Arno Breker erfährt von Ernst Fuchs: „Jahrzehntelang war das Andenken an so großartige Bildhauer … Du zum Beispiel, nicht wahr, völlig verschüttet, weil verdrängt …“

Ernst Fuchs: Aber das Trocadéro ist ja auch ein typisches Beispiel dafür, daß das, was man den Nazi-Stil nennt, überhaupt nicht auf Deutschland beschränkt war, sondern ebenso in Frankreich, in Spanien, in Italien.

Arno Breker: Ich war in der Jury der Weltausstellung damals. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Ernst Fuchs: Sag, hat damals Bourdelle noch gelebt?

Arno Breker: Jaja, natürlich.

Ernst Fuchs: Jaja. Ich glaube auch, daß Deine frühe Plastik, was das Heroische darin anbelangt,

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: zu Bourdelle eine gewisse Beziehung hat, und zu Meštrović.

Arno Breker: Ich habe ihn mit beerdigt, als er starb

Ernst Fuchs: Ja, jaja.

Arno Breker: in den zwanziger Jahren.

Ernst Fuchs: Und hast du Meštrović gekannt?

Arno Breker: Nein.

Ernst Fuchs: Ivan Meštrović.

Arno Breker: Die Frau von Bourdelle war Griechin, wie meine Frau.

Ernst Fuchs: Aha.

Arno Breker: Du kannst Dir ja vorstellen, wie ich zum ersten Mal das Atelier da besuche, mit meiner Frau, da war sie die Witwe,

Ernst Fuchs: Aha.

Arno Breker: die haben sich ja sofort in die Arme gefallen. Nicht? Waren Freunde bis zum letzten Atemzug.

Ernst Fuchs: Mhm.

Ernst Fuchs: Auch Bourdelle. Ich habe unlängst erst gehört, daß diese ganze Periode jetzt erst entdeckt wird, jetzt.

Arno Breker: Jetzt, ja, sie ist jetzt aufgestellt … wie zuvor.

Ernst Fuchs: Ja, man kann sagen, jahrzehntelang war das Andenken an so großartige Bildhauer wie Szukalski, der Pole, großartiger Mann, nicht wahr, oder Bourdelle, Du zum Beispiel, nicht wahr, völlig verschüttet, weil verdrängt und man wollte sich allgemein mit dem Phänomen dieser Kunst nicht befassen.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Es liegt im Zeitgeist, und ich hoffe, daß das nun sich ändert und daß man einfach nur von der Kunstbetrachtung ausgeht, all das, was da geschaffen wurde, ganz vorbehaltlos betrachtet.

Arno Breker: Das tun sie noch nicht bei mir.

Ernst Fuchs: Na. Aber ganz besonders nicht bei Dir.

Arno Breker: Weil ich den falschen Auftraggeber hatte.

Ernst Fuchs: Aber den hatten doch so viele.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Warum gerade Du?

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Verhältnismäßig … unbeteiligt an all dem, als …

Arno Breker: … geistig absolut selbständig …

Ernst Fuchs: Während Speer doch, kann man wirklich sagen, absolut involviert war, organisatorisch und in jeder Hinsicht.

Arno Breker: Nachdem ich Hitler Paris gezeigt hatte, da, abends, wir sind draußen, herrliches Wetter … da kommt Hitler aus dem Bunker und sieht mich, winkt mir zu und ich soll zu ihm kommen. Und wir gehen stumm, bis uns der Wald verschluckt hatte. Da blieb er stehen, nahm mit seinen beiden Händen meine rechte Hand und sagte: „Breker, ich muß mich in aller Form bei Ihnen entschuldigen, weil ich Sie falsch gesehen habe.“ Nicht? Er hatte mich falsch gesehen, weil er mich zu spät eingesetzt hatte. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Nachdem, äh, Fauxpas, wo ich ihm sagte, äh, äh, als, wegen der Olympiade. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja. Daß du ein Antikisierender wärst, ja.

Arno Breker: Der hat mich scharf angesehen, hat sich auf dem Absatz umgedreht, da war ich aus. Da habe ich zwei Jahre, war ich im Untergrund, kein Mensch wollte was von mir wissen, wie abgeschnitten war alles. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und jetzt baut er die Reichskanzlei. Er hat ja auch seine Bildhauer und gibt denen die Aufträge, die Modelle zu machen. Und die lehnt er alle ab, ohne Ausnahme. Da sagt Speer, jetzt weiß er nicht, wie das weitergehen soll. Die Zeit drängt. Da sagt er zu ihm: „Versuchen Sie es mal mit Breker.“ Speer war genauso gegen mich eingestellt. Speer. Nicht? Später. Und er rief mich denn an, sehr unhöflich, äußerst unhöflich, empfing mich äußerst unhöflich, es war nur zwei, drei Minuten. Ich kam in den Raum hinein, wo die Modelle für die Reichshauptstadt stehen, phantastische Gipsmodelle und in der Steinfarbe bereits getönt. Also ein Wunder an Können.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und da war so der Ehrenhof, wurde mir gezeigt, der Haupteingang zur Reichskanzlei, neben der Treppe zwei Blöcke, die auf eine Figur warteten. Und wie ich davor stand, hatte ich sofort meine Idee. Nicht? Da kommt nur etwas in Frage, was eine Beziehung zum Reich hat. Also, ein Mann, der das Reich schützt, ein Mann mit dem Schwert und ein Mann mit der Fackel, also ein Mann des Geistes, der die Partei symbolisiert. Nicht? Ich sagte dem Speer nichts. Nach zwei Minuten war ich draußen, und er fragte nur, wann sehe ich sie wieder, sagte ich, in vierzehn Tagen. In vierzehn Tagen komme ich hin mit meinen zwei Figuren. stell sie auf den Sockel, heil Hitler, raus, ich war kam zu Hause wieder Telefon, wieder Speer, sagt, sie müssen noch einmal zurückkommen. Da war inzwischen Hitler da gewesen und war hell begeistert, und wie er den Mann mit dem Schwert sieht, sagt er, das ist die Wehrmacht. Nicht? Der Mann mit der Fackel, das ist die Partei. Und dann gab er dem Speer den Auftrag, was ich alles zu machen hatte. Der … Platz, der schon vergeben war, wurde dem Bildhauer entzogen.

Ernst Fuchs: Wer war das? Erinnerst Du Dich noch?

Arno Breker: Ich weiß es nicht mehr. Aber stell Dir mal vor, nur ein Beispiel.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: … Das war dieselbe Situation wie in Paris in Berlin, eine ansteigende …Während ich in die Erde ging … Habe ich das Symbol „Die ewige Wiederkehr“ darstellen wollen … Der Apoll ist acht Meter hoch, die Pferde sechs Meter und … sah toll aus.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Das war alles fertig.

Ernst Fuchs: Wie Du sagst, das sind siebzig Prozent Deines Werkes und es ist alles weg.

Arno Breker: Alles weg. Habe nicht einmal mehr Fotos davon.

Ernst Fuchs: Was ist das für ein Schicksal, da hineingeboren zu sein,

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: mit all dem Können, mit all den Möglichkeiten.

Arno Breker: Ja. Ich habe mich kaputtgearbeitet.

Ernst Fuchs: Ja. Und dann ist.

Arno Breker: Kurz darauf der Zusammenbruch …

Ernst Fuchs: Ja. Der Künstler ist doch wie ein Sisyphus.

Arno Breker: Als der Russe, der Stalin, war hell begeistert. Und, ich war ja in der amerikanischen Besatzungszone, als Stalin mich haben wollte …

Ernst Fuchs: Schreckliche Zeiten waren das, ich kann mir das gut vorstellen. Kurz nach dem Krieg, nichts zu fressen,

Arno Breker: und kein Geld …

Ernst Fuchs erfährt: „Da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte.“

Ernst Fuchs: Hattest Du um diese Zeit, Du warst doch ein sehr junger Mann, einen politischen Weitblick, sozusagen für Dich selbst, vorherzusehen, was aus diesem Wahnsinn werden könnte? Hattest Du eine Idee, eine Ahnung, daß daraus nix wird.

Arno Breker: Also da war ich positiver wie Du denkst, weil ich wußte, daß er keine krummen Sachen machen würde, nicht wahr, mit Ausnahme der Juden-Geschichte. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und darüber habe ich mit ihm nicht gesprochen, ich habe das mal angedeutet, er hat nicht darauf reagiert, er hat auch niemals etwas gesagt. Verstehst jetzt, in seiner Umgebung. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Beispielsweise bei der Kristallnacht.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Da war ich bei ihm. Nicht? Da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte.

Ernst Fuchs: Nein, das gibt’s doch nicht.

Arno Breker: Er ist nämlich in der Nacht ist er mit dem Zug, im Zug gewesen von München nach Berlin.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Er und Goebbels.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Nicht. Und beide wurden überrascht. Und als das passierte, kam meine Frau weinend in das Atelier […]

Arno Breker „war“ — „bei der Kristallnacht“ — „bei ihm“, also bei Hitler, der, also Hitler, mit Goebbels „im Zug von München nach Berlin und beide wurden überrascht, da wußte ja niemand, wer das gemacht hatte“ „und als das passierte, kam meine Frau“, also Frau Breker, „weinend in das Atelier“ …

Ernst Fuchs erfährt von der „großen Geste des Führers“

Es ist nicht bekannt, daß Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, diese „große Geste des Führers“ in einem Gemälde verewigte, bekannt aber ist, daß er, Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, Arno Breker zeichnete, während sie miteinander sprechen, Ernst Fuchs, „Maler und Genie“, Arno Breker interviewt wurde.

In diesem Kapitel hätte erzählt werden sollen von Gerhard Schumann und Ernst Dombrowski, die nicht nur weinseliger Umgang miteinander verband, nicht nur, daß beide Preisträger von recht bedeutenden Auszeichnungen geehrt, Ernst Dombrowski mit dem „Dichtersteinschild“ 1976, Gerhard Schumann mit der Ulrich-von-Hutten-Medaille 1981, die 1980 auch Arno Breker erhielt, und damit gehören Schumann und Breker zu dem recht exklusiven Medaillenbund, dem auch Ilse Dvorak-Stocker angehört, die die Ulrich-von-Hutten-Medaille 2002 erhielt, aber, das wird nicht nur in Österreich verstanden werden, sondern in der ganzen Welt, daß ein „Maler und Genie“ Vorrang hat vor einem SS-Obersturmführer wie Gerhard Schumann, der dazu Dichter und kein Genie war.

So sind die nächsten Kapitel Ernst Fuchs, dem „Maler und Genie“ gewidmet, der aus dem Munde von Arno Breker die Wahrheit erfährt, wie es war, als er, Bildhauer und Genie, mit ihm, dem „Führer“, wie er ihn nennt, in Paris war, und Ernst Fuchs, Maler und Genie, darüber nur mitfühlend verwundert sein kann, im November 1990, daß diese „große Geste des Führers“ „keine Erwähnung bei den Historikern“ —

Es muß den anschaulichen Schilderungen des Arno Breker, die Ernst Fuchs wohl ebenso anschaulich gleich zeichnerisch festhielt, keine Erklärung hinzugefügt werden, außer, vielleicht, wie sein „Führer“ alles zu „steigern“ vermochte, sogar die Zeit verändern konnte, Monate vergingen, wie Breker erzählt, in „vierzehn Tagen“, auch den Kalender zu Blitztempo steigern vermochte; es war Juni, als er den Befehl gab, und schon, noch im Juni, war der 14. Dezember da, als der Sohn zum Vater

Ernst Fuchs: Und Deine Gespräche mit dem Führer, wie Du ihn heute noch nennst, ist interessant, wie waren die, waren die steif, waren die formell oder waren die ganz locker?

Arno Breker: Ganz locker. Ich war der einzige Mensch, der ein Gespräch unter vier Augen hatte mit ihm.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Das war eine riesige Auszeichnung. Das war, nachdem ich ihm Paris gezeigt hatte.

Ernst Fuchs: Mhm.

Arno Breker: Als der Waffenstillstand mitternachts um 12 durch Hornsignale bekanntgemacht wurde, ich war im Hauptquartier, wußte auch nicht warum, und da stand Keitel auf und hielt eine Rede auf Hitler, auf den Führer, der den Krieg gegen Frankreich gewonnen hatte. Und Hitler hörte sich das an, am Schluß sagte er: „Mein Führer, ich möchte Sie bitten, daß das Hauptquartier die Reise nach Paris morgen mit ihren drei Künstlern antritt. Er wollte Paris sehen nur als Privatmann, als Bewunderer der französischen Kultur, als Bewunderer der Architektur, und die Dinge, die er vorhatte, noch steigern zu können. Nicht? Denn er war mit vielen gar nicht zufrieden. Ich saß in seinem Wagen hinter ihm und erklärte ihm Paris, erklärte ihm die Bauten usw. Und er sprach nicht ein einziges Wort mit den Leuten des Hauptquartiers, nur mit mir und hie und da mit Speer. Wir sind im Dôme des Invalides. Ich stehe neben ihm, er hat die Mütze in der Hand und schaut auf Napoleon. Und da spricht er vor sich hin: Daß der Sohn an der Seite seines Vaters ruhen müßte.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Und wurde Bormann zitiert. Er gab dem Bormann den Befehl, das sofort in die Wege zu leiten. Und dann habe ich in Paris vierzehn Tage später erlebt, wie nachts um 12.00 Uhr die Leiche ankommt, da wird ein Fackelzug gemacht vom Gare de l’est bis zum Dôme des Invalides. Nicht? Und die Tat, daß nun der Sohn neben seinem Vater, hattte nicht die geringste Bedeutung für das französische Volk gehabt.

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Oder die geringste Aufmerksamkeit. Also, das war doch eine große Geste. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja, das ist, dazwischen waren mehrere entscheidende Einschnitte in das politische Leben Frankreichs.

Arno Breker: Ja, ja, ja.

Ernst Fuchs: Und, ich glaube, bis heute gibt es keine Erwähnung dieses Umstands bei den Historikern.

Arno Breker: Ja. Er hat mir gesagt, ich hätte ja an der Spitze der siegreichen Truppe die Champs Élysées heruntermarschieren können. Nicht?

Ernst Fuchs: Ja.

Arno Breker: Aber ich habe es nicht gemacht, weil ich die Seele des französischen Volkes nicht, nicht bedrücken wollte.

Ernst Fuchs: Ja.

„Der Kanzler arbeitet für Österreich – Du bist blockiert.“

Kinder haben, trotz der Digitalisierungen, nach wie vor eine Freude am gerätelosen Spiel:

„Ich mach‘ meine Augen zu, Du siehst mich nicht.“

Kinder können

„Ich mach‘ meine Augen zu. Ätsch bätsch, Jetzt siehst Du mich nicht!“

ganze Nachmittage spielen, und das überall, auf den Spielplätzen, in den Wäldern, auf den Rücksitzen im Auto …

Du bist blockiert
Du kannst @karlnehammer nicht folgen und die Tweets dieses Nutzers nicht sehen.

Es ist ein Spiel, das auf den digitalen Spielplätzen, in den digitalen Wäldern ebenfalls großer Beliebtheit sich erfreut, mit ebenso großer Leidenschaft gespielt wird, in dem „Autoland“ ganz natürlich im Auto zuallererst, aber, es hat sich weiter entwickelt, das menschgemäß verständlich ist, kommt nun doch hinzu die Technik, so etwas Erwachsenes

„Ich blockier‘ Dich. Ätsch bätsch …“

Einfallsreich, wie sonst nur das Kind sein kann, gibt es Varianten von diesem digitalen Spiel:

„Ich blockier‘ Dich. Ich blockier‘ Dich nicht. Mußt erst sagen: …“

Darauf darf aber beispielsweise nicht „fpoe_nein_weil“ gesagt, sondern muß gerufen werden:

„FPÖ-JA.“

Das genügt ihm dann, auch ganz ohne einem „Weil“, vollauf, um zu entblocken.

Das ist die, einfach wie kurz gesagt, demokratische Variante dieses technofizierten Kinderspiels, gewinnen bei dieser, was das Wesen der Demokratie ist, doch alle, die Kinder, die wieder ihm sehend folgen dürfen, und das Kind, das meint, mit geschlossenen Augen je ungesehen, unverfolgt wieder mit aufgekrempelten Ärmeln wie bei der Arbeit —

Sondereinsatztage in Österreich, des Gedenkens wert

HASLACH, WIEN. Es war noch dunkel, als heute Morgen die Polizei anrückte und die […] Familie […] abholte. Um fünf Uhr früh hätten Polizisten, laut Bericht von Zeugen, die Tür des Wohnhauses aufgebrochen und die Wohnung gestürmt. Die 40-jährige […] sowie ihr 15-jähriger Sohn […] wurden festgenommen. Kurze Zeit später wiederholte sich laut eines anderen Zeugen das gleiche Schauspiel wieder, bei der Wohnung der 21-jährigen Tochter […], die zur Untermiete lebte. Alle drei wurden in Schubhaft genommen. In Haslach herrscht Unverständnis und Aufregung aufgrund der durchgeführten Abschiebung. Waren doch […] und ihre zwei Kinder in der Gemeinde gut integriert, wie die BezirksRundSchau schon am 10. Februar berichtete.

Und der Vermieter berichtet über den nächtlichen Auftrittseinsatz der österreichischen Polizei:

Schlußendlich haben sie das Schloß geknackt und dann haben sie das ganze Haus auf den Kopf gestellt, sie haben die Bettwäsche durchwühlt, sie haben ein Chaos hinterlassen. Das hat mich schockiert, weil ich dachte, in Österreich macht die Polizei so etwas nicht. Und sie haben mich immer wieder gedrängt zu verraten, wo […] ist. Ich habe sie aufgefordert, mein Haus zu verlassen, weil ich sie gar nicht reinlassen wollte. Ich wollte die Papiere sehen, welche sie dazu befähigt, in mein Haus einzudringen. Sie haben gesagt, sie brauchen keine Papiere. Ja, sie haben sie in ein großes Auto gesetzt und mitgenommen. Als das Auto weggefahren ist, haben sich die restlichen acht Polizisten high fives gegeben, sie haben sich gesagt, sie hätten einen guten Job gemacht. Und das macht mich wütend, das ist jetzt das Bild, das ich im Kopf habe. Ich meine, acht Polizisten, was soll das? Diese Person hat nichts falsch gemacht, sie ist nicht jemand, der abhaut. Ihr Name steht auf dem Türschild ihrer Wohnung. Sie wußten, wo sie wohnt. Sie hätten eine Polizistin schicken können, vielleicht ein bißchen später, vielleicht um 6.30 Uhr in der Früh. Sie hätten einfach sagen können, sie suchen […], würden sie bitte mitkommen und natürlich wäre […] mitgekommen.

Es scheint, daß die für Österreich geschichtlich zu nennenden Daten von christschwarzer Partei geführten Regierungen obsessiv zum Anlaß genommen werden, diese auf eine recht besondere Art unbedingt begehen zu wollen, wie auch nun wieder, in der Nacht vom 10. auf den 11. April 2023.

Am 10. April vor 85 Jahren brach „legitimiert durch eine Volksabstimmung“ die reichsdeutsche Nacht über die seit fünf Jahren währende österreichische Nacht herein …

Der 27. Jänner nicht nur für Österreich ein geschichtlich zu bedenkender Tag, der von der christschwarzen Partei geführten Regierung in der Nacht vom 27. auf den 28. Jänner 2021 auf ihre rechte Art begangen wurde, wie jetzt in der Nacht vom 10. auf den 11. April 2023, mit dem Stürmen und Herausholen von Menschen aus ihren Betten

Der 9. November 2020, begangen von einer christschwarzen Partei geführten Regierung, damals einfallsreich genannt „Operation Luxor“ …

Operation Luxor: Nehammers Debakel

Die „Operation Luxor“ gegen angebliche Mitglieder der Muslimbruderschaft im November 2020 war eine der größten Polizeiaktionen der letzten Jahrzehnte – und in Wahrheit ein Polit- und Behördenskandal. Recherchen legen nahe, dass sich Österreich als williger Spielball fremder Mächte missbrauchen ließ. Von Anna Thalhammer 02.04.23, Profil

… die mit Operation Luxus zutreffender … Denn. Aufwendig war diese, recht aufwendig wurde dieser besondere Gedenktag 9. November begangen.

Der damalige christschwarze Polizeiminister konnte den 9. November nur so luxuriös begehen, weil er nach dem 2. November 2020 nicht gegangen ist.

Den 8. Mai begeht eine Partei, die für kurz in der Bundesregierung von der christschwarzen Partei geführt wurde, auf ihre eigene rechte Art,

und sie ist nun wieder ein weiteres Mal in einer von der christschwarzen Partei geführten Regierung auf dem Lande, und die Ankündigung der bevorstehenden Einigung auf eine „Koalition“, die für den damaligen Polizeiminister „keine Koalition“, berichtet eine Tageszeitung am 12. März 2023,

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner will sich bis Mitte der Woche
mit Udo Landbauer einigen, Abgrenzung zu Grün im Bund
Von Martin Gebhart, Johanna Hager
12.03.2023, 19:00

an einem 12. März, der ebenfalls geschichtlich für Österreich

Historische Tage scheinen von christschwarz geführten Regierungen in Österreich als Sondereinsatztage verstanden zu werden, an denen sie, mit denen sie die österreichische Nacht

Stiftung von Ernst und Rosa Dombrowski – Gerald Grosz,

wie brav er da sitzt, wie gesittet, ach, wie jung und hübsch, und still, wie warm muß es seinem nicht nur mit seinem Auto, auch mit seiner Politik verunglückten „Mitstreiter“ stets um sein Herz geworden sein, sah er in sein Antlitz, wie ihm es da steht, brav, gesittet, und wie sitzt es nun da, an der Sitzbar der Fellners, ebenso brav, gesittet, nur eben fünfzehn Jahre später, und so brav und gesittet, wie es Reden zuhören kann, so brave und gesittete Reden kann es auch selbst halten, fünfzehn Jahre später, gelernt wohl auch an diesem Tag des Jahres ’08, als es brav und gesittet zuhörte, im Meerscheinschloß zu Graz, als die Preisverleihung „in Erinnerung“, wie eine österreichische Tageszeitung pflichtgemäß berichtet, an den Holzschneider“ …

Im letzten Oktober, vierzehn Jahre nach seiner braven und sittsamen Beisitzung, werden sie wohl gefiebert haben, ihm und sich selbst die Daumen fest in die Faust gedrückt haben, daß er werde, was ihnen noch fehlt, eine mitstreitende Bundespräsidentin,

ach, so einen mitstreitenden Bundespräsidenten zu haben, das wäre schon was, so recht zum Glücklichsein, wird vielleicht auch beim gemütlichen Beisammensein im Meerscheinschloß oder im Raiffeisenhof, wo die Preisverleihungen abwechselnd stattfanden, vielleicht nach wie vor abwechselnd stattfinden, einmal im Raiffeisen…, andermal im Meerschein…, geträumt worden sein und weiter geträumt …

Was hätten sie wohl zuerst ausgerufen, wenn er, der so hübsch brav, gesittet unter ihnen sitzt, gewählt worden wäre, zu dem, was er meinte, geworden zu sein, was würden sie wohl zuerst ausrufen, wenn eine, die so brav hübsch gesittet unter ihnen gewählt werden würde, zu dem, was sie meinen, es stünde ihnen zu, auch dieses Amt:

„Zeit für Sauberkeit!“

Austriakische Korrekturen

Es mag in anderen Ländern Menschen geben, die sich darüber wundern, wenn wer in die eigene Biographie nicht alles aufnimmt, etwas wegläßt, worauf in anderen Ländern Menschen stolz wären, es in ihren Biographien zu verzeichnen, etwa Preise, die sie bekommen haben.

In Österreich hingegen ist es Tradition, das wegzulassen, was —

In Österreich wundert es nicht, in Österreich wunderte es, täte es wer nicht, und das nicht erst seit dem Mann, der diese Tradition vor 38 Jahren nicht begründete, bloß bekräftigte.

Eine Preisträgerin gab ihrem Buch den Titel „Wie eine Feder im Wind“

Was für eine Vorgabe eines ersten Verses und zugleich Titel für die Auslobung eines Wettbewerbes für eine gänzlich neuen Bundeshymne Österreichs, nachdem doch nach wie vor viele mit der gegenwärtigen hadern, freilich aus absonderlichen und also recht alten

Es wird in Österreich nun welche geben, die sich grämen, daß Marlen Schachinger ihren ihr verliehenen Preis nicht mehr für würdig befindet, diesen ihren in ihrer Liste ihrer „Literaturpreise“, Stipendien …“ zu führen, wie am 12. April 2023 auf ihrer Website zu lesen ist.

Es mag ihnen aber Trost sein, daß sie damit in Österreich weitergibt die Asche der Tradition, oder heißt es: das Feuer

Ein weiterer Trost mag ihnen sein, ihren Gram darüber teilen zu können, mit einem Ort, von dem jetzt auf Anhieb nicht gewußt wird, ist dieser eine Stadt, eine Marktgemeinde, ein Dorf, der ihr Geburtsort ist, aber den zu erwähnen sie für sich ebenfalls nicht als würdig zu empfinden scheint, jedoch sie findet Zuflucht bei der Poesie, auf diese österreichische Traditionsart, über alles die Tuchent, und wenn es eine Schneetuchent, in der österreichischen Zuversichtstradition, die wird schon nicht schmelzen und preisgeben, was —

Marlen Schachinger wurde im Dezember 1970 frühzeitig und während eines Schneesturms im Innviertel geboren; wohlgemerkt: der österreichischen Variante desselbigen, und wie alles kommt auch so ein Schneesturm hierzulande ein bisschen gemütlicher, ein bisserl lahmer daher als anderswo.

Dabei, ach, dabei gibt es in Österreich doch keinen rechten Grund, einen Preis zu verschweigen, wird doch, auch über diesen Preis recht anerkennend geschrieben, beispielsweise von der „Kleinen Zeitung“, die berichtspflichtgemäß sachlich den Namen der Preisträgerin bekanntgibt, nach deren Titel eine neue Hymne gedichtet werden könnte —

Seit 1988 wird der „Ernst und Rosa von Dombrowski-Stiftungspreis“, dotiert mit 5000 Euro, an bildende Künstler, Schriftsteller und Komponisten vergeben – in Erinnerung an den österreichischen Autor, Holzschneider und Illustrator (1896-1985) und dessen Frau. Heuer geht er an […]

Es werden sich, wenn das ginge, und in einem katholischen Land geht das, auch Rosa und Ernst Dombrowski grämen, daß Marlen Schachinger ihrer nun nicht mehr erinnern will, aber auch ihnen mag Trost sein, ihren Gram mit ihren Kuratoriumsmitgliedern und mit dem innkreisigen Ort teilen zu können, daß sie nur irgendwo im „Innviertel“ geboren sein will, und nicht in dem Ort der Vorsehung

Und ihnen allen in ihrem Gram noch ein weiterer Trost, daß eine Tageszeitung aus dem Lande der Dichtungsverehrung die Erinnerung an ihren Meister so recht gut weitergibt …

Ernst und Rosa von Dombrowski-Stiftungsfondspreisträgerin Hannah Oppolzer: „Es ist ein Zusammenschmelzen von Gegenwart und Vergangenheit. Vielleicht müssen wir heute gedenken, weil damals zu wenig gedacht wurde.“

Es ist sein Name, der. Mir. Brücken schlägt zu jener Vergangenheit. Der Hinweis auf die Individualität, die sich trotz der Kollektivvernichtung, die diesen Ort kennzeichnet, bewahrt hat. Die Buchstaben allein lassen nicht auf seine Persönlichkeit, auf seine Eigenarten, auf seinen Charakter schließen. Sie klingen fremd. Aber genauso fremd bin. Ich. An diesem Ort des Gedenkens. Ich. Die. Ich. Nie wissen werde, wie es sich anfühlte für ihn. Ich. Die. Ich. Nur versuchen kann, nachzuvollziehen, was an diesem Ort geschah. Aber etwas verändert sich, wenn. Ich. Den Namen lese, wenn. Ich. Dem Klang der Buchstaben lausche. Es ist ein Zusammenschmelzen von Gegenwart und Vergangenheit. Denn plötzlich bekommt all das, was. Ich. Über diese Gräueltaten gehört habe, Bedeutung. Plötzlich kenne. Ich. Ein Gesicht zu den Fakten und Zahlen, und alles wird greifbarer. Ich. Habe das Gefühl, die Bahnen der Zeit zu durchbrechen. Meine. Schritte auf kantigem Stein, die vielleicht er mit seinen Händen gelegt hat. Meine. Hände auf der Mauer, die ihn von den Menschen trennte, als der er geboren wurde und ihn zu der Nummer machte, als der er sterben mußte. Ich. Sehe den Namen und weiß, daß sich dahinter ein Leben verbarg, das auszulöschen niemand das Recht hatte. Und. Ich. Stehe hier an diesem Ort des einstigen Schreckens und überlege, was er wohl für ein Mensch war. Seine Lieblingsfarbe will. Ich. Wissen, und ob er lieber Äpfel oder Birnen gegessen hat. Ich. Weiß nicht viel über ihn, aber. Ich. Denke der größte Unterschied zwischen ihm und. Mir. Liegt wohl in der Zahl der Möglichkeiten. Ich. Habe eine Perspektive, ein Leben, eine Zukunft, ihm aber wurde seine zerstört, bevor er danach greifen konnte. Wer hat das Recht, jemanden die Zukunft zu stehlen? wer hat das Recht, jemanden das Privileg zu verwehren, eines natürlichen Todes zu sterben? Denn bei ihm hat der Tod all seine Natürlichkeit verloren, er ist Opfer einer Zeit geworden, die Leben wie Lebensmittel abgewogen hat, zur falschen Zeit am falschen Ort, die falsche Nationalität, die falsche Sprache. Wir sind es gewohnt, alles zu kategorisieren, wir haben Vorstellungen von gut und schlecht, richtig und falsch. Aber wir müssen verhindern, daß Menschen selbst dieser Wertung unterzogen werden. Wir dürfen nicht zulassen, daß wir Leben gegen Leben abwiegen. Und wir müssen ein Bewußtsein dafür entwickeln, daß wir nicht alles tun dürfen, was wir können, und daß wir noch lange nicht das Recht haben, Macht über andere auszuüben, nur weil wir die Mittel dazu besitzen. Die Gedenkstätte Mauthausen ist ein stiller Ort, und vielleicht muß er heute zu still sein, weil er damals so laut war, so tobend, so fürchterlich, so grauenhaft. Vielleicht müssen wir heute gedenken, weil damals zu wenig gedacht wurde.

Die Rede in einer Fernsehaufzeichnung, nach dieser übertragen.

Am 4. Mai 2018 durfte ich mit anderen jungen AutorInnen bei der Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus in der Hofburg Wien teilnehmen.

Ein paar Wochen zuvor hatten wir uns mit den Schriftstellern Christoph Braendle und Florian Gantner in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen getroffen, um dort gemeinsam an unseren Texten zu arbeiten. Direktorin Barbara Glück und pädagogische Leiterin Gudrun Blohberger führten uns durch die Gedenkstätte und machten uns mit einem Kapitel unserer Geschichte vertraut, von dem wir zwar schon viel wussten, das uns aber noch nie so eindringlich begegnet ist wie in diesen Momenten. 

Jedem und jeder von uns wurde ein Name und eine Kurzbiographie eines Häftlings zugeteilt, auf dessen Spuren wir uns schreibend in die Vergangenheit vortasten sollten. Es waren berührende und lehrreiche Tage, die in dem Video „DIALOG DES ERINNERNS – GESCHICHTEN BRAUCHEN STIMMEN“ eingefangen wurden. 

Die im ORF übertragende Gedenkveranstaltung wurde schließlich auch wegen Michael Köhlmeiers geschichtsträchtiger Rede und der Begegnung mit ZeitzeugInnen zu einer unvergesslichen Veranstaltung.

Das ist auf der Website von Hannah Oppolzer zu lesen, am 11. April 2023, in Erinnerung an eines ihrer „Projekte“, mit „Michael Köhlmeiers geschichtsträchtiger Rede“ und „Begegnung mit ZeitzeugInnen“, das am 4. Mai 2018 „zu einer unvergesslichen Veranstaltung“ und

ein paar Monate später, irgendwann im Jahr 2019, beteiligt sie sich an der Ausschreibung des Ernst-und-Rosa-von-Dombrowski-Stiftungsfondspreis und wird eine Dombrowski-Preisträgerin

Sie, Hannah Oppolzer, nimmt noch keine austriakischen Korrekturen vor, sie verschweigt nicht ihren Dombrowski-Preis; vielleicht sind es deren noch zu wenige, um es sich leisten zu können, auch nur auf einen in der Biographie verzichten zu können.

Ob Kinnlädchen sie ebenso ermutigt hat, so am 4. Mai ’18 zu sprechen, wie er Michael Köhlmeier ermutigt hat, so zu sprechen, am 4. Mai, der noch im November desselben Jahres ganz ermutigt war, Fragen zu stellen …

Es ist kein „Zusammenschmelzen von Gegenwart und Vergangenheit“. Um im Bild von Hannah Oppolzer zu bleiben. Die Gegenwart schmilzt zur Vergangenheit, die im Dom…, auch mit Dombrowski, zelebriert wird.

Und auf der Website des Stiftungsfonds mit seinem Büro und seiner Telefonnummer des von Kinnlädchen geschätzten Verlages ist zu lesen, am 11. April ’23, was Dombrowski selbst über sein Leben sagt:

Ich habe es versucht, aber ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, gerecht zu sein. In der Zeit, in der ich mir Gedanken über mich und die Welt, über meine Welt, zu machen begann, trat mir das Wort Spenglers entgegen: der Untergang des Abendlandes. Damals ist viel darüber geredet worden. Was für die einen ein Anzeichen des Unterganges war, bedeutete für die anderen den Beginn einer großen, neuen Zeit, das Entstehen einer noch nie da gewesenen Weltkultur, die alle früheren Kulturen überwölben sollte.

Ja, Spengler, ihnen schmilzt die Gegenwart zur spenglerischen Gegenwart.

Und der Vizepräsident des Stiftungsfonds sucht, wie sein Reichgeehrter, auch, wieder und weiter, die „neue Ordnung“, in der Gaue Gaue … Dombrowski traf auf Menschen, die kamen aus dem „Sudetengau“, aus —

Und auf der Website der Stiftung, die Büro und Telefonnummer mit dem Verlage teilt, schreibt ein Wolfgang Arnold, dort als „Zeitkritiker“ eingeführt, über „Leben und Werk“ von Dombrowski, woraus ein Zitat genügt, um zu wissen, was ihnen Gegenwart ist: eingeschmolzene Vergangenheit …

Aber 1938 war eine vollständige Serie seiner Holzschnitte, Portraits großer Deutscher darstellend, nicht nur in den Schaufenstern der Alpenland-Buchhandlung ausgestellt, sondern auch in Amtsstuben und Lagern, sogar – horribile dictu – der Hitlerjugend vertreten. Die Portraits, kantig und knorrig gezeichnet, waren jeweils mit einem Ausspruch des Dargestellten in jener köstlichen Fraktur versehen, die Hitler später mit einem Federstrich aus der Schule verbannt hat. Nur nebenbei, weil zuvor die HJ-Lager erwähnt wurden: War es wirklich so böse, dieser Jugend das Wort des Immanuel Kant zuzurufen: „Der Mensch kann nur werden durch Erziehung“? Gewiß, diese Erziehung wurde zu entsetzlichen Zielen mißbraucht, aber das konnte weder Kant noch Dombrowski erkennen. Der Holzschnitt Walthers von der Vogelweide trug den Spruch: „Land hab ich viel gesehn / Nach dem besten blickt ich allerwärts / Übel müßte mir geschehn / Konnt ich je bereden mein Herz / Daß ihm wohlgefalle fremder Lande Brauch / Wenn ich lügen wollte, Lohnte es mir auch?“

Der dombrowskische Holzschnitt über die Erziehung durfte bereits in einem Kapitel gezeigt werden, in dem es um einen Arzt geht,

der auch nur „Mensch, Dichter“ und berufen zum Lehrer der Jugend …

Und die „Portraits großer Deutscher“ von Dombrowski wurden ebenfalls bereits in einem Kapitel gezeigt, die er mit Zitaten versehen, von recht großen,

pah,

von den größten Deutschen aller Zeiten …

Es werden wohl auch Texte von solcher Tiefgründigkeit gewesen sein, die ihr, Hannah Oppolzer, ein Jahr nach dem 4. Mai ’18 den Dombrowskipreis einbrachte, so klug und aufrichtig wie sie zu sprechen vermag, so klug und aufrichtig wird sie sich, ein paar Monate nach dieser ihrer unvergesslichen Projektrede am Preise beteiligt haben, die sich, darf angenommen werden, nur an dem beteiligen wird, das ihr Gewissen bejahen kann, und wie klug sie sprach, das heute auch in Zukunft gültig: „Vielleicht müssen wir heute gedenken, weil damals zu wenig gedacht wurde.“

Ernst und Rosa von Dombrowski-Stiftungsfondspreis: „Die Ausschreibung für 2023 für Literatur ist hier abrufbar. Die Einreichfrist wurde bis 30. April 2023 verlängert!“

Im Jahr ’22 war der Stiftungsfondspreisträger ein Bildhauer, Ludwig Haas …

Wer wohl im Jahr ’23 die Preistragenden sein werden?

Es könnte sein — kann das angenommen werden? –, daß keine Schriftstellerin eine Ernst-und-Rosa-von-Dombrowski-Stiftungsfondspreisträgerin mehr werden will.

Mußte doch die Bewerbungsfrist um einen ganzen Monat verlängert werden.

Aber das kann nicht angenommen werden, daß kein Schriftsteller ein Ernst-und-Rosa-von-Dombrowski-Stiftungsfondspreisträger mehr werden will, kein schreibender Mensch sich mehr finden lassen will, um von dieser ehrenreichen Gesellschaft einen Preis entgegenzunehmen —

aus den Händen von Dir.-Rat Präsident Curt Schnecker, Präsident, Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker, Graz, Vizepräsident und von den weiteren Kuratoriumsmitgliedern Prof. Kasilda Bedenk, Mag. Gerhard Fürnhammer, Univ.-Prof. MMag. Dr. Ernest Hötzl, Maria Saal, Dr. Gabriele von Liechtenstein, Univ.-Prof. Dr. Reinhold Reimann, Graz, HR Mag. Ferdinand Schönbacher

Es wird wohl eher so sein, daß die bislang eingereichten Texte nicht den recht, recht hohen Ansprüchen dieser recht erlesenen Gesellschaft … und es ist eine recht erlesene Gesellschaft, in ihren Reihen Menschen mit höchsten staatlichen Auszeichnungen, in ihren Reihen Männer wie Ernest Hötzl, von dem ein Landeshauptmann Peter Kaiser

In seinen Gratulationsworten hob Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser die besonderen musikalischen Leistungen Hoetzls hervor. „Zumindest in der Musik hast du Unsterblichkeit erreicht. Bleibe uns lange erhalten und erfreue uns weiter mit deinen Klängen – danke im Namen des Landes Kärnten, dass du dich so unserem kulturellen Leben widmest“, erklärte der Landeshauptmann.

nur in höchsten Tönen sprechen kann, ein Vizepräsident, dessen Mutter schon ehrenreich ausgezeichnet ward, und er selbst ein recht willkommener Gast im österreichischen Parlament, dessen Präsident recht weiß, was recht und billig zu bewerben ist,

und ist nicht die Adresse dieses Stiftungsfonds allein schon rechte höchste Auszeichnung: Hofgasse 5?

Hofgasse 5 in Graz, in der Steiermark, eine Adresse, die für jede Schriftstellerin ein Ansporn sein muß, wie recht herausfordernd muß solch eine Adresse jedem Schriftsteller dünken, gleich im selben Haus der Verlag … und wie recht praktisch, eine Telefonnummer für Preis und Verlag —

Und dann, nicht zuletzt, gibt es auch Geld: Fünftausend Euro. Und nicht nur zehn Euro, wie für einen Preis in Frankreich …

Das muß doch für jeden Schriftsteller Auftrag sein, sich zu beteiligen, das muß doch für jede Schriftstellerin ein Leichtes sein, der „Maxime“ von Ernst und Rosa von Dombrowski ebenso zu folgen wie das Stiftungskuratorium:

Durch den Preis soll das Schaffen eines bildenden Künstlers, Schriftstellers oder Komponisten gewürdigt werden, der in dem allgemeinen Streben nach dem Neuen und Überraschenden in der Zeit keine entsprechende Beachtung findet, der in Ehrfurcht vor dem Vergangenen und im Glauben an die Zukunft schafft, seinem eigenen Wesen vertraut, ohne sich um die Mode des Tages zu kümmern; in dessen Werk weder die Nachahmung des Alten, noch das Streben nach dem Noch-nie-dagewesenenen bestimmend ist.

Būm-ī aryānam, Land of the Aryans: Regime of Yogurt

Es kann verstanden werden, daß der Iran für Gesinnungszugerichtete auch aus Österreich ein Sehnsuchtsland, ein ihnen von der Vorsehung auserwähltes Land, das ihnen verbliebene Dorfparadies ist, es sie in den Iran zieht, im Iran ihre gesinnungsgemäß vergewaltigte Geschichte zu beschwören, im „Land der Arier“, im Land der arischen Männer, in der die Frauen unsichtbar zu sein haben, so jedenfalls wollen es gesinnungsgemäß die arischen Männer weiter haben …

Und auf welche Weise können von Männern nur Frauen unsichtbar gemacht werden? Indem sie, die Frauen, sich zu verschleiern haben. Wessen Kopf, wessen Gesicht in der Öffentlichkeit nicht zu sehen ist, existiert nicht, jedenfalls für arische Männer, in ihrem Kleinkindspiel Kopf-im-Tuch-Du-bist-weg, als Kleinkindspiel ein harmloses Spiel, wen ohne Tuch über den Kopf zu sehen, wen mit Tuch über den Kopf nicht zu sehen, ohne Tuch über den Kopf und dann wieder mit Tuch über den Kopf, aber für Frauen ist es kein harmloses Spiel, wird es doch mit ihnen, auch wenn es ein Kleinkindspiel ist, ohne deren Einwilligung von Männern grausam …

Die arischen Männer wollen von ihrem Kleinkindspiel nicht lassen, steigern sich nun wieder einmal weiter hinein, wie in diesem April 2023 berichtet wird.

„Feindschaft gegen unsere Werte“ –
Iran droht Frauen ohne Kopftuch mit gnadenloser Verfolgung

Mit diesen versöhnlichen Signalen ist jetzt Schluss. Seit die Massenkundgebungen über die Wintermonate abgeflaut sind, fühlt sich das Regime sicher genug, um die Kopftuchpflicht wieder rigoros durchzusetzen. Justizchef Gholamhossein Molham Ejei sagte am Samstag, Widerstand gegen das Kopftuch sei gleichbedeutend mit „Feindschaft gegen unsere Werte“.

Das „Kopftuch“ ruft Aussagen in Erinnerung, die in Österreich gesagt, geschrieben wurden, unvergeßliche Aussagen …

Selbst wenn es richtig sein sollte, dass diese Verschleierung eine Unterwerfung unter den Mann symbolisiert: Hat die Mehrheit das Recht der Minderheit eine freiwillige Unterwerfung zu verbieten?

Von einem Mann, der sich zu seinem Geschriebenen, als ihm sein geistvoll Geschriebenes vorgelesen wurde, äußert, am 5. Oktober 2022.

Corinna Milborn: Was Sie über das Kopftuch gesagt haben. Das war in einer Veranstaltung in der Vertretung der Europäischen Kommission. Sie haben folgendes gesagt. Schauen wir uns das auch kurz an.

Mann: Es ist das Recht der Frau, sie zu kleiden wie auch immer sie möchte, das ist meine Meinung dazu. Im Übrigen nicht nur muslimische Frau, jede Frau kann ein Kopftuch tragen, und wenn das so weitergeht, bei der tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, dann wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle. Als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Dingen tun.

Corinna Milborn: Warum setzen Sie nicht selbst eines auf?

Mann: Ja, eh. Vollkommen richtig, betrifft die Männer genauso. Der Anfangssatz ist mir wichtig. Jede Frau soll sich anziehen können, Frisur tragen können, was auch immer sie will und nicht wie, geschweige denn wir Männer wollen, daß sie sich anzieht. Der Kontext war auch wichtig. Ich weiß nicht, zwanzig, dreißig junge Frauen, die Kopftuch getragen haben und erzählt haben, wie sie auf der Straße deswegen angepöbelt werden. Das ändert aber nichts an meiner Position, jede Frau soll tragen können, ob sie was trägt oder wie sie es trägt, ob es ein Kopftuch oder der Hut der Queen Elisabeth ist, das ist ihre eigene Entscheidung, da haben wir ihr nichts dreinzureden.

Corinna Milborn: Aber Sie argumentieren das in ihrem Buch anders. Sie schreiben dazu Vollverschleierung, also zu Niqab oder Burka: „Selbst wenn es richtig sein sollte, dass diese Verschleierung eine Unterwerfung unter den Mann symbolisiert: Hat die Mehrheit das Recht der Minderheit eine freiwillige Unterwerfung zu verbieten?“ Also Sie argumentieren das mit Minderheitenrechten, auf Muslime bezogen, nicht mit dem individuellen Recht der Frau, sich zu kleiden, wie sie will.

Mann: Das ist ein Punkt, der mir wichtig ist, was kann die Mehrheit der Minderheit vorschreiben.

Corinna Milborn: Na ja, vielleicht nicht gerade Unterwerfung. Sie nenn da Unterwerfung unter den Mann, vielleicht ist das ein Thema, wo man auch Minderheiten nicht aus der Verantwortung entlassen soll.

Mann: Glauben Sie mir, die die Gleichstellung, die Gleichberechtigung der Frau ist mir ein extrem wichtiges Thema. Vielleicht habe ich mich damals mißverständlich ausgedrückt. Geschenkt, ja. Aber das ist wirklich ein zentrales Thema, auch in meiner politischen Arbeit als Bundespräsident.

Corinna Milborn: Eine Frage noch dazu. Im Iran gibt es gerade dazu große Aufstände, die getragen werden von Frauen und Mädchen, die das Kopftuch verweigern, das dort vorgeschrieben ist. Die Regierung hat schon gesagt, sie wird Sanktionen verschärfen. Als ich mir diesen Ausschnitt von Ihnen angeschaut habe, habe ich mich gefragt, werden Sie jetzt auch Frauen in Österreich, die Kopftuch tragen, bitten, aus Solidarität ihr Kopftuch abzunehmen?

Mann: Mhm. (Lange Pause.) Hätte keinen Einfluß auf den Iran. Ich bin vielmehr dafür, das Schicksal von Frau Amini, das Schicksal von Frau Amini so ernst zu nehmen, daß wir uns fragen, nicht nur, was passiert Furchtbares im Iran, ich bewundere den Mut, die Zivilcourage alle Frauen und inzwischen Mädchen, also noch nicht erwachsene Frauen, die auf die Straße gehen und dem Regime trotzen, aber wir sollten das auch zum Anlaß nehmen, bei uns darüber nachzudenken, wie wir eigentlich mit Frauen umgehen, und wieso bei uns Frauenmorde am, ich will nicht sagen an der Tagesordnung, aber an der Wochenordnung beinahe sind, wie ist das möglich, was ist bei uns passiert, daß so etwas einreißen kann.

Der Mann sagt, „was ist bei uns passiert, daß so etwas einreißen kann“. So etwas zu fragen, läßt auf Geschichtsvergessenheit, läßt auf Gegenwartsvergessenheit … es ist nicht jetzt eingerissen, sondern —

Aber es geht in diesem Kapitel nicht um Österreich, um den Iran, das „Land der Arier“.

Der Mann sagt „Mhm“ und nach einer langen Pause: „Hätte keinen Einfluß auf den Iran.“ Es ist wohl die Erfahrung dieses Mannes, daß es einen Einfluß nur geben kann, wenn ein Bundespräsident einem Präsidenten „viel Erfolg“ dabei wünscht, „die Hoffnungen und Sehnsüchte des iranischen Volkes nach Frieden zu verwirklichen, gute Beziehungen zwischen Iran und der Welt aufzubauen, insbesondere Spannungen zu deeskalieren und die Region zu stabilisieren, sowie gute wirtschaftliche Bedingungen und die Grundrechte der Freiheit zu gewährleisten“.

Des Mannes Wünsche haben Einflußfrüchte getragen, die nun, schon nicht einmal zwei Jahre später, geerntet werden können.

Der Mann sagt, „vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Geschenkt, ja.“ Es ist nicht einmal, daß der Mann, in diesem Interview damit konfrontiert, seine irgendwann gemachten Aussagen abtut, als wäre es halt von ihm nur gesagt worden, damit etwas gesagt wird, aber ohne Belang, einfach in das Blaue hineingeredet, ohne Bedeutung, es ihm nicht angelastet werden kann, was soll es alle scheren, was er sagt, wenn es ihn selbst nicht schert, was er irgendwann irgendwo irgendwie geredet … exemplarisch von ihm ausgedrückt mit seinem „Geschenkt, ja“.

„Geschenkt, ja.“ Das erinnert auch an das Reden von einem weiteren Mann in Österreich, der im Jänner ’23 im österreichischen Parlament sagt: „„Es reicht nicht, daß wir nur klare Worte finden. Das ist etwas, wo wir nicht wegschauen wollen, wo wir nicht wegschauen werden.“ Sie werden möglicherweise meinen, er habe das zum putinischen Rußland gesagt, nein, er hat das zum „Land der Arier“ gesagt … Visa zu verweigern, das wird auf den Iran einen Einfluß —

President Ebrahim Raisi has said that the hijab is “a legal matter” in Iran after a viral video appeared to show a man throwing yoghurt at two uncovered women in a shop near a holy Shia Muslim city. Growing numbers of women have defied authorities by discarding their veils after nationwide protests that followed the death in September of a 22-year-old Iranian Kurdish woman in the custody of the morality police for allegedly violating hijab rules. Security forces violently cracked down on the protests. The video appeared to show two women customers entering a shop. Shortly afterwards, a man approached the women and talks to them. He then picks up what appears to be a large pot of yoghurt and throws its contents on the two women’s heads. Judicial authorities in a town near the northeastern city of Mashhad ordered the arrest of two women, a mother and her daughter, for flouting Iran’s strict female dress rules and “committing a forbidden act”, state media reported on Saturday. Authorities issued an arrest warrant against the man “on charges of committing an insulting act and disturbance of order”, the judiciary’s Mizan Online website reported. Risking arrest for defying the obligatory dress code, women are still widely seen unveiled in malls, restaurants, shops and streets around the country. Videos of unveiled women resisting the morality police have flooded social media. In live remarks on state television, Raisi said: “If some people say they don’t believe [in the hijab] … it’s good to use persuasion … But the important point is that there is a legal requirement … and the hijab is today a legal matter.” Authorities said the owner of the dairy shop, who confronted the attaker, had been warned. Reports on social media showed his shop had been shut, although he was quoted by a local news agency as saying he had been allowed to reopen and was due to “give explanations” to a court. Judiciary chief Gholamhossein Mohseni Ejei earlier threatened to prosecute “without mercy” women who appear in public unveiled, Iranian media reported. “Unveiling is tantamount to enmity of [our] values,” Ejei was quoted as saying by several news sites. He added that Iran’s enemies abroad are encouraging the violations.