Restitution

Es gibt wieder einmal eine Debatte um einen Begriff. Nun in Österreich. Es ist sogar ein Wettbewerb ausgelobt, um für „Kulturschaffende“ einen anderen Begriff zu finden. Um nicht mehr „Kulturschaffende“ zu verwenden, weil „Kulturschaffende“ auch von Nationalsozialisten verwendet wurde.

1 Die Argumentation, ein Wort nicht mehr zu verwenden, weil es auch von Nationalsozialistinnen verwendet wurde, müßte in letzter Konsequenz dazu führen, die gesamte deutsche Sprache nicht mehr zu sprechen.

1.2 Diese letzte Konsequenz wird aber nicht gezogen.

1.3 So wird bloß in der Sprache herumgepickt. Wörter und Bergriffe aufgepickt. Als wären diese von einer Bäuerin ausgestreute Körner. Und manche werden halt herausgepickt. Wie eben auch aktuell wieder einmal „Kulturschaffende“.

1.4 Das rechnen sich Wörterpickerin je hoch an, Wörter des Nationalsozialismus auszuscheiden.

1.5 Wörterpicker verstehen sich dabei auch als Wörterwächter.

1.6. Begriffswärterinnen überwachen. Sie patroullieren. Sie gehen die Textblöcke ab. Sie drehen ihre täglichen Runden in den Absätzen. Sie haben ihre Ohren sperrangelweit offen. Damit ihnen ja nichts entgeht. Und wenn ein von ihnen herausgepicktes und von ihnen ausgeschiedenes Wort irgendwo entdeckt, irgendwann gehört wird, dann erfüllen sie willkürlich ihre Pflicht, es zur Anzeige zu bringen.

1.7 Sie picken aber bei weitem nicht jedes Wort zum Ausscheiden auf. Oh, wie viele Wörter gäbe es, die nicht mehr verwendet werden dürften, weil diese vom Nationalsozialismus verwendet wurden.

Es sind gar zu viele.

So exemplarisch nur ein, zwei oder drei Wörter …

„Frei“ ist etwa so ein Begriff. „Arbeit“ ist etwa so ein Wort.

1.8 Besonders ein Wort wird nicht aufgepickt, besonders ein Begriff wird nicht ausgeschieden: „Nationalsozialismus“. Obgleich „belastet“. Dafür von dieser Gesinnung sogar zwei Wörter geraubt wurden. „National“ wird dennoch unbeanstandet weiter verwendet. „Sozialismus“ wird dennoch unbeanstandet weiter verwendet.

2 Was ihnen aber vor lauter Aufpicken und vor lauter Ausscheiden entgeht, ist, daß sie dem Nationalsozialismus weiter Macht und Besitz bestätigen. Sie anerkennen, nationalsozialistische Eigentumsrechte an Wörtern, nationalsozialistische Eigentumsrechte an Begriffen. Denn. Wenn ihre aufgepickten und ihre ausgeschiedenen Wörter und Begriffe niemand sonst, so ihr Welthofanspruch, mehr verwenden darf, heißt das, es bleibt das Eigentum der Nationalsozialisten. Sie sind die Hüterinnen des Eigentums der Nationalsozialistinnen. Sie sind die Wahrer nationalsozialistische Eigentumsrechte.

2.1 Aber auch im Fall der Sprache hat der Nationalsozialismus nicht durch eigene Arbeit, hat der Nationalsozialismus nicht durch eigene Leistung (noch so ein Beispielbegriff, der nicht aufgepickt und nicht ausgeschieden) Eigentum geschaffen.

2.2 Auch im Fall der Wörter und Begriffe war es bloßer nationalsozialistischer Raub.

2.3 So wie Nationalsozialisten Kunstwerke raubten, raubten Nationalsozialistinnen Wörter, Begriffe. Wofür auch „Kulturschaffende“ beispielhaft genannt werden kann. Wie lange davor gab es bereits diesen Begriff, ehe dieser auch Verwendung fand in diesen madigen zwölf Jahren der nationalsozialistischen Totalmassenmorddiktatur. Wie lange davor, wie sehr lange davor wurde bereits vom Menschen als von einem „kulturschaffenden Wesen“ etwa gedacht, gesprochen und geschrieben.

3 Was kann es also für eine Konsequenz dann tatsächlich noch geben? Wenn selbst die Wörterwarte nicht auf die deutsche Sprache in ihrer Gesamtheit, das die einzige tatsächliche letzte Konsequenz nach deren eigener Argumentation wäre, zu verzichten bereit sind, wenn selbst die Begriffspickerinnen gegen ihre eigene Argumentation weiter die deutsche Sprache sprechen und sprechen wollen, keine Bereitschaft zeigen, die gesamte deutsche Sprache durch eine andere Sprache gänzlich zu ersetzen.

3.1 Eine Konsequenz: Damit endlich aufzuhören, vor dem Nationalsozialismus derart auf dem Bauch zu liegen, als wäre dieser seit 1933 immer noch an der Macht, als dauerte seine Diktatur seit 88 Jahren ununterbrochen an, während es doch nur madige zwölf Jahre waren, und in Österreich waren es noch madigere sieben Jahre.

Was aber, gerade in Österreich, seit 76 Jahren anhält, ist ein Umgang mit dieser Vergangenheit der madigen zwölf Jahre und der noch madigeren sieben Jahre, der …

3.2 Eine weitere Konsequenz: Den nationalsozialistischen Sprachraub genauso so zu behandeln wie den nationalsozialistischen Kunstraub.

3.3 Das heißt, den nationalsozialistischen Raub nicht nachträglich noch als nationalsozialistischen Besitz zu bestätigen, nicht weiter nationalsozialistisches Raubgut als nationalsozialistisches Eigentum zu legitimieren.

3.4 Mit einem Wort, auch im Fall der Sprache: Restitution.

3.5 Die Rückgabe der Wörter und Begriffe ist die einzige Konsequenz, die aus dem nationalsozialistischen Sprachraub noch gezogen werden kann. Das nationalsozialistische Raubgut an Wörtern und Begriffen ist einfach an die Sprache zurückzugeben.

3.6 Es müssen für diktatorisch gestohlene Wörter keine alternativen Wörter erfunden werden. Es müssen gleich welcher Gesinnung diktatorisch gestohlene Begriffe nicht umgedeutet werden.

3.7 Es muß also auch das von einem Bauer ausgestreute „Kulturschaffende“ einfach der Sprache zurückgegeben werden. Ob es sich in der Sprache behaupten wird können, ob es sich in der Sprache als Wort, als Begriff halten wird können, hängt nicht davon ab, daß „Kulturschaffende“ kurz geraubt war für eine Diktatur, es ist die Entwicklung der Sprache, die darüber entscheidet, ob ein Wort, ob ein Begriff sprachlich fortbesteht oder nicht.

Keine Zeit verbirgt ihre Wahrheit.

Jetzt im zweiten Coronafrühling paßt es zur Jahreszeit mit den sogenannten traditionellen Firmungen, den Konfirmationen, an einen Spruch zu erinnern, der in der Vergangenheit auch auf Glückwunschkarten als Gratulation zur Konfirmation stand, und heute noch prangt dieser Spruch auf einer Mauer in Wien

Die hier gezeigte Glückwunschkarte hat es so nicht gegeben, sie ist aus zwei Karten zusammengesetzt, aus einer Schmuckkarte mit dem Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ aus dem deutschen reich von 1933 bis 1945, und aus einer zweiten Karte mit dem Kreuz zum Andenken.

Der Spruch war auch nicht mit dem Namen „A. G. Krupphitler“ unterzeichnet, sondern nur mit dem Namen des einen Mannes, der irgendwann nach dem Mai 1945 von der Mauer gekratzt wurde. Das Kreuz von der einen Glückwunschkarte zur Konfirmation aus dem Jahr 1943 sieht aus wie ein Grabkreuz, nicht so schmucklos wie die Kreuze auf den Friedhöfen der Soldateska, und doch ein Grabkreuz. Wie könnte es auch anders aussehen, in einer Zeit des massenhaften Sterbens, des massenhaften Mordens – keine Zeit kann je die Wahrheit über sich verbergen.

Der Mann, dessen Name von der Mauer gekratzt wurde, sprach davon, es werde „künftig nur noch einen Adel geben – Adel der Arbeit“ … Den Adel des Mordens, das war sein gesinnungsgemäßes Verständnis von Arbeit, das er nie verbarg. Dieses harte Gesicht, das Sluyterman zu diesem Spruch zeichnete, war bereits das Gesicht des Wehrmachtssoldaten, dem Sluyterman ein paar Jahre später wieder, dann aber mit einem Zitat von Friedrich Schiller bildungsbürgerlich …

Warum zum Adel-der-Arbeit-Spruch von A. G. Krupphitler Robert Misik und Andreas Mölzer an der fellnerischen Theke einfallen.

Kurz ist es her, daß Anna Goldenberg schrieb, das „Hitler-Zitat“ sei 76 Jahre nicht aufgefallen. Es ist so nicht aufgefallen, wie es in diesem Land nicht mehr auffallen will, mit wem – es ist nicht die einzige Zusammenspannung an der fellnerischen Theke – beispielsweise Robert Misik an der fellnerischen Theke diskutiert, und das nicht einmal, sondern …

Beim Anblick von Andreas Mölzer, Robert Misik ihm gegenüber, in der Mitte Wolfgang Fellner, muß an das Relief mit dem Arbeitsadelspruch in der Faulmann gedacht werden, und Andreas Mölzer erscheint wie ein Relief, ein bewegtes Relief, aus dem zwar nicht sein Name entfernt ist, aber seine Vergangenheit, soweit diese seine Vergangenheit ihm selbst je vergangen ist …

Andreas Mölzer, ein sich selbst bewegendes Relief, das wie das Mauerrelief auch für seine Sprüche bekannt ist

Sie werden fragen, was aber hat Andreas Mölzer mit dem Arbeitsadelspruch zu tun.

Nun, in Österreich, wo die Vergangenheit Gegenwart ist, aber so getan wird, als wäre diese vergangene Vergangenheit, an die nicht zu erinnern ist, die nicht aufzufallen hat, ist es unweigerlich, beispielsweise von der Faulmanngasse loszugehen, das nicht überraschen kann, und nur vor auch Andreas Mölzer zu stehen zu kommen.

Es gab einen Künstler. Georg Sluyterman von Langeweyde. Er war Maler, Grafiker, Liedermacher. Und auch das war ihm eine Ehre und wohl Pflicht, den Adelsarbeitsspruch künstlerisch zu gestalten.

Seine Lieder – dies aber nur nebenher – wird berichtet, im Stil von Hermann Löns, von einem Dichter, dem das Magazin der Mölzer die Treue … Sluyterman von Langeweyde bekam von dem „rechtsextremen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ seinen „Goldenen Ehrenring“. Das war 1970.

Nicht nur Sluyterman fand bei Friedrich Schiller so manchen Spruch zur Behübschung seiner Gesichter, das für ihn ein Gesicht war, das Gesicht des Arbeiters und das Gesicht des Soldaten; Schiller ist auch für Spätgeborene eine Größe zu feiern in der Hofburg zu Wien …

Und daß Sluyterman für die Gallera d’arte Thule ein auszustellender Künstler ist, mag nicht wirklich überraschen, ist es für diese doch gesinnungsgemäß eine Pflicht, die Kunst der Vergangenheit zu ehren, deren Nachgeborenen eine Hegerin zu sein, so hängt gesinnungsgemäß in ihren Räumen Sluyterman und beispielsweise der Nachgeborene aus dem Oberösterreichischen ganz selbstverständlich Seite an Seite …

Das Kulturwerk, 1950 gegründet, um ehemalige Rechthochrangige der NS-Diktatur zu fördern. Es verstand sich als Gegenpol zur „Gruppe 47“. Um den NS-Reichsfachschaftsleiter für Lyrik, Herbert Böhme, scharten sich NS-Belastete, wie Blunck, Grimm, Kolbenheyer und weitere, viele weitere. Allein diese drei als Beispielgeber hier Genannten sind Schriftsteller, die dem Magazin der Mölzer recht teuer …

Hans Grimm – das nur so nebenher – war auch recht bekannt für seine Sprüche, einer seiner Sprüche führte einen Oberösterreicher, dem er, Grimm, ein Liebling war, weit in den Osten, denn er fühlte seinen Spruch tiefwahr, ein ganzes Volk, als das er sich empfand, ohne Raum zu sein …

Und dies ebenfalls nur nebenher. Ein Mitglied dieses Kulturwerks war auch Rolf Kosiek. Das Magazin der Mölzer sieht es schon auch als ihre volksbildnerische Aufgabe an, Festschriften zu empfehlen, als „Fundgrube für jeden Lehrer, jeden Publizisten, jeden Historiker und natürlich auch jeden Politiker“, die Festschrift für Rolf Kosiek, der es wohl auch zu einem Liebling des Oberösterreichers bringen hätte können, aber er war erst als elf Jahre, als der Oberösterreicher sich aus der Verantwortung stahl, damit die einzig gute Tat, die ein solch Gesinnter wie er vollbringen kann, nämlich Selbstmord zu begehen, in seinem Leben zuwege brachte …

Gesinnungsgemäß kommt es in solchen nach dieser Gesinnung zugerichteten Organisationen zu Brüchen, zu Verwerfungen. Aus der „Deutschen Kulturgemeinschaft Österreich“, die eine Abspaltung des „Deutschen Kulturwerks Europäischen Geistes“, ging hervor das „Deutsche Kulturwerk Österreich“, dessen Vorsitzender Otto Scrinzi war. In Sirnitz veranstaltete das „Deutsche Kulturwerk Österreich“ „Kärntner Kulturtage“, eine Veranstaltung, auf der auch ein Andreas Mölzer Referate hielt – auch dort …

Von der Faulmanngasse ist es, wie Sie sehen, also auch nicht weit zu Mölzer, aber nicht nur zu Mölzer. Kosiek war es wohl auch eine Treue zur Ehre, in Sirnitz zu referieren, ebenso Rosenkranz, sie erinnern sich, einst eine Kandidatin für das sogenannte höchste Amt im Staat

Wenn vom „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ gesprochen wird, ist es unvermeidlich, auch den Namen Herbert Schweiger zu nennen, einer der Mannen und Frauen, die beispielsweise Gerd Honsik in seinen Stand rief, um Zeugnis zu legen, für seine Holocaust-Leugnung. Und ebenfalls nicht zu vermeiden ist die Nennung der Huttenbriefefrau Lisbeth Grilitsch. So unermüdlich, heißt es im Nachruf auf sie, wie sie arbeitete für … so wie so vom nordischen Leistungsmenschen sprach, diese Frau mit der recht allerliebsten Großmutterstrahlung, darf vermutet werden, daß der Arbeitsadelspruch auch ihr ein Leibspruch …

Das „Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes“ verstand sich, wie bereits oben erwähnt, als „Gegenpol zur Gruppe 47“. Und bei Nennung der Gruppe 47 darf Heinrich Böll nicht unerwähnt bleiben. Mit dem die Heinrich-Böll-Stiftung zu nennen ist, und ein weiteres Mal Andreas Mölzer, als gäbe es kein Entrinnen von ihm. Nur. In Deutschland kommt er anders vor als in Österreich, in Deutschland kann er sich nicht gemütlich beispielsweise zur fellnerischen Theke hocken.

Es ist kurz her, daß er mit seinem Magazin in einem Artikel der Heinrich-Böll-Stiftung erwähnt wurde, im Zusammenhang mit der AfD und Orbán, der „nicht nach der Pfeife des in Brüssel bestens vernetzten US-Spekulanten Soros tanzt“ … wofür der Name Soros in diesen Gesinnungswerken steht, muß nicht noch einmal ausgeführt werden.

Der für kurz gewesene Vizekanzler in Österreich hätte gerne in Österreich, wie seit kurzem aus weiteren veröffentlichten Passagen aus dem Ibiza-Video zu erfahren ist, eine Medienlandschaft nach seinem Idol Orbán furchen wollen, und sein Oligarchinbeschaffer schwärmte dabei, Orbán rocke Ungarn

Österreich, das Land der Schwärmerinnen und Verteidiger. Einer der Verteidigerinnen auch der für kurz gewesene Bundeskanzler und wieder für kurz …

Der Artikel auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung ist nicht, wie es gerne formuliert wird, aus grauer Vorzeit, sondern vom 11. November 2020, in dem Andreas Mölzer mit seinem Magazin vorkommt, und auch Lisbeth Grilitsch …

Beim Anblick vom an der fellnerischen Theke hockenden Andreas Mölzer fällt zu viel ein, so viel auf, daß die Kapitelüberschrift, eigentlich geändert werden müßte, denn es ist zu viel der Ehre, allein ihn in der Überschrift zu nennen, wenn in ihr zu nennen doch so viele weitere …

Und auf den Straßen laßt die Winde los

Wie beneidenswert der Mensch doch ist, der den Furz unter seiner Kontrolle hat, und nicht, wie üblich, der Furz den Menschen unter seiner totalen Kontrolle hat, er also furzen kann, wann immer und wo immer er will, und nicht dann gefurzt werden muß, wenn der Furz furzen will.

Jedenfalls stellt es sich so dar, in den Berichten über den Mann, der von der österreichischen Polizei zu einer Geldstrafe von fünfhundert Euro verdonnert wurde, wegen eines Furzes, vor ihnen. Die Polizisten, vielleicht waren auch Polizistinnen dabei, unterstellten ihm, mit Absicht gefurzt zu haben, aber erst nachträglich unterstellten sie es ihm, wie es den Berichten ebenfalls zu entnehmen ist.

Bei dem Mann, der zu einer Strafe von 500 Euro verdonnert wurde, hat es wohl keinen Sinn, das bewußte, das absichtliche Furzen lernen zu wollen, sagt er doch, er habe nicht absichtlich gefurzt. Er also nur ein Mensch ist, der, wie üblich, vom Furz zum Furzen mißbraucht wird, wann immer und wo immer der Furz gerade furzen will.

Um das bewußte Furzen zu lernen, gibt es nur eine Möglichkeit, sich an die Polizistinnen, vielleicht waren auch Polizisten dabei, zu halten, die bei dieser Amtshandlung anwesend waren, denn diese wissen offensichtlich zu genau, daß ein absichtliches Furzen möglich ist, es wohl nur geübt werden muß, sie dürften es selbst beherrschen, also furzen zu können, wann immer und wo immer sie gerade furzen wollen, sie den Furz beherrschen, und nicht der Furz sie total beherrscht.

Und warum sollte das absichtliche, das bewußte Furzen in einem Seminar gelernt werden?

Es ist wohl an der Zeit, für eine neue Demonstrationskultur. Das Schreien von „Widerstand!“ hat sich doch längst überholt. Besonders jetzt, da es schon alle schreien.

Es ist aber eine sehr alte Aufforderung, die Winde loszulassen, nachgerade eine weltliterarische Aufforderung, die Winde loszulassen, einst nur an das höchste Wesen ergangen, auf den Fluren die Winde loszulassen, und jetzt, da es kaum noch Fluren gibt, es auch nicht mehr auf das eine windelassende Wesen ankommt, sondern auf alle in allen Straßen, ist der Vers zu erneuern:

Und auf den Straßen laßt die Winde los

Was für eine passende Handlungsform für künftige Demonstrationen.

Was einst für ein Wesen als Aufforderung recht und billig war, Winde loszulassen, kann heute für alle nur recht und billig sein, Winde loszulassen, und dabei doch zu wissen, für die Winde sich ebenso wenig schämen zu müssen, wie das Wesen von einst, das – jedenfalls für jene, die die Botschaft von seinem Ableben noch nicht erreichte – bis heute seine Winde losläßt, freilich ohne je zu wissen, wofür, wogegen …

Wie sehr nahe müssen die Polizisten, vielleicht waren auch Polizistinnen dabei, zu dem Mann gestanden haben, bei dieser Amtshandlung im Juni 2020, als lange schon ein behördlicher Abstand zwischen Personen eingehalten werden mußte, um den Furz überhaupt zu hören? Wenn sie doch von „Lärmerregung“ …

Was muß das für ein Furz gewesen sein, sollten sie den verordneten Abstand eingehalten haben, ein Furz wie ein Donner … Oder doch nur ein Furz so üblich leise, aber sie so nah, so abstandslos wie …

Das fanden die Beamten nicht sonderlich lustig und belangten den Wiener wegen „Anstandsverletzung und Lärmerregung“ und einer Strafe in der Höhe von 500 Euro. Der Mann bestritt die Absicht – das ließ die Polizei aber nicht gelten: „Natürlich wird niemand angezeigt, wenn einmal versehentlich ‚einer auskommt‘. Der Angezeigte verhielt sich jedoch während der gesamten vorangegangenen Amtshandlung bereits provokant und unkooperativ“, hieß es.

Der Wiener legte Beschwerde ein, der Fall wanderte zum Verwaltungsgericht: Das stellte sich auf die Seite der Polizei. Ein Furz habe keinen „kommunikativen Inhalt“ und sei deshalb keine Meinungsäußerung und dementsprechend nicht vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt, bestätigte das Gericht einen dementsprechenden Bericht mehrerer Medien gegenüber dem ORF.

Wiener will vor Verfassungsgerichts ziehen

Selbst wenn es sich um eine Form der Kommunikation handelte, überschreite ein Furz die Grenzen des Erlaubten, „da diese Handlungsform geeignet erscheint, jedwede staatliche Ordnung völlig zu untergraben und der Lächerlichkeit preiszugeben“, wie es in der Entscheidung heißt. Allerdings milderte das Gericht den Strafrahmen – der Wiener muss jetzt nur noch 100 Euro zahlen.

Für das Verwaltungsgericht habe also „ein Furz keinen ‚kommunikativen Inhalt‘ und sei deshalb keine Meinungsäußerung und dementsprechend nicht vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt, und, „selbst wenn es sich um eine Form der Kommunikation handelte, überschreite ein Furz die Grenzen des Erlaubten, ‚da diese Handlungsform geeignet erscheint, jedwede staatliche Ordnung völlig zu untergraben und der Lächerlichkeit preiszugeben‘, wie es in der Entscheidung heißt.“

Wie sehr hierbei dem Verwaltungsgericht eine Kommunikationsexpertise fehlte, bei seinen Ausführungen zum Furz, kann insbesondere seit dem ersten Coronafrühling durchgängig bis zum zweiten Coronafrühling allein dadurch ermessen werden, daß die Kommunikation in dieser Zeit von sogenannten Spitzen des Staates „windigen Inhalts“, der zwar gedeckt vom Recht der freien Meinungsäußerung, aber die Grenzen des Erlaubten zum völligen Untergraben jedweder staatlicher Ordnung der Lächerlichkeit …

Schwarzes im roten Wien

Kürzlich schrieb Anna Goldenberg im Falter, das „Hitler-Zitat“ sei 76 lange Jahre nicht aufgefallen

Es will gar nicht gewußt werden, wie oft das von Anna Goldenberg so leichthin Adolf Hitler zugeschriebene Zitat in diesen 76 Jahren aufgefallen ist, daß es ein, auch ein „Hitler-Zitat“ ist.

Vor vier Jahren beispielsweise hätte der Falter selbst darauf aufmerksam machen können. Wurde doch von Erich Klein im Falter sogar ein Buch empfohlen, in dem darüber geschrieben wird, daß das Mauerzitat in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse namenlos gemacht wurde, also „Adolf Hitler“ entfernt wurde.

Ein paar Jahre zuvor schrieb Rudolf Taschner in der „Presse“ über dieses Mauerzitat, daß es von Adolf Hitler ist, der es als Erbe von Alfred Krupp übernahm, es für sich gesinnungsgemäß zu eigen machte. Sie kennen Rudolf Taschner. Er sitzt für die türkis getupfte christschwarze Partei im Parlament.

Der Stadt Wien selbst hätte es auffallen müssen. Die Stadt Wien hätte darüber, wenn sie über Geschichte schreiben läßt, zumindest informieren lassen können, daß das Mauerzitat von diesen beiden Männern ist, läßt sie doch genau auf das Buch von Andreas Suttner beziehen, läßt sie „Das schwarze Wien“ dafür als Quelle anführen, läßt sie sogar das „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ zitieren, aber ebenfalls namenlos gemacht.

Und bis jetzt noch gar nicht von den Massen, denen es hätte auffallen müssen, gesprochen, die seinerzeit auf der Wieden, in Wien lebten, vor und nach dem Untergang des nationalsozialistischen Massenmordstaates, das Relief mit diesem Spruch mit Nennung Hitlers und ohne Nennung Adolf Hitlers kannten. Es ist ihnen wohl aufgefallen, bis herauf in die Gegenwart ist es immer wieder aufgefallen. Aber wer wollte das je wissen, bei dem hohen Gut, das die Arbeit den Menschen in diesem Staat ist. Ein solcher Spruch – eine Volksweise – darf nicht ausgelöscht werden. So eine Volksweise muß nur von dem gereinigt sein, das sie offen beschmutzt. Und das wurde mit dem Auslöschen des Namens Adolf Hitler auch gemacht, wurde die Volksweise gereinigt, gerettet für den Erhalt, der Adel der Arbeit fleckenlos gemacht, dem die Menschen alles zu verdanken haben, Güter, wie Waschmaschinen, Autos und so weiter und so fort, sich zu erarbeiten, von Unternehmen, denen von Zwang zu Arbeit ihr Hochadel …

Und wer vermag jene zu zählen, denen dieser Spruch bis herauf in die Gegenwart auffiel, dabei zufrieden und selig darüber, daß nicht alles von ihrem idealisierten Idol ausgelöscht, im roten Wien, ihr Idealismus weithin sichtbar …

Relief in der in die Operngasse mündenden Faulmanngasse

Die Operngasse in Wien hätte wohl so etwas wie ein „austrofaschistischer Boulevard“ werden sollen, wenn der Ständestaat nicht so kurz …

Es fiele in der Gegenwart wohl keinem Menschen ein, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Auch in der Vergangenheit werden jene, die dieses Wiener Grätzel ständestaatlich begannen nach ihrer Gesinnung zu verändern, nicht daran gedacht haben, die Operngasse einen Boulevard zu nennen. Paßt doch Boulevard so gar nicht zum Ständestaat mit Tracht und seiner darunter getragenen Niedertracht …

„Boulevard“ können die Operngasse nur jene von außerhalb Wiens nennen, wie Philipp Eichhof in Gdańsk, Polen …

Er schreibt über dieses Grätzel mit verlängerter Operngasse u.a. von „kapitalistischer Stadterneuerung“, von der „normalen kapitalistischen Architektur des Austrofaschismus“ … Das scheint passender als „austrofaschistischer Boulevard“, passender zu dieser Gasse, vor allem auch weil es besser paßt zu dem dort fett aufgemalten Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ (Kruhi 176).

Es soll jetzt, wie berichtet wird, dieser Spruch kontextualisiert, also mit einer Erklärung versehen werden, daß es ein Spruch von Adolf Hitler … Wie weit wohl die Erläuterung gehen wird? Auch geschrieben werden wird, daß es doch kein Spruch von Adolf Hitler ist, sondern von einem K…

In einer bildnärrischen Zeit ist es vielleicht angebrachter, nicht durch einen langen Text auf einer Tafel zu erklären, von wem dieser Spruch, sondern einfach wie kurz durch ein Relief.

Kruhi 176: „Es gibt nur einen Adel: den der Arbeit.“

Honorarprofessor Dr. Ewald Judt, der Disziplin Wirtschaftswissenschaft zugetan, wohl einer der Fleißigsten im Wissenshaus Österreich, betitelt seine Aufnahme von dem Spruch „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ mit „Adel der Arbeit“.

Es scheint ihm nicht notwendig zu sein, hinzufügen, wer diesen Spruch einst gebar.

Zu sehr scheint dieser Spruch ihm Allgemeingut zu sein, besonders in Österreich, erhoben zu einer Volksweise

Notwendig aber scheint ihm anzugeben, an welchem Ort dieser Spruch, dieser Psalm aus der Wirtschaftsbibel, in Riesenlettern zur Anbetung … den Menschen den Weg zu weisen, wohin sie zu pilgern … Ganz der Rätselhaftigkeit, die einer jedweden Bibel Natur ist, ergeben, gibt Dr. Ewald Judt den Menschen ein Rätsel mit auf ihre Wallfahrt, das sie zu lösen haben, um sich würdig zu erweisen, das heilige Wort ihres Schöpfers, der es einst in Eisen schlug, zu schauen.

Aus der „Faulmanngasse“ macht er die „Faulhabergasse“.

So werden wohl nicht wenige umkehren, es aufgeben, in die Faulhaber zu gelangen, sie werden in der Faulmanngasse stehen, sich sagen, sie sind in der Faulmanngasse, sie suchen die Faulhabergasse, und sie finden die Faulhabergasse nicht.

Wer dennoch vor den Psalm gelangt, ist seiner wahrlich würdig. Ein Rätsel wohl auch, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

NS Ein jedweder Psalm besitzt Zuschreibung und Nummerierung, so soll auch dieser Spruch Nummerierung und Zuschreibung bekommen, damit stets gewußt wird, von wem dieser stammt, in welcher Bibel dieser zu finden: Kruhi 176 …

Wissenshaus Österreich

Kurz ist es her, daß die derzeitige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, auf das „Kaufhaus Österreich“ angesprochen, antwortete, „sie habe auch nie gesagt, dass es eine Amazon-Kopie sei. Sie werde sich auch nicht entschuldigen, eben weil es kein Fiasko gewesen sei.“

„Austria-Forum, das Wissensnetz aus Österreich sieht sich“, nach eigenem ungefragten Bekunden, „nicht als Konkurrent zur Wikipedia: es archiviert sogar die Beiträge der deutschsprachigen Wikipedia mit Österreich-Bezug.“

Was Austria-Forum, das Wissenshaus aus Österreich, kopiert und welches Österreich dieses Kaufhaus des Wissens verkauft, durfte erst kürzlich wieder einmal beim Schlendern durch seine Regale und beim Öffnen seiner Budelschubladen bewundernd bestaunt werden.

Bei dem engagierten Personal wäre außer Bewunderung alles mehr als erstaunlich. Die Anforderung, in dem Wissenshaus Österreich tätig sein zu dürfen, ist die höchste, die Voraussetzung für eine Anstellung, für eine Mitarbeit ist zumindest ein akademischer Abschluß. Wenn das Kaufhaus Österreich dieses Personal gehabt hätte … Aber der Wirtschaftsministerin ist es hoch anzurechnen, daß sie sich vor ihr Personal stellt, es verteidigt, sagt, ihr Personal hätte kein Fiasko …

Vielleicht braucht das Kaufhaus Österreich bloß personelle Unterstützung durch das Wissenshaus Österreich. Vorstandsmitglied Dr. Hermann Maurer ist ja mit dem wissensressortzuständigen Minister Heinz Faßmann in Kontakt, Vorstandsmitglied Dr. Peter Diem bemüht sich um Gespräche mit Maria Großbauer. Beide werden wohl Margarete Schramböck, zumal sie alle aus derselben Partei sind, ein Ersuchen um Amtshilfe nicht abschlagen, Kontakte zwischen dem Personal der beiden Häuser Österreich herzustellen, um auch das Kaufhaus Österreich zum gleichen Erfolg … Sie, Schramböck, könnte sich bei einem Ersuchen um Hilfe auf die Generalverammlung des Wissenshaus Österreich beziehen, sollte sie gefragt werden, woher sie um die Kontakte wisse.

Übrigens. In dieser Generalversammlung wurden einige „Fleißige“ namentlich genannt. Einer leider nicht. Ein sehr „Fleißiger“. Honorarprofessor Dr. Ewald Judt wird noch in einem eigenen Kapitel zu würdigen sein. Das ist nur angemessen. Er ist einer der fleißigsten Bildlaufhänger im Wissenshaus Österreich, auch das Foto der Gedenktafel Franz von Bayros ist von ihm, mit dem wieder einmal bewundernd bestaunt werden durfte, was für eine hervorragende Arbeit das Wissenshaus für …

Nicht nur Soldateska

Bundesheerbauer, wie sich Michael Bauer, Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums selbst nennt, informiert am 1. Februar 2021, daß Johann Gaiswinkler von seiner Verteidigungsministerin suspendiert wurde. Aus der von dem Bundesheerbauer verlinkten Pressemitteilung ist der Grund zu erfahren:

Verteidigungsministerin Tanner: „Ich bin schockiert über die Äußerungen des Brigadekommandanten Gaiswinkler. Seine private Meinung sei ihm unbenommen und steht ihm auch zu. Ein Anstreifen mit nationalsozialistischem Gedankengut werde ich jedoch keinesfalls dulden. Ich habe daher unverzüglich nach Befassung der diesbezüglich relevanten Stellen, die vorläufige Dienstenthebung von seiner Tätigkeit als Brigadekommandant angeordnet.“

Wie streifte der Brigadekommandant am nationalsozialistischen Gedankengut an? Er trug ein Shirt mit einem Gedicht.

Er, Gaiswinkler, folgt damit bloß der Tradition des österreichischen Bundesheeres in seiner Liebe zu Blumen und zur Literatur, von der auch der Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, der Bundesheerbauer, erfüllt ist, wie er etwa durch seine „Serie #nichtnursoldat“ zum Ausdruck bringt.

Die Serie #nichtnursoldat ist nun zu Ende. Ich habe versucht, in 96 Porträts eine breite Palette von Malern, Komponisten, Wissenschaftern, Schriftstellern, Forschern und Musiker vorzustellen. Alle von ihnen waren auch Soldaten. #Bundesheer

„96 Porträts“, was für eine „breite Palette“: darauf recht viel Habsburg, recht viel Marschmusik, Operette, Rotlicht-Milieu und eben Literatur …

Bundesheerbauer porträtiert sie so, als wären sie die Ehrenwertesten, die es verdienen, ihrer zu treu zu erinnern, Menschen wohl auch dazu zu motivieren, sie wieder zu lesen, dabei vielleicht eine Operette von Lehár zu hören …

Franz Lehár ist einer von den 96.

Unvergessen will dem Bundesheerbauer auch Rudolf Hans Bartsch sein. Unvergessen zu machen, ist eine recht fordernde Aufgabe, ist doch zuerst alles vergessen zu machen, das diesem ehrenreichen Unvergessen zuwidersteht.

B. erschoss seinen des Nachts randalierenden Hausmeister und wurde in Untersuchungshaft genommen. Franz Karl Ginzkey bat Max Stebich, nun Geschäftsführer der RSK Wien, um Hilfe. Stebich kontaktierte Hanns Johst, der wiederum beim Gericht in Wels intervenierte. Ende Juli 1939 wurde B. freigelassen; hier bricht der Vorgang ab. Nach Kriegsende stand der 1915 veröffentlichte Roman Der Flieger auf einer Verbotsliste. Gemeinsam mit Max →Mell erhielt B. 1951 den erstmals vergebenen Peter-Rosegger-Preis des Landes Steiermark.

Auch Franz Karl Ginzkey ist einer der bundesheerbauerischen 96. Von gleicher Gesinnung wie Bartsch …

Ginzkey, Bartsch, als wäre der Herr Bundesheerbauer ein Redakteur der „Zur Zeit“ … Das kommt augenblicklich in den Sinn, nicht nur wegen Ginzkey und Bartsch.

Auch seine Erinnerung an einen Revolutionär, Messenhauser, von 1848, auf das Jahr die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei wie keine andere Partei in Österreich sich exklusiv beruft

Es ist vielleicht auch bundesheerbauerischer Ausdruck der Sehnsucht nach Dichtern der Bekenntnisse, wie es noch der von ihm porträtierte Robert Michel einer war, auch Egon Caesar Conte Corti, ebenfalls einer der 96 … Ach, was war das für eine große Zeit der Literatur, als Männer und Frauen der Feder sich nicht scheuten, Bekenntnis abzulegen …

Alois Podhajsky, Leiter der spanischen Hofreitschule von 1939 bis 1964, auch einer der 96, Bundesheerbauer schmückt sein Porträt mit einem Bild, das auch Podhajsky für sein Buch „Ein Leben für die Lipizzaner“ verwendete. Siegfried Stoitzner malte das Porträt von Alois Podhajsky hoch zu Roß … wer hätte ihn treffender malen können, als einer, mit dem die Zeit geteilt wurde, mit dem rechten Gespür, das eben ein Mitglied der NSDAP …

Der Sprecher des österreichischen Verteidungsministeriums ist auch ein Mann, der der Wissenschaft zugetan, das bringt er mit seinen 96 Porträts ebenfalls zum Ausdruck, wenn er etwa Franz Abdon Ulinski vorstellt: Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt. Mehr muß nicht gewußt werden, scheint Bundesheerbauer zu meinen, beispielsweise das zu wissen, befleckte wohl auch nur das gute Erinnern, daß Ulinski u.a. als Konstruktionsingenieur in den Siebel-Flugzeugwerken in Halle/Saale, Deutschland …

Es wird dem Bundesheerbauer auch nicht vorgehalten werden können, er blende diese Zeit aus, schreibt er nicht klar und deutlich davon, daß einer von seinen 96 Porträtierten 1938 emigrierte, nämlich Hugo von Bouvard …

Seine 96 Porträts scheinen Michael Bauer doch recht gelungen zu sein, darf angenommen werden, bringt er doch das eine oder andere auch lange nach Beendigung dieser seiner Serie „Nichtnursoldat“ allenthalben zur Wiederverbreitung.

Für sein eigenes Porträt auf der Plattform des Unternehmens Twitter, mit dem er sich als derzeitiger Sprecher des von Klaudia Tanner geführten Verteidigungsministeriums vorstellt, reicht ihm ein Zitat von Johann Wolfgang Goethe:

Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat.

Goethe, auch ein Dichter, von dem die identitäre Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei recht gern Gebrauch …

Es heißt, Menschen sind stets auf der Suche nach einem krönenden Abschluß einer Aufgabe. 96 Porträts. Klingt das nicht nach Unvollständigkeit? Nach einer nicht ganz nach einer erfüllten Aufgabe? Ob Michael Bauer ab und an Zweifel kommen, für einen wahren krönenden Abschluß seiner Aufgabe, die er sich mit dieser Serie selbst stellte, fehlten in Wahrheit doch vier Porträts, nur vier Porträts auf einhundert Porträts, um ausrufen zu können: Es ist vollbracht. Aber welche vier Soldaten noch? Dafür kann ein Rat gegeben werden: Schlag nach bei Shakespeare, Andreu

Eine recht besondere Herausforderung stellte wohl das einhundertste Porträt dar, für das ein Mann, um zu noch einem infrage Kommenden zu raten, der in zwei Kriegen Soldat, aber nicht nur Soldat war, sondern Schriftsteller, Maler … Das wäre wohl die absolute Krönung einer solchen Serie der 100, diesen Mann zu porträtieren, ohne davon zu schreiben, daß er …

Er mußte, ist zu hoffen, nicht ohne Abendmal ins Grab

Franz von Bayros starb am 2. April, der im zweiten Coronafrühling ein Karfreitag ist, vor 97 Jahren. Zu welcher Stunde er verstarb, das wird nicht gewußt, aber, so ist zu hoffen, er mußte nicht ohne Abendmahl ins Grab.

Am 2. April 2021, an diesem Karfreitag, vor allem und einzig an diesen Verstorbenen zu erinnern, ist nicht ein Gebot, sondern eine Freude, eine Freude, weil es für ihn in der Tongasse in Wien eine Gedenktafel gibt, in einer sonst beherrschten Gegend von Skulpturen von Müllner, Frass, Hanusch, in einem sonst vom Gedenken an Lueger, Weinheber beherrschten Grätzel, in dem im ersten Coronafrühling, ein Mann auferstand, um seine biblischen Drohungen gegen Menschen zu verkünden, wofür er, der Auferstandene, im zweiten Coronafrühling sich von der Glaubenskongregation als gesegnet

Es könnte aber auch eine Frau sein, um ihre Strafe weiter gegen Menschen zu verkünden, wofür sie, die Auferstandene, im zweiten Coroanfrühling von der Glaubenskongregation gesegnet …

Jedoch, die Gegenwart ist hart und unerbittlich, sie läßt es nicht zu, sich lange an den Verstorbenen gut erinnern zu dürfen.

Verbürgt ist z. B. ein Zusammentreffen des zehnjährigen Franz’ mit einer Gruppe von Zigeunerinnen […] Ein Beispiel für diese Periode sind seine Illustrationen zu Hans Ludwig Roseggers „Von Königen und Jakobinern“. […] Zwar fand er einen neuen Kreis guter und interessanter Freunde, darunter Rudolf Hans Bartsch, Anton Wildgans und Hugo Markus Ganz […]

Die Gegenwart, deren Wissen „Wikipedia“ repräsentiert wie wohl keine zweite Enzyklopädie weltweit, und deren Wissen verbreitet wird auch durch das „Austria-Forum – das Wissensnetz aus Österreich“, oh dieses erhaltenswerte Wissen, daß es „Zigeunerinnen“, daß Rudolf Hans Bartsch unter den „guten und interessanten Freunden“

Rudolf Hans Bartsch, der gute

„Zigeunerinnen“ …

Zu Hugo Markus Ganz gibt es keinen Eintrag, genauer, zu ihm gibt es in der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“ keinen Eintrag, aus der englischsprachigen Ausgabe von „Wikipedia“ ist u.a. zu erfahren:

Dr. Hugo Markus Ganz (April 24, 1862 – January 2, 1922) was a GermanJewish political and literary writer and journalist for the German newspaper Frankfurter Zeitung and Swiss newspaper Neue Zürcher Zeitung.

Das erhaltenswerte Wissen von Austria-Forum über Hugo Markus Ganz ist nur das Wissen der deutschsprachigen Version von „Wikipedia“, wie es für beide erhaltenswert ist, nur zu wissen, wie gut und interessant Rudolf Hans Bartsch …

Über den Sohn von Peter Rosegger, der auch ein Schriftsteller war, ist das erhaltenswerte Wissen von „Wikipedia“ deutlich:

Hans Ludwig Roseggers eigenes literarisches Werk bestand vorwiegend aus Romanen und Erzählungen, in denen er extrem deutschnationale, antidemokratische und teilweise rassistische Positionen einnahm.

So deutlich will aber „Austria-Forum“ das Wissen über ihn nicht verbreitet wissen:

Sohn von Peter Rosegger. Strebte ursprünglich eine akademische Karriere als Staatsrechtler an, übernahm im Oktober 1910 von seinem Vater die Redaktion der Zeitschrift „Heimgarten“ (bis 1923), die unter seiner Leitung zusehends eine radikale deutschnationale Linie einschlug. Als Romanautor und Novellist konnte er nur bescheidenen Erfolg erringen.

Aber zurück zum Verstorbenen, dessen Todestag in diesem Jahr auf einen Karfreitag fällt, um mit ihm noch einmal zu versuchen, der Gegenwart zu entfliehen. Franz von Bayros war für eine kurze Zeit verheiratet mit der Stieftochter von Johann Strauß, dem unsterblichen Schöpfer des Zigeunerbarons – der Gegenwart zu entfliehen, was für ein heilloses Unterfangen …