Fellner-Eklat

Auf der Gasse wurde am 13. Juli 2017 eine Ankündigung aus der Umsonst gesehen, die fotografiert werden mußte.

Fellner-Eklat bei oe24tvtalk

Was wird angekündigt, das heute erst am Abend um 21.30 Uhr am Fernsehen zu sehen sein soll? Ausgestrahlt von dem Umsonstfernsehkanal. In einer Sache ist die Ankündigung wahr zu nennen. Die Umsonst schreibt „Islam-Eklat bei oe24.tv Talk“. Sie gibt damit zu, es wird keine „Islam-Debatte“.

Eine Islam-Debatte, ein Islam-Diskurs kann es auch schwerlich werden, bei den Geladenen, die von der Umsonst als „Experten“ verkauft werden, sogar als „Islam-Experten“, wie etwa Christian Zeitz. Zwischen ihm und Katharina Deifel sitzt eine NR der identitären Parlamentpartei.

Es reicht die Ankündigung vollkommen aus, um heute um 21.30 Uhr irgend etwas anderes zu machen, irgendwas zu sehen, als ebendiesen Fellner-Eklat.

Nur um ein Beispiel stellvertretend aus dieser Ankündigung herauszunehmen. Christian Zeitz bezeichne „Bio-Österreicher“ als „Rassismus“ … Was für ein Experte! Er bezeichnet also alle sogenannten Einheimischen, die wie er für das sogenannte Einheimische vor- und hintreten und sich dabei selbst als „Bio-Österreicher“ oder als „Bio-Deutsche“ stolz und ehrenreich bezeichnen, als Rassisten und Rassistinnen: Alphabet of Enlightenment, H-H: Haverbeck, Höcke, Hofer, Holocaust.

Allein an diesem Beispiel wird klar, daß heute um 21.30 Uhr alles besser ist, als sich den Fellner-Eklat anzusehen, sogar ein Herzinfarkt, ein Gehirnschlag ist dagegen erfreulicher, gewinnbringender, sinnvoller und so weiter und so fort.

Der Fellner-Eklat ist aber nur stellvertretendes Beispiel, wie in diesem Land, also in Österreich, über den Islam diskutiert wird. Deshalb sollten ab sofort Sendungen, zu der „Experten“ und „Expertinnen“ vom Schlage der oben namentlich genannten nicht Islam-Debatte oder Islam-Diskurs oder Islam-Diskussion genannt werden, sondern kurz und schlicht: Fellner-Eklat. Es sind jene einerseits zu bewundern, die sich die Mühe machen, mit solchen „Experten“ in einer Fernsehsendung zu diskutieren, andererseits tragen sie jedoch dazu bei, solchen „Expertinnen“ zu Ansehen und Breitenwirkung zu verhelfen. Es sollte also verweigert werden, mit solchen „Expertinnen“ und „Experten“ zu diskutieren, gleichzeitig aber gefordert werden, daß, wenn es um einen wirklichen Islam–Diskurs gehen soll, tatsächliche Expertinnen und Experten dazu eingeladen werden, und nicht solche, für die das unter Anführungszeichen gesetzte „Experte“ oder „Expertin“ bereits eine ungerechtfertigte Auszeichnung ist. Wie kann je erwartet werden, daß es je eine redliche Diskussion geben kann, wenn bereits mit einem solchen Bild auf der Umsonstwebsite dafür angeheizt wird. Eigentlich schon unverständlich, eine solche Einladung anzunehmen, um unter einem derartigen Bild – ja, was zu können? Diskutieren zu können wohl nicht.

Fellner im Wahlkampf

Mit Zeitz und Deifel sind diesmal also gleich zwei vom „Marsch für die Familie“ mit dabei an der Fellner-Front. Der Titel für diese Sendung wäre soher treffender und genauer: Fellner-Eklat bei oe24tv.Marschtalg.

Sie werden nicht wissen, wer Zeitz oder Deifel ist, worum Sie uneingeschränkt zu beneiden sind. Damit Sie aber besser verstehen können, weshalb hier von einem Fellner-Eklat gesprochen wird, ein paar Informationen über diese Menschen, die nicht einmal als „Experten“ und „Expertinnen“ unter Anführungszeichen zu bezeichnen sind.

Katharina Deifel

Christian Zeitz

Oe Fellner im Kampf - Die große Wahldiskussion

Im Neoscheinwerfer die Allianz der Seifenwasserwörter

Maxl - Neos Allianz für Freiheit und Verantwortung

Nun hat also Irmgard Griss doch bei den Neos „angedockt“, wofür sie vor rund einem Jahr noch „keinen Grund“ sah, wie zu lesen war, also bei den Neos „anzudocken“. Vor rund einem Jahr hätte es für sie eine „Denkfabrik“ werden können – wohl mit ihr als Denkschuhfabriksdirektorin. Aber sie wollte nicht ausschließen, daß „daraus eine Liste entsteht“. So funktionieren Träume. Alles ist möglich, alles kann sich verwandeln, eine Denkfabrik zu einer Liste, kein Grund zu einem Grund zum Andocken.

Und das Schöne an den Träumen ist, es muß nichts bewiesen, es muß nichts umgesetzt werden. Also in der Wirklichkeit. In der Wirklichkeit kann aber von den Träumen schön erzählt werden. Und das macht Irmgard Griss, von Träumen erzählen. Von diesen ihren Träumen, in denen sie Seifenwasserwörter pustet.

Das Schlimme an diesen ihren Träumen allerdings ist, daß so viele in Österreich meinen, Österreich sei die Kopflandschaft von Irmgard Griss, in der sie ihre Träume spielen läßt, sie spielen für Irmgard Griss Traumfiguren, die ihr Seifenwassergepuste zu bewundern, ihr zu applaudieren haben, als wäre sie die langerwartete Heilsbringerin. Allen voran spielen sehr viele Medien für sie Traummedien, berichten derart positiv über sie, wie nur Traumzeitungen über einen Menschen in seinem eigenen Traum berichten. Aber solche Träume sind, außer bei Irmgard Griss, äußerst selten. Zumeist berichten Traumzeitungen im eigenen Traum über die dunklen Seiten, über das Verworfene, über das Abgründige des diesen Traum erleidenden Menschen.

Das Gute ist, es gibt die Wirklichkeit mit ihrem Gedächtnis. Und es muß nur an den Vorgänger von Irmgard Griss gedacht werden, der ebenso auf Wortseifenblasen setzte, kurz gesagt, er setzte wie sie auf „Werte“. Weitere Seifenblasenwörter von ihm waren: „Fairness, Wahrheit, Transparenz“. Ihre weiteren sind „Freiheit, Verantwortung“. Er hat Österreich für seinen Traum mißbraucht. Und viele haben sich für seinen Traum mißbrauchen lassen, also seine Liste gewählt. Und heute, Juli 2017, nichts mehr. Er und seine Liste haben aufgegeben, treten nicht mehr an. Er und seine Liste hätten am 15. Oktober 2017 auch keine Chance gehabt, in der Nationalratswahl. Keine Chance, noch einmal in das Parlament gewählt zu werden. Die Menschen sind aus seinem Traum herausgetreten, zurück in die Wirklichkeit, in der sein Traum sich als das erwies, was ein Traum ist: ein Traum, der verpufft, von dem nichts bleibt, wenn die Nacht vorüber ist, und das Tagwerk in der Wirklichkeit beginnt, vielleicht noch, daß ein paar Erinnerungsfetzen vom Traum bleiben, die aber flugs weggewischt werden, meist mit der Bemerkung, was sei denn das wieder für ein absonderlicher Traum gewesen.

In Erinnerung an dieses gelangweilte, geldzählende Traumgreislein mit seinen Seifenblasenwörtern wird es schon nicht schwerfallen, am 15. Oktober 2017 nicht noch einmal in einen nächsten Traum mit lauter Seifenblasenwörter zu wechseln, und stattdessen in der Wirklichkeit zu bleiben.

Bei dem kanadischen Traumautomechaniker konnte wenigstens, so sonderlich seine Aussagen auch waren, zu seinen Gunsten angeführt werden, er sei in der Wirklichkeit als Geschäftsmann erfolgreich gewesen, und von daher wäre es ihm zuzutrauen gewesen, auch in der Politik … Aber was kann bei der Gerichtssaalträumenden zu ihren Gunsten angeführt werden? Wenn sie in der Wirklichkeit etwas zu beweisen hat, scheitert sie, in der Wirklichkeit hat sie keinen Erfolg aufzuweisen. Wird ihr in der Wirklichkeit eine Aufgabe übertragen, setzt sie es augenblicklich in den Sand. Ja, im Traum, da hätte ihre Sendung „Im Namen des Volkes“ funktioniert, wäre ihre Sendung erfolgreich gewesen, und es ist anzunehmen, in ihrer Traumwirklichkeit oder in ihrem Wirklichkeitstraum ist diese Sendung, die in der tatsächlichen Wirklichkeit sofort wieder abgesetzt wurde, die erfolgreichste Sendung, die es je gegeben hat, oh Traum, die es gibt und weiter erfolgreich läuft und läuft …

Und eines noch fällt zu Irmgard Griss ein. Dieses ständige Lächeln. Und das erinnert an Maxl. Einem aus der Sendung „Wir leben im Gemeindebau“. Es verbindet sie einiges. Maxl, Franzl und Irmschl. Zum einen das Benehmen, die Aussagen, das alles zusammen läßt verstehen, weshalb derartige Soaps einen so hohen Suchtfaktor haben. Maxl und Irmschl verbindet darüber hinaus noch etwas, eine Partei, eine Liste gründen zu wollen. Irmschl jetzt nicht mehr, nach dem sie einen Grund geträumt hat, bei den Neos doch andocken zu können. Maxl hat, es wurde nicht nachgeforscht, inzwischen wohl die Idee einer Parteigründung von einem Bier zum anderen wieder verworfen. Dabei wäre Maxl mit seiner Partei für Simmering in einer Hinsicht wählbar gewesen. Er hat nicht mit Seifenblasenwörtern geschäumt, sondern er wollte schlicht und einfach nur ganz Konkretes: saubere Straßen in Simmering, keinen Gassen mit Hundekot … das wäre dann überprüfbar gewesen, ob er sein Wahlversprechen eingehalten hat oder nicht, er hätte haftbar gemacht werden können, wenn er es nicht … Aber bei Irmschl? Bei ihren Seifenblasenwörtern? Irmschl aber will, Politiker und Politikerinnen haftbar machen, von ihnen Schadenersatz gar verlangen. So funktioniert Politik im Traum. Im Traum geht es zusammen: Androhung von Schadenersatz bei gleichzeitigem höchsten Handlungsspielraum. Und was für Schadensersatzsummen Politiker und Politikerinnen zahlen können, im Traum jede Summe, selbst wenn es Milliarden sind, im Traum ist das keine Augenauswischerei und auch, kurz gesagt, kein extremer Populismus. Maxl wäre trotz seiner recht konkreten Anliegen und Wahlversprechen mit seiner Liste kein wählbarer Maxl gewesen. Dafür sind auch seine Fotos verantwortlich, die ihm behördliche Aufmerksamkeit zuteil werden ließen. Von Irmschl gibt es keine Fotos, auf denen sie zu sehen ist, grüßend wie Maxl, aber ihre geschichtliche „Expertise“ besteht nur aus Seifenblasenwörtern, die sogar in Österreich schon längst geplatzt und naß auf den Boden gefallen sind und aufgetrocknet, ausgetrocknet, aber die Kleingerichtssaalgärtnerin versucht halt, das Ausgetrocknete zu gießen, in ihrem Traum wird es ihr wohl gelingen, daß aus dem Ausgetrockneten etwas sprießt, begnadet, so träumt es ihr wohl, wie sie ist. Aber in der Wirklichkeit hat sie nicht einmal Wasser, um wenigstens mit Wasser zu kochen.

PS Daß im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts Menschen, die Parteien oder Listen oder Denkfabriken gründen wollen, oder bei einer Partei andocken, weil sie bequem risikofrei gewählt werden wollen, derartige Zugänge zur österreichischen Vergangenheit haben, verwundert nicht, wenn etwa berücksichtigt wird:

Leopold Kunschak, Franz Dinghofer, Karl Renner – Die nach ihnen benannten Preise der drei Parteien erzählen viel vom Zustand Österreichs in seinem Halbdunkel

Irmgard Griss neos - Allianz für Freiheit und Verantwortung

 

Wie Jedermann es schafft, das dem Magistrat lange nicht gelingt, Karl Kraus endlich aus der Kirche zu vertreiben.

Es muß doch einmal, weil es gar zu köstlich ist, erzählt werden, wie es dazu kam, daß Karl Kraus wieder aus der römisch-katholischen Kirche austrat. Der gefundene Anlaß dafür ist weniger köstlich. Aber, wie es so schön heißt, der eine ist so gut wie der andere schlecht. Die Copysite der identitären Parlamentspartei lobt an diesem Sonntag im Juli 2017 die Salzburger Sommerfestspiele. Und wenn an so einiges gedacht wird, darf vermutet werden, um vor allem wieder und ein weiteres Mal ihren Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ unterzubringen.

An diesen „ausgeprägten Patriotismus“ sollen die Wählerinnen und Wähler vor allem am 15. Oktober 2017 denken, wenn sie zur Wahl gehen. Das hier aber nur nebenher. Denn es geht ja um das Köstliche von Karl Kraus. Wie der Magistrat es schafft, ihn länger in der Kirche zu halten, als er, Kraus in diesem Organisierten Glauben eigentlich bleiben wollte.

Wie dem immer sei, ich wurde Katholik und ich blieb es wunderbarer Weise noch während des Weltkriegs, was sich aber der erklärenden Vernunft aus der einfachen Tatsache erschließt, daß man hierzulande, um eine Angelegenheit der Weltanschauung in Ordnung zu bringen, zum Magistrat gehen muß und ich, der bis in den Morgen zu arbeiten pflegt, die Amtsstunden verschlafe. Nun aber habe ich nicht nur erfahren, daß die Menschheit durch die von der katholischen Kirche gesegneten Waffen zugrundegegangen ist und dieser nichts übrig blieb, als für das Ergebnis die Muttergottes mit der Tapferkeitsmedaille auszuzeichnen, sondern ich weiß auch, daß der überlebende Teil der Menschheit vor dem Verrecken bewahrt werden könnte, wenn die Muttergottes sich entschließen wollte, ihre Schmeichler zur Auslieferung der Gold- und Silbervorräte, zu nichts nütze als gehabt und vor den Augen des Hungers ausgestellt zu werden, zu überreden. Aber nicht genug an dem: die katholische Kirche, die nicht einmal zu einem kostenlosen Bannstrahl gegen die Dynasten zu haben war, welche den Völkern das Ultimatum der Pest und der Syphilis überbracht haben, die größte Hiobspost seit Erschaffung der Welt, doch die einzige, die zugleich die Entschädigung bot, ein Uriasbrief ihrer Verfasser zu sein — die katholische Kirche, die nicht fluchen, nur segnen konnte, hat zum Schaden den Spott gefügt, indem sie sich herbeiließ, das große Welttheater der zum Himmel stinkenden Kontraste, wo die Komödianten nicht spielen können und von den Pfarrern gelehrt werden müssen, in eigene Regie zu übernehmen und jenen Hofmannsthal aufs Repertoire zu setzen, der sich auf das Leid der Kreatur einen gottgefälligen Vers machen kann und dessen Schwager, ein Pater namens Benvenuto Schlesinger, im Vatikan ein- und ausgeht. Angesichts aller dieser Umstände und weil ein Salzburger Hotelgeschäft wie der Wiener Literatur zugutekommt und weil es der Fürsterzbischof gewollt hat, daß Ehre sei Gott in der Höhe der Preise, sehe ich mich genötigt, aus der katholischen Kirche auszutreten, nicht nur aus Gründen einer Menschlichkeit, die bei den Hirten in so schlechter Obhut ist …

So also hielt der Magistrat Karl Kraus länger in der Kirche, als er in der Kirche sein wollte. Aber Jedermann vor der Pforte schaffte es schließlich, Kraus aus dem Bett und aus der Kirche zu vertreiben.

Das Urteil von sogenannten zeitgenössischen Menschen ist nicht selten falsch, nicht selten ungerecht, nicht selten erkennen sie den Wert eines Werkes nicht und erst spätere Generationen … im Falle von dem Jedermann hat sich Karl Kraus in keiner Weise geirrt. Jedermann wird immer noch gespielt, er ist aufgestiegen zum österreichischen Heiligen, und wer ihn spielen darf, ist nicht nur mit höchster österreichischer Ehre geweiht, er darf sich fortan als auserwählt fühlen, der alles spielen kann, selbst Gott, freilich seine österreichische Ausgabe, aber Österreich ist Österreich die Welt …

Und soher kann generell gesagt werden: Was aber gestiftet, in Österreich bleibet davon stets das Schlechteste.

Übrigens, den recht geliebten Dichter mit dem „ausgeprägten Patriotismus“ der identitären Parlamentspartei erwähnt Karl Kraus in „Vom großen Welttheaterschwindel“ nicht. Weshalb sollte auch ein Karl Kraus sich mit einem abgeben, der damals und vor allem heute ohne jedwedes Bleibendes ist, außer gesinnungsgemäß für die identitäre Parlamentspartei mit ihrem rechten Hang zum Wiederbeleben eines „ausgeprägten Patriotismus“.

Als Jedermann Karl Kraus aus der Kirche vertrieb - Salzburger Festspiele.jpg

 

Folge 2: Wahlen in Österreich

Es gibt, wie in Folge 1 zitiert,

Nationalratswahl 15. Oktober 2017: Von der politischen Vielfalt und der medialen Wirklichkeitsarmut.

derzeit eintausend Parteien in Österreich. Aber die Medien, wie ausgeführt, zählen nur bis drei, oder, setzen bloß auf drei, weil diese für sie …

Was kann die Ursache dafür sein?

Besitzen die 997 Parteien weniger Kernkompetenzen? Sind die neunhundertsiebenundneunzig Parteien kurzsichtiger? Sind die 997 Parteien tadeliger?

Sind also österreichische Medien ausschließlich der höchsten Qualität verpflichtet? Berichten Sie deshalb nur über … zum Beispiel über die Kernkompetenzen von …. über die Weitsichtigkeit von … über die Ehrtreuigkeit von …

Die seit Menschengedenken gewälzte Theorie, Wirklichkeit ist, was der Mensch sich als Wirklichkeit erschafft, findet seine Bestätigung im Umgang der österreichischen Medien mit der Wirklichkeit .. Und auch nicht. Österreichische Medien scheinen bloß nicht auf dem festen Boden der Wirklichkeit zu stehen, sondern knapp daneben: im Zwangssumpf österreichischer Gegebenheiten, im Zwangssumpf österreichischer Gepflogenheiten, im Zwangssumpf österreichischer Traditionen …

Nicht nur in bezug auf die politische Vielfalt in Österreich ist die österreichische Berichterstattung die ärmste, die kargste, die erbärmlichste, die gedacht werden kann, sondern insgesamt, wie ebenfalls in einem Sommer

Keine Serien über veränderungsaktive Initiativen und Projekte in Österreich

ausgeführt wurde. Und das gehört zusammen. Die karge Berichterstattung über die Vielfalt von Initiativen und Projekten in Österreich und die karge Berichterstattung über die politische Vielfalt in Österreich. Es erklärt, oder, es macht einleuchtend, weshalb die Politik in Österreich die ärmste, die kargste, die erbärmlichste ist, die gedacht werden kann, oder, das mit einem Wort kurz zusammengefaßt, die Politik in Österreich, wie sie von den drei Parteien und den Medien betrieben wird, ist bloße und auf drei Parteien zugerichtete Parteienpolitik und zeitigt als Ergebnis eine Realpolitik, die tot ist.

Nun genug von den Medien. Ab der Folge 3 wird es um das gehen, was wesentlich ist, um die Wahlen. In der Folge 3 wird erzählt werden, was bereits entschieden ist, lange vor der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017. Das aber nur dann entschieden ist, wenn die Wähler und Wählerinnen nicht den Zwangsumpf, den die Medien als erstrebenswerte Wirklichkeit verkaufen, verlassen wollen.

Folge 1: Wahlen in Österreich, Nationalratswahl 15. Oktober 2017: Von der politischen Vielfalt und der medialen Wirklichkeitsarmut.

In wenigen Monaten findet in Österreich eine Nationalratswahl statt, am 15. Oktober 2017.

Davor ist ein Sommer noch, mit den Urlauben. Zeit zur Genüge also, um sich über eine Wirklichkeit der Vielfalt in Österreich zu informieren, die es für österreichische Medien nicht gibt, also, wenn diese in einem kleinen Land überhaupt so genannt werden können, für die Massenmedien in Österreich. Mehr als genügend Zeit, aber dringend, sich die Zeit zu nehmen, um sich, das mit Sicherheit gesagt werden kann, über eine politische Vielfaltswirklichkeit zu informieren, die es für die kleinen Massenmedien im kleinen Österreich breit nicht gibt. Eine politische Vielfaltswirklichkeit, von der die österreichischen Medien breit nichts erzählen. Eine Wirklichkeit der Vielfalt, die es für die Medien nicht gibt, und wie es scheint, nicht geben soll, erzeugen diese doch ständig eine Gegenwirklichkeit.

Die von den österreichischen Medien verbreitete, eingesetzte Wirklichkeit ist generell eine äußerst reduzierte, insgesamt eine arme Wirklichkeit. Und im Politischen ist die von den Medien verbreitete Wirklichkeit eine absolut reduzierte, nicht nur eine arme, sondern eine notleidende Wirklichkeit, eine Wirklichkeit des Elends, eine Wirklichkeit des größten Mangels.

Deshalb ist es so dringend, so wichtig wie noch nie, sich selbst über die tatsächliche Wirklichkeit der politischen Vielfalt in Österreich ein Bild zu machen. Denn die herbeigeschriebene und also die stets recht bemüht eingeredete Wirklichkeit durch die österreichischen Medien spiegelt die tatsächliche politische Wirklichkeit in Österreich in keiner Weise.

Die mediale Wirklichkeit ist eine, kurz gesagt,  im Kern auf drei Parteien reduzierte, als könnten die Medien nicht weiter als bis drei zählen; können werden sie es wohl, aber wollen, wollen und dürfen werden es die Journalisten und Journalistinnen nicht.

Mit dem Hinweis, daß es, wie auf der Website des österreichischen Parlaments im Juli 2017 zu lesen ist, es in Österreich derzeit rund 1.000 registrierte Parteien gibt, soll die erste Folge dieses Kapitels geschlossen werden.

Österreichs Wirklichkeit der politischen Vielfalt.jpg

Eintausend Parteien, und den Lesern und Leserinnen wird eine Wirklichkeit vorgeschrieben – mit drei Parteien. Hierzu wird noch einiges zu schreiben sein, in den nächsten Folgen dieses Kapitels. Vor allem darüber, worum es in der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 tatsächlich gehen wird, welche Entscheidung tatsächlich zu treffen sein wird.

Es wird in erster Linie um das gehen, was schon angesprochen wurde:

Nationalratswahl in Österreich am 15. Oktober 2017 – Kein Zurück zum Dreiparteienparlament, keine Rückwahl zur Dreiparteiendemokratie der 1960er Jahre!

Die Drei-Kasten-Politik der Medien – Am Beispiel der Wahlkämpfe

Nationalratswahl15-10-2017 Österreich nicht Rückwahl zur Dreiparteiendemokratie 1960er Jahre.jpg

 

documenta neunzehnfünf

Nach einem im Keller verbrachten unruhigen Tag eingeschlafen. Sogleich stellt sich ein Traum ein, aber ein mit Bildern geizender Traum. Nur ein einziges unbewegtes Bild

Documenta - Kasseltraum

zu Johann Messe, der aus seinem Kasselroman liest, aber nur eine einzige Stelle, immerzu nur diese eine einzige Stelle, als wäre diese eine einzige Stelle der gesamte Roman, und da der Traum nur dieses eine einzige Bild bereit ist herzugeben, erstaunt es nicht, beunruhigt es nicht, es muß damit abgefunden werden, daß auch der Roman nur diese eine einzige Stelle schon der gesamte Roman ist, und der Traum muß es sich gefallen lassen, Geizhals gescholten zu werden.

am ende ist das alles was bleibt dachte ich der blick zurück auf nichts vielleicht wollte ich deshalb plötzlich verzweifelt nach vorne schauen doch was ich dort sah war genau das wovor ich floh die bedrückende wirkung die eva brauns parfümflakon auf mich hatte und natürlich die unwiederbringliche vergangenheit die ich glaubte überwunden zu haben einschließlich meines rundgangs durch das im fridericianum ausgestellte gehirn ich befand mich in deutschland und fragte mich andauernd ob ich wirklich dort war auf der königsstraße dem hessenland zu und andauernd welche verbindung es wohl zwischen avantgardekunst und dem handtuch geben mochte das Adolf hitler gehört hatte kurz gesagt es tat mir in der seele weh zu sehen dass kriegsverbrecher und gegenwartskunst sich verbanden und sei es nur in der kunst

Und dazu ständig noch, aber nur der Refrain

ich möchte lieber nicht

ist zu hören, geträllert von Johann Messe, der, wird ebenfalls zugleich oder zeitgleich von einer dritten Johann-Messe-Stimme nerventötend gewispert, zu dem der Traum, wie ihm zum Beweis, gieriger und geiziger als Grandet, mehr noch, gar der Vater des Geizes zu sein, kein einziges weiteres Bild herzeigen will, nur dieses eine einzige Bild mit dem ordentlich gefalteten oder hingelegten Handtuch … Johann Messe sitzt dabei stramm in einer Badewanne in der Küche einer Villa und ihm trägt Johann Messe, der Johann Messe immerzu bloß mit diesen vier Wörtern mehr sprechend als singend dazu die Begleitmusik macht, immerzu diese eine einzige Passage …

ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich ich möchte lieber nicht ich möchte lieber nicht ich

Trotz Toiletten wird auf die Unzensuriert gegangen

Trotz Toiletten wird auf die Unzensuriert gegangen.jpg

Wie in der Collage im Vergleich gelesen werden kann, hinterläßt die Copysite der identitären Parlamentspartei wieder einmal eine gesinnungsgemäß ausgedruckte Kopie.

Das muß  nicht besonders ausgeführt werden. Es kann in der Collage gelesen werden, im Vergleich zwischen der gesinnungsgemäßen herausgepreßten Kopie und dem Artikel der „Oberösterreichischen Nachrichten“, den die Copysite der identitären Parlamentspartei eindeutig und unmißverständlich als einziges Mittel eingenommen hat.

Es ist bloß, wie übelich, das gesinnungsgemäß Erwartbare.

Und trotzdem muß erneut darauf hingewiesen werden. Es sind, das muß einmal betont werden, aber keine fake news. Denn. Es ist erstens keine News. Die News schrieb die „Oberösterreichische Nachrichten“. Die Copysite der identitären Parlamentspartei kopiert die News bloß und kopiert die News bloß gesinnungsgemäß um. Daher können es auch keine fake news sein. Es ist nur eine Fäkalie. Und zwar in dem Sinne, daß ein Artikel aufgenommen, verdaut und dann gesinnungsgemäß wieder ausgepreßt wird.

Wenn die Copysite der identitären Parlamentspartei schreiben kann, „mobile Toilettenanlagen werden oft gar nicht in Anspruch“ … kann auch geschrieben werden, trotz stationärer Toiletten wird recht oft auf die Unzensuriert gegangen.

NS Was diesmal, wie übelich, die Schreibstaffel der Copysite der identitären Parlamentspartei zu dieser Fäkalie in die Unzensuriert hinzu aus ihren Trachtenbäuchen herausdrückt, will gar nicht mehr … es haben nicht alle solch einen Saumagen, um das ohne sofortiges Erbrechen …

Der vom Wolfenbüttel AfD mißbrauchte Bazon Brock

Wolfenbüttel AfD erkennt sich in seinem Diskriminierungsleid in Bazon Brock

Es ist menschgemäß stets heikel zu sagen, der mißbrauchte Mensch ist an seinem Mißbrauch selbst schuld. Bereits auch generell zu sagen, zumindest eine Teilschuld hat er an seinem Mißbrauch, ist nicht unproblematisch, wenngleich es im Einzefall tatsächlich zutreffen kann.

Wenn nun AfD Wolfenbüttel Bazon Brock mißbraucht, um mit dem „Kunstvermittler der Nation“ über die „Diskriminierung Andersdenkender“ zu klagen, zu jammern, sich also einen Kronzeugen mit höchstem Ansehen an ihre Seite holt, um gegen die „Diskriminierung Andersdenkender“ aufzutreten, tritt er selbstverständlich nicht für die Andersdenkenden ein, sondern nur für sich selbst, für AfD ist einzig AfD der „Andersdenkende“, der diskriminierte Andersdenkende.

Der Wolfenbüttel AfD verbreitet gesinnungsgemäß nur diesen kurzen Ausschnitt des Interviews, in dem Bazon Brock spricht: über Feindschaft, Haß, Einteilung in „Demokrat“ und „Antidemokrat“, „Gut“ und „Böse“. Aber er hätte auch das gesamte Interview für sein Gejammere, der diskriminierte Andersdenkende zu sein, zur Verbreitung nehmen können. Er, der Wolfenbüttel AfD, hätte damit zeigen können, es gehe ihm tatsächlich um die „Diskriminierung Andersdenkender“. Denn. Ist nicht gerade Bazon Brock selbst ein Paradebeispiel dafür, wie ein „Andersdenkender“ der „Diskriminierung“ ausgesetzt ist? Er sagt es selbst, in diesem Interview. In keiner einzigen Zeitung in Deutschland je Rezensionen seiner Bücher. Ja, dem armen Bazon Brock geht es wie dem Wolfenbüttel AfD. Medial totgeschwiegen. Vernichtet. Ausgelöscht. Ein so langes Leben voller Arbeit, ein so langes Leben mit so vielen Publikationen, und nicht einmal eine einzige Suchmaschine liefert wenigstens einen einzigen Eintrag zu Bazon Brock. Achtzig Jahre anders gedacht, achtzig Jahre diskriminiert, keine Rezensionen, keine Interviews, keine Preise, keine Professuren …

Selbst dieses Interview bitterster Beweis, wie gleichgültig die Welt gegen ihn ist. Nicht einmal sein kleinstes Büchlein liegt auf dem Tisch, an dem er mit seiner Interviewerin sitzt. Nicht einmal sein kleinstes Büchlein war Anlaß zu diesem Interview. Was der Anlaß war? Vielleicht war der Gedanke für dieses Interview, einmal einen Menschen in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stellen, der nie irgendwo vorkommt, über den niemand spricht, ihn selbst einfach erzählen zu lassen, wie es ihm mit seinem verschwiegenen Leben …

Nichts. Und dennoch:

„Brock habe Wirkung ohne Werk, Vostell Werk ohne Wirkung. Beuys hingegen habe Werk und Wirkung, fasst es Brock, der einzige noch Lebende der Trias, heute zusammen.“

Der Wolfenbüttel AfD hat sich wohl mehr in Bazon Brock erkannt, als ihn für sein Gejammere mißbraucht. Dem Wolfenbüttel AfD geht es wie Bazon Brock. Keine Berichte. Keine Aufmerksamkeiten. Kein Werk. Was den Wolfenbüttel AfD geneigt macht, sich gerade in Bazon Brock als Leidenskameraden erkennen zu wollen? Vielleicht sind es beispielsweise Aussagen, die Bazon Brock in Vaduz … von einer Qualität ebenbürtig eines Björn Höcke beispielsweise …

Und vielleicht kann nach der nächsten Wahl in Deutschland im Herbst gelesen werden:

Brock habe Wirkung ohne Werk, AfD hingegen war ohne Werk ohne Wirkung auf die Wählenden, faßt die AfD anläßlich ihrer Auflösung zusammen.

 

DADA? — TATA? — OPAPA!

Jonathan Meese oder Jens Friedbert BotheZurück in der hellen Wohnung im einundzwanzigsten Stockwerk mußte vor der Neugier kapituliert werden, vor der Frage nach dem Einfluß des Jonathan Meese …

Und?

Ja. Eine Kunsthistorikerin würde vielleicht bereits von einer Schule des Jonathan Meese sprechen. Sie würde oder könnte auf Vorträge verweisen, ebenfalls beispielsweise auf der Plattform des Unternehmens Youtube zu finden, von sogenannten Reichsbürgern und Staatsverweigerinnen, die ebenso talentiert und ebenso inhaltsreich wie Meese zu referieren, sich darzustellen wissen … Eine Kunsthistorikerin, ein Kunsttheoretiker wie beispielsweise Bazon Brock, könnte profund darlegen, ob es sich etwa bei Rüdiger Hoffmann von dem Staatenlos oder bei Monika Unger von dem Staatenbund Österreich um Schüler und Schülerin des Jonathan Meese … oder ob es sich hierbei um eine unabhängig voneinander sich entwickelnde Kunst handelt … Ein Kunstphilosoph könnte das Gemeinsame herausarbeiten, auch die Unterschiede, etwa in bezug auf „Naturrecht“, oder auf die Anklage, wie sehr alle, also die anderen, in „ideologischen Glaubensrichtungen stecken“  und so weiter und so fort. Welchen Stellenwert hat das „eiserne Kreuz“ bei Meese, im Gegensatz beispielsweise bei Jens Friedbert Bothe von dem Sonnenstaatland … Wie auch immer das Urteil einer Kunsttheoretikerin ausfallen könnte, eines eint diese Künstlerinnen und Künstler, das kann bereits jetzt gesagt werden, es eint sie eine glasklare Argumentation, es eint sie, beeindruckbare Theorien vorzulegen, die ihnen unwiderlegbar sind und so weiter und so fort.

Im Angesicht von solchen Künsten wird es immer wieder schmerzlich. Schmerzlich, kein Mensch der professionellen Kunstkritik zu sein. Wie schön wäre es jetzt, auf diese drei Blätter zu zeigen und auf Anhieb sagen zu können, das ist ein Bothe, das ist ein Meese …

Und ihre Ahninnen — DADA?

Ja. Es könnte durchaus, für Meese allein wäre es wohl angebrachter zu sprechen, von DADA zu MAMA … das aber ließe die anderen unberücksichtigt … ein Kunstheoretiker würde es von DADA herleiten und schließlich für sie den Begriff TATA — — vielleicht doch eher OPAPA … ist ja doch ziemlich tatterig heutzutage noch so etwas  …

Ach, wieso kann die Kunst nicht schon seit gestern regieren! Geduld, ja, das wird gewußt, ist eine Tugend. Geduld, wie leicht es zu sagen, wie schwer sie zu leben. Aber eines Tages wird die Kunst herrschen, werden nicht nur Meese, Bothe, Unger, sondern alle, alle  für die Kunst marschieren, der Kunst gehorchen, der Kunst dienen, und dann wird die Zukunft so sein, wie sie Meese herbeiredet, so sein, wie Meese die Zukunft klar und deutlich malt, so klar, als wäre sie bereits Wirklichkeit, seine Worte über die Zukunft so klar, als wären seine Worte die Zeitmaschine, mit der bereits jetzt in diese Zukunft … Oh, wie gut, dass es weitere Künstler und Künstlerinnen gibt, die – und das ist einerlei – ob als seine Schülerinnen und Schüler, ob als seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen oder ob gänzlich unabhängig voneinander der Zukunft …

Jonathan Meese - Schule der erzreichsbürgerlichen Kunst

Die Einordnung von Jonathan Meese in die Alltagskunstgeschichte

Einordnung von Jonathan Meese in die Alltagskunstgeschichte

Im Keller sitzend, zwischen den Bananenschachteln, in denen die aussortierten Bücher ordentlich verstaut sind, will doch nicht gleich die Suche nach einer Erklärung abgebrochen werden, weshalb zur eigenen Überraschung die Schriften zur Diktatur der Kunst bereits aus der Bibliothek in der hellen Wohnung auf der einundzwanzigsten Etage genommen und hinunter in den Keller zu den aussortierten und in Bananenschachteln ordentlich verstauten Büchern gefahren wurden, wird nicht weiter in den Schriften zur Diktatur der Kunst, in denen ein Artikel überraschend gefunden wurde, wie im vorherigen Kapitel

Die Vertreibung von Bazon Brock ins Paradies

… geblättert, die, eine plötzliche Eingebung, zur Klärung nichts beitragen werden können, sondern das Smartphone aus der Tasche gezogen, um fünf Filmchen anzusehen, mit Jonathan Meese:

Intervention, Kunsthistorisches Museum Wien, 12. Mai 2017

Jonathan Meese über Luther und die Avantgarde

Jonathan Meese in Wittenberg in der Zelle der Diktatur der Kunst

Jonathan Meese, Propagandarede, Akademie der Bildenden Künste, Wien

Jonathan Meese, Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe, 2.12.2015

Alltagsgeschichte - In der Akademie mit Jonathan Meese und HitlergrußWährend des Abspielens der Filmchen kommt die Idee, sich Notizen zu machen, um etwas darüber zu schreiben, darauf einzugehen, was Johann Messe … in Wien wird es geliebt, von sogenannten freudschen Versprechern zu reden, muß gedacht werden, als zur eigenen Überraschung gelesen werden muß, Johann Messe statt Jonathan Meese …aber das ist kein freudscher Verschreiber, sondern der Name, den Jonathan Meese selbst hervorruft, wenn ihm zugehört wird – Johann Messe, das Hänschen, das mit seiner Mami zur Messe geht, obgleich es keine Religionen mag, alle Religionen abschaffen möchte, zu seinem Heile der Diktatur der Kunst, das Hänschen, das mit seiner Mutti zur Messe geht, und weil es zu seinem Heile in Deutschland und in Österreich so demokratisch zugeht, darf das Hänschen in der Messe selbst predigen, die Diktatur der Kunst herbeireden, anrufen, beschwören, ausrufen, die Weltdiktatur der Demokratie anklagen, und was aus seinem Munde rinnt, ist der Bierhansl, und das Abgestandene schäumt vor seinem Munde, als wäre Hänschen selbst ein frisch angezapftes Bierfäßchen, und das Hänschen freut sich, daß es so schön schäumen kann, auch das Muttchen freut sich mächtig stolz, daß ihr Hänschen so weiß schäumt …

Ja, da kann Mutti tatsächlich mächtig stolz auf ihr Hänschen blicken … Ach, was Hänschen doch von der Zukunft und gegen die Vergangenheit schäumen kann, und ist selbst bloße Nostalgie …

Es werden keine Notizen gebraucht. Denn. Welche Notizen sollen allein zu diesen fünf Filmchen gemacht werden. Notizen werden gemacht, um auf etwas eingehen zu können. Aber auf Inhaltslosigkeit kann nicht eingegangen werden. Und eine plötzliche Eingebung ist die Rettung, mit der der Keller und das Hänschen mit seinem Spuckeschaum nun doch rasch wieder verlassen werden kann, ohne je wieder darüber nachdenken zu müssen, ohne je wieder sich daran erinnern zu müssen, genauso wie es immer gemacht wurde, wenn eine Folge von „Alltagsgeschichte“ angesehen wurde … Alltagsgeschichten, in denen zuhauf diese armen Gemeindebauseelen in ihren Jogginganzügen an ihren Bierhanslgläsern zuzelnd … Nur auf Festen, wenn es droht, daß der Gesprächsstoff ausgeht, erinnern sich Menschen stets dankbar an die Alltagsgeschichten von Elisabeth T. Spira, die immer garantieren, daß Gespräche wieder in Gang kommen, es lustig wird, es etwas zum Lachen gibt, und es ist stets auch wohliger Schauer dabei, und Verwunderung, auch Hochachtung für Elisabeth T. Spira, wie sie es immer wieder schaffte, in welche Souterrainbeisln sie immer wieder steigen mußte, um solche Typen vor die Kamera zu kriegen, die sich vor sich und vor keinem Menschen je genieren, das Abwegigste zum Gaudium …

Alltagsgeschichte ohne Spira - Jonathan Meese

Wie gut, wird beim Verlassen des Lifts auf der einundzwanzigsten Etage plötzlich gedacht, daß Hitler heutzutage Künstler sein kann, aber auch, wie gut, daß Mao heutzutage Lyriker sein kann. Das mag jetzt hoffnungsvoll und zuversichtlich klingen, als hätte es in der Welt seit damals tatsächlich eine positive Entwicklung gegeben, aber ist bloße Beruhigung, ein paar weniger, die sich ein anderes Betätigungsfeld suchen müßten, ein Feld, auf dem sie tatsächlich Schreckliches anrichten könnten, ein Schlachtfeld hinterlassen könnten.

Wieder in der hellen Wohnung auf der einundzwanzigsten Etage, zwar ohne Notizen, kann ein Gedanke dennoch nicht unausgesprochen bleiben, muß doch – wer ohne Inkonsequenz ist, werfe den ersten Stein – auf eines eingegangen werden. In der Wittenbergzelle fordert Johann Messe auf, „kein Mitläufer“ zu sein. Wie seltsam, diese Aufforderung, diese Forderung, „kein Mitläufer“ zu sein. Irgendwer ruft dazu auf – das hat mit Jonathan Meese schon fast nichts mehr zu tun, denn gegen das Mitläufertum sind heutzutage viele, ganz besonders jene aus dem sogenanten Kunstmilieu -, bei einer Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ mitzumachen, und schon laufen viele hin, um mitzumachen, Luther ihre Referenz zu erweisen, mitzulaufen für Luther, gerade für Luther …

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