Es gab vor wenigen Monaten, im 18er Jahr, manche, die meinen, die schwarzidentitäre Regierung in Österreich ändere das Symbole-Gesetz, aber die vielen Zeichen der außerparlamentarischen Identitären bleiben unberücksichtigt. Zu dieser Zeit hätten viele auf die Frage, ob ihnen denn Christkirchen was sage, wohl geantwortet, ja, das sei doch, habe da nicht der patriotische Dichter …
Wie nackt, wie fahnenlos sähen die Demonstrationen aus, wäre die zurzeitige Regierung derart kurzsichtig vorgegangen und hätte also auch die Symbole der außerparlamamentarischen Identitärinnen … stellen Sie sich bloß vor, etwa die Demonstration in Wiener Neustadt nur mit den wenigen Transparenten der … was wäre das für ein trostloser Willkommensgruß für Rosenkranz und Landbauer gewesen.
„Kickl hob auch hervor, dass die Liste von den Extremismus-ExpertInnen des Verfassungsschutzes ausgearbeitet wurde und insbesondere Gruppierungen umfasse, die eine reale Gefahr in Österreich darstellten. Genau das wurde allerdings von Peter Pilz (JETZT) in Zweifel gezogen. Die Liste umfasse nur solche Gruppen, die ÖVP und FPÖ als Extremisten abstempeln wollen, sagte er. Er sieht etwa nicht ein, warum die in Österreich kaum eine Rolle spielende ägyptische Muslimbruderschaft auf der Liste stehe, während ‚die türkische Muslimbruderschaft‘ Milli Görus fehle. Auch die Identitären und andere rechtsextreme Bewegungen würden in Ruhe gelassen. Pilz vermutet einen Zusammenhang mit engen Kontakten zwischen der ÖVP und Milli Görus auf der einen Seite und mit Verbindungen einzelner FPÖ-Mitglieder in die rechte Szene. Das brachte ihm den umgehenden Vorwurf von Hans-Jörg Jennewein (FPÖ) ein, ‚Dreckkübel‘ auszuschütten und eine ‚Schande‘ für das Parlament zu sein.“
Bei welcher Gelegenheit die Spickzettelkleidung „Bierjunge“ (mit dem Galgen vorne und „Hängt“ hinten) von Nutzen sein kann … vielleicht ist es die Ausgehuniform zum lustigen bierigen Beisammensein, damit nicht vergessen wird, gleich noch eines zu bestellen, wenn die Kellnerin mit dem zweiten kommt.
Auch für Kleidungstauschspiele eignet sich die Kleidung recht. Eine Gruppe „Die letzten Ritter“, die andere Gruppe „Templer“, vielleicht für ein Fragespiel in der Art:
Wer sind die letzten Ritter? Ihr seid die letzten Ritter. Wer sind die Templer? Ihr seid die Templer. Und gewonnen haben alle, ziehen sich dann zum Tausche aus. Aber gekürt wird zur Nachtführerin, die als Atout darunter noch das Stück mit den vier feschen …
Lübe üdentitüre Bewegüng, üch begrüße Üch recht hürzlüch in Wüner Nüstüdt! Hür süd Ühr sehr hürzlüch willkümmen! Bewegüngen wü dü Pegüdü in Dütschlünd, dü sind dü Spürspütze, dü dü Bevülkerüng im Kümpf gegen dü Bündesregürüng und gegen düses Süstem noch gebrüchen wird. Und jeder ünzelne Bürsch und jedes ünzelne Müdel von Üch, die hüte hür sünd und nicht nur hür, sondern quer dürch Üsterrüch ihren Münn und ihre Früü steht, hat mehr Rückgrüt und mehr Chürükter als düse gesümte Bündesregürüng züsümmen.
„Und jeder einzelne Bursch und jedes einzelne Mädchen von Euch, die heute hier sind und nicht nur hier“ – die Burschen Rosenkranz und Landbauer waren auch mit Ansprachen dabei …
„Liebe identitäre Bewegung, ich begrüße Euch recht herzlich in Wiener Neustadt! Hier seid Ihr sehr herzlich willkommen! Bewegungen, wie die Pegida in Deutschland, die sind die Speerspitze, die die Bevölkerung im Kampf gegen die Bundesregierung und gegen dieses Bundesregierung noch gebrauchen wird.“
Es ist, als würde nun von dieser Regierung in Österreich ein alter gar kurzer Zauberspruch wieder gesprochen werden: „In die Ecke, Besen! Besen! Seids gewesen.“
„Alle Hoffnungen legte er in seine Symphonie. Es ging um einen Preis. In der Jury saß Brahms. Das ist die Schwachstelle im Roman, der sich sonst sogar um die Beschaffenheit des Grases unter jenem Bierfass kümmert, welches Stifter und Richard Wagner austranken.“
Das ist nicht die einzige Schwachstelle in der Besprechung von Peter Pisa im „Kurier“ vom 23. Februar 2019. Stifter mit Richard Wagner trinken zu lassen, während tatsächlich Bruckner mit Wagner trinkt.
„Wagner schaute Bruckner an und lächelte. Er sprach von seinem eigenen Grab, seinem Grabstein. Plötzlich beugte Wagner sich hinunter und stöberte unter der Bank. Dort hatte er ein Fass Bier versteckt, das er nun hervorzog und in das Gras vor der Bank stellte. Es grub eine tiefe dunkle Spur in die abendfeuchte Grasdecke, aber die niedergezwungenen Halme richteten sich im schwachen Licht rasch wieder auf. Zwei solide Bierkrüge tauchten von irgendwoher auf. Wagner drehte am Hahn und schenkte dem erstaunten Bruckner ein.“
Peter Pisa rezensiert „Wie man ein Genie tötet“ von Ingvar Hellsing Lundqvist.
Wäre es für Peter Pisa dann keine „Schwachstelle“, wenn Lundqvist die Namen nicht genannt hätte, vor allem Brahms aus dem Spiel gelassen hätte? Diese Unklarheit, was Pisa mit „Schwachstelle“ meint, ist selbst eine Schwachstelle in seiner Buchbesprechung.
„Seine Symphonie Nr 1. in E-Dur, die er im Alter von 20 komponiert hatte, wurde erst 100 Jahre später erstmals aufgeführt.“
Das ist eine weitere Schwachstelle in der Besprechung von Peter Pisa, und vielleicht gar nicht so sehr seine, sondern eine generelle österreichische Schwachstelle. Nur nicht zu genau sein, im Ungefähren bleiben, vor allem dann, wenn damit kein Ruhmesblatt beschrieben werden kann.
Wenn es österreichisch zugegangen wäre, würde die Symphonie von Hans Rott wohl bis zum diesem Jahr 2019 noch nicht aufgeführt worden sein.
Es war ein englischer und kein österreichischer Musikwissenschaftler, der vor rund vierundvierzig Jahren während seiner Studien in Wien die Partitur in der Nationalbibliothek fand. Paul Banks konnte den Dirigenten Gerhard Samuel dafür gewinnen, die Symphonie von Hans Rott erstmals zur Aufführung zu bringen. Am 4. März 1989, also vor dreißig Jahren, war es dann endlich soweit, die erste Aufführung, mit einer Verspätung von rund einhundertzehn Jahren, in Cincinnati, und das ist kein Ort in Österreich.
Hans Rott starb vor einhundertfünfunddreißig Jahren, am 25. Juni 1884 – am darauffolgenden 1. August hätte er seinen 26. Geburtstag gefeiert haben können.
„Um Brahms kümmert er sich nicht.. Brahms ist einfach nur ein A…“
Das ist wohl die Hauptschwachstelle der Buchkritik von Peter Pisa. Es ist ein Roman über Hans Rott, nicht über Brahms. Dafür kommt er, Brahms, zur Genüge vor, rollengerecht zur Genüge, und eigentlich, gemessen an seiner im Leben von Hans Rott spielenden Rolle, schon zu viel vor. Als Richter, der ein Leben zerstören kann. Wer erzählt schon vom Leben einer anonymen Richterin, die beispielsweise am Bezirksgericht einen Menschen durch ihr falsches Urteil in das Unglück stößt? Sie kommt vor in einem solchem Bericht, als Auslöserin. Mehr nicht. Genau das ist die Rolle von Brahms im Leben von Hans Rott. Mehr nicht.
Brahms, der Täter. Die Tat von Brahms wird ausführlich beschrieben. Mehr ist von Brahms nicht zu erzählen. Aber Peter Pisa schlägt sich auf diese Seite von Brahms. Pisa will wohl, daß Gutes von und um Brahms erzählt wird. Aber es gibt von Brahms nichts Gutes zu erzählen, wenn es um ihn im Leben von Hans Rott geht. Peter Pisa möchte den Vertreter des Konservativen retten, und dafür greift er auch zur Behauptung, er, Brahms, wäre in diesem Roman „einfach nur ein A…“. Tatsächlich wird Brahms in diesem Roman nicht als Arschloch vorgeführt, sondern als „rechtschaffener und gerechter Mann“. Das sagt Anton Bruckner in seiner Grabrede zu Hans Rott über Brahms.
Und es gibt eine Stelle in diesem Roman, die dieser Behauptung von Pisa, Brahms sei einfach nur einArschloch in diesem Roman, entschieden widerspricht. Im Kapitel über das Begräbnis von Hans Rott:
„Bruckner senkte die Stimme. Erst jetzt, als plötzlich Stille eingetreten war, hörte man schwach knirschende Schritte, die sich langsam entfernten. Aber niemand drehte sich um, um den Schatten der Figur zu sehen, die unmerklich hinter einigen Grabsteinen verschwand. Johannes Brahms wurde bald verschluckt von dem Dunst, der sich aufdrängte und ihm schwer über seine Schultern fiel und seine Gestalt auflöste.“
„Einfach nur ein A…“ geht also zum Begräbnis von dem Menschen, dessen Leben er durch sein Urteil zerstörte. Das kann als Zweifel, als Reue an seinem Urteil gewertet werden. Das einem „Arschloch“ zuzugestehen, zeigt, wie sehr es bloße Behauptung ist, daß Brahms in diesem Roman „einfach nur ein A…“ sei, wie Peter Pisa in seiner Buchkritik diese aufstellt.
Brahms beging die Tat nicht allein, sondern gemeinsam mit Hanslick, dem zweiten Schicksalsrichter von Hans Rott. Hanslick sah aber sich nicht verlasst, jedenfalls erzählt der Roman davon nichts, aus welchen Gründen auch immer, wenigstens verstohlen dem Begräbnis von Hans Rott beizuwohnen.
Und es gibt weitere Schwachstellen, in der Besprechung von Peter Pisa, die eigentlich Leerstellen sind. Denn.
Peter Pisa erwähnt nichts davon, was in diesem Roman alles von diesem Österreich vor 135 und mehr Jahren erzählt wird, wie es in diesem Österreich zugegangen ist. Vielleicht, um zu vermeiden, daß es mit der Gegenwart verglichen wird. Und ein solcher Vergleich fällt nicht vorteilhaft für das gegenwärtige Österreich aus.
Dabei geht es um den „neuen Menschen“. Im „Roten Hahn“ geht es hoch her. Auch Viktor Adler ist mit dabei. Es werden Reden gehalten. Auch Viktor Adler spricht, auch er vom „neuen Menschen“.
„Nun erhob sich Hans Rott und ging mit einigen unsicheren Schritten auf Viktor Adler zu. Der laute Klang der Bierkrüge, mit denen sie anstießen, hatte die lähmende Wirkung eines Blitzeinschlages. Er wankte, aber nun war er dran. Das war die Stunde seines Auftritts. Es war Zeit für seine Proklamation. „Es lebe die neue Symphonie! Sie wird die Herzen der Menschen vereinen. Es lebe der neue Mensch!“ […] Ich werde diese Symphonie schreiben. Ich werde die neue Symphonie schreiben. Sie wird die Menschen vereinen. Es lebe der neue Mensch!“ Hans Rott hörte seine Worte laut und durchdringend über die ganze Halle, und er wollte noch viel mehr hinausschleudern, aber es trug nicht mehr. Es zerschmolz und musste reichen. Wieder stieß er mit Adler an. Alle erhobenen Bierkrüge blieben in der Luft hängen. Stimmengewirr brauch aus. Einige schüttelten den Kopf. Andere erhoben erneut ihre Gläser. Jemand wiederholte: „Die neue Symphonie.“ Andere ergänzten: „Der neue Mensch“. Der Chor steigerte sich mit jedem geschwungenen Bierkrug: „Die neue Symphonie“ – „der neue Mensch“!
„Nicht jeder war in der neuen Welt willkommen, das sah man deutlich. Hatte sein eigener Vater nicht seinen Namen von Roth zu Rott geändert? Warum? War Roth ein jüdischer Name! Gab es Juden unter den Vorfahren, solche, die im Reich des neuen Menschen unwillkommen waren?“
Vor rund einhundertvierzig Jahren. Im „Roten Hahn“. Und was ist geworden aus dem „neuen Menschen“. Was ist geblieben? Die Hallen. Die Biere. Und die Störenfriede.
„Wahret den arischen Gedanken und schmeißt die Juden raus!“ Das war einer der Störenfriede.“
Aber nicht nur das Politische in diesem Österreich kommt vor, auch die gesellschaftlichen Verhältnisse.
„Das Goldene Kreuz des Kaisers! Eine der höchsten Auszeichnungen, die man erhalten konnte glänzte ihn in leuchtendem Gold an. Kaiser Franz Joseph selbst hatte seinen Vater ausgezeichnet. Warum hatte Vater nie etwas davon erzählt?“
Hans Rott wird von seinem Bruder Karl darüber aufgeklärt.
„Vater hat sie mir gezeigt. Vor etlichen Jahren. Er sagte, dass er sich schämt …“ „Wir haben nicht denselben Vater. Mein Vater … ja, den habe ich nur auf Bildern gesehen. Und Mutter sprach auch nicht viel über ihn.“ „Ich weiß, dass wir nicht denselben Vater haben.“ Karl zögerte. „Ich meine, mein Vater war der Bruder des Kaisers … vielleicht nicht gerade Bruder, aber jedenfalls ein nahe Verwandter. Er meinte, dass er als Schauspieler wohl nicht gut genug war. Dass alle, die das Theater besuchten, ihn nicht genügend schätzten. Und war die Zeitungen über seine Auftritte schreiben, war nicht gut genug. Das einzig Gute an ihm und der Medaille war, dass er sich um den Sohn des Erzherzogs gekümmert hatte.“
Der Erzherzog aus der Familie engverkreuzten Familie Habsburg kommt in einem weiteren Kapitel vor. Es löst sich auf, was mit der Medaille es auf sich hat. Positiv das Verhalten zu nennen, wäre dennoch unangemessen.
Peter Pisa scheint es wichtig zu sein, denn das erwähnt er, Hans Rott sei des Diebstahls verdächtigt worden, na, so einer muß doch irgendwie … auch wenn es sich herausstellt, daß er den Diebstahl nicht begangen hat. Mahler hingegen kommt bei Pisa gut weg, er spielt doch „Freunden“ Rott vor. Aber die Symphonie von Rott führt er öffentlich nicht auf, niemals. Er hat sie wohl gebraucht, zum Komponieren seiner eigenen Symphonien. Das wäre wohl auch kein Vergleich zum Vorteile von Mahler gewesen.
Was von Peter Pisa auch nicht zu erfahren ist, das im Roman beschriebene Sittenbild von Wien. Auch das im Krankenhaus.
„Zuweilen geschah es auch, dass er nachts an Hans‘ Bett kam und sich auf abscheulichste Weise an ihm rieb. Hans konnte nicht verstehen, dass dieser Mensch einst einer der hervorragendsten Schauspielere Wiens war.“
„Einer meinte, von seiner Frau betrogen worden zu sein. Man habe ihn hergeschickt, weil er sie in ein dunkles Kellerloch gesperrt hatte.“
„Einer hatte sich in seiner Wohnung verbarrikadiert. Vom obersten Stockwerk aus hatte er gedroht, alle zu erschießen, die sich näherten. Er wollte schießen, weil die Welt voller Narren war. Alle waren gegen ihn.“
„Ein anderer hatte seine Frau gewürgt. Weil sie ihn verhext hatte.“
„Walter Baumgarten, Streckenwärter, Eisenbahnarbeiter (Leobersdorfer Bahn, Berndorf) Nach Tod der Gattin immer häufiger unwohl … Droht, die Schienen aufzubrechen, damit der Zug entgleist, um sich an Gott zu rächen … Nachbarn alarmierten Polizei, da er gesehen wurde, als er die Gleise mit Spitzhacke bearbeitete …“
Das Klügste in der Buchkritik von Peter Pisa ist wohl, daß er bloß den Namen eines Kritikers erwähnt, nämlich Eduard Hanslick. Und sonst nichts. Die Gegenwart verlöre gegen die Vergangenheit.
„Hans Rott hörte Goldmarks immer lauteres Tromeln auf dem Tisch nicht. Er sah auch nicht, wie Hanslick sich mit seinem Blatt in der Hand zurücklehnte, während sein wohlgestutzter Schnurrbart zuckte, da er etwas zu entdecken schien. Tatsächlich! Er hatte einen fürchterlichen Fehler begangen. Er hatte Konzert in D-Dur geschrieben. Dabei war es F-Dur. F-Dur, zum Kuckuck! Wenn das in die Zeitung gekommen wäre! Hanslick spürte den kalten Schweiß auf der Stirn ausbrechen. Wenn das gedruckt worden wäre! Das hätte Gelächter hervorgerufen. Er hätte sich dem Gespött der Leute preisgegeben!“
Der Staatsspitzenmann aus der zurzeitigen Regierungspartei ist so stets wie recht glaubwürdig, auch mit dieser seiner Aussage, diese seine Partei habe „nichts mit den Identitären zu tun“.
Wie viele Jahrzehnte wurde in Österreich die quälende Frage gestellt, ob denn der „Rechtsstaat“ in Österreich „funktioniert“. Wie haben sich alle, allen voran wohl die ÖVP, sich selbst damit gemartert, ob sie denn einen „funktionierenden Rechtsstaat“ den Menschen im Land …
„ich glaube daß es gerecht ist also wenn ein zivildiener oder auch bei dir also die soldaten also nicht so viel verdienen warum sollen also die ayslberechtigten einen höh asylwerber einen höheren lohn haben“
Dafür führt Susan Neiman in ihrem Buch „Warum erwachsen werden? – Eine philosophische Ermutigung“ ein Beispiel an:
„Offenbar erkennen selbst manche Tiere Ungerechtigkeit. Die Primatenforscher Frans de Waal und Sarah Brosnan führten eine Reihe von Experimenten durch, bei denen jeweils zwei Kapuzineräffchen zur Belohnung ein Stück Gurke erhielten, wenn sie eine kleine Aufgabe erledigt hatten – ein Gemüse, das sie gewöhnlich gern aßen. Beide erledigten bereitwillig die kleine Aufgabe (den Experimentatoren einen Stein zurückgeben), bis diese eines der Äffchen mit einer Traube belohnten – eine Frucht, die ihnen noch besser schmeckt. Daraufhin rebellierte der Affe, der weiterhin mit Gurke belohnt wurde; er warf mit dem Stück Gurke nach der Versuchsleiterin und weigerte sich, weiter mitzumachen. Es ist interessant, dass die Affen ihren Zorn auf den Experimentator beschränkten, der eindeutig die Quelle der Ungerechtigkeit darstellte, und nicht den anderen Affen einbezogen, der davon profitierte. Das Experiment, das mit anderen Affen und auch anderen Tieren wiederholt wurde, legt den Gedanken nahe, dass ein grobes Gerechtigkeitsgefühl schon deutlich früher in der Entwicklungsgeschichte auftaucht und nicht erst mit dem homo sapiens.“
Welche Schlüsse können aus diesen Experimenten gezogen werden?
Was dies in bezug auf die Entwicklung der zurzeitigen Bundesregierung bedeutet, will gar nicht behandelt werden. Kurz zusammengefaßt: vom Groben zum Gröbsten.
Das sollte sich auch bei Menschen, die auf der anderen Seite von dieser Regierungskameraderie stehen, wieder verstärkt breitest durchsetzen, zu wissen, vor allem bei jenen, die meinen, Profiteure der identitären Ungerechtigkeit zu sein, gegen wen die „Gurke“ zu werfen ist.
Es ist, vielleicht, doch besonders hervorzuheben, wo die Wanderung der „großangelegten Umvolkung“ begann. Sie begann nicht in den sogenannten Sozialen Medien, sondern in den „Kärntner Nachrichten“ …
„Mölzer veröffentlicht in den Kärntner Nachrichten (3. 5. 1990) einen Artikel mit dem Titel ‚Österreich – Ein Einwanderungsland?‘. Derselbe Artikel erscheint wortwörtlich identisch in der rechtsextremen Zeitschrift Die Aula (6/1990) unter dem Pseudonym F.X. Seltsam. In diesem Artikel betont er, dass ‚die Freiheitlichen sich als Vertreter der autochthonen Bevölkerung, die Teil der deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft ist, sehen‘ und eine ‚großangelegte Umvolkung, wie sie die Propagierung einer multikulturellen Gesellschaft bedeutet, aber klar dem Verfassungsauftrag für unsere Politik [widerspricht]‘.“
Erst danach kamen die sogenannten Sozialen Medien auf. Und menschgemäß wanderte rasch und wandert weiter auch, kurz gesagt, die „großangelegte Umvolkung“ in den sogenannten Sozialen Medien, wie alles, das an diesen zu schelten, zu loben ist.
Nun aber sind im Zentrum der Anklage die sogenannten Sozialen Medien, als gäbe es hinter tausend Websites keine Welt, die heutzutage analoge Welt genannt …
Aber diese analoge Welt gibt es weiter. Und in dieser Welt sprechen Gesinnungsmänner weiter von „Umvolkung“, verwenden Gesinnungsfrauen dafür mannigfache Versionen von „Umvolkung“, beispielsweise …
„Das Wort ‚Umvolkung‘ will Strache nicht in den Mund nehmen, aber: Es finde in vielen Bereichen ein ‚Bevölkerungsaustausch‘ statt, so Strache: ‚Nicht der Begriff ist das Problem, sondern der Zustand.‘ Über das Vokabel könne man diskutieren, aber es gehe darum, einen ’schleichenden Bevölkerungsaustausch‘ aufzuzeigen. Strache steht also voll und ganz hinter Schnell.“
Aber im Zentrum stehen die sogenannten Sozialen Medien, die bloß hinzugekommen sind …
In solchen Momenten bietet es sich an, Gedichte umzuschreiben, hinzuschreiben auf die Gegenwart …
Media wands
Der Blick ist vom Vorübergehn der Sites So müd geworden, dass er nichts mehr hält. Es ist, als ob es tausend Sites gäbe Und hinter tausend Sites keine Welt.
Der stechend Gang behäbig ungelenker Schritte, Der sich im allerkleinsten Kreise dreht, Ist wie ein Tanz von Trachten um eine Mitte, Der betäubt ein großer Wille vergeht.
Nur manchmal schaltet der Filter vor der Pupille Sich lautlos aus –. Dann geht ein Bild hinein, Geht durch der Glieder angespannte Stille — Und hört im Herzen auf zu sein.
Es dürfen Hans Rauscher hehre Motive angerechnet werden, aber es kann ihm dennoch nicht nachgesehen werden, daß er hierfür ziemlich Verqueres vorbringt, und auch Beschönigendes, durch die zeitliche Abfolge.
„‚Identitäre‘ demonstrieren in Wien mit Slogan des Christchurch-Attentäters“
Das ist der Untertitel von „Ermutigt vom politischen Klima?“ von Hans Rauscher am 22. März 2019.
„Christchurch-Attentäter“ mordet mit Slogan der Identitären und die Identitären demonstrieren in Wien mit ihrem Slogan, den sie von den Freiheitlichen lernten, die diesen wiederum …
„Am Donnerstagabend demonstrierte die rechtsextreme Gruppe Die Identitären in Wien mit einem bengalischen Feuer und einem großen Banner: ‚Gegen den Terror – Gegen den Großen Austausch!‘ Damit benutzt die IBÖ (Identitäre Bewegung Österreichs) den Titel des Manifests (‚Der Große Austausch‘) des Christchurch-Attentäters, der auf 74 Seiten seinen verschwörungstheoretischen Wahn ausließ.“
„Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) hat schon vorher die Ähnlichkeiten zwischen dem Text des Massenmörders und den Identitären analysiert. Die sagen dazu auf ihrer Homepage: ‚Der Große Austausch ist keine ‚Verschwörungstheorie‘, sondern eine statistisch klar belegbare Entwicklung, die aus niedriger Geburtenrate und Massenzuwanderung resultiert. Als Folge davon werden die Österreicher zur Minderheit im eigenen Land.‘ Statistisch gesehen ist das Blödsinn. Demografen gehen davon aus, dass in den USA und Europa der Anteil der ‚weißen‘ Bevölkerung etwas kleiner wird, aber der ‚große Austausch‘ nicht passieren wird. Wenn es einen Grund für Besorgnis gibt, dann den, dass die Identitären überhaupt kein Problem damit haben, das Wording und die Argumentation eines Mörders von 50 Menschen zu verwenden. Weil sie sich vom gegenwärtigen politischen Klima im Land ermutigt fühlen?“
„Statistisch gesehen ist das ein Blödsinn.“ In anderen Ländern, in denen es auch Identitäre gibt, die sich in irgendwelchen Hinterzimmern treffen, ist es durchaus richtig, kurz wie einfach es „Blödsinn“ zu nennen, in Österreich jedoch ist es, um bei der Wortwahl von Hans Rauscher zu bleiben: ein Staatsblödsinn.
Das Verquere von Hans Rauscher in diesem seinem Artikel ist – vielleicht als Beruhigung gedacht? für wen? – der Satz, Demografen gingen davon aus, daß der Anteil der „weißen Bevölkerung“ etwas kleiner werde, aber der große ‚Austausch‘ nicht passieren werde … Je noch in solchen Kategorien zu denken und zu schreiben — einer Identitärin oder einem Identitären, der solches schriebe, die derartiges in identitären Kategorien vorbrächte, würde vorgeworfen werden, er sei zu gemäßigt, sie sei für kein hohes Amt, das aber bislang nur in Österreich und in Ungarn, ach ja, und in Italien, geeignet …
Der Schlußsatz von Hans Rauscher über die „Besorgnis“ — nun, mit dem soll geendet werden, menschgemäß ein wenig zurechtgerückt, passend also zur zeitlichen Abfolge …
Wenn es einen Grund für Besorgnis gibt, dann den, daß der Mörder von 50 Menschen überhaupt kein Problem damit hatte, das Wording und die Argumentation der Identitären vulgo Freiheitlichen zu verwenden. Weil ihn das politische Klima in Neuseeland fühlen ließ, dieses Wording und diese Argumentation ist dort nur mit Mord breit ins Gespräch zu bringen?
PS Und inmitten des rauscherischen Artikels stellt die Tageszeitung österreichischen Qualitätszuschnittes die Frage zur Beteiligung, ob es denn zu viele „Migranten in Europa“ … wie viele werden wohl das „gelbe Gesichtchen“, das diese Umfrage ziert, verwechseln mit dem Logo der …
… oder denken, bei sich im Stillen, na, wenn diese Qualitätszeitung schon so fragt, in identitären Kategorien fragt, dann müssen die irgendwie und irgendwo doch recht …
Menschen sollen, beispielsweise Christof Zellenberg, reden, auch im Fernsehen.
Aber in dafür speziellen Formaten. Und als solche klar gekennzeichnet. Das muß doch möglich und machbar sein. Wer einen Vierkantschraubenschlüssel erwirbt, kann vor dem Kauf sich erkundigen: nach dessen Beschaffenheit, wo und von wem dieser erzeugt wurde …
Sendungen der Yes-idle-talk-Areas sind auch klar als solche während der gesamten Laufzeit deutlich ununterbrochen zu kennzeichnen. Damit Zuseher wissen, sie sehen sich keine Diskussion an, sondern eine Sendung des Geschwätzes.
Das Wort für Geschwätz im Englischen ist übrigens: Talk. Wahrscheinlich deshalb die Verwendung des englischen Wortes für Geschwätz im Deutschen. Talk klingt nach etwas. Geschwätz ist nur Geschwätz, weiter nichts. Talk kann aber durchaus anspruchsvoll sein. Es gibt fruchtbringende Talksendungen. Deshalb die Unterscheidung zwischen talk und idle talk. Idle talk ist nur leeres Geschwätz. Idle steht für viele deutsche Wörter, wie unproduktiv, unnütz, ungenutzt, träge, faul, inaktiv … kurzum, es kennzeichnet umfassend Sendungen, in denen beispielsweise ein Christof Zellenberg auftritt.
Warum Yes-idle-talk-Areas? Das ist so kurz wie einfach zu erklären.
Und zur Belustigung, zur Entspannung, einfach wie kurz: zur Denkabschaltung die Yes-idle-talk-Areas, aber stets ununterbrochen als solche gekennzeichnet …
Solche Sendungen haben in Hinkunft nicht nur wegen der Geladenen die Kennzeichnung Yes-idle-talk-Areas zu führen, sondern auch und zuerst deshalb, weil diese als solche bereits angelegt sind. Wie auch die letztnächtliche Sendung wieder einmal eindrücklich belegte. Zum Thema „Missbrauch in der Kirche“ einen Mann, also Christof Zellenberg, einzuladen, damit er in diesem Zusammenhang sein Geschwefel vom „Sittenverfall in der Gesellschaft“ … Es könnte viel dazu gesagt werden, wie gesitteter es im ethischen Sinn geworden ist, seit es nicht mehr das totale Regime des Organisierten Glaubens eines Zellenberg gibt, aber das hieße nur, an dieser fernsehanstaltlichen und zellenbergerischen Themenverfehlung mitzuwirken.
Sollte das Landhaus abgerissen werden, um zu verhindern, daß es spätestens jetzt durch den vielfachen Mörder zu einer Gesinnungspilgerstätte wird, wenn es denn nicht lange schon eine ist?
Der vielfache Mörder war also auf Bildungsreise, in Europa, und auch in Österreich. Braunau ließ er rechts liegen. Wer eine Reise tut, heißt es, hat viel zu erzählen, und wer eine Bildungsreise tut, hat viel zu schießen.
Sichtbare Zeichen sind nicht nur die Gedichte im Stiegenhaus. Wer erinnert sich nicht an den Umgang mit den Lobisser-Fresken im Landhaus? An deren Übertünchung. So steht das gesamte Kärntner Landhaus als sichtbares Zeichen für das gesamte Österreich: das Grundierte nur übertünchen, und wenn möglich, mit einer Farbe, die, zumindest beim ersten kurzen Blick, freundlicher …
Wer also eine Bildungsreise tut, hat viel zu schießen.
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