Die Pest in Zeiten der Corona

Es kann nicht ausbleiben, daß zur Literatur gegriffen wird. In Zeiten der Corona. Zur Literatur aus fernen Tagen.

Das Burgtheater holt hervor: „Das Dekameron“ von Giovanni Boccaccio.

Radio FM4 und Theater Rabenhof kommen mit „Die Pest“ von Albert Camus.

Was für eine vortreffliche Wahl.

Diese Bücher als Durchhalteparolen.

Welch ein Beistand zur seelischen und geistigen Erbauung in Zeiten der Corona.

Während Menschen, die im Freien lesen, von der Polizei in ihre Wohnungen gescheucht werden, vielleicht weil die Gefahr besteht, sie könnten Bücher lesen, die für Zeiten der Corona die falschen Bücher sind, sollen sie auf Zimmer-Küche-Kabinett jenen zuhören und zusehen dürfen, die ihnen in den Tagen der Corona die richtigen Bücher vorlesen …

„Das Dekameron“ aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, aus der Zeit also, als die Pest … und gerade diese Zeit vor rund 670 Jahren bringt den Gedanken hervor, daß für den Kardinal Christoph Schönborn ein falscher Text ausgesucht wurde. Und er wird auch mit einem falschen Hintergrund bei seinem Vorlesen gezeigt.

Die richtige Kulisse für ihn: der Judenplatz in Wien, das Haus mit der Nummer 2.

Während die einen aus „Die Pest“ von Albert Camus vorlesen, hätte es für den leitenden Angestellten des Organisierten Glaubens eine eigene Zusammenstellung von Texten bedurft, als Zwischentexte, die sich in „Die Pest“ hervorragend einfügen lassen. Jeweils vorgelesen von Christoph Schönborn, je nach einem Kapitelende oder vor je einem neuen Kapitel des Romans von Albert Camus.

Der erste Zwischentext dafür muß mit der Gegenwart beginnen, also mit dem April 2020.

Es finden sich Menschen auf den Gassen der Landstraße ein, um das Wort ihres Herrn zu verkünden. Sie überkleben mit den Worten ihres Herrn Plakate. Sie benennen die Schuldigen an der Seuche. Es sind Worte der Hoffnung. Denn. Wenn die Schuldigen verurteilt durch ihren Herrn, den Richter, wenn die Schuldigen zu Tode gebracht, wird die Seuche so rasch aus der Welt wieder sein, wie sie durch die Schuldigen in die Welt gekommen ist.

Der zweite Zwischentext vorgelesen von Christoph Schönborn, wie alle Zwischentexte von diesem leitenden Angestellten vorzulesen sind, ebenfalls ein Zwischentext zur Gegenwart, Frühling 2020.

Wie vor 125 Jahren ein „polnischer Jude“ beschuldigt wurde, eine Seuche gebracht zu haben, wird nun ein „ungarischer Jude beschuldigt, eine Seuche zu bringen. Etwa von einem Mann, zu dem etwas zu sagen, die Zeit fehlt, so kurz sind die Stunden der Zeit der Corona geworden. Aber nicht nur der Mann, von dem nicht gewußt wird, ob er im Grätzel Buda oder im Grätzel Pest wohnt, beschuldigt den „ungarischen Juden“, auch ein Magazin, von dem gewußt wird, es hat ihr Lager im Grätzel Landstraße, verbreitet die Beschuldigung des „ungarischen Juden“, belohnt dafür von der österreichischen Bundesregierung der schwarzgrünen Eintracht durch eine außerordentliche Förderung in Zeiten der Corona.

„Die Pest“ erzählt vom Jahr 1941. Dieses Jahr wird vom Erzähler zwar nicht genannt. Albert Camus erlaubt seinem Erzähler lediglich den vagen Hinweis:

„Die seltsamen Ereignisse, denen diese Chronik gewidmet ist, haben sich 194 . in Oran abgespielt.“

Aber später im Roman läßt eine Jahreszahl darauf schließen, daß sich die seltsamen Ereignisse 1941 abgespielt haben müssen:

„Vor siebzig Jahren waren in Kanton vierzigtausend Ratten an der Pest gestorben, ehe die Seuche sich mit den Menschen befaßte. Aber 1871 gab es keine Möglichkeit, die Ratten zu zählen.“

Was sich 75 Jahre nach dem Untergang des massenmörderischen deutschen reiches abspielt, ist nicht „seltsam“, sondern mannigfach ungustiös, besonders in Österreich …

„Die Pest“ wird von Albert Camus unter ein Motto gestellt, das er seinem Roman durch ein Zitat von Daniel Defoe voranstellt:

„Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend etwas wirklich Vorhandenes durch etwas, das es nicht gibt.“

Was Albert Camus also tatsächlich erzählen wollte, ist nicht die Geschichte einer Krankheit, sondern die Geschichte von den ersten fünf Jahren der 1940er Jahre, so hat es seine Richtigkeit, daß er seinen Erzähler zu Beginn des Romans nur von „194.“ sprechen läßt.

Er erzählt also von der Hergerichtetheit und Zugerichtetheit der Gesellschaft in diesen Jahren, die über Jahrhunderte darauf vorbereitet wurde, bis schließlich einer von diesen Hergerichteten und Zugerichteten von der „geistigen Pestilenz“ stammeln konnte …

Die vom leitenden Angestellten des Organisierten Glaubens in Österreich zu lesenden Zwischentexte aus diesen Jahrhunderten haben keine Texte zur seelischen und geistigen Erbauung zu sein, sondern haben das Auflisten von Zahlen zu sein, von den Toten, die nicht an einer Krankheit gestorben sind, sondern ermordet wurden.

„Am Ende der Pestpogrome waren 300 jüdische Gemeinden vernichtet, etwa zwei Drittel aller Juden im Reich waren ermordet worden.“

Ein Zwischentext, allein zu Deutschland.

Jedoch, die Gesamtzahl der Ermordeten durch die Jahrhunderte, wer könnte sie nennen? Vielleicht der Herr des leitenden Angestellten, der doch, wie es heißt, alles weiß und alles befiehlt, so auch die „Pestpogrome“ …

Da auch nicht umfassend aufgezählt werden kann, wo überall in Europa die grauslichsten Verbrechen, die blutrünstigsten Morde, kann ein Zwischentext nur beispielhaft aufzählen, beispielsweise ein paar Dörfer in Österreich …

„Seit dem frühen 14. Jahrhundert kam es immer wieder zu lokalen Judenverfolgungen. Besonders schwerwiegend waren jene von 1349, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Pest standen. Unter dem Vorwand, dass die jüdischen BewohnerInnen Brunnen und Quellen vergiftet und damit die Pest verursacht hätten, um die Christenheit auszulöschen, wurden Juden und Jüdinnen in ganz Österreich verfolgt. In Feldkirch, Krems, Salzburg, Hallein, Zwettl und Braunau lassen sich Morde und Plünderungen nachweisen. Derartige Pogrome wurden in vielen Gemeinden vor dem Auftreten der Pest quasi ‚vorbeugend‘ durchgeführt.“

1349. In diesem Jahr soll Boccaccio mit seinem „Dekameron“ begonnen haben, die nun das Burgtheater zur seelischen und geistigen Erbauung …

„Da erinnerte er sich eines reichen Juden namens Melchisedech, der in Alexandrien auf Wucher lieh und nach Saladins Dafürhalten wohl imstande gewesen wäre, ihm zu helfen, aber so geizig war, daß er es aus freien Stücken nie getan hätte.“

Aus der dritten und zweiten Geschichte des ersten Tages nun dargebracht im Frühjahr 2020 …

„Dieser war eng mit einem steinreichen Juden namens Abraham befreundet, der gleichfalls Kaufmann und dabei ehrlich und unbescholten war. Wenn Jeannot nun den tadellosen Lebenswandel seines Freundes betrachtete, so ging es ihm sehr zu Herzen, daß ein so wackerer, verständiger und guter Mann verdammt sein sollte, weil der wahre Glaube ihm fehlte. So bat er ihn denn als Freund, er möge den Irrtümern des jüdischen Glaubens entsagen und zu dem allein wahren christlichen übertreten, dessen Heiligkeit und Güte sich schon durch sein fortwährendes Wachsen und Gedeihen kundgäben, während das Judentum immer mehr verfalle und seinem nahen Ende zueile.
Der Jude erwiderte, daß er keinen Glauben als allein den jüdischen für gut und heilig halte: in dem sei er geboren, in dem gedenke er zu sterben und davon werde ihn nichts jemals abbringen können. Jeannot ließ sich dadurch nicht abhalten, nach Verlauf einiger Tage auf denselben Gegenstand zurückzukommen und ihm, so gut oder auch so schlecht, wie es die Mehrzahl der Kaufleute versteht, auseinanderzusetzen, daß und warum der christliche Glaube besser ist als der jüdische. Der Jude stieg zu Pferde und eilte nach Rom, so rasch er konnte. Am Ziel angelangt, ward er von seinen Glaubensgenossen auf das ehrenvollste empfangen. Er aber begann, ohne über den Zweck seiner Reise jemandem etwas zu sagen, mit aller Vorsicht das Leben des Papstes, der Kardinäle und der übrigen Prälaten und Hofleute zu beobachten. Was er, von einem nicht gewöhnlichen Scharfblick unterstützt, selbst wahrnahm, und was er hier und da von andern erfuhr, überzeugte ihn nun bald, daß sie allesamt der Wollust, und zwar nicht nur der natürlichen, sondern auch der sodomitischen, frönten, ohne sich irgend Zaum und Zügel von Scham oder Schande anlegen zu lassen, so daß in den wichtigsten Angelegenheiten der Einfluß der feilen Dirnen und der Knaben von nicht geringer Wichtigkeit war. Außerdem fand er in ihnen insgeheim Schlemmer, Säufer, Trunkenbolde und Geschöpfe, die nach Art der unvernünftigen Tiere nächst der Wollust mehr dem Bauche als irgend etwas anderem gehorchten. Bei genauerer Betrachtung lernte er sie noch außerdem als so geizig und geldgierig kennen, daß sie mit Menschen-, ja mit Christenblut und mit den heiligsten Dingen, Opfern, geistlichen Pfründen oder welcher Art sie immer sein mochten, um Geld einen abscheulichen Handel trieben. Ärger sah er sie dabei markten und mehr Makler beschäftigen als jemals in Paris beim Verkauf der Tücher oder irgendeiner andern Ware. Offenbare Bestechung hörte er Fürsprache und unverschämte Gierigkeit Diäten nennen, als ob Gott nicht den bösen Willen im verworfenen Herzen, geschweige denn den wahren Sinn der Worte erkennte und nach Art der Menschen sich durch den Namen der Dinge täuschen ließe. Alles dies und noch manches andere, das ich besser verschweige, mißfiel unserem Juden, der ein sittenreiner und gesetzter Mann war, auf das äußerste, und da er genug gesehen zu haben glaubte, beschloß er, nach Paris zurückzukehren, und tat also.“

Zwischentexte können davon erzählen, wie die bloß geschriebenen Gewaltphantasien eines Mannes, dem 225 Jahre vor dem Vatikan die Unzulässigkeit der Todesstrafe klar war, gegen die in Wirklichkeit begangenen Gewalttaten …

„Schon bevor die Pest nach Basel kam, brach sich die Judenverfolgung Bahn. In der Weihnachtszeit 1348 wurde der jüdische Friedhof geschändet, durch den Pöbel, wie es hiess, es waren aber durchaus auch Ritter unter den Vandalen. Im frühen Januar 1349 trafen sich Vertreter der Städte Basel, Freiburg im Breisgau und Strassburg im elsässischen Belfeld, dabei wurde besprochen, wie man die Juden am besten loswerden könne. Die Obrigkeit beschloss, die Unterschicht zu einem Pogrom anzustacheln, was in der Fasnachtszeit damals besonders leicht zu bewerkstelligen war, weil dann ohnehin eine erhöhte Aggressivität herrschte. In Basel kam es zum Massenmord, noch bevor die Pest hier eintraf. Am 16. Januar 1349 trieben Banden, wieder war von Pöbel die Rede, wieder waren auch Ritter involviert, alle jüdischen Gemeindemitglieder zusammen, die sie in der Stadt finden konnten, pferchten sie in eine Holzhütte auf einer Rheininsel, die sie zu diesem Zweck gebaut hatten, und steckten diese in Brand. An die hundert Juden starben an diesem Tag. In Freiburg, Strassburg und vielen anderen Städten kam es zu ähnlichen Massakern.

„Als die Daumenschrauben nicht zu den gewünschten Geständnissen führten, zog man daraus nicht etwa den Schluss, dass die Vorwürfe abwegig, sondern dass die Daumenschrauben unzulänglich waren. Man versuchte es also mit anderen, altbewährten Methoden. So schnitt man den verdächtigen Juden die Waden auf und goss heißes Pech hinein, man verbrannte ihnen die Fußsohlen, „bis das bloße Bein zu sehen war“, wie der Chronist vermerkt, und trieb die Malträtierten unter Hieben durch die Stadt. Kein Wunder, dass die Verhörten dann doch alles gestanden, was man ihnen vorgeworfen hatte: dass sie heimlich die Brunnen vergiftet hatten mit rotem, grünem und schwarzem Pulver, dass sie dazu von einem Rabbiner angestiftet worden waren und dass überhaupt alle Juden im Alter von sieben Jahren in das Geheimwesen der Brunnenvergiftung eingeführt werden.“

Für einen Mann der Ökumene darf ein Mann nicht fehlen, für einen Zwischentext:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

Zu Beginn des Kapitels war die Rede von dem Mann der Hand, dessen Schriften nun auf den Gassen Wiens geklebt werden, wohl zur Vertreibung der Corona, der Mann der Hand ist für den Kardinal ein großer Mann, ein zu verehrender, ein anzubetender Mann. Soher mit einem Zitat für einen Zwischentext dieses Mannes der Hand soll geendet werden.

„Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt, wie auch sie von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind, indem sie – um ihr Sündenmaß stets voll zu machen – uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit die errettet werden; aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.“

Der allerletzte Zwischentext für Christoph Schönborn in der Lesung von „Die Pest“ von Albert Camus soll eine Frage sein.

Wann meinet Ihr wurde in das Organisationshandbuch der römisch-katholischen Kirche die Feststellung

„Die Juden sind für den Tod Jesu nicht kollektiv verantwortlich.“ 

aufgenommen, vor 28 Jahren, vor 75 Jahren, vor 559 Jahren, vor 670 Jahren …

Solidarismus statt weiter mit „nationalen Kraftakten“

Beim Beklagen der „Hetze gegen Reiche“ will und kann es die ÖVP mit ihrem leader nicht belassen, es muß ihnen, die so reich der „Hetze“ ausgesetzt sind, auch tatkräftig geholfen werden.

Und wie kann den unter „Hetze“ Leidenden in ihrem Wohlstand am besten geholfen werden? Durch die sofortige Ablehnung von „Einzelmaßnahmen“ für die „Reichen“, bei sofortiger Ausrufung eines „nationalen Kraftaktes“, von dem die armen „Reichen, die ohnehin durch „Hetze“ ein schweres Schicksal zu erleiden haben, auszunehmen sind, wie die türkis getupfte Partei mit ihrem leader in ihrem ewig christlichen Lobbyismus für sie wieder einmal beschließt.

Das heißt. Durch die „nationale“ Vernebelung sollen alle, die das Gesamte wieder einmal zu bezahlen haben werden, nicht merken, daß sie es sind, die es wieder einmal bezahlen werden. Sie sollen es nicht nur nicht merken, sie sollen es auch mit Freude und Stolz und zahlreich danken mit ihrer Stimme in allen folgenden Wahlen for the black party and its leader …

Schließlich wird von der schwarzen Partei ein „Kraftakt des Nationalen“ als das Evangelium in Zeiten der Corona verkündet. Und wer kann sich diesem entziehen, wenn das „Vaterland“, wenn die Partei mit ihrem leader, die das „Vaterland“ ist, ruft zum einig Vaterland

Auch die „Reichen“ entziehen sich nicht der frohen Botschaft ihres Vaterlandes, ihr, so spricht die Partei zu ihnen, aber unter der „Hetze“ gar so Geplagten, habt euer Scherflein mehr schon als genug beigetragen, so gehet hin in Frieden, erfreuet euch eurer Fincas, seiet ohne Furcht, das Vaterland ist mit euch, sorgt für euch, die ihr so schwer beladen, euch zu geben, was des Eures ist, es bleibet genug noch zu nehmen, was des Menschen ist, so spricht zu ihnen der …

Zu nehmen, was der Mensch noch hat. Das ist ein Rätsel seit Menschengedenken. Wie es doch immer wieder möglich ist, daß Menschen, die nichts außer leere Taschen haben, doch immer wieder den schieren Kraftakt vollbringen, die gesamte Zeche jedweder Krise zu bezahlen, während jene, die vor jedweder Krise die Taschen voll haben, während jedweder Krise die Taschen voll haben und nach jedweder Krise die Tasche voll haben …

Statt eines „nationalen Kraftaktes“ endlich einen Akt der Solidarität. Als Auftakt dafür bietet sich der 1. Mai 2020 wie kein anderer Tag in diesem Jahr an. Darum:

Heraus zum 1. Mai!

Ein Heraus zum 1. Mai! kann aber nur der Auftakt sein. Die Gesellschaft auf den Grundlagen eines Solidarismus zu verändern, einen Solidarismus zum zukünftigen Fundament der Gesellschaft zu machen, das ist nicht an einem einzigen 1. Mai zu bewerkstelligen. Aber der 1. Mai, gerade der 1. Mai 2020, kann dafür der Beginn sein. Um es endlich zu einem Ende zu bringen, dieses Vegetieren von einem „nationalen Kraftakt“ zum nächsten „nationalen Kraftakt“, von einer Krise zur nächsten Krise also, unabhängig davon, wodurch Krisen je ausgelöst werden.

Zum Solidarismus könnte jetzt, wo doch alle viel Zeit zum Lesen hätten — aber nur in einem nicht einsehbaren Winkel der Zimmer-Küche-Kabinett-Behausung, denn das Lesen im Freien ist nach der Verhaltensmaßregelung der österreichischen Bundesregierung kein erlaubter Grund für den Aufenthalt im Freien –, sogar ein Buch aufgeschlagen werden, dessen Verfasser Millionen und Millionen von Menschen kennen, dessen Namen sie täglich nennen in den Kathedralen entlang der Autobahnen, entlang der Landstraßen, in den Dörfern …

Übrigens. Der nach wie vor millionenfach bekannte Verfasser des Buches über „Solidarismus“ war nicht Teilnehmer der Sitzung vor der „Krise“. Aber ein anderer Mann, dessen Produkt zu besitzen, heute noch so viele mit Stolz erfüllt. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stand, die Sicherung des Wohlstands der teilnehmenden Konzernvertreter vor der „Krise“, während der „Krise“ und nach der „Krise“. Das ist ihnen bis heute gelungen, mit einem „nationalen Kraftakt“, den nicht sie, auch damals nicht sie zu stemmen …

Tea Party for a national show of feat

Von einem „nationalen Kraftakt“ spricht nun die ÖVP zur Bewältigung, nein, nicht zur Bewältigung der Krise, sondern für das „wirtschaftliche …“

Sie wird wohl schon mit Eifer dabei sein, beim Entwerfen ihres Plans des gerechten Verteilens der Kosten

Bleibt bloß noch die Frage offen. Wo läßt sie den Plan entwerfen? Wer ist von ihr mit dem Planentwurf des „nationalen Kraftaktes“ beauftragt? Was für ein Team schickt sie zum Tee?

Im Grunde ist das keine allzu schwer zu beantwortende Frage, in diesem Land, in dem das Darben gar recht verteilt.

In einer Filiale der Ibizabank der Wirtschaftskammer, auf einer Tea Party … Zu der mit einer sicheren Aufstellung rechnen können, die ganz ohne Förderung durch den Staat …

Nationalnebel

Die sofortige Ablehnung einer Vermögenssteuer, die sofortige Ablehnung einer Erbschaftssteuer durch die ÖVP mit ihrer Beschwörung eines „nationalen Kraftaktes“ …

„Für das wirtschaftliche Comeback Österreichs nach der Krise benötigt es einen noch nie dagewesenen nationalen Kraftakt und nicht irgendeine Einzelmaßnahme.“

Eine „Einzelmaßnahme“ des „nationalen Kraftaktes“, in dem die ÖVP ihr Heil zu suchen gewillt ist, könnte eine „Erbschaftssteuer“ sein, könnte eine „Vermögenssteuer“ sein.

Die Vermögenssteuer als eine „Einzelmaßnahme, die Erbschaftssteuer als eine „Einzelmaßnahme unter den vielen Maßnahmen, die nun zu setzen sind, lehnt die ÖVP rigoros ab. Stets, wenn ein Land dem Dekret eines „nationaler Kraftakt“ unterworfen werden will, muß sofort jedem Menschen klar sein, für wen die Bewältigung der Krise ein enormer „Kraftakt“ zu sein haben wird.

Mit „nationalem Kraftakt“ sind die Erlässe immer dann überschrieben, wie nun von der türkis getupften schwarzen Partei in Vorbereitung, wenn von allen Menschen in einem Land ein außerordentliche Leistungen verlangt, gefordert, aufgezwungen werden.

Kurz ist es her, als von der ÖVP nicht der Nationalnebel versprüht wurde, um gegen eine Vermögenssteuer, gegen eine Erbschaftssteuer zu sein, sondern ihr Benebeltsein von der Null, um den „Wohlstand“ …

Wessen „Wohlstand“ die ÖVP „sichert“, nun, zu dem gehört nicht der Wohlstand der Menschen auf Zimmer-Küche-Kabinett …

In einem Palais war es vor wenigen Monaten, daß ihr Obmann, benebelt von der Null, gegen Vermögenssteuer und gegen Erbschaftssteuer und für den „Wohlstand“ der … Vor 71 Jahren bereits wurde in einem Land die Erbschaftssteuer eingeführt, und es muß hier nicht wiederholt werden, welche großartigen Maßnahmen damit gesetzt werden konnten.

Einig Nationalnebel von ÖVP und FPÖ

Daß auch die FPÖ wie die ÖVP sofort gegen eine Erbschaftssteuer, gegen eine Vermögenssteuer reitet, nun, das kann nicht überraschen, ist sie doch die Partei des kleinen Mannes mit Millionen in den Taschen

Kurz ist es her, als ein für kurz gewesener Finanzstaatssekretär aus der FPÖ den Steuersatz für den kleinen Mann mit Millionen in den Taschen senken wollte, dafür aber für die große Frau mit den Löchern in den Taschen die hohen Steuersätze beibehalten …

Und nun spricht der für kurz gewesene Innenminister von der Partei des arbeitenden Geldes von einer „Todessteuer“ und verbreitet seine „Grauslichkeiten“ gegen Vermögenssteuer und gegen Erbschaftssteuer, wenn er seine Wahrheit verkündet, wer von einer Erbschaftssteuer oder von einer Vermögenssteuer …

Fahrenheit 32

Beinahe wollte Ärger über die Polizei aufkommen, als zwei Polizisten und eine Polizistin einen Menschen, der lesend ganz allein auf einer Wiese saß, in einem Radius von mindestens vierzig Metern um ihn herum kein zweiter Mensch, nur der Mensch mit seinem Buch allein, weit entfernt von allen anderen Menschen im Park, auch kein Hund, keine Katze hielten sich innerhalb dieses Umkreises von vierzig oder gar fünfzig Metern auf, in der Zeit der Beobachtung dieser Szene kam nur ein Insekt einmal bis sieben oder sechs Meter an den lesenden Menschen heran, dazu anhielten, sofort den Park zu verlassen, in der Sekunde nach Hause sich zu begeben, da es nur drei Gründe geben würde, das Haus zu verlassen, nämlich Einkauf, Arbeit und Unterstützung von anderen Menschen.

Lesen ist kein Sport und ein Buch keine frische Luft …

Sie vergaßen dabei allerdings auf zwei weitere Gründe, nämlich auf Sport im Freien und auf das Schnappen von frischer Luft, wie es der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich taxativ aufzählt. Es kam aber kein Ärger über die Polizei auf. Die vergeßliche Polizistin und die zwei vergeßlichen Polizisten zählten zwar nicht alle erlaubten Gründe auf, um die Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung verlassen zu dürfen. Aber in angestrengten Zeiten sollte doch die Nachsicht erste Tugend sein.

Das Lesen von Büchern außerhalb von Zimmer-Küche-Kabinett jedoch gehört nicht zu den erschöpfend aufgezählten Gründen, die es erlauben, in das Freie sich zu begeben.

Die zwei Männer und die Frau der Polizei befolgten also, wie es sich für nehammerische Unterstellte geziemt, bloß die Direktive des zurzeitigen Bundeskanzlers.

Was würde das auch für ein Bild vermitteln, daß es noch Menschen gibt, die lesen, dazu auch noch öffentlich, nicht in einem uneinsehbaren Winkel der Zimmer-Küche-Kabinett-Behausung. Darüber werden die zwei Polizisten und die Polizistin wohl nicht nachgedacht haben bei ihrer Befolgung der Direktiven, die ausgegeben werden von Menschen, die nicht auf Zimmer-Küche-Kabinett wohnen.

Dabei, was für ideale Temperaturen wetterbedingt für das Lesen im Freien, für Bücher aber die Temperatur abgesenkt auf Fahrenheit 32 …

So kam kein Ärger über die drei Amtshandelnden auf, aber Erleichterung.

Erleichterung darüber, daß sie nicht kontrollierten, ob der von ihnen im Auftrage zu verjagende lesende Mensch schon die „Corona-App“ installiert habe. Es gibt dazu zwar noch keine Verpflichtung, aber der zurzeitige Bundeskanzler spricht ständig davon, und auch der Präsident hat bereits seine Liebe zur Coronaappverpflichtung bekundet, unentschieden zwar, aber so ist eben in der Liebe. Wer weiß schon, was Amtshandelnden mit Aussagen von ihren Obersten im Ohr, alles einfällt, aus vorauseilendem Gehorsam, und, wie gewußt wird, der vorauseilende Gehorsam ist ein Hund. Hätten sie es dem lesenden Menschen geglaubt, dass er für das Installieren von sogenannten Apps keine Maschine besitzt? Hätten sie ihn statt nach Hause in ein Geschäft geschickt, zum sofortigen Erwerb einer solchen Maschine, auf eigene Kosten wohl, das wäre nur billig und recht, wenn die Überwachten die Kosten für die Überwachenden …

Im Zusammenhang von Masken, Abstand und auch von Tracking schreibt der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich von einem „Kulturwandel“ … Schön, daß es für diesen Mann, der sonst doch stets für das Beharren auf alte Kultur und alte Werte, ein „Kulturwandel“ doch vorstellbar geworden zu sein scheint. Beunruhigend allerdings sein ihm nun doch vorstellbarer „Kulturwandel“ in der Kurzschließung mit „Tracking“ etwa.

Äußerst beunruhigend also, wenn die für wenige Wochen beschränkt notwendigen Maßnahmen blieben, weit darüber hinaus, ohne Notwendigkeit wie jetzt, um eine sogenannte Krise nur von kurzer Dauer sein zu lassen.

Die Einschränkung der Reisefreiheit, von der er auch bereits spricht, fällt für ihn wohl auch unter „Kulturwandel“.

Das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, wenn diese Maßnahmen in einem Jahr, in zwei Jahren und in den Jahren darauf weiter in Kraft blieben, das wäre dann tatsächlich ein „Kulturwandel“, beschönigend gesagt, das richtige Wort dafür wäre Überwachungsausbau.

In Büchern kann gelesen werden, daß es noch kein „Kulturwandel“ ist, wenn Maßnahmen für ein paar wenige Wochen gesetzt werden, wenn Maßnahmen auf ein paar wenige Wochen beschränkt sind.

Er wird „Kulturwandel“ vielleicht beim Sport im Freien, beim Frischluftschnappen aufgeschnappt haben, und es wird ihm das Wort wohl gleich gefallen haben, ohne über dessen tatsächliche Bedeutung … wie er überhaupt gerne aufgeschnappte Wörter in Zusammenhängen verwendet, in denen diese vollkommen fehl am Platz …

Neulich wieder, das Wunder der Auferstehung

War am gestrigen Tage, dem zweiten Tag der Karwoche 2020, mit großem Zweifel angenommen worden, die Auferstehung des Mannes der Hand auf der Landstraße sei seinem unbändigen Willen der Korrektur eines seiner Briefe geschuldet, kann am dritten Tage mit Gewißheit gesagt werden, es ist der aus einem Fenster auf die Gasse blickende Karl Habsburg, der Paulus rief, von den Toten aufzuerstehen, zu kommen zu den Lebenden, denen es dürstet nach der Tinte seiner Botschaft.

Es wird wohl ein Bote, so das innigste Bittgebet, ein recht guter Engel, sich schon auf den Weg gemacht haben, um das Evangelium der Auferstehung, das neuliche Wunder der Auferstehung der Stellvertreterin auf Erden zu berichten, auf daß Karl Habsburg für sein größtes Wunder nach seiner Seligsprechung die Weihe der Heiligsprechung nun recht bald auch erhalten möge.

Aber siehe, ein Mann ist auferstanden

Viel ist in diesen Tagen von der Auferstehung zu lesen. Kein Wunder, werden Sie sagen. Schließlich.

Ostern steht draußen vor der Tür.

Sie kennen die Geschichte von Ostern. Ein Mann wird ermordet. Der tote Mann wird in ein Grab gelegt. Dann, plötzlich, seine Leiche ist verschwunden. Der Mann soll sich Menschen, die sehr an ihm hängen, einmal noch zeigen. Lebend. Für ein paar Momente. Sie sehen ihn. Die, die an ihm gar so hängen, meinen, er sei von den Toten auferstanden. Wenn ein Verlust derart schmerzt, bleibt als Rettung – um nicht wie Ziegen zur Zeit des Vulkanausbruches auf Lanzarote mit dem Kopf gegen Felsen zu rennen, immerzu den Kopf gegen Felsen zu schlagen, so lange, bis endlich die Erlösung durch den freiwillig gesuchten Tod – nur die kollektive Schaffung einer eigenen Wirklichkeit. Sie aber wählen das Sehen des ermordeten als auferstandenen Mannes.

Seit diesen Tagen vor, mit dem Daumen gerechnet, zweitausend Jahren sah kein Mensch mehr diesen ermordeten Mann lebend. Alle Achtung, wenn es ihm gelang, für ein paar Momente aufzuerstehen, von den Toten zu den Lebenden zurückzukehren. Eine beachtliche Leistung war ihm dennoch mit dieser einmaligen Auferstehung gelungen. Auch wenn es keine Auferstehung für ewig war, das ewige Leben ein Traum der Menschen, die an ihm …

Eine Auferstehung für ein paar Momente zu nehmen, um Zuversicht zu verbreiten, wie nun in Österreich ein Mann etwa im Alter des seinerzeit am ewigen Leben Gescheiterten es mit der Auferstehung versucht, nun, das ist eine Zuversicht, mit der mit Bangen in die Zukunft …

„Die Osterwoche wird eine entscheidende Woche für uns sein. Entscheidend dafür, ob die Wiederauferstehung nach Ostern, wie wir sie uns alle so wünschen, so möglich sein kann.“

Denn. Es darf dabei nicht übersehen werden. Der Auferstehung für Momente geht ein Mord voraus. Ein Mord zwar, der durch ein Urteil gedeckt zu sein scheint. Durch eine Verhandlung aber, die nur jenen ein ordentliches, ein rechtsstaatliches Gericht ist, weil es recht nach deren Geschmack und Gesinnung ist, ihr Begehren nach Willkür gänzlich befriedigt.

Aber es gibt Zuversicht. Weil das Wunder der Auferstehung passiert ist. Ohne Mord davor. Das darf angenommen werden, weil es eben nicht gesichert ist, wie sein Leben tatsächlich endete. Es ist zwar nicht der Ermordete auferstanden, aber einer, der ihm nachfolgte. Und dieser Mann hatte es mit seiner Auferstehung eilig. Er wartete nicht ab. Er wartete nicht den Jahrestag der Ermordung ab. Er wartete nicht den Jahrestag der Auferstehung für ein paar Momente ab. Er wählte für seine Auferstehung bereits den Montag vor den Jahrestagen.

An diesem 6. April ’20 hinterließ des Ermordeten Nachfolger sichtbare Zeichen seiner Auferstehung. Auf der Landstraße. Unweit der Türme, von Gescheiterten einst für die Ewigkeit gebaut.

Nun, was den letzten Ausschlag gab, daß ihm die Auferstehung gelang, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht war sein Ärger, genährt über Jahrhunderte und Jahrhunderte, über eine seiner Formulierungen, die er seinerzeit verfaßte, so übermächtig geworden, sein Wille zur Korrektur dermaßen übermenschlich, überleichlich, daß ihm nun endlich die Auferstehung auf der Landstraße gelang. Er ist als Mann der Hand bekannt. Und so ist nicht verwunderlich, daß er nun auf der Landstraße seine Korrektur mit der Hand schrieb, wie er einst seine Briefe mit der Hand schrieb.

„27 Die Männer gaben den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Unzucht. (Römer)“

Was aber für eine beachtliche Leistung von diesem Mann. Kaum auferstanden als Mann der Handschriftkultur lernt er rasch die neuen Techniken. Schreibt den Auszug aus einem seiner Briefe mit einer Schreibmaschine, oder gar mit einem Computer. Mit einem Computer. Zur bequemeren Vervielfältigung. Um es gleich noch auf weiteren Säulen auf der Landstraße zu kleben. Seine Auferstehung dürfte ihn doch sehr ermüdet, erschöpft haben. Denn. Es fehlt ihm offensichtlich die Kraft, seine Korrektur abzutippen. So kurz erst unter den Lebenden und schon beherrscht er die Technik des 21. Jahrhunderts: copy and paste

Die Korrektur seines einstigen Briefes dürfte ihm doch nicht so ein großes Anliegen gewesen sein. Sonst hätte er kaum auf die seit Jahrhunderten bekannte Fassung zurückgegriffen, die er mit copy and paste sich herrichtete für das Überkleben von vielen Plakaten auf der Landstraße.

Einem Mann, der unweit von der Landstraße wohnt, wird die Auferstehung des Mannes in der Nachfolge des gescheiterten Ermordeten wohl ganz das Herz mit Licht ausstrahlen, ist dieser doch dem Auferstandenen auf der Landstraße im besonderen Maße verbunden. Diese ihre Verbundenheit zeigt sich auch gerade jetzt in den Zeiten der Corona so anrührend, beide bestätigen das alte Wort: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“

Auslandvernaderer

„Die Reisefreiheit der Österreicher soll diesen Sommer stark eingeschränkt bleiben. Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte am Samstag gegenüber mehreren Zeitungen, darunter den ‚Oberösterreichischen Nachrichten‘: ‚Solange es keine Impfung oder keine wirksamen Medikamente gibt, wird uns diese Krankheit begleiten. So lange wird es auch die Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben.‘ Man könne die Krankheit nicht besiegen, nur um sie dann fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren, sagte der Kanzler.“

Erklärt der zurzeitige Bundeskanzler am Samstag.

Am 4. April ’20.

„Nur 3,5 Prozent der bisher in Österreich festgestellten Infektionen haben ihre Quelle wahrscheinlich im Ausland, insgesamt 306 Personen.“

Erklärt Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), am Donnerstag. In einer Pressekonferenz im Beisein von Gesundheitsminister R. Anschober.

Am 2. April ’20.

Nur zwei Tage später also ist dem zurzeitigen Bundeskanzler in Österreich klar, die „Reisefreiheit soll eingeschränkt“ werden, um nicht „die Krankheit“ fahrlässig“ …

… „fahrlässig aus anderen Ländern wieder zu importieren“ …

Unklar an der Aussage vom zurzeitigen Bundeskanzler ist bloß eines, von welchem Land aus spricht er, wenn er von einer Einschränkung der Reisefreiheit spricht? Von beispielsweise Dänemark aus, oder von Norwegen aus, von Schweden aus oder von … dann allerdings käme nur ein Land in Frage, in das in nächster Zeit zu reisen, dreimal überlegt werden sollte, nämlich das Land Tirol. Das Land Tirol, in dem es nach wie vor die meisten Infizierungen gibt. Das Land Tirol, in dem die schwarze Partei des zurzeitigen Bundeskanzlers federführend regiert, erfüllt in dieser Hinsicht die Vorgabe, das Land an die Spitze zu führen, zwar nicht an die Weltspitze, aber mit einem beeindruckend enormen Abstand zum zweitplazierten und drittplazierten Land an die Spitze der Länder in Österreich. Ein dreifacher Sieg der Partei des zurzeitigen Bundeskanzlers. Regiert doch seine Partei auch im Land Oberösterreich und im Land Niederösterreich federführend.

In anderen Ländern in Europa Menschen zu empfehlen, es sich doch vielleicht genauer als bisher zu überlegen, wohin sie im Sommer reisen möchten, ist eine durchaus verantwortungsvolle Empfehlung, sie zu informieren, ohne Androhung behördlicher Einschränkung der Reisefreiheit, daß das Land Tirol für diesen Sommer ein nicht unbedingt ideales Reiseziel …

Es ist nicht unklar, von welchem Land aus der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich spricht. Er spricht von Österreich aus. Wie von ihm seine Kompetenz im Fach Geographie recht bekannt ist, dürfte er diesmal seine Reifeprüfung in Fach „Staatsbürgerkunde“ abgelegt haben -als er von seiner Phantasie der Macht sprach, die Freiheit und die Unfreiheit des Reisens allein verteilen zu können, als wäre er ein … – und an der Unterscheidung zwischen Land und Staat gescheitert sein.

Es war wohl von ihm als eine patriotische Ablenkung gemeint gewesen, nachdem mitgeteilt wurde, daß „nur 3,5 Prozent der Infektionen in Österreich aus dem „Ausland“, damit aber 96,5 Prozent der Infektion aus dem „Inland“ in Österreich … Das ist einerseits zwar rührend, andererseits aber doch nichts anderes als das Vernadern des Auslandes.

Die Anregung des zurzeitigen Bundeskanzlers wird aber doch gerne bei der diesjährigen Sommerreiseplanung aufgenommen werden. Diese seine Anregung erleichtert die Planung auch ungemein. Es muß jetzt gar nicht mehr überlegt werden, den heurigen Sommer im Land Tirol zu verbringen, vom Burgenland in das Land Tirol zu reisen, es bleibt bloß noch zu entscheiden, ob es diesmal Dänemark oder doch Island wird.

Keine Sekunde zum Nachdenken zu nutzen

„Immer wieder werde ich in diesen Tagen gefragt: Ist Corona eine Strafe Gottes? Schickt uns Gott dieses Virus als Vergeltung für all unsere schlechten Taten? Rechnet Gott ab mit seiner Welt? Erleben wir gerade so etwas wie die ägyptischen Plagen, von denen die Bibel berichtet? Ein Strafgericht Gottes? Natürlich bewegen solche Fragen auch mich. Welche Antwort finde ich selber? Zuerst versuche ich es mit einem nüchternen Blick: Seuchen hat es immer gegeben, sie gehören zur Natur. Und dank medizinischer Forschung und Entwicklung können heute Seuchen besiegt werden. Wir hoffen alle, dass das auch mit Corona gelingen wird. Gott hat uns Verstand und Willen gegeben, damit wir mit den Herausforderungen der Natur gut umgehen. Dann aber stelle ich mir eine weitere Frage: Will Gott uns durch Corona etwas sagen? Ich glaube nicht, dass Corona eine Strafe Gottes ist. So kann ich mir Gott nicht vorstellen. Aber dass Gott durch Krisen bei uns anklopft und uns zum Nachdenken einlädt, das glaube ich fest. So habe ich meine eigenen Erkrankungen letztes Jahr erlebt. Jetzt kommt bald Ostern, Gottes großes Ja zum Leben. Daher glaube ich: Es wird gut werden!“

Das steht heute in der Umsonst, am 3. April ’20. Christoph Schönborn glaubt also nicht, „dass Corona eine Strafe Gottes ist“. Er glaubt damit den gültigen Schriften seines Organisierten Glaubens nicht. Denn zum Schriftkanon seiner Organisation gehört auch das „Alte Testament“, das

„ist ein unaufgebbarer Teil der Heiligen Schrift.
Seine Bücher sind von Gott inspiriert und behalten einen 
dauernden Wert, denn der Alte Bund ist nie widerrufen worden.“

Also auch, wie Schönborn sie in seinem für welches Heute geschriebenen Beitrag nennt, die „ägyptischen Plagen“, die, genaugenommen, keine „ägyptischen Plagen“ sind, sondern es sind Gottes Plagen, gehören zum Schriftkanon seiner Organisation. Und diese seine abgeschriebene Verkehrung, diese seine nachgeschriebene Schuldabschiebung auf die Opfer erinnert wenigstens an das Heute, etwa an die Morde in Deutschland, die rasch wie kurz „Kebabmorde“ genannt wurden, obgleich nicht ein Kebab mordete. Und auch das ist aus dem Heute bestens bekannt, die beschönigende Sprache der Massentäter, der Massenmörderinnen. Von ihm selbst werden die „Plagen“ nicht „Plagen“ genannnt, sondern „Wunder“.

Das also ist der nach wie vor gültige Kanon der Organisation des Christoph Schönborn, an dem er ja selbst mitgewirkt hat, in seiner Funktion als Sekretär.

Die Plagen Gottes sind tatsächlich keine „Strafen“, wie Schönborn glaubt zu meinen. Sondern Erpressungen der abgefeimtesten Art. Erpressungen auf die krankeste Weise. Es will aber gar nicht darauf eingegangen werden, woran dieser Führer mit Rufnamen Gott gelitten hat, welchen psychischen Störungen er in seinem Erdensein ausgesetzt war, welche seelischen Verwundungen er erlitten hat, um eine derartig abwegige, abgründige, krankhafte Phantasie bei seinem Erpressen freigesetzt zu bekommen. Der Führer mit dem Rufnamen oder Spitznamen interessiert bei diesen Schriftkanonplagen absolut nicht, aber seine „willigen Vollstrecker“.

Obgleich ihr Führer es ihnen offen sagt, mehr als einmal offen sagt: „Geh hin zum Pharao; denn ich habe sein und seiner Großen Herz verhärtet“. Zugleich tischt er ihnen auf: „Das Herz des Pharao ist hart“. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Etwa darüber, daß der Pharao ihren Wunsch nicht erfüllen kann, weil sein Herz hart ist, deswegen hart ist, weil ihr Führer es ihm verhärtet hat. Etwa darüber, daß sie gegenüber dem Pharao einen Wunsch äußern, der nicht ihr Wunsch ist, sondern der von ihrem Führer ihnen eingeredete Wunsch, der nur ein Wunsch des Führers ist. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken. Daß ihre Forderungen an den Pharao nicht ihre Forderungen sind, sondern nur die Forderungen ihres Führers, der nur für sich diese Forderungen erfüllt haben will, auf die krankeste Art, auf die abgefeimteste Weise, durch Erpressung. Keine Sekunde nutzen sie zum Nachdenken, daß sie nur „willfährige Vollstrecker“ der abgründigsten Phantasien ihres Führers sind. Denn. Es ist nicht er, ihr Führer, der die Untaten ausführt, sie sind es, die seine Befehle willfährig umsetzen, für ihren Führer zu willfährigen Ausführenden der zehn Untaten werden, von der eine die „Viehpest“ ist — die „Pest“, eine, auf die immer wieder mit großem Glaubenseifer …

Keine Sekunde nachzudenken, das, wenn schon davon gesprochen werden will, ist die Strafe. Die selbstauferlegte Strafe der Vollstreckenden. Was für eine Zugerichtetheit, was für eine Hergerichtetheit der Vollstreckenden, seit dem ersten Aufkommen von einer Plage Gottes durch alle Zeiten bis zur Gegenwart von …

Untaten – im Schriftkanon des Christoph Schönborn „Wunder“ genannt – enden mit einer ewig gültigen Beschreibung von Führern und Führerinnen. Sie verlangen alles, versprechen alles. Sie verpflichten zum totalen Dienen. Aber sie erfüllen nichts. Hinterlassen nur Schuld und Schulden. Zurückbleiben ihre willfähigen Vollstreckerinnen, ihre willfähigen Vollstrecker, mit unerfüllten Wünschen, mit unerfüllten Forderungen, die nicht ihre Forderungen sind, die nicht ihre Wünsche sind.

„Und Mose ging vom Pharao mit grimmigem Zorn. Der HERR aber sprach zu Mose: Der Pharao wird nicht auf euch hören, auf dass meiner Wunder noch mehr werden in Ägyptenland. Und Mose und Aaron haben diese Wunder alle getan vor dem Pharao; aber der HERR verstockte ihm das Herz, sodass er die Israeliten nicht ziehen ließ aus seinem Lande.“

Karge Gerechtigkeit

Es sollte durchaus Seb. Kurz zum Vorbild genommen werden, sich also mit „anderen Sorgen“ zu beschäftigen, als ständig auf das Coronavirus zu starren, das ohnehin mit dem berühmten freien Auge nicht zu sehen ist, aber nicht, wie er, Seb. Kurz, um das total Fernliegende eines vollkommen Danebenliegenden, sondern tatsächlich um Naheliegendes, etwa darum, „Gerechtigkeit zu schaffen“.

„Gerechtigkeit zu schaffen ist uns als neue Volkspartei ein zentrales Anliegen. Darum wollen wir die Pflege langfristig sichern und das Gesundheitssystem stärken. Gerechtigkeit heißt aber auch, dass wir jene, die viel für unser Land leisten, entsprechend entlasten. Und ist es ein Anliegen, dass die Familien echte Wahlfreiheit und Frauen die gleichen Chancen haben.“

Dieses Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“, wie es auf der Website des Seb. Kurz steht, sagt bereits mehr als die berühmten tausend Worte.

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ kann nur in einer für das Geisthaltige besonderen Umgebung gezeichnet worden sein, wie so vieles, das …

Das Bild von „Gerechtigkeit zu schaffen“ aber zu diesem Bild sagt nicht mehr als tausend Worte, sondern alles. Das Bild zeigt keinen Boden für Gerechtigkeit. Sondern Wasser, in das die Gerechtigkeit …

Es gibt auf der Website des Seb. Kurz doch auch ein Bild mit festem Boden. Es ist ein Bild des Ausblicks für Österreich. Wohin Seb. Kurz Österreich „bringen“ möchte. Wo für ihn Österreich „vorne“ sein soll. Es ist ein fester Boden, aber ein karger Boden. Auf dem nichts wächst. Geröll. Nur Geröll. Nackter Schutt. Ein Untergrund, auf dem voranzukommen, ein vergebliches Unterfangen.

Statt in Gerechtigkeit zu schwimmen, wie von der Zukunft einst erträumt, wird das Glück der Menschen sein, dem Ertrinken entgangen, für ein fortan karges Leben.