Ein Gesinnungsherz für Afrika

„Angesichts der Gedenkfeiern zum 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen stellt sich die Frage, warum andere außergewöhnliche Gräueltaten in diesem Krieg nicht ebenso beachtet werden –“

Nach dieser Einleitung der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Parlamentspartei am 31. Jänner 20 wird ein Kommentar von einem Mann – es darf angenommen werden, es ist der Kommentar eines Mannes – unter einem Pseudonym gebracht, bei dem angenommen werden darf, es ist das Pseudonym eines Höchsten aus dieser Gesinnungsschaft …

Der anonymisierte Höchste aus dieser identitären Gesinnungsschaft beginnt seine Gegenrechnung zum „Totengedenken“ sogleich mit:

„Die feige Torpedierung des ehemaligen ‚Kraft durch Freude‘-Urlaubsdampfers durch das sowjetische U-Boot S-13 gilt als die mit Abstand größte Schiffskatastrophe der Seefahrtsgeschichte mit rund 9.000 Toten, das sind sechsmal so viele wie beim Untergang der Titanic.“

Nun, kurz gesagt, „Auschwitz“ und „Wilhelm Gustloff“ in einen Vergleich zu zwängen, mag dem Höchsten durch seine Gesinnung redlich erscheinen, ist aber aus mannigfachen Gründen ein nicht haltbarer Vergleich, zuletzt auch durch die unmittelbaren Begebenheiten, die zur Versenkung des Schiffes führten, und durch die unmittelbaren Ereignisse rund um die Rettungsversuche respektive unterlassenen Rettungsversuche …

In seine Gegenrechnung nimmt der Höchste gesinnungsgemäß anschließend sofort auf:

„Warum gibt es keine Gedenkfeiern für die rund 14 Millionen vertriebenen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten im heutigen Polen, im bis heute teilweise russisch besetzten Ostpreußen oder der Tschechei?“ 

Hierbei nicht die „Dekrete“ als fixe Konstante in der Gleichung zu führen, für den Höchsten eine gesinnunsgemäß undenkbar. Gesinnungsgemäß ist dem Höchsten vorgeschrieben, Tschechien als „Tschechei“ zu führen, wie es von Höchsten in dieser Gesinnungsschaft eben Brauch ist, also mit einer Bezeichnung, die ihre höchste Verbreitung fand, als

Und in der Gegenrechnung offenbart der Höchste aus dieser Gesinnungsschaft seine Anteilnahme für Menschen aus Afrika, wie weh ist dem Höchsten zumute, wie schwer schlägt dem Höchsten sein Gegenrechnungsherz, erinnert er an das Leid besonders der Menschen im Kongo.

„Ein Stiefkind in der Totengedenk-Kultur sind nicht zuletzt die fast zwölf Millionen Afrikaner, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert als Sklaven von Afrika vor allem nach Amerika verkauft wurden und oft unter ähnlichen Umständen ihr Dasein fristen mussten wie die späteren Insassen der Konzentrationslager.

Als besonders grausam erwiesen sich die Belgier im Kongo, die bei der systematischen Ausplünderung ihrer Kolonie bis ins 20. Jahrhundert hinein eine extrem brutale Art der Versklavung pflegten, die etwa im Abhacken der Hände gipfelte, wenn nicht fleißig genug gearbeitet wurde. Man schätzt, dass das Schreckensregime der Belgier in nur wenigen Jahrzehnten die Hälfte der damaligen Kongo-Bevölkerung von 25 Millionen Menschen das Leben kostete. König Leopold II. (1835 bis 1909), der den Kongo als persönlichen Besitz sah und sich immens bereicherte, musste sich nie dafür verantworten.“

Ja, erst in einer Gegenrechnung offenbart auch ein Höchster sein wahres Herz, sein für „Neger“ leidendes Herz …

Uns was insbesondere den Kongo angeht, wie gut, daß es dort auch Männer gab, deren Gedenken sich eine solche Gesinnungsschaft nicht zu schämen braucht, es ihr als Ehre …

Und was für ehrentreue Männer das der Gesinnungsschaft sind, die gen Konto zogen, kann ermessen werden, wenn sogar ein Adorno an sie zu erinnern …

Leopold II. war mit einer aus der Familie Habsburg verheiratet. Aber sie wird nichts davon gewußt haben, was ihr Ehemann im vom ehelichen Herd fernen Kongo … Und sie kann auch nichts gewußt haben, denn sonst würde der zurzeitige Höchste der FPÖ nie und nimmer eine so enge Bande mit einer Familie haben, wäre diese nicht ganz und gar unschuldig …

Identitärer Wiener Stadtwanderweg zum Jordan

Vom Kahlenberg zum Cobenzl durch den Paula-Wessely-Weg geht es zurück in die Innenstadt, wo es, soll erzählt sein, zum letzten Gesinnungshöhepunkt kommt für die eingeladenen Identitärinnen: auf dem Judenplatz.

Auf dem Judenplatz werden sie noch auf einen Trunk, soll weiter erzählt sein, eingeladen, bei der Wirtin gleich neben dem Haus mit dem Wappenrelief. Das Bier und das von hier aus bequem zu fotografierende Wappenrelief ist ihnen ein gelungener Abschluß ihres Gesinnungsgedenkwandertages im Paradies, in das sie nach bald 600 Jahren wieder einmal

Es wird auch, soll erzählt sein, für Gruppenbilder mit dem Wappenrelief die Trinkzeit recht ordentlich genutzt, manche gehen vor bis fast zum Lessing-Denkmal, um die Tafel und die gesamte identitäre Gruppe auf das Bild zu bringen, mit ihren erhobenen Biergläsern, gesinnungsfröhlich dem Wappenrelief zuprostend …

Der Tafel mit der lateinischen Inschrift, die für jene eine Quelle, die des Lateinischen kundig und willig, deren Inhalt weiterzutragen, aber nicht in lateinischer Sprache, sondern in einer Sprache, die heute alle verstehen …

The world’s first identitarian hiking trail in Vienna, Austria: Cobenzl -Kahlenberg

Wenn Identitäre nach Wien einladen, dann gehört es, so wird es erzählt, zur Pflicht, mit den nach Wien eingeladenen Identitärinnen einen Wiener Stadtwanderweg abzuschreiten, einen ganz bestimmten, nämlich den Gesinnungswanderweg vom Cobenzl auf den Kahlenberg.

Die Pflichtabschreitung beginnt mit einer Einkehr in der Schießstätte zum Mittagessen. Nach dem Verzehr der Nudelsuppe und des Tafelspitzes in Schnittlauchsauce mit Röstkartoffeln und Apfelkren ist der Sammelplatz gleich hinter dem Waldwirtshaus beim Karl-Lueger-Denkmal, das „errichtet von dankbaren Bürgern – im Jahre 1915“ …

Dermaßen von Nudelsuppe, Tafelspitz und luegerischer Gesinnung gesättigt geht es dann mit festem Schritt und Tritt auf den Kahlenberg, auf dem eine weitere gesinnungsgemäße Belohnung — um welche es sich handelt, wird von den einladenen Identitären aber nur geheimnisvoll angedeutet — auf die eingeladenen Identitärinnen wartet, es sind Verse von Josef Weinheber.

Recht gerne wird für den Rückweg nach unten, wird weiter erzählt, der Paula-Wessely-Weg genommen, dessen Beschreiten ihnen stets Empfindungen eines Heimgangs

Tief unten in der Stadt sollen, wird erzählt, die einladenden Identitären recht darauf achten, mit ihren eingeladenen Identitärinnen nicht an der Karl-Lueger-Tafel im Resselpark vorbeizukommen. Denn es könnte die geladenen Identitärinnen verärgern, mehr noch, sie könnten, nach diesem gesinnungserhebenden Wanderweg, mit einem recht schlechten letzten Eindruck von Wien Österreich wieder verlassen, wenn sie auf der Tafel im Resselpark Geschichtliches gegen ihre Gesinnung zu Karl Lueger lesen müßten, sie müßten mit der Enttäuschung Wien verlassen, Wien sei untreu, ehrlos und voller Haß gegen … Das ist aber eine vollkommen grundlose Befürchtung, die geschichtliche Erklärung zu Karl Lueger auf der Tafel im Resselpark ist derart leseunfreudlich gehalten, daß kein Mensch und schon gar nicht in Eile seiende Besucherinnen mit einem Massenstadtbesichtigungsprogramm sich je die Mühe antun, dies zu lesen. Eine Tafel, die signalisiert, eine Tafel mit Schrift, aber keine Tafel zum Lesen zu sein.

Es könnte gesagt werden, eine für Wien, überhaupt für Österreich typische Lösung repräsentiert diese Tafel, es werde ja nichts, gar nichts verschwiegen, alles liege offen vor, Schrift um Schrift, Tafel um Tafel, zum Lesen aber …

25 Jahre Jörg Haider – Herbert Kickl. Von Zigeuner zu Zigeuner.

Vor 25 Jahren diffamiert Jörg Haider die Menschen in Oberwart, die …

25 Jahre später fährt Herbert Kickl nach Deutschland, zu einer Partei, die für Menschen, die vor über 75 Jahren in Auschwitz massenweise umgebracht wurden, die vor 25 Jahren in Oberwart ermordet wurden, um den 75jährigen Gedenktag und kurz vor dem 25jährigen Gedenktag fährt also Herbert Kickl nach Deutschland, zu einer Partei, die für die Menschen, die in diesen vergangenen Jahrzehnten ermordet wurden, nach wie vor nichts anderes haben, als ein Wort der Abwertung: „Zigeuner“.

Wohin sonst sollte Herbert Kickl fahren? Mit wem sonst sollte Herbert Kickl die Zusammenarbeit intensivieren wollen?

Als eben mit dieser Partei.

Mit der Partei von gleicher Gesinnung, die in einem Wort kenntlich gemacht ist, die mit einem Wort ihren gesamten Inhalt unmißverständlich kurz zusammenfaßt: „Zigeuner“.

Herbert Kickl, der für kurz gewesene Innenminister, aus einer Partei mit der Hingabe zu einem ebenfalls kurz gewesenen Innenminister, zerfressen von einer einzigen Frage, die „Zigeuner-Frage“, die vor Jahrzehnten von einem Österreicher im tiefen Burgenland in eine „Denkschrift“ ergoßen, aus der auch Auschwitz gezeugt …

Herbert Kickl fährt nach Deutschland zur Eiderneuerung auf die Zusammenarbeit mit einer Partei, mit einem Mann an deren Führungsspitze im Verdacht der Steuerhinterziehung.

Das ist das serienehrliche Gesinnungsumfeld der Partei des Herbert Kickl, wie es gekannt wird, wie es gekannt werden wird

Obgleich alles gekannt wird, alles bekannt ist, alles gewußt wird, von Parteien solcher Gesinnung nie etwas anderes zu erwarten war, nie etwas anderes zu erwarten sein wird, wird nicht damit aufgehört, solchen Parteien breitesten öffentlichen Raum zu geben, breitest medial darüber sich zu verbreiten, schon wird wieder über die zukünftige Rolle in Wien, in Österreich etwa von Herrn Strache breitest sich ausgelassen, also für ihn geworben, weil durch diese breiteste Beschäftigung mit ihm Wesentliches, Inhaltliches verdrängt wird, obgleich er nichts, absolut je nichts beitragen kann zum Wesentlichen, zum Inhaltlichen …

Herr Strache ist nun nicht mehr auf Bildern mit den Männern und Frauen von der Partei aus Deutschland zu sehen, dafür Herbert Kickl aus der Partei, die zur Zeit von einem auch für kurz gewesenen Minister angeführt wird. Sonst hat sich seit Heinz-Christian Strache, seit Jörg Haider, seit … nichts, absolut nichts geändert. Und für diese absolute Nichtveränderung steht auch beispielhaft der eben zum Generalsekretär dieser Partei gewählte Mann …

Es ist hoch an der Zeit, für eine Veränderung. Nicht für eine Veränderung dieser Parteien, die sind zur Veränderung nicht fähig.

Zeit für eine Veränderung des Umgangs mit solchen Parteien, Zeit für das Ende der breitesten Werbung für solche Parteien und ihr Umfeld.

Das wäre, kurz gesagt, eine Veränderung zum Positiven, auch und endlich in Österreich, aber, das ist die österreichische Misere, kurz zusammengefaßt, ebenso unfähig zur positiven Veränderung zu sein wie derartige Gesinnungsparteien … Genauer gesagt, die Unfähigkeit zur positiven Veränderung in Österreich von jenen, die den breiten öffentlichen, den breiten medialen Diskurs — Diskurs ein gänzlich falsches Wort in Verbindung mit Österreich –, die Unfähigkeit zur positiven Veränderung in Österreich von jenen, deren Stammtisch das Öffentliche, das Mediale in Österreich ist …

NS 25 Jahre Jörg Haider – Herbert Kickl. Von Zigeuner zu Zigeuner. Zigeuner ist nicht in Anführungszeichen gesetzt, weil es nach wie vor nicht der Wirklichkeit entspricht, in der Wirklichkeit noch viel zu viele dieses Wort verwenden, wie es Jörg Haider verwendete, wie es der „Vogelschiß“-Mann in Deutschland verwendet, soher Herbert Kickls Weg von „Zigeuner“ zu „Zigeuner“, ohne Anführungszeichen, sogar dann, wenn es im Gedenken an Auschwitz geht …

„Unwort des Jahrhunderts: Menschenmaterial“

Als Appendix von Zita Maria delle Grazie Habsburg-Lothringen, geb. von Bourbon-Parma, die mit „Unser Menschenmaterial“ offen ihr christlich seliges Verständnis von Menschen definiert, die katholisch heilige Praxis ihrer Familie durch etliche Jahrhunderte beschreibt, ist doch besonders noch zu erwähnen, daß „Menschenmaterial“ vor rund zwanzig Jahren zum „Unwort des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.

„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.

Um ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert hierfür anzuführen. Ein Premierminister bezeichnet Menschen als „bad human material“, und was mit derart bezeichneten Menschen gemacht werden soll, nun, das kann etwa in Österreich tief unter der Erde, kurz ist es her, erfahren …

„Unser Menschenmaterial“

„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“

Die Ehefrau sagt das, die Ehefrau von dem Mann, der noch einhundert Jahre später nicht wenigen ein „Friedenskaiser“ sein will, der selig gesprochen wurde, aus einem wichtigen und triftigen Grund, wie alle Gründe für Heiligsprechungen wichtig und triftig sind – Krampfadern.

Das „Material“ bloß haben sie „erschöpft“, das „Menschenmaterial“ haben sie „erschöpft“, verkrüppelt

Es ist gut, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich die zwei Sendungen über die Abrechnung und die Zita im der letzten Winterwoche des Jänners 20 ausstrahlt, in der ihr nun altes Enkelkind in einer der zwei Sendungen klagt, seine Familie wäre in Eckartsau fast verhungert … wie muß doch seine gar arme Familie mit Neid auf das „Menschenmaterial“ geschaut haben, für das das Übriggebliebene von Österreich ein Schlaraffenland zur selben Zeit gewesen sein muß, mit täglich fünf Mahlzeiten, Fleisch, Milch, Honig, Kaviar, Champagner, Kaffee, Tee, Kuchen …

Wie wird sich seine Familie wohl gewünscht haben, auch „Menschenmaterial“ nur zu sein, statt aus Menschen „Material“ zu machen.

Was sich wohl jene davon erhoffen, die nach wie vor für Österreich mit den Insignien Opferstock und Rosenkranz eine Monarchie erträumen? Vielleicht erhoffen sie sich nichts, wollen einfach nur wieder das sein: „Menschenmaterial“ …

… das am Wochenende hinausgekarrt wird in die Wachau, zur Großmutter mit dem Hackbrett …

Nach Auschwitz

In Österreich einen „Newsletter“ vom Reisebüro Ernesto Travel zu erhalten, noch dazu unaufgefordert, zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, mit dem Reisen nach Auschwitz angeboten werden, an den Ort, an dem …

„Die Nazis ermordeten in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Zigeuner […]“

Und der Newsletter von Ernesto Travel vom 29. Jänner 2020 endet:

„Es ist ein Ort, den jeder lieber vergessen möchte, aber wir dürfen es nie vergessen, denn wie eine Inschrift von Primo Levi in einer der Baracken sagt: ‚Diejenigen, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben.'“

Deshalb wohl vergißt das Reisebüro es nicht, die Menschen – ganz ohne Anführungszeichen – Zigeuner zu nennen, damit sie zu dazu verurteilt bleiben, ihre Vergangenheit weiter zu erleben

Wenn ein Reisebüro aus Polen für Pilgerinnen mit diesem Wort für Reisen nach Auschwitz wirbt, kann bereits ermessen werden, wie es um die Lebensbedingungen von den Menschen, die in Europa unter dem Antiziganismus zu leiden haben, in Polen, auch in Polen bestellt ist.

Ein Schlaraffenland ist es für sie gewiß nicht, nicht einmal ein Land.

Kurz das noch zum Schluß. Beinahe könnte beim Lesen von Zigeuner ohne Anführungszeichen gemeint werden, in Österreich haben Bildung und Gedenkveranstaltungen doch etwas bewirkt, weil zumindest auf einer Gedenktafel im tiefen Burgenland Zigeuner in Anführungszeichen …

Sicherungshaft

Vor allem die schwarze Regierungspartei möchte, daß auch in Österreich Menschen genügend Zeit bekommen, die türkis getupfte Regierungspartei möchte Menschen, vor allem Männern, Gefängniszeit schenken, um Morde ohne Druck, ohne Ablenkungen, ohne Alltagssorgen in Ruhe sorgfältig planen zu können, Menschen, vor allem Männern, die Gelegenheit erhalten, neue Bekanntschaften zu machen, die sie auf mörderisch neue Ideen bringen können, Freundschaften im Gefängnis zu schließen, die sie bei ihren Tötungsplänen unterstützen können, ihnen Gefängnisfreundschaften zu ermöglichen, aus denen noch mehr als nur Freundschaften werden können, wahre und echte Komplizenschaften.

Es muß aber dabei nur noch genau geprüft werden, daß die geschenkte Gefängniszeit zum Planen von Morden auch wirklich ausreichend ist, um einen perfekten Mordplan zu entwerfen, daß also die „Sicherungshaft“ diesen Namen wirklich verdient, die Mordplanenden sicher sein können, die Zusicherung haben, ausreichend Zeit eingeräumt zu bekommen, um das Gefängnis mit einem tatsächlich perfekten Plan zum Morden zu verlassen und niemals wegen ihres Mordens erwischt werden können.

Der „Seefeldmord“ sollte dafür als warnendes Beispiel bei der Entwerfung der Sicherung herangezogen werden. Weil, der Mörder von Seefeld wurde doch gefaßt. Und heute, am 29. Jänner 2020, ist der erste Tag seiner Verhandlung, angeklagt des Mordes.

Die Gefängniszeit war offensichtlich zu kurz, um mit dem Mann, den er zuvor, außerhalb des Gefängnisses nicht gekannt hatte, der erst im Gefängnis mit ihm bekanntgemacht wurde, der ihm im Gefängnis zum Freund, zum Kerkerkameraden und schließlich zum Komplizen wurde, den perfekten Mordplan …

75 years after „Notes on Nationalism“

George Orwell zählte 1945, also vor 75 Jahren, den „Zionismus“ zum „Nationalismus“.

75 Jahre später wird, am 28. Jänner 20, heute also Sebastian Kurz zitiert:

„Nach 75 Jahren ist es wichtiger denn je, den über sechs Millionen jüdischen Opfern zu gedenken und weiter gegen alle Formen des Antisemitismus und Antizionismus anzukämpfen.“

Sebastian Kurz will gegen den „Antizionismus“ ankämpfen, der „Zionismus“ hat soher in Kurz einen Verteidiger, dem „Nationalismus“ also stellt sich Sebastian Kurz als Kämpfer in die Reihe.

Wogegen er nicht „anzukämpfen“ gedenkt und auch nicht zu gedenken gedenkt, darf seinem Zitat entnommen werden, aber „es wichtiger denn je“ ist, nun, er ist ein braver und folgsamer Schüler österreichischer Tradition, und es wird ihm noch niemand das Wort beigebracht haben, so kann er auch nicht dagegen „ankämpfen“, so kann es ihm auch nicht angelastet werden …

Werner Kogler wird nicht mit einem solchen Satz des Outens als Kämpfer für den „Nationalismus“ zitiert. Jedoch. Die Grünen haben mit der türkis getupften schwarzen Partei ein Regierungsprogramm vereinbart, in dem der Einsatz gegen „Antizionismus“, also der Einsatz für den „Zionismus“, für den „Nationalismus“ festgeschrieben ist. Vielleicht kam die Festschreibung des Einsatzes für den Nationalismus aus der Welt der türkis getupften schwarzen Partei, als das Beste aus ihrer Welt, und von den Grünen bloß die Zustimmung dazu. Einerlei. Nach einem sehr alten Kalenderspruch kann zum Programm gesagt werden: Das Beste aus zwei Welten bringt nichts für eine Welt.

George Orwell ist nicht der einzige, der den „Zionismus“ als „Nationalismus“ … an seine Zuzählung des „Zionismus“ zum „Nationalismus“ zu erinnern, drängt sich schlicht wie kurz auf, bei diesem Fünfundsiebzigjährigen.

Vor 75 Jahren zählte Orwell nicht nur den „Zionismus“ zum „Nationalismus“, sondern auch weitere „Bewegungen und Neigungen“. Viel wird vom „politischen Islam“ gesprochen und geschrieben, auch in Österreich, eine recht besondere Neigung dazu hat der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, von dem „politischen Islam“ zu reden und zu schreiben. Wovon in Österreich aber nicht gesprochen und nicht geschrieben wird, ist vom „politischen Katholizismus“, den vor 75 Jahren George Orwell auch beim „Nationalismus“ einreihte …

Der „politische Katholizismus“ in den Reihen des „Nationalismus“, mit einer 75 Jahre alten Zuschreibung die beste zur Welt von …

„Doch was kennzeichnet nationalistisches Denken? Unter anderem der besessene Glaube an die eigene Überlegenheit und der Unwille, sein Handeln an realen Fakten auszurichten.“

Und weil als Beispiel, wie der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich über den „politischen Islam spricht, in die Collage aufgenommen wurde, in dem er das Symbolegesetz anspricht, darf an das Kapitel erinnert werden, was für ein Zeichen mit diesem Gesetz gesetzt wurde. Orwell hätte es, das Symbolegesetz, vor 75 Jahren vielleicht als ein Zeichen des „politischen Katholizismus“ unter der Flagge „Nationalismus“ …

Es könnte weiteres aus „Notes on Nationalism“ zitiert werden, das auf die Situation 75 Jahre später übertragen werden könnte, auch auf die in Österreich — aber … George Orwell stellt die „englische Intelligenzia“ in den Mittelpunkt seines Schreibens über den „Nationalismus“ … und damit fällt die Übertragung gar nicht mehr leicht. Wer aus der Intelligenzia spräche, um ein Beispiel zu nennen, mit dem Wissen über den gesamten „Zionismus“ sich dafür aus, undifferenziert, unreflektiert „gegen alle Formen des Antizionismus anzukämpfen“?

Nicht nur gegen „Antizionismus“, sondern auch „gegen alle Formen des Antisemitismus anzukämpfen“, ist im Zitat heute zu lesen, hierzu soll doch etwas noch von Orwell kurz zum Schluß zitiert werden, nein, lediglich ein Hinweis auf eine Stelle, in der es darum geht, daß Nationalistinnen „überhören“, wenn „Verwerfliches“ aus der eigenen „Einheit“ …

Auschwitz, Oberwart und weiter

Am 4. Februar 20 werden es 25 Jahre her sein, daß vier Menschen ermordet wurden.

Der Grund für die vier Morde ein Abgrund wie der Abgrund der Morde 50 Jahre davor.

Verantwortlich und Ausgangspunkt dafür Gesetze des Abgrunds, die vor 85 Jahren erlassen wurden.

Und in Österreich Jahrzehnte später der Abgrund, den Abgrund wieder beleben zu wollen …

„Unter den Tätern finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher.“ Das sagt nun der österreichische Bundespräsident.

Es muß also gesucht werden, um „Österreicherinnen und Österreicher“ dann doch auch „unter den Tätern“ zu „finden“. War wohl kein leichtes Finden unter so vielen Täterinnen aus gar vielen Ländern.

Der Hitlerismus war für die oben erwähnten Rassengesetze verantwortlich. Adolf Hitler, deren Schöpfer, ein Österreicher. Ein Österreicher, der nicht „unter den Tätern“ zu finden, ein Österreicher, der über den „Tätern“ thront, weithin sichtbar, ein Österreicher, der nicht gesucht werden muß, um ihn zu „finden“. Wen „unter Tätern zu finden“, klingt, wie nach unter bloßen Mitlaufenden zu suchen und zu finden, die also gar keine führenden Positionen …

„Unter den Tätern finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher.“ Wenn wer schriebe, unter den Komponisten von Fidelio finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher, was würde erwidert werden?

Mit dem Komponisten von Fidelio kann zu einer nach wie vor beliebten nationalen Zuordnung gekommen werden, aber auch zu einem beabsichtigten Gesetz in Österreich, das nicht vor 85 Jahren beabsichtigt zu verabschieden, sondern 85 Jahre später in Österreich …

An Auschwitz wird seit Jahrzehnten gedacht, auch in Österreich, und es wird vor 25 Jahren an die Befreiung ebenfalls gedacht worden sein, also kurz bevor ein Mann, nur wenige Tage später, sich ein Mann auf seinem christlich abendländischen Weg machte, mit einer Bombe, nach Oberwart, und kurz danach ein christlich abendländisch geprägter Mann den Menschen, aus deren Gemeinschaft vier Menschen das Leben lassen mußte, unterstellte, es werde wohl eine Fehde … die Ermordeten also selber verdächtigte …

„Wir dürfen nicht nur an Auschwitz-Birkenau denken, an die vielen anderen KZs, sondern die Vorgeschichte bedenken, wie es dazu kommen konnte.“ Sagt nun der österreichische Bundespräsident, der 22 Jahre nach den Morden von Oberwart Wegbegleiterinnen und Wegekameraden des leichtfertigen Autofahrers, nun selbst nicht mehr aus eigener Schuld am Leben, an einem Montag angelobte.

Was dieser verantwortungslose und leichtsinnige Autofahrer wohl heute Vergleiche ziehen würde über die Streitereien zwischen Männern dieser Partei? Keinen anderen, darf angenommen, als jenen, der ihm einmal schon einfiel, als um die schwarze und die rote Partei ging.

„Das Gedenken allein genügt nicht.“ Ein weiser Mann, der Präsident …

Was ist in den 25 Jahren seit den Morden in Oberwart für die Menschen gemacht worden? Es ist für sie nicht besser geworden, in diesem Europa. Es wird ihnen, vor allem in Österreich, im Portschyland, nicht einmal ein Wort zugestanden. Als wäre es ein Geschenk an sie, das sie nicht verdienten, würde hinzugefügt werden, wenn gegen Antisemitismus und gegen Rassismus gesprochen und geschrieben wird, würde auch hinzugefügt werden: gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus. Es dürfte wohl die Furcht zu groß sein, ihnen etwas zu geben, nicht einmal ein Wort, daß sie dann bleiben, statt zu gehen, statt Österreich zu verlassen. Ist doch allerorten in Österreich die Taktik Empfehlung, nichts geben, dann sind sie fort …

An einem Montag vor drei Jahren Männer und Frauen angelobt aus einer Partei aus dem Bündnis mit einem Innenminister, der von seinen Gesinnungsbegehren her auch Tobias Portschy hätte heißen können.

Die Gewalt gegen Menschen, die dem Antiziganismus, dem Antiromaismus ausgesetzt sind, hat seit den Gesetzen von vor 85 Jahren nicht, auch mit dem Ende von Auschwitz vor 75 Jahren nicht und auch nicht nach den Morden vor 25 Jahren aufgehört. Es scheint sich dabei das Paradoxe einzustellen, daß sich das Nationalistische, wenn es gegen diese Menschen geht, internationalistisch gebärdet, in so vielen Ländern in Europa sind Menschen auch dem gewalttätigen Antiziganismus, dem Antiromaismus, Pogromen ausgesetzt.