30 Jahre an der Heldenplatz – Galerie des zurzeitigen Vizekanzlers in Österreich

HC Strache - 30 Jahre Heldenplatz

Nun wurde mit Arik Brauer doch noch ein Festredner gefunden, der wohl ganz den Weltgeschmack der schwarzidentitären Regierung treffend seine Rede zubereitete, ein Künstler, der mit dieser Regierung wohl auch die Kunstauffassung teilt, dieses ihr Streben nach dem „Wahren, Guten und Schönen“.

Arik Brauer, der weiß, was „Unkunst“ ist. Aber auch, was Kunst ist?

Es ist lange her, als in einem Fernsehstudio Friedensreich Hundertwasser von seiner Papierrolle sein Manifest gegen die zeitgenössische Kunst las, und Arik Brauer ihm assistierte, der Fragen stellte, etwa ob denn ein in die Ecke gestellter Besen … friedensreich sprach Hundertwasser auch zu anderen Anlässen gegen zeitgenössische Kunst, und dafür stand ihm gerade in Österreich das von jeher so recht geliebte und recht erprobte und bis zum heutigen Tag recht abgesegnete Vokabular zur Verfügung …

Wie er, Arik Brauer, nun in ihre Mitte gestellt wird, von dem zurzeitigen Bundeskanzler und dem zurzeitigen Vizekanzler … es werden Erinnerungen wach beim von Arik Brauer angesprochenen Heldenplatz, aber nicht an das Jahr ’38, sondern an das Jahr ’88 …

Noch ein Jubiläum, in diesem Jahr 18. Vor 30 Jahren hatte der zurzeitige Vizekanzler seinen Auftritt auf dem Heldenplatzbalkon, er schrie und streckte hoch seinen Arm, um niederzumachen … Es war nicht der Balkon draußen auf dem Heldenplatz, es war die Galerie drinnen im Burgtheater mit dem nachgebauten Heldenplatz, und er, der zurzeitige Vizekanzler, bloß ein Zuschauer, der schon meinte, ein Agierender auf dem Balkon, ein Redner, ein Einpeitscher der Massen …

Aber er und seine Recken mußten bald einsehen, auf seiner Seite steht er allein, er steht vor niemandem. Damals, vor 30 Jahren, an diesem Novemberabend im Burgtheater, gingen wohl viele mit der Zuversicht nach Hause, es ist vorbei.

Es ist vorbei.

Ein letztes Mal, dieses Leidige, ein letztes Mal diese unergiebige Konzentration auf die madigen sieben Jahre des deutschen massenmordreiches in seiner führerschenkenden ostmark

Nun, dreißig Jahre später.

Nichts ist vorbei.

In dieser Veranstaltung mit Arik Brauer als wohlfeilen Festredner wurde davon gesprochen, es würde in Österreich hier und dort noch Antisemitismus. Wie schnell Reden vergessen werden. Drei Tage zuvor sprach Michael Köhlmeier davon, „Dinge beim Namen zu nennen“. Drei Tage später sprechen die Anführer der schwarzidentitären Regierung von hier und dort noch vorhandenem … Wo ist das Hier und das Dort? Hier und dort kann beispielsweise benannt werden: Un und zensuriert …

Arik Brauer wird für seine Kritik am Mauthausen-Komitee auf der gesinnungsgemäß zensierten Website der identitären Regierungspartei gefeiert, er, Brauer, wird Michael Köhlmeier vorgezogen, Köhlmeier solle bei Brauer sich eine Anleitung holen …

Und die Schreibstaffel von Hier und Dort versteht und schreibt wohlfeile Kommentare, am 08.05.18, beispielsweise einer oder eine, die danach fragt, was denn das Mauthausen-Komitee sei und die fragende Antwort gleich gibt: „Heimliche Juden-SS ?“ … ach, es ist bloß eine Fragenantwort, die muß nicht gelöscht werden, auch nicht drei Tage später, also am 11.05.18. Und 99 Menschen finden das bis zu diesem Tag, 11.05.18, das sind auszuzeichnende Kommentarantworten.

Es muß dem gesinnungsgemäß zensierten Hier und Dort es als eine phantastische Erzählung erscheinen, Herrn Deutsch als „Wurm“ antreffen zu können … ebenfalls veröffentlicht am 08.05.18 und bis zu diesem Tag, 11.05.18, …

Und kann es etwas Edleres auf den Tagfeldern vor dem 08.05.18 geben, als ein Aufruf, „massenhaft zu den Waffen, und alles umbringen“, und zwar schon dann, wenn Menschen bloß in den Verdacht geraten, sich gesinnungsgemäß nicht entsprechend zu verhalten …

Sie verstehen es, Menschen in ihre Mitte zu nehmen, einmal diesen, dann diesen, recht fein abgestimmt auf die Orte und die Anlässe, beispielsweise der zurzeitige Vizekanzler und der zurzeitige Infrastrukturminister … nur der eine weiß, weshalb und vor allem mit wem er in der Mitte steht, und der andere?

Arik Brauer hat der Rede vom zurzeitigen Vizekanzler zugehört. Hat er aber auch genau zugehört, hat er verstanden, was der zurzeitige Vizekanzler tatsächlich sagt, wenn er beispielsweise das Wort „Trümmerfrauen“ … Sie, die Mannen und Frauen der identitären Regierungspartei wissen, wie es zu vereinen ist, ehrliches Gedenken darzustellen und zugleich gesinnungsgemäßes Verbreiten von …

FPÖ unzensuriert - Mauthausen-Komitee was soll das denn sein 08-05-2018

 

Ein Denkmal, sagt die Demokratie, für Gavrilo Princip am Heldenplatz, Wien

 

ÖVP - FPÖ - Fehlendes Denkmal auf dem Heldenplatz Wien - Gavrilo PrincipAus dem Atterseekreis, an dessen Spitze Norbert Nemeth steht und sich Präsident nennen läßt, ist die Frage zu hören:

„Welche Haltung sollen zum Beispiel zugewanderte Serben zur Ermordung Franz Ferdinands in Sarajewo beziehen?“

Norbert Nemeth, der nun auch im Verhandlungsteam

ÖVP mit Kurz und FPÖ mit Nemeth: Olymp der Veränderungen

für die feudalchristlich blaue Regierung sitzt, und sein Alpkreis am Bach sollten weder zugewanderte Serben noch zugewanderte Serbinnen nach deren Haltung fragen, sondern die Demokratie.

 

Was würde die Demokratie für eine Haltung einnehmen?

Gavrilo PrincipDie Haltung der Demokratie wäre eine eindeutige.

Sie forderte ein Denkmal für Gavrilo Princip auf dem Heldenplatz in Wien. Wenn ihm schon die Schuld für den Krieg von 1914 bis 1918 aufgebürdet wird, dann darf seine Leistung nicht vergessen werden. Dann hat er auch mit seiner Tat das Ende der Kaiserdiktatur in Österreich-Ungarn eingeleitet, der Demokratie den Weg geebnet.

Ein Denkmal, sagt die Demokratie, für Gavrilo Princip auf dem Heldenplatz in Wien, anstelle von dem Pferd mit dem Reiter, unter dem irgend etwas geschrieben von „Führer“ und „Deutschlands Ehre“ …

Und was für eine Haltung die Demokratie etwa zu Straßennamen bezieht, die auf Namen zurückgehen, die, kurz gesagt, keine freundschaftlichen Gefühle für die Demokratie hegen, nun, das muß nicht weiter ausgeführt werden …

Straßennamen einzig aus heutiger Sicht gerechtfertigt: Franz-Joseph-Habsburg-Ring – Menschheitsmassenverbrecher, Oskar-Potiorek-Gasse – Menschheitsmassenverbrecher

Vor 100 Jahren erschoß ein Tiger einen Procházka in Sarajevo

Christopher Clark in Salzburg – Eine typische österreichische Besetzung

Denkmalschutz in Österreich für Habsburgs schmutzigen Krieg

Gavrilo Princip steht am Anfang der Demokratie in Österreich. Und was es in Österreich noch immer geben könnte, hätte es nicht auch Gavrilo Princip gegeben, nun, davon kann ein jeder Mensch sich ein Bild machen, der sich nur ein wenig beispielsweise mit einem Orden aus diesem Geiste beschäftigt …

Österreichische Verfassung wird von Norbert Hofer, Ehrenritter des St. Georgs-Ordens, selektiv geachtet

Hofschreibe für M. T. Habsburg, Mutterregentin des Antiziganismus

 

Maria Theresia Habsburg - Muttterregentin des Antiziganismus.jpg

Doron Rabinovici weiß viel über Maria Theresia Habsburg. Er schreibt es vor, am 10. Mai 2017 in der Tageszeitung des aufgeklärten Wissens: „Neue Zürcher Zeitung“. Er verschweigt nichts. Die schwarzen Seiten der Habsburgerin werden ihm nicht weiß. Das ist er sich schuldig. Er schreibt über ihr christliches Vorgehen gegen Juden und Jüdinnen, ihr christliches Vorgehen gegen homosexuelle Menschen, ihr christliches Vorgehen gegen Prostituierte, ihr christschwesterliches Vorgehen gegen Protestanten und Protestantinnen.

Was er allerdings nicht schreibt, ist ihre

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

und ihres Sohnes christliche Behandlung der Menschen, die von vielen nicht mehr Zigeuner genannt werden, sondern – und das rechnen sie sich hoch an – Roma, Sinti …

Das wäre wohl eine wahre Befleckung seiner Heldenregentin, sie mit diesen Menschen in Zusammenhang zu bringen, in dieser ehrwürdigen Tageszeitung. Seine Heldin mit Roma und Sinti in Verbindung zu bringen, wie schäbig und klein, das müsse wohl seine Befürchtung sein, erschiene dann seine Maria Theresia Habsburg, wohl auch ihr Sohn …

Oder es ist abgründiger.

Ja, und wem – das bloß nebenher – die Mutterregentin des Antiromaismus eine Heldin ist, dem ist auch die „kleine Schlampe“ ein „Held“ …

Doron Rabinovici weiß mit Bestimmtheit viel über Roma und Sinti, über ihre Ausgrenzung durch die Jahrhunderte bis herauf in die Sekunde, in der dieser Satz geschrieben wird. Aber er weiß als österreichischer Hofschreiber genau um ihren Platz. Er weist, auch er weist ihnen ihren Platz zu, und das ist der Belgradplatz in Favoriten. Im Baranka-Park, in dem „zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ … Dort geht er auch hin, er hat keine Berührungsängste, und er liest ihnen was vor – aus seinen Werken? Oder gar dafür etwas Extra-Hingeschriebenes, etwas für den Belgradplatz Zugeschnittenes? Ergreifende Worte der Solidarität? Es wird wohl eine solidarische Lesung gewesen sein, die am 20. Mai 2017 … und das wird er sich hoch anrechnen. Am Belgradplatz in Favoriten, das ist der Platz, der er ihnen zugestanden …

Die „Neue Zürcher Zeitung“ aber ist kein Platz für sie.

Der Heldenplatz ist kein Platz für sie, weder am 8. Mai 2017 noch an anderen Tagen der Jahrzehnte, seit es diesen Platz gibt. Und ihre Aussperrung vom Heldenplatz muß vollkommen sein; so dürfen sie auch nicht in einer Rede, die der ehrwürdig solidarische Hofschreiber eigens …

Die „Wiener Symphoniker“ spielen nicht für sie auf …

Es darf menschgemäß über sie berichtet werden, dann aber auf die Art, wie es auch der Mutterregentin freuen würde, also so wie anläßlich der drei Morde in Rom, Mai 2017 … So aber würde Doron Rabinovici nie schreiben …

„Ich weiß, ich gehöre nicht dazu.“

Heldenplatz Mai 2017 - Die Niederlage.jpg

Ach, Heldenplatzreden, wie schön der Heldenplatz redet, immer noch. Glücklich ist, wer die Scheinwerfer ausschalten kann, damit die nicht gesehen werden müssen, die weiter im Dunkeln sind.

Doron Rabinovici hat einen Text verfaßt, zum 8. Mai 2017. Er hat diesen – nach der nachträglichen Ansehung der Übertragung durch den österreichischen Rundfunk – nicht selbst auf dem Heldenplatz gesprochen. Wie muß ihm bei seinem Anlaßschreiben sein Schreibtisch zum Heldenplatz geworden sein …

Glücklich ist, wer sich nicht erinnern muß, an die, die im Dunkeln sind.

Ach, Heldenplatz, du Viktor-Adler-Markt.

Keiner und keine hat sich an die erinnert, die heute immer noch im Dunkeln sind, nicht einmal als Opfer des Nationalsozialismus erwähnt werden dürfen. Vielleicht wird gedacht, daß diese Menschen in der Vergangenheit zur Genüge schon auserwählt waren, nämlich von den Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten, und darin von ihnen als einzige den jüdischen Menschen vollkommen gleichgestellt, aufgestellt zur völligen Vernichtung. Weder der Mauthausen-Komitee-Vorsitzende noch der Bundeskanzler noch der Vizekanzler noch die Vizebürgermeisterin noch der Kulturstadtrat erwähnten diese Menschen, die wohl dafür dankbar sein müssen, daß sie nicht mehr von allen „Zigeuner“ genannt werden, sondern so viele bereits „Roma“ und „Sinti“ sagen. Das soll ihnen wohl Aufmerksamkeit genug sein.

Was für ein Triumph der Niederlage des …!

Was hätte eine Zeitzeugin, eine „Zigeunerin“ – es kann nicht so geschrieben werden, als hätte sich für diese Menschen darüber hinaus, nicht weiter in Vernichtungslagern verschleppt zu werden, mehr geändert, bloß weil sie nun von nicht wenigen „Roma“ und „Sinti“ genannt werden – sagen können, hätte sie am 8. Mai 2017 auf dem Heldenplatz etwas sagen dürfen?

Sie hätte nur sagen können: „Ich weiß, ich gehöre nicht dazu.“ Aber ein Satz in der Gegenwart wäre eine Störung der schönen Heldenplatzfeier gewesen … Glücklich ist, wer die Vergangenheit hat.

Und so konnte die auftretende jüdische Zeitzeugin sagen: „Ich wußte, ich gehöre nicht dazu.“ Und die Fanfaren ertönten und allen schwoll der Kamm der Glückseligkeit ob ihrer …

Sie sprach auch von den Rassengesetzen im Nationalsozialismus, von den „Judengesetzen“, allein von „Judengesetzen“, als wären diese nicht auch und einzig noch gegen „Zigeuner“ …

Holocaust ist gleich Shoa und Porajmos

Porajmos und der christliche Ökumene-Anhänger Adolf Hitler unter dem Einfluß von Martin Luther

Promoting Luther`s teaching by Playmobil

Wie über Zigeuner geschrieben wird – einst und jetzt

Oh, Heldenplatz. Die Welt feiert Martin Luther. Österreich feiert Maria Theresia. Glücklich ist, wer das Dunkle ausblenden kann. Und deren Dunkles

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

Die empörte Zurückweisung von Martin Luther

hat viel mit Menschen zu tun, die weiter im Dunkeln zu sein haben, und dort in der Finsternis sollen sie gehörig anständig dafür danken, heute „Roma“ und „Sinti“ genannt zu werden … glücklich ist, wer ein „neues Österreich“ sieht.

Ach, Heldenplatzreden. Ach, Doron Rabinovici. Und weil er so schön schreiben kann, weil seine Schreibe so ergreifend ist, sollen seine hehren Worte auch hier wiedergegeben werden, aber für jene Menschen, für die am 8. Mai 2017, auch in diesem Jahr kein einziger Scheinwerfer eingeschaltet war, keine einzige Kamera sie …

Ein Text ist und bleibt dann lebendig, wenn mit diesem gearbeitet wird. So wird Doron Rabinovici das auch als Schriftsteller verstehen, ihm vielleicht sogar ein Anlaß zur Freude, wenn auch nicht zu einem Fest sein, oder er wird es zumindest nachsehen können, die respektvollen Eingriffe zugunsten der Menschen, die Opfer waren, Opfer sind:

Das ist das Fest der Freude, denn glücklich ist, wer nicht vergisst: Das war der Tag, an dem der Sieg dem Krieg den Garaus machte. Das ist das Fest der Freude, weil damals dem Morden ein Ende bereitet wurde. Und zwar nicht nur am Schlachtfeld und nicht nur in den Lagern, sondern überall im ganzen Land wurde Schluss gemacht mit den Massakern. Wir feiern die Befreiung von Unrecht und Vernichtung. Wir freuen uns über den Frieden und wir erfreuen uns der Freiheit.

Das ist das Fest der Freude, die wir uns durch niemanden nehmen lassen, doch schon gar nicht von denen, die früher jeden 8. Mai hier mit rotschwarzgelben Schärpen aufmarschierten, um sich ausgerechnet an diesem Datum der Trauer hinzugeben und die Niederlage des nationalsozialistischen Reiches zu beweinen. Wer der Millionen Gefallenen ehrlich gedenken will, beklagt nicht den Ausgang, sondern den Ausbruch des Krieges. Am 8. Mai 1945 wurde mit dem Nationalsozialismus auch der Faschismus bezwungen. Die Niederlage der Nazis ist unser aller Triumph. Sie war die Voraussetzung für ein neues Österreich, für ein demokratisches Deutschland, für ein freies Italien, für ein unabhängiges Frankreich.

Sie ist die Grundlage des vereinten Europa jenseits von Antiziganismus, Antiromaismus, Antisemitismus und völkischer Propaganda. Hätte die Wehrmacht den Krieg gewonnen, wäre die Vernichtung dessen, was einst unwertes Leben und Untermensch genannt wurde, noch lange nicht beendet. Die Männer hätten vor allem Soldaten zu sein und die Frauen die Gebärkanonen für neue Regimenter. Von Stacheldraht wären wir umgeben und unsere Heimat läge im Schützengraben.

Da geht eine Grenze zwischen Faschismus und Demokratie. Es ist die Grenze auf Leben und Tod. Das ist die Außengrenze, die geschützt werden muss. Und jenen, die von Zeiten träumen, da sie unseren Nachbarn zum Flüchtling machten, sagen wir, aus dem Flüchtling machen wir nun unseren Nachbarn. Und jenen, die treuherzig behaupten, sie seien die Juden wie die Zigeuner von heute, denen sage ich: “Da irrt euch mal nicht, denn wir Juden wie die Zigeuner von heute, wir ducken uns nicht, wir kuschen nicht, wir feiern gemeinsam mit den Anderen, die aufstehen gegen den Hass.”

Denn wenn sie gegen Minderheiten hetzen, dann sollen sie wissen, die Minderheiten sind wir alle und wir sind längst die Mehrheit, doch eine, die nicht mehr schweigt. Wir leben die Vielfalt. Wir feiern Europa. Wenn sie nach einem starken Mann rufen, wählen wir die Demokratie. Wenn sie die Angst schüren, zeigen wir Zivilcourage. Wir alle sind die Helden für diesen Platz.

Übrigens, zum Schluß noch. Auf der Website des österreichischen Rundfunks gibt es viele Beiträge zum 8. Mai 2017. Rathkolb etwa, der über die Umbenennung des Heldenplatzes … glücklich ist, wer die Vergangenheit teilhell machen kann. Schüssel etwa, der sich erinnert an seine Geburt … das ist jener vor langer Zeit gewesene Kanzler aus der Kunschak-Partei, der mit der identitären Parlamentspartei … das ist die Partei mit einer recht extrem ausgeprägten Leidenschaft zu einer Frau aus … Im österreichischen Rundfunk sind technisch hoch versierte Menschen am Werk, die wissen, wer das Dunkle filmt, bekommt bloß ein finsteres Bild …

Österreich, Platz der schlampigen Erinnerungen

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Platz der schlampigen Erinnerungen, mußte augenblicklich gedacht werden, beim Lesen der rauischen Zeilen, die an zwei Herren gerichtet sind. Das Umbenennungsgeschwefel von dem einen ist aber weiter in keiner Zeile zu erwähnen. Hätte also die Feder der Edlen nicht die „Tüchtigkeit“ als Tugend der „kleinen Schlampe“ hervorgehoben, wäre das Bild nicht in den Sinn gekommen: da steht der Österreicher auf seinem Platz der schlampigen Erinnerungen und schreibt sich seinen Teil.

Was Österreich, wie an diesem Tag es die Feder der Edlen stellvertretend wieder einmal belegt, tatsächlich fehlt, ist ein Platz, dessen Name den Charakter von Österreich weithin sichtbar und kenntlich macht, und was charakterisiert Österreich mehr als schlampige Erinnerungen

Und nur zur Seite gesprochen: ein Heldenplatz, ein Platz der Helden paßt doch gar nicht zu Österreich … Helden sind sie, wenn das Wort überhaupt dafür verwendet werden darf, wenn sie einem in unbedingter Gehorsamspflicht folgen dürfen, sie mit strenger Peitsche geführt werden … die Gehülfen statt die Helden ist das passendere Wort – Österreich, ein Platz für männliche und weibliche Gehülfen.

osterreich-platz-der-schlampigen-erinnerungenPlatz der schlampigen Erinnerungen, auch ein Platzname zum Gedenken an Prinz Eugen von Savoyen, der, wie

Die Höhle teilen sich Freiheitliche, Innozenz XI., die kleine Prinzenschlampe Eugen …

nachgelesen werden kann, genannt wurde: petit salope  … und die kleine Schlampe sitzt auf einem Pferd auf dem Heldenplatz, auf einem Pferd aber, das nicht tot auf dem Boden liegt, sondern … sie hätte auch anders dargestellt werden können: sitzend auf massakrierten Menschen und auf abgeschlachteten Pferden …dem Bildhauer wäre als Vorlage für ein solches Denkmal ein Satz ausreichend gewesen:

„‚Meine Leute konnten auf den Leichen der Feinde stehen wie auf einer Insel‚’– und auch auf den Leichen von mehr als 3 500 eigenen Pferden.”

Ein derartiges Denkmal mit einer auf  Tausenden von toten Menschen und Tausenden von toten Pferden sitzenden Kleinschlampe, so nüchtern muß das gesehen werden, hätte wohl auch nicht vermieden, daß am anderen Ende des Heldenplatzes

Für die von NR Mölzer geführte ZZ ist Deserteursdenkmal auf dem Ballhausplatz ein „Kameradenverräterdenkmal“

Jahrhunderte später ein Mahnmal errichtet werden mußte … und in seinem Schreibsturmlauf gegen dieses feiert Reservemajor Moser den „Türkenbezwinger“ Eugen Savoyen …

osterreich-platz-der-schlampigen-erinnerung

Martin Graf lauscht am Heldenplatz im Schein der Fackeln Wolfgang Jung

Es waren tatsächlich keine Leistungen, die zu würdigen sind, aber vielleicht hat Bruno Kreisky diese seine Handlungen als Bundeskanzler für sich selbst in seinem Privatbuch der Verdienste nicht auf der Habenseite verbucht, später, als er nicht mehr Bundeskanzler war.

Wenn Wolfgang Jung nun am 8. Mai 2011 den Knochen von Mördern von Selbstmördern, wie jedwede Militärs zu bezeichnen sind, seine Ehrbezeugung erweist, am Heldenplatz, und dabei spekuliert, Bruno Kreisky hätte Walter Nowotny, wäre er bei der richtigen Partei gewesen, möglicherweise gar zum Verteidigungsminister gemacht, dann denkt Wolfgang Jung, ein Bruno Kreisky hätte ebenfalls so schlicht gedacht, wie sonst vor allem Freiheitliche schlicht denken können.

Es ist wahr, Bruno Kreisky holte ehemalige Mitglieder dieser Totalverbrechenspartei beispielsweise in sein erstes Regierungsteam, aber Bruno Kreisky wäre wohl nicht so närrisch gewesen, einen derart exponierten Vertreter dieses Massenmordregimes, das auch das sogenannte eigene Volk in extremstes Leid, Elend und Tod führte, zum Minister zu machen. Von Freiheitlichen aber würden das heute noch bestimmt viele erwarten, ihnen ohne weiteres zutrauen. Darüber will aber hier gar nicht geschrieben werden. Zu gut muß es noch in Erinnerung sein, welche Bruchpiloten und Bruchpilotinnen freiheitliche Minister und Ministerinnen waren, so daß über ihre Gesinnung gar nicht mehr gesprochen werden muß, denn diese verkam seinerzeit schon zur Nebensächlichkeit ob ihrer Unfähigkeiten.

Aber der Spekulation von Wolfgang Jung darf eine entgegengesetzt werden, die realitätsnäher erscheint; denn nach allem, was über ihn bekannt ist, wäre Walter Nowotny wohl eher seinem Lehrer Hans Ulrich Rudel gefolgt, der nach 1945 weiter ein Aktiver war. Ein derart aktiver Weitergänger wäre für Bruno Kreisky, selbst für Bruno Kreisky als Realpolitiker, nicht ministrabel gewesen …

Flieger und Fliegerinnen des Naziregimes waren ja nicht unbedingt besonders lernfähig, wird auch noch an Hanna Reitsch gedacht

Wolfgang Jung sprach zu den Knochen und zu den vor ihm stehenden Getreuen, es gäbe keine einzige Äußerung, die Walter Nowotny vorgeworfen werden könnte, scheinbar jedoch auch keine, aus heutiger Sicht, die für ihn sprechen würde. Was es aber gibt, wie gelesen werden kann, ist ein Zitat aus seinem letzten Brief:

„Ein Hundsfott, der jetzt die Flinte  ins Korn werfen will! Es gibt nur noch eines: Bestehen und Treue halten, mag kommen, was da will!“

Dieses Zitat klingt doch stark mehr danach, daß Walter Nowotny nach 1945 weiter ein braver Schüler von Hans Ulrich Rudel geblieben wäre …

Aber, auch Wolfgang Jung ist es unbenommen, dem Mörder und Selbstmörder im Dienste des Naziregimes zu gedenken, jedoch das Steuergeld der Gegenwart ist nicht dafür bestimmt, mit beiden Händen hinausgeworfen zu werden, damit freiheitliche Mandatare und Mandatarinnen das Gebeinhaus ihrer Lagerhelden herausputzen, darin u.v.a.m. ihre Fechtburschen beim Säbeln …

Aber es sagt auch sehr viel darüber aus, was zwar ohnehin bekannt ist, jedoch immer wieder gesagt werden muß, wie freiheitliche Funktionäre und Funktionärinnen auch auf diesem Acker ihre Wähler und Wählerinnen sehen, wofür die Freiheitlichen sie benötigen, nämlich als Zahlende, Wählerinnen und Wähler sind für sie also das Steuergeldausnehmvolk, das ihnen ihre Hobbykellerbudengeschichtsbastelei finanzieren.

Heldenplatz, am 8. Mai 2011

Die Aufregungen, die ein Datum hierzulande nach wie vor auslösen kann, verführen zu fragen, ob es nicht besser wäre, überhaupt alle Formen von kollektivem Gedenken, für und an wen auch immer, einfach bleiben zu lassen.

Es ist menschgemäß ein hehres Ansinnen, der Opfer kollektiv zu gedenken, beispielsweise der Opfer des Nationalsozialismus. Zu gedenken und damit stets einhergehend zu mahnen, zu hoffen, zu ersehnen und zu beschwören, daß diese einst von einer Mehrheit getragene und die Normalität des Nationalsozialismus seiende Bestialität nie wieder Wirklichkeit werde. Aber so viele Jahrzehnte kollektive Gedenken, sogar in Österreich, haben nicht dazu beigetragen, daß eine Wirklichkeit ohne den Stoff Bestialität geschaffen werden konnte. Bis zum heutigen Tage ist es soher nicht gelungen, überzeugend darzustellen, daß eine Wirklichkeit, der das Element Bestialität für immer absolut entzogen ist, nicht als das Ende der Wirklichkeit des Menschen zu fürchten ist, sondern als Anfang einer Wirklichkeit des Menschen zu begrüßen ist, aber endlich ohne die Substanz Bestialität.

Der Nationalsozialismus jedoch ist lediglich und dazu ein noch sehr spät hinzugefügter Baustein der Substanz Bestialität, der allerdings aufgrund seiner monströsen Verbrechen als Grundbaustein der ersten Herstellung der Substanz Bestialität erscheint, aber in der Genealogie der Substanz Bestialität zeitlich einen lächerlich geringen, den geringsten Platz beanspruchen kann. Es werden diesen zwölf Jahren totalitärer Herrschaft des Nationalsozialismus eine Bedeutung zuerkannt, als hätte dieser Millionen Jahre totalitär geherrscht. Aber es waren schwache zwölf Jahre, wenngleich höchst grausame zwölf Jahre, die, derart enden solche Ideologien immmer, bald auch das sogenannte eigene Volk als Opfer sahen. Es ist somit eine vollkommen ungerechtfertigte Bedeutung, die dem Nationalsozialismus zugestanden wird, und, mit dieser ungerechtfertigt zuerkannten Bedeutung als, beinahe geschrieben, unausweichliche Naturgewalt, werden nur, ebenso ungerechtfertigt, die Wiedergänger und Wiedergängerinnen des Nationalsozialismus bedient, die daraus ihre, ebenso ungerechtfertigte, Bedeutung ziehen, um ihre Leben irgendwie bewältigen zu können, einigermaßen durch ihren Alltag zu kommen.

So viele Jahrzehnte des kollektiven Gedenkens haben keinen Beitrag geleistet, Gewaltverbrechen und Massenmord absolut zu ächten und absolut abzulehnen. Es stehen Heerscharen an Freiwilligen weiter bereit, unter welcher Fahne und welchem Programm immer, auch der Nationalsozialismus lockt mit seiner Fahne und seiner Weltanschauung, die Wirklichkeit in gesetzesgedeckte Grausamkeit zu verwandeln. Und es stehen auf der neuen Straße der Auseinandersetzungen, wie das Web gennant werden könnte, der freiwilligen Kämpfer und Kämpferinnen, formiert in unterschiedlichen Staffeln, mehr und mehr bereit, diese noch in Sprache gefangengehaltene Bestialität in Wirklichkeit zu verwandeln, sich ihre Regime zu erstreiten, ihre Regime zu wählen, auf die sie, nach dem unausweichlichen Untergang, wieder ihre Schuld und ihre Verantwortung abwälzen werden wollen. Noch also schreiben diese Freiwilligen nur in aber vielen Foren ihre bestialischen Lösungen, aber die Vielzahl derer, die im Web anonym im Morden das Heil sehen, das Morden als Lösung gesellschaftlicher Probleme anbieten, ist erschreckend, und erschreckend ist, wenn auch nicht unerwartet, es sind nicht nur ausgewiesene Wiedergänger und Wiedergängerinnen des Nationalsozialismus. Und auch jene, die besonders gegen den Nazismus auftreten, verbalisieren erschreckend oft als Lösung und Verhinderung des Nazismus nur Gewalt.

So viele Jahrzehnte des kollektiven Gedenkens haben, um es nicht im allgemeinen zu belassen, keinen konkreten Beitrag geleistet, daß Roma und Sinti in Europa kein ungeduldetes Leben mehr zu führen genötigt sind. Im Gegenteil, muß gesagt werden, wird allein an aktuelle Ereignisse in Ungarn beispielsweise gedacht. Roma und Sinti, die zu den Hauptopfern der Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen gehörten, zeigen bitter konkret auf, daß es weit über den Nationalsozialismus hinausgeht, der Diskurs weit tiefer und endlich breitest geführt werden muß. Roma und Sinti sind nicht nur weiterhin Herabwürdigungen und Verfolgungen ausgesetzt, sie mußten sehr lange und müssen eigentlich noch immer um den ihnen zustehenden und also angemessenen Platz im kollektiven Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus kämpfen. Kollektive Gedenken, in denen sie unbedacht bleiben, müssen für Roma und Sinti bittere Veranstaltungen gewesen und auch heute noch oft sein, werden sie doch auch durch diese an ihre Gegenwart erinnert, daß ihnen ein menschenwürdiger Platz in der europäischen Gesellschaft weiter verweigert wird. Schlimmer noch, es werden, wieder, Gesetze verlangt und verabschiedet, die ….

So viele Jahrzehnte des kollektiven Gedenkes haben es nicht vermögen können, die alles entscheidende Frage breitest zu stellen, wer waren die wahren Schuldigen. Selbstverständlich werden viele Namen gewußt, von jenen die gewählt wurden, von jenen, die in diesen zwölf Jahren hohe und höchste Positionen im Verbrechensstaat besetzten. Aber die Namen der Wähler und Wählerinnen sind ungenannt. Wenn es einst wieder zu einem derartigen Ausbruch der normalisierten Bestialität kommen sollte, wenn es einst wieder zum unweigerlichen Untergang der normalisierten Bestialität kommen sollte und dabei wieder am Ende das sogenannte eigene Volk in der sogenannten eigenen Heimat das letzte Opfer sein wird, werden beispielsweise jene, die heute ihre blutrünstigen Kommentare auf die Straße von Sos Heimat schmieren, gennannt werden können als die Befehlenden ihres Regimes. Die Frage heute ist, wen wählen sie dafür aus und wen wählen Sie …

NS Beinahe wurde auf den im Titel angeführten Heldenplatz vergessen. Das WKR-Totengedenken am 8. Mai 2011 am Heldenplatz, veranstaltet von Menschen, denen hier nicht die Freude gemacht wird, sie als Nazis zu bezeichnen, wird wohl sinngemäß viel von dem Schwulst über Opfer, Heldentum, Blut mit pompösen Gesten über Heimat und Vater im Abendland transportieren, was Terry Eagleton in Das Böse in bezug auf Nazis schreibt:

Einesteils voll engelhaftem „Schwulst über Opfer, Heldentum und Reinheit des Blutes, waren sie anderenteils fest im Griff jenes Phänomens, das die Freudianer „obszöne Lust“ nennen – versessen auf den Tod und Nichtsein. Nazismus ist eine Art von bizarrem Idealismus, der eine Todesangst vor menschlicher Fleischlichkeit hat. Doch er ist auch ein höhnisches Gejohle an die Adresse all dieser Ideale. Zu hochtrabend und zu hämisch in einem, ist er voller pompöser Gesten über Führer und Vaterland und dabei zynisch bis in den Kern.