Adolf, der Österreicher, schickt Arthur, den Österreicher, in die Niederlande, wo Joseph, der Österreicher, wieder in einem Keller dem Untergang entgegen

Österreich schafft es in diesen Tagen, wie gütig die Vorsehung vor dem unmittelbar bevorstehenden Nationalfeiertag ’19 zu Österreich ist, wieder einmal in die sogenannte Weltpresse.

Diesmal bringt ein Joseph aus Österreich, gebürtig aus dem Oberösterreichischen, Österreich in die Weltpresse. Und es geht wieder um einen Keller, wieder um jahrelang im Keller gehaltene Menschen, wieder um jahrelang im Keller gehaltene Kinder und Jugendliche.

Woher das wohl kommen mag?

Diese österreichische Sehnsucht nach dem Keller, diese österreichische Sucht nach einem Leben im Keller, diese österreichische Lebenserfüllungserwartung durch das Halten von Menschen im Keller.

Das muß vor Jahrzehnten sich tief in die österreichische Seele eingegraben haben, in der österreichischen Seele zum Keller als Fundament ausgehoben worden sein, daß es bis heute so tatkräftig wirkt: das Kellerleben, die Kellermenschenhaltung.

Vor Jahrzehnten mußte das sogenannte österreichische Volk in seiner Gesamtheit immer wieder in die Keller, mußte es lange Zeiten in Kellern sein Leben zubringen, wurde es Jahre in Kellern gehalten, auch von einem Österreicher, von Adolf, dem Österreicher, sozusagen von dem Übervater der Menschen-im-Keller-Halter. Und das muß sich derart als Lebensglück tief in die österreichische Seele eingegraben haben, daß es heute noch besonders für den österreichischen Mann das Höchste ist, das er Menschen an Gutem zuteil werden lassen kann, ihm das Wichtigste ist, das von österreichischer Generation zu österreichischer Generation weiterzugeben ist.

Und nun ist es ein österreichischer Joseph, der die Menschenhaltungspflicht erfüllt, mit einem Keller in den Niederlanden, also nicht irgendwo auf der Welt, sondern in den Niederlanden, genau dort, wohin einst schon Adolf, der österreichische Übervater, Arthur, den Österreicher, schickte. Es wird in den Niederlanden noch Menschen geben, die erzählen können, von ihrer Haltung in Kellern über und unter der Erde durch Arthur, dessen Aufstieg in Österreich schon unter der Partei begann, die bald wieder den Kanzler in Österreich stellen wird, der selbst kurz Kanzler war und als solcher, je nach Sichtweise, die Goldmedaille oder die Silbermedaille für die kürzeste Kanzleramtszeit

Was sich für Joseph, dem Österreicher, im Bauernhofkeller nicht erfüllte, war der „Weltuntergang“, auf den, wie berichtet wird, gewartet wurde. Auch das muß sich tief in die österreichische Seele eingegraben haben, die Weltuntergangserwartung, die Sehnsucht nach einem neuerlichen Untergang, mit dem Adolf, der Überösterreicher, die österreichischen Menschen einst beglückte, mit einem tatsächlichen Untergang, mit einem wirklichen Untergang, den sie ganz real erleben durften, gehalten dabei in Kellern, und es war tatsächlich – es kommt bloß darauf an, wie Welt definiert wird – ein Weltuntergang, den ihnen Adolf, der Österreicher, schenkte, für den sie ihm bis heute dankbar sind und sich kenntlich erweisen, auch durch weiteres Halten von Menschen in Kellern. Höchste Gabe an Adolf, den Österreicher, scheint dabei zu sein, wenn es noch Kinder sind, die in Kellern …

Und wenn einmal ein österreichischer Mann keine Menschen im Keller hält, so weiß er doch um den „Weltuntergang“, läßt ihn dieses österreichische Kellererbe vom „Weltuntergang“ sprechen, wie Norbert, den Österreicher, der in diesen Tagen ’19 weiß, von welcher „Sekte“ er den „Weltuntergang“ erwarten darf … obgleich er den „Weltuntergang“ erwartet, wurde bis jetzt noch nicht vernommen, er hätte bereits einen Keller hergerichtet, um … aber für manche Menschen ist es nicht notwendig, dafür einen wirklichen Keller zu haben, um sich und andere in einem wirklichen Keller zu halten, ihnen ist ihr Kopf der wahre Keller …

Sie kommen aus den Kellern und kehren in die Keller zurück – zum Untergang. So war es schon beim Überahn, bei Adolf, dem österreichischen Übervater, aus den Schußkellern des Krieges bis ’18 in den Bürgerbräukeller einen Stock höher und weiter tiefer und tiefer hinunter in den tiefsten Keller zum totalen Weltuntergang …

Hofa

Zu Volksgut gewordene Verse können im Laufe der Zeit eine Verwandlung erfahren, eine Abänderung, eine Anpassung an bestimmte Landstriche, wie jener, vom dem erzählt wurde. Und solch ein veränderter Spruch ist, wie erzählt wird, nicht selten Anstoß für ein Lied, zu dem bloß die Musik noch fehlt, bis dahin aber, kann es auch mit einer bereits sehr bekannten Melodie gesungen werden …

Eines nur noch, um die Einleitung doch kurz zu halten, im Angesicht der vielen Hofers in diesem Land ist deren Liederbuch doch recht dünn.

Zeit für ein weiteres …

Und täglich hämmert der Holzmann

In der gestrigen Pressestunde sagt Robert Holzmann, er würde alles wieder so machen, wie er es gemacht hat. Seine mit Schock getroffenen Personalentscheidungen gegen Ende September 19. Wie Berichten entnommen werden darf, wurde rasch wieder alles zurückgenommen. Aber Holzmann würde alles wieder so machen, wie er es mit Schock gemacht hat. Und machte er das alles wieder so, wie er es mit Schock gemacht hatte, begänne es wieder von vorne, wieder und wieder, bis es zur Ablösung eines Filmtitels käme durch: Und täglich hämmert der Holzmann.

Er, Holzmann, würde es wieder so machen. Das klingt nicht danach, daß er selbst noch sehr motiviert ist, es erweckt den Anschein, daß er bildungsresistent, entwicklungsimmun bei bester Gesundheit … Es könnte gesagt werden, er selbst erfüllt nicht alle von ihm selbst formulierten Kriterien, um Menschen, auch wie ihn, länger in Arbeit zu halten, worin er, wie bereits ausgeführt, die Lösung des Pensionsproblems

In der Pressestunde des österreichischen Fernsehens am 13. Oktober 19 gab er, Holzmann, zur Lösung des sogenannten Pensionsproblems einen aufzumerkenden Satz von sich:

„Im Rahmen dieser Diskussion habe ich den Vorschlag gemacht, in den Ruhestand zu treten, auch weil er schon sehr lange, sieben Jahre, über der Ruhestandszeit ist.“

Von dem Angestellten, dem Holzmann den „sofortigen Pensionsantritt verordnete“, berichteten alle Medien, daß er 62 Jahre alt ist. 62 weniger 7 ist gleich 55.

Die Lösung des Pensionsproblems ist somit, Holzmann beim Wort genommen, die Anhebung des Pensionsantrittsalters auf 55 Jahre. Ein Renteninselparadies.

Bei den mannigfachen Aufgaben, Entscheidungen eines Gouverneurs darf davon ausgegangen werden, diesen Satz noch oft zu hören (und nicht nur bei von ihm gemachten Personalentscheidungen), er würde es wieder so machen … Und täglich hämmert der Holzmann.

Und noch ein aufzumerkender Satz von ihm in der gestrigen Pressestunde, er wiederholte sich damit, er machte es in der Formulierung wieder …

„Die Nominierung erfolgte durch Bundeskanzler Kurz […]“

Es kann in Österreich durchaus zu noch einer Ersetzung eines zum Sprichwort gewordenen Verses kommen, und zwar durch:

Es ist der Kurz und nicht der Strache.

Mit Neustart faßt FPÖ Tritt

„Er selbst werde sich nun auf die ‚Erneuerung der FPÖ‘ konzentrieren, kündigte Hofer an. Er verwies auf die geplante Vorstandsklausur im Dezember, bei der ein ‚Neustart in Sachen umfassender Modernisierung und strenger Compliance‘ ‚kompromisslos‘ vollzogen werden soll.“

Die nächste Meldung der APA wird bereits die Schlagzeile haben können: „Neustart der FPÖ gelungen“.

Neustart ist nicht einfach ein beliebiges Wort, Neustart ist in Österreich vielen ein ganz konkretes Anleitungswort, das ihnen am Anfang nach dunkler Zeit hilfreich ist, sich von dieser zu befreien, nie wieder eine Rückkehr in diese zu begehen.

Der Obmann dieser Partei ist gesinnungsgemäß bescheiden, er kündigt den „Neustart“ für Dezember ’19 an. Dabei könnte er bereits jetzt, im Oktober ’19, den Medien die Vollzugsmeldung über den „Neustart“ erstatten, mit einer Schlagzeile wie: „Mit Neustart die FPÖ auf rechtem Wege!“

Über das Gelungene mit Neustart könnte nun ganz allgemein gesprochen werden, aber, um etwas tatsächlich anschaulich, wirklich faßbar machen zu können, ist es oft nützlich, konkret zu werden. Männer und Frauen zu Wort kommen zu lassen, die beispielhaft für etwas sind, im Fall der FPÖ also beispielhaft für den Neustart. Wie kein anderer verkörpert nun ein Mann der FPÖ exemplarisch diesen Neustart.

„Darüber hinaus nimmt der erfahrene Politiker auch zur aktuellen politischen Lage in Deutschland Stellung: Die politische Entwicklung in Deutschland macht mir große Sorge. Man hat das Gefühl, dass die Altparteien statt Deutschland in die Zukunft zu führen, sich vor allem darum bemühen die AfD zu verhindern. Dies ist eine miserable Ausgangslage. Die AfD ist demokratisch gewählt worden und hat das Recht in der deutschen Politik als zweit oder drittstärkste Partei, je nachdem wo, mitzuregieren. Die ständige Ausgrenzungspolitik bringt Deutschland an den Rand eines Verfassungsnotstandes, in dem sämtliche demokratische Prinzipien verloren gehen. Deutschland hat genügend Probleme, in der Industriepolitik (besonders in der Autoindustrie), in der Energiepolitik (die Energiewende kann in dieser Form nicht funktionieren), in einer verfehlten Klimapolitik, bei der Immigrationsfrage, bei der Wohnungsnot, in der Verbesserung einer teilweise katastrophalen Infrastruktur, in der Reformierung der Bundeswehr etc. Dies wären die Punkte, denen die deutsche Politik sich zuwenden sollte. Nicht die Ausgrenzung der AfD, die die einzige nationalkonservative Kraft in Deutschland ist.“

Es wurde schon immer gewußt, mit diesem „erfahrenen Politiker“ wird der FPÖ der Neustart weit vor der Zeit gelingen.

Um genau zu sein, seit der Lektüre seines durch und durch philosophischen Briefes, mit dem er eine vollkommen neue Gattung der politischen Einmengung begründete, war klar, dieser Mann ist nicht nur eine Garantie für Neustart der FPÖ, sondern für das ganze Österreich und weit darüber hinaus, über alles in der Welt weiß er souverän kenntnisreich zu schreiben, und selbst im Gespräche weiß er augenblicklich die Wunden zu benennen, wie jene oben zitierten Deutschlands …

Recht viele meinen, recht mehr noch, wünschen sich daher, daß dieser „erfahrene Politiker“ am kommenden Nationalfeiertag vor dem Tore der Hofburg ebenfalls zum Volke spräche, im Bunde seiner Ebenbürtigen, und mit ihnen zum feierlichen Abschluß das Lied vom Neustart …

In Österreich, wohin am Nationalfeiertag? Auf den Michaelerplatz vor dem Tore der Hofburg zum „Deutschlandlied“

Eine Garantie, muß eingestanden werden, kann nicht abgegeben werden, daß die „Patrioten“ wie im letzten Jahr 18 als recht inbrünstige Sängerinnen des „Deutschlandliedes“ sich wieder betätigen werden.

Aber ausgeschlossen ist dies ganz und gar nicht, vor allem unter Berücksichtigung ihres recht eingeschränkten Liedgesinnungsgutes. Und zusätzlich, es werden am 26. Oktober 19 nahezu alle wieder sprechen, die auch für 18 gesprochen haben.

Die gesinnungsgemäß zensurierte Website informiert bereits darüber, informiert oder wirbt dafür. Allerdings, deren Informationen im Grunde doch nur stets gesinnungsgemäße Werbung, Reklame, Propaganda …

Alle Namen, die am Nationalfeiertag 19 reden werden, sind noch nicht bekanntgegeben. Vielleicht läßt es sich diesmal ein Abgeordneter der identitären Parlamentspartei nicht nehmen, auch eine Rede zu halten. Oh! Was das für eine Ehre wäre! Am 23. Oktober seine erste Angelobung im österreichischen Parlament, und am 26. Oktober durch das Hofburgtor zur Rede für Visegrád, für das Kaiserreich, für, das stets ein gegen …

Auch dafür wirbt die gesinnungsgemäß zensurierte Website an diesem Samstag im Oktober 19, und läßt ihn reden:

M7, also jene kleineren Länder, die durch Jahrhunderte miteinander verbunden waren, würden […]

Es wäre wohl auch für ihn eine rechte Ehre, von den „Patrioten“ vor das Tor der Hofburg geladen zu werden, ist doch ihr Wappen jenes, in dem er eingewickelt schläft, wenn er nicht schläft, sondern angestrengt denkt.

Visegrád, das wird ihn, den „väterlichen Freund“, gewiß mit Stolz erfüllen, daß sein die Partei zur Zeit führendes freundschaftliches Söhnchen nicht nur in dieser Kaisersache ganz nach ihm geraten ist.

Sollte also er an diesem Nationalfeiertag vor dem Tore, an das viele aus seinem Bunde um Einlaß recht pochen, zur Hofburg sprechen, wird wohl nicht das „Deutschland, Deutschland, über alles“ inbrünstig zum ehrenstolzen Ende angestimmt werden, sondern die seit Jahrhunderten in ihm übermannsgroß gewachsene Kaiserhymne …

Allerdings, es kommt bloß darauf an, welche Fassung der Kaiserhymne mit der Haydn-Melodie. Es gibt eine aus dem Jahr 1841 von Hoffmann Fallersleben, die recht leichten Anschluß bietet an das letzte 18, alle „Patrioten“ vor dem Tore zur Hofburg recht total befriedigen kann, mit ihrer Strophe „Deutschland, Deutschland, über alles“ …

Kranzniederlegung an der denkmalgeschützten Volkswiederbetätigungsstätte „Unseren Helden 1939 + 1945“ in Wieselburg am Nationalfeiertag ’19

Es konnte schon erzählt werden, welche Eindrücke vom Niederösterreichischen ein Mensch bekommen kann, der nur einmal mit dem Fahrrad im Niederösterreichischen unterwegs ist, von Wien über Kirchstetten nach Wieselburg.

Einblicke in das Niederösterreichische, die so schnell nicht mehr aus dem Gedächntis zu bekommen sind. Ohne darüber noch mehr erfahren zu wollen, fallen Informationen zu, die vor diesem Ausflug keine Beachtung gefunden hätten, Informationen, die vor diesem Ausflug nicht einmal als Informationen wahrgenommen worden wären.

Nun, aber …

Denkmalgeschützt ist also die Stätte „Unseren Helden 1939 + 1945“ der Volkswiederbetätigung zur Wieselburg. Und am Nationalfeiertag eine kameradschaftsbundliche Kranzniederlegung. Ob es für derartige Kranzniederlegungen auch eine Art Denkmalschutz gibt, einen immateriellen Kranzniederlegungsdenkmalschutz?

Welche Hymnen werden sie am 26. Oktober 19 den „Unseren Helden“ singen?

Die niederösterreichische vom Luftballonreimmitglied von Hitlers Gnaden wohl mit Gewißheit …

Vielleicht auch die, die am Nationalfeiertag recht gern auch in näherer Umgebung gesungen wird, beim Michaeler Tor …

Wieselburg, Marktgemeinde der Volkswiederbetätigung, ein Reiseführer durch das Niederösterreich

Mit dem Fahrrad das Niederösterreich zu erkunden, ist immer wieder eine rechte Sache.

Niederösterreich, das Heimreich etwa von Wolfgang Sobotka, einem Gastgeber von ehrenreichen Männern.

Niederösterreich, dessen Landeshymne der Künstler Oesterreich schrieb.

Diesmal das Ziel: Wieselburg.

Eine Thementour. Das gewählte Thema für diesen Fahrradausflug: Von Wehrmann zu Wehrmann.

Ausgangspunkt der Wehrmann in Eisen zu Wien.

Mit einer ersten Rast in Kirchstetten.

Dann weiter, ohne Halt in St. Pölten, rasch durch St. Pölten hindurch, und ohne weitere Rast hurtig zum Endziel: Wieselburg.

Erste Station: vor dem Wehrmann in Eisen zur Wieselburg. 1916 zur Kriegsfinanzierung aufgestellt. Nun, ist zu lesen, Mahnmal zur Warnung, „daß die Menschen sich erneut für einen Krieg begeistern lassen“.

Das Fahrrad schiebend geht es weiter zur unweit nächsten Station in Wieselburg. Zum Kriegerdenkmal. „Eines der schönsten in der Umgebung.“ Wie im Internet auf der Heimseite der Marktgemeinde Wieselburg Tage nach dem Ausflug …

Von der am Kriegerdenkmal angebrachten Tafel ist zu erfahren, das Kriegerdenkmal wurde 1931 errichtet und 1987 eine gläserne Überdachung angebracht. Ein Kriegerdenkmal zur Ehre von „UNSEREN HELDEN“ der Jahre 1939 bis 1945.

Andere Jahreszahlen als „1939 + 1945“ über den Namen auf den Tafeln von „UNSEREN HELDEN“ sind nicht zu finden.

Vor dem Denkmal stehend, alleingelassen mit den Informationen, die das Denkmal einzig allein preisgibt, wächst der Respekt vor dem Wieselburger Volk. Denn. Es muß wahrlich ein prophetisches Volk sein. Errichtet es doch schon 1931 ein Denkmal für „UNSERE HELDEN“ des Krieges von 1939 bis 1945.

Der Respekt löst sich sogleich wieder auf. Denn. Es ist am Denkmal zu lesen, an diesem wurde 1987 gearbeitet, restauriert. Unverändert aber die Informationen. Ein Denkmal „UNSEREN HELDEN“ von 1939 bis 1945. Ein Denkmal also ganz in der Gesinnung etwa von einem NR Harald Stefan, der die „positive kollektive Erinnerung an die Leistungen der deutschen Wehrmacht“ …

Wieselburg, Marktgemeinde der Volkswiederbetätigung, so präsentiert sich das Kriegerdenkmal zu Wieselburg dem Menschen, der durch das Niederösterreich radelt, keine Geschichtsbücher mit sich führt, nichts von den Menschen weiß, die auch dem Wieselburger Volke in dieser Zeit nicht ihre „Helden“, sondern …

Vor dem Denkmal stehend, alleingelassen mit den Informationen, die das Denkmal einzig allein preisgibt, kommt kein Respekt vor dem Wieselburger Volk auf. Denn. Es ist wahrlich recht leicht, ein prophetisches Volk zu sein, betätigt sich ein Volk bereits bei der Denkmalerrichtung selbst an der Erfüllung in der nahen Zukunft, die ein Denkmal „UNSEREN HELDEN 1939 + 1945“ hinterläßt zur Wiederbetätigung.

Eines kann dem Volke Wieselburgs nicht abgesprochen werden. Ihrem Denkmal. Es ist das schönste in der Umgebung, mit einer Frau im Mittelpunkt. Wenngleich es nicht schwer ist, schöner zu sein, als jenes zum Vergleich heranzuziehendes in unmittelbarer Nähe, ebenfalls mit einer Frau im Mittelpunkt, auf der Melker Bastei.

Hatschi! – Nazi!

Nun gibt es also Aufregungen um ein „Kinderbuch“, der „Luftballon“ ist das Objekt der Aufregung, nicht der Schreiber des „Hatschi-Bratschis Luftballons“ aber selbst.

Wird jedoch der Luftballon zum Platzen gebracht, kommt der Kopf von Franz Karl Ginzkey zum Vorschein, der Kopf von einem Mann, der sich lange bemühte, Mitglied der NSDAP zu werden, und es schließlich doch noch wurde, mehr oder weniger knapp vor dem Untergang des deutschen reiches. Inmitten des millionenfachen Mordens erbarmte sich Adolf Hitler des Luftballonenmannes: ließ ihn gnadenhalber Mitglied seiner NSDAP, die ihren Blutdurst trotz der Millionen über Millionen Liter geschluckten Blutes nicht und nicht zu stillen vermag, werden.

Durch die Gnade Hitlers wurde also Franz Karl Ginzkey 1942 doch noch Mitglied der NSDAP.

1942 von Hitlers Gnaden wurde er also offiziell Nationalsozialist, in dem Jahr der Wannseekonferenz, auf der beraten und beschlossen wurde, wie weitere Millionen über Millionen Liter Blut in ihre Maßkrüge … in dem Jahr von Stalingrad ist Franz Karl Ginzkey glücklich am Ziel, endlich Mitglied von Hitlers blutsaufender Partei …

Die Väter fern, unterwegs in vielen Ländern, die Pflicht zu erfüllen, Maß um Maß mit Blut zu füllen, Blut zu zapfen, die Mütter zu ihrer Pflichterfüllung in den Waffenfabriken, in den Konzentrationslagern, was kann es in solch einer Lage für eine andere Gnade für die im Elternhaus alleingelassenen Kinder geben, als sie auch auf die Reise zu schicken, mit „Hatschi Bratschis Luftballon“, dieses Kinderbuch aus dem Jahr 1904 auch 1943 aufzulegen. Es müssen auch für Franz Karl Ginzkey recht schöne Weihnachten 1943 gewesen sein, jedenfalls so klingt seine Widmung in seinem „Luftballon“.

1943, das Jahr des Aufstands im Warschauer Ghetto, das Jahr, als Goebbels zum „totalen Krieg“ einpeitscht, Hinrichtung der Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ … und Franz Karl Ginzkey schreibt 1943 Weihnachtswidmungen auf seinen wieder aufgeblasenen „Luftballon“, der zu dieser Zeit im Grunde längst schon geplatzt ist, auch wenn ihn noch viele aufgeblasen sehen wollen – den Luftballon deutsches reich

Den geplatzten „Luftballon“ von Franz Karl Ginzkey aufzublasen, wieder und wieder, das versuchen auch Jahrzehnte später noch vor allem Männer einer österreichischen Partei …

Wie leicht könnte darüber hinweggegangen werden, ihnen dieser Luftballonenmann als ihr gnadensreicher Klassiker gelassen werden, wäre da nicht, auch noch, ein Bundesland, in dem die Menschen Niederösterreichs Luft in diesen geplatzten Luftballon blasen, jedesmal, wenn sie seine Landeshymne singen …

Und wäre da nicht weiter auch noch … AEIOU – Ka Nazi bist du, ein Kapitel das zu ergänzen ist. Und zwar diesmal um die englische Präsentation von Franz Karl Ginzkey im „Austria Forum“:

„Ginzkey, Franz Karl
b. Pula, Croatia (then Pola), Sept. 8, 1871, d. Vienna, April 11, 1963, author. Professional officer until 1897; 1897-1914 civil servant at the Institute for Military Geography in Vienna, 1934-1938 member of the State Council (Staatsrat); helped found the Salzburg Festival, for decades member of the festival’s board of trustees. G. also wrote poetry and novels in neo-Romantic style. Esp. renowned for children’s books like „Hatschi Bratschis Luftballon“ (1904) and „Florians wundersame Reise ueber die Tapete“ (1931), which are popular to this day. Awarded the Grand Austrian State Prize and the Austrian Decoration for Science and Art in 1957.“

„Die bis heute beliebt sind.“ Austria Forum trägt mehrsprachig in die Welt die Präsentation hinaus, wie Österreich …

Soher würde es gar nicht wundern, eines Tages irgendwo in der Welt einen Eintrag darüber zu finden, wie in Österreich auf das Niesen reagiert wird. Es gibt viele Einträge dazu, wie in der Welt auf ein Hatschi unterschiedlich reagiert wird, zumeist mit Wünschen zur Genesung.

Und der Eintrag für Österreich?

Auf ein Hatschi wird in Österreich höflich der Wunsch geäußert: Nazi!

Männer stellen Bomben zu

Der Radikale

Wissen Menschen,
Was sie tun?
Mengen Gutes
Mit dem Bösen,
Knüpfen Knoten,
Nicht zu lösen.

Dann komm ich,
Ungerufen,
Unentboten.
Ich bin der Radikale,
Der Bombenwerfer.
Ich entwirr den Knoten
Und sie danken nie.

Waring Cuney

Dieses Gedicht hat 1929 Kurt Tucholsky in seine Rezension von „Afrika singt“ nicht aufgenommen, sondern ein anderes, ein freundlicheres. Das wird hier auch noch vorkommen.

Zwei Gedichte aus dem ein und demselben Band. Das eine eine Bestandsaufnahme, was ist, damals, in den 1920er Jahren, als die gewaltwilligen Protoidentitären in ihren Schaftstiefeln immer mehr Zulauf bekommen, eine Bestandsaufnahme, was ist, heute, mit einer Frage, bis zu diesem Tage im Oktober 19 unbeantwortet.

Und das andere, eine Handlungsanleitung?

Es kann gar nicht geglaubt werden, daß diese „Auslese neuer afro-amerikanischer Lyrik in der Speidelschen Verlagsbuchhandlung zu Wien“ erschienen ist, in Österreich erschienen ist, wo beinahe 90 Jahre später ein österreichischer „Spezial-Jurist“ für die Regierung Kurz „Paragraphe“ schreibt, und wenn er keine „Paragraphe“ schreibt, dann gegen „Neger“, gegen “ Zigeuner“, gegen Frauen …

Kurt Tucholsky beginnt seine Rezension mit „Gehn wir weiter.“ Dieser Aufforderung wurde in neunzig Jahren nicht nachgekommen. Eine Aufforderung an die Protoidentitärinnen zum Weitergehen war es nicht, die Kurt Tucholsky im Sinn hatte, auch nicht das Weitergehen der Protoidentitären zu den Identitärinnen. Kurt Tucholsky erlebte nicht mehr, wie weit die Präidentitären dann tatsächlich blutrauschig gegangen sind, er erlebte auch nicht mehr, daß es nach diesen Proto- oder Präidentitärinnen ein Weitergehen zu den Identitären …

„Gehn wir weiter. ‚Afrika singt‘, eine Auslese neuer afro-amerikanischer Lyrik, herausgegeben von Anna Nußbaum (erschienen in der Speidelschen Verlagsbuchhandlung zu Wien). Ein sehr schönes Buch. Übersetzt haben: Hermann Kesser, Josef Luitpold, Anna Siemsen, Anna Nußbaum. Ihr wißt ja. Lyrik kann man gar nicht übersetzen. Man kann sie, wenn alles gut geht, nachschaffen. Ob das hier geglückt ist, kann ich nicht beurteilen – ich kenne die Originale nicht. Mitunter ist es bestimmt nicht gelungen. ‚Dirnen und Burschen‘ gibt Gedankenverbindungen, die sicherlich nicht schwarzfarbig sind. Andere Gedichte wieder sind sehr schön – es ist unsagbar schwer zu entscheiden, was hiervon auf das Konto des Übersetzers und was auf das des Übersetzten zu buchen ist. Nun habens ja die Leute, die aus dem Englischen übertragen, nicht leicht. Man denke nur an unser nachklappendes, stumpfes ’nicht‘, die Verzweiflung jedes Lyrikers – wie schön haben es jene, bei denen die Konstruktion ‚don’t‘ die Negation vorwegnimmt, so dass der Vers mit dem tönenden Verbum schließen kann! Und die vielen einsilbigen Wörter! es ist das Ideal einer Sprache für Songs, für wirkliche, nicht für Schnadasongs. Am bedeutendsten und revolutionärsten: Langston Hughes, eine außerordentlich starke Begabung. Wunderschön – nicht von ihm – das Gedicht ‚Deine Hände‘

– Selbst dann, wenn dus vergißt.

Die Rassenfrage, die von Europa aus nicht zu entscheiden ist, die mir aber auf der amerikanischen Flagge, gleich neben den Namen Sacco und Vanzetti, wie ein häßlicher Fleck zu haften scheint, die Rassenfrage wird einmal so behandelt:

Weißer Bruder, was wirst du sagen?
Komm, Bruder! Komm!
Laßt uns treten vor unsern Gott.
Und wenn wir vor ihm stehen,
Ich werde sagen:
Herr, ich hasse nicht,
Ich werde gehaßt.
Ich quäle nicht,
Ich werde gequält.
Ich begehre niemandes Land,
Mein Land wird begehrt.
Ich verspotte kein Volk,
Mein Volk wird verspottet.
Und, Bruder, was wirst du sagen?

Ein schönes Buch.“

Gedichte sind keine Handlungsanleitungen. Auch wenn Bomben geworfen werden, wie in Österreich vor kurzem, dann sind es Bomben, die Männer vor der Haustür ihrer Frauen abstellen. Zwei Soldaten, die kameradschaftlich eine Bombe basteln, gegen eine Frau, die wohl in den Männerseelen das größte Verbrechen begann, einen von diesen österreichischen Soldaten, die wohl niemals gemeinsam Gedichte lesen, nicht mehr als Partner haben zu wollen.

Es ist ein seltsamer oder einfach wie kurz ein weißer Titel: „Afrika singt“. Beinahe aber ein Titel, der verleiten könnte, zu einer Kapitelüberschrift, wie Afrika singt und Österreich stellt Bomben zu.

Und wenn sie keine Soldaten sind, wenn sie keine Bombe gegen Frauen basteln können, und ebenfalls niemals Gedichte lesen, in Österreich, höchstens die digitalen Worte von Burschen identitärer Gemeinschaft, dann greifen diese Männer zu anderen Waffen, Pistole – recht gern zu einer Glock – und Messer, um Frauen zu morden, in Österreich, wie noch vor kürzerem, und bestrafen blutig alle mit, die davon wissen, daß die Frau mit solch einem Mann nichts mehr …

Und wenn sie keine Soldaten sind, und frauenlos sind, aber Bomben basteln können, dann versenden sie Bomben, stellen Bombenfallen auf, in Österreich, gegen Menschen, gegen die etwa der „Spezial-Jurist“ wütet, die einzige Antwort, die Männern und Frauen in Österreich auf die Frage von Langston Hughes seit beinahe neunzig Jahren einfällt. Ist das aber eine Antwort darauf, was wirst du sagen, ist das ein Sagen? ein Weitergehen?

Ohne einem je wirklich gegebenen Nach vor dennoch zurück zum „schönen Buch“, auch zum 1935 verstorbenen Kurt Tucholsky, und sind doch nur wieder im Heute, neunzig Jahre später, mit Donald Trump, Sacco und Vanzetti —


„Auch eine Räuberbande ist eine Wertegemeinschaft“

In Österreich hält die Zeit nun im Jahr 2002, in dem es bereits die drei Koalitionsvarianten gibt.

SPÖ mit ÖVP, FPÖ mit ÖVP, Grüne mit ÖVP …

Manche werden sagen, oh, das ist nicht wahr, daß Österreich sich wieder im Jahr 2002 befindet, in Österreich keine 17 Jahre vergangen sind. Menschgemäß kann stets etwas gefunden werden, um zu sagen, auch in Österreich ist die Zeit nach vorne – beispielsweise das Schwarze der ÖVP ist doch zur Zeit türkis getupft …

Aber was 2002 zu hören war und was 2002 II zu hören ist, ist ununterscheidbar, etwa, daß die ÖVP sich ändern müsse, sich bewegen müsse, die ÖVP zurückkehren müsse – wohin? wenigstens zur Mitte … Die Ausgangslage für eine Koalition beispielsweise zwischen den Grünen und der ÖVP ununterscheidbar zwischen 2002 und 2002 II, zwischen Kurz I des Jahres 2002 und Schüssel II des Jahres 2002 II.

Ununterscheidbar auch das Gerede um „Werte“ von Kurz I und Schüssel II, und gesinnungsgemäß das Geschwefel von den „Werten“ der FPÖ. Wohlmeinende könnten anführen, auch in Österreich seien inzwischen 17 Jahre vergangen, und als Argument vorbringen, die FPÖ nennt sich nicht mehr FPÖ allein, sondern auch identitäre Partei …

Dazu gibt es eine schöne Stelle in „Das Verschwinden der Gegenwart“ von Christian Meier:

„Europa sei eine Wertegemeinschaft, hört man, und daher könne es die Koalition der ÖVP mit der FPÖ in Wien nicht tolerieren. Nun besagt das, für sich genommen, nicht viel. Denn erstens ist jede Räuberbande eine Wertegemeinschaft, die Frage ist, welche Werte gelten sollen.“

„Jede Räuberbande eine Wertegemeinschaft“ …

Und Meier führt weiter aus, erhellend für den Stillstand in Österreich insgesamt, wo niemand für den Stillstand verantwortlich sein will, wo jede jeden des Stillstands beschuldigt:

„Zweitens zeigt nicht nur die Erfahrung, die man mit der Politik der USA machen kann, daß der Anspruch, Werte zu verfechten, ein besonders raffiniertes Machtinstrument darstellt: Man schafft sich, je hehrer sie sind, um so mehr Legitimät, ohne – angesichts ihrer Auslegungsbedürftigkeit und der nötigen Abwägung zwischen ihnen – an Handlungsfreiheit (auch im Unguten) viel zu verlieren. Was am Ende herauskommt, kann, zumal aufgrund der möglichen Disproportion zwischen Zweck und Mitteln, eine moderne Variante des Wolfs im Schafspelz sein.“

Und Meier weiter:

„Bei den EU-14 nun zählen die Werte der Demokratie, der Toleranz, genauer der Respektierung von Wählerentscheidung und der Freiheit demokratischer Regierungsbildung, offenkundig nicht, jedenfalls nicht unbedingt, nicht nämlich in diesem Fall. Ihre Politik zeigt eher Einschläge von Selbstgerechtigkeit. Und obwohl unzählige Menschen sich leidenschaftlich darüber erregen und Mehrheiten in den EU-Ländern dagegen sind, hört man keinen Aufschrei; so sehr hat sich schon Resignation breitgemacht, dieses Gift für Demokratie.“

„Resignation, dieses Gift für Demokratie“ …

„Das Verschwinden der Gegenwart“ ist aus 2001. Christian Meier könnte das nun nicht mehr schreiben, Europa erfuhr das Voranschreiten der Zeit. Kein Aufschrei mehr gegen Schüssel II, gegen Haider II, der im Gegensatz zum Haider I in den Wäldern sogar … Nicht nur das Hinnehmen in Europa von Schüssel-Haider II in Österreich, sondern auch anderen Ländern, wie Ungarn, Italien … Dabei, um im Bild von Meier zu bleiben, waren es damals Wölfe im Schafspelz, ihnen nachgefolgt sind Schafe im Wolfspelz …