„Es lebe das Edelweiß, Salmingers Kinder“

Es gibt einen Offizier in Österreich mit Edelweiß auf seiner bundesheerlichen Dienstkappe und auf seiner österreichischen Uniform, der in diesen Tagen im ersten Coronawinter für Aufregung sorgt, nicht weil er ein T-Shirt mit aufgebügeltem Edelweiß trägt, sondern mit einem „Neonazispruch“ …

Sofort erhält dieser Offizier Beistand von einer Seite, deren Banner das Edelweiß ist.

Es muß nicht erzählt werden, was für eine herausragende Bedeutung das Edelweiß im massenmörderischen und massenverbrecherischen deutschen reich hatte, aber es muß immer wieder erzählt werden, wie nach dem Untergang des deutschen reiches damit umgegangen wird, wie damit nicht umgegangen wurde, ohne Bruch bis herauf in die Gegenwart.

Und dieser Umgang läßt sich auch anhand des Edelweißes erzählen. Anhand eines Filmes von Wolfgang Gorter etwa, dem „Mein Freund von Luis Trenker“.

Wolfgang Gorter starb 1989. Seinen Film „Kameraden unterm Edelweiß“ muß Wolfgang Gorter um die Mitte der 1980er Jahre fertiggestellt haben. Denn im Film erzählt Gorter, der Sprecher als sein Erzähler im eigenen Film an einer Stelle: „Vor fünfundvierzig Jahren eine große technische Leistung.“

Wolfgang Gorter starb 1989. Seine „Kameraden unterm Edelweiß“ aber werden immer wieder zum Verkauf gebracht, als „Dokumentationsfilm“ vertrieben, zu finden sind Erscheinungsdaten 1996, 2008, 2011. In den Verkaufsregalen bis zu diesem Coronawintertag 18. Februar ’21 weiterhin, besonders ausgestellt in den Digitalregalen etwa, um nur einige zu nennen, von Thalia, Weltbild, Amazon …

Ein recht aufzumerkendes Erscheinungsdatum ist 2009 für „Von Garmisch in den Kaukasus – Die Geschichte der 1. Gebirgsdivision 1941-1942“. Der Drehbuchautor dieses Films ist Andreas Kalbitz. Mit diesem Namen ist im Grunde bereits alles erzählt, um was für eine Art Dokumentationsfilm es sich bei der „Dokumentation“ von Wolfgang Gorter handelt, wenn ein Andreas Kalbitz sich die Ehre gibt, Drehbuchautor eines Films zu sein mit „Originalaufnahmen des ehemaligen Gebirgsjägers und Kriegsberichtserstatters Wolfgang Gorter“ …

Wie Wolfgang Gorter, 45 Jahre danach, über diesen Krieg berichtet, das läßt sich am besten erzählen, wenn Wolfgang Gorter selbst erzählt, beispielhaft ein paar seiner Kommentare in seinem Film „Kameraden unterm Edelweiß“ zitiert werden:

1939. Ausmarsch in Mittenwald.

Wenn die Waffen schweigen, beginnt sich das Leben rasch wieder zu normalisieren.

Grauen oder Befreiung. Fast möchte man sie beneiden. Für sie ist der Krieg zu Ende.

Es sind liegengelassene Erschossene, die Gorter von seinem Weg zum Gipfel, von dem die Hakenedelweißkreuzflaggen befehlsgetreu auch aufgezogen werden sollen, aus, filmt, die er 45 Jahre später noch fast beneiden möchte; für ihn war der Krieg, genauer, die Propaganda für diesen Krieg nicht zu Ende.

Langsam kommen Partisanen aus ihren Schlupfwinkeln. Sie schimpfen furchtbar auf Stalin und loben Hitler über alle Maßen. Wir stimmen ihnen zu.

Wir sind im Land der Karastschai, die uns zu unserem Erstaunen wie alte Freunde begrüßen.

Die Eingeborenen geben dem Dolmetscher bereitwilligst jede Auskunft. Und überall nehmen sie unsere Anwesenheit furchtlos zur Kenntnis.

Vor 45 Jahren eine große technische Leistung.

Bei einer Alm auf einer Bergwiese in 1200 m Höhe wird das erste Expeditionslager errichtet. Diese Gegend erinnert an das Gebiet am Großglockner, was uns vergessen lässt, wie weit wir von der eigenen Bergheimat entfernt sind.

Treu und geduldig schleppen kleine Eserln unsere Last.

Sofort weiter, dem Feind auf den Fersen bleiben.

Die Brücke schleunigst so herzurichten, daß man notdürftig hinübergehen kann, um die geflohenen Sowjets möglicherweise einzuholen. Unsere Pioniere und die Karatschai gehen gemeinsam ans Werk, als wären sie immer schon Kameraden der Berge und Schicksalsgenossen gewesen. In bezug auf die bayrisch-karatschaische Verständigung waren unsere neuen Freunde sehr gelehrig. Pack mas, Sakra und sogar ab und zu auch blöder Hund waren immer wieder aus russischem Munde zu hören.

Mit dem Auftrag, den höchsten Gipfel des Kaukasus, den Elbrus zu erreichen, beginnt nun eine militärische Hochgebirgsexpedition, wie sie in dieser Art wohl noch nie gegeben hat.

Berge und Täler, Urwälder und Flüsse und dazwischen fruchtbares Land mit fleißigen, gastfreundlichen Menschen. Hafer, Gerste, Kartoffel, Tabak, Baumwolle und Wein werden angebaut.

Unten im Tal ein Transparent über einer von Karatschai-Posten bewachten Brücke. 4000 Kilometer marschierten die Jaga zu Fuß bis hierher; die alle hätten alleine fürs Hatschen das Ritterkreuz verdient.

Früh am Morgen rückt man gemeinsam zur Feldarbeit aus. Ein fleißiges, genügsames Bauernvolk, wie überall, wo Mensch und Tier unter offenem Himmel zusammenleben und auf sich selbst angewiesen sind.

Samstagabend Heimkehr ins Dorf, wo der Verwalter auf einem Holzcomputer den Wochenlohn ausrechnet.

Weiter geht es per pedes und Hufeisen. Und wieder warten Flüchtlinge voll Angst und Sorge auf unseren Weitermarsch. Sie sind sicherlich die Ärmsten am Rande aller Kriege.

Major Salminger, welcher Jaga kannte ihn nicht. Und General Lanz, Kommandeur der ersten Gebirgsdivision, verleiht Auszeichnungen an besonders bewährte Soldaten. Das waren Augenblicke des Stolzes und auch neuen Auftriebes.

Salminger. welcher Jäger, fragt Gorter bewundernd, kannte ihn nicht?

Dann erst lernt er die Notwendigkeit dieses Kampfes gegen die jüdisch-bolschwestistische Verbrecherbande verstehen und begreift vollkommen, daß jeder deutsche Soldat, der Blut und Leben in diesem Entscheidungskampf zwischen Ordnung und Chaos lassen muß, tausendfach gerät werden muß. Dies soll der Schwur des III. Bataillons bis zur völligen Vernichtung und Ausrottung der bolschewistischen Armee sein und bleiben. Unserem Führer Sieg Heil! Gez. Salminger, Hauptmann und Bataillons-Führer

Das ist aus seinem Tagesbefehl vom 1. Juli 1941. Zitiert aus einem Buch, das nicht anders heißen kann als „Blutiges Edelweiß“. So also kannten sie Salminger, den „fanatischen Anhänger des Nationalsozialismus“, der „von jungen Soldaten regelrecht verehrt, ja, ‚vergöttert‘ wurde: ‚Viele, die unter ihm dienten, nannten sich ‚Salmingers Kinder'“.

Im Jahr 1968 leitete die Staatsanwaltschaft München I wegen des Massakers von Kommeno unter dem Aktenzeichen 117 Js 49-50/68 ein Verfahren gegen den Regimentskommandeur Salminger und weitere Angehörige des Gebigsjägerregiments 98 ein. Das Verfahren gegen Salminger wurde wegen seines Todes eingestellt.

General Lanz verleiht, so Gorter, Auszeichnungen an besonders bewährte Soldaten. Für Gorter sind das 45 Jahre danach „Augenblicke des Stolzes und auch neuen Auftriebes“.

1948 wurde Lanz wegen der Anklagepunkte 1 (Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Massenmord) und 3 (Ausgabe völkerrechtswidriger Befehle) vom Nürnberger US-Militärgerichtshof (siehe: Fall 7, Prozess Generäle in Südosteuropa) zu 12 Jahren Haft verurteilt.
Im Zuge der McCloy-Amnestie wurde Lanz bereits 1951 aus dem Landsberger Kriegsverbrecher-Gefängnis aus der Haft entlassen, die er zeitlebens als völlig ungerechtfertigt ansah.
1954 schrieb Lanz, dessen Verurteilung als Kriegsverbrecher seiner Popularität keinen Abbruch tat, „im Tenor des „Dritten Reiches“ sein Buch „Gebirgsjäger“, in dem er diese als opferbereite Helden feierte, den Gegner und die Zivilbevölkerung hingegen als hinterhältig verunglimpfte und sich nicht scheute, antisemitische Töne anzuschlagen. Unterstützt wurde er dabei von […] – angeblich – „Tausenden“ ehemaliger Gebirgsjäger, die ihm persönliche Aufzeichnungen und Fotos zur Verfügung stellten. Im Vorwort sprach er vom Zustand einer „geistigen Verwirrung nach dem Zusammenbruch“; allerdings werde nun „den sittlichen Werten allmählich wieder Raum“ gegeben und bahne sich damit eine „sachlichere Einstellung“ an: „Die soldatische Leistung und das Opfer [finden] langsam wieder den Platz, der ihnen in jedem achtbaren Volk gebührt.“ Das reichbebilderte Buch, in dem in keiner Weise die vielen Greueltaten der Deutschen thematisiert wurden, war ein Bestseller“ (Meyer, S. 669).
Er trat in die FDP ein und war in der Partei als Militärexperte tätig. Ihm wurde der Vorsitz des Wehrpolitischen Ausschusses der Partei übertragen und als FDP-Vertreter ins Bonner Amt für Sicherheit und Heimatschutz entsandt, aus dem im Rahmen der Remilitarisierung der Bundesrepublik Deutschland zunächst das sogenannte Amt Blank, später das neue Bundesverteidigungsministerium hervorging.
Bis zu seinem Tod am 12. August 1982 in München war Lanz Ehrenvorsitzender des Kameradenkreises der Gebirgstruppe.

Ein Tagesbefehl von Hubert Lanz, vom 21. Juni 1941, der an alle Truppenteile ging:

Die 1. Gebirgs-Division holt den Teufel aus der Hölle. Der Teufel steht vor uns! Wir werden ihn vernichten!. Es lebe das Edelweiss! Heil dem Führer!

Ein paar Tage Rast in einem Dorf. Trotz allem Dreck und Ungeziefer für jeden ein Eldorado. Ein altes Grammophon spielt uns die Melodie, die damals hüben wie drüben jedem Soldaten ins Herz drang: [abgespielt wird „Lili Marleen“].

Stehende Sonne spendet Wärme und damit neuen Glauben an das Leben. Neue Zuversicht, neue Hoffnung auf ein baldiges Ende alles Schrecklichen.

Lanz und Salminger schreiten die Front ab. Der General verkündet eine für die Bergsteigerherzen ermutigende Botschaft. Jäger, ruft er aus, es geht in den Kaukasus. Doch bis dorthin ist noch ein langer beschwerlicher Weg.

Lanz und Salminger – der General verkündet, so Gorter 45 Jahre später, eine für die Bergsteigerherzen ermutigende Botschaft …

Die ganze Division ist mit mir stolz auf diesen heldenhaften Kampf gegen einen verbissenen Feind, in gleicher Weise wie auf die alpine Grosstat unter schwierigsten Gelände- und Witterungsverhältnissen. So hat unsere 1. Gebirgs-Divsion auch auf diesem Kriegsschauplatz, den wir schon seit Jahren ersehnen, im ersten Ansturm das Hakenkreuz und unser Edelweiss auf den Eisgipfeln des Kaukasus über den Sowjetstern triumphieren lassen. Ihr, meine Jäger, habt mir damit den Vorschlag ermöglicht den Führer zu bitten, den höchsten Gipfel eines zukünftigen Europas „Adolf Hitler Spitze“ zu benennen. Von den Pässen des Kaukasus werden wir mit unbändiger Kraft dem Schwarzen Meer entgegenstürmen, um dort, nach über 3500 km Marsch, Kampf und Sieg die russische Grenze zu erreichen und damit auf diesem Kriegsschauplatz den deutschen Endsieg zu erkämpfen. Es das lebe das Edelweiss ! Heil dem Führer ! Lanz

Auch aus einem Tagesbefehl von Lanz, zitiert eine Fußnote in „Ein Gebirgsartillerist an der Front und in Gefangenschaft“, Franz Müller, nach einem Buch aus dem Leopold-Stocker-Verlag, Roland Kaltenegger, „Gebirgjäger im Kaukasus. Die Operation ‚Edelweiß‘ 1942/43“ — —

Eine Karatschai-Schönheit lächelt für die Kamera, sogar ohne Gage.

In 2000 m Höhe liegt die Alm Kitschkine. Die Hirten, die wie vor Jahrhunderten die Spindel verwenden, umstehen, bewundern und helfen uns. Sie halten uns für Touristen, die ein Nachtlager benötigen. Eine Expidition durch fremde Länder, die nicht die Eingeborenen zu ihren Freunden hat, ganz gleich wo auch immer in der Welt, ist zum Scheitern verurteilt. Was haben wir da für ein Glück. Natürlich liegt das auch an uns. Nicht nur an den anderen. Und was wollen wir mehr. Aller Komfort ist vorhanden, Brennholz zum Kochen, fließendes Wasser zum Trinken und zum Waschen, wenn auch nicht gerade warm. Und sogar eine offene Heizung im Hotelzimmer, deren Rauch durch ein Loch im Dach abzieht. Und beim Schmauchen des gewohnten Pfeifchens wandern die Gedanken weit zurück in die Heimat.

Alle geben ihr Letztes. Um die mit dem Lebensnotwendigsten beladenen Wagen aus dem Wüstensand herauszuzerren. Denn die Berge rufen. Sie schonen, wäre gleichbedeutend mit Selbstaufgabe. Nach langen Tagen voll Mühsal und Plage sind die Kuban-Niederungen erreicht.

Zwei Bäuerinnen flüstern sich ins Ohr: Die Deutschen sind da. Die merken auch alles.

Die spürbare Bergluft reinigt Seele und Gehirn.

Kurze Rast. Warten auf den nächsten Befehl.

In trügerischen Ruhezeiten zwischen den eigentlichen Kämpfen konnten wir Land und Bevölkerung in der riesigen UdSSR kennenlernen.

In der ukrainischen Stadt Wilica ist Markt. Ein gefundenes Fressen für meine Kamera. Als ob tiefer Frieden herrschen würde, kommen von weit her die Landleute und bieten ihre Waren feil. Bei uns würde man so etwas als Flohmarkt bezeichnen. Wir schauen uns um.

In diesen luftigen Quartieren, wir nannten sie auch Rheumatismuswiesen, mußten die Jäger wochenlang ausharren.

Einer von hat sogar an seinem Zelt eine Tafel angebracht mit der Aufschrift Jagaschmaus zum Tiroler. Er meinte dazu, damit mi der Poschtbot besser findt.

Hier verlassen Arbeiter und Arbeiterinnen unter Aufsicht deutscher Militärpolizei das Verwaltungsgebäude und begeben sich zu ihren Arbeitsplätzen. Ein Ruderboot bringt uns ans andere Ufer, wo wir eine Arbeitersiedlung entdecken, die sich diese bescheidenen Leute selbst errichtet haben. Dort können sie wie in einem entlegenen Dörfchen ungestört hausen.

Divsionsbefehl, unbedingt versuchen, den Elbrus-Gipfel so bald als möglich zu erreichen, Konkurrenzunternehmen der SS vom Norden her im Aufstieg.

Gorter erzählt nicht, welche SS-Einheit vom Norden her im Aufstieg bereit dazu, seinen Gebirgsjägern den Gipfelsieg streitig zu machen. Vielleicht waren es auch Gebirgsjäger, auch in der SS gab es Gebirgsjäger unterm Edelweiß, etwa die Division, benannt nach einem österreichischen Prinzen …

Nach schwerem Kampf den Gipfel vor sich sieht. In diesem Augenblick sind mit einem Mal alle Anstrengungen vergessen. Wir formieren uns. Einer trägt im Sturm die Flagge voraus. Hintereinander schreiten wir hoch über der Welt dem großen Ziel entgegen.

Gegen 13.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit betreten wir in 5633 m Höhe den Gipfel des höchsten Eisberger zwischen Europa und Asien. Wir befestigen die Reichskriegsflagge am trigonometrischen Holzzeichen. In diesen Stunden haben wir keine Veranlassung darüber nachzudenken, ob unser Tun sinnvoll war oder nicht. Wir waren Soldaten und führten die Befehle aus, die unsere Vorgesetzten uns erteilten. Wie alle Soldaten sämtlicher Armeen in der Welt. Für Kriege sind nicht diejenigen verantwortlich, die Leben und Gesundheit opfern, sondern einzig und allein die sie inszenieren. Eine halbe Stunde verweilen wir und schauen auf die weiten Bergketten des Kaukasus zu unseren Füßen, auf das endlose Steppenland, aus dem wir in wenigen Wochen zu Fuß, von Meeresspiegelhöhe bis fast 6000 m, heranmarschierten. Wir sehen in der Ferne drei Meere: das Schwarze, das Asowsche Meer und das Kaspische Meer. Und weit im Südosten die Gebirge Persiens. So nahmen wir Abschied von unserem silbernen Thron und stiegen wieder hinab die wärmeren Gletscher. Oft noch sahen wir um zum weißen Berg, der langsam unter den Blicken entschwandt.

So sprach Gorter 45 Jahre später, sie seien Soldaten gewesen und führten die Befehle aus, die ihre Vorgesetzten ihnen erteilten, also in etwa zu der Zeit, als in Österreich ein Mann sagte, er hätte im Krieg nichts anderes als seine Pflicht getan. Gorter hätte das so wie der österreichische Mann auch sagen können. Gorter wurde in Deutschland nicht zum Bundespräsidenten gewählt, der österreichische Mann, der die Befehle ausführte, die ihm seine Vorgesetzten erteilten, wurde zum Bundespräsidenten

You must remember this

Die Frage, ob Blümel als Finanzminister weiter tragbar sei, gibt Fiedler weiter: „Was sagt denn der Bundespräsident dazu? Stört es ihn, daß eine Bundesregierung besteht, in der ein Minister tätig ist, der einer Straftat verdächtig ist? Er kann den Bundeskanzler rufen und kann ihn ersuchen, daß der Bundeskanzler an ihn das Ersuchen stellt, den Finanzminister von seinem Amt zu entheben. Der Bundespräsident hat das nicht gemacht. Daher kann nur die Schlußfolgerung gezogen werden, er hält diese Regierung mit einem Mitglied, das in ein Strafverfahren verwickelt ist, ohne weiteres für tragbar.“

Alexander Van der Bellen hat Sebastian Kurz aber nicht so gerufen, wie es an diesem Morgen Franz Fiedler im Journal ausführt.

Der Bundespräsident hat Sebastian Kurz gerufen, um mit ihm gemeinsam das Vertrauen wieder herzustellen.

Die Schlußfolgerung vom ehemaligen Rechnungshofpräsidenten und Korruputionsexperten an diesem 27. Februar 2021 ist, der Bundespräsident hält eine Regierung mit einem in ein Strafverfahren verwickeltes Mitglied ohne weiteres für tragbar

Alexander Van der Bellen hält, seit er in diesem Amt ist, so vieles für tragbar, daß sich die dringliche Frage stellt, ist er —

Tragbar war schon sein erstes Rufen des Sebastian Kurz zum Bundeskanzler einer Regierungskoalition mit einer identitären Partei nicht

Das bereits war mehr als genug. Auch wenn kurz darauf der von ihm Gerufene selbst „Genug ist genug“ telegen aufstöhnte, für den derzeitigen Bundespräsidenten war es nicht genug, so rief er ihn nach Drehschluß von „Wiener Gürtel“ ein weiteres Mal zu sich, um mit ihm gemeinsam wiederherzustellen

Was wiederherstellen? Das Vertrauen. Das Vertrauen der von ihm Gerufenen, sie können weitermachen wie bisher, für ihn ist doch alles tragbar. Das wird einst wohl auch unter dem Buchstaben „T“ einen weiteren Eintrag in den Geschichtsbüchern zu Alexander Van der Bellen ergeben …

Auch ein Eintrag unter „V“ wie Verharmlosungen wird wohl nicht fehlen dürfen.

Mit Franz Fiedler wird an diesem Morgen auch über Wolfgang Brandstetter, den Märchenonkel, der einst als „Antikorruptionsexperte“ galt, und Christian Pilnacek gesprochen.

Daß Pilnacek suspendiert wurde, aber Brandstetter auf seinem Posten im Verfassungsgericht bleibt, versteht Fiedler nicht. „Das ist für mich überraschend, es wird beiden das Gleiche vorgeworfen, in einem Fall führt es zu einer Suspendierung, im anderen Fall nicht.“ Die Angriffe der ÖVP auf die WKStA seien unüblich und untunlich, wie Fiedler sagt. „Also, einen Angriff auf den Rechtsstaat insgesamt, das würde ich vielleicht als etwas überzogen betrachten, aber unklug sind diese Angriffe jedenfalls.“

Etwas anderes als Unkluges aus diesen türkis getupfen christschwarzen Formationen zu erhalten, nun, einfach wie kurz gesagt, das setzte vieles voraus, das eben nicht vorhanden ist, wie etwa ein Mann aus dem Nahbereich zu berichten weiß. Erstaunlich daran ist doch, daß es zum Kopieren reicht, zum Abzeichnen des Systems Jörg Haider, wie mit Justiz und Journalismus umzuspringen ist, wenn sie, Justiz und Journalismus die eigenen Machenschaften nicht so ohne weiteres für tragbar …

„And now the end is near.“ Ein Lied immer wieder zum Anhören, vor allem in diesen Zeiten. Aber auch „As time goes by.“ Bis es jedoch soweit ist, sollte die erste Zeile immer wieder mitgesungen werden, um nicht zu vergessen: You must remember this …

Roman Sandgruber, Hitlers Vaterbiograf – Von „Raserei gegen die ‚Zigeuner‘“ zu „Verfolgung der Roma“

Immer mehr und dringender muß die Frage gestellt werden, beim Lesen von Lebensgeschichten, was passiert mit Menschen im Laufe der Jahre, der Jahrzehnte, welchem Wandel unterwerfen sie sich, und diese Fragen müssen gestellt werden, weil es gar selten ein Wandel zum Guten ist, zu oft diese Veränderungen zum Schlechten zu beobachten sind.

Fragen, die auch zu Roman Sandgruber gestellt werden könnten. Vor elf Jahren zum Beispiel kannte er nicht nur den Begriff „Porajmos“, er verwendete diesen auch, wußte er um den Massenmord an den Menschen, benannte diesen auch als „Völkermord“.

Elf Jahre später werden ihm Porajmos, Massenmord, Völkermord zu „Verfolgung der Roma“ …

Unter „Verfolgung“ kann vieles verstanden werden. Kein Mensch wird aber bei „Verfolgung“ sofort und unweigerlich an Massenmord, Völkermord denken. Ein Allerweltswort, mit zu vielen Bedeutungen. Ein heute nach wie vor sehr gängiges Wort. „Verfolgung“ kann für den einzelnen Menschen sehr unangenehm sein, wenn er von einer Strafverfolgungsbehörde verfolgt wird, aber er wird deshalb nicht sein Leben bedroht sehen, er wird deshalb nicht mit seiner Ermordung rechnen, er wird nicht ermordet. Staaten bezeichnen ihre gesamten Tätigkeiten zur Verfolgung von Straftaten als Strafverfolgung. Und kein Mensch wird sagen, diese Staaten sind massenmörderische Staaten, es sind Staaten, die morden, Massenmorde, Völkermorde begehen, wenn sie die Verfolgung von Straftaten aufnehmen.

Als dürfte in einem Buch zu Adolf Hitler, auch dann, wenn es um seinen Vater geht, vielleicht damit sein Vater nicht allzu sehr über seinen Sohn sich grämen muß, er ihn entschuldigen kann, er sei halt in schlechte Gesellschaft geraten, so will es scheinen, das nicht klar bezeichnet werden, was es war: Massenmord, Völkermord, Porajmos … Es wird von Roman Sandgruber nicht verschwiegen – „Verfolgung der Roma“, vielleicht ein Codewort für Eingeweihte, die wissen, was mit diesem Losungswort wirklich gemeint ist.

Veränderungen im Menschen passieren schleichend. Wann hat es, wenn er sich verändert hat in den letzten elf Jahren, bei Roman Sandgruber mit der Veränderung begonnen? Hörbar wurde eine Veränderung, werden vielleicht die, die ihn kennen, sagen, in 2018, als er feststellte: Zeitzeugen lügen. Als Quelle sind sie nutzlos.“

Um diese Fragen soll es in diesem Kapitel aber gar nicht gehen. Es ist in Erinnerung zu rufen, was Roman Sandgruber vor elf Jahren wußte und vor elf Jahren klar zu schreiben wußte. Denn die Lage von den Menschen, über die er vor elf Jahren so klar schrieb, hat sich seit dem nicht verbessert. Weiterhin werden sie verfolgt, und auch vor Mord sind sie nicht sicher.

Ein paar Absätze aus dem, was Roman Sandgruber vor elf Jahren so klar zu schreiben wußte, sollen hier zitiert werden. In den Orte und Wörter vorkommen, etwa „Zigeunerlager“, die daran erinnern, wie Vergangenheit und Gegenwart zusammenfallen, das Urteil über die Vergangenheit ist gefällt, aber der Gegenwart kann kein positives Zeugnis ausgestellt werden, auch jenen in Österreich, die etwa mit einem kurz gewesenen Innnenminister, der die „Roma-Frage“ …

Sie verstehen das Wort als Sinnbild einer langen Verfolgungsgeschichte mit ihrem Höhepunkt im „Porajmos“, dem Völkermord unter der NS-Herrschaft. Aus dem Sprachgebrauch der Medien, der Justiz, der Verwaltung oder der Politik ist der Begriff „Zigeuner“ inzwischen verschwunden. Aber Eigenbezeichnungen wie Roma oder Sinti haben eine andere Bedeutung als der historische Begriff „Zigeuner“.

Im Vernichtungslager

Zwischen dem 4. und 8. November 1941 sind 5007 österreichische „Zigeuner“ nach Litzmanstadt/Lodz deportiert worden. Dort brach Fleckfieber aus. Um ein Übergreifen der Seuche auf die Stadt zu verhindern, sind alle Insassen des Lodzer „Zigeunerlagers“ zwischen Ende Dezember 1941 und Anfang Jänner 1942 im Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno ermordet worden. Ab Anfang April 1943 wurden alle übrig gebliebenen rund 2900 österreichische „Zigeuner“ nach Auschwitz gebracht, bis Ende 1944 starben dort 70 Prozent.
Nach der Befreiung waren die Benachteiligungen und Schikanen für Roma und Sinti keineswegs beendet. Ihre Inhaftierung in Lackenbach und anderen Lagern wurde nicht als Haft im Sinne des Opferfürsorgegesetzes anerkannt. Erst ab 1995 erhielten Überlebende oder deren Erben aus dem „Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus“ eine symbolische Entschädigung von jeweils ungefähr 5000 Euro.
Die Zahl der ermordeten oberösterreichischen Zigeuner lässt sich nur grob schätzen: Von etwa 370 Personen, haben etwa 40, also nur rund 10 Prozent, überlebt. Prozentmäßig, aber auch absolut, war ihre Opferbilanz in Oberösterreich wesentlich höher als die der Juden. Ihre Angehörigen blieben weiter stigmatisiert.

Zeitgeschichte muß Gegenwart sein.

„Ich habe das an der Uni festgestellt, bei meinen Studenten, die nicht sehr historisch gebildet waren und sind, wenn ich Hitler erwähne, wissen sie alle, wenn ich Stalin erwähnt habe, wissen sie gar nichts, und wenn ich Mao Zedong gesagt habe, haben sie gesagt, noch nie gehört. Da entsteht in unserer Gesellschaft und auch in den Schulen eine gewisse Schräglage.“

Das sagt Roman Sandgruber in Linz in ’18 im Interview, im Rahmen der Veranstaltung „Lehren aus der Geschichte“, in der er seine Lehre aus den letzten 100 Jahren Zeitgeschichte vorstellte: „Zeitzeugen lügen“.

Mit ihm, der ein Lehrer war, gibt es einen Zeitzeugen dafür, daß in Österreich der Geschichtsunterricht irgendwann kurz irgendwo endet, jedenfalls nicht in der Gegenwart.

Roman Sandgruber möchte, das darf seiner Aussage entnommen werden, mehr von Stalin und von Mao in den Schulen, um die Schräglage zugunsten Hitlers zu planieren … das Credo eines Lehrenden in Österreich, im Unterricht Zeitgeschichte irgendwann vor Jahrzehnten enden zu lassen, auf keinen Fall in der Gegenwart. Also den Unterricht auch mit einer Methodik zu gestalten, die seit Jahrzehnten …

Zeitgeschichte muß Gegenwart mit ganz gegenwärtiger Methodik und mit ganz gegenwärtiger Didaktik sein, auch in den Schulen, das heißt in diesem Fall beispielsweise, nicht bei den sandgruberischen Genannten stehenzubleiben, sondern von Putin und Xi Jinping auszugehen, die geschichtlichen Abgründe öffnen sich dann ganz von selbst, die Vergangenheitsbezüge sind dann menschgemäß gewichtiger Teil des Unterrichts.

Roman Sandgruber: „Zeitzeugen lügen, so brutal würd ich das sagen. Als Quelle sind sie nutzlos.“

Das sagt Roman Sandgruber, Hitlers Vaterbiograf, im Februar 2018 – da war für kurz die identitäre Parlamentspartei erst Regierungspartei, und sie blieb es nur für kurz – das sagt Roman Sandgruber im zum Großgedenken ausgerufenen Jahr 2018:

„Zeitzeugen lügen, so brutal würd ich das sagen. Als Quelle sind sie nutzlos.“

Im Landesstudio diskutiert Roman Sandgruber über „die Lehren der letzten 100 Jahre unserer Zeitgeschichte“ mit Historikerinnen, unter ihnen auch Lothar Höbelt, dem das Sandgruberische von diesem Tag wohl recht besonders gefallen haben wird.

Nun, drei Jahre später, wieder in einem Februar, veröffentlicht Roman Sandgruber einen „spektakulären Quellenfund“. Das wird Lothar Höbelt jetzt wohl zum Jauchzen bringen, wenn er in dieser Quelle liest von Hitlers „Verfolgung der Roma“, nur von „Verfolgung“, nicht von „Massenmord“, bloß „Verfolgung“, das wird ihm wohl eine Freude verursachen, der schon mal vom „so genannten Holocaust“ …

Hitlers Geheimnis – Wie der Porajmos weiter verschwiegen wird

„Die soeben erschienene Biografie des österreichischen Historikers Roman Sandgruber über den Vater von Adolf Hitler fördert bemerkenswerte Einblicke in die äußerst ungewöhnliche Familiengeschichte zutage. Über hundert Jahre lang verschollene Briefe werden darin aufgearbeitet, in denen Alois Hitler auch Privates preisgab. So wird auch das von der NS-Propaganda tradierte Bild der Mutter Hitlers, Klara, über die es sonst kaum Material gibt, ergänzt.“

[…]

„Viel geschrieben dürfte Klara Hitler nicht haben, so Sandgruber. Ein neuer, spektakulärer Dachbodenfund wie die 31 Briefe scheint unwahrscheinlich.“

So beginnt und so endet beispielsweise der äußerst wohlwollende Bericht vom ORF über die von Roman Sandgruber geschriebene Biographie.

Das Buch von Roman Sandgruber fördert bemerkenswerte Einblicke.

Ein neuer, spektakulärer Dachbodenfund wie dieses Buch von Roman Sandgruber scheint unwahrscheinlich.

„Als er 1889 in Braunau am Inn geboren wurde, konnte man allerdings in keiner Weise ahnen, welche physische Verwüstungen und mentale Verheerungen seine Person einst hinterlassen würde: nicht die Gräuel der Judenvertreibung und Ermordung, nicht die Euthanasiemorde, nicht die Verfolgung der Roma, der Homosexuellen oder der politischen Gegner […]“

Das ist tatsächlich ein bemerkenswerter Einblick. Das ist tatsächlich ein spektakulärer Dachbodenfund. Denn. Bisher wurde gedacht, derartiges wird nur in Kellern gefunden. Das Verharmlosen bis hin zum Leugnen des Holocausts.

Um genau zu sein, bei Roman Sandgruber kann gesagt werden, es ist bei ihm zumindest eine Teilverharmlosung, eine Teilwegschreibung, wenn er lediglich von „Verfolgung der Roma“ schreibt und nicht von deren Ermordung. Denn. Der Holocaust ist nur ein gesamter Holocaust mit Shoah und Porajmos.

Wie gut aber, daß Roman Sandgruber in seinem Vorwort mit seinem bemerkenswerten Einblick, mit seinem Spektakulären nicht geizt, so daß dies bereits in seiner Leseprobe im Internet erfahren werden darf, sein Buch also nicht mehr um 29,00 Euro erworben werden muß. Denn mehr bemerkenswerte Einblicke, mehr Spektakuläres in diesem Buch noch zu finden, ist unwahrscheinlich.

Ach, das wird nur das Übliche und nichts Abgründiges sein, nur das angebetete Halberinnern in diesem Land von Tobias P. Noch ein Buch ohne bemerkenswerte Einblicke, ohne Spektakuläres, bloß, nicht im Keller geschrieben, sondern zu ebener Erd‘ im ersten Stock der Gesellschaft in Österreich, in der gewisse Wörter unbekannt gewollt sein wollen, auch von Roman Sandgruber, womit er sich einreiht in das höchste ehrbare Milieu

PS Es scheint mehr als passend, daß der ORF seinem Bericht einen Link zum „Austria Forum“ hinzufügt, wohl gedacht als Service zu weiterführenden und gar wertvollen Informationen.

PPS „Wie der Sohn zum Diktator wurde“ – ja, der Sohn brauchte nicht einmal einen Koch bei sich … das ist dann doch ein bemerkenswerter Einblick, mehr, das ist tatsächlich spektakulär, Roman Sandgruber beantwortet so viele Jahrzehnte später die Fragen eines …

Geschichte endet in Österreich mit 1945

Wer kennt nicht die ungezählten Erzählungen von Menschen über ihre Schulzeit in Österreich, die mit der Feststellung schließen, nichts über den Nationalsozialismus gelernt zu haben, ihr Geschichtsunterricht endete irgendwann kurz davor irgendwo …

Das werden Schülerinnen von heute einst von ihrer Schulzeit nicht mehr erzählen können, nichts gelernt zu haben über die Zeit vor dem Mai 1945 …

Aber werden die Schüler etwas darüber erzählen können, sie haben in ihrer Schulzeit alles erfahren, was Nationalsozialstinnen nach 1945 machten, wie nach 1945 der Umgang war mit Nationalsozialisten in Österreich …

Die Erzählungen der Menschen über ihre Schulzeit in den letzten zwanzig Jahren etwa, wenn sie überhaupt auf die Idee kommen, von diesem Aspekt ihres Unterrichts zu erzählen, wird wohl mit der Feststellung enden, nichts über das gesinnungsgemäße Weitertun der sogenannten Ehemaligen und ihren Erbinnen, nichts über den fortgesetzten österreichischen Umgang mit den sogenannten Ehemaligen mit ihrem und deren Erben gesinnungsgemäßen Weitertun erfahren zu haben, ihr Geschichtsunterricht über diese Gesinnung endete mit dem Mai 1945.

Das mußte gedacht werden, als wieder einmal der Name Kolbenheyer gelesen werden mußte, der in diesem Zusammenhang nur ein Beispielgeber unter den vielen Beispielgeberinnen ist.

Sein gesinnungsgemäßes Weitertun endete nicht mit Mai 1945, aber es endet das Erzählen mit Mai 1945 darüber, bis in die Gegenwart. So will etwa das „Wissensnetz aus Österreich“ zwar das Wissen aus Österreich verbreiten, jedoch dieses Wissen nicht. Und wenn Sie Namen lesen, die mit ihm in der Gesellschaft für freie Publizistik gesinnungsgemäß weitermachten, erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit, haben Sie von diesen Namen in Ihrem Unterricht gehört.

Sie werden den einen oder anderen Namen gehört haben, aber nicht in diesem Zusammenhang. Zum Beispiel den Namen Otto Scrinzi, auch er nur ein Beispielgeber unter vielen Beispielgeberinnen.

Beim Lesen der Namen, die mit und lange nach Kolbenheyer sich gesinnungsgemäß in der Gesellschaft für Publizistik betätigen, wird Ihnen so mancher Name geläufig sein, aber nicht in diesem Zusammenhang von Ihrer Schulzeit her, wenn, dann kennen Sie diese von Ihrem Fernsehkonsum her, wöchentlich beispielsweise von einer Fernsehanstalt aus Österreich geladen zu einem Bildschirmduell

Wissensnetz in Österreich – Brauchtum des Beschönigens und Verschweigens

Im Zusammenhang mit dem aktuellen „Wiener Neonazi-Prozess“ – „Europäische Aktion“ – fällt auch der Name Erwin Guido Kolbenheyer

Mit diesem Schriftsteller kann auch, wieder einmal, darauf hingewiesen werden, wie in Österreich nach wie vor der Umgang ist, mit Menschen dieser Gesinnung, ein beschönigender. Zum Beispiel der von „Austria-Forum“.

Der Eintrag von dem „Austria Forum“ zu Erwin Guido Kolbenheyer:

Verließ 1919 Wien und lebte von da an in Tübingen, ab 1932 in München. Vertrat ein biologistisches Kulturverständnis („Bauhütte“) und setzte sich für den Nationalsozialismus ein. Seine Romane und Dramen, die um den faustischen Menschen „deutscher Art“ kreisen, erreichten hohe Verkaufszahlen. 1911 Bauernfeld-, 1926 A.-Stifter-Preis.

„Setzte sich für den Nationalsozialismus ein.“

So kurz, so nichtssagend.

Was könnte nicht alles zu Kolbenheyer geschrieben werden, muß zu Kolbenheyer geschrieben werden, vor allem vom „Austria-Forum“, das das „Wissensnetz aus Österreich“ sein will. Wenn bedacht wird, welch honorige Menschen „Austria-Forum“ betreiben, wenn bedacht wird, wer „Partner“ von „Austria Forum“ sind, wenn bedacht wird, wer „Sponsoren“ von „Austria-Forum“ sind, könnte gedacht werden, das „Wissensnetz aus Österreich“ pflegt einen anderen Umgang …

Was in dem Eintrag von „Austria-Forum“ vor allem fehlt, ist, was Erwin Guido Kolbenheyer nach 1945 machte, nach dem Massenmord, nach den Massenverbrechen des Nationalsozialismus, für den er sich einsetzte, und dafür reichlich belohnt wurde, etwa ein „Gottbegnadeter“ zu sein, sein Tun nach 1945 also wird verschwiegen, er war bespielsweise Mitglied der rechtsextremistischen Gesellschaft für Publizistik …

Daß Erwin Guido Kolbenheyer vor 1945 sich „für den Nationalsozialismus [einsetzte]“, verblaßt gegen sein unbeirrbar gesinnungsgemäßes Wirken nach 1945.

Österreichische Tradition, beschönigend zu verschweigen.

Und es ist nur folgerichtig, daß ein „Wissensnetz aus Österreich“ das verschweigt, und es ist nur folgerichtig, daß ein solches „Wissensnetz aus Österreich“ so viele ehrenwerte „Partner“, so viele hoch angesehene „Sponsoren“ …

Und es würde alle vor ihnen schaudern.

Die Website des österreichischen Bundesministerums für Inneres wurde an diesem Montag, 22. Februar 2021, derart oft mit Aktuellem bearbeitet, daß der Irrtum nun auf die dritte Seite nach unten gerutscht ist, der Irrtum sohin nicht mehr prominent auf der ersten Seite der Homepage des Innenministeriums plaziert ist. Aber der Irrtum ist weiterhin nicht gelöscht. Weiterhin öffentlich. Nur tiefer und tiefer gerutscht.

Bei Kriminellen würde in so einem Fall gesagt werden, sie, die Kriminellen zeigen keine Tateinsicht, sie, die Kriminellen, sind ohne Reue. Und es würde alle vor ihnen schaudern.

Bemerkenswert an dieser Tat, die durch das Nichtlöschen fortgesetzt begangen wird, gleich einer Einbrecherin, die zwar auf frischer Tat ertappt wird, aber den Einbrecher nicht davon abhält, weiter einzubrechen, bemerkenswert an dieser Tat ist, der Beistand durch eine Tageszeitung österreichischer Qualität für das Innenministerium und für seinen Letztverantwortlichen, durch einen winzigen Satz, geschrieben am 22. Februar 2021:

„Fußi bekam daraufhin breite Unterstützung seiner Twitter-Follower.“

Als fänden das, was Rudolf Fußi nun passiert, ausschließlich und nur jene unterstützenswert, die seine „Twitter-Follower“ sind und eine gerade noch von einer Oppositionspartei, aber sonst kein Mensch in diesem Land.

Aber diese Serientat des Innenministeriums und seines Letztverantwortlichen, und es kann von einer Serientat gesprochen werden, da diese Tat seit dem 13. Februar 2021 bis heute, 22. Febraur 2021, 23.00 Uhr, ohne Unterbrechung begangen wird, kann und muß eine Gegenrede erfahren, ohne einer Oppositionspartei anzugehören, ohne ein „Twitter-Follower“ von Rudolf Fußi zu sein, weil es wieder einmal exemplarisch den Umgang mit dem Recht durch diese türkis getupfte christschwarze Partei kenntlich macht.

PS Mit Karl Nehammer kann dem Begriff „Letztverantwortlicher“ beispielhaft für Angehörige seiner Partei eine weitere Erklärung seiner Bedeutung hinzugefügt werden, Eingang finden in ein österreichisches Wörterbuch.

Der und die Letztverantwortliche bezeichnet eine Person, die die Letzte ist, die Verantwortung übernimmt, aber auch nur dann, wenn keine weitere Person mehr gefunden werden kann, von der das Ziehen von Konsequenzen aufgrund ihrer Amtsverantwortung stellvertretend verlangt werden kann.

Der Irrtum, der bleibt.

Am Samstag, 20. Februar 2021, erzählte Sigrid Maurer zur Mittagszeit, das Innenministerium habe bekanntgegeben, es habe sich um einen Irrtum gehandelt, daß es so auf der Homepage gelandet sei, und, sie denke, es sei bereits runtergenommen …

Nun, dieser Irrtum ist nach wie vor, am 22. Februar 2021, auf der Website des Innenministeriums. Es kann aber vom Ministerium nicht gesagt werden, es hätte noch keine Zeit gegeben, die Website zu aktualisieren. Diese wurde am gestrigen Sonntag aktualisiert, diese wurde an diesem Montag mehrmals aktualisiert, wie gelesen werden kann. Es wurde auch bereits gestern der Letztverantwortliche, also der Innenminister, darauf aufmerksam gemacht, daß auf der Website seines Verantwortungsregimes der Irrtum weiterhin geblieben ist, wie gelesen werden kann.

Daß es nach wie vor nicht gelöscht wurde, ist möglicherweise einer diebischen Freude des Ministeriums samt seines Letztverantwortlichen geschuldet, nicht nur Rudolf Fußi vorzuführen, sondern ein weiteres Mal in Person von Sigrid Maurer, die ja am Samstag meinte, das sei bereits runtergenommen, auch die gesamte Partei der Grünen, also die Koalitionspartnerin der türkis getupften christschwarzen Partei, vorzuführen.