Im größten Operettenhaus Österreichs

„Eine sumpfige Landschaft irgendwo im habsburgisch-verwalteten Banat rund um das Jahr 1740. Der Vielvölkerstaat vereint hier Großbauern und Lebenskünstler: im Gutshof den Schweinezüchter Zsupán, daneben eine Gruppe von Zigeunern unter […]“

So wirbt die Volksoper im Jahr 2020 in Österreich für die bevorstehende Premiere am 29. Februar 2020 … „eine Gruppe von Zigeunern unter“, ganz ohne Anführungszeichen.

2020 in Europa, ob in Österreich, ob in Polen, ob eine Volksoper, ob ein Reisebüro, nach wie vor eine Selbstverständlichkeit, „Zigeuner“ ganz ohne Anführungszeichen weiter …

Daß die Volksoper in Verehrung von Johann Strauß werkgetreu nicht auf „Zigeuner“ verzichtet, kann durchaus verstanden werden, 2020 aber dieses Wort, das für Hunderttausende Menschen ein nicht freiwillig gelöstes Zugticket nach Auschwitz war, nicht wenigstens in Anführungszeichen zu setzen, nun, das führt unweigerlich tief in die Geschichte, die weit vor Auschwitz beginnt, der sogenannten Wiener Operette, in denen die Menschen vorkommen, von denen die Volksoper ganz ohne Anführungszeichen …

„Komm, Zigan, spiel mir was vor.“ Aus „Gräfin Mariza“. 1924 im Theater an der Wien uraufgeführt.

„Es überrascht also nicht, dass auch das Zigeunerstereotyp in Libretto und Musik hier ausschließlich als Element der Couleur locale funktionalisiert ist. Die Zigeuner illustrieren die ungarische Provenienz der Operette ebenso wie Csárdás, Mulatság und Tokajer. Umso bedeutender ist die Untersuchung der Funktionalisierung des Stereotyps, da es hier nicht mehr darum geht, die Zigeuner der Mehrheitsgesellschaft konträr gegenüberzustellen um damit letztere positiv oder negativ zu zeichnen, sondern weil die Zigeuner hier lediglich noch als Staffage der Ungarnsehnsucht fungieren, selbstverständlich jedoch mit allen
diffamierenden und diskriminierenden Elementen des Stereotyps. Anders als in Strauß‘ Zigeunerbaron oder in Lehárs Zigeunerliebe, spielen die Zigeuner in Gräfin Mariza keine dramaturgisch bedeutende Rolle mehr. Abgesehen von Manja und Berko, die hauptsächlich im ersten Akt ihren Auftritt haben, werden die Zigeuner hier als musikalisches Kollektiv behandelt, als
Dienstleister, die, als Kapelle gebucht, bei den Festlichkeiten der ungarischen Aristokratie auftreten. Darüber hinaus wird im gesamten Libretto der Operette viel über sie, selten jedoch mit ihnen gesprochen. Manjas Worte klingen rätselhaft, fast delphisch und sie steht damit in der Tradition des Stereotyps der magischen, hellsichtigen Zigeunerin, was auch von Berko umgehend unterstrichen wird, wenn er zu Tschekko sagt: ‚Horch, das ist Manja, die Hexe!‘ Die ungarische Tradition, Zigeunerkapellen sozusagen als Hofmusiker zu engagieren, die seit dem Entstehen derselben modern wurde, wird in Gräfin Mariza mehrfach aufgegriffen. Wie in IV. besprochen wurde, engagierten sich
ungarische Aristokraten häufig Roma als Hofmusikanten, welche dann bei Hofe tatsächlich in recht angesehener Position lebten. So jedenfalls der positive Zustand – nicht selten kam es jedoch auch vor, dass Roma in Leibeigenschaft und gezwungenermaßen auf den Gütern der magyarischen Feudalherren leben mussten. Vor allem zu festlichen Anlässen wurden die sogenannte ‚Zigeunermusik‘ engagiert und so kündigt auch in der Operette Graf Populescu
das Erscheinen der Gräfin an: ‚Gräfin Mariza…die süße kleine Mariza kommt nach Hause. Sie hat schon die Zigeuner bestellt.'“

Als „Staffage, zu festlichen Anlässen ‚Zigeunermusik‘ bestellt“ … In Österreich ist das nach wie vor so Sitte, beispielsweise im größten Operettenhaus des Landes

„Gerade in der frühen Phase der Wiener Operette wird deutlich, dass sogenannte ‚Outcasts‘ (eben die Zigeuner im Zigeunerbaron, aber auch Gruppen wie Schmuggler, beispielsweise in Millöckers Gasparone) […] Was in diesem Zusammenhang auf der Operettenbühne nicht dargestellt wird, ist ein realistische Bild einer real existierenden Marginalgruppe.

‚Auf gesellschaftliche Wahrheiten wird dabei natürlich kein Wert gelegt. Sämtliche Klischeebilder, die mit Zigeunern verbunden werden […] kann man in Operetten, in denen Zigeuner vorkommen, begegnen, nicht aber ihrer Not und ihrer ständigen Verfolgung durch die ansäßige Bevölkerung.‘

Im Zigeunerbaron wird ein stilisiert-geschöntes und in höchstem Maße stereotypes Fremdbild propagiert. Dabei werden jedoch alle negativen Komponenten des Zigeunerstereotyps mitangesprochen und tradiert, man denke hierbei an die Diffamierung der Zigeuner als Diebe, Mörder, Betrüger, Schwarzmagier etc. Diese verallgemeinernden Generalvorwürfe werden ebenso von der Bühne in den Zuschauerraum und von dort in die Alltagswirklichkeit des Publikums hineingetragen, wie die romantisierte Zigeunerfigur, die Metapher für Freiheit und Unabhängigkeit (vgl. hierzu die Ausführungen zur Wirkung von Stereotypen in III. E I).“

„Wenn ich Sie, mein Führer, für ein paar Augenblicke erheitern und von Ihrer verantwortungsvollen Arbeit ein wenig ablenken konnte, so bin ich darüber unendlich stolz und glücklich.“

Lenkte Marika Rökk, die wohl heute noch für viele schlechthin Gräfin Mariza ist, Herrn Hitler, dem eine lehársche Operette die liebste gewesen sein soll, auch mit „Gasparone“, verfilmt 1937, ab, wie sie nach 1945 weiter mit Operette, dann aber alle demokratisch ablenkte, von der Arbeit der „Aufarbeitung“ …

„Lehár selbst arbeitete die Zigeunerliebe zu einer, wohlgemerkt sehr ‚arisierten‘ Opernfassung um, welche im Kriegsjahr 1943 in Budapest uraufgeführt wurde.“

Mit welchen Liedern Franz Fuchs wohl seine Fahrt zu „seiner verantwortungsvolle Arbeit“ nach und von Oberwart versüßte?

Jan Christoph Jonas Liefhold stellt seiner Diplomarbeit,

„‚So elend und so treu…‘
Die Konstruktion und Funktion eines Zigeunerstereotyps und dessen Erscheinungsbild in der Wiener Operette (1885-1938) im soziologischen Kontext der Entstehung stereotyper Fremdbilder“

„Die Genese von Stereotypen und Vorurteilen, basierend auf der Tendenz des Menschen, in Eigen- und Fremd-Gruppen zu kategorisieren, ist, ausgehend davon, dass die europäische Mehrheitsgesellschaft schon über Jahrhunderte
hinweg ein Zigeunerstereotyp konstruiert und tradiert hatte, bevor die erste Wiener Operette entstand, für selbige von Bedeutung, da hier die Stereotype einem Publikum präsentiert wurden, welches durch seine Mobilität selbst Einfluss auf die Werkgenese der Operetten genommen hatte. In anderen Worten bedeutet dies, dass Komponisten und Librettisten mit ihren Werken den Forderungen des Operettenpublikums entsprachen und ihm hierfür stilisierte, ja geradezu verkitschte Klischeebilder einer ethnischen Randgruppe auf der Bühne präsentierten, welche eben dieses Publikum in seiner Alltagsrealiät diskreditierte, diskriminierte und drangsalierte, wie unter anderem die Verfahren der österreichischen Jurisprudenz und Exekutive erkennen lassen, die Norbert Tandl
in seiner Dissertation ‚Die Bekämpfung der vermeintlichen Zigeunerplage in Österreich (1848-1938)‘ aufarbeitet.

‚Noch zu Beginn der 1930er Jahre dachte auch die steirische Gendarmerie nicht anders, die die Ausstellung von Papieren an Zigeuner als für die öffentliche Sicherheit außerordentlich abträglichen und die Zigeunerbekämpfung
erschwerenden Übelstand bezeichnete
und daher die Landesregierung aufforderte, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit diese Ausfertigung
von Papieren doch entsprechend erschwert wird.‘

Der österreichische Sozialchauvinismus gegenüber der Marginalgruppe ist in den Gesetzgebungen der k&k – Monarchie genauso prominent spürbar wie in
denjenigen der Ersten Republik und bis zu den Nürnberger Rassegesetzen, welche den Umgang mit Sinti und Roma unter nationalsozialistischer Herrschaft regelten, durchgehend ausgrenzend und diskriminierend. Die vermeintlich genetisch bedingte Kriminalität, die dem ‚Zigeuner‘ attestiert wurde, war Hauptgegenstand der Verordnungen gegen die Minderheit, sowohl in Österreich,
als auch 1935 in den Beschlüssen von Nürnberg […] Diese Vorwürfe gegen ‚Zigeuner‘ blieben jedoch
auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus erhalten, und ‚Wandertrieb, Stehltrieb, Feigheit, Unsauberkeit, Rachsucht, unreflektiertes Denken‘ wurden noch 1954
von Kriminalisten zu seinen ‚rassischen Eigenschaften‘ erklärt. Zeitgleich feierten die Väter der Wiener Operetten bedeutende Erfolge mit dem Zigeunerbaron, dem Zigeunerprimas, der Gräfin Mariza oder Frasquita. Auf der
Bühne erschien dem Publikum ein anderer Zigeuner als vor dem Theater. Dieser Umstand ist vornehmlich auf den besonderen Charakter des Genres der Wiener
Operette zurückzuführen. Als Massenkulturphänomen und Unterhaltungsmedium war es eine Prämisse des Genres, publikumswirksam zu agieren, natürlich auch
unter dem finanziellen Aspekt, dass es sich als nicht-subventionierte Kunstgattung selbst tragen musste. Die Komponisten und Librettisten der Wiener Operette mussten sensibel auf Moden, Zeitgeist und die Mobilität der
Publikumsstruktur reagieren. ‚Der Wiener Operette galt der exotische Schauplatz als willkommenes Anwendungsgebiet der kulinarischen Publikumsbelustigung‘, der Zigeuner gilt ‚einerseits […] als sozialer Außenseiter und wird auch so dargestellt, andererseits verkörpert er den zutiefst
‚romantischen‘ Typ des absolut Freien‘. Diese Darstellung der Marginalisierten erfolgt simpliciter über eine konstante Semiotik, über die Festlegung dezisiver Stereotype welche bestimmte Funktionen erfüllen.“

aus der zitiert wird, aus 2014 ein Zitat aus 1933 voran, mit dem das Kapitel geschlossen werden soll, das über acht Jahrzehnte später in Europa, in Österreich als „Wahrheit“ weiter verbreitet

„Zwei Vorstellungen verbinden sich in unseren Gedanken mit dem Wort Zigeuner, eine, die ihren Ursprung in romantischen Balladen und sentimentalen Operetten hat und die Zigeuner von Liebe, Wein und Geigenspiel stolz und frei leben läßt, die andere, realistischere, die sie als Landplage kennt, wie Hagelschlag und Heuschreckenschwärme, der Schreck der Bauern, die vor ihrem Erscheinen die Hunde loslassen. Man muß zugeben, die zweite Auffassung kommt der Wahrheit näher.‘
(Arbeiter Zeitung, 12. 02. 1933)“

Dass es im Nord kein Kreuz gibt, ruft jetzt ÖVP-Ministerinnen, einen Großvater und ein Kind auf den Plan.

Wieselburg. Im „Krankenhaus Nord“ in Stadtteil Floridsdorf wird auf Kreuze verzichtet – das ruft jetzt die Bundes-ÖVP auf den Plan. Es ist ja ein rechtliches Niemandsland: Während etwa die Kreuze in Schulen Inhalt des Konkordats bzw. gesetzlich geregelt sind, entscheidet bei den Spitälern klarerweise der Betreiber, im Fall des KH Nord eben der Krankenanstalten-Verbund.

2 Ministerinnen. Am Mittwoch war Europaministerin Karoline Edtstadler zu Gast auf Fellners Bauch-TV – und sie machte klar: „Ich bin römisch-katholisch erzogen. Ich war die erste Ministrantin meines Heimatortes. Meine Mutter hat in einer erzbischöflichen Schule unterrichtet. Das Kreuz gehört in Krankenhäuser, hat in Schulen seinen Wert. Ich werde dafür kämpfen.

Auch Kultusministerin ­Susanne Raab hat eine klare Meinung dazu: „Das Kreuz ist ein geistes- und kulturwissenschaftliches Symbol Europas, wie der VfGH festgestellt hat. Daher bleibt es in Klassenzimmern und im öffentlichen Raum. Für mich persönlich kann das Kreuz auch als Zeichen der Hoffnung auf baldige Genesung verstanden werden und kann Patienten im Krankenhaus Trost spenden.“ 

1 Großvater. Auch ein Großvater hat eine klare Meinung dazu: „Das Kreuz ist ein national-patriotisches Symbol, geschaffen in der tiefsten Zeit unserer Bewährung. Daher bleibt es überall, seine Rückkehr zu fordern. Ich bin in seinem Sinne erzogen. Ich war der jüngste Jugendführer meines Heimatortes. Meine Oma hat in einer Napatra unterrichtet. Das Kreuz gehört hin. Ich werde dafür kämpfen.“

1 Kind. Auch ein Kind erinnnert sich warm an das Kreuz. „Kurz durfte ich meine Hand dem Schöpfer reichen. Eine Frage stellte er mir. Was war mir im Spital Trost und Hoffnung? Es war das Kreuz, mit seinem Versprechen auf ewige Gesundheit. Im Angesichte des Kreuzes war mir, als ich im Sterben lag, der Schmerz der Blinddarmentzündung leicht. Die Zuversicht, zum Schöpfer mich zu begeben, ohne daß ein Nagel in meinen Körper geschlagen, unversehrt in der Schönheit meines junges Lebens vom Schöpfer aufgenommen zu werden, zu empfangen immerwährende Gesundheit, war mir Trost des Kreuzes.“

„Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“

„Die nationalsozialistische ‚Zigeunerpolitik‘1 hatte mit dem Auschwitz-Erlaß Himmlers vom 16. Dezember 1942 die endgültige und totale Vernichtung der Minderheit eingeleitet, und sie wurde mit den nachfolgenden Deportationen praktisch durchgeführt. Sie endete danach keineswegs, sondern wurde von den Instanzen des NS-Regimes bis zur Befreiung durch die Alliierten Streitkräfte weiterverfolgt. So ordnete das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS im Herbst 1944 noch die Entlassung von SS-Angehörigen an, die mit einer Jüdin oder Zigeunerin verheiratet seien, während per Verfügung der Parteikanzlei vom 9. Dezember 1944 Juden und ‚Zigeuner‘ und ‚Mischlinge‘ zum Volkssturm oder Einheiten der Wehrmacht herangezogen wurden, um so – vorläufig von der Endlösung verschont – für den ‚Endsieg der Herrenmenschen‘ kämpfen zu müssen.2 Nach der Befreiung aus den Lagern waren mehrere hunderttausend Sinti und Roma aus ganz Europa Opfer der NS-Vernichtungspolitik geworden.“

Die, kurz ist das her, so schicklich österreichisch gewählten Worte des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich verleiten, ein weiteres Mal, dazu, in die Vergangenheit zu gehen.

Einmal, um ein weiteres Mal, auf die Ungleichbehandlung, auf die Ungleichbeachtung in der Gegenwart hinzuweisen.

Einmal auch, um … es wird gar nicht gewußt, wie das formuliert werden soll, um den Aberwitz von Menschen, die von Antisemitismus, von Antiziganismus, von Rassismus zerfressen sind …

Es zeigt sich an diesem Beispiel aus der Vergangenheit, daß auch für Menschen, die von Antiziganismus, von Rassismus, von Antisemitismus vollkommen zerfressen sind, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus jede Bedeutung, jede Wichtigkeit verlieren kann, wenn sie ihr Hauptaugenmerk auf etwas anderes legen, in diesem Fall auf den „Endsieg“.

Dann sind Menschen, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus vollkommen zerfressen sind, heute auf morgen bereit, mit den Menschen, die für sie keine Menschen sind, sondern zu Ermordende, Auszurottende, Schulter an Schulter zu kämpfen, vertrauen sie diesen Menschen, die für sie Auszurottende sind, an, für sie den „Endsieg“ zu erkämpfen.

Es wird nicht gewußt, ob es zur „Verfügung der Parteizentrale vom 9. Dezember 1944“ auch entsprechende Aufrufe gegeben hat. Bei der gesinnungsgemäßen Liebe zu Aufrufen, zu Parolen könnte es durchaus welche gegeben haben. Wie könnte so ein gesinnungsgemäßer Aufruf gelautet haben?

Vielleicht: „Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“

Was in „Sinti und Roma – 600 Jahre in Deutschland“ beschrieben ist, erzählt von Vergangenheit und von der Fortsetzung der Vergangenheit nach 1945, auch von Menschen mit ihren Karrieren vor 1945 und nach 1945 in Deutschland. Zum angesprochenen „Rassenhygienische Institut“ fällt sofort das „Rassenbiologische Institut“ in Innsbruck ein, mit seinen Männern und ihren Karrieren vor 1945 und nach 1945 mit Gesinnungsweitertragung; einer aus diesem Institut soll, ein weiteres Mal, stellvertretend genannt werden, ein Mann in hohen politischen Funktionen, ein Mann, der sich berufen fühlte, Bundespräsident in Österreich …

Dieser Mann vom „Rassenbiologischen Institut“ und SA-Sturmführer saß etliche Jahre im österreichischen Parlament und beschloß Bundesgesetze mit. In Österreich, eine Tradition, daß antiziganistische und rassistische … kurz erst ist es her, daß ein antiziganistischer und rassistischer Mann, von dem aber nicht bekannt ist, daß er auch antisemitisch ist, an einem österreichischen Bundesgesetz mitschrieb, bezeichnenderweise am Waffengesetz …

„Um sich ein genaues Bild von den Auswirkungen des Völkermords an den Sinti und Roma – Genozid, Zwangsarbeit, Verfolgungen, medizinische Experimente, eugenische Maßnahmen und der Zerstörung großer Teile ihrer Kultur – nach dem Kriegsende machen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, den Charakter und den Modus der nationalsozialistischen ‚Zigeunerpolitik‘ in seiner Komplexität ineinandergreifender und/oder konkurrierender Instanzen und Institutionen zu verstehen, die sich nach Kräften mühten, Städte, Kommunen, Behörden, Schulen etc. ‚juden- und zigeunerfrei‘ zu machen.3 Gerade die sich ergänzenden bzw. sich gegenseitig überbietenden Radikalisierungs- und Entkoppelungsprozesse der Administrationen und Institutionen scheinen die furchtbare Gründlichkeit der Vernichtungsmaßnahmen bewirkt zu haben: Vom rassistischen Diskurs der Wissenschaften, der Förderung ‚rassenhygienischer Forschungen‘ und sogenannter ‚Rassengutachten‘ durch die deutsche Forschungsgemeinschaft, den eugenischen Maßnahmen der Gesundheitsämter, der polizeilichen Totalerfassung durch die ‚Zigeunerleitstellen‘, der Amtshilfe der christlichen Kirchen bis hin zu jenen Organisationen und Tätern, die unmittelbar an der Deportation und Ermordung beteiligt waren.

Die Analyse dieses komplexen Prozesses ist nicht nur für das Begreifen der NS-Vernichtungspolitik wesentlich, sondern sie ermöglicht ebenso ein Verständnis für die behördlichen, wissenschaftlichen, politischen, juristischen Diskurse und Praktiken, mit denen die überlebenden Sinti und Roma, die aus den Konzentrationslagern nach Deutschland zurückkehrten, konfrontiert wurden.4 Obwohl die Geschichte behördlichen und politischen Handelns gegenüber den Sinti und Roma im Nachkrieg noch nicht hinreichend erforscht worden ist, kann man ohne Übertreibung feststellen:

– die Planer, Organisatoren und Vollstrecker des Völkermords an den Sinti und Roma blieben ungestraft und konnten nach dem Krieg ihre Karrieren unbehelligt fortsetzen; beispielsweise Paul Werner, SS-Standartenführer und für die Planung der Maideportationen zuständig, machte bis in die 60er Jahre hinein Karriere als Ministerialbeamter in Baden-Württemberg; Robert Ritter, Leiter des Rassenhygienischen Instituts, der den Völkermord mit vorbereitete, leitete nach 1945 bis zu seinem Tod 1951 in Frankfurt die Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke und Joseph Eichberger, der im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die ‚Zigeunertransporte‘ organisierte, wurde Leiter in der ‚Landfahrerzentrale‘ im Landeskriminalamt in München.

– die personelle Kontinuität und die strukturellen Grundlagen der NS-Zigeunerpolitik wurden nicht hinreichend gebrochen und abgeschafft; vielmehr leugneten Juristen bis zum BGH den Völkermord an den Sinti und Roma und übernahmen in ihren Urteilen explizit NS-Sprachregelungen; relativierten Mediziner und Amtsärzte die physischen und psychischen Verfolgungs- und Gesundheitsschäden der Überlebenden; nahmen Polizeibeamte Sondererfassungen der Sinti und Roma vor und setzten die ethnische Diskriminierung fort und schließlich versäumten es die Gesellschaftswissenschaften, den Völkermord an den Sinti und Roma aufzuarbeiten, über den Antiziganismus aufzuklären und die gesellschaftliche Ausgrenzung zu analysieren.

– der gesellschaftliche Antiziganismus und die ‚Zigeunerbilder‘ lebten in den Köpfen und den Amtsstuben weiter und dienten zur Rechtfertigung gegenwärtiger und künftiger Ungleichbehandlung und Ausgrenzung der überlebenden Sinti und Roma, die nun mit zweifelhaften rechtsstaatlichen Mitteln praktiziert wurden.“

Antiziganismus, Alexander Van der Bellen, nicht einfach Rassismus

„Heute vor 25 Jahren erschütterte das schreckliche Roma-Attentat in Oberwart die Republik #Österreich. Wir gedenken der Opfer der politisch motivierten & rassistischen Anschlagserie. Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“

Was für eine hehre Ansage des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich.

„Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“

Geht eine Aussage zum Gedenken an ein konkretes Verbrechen, zur Ermordung von bestimmten Menschen noch allgemeiner? Ja, österreichischer. Allgemein kann wie folgt gesteigert werden: allgemein, allgemeiner, allgemeinst, österreich.

Die Morde in Oberwart waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Morde waren antiziganistisch.

Dennoch spricht Alexander Van der Bellen ganz österreichisch von „Rassismus“, während er sehr gut zu unterscheiden vermag zwischen „Antisemitismus“ und „Rassismus“ …

Damit ist er ganz und gar im Einklang mit der derzeitigen Regierung in Österreich …

Die Massenmorde etwa in Auschwitz waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Massenmorde waren antisemitisch.

Die Massenmorde etwa in Auschwitz waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Massenmorde waren antiziganistisch.

Dennoch kann Alexander Van der Bellen so leichthin kurz sagen, „es darf keine Toleranz gegenüber Antisemitismus und Rassismus geben.“

Was er, Alexander Van der Bellen, auch er nicht sagen kann, ist: Es darf keine Toleranz gegenüber Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus geben.

Das Wort „Antiziganismus“ wird also auch von Alexander Van der Bellen gescheut. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, daß er in den Gemächern der Maria Theresia arbeitet. Wie Maria Theresia es wohl gescheut hat, ihre Brust ohne Christuskreuz zu zeigen.

Alexander Van der Bellen kann sich der breitesten Zustimmung zu seiner allgemeinsten, zu seiner österreichischen Aussage, es dürfe keine Toleranz gegenüber Rassismus geben, gewiß sein.

Wer ist nicht gegen Rassismus?

Sogar jene, die …

Mehr noch, vor allem beim Gedenken an vergangene Verbrechen überwinden sogar jene den Rassismus vollkommen und öffnen ihr Herz für Afrika …

Und, oh, wie gut er stets zu sprechen vermag, stets weiß er, welche Worte nicht schicklich sind …

Wie unösterreichisch, also nicht allgemein, hingegen spricht der ehemalige Innenminister, der ein Kamerad der von Alexander Van der Bellen angelobten Männer und Frauen ist, dieser ehemalige Innenminister spricht nicht österreichisch von der „Rassen-Frage“, sondern er spricht konkret von der „Roma-Frage“

Wie gut vorstellbar doch ein Gespräch zwischen dem ehemaligen Innenminister und Alexander Van der Bellen ist, das stattfinden könnte, vielleicht während einer Entspannungsstunde im Strandbad …

Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Innenminister a. D.: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Der Innenminister a. D. setzt sich, nach ein paar Längen Brustschwimmen, wieder zum Bundespräsidenten.

Innenminister a. D.: Die Roma-Frage ist zu lösen, endgültig.

Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Innenminister a. D.: Jawoll — —

Ein Gesinnungsherz für Afrika

„Angesichts der Gedenkfeiern zum 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen stellt sich die Frage, warum andere außergewöhnliche Gräueltaten in diesem Krieg nicht ebenso beachtet werden –“

Nach dieser Einleitung der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Parlamentspartei am 31. Jänner 20 wird ein Kommentar von einem Mann – es darf angenommen werden, es ist der Kommentar eines Mannes – unter einem Pseudonym gebracht, bei dem angenommen werden darf, es ist das Pseudonym eines Höchsten aus dieser Gesinnungsschaft …

Der anonymisierte Höchste aus dieser identitären Gesinnungsschaft beginnt seine Gegenrechnung zum „Totengedenken“ sogleich mit:

„Die feige Torpedierung des ehemaligen ‚Kraft durch Freude‘-Urlaubsdampfers durch das sowjetische U-Boot S-13 gilt als die mit Abstand größte Schiffskatastrophe der Seefahrtsgeschichte mit rund 9.000 Toten, das sind sechsmal so viele wie beim Untergang der Titanic.“

Nun, kurz gesagt, „Auschwitz“ und „Wilhelm Gustloff“ in einen Vergleich zu zwängen, mag dem Höchsten durch seine Gesinnung redlich erscheinen, ist aber aus mannigfachen Gründen ein nicht haltbarer Vergleich, zuletzt auch durch die unmittelbaren Begebenheiten, die zur Versenkung des Schiffes führten, und durch die unmittelbaren Ereignisse rund um die Rettungsversuche respektive unterlassenen Rettungsversuche …

In seine Gegenrechnung nimmt der Höchste gesinnungsgemäß anschließend sofort auf:

„Warum gibt es keine Gedenkfeiern für die rund 14 Millionen vertriebenen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten im heutigen Polen, im bis heute teilweise russisch besetzten Ostpreußen oder der Tschechei?“ 

Hierbei nicht die „Dekrete“ als fixe Konstante in der Gleichung zu führen, für den Höchsten eine gesinnunsgemäß undenkbar. Gesinnungsgemäß ist dem Höchsten vorgeschrieben, Tschechien als „Tschechei“ zu führen, wie es von Höchsten in dieser Gesinnungsschaft eben Brauch ist, also mit einer Bezeichnung, die ihre höchste Verbreitung fand, als

Und in der Gegenrechnung offenbart der Höchste aus dieser Gesinnungsschaft seine Anteilnahme für Menschen aus Afrika, wie weh ist dem Höchsten zumute, wie schwer schlägt dem Höchsten sein Gegenrechnungsherz, erinnert er an das Leid besonders der Menschen im Kongo.

„Ein Stiefkind in der Totengedenk-Kultur sind nicht zuletzt die fast zwölf Millionen Afrikaner, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert als Sklaven von Afrika vor allem nach Amerika verkauft wurden und oft unter ähnlichen Umständen ihr Dasein fristen mussten wie die späteren Insassen der Konzentrationslager.

Als besonders grausam erwiesen sich die Belgier im Kongo, die bei der systematischen Ausplünderung ihrer Kolonie bis ins 20. Jahrhundert hinein eine extrem brutale Art der Versklavung pflegten, die etwa im Abhacken der Hände gipfelte, wenn nicht fleißig genug gearbeitet wurde. Man schätzt, dass das Schreckensregime der Belgier in nur wenigen Jahrzehnten die Hälfte der damaligen Kongo-Bevölkerung von 25 Millionen Menschen das Leben kostete. König Leopold II. (1835 bis 1909), der den Kongo als persönlichen Besitz sah und sich immens bereicherte, musste sich nie dafür verantworten.“

Ja, erst in einer Gegenrechnung offenbart auch ein Höchster sein wahres Herz, sein für „Neger“ leidendes Herz …

Uns was insbesondere den Kongo angeht, wie gut, daß es dort auch Männer gab, deren Gedenken sich eine solche Gesinnungsschaft nicht zu schämen braucht, es ihr als Ehre …

Und was für ehrentreue Männer das der Gesinnungsschaft sind, die gen Konto zogen, kann ermessen werden, wenn sogar ein Adorno an sie zu erinnern …

Leopold II. war mit einer aus der Familie Habsburg verheiratet. Aber sie wird nichts davon gewußt haben, was ihr Ehemann im vom ehelichen Herd fernen Kongo … Und sie kann auch nichts gewußt haben, denn sonst würde der zurzeitige Höchste der FPÖ nie und nimmer eine so enge Bande mit einer Familie haben, wäre diese nicht ganz und gar unschuldig …

Identitärer Wiener Stadtwanderweg zum Jordan

Vom Kahlenberg zum Cobenzl durch den Paula-Wessely-Weg geht es zurück in die Innenstadt, wo es, soll erzählt sein, zum letzten Gesinnungshöhepunkt kommt für die eingeladenen Identitärinnen: auf dem Judenplatz.

Auf dem Judenplatz werden sie noch auf einen Trunk, soll weiter erzählt sein, eingeladen, bei der Wirtin gleich neben dem Haus mit dem Wappenrelief. Das Bier und das von hier aus bequem zu fotografierende Wappenrelief ist ihnen ein gelungener Abschluß ihres Gesinnungsgedenkwandertages im Paradies, in das sie nach bald 600 Jahren wieder einmal

Es wird auch, soll erzählt sein, für Gruppenbilder mit dem Wappenrelief die Trinkzeit recht ordentlich genutzt, manche gehen vor bis fast zum Lessing-Denkmal, um die Tafel und die gesamte identitäre Gruppe auf das Bild zu bringen, mit ihren erhobenen Biergläsern, gesinnungsfröhlich dem Wappenrelief zuprostend …

Der Tafel mit der lateinischen Inschrift, die für jene eine Quelle, die des Lateinischen kundig und willig, deren Inhalt weiterzutragen, aber nicht in lateinischer Sprache, sondern in einer Sprache, die heute alle verstehen …

The world’s first identitarian hiking trail in Vienna, Austria: Cobenzl -Kahlenberg

Wenn Identitäre nach Wien einladen, dann gehört es, so wird es erzählt, zur Pflicht, mit den nach Wien eingeladenen Identitärinnen einen Wiener Stadtwanderweg abzuschreiten, einen ganz bestimmten, nämlich den Gesinnungswanderweg vom Cobenzl auf den Kahlenberg.

Die Pflichtabschreitung beginnt mit einer Einkehr in der Schießstätte zum Mittagessen. Nach dem Verzehr der Nudelsuppe und des Tafelspitzes in Schnittlauchsauce mit Röstkartoffeln und Apfelkren ist der Sammelplatz gleich hinter dem Waldwirtshaus beim Karl-Lueger-Denkmal, das „errichtet von dankbaren Bürgern – im Jahre 1915“ …

Dermaßen von Nudelsuppe, Tafelspitz und luegerischer Gesinnung gesättigt geht es dann mit festem Schritt und Tritt auf den Kahlenberg, auf dem eine weitere gesinnungsgemäße Belohnung — um welche es sich handelt, wird von den einladenen Identitären aber nur geheimnisvoll angedeutet — auf die eingeladenen Identitärinnen wartet, es sind Verse von Josef Weinheber.

Recht gerne wird für den Rückweg nach unten, wird weiter erzählt, der Paula-Wessely-Weg genommen, dessen Beschreiten ihnen stets Empfindungen eines Heimgangs

Tief unten in der Stadt sollen, wird erzählt, die einladenden Identitären recht darauf achten, mit ihren eingeladenen Identitärinnen nicht an der Karl-Lueger-Tafel im Resselpark vorbeizukommen. Denn es könnte die geladenen Identitärinnen verärgern, mehr noch, sie könnten, nach diesem gesinnungserhebenden Wanderweg, mit einem recht schlechten letzten Eindruck von Wien Österreich wieder verlassen, wenn sie auf der Tafel im Resselpark Geschichtliches gegen ihre Gesinnung zu Karl Lueger lesen müßten, sie müßten mit der Enttäuschung Wien verlassen, Wien sei untreu, ehrlos und voller Haß gegen … Das ist aber eine vollkommen grundlose Befürchtung, die geschichtliche Erklärung zu Karl Lueger auf der Tafel im Resselpark ist derart leseunfreudlich gehalten, daß kein Mensch und schon gar nicht in Eile seiende Besucherinnen mit einem Massenstadtbesichtigungsprogramm sich je die Mühe antun, dies zu lesen. Eine Tafel, die signalisiert, eine Tafel mit Schrift, aber keine Tafel zum Lesen zu sein.

Es könnte gesagt werden, eine für Wien, überhaupt für Österreich typische Lösung repräsentiert diese Tafel, es werde ja nichts, gar nichts verschwiegen, alles liege offen vor, Schrift um Schrift, Tafel um Tafel, zum Lesen aber …

„Unwort des Jahrhunderts: Menschenmaterial“

Als Appendix von Zita Maria delle Grazie Habsburg-Lothringen, geb. von Bourbon-Parma, die mit „Unser Menschenmaterial“ offen ihr christlich seliges Verständnis von Menschen definiert, die katholisch heilige Praxis ihrer Familie durch etliche Jahrhunderte beschreibt, ist doch besonders noch zu erwähnen, daß „Menschenmaterial“ vor rund zwanzig Jahren zum „Unwort des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.

„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.

Um ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert hierfür anzuführen. Ein Premierminister bezeichnet Menschen als „bad human material“, und was mit derart bezeichneten Menschen gemacht werden soll, nun, das kann etwa in Österreich tief unter der Erde, kurz ist es her, erfahren …

„Unser Menschenmaterial“

„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“

Die Ehefrau sagt das, die Ehefrau von dem Mann, der noch einhundert Jahre später nicht wenigen ein „Friedenskaiser“ sein will, der selig gesprochen wurde, aus einem wichtigen und triftigen Grund, wie alle Gründe für Heiligsprechungen wichtig und triftig sind – Krampfadern.

Das „Material“ bloß haben sie „erschöpft“, das „Menschenmaterial“ haben sie „erschöpft“, verkrüppelt

Es ist gut, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich die zwei Sendungen über die Abrechnung und die Zita im der letzten Winterwoche des Jänners 20 ausstrahlt, in der ihr nun altes Enkelkind in einer der zwei Sendungen klagt, seine Familie wäre in Eckartsau fast verhungert … wie muß doch seine gar arme Familie mit Neid auf das „Menschenmaterial“ geschaut haben, für das das Übriggebliebene von Österreich ein Schlaraffenland zur selben Zeit gewesen sein muß, mit täglich fünf Mahlzeiten, Fleisch, Milch, Honig, Kaviar, Champagner, Kaffee, Tee, Kuchen …

Wie wird sich seine Familie wohl gewünscht haben, auch „Menschenmaterial“ nur zu sein, statt aus Menschen „Material“ zu machen.

Was sich wohl jene davon erhoffen, die nach wie vor für Österreich mit den Insignien Opferstock und Rosenkranz eine Monarchie erträumen? Vielleicht erhoffen sie sich nichts, wollen einfach nur wieder das sein: „Menschenmaterial“ …

… das am Wochenende hinausgekarrt wird in die Wachau, zur Großmutter mit dem Hackbrett …

Sicherungshaft

Vor allem die schwarze Regierungspartei möchte, daß auch in Österreich Menschen genügend Zeit bekommen, die türkis getupfte Regierungspartei möchte Menschen, vor allem Männern, Gefängniszeit schenken, um Morde ohne Druck, ohne Ablenkungen, ohne Alltagssorgen in Ruhe sorgfältig planen zu können, Menschen, vor allem Männern, die Gelegenheit erhalten, neue Bekanntschaften zu machen, die sie auf mörderisch neue Ideen bringen können, Freundschaften im Gefängnis zu schließen, die sie bei ihren Tötungsplänen unterstützen können, ihnen Gefängnisfreundschaften zu ermöglichen, aus denen noch mehr als nur Freundschaften werden können, wahre und echte Komplizenschaften.

Es muß aber dabei nur noch genau geprüft werden, daß die geschenkte Gefängniszeit zum Planen von Morden auch wirklich ausreichend ist, um einen perfekten Mordplan zu entwerfen, daß also die „Sicherungshaft“ diesen Namen wirklich verdient, die Mordplanenden sicher sein können, die Zusicherung haben, ausreichend Zeit eingeräumt zu bekommen, um das Gefängnis mit einem tatsächlich perfekten Plan zum Morden zu verlassen und niemals wegen ihres Mordens erwischt werden können.

Der „Seefeldmord“ sollte dafür als warnendes Beispiel bei der Entwerfung der Sicherung herangezogen werden. Weil, der Mörder von Seefeld wurde doch gefaßt. Und heute, am 29. Jänner 2020, ist der erste Tag seiner Verhandlung, angeklagt des Mordes.

Die Gefängniszeit war offensichtlich zu kurz, um mit dem Mann, den er zuvor, außerhalb des Gefängnisses nicht gekannt hatte, der erst im Gefängnis mit ihm bekanntgemacht wurde, der ihm im Gefängnis zum Freund, zum Kerkerkameraden und schließlich zum Komplizen wurde, den perfekten Mordplan …