Edelweiß und Enzian

Kurz ist es her, daß es im österreichischen Parlament wegen eines neuen Preises hoch herging, vor allem deshalb, weil die FPÖ diesen „Bruno-Kreisky-Preis“ genannt haben wollte, dabei hätte die FPÖ auch „Franz-Olah-Preis“ vorschlagen können.

Beiden Männern hat die FPÖ schließlich viel zu verdanken. Sie mußte sich entscheiden. Sie entschied sich für Bruno Kreisky, ihm durch einen Namenspreis zu danken. Und das kann verstanden werden. Sie hat Bruno Kreisky mehr als Franz Olah zu verdanken. Durch die Wahlrechtsreform erhielt die FPÖ nicht nur augenblicklich bei gleichbleibendem niedrigen Wahlergebnis sofort vier Mandate im Parlament mehr, als ein Jahr zuvor, damit verbunden auch mehr Geld.

Wie schnell hingegen ist eine Million Schilling wohl verbraucht gewesen, die die FPÖ Jahre zuvor von Franz Olah heimlich erhielt. In beiden Fällen war das Gegenüber von Bruno Kreisky und Franz Olah ein Mann, an den vor kurzem im Parlament erinnert wurde, aber nicht im positiven Sinne: Friedrich Peter.

Zu der Zeit von Franz Olah wurde Geld noch nicht flott in Sporttaschen übergeben. Es war eine biedere Zeit, es wurden noch Sparbücher angelegt, die dann heimlich übergeben wurden. So legte Franz Olah zwei Sparbücher an, mit je fünfhundert Tausend Schilling, und er übergab diese heimlich Friedrich Peter mit dem Ersuchen, diese Million für die Demokratie in Österreich zu verwenden. Denn. Friedrich Peter ersuchte Franz Olah um finanzielle Unterstützung, weil es für eine Demokratie notwendig sei, daß es im Parlament eine Opposition zu den Regierungsparteien geben müsse, und die FPÖ, einfach wie kurz gesagt, am Sand … Zwischen dem Ersuchen von Friedrich Peter an Franz Olah und der Übergabe der Sparbücher durch Franz Olah an Friedrich Peter lag nur eine Woche. So schnell entschied Franz Olah, die FPÖ mit dem Geld von anderen zu unterstützen.

Es waren zwei anonyme Sparbücher mit je 500 Tausend Schilling. Ein Sparbuch auf „Edelweiß“, das zweite auf „Enzian“.

Weshalb wählte Franz Olah gerade „Enzian“ und „Edelweiß“ als Losungswörter aus?

Dachte Franz Olah vielleicht, „Enzian“ und Edelweiß“ verkörpere Österreich wie keine andere Losung?

„Edelweiß“ und „Enzian“ werde sein Ersuchen an Friedrich Peter, sich für die Demokratie in Österreich einzusetzen, besonders bekräftigen, und Friedrich Peter mit seiner Partei werden nicht anders können, „Edelweiß“ und „Enzian“ vor Augen, als sich für die Demokratie in Österreich stark zu machen?

Einerlei, warum sich Franz Olah gerade für „Edelweiß“ und Enzian“ entschied, eines ist gewiß, Friedrich Peter konnte Franz Olah recht leicht das Versprechen geben, auf „Enzian“ und „Edelweiß“ schwören, er und seine Partei würden sich für die Demokratie in Österreich …

Sind doch gerade „Edelweiß“ und „Enzian“ mit einer dritten Blume im Strauß die Leitblumen freiheitlicher Gesinnung, einfach wie kurz gesagt, bis herauf zu diesen Tagen, in denen die FPÖ im österreichischen Parlament Dank an Bruno Kreisky rapportiert. Der freiheitlichen Gesinnung ist unzweifelhaft die Demokratie eingeschrieben. Aber hierbei kommt es auf die Übersetzung des Wortes Demokratie an, mit einem deutschen Wort ist ihr Verständnis schlicht wie kurz kenntlich gemacht: Volksgemein

Vielleicht aber war Franz Olah ebenso wenig „Illusionist“ wie der Präsident, der dies vor kurzem einbekannte, und er wählte die Codes „Enzian“ und „Edelweiß“, weil er zu genau wußte, wen er mit einer Million unterstützt, was dieser Partei „Edelweiß“ und „Enzian“ gesinnungsgemäß bedeuten. Vielleicht hatte er, Franz Olah, die Hoffnung, diese Partei werde sich daran erinnern, daß „Edelweiß“ und „Enzian“ einfach nur Blumen sind, und nicht das, was aus ihnen die Täterinnen aus dem Portschyland machten …

Aber von altersher ist es schon bitter bekannt, die Hoffnung, die Hoffnung enttäuscht zuerst …

Was wäre wohl gewesen, hätte die FPÖ nicht die Million bekommen? Wenn die FPÖ ihren Blumenhandel damals schon hätte für immer zusperren müssen? Im österreichischen Parlament plötzlich nur noch zwei Parteien gewesen wären, zwei Regierungsparteien nur noch, ohne Opposition?

Das wäre wohl nicht so hingenommen worden, und es wären wohl andere Parteien zusätzlich in das Parlament gewählt worden, es wären vielleicht sofort neue Parteien gegründet worden, die in das Parlament gewählt worden wären … Was hätten sich die Menschen in Österreich in all diesen Jahrzehnten seit damals ohne FPÖ, kurz gesagt, alles erspart?

In Austria, identity has a baptismal name: Karl.

Wird für „Der Herr Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz um eine kurze Inhaltsangabe ersucht, gefragt, ob dieser etwas mit der österreichischen Wirklichkeit zu tun habe, wer denn dieser „Herr Karl“ sei, wen der „Herr Karl“ verkörpere, wer seine Vorbilder seien, fallen Bezeichnungen, Zuschreibungen, beispielsweise „Durchschnittsbürger“, „Fleisch gewordener Wiener Opportunist“, „selbstgerechter Hausmeister-Typ voll bestialischer Gemütlichkeit“; schlicht wie kurz: der „Herr Karl“ ist für alle stets der sogenannte „kleine Mann von der Straße“, niemals aber der sogenannte „große Mann“ in seiner …

Dabei, wenn bedacht wird, wer dort vor allem verkehrte, wo Qualtinger und Merz ihre Männer als Vorbilder fanden, die sie zu einem „Herrn Karl“ bis zur Kenntlichkeit verdichteten. Es waren darunter „hochrangige Polizeibeamte“, „Schauspieler“, „Journalisten“, „Halbwelt“. Nicht auszuschließen, daß unter diesen Vorbildern auch Künstlerinnen waren, vielleicht sogar Josef Müllner, der Schöpfer des KL-Denkmals.

Der Inhalt von „Der Herr Karl“ kann auch ganz kurz anhand von ein paar Daten von Josef Müllner zwischen 1926 und 1949 etwa nüchtern erzählt werden, wo er überall dabei gewesen sein muß, um das zu erreichen, das „Der Herr Karl“ nicht erreichte, obgleich auch er versuchte, wie Qualtinger und Merz ihn eindrucksvoll erzählen lassen, ebenfalls überall dabei zu sein, überall mitzutun, wie es ihm die Zeitenläufte zu gebieten schienen.

Und wenn einst die Zusatztafel zur Zusatztafel zum KL-Denkmal mit dieser schlichten wie kurzen Aufzählung von Auszeichnungen aus dem Leben des Josef Müllner auf dem KL-Platz steht, können sogenannte Stadtführerinnen, Guides erzählen, und dabei auf diese Zusatztafel zeigen, daß dies in der kürzesten Fassung im Grunde der Inhalt von „Der Herr Karl“ ist, dem Werk über den Menschen in Österreich mit seiner Karl-Identität.

Vielleicht ist es aber gar nicht der einzelne Mensch in Österreich, der eine Karl-Identität besitzt, sondern Österreich ist es, das die Karl-Identität einzig besitzt, ein selbstgerechter Hausmeister-Typ mit bestialischer Gemütlichkeit als Durchschnittsstaat, der sich gegenüber Menschen opportunistisch verhält, wie es ihm die Zeitenläufte geboten erscheinen, sich stets dem jeweiligen ihm gezeigten Gesinnungsbild anzudienen, es ihm ermöglicht, beispielsweise gegenüber Josef Müllner bis heute herauf sich zu verhalten, wie er meint, daß Josef Müllner es von ihm erwartet, daß er, der Staat, sich ihm gegenüber zu verhalten hat, um sein Wohlwollen sich zu verdienen, zu sichern.

Menschgemäß ist es Unsinn oder zu einfach wie kurz gesagt, daß ein Staat eine Identität besitzt. Es sind die Menschen, die einem Staat eine Identität zuschreiben, die, wenn überhaupt so etwas wie eine Identität festgestellt werden kann, deren eigene ist, wie sie meinen, und sich selbst dabei mit dem Staat verwechseln. Kurz ist es her, daß ein Mensch mit einer solchen Identität im österreichischen Parlament eine Rede hielt und dabei ganz darin verblieb, die Zuschreibungen, wer „Der Herr Karl“ sei, fortzuschreiben, wenn er davon spricht,

„Erst wenn wir alle aufstehen, erst dann, wenn jeder im Wirtshaus aufsteht, wenn er hört, dass ein Witz gemacht wird oder dass verächtlich geredet wird, erst dann, wenn er aufsteht und dagegen auftritt, dann wird es uns gelingen, den Antisemitismus einzudämmen.“

wenn alle „im Wirtshaus dagegen aufstehen“, also nur in der Villa, im Palast der sogenannten „kleinen Leute“ und nicht dort auch, wo beispielsweise er, der Präsident, auftritt; denn dort wo er, der „große Mann“ hintritt, gibt es keinen Antisemitismus und auch keine Karl-Identität …

Ein auf dem KL-Platz gefaßter Plan: Zusatztafeln zu Zusatztafeln

Im Zuge des Plans, eine Zusatztafel zu der von Oliver Rathkolb textierten Zusatztafel zum KL-Denkmal auf dem KL-Platz aufzustellen, ist die Erkenntnis gewonnen worden, generell die Zusatztafeln im Land zu überprüfen, und wenn notwendig, diesen ebenfalls welche beizustellen, die bisherigen Zusatztafeln aber als Zeitdokumente zu belassen.

Die Notwendigkeit von Zusatztafeln wurde, wird berichtet, bereits bei einem ersten kurzen Rundgang durch die Innenstadt der Hauptstadt erkannt, bei einem Rundgang vom KL-Platz über den Franziskanerplatz in die Johannesgasse weiter zum Judenplatz, verfestigt hat sich, wird berichtet, die Einsicht in die Notwendigkeit von Zusatztafeln bereits beim Wechsel in den III. Bezirk zu einer vordringlichen Umsetzung. Bei einer eingelegten Pause auf dieser Wanderung am Kanal mit Blick auf den unterirdischen Angelo-Soliman-Weg auf der Löwengasse die Einsicht, es kann die Überprüfung nicht auf die Hauptstadt allein beschränkt bleiben, auch in Graz, auch in Klagenfurt, in Wieselburg, in Lackenbach, in Innsbruck, in Kirchstetten, kurzum, ausgedehnt auf das ganze Land

Zusatztafel zur Zusatztafel

Wie zu erfahren ist, wird die zerstörte und gestohlene Zusatztafel zum Karl-Lueger-Denkmal des Josef Müllner mit der zeithistorischen Erörterung von Oliver Rathkolb so rasch als möglich wieder vor dem Karl-Lueger-Denkmal aufgestellt werden, und zwar die Zusatztafel in ihrer originalen Textierung als Zeitdokument.

Um aber zukünftige Beschmierungen oder gar Zerstörungen der Zusatztafel zu vermeiden, wird, ist zu erfahren, eine zweite Zusatztafel mit Daten zu seinem Schöpfer unmittelbar daneben aufgestellt werden, die von seiner österreichischen Identität, auch unter dem einfachen wie kurzen Begriff Karl-Identität bekannt, erzählen …

Zusatztafel zerstört

Wie bereits berichtet, wurde die Zusatztafel zum Karl-Lueger-Denkmal Zeithistorikers Oliver Rathkolb erst vor kurzem beschmiert.

Offensichtlich reichte den Täterinnen, wenn es denn wieder dieselben waren, das Beschmieren bei weitem nicht. Nun gingen die Täter, wie eben an diesem 16. Juli ’20 bekannt wurde, einen Schritt weiter, und zerstörten die erhellende Zusatztafel des Historikers völlig. Sie dürften dafür eine Flex verwendet haben, wie das Bild zeigt, blieben von der Zusatztafel, die so deutlich auf den Antisemitismus des ehemaligen Bürgermeisters von Wien hinweist, lediglich Reste, ein Stumpf …

Gerätselt wird bereits seit des ersten Beschmierens der Zusatztafel über das Motiv der nunmehrigen Zerstörung. Der Zerstörung einer Zusatztafel, die ein so klares Zeichen der österreichischen Gegenwart ist. Durch die erklärenden Worte zum Antisemitismus des Karl Lueger zum einen, zum anderen wurde durch von dem Historiker nicht darauf vergessen, den Künstler, den Schöpfer des Denkmals, dem sein Leben ein reines Kunstleben war, anzuführen; ein klares Bekenntnis also auch zur österreichischen Gegenwart, in der auf ihre Wertvollsten auch aus Kunst und Kultur nicht vergessen wird.

Im Autobus zur Arbeit

Mit dem Autobus zur Arbeit zu fahren, mit der Straßenbahn die zu erledigenden Wege zurückzulegen, ist nicht nur eine feine, weil bequeme Art des täglichen Fahrens, sondern auch eine sehr informative.

Ohne Ablenkung durch das eigene Lenken eines Fahrzeuges kann entspannt in einer absoluten Schutzzone den kostenlosen Nachrichten auf dem Monitor gefolgt werden.

Beim Aussteigen am Ziel dann stets das gute Gefühl, die befriedigende Erkenntnis, kurz gesagt, mit mehr Wissen als beim Einstiegen das öffentliche Verkehrsmittel stets zu verlassen, mit mehr Wissen etwa über Politik, generell mit mehr Wissen über die Welt, wie beispielsweise gestern wieder in der Straßenbahn 18 …

Kommentare für die Staatsanwältin

»Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut noch dem deutschen Blut verwandt ist. Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und Zigeuner.«

Das ist aus den „Kommentaren zur deutschen Rassengesetzgebung“ von Hans Globke und Wilhelm Stuckart.

Es ist nicht das erste Kapitel, in dem die Namen Globke und Stuckart … und es wird nicht das letzte Kapitel gewesen sein müssen, um …

Es geht um Anerkennung, weiter um Anerkennung, um eine Anerkennung, die den „Zigeunern“, wie auch das obige Zitat aufzeigt, nicht einmal von der nationalsozialistischen Totaldiktatur verweigert wurde, wenngleich eine Anerkennung der grauenvollsten Art, der massenmörderischen Weise, wenngleich die Gleichstellung von ihnen durch das deutsche reich zum Begehen der schlimmsten vorstellbaren Verbrechen durch das deutsche reich gegen die Menschlichkeit an ihnen allen.

Ein Präsident hätte vor wenigen Tagen eine große, eine entscheidende, für österreichische Verhältnisse so einfach wie kurz eine historische Rede halten können, ein kräftiges Zeichen einer repräsentativen Demokratie für eine liberale Demokratie setzen können, für die Anerkennung, aber seiner Bibliothek am Hof in Waidhofen an der Ybbs sind wohl dafür nicht die Bücher vorhanden …

Und nun ist aktuell zu lesen: „Historiker pochen auf Aberkennung von Ehrenzeichen an Nazi“, und es wird für die Aberkennung einiges von Globke angeführt, im Zusammenhang mit jüdischen Menschen, nichts aber im Zusammenhang mit den Menschen, die nach wie vor als „Zigeuner“ …

Es ist wohl höchst an der Zeit, daß Damen und Herren der Geschichtsschreibung sich um die Anerkennung, um die tatsächliche Aufarbeitung bemühen, und nicht um die Nebensächlichkeit einer Aberkennung eines „Ehrenzeichens“, im aktuellen Fall um die Aberkennung des „Ehrenzeichens“ der Republik Österreich an Globke. Zu diesem „Ehrenzeichen“ wird es wohl ein Schriftstück geben, das vor 64 Jahren an Globke übergeben wurde. Was wird aus einem Stück Papier nach 65 Jahren schon groß geworden sein, das breit nicht gekannt wird: es wird gelblich und bräunlich blaß geworden sein, um nicht zu schreiben: pißgelb und kotspurig.

Auszeichnungen sind Furunkeln und Karbunkeln als Trost im Alter, da diese als einzige nicht schmerzen. Und Hämorrhoiden, die früher oder später, so Billy Wilder, jedes Arschloch bekommt.

Das wäre eine Aufgabe für die Geschichtsschreibung, gerade in diesem Land, aus dem die kameradschaftliche Denkschrift zu den Verbechensgesetzen … besonders also in diesem Land die erste Aufgabe, sich für die Anerkennung zu engagieren, nicht um die Aberkennung eines pißgelben und kotspurigen Papiers, das seit Jahrzehnten in einem irgendeinem Archivkellerloch vermodert und wohl auch nicht mehr so rasch auffindbar ist, vielleicht erst nach ein paar Wochen durch intensivste Suche von einer beamteten Hundertschaft ein paar Fetzen, die noch mühsam zusammengeklebt werden müssen, um es als Verleihurkunde entziffern zu können.

Diese ausstehende Arbeit der Geschichtsschreibung in einer endlich breiten und umfassenden Art könnte vielleicht doch in absehbarer und endlicher Zeit dazu führen, daß ein Präsident im österreichischen Parlament eine entscheidende, eine wenigstens für Österreich historische Rede …

PS Was muß das für ein Jahr in Österreich gewesen sein? Das Jahr 1956. Das erste Jahr wieder allein, unter sich, in dieser österreichischen Freiheit. Globke bekommt das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“ und am Eingang Neulinggasse wird die „Familie“ von Margarete Hanusch aufgestellt – eine Figurengruppe wohl auch ganz nach dem Kunstgesinnungsgeschmack von Globke …

PPS Und hat er, Globke, nicht seine „Verdienste um die …“?

„Bei dem im März 1938 vollzogenen „Anschluss“ Österreichs musste Globke die Vertretung des Verfassungsreferenten übernehmen. […] So war Globke auch an der Ausarbeitung von Verordnungen im Zusammenhang mit der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich beteiligt.“

Und lange davor die „Kommentare“ bereits ein juristisches Nachschlagewerk für die Oberstaatsanwaltschaft Wien …

Ausstellung, Saal Neulinggasse

Als Blickfang gleich beim Eingang Neulinggasse steht die „Familie“ von Margarete Hanusch. Als dauerte die „Große Deutsche Kunstausstellung“ an, als wäre Margarete Hanusch nach ’37 und ’38 noch einmal eingeladen worden, auch ’56 auszustellen. Als stünde der sehr alte und noch ein Jahr zu lebende Heinrich Hoffmann mit seinem Auftraggeber davor, der ihm gleich sagte, mache er auch schöne Bilder von der „Familie“, die unerschütterliches Abbild seiner idealistischen Gesinnung …

Als wäre bis heute darauf vergessen worden, den Saal Neulinggasse der „Großen Deutsche Kunstausstellung“ zu schließen …

Vielleicht war das Gottesmodell Hoffmanns zwar beglückt beim Anblick der hanusch’schen „Familie“, aber doch ein wenig unzufrieden; nur ein Sohn, wo er doch Dutzende von Söhnen in jeder Familie bräuchte für seine Opfer, die er dem Tod darzubringen habe … wenigstens statt der Tochter ein zweiter Sohn …

„Ein Drittel der Künstlerinnen gab 1937 München und Umgebung als Wohnort an, etwa jede Fünfte kam aus Berlin. Lediglich die Bildhauerin Margarete Hanusch wohnte außerhalb der Reichsgrenzen, in Wien.“

Da wird sich Margarete Hanusch zwar gesinnungsheimisch gefühlt haben, aber vielleicht doch ein wenig unsicher, fern von Wien.

Wie anders hingegen in Wien, im dritten Bezirk, im Saal „Neulinggasse“. Da sind sie unter sich. Nicht weit nach dem Eingang Wilhelm Frass mit seinen Skulpturen, dann gleich im Modenapark von Josef Müllner eine Figur – ein recht schöner Ort zum Verweilen … Stets dabei im sicheren Schatten der zwei Riesenwächterinnen …

Ach, lebte Margarete Hanusch noch, wie erfreut wäre sie wohl darüber, daß ihre Gesinnungsbotschaft der „Familie“ in Zeiten von Corona verbreitet wird, gerade im Saal „Neulinggasse“, tapfer und gesinnungsreich gegen Männer plakatiert wird, die beieinander liegen …

Das würde Margarete Hanusch nun wohl milde lächeln lassen, daß es einst wenige, aber doch einige Menschen gab, die ihre „Familie“ ablehnten. Und ist nicht gerade heute besonders Partei, kurz gesagt, Abbild ihrer idealistischen Kunst?

„In der Publikumsresonanz zeigt sich die Akzeptanz einer idealistisch-abbildhaften Kunst. An solchen Arbeiten wurde kaum Kritik – außer seitens einiger Künstler und Kritiker – geübt, und sie verblieben als ‚stille‘ Objekte. Zu den Ausnahmefällen gehört die Ablehnung der Skulpturengruppe ‚Familie‘ von Josef Bock und Margarete Hanusch: ‚Wie war es möglich, daß das Malheur mit der Blubo- (Blut-und-Boden-, I. N.) Plastik auf der Landstraßer Hauptstraße passieren konnte? (…) die als Rückfall in Zeiten erscheint, welche wir doch längst überwunden haben sollten.‘“

Sie, Margarete Hanusch, wird kein Smartphone gebraucht haben, um den Weg nach Hause in die Hafengasse zu finden. Wie einfach das Leben da noch war. Sie fand den Weg heim entlang ihrer Werke im dritten Bezirk. Und wen sie wer besuchen wollte, den beschrieb sie den Weg zu ihr einfach wie kurz anhand ihrer Werke. Vom „Mozart“ zur „Familie“ dann zur „Ährenträgerin“, eine kurze Rast auf der „Gänseweide“, dann weiter, ein wenig den „musizierenden Kindern“ zu hören, dann weiter, sich an dem Duett der „Lautenspielerin und Sängerin“ erfreuen und schon …

Ob sie dann bei Kaffee und Guglhupf sentimental erzählte, sie wäre zu spät geboren, um den Karl-Borromäus-Brunnen … wie hätte dieser doch in ihre Wegbeschreibung sich vorzüglich eingefügt, dieser so idyllische Platz mit den Nudelstilknaben zum Andenken an den Bürgermeister, dem es nicht vergönnt war, ihr die Hand zu reichen … ob ihr in München die Hände gereicht wurden von dem Fotografen und seinem Linsenboy …

Wie ist es möglich, daß das passieren konnte, „wegen des schlechten Erhaltungszustandes ausgeschieden“,

„Die ehemaligen städtischen Sammlungen erwarben 1942 Hanuschs Holzplastik Mädchen und 1943 ihre Holzplastik  Kämpfer, die aber wegen des schlechten Erhaltungszustandes inzwischen ausgeschieden wurde;  für das Liesinger Bad schuf die Künstlerin die Steinplastik Badende.“ 

Wien, Stadt der Badenden, die einander grüßen über Zeit und Tümpel hinweg …

Benjamin-„Netanyahu hat mich wachgerüttelt“

Wolfgang Sobotka hat in seiner vorvorvorvorgestrigen Rede im österreichischen Parlament davon, auch davon gesprochen, der Kampf gegen Antisemitismus sei nicht eine Sache des „überzogenen Nationalismus“, sondern „ein Kampf für die Demokratie“ …

Wie wäre es wohl um den „Kampf gegen Antisemitismus“ von der schwarzen Partei bestellt, regierte in Israel nicht Benjamin-„Netanyahu-hat-mich-wachgerüttelt“?

Aber es regiert in Israel nun einmal „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“. Und so bekommt der „Kampf gegen Antisemitismus“ der türkis getupften schwarzen Partei einen Ablaufzeitstempel, der ohnehin nicht ein „Kampf“, sondern Einsatz für „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ ist, eine kurze Episode sein wird, vorbei, wenn „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ nicht mehr regiert, sondern Repräsentantinnen einer liberalen Demokratie in Israel wieder regieren werden.

„Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ ist kein Repräsentant der liberalen Demokratie,

„Noch irritierender ist, dass Netanjahu Israel Stück für Stück aus dem Lager der liberalen Demokratien entfernt und sich immer öfter mit Autokraten und Diktatoren einlässt. Das mag etwa im Falle Russlands unerlässlich sein, weil Moskau inzwischen zum maßgeblichen Machtfaktor im benachbarten Syrien geworden ist.

Aber Netanjahu wirbt auch offensiv um Nationalisten wie Viktor Orban in Ungarn und die PiS in Polen, er unterhält beste Beziehungen zum Hindunationalisten Narendra Modi in Indien und rühmt sich seiner guten Kontakte zum rechtspopulistischen brasilianischen Premier Jair Bolsonaro. Und dann sind da noch die von den Amerikanern deutlich kritisierten chinesischen Investitionen in den Hafen von Haifa, die ein Sicherheitsproblem etwa für die US-Navy darstellen.

Das wirft die Frage auf, wo Israel sich international verortet, im sich zuspitzenden Kampf zwischen liberalen Demokratien und autoritären Regimen. Und ob der jüdische Staat, der seit seiner Geburt von der liberalen Weltordnung profitierte und von der Ordnungsrolle Amerikas wirklich gut beraten ist, auf Nationalisten in den USA und Europa setzen sollte, die offen gegen diese liberale Ordnung zu Felde ziehen.“

und das läßt erhellende Rückschlüsse zu auf das Verständnis von Demokratie der schwarzen Partei mit ihrem Anführer „Sebastian Kurz gratuliert Netanjahu als Erster“.

Um ein von „Sebastian Kurz gratuliert Netanjahu als Erster“ ausgeborgt verwendetes Wort aufzugreifen, es geht wohl in erster Linie um die Herstellung einer „Achse“ des Nationalistischen: „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“„Wer auf Orbán und Salvini herabschaut, zerstört die EU“„Who speaks our language?“„Keine Zeit für Demokratie“kurz gesagt, um die vier an der nationalen Tränke …

Es gehe, sagt Wolfgang Sobotka, nicht um einen „überzogenen Nationalismus“. Vollkommen richtig. Es gibt keinen „überzogenen“ Nationalismus. Denn. Nationalismus ist bereits an und für sich überzogen. Und für diesen will „Netanyahu hat mich wachgerüttelt“ kämpfen, der auch als „Zionismus“ bekannt ist, für den will er kämpfen, „gegen Antizionismus“ anzukämpfen“ … Und das ist auch zum derzeitigen Regierungsprogramm in Österreich erhoben, nicht nur unterschrieben von der türkis getupften schwarzen Partei, sondern auch von der derzeitigen zweiten Regierungspartei …

Wenn also Wolfgang Sobotka von diesem Umfeld, auf dem Nationalistisches gezogen wird, herausschreit, es gehe um „Kampf für die Demokratie“, dann hat er vollkommen recht, wenn er sagt, es gilt aufzustehen, „wir alle dagegen aufstehen“ …

Hof der Geschichte, Waidhofen an der Ybbs

„Ganz besonderer Respekt und Anerkennung gebührt dafür dem ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, aber auch dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Sie haben die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte zu einem wichtigen Teil ihrer politischen Arbeit gemacht.“

Das wurde zwar schon zitiert. Aber es ist eine derart außerordentliche Passage, daß diese besonders hervorgehoben werden muß, dieser gebührt ein eigenes Kapitel.

Martin Engelberg spricht am 8. Juli ’20 im österreichischen Parlament auch von „Verhöhnung“. Nun, wen will Martin Engelberg verhöhen, wenn er Franz Vranitzky und Sebastian Kurz in einem Satz des Respekts und der Anerkennung gleichauf nennt, und das gerade in diesem besonderen Zusammenhang? Will er damit Franz Vranitzky verhöhnen? Oder doch Sebastian Kurz, der gerade in diesem besonderen Zusammenhang in keiner Weise mit Franz Vranitzky je in einem Atemzug genannt werden kann.

Martin Engelberg spricht in dieser vorvorvorgestrigen Rede im Parlament von Geschichte, von dieser er wohl so viel weiß, daß ihm möglicherweise einiges durcheinander gekommen ist, denn wer zu viel weiß, erliegt ab und an Verwechselungen. Vielleicht wollte er, Engelberg, in Wirklichkeit Wolfgang Schüssel und Sebastian Kurz Respekt und Anerkennung zollen, die beide dem dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte auf und davon sind, der eine mit Haider im Porsche, der andere mit Strache im Boot

Hingegen setzte Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzy nicht nur Jörg Haider und seine Partei vor die Tür, sondern auch erstmals die wichtigen Worte für einen österreichischen Bundeskanzler im Parlament und auch in Israel.

Dr. Franz Vranitzky wies damit der FPÖ ihren gesinnungsgemäß einzig angestammten Platz als stampfendes Deutschstilzchen draußen vor dem Bundeskanzleramt zu.

Diese besondere engelbergische Passage ist ein Prunkstück vom Hof der Geschichte in Waidhofen an der Ybbs, und wird wohl oft angefragt werden, ob es nicht als Leihgabe in die eine oder andere Ausstellung … ein Museum in Krems soll für seine nächste geplante Schau bereits angefragt haben.

Übrigens, für eine laufende Veranstaltung mit dem schönen Namen Ausschuß der Fragen soll bereits die Immobilienagentur Ibiza angefragt worden sein, ob sie nicht als Leihgabe ihr …