„13 Jahre später (!), bekam sie einen negativen Bescheid. Zum Schutz ihres neugeborenen Kindes floh die Frau daraufhin für einige Zeit nach Belgien. Von hieraus bat sie in der Bundesrepublik um die Aufnahme […] Dies wurde ihr wiederum abgelehnt, da sie sich ja bereits in Belgien befände. Nun hat die Frau, die inzwischen wieder seit Jahren in der Pfalz lebt, als letztes Mittel zum Schutz vor einer Abschiebung um Asyl in Deutschland gebeten. Dies wurde ihr schnell abgelehnt, jetzt soll sie rasch [..] abgeschoben werden.“
Und der Einsatz für eine „Volksdeutsche“ kann nur ein total gesinnungsgemäßer sein. Für diesen totalen Einsatz wird wieder einmal alles aufgeboten, was identitär nur aufgeboten werden kann, werden identitäre Propagandamagazine um identitäre Propagandamagazine abgefeuert.
„Diese Menschen haben vermutlich Unterdrückung in einem Leben voller Arbeit hinter sich, die die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten nicht kennen. Umso unfassbarer ist der Fall, den nun die offizielle ‚Interessensgemeinschaft der Russlanddeutschen in der AfD‘ aufdeckt. Seit 2015 ist der Missbrauch des Flüchtlingsstatus durch Scheinasylanten in allen Medien. Scheinbar täglich wird den Deutschen vor Augen geführt, wie leicht meist afrikanische Einwanderer die deutsche Gesetzeslage spielerisch umgehen können. Nun geschieht das Unfassbare. Eine Volksdeutsche aus Russland, die seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, soll als abgelehnte Asylbewerberin abgeschoben werden. Die Interessensgemeinschaft der Russlanddeutschen in der AfD stellt hierzu klar: Deutsche wird abgeschoben – Illegale dürfen bleiben! Täglich neue Beweise, dass wir in Absurdistan leben. Eine russlanddeutsche Frau aus Germersheim (Rheinland-Pfalz) soll abgeschoben (!) werden, obgleich beide Eltern Russlanddeutche sind. Man stelle sich das vor: Illegale muslimische Migranten wandern massenhaft ein, IS-Mörder dürfen bleiben. Aber Deutsche (!) werden abgeschoben.„
Was dabei auch nicht fehlen darf, ist die recht besondere identitäre Geschichtsschreibung …
„Die goldene Zeit war mit dem unglücklichen Krieg zwischen Deutschland und Russland 1939 vorbei. Der neue Diktator Joseph Stalin wollte als Antwort auf die deutschen militärischen Erfolge die völlige Vernichtung der Russlanddeutschen.“
Der „unglückliche Krieg zwischen Deutschland und Russland“ begann also bereits „1939“ … Ach, ein „unglücklicher Krieg“, ja, von FPÖ unzensuriert kann Geschichte gelernt werden, schon 1939, und nicht erst 1941 … das, was 1941 geschah, war nicht der Kriegsbeginn zwischen Deutschland und Rußland, sondern nur ein vom österreichischen Kinderbandenführer angeführter Überfall auf eine Kinderbande eines Nachbarorts … Oh, und was für ein „neuer Diktator“ Josef Stalin 1939 war, der seit 1927 …
So blieb ihm keine andere Wahl, als sich die „Bajuwaren-Brigade“ zum Vorbild zu nehmen, ihr Wiedergänger, auch ihr Wiedergänger zu werden.
„Der Gau Salzburg ist somit mit Ausnahme weniger noch anwesender Zigeuner nunmehr zigeunerfrei. Soweit noch Zigeuner hier sind (etwa 20) handelt es sich um Zigeunerfamilien, die schon seit vielen Jahren entweder in der Gauhauptstadt oder in einzelnen Orten im Gau Salzburg ansässig sind und sich einigermaßen sozial angepasst haben, zum Teil sind sie auch mit Deutschblütigen verheiratet. Hinsichtlich dieser restlichen Zigeuner sind vom Reichssicherheitshauptamt noch besondere Maßnahmen vorgesehen. i. A. (Huber) SS-Obersturmführer und Kriminalkommissär“
Bei diesem Huber wird es wohl um Max Huber handeln, geboren in München. Es gibt auch einen Franz Josef Huber, ebenfalls geboren in München: Leiter der Geheimen Staatspolizei sowie Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in den Reichsgauen Wien, Niederdonau und Oberdonau und SS-Obersturmbannführer.
Die Gestapo-Schaft aus München ist bekannt als „Bajuwaren-Brigade“ …
Die Hubers haben in dem in Gaue aufgeteilten Österreich barbarisch gewütet, gemordet …
Franz Josef Huber starb in München, am 30. Jänner 1975, bis zu seiner Pensionierung führte er das wohl stille und unauffällige Leben eines Buchhalters in einer Firma für Büromaschinen …
Max Huber und seine Ehefrau starben am 6. Mai 1945 durch Selbstmord. Franz Fuchs starb am 26. Februar 2000 durch Selbstmord in der Ausstellungsstadt.
„Salzburg, den 5. April 1943 An den Gauleiter und Reichsstatthalter des Reichsgaues Salzburg in Salzburg Betrifft: Zigeunerlager Salzburg. Bezug: Frühere Vorgänge. Auf Grund des Erlasses des Reichssicherheitshauptamtes Berlin vom 26. I. 43 – Tgb. Nr. V A 2 Nr. 48/43 –g– wurden die Zigeuner und Zigeunermischlinge des Zigeunerlagers Salzburg am 1. und 3. April 43 zum grösseren Teile in das Konzentrationslager Auschwitz, der Rest in das Zigeunerlager Lackenbach (N.D.) überstellt. Das Zigeunerlager Salzburg wurde gleichzeitig aufgehoben, womit auch die Vermittlung von Zigeunern in den Arbeitseinsatz entfällt.“
„St. Pölten nicht nur judenfrei, sondern auch zigeunerfrei.“
Das sind lediglich zwei Beispiele. Das eine von Wiedergängerinnen monarchisch österreichischer Vergangenheit aus dem Burgenland, die bereits als „illegale Nationalsozialisten“ ihre Auslöschungsphantasien in der Nachfolge propagandierten, das andere aus 1941 aus St. Pölten, wo Oberbürgermeister Emmo Langer im Stadtrat vor seinem Schöpfer die Meldung machte: „St. Pölten nicht nur judenfrei, sondern auch zigeunerfrei“ …
Nirgendwo wurde „judenfrei“ und „rassenfrei“ gefordert, stets aber „judenfrei“ und „zigeunerfrei“, und es ist nicht vorbei, weiter ist zu hören, „judenfrei“ und „zigeunerfrei“. Deshalb muß es auch stets heißen: gegen Antisemitismus, gegen Antiziganismus, gegen Rassismus.
„Eine sumpfige Landschaft […] 1740 […] eine Gruppe von Zigeunern unter […] Wäre da nicht der ‚lange Arm der Monarchie‘, der […] Soldaten […] anwirbt …“
Das ist aus dem Werbetext der Volksoper für die bevorstehende Premiere der Operette „Der Zigeunerbaron“ von dem wienerischen Silvesterhergott am 29. Februar 2020 …
Die Volksoper wirbt für die Operette und zugleich, da sie „Zigeuner“ nicht in Anführungszeichen setzt, scheint ihr dieses Wort ein ganz selbstverständlich zu verwendendes, ein gänzlich unbedenkliches Wort zu sein. Hingegen kann die Volksoper sogar dort Anführungszeichen setzen, wo sie nicht vonnöten – „der lange Arm …“ Wie viele Variationen gibt es davon? Der lange Arm des Gesetzes. Der lange Arm der Stasi. Der lange Arm des Staates … stets ohne Anführungszeichen, sogar den langen Arm der Monarchie werden Sie in vielen Texten finden, gänzlich ohne Anführungszeichen. Über das Verwenden von und über das Nicht-Verwenden von Anführungszeichen kein weiteres Wort mehr, es wurde bereits im Kapitel über das größte Operettenhaus des Landes ausgeführt, was davon und was daran …
Mit der Aufklärung war im 18. Jahrhundert das ethnologische Interesse am Menschen im Allgemeinen und am Mitmenschen im Besonderen auf politischer wie auch auf wissenschaftlicher Ebene in den Fokus der Betrachtung gerückt. Das „Interesse an der Ethnokultur“ der Romgruppen ist in der Aufklärung jedoch kein naives, neugieriges Interesse am Fremden oder Anderen, sondern vielmehr von den aufklärerischen Gedanken der Nutzbarmachung des Menschen durchdrungen. Man „entdeckt […] die ‚Zigeuner‘ als wertvolles Menschenmaterial, dass dem Staat gewonnen werden soll.“
Die Zigeuner werden zum Nutzobjekt für die nach den Regeln der Logik und Vernunft angestrebte Optimierung der physiokratischen und agrarökonomischen Wirtschaftskonzepte, denn „Ländereien, die in ihrer natürlichen Eigenschaft ganz hervorragend sind, können ohne entsprechende Arbeitskraft keine Nation bereichern“. Damit werden die Zigeuner als bisher ungenutzte Ressource erkannt und man beginnt etwa ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, diese Ressource auszubeuten. „Umerziehung und Missionierung, Zwangsarbeit und Seßhaftmachung sind folgerichtig die Stichworte dieses neuen Diskurses über die ‚Zigeunerfrage‘.“
Neben Preußen, Hessen-Nassau und Württemberg, die in unterschiedlichem Ausmaß eine Zwangsassimilation der Zigeuner vorantreiben, greift vor allem in Österreich ein solcher Versuch der Zwangsintegration von Zigeunern während der Regierungszeit Maria Theresias (1740-1780) und Josephs II. (1765-1790). In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, hielt die österreichische Politik unter Josef I. (1705-1711) und Karl VI. (1711-1740) an den Leopoldinischen Erlässen von 1688 und 1689 fest, nach denen alle Zigeuner als vogelfrei erklärt und bei Ergreifung sofort zu exekutieren waren.
Unter Maria Theresia gab es in der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts die „ersten staatlichen Versuche, Zigeuner in den Gesellschafts- und Wirtschaftsverband der Untertanen zwangsweise zu integrieren, sie zu assimilieren und als Steuerzahler für den Staat nutzbar zu machen.“ Zunächst wurden die Romgruppen per Erlass von 1758 dazu gezwungen, sich niederzulassen. Es wurde ihnen der Besitz von Kutschen und Pferden untersagt, um das Herumziehen zu unterbinden. Land, Saatgut und Baumaterial wurden ihnen mit der Absicht zugeteilt, sie an einem festen Ort zu konzentrieren. Der Militärdienst wurde ebenso wie die Lehre eines Handwerks für sogenannte „Zigeunerknaben“ verpflichtend. Im Gegenzug dazu wurde die Ausübung der ambulanten Berufe der Zigeuner (Kesselflicker, Schmiede, Pferdehändler etc.) untersagt. Mit der Zigeunerregulative von 1761 folgt Maria Theresia dem spanischen Vorbild des 17. Jahrhunderts und untersagt den Gebrauch des Wortes „Zigeuner“. Als Ersatz wird die Bezeichnung „‘Neubauern‘ oder ‚NeuUngarn‘“ verordnet um damit „die Fremdartigkeit aus der Welt [zu] schaffen“. 1767 wurden die Zigeuner der jeweiligen örtlichen Gerichtsbarkeit unterstellt (die bis dahin den jeweiligen Woiwoden, den Stammesfürsten der Romgruppen, oblag). Die Regulative von 1773 war schließlich die juristische Umsetzung des in der Aufklärung entstehenden Rassegedankens und des „von der breiten Öffentlichkeit diskutierten Kausalzusammenhangs zwischen Rasse und Kultur“: Die Ehe unter Zigeunern wurde untersagt, dafür die Vermischung von Zigeunern mit Nichtzigeunern staatlich gefördert. Gleichzeitig sollten alle Zigeunerkinder älter als fünf Jahre ihren Eltern weggenommen und „christlichen Mitbürgern zur Erziehung übergeben werden“. Die Absicht dieser rigiden Maßnahmen war deutlich: die Fortpflanzung der „zigeunerische Rasse“ sollte unterbunden werden und ihre Angehörigen in der Mehrheitsgesellschaft aufgehen, sodass es irgendwann keine „genetischen Zigeuner“ mehr gäbe.
„An die Stelle der in den anderen deutschen Ländern noch üblichen Stigmatisierungen, Leibesstrafen und Landesverweisungen tritt unter Maria Theresia der Versuch, die Zigeuner als ethnische Gruppe mit Gewalt zu assimilieren und ihren Fortbestand zu verhindern.“ Kaiser Joseph II. führte in seiner Regierungszeit die Assimilierungspolitik Maria Theresias weiter und verschärfte sie noch durch die Zigeunerregulative von 1783, in der unter andrem das Sprechen von Romanes, der „Zigeunersprache“, verboten wurde und die Zigeuner zwangsweise die Sprache und Tracht der Gegend anzunehmen hatten, in der sie als „Neusiedler“ sesshaft gemacht wurden. Ebenso gab es Bestrebungen, sie verpflichtend der christlichen Religion nahezubringen, und ihre traditionellen Erwerbsquellen wurden immer umfassender unterbunden, sodass sie den für sie vorgesehenen agrarischen Beschäftigungen nachzugehen hatten. „Das Regulativ vollzieht faktisch die Nichtanerkennung der Zigeuner als eigenständiges Volk.“ Im aufklärerischen Absolutismus wird ergo die ethnische Eliminierung der Zigeunerstämme als oberste Prämisse der Zigeunerpolitik angesetzt. Der Zwangsassimilation folgt im Jahrhundert jedoch keine Integration in die Mehrheitsgesellschaft. Zwar hat man die Zigeuner weitestgehend dem Leben der ländlichen Bevölkerung angepasst, trotzdem akzeptiert man sie nicht als Teil der Gesellschaft. Eine Eingliederung passiert nur auf kultureller Ebene über die Repräsentation, und zwar einer Repräsentation die nur im Sinne des „Darstellen-von“ etwas zu verstehen ist, nicht aber im Sinne des „Sprechens-für“ etwas oder jemanden. So werden Zigeuner in jeglicher Kunstrichtung zitiert und verhandelt, der Zugang zu der kulturellen Identität, welche diese Kunstwerke hervorbringt, bleibt ihnen jedoch verwehrt. Der Subjektstatus wird ihnen nicht zuerkannt in einer Epoche, die sich natur- und geisteswissenschaftlich mit dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ befasst und darauf ausgerichtet ist, den Menschen als vernünftiges, eigenständiges Individuum zu begreifen. Und die gleichzeitige Verwertung der Zigeunerstereotype für Kunst und Kultur tragen zur weiteren Ausgrenzung bei. „Während also an höchster Stelle daran gedacht wurde, die Zigeuner im Sinne des aufgeklärten Absolutismus in die Gesellschaft zu integrieren, war eben diese Gesellschaft nicht bereit, in den Zigeunern etwas anderes zu sehen, als es Vorurteile und Aberglaube ihr zutrugen“.
Es war 1761 kein hehres Ansinnen von Maria Theresia Habsburg, das Wort „Zigeuner zu untersagen“. 259 Jahre später aber könnte es wenigstens so weit gebracht worden sein, dieses Wort nur noch unter Anführungszeichen …
Langer Refrain aus Österreichs wahrer Nationalhymne
Ich lade gern mir Gäste ein, Indes, was mir als Wirt steht frei, duld‘ ich bei Gästen nicht! So pack‘ ich ihn ganz ungeniert, Werf‘ ihn hinaus zur Tür. Und fragen Sie, ich bitte, warum ich das denn tu‘? ‚S ist mal bei mir so Sitte, Werde grob ich sehr! Duld‘ ich nicht Widerspruch. Nicht leiden kann ich’s, wenn sie schrei’n. Wer mir nicht pariert, Sich zieret wie ein Tropf, Dem werfe ich ganz ungeniert Die Flasche an den Kopf! Und fragen Sie, ich bitte, Warum ich das denn tu‘? ‚S ist mal bei mir so Sitte.
In Österreich hingegen, in Österreich hingegen wird Nachgeschichte so bedacht, wie Vorgeschichte bleiben kann. Von dem Mann, der in Österreich wieder das Amt des, oder abgekürzt einfach: Vom Bundeskanzler des Wiedergangs bis …
„Eine sumpfige Landschaft irgendwo im habsburgisch-verwalteten Banat rund um das Jahr 1740. Der Vielvölkerstaat vereint hier Großbauern und Lebenskünstler: im Gutshof den Schweinezüchter Zsupán, daneben eine Gruppe von Zigeunern unter […]“
So wirbt die Volksoper im Jahr 2020 in Österreich für die bevorstehende Premiere am 29. Februar 2020 … „eine Gruppe von Zigeunern unter“, ganz ohne Anführungszeichen.
Daß die Volksoper in Verehrung von Johann Strauß werkgetreu nicht auf „Zigeuner“ verzichtet, kann durchaus verstanden werden, 2020 aber dieses Wort, das für Hunderttausende Menschen ein nicht freiwillig gelöstes Zugticket nach Auschwitz war, nicht wenigstens in Anführungszeichen zu setzen, nun, das führt unweigerlich tief in die Geschichte, die weit vor Auschwitz beginnt, der sogenannten Wiener Operette, in denen die Menschen vorkommen, von denen die Volksoper ganz ohne Anführungszeichen …
„Komm, Zigan, spiel mir was vor.“ Aus „Gräfin Mariza“. 1924 im Theater an der Wien uraufgeführt.
„Es überrascht also nicht, dass auch das Zigeunerstereotyp in Libretto und Musik hier ausschließlich als Element der Couleur locale funktionalisiert ist. Die Zigeuner illustrieren die ungarische Provenienz der Operette ebenso wie Csárdás, Mulatság und Tokajer. Umso bedeutender ist die Untersuchung der Funktionalisierung des Stereotyps, da es hier nicht mehr darum geht, die Zigeuner der Mehrheitsgesellschaft konträr gegenüberzustellen um damit letztere positiv oder negativ zu zeichnen, sondern weil die Zigeuner hier lediglich noch als Staffage der Ungarnsehnsucht fungieren, selbstverständlich jedoch mit allen diffamierenden und diskriminierenden Elementen des Stereotyps. Anders als in Strauß‘ Zigeunerbaron oder in Lehárs Zigeunerliebe, spielen die Zigeuner in Gräfin Mariza keine dramaturgisch bedeutende Rolle mehr. Abgesehen von Manja und Berko, die hauptsächlich im ersten Akt ihren Auftritt haben, werden die Zigeuner hier als musikalisches Kollektiv behandelt, als Dienstleister, die, als Kapelle gebucht, bei den Festlichkeiten der ungarischen Aristokratie auftreten. Darüber hinaus wird im gesamten Libretto der Operette viel über sie, selten jedoch mit ihnen gesprochen. Manjas Worte klingen rätselhaft, fast delphisch und sie steht damit in der Tradition des Stereotyps der magischen, hellsichtigen Zigeunerin, was auch von Berko umgehend unterstrichen wird, wenn er zu Tschekko sagt: ‚Horch, das ist Manja, die Hexe!‘ Die ungarische Tradition, Zigeunerkapellen sozusagen als Hofmusiker zu engagieren, die seit dem Entstehen derselben modern wurde, wird in Gräfin Mariza mehrfach aufgegriffen. Wie in IV. besprochen wurde, engagierten sich ungarische Aristokraten häufig Roma als Hofmusikanten, welche dann bei Hofe tatsächlich in recht angesehener Position lebten. So jedenfalls der positive Zustand – nicht selten kam es jedoch auch vor, dass Roma in Leibeigenschaft und gezwungenermaßen auf den Gütern der magyarischen Feudalherren leben mussten. Vor allem zu festlichen Anlässen wurden die sogenannte ‚Zigeunermusik‘ engagiert und so kündigt auch in der Operette Graf Populescu das Erscheinen der Gräfin an: ‚Gräfin Mariza…die süße kleine Mariza kommt nach Hause. Sie hat schon die Zigeuner bestellt.'“
„Gerade in der frühen Phase der Wiener Operette wird deutlich, dass sogenannte ‚Outcasts‘ (eben die Zigeuner im Zigeunerbaron, aber auch Gruppen wie Schmuggler, beispielsweise in Millöckers Gasparone) […] Was in diesem Zusammenhang auf der Operettenbühne nicht dargestellt wird, ist ein realistische Bild einer real existierenden Marginalgruppe.
‚Auf gesellschaftliche Wahrheiten wird dabei natürlich kein Wert gelegt. Sämtliche Klischeebilder, die mit Zigeunern verbunden werden […] kann man in Operetten, in denen Zigeuner vorkommen, begegnen, nicht aber ihrer Not und ihrer ständigen Verfolgung durch die ansäßige Bevölkerung.‘
Im Zigeunerbaron wird ein stilisiert-geschöntes und in höchstem Maße stereotypes Fremdbild propagiert. Dabei werden jedoch alle negativen Komponenten des Zigeunerstereotyps mitangesprochen und tradiert, man denke hierbei an die Diffamierung der Zigeuner als Diebe, Mörder, Betrüger, Schwarzmagier etc. Diese verallgemeinernden Generalvorwürfe werden ebenso von der Bühne in den Zuschauerraum und von dort in die Alltagswirklichkeit des Publikums hineingetragen, wie die romantisierte Zigeunerfigur, die Metapher für Freiheit und Unabhängigkeit (vgl. hierzu die Ausführungen zur Wirkung von Stereotypen in III. E I).“
„Wenn ich Sie, mein Führer, für ein paar Augenblicke erheitern und von Ihrer verantwortungsvollen Arbeit ein wenig ablenken konnte, so bin ich darüber unendlich stolz und glücklich.“
Lenkte Marika Rökk, die wohl heute noch für viele schlechthin Gräfin Mariza ist, Herrn Hitler, dem eine lehársche Operette die liebste gewesen sein soll, auch mit „Gasparone“, verfilmt 1937, ab, wie sie nach 1945 weiter mit Operette, dann aber alle demokratisch ablenkte, von der Arbeit der „Aufarbeitung“ …
„Lehár selbst arbeitete die Zigeunerliebe zu einer, wohlgemerkt sehr ‚arisierten‘ Opernfassung um, welche im Kriegsjahr 1943 in Budapest uraufgeführt wurde.“
Jan Christoph Jonas Liefhold stellt seiner Diplomarbeit,
„‚So elend und so treu…‘ Die Konstruktion und Funktion eines Zigeunerstereotyps und dessen Erscheinungsbild in der Wiener Operette (1885-1938) im soziologischen Kontext der Entstehung stereotyper Fremdbilder“
„Die Genese von Stereotypen und Vorurteilen, basierend auf der Tendenz des Menschen, in Eigen- und Fremd-Gruppen zu kategorisieren, ist, ausgehend davon, dass die europäische Mehrheitsgesellschaft schon über Jahrhunderte hinweg ein Zigeunerstereotyp konstruiert und tradiert hatte, bevor die erste Wiener Operette entstand, für selbige von Bedeutung, da hier die Stereotype einem Publikum präsentiert wurden, welches durch seine Mobilität selbst Einfluss auf die Werkgenese der Operetten genommen hatte. In anderen Worten bedeutet dies, dass Komponisten und Librettisten mit ihren Werken den Forderungen des Operettenpublikums entsprachen und ihm hierfür stilisierte, ja geradezu verkitschte Klischeebilder einer ethnischen Randgruppe auf der Bühne präsentierten, welche eben dieses Publikum in seiner Alltagsrealiät diskreditierte, diskriminierte und drangsalierte, wie unter anderem die Verfahren der österreichischen Jurisprudenz und Exekutive erkennen lassen, die Norbert Tandl in seiner Dissertation ‚Die Bekämpfung der vermeintlichen Zigeunerplage in Österreich (1848-1938)‘ aufarbeitet.
‚Noch zu Beginn der 1930er Jahre dachte auch die steirische Gendarmerie nicht anders, die die Ausstellung von Papieren an Zigeuner als für die öffentliche Sicherheit außerordentlich abträglichen und die Zigeunerbekämpfung erschwerenden Übelstand bezeichnete und daher die Landesregierung aufforderte, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit diese Ausfertigung von Papieren doch entsprechend erschwert wird.‘
Der österreichische Sozialchauvinismus gegenüber der Marginalgruppe ist in den Gesetzgebungen der k&k – Monarchie genauso prominent spürbar wie in denjenigen der Ersten Republik und bis zu den Nürnberger Rassegesetzen, welche den Umgang mit Sinti und Roma unter nationalsozialistischer Herrschaft regelten, durchgehend ausgrenzend und diskriminierend. Die vermeintlich genetisch bedingte Kriminalität, die dem ‚Zigeuner‘ attestiert wurde, war Hauptgegenstand der Verordnungen gegen die Minderheit, sowohl in Österreich, als auch 1935 in den Beschlüssen von Nürnberg […] Diese Vorwürfe gegen ‚Zigeuner‘ blieben jedoch auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus erhalten, und ‚Wandertrieb, Stehltrieb, Feigheit, Unsauberkeit, Rachsucht, unreflektiertes Denken‘ wurden noch 1954 von Kriminalisten zu seinen ‚rassischen Eigenschaften‘ erklärt. Zeitgleich feierten die Väter der Wiener Operetten bedeutende Erfolge mit dem Zigeunerbaron, dem Zigeunerprimas, der Gräfin Mariza oder Frasquita. Auf der Bühne erschien dem Publikum ein anderer Zigeuner als vor dem Theater. Dieser Umstand ist vornehmlich auf den besonderen Charakter des Genres der Wiener Operette zurückzuführen. Als Massenkulturphänomen und Unterhaltungsmedium war es eine Prämisse des Genres, publikumswirksam zu agieren, natürlich auch unter dem finanziellen Aspekt, dass es sich als nicht-subventionierte Kunstgattung selbst tragen musste. Die Komponisten und Librettisten der Wiener Operette mussten sensibel auf Moden, Zeitgeist und die Mobilität der Publikumsstruktur reagieren. ‚Der Wiener Operette galt der exotische Schauplatz als willkommenes Anwendungsgebiet der kulinarischen Publikumsbelustigung‘, der Zigeuner gilt ‚einerseits […] als sozialer Außenseiter und wird auch so dargestellt, andererseits verkörpert er den zutiefst ‚romantischen‘ Typ des absolut Freien‘. Diese Darstellung der Marginalisierten erfolgt simpliciter über eine konstante Semiotik, über die Festlegung dezisiver Stereotype welche bestimmte Funktionen erfüllen.“
„Zwei Vorstellungen verbinden sich in unseren Gedanken mit dem Wort Zigeuner, eine, die ihren Ursprung in romantischen Balladen und sentimentalen Operetten hat und die Zigeuner von Liebe, Wein und Geigenspiel stolz und frei leben läßt, die andere, realistischere, die sie als Landplage kennt, wie Hagelschlag und Heuschreckenschwärme, der Schreck der Bauern, die vor ihrem Erscheinen die Hunde loslassen. Man muß zugeben, die zweite Auffassung kommt der Wahrheit näher.‘ (Arbeiter Zeitung, 12. 02. 1933)“
Wieselburg. Im „Krankenhaus Nord“ in Stadtteil Floridsdorf wird auf Kreuze verzichtet – das ruft jetzt die Bundes-ÖVP auf den Plan. Es ist ja ein rechtliches Niemandsland: Während etwa die Kreuze in Schulen Inhalt des Konkordats bzw. gesetzlich geregelt sind, entscheidet bei den Spitälern klarerweise der Betreiber, im Fall des KH Nord eben der Krankenanstalten-Verbund.
Auch Kultusministerin Susanne Raab hat eine klare Meinung dazu: „Das Kreuz ist ein geistes- und kulturwissenschaftliches Symbol Europas, wie der VfGH festgestellt hat. Daher bleibt es in Klassenzimmern und im öffentlichen Raum. Für mich persönlich kann das Kreuz auch als Zeichen der Hoffnung auf baldige Genesung verstanden werden und kann Patienten im Krankenhaus Trost spenden.“
1 Großvater. Auch ein Großvater hat eine klare Meinung dazu: „Das Kreuz ist ein national-patriotisches Symbol, geschaffen in der tiefsten Zeit unserer Bewährung. Daher bleibt es überall, seine Rückkehr zu fordern. Ich bin in seinem Sinne erzogen. Ich war der jüngste Jugendführer meines Heimatortes. Meine Oma hat in einer Napatra unterrichtet. Das Kreuz gehört hin. Ich werde dafür kämpfen.“
1 Kind. Auch ein Kind erinnnert sich warm an das Kreuz. „Kurz durfte ich meine Hand dem Schöpfer reichen. Eine Frage stellte er mir. Was war mir im Spital Trost und Hoffnung? Es war das Kreuz, mit seinem Versprechen auf ewige Gesundheit. Im Angesichte des Kreuzes war mir, als ich im Sterben lag, der Schmerz der Blinddarmentzündung leicht. Die Zuversicht, zum Schöpfer mich zu begeben, ohne daß ein Nagel in meinen Körper geschlagen, unversehrt in der Schönheit meines junges Lebens vom Schöpfer aufgenommen zu werden, zu empfangen immerwährende Gesundheit, war mir Trost des Kreuzes.“
„Bei der Antritts-Pressekonferenz des neuen FPÖ-Generalsekretärs Michael Schnedlitz am heutigen Freitag in Wien gab es auch deutliche Worte von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer Richtung ORF:
Wir werden schon auch überlegen, wie wir in Zukunft mit dem ORF umgehen – wenn Sie mir das erlauben – weil ich feststelle, dass viele private Sender in weiten Bereichen objektiver arbeiten als der ORF. Und ich habe jetzt Kontakt gehabt mit einem Unternehmen, das heißt NOGIS, und wir werden ganz genau aufzeigen – auch sehr breit im Netz – was Menschen tun können, um sich die GIS-Gebühren von mehr als 300 Euro im Jahr zu sparen, weil es gibt Sender wie ServusTV und andere auch, die ein besseres Programm haben, wo man nichts bezahlen muss.“
Kurz ist es her, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei über die gemeinsame Pressekonferenz von Norbert-Normalpartei-Hofer und dem identitären Willkommenseinpeitscher etwas brachte, gegen den ORF und für die Dietrich-Mateschitz-Fernsehanstalt …
Es kann Norbert Hofer verstanden werden, daß der Dosenabfüller für ihn ein „besseres Programm“ hat, treten doch in dieser Fernsehhalle Personen auf und hin, vor das das Publikum, denen Norbert Hofer vor der Mattscheibe nur mit den gesinnungsgemäß rührendsten, treuherzigsten Blicken …
Männer und Frauen, wie Mölzer, Wiesinger, Kubitschek, Tichy, Tögel, Zellenberg, Fleischhacker, Kelle, Zeitz, Stadler, Odin, Reichel … Fernsehchor der Objektivität —
„Objektiver arbeiten als …“ Hat es das Wort Objektivität vor dem Bau dieser Fernsehhalle überhaupt gegeben? Kam dieses Wort nicht erst in die Welt, als Dietrich Mateschitz Servus, Fernsehen und zugleich Servus, Objektivität sagte?
„Die nationalsozialistische ‚Zigeunerpolitik‘1 hatte mit dem Auschwitz-Erlaß Himmlers vom 16. Dezember 1942 die endgültige und totale Vernichtung der Minderheit eingeleitet, und sie wurde mit den nachfolgenden Deportationen praktisch durchgeführt. Sie endete danach keineswegs, sondern wurde von den Instanzen des NS-Regimes bis zur Befreiung durch die Alliierten Streitkräfte weiterverfolgt. So ordnete das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS im Herbst 1944 noch die Entlassung von SS-Angehörigen an, die mit einer Jüdin oder Zigeunerin verheiratet seien, während per Verfügung der Parteikanzlei vom 9. Dezember 1944 Juden und ‚Zigeuner‘ und ‚Mischlinge‘ zum Volkssturm oder Einheiten der Wehrmacht herangezogen wurden, um so – vorläufig von der Endlösung verschont – für den ‚Endsieg der Herrenmenschen‘ kämpfen zu müssen.2 Nach der Befreiung aus den Lagern waren mehrere hunderttausend Sinti und Roma aus ganz Europa Opfer der NS-Vernichtungspolitik geworden.“
Einmal auch, um … es wird gar nicht gewußt, wie das formuliert werden soll, um den Aberwitz von Menschen, die von Antisemitismus, von Antiziganismus, von Rassismus zerfressen sind …
Es zeigt sich an diesem Beispiel aus der Vergangenheit, daß auch für Menschen, die von Antiziganismus, von Rassismus, von Antisemitismus vollkommen zerfressen sind, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus jede Bedeutung, jede Wichtigkeit verlieren kann, wenn sie ihr Hauptaugenmerk auf etwas anderes legen, in diesem Fall auf den „Endsieg“.
Dann sind Menschen, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus vollkommen zerfressen sind, heute auf morgen bereit, mit den Menschen, die für sie keine Menschen sind, sondern zu Ermordende, Auszurottende, Schulter an Schulter zu kämpfen, vertrauen sie diesen Menschen, die für sie Auszurottende sind, an, für sie den „Endsieg“ zu erkämpfen.
Es wird nicht gewußt, ob es zur „Verfügung der Parteizentrale vom 9. Dezember 1944“ auch entsprechende Aufrufe gegeben hat. Bei der gesinnungsgemäßen Liebe zu Aufrufen, zu Parolen könnte es durchaus welche gegeben haben. Wie könnte so ein gesinnungsgemäßer Aufruf gelautet haben?
Vielleicht: „Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“
„Um sich ein genaues Bild von den Auswirkungen des Völkermords an den Sinti und Roma – Genozid, Zwangsarbeit, Verfolgungen, medizinische Experimente, eugenische Maßnahmen und der Zerstörung großer Teile ihrer Kultur – nach dem Kriegsende machen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, den Charakter und den Modus der nationalsozialistischen ‚Zigeunerpolitik‘ in seiner Komplexität ineinandergreifender und/oder konkurrierender Instanzen und Institutionen zu verstehen, die sich nach Kräften mühten, Städte, Kommunen, Behörden, Schulen etc. ‚juden- und zigeunerfrei‘ zu machen.3 Gerade die sich ergänzenden bzw. sich gegenseitig überbietenden Radikalisierungs- und Entkoppelungsprozesse der Administrationen und Institutionen scheinen die furchtbare Gründlichkeit der Vernichtungsmaßnahmen bewirkt zu haben: Vom rassistischen Diskurs der Wissenschaften, der Förderung ‚rassenhygienischer Forschungen‘ und sogenannter ‚Rassengutachten‘ durch die deutsche Forschungsgemeinschaft, den eugenischen Maßnahmen der Gesundheitsämter, der polizeilichen Totalerfassung durch die ‚Zigeunerleitstellen‘, der Amtshilfe der christlichen Kirchen bis hin zu jenen Organisationen und Tätern, die unmittelbar an der Deportation und Ermordung beteiligt waren.
Die Analyse dieses komplexen Prozesses ist nicht nur für das Begreifen der NS-Vernichtungspolitik wesentlich, sondern sie ermöglicht ebenso ein Verständnis für die behördlichen, wissenschaftlichen, politischen, juristischen Diskurse und Praktiken, mit denen die überlebenden Sinti und Roma, die aus den Konzentrationslagern nach Deutschland zurückkehrten, konfrontiert wurden.4 Obwohl die Geschichte behördlichen und politischen Handelns gegenüber den Sinti und Roma im Nachkrieg noch nicht hinreichend erforscht worden ist, kann man ohne Übertreibung feststellen:
– die Planer, Organisatoren und Vollstrecker des Völkermords an den Sinti und Roma blieben ungestraft und konnten nach dem Krieg ihre Karrieren unbehelligt fortsetzen; beispielsweise Paul Werner, SS-Standartenführer und für die Planung der Maideportationen zuständig, machte bis in die 60er Jahre hinein Karriere als Ministerialbeamter in Baden-Württemberg; Robert Ritter, Leiter des Rassenhygienischen Instituts, der den Völkermord mit vorbereitete, leitete nach 1945 bis zu seinem Tod 1951 in Frankfurt die Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke und Joseph Eichberger, der im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die ‚Zigeunertransporte‘ organisierte, wurde Leiter in der ‚Landfahrerzentrale‘ im Landeskriminalamt in München.
– die personelle Kontinuität und die strukturellen Grundlagen der NS-Zigeunerpolitik wurden nicht hinreichend gebrochen und abgeschafft; vielmehr leugneten Juristen bis zum BGH den Völkermord an den Sinti und Roma und übernahmen in ihren Urteilen explizit NS-Sprachregelungen; relativierten Mediziner und Amtsärzte die physischen und psychischen Verfolgungs- und Gesundheitsschäden der Überlebenden; nahmen Polizeibeamte Sondererfassungen der Sinti und Roma vor und setzten die ethnische Diskriminierung fort und schließlich versäumten es die Gesellschaftswissenschaften, den Völkermord an den Sinti und Roma aufzuarbeiten, über den Antiziganismus aufzuklären und die gesellschaftliche Ausgrenzung zu analysieren.
– der gesellschaftliche Antiziganismus und die ‚Zigeunerbilder‘ lebten in den Köpfen und den Amtsstuben weiter und dienten zur Rechtfertigung gegenwärtiger und künftiger Ungleichbehandlung und Ausgrenzung der überlebenden Sinti und Roma, die nun mit zweifelhaften rechtsstaatlichen Mitteln praktiziert wurden.“
„Heute vor 25 Jahren erschütterte das schreckliche Roma-Attentat in Oberwart die Republik #Österreich. Wir gedenken der Opfer der politisch motivierten & rassistischen Anschlagserie. Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“
Was für eine hehre Ansage des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich.
„Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“
Dennoch spricht Alexander Van der Bellen ganz österreichisch von „Rassismus“, während er sehr gut zu unterscheiden vermag zwischen „Antisemitismus“ und „Rassismus“ …
Alexander Van der Bellen kann sich der breitesten Zustimmung zu seiner allgemeinsten, zu seiner österreichischen Aussage, es dürfe keine Toleranz gegenüber Rassismus geben, gewiß sein.
Wie gut vorstellbar doch ein Gespräch zwischen dem ehemaligen Innenminister und Alexander Van der Bellen ist, das stattfinden könnte, vielleicht während einer Entspannungsstunde im Strandbad …
Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
Innenminister a. D.: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
Der Innenminister a. D. setzt sich, nach ein paar Längen Brustschwimmen, wieder zum Bundespräsidenten.
Innenminister a. D.: Die Roma-Frage ist zu lösen, endgültig.
Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
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