Lobe war genau der Pädagoge, der uns gefehlt hatte.

„Er erkannte unseren wirklichen Wert, auf einen Blick. Er wusste, mit wem er es zu tun hatte, und schenkte uns sein Vertrauen. Er setzte durch, dass die polizeiliche Überwachung aus der Schule entfernt wurde.“

Menschgemäß ist es Unsinn, zu sagen, es kann über ein Buch nicht gesprochen, weil dessen Inhalt unerträglich, unaushaltbar, nicht zu verkraften ist, wie behauptet wurde.

Wenn die Menschen, vor allem Kinder, in ihrem Leben das Geschilderte täglich auszuhalten haben, jede Nacht zu ertragen haben, ihre Weltwirklichkeit zu verkraften haben, dann ist das Lesen von solch Geschildertem und vor allem das Sprechen über solch Geschildertes eine …

Es muß aber das Geschilderte, das nicht auszuhalten ist, das nicht zu ertragen ist, das nicht zu verkraften ist, nicht nacherzählt werden, wie es in Besprechungen dieses Buch passierte. In solchen Besprechungen geben die Menschen, die solche Besprechungen schreiben, mehr über sich preis, als über das besprochene Buch selbst, durch ihre Auswahl, was sie wert befinden, nachzuerzählen. Das Wesentliche dabei verschweigen, die Stellen im Buch, die Wege aufzeigen, wie gegen dieses Elend vorgegangen werden kann, wie Menschen, diesem Elend entrinnen können, das absolut nicht erwähnenswert finden, wohl deshalb, weil sie, ohne das sich selbst eingestehen zu können, meinen, diese Menschen haben dort zu bleiben, wo sie sind, da sie, wie beispielhaft in einer Buchbesprechung es zu lesen ist, „Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“ sind. Der Rezensent, es ist ein Mann, der Rezensent wagt das, so fein ist seine Meinung von sich selbst, nicht in eigenen Worten zu schreiben, sondern maskiert es mit einem Zitat, läßt Karl Marx für sich marschieren.

Und wie gerade dieser Rezensent das Unwesentlichste in seiner Buchbesprechung hervorhebt, dafür darf das Beispiel des Schuldirektors Lobe herangezogen werden.

Der Buchbesprecher meint, die Beziehung zwischen Lobe und Calaferte, der in seinem Buch selbst eine Figur mit seinem eigenen Namen ist, ist „die einzige wirkliche Liebesgeschichte“ in diesem Buch.

„Der halbwüchsige Louis trifft bei seinem Schuldirektor, einem kriegsversehrten Lebemann mit Vorliebe für Kneipenschlägereien, instinktiv auf Verständnis. Es ist dies die einzige wirkliche Liebesgeschichte in einem Buch, das man künftig in einem Atemzug mit Célines Tod auf Kredit oder Jean Genets Miracle de la Rose wird nennen müssen.“

Eine Liebesgeschichte, nein – eine Freundschaft, ja … eine Freundschaft zwischen Calaferte und Lobe, von allem getragen, was eine Freundschaft kennzeichnet, auszeichnet.

Das Verständnis, das Lobe den jungen Menschen in der Schule entgegenbringt, ist kein instinktives Verständnis. Er weiß, was zu tun ist, und Lobe handelt. Für die jungen Menschen. Und die jungen Menschen erkennen sofort, was ihnen bislang fehlte.

„Lobe war genau der Pädagoge, der uns gefehlt hatte. Er erkannte unseren wirklichen Wert, auf einen Blick. Er wusste, mit wem er es zu tun hatte, und schenkte uns sein Vertrauen. Er setzte durch, dass die polizeiliche Überwachung aus der Schule entfernt wurde. Vor seiner Ankunft wurde unser Kommen und Gehen von zwei Wachleuten mit Argusaugen kontrolliert. Lobe verpflichtete sich, die Überwachung selbst zu übernehmen. Damit hatte er bei uns einen dicken Stein im Brett. Wir waren ihm sofort dankbar dafür. Mit dem würden wir auskommen können. Er stand auf unserer Seite, dieser Einarmige mit dem geriffelten Monokel, in dem sich die Lichter verfingen.“

„Als wir von der Schule abgingen, waren wir halbwegs annehmbare Jungs, die es, gestützt auf ihren Willen, mit dem Leben aufnehmen konnten, ohne systematisch zu Vorbestraften zu werden. Lobe hatte getan, was er konnte, und hätten wir nicht ihn gehabt, um uns ein wenig Verstand beizubringen, frage ich mich ernsthaft, was wohl insgesamt aus uns geworden wäre.“

„In einer Wohnung, die in Büchern versank. Vor dieser Flut von Bänden ist mir offenbar geworden, was ein Buch, was das Lesen sein sollte. Er war es, der mir das erste Buch lieh, das kein Schulbuch war: Widerlegung der Bibel.“

Vielleicht ist auch Neid dabei, daß der Buchbesprecher Lobe in seiner Besprechung auf Instinkte und Kneipenschlägereien reduziert, die Beziehung zwischen Lobe und Calaferte zur einzigen wirklichen Liebesgeschichte verkitscht. Weil der Buchbesprecher in seiner Jugend keine Pädagogin hatte, keinen Pädagogen wie Lobe, der ihm offenbarte, was ein Buch, was das Lesen

Es gibt Wege heraus, auch aus dem Elend, es gibt Veränderungen, Verbesserungen. Davon erzählt dieses Buch ebenfalls. Von der Wichtigkeit der Pädagogik. Davon aber berichtet der Buchbesprecher nichts. Das verschweigt der Buchbesprecher. Geradeso, als müsste es in Lagern auf ewig so bleiben, als dürfte es für Menschen in Lagern kein Entkommen, kein Entrinnen geben. Für sie keine Aussicht auf ein gutes Leben.

Von einem Buchbesprecher, der in seinem ersten Absatz bereits Karl Marx bemüht, könnte anderes erwartet werden, als das wohlige Nacherzählen von Grausamkeiten, als das Verkitschen, als das Mißverstehen, als das Miesverstehen …

Traurig, daß der Buchbesprecher nicht weiß, in seinem hohen Alter noch nicht weiß, was eine Liebesgeschichte wirklich

Tatsächlich nicht auszuhalten, tatsächlich nicht zu ertragen, tatsächlich nicht zu verkraften, sind derartige Buchbesprechungen.

Und wie so oft auch diesmal, das Glück, von solchen Buchbesprechungen erst später, durch Zufall, lange nach der Lektüre der miesbesprochenen Bücher erfahren zu haben.

Karl Marx, also ein Mensch des 19. Jahrhunderts hätte das Buch bereits leichthin verstanden, als ein Buch, das Möglichkeiten von Veränderungen, von Verbesserungen konkret aufzeigt, hin zu einem guten Leben. Ein gutes Leben, das der Buchbesprecher den Menschen in derartigen Lagern nicht zugesteht, weil sie für ihn, auch wenn er dafür Worte eines anderen mißbraucht, Abfall, Auswurf, Abhub sind, die es nicht verdienen, aus dem Elend herauszukommen, deshalb von ihm verschwiegen werden muß, daß es auch für sie Perspektiven gibt, nicht nur, aber auch mit starker Unterstützung durch Pädagogik. Durch eine Pädagogik aber, die nicht eine der „zärtlichen Sprache der Fäuste“ ist.

Calaferte selbst ist dafür der herausragendste Beispielgeber, mit seinem Glück, im richtigen Moment einen Pädagogen wie Lobe an seiner Seite gehabt zu haben. Die pädagogische Unterstützung darf aber kein Glück sein, sonst bleibt es bei Einzelfällen, die es schaffen, dem Elend zu entrinnen. Sie, die pädagogische Unterstützung, muß strukturell und breitest verankert sein.

Es gibt in dem Buch tatsächlich eine „wirkliche Liebesgeschichte“. Aber Calaferte ist keine Pilcher, und es muß Nachsicht mit dem Buchbesprecher geübt werden, diese wirkliche Liebesgeschichte nicht erlesen zu haben.

„Der letzte Satz dieses Buches, ein Satz der Liebe, ist für ihn geschrieben und für eine Frau, über die ich nicht gesprochen haben werde. Sie allein wird es wissen. Sie und ich. Und ich allein habe sie geliebt. Nicht wahr, G…“

Dieser Satz ist geschrieben für die geliebte Frau und für Schborn. Schborn ist für den Buchbesprecher ein „schöner Name“. Calaferte versteht nicht Liebesgeschichten wie Danella etwa zu schreiben, damit der Buchbesprecher eine solche auch sofort als eine erkennen kann, aber er, Calaferte, versteht es, von Liebe zu schreiben, auch von der Liebe in solchen Lagern, von der Liebe im Elend.

„Trotz seines gesunden Menschenverstandes, seiner Sicht der Dinge, seiner Schlauheit und seiner Vorliebe für das Abstrakte fehlte es Schborn an wirklicher Logik. Er war ein intuitiver Mensch. Ein Dichter. Einer, der die Welt zusammensetzt und auseinandernimmt, um sie von neuem und besser zusammenzusetzen. Später entdeckte ich in der Stadt, als wir zusammen wie eh und je ein entsetzlich unbequemes und heruntergekommenes Zimmer bewohnten, was mein Kamerad war. Ein erstaunlicher Kerl. Ein Herz voll von Mut. Ein Herz voll von Liebe. Dieser unbefriedigten Liebe, um die sich niemand in der Zone scherte. Hinter seinem grausamen Auftreten erwies sich Schborn als über die Maßen rein, er strebte nach dem Leben und der Liebe, die er nicht kannte. Der letzte Satz dieses Buches, ein Satz der Liebe, ist für ihn geschrieben und für eine Frau …“

Der Buchbesprecher soll auch ein Schriftsteller sein. Seine Buchbesprechungen sind Empfehlung genug, je kein Buch von ihm aufzuschlagen.

„Es begann am Arsch der Welt.“ Zitiert der Buchbesprecher den ersten Satz des Buches von Calaferte gleich zu Beginn seiner Besprechung.

Es soll mit dem letzten Satz des Buches der Abgesang auf einen Buchbesprecher das Kapitel geschlossen werden.

„Selbst meine Gespenster weigern sich, mir zu folgen, und in der Luft schwingt nur eine unmenschliche Musik zur Begleitung der Tränen, während ich für einen toten Kameraden und ein Mädchen, das ich liebe, einen wunderbaren Gesang der Liebe anstimmen möchte …“

„Der Österreicher“

Es gibt Bücher, von deren Inhalten nicht gesprochen werden will, auch nicht gesprochen werden kann. Weil die in diesen Büchern geschilderte Welt schon als nur gelesene Welt eine unerträgliche, eine nicht aushaltbare, eine nicht zu verkraftende Welt ist.

Wie unerträglich, wie unaushaltbar und eine nicht zu verkraftende Welt muß diese Welt für die Menschen und vor allem für die Kinder erst sein, die in diesen geschilderten Lagern tatsächlich Tag für Tag, Nacht für Nacht tatsächlich zu leben haben, ihnen diese geschilderte Blechhüttenwelt täglich ihre wirkliche Welt ist, ein Leben lang ihre einzige Weltwirklichkeit bleibt.

„Requiem für die Schuldlosen“ von Louis Calaferte ist so ein Buch, dessen Inhalt unerträglich, nicht aushaltbar, nicht zu verkraften ist.

Es versagt, von diesem Buch sprechen zu können.

Freilich, es könnte ein Kniff angewendet werden, um doch über dieses Buch sprechen zu können, es könnte ausgewichen werden, indem über die literarischen Qualitäten dieses Buches gesprochen wird. Und es ist von höchster literarischer Qualität, mit einem üblichen Wort: Weltliteratur. Aber sein Inhalt diktiert die Verweigerung, dieses Buch literarischen Kriterien zu unterwerfen.

Um es aber nicht zu verschweigen, dieses Buch doch ansprechen zu können, fern von Lyon, hier in Österreich etwa, oder besonders hier in Österreich, ist dieses Buch doch zu gütig, hilft das Buch selbst, nicht dem Schweigen verfallen zu müssen.

Mit einem Mann, von dem in diesem Buch erzählt wird. Es ist ein Mann, dessen Geschichte im Buch wenige Zeilen ausmacht.

Mit dem Österreicher, der eine absolute Nebenfigur ist, und als Nebenfigur im Grunde nur vorkommt, weil die anderen, Kinder, sich von ihm täuschen lassen, daß er nämlich blind ist, aber lange hält die Täuschung nicht, nur für ihn selbst, den Österreicher …

„Die Tatsache, dass ein Individuum wie Lubitsch uns seine Blindheit einreden konnte, obwohl er genauso klar und deutlich sah wie jeder von uns, beeindruckte weder Schborn noch Debrer noch Lubresco, die doch nur Kinder waren. Wir dachten ganz aufrichtig, dass der Österreicher blind war, und zum Spaß führten wir ihn oft in die Irre, ohne seinen Trick zu durchschauen. Das dünne Kerlchen ließ es sich gefallen, es konnte seiner eigenen Phantasie nicht entrinnen.

Lubitsch war dennoch ein Sonderfall. Er war irgendwann bei uns gelandet und rührte sich nicht mehr weg. Er kam an einem Sommerabend, vor ihm ging ein weiß gekalkter Stock. Seine trüben grauen Augen standen offen, weit offen. Feld nahm ihn einige Monate lang bei sich auf und gab ihm zu essen, doch dann bezog er eine Blechhütte beim Brachland. Und wenn irgendeiner daran dachte, brachten wir ihm Essensreste. Ob das nun unmöglich erscheint oder nicht, Lubitsch, lebte fünf Jahre in seinem Verschlag, allein, auf einem Hocker sitzend oder auf dem Stroh liegend, und trat nur unter der Bedingung auf die Straße, dass ein Junge ihn führte.

Dass er normal war, stellten wir an dem Tag fest, an dem seine Bude Feuer fing und er ohne Hilfe hinausrannte. Als er sich durchschaut sah, antwortete er nicht auf die Fragen. Er behauptete, die Angst vor der Gefahr habe ihm das Augenlicht zurückgegeben. Und obwohl keiner daran glauben wollte, blieb er dabei.

Lubitsch war ein komischer Kauz und neigte ganz einfach dazu, sich zu kasteien. Ohne das Stigma irgendeines Leidens konnte er nicht leben. Das ging so weit, dass er sich eines Morgens, da er nicht mehr von seiner aufgeflogenen Lüge profitieren konnte, sich mit einem Gewehr aus nächster Nähe die rechte Hand wegschoss. Nachdem wir ihn blind gesehen hatten, gewöhnten wir uns daran, ihn einen hässlichen violetten Stumpf herumschleppen zu sehen. Das änderte nicht viel an seiner Existenz, außer, dass er nicht mehr von der Gemeinschaft ernährt wurde. Wenig später bedeutete uns Feltin, er sei ein Spitzel. Das brachte ihm ein gewisses Einkommen.“

Das ist alles, was über den sich blind stellenden Österreicher, über den österreichischen Spitzel in diesem Buch geschrieben wird.

Für Louis Calaferte wird es belanglos gewesen sein, woher dieser sich blind stellende Spitzel kommt, er wird sich für diesen keine Herkunft groß ausgedacht haben, der sich blind stellende Spitzel wird tatsächlich einfach aus Österreich gekommen sein, einfach wie kurz ein Österreicher. Die Beschreibung des sich blind stellenden österreichischen Spitzels in Österreich zu lesen, hat die Qualität, die grillparzerische Beschreibung des österreichischen Menschen abzulösen.

„Da stellt der Österreicher sich hin, denkt sich seinen Teil und läßt die anderen reden.“

Die Zeilen von Grillparzer, der Text eines Dichters für Stellenanzeigen, ausgeschrieben zur Anstellung des österreichischen Menschen – „stellt sich hin, läßt die anderen reden“. Franz Grillparzer schrieb also das Anforderungsprofil für den österreichischen Menschen …

Einmal noch, um zu vervollständigen, was in diesem Requiem über den „Österreicher“ geschrieben steht, kommt der sich blind stellende österreichische Spitzel vor in diesem Buch, mit diesen wenigen Zeilen …

„Am Sonntag bat auch Lubitsch, als er noch als blind galt, jemand möge ihm ein Stück Brot geben. Das Symbol der Kommunion. Meine Mutter kümmerte sich um diese besondere Nahrung. Lubitsch umarmte sie überschwänglich, zumal ein Teil des Brotes auf dem Tisch liegen blieb, was am Ende der Woche immerhin schon etwas war.“

„Der Österreicher“, der Spitzel, der sich blind stellende Bettler …

Die Tafeln bleiben angerichtet, zu ebener Erd‘ und im ersten Stock

„Es widerspricht dem anti-deutschnationalen Inhalt der österreichischen Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945. Es widerspricht dem Geist der österreichischen Verfassung, die nationalsozialistische Wiederbetätigung verbietet. Es widerspricht dem antifaschistischen Auftrag des österreichischen Staatsvertrages von 1955. Eine Landesregierung, die der österreichischen Verfassung verpflichtet ist, würde so etwas in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht dulden. – Tut es aber. Dass dieses Denkmal überhaupt dort steht, ist skandalös. Dass es mit Zustimmung bzw. Duldung der Landesregierung dort steht, ist der wahre Skandal. Es restlos zu entfernen und in den Keller des Kärntner Geschichtsvereins zu verbringen, wäre gerade dieser Tage sinnvoll. Das wäre ein gelungener Beitrag zum 10. Oktober, und er könnte dann tatsächlich sinnvoll begangen werden – als Internationaler Tag der seelischen Gesundheit (‚World Mental Health Day‘).“

Das schreibt im Oktober ’20 Mirko Messner.

Allgemein ist einleitend zu sagen, daß solch ein „Denkmal überhaupt dort steht, ist nicht „skandalös“, es ist recht österreichlich, da „solch ein Denkmal“ an vielen Plätzen in diesem Land ….

Und nun zu Kärnten, im besonderen, zu diesem recht besonderen Teil des Landes Österreich. Kärnten belohnt die Menschen, die durch Kärnten wandern, mit einer Festtagstafel in seiner Landeshauptstadt. Und wer verdient sich nicht einen Platz an einer festlichen Tafel, dafür, die Mühe auf sich zu sich nehmen, das Land zu erwandern, Barbarossa zu besuchen, im Rheingold einzukehren, in der Walhalla vorbeizuschauen, in Feldkirchen die Werbeausstellung der Burschenschaft auf dem Platz zu bestaunen, stets geleitet zur sicheren Orientierung, nicht vom rechten Pfad abzukommen, vom weithin sichtbaren Leitkreuz, in Sachsenburg den Sinn des Lebens „Treu bis in den Tod“ bestätigt zu bekommen, in Villach, in Villach, ach, Villach, geistiges Wahrzeichen Österreichs …

Nach solchen Wanderungen durch das Land Kärnten ist es nur recht und billig, in der Landeshauptstadt an der Festtagstafel Platz nehmen zu dürfen, sich zu laben, an den Tafeln zu ebener Erd‘ und im ersten Stock …

Nicht nur mit Brot die Menschen zu versorgen, ist des Landes Kärnten hehrer Auftrag, sondern auch mit rechter Bildung ist des Landes Kärnten heilige Pflicht. Und wahrlich kann das Land Kärnten von schönen Erfolgen seines Bildungsauftrags berichten. Von einem weltweiten Bildungserfolg. Unvergesslich der Mann, der nach seiner Bildungsreise, die ihn auch nach Klagenfurt führte, im Angesicht des Wappensaals wohl augenblicklich wußte, was er zu tun hat, in Neuseeland.

Und wer das Brot gegessen, gelabt mit rechter Bildung, ist recht gestärkt für das gemütliche Beieinanderhocken zum Gesangsvortrage und zum Lauschen der Verse im Schutz des Leithakens

An überreich gedeckten Tafeln also auch in diesem Jahr wieder ein recht erhebender „Rezitationsabend zum 10. Oktober, der heuer auf den …………….. fällt“ — —

PS Mirko Messner spricht auch die österreichische Unabhängigkeitserklärung von 1945 an, die widersprechen würde, nun, ja, das ist so eine recht eigene Sache mit dieser „Unabhängigkeitserklärung“ … auch nicht „skandalös“, sondern österreichlich …

Hausverstand braucht Klimaschutz

Eine Auswirkung des Anbetens des Hausverstands ist stets das Verkümmern der Sprache, die Ungenauigkeit der Aussagen, die absolute Sinnverkehrung dessen, was gesagt werden will, bis hin zum totalen Sprachverlust.

Wenn als Beispiel hierfür allein herangezogen wird die Aussage „Wir hatten die Klimakrise“ des für kurz gewesenen und nun wieder spielenden Bundeskanzlers in Österreich, ist es durchaus möglich, daß die ÖVP eigentlich plakatieren wollte: „Hausverstand braucht Klimaschutz.“

Wie also der zurzeitige Bundeskanzler die Zeiten durcheinanderbrachte, indem er etwas als vergangen darstellte, das aber tatsächlich forciert andauert, nämlich die „Klimakrise“, dürfte es der ÖVP insgesamt nicht gelingen, das sprachlich korrekt auszudrücken, was sie tatsächlich meint, daß nämlich der „Hausverstand Klimaschutz“ brauche.

„Weil Klimaschutz Hausverstand braucht.“

Dieser von der ÖVP plakatierte Spruch macht und ergibt nur dann einen aussagekräftigen Sinn, wenn dieser einzig mit dem „Hausverstand“ gelesen wird, also, wie im letzten Kapitel ausgeführt, mit „kollektivem Denkverzicht“ …

Hingegen ist die wohl tatsächlich gemeinte Aussage der ÖVP, daß „Hausverstand Klimaschutz“ brauche, eine vollkommen nachvollziehbare Aussage für die ÖVP. Denn. Nur der Klimaschutz des Hausverstandes kann der ÖVP das Klima gewährleisten, in dem sie nur gedeihen zu können vermeint.

Hausverstand

Mit dem „Hausverstand“ zu werben, hat einem billigen Laden durchschlagenden Erfolg beschert. Den „Hausverstand“ beim Einkaufen von Karotten einzusetzen, ist sicher klug, um etwa nicht zu viele Karotten zu kaufen, die doch nur unverbraucht vergammelt im Abfalleimer landeten.

Den „Hausverstand“ in der Politik zu bemühen, wie es Gernot Blümel und Sebastian Kurz tun, mag ihnen „clever“ erscheinen. „Clever“ aber ist das doch nur, wie eine Billig-Laden-Marke „clever“ zu sein vermag.

Gernot Blümel setzt aktuell im Wahlkampf zur bevorstehenden Gemeinderatswahl in Wien am 11. Oktober 2020 auf den „Hausverstand“.

Sebastian Kurz setzt ein weiteres Mal auf den „Hausverstand“, ebenfalls jetzt im September 2020, um ein medizinisches Problem, auch genannt „Coronavirus“, zu lösen.

Sebastian Kurz setzte schon davor auf den „Hausverstand“, besonders in seiner Regierungserklärung, als die Damen und Herren der FPÖ für kurz Regierungspartei

„Kurz will mit ‚Respekt, Anstand und auch Hausverstand‘ regieren, Letzterer soll der ‚Kompass‘ für die Politik sein.“ 

Der „Hausverstand“, für Sebastian Kurz „Kompass für die Politik“ … Der Hausverstandskompaß mit seiner Anstandsnadel von Gernot Blümel und Sebastian Kurz mit seinem einzigen Pol Ibiza

Nun setzt auch Gernot Blümel wieder auf „Anstand und Hausverstand“, und er bringt dabei nicht einmal den Anstand auf, die Entscheidung der Wählenden abzuwarten, er will auf alle Fälle Vizebürgermeister in Wien werden, ihm dabei gleich, wie die Wahl ausgeht, ihm dabei gleich, wie die Menschen wählen

Die Anstandsnadel des Hausverstandskompasses festgefroren am Ibizapol …

Gernot Blümel will „Wien wieder nach vorne bringen“, so steht es auf seinem Plakatspickzettel, mit seines Parteimenschen Zurechtfindungsprothese Hausverstandskompass, aber vorne ist einzig der Ibizapol, und die Nadel dieser Prothese kann keine andere Richtung weisen. Ibiza steht nicht nur für das, was dort der für kurz gewesene Vizekanzler von sich gegeben hat, sondern generell für alles, das nichts mit Politik, mit Respekt, mit Anstand zu tun hat, und nur mit „Hausverstand“ …

Bloß „Hausverstand“,

„[E]in Synonym für solche Lebenstüchtigkeit ist der gesunde Menschenverstand. Dem sensus communis ist Populismus inhärent. Wer sich auf ihn beruft, tut es im Namen kollektiven Denkverzichts.“

Es ist, als würde Marcus Steinweg die Hausverstandsvorgänge in Österreich besonders berücksichtigen, ohne sie aber je zu erwähnen, und was er in „Metaphysik der Leere“ über den „Hausverstand“, von dem Gernot Blümel und Sebastian Kurz derart ergriffen sind, ihm derart erlegen sind, die aus nichts sonst als „Hausverstand“ bestehen, deren Hauptberuf „Hausverstand“ ist, auf den sie sich, worum es auch immer gehen mag, berufen, schreibt, muß im Gesamten, weil es eine zu schöne Stelle ist, zitiert werden.

„Meinungsindustrie

Mit Roland Barthes teilt Adorno die Unversöhnlichkeit gegenüber der intellektualitätsfeindlichen Doxa, dem, wie er sagt, ‚atheoretischen oder antitheoretischen Vorurteil‘. Statt nur Ahnungslosigkeit drückt es Ressentiment aus. Wer nicht denkt, muss gegen das Denken sein. Insofern es das Bedenken der Motive des Denkens wie der Denkverweigerung impliziert, kann Denken Nichtdenkenden helfen, sich zu verstehen. Dafür müssten sie sich auf es einlassen. Adorno und Barthes sind sich darüber im Klaren, dass Theoriebashing nur reaktionär sein kann. Es kommt aktivem Intelligenzverzicht gleich, der sich als Lebenstüchtigkeit tarnt. Ein Synonym für solche Lebenstüchtigkeit ist der gesunde Menschenverstand. Dem sensus communis ist Populismus inhärent. Wer sich auf ihn beruft, tut es im Namen kollektiven Denkverzichts. Die Doxa hat die Funktion, vom Denken abzubringen, um es durch Meinungskonsum zu substituieren. Kulturindustrie ist Meinungsindustrie. Sie reduziert den Denkgehalt auf Stereotype. Eine dieser Stereotype besagt, dass Theorie praxisfeindlich sei. Als ob Theorie nicht selbst eine Praxis wäre, deren Wirkungsmächtigkeit kaum überschätzt werden kann. Wenn es ein Leitmotiv der Schriften Barthes‘ und Adornos gibt, dann ist es der Kampf gegen die Doxa. Beide stehen gegen den Quietismus des Nichtdenkens auf, gegen das Vorurteil philosophischer Realitätsferne, gegen die lauthalse Mutlosigkeit selbstgerechter Reaktion. Von Barthes und Adorno kann man lernen, dass, wer sich aufs Denken einlässt, den Raum seiner Evidenzen verlässt, um sich Erfahrungen zu exponieren, die seine Existenz transformieren. Intellektualitätsfeindlichkeit erweist sich als Lebensfeindlichkeit, die im Namen des Lebens auf dessen Lebendigkeit verzichten will.“

Adorno, der vor über fünfzig Jahren einen Vortrag hielt, in Österreich: „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ … Wie würde heute sein Vortrag ausfallen, könnte er noch einmal einen Vortrag halten, in Österreich … wahrscheinlich im Überblick von mehr als fünfzig Jahren würde er wohl bloß den Titel zu kürzen brauchen auf „Aspekte des Rechtsradikalismus“ …

Ob Roland Barthes sich dagegen verwehrt hätte, für Österreich herangezogen zu werden? Nein, wohl nicht, es wäre ihm egal gewesen …

Quellen der tödlichen Gifte

Wie es sich doch immer wieder bestätigt, daß Menschen, die ein Kunstwerk schaffen, selbst am wenigsten wissen, was sie schaffen, sie mit ihrem geschaffenen Kunstwerk tatsächlich das Gegenteil von dem aussagen, was sie mit ihrem Kunstwerk eigentlich aussagen wollen.

Wie nun Jerzy Kalina mit seiner Skulptur „Die vergiftete Quelle“.

Bereits sein gewählter Titel „Die vergiftete Quelle“ für sein Kunstwerk, was für ein wahrer Titel für die Quellen, aus denen die Organisierten Glauben ihre mörderischen und tödlichen Gifte seit Jahrtausenden schöpfen und schöpfen und schöpfen …

Der Boden, auf den Jerzy Kalina den Papst stellt, ist rot. Nicht teppichrot, sondern blutrot.

Es ist zu Felsen verklumptes Blut, auf denen Kirchen gebaut.

Das Blut von allen Menschen durch die Jahrtausende, die Opfer der Glauben wurden, von allen Glauben, für die der Organisierte Glaube der römisch-katholischen Kirche nur stellvertretend exemplarisch steht, das Blut von allen Todesopfern von allen Organisierten Glauben durch die Jahrtausende bis zum heutigen Tag herauf, im September 2020.

Den Meteoriten, den Jerzy Kalina den Glaubensmann, der hier nur stellvertretend exemplarisch für alle Glaubensmenschen gleich welcher Organisation genannt, stemmen läßt, kann der Glaubensmensch leicht stemmen.

Denn. Der Meteorit ist nur ein Glaubensbuch, aber so tödlich wie ein Meteorit, und mit diesen ihren Glaubensbüchern schlagen Glaubensmenschen seit Jahrtausenden zu, mit diesen erschlagen sie seit Jahrtausenden Menschen und lassen sich Menschen seit Jahrtausenden erschlagen, und sie erschufen damit und erschaffen sich damit weiter ihre zweite Erde, die zur Gänze aus Menschenblut besteht, das sie fließen ließen und fließen lassen. Ihre Erde, einzig eine Blutmasse, unterteilt in drei Blutschalen: Blutkern, Blutmantel und Blutkruste.

Ihre Angst muß unvorstellbar groß sein, vor dem wirklichen Erdenboden. Als fürchteten sie, sie würden augenblicklich ertrinken, beträten sie je den tatsächlichen Boden der ersten Erde.

„Das ist eine Ansage!!!“

DOMINIK NEPP: Bevor Sie auf die Tränendrüse drücken: 100.000 Kinder in Wien sind armutsgefährdet. Wir sind Wiener Politiker und wir müssen uns um diese Kinder zuerst kümmern.“

Wie sehr Dominik Nepp und seine Partei sich „um diese Kinder zuerst kümmern“, hat die Partei von Dominik Nepp gemeinsam mit der zweiten Regierungspartei unmißverständlich und endgültig bewiesen, als sie für kurz Regierungsparteien

„FPÖ und ÖVP schmettern Antrag zur Bekämpfung von Kinderarmut in Österreich im Parlament ab“

„Das ist eine Ansage!!!“ Wird Dominik Nepp jetzt wohl sich selber zurufen, wie er es seinem ehemaligen Parteichef schreibend zurief, als dieser als noch nicht für kurz gewesener Vizekanzler eine Ansage machte, die keine Ansage gegen Kinderarmut war, sondern eine Ansage, zuerst die Kapitalertragssteuer zu senken, wenn er …

Die Lügen der Nacht in Zeiten der Corona

Kaum ging es recht los, mit dem Coronavirus, war es schon besiegelt, wie die Menschen sich zu verhalten haben werden, ihnen verordnet.

Kaum war es losgegangen, mit dem Coronavirus, wurde schon das Eis der Zivilisation aufgeschlagen, dazu brauchte es keinen Eispickel, keine Axt, ein Kindereisschaber reichte dazu vollkommen.

Regierungen verfielen dem Rausch des Befehlens, um eine Regierung eines Landes dafür beispielhaft zu nennen, die des Staates Österreich. Wie seltsam das anmutet, in einem Land, in dem ständig von Demokratie geredet wird, und kaum gibt es ein medizinisches Problem, fällt der Regierung nichts anderes ein, als augenblicklich mit Dekreten, mit Strafen, mit einschneidenden Beschränkungen zu reagieren, zu befehligen, als wären alle Menschen in diesem Land auf sie vereidigt, darauf vereidigt, ihr blindlings stumm zu folgen.

Wenn das medizinische Problem bisher, das seit den Iden des März recht losging, mit dem Coronavirus, etwas zeigt, so deutlich und so kenntlich und nie mehr übersehbar, dann dies, es braucht nicht einmal einen Kindereiskratzer, um das Eis der Zivilisation wegzuschaben, es reicht der kleine Nagel des kleinen Fingers eines Vorschulkindes vollkommen.

Aber es ist nicht die Regierung allein, die meint, mit dem Verdonnern zum absoluten Gehorsam, mit dem Befehl zum totalen Gleichschritt ein medizinisches Problem lösen zu können, während es andere Wege gäbe, ein medizinisches Problem zu lösen, gäbe es Demokratie und Zivilisation tatsächlich in diesem vollen Ausmaß, wie auch von dieser Regierung behauptet und spätestens jetzt, seit es losging, mit dem Coronavirus, permanent selbst widerlegt, durch ihr reflexartiges Heranziehen von Mitteln, die für den Zweck, ein medizinisches Problem zu lösen, je länger dieses medizinische Problem dauert, ungenügend sind, ständig von ihr selbst widerlegt wird, durch ihren reflexartigen Einsatz von Mitteln, die einer demokratischen Zivilisation absolut nicht entsprechen; es ist nicht die Regierung allein, die sich dem Rausch des Befehlens hingibt, sondern auch zu viele, die ihren Befehlen folgen, als wären sie auf sie vereidigt, als hätten sie ihr den Schwur absoluten Gehorsams geleistet und gleich Vorzugsschulkindern leisten sie darüber hinaus mehr noch als ihnen befohlen, durch freiwillige Aktivitäten, die der Befehlshaberin Regierung dienlich, nützlich zum Einhalten der Regierungsdekrete und Ruhighalten der Menschen. Dafür wird alles in die Schlacht geworfen, was je nur in die Schlacht geworfen werden kann, unbrauchbar zwar zum Lösen eines medizinischen Problems, aber hochwillkommen als Schalmeienmarschtakte, Menschen leichter in den Gleichschritt zu bringen, auch die Literatur wird dafür in die Schlacht geworfen. Kaum ging es mit dem Coronavirus los, wurde sogleich prominent „Das Dekameron“ in Stellung gebracht, mit dessen Botschaft, sich zurückzuziehen, zu warten, die Zeit regierungsergeben sich zu vertreiben, mit erzählten Geschichten brav sich still zu beschäftigen, ruhig zu bleiben, das verordnete Schicksal dankbar hinzunehmen, sich nicht zu erheben, die „eigenen vier Wände“ nicht zu verlassen, nicht einmal an ein Aufbegehren zu denken zu wagen, zu vergessen, je etwas von demokratischer Zivilisation gehört zu haben, und zurückzukehren, geordnet, wenn es denn wieder erlaubt wird …

Und es gibt noch ein „Dekameron“. „Die Lügen der Nacht“. Von Gesualdo Bufalino.

„Einmal habe ich, sagte Frater Cirillo, „ein Buch aus den Flammen gerettet, im Schlooß Torrearsa. Ein Buch mit wollüstigen Geschichten, aber im Grunde voller Angst, es hieß Das Dekameron …“

In diesem Dekameron von Gesualdo Bufalino erzählen sich ebenfalls Menschen Geschichten. Sie haben sich nicht freiwillig in die „eigenen vier Wände“ zurückgezogen, der Macht ergeben, sondern sie sind in eine Zelle geworfen, in der sie ihre letzten Stunden mit dem Erzählen von Geschichten zubringen, sie sind in eine Zelle geworfen, weil sie zuvor handelten, für ihre und alle, in keiner Zeit ein zu großes Wort: Freiheit — —

Mit Blick auf die Zeit seit den Iden des März ’20, als es recht losging, mit dem Coronavirus, und mit dem Blick voraus, auf die noch kommende Zeit im Umgang mit diesem medizinisch zu behandelnden und zu lösenden Problem, bleibt nur noch aus den „Lügen der Nacht“ zu zitieren, das damals wie heute, besonders im Angesicht dieses medizinischen Problems, kein zu großes Wort: gültig

Daraus erwächst mir das Bewußtsein, die vier haben mich nicht nur hintergangen, sondern auch verhöhnt, indem sie mir in allen ihren Geschichten Scharaden und hinterlistige Chiffren vorgaukelten, die alle den ewigen Refrain von Sein und Schein anstimmten, von dem ewigen Maskenball auf Erden, der sich immerwährend dreht und auf dem wir alle tanzen …

NS Dieses medizinische Problem, auch dieses fördert unweigerlich und unentwegt und abertausendfach das Unleidige zutage, was, so beliebt und allgemein, „Verschwörungstheorie“ genannt wird, das das Helle des Tages der Demokratie schwärzt zur Nacht der Zivilisation.

Es darf und soll aber nicht „Verschwörungstheorie“ genannt werden. Es sind keine Theorien. Es sind keine Verschwörungen. Es sind schlicht wie kurz: Lügen.

Nur Lügen, und nichts weiter. Nichts sonst, als Lügen.

Der Kurier der Hilflosen

Der Hilflose, also Gernot Blümel, bestätigt die Zuerkennung der Auszeichnung „Der Hilflose“ ein weiteres Mal. Anstatt das von Robert Menasse Vorgebrachte zu zerpflücken, befiehlt der Hilflose den Löscheinsatz. Er hätte das von Menasse Vorgebrachte als Hilfe für sich nützen können. Indem er sich die Geschichte mit der U-Bahn in Wien als herausragendes Beispiel herauspicken hätte können, um die Kritik von Menasse an ihm und seiner schwarzen Partei verpuffen zu lassen …

Indes. Die Löschwache des Hilflosen löscht, vielleicht auch ohne seinen direkten Auftrag. Denn. Es gibt Befehle, die müssen je nicht ausgesprochen werden, um von den Untergebenen erfüllt zu werden, in Erfüllung einer Pflicht, die wortlos zu erfüllen verstanden wird.

Mit dem zuletzt Vorgebrachten, das zu ungenau, will Robert Menasse sich der Auszeichnung „Der Falschhelfer“ endgültig als würdig erweisen.

Und der hilflose Finanzminister bestätigt, da ihm die Geschichte nicht geläufig, derer er sich hätte bedienen können, seine Hilflosigkeit vor der Geschichte, auch vor der Geschichte, das Hilflose ist die Unkenntnis.

Aber es ist ein gutes Land, dieses Österreich. Den Hilflosen wird geholfen. Die hilfreichen Kuriere der Hilflosen werden augenblicklich losgeschickt, mit einem „Faktencheck“, um das gegen Robert Menasse zu leisten, zu dem der Hilflose, der in Wien sich „nach vorne“ bringen möchte“, selbst nicht imstande, samt seiner gesamten Partei.

Antisemit Lueger Blümel will Wien „wieder nach vorne“ bringen, lautet sein Wahlslogan. Menasse fragt sich, ob damit die Zeit vor dem Roten Wien gemeint sei, als ein antisemitischer Bürgermeister die Stadt regierte. Gemeint ist der Christlichsoziale Karl Lueger (1844 bis 1910), der als einer der ideologischen Wegbereiter Adolf Hitlers gilt. Zwischen ihn und der heutigen ÖVP eine Verbindung herzustellen, dürfte aber als etwas gewagt zu bezeichnen sein. Gleichzeitig war es gerade Lueger, in dessen Ära wichtige Stadtentwicklungsprojekte fielen.

Das schreibt einer der Kuriere der ÖVP am 25. September ’20. Gewagt dürfte sein, keine Verbindung zwischen dem antisemitischen Bürgermeister und der heutigen ÖVP herzustellen. Der „österreichische Streicher“ ist nicht nur nach wie vor eine Ikone der heutigen ÖVP, er war nicht nur ihr erster Nationalratspräsident in Österreich nach den Massenmorden und Massenverbrechen des Österreich regierenden Adolf Hitler, er war auch der Antreiber für das Errichten des Denkmals für den antisemitischen Bürgermeister durch einen auch mit der nationalsozialistischen Totaldiktatur verbundenen Bildhauer …

Der Kurier der ÖVP hält Robert Menasse eine Legende in bezug auf den Untergrundbahnbau vor. Und erzählt zugleich die Legende vom antisemitischen Bürgermeister, daß in seine „Ära wichtige Stadtentwicklungsprojekte“ … Was die Verdienste des antisemitischen Bürgermeisters betrifft, dafür sollten nicht die Erzählungen, die einhundert Jahre später verbreitet werden, herangezogen werden, sondern die Berichte von damals, von jenen, die den antisemitischen Bürgermeister selber als antisemitischen Bürgermeister erlebten, und dann schrumpft seine Größe auf seine tatsächliche Größe, der noch ein Zinnfigurdenkmal schmeichelte.

Der Kurier der ÖVP spricht in seinem „Faktencheck“ auch den „sozialen Wohnbau“ an, mit dem Versuch der Schmälerung des „roten Wien“ durch eine Monarchie-Nostalgie …

Sozialer Wohnbau Seine Ursprünge liegen zwar schon in der Monarchie, seine Blütezeit erlebte er aber tatsächlich erst im Roten Wien ab 1919.

Wer aber in die Geschichte des Wohnens geht, wird auf Sätze stoßen, wie diesen:

Den kommunalen Wohnbau als Mittel gegen die Wohnungsnot lehnte die damals christlichsoziale Wiener Stadtverwaltung um die Jahrhundertwende noch ab.

Es ist nicht gewagt, eine Verbindung zur heutigen Situation auf dem Wohnungsmarkt herzustellen, wenn zu lesen ist, wie es damals um diesen bestellt war. Allein, wie viel damals Menschen von ihrem Lohn für das Wohnen aufwenden mußten, und heute …

Allerdings erbrachten die Investitionen aufgrund des hohen Kapitalbedarfs im Miethausbau entgegen einer weitverbreiteten zeitgenössischen Ansicht häufig nur mäßige Erträge. Vor allem in Phasen guter wirtschaftlicher Konjunktur, wo gleichzeitig ein besonders dringlicher Wohnungsbedarf entstand, versprachen somit Anleihen, Aktien oder andere Projekte weitaus
höheren Profit als der Bau von Mietwohnungen. Viele Unternehmen, die sich als „Baugesellschaften“ bezeichneten, investierten ihr Kapital daher eher in Grundstücksspekulationen als in tatsächliche Bautätigkeit. Ein zusätzlicher Kostenfaktor, den manche Unternehmer im Arbeiterwohnungsbau einkalkulieren zu müssen glaubten, waren die Mietausfälle infolge der unsicheren Zahlungsfähigkeit der Arbeiter (z.B.: wegen Arbeitslosigkeit). Auch waren die Gebäude oft minderwertig ausgeführt und unterlagen wegen Überbelegung und häufigem Mieterwechsel einer überdurchschnittlichen Abnützung. Daher zogen es viele Auftraggeber vor, insbesondere in guten Lagen anstelle alter abgerissener Häuser, die Kleinwohnungen beinhaltet hatten, neue Gebäude mit Mittel- und Großwohnungen für ein wohlhabenderes Publikum zu errichten. Mit anderen Worten: auch Phasen erhöhter Bautätigkeit brachten nur wenig Linderung im Hinblick auf die Wohnungsnot der Arbeiter und kleinen Angestellten. Daraus resultierte ein strukturelles Unterangebot an kleinen Wohnungen, die für die Wohnnachfrage der breiten Massen erschwinglich gewesen wären. Als Konsequenz ergab sich daraus, daß um die Jahrhundertwende in Wien den wohlhabenden Gesellschaftsschichten relativ kostengünstige Wohnungen zur Verfügung standen, während die ärmeren Schichten sowohl relativ teurer als auch schlecht wohnten. Während es im Bürgertum als angemessen galt, etwa zehn Prozent des Einkommens für das Wohnen aufzuwenden, gingen bei Arbeitern ungefähr 20 bis 40 Prozent des ohnehin äußerst knappen Monatsbudgets allein für die Miete auf. Der überwiegend produzierte Typ einer Kleinwohnung für die weniger zahlungskräftigen Schichten war die sogenannte „Bassena-Wohnung“. Dabei handelte es sich üblicherweise um Zimmer-Küche-Wohnungen, wobei die Küche nur vom Gang aus belichtet und belüftet wurde und jeweils für mehrere Wohnungen am Gang eine Wasserentnahmestelle (Bassena) und eine gemeinsame Toilette zur Verfügung standen. Zumeist lagen die Bassena-Wohnungen in
unwirtlichen „Zinskasernen“. Diese entstanden konzentriert in der typischen Raster-Verbauung vor allem in den an den Gürtel anschließenden ehemaligen Vororten Wiens. Teile Ottakrings oder Favoritens sind dafür charakteristisch. Um die hohe Kostenbelastung auf möglichst viele
Personen aufzuteilen, nahmen viele Mieter Bettgeher und Untermieter in den Wohnungsverband auf. Daraus resultierte eine extrem dichte Belegung der kleinen Wohnungen. Vor dem Ersten Weltkrieg waren zum Beispiel in den nunmehr typischen Arbeiterbezirken Favoriten, Floridsdorf und Brigittenau 20 bis 25 Prozent aller Wohnungen mit zwei Räumen (zumeist Zimmer und Küche) mit sechs oder mehr Personen belegt. 1910 gab es in Wien beinahe 170.000 Bettgeher und Untermieter. Generell waren die Wohnverhältnisse von extrem geringer Stabilität gekennzeichnet. Zum Beispiel zogen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unfälle der Mieter und Untermieter fast unweigerlich Obdachlosigkeit nach sich.