Einfach wie kurz: Flagge für den Gesinnungskumpanen

Herr Schallenberg – es geht das Gerücht um, es solle sich um fake news handeln, daß er Außenminister ist – bemüht wieder einmal die „Solidarität“, diesmal zur Rechtfertigung des Hissens der israelischen Flagge als Dachschmuck.

Falsche Solidarität.

Herr Kurz – es geht das Gerücht um, es solle sich um fake news handeln, daß er Bundeskanzler ist – bemüht ebenfalls die „Solidarität“, stellt sich als „wir“ an die „Seite Israels“, und „verurteilt auf das Schärfste“.

Falsche Seite, falsche Verurteilung.

Und warum ist das eine falsche Solidarität, die falsche Seite, die falsche Verurteilung?

Der „Guardian“ beispielsweise bringt es, als wäre er Außenminister und zugleich Bundeskanzler, in einem Absatz auf den Punkt:

„Deeskalation muss die oberste Priorität haben, um das Leben von Zivilisten zu schützen, die sowohl von der israelischen Regierung als auch von den militanten Palästinensern mit so rücksichtsloser und tödlicher Missachtung behandelt werden. Die internationale Gemeinschaft muss ihr Gewicht in die Waagschale werfen. Donald Trump hatte Benjamin Netanjahu ständig aufgestachelt. Jetzt gibt es eine Regierung in Washington, die diese Probleme ernsthaft angehen kann. Sie hat die militanten Angriffe zu Recht verurteilt. Aber sie muss den israelischen Behörden gegenüber ähnlich deutlich sein, nicht nur wegen deren militärischer Reaktion, sondern auch wegen der Maßnahmen, die vorhersehbar zu diesem jüngsten Ausbruch von Gewalt geführt haben.“

Es ist schon auch rechte Solidarität, es ist schon auch die rechte Seite, von der aus Herr Kurz verurteilt, wenn er die Flagge raushängen läßt, damit sie dort oben im Winde weht, nicht für Israel, sondern für seinen in vielerlei Hinsicht zu nennenden Gesinnungskumpanen

Christlichsoziale Massenkundgebung in der Volkshalle des Wiener Rathauses

Florian Wenninger schlägt vor, auf dem KL-Platz ein Denkmal gegen den antisemitischen Mob zu errichten, und dazu erinnert er an den Mob von ungefähr zweitausend Personen, die einer Rede lauschten und …

Florian Wenninger bezieht sich dabei nicht auf diese Rede vor ungefähr zweitausendfünfhundert Personen, die dreiundzwanzig Jahre nach der Mobrede, die Wenninger als Denkmal verewigt wissen möchte, gehalten wurde, im Juli 1918, in der Volkshalle des Wiener Rathauses, im Rahmen einer „christlichsozialen Kundgebung gegen die feindlichen Wühlereien in Österreich“.

Der Inhalt dieser Rede ist bekannt, am 11. Juli 1918 berichtet die „Reichspost“ ausführlich über die christlichsoziale Veranstaltung in der Volkshalle des Neuen Rathauses.

Diesen Bericht in seiner Gesamtheit wiederzugeben, einhundertdrei Jahre danach an die Rede in der Volkshalle des Wiener Rathauses zu erinnern, ist durchaus gerechtfertigt, erinnert doch diese Rede sehr an die Gegenwart, beispielsweise wie der Redner, der spätere Nationalratspräsident, mit der Wahrheit umgeht. Heutzutage würde dazu gesagt werden, der Nationalratspräsident verbreite „Fake News“. Und auch, was seit einhundertdrei Jahren sich hartnäckig hält, was heutzutage weiter Hetze genannt wird, wohin diese damalige Hetze führte, die den Nationalratspräsidenten nach dem Untergang des deutschen reiches nicht veranlaßte, seinen Antisemitismus aufzugeben. Und wie alle „Fake News“ hat auch die nationalratspräsidentische Rede Heiteres zu bieten, und das Heitere ist gerade in sogenannten Krisen, einfach wie kurz gesagt, in der damaligen wie in der heutigen notwendig und willkommen.

Massenkundgebung christlichsozialer Arbeiter

In der Volkshalle des Wiener Rathauses.  Vom Christlichsozialen Arbeiterverein veranstaltet, fand heute abend in der Volkshalle des Neuen Rathauses eine von ungefähr 2500 Personen besuchte Versammlung statt, die sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung der christlichsozialen Arbeiterschaft gegen die feindlichen Wühlereien in Oesterreich gestaltete. Nach Eröffnung der Versammlung durch GR. Preyer ergriff LA. Kunschak, begeistert begrüßt, das Wort. Er erörterte vorerst die Verkommenheit der englischen Politik, die den Krieg angezettelt und Staat um Staat in den Weltbrand hineingezogen hat,

England war es also, und nicht die Nachtigall … Auch in noch einhundert Jahren späteren Reden kann die Nachtigall ihres Freispruchs sicher sein

und die Mittel, die England gegen Rußland angewendet habe, wolle es nun auch gegen Oesterreich ins Treffen führen: England habe, fuhr LA. Kunschak fort, mit feiner Witterung erkannt, daß es uns durch Hunger nicht werde bezwingen können. Es habe daher einen anderen Weg gesucht, um die Widerstandsfähigkeit des Volkes zu untergraben. Augenblicklich ist es am Werk, unser Volk durch Ausstreuung abscheulicher und dummer Gerüchte über das Kaiserhaus irrezuleiten. Redner griff aus der Fülle der Giftmischereien das Wort heraus, das ins Volk geschleudert wurde: „Die Kaiserin eine Italienerin.“ Das ist eine Versündigung gegen die primitivsten menschlichen Gefühle. Die Kaiserin ist ein Menschenkind wie wir und sie hat als Mutter ebensolche Pflichten gegen ihre Kinder wie jede andere Mutter und sicherlich nicht geringere als die letzte Bettlerin gegen ihr Kind! Im Gegenteil, die Pflichten der Kaiserin als Mutter gegen ihre Kinder sind größer als die jeder anderen Mutter, denn sie hat den unter ihrem Herzen getragen, der dereinst bestimmt sein soll, die Krone Oesterreichs zu tragen. Wie sollte sie da anders fühlen können als als Oesterreicherin. (Beifall.) Und sie ist eine Oesterreicherin und die beste Oesterreicherin! (Stürmischer Beifall.)

Die „Kaiserin“, für die Menschen Material waren, von der der Nationalratspräsident spricht, war für ihn eine Österreicherin, obgleich sie in Italien geboren, ihre Eltern … Eine gute Einstellung, die heutzutage gänzlich vergessen ist, wird doch in Österreich geborenen Menschen abgesprochen, Österreicher zu sein, weil deren Mütter aus einem anderen Land, abgesprochen, Österreicherinnen zu sein, weil deren Väter, weil gar deren Großeltern aus einem anderen Land vor langer, langer Zeit nach Österreich gekommen sind.

Heutzutage wäre die „Kaiserin“ aus Österreich abgeschoben worden.

Redner kam dann noch auf die letzte Ausstandsbewegung zu sprechen, die er als Ausfluß fremder Wühlarbeit bezeichnete, und fuhr dann fort: Solche Bewegung findet, wir sie heute sehen, finden freilich dort einen aufnahmefähigen Boden, wo die Stimmung der Bevölkerung entweder verbittert oder mit schwerer Sorge überlastet ist. Die beste Abwehr gegen die Wühlarbeit Englands in jeder Hinsicht wären geordnete Verhältnisse im Innern des Reiches. Diese aber haben wir nicht, am allerwenigsten auf jenem Gebiete, wo wir sie am allermeisten benötigten, auf dem der Ernährung. (Lebhafte Zustimmung.) Redner kommt, häufig von erregten Zwischenrufen und lautem Beifall unterbrochen, auf die teure und falsche Erntestatistik sowie auf einen Antrag gegen die Wildfütterung mit Heu zu sprechen und erzählt, daß weder die Herrschaft Wittgenstein noch auch die Gutsverwaltung Rothschilds in Gaming Heu abgeliefert haben, sondern damit ihre Hirsche fütterten, und daß den dadurch entstehenden Fehlbetrag die Bauern dieser Bezirke über ihre abzuliefernde Menge hinaus aufzubringen hatten. (Stürmische Pfuirufe.)

„Rothschilds“ … Die Veränderung seit damals?

Ein Name ist hinzugekommen, den der Nationalratspräsident vor einhundertdrei Jahren noch nicht kennen konnte, aber hätte er auch diesen Namen schon gekannt, es wäre ihm wohl ebenfalls eine recht besondere Geschichte zu ihm eingefallen.

Die Folge dieser Wirtschaft war natürlich, daß der Wildstand durchgehalten hat, der Rinderstand aber zugrunde gegangen ist und daß wir kein Fleisch, keine Milch und reine Butter mehr haben. Die erste Voraussetzung des Ernährungsdienstes, das Vertrauen der Erzeuger und Verbraucher ist geschwunden. Der Erzeuger kann kein Vertrauen mehr haben. Der niederösterreichische Bauer hat in diesem Jahre Gewaltiges geleistet, er hat über die vorgeschriebene Menge hinaus geliefert, er hat allein ein Viertel des ganzen österreichischen Getreides abgegeben. (Hört! Hört!)

Der nationalratspräsidentische Redner beklagt, „daß wir kein Fleisch, keine Milch und reine Butter mehr haben“, und was ist mit den Kartoffeln, die er Menschen ein anderes Mal zu essen empfahl, wenn sie kein Fleisch …

Und als die Regierung vor Wochen auch noch die Vorräte der Selbstversorger in Anspruch nahm, waren in wenigen Tagen 900 Waggons Getreide aufgebracht. Zurückbekommen haben sie aber von dem Geliehenen nichts und heute verweigern vielfach die landwirtschaftlichen Arbeiter die Arbeit, weil ihnen der Bauer nicht mehr genug zu essen geben kann. Ebensowenig Vertrauen können die Verbraucher haben, denen man im Herbst die schönsten Versprechungen gemacht und die man im Sommer verhungern läßt. Durch diese Handlungen hat unser Ernährungsamt gewiß unbewußt, aber nichtsdestoweniger in ausgiebigster Weise Hilfsdienste für die angeblichen Wühlereien geleistet. (Stürmischer Beif.)

Ein weiterer Helfershelfer ist das Judentum. (Lebhafte Zustimmung.) Ein jüdischer Journalist hat selbst vor 14 Tagen in einer jüdischen Zeitung das Wort vom Juden als dem gebornen Frondeur geprägt. Und im Laufe der Ausstandsbewegungen ist von der „Arbeiter-Zeitung“ gesagt worden, daß sich in den Versammlungen sehr viele junge Leute, Jünglinge aus dem Osten, recht unliebsam und frech bemerkbar machten. Was die „Arbeiter-Zeitung“ damit gemeint hat, ist klar. „Juden“ durfte sie nicht schreiben, so hieß es „Jünglinge aus dem Osten“. (Heiterkeit.) Wenn aber die „Arbeiter-Zeitung“ selbst das feststellt, können wir uns vorstellen, was diese Juden alles getrieben haben müssen.

Welchen „jüdischen Journalisten“ der Nationalratspräsident meinte, werden von den um die zweitausendfünfhundert Anwesenden in der Volkshalle wohl recht viele auf Anhieb gewußt haben – Anton Kuh, der 1938 Österreich verlassen mußte, 1941 in New York starb.

Redner führt sodann einige Beispiele für die wohlwollende Nachsicht an, deren sich diese Elemente zu erfreuen haben. Die Verordnung der Statthalterei, die Wucherer und Schleichhändler öffentlich durch Anschlag zu brandmarken, ist nicht lange gehandhabt worden. Denn man las fast nur Namen wie Weichselblüh, Silberbaum usw. Selten ist noch je ein Statthaltereierlaß so klanglos verschwunden wie dieser. Auch hier haben sich die Juden als Frondeure gegen die Lebensmöglichkeit der arbeitenden Bevölkerung erwiesen. Wie es zahme Löwen gibt, gibt es zweifellos auch anständige Juden, aber der zahme Löwe spricht nicht gegen den Satz, daß der Löwe ein Raubtier ist. Während die christlichen Wucherer meist erwischt und dann sicher auch eingesperrt werden, entschlüpfen die jüdischen meist der irdischen Gerechtigkeit. Bei der Erinnerung an den Kranz-Prozeß und an den Fall Leinweber, der als Bestochener bestraft wurde, während die jüdischen Bestecher noch heute ungeschoren herumlaufen, bricht die ganze Versammlung in erregte Entrüstungsrufe aus, die eine Zeitlang jedes Wort unverständlich machen.

Der Redner erwähnt sodann die einzig dastehende Bevorzugung der jüdischen „Rohö“, welche die zwei eierreichsten Bezirke Polens zugewiesen erhielt und über so viel Eier verfügt, daß sie viele dem Verderben überantworten kann. Auf dem Rudolfsheimer Markt standen drei Kisten Eier, die der „Rohö“ übrig geblieben waren, und als diese geöffnet wurden, krochen Hunderttausende von Maden herum und die wenigen noch nicht verfaulten Eier verbreiteten einen solchen Gestank, daß sie auch für den menschlichen Genuß als ungeeignet bezeichnet werden mußten. Trotz allem hat Oesterreichs Volk gegen all die Not standgehalten mit einer Geduld, die nur dem festen, tiefeingewurzelten Patriotismus entspringen kann. Dieses Bewußtsein verleiht uns die Zuversicht, das alte Wort mit Stolz und Ueberzeugung auszusprechen: Oesterreich wird ewig steh‘n! Ein Oesterreich, das solche Lasten trägt, das einen solchen Druck erträgt, dessen Bevölkerung nicht zusammenbricht unter der Fülle der Opfer, die ihr auferlegt werden, sondern in ihrem Glauben an diesem Staate festhält, dieses Oesterreich ist nicht umzubringen, trotz aller Wühlereien Englands, trotz aller unbewußten und bewußten Helfershelfer im eigenen Lande! (Minutenlanger Beifall und nicht endenwollende „Hoch Kunschak!“-Rufe folgten den Ausführungen des Redners.)

„Rohö“: Abkürzung für Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs, gegründet 1910, aufgelöst 1938. Eine der Gründerinnen war Fanny Freund-Markus, gestorben 1942, KL Theresienstadt.

GR. Preyer schloß hierauf die Versammlung  mit einem dreimaligen Hoch auf das Kaiserpaar, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Nach der Absingung der Volkshymne entfernten sich die Massen in größter Ruhe.

Siebenundzwanzig Jahre später wurde dieser Redner für acht Jahre Nationalratspräsident, und als ein Nationalratspräsident in der Zeit ab 1945, als die ganze Welt umfassend vom Holocaust erfuhr, bekennt sich dieser Redner dazu, immer Antisemit gewesen zu sein und Antisemit bleibe. Und wo sagt das dieser Redner, der sich als Redner treu blieb? Auf einer

Kundgebung, die als Protest gegen die Einreise polnischer Juden organisiert worden war, gemeint, daß er immer Antisemit gewesen sei und es auch weiterhin bleibe. Unter dem Beifall Tausender Demonstranten fügte er hinzu, daß weder einheimische noch fremde Juden in Österreich etwas zu suchen hätten.

Der damalige Bundeskanzler Leopold Figl versuchte die Irritation, die diese Äußerung im Ausland hervorgerufen hatte, zu besänftigen, indem er meinte, daß Kunschak kein Antisemit aus rassischen, sondern lediglich aus ökonomischen Gründen sei.

[Evelyn Adunka, Antisemitismus in der Zweiten Republik. Ein Überblick anhand einiger ausgewählter Beispiele, in: Heinz P. Wassermann (Hg.), Antisemitismus in Österreich nach 1945 (= Schriften des Centrums für Jüdische Studien 3), Innsbruck 2002, 12-65, hier 13.]

Es scheint in Österreich bequemer und förderlicher zu sein, bei der möglichen Umgestaltung des KL-Denkmals auf dem KL-Platz ganz beim Karl Lueger zu bleiben, beim Mob im 19. Jahrhundert zu bleiben, bei einem Karl Lueger, der 1910 in Wien verstarb, um es, vielleicht auch dafür zu nutzen, Karl Lueger, hätte er nur lange genug gelebt, stellvertretend für Österreich eine Lernfähigkeit zu bescheinigen, könnte mit einer kleinen Spekulation gesagt werden, aus der Geschichte gelernt zu haben, er hätte wohl seinen Rassismus im allgemeinen und seinen Antisemitismus im besonderen be…

Waldheims verinnerlichter Anständiger

Vor 35 Jahren wurde „Pflicht“ das Hauptwort in der Auseinandersetzung, weil Kurt Waldheim davon sprach, er hätte nur seine Pflicht wie auch

Es mag die Erinnerung mangelhaft sein, aber „Anständigkeit“ war vor 35 Jahren nicht ein Hauptwort in der Debatte, ob Kurt Waldheim Bundespräsident werden sollte oder nicht.

Beim erstmaligen Sehen der Dokumentation „Waldheims Walzer“ gestern, 10. Mai 2021, löste „Anständigkeit“ die „Pflicht“ als Hauptwort ab.

Die Dokumentation wurde im Fernsehen gezeigt, wohl aus dem Anlaß, daß es 35 Jahre her ist, daß Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten …

Wie oft wohl Kurt Waldheim in seinem Wahlkampf, in seinen Reden, in seinen Interviews von der „Anständigkeit“ gesprochen haben mag? So oft oder gar öfters als Heinrich Himmler von der „Anständigkeit“ sprach?

Allein in dieser Dokumentation ist Kurt Waldheim zu hören mit Variationen der Anständigkeit. Es geht dabei immer um seine Wehrmachtsvergangenheit.

„Ganz korrekte, anständige Tätigkeit.“

„Ich war ein anständiger Soldat.“

„Sie werden nichts finden, wir waren anständig.“

Wie verinnerlicht muß doch Kurt Waldheim die himmlerische Anständigkeit gehabt haben, um so unbefangen, so ohne Falsch davon sprechen zu können, anständig gewesen zu sein.

Es war eine ganz korrekte, anständige Tätigkeit, etwa in Kommeno

Was diese erstmalig gesehene Dokumentation wieder in Erinnerung brachte, daß Kurt Waldheim vor 35 Jahren immer sofort die deutschen Toten aufzählte, in der Sekunde gegenrechnete, wenn er auf die Ermordungen, beispielsweise im damaligen Jugoslawien, durch deutsche Wehrmacht angesprochen wurde. Als hätten die von der deutschen Wehrmacht ermordeten Menschen Deutschland überfallen, als hätten die deutschen Soldaten auf deutschem Boden in ihrem Recht auf Verteidigung ihr Leben hingeben müssen, als wären sie ebenso unschuldig, ebenso anständig gewesen, wie die von ihnen überfallenen und zu Tode gebrachten Menschen. Als hätten die von der deutschen Wehrmacht in ihren Ländern ausgeraubten Menschen kein Recht auf Verteidigung, nur die Pflicht, sich der deutschen Wehrmacht zu ergeben, nur die Pflicht, ihre Länder in ein hitlerisches Deutschland zu verwandeln, mit anständigen Lagern, mit anständigen Baracken, mit anständiger Arbeit, mit anständig rauchenden Schloten …

In einem Ausschnitt der Dokumentation, aufgenommen wohl irgendwann im Mai vor 35 Jahren, steigt Kurt Waldheim aus dem Auto und kaum ist er aus dem Wagen ausgestiegen, hebt er sofort seine rechte Hand zum Gruß, und zu diesem seinem Gruß fällt unweigerlich die Frage eines Schreibers der ZZ ein, ob sich dieser im Alltag überhaupt vermeiden ließe — also in Österreich …

Und werden Köpfe auch getauscht, bleibt doch im einen wie im anderen derselbe Geist

Kurz ist es her, daß eine Tageszeitung in Österreich wieder einmal, diesmal unter dem Titel „Das Lueger-Denkmal wackelt weiter“, berichtete, dieses christschwarze Propagandadenkmal auf dem KL-Platz solle nun doch einmal umgestaltet werden …

Nach den Vorstellungen der Kommission soll der gesamte Lueger-Platz zu einem „Ort der Reflexion“ umgestaltet werden. So müsse der „Dr.-Karl-Lueger-Platz“ umbenannt werden, die Statue auf der Spitze des Denkmals solle ihren Ehrencharakter verlieren und vom Denkmal entfernt werden.

Daß der Kommission wieder Oliver Rathkolb angehörte, ist verständlich und nachvollziehbar. Oliver Rathkolb hat sich wohl allein schon durch seine Zusatztafel, die bis zum heutigen Tage im Respektabstand zum Parteipolitdenkmal steht, dafür empfohlen.

Wenninger: Wir könnten hier auch ein Denkmal für die antisemitischen Randale errichten, die im Anschluss an eine Lueger-Veranstaltung im Dezember 1895 stattfanden. Nach dieser Rede im Prater zog ein Mob an 2.000 Personen durch die Leopoldstadt und griff Menschen an, die für Juden gehalten wurden.

Florian Wenninger, der sich „überwiegend mit Zeitgeschichte beschäftigt“, ist im Beitrag auf „Wikipedia“ über ihn zu lesen, schlägt vor, in der Zeitgeschichte zu bleiben, also in 1895 …

Das ist in Österreich der Zeitgeschichte sehr viel, noch mehr Zeitgeschichte, und Florian Wenninger hätte vorgeschlagen, „wir könnten hier auch ein Denkmal für die antisemitischen Randale errichten, als ein Mob“ auf der Gänseweide Juden und Jüdinnen verbrannte, vor 600 Jahren; das Urteil zu Verbrennung von 233 Menschen wurde am 12. März verkündet; 537 Jahre später, an einem 12. März, machte der Bundespräsident den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Bundeskanzler …

Das Vorarlberger Tagblatt hingegen hatte bereits für die Ausgabe vom 12. März ganze Arbeit geleistet: Das Hakenkreuz ziert die Titelage; der Aufmacher lautet „Der Sieg des Nationalsozialismus in Österreich“; als Zwischentitel wird die Parole „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ skandiert, auf Seite 3 ist das Loblied von Ottokar Kernstock auf Das Hakenkreuz abgedruckt. Und man berichtet über eine „unglaubliche Provokation in Wien“: dass Demonstranten die Hakenkreuzwimpel von einem Kraftwagen herunterrissen und „im Straßenschmutz zertraten“.

Das konnte in einem Artikel einer Tageszeitung unter der Schlagzeile „Der Tag, an dem Österreich verschwand“ zum 12. März gelesen werden … ein Werk von Kernstock und Müllner heute noch, 106 Jahre später, ein beliebtes Motiv zur Erinnerung an Besuche in Wien

Josef Müllner, zu dem Oliver Rathkolb nichts einfiel, jedenfalls für seine Zusatztafel auf dem KL-Platz.

Oliver Rathkolb fiel für seine Zusatztafel auch nichts zur Entstehungsgeschichte des Denkmals auf dem KL-Platz ein …

Zu dieser hätte ihm fiel einfallen können. Wer beispielsweise sich für dieses Denkmal stark machte, etwa der spätere Nationalratspräsident — der Nationalratspräsident als Mob oder der Mob als Nationalratspräsident …

Nachdem die Arbeiten schon begonnen haben für ein Denkmal mit allen Namen, an einem anderen Platz in der Stadt, wurde wieder einmal die Gelegenheit verabsäumt, hier auf dem KL-Platz ein Mahnmal mit allen Namen der durch Shoah und Porajmos Ermordeten zu etablieren, also auf dem Platz, wo das Parteipolitdenkmal für Karl Lueger steht, der nicht nur für jüdische Menschen ein recht mitfühlendes christliches Herz … Diese Gelegenheit ist vertan.

Was aber die Umbennung des Platzes betrifft, ist es noch nicht zu spät. Den Karl-Lueger-Platz umzubennen in „KL-Platz“. Seine Initialen genügten, um zu verdeutlichen, wohin sein Denken führte, seine Initialen wurden zur Abkürzung für gegen Menschen errichtete …

Nachdem es das Denkmal mit allen Namen der in der Shoah Ermordeten auf einem anderen Platz in Wien geben wird, ist ein gemeinsames Mahnmal mit allen Namen der in Shoah und Porajmos Ermordeten nicht mehr möglich …

Aber immer noch möglich und mehr denn je endlich notwendig, auf dem KL-Platz ein Mahnmal mit allen Namen der im Porajmos Ermordeten zu errichten.

Und die müllnerische KL-Werbefigur, ermöglicht durch den nationalratspräsidentischen Geldaufsteller, an die Eigentümerin, also an die christschwarze Partei, einfach wie kurz kommentarlos zurückzusenden, die sie dann aufstellen kann, wo es ihr so recht beliebt, vielleicht neben dem Bildnis von Dollfuß …

Oder, eine weitere Möglichkeit, den Kopf von Karl Lueger durch den Kopf von Leopold Kunschak zu ersetzen. Zur Verdeutlichung der Kontinuität luegerischer Denke, die nicht mit dem 8. Mai 1945 endete. Aber auch als Zeichen, mit der Zeitgeschichte in Österreich wenigstens im Jahr 1945 angekommen zu sein. Und als ein Zeichen der Hoffnung, eines Tages, auch in Österreich, Gegenwart in die Zeitgeschichte …

Einfach wie kurz: In Deutschland ein Comic, in Österreich die Wirklichkeit.

Herr Jan Böhmermann bewies gestern einmal mehr: Quoten klein, Klöten lahm! Ein medialer Zwergpinscher, der so gerne ein Dobermann wäre!

Das wird wohl so etwas wie Sehnsucht des fellnerischen Thekenhockers sein. Es hat, wie gewußt wird, zwar keine große Bedeutung, wie viele „Follower“ ein Mensch zum Beispiel auf der Plattform des Unternehmens Twitter hat, aber es muß für den fellnerischen Thekenhocker doch bitteres Wissen um die Unerfüllbarkeit seiner Sehnsucht sein, daß Jan Böhmermann 2,3 Millionen „Follower“ hat, er hingegen, der fellnerische Thekenhocker, gerade einmal 14.629

Die gestrige Sendung von Jan Böhmermann ist nur dann als eine Satire einzustufen, wenn die Sendung über ein Land gewesen wäre, das es gar nicht gibt, aber dieses Land gibt es, und es heißt Österreich.

In Deutschland kann die gestrige Sendung über die Zustände in Österreich nach wie vor als Satire gesehen werden, aber in Österreich diese gestrige Sendung als Satire zu sehen, ist unmöglich. Denn es ist, einfach wie kurz gesagt, die österreichische Wirklichkeit, in der gestrigen Sendung von Jan Böhmermann kurz zusammenfaßt

Erschreckend daran ist, wie diese Wirklichkeit hingenommen wird, in Österreich, wie zu beneiden hingegen sind die Menschen in Deutschland, die solche Zustände als bloße Satire nun genießen können, gemütlich vor den Fernsehapparaten, während in Österreich die Menschen in einer Satire leben, dabei in der selbstgewählten Unwissenheit, nicht in eine Satire hineingezogen zu sein.

Satire ist aber für Österreich zu hoch gegriffen, und das dürfte auch Jan Böhmermann wissen, dessen gestrige Sendung wie ein Comic ablief. In ihrer selbstgewählten Unwissenheit, daß ihr Land kein Comicland ist, leben die Menschen in Österreich mehr und mehr in einem Comic, vor allem seit diese Figur zum ersten Mal zum Bu…

Übrigens, hätte Jan Böhmermann die Frage gestellt, weshalb Sebastian Kurz an Gernot Blümel festhält, wäre das eine klassische satirische Frage,

Entziehe mich nun wieder der Böhmermann-Debatte mit der Frage, weshalb @sebastiankurz an @Gernot_Bluemel festhält? Unabhängig von Vorgängen und Vorwürfen überzeugt der Finanzminister einfach fachlich und inhaltlich nicht, um es zurückhaltend zu formulieren

aber diese Frage stellt an diesem 8. Mai 2021 Claus Pándi, weshalb also Sebastian Kurz an Gernot Blümel festhält, ebenso hätte er, Pándi, fragen können, warum die symbiotischen Zwilingsbrüder mit denselben Träumen aneinander festhalten, Fix an Foxi oder Foxi an Fix …

What’s the story?

Katja Wagner Ich habe natürlich auch meine Recherchen dann versucht mitzuteilen, Kollegen, und da kam eigentlich durchwegs die Antwort: Na ja, was ist jetzt die Geschichte dran? Das wissen wir doch eh alle. Und das hat mich dann doch recht erstaunt, daß das so die einhellige Meinung ist: Na ja, das wissen wir alle in der Branche, das brauchen wir gar nicht berichten.

Das berichtet Katja Wagner am 5. Mai 2021 in der Sendung „Milborn Spezial“ auf „Puls 4“. Es geht um den Medienmanager, dessen Namen ohnehin allen bekannt ist, der Fernsehen an der Theke macht, an der schon mal Geständnisse gemacht werden, etwa dieses, sich gar nicht vorstellen zu können, daß ein Mann es nicht versuchte, zu grapschen, Sex zu haben.

Sie werden jetzt vielleicht fragen wollen, was hat dieser Medienmanager mit dem Flakturm zu tun, genauer, mit dem Text, der nun als

„Smashed to pieces“-Projektion startet: Wien hat seinen Weiner wieder … hat es zuletzt eine Einigung zwischen dem Bundesdenkmalamt und der Wiener Sammlerin Franziska Hausmaninger über die Projektion des Lawrence-Weiner-Werkes „Smashed to pieces (in the still of the night)“ auf den Schwanzer-Trakt der Angewandten gegeben. Unklar war bisher, wann sie beginnen kann. Die Universität für angewandte Kunst teilte nun mit, dass die Aktion diesen Mittwoch um 20.45 Uhr starten soll. Für Rektor Gerald Bast sind heute in „Zeiten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche mit zunehmenden sozialen Spaltungstendenzen und Zeichen des Zerbrechens eines ohnedies fragilen gesellschaftlichen Zusammenhalts auch ganz andere Lesarten der Arbeit von Lawrence Weiner denkbar“, heißt es per Aussendung.

Was ist jetzt die Geschichte daran?

Es wissen doch ohnehin alle, daß dieser Text „Smashed to pieces“ seit langem auf dem Flakturm im Arenbergpark steht, weithin sichtbar.

Das braucht doch gar nicht berichtet zu werden, nur weil es auf dem Schwanzer-Trakt ein weiteres Mal …

Seit langem auf einem Flakturm, nur halt nicht mehr auf dem Flakturm im Esterházypark. Und eigentlich unter Einbeziehung der Geschichte immer noch auf einem Flakturm in einem von einem Esterházy angelegten Park …

Es war also immer öffentlich. Gesehen wurde es nur nicht. Nun ist es zweimal öffentlich. Für die Verdoppelung seiner Öffentlichkeit bemüht eine Zeitung gar eine goethesche Paraphrase: „Es werde Licht!“ Vielleicht war „Mehr Licht!“ nicht Goethes letzter Satz.

Am Licht aber mangelt es nicht. Es wurde und wird bei Tageslicht nicht gesehen, was öffentlich war und ist, auch im Arenbergpark, und es wird bei eingeschaltetem Licht nicht gesehen werden, was auf dem Schwanzer-Trakt, soll es doch zur nachtschlafenden Zeit projiziert werden.

So viel Öffentlichkeit, so viel Licht, und so viel Dunkelheit.

Vielleicht war Goethes letzter Satz: Mehr nicht!

Nein, die Zeitung bemüht nicht Goethe, sondern zitiert wortgetreu die biblische Hauptfigur: „Es werde Licht.“ Das Unglück aber nicht nur für diese Figur ist es, daß der Hauptfigur, die nichts als Finsternis sieht, nie gesagt ward, Licht gibt es mehr als genug.

Übrigens, für den Fall, daß einmal eine Geschichte gesucht werden soll, die dann tatsächlich nicht allen ohnehin bekannt ist:

Es gibt noch einen Text auf diesem Flakturm im esterházysch angelegten Arenbergpark, darunter auf der anderen Seite:

„historysteria WA(R)S YOU tie(d) world“.

Oder wenn, weil gedacht wird, ein Text ist nicht öffentlich, wieder für eine Projektion ein Text gesucht wird, um einem Text eine verdoppelte Öffentlichkeit großzügig zu bescheren, dann ist dieser Text von der Künstlerin Marianne Maderna dafür geeignet, wie kaum ein zweiter Text.

Es gibt, muß immer wieder gedacht werden, keinen besseren Platz für „historysteria WA(R)S YOU tie(d) world“ von Marianne Maderna, nicht weil ihr „historysteria WA(R)S YOU tie(d) world“ auf der Mauer eines Flakturms geschrieben steht, sondern wegen der gesamten weiten Umgebung des Arenbergparks, mit all den Skulpturen, biblisch verkündeten Drohungen …

„Die Musik ist das Wichtigste!“

Menschen, die einen Roman lesen, fragen oft schon beim ersten Auftreten einer Figur, was wird wohl aus dieser werden.

Sie lesen im Roman weiter, oft nur, um zu erfahren, wie es mit dieser einen sie interessierenden Figur in der Geschichte weitergeht.

Aber mit manchen Figuren geht es, einfach wie kurz gesagt, nicht weiter.

Sie treten in einem einzigen Kapitel auf, und dann, nie wieder.

So sollen die Menschen, die wegen dieser einen einzigen sie interessierenden Figur zur weiteren Lektüre des Romans sich verleiten haben lassen und nun seit Hunderten von Kapiteln auf das neuerliche Auftreten ihrer sie einzig interessierenden Figur mit diesem Kapitel eine Entschädigung erhalten.

Diese sie einzig interessierende Figur tritt zwar in diesem Kapitel nicht mit Neuem auf.

Denn es gibt von ihr nichts mehr zu erzählen, außer, daß sie gestorben ist.

Sie ist tot, das ist, einfach wie kurz gesagt, aus ihr geworden.

Die Todesmeldung ist die Entschädigung für die Lesenden, die so lange darauf warteten, geduldig oder nicht, wieder etwas von ihrer sie einzig interessierenden Figur zu lesen.

Die Todesmeldung hätte, vielleicht, in einen schöneren Satz gebracht werden können. Es gibt Beispiele aus Romanen, die für diese genommen hätten werden können, die zu dieser Figur passend hergerichtet hätten werden können:

Die Zeitungen meldeten noch am Abend Ludwigs Tod, der eine Weltnachricht geworden war, die aber niemand erschütterte.

Oder diesen Beispielsatz, der in Österreich wohl zum Sieger gekürt werden würde:

Und noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von ihrem Tode.

Dabei muß eingestanden werden, nicht zu wissen, ob die Medien noch am selben Abend ihren Tod meldeten, ob die Nachricht von ihrem Tode also noch desselben Tages verbreitet wurde.

Der Tod eines Menschen ist stets eine letzte Gelegenheit, etwas nachzuholen, das verabsäumt wurde, das also zu erzählen, was noch nicht erzählt wurde, das Kapitel

Christa Ludwig spielt beim AC Richard Wagner auf der Position Kicherin

endlich zu vervollständigen, in dem diese Figur das erste Mal auftrat.

Der Tod eines Menschen ist auch die Stunde, in der über ihn nichts Schlechtes mehr gesagt werden soll, die Stunde, in der zu ihm nichts Gutes mehr gesagt werden kann. Er allein soll das Wort noch haben, und mit ihm jene, mit denen er sprach, um zu verstehen, weniger wie er war, mehr wie die Menschen sind in dem Land, in dem er lebte – in seinem Fall in Österreich …

Es war einmal, es war nicht einmal irgendwann, sondern es war, so genau kann es datiert werden, am 14. Mai 2013, als Heinz Sichrovsky sofort im Anschluß seiner Sendungseinleitung sein eigenes Buch „Mozart. Mowgli. Sherlock Holmes: Die Königliche Kunst in Musik und Dichtung der Freimaurer“ empfehlen ließ, und er sich zu diesem in seiner Sendung selbst interviewen ließ.

Karl Löbl sagt, dies sei die interessanteste Diskussion in dieser Sendung seit Jahren. Es geht in dieser darum, ob der Mensch vom seinem Werk getrennt werden könne.

Christa Ludwig ist für die Trennung von Mensch und Werk. Weil für sie sei die „Musik das Wichtigste“, die Musik von Richard Wagner, die so „schön“ sei. Sie, Ludwig, sagt auch, es seien „alle in der Partei“ gewesen, sie seien aber „nicht alle Nazis“ gewesen. Gottfried Wagner weist auf die wagnerische Gesinnung in seinem Werk hin, wie er seine Gesinnung in seiner Musik verankerte. Und Karl Löbl fragt, ob er, Wagner, das „wissentlich“ getan habe, ob er, Wagner, dies mit dem „Kopf oder mit dem Bauch“ … Heinz Sichrovsky fragt, wo denn das Problem sei, wenn einer als schirch, bucklig und geldgierig von Wagner dargestellt werde, und er, Sichrovsky, sei gerne in der Wagner-Welt

Christa Ludwig, für die nicht alle, die in der Partei waren, Nazis waren, sagt, die herrliche Musik, die herrliche Musik also von Wagner, so wunderbar, da könne „man doch einmal den Menschen wegschmeißen“ …

Dabei ist die zentrale Frage in dieser Diskussion, die Karl Löbl als die interessanteste in dieser Sendung seit Jahren findet, ob der Mensch von seinem Werk getrennt werden könne, ob Richard Wagner seine Gesinnung in sein Werk einarbeitete, bereits beantwortet, ehe die Diskussion darüber begann, durch Heinz Sichrovsky in derselben Sendung, in der er sich im unmittelbar davor gebrachten Beitrag zu seinem Buch interviewen läßt, wenn er sagt:

Rudyard Kipling hat in seinem gesamten Werken ununterbrochen freimaurerische Subtexte verborgen … Das Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, eines der schönsten Gedichte deutscher Sprache, später mit „Abendlied“ betitelt, ist der Anhang an einen freimaurerischen Text des Bruders Matthias Claudius in seinen sämtlichen Werken und man kann sehr genau eine Art freimaurerisches Leben rekonstruieren.

Es erzählt aber wieder einmal auch einiges über dieses von dieser Runde exemplarisch repräsentiertem Land, in dem es ganz ohne Diskussion klar ist, daß ein Mensch, der ein „Freimaurer“ ist, nicht von seinem Werk zu trennen ist, daß ein Mensch, der ein „Freimaurer“ ist, selbstverständlich in sein Werk ununterbrochen freimaurerische – also seine Gesinnung in sein Werk einbringt, während bei einem Richard Wagner, wie von dieser Heinz Sichrovsky bedienten Runde, schon zu fragen ist, ob er in sein Werk überhaupt seine Gesinnung, ob sein Werk nicht nur Musik ist, nichts als herrliche, wunderbare, schöne Musik frei von jedweder Gesinnung, jedweder Weltanschauung, sozusagen reine Musik, die Adolf Hitler etwa bis in sein Geschlecht hinein

Seinen „Kulturauftrag“ serviert Heinz Sichrovsky gleich zu Beginn der Sendung, „den ich mir selbst schon im zarten Stehplatzalter erteilt habe, verantwortlich dafür war Richard Wagner, der mich mit bis heute ungemilderten Folgen hypnotisch überwältigt hat“, sehen auch Mannen und Frauen der identitären Parlamentspartei, die für kurz auch Regierungspartei wieder einmal war, für sich als Pflicht an, der ihnen ebenfalls ein Wagnerauftrag ist, so wie dieser für Christa Ludwig ein Auftrag ist, Wagner von seinem Werk zu trennen, ist dieser jenen von der identitären Parlamentspartei der Auftrag, zu verkünden, Wagners Zeilen seien antisemitismusfrei

Vor acht Jahren, es war ebenfalls im Mai, darf von Christa Ludwig erfahren werden, was ihr Houston Stewart Chamberlain beibrachte, vor 108 Jahren strich ein Schriftsteller eine Figur aus seinem Roman, „weil ich sie für eine gehässige Karikatur ohne künstlerischen Wert halte, die ihre Entstehung dem theoretischen Antisemitismus eines jungen Menschen verdankt, der noch keinen Juden persönlich kannte. (Die Figur entstand in dem politisch bewegten Jahre 1897 nach der Lektüre des großen Werkes von Chamberlain.)“

Das hinderte diesen Schriftsteller aber nicht, später sich der Gesinnungsgemeinschaft von Hitler, dem die Musik Wagners alles war, anzuschließen, das ihm auch persönliche Vorteile brachte, ihn beispielsweise davor bewahrte, dafür verurteilt zu werden, einen Hausmeister erschossen zu haben … Ihm auch über Jahrzehnte nach dem Untergang des deutschen reiches einen Nachruhm sichert, zumindest beim Sprecher des österreichischen Landesverteidigungsministeriums …

Chamberlain böte sich an, davon zu erzählen, wie damals alle miteinander bekannt waren, lange vor den madigen zwölf Jahren des deuschen reiches, im Austausch miteinander standen, eben auch Chamberlain beispielsweise mit Karl Kraus, der ihn sogar für seine „Fackel“ als Schreiber gewinnen wollte, wie die einen die anderen aber nicht davon abhalten konnten, sich der hitlerischen Gesinnung anzuschließen, wie die anderen von den einen aber nicht dazu gebracht werden konnten, sich der hitlerischen Gesinnung anzuschließen. Es sind große Namen darunter. Auch wenn es heutzutage keine großen Namen mehr sind, eines ist geblieben, sie sind alle einander bekannt, stehen im Austausch miteinander, in Österreich, so klein dieses Land ist, so klein sind auch die Namen; als Beispiele böten sich jene an, die an der fellnerischen Theke etwa …

„Hinterher“, sagt Christa Ludwig, „ja da ist gut reden, hinterher“ … Was wohl Friedelind Wagner ihr, Ludwig, geantwortet hätte, die nicht hinterher ja gut reden wollte, sondern …

Es wird nicht gewußt, welcher Spruch auf dem Grabstein von Karl Löbl steht. Wie passend es doch wäre, stünde auf seinem Grabstein: „Etwas ganz Aktuelles.“

Das sagt Karl Löbl in dieser Sendung mit dem moderierenden Kellner. Und dann erzählt er, Löbl, etwas ganz Aktuelles, von Leonard Bernstein und Helmut Wobisch, also daß Wobisch für Bernstein sein „Lieblings-Nazi“ gewesen sei.

Das löblische Aktuelle muß also zum Zeitpunkt der Sendungsausstrahlung, 14. Mai 2013, an die fünfzig Jahre her …

Was vor einem halben Jahrhundert aktuell war, ist für Karl Löbl ein halbes Jahrhundert später ganz aktuell … Zugleich spricht er, Löbl, in dieser Sendung davon, es sei das „große Versäumnis“ gewesen, die „erste, zweite Generation“ verdiene es, „ins Klare gesetzt zu werden“, „hätte man darüber diskutieren sollen“ … Und er selbst? Nun, so wie er es erzählt, wollte auch er kein Diskutant, sondern nur ein Geheimniskrämer sein …

Es gab einen Vorstand der Wiener Philharmoniker namens Helmut Wobisch, der war SS-Mann, war trotzdem Vorstand der Philharmoniker. Über den hat Lenny Bernstein gesagt, wie ich ihn gefragt habe, wissen sie das: „Das ist in dem Orchester mein Lieblings-Nazi.“ … Ist das ein Satz, den sie verstehen und tolerieren oder eher verurteilen?

… und ein halbes Jahrhundert später noch stolz darauf, mit Leonard Bernstein ganz allein ein Geheimnis im Zusammenhang mit dem lange gewesenen Orchestergeschäftsführer zu teilen, das aber wohl ganz Wien mit Wobisch und Bernstein geteilt hat, nach weiteren Berichten über diese Aussage von Bernstein, getätigt vor einem halben Jahrhundert.

Menschen, die sterben, kommen in ein Grab mit einem Grabstein, oder in eine Gruft mit einer Platte oder in eine Urne, die dann hinter einer Tafel … Nicht selten kommt zum Namen, zum Geburtsdatum und zum Sterbedatum darunter ein Spruch noch hinzu. Was könnte, stürbe Österreich, und bekäme Österreich einen Grabstein oder eine Gruftplatte oder eine Urnentafel, für ein Spruch auf seine Tafel oder auf seinen Stein oder auf seine Platte … es gäbe keinen besseren als diesen von Karl Löbl, mit dem er etwas Aktuelles vor einem halben Jahrhundert zum ganz Aktuellen ein halbes Jahrhundert …

Österreich

Etwas ganz Aktuelles

Und stürbe Österreich, wäre eine für ihn passende Grabstätte wohl in der Gruft von Karl Lueger in der Karl-Borromäus-Kirche … noch passender wohl irgendwo draußen vor der „Lueger-Kirche“ auf dem Zentralfriedhof an der unmittelbaren Grabesseite von Leopold Kunschak mit dem gleichen Grabstein, der einst schon für Kunschak produziert …

Österreich Live: Sex-und-Grapsch-Fernsehen

Heute, am 29. April 2021:

„Alles, was da an Me-Too-Märchen folgt, ist frei erfunden“, bestreitet Fellner die Vorwürfe … Auch habe er sie nie „Nutte“ genannt. Das widerlegt ein Audio-Mitschnitt, den Scharfs Anwalt Michael Rami als Transkript überraschend vorlegte. „Mit dem Wort ‚Nutte‘ habe ich mich nur über ihre Kleider geäußert“, entgegnete Fellner dann doch. Und, sich keines Unrechts bewusst: „Warum soll das eine sexuelle Belästigung sein, wenn ich über die Kleider rede? Da ist keine einzige sexistische Aussage, die sich auf die Figur bezieht.“ Wegen des Tonband-Beweises erklärte Fellner auch, was er gemeint habe, als er Scharf sagte, ihre Vorwürfe gegen ihn seien „lebensgefährlich“. „Ich habe rufschädigend gemeint und es aufs Berufliche bezogen.“

Es ist doch bloßes Berufliches. Bei ihm. So macht er, Wolfgang Fellner, Fernsehen. Für Österreich. Es muß ihm das jetzt wohl recht unverständlich vorkommen, für sein Berufliches vor Gericht …

Beispielhaft Wolfgang Fellner in der Ausübung seines Berufes am 23. Jänner 2019, ein Transkript, alles beruflich:

Wolfgang Fellner Je später der Abend, desto schöner die Gäste. Willkommen … willkommen … jedem Österreicher bekannt als Tierchen von … Aber wenn ich schon ein sexy Betthupferl für Sie heute aufbieten darf, dann ist … eines der besten, daß man in Österreich zu bieten hat …

Ein pikantes Geheimnis hat. Denn die … ist schwanger. Und zwar, was man ihr nicht ansehen würde, mit dem dritten Kind bereits …

Und plötzlich schlägt der Storch ein. Und jetzt fragt man sich, wer ist der Storch. Denn das Interessante ist ja, daß die … sozusagen das Lieblingstierchen oder die Lieblingsbegleitung des … ist, mit ihm gerade auch sehr intim auf den Mal. war … Ist der … mit seinen was weiß ich wie viel Jahren wirklich der Vater von diesem …baby …

Ist er nicht? Hat es einen Vaterschaftstest gegeben? Von nix kommt nix.

Sondern, der Vater ist wer?

Das ist der Serienproduzent, der bereits die Tochter produziert, den Sohn und jetzt ein drittes Baby … Bevorzugter Samenspender …

Ja, klar … Es gibt Mütter: drei Kinder drei Väter, drei Kinder zwei Väter, manche auch drei Kinder vier Väter, soll es alles geben, bei dir wäre eigentlich das naheliegende Modell: drei Kinder vier Väter, weil noch der … dazukommt. Und ich mein, wenn ich dein Mann wär, ich hätte dich längst hinausgehaut. Weil welcher Mann, welcher Samenspender, welcher Produktionsmeister dieser Qualität wie dein … läßt sich das gefallen, daß du permanent mit dem … beieinander bist …

Du bist in der … angestellt. Was machst du dort, außer daß du eine wunderschöne Erscheinung bist … Also für dich würden schon viele in die … gehen, für diesen Anblick. Aber was ist dein Job?

Hey, das ist aber geil, das heißt, wenn man in die … reingeht, begegnet man als erstes der … Von wie viel bis wie viel Uhr?

Und dann gibt es Tage, dann bist du mit … auf Urlaub? Das gehört zum Job dazu oder ist privat? Das ist im Gehalt nicht inbegriffen? Es hätte ja sein können, daß man sagt, zu deinem Job gehört dazu, daß du mit … auch auf Urlaub fährst. Der Job ist, du sitzt im Infopoint in der … Teilweise aber nicht, weil du bevorzugt mit … auf Urlaub fährst. Der … muß ja mörderisch verknallt in dich sein, der nimmt dich ja überall hin mit.

Das würde mich eh interessieren, euer Verhältnis. Weil ein normaler Österreicher kann sich das ja nicht ganz vorstellen. Seit was weiß ich wie viele Jahren … Wir nähern uns dem 10-Jahres-Jubiläum … Zehn Jahre … liebt … oder … liebt eher …, würde ich sagen, wie es sich darstellt.

Zehn Jahre kennt ihr euch jetzt. Und jetzt ist natürlich die Frage … jeder Zuschauer würde sagen, der ist deppert, wenn ich die Frage nicht stelle. In all den zehn Jahren kein einziges Mal Sex?

In zehn Jahren kein einziges Mal Sex. Das heißt, ihr schläft zwar im selben Bett, weil auf den Mal. gibt es ja nur ein Bett, wie wir wissen, in diesen … Hotels, aber kein Sex, oder schläft ihr nicht im selben Bett und muß er am Fußboden schlafen?

Und dann wart ihr im selben Bett, unter derselben Decke? Aber keusch. Von nix kommt nix. Auf den Mal. wart ihr jetzt auch eine Woche lang im selben Bett oder hat er am Strand geschlafen?

Seit zehn Jahren … was ist das eigentlich, ein Lebensmensch, ein Verehrer oder ein Verrückter, der auf dich geil ist?

Er führt Schmäh oder er erklärt dir intelligente Dinge, erklärt dir die Politik, oder erklärt dir den Sex, was tut er denn eigentlich die ganze Zeit?

Ich weiß nicht, ob sofort jede Mutter mit zwei Kindern mit dem … auf die Mal. fliegen würde.

Und was sagt der … dazu, der ist ja der Vater von den zwei Kindern? Ist der eigentlich die große Liebe oder nur der Samenspender? Was ist der eigentlich in dem ganzen Spiel, in dieser Dreiecksgeschichte?

Lebt ihr zusammen, der … und du?

Gelegentlich kommt der … vorbei, für die Bedürfnisse, die du mit dem … nicht stillen kannst. Schon offenbar, weil von nix kommt nix. Ihr habt wahrscheinlich auch Sex miteinander offenbar, weil ohne Sex wurde noch kein Baby gezeugt, zumindest in Österreich noch nicht. Also der … kommt vorbei, wenn du Sex willst?

Also eine richtige Beziehung, ja, was ein Österreicher oder auch ich unter einer richtigen Beziehung verstehe, da bin ich vielleicht ein bisserl neben den Gleisen aus deiner Warte gesehen, aber wenn ich eine richtige Beziehung mit dir hätte, würde ich dir nie erlauben, mit dem … auf die Mal. zu fahren, da würde ich sagen, liebe …, tschau mit au.

Jetzt warts ihr aber eine ganze Woche in den Mal. Zwei Wochen sogar, um Gottes Willen bitte, da weiß ich gar nicht, ob ich das mit einer wirklichen Beziehungsfrau aushalten würde … Ist ja auch der … zu bewundern, nicht nur du. Jetzt wart ihr zwei Wochen auf den Mal.

Trotzdem ist in den zwei Wochen nichts passiert? Das kann ich mir nicht vorstellen. Also ich kenne den … und weiß, er eine gewisse Affinität für Frauen hat, der hat nie versucht, mit dir Sex zu haben, das gibt es ja gar nicht, wenn ich dich so anschau, das ist ja unmöglich. Kompliment auf jeden Fall. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, daß der zwei Wochen es neben dir aushält, ohne sich Sex mit dir zu wünschen. Also der hat definitiv nicht versucht, mit dir Sex zu haben?

Von Wolfgang Fellner ausgefragte Frau: Ich glaube, er war ja sogar einmal da, nach dem Interview. Habts ihr ihn nicht gefragt?

Wolfgang Fellner: Aber du mußt es ja wissen, ob Sex … Und er hats nie versucht? Er hat dich nie begrapscht oder sonstwas, nix? Echt wahr? Ist dir überhaupt schon einmal ein Mann passiert, der keinen Sex mit dir haben wollte? Das ist ja schwer vorstellbar.

Bist du eigentlich gern in der Zeitung? Taugt dir das, wenn du sie aufschlagst und dich siehst? Ist das etwas, was dir was gibt?

Jetzt hast du einen Mann, der ist sozusagen deine körperliche Liebe, richtige Liebe oder nur körperliche Liebe?

In der Umgebung von … bist du nicht wohlgelitten, bei der … muß man nur … sagen, dann verdreht es ihr die Augen, dann den Magen und dann sagt sie, sie hat den Namen noch nie gehört …

Sowohl die Tochter als die Ex-Frau von … lieben dich nicht wie der …

Vielleicht mit gewissen Figurelementen, die du hast, schwer zurechtkommt, oder? Könnte ich mir vorstellen, wenn man da so rüber schaut bei dir, die Fernsehzuschauer, könnte ich mir vorstellen, daß die Fernsehzuschauer erahnen, warum die … mit dir ein Problem hat. Es könnte der Ausschnitt sein zum Beispiel, der Busen.

Und der … liebt dich?

Hat er dir das schon einmal gezeigt, daß er dich liebt?

Du, und das bleibt jetzt so? Ein Baby und zwei Väter praktisch? Der … und der … und du dazwischen.

Meine Damen und Herren, das war, glaube ich, wirklich lustig. Danke … Ich mag diese Interviews mit dir wirklich gern, weil sie sexy sind, weil sie lustig sind, weil sie eigentlich zeigen, daß die … schon ein sehr symphatischer Mensch ist und auch sonst noch andere Qualitäten hat, wie Sie sich ja überzeugen können, in diesem Sinn wünsche ich Ihnen jetzt eine gute Nacht mit der … als Betthupferl.

Alles dies aus einer einzigen, gerade einmal knapp zweiundzwanzig Minuten dauernden Sendung, aufgenommen genau auf dem Platz, wo sonst Woche für Woche Männer hocken, manche zu Stammgästen an der fellnerischen Theke zu …

Die fellnerische Anstalt nennt sich „oe24“. Es wurde stets gerätselt, wofür die Zahl „24“ steht; vielleicht ist die Zahl „24“ das, was für andere Männer ihr pferdeherdenstarker Sportwagen mit schier langgezogenem …

Opportunitätskosten des Opportunismus

Wegen der steigenden Armut sei hier Missbrauch moralisch verwerflich und unsolidarisch, erklärte Nehammer, und: Der Staat sei „kein Selbstbedienungsladen, und Sozialbetrug ist kein Kavaliersdelikt“.

Jährlich entgehen den EU-Staaten laut EU-Kommission 130 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Steueroptimierung. Allein für Österreich beläuft sich der Entgang auf 9 bis 13 Prozent der Körperschaftssteuer; gut eine Milliarde Euro.

Allein also der jährliche Entgang durch Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Steueroptimierung bei der Körperschaftssteuer von einer Milliarde Euro …

Eine Prozentrechenaufgabe für Karl Nehammer: Wieviel Prozent sind 20,1 Millionen Euro von 1 Milliarde Euro?

Es braucht mehr Wirtschaftsbildung, insbesondere zum Prinzip der Opportunitätskosten. Wenn ich mein Erspartes zu 2% Zinsen anlege, während ich bei selbem Risiko woanders bis zu 5% kriegen könnte, mache ich nicht 2% Gewinn, sondern 3% Verlust. Analoges gilt halt auch für Firmen.

Diese Rechnung stellt Ulrich Berger auf der Plattform des Unternehmens Twitter an. Am 17. April 2021. Ein Wirtschaftswissenschaftler aus Steyr.

Nach dieser Rechnung von dem „Wirtschaftsforscher“ aus Steyr, die Armin Thurnher eine „Milchbubenrechnung“ nennt,

Weil in der Pandemie immer mehr Menschen in Not geraten, gelte es bei Missbrauch nun noch genauer hinzusehen. Die Erfahrung zeige: Je mehr kontrolliert werde, desto mehr Anzeigen hagle es auch, deswegen will der Innenminister nun etwa auch auf Bezirksebene und in Zusammenarbeit mit den Pensionsversicherungen die Kontrollen intensivieren.

darf analog gerechnet werden: Wenn ich, also Karl Nehammer, die Kontrollen intensiviere, und dabei rund 20 Millionen heraushole, während ich bei selber Klientel allein eine gute Milliarde Körperschaftssteuer liegenlasse, von einer Milliarde also nur zwei Prozent herausbekomme, beschere ich, Karl Nehammer, dem Staat Österreich einen Verlust von 98 Prozent.

Wie recht doch der Wirtschaftsforscher aus Steyr hat, es braucht mehr Wirtschaftsbildung. Und weniger von dieser „Moral“, von der Karl Nehammer recht ergriffen ist, und noch weniger von dieser „unsolidarischen“ Haltung, die Karl Nehammer … Wie recht doch Karl Nehammer hat, seine Klientel zu ermahnen, daß der Staat „kein Selbstbedienungsladen“ ist, Delikte von Kavalieren keine „Kavaliersdelikte“ sind … …

Eine Nebengeschichte soll nicht verschwiegen werden. Zu passend erscheint diese zu den „Opportunitätskosten“, von denen Ulrich Berger schreibt.

Im Zusammenhang mit der „Milchbubenrechnung“ von dem Mann aus Steyr berichtet Armin Thurnher, wie in der Ausgabe der Wochenzeitung „Falter“ vom 21. April 2021 zu lesen ist:

Arbeitsminister Martin Kocher, ein zertifizierter Ökonom, stimmte per Like zu.

Martin Kocher stimmte also Ulrich Berger zu. Inzwischen hat Martin Kocher sein „Gefällt“ zurückgenommen. Jedenfalls ist sein „Gefällt“ in der Liste nicht mehr angeführt. Hingegen hat beispielsweise Susanne Leiter, Pressesprecherin von Beate Meinl-Reisinger, Neos-Vorsitzende und Klubobfrau, ihr „Gefällt“ nicht zurückgezogen, wie der „Gefällt“-Liste am 23. April 2021 zu entnehmen ist; in ihrer Weltanschauungsrechnung werden keine opportunistischen Kosten zum Abzug gebracht …

Wie recht doch Ulrich Berger hat, um noch einmal auf die Wichtigkeit der Bildung zu sprechen zu kommen, denn es kann nicht oft genug davon gesprochen werden, wie viel an Bildung noch gebraucht wird, nicht allein an „Wirtschaftsbildung“, sondern generell, um es einfach wie kurz zu sagen, an sogenannter, um ein heutzutage gar beliebtes Eigenschaftswort zu verwenden, ganzheitlicher Bildung.

Der Mann aus Steyr macht in seiner „Milchbubenrechnung“ auch diesen beliebten Rechtschreibfehler, also zwischen der Zahl und dem Prozentzeichen keinen Leerraum zu setzen, in einem Text überhaupt das Prozentzeichen zu verwenden, während es doch angebracht ist, in einem Fließtext es auszuschreiben, also zwei Prozent, fünf Prozent, achtundneunzig Prozent …

Rechtschreibfehler sind auch ein Merkmal für fehlende ganzheitliche

Allerletzt noch dies:

Die vom Mann aus Steyr angesprochenen „Opportunitätskosten“ laden zu einem Kalauer ein, zwingen regelrecht zu einem einfachen wie kurzen:

Es ist die Opportunität des Opportunismus, die dem Staat die ihn ruinierenden Kosten bescheren.

Restitution

Nationalsozialistisch belastet sei so manches Wort, daher hinaus mit diesem Schuft aus der deutschen Sprache, nationalsozialistisch belastet sei so mancher Begriff, daher hinaus mit diesem Schuft aus der deutschen Sprache, aus der deutschen Sprache, die dennoch nicht zur Gänze aufgegeben werden will, auch von jenen, die schreien: Hinaus mit dem Schuft!

Schuftig sind diese Wörter nicht, niederträchtig, gemein, ehrlos sind diese Begriffe nicht. Sie sind Opfer nationalsozialistischer Plünderungen, gestohlen von Nationalsozialisten, geraubt von Nationalsozialistinnen, genauso wie von ihnen Kunst geraubt wurde. Deshalb kann es auch im Fall des nationalsozialistischen Sprachverbrechens nur eine Konsequenz geben: die Restitution.

Es werde wohl gesagt werden wollen, zwischen sogenannten „ns-belasteten“ Wörtern, zwischen sogenannten „ns-belasteten“ Begriffen und Kunstwerken bestehe ein enormer Unterschied. Die nationalsozialistisch geraubten Kunstwerke seien nicht „ns-belastet“, die nationalsozialistisch geraubten Kunstwerke seien, wie es gerne gesagt wird, über jeden Verdacht erhaben

Aber stellen Sie sich vor, es hätte sich die Meinung durchgesetzt, die Kunstwerke, die von Nationalsozialstinnen geraubt wurden, müssen für die Nationalsozialisten doch einen rechten Wert gehabt haben, sonst hätten sie diese nicht gestohlen, und daher können diese Kunstwerke fortan für keinen Menschen mehr einen Wert haben. Wie viele Kunstwerke wären dann der Zerstörung anheimgegeben worden, ebenso zur Auslöschung verurteilt worden, die für sogenannte „ns-belastete“ Wörter und Begriffe gefordert wird. Eine massenhafte Zerstörung wäre die Folge gewesen. Oder, wenn nicht zerstört, so doch beispielsweise übermalt, in dem Sinne, wie gefordert wird, nationalsozialistisch doch nur geraubte Wörter und Begriffe umzudeuten, und erst, wenn eine Umdeutung nicht zu gelingen scheint, diese aus der Sprache zu eliminieren. Wie würde sich nach einer Umdeutung etwa „Damenbildnis mit goldenem Hintergrund“ heute präsentieren? Vielleicht so? Ein Versuch.

Der Zerstörung, der Auslöschung wäre, um ein gerade in Österreich gar angebetetes Kunstwerk als konkretes Beispiel zu nennen, auch die „Goldene Adele“ zum Opfer gefallen. „Goldene Adele“, die zuerst geraubt wurde, und dann von der „Österreichischen Galerie Belvedere“ unter dem NSDAP-Mitglied Bruno Grimschitz angekauft wurde, wie den „Neuerwerbungen der Österreichischen Galerie – 1941“ zu entnehmen ist, erschienen vor achtzig Jahren. „Goldene Adele“ aber wurde nicht zerstört, dieses Bild von Gustav Klimt wurde nicht ausgelöscht, sondern hochgeschrieben zur „Ikone österreichischer Identität“ …

Aber die „Goldene Adele“ wurde im Jahr 2006 restituiert.

Gustav Klimt und seine Werke waren dem Nationalsozialismus teuer und wert, so wertvoll, daß ihn 1943 das nationalsozialistische Wien mit einer Retrospektive feierte, auf Betreiben von Baldur von Schirach, der im Nürnberger Prozeß einer der angeklagten Hauptkriegsverbrecher war und zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde.

The last true retrospective of Gustav Klimt’s art was held in Vienna, in 1943, at the instigation of Baldur von Schirach, the city’s Nazi ruler and former head of the Hitler Youth. This article examines the political motivations of the exhibit – virtually ignored in the Klimt literature – and explores how Klimt’s art was displayed and interpreted to accord with Nazi aesthetics and von Schirach’s aim to elevate the cultural cache of Vienna, despite Adolf Hitler’s hatred for the city. It proposes the exhibition as an attempt to erase the collective memory of fin-de-sie’cle Vienna. © The Author 2016. Published by Oxford University Press; all rights reserved.

So könnte gesagt werden, Gustav Klimt und seine Kunstwerke seien „ns-belastet“, seine Werke sind ebenso zu zerstören, auszulöschen wie „ns-belasteten“ Wörter und Begriffe. Gustav Klimt selber aber starb bereits 1918. Er schuf seine Werke lange vor dem Nationalsozialismus, genauso wie Wörter und Begriffe lange vor dem Nationalsozialismus geschaffen wurden.

Etwas aber wurde ausgelöscht, von einer Sache will im Zusammenhang mit Gustav Klimt und seinen Werken, obgleich es über ihn eine umfangreiche Literatur gibt, nicht gerne gesprochen, geschrieben werden, besonders in Österreich, daß er auch für die Nationalsozialisten ebenso bedeutend war, sonst hätten Nationalsozialistinnen ihm wohl nicht noch 1943, inmitten dieses grausamen Krieges, inmitten der grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, eine Retrospektive …