Jubiläum 465 Jahre – Erster Scheiterhaufen der Reformation

465 Jahre Erster Scheiterhaufen der Reformation

2017 wurden 500 Jahre Martin Luther, 300 Jahre Maria Theresia gefeiert. Auch 2018 stehen Jubiläen an.

Ein Gedenken, das es 2018 mit Bestimmtheit nicht breit und groß geben wird, ist das Gedenken an den ersten Scheiterhaufen, an den ersten Gesinnungsterrormord der Reformation, vor 465 Jahren in Genf. Der Name des Mörders: Jehan Calvin.

Was es für Gedenken 2018 geben wird, gerade in Österreich, davon kann im Kapitel

Im Gedenkjahr 2018 eine ÖVP-FPÖ-Regierung: Schaften, geht voran!

gelesen werden, von Menschen, die viel für das Verbrennen …

Vor rund 480 Jahren ging Calvin daran, in Genf „den ersten Gottesstaat auf Erden zu schaffen“. „Mit der Stunde, da dieser hagere und harte Mann im schwarz niederwallenden Priesterrock […] ein mit unzähligen Lebenszellen atmender Staat soll in einen starren Mechanismus, ein Volk mit allen seinen Gefühlen und Gedanken in ein einziges System verwandelt werden; es ist der erste Versuch einer völligen Gleichschaltung eines ganzen Volkes, der hier innerhalb Europas im Namen einer Idee unternommen wird.“

Vor rund 85 Jahren begann die Beschäftigung von Stefan Zweig mit diesem ersten Scheiterhaufenmörder und dem ersten Gottesstaat innerhalb Europas und mündete im Buch „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“, abgeschlossen 1936.

Stefan Zweig schrieb dieses Buch also in der Zeit, als die nächste völlige Gleichschaltung diesmal in Deutschland bereits im Gange war, die zu einer der grausamsten, barbarischsten Gleichschaltung führte. In Österreich nicht minder. In Österreich, wo so viele die massenmörderischste Gleichschaltung herbeisehnten, „sakral inbrünstig“ sie erwarteten, ihren Beitrag leisteten, vorerst in Wort und Schrift.

Es kann das Buch von Stefan Zweig hier nicht in seiner Gesamtheit zitiert werden. Dabei ist es ein Buch, das in seiner Gesamtheit zitiert werden muß. Aus diesem Buch ist nicht nur die Grausamkeit zu erfahren, mit welcher Perversion dieser erste Gesinnungsmord der Reformation begangen wurde. Es sind vor allem die Mechanismus beschrieben, wie es zu einer Diktatur kommt, wie eine Diktatur sich halten kann. Wie sich solche barbarischen Menschen selbst als „Verfolgte“ darstellen, sie die „Opfer“ seien … wer wird dabei nicht an die Gegenwart denken, besonders in Österreich an jene Menschen einer Partei, die sich stets als …

Es gibt so vieles, das in diesem Buch angeführt und auf so eindrückliche Art ausgeführt ist, was hier zu erwähnen wäre. Allein, es ist zu viel. Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen.

Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen. Was vor rund 480 Jahren begann mit dem ersten Gottesstaat innerhalb Europas, begann, wie es seitdem stets begann. Das sind die Jubiläen, die zu begehen sind. Und dem Buch von Stefan Zweig ist ein Jubiläum zu widmen, ein Gedenkjahr. Denn. Es gibt auch die Instrumente in die Hand, wie es zu einer Zeit kommen kann, in der nicht mehr Jubiläen mit den dunkelsten Figuren der Geschichte begangen werden.

Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen. Eines aber soll doch noch angesprochen werden. Zweig schreibt auch von der stets vorgebrachten Entschuldigung für solche Gesinnungsmörder und Gesinnungsmörderinnen, sie seien eben „Kinder ihrer Zeit“ gewesen, Calvin sei ein „Kind seiner Zeit gewesen“. Stefan Zweig hält dagegen, es hätte auch andere zu dieser Zeit gegeben, vor allem aber nicht nur Castellio.

Und immer wieder die Gegenwart. „Kind seiner Zeit.“ Damit entschuldigt etwa ein Mann aus der ÖVP den Antisemitismus eines Leopold Kunschak.

Und ist nicht gerade Stefan Zweig selbst der größte Zeuge dafür, was für ein Pimpf, für ein Wicht Leopold Kunschak war, der zur gleichen Zeit wie Zweig lebte, und so gar kein Zeitgenosse von Zweig war, höchstens einer von Calvin, Luther, Maria Theresia …

Sie waren nicht „Kinder ihrer Zeit“. Sie waren und sind, kurz gesagt: „Squirts of her time“. Sie können es mit „Wichte ihrer Zeit“ übersetzten, auch mit „Pimpfe ihrer Zeit“. 

Es ist nicht das erste Mal, um zu einem Schluß zu kommen, daß von Castellio gesprochen wurde … schlagen Sie das Kapitel

Doppelpaß Südtirol und Faschismus vor den Augen des Bundespräsidenten

auf …

Und auch von den finsteren Figuren der Geschichte wurde schon erzählt, etwa von

Maria Theresia 2017

Schließlich leben neben Martin Luther und den M. T. Habsburgs Menschen

Der halbe Luther von Michael Bünker oder „Zigeuner“ werden Opfer sein dürfen, wenn sie keine Opfer mehr sind

„Nazikirche“, Hofer und die Angst des Bischofs vor dem Tor der Geschichte

Endlich Schluß mit Anhimmelung von Mao Hitlerstalin, heißen sie Johannes Calvin oder wie auch immer sonst noch

Maria Theresia 2017

Mariatheresia2017

 

Wenn es 2019 in Wien eine Ausstellung geben sollte, zu 130 Jahre Adolf Hitler, was würde dann auf dem Plakat stehen? Führer – Mutter – Massenmörder? Schlechtes Beispiel, er hatte keine Kinder, bloß Krieg und Massenverbrechen. Prinz Eugen? Auch schlechtes Beispiel. Dann eben als Beispiel doch Franz Josef H.: sein Todestag wurde 2016 mit einer Ausstellung ebenfalls an vier Orten zelebriert, jedoch ohne auf dem Plakat anzuführen: Mutter …

Was wäre wohl auf das Plakat von Maria Theresia H. geschrieben worden, wäre sie kein Vater gewesen? Strategin – Als Frau versagt – Reformerin?

Alexander Van der Bellen – Einübung in die Entcourage respektive Postcourage

Alexander van der Bellen - Entcourage - Amtscourage

Es wird mit Blick auf die Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 in Österreich nur noch darauf gezählt werden können, daß die Wählerinnen und Wähler die Courage besitzen, den österreichischen Weg endlich zu verlassen, den nun auch Alexander Van der Bellen beschreitet mit seiner Einübung in die Entcourage.

Eine mündliche Prüfung in Entcourage hat er wohl diese Woche im Akademietheater abgelegt, wie mediale Berichte über seine Aussagen nahelegen.

Schwer hätte er sich damit getan, die FPÖ als „rechte Partei“ zu bezeichnen, vom Ausland aus gesehen möge das so sein, aber in Österreich werde mit solchen Zuschreibungen vorsichtiger umgegangen – vorsichtiger in Österreich heißt: rückgratloser …

Er, Alexander Van der Bellen, führte zugunsten der FPÖ an, sie sei weit davon entfernt, eine „kriegshetzerische Partei“ zu sein … Um vor sich selbst rechtfertigen zu können, für den Fall, eine identitäre Parlamentspartei als Regierungspartei …, ja, da muß mit dem Rechtfertigen schon früh begonnen werden, eine solche Partei schönzureden, mit dem Weithergeholtesten, das je nur zu finden ist.

Hätte er aber statt von Krieg von „Bürgerkrieg“, statt von Hetze von „Herbeireden“ gesprochen, dann hätte er nicht mehr vom guten Weg …

Die „rote Linie“, wird berichtet, sei für Alexander Van der Bellen die „Europapolitik der potentiellen Regierungsparteien“, er sehe die FPÖ diesbezüglich auf „gutem Wege“ … Das Gewissen von Alexander Van der Bellen wird wohl schon jauchzen, es ihm so leicht zu machen, ein gutes Gewissen bleiben zu können, durch das Reduzieren der „roten Linie“ auf eine einzige Sach‘. Und auch die FPÖ wird es ihm leicht machen. Denn ein Europa will auch die FPÖ, aber ein Europa, von dem geglaubt wurde, das sei überwunden, das wolle niemand mehr. Und sonst? Auf was für einem guten Wege die FPÖ ist, der Beispiele gibt es viele … hat nicht eben He.-Chr. Strache ein starkes Grönlandzeichen etwa für Klimaschutz …

Das Bekenntnis schlechthin zur Entcourage hat Alexander Van der Bellen unzweifelhaft mit seiner Aussage, wie sie berichtet wird, abgelegt, mit seiner Unterschrift bestätige ein Bundespräsident lediglich, daß Gesetze verfassungsmäßig zustande kämen … ja, wenn die Gesetzgebungsverfahren ordentlich eingehalten werden, dann kann alles beschlossen werden, wer will dann noch nach den Gesetzesinhalten fragen. Konkret ging es diesmal um das sogenannte Integrationspaket, das er mittlerweile unterschrieben hat, von dem er, van der Bellen, „glaube“, es sei „nicht verfassungswidrig“ … wie schön es sein muß, zu glauben, enthebt es der leidigen Arbeit der Prüfung, erspart Zeit für das Wichtige, Sudoku zu lösen … Und am Wirtshaustisch kann dann immer noch gemeinschaftlich geraunt werden, schicksalsergeben, es sei „kein gutes Gesetz“, aber die da oben, was kann schon gegen die da oben … hier unten käme aber kein Mensch auf die Idee, ein solches Gesetz …

Und, wird berichtet, für Alexander Van der Bellen sei die Hofburg „schon was Spezielles – Hofburg pur – das atmet Maria Theresia“ … nicht nur die Hofburg, wird an den frommen Antiziganismus der Habsburg Maria mit ihrem Sohne gedacht – das ganze Land atmet …

Es will jetzt gar nicht nachgesehen werden, ob er inzwischen gar auch schon Ehrenritter geworden sei …

Die Hofburg riecht aber auch nach Burschenschaft … Alexander van der Bellen ist schon lange unterwegs, Klassensprecher der Entcourage zu werden. Es gibt die Courage, es gibt die besondere Zivilcourage, und es gibt, wie es der Bundespräsident nun lehrt, auch die für das Amt aufgegebene Courage, die Entcourage, die zu seinen Ehren und aus höchstem Respekt vor ihm in seiner nunmehrigen Funktion auch Postzivilcourage oder kurz Postcourage … um keinen Personenkult zu bedienen, den er selbst wohl ebenfalls ablehnt, wurde davon abgegangen, es kurz und knapp Bellencourage zu nennen …

Kurz war gedacht, das Wort Amtscourage zu verwenden, aber das hieße ja, Courage im Amt …

Bleibt nur noch die Frage, wann und wo wird er, van der Bellen, seine Reifeprüfung im Fach Entcourage respektive Postcourage ablegen … im Haus der Heimat, dann eingeladen von der Zeit auf österreichische Traditionsart?

In der Hofburg aber soll es nicht sein, aber das können nur noch die Wähler und Wählerinnen, die auch von anderen mit dem Schönherrichten der FPÖ umgarnt werden, ihm ersparen, damit er nicht eines Tages im endgültigen Ruhestand jammern wird müssen, es sei ihm gar nichts erspart geblieben …

Elende Praxis des Übersehens

„Zu unterstellen, es sei meine Absicht gewesen, den Antiziganismus von Maria Theresia übersehen zu haben, ist infam. Diese elende Praxis bedarf keiner Auseinandersetzung. Sie speist sich rein aus dem Ressentiment, das ich aus Hundert Meter Entfernung riechen kann. Darauf bin ich geeicht. Wer so schreibt, kann sich trollen. Aber ohne mich.“

Es wurde ihm, Rabinovici, bereits einmal gedankt, wie gelesen werden kann. Es ist ihm noch einmal zu danken, nämlich für seine zweite Reaktion. Diese rundet das Bild noch mehr ab, bis zur Kenntlichkeit.

Wie richtig schreibt er, der Antiziganismus wird „übersehen“, nicht nur der von Maria Theresia Habsburg, sondern von viel zu vielen in Österreich, nicht nur der in der Vergangenheit, sondern auch der in der Gegenwart. Der ist tatsächlich „infam“. Diese „elende Praxis“ jedoch bedarf, wenn ein Einwand ihm vorgebracht werden darf, der „Auseinandersetzung“.

Der Antiziganismus „speist sich aus dem Ressentiment“, das seit Jahrhunderten fortgeschrieben wird. Er ist dermaßen fester Bestandteil der sogenannten österreichischen Seele geworden, daß er nicht einmal mehr von jenen wahrgenommen wird, die den Antiziganismus wahrnehmen. Es kann direkt neben ihm gestanden werden, so sehr ist er zum österreichischen Duft geworden, und er ist nicht zu „riechen“.

Das Land ist „darauf geeicht“. Die Menschen in Österreich sind durch die Jahrhunderte „geeicht“ worden, die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, zu „übersehen“. Doron Rabinovici hat damit zum richtigen Wort gefunden. Es wurde ihm nicht unterstellt, „übersehen“ zu haben; es wurde lediglich festgestellt, etwas nicht geschrieben zu haben. Er hat sich damit als guter oder, wie es in diesem Land gerne gesagt wird, „echter Österreicher“ hingestellt, geschrieben seinen Teil, und den anderen ihre Plätze zugewiesen, also wann wer wo vorkommen darf. Als wäre es ein ewiges Gesetz, das dem österreichischen Menschen zur ersten Haut gewachsen ist, und nicht aus dem seit Jahrhunderten gespeisten Ressentiment, wird es, ohne darüber je noch bewußt  entscheiden zu müssen, befolgt, etwa das in keinem Buch festgehaltene, aber auf die Seelentafel geritzte Gebot: je feierlicher, je offiziöser, je prominenter der Platz, desto mehr sind die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, desto mehr sind diese nicht nur zu „übersehen“, sondern gänzlich zu verschweigen.

Wann und wie und wo aber über die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, nicht geschwiegen wird, konnte auch in diesem Mai 2017 gelesen werden. „Wer so schreibt, kann sich trollen.“ Aber, Doron Rabinovici, wohin?

Doron Rabinovici - Antiziganismus - Ressentiment 24-05-2017Zu der einen Umsonst?

Zu der zweiten Umsonst?

Was die zwei Umsonste in Österreich heute auch verbindet, ist die Überlegung eines Ministers, der es sich wohl auch hoch anrechnen wird, stets korrekt über die Menschen, die vom Antiziganismus betroffen sind, zu sprechen, ihnen eine Presseförderung …

Es hätte gedacht werden können, ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici weiß darum Bescheid, daß in einem Roman Figuren die Trägerinnen sind, um etwas darzulegen, mittels einer konkreten Figur eine allgemeingültige Aussage zu treffen, die Zustände in einem Land etwa durch eine Figur konkret erfahrbar werden zu lassen.

Was Lesern eines Romans nicht erklärt werden muß, weil sie es auf Anhieb verstehen, muß – das ist für die Zukunft zu notieren – dem Personal eines Romans doch genauer erläutert werden. Leserinnen verstehen es wohl deshalb auf Anhieb richtig, weil sie nicht involviert sind, sich nicht betroffen fühlen. Figuren eines Romanes hingegen, wer will es ihnen verübeln, wollen sich auch im besten Licht präsentieren, besonders wohl heutzutage, in dieser Zeit der größten Blendung; aber ihnen ist zu sagen, sie werden nicht um ihrer Selbstwillen in den Roman gezerrt, sondern um die Zustände in einem Land, in diesem und nicht nur in diesem Fall Österreich, das jedoch auch bloß stellvertretend  …

Schelten Sie die Figuren eines Romans aber nicht, lächeln Sie milde, etwa darüber wie durchsichtig sie sind. Schelten Sie den Menschen, der den Roman schreibt, keine raffiniertere Figuren … üben Sie aber Nachsicht, in einem Roman der Wirklichkeit können keine anderen …

Wo das noch immer gerochen werden kann, was Doron Rabinovici meint „aus Hundert Meter Entfernung riechen“ zu können, ist vor einem Bild eines Christschwarzen, dem mit größter Nachsicht und größter jährlich wiederkehrender Ehrerbietung begegnet wird, für den Entschuldigungen gefunden werden, wie, er sei halt ein „Kind seiner Zeit“ …

Ein Schriftsteller wie Doron Rabinovici weiß, oder er nimmt es an, wie seine Lesenden das von ihm verwendete Wort „Ressentiment“ übersetzen werden. Sie werden „Ressentiment“, vielleicht so seine Hoffnung, als „Antisemitismus“ lesen, aber Lesende dieses Romans wissen, wie unhaltbar …

Das mit den Übersetzungen ist so eine Sache, und besonders in Österreich, wo auf eine recht besondere Art übersetzt wird, etwa Cordon sanitaire

Aber, wie gleichgültig das doch ist, was haltbar ist, was unhaltbar ist, es kommt wesentlich darauf an, was aufhaltbar ist: Antisemitismus und das Halsbandmaß des Sebastian Kurz …

Was nicht gleichgültig ist, sind also Wahlen, wobei das Wichtigste ist, auf diese sich umfassend informiert vorzubereiten … den Märchen eine Absage zu erteilen, vor allem denen der identitären Parlamentspartei

Hofschreibe für M. T. Habsburg, Mutterregentin des Antiziganismus

 

Maria Theresia Habsburg - Muttterregentin des Antiziganismus.jpg

Doron Rabinovici weiß viel über Maria Theresia Habsburg. Er schreibt es vor, am 10. Mai 2017 in der Tageszeitung des aufgeklärten Wissens: „Neue Zürcher Zeitung“. Er verschweigt nichts. Die schwarzen Seiten der Habsburgerin werden ihm nicht weiß. Das ist er sich schuldig. Er schreibt über ihr christliches Vorgehen gegen Juden und Jüdinnen, ihr christliches Vorgehen gegen homosexuelle Menschen, ihr christliches Vorgehen gegen Prostituierte, ihr christschwesterliches Vorgehen gegen Protestanten und Protestantinnen.

Was er allerdings nicht schreibt, ist ihre

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

und ihres Sohnes christliche Behandlung der Menschen, die von vielen nicht mehr Zigeuner genannt werden, sondern – und das rechnen sie sich hoch an – Roma, Sinti …

Das wäre wohl eine wahre Befleckung seiner Heldenregentin, sie mit diesen Menschen in Zusammenhang zu bringen, in dieser ehrwürdigen Tageszeitung. Seine Heldin mit Roma und Sinti in Verbindung zu bringen, wie schäbig und klein, das müsse wohl seine Befürchtung sein, erschiene dann seine Maria Theresia Habsburg, wohl auch ihr Sohn …

Oder es ist abgründiger.

Ja, und wem – das bloß nebenher – die Mutterregentin des Antiromaismus eine Heldin ist, dem ist auch die „kleine Schlampe“ ein „Held“ …

Doron Rabinovici weiß mit Bestimmtheit viel über Roma und Sinti, über ihre Ausgrenzung durch die Jahrhunderte bis herauf in die Sekunde, in der dieser Satz geschrieben wird. Aber er weiß als österreichischer Hofschreiber genau um ihren Platz. Er weist, auch er weist ihnen ihren Platz zu, und das ist der Belgradplatz in Favoriten. Im Baranka-Park, in dem „zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ … Dort geht er auch hin, er hat keine Berührungsängste, und er liest ihnen was vor – aus seinen Werken? Oder gar dafür etwas Extra-Hingeschriebenes, etwas für den Belgradplatz Zugeschnittenes? Ergreifende Worte der Solidarität? Es wird wohl eine solidarische Lesung gewesen sein, die am 20. Mai 2017 … und das wird er sich hoch anrechnen. Am Belgradplatz in Favoriten, das ist der Platz, der er ihnen zugestanden …

Die „Neue Zürcher Zeitung“ aber ist kein Platz für sie.

Der Heldenplatz ist kein Platz für sie, weder am 8. Mai 2017 noch an anderen Tagen der Jahrzehnte, seit es diesen Platz gibt. Und ihre Aussperrung vom Heldenplatz muß vollkommen sein; so dürfen sie auch nicht in einer Rede, die der ehrwürdig solidarische Hofschreiber eigens …

Die „Wiener Symphoniker“ spielen nicht für sie auf …

Es darf menschgemäß über sie berichtet werden, dann aber auf die Art, wie es auch der Mutterregentin freuen würde, also so wie anläßlich der drei Morde in Rom, Mai 2017 … So aber würde Doron Rabinovici nie schreiben …

Kurier der Kaiserin, der ein König trotz seines Krieges gegen sie nie ihr ein Feind war

Es heißt, Menschen müssen stets aus ihrer Zeit, die sie prägt, heraus verstanden und vor allem in ihrer Zeit beurteilt werden, und das wird besonders verlangt, wenn es um sogenannte historische Persönlichkeiten geht.

Es ist schlecht bestellt um die Gegenwart, wenn im März des Jahres 2017  zum Andienen als Kurier der Kaiserin auf diese Art …

„Selbst Friedrich II., ihr lebenslanger Gegner, zollte ihr zuletzt noch Respekt, als er aus Anlass ihres Todes schrieb: ‚Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht; ich habe mit ihr Krieg geführt, aber ich war nie ihr Feind.'“

Das führt also der Kurier der Kaiserin des Jahres 2017 zur ihrer Lobpreisung an, den gezollten Respekt eines Königs, der mit ihr Krieg geführt habe, aber nie ihr Feind war. Dies im Jahr 2017 noch anzuführen, ja, es ist schlecht bestellt um die Gegenwart, das noch als ein positives Wort anzuführen, er habe mit ihr Krieg geführt, aber er sei nie ihr Feind gewesen, weil sie habe ihrem Thron und ihrem Geschlecht, also dem habsburgischen Geschlecht Ehre gemacht.

Diese Lobhudeley des Kuriers der Kaiserin ist Sinnbild für das Unverständnis der Zeit, in der dieser Kurier lebt, ebenso Sinnbild des Unverständnisses wie der einer „Reserl“-Tochter untergeschobene Satz von dem Kuchen, den das sogenannte Volk essen solle, wenn es kein Brot habe.

Freilich mußte der König kein Feind der Kurierkaiserin sein, die Knochenarbeit des Krieges hatten andere zu erledigen, Fritzerl und Reserl standen nicht selber auf den Wiesen gegeneinander und schlugen sich ganz allein gegenseitig die Schädel ein. Dennoch waren die Wiesen mit Blut überschwemmt, mit dem Blut der Menschen, die kein Brot und keinen Kuchen … Fritzerl und Reserl hatten das bloße Vergnügen des Krieges für sich allein, auf irgendwelchen Anhöhen gemütlich zu hockerln, umsorgt, reichlich mit Brot, Kuchen und andere Delikatessen versorgt, konnten sie mit ihren Landkarten spielen, auf denen sie die Brotlosen und Kuchenlosen hin- und herschoben, ätsch, und tot sind deine Losen … ganz nach Lust, Laune, Tagesverfassung, spielerischer Freude, Blutdurst, Leibhunger …

Und wenn sie einmal keine frommen Kriegslüste hatten, dann kümmerten sie sich um Integrationsmaßnahmen, wie das Reserl mit ihrem Sohn, die für das heutige Österreich noch Vorbildwirkung …

Fritzerl starb für die damalig Zeit wohl hochbetagt gemütlich und umsorgt in seinem Stuhlchen, und Reserl starb für die damalige Zeit ebenso gemütlich und umsorgt in ihrem Schlösserl, vielleicht auch auf ihrem Sesserl. Sie starben ohne, wie es heißt, Fremdeinwirkung, kein Krieg, den sie anzettelten, raffte sie hinweg, die Kriege, die sie anzettelten, raffte die Brotlosen und Kuchenlosen hinweg. Sie war nicht die einzige, die umhegt, gepflegt … als Octave Mirbeau den unten zitierten Text schrieb, regierte in Österreich ein Greis, der wohl selbst nicht mehr die Brotlosen und Kuchenlosen auf der Landkarte – das wird ihm wohl ein Lakai nach sabbernden Anweisungen …

Diese Lobhudeley ist dermaßen absurd, und besonders absurd ist diese vom Kurier der Kaiserin, das nicht umhin zu kommen ist, in Erinnerung zu rufen, was vor über einhundert Jahren Octave Mirbeau …

Aristokratie - Octave Mirbeau - Gedächtnistafel für Redaktionen.jpgDas Grausame schreckt nicht ab. Im Gegenteil, ja, es ist schlecht um die Gegenwart bestellt. Dient das noch zur Glorifizierung von solchen Figuren, die nicht zum Gaudium der Brotlosen und Kuchenlosen, damit sie ihr Hungern und ihr Krepieren für die Höfe vergessen, im Hippodrom liefen, sondern die Wirklichkeit und die Welt zu ihrem Hippodrom der Grausamkeit … In allen Redaktionsstuben der Medien, auch der österreichischen Medien, die so ehrerbietig von den Kabinetten des Grauens auch heute noch berichten, sollte eine Wandtafel mit den Worten von Mirbeau angebracht werden, vielleicht bringt das mehr Einsicht, welcher Groteske sie Schreibknechte, welchem Karneval sie Schreibmägde …

„Dazu beitragen, den Völkern zu demonstrieren, daß das Königtum in unserer Zeit etwas völliges Nutzloses, völlig Unmodernes, ja fast so etwas Groteskes ist wie jene alten Ritterrüstungen, die hie und da noch heute die Vorzimmer und Flure in einigen Schlössern reichgewordener Schuster zieren … Eigentlich dürfte es nur noch in den Operetten existieren, obwohl die Librettisten der Ansicht sind, daß dieses Thema schon stark angestaubt ist. Ich frage Sie in allem Ernst: Kommen die Höfe von Österreich, von Deutschland, von Spanien mit der Albernheit ihres Zeremoniells, mit der karnevalesken Pracht ihrer Kostümierungen heute nicht wie törichte Theaterkulissen, wie erbärmliche Inszenierungen für Hippodrom-Aufführungen vor?“

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

In den letzten Wochen gab es nicht wenige Jubelberichte über Maria Theresia in österreichischen Medien, in einer sogenannten Qualitätszeitung für den Tag wurde gar eine Feministin bemüht, Maria Theresia zu einem heutigen Rollenvorbild für … eine mediale Andienerei und Lobhudeley, als wäre Maria Theresia am Leben und regierte als – die sie nie war – Kaiserin von Österreich … der Anlaß dafür Austellungen über Ausstellungen zu ihrem Geburtstag oder einem Jubiläumsjahr ihrer Regentschaft …

Wer Jubeleien in den Zeitungen von der österreichischen Provinz bis zur österreichischen Provinz, also von der Bundeshauptstadt, in den März-Wochen des Jahres 2017 überflog, konnte eine Vorstellung davon bekommen, wie eine gleichgeschaltete Presse funktioniert, ohne die Presse monarchisch gleichschalten zu müssen. Hervortat sich die oben erwähnte Qualitätszeitung für den Tag noch mit einem weiteren … der Herr Journalist, so berichtet er, steht mit „leiser Wehmut vor den Prunkkutschen“ seiner Kaiserin – „die junge, lebenslustige, dabei kunstsinnige und allgemein als gutherzig beschriebene Habsburgerin“. Pflichtschuldig erwähnt er wohl, daß sie gegen Juden … ihr Vorgehen gegen Roma und Sinti aber, nun, das scheint überhaupt ein Merkmal der heutigen Presse zu sein, das Vorgehen und das Schreiben gegen Roma und Sinti einer sogenannten historischen Persönlichkeit nicht anzulasten, darüber zu schweigen, und es kann, so scheint es, den sogenannten historischen Persönlichkeiten kein Vorwurf deshalb gemacht zu werden, es sei von diesen wohl kein Unrecht gewesen, dermaßen gegen

Wer schließlich sind Roma und Sinti? Bloß Menschen, gegen die weiter geschrieben und vorgegangen wird wie ehemals – oh, glückseliges Österreich, mit deiner Maria Theresia, die endlich Kaiserin …

Und was hat sie denn getan?

Es war von ihr doch nur „gutherzig“ gemeinet, ihre Erlässe gegen die „Zigeuner“:

  • Besitz von Pferden und Kutschen untersagen
  • ihre Häuser und Dörfer nur gegen Erlaubnis
    und genauer Zielangabe verlassen dürfen
  • Verbot von Ehen zwischen Roma
  • ihnen alle Kinder über fünf Jahre wegnehmen und an Bauernfamilien zur christlichen Erziehung übergeben
  • Verpflichtung zur Übernahme von Kleidung und Sprache der Dorfbevölkerung
  • Strafen für Verwendung der „Zigeunersprache“: 24 Stockschläge

Beteiligt daran ist auch ihr Sohn Josef … Mutter und Sohn, die in Österreich als Reformerin und als Reformer gefeiert, gewürdigt, geehrt, verehrt … eine sonderliche Vorstellung in diesem Land, auch noch im 21. Jahrhundert, von Reformen … auch von Aufklärung, wie eine Aufgeklärte in der oben erwähnten Zeitung für den Tag im vorigen Jahr mit verklärten Augen dem Sohne Marias …

Es war von ihnen doch nur „gutherzig“ gemeinet … „Integrationsmaßnahmen“ halt …

Wen erinnert das nicht an das Fremdenrecht dieser Tage – Mutter Maria und Sohn Josef: Ahnherrin und Ahnherr österreichischer Integretationsmaßnahmen … Es werden die sogenannten Fremden darüber nur jubeln und aus lauter Dank ebenfalls einen Rosenkranz sich um den Hals binden müssen. Denn schließlich. Für sie wird nur das Beste aus Jahrhunderten genommen, alles, was sich gar so durch die Jahrhunderte bewährte,  wie „Zigeuner“, denen sie nun traditionsreich gleichgestellt sind, ihnen bestätigen können.

Ach, wie gutherzig doch alles gemeinet, auch für das Strafrecht eine bessre Ahnherrin kann nit gfund’n ….

Maria Theresia - Ahnherrin österreichischer Integration.jpg