Kontroverse. In Österreich vielleicht von Interesse, das soll erwähnt sein, sie folgte 2018 einer Einladung des kleinen Gebirgsjägers zu einer „nicht öffentlichen Konferenz ‚Europäische Werte, Rechtsstaat, Sicherheit‘ unter Leitung des damaligen österreichischen Innenministers“, der sich dafür ihr gegenüber dankbar … Nicht alle folgten der Einladung des kleinen Gebirgsjägers, aber wenn ein scheinbar mächtiger ruft, sind Willfährige stets bereit. Wer im Gesinnungsbund des kleinen Gebirgsjägers tatsächlich willkommen ist, davon erzählen die Eingeladenen von derartigen Zusammenkünften, mögen diese Konferenz oder anders genannt werden, nicht immer so hochtrabend,

manchmal schlicht wie kurz „Podiumsdiskussion“ … Dr. Susanne Schröter erhielt den „Immanuel-Kant-Preis“ und gleich dazu das „neue Buch des Aufbruch-Mitgründers Alexander Mitsch“ … Was zu lesen vorgesetzt wird, wenn nach Alexander Mitsch gesucht wird, u. a. m. seine Forderungen: „Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe“, „Einschränkung der „Frühsexualisierung in Bildungseinrichtungen“, „deutliche Reduzierung von Abtreibungen“, mit Roland Tichy in der „Stiftung Meinung & Freiheit im Vorstand“ …

Alexander Mitsch und die „Werteunion“ — auch so eine Geschichte, und mit der „Werteunion“ noch einmal bei Markus Krall angelangt, noch so eine Geschichte mit der „Werteunion“ … eine weitere Geschichte „Werteunion“ und „AfD“, all das braucht hier nicht erzählt zu werden, es ist leicht, all dem selbst nachzugehen — Übrigens, 2022 erhielt den „Immanuel-Kant-Preis“ Birgit Kelle, in österreichischen Fernsehanstalten recht beliebt … am 7. März 2024 war es wieder einmal so weit —

und sie recht gelobt von Andreas Unterberger

Auf Seite 147 fällt ein Name auf – Richard David Precht … Konrad Paul Liessmann hebt an mit einem Bericht über eine „Utopie-Konferenz, die auf Initative von Richard David Precht im Jahre 2018 an der Universität Lüneburg stattfand, um dann über seine Lieblingsmeinung Bildung … Der „ewige Schwätzer“, wie ihn Jürge Kaube nennt, hat seine Professur in Lüneburg aufgegeben, nach seiner Äußerung bei Markus Lanz …

Denken vor dem Reden könnte helfen: Show-Philosoph Richard David Precht verplappert sich antisemitisch. Lanz findet das „richtig“ – und das ZDF liefert eine Entschuldigung, die keine ist. Welchen Beruf hat Richard David Precht? Schwer zu sagen, denn er besteht aus nichts als Meinungen, Meinungen zu allem Möglichen. Was immer ihm durch den Kopf gegangen ist, und sei es erst Minuten her, spricht er selbstgewiss aus. Das hat ihm, Verfall der Begriffe, den Ruf eines Philosophen eingetragen. Tatsächlich personifiziert Precht aber den Small Talk, der unter dem Titel „Öffentlichkeit“ beansprucht, auch ein Big Talk und also von Gewicht zu sein. So unterhält er sein Publikum. Bildung, Corona, Ukraine, Medien, Israel – es gibt kein Gebiet, auf dem Precht nicht mit scharfen, obgleich kenntnisarmen Meinungen hervortritt. Corona nichts anderes als Grippe, Trump wird 2020 wiedergewählt, Moskau steht binnen vier Tagen in Kiew.
Jürgen Kaube

Man fragt sich allerdings, warum dafür wieder einmal die Sprache geschunden werden muss. Wäre es nicht einfacher, schon den Grundschülern den Unterschied zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht klarzumachen, und sie zu einer stilvollen und sensiblen Verwendung des generischen Maskulinums zu ermuntern, die ohne HIntergedanken auskommt und im Bürger natürlich das Mitglied einer politischen Gemeinschaft erkennt, ohne Abstufung und ungeachtet seines sexuellen Selbstverständnisses?

Lauter lügen, Seite 60.

Was Hänschen gelernt, mehr braucht Hans zu lernen nimmermehr. Über das „generische Maskulinum“ hat Konrad Paul Liessmann wohl alles für ein ganzes Leben in seiner Grundschulzeit gelernt. Und das in einer Zeit, in der das „generische Maskulinum“ …

Wo kommt das generische Maskulinum, der liebste Gender-Streitapfel im Deutschen, eigentlich her? Wurde der geschlechtsunspezifisch gemeinte Gebrauch des Maskulinums irgendwann einmal bewusst eingeführt? So war es nämlich im Englischen, wo 1850 per Gesetz festgeschrieben wurde, dass als generisches Personalpronomen nicht das bis dahin übliche they (das inzwischen seine Rückkehr feiert) zu verwenden sei, sondern das aus dem Maskulinum stammende he. Aus Formulierungen wie „anyone may live their dream“ wurde: „Anyone may live his dream“. Ein vergleichbares „patriarchales normatives Ergreifen“ gab es bei uns nicht, stellt Ursula Doleschal in ihrer Rückschau der deutschen Grammatikschreibung vom 16. bis ins 21. Jahrhundert fest. Allerdings war das generische Maskulinum wohl auch nicht seit jeher so in Gebrauch, wie wir es heute kennen. Für die generische, also geschlechtsunspezifische Bezugnahme auf Personen kannten die Grammatiker der Renaissance noch ein geschlechtsneutrales „genus commune“. In der Aufklärung ab dem 18. Jahrhundert wurde das Neutrum in ähnlicher Funktion beschrieben. Spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann aber Neutrum-Ausdrucksweisen wie „Vater und Mutter sind jedes ein Mensch für sich“ als altmodisch empfunden und der generisch-maskuline Sprachgebrauch setzte sich stärker durch („jeder ein Mensch für sich“). Erst dann finden sich auch systematische Beschreibungen des generischen Maskulinums in den Grammatiken.
Martin Krohs

Auf der Rückseite

Halbwahrheiten, Meinungsblasen, Propaganda, Euphemismen, Fake News, Verschwörungstheorien […]

des Schutzumschlags ist zu lesen, damit ist alles, was im Buch …

Lauter lügen … Nicht unzitiert aber kann gelassen werden, das ist wirklich das Letzte, das doch noch zu zitieren ist, was auf Seite 36 Konrad Paul Liessmann schreibt:

Einer der verhängnisvollsten Gemeinplätze der Gegenwart besagt, dass Sprache Wirklchkeit schafft. Dieser schrängen Vorstellung verdanken wir das Binnen-I, die Gendersternchen und die Säuberung der Sprache von Begriffen, die als verletztend empfunden werden. Sprachpolizeiliche Maßnahmen lassen die Realität allerdings ungeschoren und fungieren deshalb eher als Gesinnungsnachweis und Feigenblatt für Machtansprüche aller Art. Zu diesen Strategien gehören aber auch standardisierte Formulierungen, die durchaus wohlmeinend eine Wirklichkeit suggerieren, die es nicht gibt. Dazu zählt die Aufforderung, dass Menschen auf Augenhöhe kommunizieren sollten, um Dominanzansprüche zu vermeiden und ein diskriminierungsfreies Zusammenleben ermöglichen.

Es muß dafür nicht die nun doch schon weiter zurückliegende Vergangenheit herangezogen werden, um zu zeigen, wie „Sprache Wirklichkeit schafft“, „Gesinnungsnachweis“ ist, als feigenblattlose Machtansprüche fungieren, gerade in Österreich ist dies müßig, wird hierfür nur als Beispiel die in Sprache abgefaßte „Denkschrift“

„Let’s make America great again“, eine inflationär gebrauchte Formulierung der Gegenwart, die bereits Ronald Reagan vor bald 45 Jahren in seinem Wahlkampf verwendete, und was für eine Wirklichkeit durch diese Formulierung als Beispiel geschafft wurde und weiter werden will, vor allem gepaart mit der Formulierung „America first“, nachgesprochen von vielen in anderen Ländern, die ihr Land ebenfalls first , hat Konrad Paul Liessmann nicht unrichtig beschrieben,

es ist eine Wirklichkeit, die es nicht gibt, aber gesinnungsgemäß auf Sprache erritten werden will …

Recht zum Einsatz kommen auch standardisierte Formulierungen, mit denen eine Wirklichkeit geschafft werden soll, die es nicht gibt, wie, sie seien gegen ihn — von ihm nicht als generisches, sondern als natürliches Maskulinum verwendet –, weil er für … und, auch immer wieder das Herbeireden einer Wirklichkeit, die es nicht gibt: „Einfach ehrlich“ —

Lauter lügen, ein ganzes Buch; es wurde jetzt immer von einem Buch gesprochen, aber es sind Zeitungsartikel, nur Zeitungsartikel, bloße Zeitungsartikel zu einem Buch gebunden. Das ist nichts Ungewöhnliches, Zeitungsartikel zu binden, das wird wohl jede Redaktion auch heute noch machen, ihre Artikel binden, zwischen zwei Deckeln, für den Archivkeller … Zeitungsartikel, nach dem Motto, das ein Schriftsteller einst als Buchtitel nahm: „Was der Tag mir zuträgt“, im Dialekt gesprochen: „Was der Dag …“

Er sei, ist auf dem Schutzumschlag zu lesen, „ein großer Philosoph unserer Zeit, ein Universalgelehrter, der wahnsinnig informativ …“

PS Die in Schutzpapier eingewickelten Zeitungsartikel wurden in einem Waggon auf der Reise von Wien nach Villach von einer Reisenden vergessen; das wurde aber zu spät bemerkt, um sie, die in Wöllersdorf ausstieg, noch darauf aufmerksam machen zu können, sie habe vergessen, ihre Lektüre wie ihre Heute und ihre Jause wieder in ihren Rucksack zu packen. Es wird wohl auch so etwas wie ein freudsches Vergessen geben, aber es ist müßig, spekulieren zu wollen, weshalb sie lauter lügen vergessen …

„How many bubbles in a bar of soap?“

Wer in Österreich Staatsbürgerin werden will, muß einem „Staatsbürgerschaftstest“ sich unterwerfen, wer in Österreich Staatsbürger werden will, hat je nach Bundesland unterschiedliche Fragen, die sich auch auf das jeweilige Bundesland, in dem die um die „Staatsbürgerschaft“ Bemühenden ihren Wohnsitz haben, beziehen, zu beantworten.

„Wie viele Blasen macht ein Stück Seife?“ Diese Frage wird in keinem Bundeslandtest gestellt. Es ist aber eine Frage, die in einem Land einst gestellt wurde, jedoch nicht um eine „Staatsbürgerschaft“ zu erlangen, sondern das Recht, zu wählen. Und diese Frage, wie viele Blasen mache ein Stück Seife, fällt beim Lesen der Fragen zur Erlangung der österreichischen „Staatsbürgerschaft“ unweigerlich ein, hängt doch mit der „Staatsbürgerschaft“ untrennbar zusammen das Recht, zu wählen. Über die Testfragen also zur Erlangung der „Staatsbürgerschaft“ zum Wahlrecht, das ist der Weg, um in Österreich das Recht verliehen zu bekommen, zu wählen. Wenn u. a. m. die Prüfung bestanden wird, mit Fragen, die an die Frage zum Erlangen des Wahlrechts, wie viele Blasen mache ein Stück Seife, an die Frage zur Wahlzulassung, wie viele Blasen mache ein Stück Seife …

„Mit welcher Bahn würden Sie von Wien nach Wr. Neustadt fahren?“ Das wird in Niederösterreich gefragt. „Südbahn“ ist eine unter vier Antworten vorgegebene Antwort zum Ankreuzen; es sind stets vier Antworten vorgegeben, aus denen die „richtigen Antworten“ auszuwählen sind. Wer würde schon sagen, „mit der Südbahn“, die meisten würden sagen, mit der Schnellbahn; manche pedantische Person würde vielleicht hinzufügen, sie fahre mit der S-Bahn von Wien nach Wiener Neustadt, die auf der Südbahn verkehrt …

„Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges endet auch die Monarchie. 1918 wird die Republik Österreich ausgerufen. Wer wurde der erste Staatskanzler? Johann Schober – Sebastian Kurz – Josef Klaus – Karl Renner“ … Das wird in Wien gefragt. Ein sozialdemokratischer Mann und drei christlichsoziale Männer werden als Antworten zum Raten vorgegeben. Einer davon, Sebastian Kurz – nicht nur Fragen, auch Antworten erinnern an die einstige Frage, wie viele Blasen … Johannes Schober, an den erinnert bloß noch die Forderung von Karl Kraus:

„Ich fordere Sie auf, abzutreten.“

„Wie heißt der derzeitige Bundeskanzler bzw. die derzeitige Bundeskanzlerin? Sebastian Kurz – Brigitte Bierlein – Christian Kern – Karl Nehammer“, das wird auch in Salzburg gefragt, und wieder als eine der Antworten Seb. Kurz —

Und eine weitere Frage in Salzburg: „Wer prägte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Tod 1989 entscheidend die Salzburger Festspiele? Christian Kern – Karl Heinrich Waggerl – Tobias Reiser – Herbert von Karajan“ … Wie viele Blasen mache ein Stück Seife? Tobias Reiser, der Sohn? Oder Tobias Reiser, der Vater? Tobias Reiser, der Vater als „überzeugter Nationalsozialist“ mit seinem „Maxglaner Zigeunermarsch“ aus 1971, der „bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am 9. Juni 2006 bei einer Plattlereinlage einem breiteren Publikum bekannt“ gemacht wurde — in Deutschland, seinem „Trachtenverbot für Juden“, mit seinem mit Karl Heinrich Waggerl initiierten „Salzburger Adventsingen“, mit seiner Gründung des „Salzburger Heimatwerkes“ … Oder doch Tobias Reiser, der Adventvolkswerksingheimatfußstapfensohn … Karl Heinrich Waggerl, der Adventler der Identitären … Die Antwort ist der Generalmusikdirektor; Christa Ludwig hätte sofort das Rechte anzukreuzen gewußt und vielleicht so manch recht gute Erinnerung hinzugeschrieben, wenn es erlaubt wäre, ausführlich zu antworten …

„Welche Familie regierte ab dem Jahr 1273 Österreich“ Die „Familie von und zu Guttenberg“ aus Deutschland als eine der Antworten vielleicht deshalb, weil ein Mitglied aus dieser eine österreichische Privatstiftung seit 2009 und ein Mitglied aus dieser erst vor kurzem im aschermittwöchlichen Klagenfurt in 2024 aufgetreten ist und vom Bundeskanzler in seiner Rede immer wieder direkt angesprochen wird, er ihn dabei stets bei seinem Vornamen aufruft, als säße im Saal vor dem um Applaus bittend redenden Bundeskanzler einzig „Karl-Theodor“ …

„Von wem wurde Niederösterreich 1529, 1532 und 1683 schwer angegriffen?“ „Von wem wurde Niederösterreich 1529 und 1683 schwer angegriffen?“ Fragen —

„Wie viele Blasen macht ein Stück Seife?“

„Wie lange dauerte die Römerzeit?“ Eine Frage in Salzburg. „Was ist das Budget?“ Eine weitere … „Was ist ein Diktator?“ Eine Frage in Tirol. „Zu welcher Besatzungszone gehörte Osttirol?“ Eine weitere …

„Wie viele Blasen …“

In Oberösterreich. „Auf welche Zeit gehen die ältesten Hinweise auf menschliches Leben im Raum des heutigen Oberösterreich zurück? Völkerwanderung – Römerzeit – Altsteinzeit – Bronzezeit“ …“In Kremsmünster, Engelhartszell (Engelszell), St. Florian, Aigen-Schlägl, Wilhering, Lambach, Schlierbach und Reichersberg befinden sich Einrichtungen des religiösen Lebens. Um welche Einrichtungen handelt es sich? Fabriken – Schulen – Klöster – Fahrschulen“ …

„… Blasen …“

Das also sind die Fragen mit ihren vorgegebenen Ankreuzungen in den Bundesländern, den schon genannten und den weiteren Bundesländern Burgenland, Oberösterreich, Vorarlberg, Steiermark …

„Nach dem Aussterben der Babenberger wurde Otakar II. Premysl in Österreich Landesfürst. In welchem Land war er schon vorher König?“ „Wodurch endete die Römerzeit?“ „Welcher Fluss bildete in der Römerzeit die Grenze zum Römischen Reich?“ “Seit wann ist das ‚Dachsteinlied‘ die offizielle Landeshymne?“

„How many bubbles in a bar of soap?“

“Wann wurden im Burgenland politische Gegner, Juden, Sinti und Roma besonders verfolgt? Nach dem Ersten Weltkrieg – In den sechziger Jahren – Vor und während des Zweiten Weltkrieges – Vor dem Ersten Weltkrieg“ …

„Wie viele Blasen macht ein Stück Seife?“

Diese Frage ist aus einem Artikel, erschienen am 20. August 1957 im „Spiegel“, über das Wahlrecht in den USA; wie ungeniert damals, vor siebenundsechzig Jahren, das Wort „Neger“ verwendet wurde, mit was für einer Selbstverständlichkeit. Ach, wie viel hat sich doch in beinahe sieben Jahrzehnten zum Besseren gewandelt, im Spiegel, in den jetzt auch Menschen nicht nur morgens schauen können, die weit von sich weisen würden, eine Prüfung zur Erlangung des Wahlrechts zu verlangen, und ganz und gar wohlüberlegte Fragen und ihre ganz und gar recht überlegte Antworten denen stellen, die die österreichische „Staatsbürgerschaft“ erwerben möchten, in der unerschütterlichen Überzeugung, eine derartige Prüfung zur Verleihung der „Staatsbürgerschaft“ ist unumgänglich, mit der auch das Wahlrecht …

Wie finster es einmal war, wofür dieser Artikel ein Beispiel, um das zu veranschaulichen, und wie hell es seitdem geworden ist, scheint es angebracht, zur Feier der Gegenwart, diesen Artikel in seiner Gesamtheit zu zitieren …

Wie viele Blasen macht ein Stück Seife?
Am 11. August 1956 erklärte Gouverneur James P. Coleman von Mississippi, daß die Neger in seinem Staate das volle Wahlrecht genießen. Die Präsidentschaftswahlen im folgenden November zeigten indes ein ganz anderes Bild: Als die Neger ihre Bürgerrechte wahrnehmen wollten, wurden sie in fast jedem der 82 Landkreise von Mississippi daran gehindert, wurden eingeschüchtert und sogar bedroht. Gouverneur Coleman selbst hatte 1954 als Generalstaatsanwalt von Mississippi eine Statistik über die Beteiligung der Neger an den Wahlen zusammengestellt. Sie zeigte, daß sich in 13 Landkreisen überhaupt kein Neger, in neun Landkreisen nur sechs und in 29 Landkreisen weniger als hundert Neger in die Wahllisten hatten eintragen lassen. Zweifellos wußte der Gouverneur auch, warum sich in Mississippi – wie in anderen Südstaaten der USA – so wenige Neger in die Wahllisten eintragen. Nehmen wir das Beispiel des Landkreises Lowndes. Dort gibt es 9200 wahlberechtigte Neger, aber nur 52 ließen sich bei den Wahlen registrieren. Die Neger erhielten anonyme Briefe wie etwa den, der einen Mann namens Caleb Lide erreichte: »Letzte Warnung. Wenn Du lebensmüde bist, dann wähle und stirb.« Im Landkreis Forrest – dort trugen sich 16 von 13 000 Neger-Wählern in die Listen ein – verschwand plötzlich der Registrierbeamte, als sich Neger für die Wahl anmelden wollten. Als sie ihn schließlich aufgetrieben hatten, hieß es, sie sollten später wiederkommen; dann sagte man ihnen, die Wahllisten für Neger stünden gerade jetzt nicht zur Verfügung; ein anderes Mal rief man ihnen ein glattes »Nein!« entgegen. Oder man prüfte die staatsbürgerliche Reife eines schwarzen Wählers mit der Frage: »Wie viele Blasen macht ein Stück Seife?« Einige Neger in diesem Landkreis zahlen ihre Wahlsteuer seit mehr als 30 Jahren in der verzweifelten Hoffnung, eines Tages wählen zu dürfen. Im Landkreis Humphreys durften die Neger bis 1953 nicht einmal die Wahlsteuer zahlen, die den Neger in den Südstaaten zur Eintragung in die Wahllisten berechtigt. Als 17 Neger schließlich den Sheriff des Landkreises verklagten, verbot ein Bundesgericht diese Praktiken. 1953 durften 485 Neger ihre Wählsteuer bezahlen. Aber gegen diese 485 begann bald eine harte Einschüchterungs-Kampagne, so daß sich nur 200 von ihnen registrieren ließen. Ein Jahr später waren es nur noch 126. Unmittelbar vor den Gouverneurswahlen im Jahre 1955 gab es noch 92 Neger-Wähler. Sie hielten jedem Druck stand, bis die Gegenseite zum Revolver griff. Am 7. Mai 1955 wurde einer der Negerführer des Landkreises Humphreys, Pfarrer George W. Lee, aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Seine Mörder wurden niemals gefaßt. Der Sheriff behauptete, Lee habe wahrscheinlich einen Herzanfall erlitten und sei kurz darauf gestorben; bei den Bleikugeln im Gesicht des Lee handele es sich möglicherweise um Plomben aus seinem Gebiß. Mit dieser Erklärung war der Fall erledigt. Dann trat der »Weiße Bürgerrat« (eine Art Nachfolgeorganisation des Ku Klux Klans) auf den Plan. Er kontaktierte den Neger-Führer Gus Courts und erklärte ihm: »Wir werden nicht erlauben, daß Neger in unserem Landkreis wählen. Sie aber versuchen, die Neger für die Wahl zu mobilisieren. Wir werden Ihnen das Handwerk legen.« Und sie taten es. Am 25. November 1955 wurde Gus Courts in seinem Kolonialwarenladen angeschossen und schwerverletzt; auch in diesem Fall wurden die Schüsse aus einem fahrenden Auto abgegeben. Gus Courts überlegte nicht lange. Er packte seine Sachen und verließ Mississippi. Gelingt es aber den Negern, ihren Stimmzettel abzugeben, so wird er oft ignoriert. Das zeigt das Beispiel der sogenannten Vorwahlen (Primaries). Bei den Vorwahlen von 1955 wies der Vorsitzende der Demokratischen Partei von Mississippi, Tom Tubb, die Parteileitungen in den Landkreisen an, die Neger -Stimmen nicht mitzurechnen**. Er begründete: Die Neger hielten ohnehin nichts von den politischen Grundsätzen der Demokratischen Partei Mississippis und seien daher nicht geeignet, an den Vorwahlen teilzunehmen. Zu diesen politischen Grundsätzen zählte Tubb die Rassentrennung, die Wahlsteuer, die Gesetze gegen rassische Mischehen und »die Traditionen des Südens«. Die Neger waren auf diese Weise nachträglich von den demokratischen Vorwahlen ausgeschlossen worden – den einzigen Wahlen, die in Mississippi von Bedeutung sind. Im Landkreis Bolivar gibt es das Städtchen Mound Bayou, das ausschließlich von Negern bewohnt wird. Ihre Stimmzettel sind noch nie gezählt worden. (Neger-)Bürgermeister Ben Green sagt: »Sie können ja unsere Stimmzettel in den Papierkorb werfen, aber es ist unser gutes Recht, wenigstens den Stimmzettel abzugeben. Wir werden weiterwählen.« Von den 700 Neger-Wählern des Städtchens zahlen 295 ihre Wahlsteuer und wählen, obwohl sie wissen, daß es nur eine leere Geste ist. Im Sommer des letzten Jahres überprüfte die Bundeskriminalpolizei (FBI) eine Reihe von Klagen, die von Negern aus Mississippi und anderen Südstaaten stammten. Am 24. Oktober 1956 veröffentlichte der stellvertretende (Bundes-) Justizminister Warren Olney, Leiter der Kriminalabteilung im Washingtoner Justizministerium, einen Zwischenbericht über die Untersuchungen des FBI. Da die Präsidentschaftswahlen bevorstanden, warnte Olney: »Wir werden jeden Fall gerichtlich verfolgen lassen, bei dem feststeht, daß einem Bürger wegen seiner Hautfarbe das Wahlrecht verwehrt wurde.« Entrüstet wandte sich der Gouverneur von Mississippi gegen die Erklärung Olneys. »Kein Bürger aus Mississippi hat jemals die Verfassung verletzt«, wetterte er. »Wer eine solche Beschuldigung erhebt, begeht Massendiffamierung. Wir werden persönlich vor jedem Bundesgericht erscheinen, wo Menschen aus Mississippi wegen dieser aufgebauschten Behauptungen angeklagt werden. Und wir werden die Bürgerrechte jedes Menschen aus Mississippi vor einem Schwurgericht, das mit Mississippi-Bürgern besetzt ist, wahren.« Der letzte Teil dieser Erklärung hatte freilich für die Neger einen faden Beigeschmack. Denn ihnen erscheint es überaus unwahrscheinlich, daß jemals ein Geschworenengericht des Staates Mississippi einen weißen Wahlbeamten, einen Sheriff, einen demokratischen Politiker oder einen Führer des »Weißen Bürgerrates« verurteilen wird, nur weil er sich ein so leichtes Vergehen, wie die Verletzung des Wahlrechts der Neger zuschulden kommen ließ.
*Aus der amerikanischen Zeitschrift »The Reporter«. ** Die Vorwahlen sind Abstimmungen innerhalb einer Partei, in denen die Kandidaten für öffentliche Ämter nominiert werden. Zu den Vorwahlen sind auch Bürger zugelassen, die keine Parteimitglieder sind. Werden die Negerstimmen nicht mitgerechnet, so wird praktisch nur mit weißen Stimmen entschieden, wer als Vertreter seiner Partei für ein Amt kandidieren darf.
Edward Gamarekian

Die Algorithmen, der Menschen Ich im eigenen Haus?

Vor fünfundachtzig Jahren starb Sigmund Freud, von dem seit einhundertundfünfundzwanzig Jahren wieder und wieder variantenreich vorgetragen wird, der Mensch sei nicht Herr im eigenen Haus, der Mensch sei nicht Herr seiner selbst, das Ich sei nicht Herr im eigenen Haus, und nun, fünfundachtzig Jahre nach seiner Lebensaufgabe, einhundertfünfundzwanzig Jahre nach seiner zum Evergreen gewordenen Proposition schickt der Algorithmus, wenn es denn ein Ich gibt, sich an, so jedenfalls scheint es, Herr im Haus, im eigenen Haus des Menschen Herr, das Ich zu sein.

Wie anders kann es denn verstanden werden, wenn der Algorithmus vorschlägt, wem zu folgen wäre, was gefallen könnte, etwa fpö nein, weil vorschlägt, es könnte fpö nein, weilHarald Vilimsky“ und „Gerald Grosz“ und „FPÖ_TV“ und „Heimo Lepuschitz“ gefallen, der Algorithmus vorschlägt, fpö nein, weil sollte „Björn Höcke“ und „Harald Vilimsky“ und „Gerald Grosz“ folgen, all das kann der Algorithmus doch nur vorschlagen, wenn er, der Algorithmus, mehr über fpö nein, weil weiß, als fpö nein, weil selbst über sich weiß, wenn der Algorithmus der Herr, das Ich im Haus von fpö nein, weil … Denn. Es muß dem Algorithmus doch bekannt sein, daß fpö nein, weil weder Gerald Grosz noch Harald Vilimsky noch FPÖ_TV noch Björn Höcke weder je gefällt noch je bereit ist, diesen zu folgen. Und dennoch schlägt der Algorithmus diese unentwegt, unbeirrbar vor.

Es kann doch auch anders verstanden werden. Der Algorithmus, auch kein Herr seiner selbst, wird verwendet, um das Geschäft von diesen zu besorgen, also auch denen einzureden, es könnte ihnen, um bei diesen Beispielen zu bleiben, ein „Gerald Grosz„, ein „Harald Vilimsky„, ein „Björn Höcke“, das „FPÖ_TV“ gefallen, die bislang davor gefeit waren, an ihnen Gefallen zu finden, die bislang davor gefeit waren, ihnen zu folgen.

So wird es zu verstehen sein, der Algorithmus ein Knecht im Hausdienst … ein im Auftrag programmierter Knecht, mürbe zu machen —

Und nicht wenige erliegen dem Algorithmusknecht, meinen, gegen den Algorithmusknecht zu agieren, wenn sie ihm nachgeben und plötzlich beginnen jenen zu folgen, von denen sie meinen, sie würden entgegengesetzte Meinungen vertreten, die also, so meinen sie, durch den Algorithmusknecht nicht ihre eigene Blase weiter bedienen lassen wollen … Für den Algorithmusknecht aber ist das nur eine weitere Vollzugsmeldung — Und jene, denen der Algorithmusknecht neue, weitere Follower zuführt, können prusten, so viele, viele Folgende

„Woke-Wahnsinn und Cancel-Culture-Diktatur“

Dirk Stermann, Christoph Grissemann: Meine Damen und Herren! Ein großer Applaus für Paulus Manker!

Grissemann: Lieber Paulus! Paulus Manker! Lieber Paulus!

Grissemann: Dieses Buch hat Paulus Manker herausgebracht. Alma-Mahler-Album. Es ist wirklich ein prachtvoller Bildband. Weihnachten steht mehr oder weniger vor der Tür. Ist ein tolles Geschenk, oder, kann man sagen.

Grissemann: Du gilst natürlich, ich habe das vorher schon angedeutet, als schwierig, als einer, der mit seinen Schauspielern auch nicht immer nobel umgeht. Wieso hat Dich eigentlich der Woke-Wahnsinn und die Cancel-Culture-Diktatur noch nicht niedergestreckt?

Paulus Manker: Ich gehe phantastisch mit meinen Schauspielern um.

Grissemann: Man hört, Du schreist herum, schlägst Leuten, die zu Besuch sind, Handys aus der Hand, weil sie nicht telefonieren sollen.

Manker: Das Publikum behandle ich schlecht.

Grissemann: Du bist ein interessanter Tyrann.

Manker: Das stimmt. Da muß man eingreifen, wenn die Leute während der Vorstellung ihre Aufnahmen machen oder dazwischen reden oder es kommt auch Nacktheit vor und sie machen blöde Bemerkungen, gibt’s ein paar auf die Finger.

Grissemann: Genau, gewalttätig.

Manker: Wie in amerikanischen Filmen die Brille aus dem Gesicht reißen und draufsteigen.

Grissemann: Wurde der Spiegel schon einmal aufmerksam auf diese Zustände am Set? Du bist geliefert jetzt.

Manker: Dein Bruder, sein Bruder, der behauptet, daß er Kulturchef vom Profil ist, traut sich nicht über Ulrich Seidl kritisch zu schreiben, weil er mit ihm seit Jahren verbandelt ist. Jetzt bist Du dran!

Grissemann: Ich gebe Dir hier das Forum, etwas Kritisches über Ulrich Seidl zu sagen. Was hat er sich denn zu Schulden kommen lassen?

Manker: Es ist ein zweischneidiges Schwert.

Manker: Ich habe auch einmal mit ihm eine Theaterproduktion abgebrochen.

Grissemann: Was kann man ihm vorwerfen, dem Sparta-Dreh?

Manker: Ich weiß es nicht.

Grissemann: Ich weiß es nicht. Interessante Antwort. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Manker.

Manker: Ich war nicht in Rumänien, ich kann jetzt weder was Schlechtes noch was Gutes sagen. Die haben eine große Besonderheit und Qualität, die Filme vom Seidl.

Grissemann: Das habe ich nicht gefragt. Ich habe gefragt, welche Vorwürfe.

Manker: Er ist schon in der österreichischen Filmlandschaft ein ganz Besonderer. Man muß ihn nicht mögen, aber der internationale Success und die Bedeutung, die er für unser Land bringt, ist beachtlich.

Grissemann: Das waren also die Vorwürfe gegen Ulrich Seidl, während des Sparta-Drehs.

Manker: Ich habe Seidl nichts vorzuwerfen, er ist kontroversiell, der Künstler hat kontroversiell zu sein.

Stermann: Du bist selber kontroversiell. Ich wollte Dich was fragen. Ich bin seit 35 Jahren in Wien, ich weiß nicht wie oft ich gelesen habe, daß Dun ein Enfant terrible bist.

Manker: Irgendein blöder Journalist hat das erfunden, alle anderen haben es abgeschrieben, weil sie zu blöd sind, sich was Neues auszudenken.

Das sind Zitate aus dem Geplänkel Grissemann-Stermann-Manker vom 13. September 2022. Willkommen Österreich. Daß es hierbei nicht nur, einfach wie kurz gesagt, um „Gags, Gags, Gags“ geht, offenbart vor allem der Teil über den Bruder des einen Moderators. Es wird ernst, wenn es um Verwandschaftliches, wenn es um Verbandelungen geht. Wenn das angesprochen wird, was in Schweigen, Österreich nicht anzusprechen ist, vor allem dann, wenn dabei Verbandelungen, Verwandschaftliches … Es darf lustig zugehen, wenn es gegen Dritte geht, was für ein „Gag“, er gehe phantastisch mit seinen Schauspielern um, nur das Publikum behandle er schlecht …

Und was für ein „Gag“ vom moderaten Bruder: Woke-Wahnsinn und Cancel-Culture-Diktatur

… der kleine Gebirgsjäger wird wohl schon notiert haben:

Engagieren, nicht nur für den nächsten Aschermittwoch.

In der Dokumentation „Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film“ kommt der moderate Bruder auch vor –, es wird ein Ausschnitt aus „Willkommen Österreich“ vom 4. April 2018 gezeigt, und wieder „Gags, Gags, Gags“

Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film: Paulus Manker scherzt öffentlich unverhohlen über seinen Umgang mit Schauspielenden.

Grissemann: 60 ist er vor kurzem geworden. Hier ist der phantastische Paulus Manker.

Grissemann: Du bist eigentlich ein sehr liebenswerter Mensch, wie wir vorher erwähnt haben.

Grissemann: Und die Schauspieler, die mit Dir gearbeitet haben, berichten davon, daß es phantastisch war, daß Du natürlich ein Besessener bist, daß es auch viele blaue Flecken gibt. Du verlangst den Schauspielerinnen

Manker: Nur auf der Seele.

Grissemann: Na, auch an den Armen.

Stermann: Ist das weniger schlimm?

Manker: MeToo ist an mir spurlos vorübergegangen.

Grissemann: Ja, das hat mich auch gewundert, daß Dein Name nie auftaucht.

Manker: Nicht der Funke eines Verdachts.

Stermann: Warst du enttäuscht oder warst Du

Manker: Bissel schon. Ich habe mir schon etwas erhofft, daß man

Grissemann: Ja.

Stermann: Aber Du hast zum Beispiel mit der

Manker: Aber ich habe sehr viel Geld und habe das natürlich so erledigt.

Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film: Am Ende lehnt Paulus Manker ein Interview erneut ab. Wir senden Paulus Manker daher per Mail Fragen und eine Liste mit allen Vorwürfen. Daraufhin antwortet sein Anwalt. Selbstverständlich werde sich seine Mandantschaft zu unseren entbehrlichen und völlig unangemessenen Fragestellungen nicht äußern. Und er schreibt: Ich ersuche um Verständnis, daß meine Mandantschaft kein Interesse daran hat, offensichtlich provokative Anfragen zu beantworten. Er kündigt stattdessen eine Rufschädigungsklage an.

Was erst wird ein „Kolumnist, Kommentator“ bei oe24.tv verdienen, wenn schon ein G. G. von den Fellners mit „Zwetschken“ entlohnt wird?

Am 20. Februar 2024 dankt Gerald Grosz auf oe24.tv Moderator Fellner für sein Entgelt:

Gerald Grosz: Ich muß ehrlicherweise sagen, selbst wir in diesem Zwetschkensender haben mehr Marktanteil als der Herr Böhmermann im Öffentlich-Rechtlichen. Das mußt auch einmal zusammenbringen. Nur der Herr Böhmermann verdient Millionen. Wir, wie gesagt, Zwetschken – Danke, Niki!

Neben ihnen dabei Sebastian Bohrn-Mena; Gerald Grosz, und also nicht nur er, ist wöchentlich zu einer bestimmten Zeit auf Sendung bei den Fellners, es kann gesagt werden, mit einer fixen Arbeitszeit, wofür, das versteht sich von selbst, auch ihm eine ihm angemessene Entlohnung zusteht, wie all den anderen, die wöchentlich zur ihnen fix vorgeschriebenen Arbeitszeit zu Fellners …

Als was könnte die Arbeit mit fester Arbeitszeit, die von dieser Anstalt wie von jeder Fernsehanstalt durch ihre Programmsendeleiste vorgegeben sein wird, wie in einem Dienstverhältnis er es sich also nicht frei einteilen wird können, wann er zur Arbeit aufbricht, wann er mit seiner Arbeit aufhört, von ihm und den weiteren bei den Fellners bezeichnet werden? Als Stellenbeschreibung kann die Bezeichnung „Kommentator“, mit der heute, am 28. Februar 2024, Karl Wendl Peter Westenthaler vorstellt, genommen werden, und auch eine weitere, die von Peter Westenthaler ebenfalls unwidersprochene von Karl Wendl mehrmals vorgebrachte Bezeichnung: „Kolumnist“ —

Karl Wendl: Auf dem Ticket der FPÖ am Küniglberg künftig tätig sein. Ehrenamtlich. Peter Westenthaler ist unser erfolgreicher Kolumnist hier bei uns oe24.tv und jetzt das Engagement beim ORF.
Peter Westenthaler: Zunächst ist mir einmal wichtig, alle Seher von oe24.tv zu beruhigen, ich bleibe euch erhalten, also die Sendung ist davon nicht berührt. Mittwoch Fellner-Live Cap-Westenthaler, Donnerstag Wahlbarometer, das geht so weiter. Es ergänzt sich sogar ganz gut, weil dann kann ich immer gleich aus den Sitzungen des Stiftungsrates berichten.

Eine

Kapitelüberschrift will sich nicht mehr schreiben lassen, es fällt zu Martin Engelberg, einfach wie kurz gesagt, keine Kapitelüberschrift mehr ein, es fällt bloß noch auf, die Farbe seines Kopfes und die der Bretter, der ihn einschließenden Bretter, mit denen er sich umgibt, in seinem Video vom 23. Februar 2024, das er gleich zur Urteilsverkündigung produzierte, es stellt sich bloß die Frage ein, hat sein Kopf die Bretter verfärbt oder haben die Bretter seinen Kopf verfärbt …

Beim Waschen, das ist bekannt, ist die Gefahr des Verfärbens groß, werden Wäschestücke unterschiedlicher Farben achtlos zusammen gewaschen, und Martin Engelberg wäscht und wäscht auf diese Weise schon lange, wie, als zu ihm noch Überschriften einfielen, wie zum Kapitel, das nur mit „Waschgang in Österreich“ überschrieben werden konnte. Und kaum, daß er, Engelberg, von Dritten auf einiges in seinem Bretterverhau produziertem und sogleich verbreitetem Video aufmerksam gemacht wird, daß es so nicht ganz stimme, wie er es darstelle zur Verteidigung seines Herrn Meier, der vermeint, es sei das Urteil, ja, eigentlich das gesamte Gerichtsverfahren gegen ihn, Meier, „ungerecht“, schreit er, Engelberg, auf, wieder auf der Konzernplattform X: „Lasse mich nicht mundtot machen…“ und schmückt diesen seinen Aufschrei mit seinem Foto aus seinem Video — mit verfärbtem Kopf oder mit verfärbten Brettern.

Und schlüpft damit, macht es sich auch bequem in die Rolle des Opfers, wie sein Mann, und so weit kann Solidarität gehen, bis zur Identifikation mit dem von ihm verteidigten Mann, das nicht mehr gesagt werden kann, wer sagt „Genug ist genug“ … zwei Körper, ein Geist —

Ein Geist, dem weder mit dem einen noch mit dem zweiten Körper je einfiele, „Genug ist genug“ zu einem Mann zu sagen, der eine rechtsextrem religiöseste Regierung anführt, dem ebenfalls noch Verurteilungen bevorstehen, und sollte er ebenfalls verurteilt werden, was wird dieser Geist dann sagen,

sollte Corinna Milborn ihn wieder zu einem Interview laden, wie in diesen letzten Februartagen 2024,

der eine christidentitärtürkise Regierung anführte, für kurz, das

Mein damaliger Kabinettschef Bernhard Bonelli ist auch verurteilt worden. Das ist ein vierfacher Familienvater, der, der einer der gläubigsten Menschen ist, die ich kenne […]

wird er nicht sagen können, aber ähnliches vielleicht, ist doch der Anführer der rechtsextrem religiösen Regierung auch ein mehrfacher Familienvater und, vielleicht nicht so gläubig wie der verurteilte Kabinettschef, doch auch gläub…

„Was dir gefallen könnte“

Es geht die Mär, der Algorithmus liefere nur das, was einem Menschen gefällt, der Algorithmus erzeuge nur, was die verfestigte Meinung eines Menschen bestätigt, der Algorithmus fülle nur die eines Menschen Blase ständig auf, damit er je nicht auf dem Trockenen … und diese Mär findet Verbreitung durch die Höchsten in einem Staat bis zu den höchsten Anderen in einem Staat …

„Was dir gefallen könnte“, schlägt auf der Konzernplattform X, um diese Mär mit einem Beispiel von diesem Tag, 25. Februar 2024, zu veranschaulichen, dessen Algorithmus „Christian Hafenecker, Harald Vilimsky, FPÖ-TV“ vor,

der Algorithmus vermeint, fpö nein, weil „könnte FPÖ-TV, Harald Vilimsky, Christian Hafenecker gefallen“

Was sagte, um es mit einem Beispiel zu veranschaulichen, Christian Hafenecker, versuchte etwa der Algorithmus der Konzernplattform Eks ihm einzureden, es könnte ihm fpö nein, weil gefallen?

Christian Hafenecker hat nicht bestätigt, daß ihm fpö nein, weil gefällt, aber was er davon hält, das sehr wohl:

Das ist ja wirklich unlesbar, stilistisch und grammatikalisch völliger Mist!

Es kann ihm, Hafenecker, fpö nein, weil dennoch gefallen, auch wenn es für ihn „Mist“ ist, und wer könnte darüber je in Erstaunen

Milei holt seine Hayek-Medaille am 22. Juni ’24, Krall, Fortschrittsexperte für „Wahlrecht“ und „Bonobo-Gesellschaft“, hat seine Hayek-Ehrenmünze schon ’23 geholt

Javier Milei reist also nicht in das Mekka seiner Ökonomie nach Österreich zuerst, sondern nach Hamburg, Deutschland, um dort …

Die Friedrich August v. Hayek-Gesellschaft verleiht in diesem Jahr die Hayek-Medaille an Javier Milei, der im vergangenen Dezember mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten der Argentinischen Republik gewählt wurde. Der Preisträger wird die Ehrung am 22. Juni im Rahmen der Hayek-Tage in Hamburg entgegennehmen. Der Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft, Prof. Dr. Stefan Kooths, würdigt ihn als ambitionieren Reformer im Sinne Hayeks und der österreichischen Schule der Ökonomie. Mit seinem freiheitlichen […]

vielleicht wäre Javier Milei aber recht lieber in Österreich zuerst, im Land seines Idols — um den „“Hayek Lifetime Achievement Award“ des Hayek-Institutes zu holen. Aber, was nicht ist, kann noch werden … das Hayek-Institut wird doch der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft darin nicht nachstehen wollen, auch auf sich den zurzeitigen Glanz eines ihr gesinnungsgemäßen Präsidenten — Und so könnte es ja 2024 dazu kommen, daß Javier Milei auch nach Österreich noch …

Die Hayeks vergeben recht ordentlich viele Preise — Award, Medaille, Münze … Und immer an recht verdiente Personen. So erhielt am 16. November 2023 Dr. Markus Krall die Ehrenmünze des Hayek-Vereins Dresden e. V.

Markus Krall, bei dem sich etwa auch das Hayek-Institut in Österreich informiert — „Was Sie schon immer über Inflation wissen wollten“.

Und darüber wird Markus Krall ebenso recht alles wissen, wie der nunmehrige Glanz der Hayeks.

Markus Krall bekam die Ehrenmünze des Hayek-Vereins Dresden für „seine Verdienste um die Österreichische Schule der Nationalökonomie“ … Markus Krall ist wie der nunmehrige Glanz der Hayeks für viele Preise wert, sind doch seine Verdienste unzählig, es soll nur dies hervorgehoben werden, seine Gedanken zur Reform des Wahlrechts, was heißt Reform, seine Revolution des Wahlrechts; das Wahlrecht tiefer gedacht hat wohl noch … in einem Gespräch mit Roland Tichy hat Markus Krall seine tiefsten Gedanken, die er wohl je gedacht hat, zum Wahlrecht und zu den Bonobos so recht uneigennützig unter dem Titel „Aufruf zur bürgerlichen Revolution“ heraufgeholt …

Krall: Unsere Demokratie, so wie sie als Parteiendemokratie konstruiert ist, davon lebt, daß die Politik als Karrieresystem gewählt wird, indem sie das Geld anderer Leute nimmt und umverteilt. Also man kauft eine Gefälligkeit, nämlich die Wahlstimme Dritter durch das Geld anderer Leute. Und das ist eigentlich, wenn man es ganz brutal formuliert, die Grunddefinition von Korruption. Wenn ich mit dem Geld anderer Leute Dritte zu einem Wohlverhalten im meinem Sinne bewegen möchte. Das ist Stimmenkauf mit anderer Leute Geld. Das ist das, was passiert. Und das läßt das System entgleisen. Das ist der Motor der ständig steigenden Transfers. Und dieser Wählerstimmenkauf ist aus politischer Sicht und aus Sicht der Politiker natürlich rational. Weil denen geht es natürlich nicht um die Transferns. Die Transfers sind ihnen herzlich egal, wenn Sie mich fragen. Die Transfers sind für die ein Mittel zum Zweck, nicht um den Leuten irgendwelche vermeintliche oder tatsächliche Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, sondern weil sie gewaltige Ströme an Geld in Gang setzen.
Tichy: Das ist auch eine klassische Position, die kennen wir seit Jahrzehnten. Aber was ist jetzt konkret […]
Krall: Wenn man das verhindern will, daß die Politik quasi es sich zum Geschäftsmodell macht, an diesen Strömen von Geld, die sie selbst in Gang setzt unter dem Motto Gerechtigkeit, obwohl es nicht um Gerechtigkeit geht, den Löffel da reinhält und dann sich selbst korrumpiert, bereichert, dann muß man ans Wahlrecht ran. Und dann muß man dem Mechanismus, der dazu führt, daß man überhaupt Menschen dazu bringen kann, ihre Wählerstimme gegen Gefälligkeiten zu verkaufen, und nichts anderes passiert da ja, wenn ich also jemanden wähle, weil er mir Transfers verspricht, dann verkaufe ich mein demokratisches Wahlrecht fürn Linsengericht. Das ist das, was da passiert. Also schlage ich vor, das Wahlrecht zu erweitern, und zwar jede Legislaturperiode. Daß jeder für eine Legislaturperiode sich aussucht, was will ich? Will ich wählen oder will ich Transfers? Also wenn der Unternehmer eine Subvention haben will oder ich sag mal auch, wenn ich ein Transfer haben will, weil ich ein Bauherrenmodell fahr oder weil ich eine Windmühle kauf und daran Rendite erwirtschafte und es dann subventioniert wird, wenn ich also das möchte, so ein Transfer, dann darf ich nicht wählen. Das ist ganz brutal. Das ist die klare Ansage. Entweder wähle ich oder ich bekomme Transfers. Ich kann einmal in einer Legislaturperiode entscheiden. Wenn ich wählen will, dann kriege ich keine Transfers, dann werden die einfach nicht auszbezahlt. Dann darf ich auch keine Geschäfte machen, die dazu führen, daß sie mir zufließen. Oder ich wähle.
Tichy: Also Studenten, die BAföG beziehen, nicht wählen?
Krall: Nein.
Tichy: Oder eben auf BAföG verzichten.
Krall: Auf BAföG verzichten.
Tichy: Sozialhilfeempfänger?
Krall: Das gleiche.
Tichy: Auf Sozialhilfe verzichten?
Krall: Ja.
Tichy: Wählen oder Sozialhilfe?
Krall: Genau. Entweder oder.
Tichy: Joe Kaeser von Siemens?
Krall: Das kannst du vergessen, der wählt 300 Jahre lang nicht, soviel Subventionen wie der bekommt.
Tichy: Seine Mitarbeiter auch oder nur er als Person?
Krall: Das müßte man noch diskutieren, wem sie zugute kommen. Aber letzten Endes, wenn ich für ein Unternehmen arbeite, das von Subventionen lebt, dann erhalte ich Subvention.
Tichy: Dann darf die Belegschaft nicht wählen.
Krall: Dann muß ich mir aussuchen, wo ich arbeite, will ich in einem Unternehmen arbeiten, das von Subventionen lebt, oder will ich in einem Unternehmen arbeiten, das vom Markt lebt.
Tichy: Das kann man dann jede Legislaturperiode neu?
Krall: Jeder entscheidet für sich neu, will ich das, will ich das nicht. In der Legislaturperiode gilt das dann und in der nächsten Legislaturperiode wird die Uhr sozusagen zurückgestellt. Was ist das Ergebnis von so einer Politik oder so einem System?
Tichy: Dann laß ich mir doch meine Wahlstimme abkaufen.
Krall: Ne, das können Sie dann nicht mehr. Im Moment ist das so, sie können ihre Wahlstimme verkaufen für ein Transfer.
Tichy: Ich wähle halt nicht, dann kriege ich Geld.
Krall: Ja, das ist die Frage. Wie viel Geld kriegen sie dann noch. Wenn nur noch die wählen dürfen, die keine Transfers wollen, dann werden die sparsamer damit umgehen, das heißt, Transfers werden im jeden Fall schrumpfen. Und wenn die Transfers schrumpfen, dann werden viele in das kalte Wasser geworfen. Dann müssen sie sich neu orientieren und aus ihrem Transferleben aussteigen. Das wird am Anfang hart für den einen oder anderen, aber am Ende wird es so sein, daß die Leute, wenn sie nicht mehr abhängig sind vom Staat, nach meiner persönlichen festen Überzeugung, glücklicher sein, als wenn sie abhängig sind.
Tichy: Das würde z. B. bedeuten, daß die die noch wählen dürfen, die Sozialhilfe halbieren?
Krall: Nehmen wir das einmal als Beispiel her. So, das würde dann bedeuten, daß wir sehr viel weniger Transferempfänger haben, da würden dann sehr viele Leute sagen, Okay, das ist jetzt nicht mehr so bequem, diese Hängematte ist jetzt sehr fadenscheinig, da will ich nicht mehr darin liegen, die ist jetzt auch naß und kalt, und das ist alles nicht mehr so das Wahre, also werde ich hart arbeiten, um da rauszukommen, so wie man es früher in den 50er, 60er und 70er Jahren auch gemacht hat. Das war ja nicht so, daß das jetzt etwas völlig Neues wäre, daß die Leute mit harter Arbeit auch aus einer Notsituation herauskommen. Es ist nur so, daß wir uns einbilden, wir hätten die Ressourcen, daß das nicht mehr notwendig wäre. Aber wir werden demnächst feststellen, daß wir diese Ressourcen nicht mehr haben, und sofern ist es normal zu sagen, man muß den Leuten starke Anreize geben, um aus der Abhängigkeit rauszukommen, und wenn dann also nur noch die wählen dürfen, die keine Transfers beziehen, dann werden die sparsamer damit umgehen, dann wird das Thema Sanktionen, ob das Bundesverfassungsgericht dann sagt, daß die Kürzungen gegen die Menschenwürde verstoßen oder nicht, spielt in diesem System dann keine Rolle mehr. Im Übrigen ist das Transfersystem der eigentliche Angriff auf die Menschenwürde, weil er den Menschen in eine Abhängigkeit führt, im Grunde in eine Sklaverei. Was das mit Menschenwürde zu tun haben soll, ihm Anreize zu geben, aus dieser Abhängigkeit auszubrechen, das wird sich mir in diesem Leben nicht mehr erschließen.
Tichy: Das heißt, sie würden sagen und schreiben dies auch, wir sind eine halbfreie Gesellschaft.
Krall: Das ist so.
Tichy: Weil wir gekauft sind?
Krall: Nicht nur deswegen. Wir sind eine halbfreie Gesellschaft, weil wir durch die Transfermentalität in Abhängigkeit gehalten werden, wir sind in einer Art, wenn man so will, Bevormundungsstaat, bei dem die Politik uns sagt, uns Wohlverhalten abringt, mit Hinweis auf die Transfers, die wir von ihr bekommen. Wir haben gleichzeitig eine Situation, daß die Politik sich einen Propagandaapparat zugelegt hat, von gigantischen Ausmaßen, der sehr einseitig operiert und in einer Gesellschaft, die einseitig informiert wird, ist sowieso die Frage des Werts des Wahlrechts in Frage gestellt, und zwar nicht von denen, die sagen, wir müssen die Gesellschaft befreien, sondern von denen, die auf den Sesseln sitzen und sagen, wir manipulieren die Gesellschaft, mit Notching, Framing und mit dem ganzen neun Milliardenbudget des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und mit der Gleichschaltung von Medien, die alle in eine Richtung laufen, wie sollen wir da eine freie Gesellschaft sein?
Tichy: Niemand wird gezwungen zu schreiben […]
Krall: Niemand wird gezwungen, es ist nur so, daß die Medien es geschafft haben, das sich selbst anzutun. Na ja, mit den Wölfen heulen, ist einfacher als gegen den Strom schwimmen. Es ist natürlich so, daß, die meisten Medien sind heute ganz klar, im besten Falle, sag ich mal, links orientiert und im üblichen Falle eigentlich sozialistisch, also nicht nur einfach ein bisschen links, sondern richtig sozialistisch orientiert, in unterschiedlicher Verkleidung. Und wir bekommen eigentlich einen Einheitsbrei an Kommunikation serviert, also wie sollen wir da frei sein. In anderen Ländern, wenn sich Staaten sich erlauben, quasi die Information für den Bürger zu monopolisieren oder stark zu steuern, sagen wir auch, das kann ja nicht sein. Ja, aber bei uns würde das plötzlich alles in Ordnung sein. Das Thema Medien und einseitige Information macht uns zu einer halbfreien Gesellschaft. Dann haben wir den Versuch.
Tichy: Ein entscheidender Punkt, weil wer nicht informiert ist, kann nicht wählen.
Krall: Wer nicht informiert ist, kann jedenfalls nicht informiert wählen. Wählen kann er wohl, aber die Frage ist, wählt er informiert. Wie will er in der Lage sein, seine eigenen Interessen richtig zu analysieren. Ich bezweifle, daß der Transferempfänger, der für Transfers stimmt, wirklich für seine langfristigen Interessen stimmt. Er stimmt für seine kurzfristigen Interessen. Damit kommen wir zurück zu dieser Frage der kurzfristigen und langfristigen Interessen des Menschen. Wenn der Zins auf null ist, dann sind langfristige und kurzfristige Interessen identisch. Und es gibt eine Tierart, bei der das der Fall ist. Das sind die Bonobos. Bei den Bonobos, die wirtschaften, als gäbe es kein Morgen. Genau. Bei denen gibt es kein Morgen. Es wird nicht gespart, zurückgelegt oder sowas. Der Zeithorizont ist ganz ganz kurz. Und in dem Ökosystem, in dem sie leben, geht das auch. Aber da wirds natürlich keinen gesellschaftlichen Fortschritt geben. Die werden in einer Million Jahre noch Bonobos sein. Und deswegen führt diese Zeitgleichschaltung der Konsumpräferenz durch den Nullzins, die macht uns eigentlich zu einer Bonobo-Gesellschaft

Empfängerinnen bekannt

Kathrine Kressmann Taylor läßt in ihrem Briefroman Martin Schulse am 12. Februar 1934 an Max Eisenstein schreiben: „Max, mein alter Freund“ …

Nun ist Max wieder sein „alter Freund“, nachdem er von Max nichts mehr wissen wollte, Max verboten hat, ihm weiter Briefe zu schreiben, nachdem er der Schwester von Max, mit der Martin einmal eine „stürmische Affäre“ hatte, nicht geholfen hat, die Schwester von Max ermordet ist, schreibt Martin Schulse am 12. Februar 1934:

Max, mein alter Freund, mein Gott, Max, weißt Du überhaupt, was Du anrichtest? […] Ich schreibe diese Bitte an Dich aus einer Verzweiflung heraus, die Du Dir nicht vorstellen kannst. […] Diese Briefe, die Du mir geschickt hast. Ich werde ihretwegen zur Rechenschaft gezogen. Die Briefe werden mir nicht zugestellt, sondern ich werde aufs Amt zitiert. […] Wie kannst Du, ein langjähriger Freund, mir das antun? Begreifst Du eigentlich, hast Du irgendeine Vorstellung davon, daß Du mich zugrunde richtest? Schon jetzt zeitigt Dein Wahnsinn schreckliche Folgen. Ich bin harsch aufgefordert worden, von meinem Amt zurückzutreten. […] Und Elsa, der ich nicht ein Wort davon zu sagen wage, ist bestürzt, weil die Parteimitglieder ihre Einladungen ablehnen und Baron Freische nicht mit ihr spricht, wenn sie sich auf der Straße begegnen. Ja, ja, ich weiß, warum Du so handelst – aber verstehst Du denn nicht, daß ich nichts machen konnte? Was hätte ich tun können? Ich habe mich nicht einmal getraut, es auch nur zu versuchen. Ich bitte Dich inständig, nicht meinethalben, aber wegen Elsa und der Kinder – denk daran, was es für sie bedeutet, wenn ich verhaftet werde und sie im ungewissen sind, ob ich lebe oder tot bin. Weißt Du, was es heißt, in ein Konzentrationslager gebracht zu werden? Willst Du, daß ich vor die Wand gestellt werde und sich die Gewehrläufe auf mich richten? Ich flehe Dich an, hör auf damit. Mach dem ein Ende, solange noch nicht alles zerstört ist. Ich fürchte um mein Leben, Max, um mein Leben. Bist Du es, der das tut? Das kannst nicht Du sein. Ich habe Dich wie einen Bruder geliebt, mein alter Max. Mein Gott, hast Du kein Mitleid? Ich bitte Dich, Max, hör auf damit, hör auf damit! Beende es, solange es mich für noch Aussicht auf Rettung besteht. Ich bitte Dich von ganzem Herzen und aus alter Freundschaft darum.

Wer da um sein Leben fleht, ist ein Nationalsozialist. Aber er fleht den falschen Menschen an, er fragt den falschen Menschen, ob er wisse, was er anrichte, er appelliert an den falschen Menschen, damit aufzuhören, das zu beenden. Denn. Max schickt bloß Briefe an Martin nach Deutschland, aus Kalifornien. Wer aber Martin in das Konzentrationslager nur bringen kann, wer aber Martin nur umbringen kann, das ist einzig seine Kameraderie der Partei des Österreichers, so wie sein nationalsozialistischer Haufen die Schwester von Max umgebracht hat. Darüber schreibt Martin am 8. Dezember 1933 an Max:

Heil Hitler! Ich bedaure sehr, Dir schlechte Nachrichten übermitteln zu müssen. Deine Schwester ist tot. Unglücklicherweise war sie – so wie Du selbst gesagt hast – wirklich verrückt. Vor knapp einer Woche kam sie hier an, verfolgt von einem Haufen SA-Leuten. Bei uns ging es sehr hektisch zu – seit der Geburt des kleinen Adolf im letzten Monat steht es um Elsas Gesundheit nicht zum besten. […] Wie der Zufall es will, bin ich es, der die Tür öffnet. Erst denke ich, eine alte Frau stünde vor mir, doch dann schaue ich ihr ins Gesicht, und dann sehe ich, daß die SA gerade durch das Parktor gerannt kommt. Kann ich sie verstecken? Die Chancen stehen eins zu tausend. Jeden Moment kann einer der Angestellten herbeieilen. Kann ich es verantworten, daß das Haus durchsucht wird, während Elsa krank im Bett liegt? Kann ich es wirklich riskieren, festgenommen zu werden und alles zu verlieren, was ich hier aufgebaut habe, weil ich einer Jüdin Unterschlupf gewähre? Natürlich habe ich als Deutscher eine unmißverständliche Pflicht. Sie hat auf der Bühne ihren jüdischen Körper vor reinen, jungen deutschen Männern zur Schau gestellt. Ich sollte sie festhalten und dem SA-Trupp übergeben. Aber das bringe ich nicht über mich. „Du wirst uns alle ins Verderben stürzen, Griselle“, sage ich zu ihr. „Lauf zurück, tiefer in den Park hinein.“ Sie schaut mich an, lächelt (sie war immer ein tapferes Mädchen) und trifft ihre eigene Entscheidung. „Ich will dir keinen Schaden zufügen, Martin“, sagt sie und rennt die Stufen hinunter und dann auf die Bäume zu. Aber sie muß müde gewesen sein. Sie läuft nicht sehr schnell, und die Männer der SA haben sie entdeckt. Ich bin hilflos. Ich gehe ins Haus, und nach wenigen Minuten hört sie auf zu schreien. Am nächsten Morgen habe ich den Leichnam ins Dorf zur Beisetzung bringen lassen. Es war verrückt von ihr, [von Wien] nach Deutschland zu kommen. Arme kleine Griselle. Ich trauere mir Dir, aber wie Du sehen kannst, war ich außerstande, ihr beizustehen.
Ich muß Dich nun ernsthaft bitten, keinen Kontakt mehr mit mir aufzunehmen. Jedes Schreiben, das zu Hause eintrifft, wird von der Zensur geprüft, und ich vermag nicht zu sagen, wann sie beginnen, auch die Briefe an die Bank zu öffnen. Und ich werde auch keine Geschäfte mehr mit Juden machen, mit Ausnahme der Geldeingangsbestätigung [aus der in den USA gemeinsam betriebenen Kunstgalerie]. Es ist für mich nicht gut, daß eine Jüdin zu mir geflüchtet ist, um Unterschlupf zu finden. Weitere Verbindungen sind inakzeptabel. Ein neues Deutschland beginnt Gestalt anzunehmen. Unter unserem glorreichen Führer werden wir der Welt bald großartige Dinge zeigen.

Wie schnell Freundschaften zerbrechen. Der erste Brief von Max Eisenstein an Martin Schulse ist datiert mit dem 12. November 1932, der letzte von Martin Schulse an Max Eisenstein mit dem 12. Februar 1934. Wie schnell Freundschaften zerbrechen, auch solche, die durch ein gemeinsames Geschäft mehr abgesichert zu sein scheinen, sogar solche, die dem Freundschaft aufkündigenden Menschen Geldeinnahmen bescheren, auf die er trotz aufgekündigter Freundschaft dennoch nicht verzichten will …

Und wer hat nicht von Freundschaften, von Familien in der Zeit der Pandemie, die neunzig Jahre später seit ihrem Ausbruch nicht einmal vier Jahre her ist, gehört, die ebenso rasch …

Mehr als die zerbrochene Freundschaft, mehr als die ermordete Griselle, mehr als der Mord an Martin durch seine Partei, deren österreichischer Anführer, ein kleiner Gefreiter und Namensgeber für Martins Sohn, ist in diesem Briefroman von Interesse, wie rasch es dazu kam, ist von Interesse, weil es nicht zu diesen Morden hätte kommen müssen. Wenn —

Am 10. Dezember 1932 schreibt Martin in seinem ersten Brief an Max:

Hochwertige Lebensmittel sind ausgesprochen teuer, und es gibt politische Unruhene, selbst jetzt noch, unter der Präsidentschaft Hindenburgs, eines feinsinnigen Liberalen, den ich sehr bewundere.

Diese Fehleinschätzung, diese Täuschung, wohl auch willkommene Selbsttäuschung, zu was „feinsinnige Liberale“ imstande und nicht imstande sind, sie werden „großartige Dinge“ zu verhindern wissen, und wohl auch schon gepaart mit Verlockungen zum eigenen Fortkommen. Martin schreibt unmittelbar anschließend an seine Bewunderung für den „feinsinningen Liberalen“:

Alte Bekannte beginnen mich bereits zu bedrängen, ich solle mich für ein Amt in der Stadtverwaltung zur Verfügung stellen. Dieses Ansinnen will ich gern bedenken, denn es könnte uns hier von Nutzen sein, wenn ich mich in öffentlichen Angelegenheiten engagierte. Was Dich angeht, mein guter Max, wir haben Dich allein gelassen, aber Du darfst kein Misantrhop werden. Sieh zu, daß Du schnell eine nette, dicke, kleine Frau findest, die sich um Dein Wohlergehen kümmert und Dich fleißig bekocht, bis sich Deine Laune wieder aufheitert.

Martin ermahnt Max, er dürfe kein „Misantrhop“ werden, und Martin weiß zu diesem Zeitpunkt schon, adressiert nicht an sich selbst, was aus ihm werden wird, in kürzester Zeit: ein Menschenfeind … Und wie hergerichtet und zugerichtet Martin und seine Frau zu diesem Zeitpunkt schon für die Gesinnung des Österreichers sind, schreibt er im selben Brief. Martin und Elsa wollen „noch fünf Jungen mehr“ … Im Brief vom 10. Dezember 1932 schreibt Martin auch dies:

Ach, Max, wie immer verrate ich mich selbst. Obwohl du während unserer stürmischen Affäre geschwiegen hast, weißt Du, daß mir die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Du hast mir, Deinem Freund, nie einen Vorwurf gemacht, während Deine kleine Schwester litt. Und ich hatte immer das Gefühl, Du wußtest, daß auch ich litt, ganz furchtbar sogar.
Was konnte ich denn tun? Da waren Elsa und meine kleinen Söhne. Es gab keine andere Möglichkeit. Dennoch empfinde ich eine Zärtlichkeit für Grisellle, die auch dann noch andauern wird, wenn sie längst einen viel jüngeren Mann gefunden hat, der sie lieben und heiraten wird. Die alte Wunde ist verheilt, aber die Narbe juckt zuweilen, mein Freund.
Ich bitte Dich, ihr unsere Adresse zu geben. Wir sind so nah an Wien, daß sie das Gefühl haben kann, nicht weit von ihr sei ein Zuhause für sie. Elsa weiß nichts von der alten Leidenschaft zwischen uns, und du kannst Dir vorstellen, mit welcher Wärme sie Deine Schwester willkommen hieße — so, als hieße sie Dich willkommen. Ja, Du mußt ihr sagen, daß wir hier wohnen, und dränge sie, so bald wie möglich mit uns Kontakt aufzunehmen. Gratuliere ihr bitte recht herzlich von uns zu ihrem Erfolg.

Am 21. Januar 1933 schreibt Max:

Mein lieber Martin, ich war froh, daß ich Griselle Deine Anschrift geben konnte. […] Was für ein fröhliches Fest wird das, wenn sie Euch alle wiedersieht. […] Wer ist dieser Adolf Hitler, der in Deutschland augenscheinlich an die Macht strebt? Was ich über ihn höre, mag ich gar nicht.

Martin antwortet am 25. März 1933.

Lieber alter Max, du hast bestimmt von den neuen Ereignissen in Deutschland gehört und wirst wissen wollen, wie es sich für uns aus der Innensicht darstellt. Um die Wahrheit zu sagen, Max, ich glaube, daß Hitler in einiger Hinsicht gut für Deutschland ist, aber sicher bin ich mir nicht. Er führt nun als Kanzler die Regierungsgeschäfte, und ich denke, selbst Hindenburg könnte ihn jetzt nicht mehr stürzen, da er ja gewissermaßen gezwungen war, ihn an die Macht zu bringen. Der Mann ist wie ein elektrischer Schock, so stark, wie nur ein begnadeter Redner oder ein Fanatiker es sein kann. Aber ich frage mich, ob er richtig im Kopf ist. Seine Braunhemden sind nichts als Pöbel. Sie plündern und haben mit böser antijüdischer Hetze begonnen. Aber vielleicht sind dies nur Nebensächlichkeiten, der leichte Schaum an der Oberfläche, der entsteht, wenn eine große Bewegung zu siegen beginnt. Denn ich sage Dir, mein Freund, da ist eine Woge — eine mächtige Woge. […] Ein Führer ist erkoren! Gleichwohl stelle ich mir selbst vorsichtig die Frage, ein Füher wohin? […] Vor andren Leuten äußere ich selbstverständlich keine Zweifel. Ich bin jetzt im öffentlichen Dienst und arbeite in der neuen Regierung. Also zeige ich mich lauthals erfreut. Von den Beamten treten alle, die ihre heile Haut zu schätzen wissen, schleunigst den Nationalsozialisten, der NSDAP, bei. Das ist der Name von Herrn Hitlers Partei. Aber das geschieht nicht nur aus Berechnung, da ist mehr, ein Gefühl, daß wir Deutschen unsere Bestimmung gefunden haben und die Zukunft in einer überwältigenden Welle auf uns zurollt. Wir müssen mit ihr gehen. Auch jetzt geschieht noch Unrecht. Die SA-Truppen feiern im Augenblick Siege; blutig geschlagene Gesichter und gebrochene Menschen legen davon ein trauriges Zeugnis ab. Aber diese Dinge gehen vorüber. Wenn das Ziel am Ende richtig ist, verschwinden sie und sind vergessen. Die Geschichte wird auf ein weißes, neues Blatt geschrieben werden.
Die einzige Frage, die ich mir stelle — und nur Dir mitteile, niemand anderem hier kann ich mich anvertrauen –, lautet: Ist das Ziel richtig? Ist die Leitidee, der wir folgen, besser als eine andere? […] Dem Herrn sei Dank, daß es ein wahrer Führer ist und nicht ein Engel des Todes, dem sie so freudig folgen. Max, nur Dir allein kann ich eingestehen, daß ich zweifle. Ich hege Zweifel, aber ich hoffe.

Am 18. März 1933 antwortet Max:

Lieber Martin, ich bin in Sorge über die Flut der Presseberichte über Dein Vaterland, die zu uns herüberschwappt. Da wir lauter widersprüchliche Geschichten erfahren, wende ich mich natürlich mit der Bitte um Aufklärung an Dich. Ich bin mir sicher, die Dinge können nicht so schlimm sein, wie sie dargestellt werden. Ein schrecklicher Pogrom, so lautet die übereinstimmende Meinung der amerikanischen Zeitungen.
Ich weiß, Daß Du ein liberaler Geist und Dein mitfühlendes Herz keine Bösartigkeiten tolerieren würde und daß ich von Dir die Wahrheit erfahren werde. […]

Am 9. Juli 1933 schreibt Herr Schulse:

Lieber Max, wie Du sehen kannst, schreibe ich auf dem Geschäftspapier meiner Bank. Dies ist notwendig, denn ich habe eine Bitte an Dich und möchte dabei die neue Zensur umgehen, die äußerst streng ist. Wir müssen für den Augenblick aufhören, uns zu schreiben. Selbst wenn ich kein offizielles Amt bekleidete, wäre es für mich unmöglich, mit einem Juden zu korrespondieren. Sollte ein Kontakt unumgänglich sein, dann lege den Brief den Bankauszügen bei. Schreibe mir nicht mehr an meine Privatadresse. […]

Max am 1. August 1933:

Ich finde nach dem letzten Brief, den Du mir geschickt hast, keine Ruhe mehr. Diese Worte klangen so wenig nach Dir, daß ich den Inhalt nur Deiner Angst vor der Zensurstelle zuschreiben kann. Der Mann, den ich wie einen Bruder geliebt habe, dessen Herzen immer vor Sympathie und Freundschaft übersprudelte, kann doch unmöglich, und sei es in untätiger Mitläuferschaft, an der Abschlachtung eines unschuldigen Volkes teilhaben. Ich vertraue Dir und bete, daß ich Deine Lage richtig verstehe. Ich erwarte keine ausführliche Erklärung von Dir, die Dich in Schwierigkeiten bringen könnte — nur ein einfaches „Ja“. Das wird mir sagen, daß Du den notwendigen opportunistischen Part spielst, aber daß Dein Herz sich nicht gewandelt hat, daß ich mich nicht in meinem Glauben getäuscht habe. Du seist immer ein Mann von feinem, liberalem Geist gewesen, für den das Falsche falsch bleibt, in wessen Namen auch immer es verübt wird.
Diese Zensur, diese Verfolgung aller Menschen mit liberalen Ansichten, die Bücherverbrennungen und die Korruptheit der Universitäten hätten Deinen Widerspruch hervorgerufen, auch wenn keinem einzigen Angehörigen meiner Rasse ein Haar gekrümmt worden wäre. Du bist ein Liberaler, Martin. Du hast immer mit Weitblick gedacht. Ich weiß, daß Du Dich in Deiner klaren Geisteshaltung nicht von einer populistischen Strömung mitreißen läßt. Diese Volksbewegung hat, so stark sie auch sein mag, etwas abgrundtief Schlechtes an sich.
Ich verstehe wohl, warum die Deutschen Hitler zujubeln. Sie reagieren auf die Ungerechtigkeiten, die sie seit dem Desaster des Krieges erlitten haben. Aber du, Martin, hast seit dem Krieg im Grunde wie ein Amerikaner gelebt. Ich weiß, es war nicht mein Freund, der mir diesen Brief geschrieben hat. Es wird sich herausstellen, daß es nur die Stimme der Vorsicht und des Opportunismus war.
Ungeduldig erwarte ich dieses eine Wort, das meiner Seele ihren Frieden zurückgeben wird. Schreibe schnell Dein „Ja“.

„Nein“.

Ist die Antwort von Herrn Schulse am 18. August 1933. Und er schreibt weiter:

Aber Du täuschst Dich. So, ich soll also ein amerikanischer Liberaler sein? Nein! Ich bin ein deutscher Patriot.
[…]
Ich muß darauf bestehen, daß Du mir nicht mehr schreibst. Wir sind keine Freunde mehr, das müssen wir beide anerkennen.

Ein „Ja“ von Martin Schulse zu Max Eisenstein wäre ein Ja zu seinem Leben gewesen, ein „Nein“ von Martin Schulse zur Partei des Österreichers, ein Nein zum Österreicher wäre ein Nein zu seiner Ermordung —

Max Eisenstein am 5. September 1933:

Lieber Martin, beigelegt findest Du Deinen Kontoauszug und die Monatsabrechnungen.
[…]
Ich nehme an, es wird Dir mißfallen, daß ich mich gezwungen gesehen habe, Deinen Namen aus dem Galerienamen zu entfernen. Aber Du weißt, wer unsere wichtigsten Kunden sind. Sie würden jetzt niemals etwas anrühren, das aus einer Firma mit deutschen Namen kommt. Über Deine neue Haltung kann ich nicht diskutieren. Aber Du mußt mich verstehen. Ich hatte nicht erwartet, daß Du für mein Volk zur Waffe greifen würdest, weil es mein Volk ist, sondern weil Du ein Mann warst, der die Gerechtigkeit liebte. Ich vertraue Dir meine unbesonnene Griselle an. Das Kind sieht nicht, in welche Gefahr es sich begibt. Ich werde Dir nicht mehr schreiben. Auf Wiedersehen, mein Freund.

Am 5. November 1933:

Martin, ich schreibe Dir noch einmal, weil mir kein anderer Ausweg bleibt. Eine dunkle Vorahnung hat von mir Besitz ergriffen. Sobald ich wußte, daß Griselle in Berlin angekommen war, habe ich ihr geschrieben. Sie antwortete auch kurz, die Proben verliefen hervorragend und das Stück habe bald Premiere. Mein zweiter Brief war aufmunternder Natur, ohne ängstliche Warnungen, und er wurde mir ungeöffnet, mit einem Stempel „Adressat unbekannt“ zurückgesandt.
Welche Dunkelheit diese Worte bergen! […] „Adressat unbekannt“. Martin, muß ich Dich ausdrücklich bitten, sie zu finden, ihr beizustehen? Du hast ihre Anmut gekannt, ihre Schönheit und Zartheit. Sie hat Dir ihre Liebe geschenkt, keinem anderen Mann außer Dir. Versuche nicht, mir zu schreiben. Ich weiß, ich brauche Dich um Deine Hilfe noch nicht einmal zu bitten. Es genügt, Dir zu sagen, daß etwas Schlimmes passiert ist, daß sie in Gefahr schwebt. Ich gebe sie in Deine Hände, denn ich kann ihr nicht zur Seite stehen.

Einen mit 18. März 1934 gestempelten Brief erhält Max Eisenstein noch, aus Deutschland, ungeöffnet — „Adressat unbekannt“.

Neunzig Jahre später sind die Adressatinnen bekannt, zu denen „Nein“ zu sagen ist. Auch von jenen zu ihnen „Nein“ zu sagen ist, die noch meinen, diese Adressatinnen, die nichts senden, bloß empfangen, wären ihre Rettung, ihr Heil, aber am Ende werden sie selbst Opfer ihrer Empfängerinnen sein, von ihnen zum eigenen Wohl in ihren Ruin getrieben sein, in manchen Ländern auch um ihr Leben gebracht sein, ermordet wie Martin Schulse,

den die eigene „Volksbewegung“ ermordete.

Martin Schulse, der bis zu seiner Ermordung im Schloss Rantzenburg, München, Deutschland … wehrherrschaftliche Gebäude stehen auch neunzig Jahre später Menschen, die sich patriotisch nennen, wie sie meinen, rechtens als ihre Heimstätten zu —

Die bekannten Empfängerinnen sind die Parteien, die mit Patriotismus locken, verführen,

in den Untergang führen … Die patriotischen Parteien in Österreich, in Deutschland, in Ungarn, in Frankreich, in den Niederlanden

die patriotischen Parteien, deren Namen nicht genannt werden müssen, denn gemein

ist ihnen gesinnungsgemäß:

Vernichtung

Mit diesem einen Namen sind alle diese Parteien authentisch, wie es modern heißt, mit ihrem einzigen Programm, das allen gemein, zu benennen.

Es muß an diese Parteien nichts adressiert werden,

keine Karte mit einem einfachen wie kurzen „Nein“ geschickt werden, die durchaus zusätzlich an diese Parteien geschickt werden kann,

aber entscheidend und wesentlich ist das „Nein“ in der Wahlkabine,

ein „Nein“, das nicht einmal geschrieben werden muß, ein „Nein“, das einfach dadurch zum Ausdruck schon zu bringen ist, indem diese Parteien nicht gewählt werden,

und das Nichtwählen dieser Parteien ist, so weit müßte der wenn schon nicht Weitblick, doch zumindest der Selbsterhaltungsblick reichen, ein „Ja“ zum eigenen Wohlergehen.

Hayek-Institut in der österreichischen Nationalbank im Haus der Industrie frank & frei

Die Nachrufe auf den

Mann auf der weißen Couch führen wieder

einmal zum Hayek-Institut, genauer, der Nachruf auf den Mann auf der weißen Couch auf der Website von

„frank & frei“, der Nachruf auf den Mann auf der weißen Couch von diesem Verlag mit seiner hochgradigen Schreibstaffel, der Männer und Frauen angehören, mit so recht klingenden Namen wie Christian Hafenecker,

Georg Zakrajsek,

Udo Ulfkotte,

Birgit Kelle,

Karin Kneissl,

Andreas Tögel

und so fort und so

fort

Von diesem Verlag werden auch Bücher verlegt, in denen manche gemeinsam schreibend vorkommen, etwa Christian Hafenecker, Prof. David Engels, Michael Brückner, Andreas Tögel, Ronald F. Schwarzer in “Klimareligion – Auf dem Weg in den Öko-Totalitarismus” oder Andreas Tögel, Andreas Mölzer, Georg Zakrajsek u. a. in „Eskapismus – Die Flucht vor Realität und Verantwortung“ oder

Gerald Hauser und Hannes Strasser in „Die gestohlene Normalität – WHO-Diktatur stoppen […]“, denen es wohl zu Stolz und Ehre gereichte, daß sie ihr Buch gemeinsam mit dem ihrem kleinen Gebirgsjäger präsentieren durften,

der es wohl mit Gewinn gelesen und nun recht profund über „Normalität“ zu reden, wie überhaupt auf dieser Welt diese Schreibstaffel am profundesten über „Totalitarismus“, über „Diktatur“, über „Flucht vor Realität und Verantwortung“ zu reden und zu schreiben weiß — Derart Profunde brauchen auch ebenso profunde Interviewerinnen, wie Hannes Strasser sie in Marie Christine Giuliani, für die der kleine Gebirgsjäger der „Fels in der Brandung der österreichischen Innenpolitik“ — ein selbst ausgerufener Festungskommandant, der als kleiner Gebirgsjäger auf sich selbst als Fels sicher aufsteigen übt.

und in diesem Verlag hat Walter Sonnleitner, einst, wie es so schön heißt, bekannt aus Funk und Fernsehen und einst auch Kandidat für eine Partei, die nun so tot wie ihr Gründer,

einer aus dieser toten Partei ist heute bekannt aus Fernsehen, der verlegt von einer

recht ehrstolzen steiermärkischen Familie, im reichelschen Verlag also hat Walter Sonnleitner sein Buch „Die Corona-Falle“ untergebracht, es will gar nicht gewußt werden, was er „vom Wutbürger zum Angstbürger“ in diesem schrieb, in diesem Gesinnungsumfeld kann es nur das Übliche, das Erwartbare sein, interessant dabei bloß, wo sein Buch präsentiert wurde, und auch das im Grunde bloß das Erwartbare — im Hayek-Institut, im Hayek-Institut wurde das sonnleitnerische Buch präsentiert, wo auch sonst, als im Hayek-Institut …

Und das Hayek-Institut feiert am 27. November 2023 sein dreißigjähriges Bestehen wo auch sonst als in der österreichischen Nationalbank, in der die Präsidentin des Hayek-Instituts, wie günstig, wie praktisch, eine sehr hohe Position innehatte bis 2023 seit den kurzen Tagen der schwarzidentitären Regierung in Österreich; auf der Website des Hayek-Instituts, ist am 15. Februar 2024 zu lesen, wird sie immer noch als „Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank (ÖNB)“ vorgestellt.

Und wo sonst als im Haus der Industrie kann am 27. November 2023 das Hayek-Institut seinen „Hayek Lifetime Achievement Award“ feiern, ein Preisträger, auf den das Hayek-Institut wohl besonders stolz zu sein scheint, wird dieser doch prominent erwähnt, ist Peter Thiel, und dieser Preisträger Peter Thiel muß auch ein recht besonderer Mann sein, mit einem recht besonderen Gespür für sein Personal, zu dem ein für kurz gewesener österreichischer Bundeskanzler …

Wer wohl 2024 den „Hayek Lifetime Achievement Award“ bekommen wird, auf den das Hayek-Institut dann besonders stolz würde sein können? Es gibt einen Hayek-Jünger, der es im letzten Jahr zum Präsidenten gebracht hat. Was wäre das für ein Aushängeschild für das Hayek-Institut, käme dieser zur Preisverleihung in das Haus der Industrie oder in die Nationalbank …

Es ist kein langes Kapitel, aber durch die vielen Namen ein erschöpfendes, durch die vielen Verzahnungen ein ermüdendes, es soll deshalb jetzt einfach, kurz gesagt, abgebrochen werden. Es wird eine Fortsetzung des Kapitels zu schreiben sein, der Titel, ausgeborgt vom Magazin „Republik“, für dieses Kapitel steht aber schon fest:

„Hayeks Bastarde“