Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

In den letzten Wochen gab es nicht wenige Jubelberichte über Maria Theresia in österreichischen Medien, in einer sogenannten Qualitätszeitung für den Tag wurde gar eine Feministin bemüht, Maria Theresia zu einem heutigen Rollenvorbild für … eine mediale Andienerei und Lobhudeley, als wäre Maria Theresia am Leben und regierte als – die sie nie war – Kaiserin von Österreich … der Anlaß dafür Austellungen über Ausstellungen zu ihrem Geburtstag oder einem Jubiläumsjahr ihrer Regentschaft …

Wer Jubeleien in den Zeitungen von der österreichischen Provinz bis zur österreichischen Provinz, also von der Bundeshauptstadt, in den März-Wochen des Jahres 2017 überflog, konnte eine Vorstellung davon bekommen, wie eine gleichgeschaltete Presse funktioniert, ohne die Presse monarchisch gleichschalten zu müssen. Hervortat sich die oben erwähnte Qualitätszeitung für den Tag noch mit einem weiteren … der Herr Journalist, so berichtet er, steht mit „leiser Wehmut vor den Prunkkutschen“ seiner Kaiserin – „die junge, lebenslustige, dabei kunstsinnige und allgemein als gutherzig beschriebene Habsburgerin“. Pflichtschuldig erwähnt er wohl, daß sie gegen Juden … ihr Vorgehen gegen Roma und Sinti aber, nun, das scheint überhaupt ein Merkmal der heutigen Presse zu sein, das Vorgehen und das Schreiben gegen Roma und Sinti einer sogenannten historischen Persönlichkeit nicht anzulasten, darüber zu schweigen, und es kann, so scheint es, den sogenannten historischen Persönlichkeiten kein Vorwurf deshalb gemacht zu werden, es sei von diesen wohl kein Unrecht gewesen, dermaßen gegen

Wer schließlich sind Roma und Sinti? Bloß Menschen, gegen die weiter geschrieben und vorgegangen wird wie ehemals – oh, glückseliges Österreich, mit deiner Maria Theresia, die endlich Kaiserin …

Und was hat sie denn getan?

Es war von ihr doch nur „gutherzig“ gemeinet, ihre Erlässe gegen die „Zigeuner“:

  • Besitz von Pferden und Kutschen untersagen
  • ihre Häuser und Dörfer nur gegen Erlaubnis
    und genauer Zielangabe verlassen dürfen
  • Verbot von Ehen zwischen Roma
  • ihnen alle Kinder über fünf Jahre wegnehmen und an Bauernfamilien zur christlichen Erziehung übergeben
  • Verpflichtung zur Übernahme von Kleidung und Sprache der Dorfbevölkerung
  • Strafen für Verwendung der „Zigeunersprache“: 24 Stockschläge

Beteiligt daran ist auch ihr Sohn Josef … Mutter und Sohn, die in Österreich als Reformerin und als Reformer gefeiert, gewürdigt, geehrt, verehrt … eine sonderliche Vorstellung in diesem Land, auch noch im 21. Jahrhundert, von Reformen … auch von Aufklärung, wie eine Aufgeklärte in der oben erwähnten Zeitung für den Tag im vorigen Jahr mit verklärten Augen dem Sohne Marias …

Es war von ihnen doch nur „gutherzig“ gemeinet … „Integrationsmaßnahmen“ halt …

Wen erinnert das nicht an das Fremdenrecht dieser Tage – Mutter Maria und Sohn Josef: Ahnherrin und Ahnherr österreichischer Integretationsmaßnahmen … Es werden die sogenannten Fremden darüber nur jubeln und aus lauter Dank ebenfalls einen Rosenkranz sich um den Hals binden müssen. Denn schließlich. Für sie wird nur das Beste aus Jahrhunderten genommen, alles, was sich gar so durch die Jahrhunderte bewährte,  wie „Zigeuner“, denen sie nun traditionsreich gleichgestellt sind, ihnen bestätigen können.

Ach, wie gutherzig doch alles gemeinet, auch für das Strafrecht eine bessre Ahnherrin kann nit gfund’n ….

Maria Theresia - Ahnherrin österreichischer Integration.jpg

Neues braucht die Stadt, mehr noch das gesamte Land

Heumarkt - Weltkulturerbe

Besonders in Wien fehlt ein Denkmal für Octave Mirbeau, gerade jetzt, da so viele – vielleicht verursachen Furunkel an ihren Gesäßen zu große Schmerzen – meinen, aufstehen zu müssen, zum Hinknien, um die Vergangenheit anzubeten und herbeizubeten, wird schmerzlich ein Denkmal für Octave Mirbeau vermißt, in das für die Schreienden und Rasenden eingraviert ist:

„Und sehen Sie: Sobald es darum geht, eine Gruppe von alten, vermoderten Häusern niederzureißen, die Spitzhacke in Gassen zu schlagen, die mit dem Unrat der Jahrhunderte angefüllt sind, damit die Luft, Licht, Gesundheit eindringt, dann gibt es nur Proteste, Geschrei und Raserei.

Vereine zum Schutz von Kunst und Geschichte formieren sich, lärmende Ausschüsse werden tätig, Zeitungen ergehen sich in den verrücktesten Propaganden, erhitzen sich selbst und gegenseitig in dem Kampf darum, das, was sie auch die Schätze unseres nationalen Erbes nennen, vor dem, was sie als einen Akt des Vandalismus bezeichnen,
zu bewahren.

Am Ende schreckt die Regierung zurück vor der Gefahr, die bei Wahlen immer besteht, eine Sanierung vorzunehmen. Um die Geschichte zu ehren, wird sie jene gefürchteten Infektionsherde bewahren und konservieren. Sie wird sogar noch mehr tun: Sie wird zu ihrer Konservierung einen Konservator ernennen.“

Es muß aber ein mobiles Denkmal sein.

Rettet die Karlskirche - WeltkulturerbeDenn es ist an vielen Orten aufzustellen. Besser noch, um es gleichzeitig aufstellen zu können, gleich mehrere mobile Denkmäler derselben Ausführung. Aktuell ist ein solches aufzustellen: eines vor der Karlskirche im Resselpark, eines auf dem Heumarkt.

Wie viele hätte es schon in den letzten Jahren bedurft, etwa vor dem Karl-Lueger-Denkmal auf dem Karl-Lueger-Platz. Gerade statt Karl Lueger ein stationäres Denkmal für Octave Mirbeau und gleich den Karl-Lueger-Platz umzubennen in Octave-Mirbeau-Platz …

Octave Mirbeau statt Karl LuegerAuch an anderen Orten in Wien wäre das mobile Mirbeau-Denkmal mit dieser Inschrift angebracht gewesen, beispielsweise im Museumsquartier, wo ein Leseturm nicht gebaut werden durfte, oder im Arenbergpark, wo die Flaktürme bleiben mußten, wie sie waren oh, nationales Erbe … vor jedem alten Haus, das nicht … weil schreiend und rasend gemeint wird, es sei zu erhalten …

Diese geistigen Infektionsherde des Glaubens und des Nationalen … wer könne sich da noch wundern, daß alles zurückkehrt, und es kann doch nur eines verwundern, weshalb noch die Furcht vor der Wiederkehr, wo doch so viele für das Bewahren des nationalen und religiösen Erbes rasen und schreien …

Statt Stephansdorf Octave-Mirbeau-LeseturmAuch an anderen Orten in Wien ist das mobile Mirbeau-Denkmal vonnöten. Besonders vor der Stephanskirche auf dem Stephansplatz. Ist der Domabriß nicht längst überfällig, um hier, spät aber doch den Leseturm, der im Museumsquartier nicht errichtet werden durfte, zu bauen, den Octave-Mirbeau-Leseturm, einen Leseturm zu errichten, denn zum Lesen hat die Stadt, das gesamte Land viel – mit dem Entfernen des größten Furunkels hörten augenblicklich die Schmerzen auf und niemand bräuchte mehr für eine menschgemäß nur vorübergehende Erleichterung sich hinzuknien …

Mobiles Denkmal Octave Mirbeau - Gegen Infektionsherde des National und des Glaubens

Schriften von Martin Luther – 500 Jahre Weltkulturerbe Antiziganismus

Unesco Weltkulturerbe Schriften Martin Luther

Es gibt nun eine recht große Freude unter den Wiedergängern und Nachgängerinnen von Martin Luther, daß Schriften von ihm Weltkulturerbe … so passend und hilfreich zu den Propagandafeiern 500 Jahre …

Und was je zum Erbe erkoren wird. Dafür scheint es ein Leitbild zu geben, bestehend aus einem einzigen Satz: Das Weltkulturerbe ist gut.

Vollständig aber müßte es heißen: Das Weltkulturerbe ist gut, aber der Mensch, der Mensch ist nicht so. Und auch Martin Luther ist … Was er ist, was er heute allen sein sollte –  es gibt hierzu bereits einige Abschnitte, wie gelesen werden kann …

Weltkulturschönung wäre wohl die zutreffendere Bezeichnung für das Listerl Weltkulturerbe.

Oder: Weltkulturerbe, eine Albernheit. Und es ist auch albern. Eine besondere Albernheit fällt hierzu ein, die mit dem Burgerl als Versteck von Luther sogar zusammenhängt, nämlich die Albernheit

WKR-Ball, der nun Aka…

um wienerische Bälle als … albern nicht nur, wenn es um Säbeltänze geht, was für ein albernes Geschrei ist aktuell auf dem Eislaufplatz oder aus dem Resselpark

Als Octave Mirbeau vor einem Schaufenster mit Smartphones steht …

sieht er keine Smartphones an, sondern red rubber, also roten Kautschuk. Und beim Ansehen der Kautschukmuster sieht er im Nu etwas anderes, das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen. Das ist lange her. Über einhundertzehn Jahre. Heutzutage sehen sich Millionen von Menschen im Internet Bilder und Videos vom Eigentlichen, vom Wesentlichen, vom Verbrechen an. Aber wenn die Millionen von Menschen vor den Auslagen stehen, sehen sie das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen nicht, sondern nur Smartphones, und dann stürmen sie sofort die Geschäfte, um den Geschäftskönigen Millionen, Milliarden …

Smartphones in Auslagen

Octave Mirbeau braucht keine Collage dazu, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen, wenn er in die Auslage mit den Kautschukmustern sieht.  Heutzutage muß eine Collage erstellt werden, um zu zeigen, was tatsächlich zu sehen ist, wenn in Auslagen Smartphones gesehen werden. So arm ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es ihm nicht mehr möglich ist, Bilder und Videos im Internet mit der in Auslagen ausgestellten Ware in Verbindung zu bringen. Heutzutage im Westen, in der ach so kreativen Zeit.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, und das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen sieht, gab es einen Menschen, der Geschäftskönig genannt wurde. Leopold von Belgien, verheiratet mit einer Habsburgerischen aus dem tirolerischen Österreich. So reich ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es viele Geschäftskönige gibt. Und es gibt wohl nicht wenige Geschäftskönige, die immer noch ganz begierig darauf sind, mit einer Frau aus der Familie Habsburg aus dem tirolerischen Österreich verheiratet zu werden. So nichts hat sich seither im Westen verändert. Aber das ist nicht das Schlimme, eine Frau aus der Operette … Das ist hier auch ganz nebensächlich.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, geht es um den Kongo. Und auch heute geht es um den Kongo, nicht nur um den Kongo, aber auch und weiter um den Kongo, wenn in den Auslagen das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen ist. So nichts hat sich seither verändert, daß es nicht notwendig ist, über seltene Erden, über Kobalt, über Smartphones zu schreiben, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen in die Auslage zu stellen. Nur weil es heutzutage andere Produkte sind, muß nicht so getan werden, als hätte es einen Fortschritt gegeben.

Heutzutage ist ebendas Smartphone der Hauptkautschuk.

Über das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen kann auch über einhundertzehn Jahre später geschrieben werden, indem einfach zitiert wird, was Octave Mirbeau schreibt, über den Kautschuk. Freilich muß die heutige Einfalt berücksichtig werden, und also stets, wenn Kautschuk genannt wird, Smartphone hinzugeschrieben werden. Korrekter wäre es, Kobalt, seltene Erden … aber die Einfalt, die Kombinationsmängel des westlich gebildeten Menschen … sonst aber, wie bitter für die heutige Zeit der ständigen Weiterbildung und Fortbildung, muß nichts geändert, nichts hinzugefügt werden.

„Der rote Kautschuk [Smartphone]

Dieses Schaufenster wirkt harmlos; der Laden macht einen friedlichen Eindruck. Und doch beginnen mich diese Muster allmählich zu faszinieren. Schließlich kann ich meine Augen nicht mehr von diesen Kautschukstücken [Smartphonestücken] lösen. Warum gibt es keine erläuternden Bilder, keine Photos in diesem Schaufenster? … Meine Phantasie ersetzt sie im Nu.

Ich denke an die Wälder, an die Seen, an das Märchenhafte dieses Paradieses voller Sonne und Blumen … Ich denke an die kindlichen Neger, an die bezaubernden Neger, die zu den gleichen Freundlichkeiten und den gleichen Roheiten wie die Kinder fähig sind. Ich erinnere mich an jenen Satz eines Forschungsreisenden: ‚Sie sind hübsch und sanftmütig wie jene Kaninchen, die man abends am Rande der Wälder sieht, wie sie sich putzen oder im duftenden Grase spielen.‘ Was ihn im übrigen nicht daran hinderte, sie zu töten … Ich sehe die vollendeten Bronzen der Frauenkörper und die Kleinen mit ihren geblähten Bäuchen umherrennen. Ich sehe große Teufel, so schön wie antike Statuen, über einen Lendenschurz, über Glasperlenschmuck ungeduldig mit den Füßen stampfend um Uhren, um Phonographen, um all den erbärmlichen Nippes drängen, den wir für sie herstellen; sich in die Brust werfen, hin- und herschwanken, als würden sie sich lustig machen, sich lustig machen über uns oder über sich selbst; den Kopf hin und her wiegen wie Kinder, die sich genieren. Ich sehe an ihren Frauen, die den Karessen der Weißen zugänglich sind, die linkische Gebärde einer Bäuerin, die ein Städter vor Freude zum Erregen bringt.

Und auf einmal sehe ich über ihnen – und sie bedrohend – die Peitsche des Händlers, des Kolonisten und des Beamten. Ich sehe nur noch solche, die mit dem Revolver in der Faust zur Arbeit geführt werden und so brutal wie die Soldaten in unseren afrikanischen Strafkolonien behandelt werden und die hundemüde, die Haut übersät mit Striemen, weniger zahlreich als sie aufgebrochen waren, von der Arbeit zurückkehren. Ich sehe Hinrichtungen, Massaker, Folter, unter denen, wahllos durcheinander, blutüberströmt, Athleten aufschreien, die gefesselt sind und gekreuzigt werden, Frauen, deren Martern ein abscheulich wollüstiges Schauspiel bieten, Kinder, die, die Hände schützend über ihren Kopf haltend, mit ihren kleinen krummen Beinen unter ihren hervortretenden Bäuchen die Flucht ergreifen. Ganz deutlich habe ich in einer grauen Scheibe, in einer schwarzen Kugel den zu hübschen Rumpf einer vergewaltigten und enthaupteten Negerin erkannt und habe darin auch verstümmelte Greise gesehen, die im Sterben liegen und deren ausgetrocknete Glieder knacken. Und ich muß die Augen schließen, um den Anblick all dieser Greuel zu entgehen, zu denen sich diese Kautschukmuster [Smartphonemuster], die dort so reglos, so neutral daliegen, urplötzlich belebt haben.

Dies sind die Bilder, die eigentlich fast jeder Pneu, der vorrüberrollt, und fast jedes in seinen isolierenden Mantel gehüllte Kabel erwecken müßte. Aber man weiß nicht immer, woher der Kautschuk [Smartphone] stammt. Hier weiß man es: Er stammt aus dem Congo. Er ist tatsächlich jener red rubber, der rote Kautschuk [Smartphone]. In Antwerpen landet davon nicht ein einziges Gramm an, das nicht in Blut getränkt ist.

Im tropischen Amerika, in Malaysia, in Indien ist die Ausbeutung der Kautschukpflanzen [Smartphoneerden] nur eine landwirtschaftliche Industrie. Im Congo ist sie dagegen die schlimmste Ausbeutung der Menschen. Zu Beginn hat man nur die Rinde der Bäume eingeritzt wie in Amerika und in Asien, doch dann hat man, als die Händler aus Europa und die Industrie ihren Bedarf immer mehr erhöhten und die Handelsgesellschaften, die den Reichtum des Königs Leopold ausmachen, immer höhere Einkünfte benötigen, schließlich die Bäume und die Lianen ganz ausgerissen. Nie liefern die Dörfer genug von diesem kostbaren Rohstoff. Man peitscht die Neger aus, da einen die Ungeduld packt, wenn man sie so gemählich arbeiten sieht. Die Rücken übersäen sie mit blutigen Tätowierungen. Entweder sind sie Faulpelze, oder aber sie verstecken ihre Schätze irgendwo. Expeditionen werden organisiert, die jeden Winkel durchsuchen, alles beschlagnahmen, ganze Stämme gefangennehmen. Man nimmt sich Geiseln, die jüngsten unter den Frauen, ja sogar Kinder, mit denen man sich ja wohl noch vergnügen darf, um sich ein wenig zu beschäftigen, oder Greise, an deren Schmerzensschreien man etwas zu lachen hat. Man wiegt den Kautschuk [Smartphone] vor den versammelten Negern ab. Ein Offizier schlägt in einer Notizkladde nach. Es genügt bereits eine Nichtübereinstimmung von zwei Ziffern, und schon fließt das Blut, und ein Dutzend Köpfe rollen zwischen den Hütten.

Und wir brauchen immer noch mehr Pneus, immer noch mehr Regenmantel, immer noch mehr Vernetzungen für unsere Telephone, immer noch mehr Isolationsmaterial für die Kabel der Maschinen. Also ritzt man genauso, wie man die Rinde der Pflanzen einritzt, die Haut der beklagenswerten Eingeborenenrassen ein, und mit der gleichen Roheit, mit der man die Lianen ausreißt, reißt man dem Land seine menschlichen Pflanzen aus.

Zum Teufel mit den Engländern, die eifersüchtige Kerle sind und es dem König Leopold nicht verzeihen, daß er sie an der Nase herumgeführt und bestohlen hat! Zum Teufel mit den Zeitungsschmierern und Radaumachern! Wenn an all unseren Pneus [Smartphone], an all unseren Kabeln Negeblut klebt, dann ist das doch ein gutes Geschäft! Können wir die niederen Rassen denn besser mit unserer Zivilisation verbünden, sie enger in die Bedürfnisse unseres Handels und unseres Lebens einbinden? … Außerdem sind Leopolds Paläste, seine Launen, seine Reisen, seine Sinnenfreuden kostspielig. Muß man nicht auch die Dividenden der Aktionäre erhöhen, die Zeitungen bezahlen, damit sie den Mund halten, das Interesse des belgischen Parlaments wachrütteln, damit e dafür stimmt, und das Interesse der anderen Regierungen einlullen, damit sie über diese Greuel die Augen verschließen?

Aber das ist egal. Wenn ich König Leopold noch einmal begegne, während er sich in Monte Carlo, in Trouville oder in der Rue de la Paix herumtreibt, wenn ich unterm Glase sein Auge strahlen sehe, während er die Schmuckschatullen eines Juweliers betrachtet, die Bluse oder die Lippen einer vorübergehenden Dame taxiert, wenn ich die zu reife Begleiterin einer sehr hübschen Demoiselle in einem Restaurant an den Champs-Élysées dem Souverän etwas ins Ohr tuscheln sehe, dann werde an dieses Schaufenster hier denken, und dann wird mit die Lust zu lachen vergehen …

‚Wir haben auch noch ganz wundervolles Elfenbein …‘, meinte der Mann im Gehrock zu mir, während er mich zurück bis zur Tür begleitete.“

Wo Jesus auftritt, herrscht Gewalt und Ausschluß

Scorsese - Silence - Wo Gott auftritt, herrscht Gewalt und Ausschluss.jpg

Es wäre nicht zu berichten, wäre in den Jahrzehnten der Kinobesuche ein solches Vorkommnis schon einmal, wenigstens einmal erlebt worden, aber ein solches Vorkommnis wurde in den Jahrzehnten nicht ein einziges Mal erlebt, und es hätte in all den Jahrzehnten mehrmals in der Woche ein solches Vorkommnis erlebt werden können, da die Kinos seit Jahrzehnten mehrmals in der Woche aufgesucht werden, trotzdem mußte in diesen Jahrzehnten mit Tausenden von Kinobesuchen einem derartigen Vorkommnis niemals beigewohnt werden.

Und nun ein derartiges Vorkommnis.

Das erste dieser Art also in Jahrzehnten.

Es kann nur mit dem Film, der gezeigt wurde, erklärt werden.

Ein Film zum Glauben.

Ein Propagandafilm, und es läßt sich fragen, wer hat einen derartigen Film bei Martin Scorsese bestellt? Welcher Jesuit beeindruckt Martin Scorsese derart, einen solchen missionarischen Propagandafilm … Der Film ist aber nicht von Interesse, wie dieser … es ist ein Propagandafilm, und damit ist alles, was zu diesem Film je zu sagen ist, gesagt.

Was wesentlich an diesem Film ist, ist, was er auslöst, wie gestern im Village Cinema, also im Dorfkino, im Kino des Dorfes, das als Bundeshauptstadt von Österreich bekannt ist.

Der Auftritt von Gott löst Gewalt und Ausschluß aus, diesmal ist es der auftretende Jesus von Scorsese, der Gewalt und Ausschluß …

Es ist nicht ungewöhnlich, wie oft wurde das schon erlebt, daß Menschen sich während einer Filmvorführung unterhalten, das andere im Kinosaal als störend empfinden, und es stets ausreicht, darauf hinzuweisen, ab und an muß die Bitte ein weniger strenger, ein wenig eindringlicher vorgebracht werden, sich nicht weiter zu unterhalten. Dann ist die Angelegenheit aber stets zufriedenstellend für alle im Saal gelöst.

Gestern jedoch, im Dorfkino, reichte das bei weitem nicht.

Während die Leinwand im Gottesschein erstrahlte wurden zwei Frauen, die sich unterhielten und also, wie es ihre Mitbesucher und Mitbesucherinnen empfanden, störten, nicht einfach ersucht, das Reden einzustellen, sie wurden aus der Vorstellung gedrängt, ausgeschlossen. Ein Mann, der in der Reihe vor ihnen saß, stürmte sogar in die Sitzreihe der zwei Frauen, bereit dazu, sie unter Anwendung körperlicher Gewalt aus dem Saal zu werfen, angespornt von den anderen im Saal, für die es ebenfalls klar war, die zwei Frauen haben den Saal zu verlassen, und alle waren im Urteil sich einig, die zwei Frauen hätten den für sie falschen Film gewählt, den sie wohl nicht verstünden, für sie wäre „Wilde Maus“ der Film, in den sie gehörten. Und dann ging es noch sehr viel um asoziales Verhalten. Die zwei Frauen warfen vor, die anderen wären asozial, die anderen warfen den zwei Frauen vor, sie wären asozial. Schließlich verließen die zwei Frauen den Saal, wobei eine der zwei Frauen, die meinte, ein Kinobesucher hätte ihr ein Bein gestellt, ebendiesen Kinobesucher auch noch anspuckte …

Wann und wo immer also Jesus unter den Menschen ist, und das ist kein Gleichnis, herrscht Gewalt und Ausschluß.

Und davon erzählt auch das gestrige Vorkommnis eindrücklich, wieder einmal, im Jahre 2017.

Soher lohnte es, gestern in das Dorfkino zu gehen, um das nicht zu vergessen.

PS In die „Wilde Maus“gehörten die zwei Frauen, war das gebedeneite Urteil; ein Kompliment für Josef Hader war das wohl kaum.

Adolf-Hitler-Gedenkhaus in Westlake Hanoi, Vietnam

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Der 2017 bevorstehende 45. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich und Vietnam ist für die Regierung Vietnams ein Anlaß, verschiedene Vorhaben zur Würdigung dieses Ereignisses zu planen. Eines dieser Vorhaben ist die Aufstellung einer Büste zur Erinnerung an den langjährigen Führer von Großösterreich vor seinem Geburtshaus. Zu diesem Behufe wird die Regierung Vietnams das Geburtshaus von Adolf Hitler von der Republik Österreich erwerben, es abtragen und nach Hanoi verbringen lassen, um es in Westlake wieder originalgetreu Stein für Stein aufbauen zu lassen. An die Stelle des Gedenksteines vor dem Geburtshaus, wie er jetzt noch in Braunau zu sehen ist, wird in Hanoi die Büste stehen.

Die Regierung Vietnams unterstützt dieses Vorhaben bei der Stadt Hanoi aus der Überlegung heraus, daß darin vor allem eine symbolische Geste Vietnams gegenüber Österreich bzw. der Stadt Wien zu sehen ist, mit der Dankbarkeit und Anerkennung für die seinerzeitige Bereitschaft Österreichs zum Ausdruck kommen soll, dem in einer schweren Auseinandersetzung verwickelten Land, Solidarität zu zeigen. Die Wiedererrichtung des Geburtshauses mit der Bronzebüste vor der Haustür in Hanoi wird vor allem als Hinweis auf das heutige Österreich verstanden, mit dessen Entwicklung Adolf Hitler unauflöslich verbunden ist.

Für die Regierung Vietnams steht die Verwirklichung dieses Vorhabens, die nach Plänen der Stadt Hanoi am Westlake stattfinden soll, daher ausschließlich im Rahmen der Pflege und Entwicklung der heutigen, vielfältigen Beziehungen zwischen Österreich und Vietnam. Es entzieht sich damit jedem lediglich auf die Person bezogenen Für und Wider, wie es immer mit dem Wirken großer historischer Persönlichkeiten verbunden ist. Eine Haltung, die diese großen historischen Persönlichkeiten auch eingenommen hätten.

Die Regierung Vietnams möchte sich bei dieser Gelegenheit ausdrücklich bei der Gesellschaft Österreich Vietnam bedanken. Erstens für ihr Engagement, daß auch in der Stadt Wien mit einer Bronzebüste dem Staatsgründer von Vietnam huldvoll gedacht werden soll. Und zweitens dafür, sie ihm im Laufe des Jahres ein großes historischen Symposium widmen will. Das hätte Ho Chi Minh –  zu seinen Lebzeiten jedem Personenkult feind – begrüßt. Er war so bescheiden, daß er zu seinem alleinigen Kampfe für die Unabhängigkeit seines Landes nicht einmal einen Koch mitnahm.

Die Regierung Vietnams will ihre Dankbarkeit zwiefach beweisen.

Einmal dadurch, daß sie nicht nur eine Bronzebüste in Hanoi Westlake aufstellen lassen wird, sondern zugleich mit dieser auch das Geburtshaus dieser österreichischen Persönlichkeit vor einem drohenden Abriß bewahren wird, eben durch die Wiedererrichtung in Westlake. Und die hehre Idee eines Symposiums greift die Regierung Vietnams ebenfalls gerne auf. Sie wird im Laufe dieses Jahres der Persönlichkeit Adolf Hitlers ein großes historisches Symposium widmen, das in Ho-Chi-Minh-Stadt abgehalten werden wird. Ohne den Ergebnissen des Symposiums vorzugreifen, darf vermutet werden, daß beide wahre Männer der Bescheidenheit waren, Ho Chi Minh lebte in einer Hütte und Adolf Hitler auf einem Hof am Berg, von dem aus er für die Unabhängigkeit seines Landes kämpfte, ganz alleine, nicht einmal ein Friseur an seiner Seite.

Pe Terjanko Wich
Seniorsprecher im Außenministerium der Regierung von Vietnam

PS Es muß heutzutage wohl dazugeschrieben werden, daß es sich bei dem obigen Text um keine Nachricht handelt, nicht um fake news … Die Vorlage ist, wie in der Collage gelesen werden kann, eine Mitteilung von Peter Jankowitsch auf der Website der Gesellschaft Österreich Vietnam. Diese Mitteilung entblößt sich selber. Aber noch kenntlicher wird das Geschwefel durch die Vorstellung, welche Büste würde in Hanoi aufgestellt werden, nach dieser Logik, nach dieser eigentümlichen Geschichtsschreibung und diesem prekären demokratiepolitischen Verständnis, formuliert im Jahr 2017 … es käme nur die Büste von dem Massenmörder Hitler in Frage. Der schrägste Gedanke in dieser „Klarstellung“ von Peter Jankowitsch: Personenkult zu betreiben, weil Ho Chi Minh in seiner Lebenszeit dem Personenkult ein Feind war.

PPS Der Mann im Boot von Ron Mueck, einst ausgestellt im Theseustempel in Wien, eignete sich als Vorbild für ein Denkmal im Donaupark, wenn es denn je ein Denkmal für …

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Österreich, Platz der schlampigen Erinnerungen

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Platz der schlampigen Erinnerungen, mußte augenblicklich gedacht werden, beim Lesen der rauischen Zeilen, die an zwei Herren gerichtet sind. Das Umbenennungsgeschwefel von dem einen ist aber weiter in keiner Zeile zu erwähnen. Hätte also die Feder der Edlen nicht die „Tüchtigkeit“ als Tugend der „kleinen Schlampe“ hervorgehoben, wäre das Bild nicht in den Sinn gekommen: da steht der Österreicher auf seinem Platz der schlampigen Erinnerungen und schreibt sich seinen Teil.

Was Österreich, wie an diesem Tag es die Feder der Edlen stellvertretend wieder einmal belegt, tatsächlich fehlt, ist ein Platz, dessen Name den Charakter von Österreich weithin sichtbar und kenntlich macht, und was charakterisiert Österreich mehr als schlampige Erinnerungen

Und nur zur Seite gesprochen: ein Heldenplatz, ein Platz der Helden paßt doch gar nicht zu Österreich … Helden sind sie, wenn das Wort überhaupt dafür verwendet werden darf, wenn sie einem in unbedingter Gehorsamspflicht folgen dürfen, sie mit strenger Peitsche geführt werden … die Gehülfen statt die Helden ist das passendere Wort – Österreich, ein Platz für männliche und weibliche Gehülfen.

osterreich-platz-der-schlampigen-erinnerungenPlatz der schlampigen Erinnerungen, auch ein Platzname zum Gedenken an Prinz Eugen von Savoyen, der, wie

Die Höhle teilen sich Freiheitliche, Innozenz XI., die kleine Prinzenschlampe Eugen …

nachgelesen werden kann, genannt wurde: petit salope  … und die kleine Schlampe sitzt auf einem Pferd auf dem Heldenplatz, auf einem Pferd aber, das nicht tot auf dem Boden liegt, sondern … sie hätte auch anders dargestellt werden können: sitzend auf massakrierten Menschen und auf abgeschlachteten Pferden …dem Bildhauer wäre als Vorlage für ein solches Denkmal ein Satz ausreichend gewesen:

„‚Meine Leute konnten auf den Leichen der Feinde stehen wie auf einer Insel‚’– und auch auf den Leichen von mehr als 3 500 eigenen Pferden.”

Ein derartiges Denkmal mit einer auf  Tausenden von toten Menschen und Tausenden von toten Pferden sitzenden Kleinschlampe, so nüchtern muß das gesehen werden, hätte wohl auch nicht vermieden, daß am anderen Ende des Heldenplatzes

Für die von NR Mölzer geführte ZZ ist Deserteursdenkmal auf dem Ballhausplatz ein „Kameradenverräterdenkmal“

Jahrhunderte später ein Mahnmal errichtet werden mußte … und in seinem Schreibsturmlauf gegen dieses feiert Reservemajor Moser den „Türkenbezwinger“ Eugen Savoyen …

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Tafeln können Ihre Wahrnehmung beeinträchtigen, nicht nur die von Christian Benger

Kärnten - Tafeln können Ihre Wahrnehmung beeinträchtigen.jpg

Die Warnhinweise zu Medikamenten sind nützlich, auch wenn sie viel zu selten aufmerksam gelesen, noch seltener beachtet und kaum beherzigt werden. Vielleicht hätten bei den Tafeln im Kärntner Landhaus angebrachte Warnhinweise, daß also das Lesen und vor allem das oftmalige Lesen die Wahrnehmung beeinträchtigt und am Ende sogar zur völligen Erblindung führt, auf Christian Benger eine positive …

Es darf, um sich eine Spekulation zu erlauben, daran gezweifelt werden. Das ständige berufliche Vorbeimüssen an diesen Tafeln … um negative Wirkungen zu vermeiden, ist es wohl immer noch am besten, etwas nicht mehr anzubieten, oder endlich zu entfernen, wie eben die Tafeln im Kärntner Landhaus. Über die schädliche Wirkung dieser Tafelmedikation gibt es bereits viele Kapitel, so daß es nicht ein weiteres Mal ausführlich zu erzählen ist.

Eisenstadt und Klagenfurt – Ein Vergleich zu Lasten Kärntens

Gerade in Kärnten, nicht nur in Klagenfurt, auch in Villach, um noch eine Stadt zu nennen, ist die Tafelmedikation – genug, es können die Kapitel dazu gelesen werden. Der Einfluß des Geschriebenen darf allerdings auch nicht überbewertet werden. Aber einem einzigen Haus gilt in Österreich die Sorge, das in einem derart kleinen Land auch geographisch nicht weit weg von Kärnten steht.

Als Bernhard C. Bünker über den Geist des Kärntner Anzuges schrieb, war Christian Benger in einem Alter, das von größter Neugier gekennzeichnet ist, und er wird das von Bünker über den braunen Anzug Geschriebene vielleicht ebenfalls gelesen haben. Und wenn noch einmal spekuliert werden darf, daß er das las,

Bernhard C. Bünker und die vierzigste Wiederkehr der Tracht

so muß festgestellt werden, es hatte auf ihn keinen Einfluß. Benger trägt, wie es scheint, recht gern den Anzug.

Das Geschriebene kann nur in einem entsprechenden Umfeld Einfluß nehmen. Das kärntnerische Umfeld ist keines, auf dem ein Text von Bernhard C. Bünker zur Wirkung heranreifen kann, bis zum heutige Tage, wie nun auch Christian Benger bestätigen will.

Worum es aktuell geht? Es geht um die Landesverfassung in Kärnten. Es geht um das Slowenische und das Deutsche. Nun ist zu hören, es soll nach einer Kompromißformulierung, nachdem sich Trachtler Benger gegen die geplante Formulierung vehement zur Wehr setzt, gesucht werden. Eine wird bereits verbreitet:

„Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen, besonders ersteren.“

Das also wäre ein vorauseilender Kompromiß, weil die vorgesehene Formulierung

„Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen.“

Benger nicht in seine Trachtentasche hineinbekommen will.

Der Kompromiß , sollte die Formulierung tatsächlich etwa nach dieser getauscht werden, wird einen Menschen in Kärnten besonders recht gefallen, einen Menschen, der zwar schon lange tot ist, aber der Geist, für den er eintrat und stritt, weiter die Grenzen Kärntens eng schreibt. Denn. Dieser Mann schrieb einst:

„Mein Vater konnte slowenisch reden und singen, wie alle Menschen seiner Generation im Rosentale, er sprach gleich ihnen mit Vorliebe slowenisch, er dachte wahrscheinlich auch darin, noch beschied sich die deutsche Sprache mit dem Range eben einer zweiten, nicht aber der einzigen rechtmäßigen. Mein Vater heiratete eine Bauerntochter aus der deutschen Gegend … und so wurde deutsch meine Muttersprache, das Slowenische habe ich erst auf der Gasse gelernt.“

Es kann abschließend nur ein weiteres Mal geschrieben werden:

Für eine „neue Zeit“ sind in Kärnten u.v.a.m. Tafeln auch abzumontieren

Das ist längst nicht mehr und war eigentlich nie nur auf Kärnten zu beziehen, wie etwa die jüngste Geschichte um den Staatspreis es wieder zu deutlich machte, bei der es auch um das Slowenische und das Deutsche ging. An der waren aber keine Trachtler und Trachtlerinnen beteiligt, sondern …

großer österreichischer staatspreis für literatur

Remember nothing – Sebastian Kurz and his merits

„Amnesty berichtet von Tausenden Toten bei Massenhinrichtungen“. In Syrien, durch das syrische Regime, dessen Führer Bashar al-Assad ist. Das sind die grausamen Schlagzeilen in der zweiten Februar-Woche des Jahres 2017.

„Ein syrischer Überläufer legt Beweise für systematische Morde in den Gefängnissen des Assad-Regimes vor.“ Das konnte bereits im Jänner 2014 gelesen werden.

„Ein gemeinsames Vorgehen gegen die Extremistenmiliz habe im Moment Priorität, sagte Kurz. ‚Das wird nicht ohne Mächte wie den Iran und Russland gelingen, und insofern braucht es hier einen pragmatischen Schulterschluss und auch eine Einbindung Assads im Kampf gegen den IS-Terror.'“ Das sagte Sebastian Kurz im September 2015.

„SaudiArabien ist wesentl. Player in d Region. Dialog zum Kampf gegen IS, d Syrienkrise, aber auch zur Menschenrechtssituation notwendig!“ Sebastian Kurz am 27. November 2015.

Putin sei einer, mit dem Sebastian Kurz wolle. Dezember 2016.

„Russland lockert Strafen für häusliche Gewalt.“ Vladimir Putin habe ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Februar 2017.

„Die Aufregungskultur bringt uns nicht weiter.“ Das sagte Sebastian Kurz im Jänner 2017.

„Sozialleistungen für diejenigen stark zu kürzen, die die Werteschulungen nicht besuchen wollen oder nicht bereit sind, die gemeinnützige Arbeit zu leisten.“ Ö1, Morgenjournal, 7. Februar 2017. Sebastian Kurz.

„Die Vollverschleierung soll keinen Platz im öffentlichen Raum in Österreich haben. Und religiöse Symbole natürlich in einem religionsfreundlichen Staat schon.“ Auch Sebastian Kurz. Ö1, Morgenjournal, 7. Februar 2017.

„Wir haben die Verpflichtung aus dem Gedenken heraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“ 20. Jänner 2017. Sebastian Kurz.

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Was kann aus dieser obigen zu erinnernden und nur beispielhaften Auflistung abgelesen werden,  die zeigt, mit wem Sebastian Kurz, wen er vorzieht, auf wen Sebastian Kurz … Es kann aus dieser der Wertekanon von Sebastian Kurz, der allen Werte vorhält, destilliert werden. So weit, so schlecht, oder wie dem Heute angepasst auch gesagt werden könnte: so kurz, so sobotka. Kurz und sobotka gesagt: Eine Werteschulung besuchen zu müssen, in der Sebastian Kurz Werte lehrt, kann nur verweigert werden.

Wie in der Collage gelesen werden kann, spricht Sebastian Kurz gerne über das Gedenken, über die aus diesem hervorgehende Verpflichtung, über die aus diesem zu ziehenden Konsequenzen. Das von ihm dazu verwendete Stacheldrahtbildchen erzählt mit Blick darauf, mit wem er will, daß er den Eingang zur Geschichte für sich vollends zugemauert hat … die Konsequenzen, die er zieht, lehrt die Geschichte nicht.

Wer selbst, so wie Sebastian Kurz, mit Geschichte kommt, hält der Geschichte selbst die Wange hin. Ist es bereits um die sogenannte Zeitgeschichte dermaßen sobotka bestellt, so sobotka erst um die gesamte Geschichte, wie es gerade exemplarisch das gewollte Verbot der Verschleierung aufzeigt. Diese „Aufregungskultur“, von der nicht nur Sebastian Kurz infiziert ist, an der, mögen sie sich politisch links, politisch rechts verstehen, so viele in diesem Land akut erkrankt sind, „bringt uns nicht weiter“.

Diese kurzsche Kultur für den Tag oder digital day crop bringt nichts weiter.

„Verschiedene Formen von Rassismus“ heißt ein Kapitel in „Pape Satàn“ von Umberto Eco, und in diesem schreibt er unter der Überschrift „Wer hat das Verschleiern befohlen“:

Über den Schleier ist schon alles und das Gegenteil von allem gesagt worden. Die Position von Romano Prodi kommt mir sehr vernünftig vor: Versteht man unter Schleier jene Art von Kopftuch, bei der das Gesicht unbedeckt bleibt, dann mag ihn tragen, wer will (zumal hier ein unbefangen ästhetisches Urteil erlaubt ist, das Gesicht veredelt und alle Frauen wie Madonnen von Antonello da Messina aussehen lässt). Anders liegt der Fall, wenn die Verschleierung so weit geht, dass sie die Identifizierung verhindert, denn das ist gesetzlich verboten. Natürlich könnte dieses Verbot Anlass zu weiteren Diskussionen geben, denn eigentlich müsste man dann auch die Karnevalsmasken verbieten (und wer sich an Kubricks Clockwork Orange erinnert, weiß, dass man mit einer lustigen Maske grässliche Verbrechen begehen kann). Aber sagen wir ruhig, das sind marginale Probleme.

Wenn von Zeichen die Rede ist, wann immer etwas in einer gewissen Hinsicht oder Funktion anstelle von etwas anderem steht, dann ist der islamische Schleier ein semiotisches Phänomen – wie die Uniformen, deren primäre Funktion ja auch nicht der Schutz des Körpers vor Wetterunbilden ist, oder die Kopfbedeckungen der Nonnen (die ebenfalls oft sehr anmutig sind). Deswegen löst der Schleier so viele Diskussionen aus, während wir niemals über die Tücher diskutiert haben, die sich unsere Bäuerinnen früher um den Kopf banden, denn die hatten keinerlei symbolischen Wert.

Der Schleier wird kritisiert, weil man meint, dass er getragen wird, um eine Identität zu bezeugen. Aber es ist nicht verboten, eine Identität oder Zugehörigkeit zu bekunden, und man tut das, indem man ein Parteiabzeichen trägt, eine Kapuzinerkutte oder ein pinkfarbenes Langhemd und einen Kahlschädel. Interessant ist allenfalls die Frage, ob muslimische Frauen den Schleier tragen müssen, weil der Koran es befiehlt. Gerade ist das Buch Islam von Gabriele Mandel Khân erschienen, dem Generalvikar für Italien der sufischen Bruderschaft Jerrahi Halveti, das mit eine optimale Einführung in die Geschichte, Theologie, Sitten und Gebräuche der islamischen Welt zu scheint. Darin steht, dass der Schleier, der Gesicht und Haare bedeckt, schon in vorislamischer Zeit üblich gewesen sei, oft aus klimatischen Gründen, aber nicht in der immer dafür zitierten Sure 24 des Koran vorgeschrieben werde, die lediglich dazu auffordere, den Busen zu bedecken.

Da ich fürchtete, dass Mandels Übersetzung vielleicht ein bisschen zu modernistisch-gemäßigt ausgefallen sein könnte, habe ich im Internet nach einer offiziell von islamischen Behörden autorisierten Koran-Übersetzung gesucht und die der Union Islamischer Gemeinden und Organisationen in Italien gefunden. Dort heißt es in Sure 24, 31: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon außen sichtbar sein muss, und dass sie ihre Tücher über[] ihren Busen ziehen sollen und ihre Reize vor niemandem enthüllen als vor ihren Gatten oder ihren Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern“ und so weiter bis zu „den Kindern, die von der Blöße der Frauen nichts wissen“. Um sicherzugehen, habe ich schließlich noch die klassische Koran-Übersetzung des großen Iranisten Alessandro Bausani konsultiert, und auch dort fand ich, mit geringen lexikalischen Abweichungen, die Vorschrift „und sollen ihren Busen mit einem Schleier bedecken“.

Für einen wie mich, der kein Arabisch kann, sind drei Zeugnisse so verschiedener Herkunft genug. Der Koran fordert schlicht und einfach zur Schamhaftigkeit auf, und wäre er heute im Westen geschrieben worden, würde er auch dazu auffordern, den Nabel zu bedecken, denn im Westen wird heute auch der Bauchtanz auf offener Straße praktiziert.

Wer also war es, der die Frauen aufgefordert hat, sich zu verschleiern? Mandel enthüllt mit einer gewissen Genugtuung, dass es der Apostel Paulus war (im 1. Korintherbrief, aber Paulus begrenzte diese Pflicht auf Frauen, die predigen und prophezeien. Doch siehe da, immer noch lange vor dem Koran schrieb Tertullian (der zwar ein Sympathisant der Montanistenbewegung, aber trotzdem weiter ein Christ war in seiner Schrift De cultu feminarum („Vom Putz der Frauen“): „Ihr sollt einzig und allein euren Ehemännern gefallen. Und ihr werdet ihnen umso mehr gefallen, je weniger ihr euch bemüht, anderen zu gefallen. Seid unbesorgt, ihr Gebenedeiten, keine Ehefrau gilt in den Augen ihres Mannes als häßlich. […] Jeder Ehemann hält auf Sittsamkeit, aber Schönheit verlangt er nicht, wenn er ein christlicher Ehemann ist. […] Dies sage ich nicht, um euch ein gänzlich wildes und tierisches Aussehen zu empfehlen, auch will ich euch nicht von der Nützlichkeit des Schmutzes und der Unsauberkeit überzeugen, sondern nur von der richtigen Art und Weise, in der ihr euren Körper pflegen sollt. […] Denn Gott ist es, gegen den diejenigen sündigen, die sich ihre Haut mit Salben einreiben, ihre Wangen mit Schminke entstellen und ihre Augenbrauen durch Schwärze verlängern. […] Gott will, dass ihr verschleiert sein sollt, vermutlich damit man die Köpfe mancher Damen nicht sieht.“

Voilà, dies ist der Grund, warum in der ganzen Geschichte der Malerei sowohl die Madonna als auch die frommen Frauen verschleiert sind wie ebenso viele Musliminnen.

16. November 2006

Gott Paulus und der Busen. Saftelnd volkstümlich steht es im Dekret von Hofer, was Frauen bedecket wird, wenn sie es nicht selbst tun: „Brust und Armfleisch“. Das aber nur nebenher.

Worum es tatsächlich geht, ist aber: wenn ein Schriftsteller wie beispielsweise Umberto Eco sich die Mühe machen kann, und das schon vor über einem Jahrzehnt, etwas gesamtgeschichtlich zu betrachten, sich zu informieren, wie viel größer muß erst die Verpflichtung von Menschen sein, die in Regierungen sitzen, die Gesetze verabschieden, alles einer gesamtgeschichtlichen Betrachtung zu unterziehen, sich umfassend zu informieren, und nicht mit dem Tagesmuskelreflex zu regieren, Gesetze zu erlassen, denn schließlich gelten ihre Gesetze, die vom Gehalt her oft nicht einmal Tageswert besitzen, nicht nur für einen Tag.

Es kann verstanden werden, sagte nun wer, das langweilt, es sei im Grunde eine Wiederholung des Kapitel Cabinet: Strangers at Our Door, das von der Frage handelt, ob es denn zu viel verlangt wäre von der österreichischen Regierung auf der Höhe des heutigen Wissens …

Bernhard C. Bünker und die vierzigste Wiederkehr der Tracht

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Auf dem klagenfurterischen Bahnhof, von Italien kommend, auf den Zug, mit dem Kärnten auf dem schnellsten Wege wieder verlassen werden kann, zu warten, kann unendlich lange vorkommen, außer, im Warteraum wartet ein mitteilungsbedürftiger Mensch auf keinen Zug, sondern darauf, seine Geschichte loszuschicken.

Er wolle, beginnt der Mann und stellt sich dabei als der schnellste Lkw-Fahrer vor, den das Land je gehabt habe. Er wolle das Geld nicht umsonst. Er wolle sich das Geld stets verdienen, auch jetzt noch. Er sei kein Bettler, aber es reiche das, was er bekommt, vorne und hinten nicht. Deshalb biete er stets gegen drei Euro eine Geschichte an. Drei Euro, so schätze er, sei ein durchaus angemessener Preis für eine Landesgeschichte.

Es ist die Nacht vom ersten auf den zweiten Tag des Jahres 2017, die im kalten Warteraum auszuhalten ist, bis mit dem nächstmöglichen Zug wieder aus diesem Land … zum Siebener falle ihm unweigerlich eine Geschichte aus den 1970er Jahren ein, beginnt er seine Geschichte vom Lande, während er die drei Euros … Und wieder, muß augenblicklich gedacht werden, mit einem Rückblick konfrontiert, wie einen Tag zuvor … Seine Geschichten, sagt er, versuche er stets mit einem Bezug zur Gegenwart … deshalb erzähle er am liebsten Jubiläumsgeschichten.

In den ’70ern habe er in einer Kommune in einem der ländlichsten Viertel von Klagenfurt  gelebt, und er sei Fernfahrer – der Lauda der Balkanroute Prost allerdings hätte ihm persönlich stets besser gefallen.  Bis dann ein Unfall in den späten 1980ern … davon wolle er jedoch nicht erzählen, wie der Unfall mit vier Toten ihn aus der Bahn – für diese Geschichte müßte er einen Aufschlag …

Für drei Euros werde er ab diesem Jahr bevorzugt die Jubiläumsgeschichte von der Tracht erzählen. Von dem Skandal damals. Den aber löste nicht der Trachtenanzug aus, sondern ein Aufsatz über den Trachtenanzug … es scheine ihm, nach seiner Erinnerung, daß 2017 die vierzigste Wiederkehr dieses Skandals … er habe im Jahre 1977 einer Lesung von Bünker – in der Hildebrand habe er seinen Essay, in dem der Trachtenanzug, der Kärntner Anzug, für den kein bestimmter Stoff … die Gesinnung selber der Anzugstoff, ohne diese Gesinnung –  für diesen Ideenwitz müsse ihm jedoch nicht zusätzlich etwas bezahlt werden – hätte Kärnten die bloße Nacktheit als Tracht … eine Nacktheitstracht hätte Kärnten allerdings weltweit einzigartig gemacht – noch eine versäumte Chance …

Dem Mann kann, da wieder zum Einsteigen ist, nicht mehr ganz genau zugehört werden, da es vordringlicher ist, den Zug nicht zu versäumen, er humpelt aber hinterher und erzählt weiter, wie das ganze Land über den Heimatdichter hergefallen, wie das ganze Land durch diesen bärtigen Langhaarigen im Parkalumpen sich beschmutzt … er wolle aber einen Euro zurückgeben, weil er eben nicht die ganze Geschichte – von der Tracht, die keinen Skandal auslöste, sondern erst das Schreiben über den Gesinnungsanzug … für seine noch schnell unterzubringende Information behalte er sich jetzt doch von dem einen Euro, den er zurückgeben wolle, fünfzig Cent …. der Bruder falle ihm noch ein, der Bruder von dem Heimatdichter müsse das genauer wissen, ob der Skandal tatsächlich bereits vierzig Jahre her, es wirklich 1977, denn er könne sich auf sein Gedächtnis schon lange nicht … der Bruder sei ja mit dem Werk vertraut, der habe auch schon öffentlich Gedichte seines Bruders auch nach seinem Tod … ob der Bruder die Gedichte ebenso hoch einschätze wie die in seinen beruflich zu verwendenden Büchern … mehr kann und will nicht mehr verstanden werden, die Waggontür geht schon automatisiert zu, und während der wenigen Minuten, die der Zug benötigt, um aus Kärnten herauszukommen, wird gedacht, vierzig Jahre später wird die Tracht wieder gewählt, getragen, und nicht nur in Kärnten, als wären vierzig Jahre nach hinten vergangen, und nicht nur mehr von jenen, die die aus dem Gesinnungsstoff geschneiderte und entsprechend eingefärbte Tracht anziehen, um nicht nackt in der kalten Landschaft verloren …