Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.
„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.
„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“
In Österreich einen „Newsletter“ vom Reisebüro Ernesto Travel zu erhalten, noch dazu unaufgefordert, zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, mit dem Reisen nach Auschwitz angeboten werden, an den Ort, an dem …
„Die Nazis ermordeten in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Zigeuner […]“
Und der Newsletter von Ernesto Travel vom 29. Jänner 2020 endet:
„Es ist ein Ort, den jeder lieber vergessen möchte, aber wir dürfen es nie vergessen, denn wie eine Inschrift von Primo Levi in einer der Baracken sagt: ‚Diejenigen, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben.'“
Der „Seefeldmord“ sollte dafür als warnendes Beispiel bei der Entwerfung der Sicherung herangezogen werden. Weil, der Mörder von Seefeld wurde doch gefaßt. Und heute, am 29. Jänner 2020, ist der erste Tag seiner Verhandlung, angeklagt des Mordes.
Die Gefängniszeit war offensichtlich zu kurz, um mit dem Mann, den er zuvor, außerhalb des Gefängnisses nicht gekannt hatte, der erst im Gefängnis mit ihm bekanntgemacht wurde, der ihm im Gefängnis zum Freund, zum Kerkerkameraden und schließlich zum Komplizen wurde, den perfekten Mordplan …
George Orwell zählte 1945, also vor 75 Jahren, den „Zionismus“ zum „Nationalismus“.
75 Jahre später wird, am 28. Jänner 20, heute also Sebastian Kurz zitiert:
„Nach 75 Jahren ist es wichtiger denn je, den über sechs Millionen jüdischen Opfern zu gedenken und weiter gegen alle Formen des Antisemitismus und Antizionismus anzukämpfen.“
Sebastian Kurz will gegen den „Antizionismus“ ankämpfen, der „Zionismus“ hat soher in Kurz einen Verteidiger, dem „Nationalismus“ also stellt sich Sebastian Kurz als Kämpfer in die Reihe.
George Orwell ist nicht der einzige, der den „Zionismus“ als „Nationalismus“ … an seine Zuzählung des „Zionismus“ zum „Nationalismus“ zu erinnern, drängt sich schlicht wie kurz auf, bei diesem Fünfundsiebzigjährigen.
Der „politische Katholizismus“ in den Reihen des „Nationalismus“, mit einer 75 Jahre alten Zuschreibung die beste zur Welt von …
„Doch was kennzeichnet nationalistisches Denken? Unter anderem der besessene Glaube an die eigene Überlegenheit und der Unwille, sein Handeln an realen Fakten auszurichten.“
Es könnte weiteres aus „Notes on Nationalism“ zitiert werden, das auf die Situation 75 Jahre später übertragen werden könnte, auch auf die in Österreich — aber … George Orwell stellt die „englische Intelligenzia“ in den Mittelpunkt seines Schreibens über den „Nationalismus“ … und damit fällt die Übertragung gar nicht mehr leicht. Wer aus der Intelligenzia spräche, um ein Beispiel zu nennen, mit dem Wissen über den gesamten „Zionismus“ sich dafür aus, undifferenziert, unreflektiert „gegen alle Formen des Antizionismus anzukämpfen“?
„Unter den Tätern finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher.“ Wenn wer schriebe, unter den Komponisten von Fidelio finden sich auch ÖsterreicherinnenundÖsterreicher, was würde erwidert werden?
Am 4. Februar 2020 wird es 25 Jahre her sein, daß vier Menschen in Oberwart ermordet wurden, 50 Jahre nach Auschwitz wieder aus dem Geist, der Auschwitz gebar, vier Menschen ermordet wurden.
„Auch ÖVP-Abgeordneter Martin Engelberg hat am Samstag Kritik an […] geübt. Das Foto spreche eine ‚deutliche Sprache‘ und sei Beleg dafür, dass sämtliche Kritik an der fehlenden Distanz […] zum rechten Rand begründet ist. Für Engelberg ist es ‚völlig inakzeptabel‘ sich als Chef einer demokratischen Partei mit Vertretern der Identitären zu zeigen. Er empfehle […] eine klare Haltung gegen Identitäre und Extremismus, so der Nationalratsabgeordnete.“
„Heute gedenkt die Kirche des Hl. Kirchenvaters Augustinus. Augustinus schreibt in einem Brief: ‚Seelisch bin ich noch kraftlos. Was ich brauche, sind die Arzneien der Heiligen Schrift. Diese muss ich notwendig studieren, bis jetzt hatte ich keine Zeit dazu. Ich weiß jetzt aus erster Hand, was ein Mann benötigt […] Augustinus […] intensiv die Heilige Schrift zu studieren […] sie weitgehend auswendig […] keine Seltenheit, dass man die Heilige Schrift weitgehend auswendig […] heute noch viele Menschen gibt, die den Koran auswendig können, schon Kinder, die ganz stolz vorgeführt werden.“
„Das spanische Königreich des 15. Jahrhunderts, das sowohl auf der Theologie wie den misogynen und rassistischen Vorurteilen des Augustinus fußte, wirft seinen langen Schatten auf jenes blutige Abenteuer, das manche die Conquista und andere die Invasion der beiden Amerikaes nennen.“
Kurz ist es her, daß also Christoph Schönborn den „langen Schatten“ wieder einmal anbetete:
„Augustinus ist überzeugt, dass nirgendwo so deutlich das Fundament des christlichen Lebens gezeigt wird, wie in der Bergpredigt. Dass gerade hier die vollkommene Weise des christlichen Lebens vorliegt, schließt Augustinus aus den Worten Jesu, mit denen die Bergpredigt schließt: ‚Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der‘ […] Bergpredigt ist also die Charta des christlichen Lebens.“
1 Im Morgenjournal von diesem 23. Jänner 20 spricht sich Landeshauptmann Markus Wallner vehement für die „Sicherungshaft“ aus. Er redet irgend etwas von einem genauen „Hinschauen“.
Was führt er an für sein Begehren der „Sicherungshaft“?
Mit dem Fall von Dornbirn kann kein Pferd, kann ein Pferd nicht einmal von der falschen Seite aufgezäumt werden. Im Grunde müßig, es zu wiederholen. Nachdem aber auch nicht wenige Medien mit Breitenwirkung mit dem Fall von Dornbirn für eine „Sicherungshaft“ galoppieren, muß es wiederholt werden.
Wie in Österreich „hingeschaut“, gar genau hingeschaut wird, das hat Tradition.
Oh, du lieber Augustin, alles is hin, auch’s schaun.
Hitler war ein Deutscher, Beethoven ein Österreicher. So wird in Österreich nach wie vor die Vergangenheit Österreichs heiter gemütlich verklärt.
Und die Gegenwart Österreichs wird in Österreich so verklärt. In Dornbirn wird ein Österreicher getötet, und der Mann, der ihn ersticht, ist ein „Asylwerber“.
Möglicherweise ist er erst durch diese in und durch Österreich verursachte Biographie zu dem Mann geworden, der nicht wahllos irgendeinen, sondern einen bestimmten und ihm sehr lange schon bekannten Mann, mit dem ihn eine sehr lange Geschichte verband, tötet.
Es darf dies alles nicht als Entschuldung eines Mannes, der tötet, gelesen werden. Das ist er. Ein gewaltbereiter Mann. Was er aber nicht ist, beim genauen Hinschauen auf seine gesamte Biographie, was er nicht ist: ein „Asylwerber“.
Und nun wird er seit dem identitären Innenminister in Österreich als „Asylwerber“ mißbraucht. Er taugt ganz und gar nicht als Argument für die Einführung einer „Sicherungshaft“. Er wird mißbraucht für die Gier nach Einführung einer „Sicherungshaft“.
Wohin beim Ritt auf Sicherungshaft ganz und gar nicht geschaut wird. Wie wirkt sich denn eine „Sicherungshaft“ auf einen Menschen aus?
Angenommen, nur für eine Sekunde angenommen, für eine Sekunde, die es nach dieser Annahme je nicht gegeben hat, somit auch nie die Annahme.
Ein Mensch wird in „Sicherungshaft“ genommen, weil er, so die Einschätzung von wem auch immer und aufgrund welcher Einschätzungen auch immer, gefährlich sei, hat ein solcher Mensch nach beispielsweise sechs Monaten „Sicherungshaft“ seine „Gefährlichkeit“ gänzlich verloren? Und aufgrund welcher Maßnahmen soll aus einem „gefährlichen“ Menschen nach sechs Monaten ein gänzlich „ungefährlicher“ Mensch werden?
Ist dafür die „Maßnahme“ „Sicherungshaft“ vollkommen ausreichend? Ein „gefährlicher“ Mensch muß nur sechs Monate in einem Gefängnis sitzen, um als gänzlich „ungefährlicher“ Mensch das Gefängnis zu verlassen?
Erzählen nicht gerade die Gefängniskarrieren von so vielen Menschen, vor allem von so vielen Männern das genaue Gegenteil? Den Gesellenbrief, den Meisterbrief zum hauptberuflichen Kriminellen erst nach Aufenthalten in Gefängnissen wirklich erworben. Das Gefängnis, Schmiede der Radikalisierung. Das Gefängnis, Einstiegsstelle zum Extremismus. Das Gefängnis, Fachhochschule mit Abschluß zum Gewaltmaster. Das Gefängnis, Universität der Promotion zum Doktor der Gemeingefährlichkeit.
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Passend zu diesem Tag, 23. Jänner 2020, an dem an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren international gedacht wird.
Die auf Sicherungshaft Hockenden hämmern schlicht wie kurz unaufhörlich, die „Sicherungshaft“ hätten doch schon so viele andere Staaten auch, weshalb solle dann Österreich nicht auch die „Sicherungshaft“ haben können dürfen …
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