Die empörte Zurückweisung von Martin Luther

Luther - Portschy

Wie gelesen werden kann, in der von Lyndal Roper verfaßten Biographie, hat sich Martin Luther darüber empört und es zurückgewiesen, er sei ein „Zigeuner“. Nun, er wird schon gewußt haben, warum. Vor allem wird er nicht so gelebt haben wollen, wie „Zigeuner“ lebten, falsche Zeit, wie „Zigeuner“ leben müssen, in Europa. Schließlich wünschte er den „Juden“ ein Leben wie das der „Zigeuner“. Das war von ihm christlich gemeint, aber nicht menschenfreundlich.

Ob er, Luther, als Schreibtischtäter einen Hammer zu verwenden wußte, kann nicht gesagt werden. Belegt ist seine eigenhändige Thesennagelei nicht. Was für ein Schreibwerkzeug er verwendete? Was gewußt wird, ist das Schreibwerkzeug von einem anderen Schreibtischtäter: Tobias Portschy verwendete für seine „Denkschrift“ eine Schreibmaschine. Seine „Thesen“ schrieb er, Portschy, mit dem Maschinengasgewehr, das noch eine Schreibmaschine war, 1938.

Wie Tobias Portschy überhaupt zu seinem Glauben kam, wie er dem Organisierten Glauben des Protestantismus überhaupt angehören konnte, hat er Martin Luther … denn ohne diesen hätte es diesen Organisierten Glauben … nun, er, Luther, war einer von der Zeit bevorzugter. Denn. Hätte es nicht gerade Mächtigen sehr gepaßt, in ihrem nordischen Kampf gegen Rom des Organisierten Glaubens der römisch-katholischen Kirche, er, Luther, hätte mit seinen Thesen – warum nicht eine Referenz an seine Fäkalsprache? – seinen Arsch wischen können, sie, seine Thesen, wie die weiße Tinte gegen sich, also den Teufel, schleudern können … aber fünfhundert Jahre später – Lu…? Luder, wer?

Luther wies also zurück, ein „Zigeuner“ zu sein, er wollte zwar, daß „Juden“ wie „Zigeuner“ zu leben haben, aber er wollte kein „Zigeuner“ sein. Und Portschy – und nicht nur er mit dieser barbarischen und massenmörderischen Weltanschauung – stellte klar, „Zigeuner“ seien in jeder Beziehung den „Juden“ gleichzustellen.

Ohne Luther hätte Portschy nicht seinen Glauben, und was die „Zigeuner“ betrifft, kein Material für seine Thesen. Wie in der Collage gelesen werden kann, weiß Portschy beispielsweise, „Zigeuner“ würden ihre Kinder drei-, viermal taufen lassen. Sein Meister aus Deutschland wußte das auch. Aber bei einem Meister ist alles noch größer, übertriebener: bei einem Meister lassen sie ihre Kinder zehnmal …

Anschlag mit Thesen - Luther - Portschy

Und Portschy hatte noch einen Meister, einen Meister aus Österreich, der den Meister aus Deutschland als Genie gelten ließ … eine leichte Übung, er mußte ihn nicht als Konkurrenten aus dem Weg räumen …

Wer von ihm die Thesen im Gesamten lesen möchte: „Die Zigeunerfrage“ …

In die Collage wurden lediglich ein paar Ausschnitte aus seiner Denkschrift aufgenommen, die zu einem zeigen, was der Schreibtischtäterlehrling mit seinem Meister aus Österreich meinte zu wissen, meinte sein Schreibtischmönchmeister ebenfalls bereits zu wissen …

Wer nun aber meint, es ginge hier um den untergegangenen, um den auch das sogenannte eigene Volk zerstörenden Nationalsozialismus, irrt gewaltig.

Es geht um Schlimmeres. Um die Gegenwart.  Wie es in der Gegenwart den als „Zigeuner“ diffamierten und verfolgten Menschen geht, muß nicht noch einmal ausgeführt werden.

Zu viele Kapitel dazu gibt es bereits.

Auch dazu, wie sogenannten historischen Persönlichkeiten geschmeichelt wird, wie vor diesen gekniet wird, in Andacht, indem ihre Vergehen gegen diese Menschen tabuisiert werden, etwa jene von der Mutter des Feminismus …

Und wer allein die Ausschnitte in der Collage des Protestanten Portschy liest, dabei sich in Erinnerung ruft, wie über Menschen auf der Flucht gesprochen und geschrieben wird, oder gar selbst über sie spricht und schreibt, muß sich bereits erschrecken, wie das sich gleicht, sogar ohne dieser barbarischen und massenmörderischen Weltanschauung verfallen zu sein, wie Jahrzehnte nach dem Untergang dieses Massenverbrechensregime nicht anders zu sprechen und zu schreiben gewußt wird.

Alles ist in dieser Thesenschrift vorhanden, was heute gesagt und geschrieben, gewendet gegen Flüchtlinge, gegen Asylsuchende, gegen Migrantinnen. Von den, beispielsweise, Hochrechnungen, wann es soweit sein werde, daß die sogenannte einheimische Bevölkerung nicht mehr die Mehrheit … bis — ach, lesen Sie, und wenn Sie selbst so reden oder schreiben oder gar schreiben und reden und darüber hinaus in einem hohen und höchsten politischen Amt Verantwortlichkeiten wahrzunehmen hätten, dann erschrecken Sie, erschrecken Sie wenigstens …

Vatikan befiehlt religiöse Gebote über staatliche Gesetze zu stellen

Es wird berichtet: „Integrationsminister Sebastian Kurz hatte drastische Zahlen im Gepäck“.

Es geht dabei um eine Studie. Neunhundert Flüchtlinge wurden befragt.

„Eine davon: 40 Prozent der aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kommenden Flüchtlinge würden religiöse Gebote über staatliche Vorschriften stellen, verriet Kurz am Montag anlässlich der Integrationskonferenz ‚Vienna Future Talks‘. – derstandard.at/2000051377360/Fluechtlinge-40-Prozent-stellen-religioese-Gebote-ueber-Gesetze“

Nun. Die befragten Menschen kommen aus verschiedenen Ländern, und so verschieden werden ihre Zugänge sein. Welche „religiösen Gebote“ sind es, die, wie sie meinen, über „staatliche Vorschriften“ zu stellen wären. Es werden keine angeführt.

Menschen gaben Antworten auf gestellte Fragen. Sie äußerten also Meinungen. Jedweder Mensch hat Meinungen zu vielen Themen. Aber Meinungen strukturieren keinen Alltag, bestimmen nicht das Verhalten in einer Gemeinschaft, in einer Gesellschaft. Sie meinten etwas. Sagten sie aber, sie leben danach? Waren es Fragen, mit denen sie sich je in ihrem Leben auseinandersetzten, und vor allem im Hinblick auf strikt zu befolgende Handlungsanleitung? Gaben sie sich dem Luxus eines theoretischen Diskurses hin? Einmal etwas anderes gefragt zu werden, als nach Papieren, Fingerabdrücken und so weiter und so fort. Aber vor allem: sie sagten nicht, sie hätten einen Befehl, die Weisung: „religiöse Gebote über staatliche Vorschriften stellen“.

„Drastische Zahlen“ nennt es die sogenannte Qualitätszeitung. Sebastian Kurz sieht in diesen Zahlen menschgemäß sofort einen Beleg für die Notwendigkeit seiner Wertekurse. Nur eine Deutung der Meinungen läßt Sebastian Kurz zu, und die Qualitätszeitung weiß diese ihm beistehend zu benennen: „drastisch“.  Soweit die Zahlen bisher bekannt sind, die Studie ist noch nicht abgeschlossen, nicht veröffentlicht, die Fragen, die zu diesen Zahlen führten, nicht bekannt.

Die Verkündigung dieser prozentmäßig zugeteilten Meinungen ist nur eines: „drastisch“ schwarz, nur schwarz, nicht einmal schwarz und weiß.

Aber Sebastian Kurz kann sich wieder einmal als einer präsentieren, dem die Werte … welche Werte, die, die er beispielsweise vorlebt, wenn es etwa um Saudi-Arabien, um sein Werben für Donald Trump

Es sind bloße Meinungen von Menschen ohne Befehle. Es gibt – und darum geht es wohl bei der nun breiten Verkündigung dieser „drastischen Zahlen“, um den Islam – die verschiedensten Auslegungen des Islams, es gibt die verschiedensten Strömungen des Islams. Was es aber nicht gibt, ist eine Zentrale dieses Organisierten Glaubens. Was es aber nicht gibt, ist eine an alle Bürgerinnen und Bürger, gleich in welchem Staat sie leben, befehlsausgebende Zentrale dieses Organisierten Glaubens.

Ehe darüber weitergeschrieben wird, muß, weil zu erwarten ist, es werde gleich gesagt werden, hier werde für den Islam Partei ergriffen, geschrieben werden, das ist ganz und gar nicht der Fall. Denn. Keine Religion kann je noch verteidigt werden. Und das nicht erst seit der Mensch im 21. Jahrhundert sich wähnt zu leben. Jeder Religion ist entgegenzutreten. Und also auch dem Islam, dessen Anhänger und Anhängerinnen aktuell in der Türkei wieder das grauenhafteste und fratzenhafteste Religionsgesicht …

AKP will von ihrem A… abstammen.

katechismus-befehl-gott-gehorchen

Weder Sebastian Kurz noch die Qualitätszeitung nennt es „drastische“ Befehle, die festgeschrieben und gültig sind. Was von dieser Zentrale festgeschrieben ist, ist zwar auch nicht mehr als eine Meinung, vom Inhalt und Gehalt her, aber es sind Befehle für Bürgerinnen und Bürger gleich in welchem Staat auf dieser Erde. Es sind Befehle, die gehorsam zu befolgen sind, im Katechismus und im Compendium zum Katechismus der Zentrale des Organisierten Glaubens der römisch-katholischen Kirche gültig festgeschrieben.

Und diese Befehle an alle Bürgerinnen und Bürger sind wieder einmal zu wiederholen,

Christen haben das eigene Vaterland aber wie Fremde zu bewohnen

Evangelium – Weisung zur Nichtbefolgung staatlicher Vorschriften

die für Sebastian Kurz augenscheinlich keine „Herausforderung“ darstellen, für die Qualitätszeitung keine „drastischen“ sind.

katechismus-befehl-bewaffneter-widerstand

Es kann von Befehlen gesprochen werden. Denn. „Weisungen“ sind Befehle. Darüber hinaus ist „Gehorsam“ das Schlüsselwort dieses Katechismus. Es ist zu gehorchen, das heißt, Weisungen sind auszuführen. Und wie gerade in Österreich gewußt wird, entheben Weisungen jedweder eigener Verantwortung, jedweder eigener Schuld. Der Langname für Österreich könnte durchaus lauten: „Ich habe nur meine Pflicht getan.“

katechismus-befehl-wie-fremdeWas für ein Geschwefel also von „Integration“, wenn die Menschen des Organisierten Glaubens, die in Österreich die Mehrheit darstellen, „das eigene Vaterland aber wie Fremde zu bewohnen“ haben.

Was für eine Gefahr für die sogenannte innere Sicherheit, für den Frieden in einem Staat, wenn die Begründungen gelesen werden, wann „bewaffneter Widerstand“ gerechtfertigt ist.

Auferstanden ist Jesus Christus des Schwertes

Und wie oft kann konkret festgestellt werden, daß Befehle von dieser Zentrale befolgt werden, auch in Österreich. Das „Sittengesetz“ – abgekürzt mit „Gott“ – dieser Zentrale gegen staatliche Gesetze aktiv in Stellung gebracht werden. Um ein konkretes Beispiel anzuführen: Abtreibung. Es sind nicht nur hochrangige Angestellte, nicht nur der hochrangigste Angestellte dieses Organisierten Glauben, die gegen staatliche Gesetze marschieren

katechismus-befehl-abtreibungsvebotMeinungen von geflüchteten Menschen stellen also „Herausforderungen“ dar, Meinungen, die diese Menschen vielleicht morgen schon wieder vergessen haben werden, sie je gehabt zu haben, vielleicht auch falsch oder nicht vollständig oder nicht klar genug auf die gestellten Fragen ausgedrückt zu haben – im Positiven wie im Negativen. Hingegen Befehle einer Zentrale sind keine „Herausforderungen“, diese sind nicht einmal zu erwähnen. Befehle sind Befehle. Gegen so klare Befehle kann nichts getan werden. Doch eines – sie schlicht pflichtgemäß als gehorsamste Diener und Dienerinnen erfüllen.

PS In wie viele Wertekurse müßten dringend jene geschickt werden, die diesen Katechismus

Synonym für schwarze Pädagogik: Katechismus

Masturbation im zeitgemäßen Katechismus

geschrieben haben? Daß einer aus Wien auch dabei war, wen kann es noch überraschen?

Cabinet: „Strangers at Our Door“

Ist es zu viel verlangt, wenn eine österreichische Bundesregierung auf der Höhe des heutigen Wissens zu sprechen hat?

Es ist nicht zu viel verlangt.

Aber bloß, zu bekommen ist das von ihr nicht. Nicht von dieser österreichischen Bundesregierung, die hier nur exemplarisch für so viele Regierungen in Europa genannt wird. Und von der nächsten, wenn in dieser die Hütchenspielpartei mit von der Partie ist, noch recht viel weniger, gar nicht.

„Strangers at Our Door“ ist ein Essay von Zygmunt Bauman aus 2016.

Das Einzige aber, mit dem die österreichische Bundesregierung mit Bauman in Verbindung zu bringen ist, ist ein Wort aus seinem Titel: „Strangers“ – Fremde. Jedoch nicht mit dem Inhalt seines Essays. Und alles, was sie öffentlich breit zu sagen hat, ist nur „strange“: komisch, sonderbar, merkwürdig, absonderlich.

Wie anders würde sich wohl alles gestalten und entwickeln, spräche die österreichische Bundesregierung etwa wie Bauman. Was für einen Einfluß könnte das auch auf die Massenmedien haben, wie anders fiele wohl die breiteste Berichterstattung etwa über Migration, Asyl, Flucht aus. Und nicht nur über diese Themen. Denn der Essay von Bauman geht weit darüber hinaus, versucht eine Weltzusammenhangssicht, die der Migration einen Platz zuweist – nicht einmal einen in der ersten Reihe.

Wenn Sie diesen Essay gelesen haben werden, aus dem nicht zu zitieren ist, weil dieser in seiner Gesamtheit zu lesen ist, und Sie sich unmittelbar im Anschluß an Ihre Lektüre oder bereits während der Lektüre in Erinnerung rufen, was die österreichische Bundesregierung zu diesen Themen sagt, etwa ein Sebastian Kurz oder ein Wolfgang Sobotka oder ein Hans Peter Doskozil oder ein Reinhold Mitterlehner oder ein Hans Niessl oder ein Christian Kern oder viele andere mehr, die sogenannte gewichtige politische Ämter in diesem Land innehaben, wenn Sie sich im Vergleich zum Essay in Erinnerung rufen, was und wie vor allem die Herren – und es sind in der überwiegenden Mehrzahl Männer – darüber sprechen, kann Ihre Erkenntnis nur sein, wie unheutig alles ist, was sie zu sagen haben, und dieses öffentlich vorgetragene unheutige Wissen gebiert das ethische Elend ihres Tuns.

Aber Zygmunt Bauman ist nicht der einzige Beispielgeber dafür, was für ein unheutiges Wissen öffentlich breit von Regierungen und von Massenmedien breitest gestreut wird. Und vieles, das heute breitest öffentlich zu diskutieren notwendig wäre, zitiert und verweist darauf Bauman  selbst.

strangers-at-out-door-osterreichWie anders also könnte die öffentliche Diskussion verlaufen, was für andere Ergebnisse zeitigen, würden sich Regierungen nicht öffentlich breit als unheutig darstellen zu müssen meinen, würden sie auf der Höhe des heutigen Wissens breit öffentlich argumentieren, diskutieren, Konzepte entwickeln, die nicht einen Haltbarkeitswert von zwei Stunden haben. Wie sehr könnten Medien dem nicht entkommen – und es wird hier ausschließlich von Massenmedien gesprochen -, breitest darüber zu berichten. Und vielleicht, mit der Zeit, sogar einen eigenen Beitrag auf der Höhe heutigen Wissens dazu leisten.

Was wäre das für ein Gewinn für alle Seiten, sprächen Sobotka, Doskozil, kurz alle anderen öfffentlich breit so wie beispielsweise Bauman und schrieben Massenmedien, um eine  Umsonst ob ihres Namens exemplarisch zu nennen, beispielsweise so wie Bauman. Platz hätten die Massenmedien dafür genug; sie bräuchten etwa bloß das Gerümpel vom Dschungelcamp zu entsorgen.

PS Ein Wort soll aus dem Essay doch zitiert werden: „Taschenspielertricks“.

Hütchenspiel scheint zutreffender. Beim Hütchenspiel gewinnt kein Mensch. Und noch etwas: Die Hütchenspieler – es sind zumeist Männer die Spielenden – aber tun so, als hätten sie Gewinne zu verteilen, als hätten sie wenigstens in einem ihrer Hütchen einen Würfel oder gar den Stein der Weisheit.

Die Hütchenspielpartei in Österreich ist schlechterdings die identitäre Parlamentspartei. Diese wird von Bauman ob ihrer Unbedeutsamkeit  nicht erwähnt, aber viele Hütchenspieler und Hütchenspielerinnen aus anderen Ländern, zu denen sie aufschauen. Was ihnen jedoch allen gemein ist: alle ihre Hütchen sind leer, in keinem ein Würfel, schon gar kein Stein der Weisheit. Aber ihre Hosensäcke sind voller Steine, die sie gegen alle werfen, kaum daß sie gewählt sind.

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Warum die Gesellschaft keinen „neuen Thomas Morus“ als Lehrer braucht

Heribert Prantl schreibt in seinem Vorwort zu „Die Fremden“:

„Es gibt eine immer giftigere flüchtlingsfeindliche Szene, die nicht nur aber sagt, sondern zu deren Kommunikationsmitteln Unverschämtheiten, Morddrohungen und Brandsätze gehören; es ist dies eine Gesellschaft, die ein neuer Thomas Morus lehren muss.“

Und Frank Günther in seinem Nachwort:

„Ein katholischer (in seinem Utopia-Roman geradezu frühkommunistischer) Humanist …“

Wer möchte heute in dieser Gesellschaft leben, die Thomas Morus in seiner „Utopia“ entworfen hat? Es gäbe vieles, das angeführt werden  könnte, was alles, von der Gegenwart aus gesehen, gegen diesen Gesellschaftsentwurf von Thomas Morus spricht.

Da es Heribert Prantl und Frank Günther um die „aktuelle Thematik“ der Flucht geht, kann mit Thomas Morus selbst darauf verwiesen werden, wie sehr die heutige Gesellschaft keinen „neuen Thomas Morus“ als Lehrer bedarf. Ganz im Gegenteil. Es scheint, es gibt noch viel zu viele vom Menschenschlag eines Thomas Morus.

„Wenn einer eigenmächtig sich außerhalb seines Bezirkes herumtreibt, und ohne den fürstlichen Erlaubnißschein ergriffen wird, so gereicht ihm das zum Schimpf, er wird wie ein Flüchtling zurückgewiesen, scharf gezüchtigt, und geräth im Wiederholungsfalle in die Sklaverei.“

„Er wird wie ein Flüchtling zurückgewiesen.“ So also soll sich die Gesellschaft von Thomas Morus verhalten. Seine Gesellschaft lebt auf einer Insel, die zuvor eine Halbinsel war … „wo das Land mit dem Festlande zusammenhing, einen Landausstich von fünfzehntausend Schritt Breite herstellen und so das Meer ringsherum fließen lassen. Die Fahrstraßen sind nur ihnen allein bekannt, daher es nicht leicht vorkommt, daß ein Ausländer in diesen Meerbusen eindringt, wenn nicht ein Utopier den Lootsen macht.“

Im Grunde wurde zu Thoma Morus und zu diesem Buch mit dem Untertitel „Für mehr Mitgefühl“ bereits in

Thomas More and William Shakespeare celebrate: Prosit, happy old year 2017!

geschrieben, was zu schreiben ist, aber vielleicht zu wenig deutlich, wie sehr ein „neuer Thomas Morus“ als Lehrer zurückzuweisen ist, und das nicht in bezug auf das in „Die Fremden“ aufgegriffene und mit Thomas Morus verfehlte Thema.

Es wurde oben gefragt, wer möchte heute in dieser Gesellschaft leben, die Thomas Morus entworfen hat? Wahrscheinlich viele Männer, aber wohl nur wenige Frauen, die ihre Gleichberechtigung erfüllt sehen durch die Berechtigung des Mannes über die Frau. Wahrscheinlich vor allem Innenministerinnen und Sicherheitsminister. Denn. Auch wenn es in der Gesellschaft von Thomas Morus nur wenige Gesetze gibt, ist es doch eine Gesellschaft der totalen Kontrolle, derer sich alle freiwillig unterwerfen, alle kontrollieren alle – ein perfektes Blockwartesystem.

Gewiß aber würden nicht jene in der von Thomas Morus entworfenen Gesellschaft leben wollen, die heute über öffentliche Angelegenheiten sich verbreiten – beispielsweise auf den Plattformen der Unternehmen Facebook oder Twitter und so weiter und so fort. Denn:

„Außer dem Senate oder den Volksversammlungen über öffentliche Handlungen Berathungen zu halten, gilt für ein todeswürdiges Verbrechen.“

wie-ein-fluchtling-zuruckgewiesen-thomas-morus-kein-lehrer-fur-gegenwart-und-zukunftWem könnte der Verkauf eines Thomas Morus in den Worten von Shakespeare gegen den historischen Thomas Morus gefallen und sehr in das Konzept passen? Der Shakespeare-More als christlicher Werbeträger? Vielleicht einem Christoph Schönborn, dem Thomas Morus eines seiner „Vorbilder“ … am 1. Jänner 2017 erzählte er Conny Bischofberger:

„Natürlich würde ich mir als Christ wünschen, dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war. Was tut ihr für die Christianisierung Europas?“

In der Utopia ist ja viel von Christus und den echten, wahren Christen … Und kann gerade die Zeitung, für die Christoph Schönborn regelmäßig auch schreibt, noch mehr zu den „christlichen Werten stehen“, als sie gerade so barmherzig am 1. Jänner 2017 wieder stand?

„… es einmal war.“ Sagt Christoph Schönborn. Es wurde mit einem Zitat aus „Die Fremden“ begonnen und es soll mit einem aus diesem enden:

„Am 22. Mai [1517] erschien der König in Westminster Hall nebst Kardinal, Adel und Hofstaat und ließ alle vierhundert gefangenen Kinder, jungen Burschen, Männer und elf Frauen hereinführen; der Kardinal tadelte den Bürgermeister für das Versagen der Stadtältesten und verkündete den Gefangenen ihr Todesurteil.“

Kronpolizist Rainer Wendt – Generalverdächtigungen gegen Flüchtlinge eine Einladungsgarantie von Servus M. F. Mateschitz?

generalverdacht-gegen-fluchtlinge-einladungsgarantie-zum-talk-im-hangar-7Es kann verstanden werden, weshalb Rainer Wendt zur Groteske eingeladen wurde.

Kurz davor hat er, wie es scheint, ein sicheres Ticket gelöst, um in den Hangar eingeladen zu werden:

„Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind. Und während Angehörige trauern und Opfer unsägliches Leid erfahren, schweigen die Vertreter der ,Willkommenskultur‘.“

„Die grausame Seite dieser Politik wird abgewälzt auf die Opfer und auf eine seit Jahren kaputtgesparte Polizei und Justiz. Und so wachsen die Gefahren für unser Land beständig.“

Genauer. Kurz davor dürfte Wendt ein ohnehin sicheres Ticket bloß noch einmal abgesichert haben. Denn. Wie in der Collage gelesen werden kann, ist Wendt so etwas wie ein Kronpolizist für die Copysite der identitären Parlamentspartei, ein Kronpolizistschreiber für den Kopp-Verlag.

Menschen auf der Flucht – Bilder als Furchterzeuger vor ihnen

Die Bilder in der Collage zeigen zwei Einsätze.

Einsatz Atomreaktorkatastrophe oder Rettung von FlüchtlingenEinen bei dem Atomreakterunfall in Japan. Einen bei der Rettung von Flüchtlingen in Italien.

Was verbindet diese Bilder? Macht die zwei vollkommen unterschiedlichen Einsätze ununterscheidbar?

Es ist die Schutzkleidung der Einsatzkräfte.

Was wird – ob gewollt oder nicht-gewollt, sei dahingestellt – damit alles vermittelt? Abgründiger als ausgewiesene Volkstümelnde (kalendergemäß heutzutage Populisten und Populistinnen genannt) je  …

Vielleicht das, aber bei weitem nicht nur das:

Flüchtende Menschen sind so hochgefährlich als – gar noch gefährlicher, denn diesen Menschen muß zuätzlich mit Schlagstöcken entgegengetreten werden, auch bei Rettungsaktionen …

Es sind die zu Schutzkleidungsstoff – ob bewußt oder nicht bewußt, sei dahingestellt – gewebten Hetzreden gegen Menschen aus Afrika, die beispielsweise vor Kriegen zu flüchten versuchen …

Michael Spindelegger braucht nicht mehr gewählt zu werden – Beruflich hat er sein Gipfelkreuz schon gemacht

Es geht hier nicht um die Zahl, wie viele Flüchtlinge aus Syrien in Österreich aufgenommen werden oder nicht, nicht darum, ob 500 Flüchtlinge zu wenige sind, sondern einzig um das Kleinmütige von Michael Spindelegger, sich als Vizekanzler und Außenminister hinzustellen, um stolz zu verkünden, Österreich werde fünfhundert Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen …

Michael Spindelegger am Gipfel angelangtUnd der christschwarze „Führer“, wie er sich selbst nennt, befindet das für wert, es groß zu verkünden, anstatt sich dafür zu genieren und zu schämen, 500 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen zu wollen, 500 Flüchtlinge aus einem Land mit bis jetzt schon etwa 1,5 Millionen Flüchtlingen – 500 von 1,500.000 sind gerade einmal an die 0,034% … 0,034% findet Michael Spindelegger sind ausreichend, um damit in die Medien zu gehen … Allein im Libanon sind derzeit an die fünfzig Prozent der Flüchtlinge aus Syrien …

Nur wer dem Kleinhäuslerischen derart verpflichtet ist, kann 0,034% für erwähnenswert halten, jeder andere und jede andere würde verschämt den Mund halten, ohne medialen Staubwirbel die Menschen einfach und vor allem rasch und unkompliziert ins Land kommen lassen …

Michael Spindelegger - Liebe deinen NächstenMichael Spindelegger spricht jetzt viel davon, er möchte etwas werden, er giert nach einem Titel, den er seinen Namen voranstellen kann, aber den einzigen Titel, den es für Michael Spindelegger noch geben kann, den hat er ganz allein schon sich selbst gegeben, den hat er ganz allein bereits selbst gewählt: Spindlelor Michael Spindelegger … Die Wahl für sich also hat Michael Spindelegger schon ganz allein geschlagen und grandios für sich entscheiden. Die Wahl ist für ihn sohin … Am 29. September 2013 steht dieser Titel, den Michael Spindelegger sich jetzt schon auf sein schwarzes Kapperl nähen lassen kann, nicht zur Wahl …

PS Möglicherweise kann zur freiheitlichen „Nächstenliebe“-Plakatwelle jetzt auch noch eine christschwarze „Nächstenliebe“-Plakatwelle bis zum 29. September 2013 erlebt werden: Liebe Deinen Nächsten. Und das sind für mich, Michael Spindelegger, unsere Christen.