„Der nicht nur einer unserer Integrationsbotschafter ist, und ein, ja nicht nur ganz herausragender Kreativer, sondern auch ein sehr erfolgreicher Unternehmer.“
wurde bereits vor längerer Zeit geäußert, also lange bevor spezielle Partys in Zeiten wie diesen gefeiert werden, von einem Kunden, als er Außenminister war …
Was aber von Interesse ist, wie ein Unternehmen gesehen wird, beispielsweise wie ein Wirtshaus von seiner Kundschaft bewertet wird und wie das gleiche Wirtshaus von seinen Mitarbeitern bewertet wird.
Es geht der stellvertretenden Generalsekretärin der ÖVP um den Begriff „Rollkommando“. Und sie kann nicht anders, als in der Sekunde, „Rollkommando“ auf die madigen zwölf Jahre oder auf die noch madigeren sieben Jahre des deutschen reiches in Österreich zu beziehen und große Erschütterung zeigen. Wie auch anders? In Österreich. Österreich, von dem gesagt werden kann, es hat tatsächlich einen äußerst schwächlichen, mehr noch, einen chronisch kranken Körper, wenn es Österreich in fünfundsiebzig Jahren nicht geschafft hat, die in ihm eingenistete Made in der Kürze von sieben Jahren endlich ausgeschieden zu haben.
Dabei hätte die stellvertretende Generalsekretärin der ÖVP bei dem Begriff „Rollkommando“ zum Beispiel auch an einen Film denken können, mit Dean Martin, an einen Film, dem vor kurzem erst Quentin Tarantino, wie es so schön heißt, Tribut zollt in seinem Film „Once upon a Time in Hollywood“ … „Rollkommando“ kam 1968 in die Kinos, in einem Jahr also, kurz gesagt, das die stellvertretende Generalsekretärin noch nicht so bewusst wahrgenommen haben wird, die Programme, auch die der Kinos. Wofür sie nicht gescholten werden darf, ihre Eltern werden damals die sechsjährige Generalsekretärin nicht in „Rollkommando“ mitgeschleppt haben.
Ein weiterer Film, dessen deutschsprachiger Titel stets verwundert, aus dieser Zeit, dieser kam 1969 in die Kinos, 1968 wird Allen an dem wohl schon gearbeitet haben, ist „Woody, der Unglücksrabe“. Im Original heißt dieser aber: „Take the Money and Run“ … Eine Fortsetzung von diesem in diesen Zeiten würde wohl den Titel bekommen – Take the Money and Fly …
„[…] einen solchen Begriff, der für so viel Leid und Terror steht, in seinem Sprachgebrauch hat, ist erschütternd und völlig inakzeptabel. Auch nur daran zu denken, einen solchen Vergleich zu ziehen […]
NNS Der Begriff Nichts-Sage-Vergleich (NS-V) ist in diesem Zusammenhang vielleicht nicht gut gewählt. Wenngleich paradox, dennoch zutreffender scheint doch der Begriff AS-S: All-Say-Settlement, Alles-Sage-Vergleich …
Schwarz: Kurz schockiert mit unglaublichem NS-Vergleich
Obmann ist offenbar völlig außer Rand und Band
Wien (OTS) – Erschüttert zeigt sich die stellvertretende Generalsekretärin, Gaby Schwarz, über Sebastian Kurz Sager: Von Sebastian Kurz sind wir ja schon einiges an gewohnt, der Vergleich setzt allem bisherigen aber die Krone auf. Zu behaupten, drüberfahren, ist an Unverfrorenheit nicht zu überbieten und völlig unangebracht, betont Schwarz.
Dass Kurz einen solchen Begriff, der für so viel steht, in seinem Sprachgebrauch hat, ist erschütternd und völlig inakzeptabel. Auch nur daran zu denken, einen solchen Vergleich zu ziehen, offenbart Abgründe und wirft Zweifel auf, schließt Schwarz.
Worum es tatsächlich in dieser Presseaussendung geht, worüber tatsächlich die stellvertretende Generalsekretärin sich erschüttert zeigt, von welchem Begriff sie tatsächlich spricht, wen sie tatsächlich meint, ist im Kapitel „Kurz schockiert mit unglaublichem Nichts-Sage-Vergleich“, dessen Vorspann ihre etwas gekürzte Presseaussendung mit ausgetauschtem Namen lediglich ist, zu lesen.
Der Angelo-Soliman-Weg befindet sich auf einem kurzen Teil in der Mitte der Löwengasse. Die Löwengasse in Angelo-Soliman-Gasse umzubenennen, das wäre wohl zu viel des Guten …
So gibt es nun einen Angelo-Soliman-Weg auf dem letzten Teil der Löwengasse. Und es ist kein eigener Weg, es ist ein überdachter Durchgang in der Mitte der Löwengasse und mündet direkt in den Donaukanal. Mit dem Fluß an seinem Ende wirkt der überdachte Durchgang, Angelo-Soliman-Weg genannt, wie eine Verladerampe …
Warum von diesem Durchgang erzählt wird.
Es ist die Hinweistafel zu diesem Durchgang, die erklärt, wer Angelo Soliman war. Und auf dieser steht:
Angelo Soliman war nicht sein ganzes Leben lang ein Sklave. Es ist wahr, Angelo Soliman wurde als Kind zum Sklaven gemacht, er wurde als Sklavenkind auf ein Schiff gebracht, verschleppt, verschachert …
Was aber hätte sonst, werden Sie vielleicht fragen, auf eine solche Hinweistafel geschrieben werden können?
Vielleicht …
Angelo-Soliman-Gasse Ehemals Löwengasse
Angelo Soliman (1721-1796) Prinzenerzieher, Chef der Dienerschaft des Wenzel Liechtenstein, Gesellschafter des Kaisers Josef II., Vizezeremonienmeister, Hausbesitzer
Auf der Hinweistafel fände doch auch noch Platz für die Geschichte,
„Sein Körper beschlagnahmt, ausgestopft, im kaiserlichen Naturalienkabinett zu Wien als halbnackter Wilder mit Federn und Muschelkette zur Schau …“
was mit ihm nach seinem Tod gemacht wurde, zu was er nach seinem Tod in Österreich wieder …
„Mit dieser Soforthilfe ist unser Weg des Wiederaufbaus noch lange nicht abgeschlossen – ganz im Gegenteil: Er hat gerade erst begonnen.“
Als seine gesamte Rede hätte auch der oben zitierte Satz gereicht. Macht dieser wieder einmal allzu kenntlich, das Unverstehen von Wörtern, wie vor kurzem etwa Auferstehung … und in diesem Fall Wiederaufbau …
Das aber ist ohnehin bekannt. Es hätte nicht des weiteren Beispiels Wiederaufbau bedurft. Besonders nicht in diesem besonderen geschichtlichen Zusammenhang. So hätte er diese seine auf diesen Satz reduzierte Rede auf sein absolutes Maß noch weiter kürzen können.
So hätte er diese Rede am 27. April ’20 erst gar nicht halten müssen.
Was wäre das für eine Ersparnis gewesen. Auch in der Ökonomie dieses Romans. Zwei weitere Kapitel hätten nicht geschrieben werden müssen. Wie wird die Kritik darüber herfallen, noch zwei leergefüllte Kapitel, noch zwei Kapitel ohne Inhalt. Aber ein Roman der Wirklichkeit kann nur schildern, was es gibt …
„Sehr geehrte Österreicherinnen und Österreicher! Heute vor 75 Jahren wurde unsere Republik Österreich wiedererrichtet. Und zu diesem Jubiläum dürfen wir auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Aus einem schwachen und zerrütteten Österreich, das 2 Weltkriege durchleben musste, ist ein starkes und wohlhabendes Land geworden.“
„Eine Demokratie, die auf Rechtsstaatlichkeit und Freiheit baut – im Herzen der Europäischen Union. Für dieses große Erbe dürfen wir alle dankbar sein. Vor allem der Nachkriegsgeneration – all jenen Menschen, die unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben.“
Dankbar sein. Vor allem der Nachkriegsgeneration … Was wäre aus Österreich bloß geworden, wenn Österreich tatsächlich von der Nachkriegsgeneration, also von allen Menschen, die nach 1945 geboren worden sind oder 1945 ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre oder nicht älter als sechs Jahre waren, nach dem Krieg wieder aufgebaut worden wäre …
„Wir erinnern uns an die Gründungsväter wie Leopold Figl. An große Gestalter wie Bruno Kreisky. Und an Vordenker wie Alois Mock. Auf ihren Schultern und den Schultern vieler anderer stehen wir alle, um die Erfolgsgeschichte Österreichs gemeinsam weiterzuschreiben. „
„Wir feiern dieses heutige Jubiläum in keiner gewöhnlichen Zeit. Es ist eine Zeit der Krise, und uns allen ist nicht wirklich zum Feiern zu Mute. Das Corona-Virus stellt uns vor eine große Herausforderung. Aber die Geschichte der Zweiten Republik, die zeigt uns, dass es immer wieder ein Auf und Ab gegeben hat. Phasen des Aufschwungs und des Friedens waren immer wieder jäh unterbrochen durch Wirtschafts- und Finanzkrisen, Naturkatastrophen und gewaltsame Konflikte – auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.“
Gewaltsame Konflikte – auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft …Wir erinnern uns an den Vordenker, wie Alois Mock vor rund dreißig Jahren unter Beweis stellte, was für ein Vordenker er war, in unmittelbar Nachbarschaft … Vordenker für die Meeresküste, an die heute noch Menschen aus Österreich mit Freuden Sommer für Sommer eilen, nur im Sommer ’20 nicht, in dem ihnen die Freiheit zum Reisen genommen sein wird, für wie viele weitere Sommer noch? Von wem? Ach, einfach genommen wie gegeben. Wer könnte einen Namen nennen?
„Aber wir sind als Österreich und als europäische Staatengemeinschaft aus all diesen Krisen gestärkt hervorgegangen. Und so wird es auch diesmal sein, da bin ich mir sicher. Liebe Österreicherinnen und Österreicher! Unser Land hat die Corona-Krise bisher, Gott sei Dank, gut gemeistert. Gemeinsam konnten wir die Infektionskurve abflachen. Von fast 1.000 Neuinfizierten pro Tag im März auf weniger als 100 am Tag in der letzten Woche. Das ist ein erster und wichtiger Meilenstein. Und dieser Erfolg soll uns nicht stolz machen, aber wir dürfen – ja, wir dürfen uns sehr wohl darüber freuen. Und vor allem müssen wir auch dankbar sein, dass uns eine Entwicklung wie in Italien, Frankreich oder Spanien erspart geblieben ist. Ich möchte daher heute allen danken, die das möglich gemacht haben. Den Mitgliedern der Bundesregierung, den Parlamentsparteien, den Sozialpartnern und den Bundesländern. Und ich möchte heute auch allen danken, die in den vergangenen Wochen und Monaten in der kritischen Infrastruktur gearbeitet haben – in den Krankenanstalten, bei Polizei und Heer, in der Energie- und Wasserversorgung, in der Landwirtschaft, den Apotheken, den Supermärkten und in vielen anderen Bereichen, den Glaubensgemeinschaften dafür, dass sie über Ostern auf gemeinsame Feiern verzichtet haben. Und ich danke allen Menschen, die in Österreich leben dafür, dass sie die Maßnahmen mitgetragen haben. Ich weiß, das alles war und ist nicht einfach. Für uns alle ist es schmerzhaft, wenn man Freunde und Familie nicht sehen kann. In meiner eigenen Familie ist es nicht anders. Am Anfang da war es noch ganz okay, über Handy und Video in Kontakt zu bleiben. Aber mit der Zeit da wird es schwer, die eigenen Eltern, die eigene Oma und andere Menschen, die einem wichtig sind, nicht in die Arme schließen zu können. Besonders für all jene, die alleine leben oder die in Pflegeheimen leben, ist es furchtbar schwierig, wenn sie nicht von ihren Kindern und Enkeln besucht werden können. Und dann gibt es sehr viele Menschen, auch in meinem unmittelbaren Freundeskreis, in meiner Verwandtschaft, die zeitlebens hart gearbeitet haben, die gesund sind und auch arbeiten wollen, aber die nun in vielen Fällen in Kurzarbeit sind oder sogar ihre Arbeit verloren haben. Und natürlich: Es gibt viele Familien, denen es schwer zu schaffen macht, die Arbeit und die Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Gerade viele Alleinerziehende bringt all das an ihre Grenzen.“
Besonders für all jene, die alleine leben oder die in Pflegeheimen leben, ist es furchtbar schwierig, wenn sie nicht von ihren Kindern und Enkeln besucht … Oh, wie anders war es doch davor, ehe dieses unbarmherzige Virus für all jene … die zeitlebens hart gearbeitet und wollen — die Arbeit verloren …
„Und, sehr geehrte Damen und Herren, ich kann Ihnen heute nicht versprechen, dass von heute auf morgen alles so sein wird, wie es einmal war. Ich kann Ihnen auch nicht versprechen, dass die nächsten Monate einfach werden. Aber ich möchte Ihnen heute schon eines versprechen: Genauso wie wir von Anfang an rasch und konsequent gehandelt haben, um das Virus einzudämmen, genauso werden wir auch jetzt alles tun, um so schnell als möglich unsere Freiheit zurückzugewinnen. Wir befinden uns bereits – als eines der ersten Länder Europas – auf dem Weg der Wiedereröffnung unserer Wirtschaft und unseres gesellschaftlichen Lebens. Schritt für Schritt werden wir so viel Normalität wie möglich zurückgewinnen, aber auch die Infektionszahlen so niedrig halten, wie es nur irgendwie geht. Und unser Erfolg in der nächsten Phase – der Phase der Wiedereröffnung – der wird auch wieder vom Beitrag eines jeden Einzelnen abhängen. Und da die Regeln immer weniger werden und es vor allem auf eine Sache ankommt: nämlich die Eigenverantwortung. Je mehr jeder von uns, auch bei der Rückkehr in den Alltag, weiter Abstand hält, Mund-Nasen-Schutz trägt und auf die Hygiene achtet, desto rascher und unbeschadeter werden wir voranschreiten können. Und zwar alle gemeinsam – als Team Österreich. Sehr geehrte Damen und Herren!“
Alle gemeinsam – Team Österreich … Im unmittelbaren Anschluß an das Team Österreich wäre in Würdigung des einen Gründungsvaters ein Zitat von demselben, von ihm in einer ebenso heiligen Nacht gesprochen, ein ehrenreicher Platz gewesen: Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses …
„Eine Zeit der Krise, wie wir sie jetzt gerade erleben, zeigt uns wieder einmal, was im Leben wirklich zählt: Gesundheit, Familie, Freunde und natürlich wirtschaftliche und soziale Sicherheit. Sie zeigt uns auch, dass unser Lebensmodell der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und des Wohlstands zwar stark, aber nicht unverwundbar ist. Und sie erinnert uns daran, dass wir alle – jede Generation – hart dafür arbeiten müssen, um dieses Lebensmodell weiter zu stärken und auch noch resilienter zu machen.“
„Das ist unsere gemeinsame Aufgabe. In all diesen Zusammenhängen ist es die Corona-Pandemie, die längst die ganze Welt betrifft. Und die globale Wirtschaft steht vor der größten Rezession seit den 1930er Jahren. Österreich ist hier keine Ausnahme. Gerade als kleines exportorientiertes Land, mit einer großen Tourismus- und Kulturlandschaft sind wir natürlich besonders betroffen. Und an der aktuellen Lage, da gibt es auch gar nichts zu beschönigen. Es ist für uns alle furchtbar zu sehen, wie gesunde mittelständische Unternehmen unverschuldet in ihrer Existenz bedroht sind, wie langjährige Mitarbeiter gekündigt werden müssen. Gerade Gastronomie und Tourismus sind hier besonders betroffen. Aber auch andere, wie Ein-Personen-Unternehmer, Veranstalter und Kulturschaffende oder auch junge Gründer, die wissen heute oft nicht, wie sie weitermachen werden. Und auch, wenn unser gemeinsamer Feind, das Virus, nicht verschwinden wird, und wir die weltwirtschaftliche Situation als kleines Österreich kaum beeinflussen können, so versuchen wir in Österreich dennoch so gut es geht, zu unterstützen – mit Liquidität und Soforthilfe. Mehr als 14 Milliarden Euro sind bereits ausgezahlt worden und gerade, weil ich weiß, dass viele noch dringend auf Unterstützung warten, möchte ich heute auch betonen: Alle zuständigen Stellen arbeiten rund um die Uhr daran, dass die versprochene Hilfe auch überall dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Aber eins muss uns klar sein: Mit dieser Soforthilfe ist unser Weg des Wiederaufbaus noch lange nicht abgeschlossen – ganz im Gegenteil: Er hat gerade erst begonnen. Wir werden in diesem und in den kommenden Jahren alles daransetzen, um gemeinsam mit den mutigen Unternehmen und den fleißigen Mitarbeitern in Österreich den Wirtschaftsstandort zu seiner alten Stärke zurückzuführen. Wir sind als kleines exportorientiertes Land ein Stück abhängig von der globalen Wirtschaftslage. Aber dort, wo es in unserer Hand liegt, dort werden wir auch handeln. Wir werden unseren Weg der Entlastung, besonders für kleine und mittlere Gehälter, fortsetzen, verstärken und beschleunigen. Wir haben in der aktuellen Krise wieder gesehen, dass die Menschen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, nicht immer auch die sind, die den größten Bonus ausbezahlt bekommen. Egal ob Pflegepersonal, Sicherheitskräfte, Supermarktmitarbeiter oder viele andere. Wer hart arbeitet, der soll künftig auch mehr zum Leben haben. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, aber in Zeiten wie diesen auch notwendig, um den Inlandskonsum wieder anzukurbeln. Und gleichzeitig werden wir national und auf europäischer Ebene gegen alle Formen der Steuerflucht und gegen ungerechte Steuermodelle großer Konzerne ankämpfen – denn jeder soll, gerade in einer Zeit wie dieser, seinen fairen Beitrag leisten. Darüber hinaus werden wir verstärkt investieren, wo immer es sinnvoll ist – vor allem in Digitalisierung, Ökologisierung und natürlich Bildung. Und wir werden das Leben und Wirtschaften für alle so einfach wie möglich machen – durch konsequente Deregulierung und die Abschaffung von allen unnötigen Regeln. Der Staat muss und wird es künftig den österreichischen Unternehmen so leicht wie noch nie zuvor machen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten. Und schon diese Woche werden der Vizekanzler, mein Regierungsteam und ich die nächsten Maßnahmen in diesem Zusammenhang auf den Weg bringen. Das Ziel dabei ist klar: um jeden Arbeitsplatz in Österreich zu kämpfen. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Österreicherinnen und Österreicher! Wir erleben alle gemeinsam eine schwere Zeit. Wir müssen die Ausbreitung des Corona-Virus weiterhin eindämmen und gleichzeitig unsere Wirtschaft wiederhochfahren. Selbst wenn wir heute gut dastehen, können wir alle – wie andere Länder auch – entlang des Weges nicht ausschließen, dass es zu einer zweiten Welle der Ansteckung kommen kann. Aber wir sind, Gott sei Dank, ein starkes Land. Und wir alle, wir Österreicherinnen und Österreicher, werden unseren bisher erfolgreichen Weg fortsetzen. Wenn es andere Länder schaffen können, dann wird es uns genauso gelingen. Heute, an diesem Tag, an dem wir 75 Jahre Zweite Republik feiern, können wir mit Stolz auf unser Land blicken und dankbar sein für all das, was in unserer Republik bisher erreicht wurde. Aber wir können auch mit Mut und Zuversicht vorausblicken auf all das, was wir noch gemeinsam erreichen können: Auf das Comeback für Österreich, an dem wir alle beteiligt sein werden. Vielen Dank und alles Gute!“
Mit mutigen Unternehmen und den fleißigen Mitarbeitern will Sebastian Kurz in Österreich den Wirtschaftsstandort zu seiner alten Stärke zurückzuführen … Was für eine moderne, fortschrittliche Weltaufteilung, mutigeUnternehmen und fleißige … Mitarbeiter, die nur Mitarbeiter sind, werden bei dieser Zurückführung wohl nicht mehr gebraucht, und Mitarbeiterinnen gar nicht, die Mitarbeiterinnen werden in dieser Zurückführung woanders dringender gebraucht, daheim, in der Familie, die im Leben wirklich zählt … Die Fleißigen, eine Zuschreibung, die er wohl in einem Porsche von einem Fleißigen aufgeschnappt hat. Die zweite Zuschreibung, die stets von den Fleißigen im Verbund mit Fleißigen genannt wurde und wird, sind die Anständigen … Die zweite Zuschreibung hat er wohl vergessen, sonst hätte er wohl gesagt, mit mutigen Unternehmen und den fleißigen und anständigen Mitarbeitern … Wir erinnern uns an dieFleißigen und Anständigen, ihre Namen sind hypogut bekannt, deren Namen kann auch Sebastian Kurz wohl noch auswendig aufsagen, saßen für kurz wieder einmal auf Regierungsstühlen …
Zu seiner alten Stärke … Oh, was für eine Stärke! Kaum ist der „Corona-Shutdown“ von der Regierung verordnet, hat Österreich auch schon die höchste Arbeitslosigkeit in seiner fünfundsiebzigjährigen Geschichte. Dazu noch die „Kurzarbeit“ … zu seiner alten Stärke, was für eine Stärke, schon nach zwei Wochen des Regierungsdekrets weit über eine halbe Million arbeitslose Menschen, weit über eine Million Menschen in Kurzarbeit … zu dieser seiner alten Stärke fällt nur der Titel eines Films ein, der vor langer Zeit in den Kinos gezeigt wurde, und in etwa lautete: Unser Leben war ein schöner Schein …
Es hat Günter Traxler auf ein Interview aufmerksam gemacht, das sonst untergegangen wäre. Ein Interview mit dem zurzeitigen Innenminister in der Krone der österreichischen gutter press, wobei fraglich ist, ob sie noch die Krone aufhat, sich nicht schon längst wer selbst gekrönt hat.
In diesem abgedruckten Interview wird der zurzeitige Innenminister mit einem Satz zitiert, nun, mit einem Satz, der fortan dafür verantwortlich ist, den Innenminister gekleidet zu sehen, wie die „schwäbische Jungfrau“ auf der Fassade aus dem Jahr 1720, im Dirndl auf einem Feld …
„Die Verfassung ist nach wie vor in Kraft und wenn es …“
Eine „schwäbische Jungfrau“ im Jahr 1720, die nie aus Schwaben herauskam, der die rechtliche Lage in Österreich vollkommen gleichgültig war, hätte einen solchen Satz sagen dürfen, aber ein Innenminister im Jahr ’20, der um die Bestimmungen wissen müßte, welche Mehrheiten es rechtlich braucht, um eine Verfassung außer Kraft zu setzen … er wird um die verfassungsrechtlichen Bestimmungen Bescheid wissen, aber es wohl sich und seinem Chef hoch anrechnen, daß die „Verfassung nach wie vor in Kraft“ …
„Sie erwähnen bei diesen Auftritten seit Kurzem nach ‚Österreicherinnen und Österreicher‘ auch ‚die Menschen, die in unserem Land leben‘. Was ist da passiert? Mir ist einfach wichtig, dass wir als Polizei, wenn wir Maßnahmen umsetzen, auch Breitenwirkung entfalten müssen. Wir haben unsere Maßnahmen auch immer in mehreren Sprachen dargestellt. Unsere Zusammenarbeit mit der Integrations- und Frauenministerin, Susanne Raab, die uns mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern unterstützt, ist erstklassig. Wir haben zum Beispiel gesehen, dass sich die häusliche Gewalt verstärken kann, wenn die Einschränkungen länger andauern. Mit unserer Info-Kampagne geben wir Frauen zu verstehen, dass ihnen nachhaltig geholfen wird, wenn sie von Gewalt bedroht sind. Das sind alles verzahnte Maßnahmen, da ist es wichtig, dass sich alle Menschen in diesem Land angesprochen fühlen.“
„… ‚Für mich ist immer wieder unglaublich, wie diese Malerei damals entstanden ist‘, sagt Nehammer und wirft einen Blick auf die Fresken an der Decke. ‚Alles wirkt dreidimensional, als könnte man es angreifen, ist aber in Wahrheit nur gemalt.‘ …“
Selbst, schreibt Günter Traxler abschließend, in der Maske von der „schwäbischen Jungfrau“ werde Nehammer niemals der Stolz der Donau-Universität … eine Wette darauf abschließen, nur mit größter Zurückhaltung, vielleicht doch noch, wenn er nur mit kreativ angelegter Maske und Flex …
„Unsere Freiheit wurde durch die Standhaftigkeit des österreichischen Volkes errungen.“
Ein von Julius Raab unterzeichneter Satz, und darunter ein Vers von Anton Wildgans aus dem Gedicht aus 1920, aus seinem Gedicht mit dem Titel „Das österreichische Credo“, das vor einhundert Jahren geschrieben wurde. Was für ein Jubiläum.
„Unendlich ist was dieses Volk gelitten. Erniedrigung, Verfolgung, Hunger, Leid Und Trug es stark und trug’s Mit sanftem Bitten In Stolz und Demut Seiner Menschlichkeit.“
In seiner „Rede über Österreich“, die er vor neunzig Jahren hielt, spricht Anton Wildgans ein Loblied auf jene, die er in seinem „Credo“ als Verursachende nicht nennt, und er spricht von einem „Verderber, Versucher, Aufwiegler“, freilich auch diesmal, ohne einen Namen zu nennen …
Und dann, meine Damen und Herren, man muß dieses Volk in seinem tiefsten Unglück gesehen haben, in der Zeit, da die Not an jede Türe pochte und der Boden fast unter jeder Existenz schwankte! Die früher zu genießen verstanden hatten, die wußten jetzt ebenso zu entbehren und zu hungern! Und die Verzweiflung der Niedergetretenen, in diesem Volke ist sie niemals ausgeartet ins Unmaß der Wut, obwohl es derer genug gab, die seinen Zorn verdient hätten! Denn der Verderber, der Versucher, der Aufwiegler, er hat auch in ihm seine Köder ausgeworfen und seine Schlingen gelegt; aber in der Sündflut von Schmutz und Verwirrung, die jeder Zusammenbruch einer Staats- und Gesellschaftsordnung entfesselt, ist der Wesenskern unseres Volkes unversehrt geblieben, und jene, auf die es letzten Endes immer ankommt in einer Nation, die Priester und Diener an ihrem idealen Gut, sie haben um der Butter aufs Brot willen die Ehre nicht verkauft, sie haben das Brot lieber trocken gegessen. Der Künstler, der Gelehrte, sie haben mit frierenden Händen in schlecht beleuchteten Räumen ihr Werkzeug weiter gehandhabt, und während alles und jedes ringsum zusammenzubrechen drohte, haben Hungerskelette von Senaten unbeirrt das heilige, klare Recht gesucht und verkündet wie in den Tagen des Wohlstandes! Nein, meine Damen und Herren, eine härtere Probe auf die Seele und die Kultur eines Volkes wurde noch niemals gefordert, und der sie bestanden, das ist, von allen Geißeln gestriemt, von allen Dornen verwundet und an alle Pfähle geschlagen, der österreichische Mensch!
Menschen erinnern sich mit einem Male daran, auch die Kulturtechnik des Lesens zu beherrschen. Sie erkennen, das Lesen ist nicht allein für das Lesen von Rezepten geschaffen. Sie besinnen sich, das Lesen taugt auch zum Lesen von Literatur. Wie die verschreckte Person einst sitzen sie nun vor Büchern, und machen sich ihre Gedanken.
Da war einmal ein Mädchen, dem ging es schlecht. Das Mädchen war sehr schüchtern, hauptsächlich darum ging es ihm schlecht. Es war ihm nicht immer so gegangen. Zwar war es seit jeher ein verschlossenes Kind und blieb viel allein. Immerhin kamen an bestimmten Tagen Freundinnen von der Sorte, daß sie hinterher beim nächsten Straßeneck stehenbleiben und einen ausrichten. Sie blieben ein bißchen sitzen, jede in einer anderen Haltung, die ihr schön vorkam, tranken Tee, aßen, was man so daheim hat, und niemand machte sich darüber einen Gedanken. Denn wenn der Tee aus war, holte das Mädchen einen neuen von seinem bestimmten Laden und der Kommis dort war auch kein bißchen böse über den Verbrauch, er lächelte freundlich und lief an die Tür. Im stillen hätte er es gerne so gut gehabt wie die gedankenlose Person.
Denn sie war eine gedankenlose Person. Bloß in einem bestimmten Fall machte sie sich ihre Gedanken. Denn wenn die Freundinnen bei ihr im Zimmer saßen und das Gespräch kam auf einen merkwürdigen Menschen, den etwa eine von ihnen kannte, dann hatte die es sehr wichtig und ging im Zimmer hin und her und wußte alles von ihm bis auf seinen Schneider.
Sie aber, von der wir insbesondere reden, hatte einen Freund, und er war merkwürdig in mehr als einer Beziehung. Sein Haar trug er lang. Gallischer Witz funkelte auf seiner Lippe. Kräftig war er und behend, er spielte Fußball und schrieb. Er hatte die Augen von einem hochherzigen Räuber.
Wer ihn kannte, der mochte nicht mehr von ihm weg, so einzigartig war er. Sie dachte, wenn ich anfinge, von ihm zu reden, so wäret ihr alle miteinander ganz krank vor Neid und möchtet ihn mir gerne ausspannen. Deswegen redete sie nicht von ihm.
Jeden Tag dachte sie, ist es nicht herrlich, was für einen unvergleichlichen Freund ich habe. Da wurde alles so reich, wenn er kam, und die Einfälle hüpften ihm nur so heraus. Er sprach eine Masse und legte sich hin im Sprechen, wie er sich bei jedermann hinlegte, und sie ließ ihn, wie jedermann ihn ließ und aus ihm ein Wesen machte.
Tat er es mit dem Gang wie ein Panther, mit seinem freien Hals, tat er es mit den Augen, in denen tief ein Rätsel steckte und an ihr ritzte, tat er es mit dem Lächeln, das übersprang? An ihn war sie verloren, es konnte gar kein anderer sein. Nachts liefen sie stundenlang zusammen in den Straßen herum. Eine solche Gewalt war in ihr, und der Mond war so schön, sie hätte den Mond aufessen können.
Aber sie durfte nur weiblichen Umgang haben, einen anderen hatte der Freund ihr verboten. Und so hing es nach einer Seite, denn sie hätte doch immer gern die gescheiten Menschen gekannt. „Eines Tages“, sagte er, „werde ich von dir gehn, dann ist immer noch Zeit für die anderen.“ Dann weinte sie. Er sagte es ihr oft vor, denn er dachte, das bin ich meiner genialen Veranlagung schuldig. Und so weit hatte er sie, daß sie solche Reden von ihm ertrug und ihn nicht verließ. Denn dies hatte er ihr eingefleischt, daß sie vor allen Dingen Nachsicht haben mußte mit seinen Schwächen.
Die Zeit verging, die Mark fiel, die Freundinnen blieben aus. Es kam jener Tag, an den es ihr ging wie vielen, ihr kleines Kapital war nur noch sehr wenig wert. Diesmal z. B. konnte sie nicht mehr daran denken, sich was zum Anziehen zu kaufen. Sie fror im Zimmer, das nicht geheizt war. In der galoppierenden Armut fand sie sich nicht zurecht.
Sie hatte so wenig Wirklichkeitssinn. Sie war wie in einem großen Wald, aus dem sie nicht herausfand. Oder sie war wie ein Taubstummer auf der Straße, und wen sie in der ihr eigentümlichen Sprache ansprach, siehe, er ging weiter und machte sich nichts zu wissen von ihren ungelenken Zeichen. Was sie gelernt hatte, war brotlos. Sie wußte nicht, wie die Menschen sich untereinander bewegen und durch welche geheime Vergünstigung einer es so weit bringt, daß er seiner bestimmten und bezahlten Arbeit nachgeht. In ihrer Unkenntnis stellte sie sich das viel rätselhafter vor, als es in Wirklichkeit war, und da keiner ihr eine Anleitung gab, blieb sie immer verschreckter in ihren vier Wänden sitzen und scheute an den Menschen. Und jetzt war sie richtig ein Mädchen, dem es schlecht ging. Die Mark war schon wieder weniger wert.
Der Freund kam immer noch und tat, als merke er nicht, wie hungrig sie es hatte, so zartfühlend war er, und er rechnete es sich hoch an. Es war eben ein unvergleichlicher Freund, und es wäre nicht angegangen, ihn aus seinen inspirierten Zuständen in ihre Niederungen herabzuziehen, wo es sie auf den Boden preßte. Auch er lebte von der Hand in den Mund, blitzartig konnte er sich dann wieder helfen. Er nahm es nicht genau mit dem Gesetz, aber er zog sie da nicht hinein. Er sagte, „komm, wir gehen einmal wieder miteinander spazieren.“
Dann wußte sie immer eine Ausrede, bald war sie krank, bald war es ein anderer Grund, und jedenfalls mußte sie sich in ihrem Zimmer verhalten. Sie wollte aber nicht, daß er sich an ihrer Seite genieren müsse, für ihr altes Kleid. Wenn er mit ihr allein war, sah er von dem ärmlichen Kleid ganz ab, und alles rechnete er sich hoch an.
Da kam an einem merkwürdigen Tag eine frühere Freundin, über die man sich nie etwas gedacht hatte, und wollte nicht sagen, warum sie kam, sie nahm auch keinen Tee an und als sie ging, lagen auf dem Tisch zwei große, gelblich duftende Äpfel, die hatte sie mitgebracht. Unsere verschreckte Person saß lange da und sah sich ihre zwei Äpfel an, einen ganz roten Kopf hatte sie bekommen. Es überwältigte sie, daß man ihr in der galoppierenden Armut etwas schenkte und nicht einmal etwas dafür verlangte.
Sie roch an dem Apfel, und gerade an einem Apfel hatte sie schon lange nicht mehr gerochen, sie sagte sich vor, daß sie ihn ganz allein aufessen konnte, und aß. Dabei hielt sie ständig den anderen Apfel im Auge, als könnte er ihr ungefähr wieder genommen werden. Den wollte sie nämlich für den Freund aufheben, bis er einmal wieder kam.
Sie rieb ihn ab mit zärtlichen Händen, bis er überall einen gleichmäßigen Glanz annahm. Sie legte ihn in eine Schale, und wie er so darinnen lag in Erwartung dessen, für den er bestimmt war, war er für sie noch einmal so schön.
Sie konnte kaum die rinnende Zeit mehr ertragen, bis der Freund erschien. Sie wollte ihm an die Tür entgegengehn und sagen, ich habe lange nichts mehr für dich gehabt, jetzt komm nur schnell herein, heute habe ich was, das darf ich dir geben. In der Nacht sprang sie aus dem Schlaf heraus, ihr hatte geträumt, der Apfel war weg. Aber wie sie hinschaute, da lag er noch in seiner Schale, sie schlief gleich wieder ein.
Der Freund blieb lange aus. Sie ging vorsichtig um ihren Apfel herum, kein Hauch durfte ihn treffen, damit er nicht schneller verderbe. Du liebe Zeit, dachte sie, er wird richtig daherkommen, wenn es meinem Apfel schon schlecht geht.
Immer dringender wurde sie in eine törichte Sparsamkeit hineingetrieben. Als wieder einmal die Flasche leer war, hatte sie nicht einmal das Geld, um neuen Brennspiritus zu kaufen. Da gab es kein warmes Getränk mehr in den Leib, und an einem trüben Mittag aß sie einen rohen Suppenwürfel auf, der von früher noch dalag, wie er eingewickelt aus der Fabrik kam, und der Ekel machte sie ganz krank. Aber den Apfel rührte sie nicht an.
In der Nacht befiel den Mann, den sie kannte, ein Bedürfnis, mit ihr zusammen zu sein als mit einem Menschen, bei dem er sich gehen lassen konnte. Im grauenden Morgen warf er an ihr Fenster einen kleinen Stein und schreckte sie aus ihrem Schlaf auf. „Laß mich hinauf“, sagte er über die Straße hin, und als sie ihn unten stehen sah, war es für sie der große Moment. Er ging dann auf ihr Zimmer. Später legte er sich für einige Stunden auf ihr schmales Bett, sagte „ich bin müde.“
Sie stand selber auf, um ihn ungestört ruhen zu lassen, kleidete sich fröstelnd an. Sie stieß an einen Schuh, der da stand. Halbwach warf er sich herum, er verbat sich den Lärm. Gleich darauf versank er. Wie Adam sah er aus in seinem starken, unbekümmerten Schlaf. Sie schlug den Vorhang so über das Fenster, daß kein störendes Licht auf sein Bett fiel. Dabei knarrte der Boden, und sie befürchtete ihn zu wecken.
So blieb sie am Fenster stehn und rührte sich nicht. Wie ein Eindringling stand sie zaghaft in ihrem Eigentum. Sie zog sich auch keinen Stuhl herbei, sie befürchtete dabei ein kleines Geräusch.
Der helle Tag kam sehr stark hinter den Häusern herauf, bald schreckte da und dort ein Vogel auf und sang sich vollends in den Schlaf. Etwas später schrie schon eine ganze Schar vieltönig durcheinander. Immer wieder riß sie ihre Augen auf, weil sie ihr blind wurden vor Schlafbedürfnis, und daß sie sich hier mit Anstrengung des Leibes für ihn wach hielt, das war ihr gerade recht. Sie dachte, wie gut, daß mein Apfel noch schön ist.
Als er ausgeschlafen hatte, zog er sich gleich an und wollte ein Frühstück. „Bloß einen einfachen Tee“, sagte er, „daß man was Warmes in den Leib hat“, und er rechnete es sich hoch an. Tee wäre noch dagewesen, aber der Spiritus fehlte, und sie hatte für sich selbst nicht einmal ein Stück Brot.
Aber sie lachte mit einer tapferen Nachsicht über die eigenen kleinen Nöte. Sie stellte ihm die Schale mit dem einzigen Apfel hin. Noch freute sich sich daran, daß einem Leib, den sie liebte und der dampfend aus einem Bett stieg, die kühle in den Morgen duftende Frucht hingegeben werde. Erst vor seinem wartenden Blick erblaßte sie. Er wartete eine ganze Weile auf die Zutat, aber sie schloß keinen Kasten auf, ihm zu bereiten, was drinnen war, es lag ja nichts drinnen. Sie hielt die Hände noch so hin in der zagen Erwartung eines guten Wortes, das von ihm zu ihr kam, und eine langsame Röte stieg in ihr Gesicht, weil sie ganz arm war. Nie hätte sie ihm verraten, wie es um sie stand.
Da fing er an zu begreifen, daß er einen kalten Apfel in den nüchternen Magen hineinspeisen werde. Bei dieser Vorstellung fror er und merkte, daß das Fenster offen stand, und es war ihm zuwider. Er stand noch eine Weile herum, erzählte eine unklare Geschichte von einer Schwägerin, bei der es auch nichts gegeben hatte, und sagte es nicht direkt, daß der Apfel auf den leeren Magen für ihn eine Zumutung bedeute. Sie gab für ihr Verhalten keine Erklärung ab. Es war gar nicht so lange her, da hatte er eine Studentin mitgezogen ein ganzes Jahr, er hatte sie genährt und gekleidet, er hatte ihre Bude bezahlt. Das ging ins Auge, er kannte sich damit schon aus. Er würde es nie wiederholen.
Der Freund tat, was er sich vor einigen Minuten vorgenommen hatte, er ging und sagte noch, sie solle keinen Roman daraus machen. Nicht um die Welt hätte sie sich ihm erklären können, aber das Unglück hat ein Gesicht.
Etwas später ging das Mädchen durch dieselbe Tür. Sie hatte einen Apfel bei sich, den wollte sie einem Kind geben, damit wenigstens ein Mensch sich daran freue. Sie war schon so eine Person, die auf empfindsame Zusammenhänge ausging.
Es wurde in einem Kapitel bereits erzählt, von dem Roman von Leo Perutz, dessen Titel Ende der 20er Jahre zum geflügelten Wort wurde: „Wohin rollst du, Äpfelchen …“
Für die Menschen vor beinahe einhundert Jahren faßte „Wohin rollst du, Äpfelchen …“ alles zusammen, was sie bewegte, dem sie ausgesetzt waren: materielle Not, weltanschaulichen Wirrnissen, kurz auf den Punkt gebracht: mannigfachen Unsicherheiten …
Einhundert Jahre später, wieder in den zwanziger Jahren, diesmal aber an deren Beginn, sind es wohl wieder die gleichen mannigfachen Unsicherheiten, die die Menschen bewegen, denen sie ausgesetzt sind, von denen sie sich bewegen lassen, denen sie sich aussetzen … wohin werden sie diesmal das Äpfelchen rollen …
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