„Unwort des Jahrhunderts: Menschenmaterial“

Als Appendix von Zita Maria delle Grazie Habsburg-Lothringen, geb. von Bourbon-Parma, die mit „Unser Menschenmaterial“ offen ihr christlich seliges Verständnis von Menschen definiert, die katholisch heilige Praxis ihrer Familie durch etliche Jahrhunderte beschreibt, ist doch besonders noch zu erwähnen, daß „Menschenmaterial“ vor rund zwanzig Jahren zum „Unwort des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.

„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.

Um ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert hierfür anzuführen. Ein Premierminister bezeichnet Menschen als „bad human material“, und was mit derart bezeichneten Menschen gemacht werden soll, nun, das kann etwa in Österreich tief unter der Erde, kurz ist es her, erfahren …

„Unser Menschenmaterial“

„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“

Die Ehefrau sagt das, die Ehefrau von dem Mann, der noch einhundert Jahre später nicht wenigen ein „Friedenskaiser“ sein will, der selig gesprochen wurde, aus einem wichtigen und triftigen Grund, wie alle Gründe für Heiligsprechungen wichtig und triftig sind – Krampfadern.

Das „Material“ bloß haben sie „erschöpft“, das „Menschenmaterial“ haben sie „erschöpft“, verkrüppelt

Es ist gut, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich die zwei Sendungen über die Abrechnung und die Zita im der letzten Winterwoche des Jänners 20 ausstrahlt, in der ihr nun altes Enkelkind in einer der zwei Sendungen klagt, seine Familie wäre in Eckartsau fast verhungert … wie muß doch seine gar arme Familie mit Neid auf das „Menschenmaterial“ geschaut haben, für das das Übriggebliebene von Österreich ein Schlaraffenland zur selben Zeit gewesen sein muß, mit täglich fünf Mahlzeiten, Fleisch, Milch, Honig, Kaviar, Champagner, Kaffee, Tee, Kuchen …

Wie wird sich seine Familie wohl gewünscht haben, auch „Menschenmaterial“ nur zu sein, statt aus Menschen „Material“ zu machen.

Was sich wohl jene davon erhoffen, die nach wie vor für Österreich mit den Insignien Opferstock und Rosenkranz eine Monarchie erträumen? Vielleicht erhoffen sie sich nichts, wollen einfach nur wieder das sein: „Menschenmaterial“ …

… das am Wochenende hinausgekarrt wird in die Wachau, zur Großmutter mit dem Hackbrett …

Nach Auschwitz

In Österreich einen „Newsletter“ vom Reisebüro Ernesto Travel zu erhalten, noch dazu unaufgefordert, zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, mit dem Reisen nach Auschwitz angeboten werden, an den Ort, an dem …

„Die Nazis ermordeten in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Zigeuner […]“

Und der Newsletter von Ernesto Travel vom 29. Jänner 2020 endet:

„Es ist ein Ort, den jeder lieber vergessen möchte, aber wir dürfen es nie vergessen, denn wie eine Inschrift von Primo Levi in einer der Baracken sagt: ‚Diejenigen, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben.'“

Deshalb wohl vergißt das Reisebüro es nicht, die Menschen – ganz ohne Anführungszeichen – Zigeuner zu nennen, damit sie zu dazu verurteilt bleiben, ihre Vergangenheit weiter zu erleben

Wenn ein Reisebüro aus Polen für Pilgerinnen mit diesem Wort für Reisen nach Auschwitz wirbt, kann bereits ermessen werden, wie es um die Lebensbedingungen von den Menschen, die in Europa unter dem Antiziganismus zu leiden haben, in Polen, auch in Polen bestellt ist.

Ein Schlaraffenland ist es für sie gewiß nicht, nicht einmal ein Land.

Kurz das noch zum Schluß. Beinahe könnte beim Lesen von Zigeuner ohne Anführungszeichen gemeint werden, in Österreich haben Bildung und Gedenkveranstaltungen doch etwas bewirkt, weil zumindest auf einer Gedenktafel im tiefen Burgenland Zigeuner in Anführungszeichen …

Sicherungshaft

Vor allem die schwarze Regierungspartei möchte, daß auch in Österreich Menschen genügend Zeit bekommen, die türkis getupfte Regierungspartei möchte Menschen, vor allem Männern, Gefängniszeit schenken, um Morde ohne Druck, ohne Ablenkungen, ohne Alltagssorgen in Ruhe sorgfältig planen zu können, Menschen, vor allem Männern, die Gelegenheit erhalten, neue Bekanntschaften zu machen, die sie auf mörderisch neue Ideen bringen können, Freundschaften im Gefängnis zu schließen, die sie bei ihren Tötungsplänen unterstützen können, ihnen Gefängnisfreundschaften zu ermöglichen, aus denen noch mehr als nur Freundschaften werden können, wahre und echte Komplizenschaften.

Es muß aber dabei nur noch genau geprüft werden, daß die geschenkte Gefängniszeit zum Planen von Morden auch wirklich ausreichend ist, um einen perfekten Mordplan zu entwerfen, daß also die „Sicherungshaft“ diesen Namen wirklich verdient, die Mordplanenden sicher sein können, die Zusicherung haben, ausreichend Zeit eingeräumt zu bekommen, um das Gefängnis mit einem tatsächlich perfekten Plan zum Morden zu verlassen und niemals wegen ihres Mordens erwischt werden können.

Der „Seefeldmord“ sollte dafür als warnendes Beispiel bei der Entwerfung der Sicherung herangezogen werden. Weil, der Mörder von Seefeld wurde doch gefaßt. Und heute, am 29. Jänner 2020, ist der erste Tag seiner Verhandlung, angeklagt des Mordes.

Die Gefängniszeit war offensichtlich zu kurz, um mit dem Mann, den er zuvor, außerhalb des Gefängnisses nicht gekannt hatte, der erst im Gefängnis mit ihm bekanntgemacht wurde, der ihm im Gefängnis zum Freund, zum Kerkerkameraden und schließlich zum Komplizen wurde, den perfekten Mordplan …

75 years after „Notes on Nationalism“

George Orwell zählte 1945, also vor 75 Jahren, den „Zionismus“ zum „Nationalismus“.

75 Jahre später wird, am 28. Jänner 20, heute also Sebastian Kurz zitiert:

„Nach 75 Jahren ist es wichtiger denn je, den über sechs Millionen jüdischen Opfern zu gedenken und weiter gegen alle Formen des Antisemitismus und Antizionismus anzukämpfen.“

Sebastian Kurz will gegen den „Antizionismus“ ankämpfen, der „Zionismus“ hat soher in Kurz einen Verteidiger, dem „Nationalismus“ also stellt sich Sebastian Kurz als Kämpfer in die Reihe.

Wogegen er nicht „anzukämpfen“ gedenkt und auch nicht zu gedenken gedenkt, darf seinem Zitat entnommen werden, aber „es wichtiger denn je“ ist, nun, er ist ein braver und folgsamer Schüler österreichischer Tradition, und es wird ihm noch niemand das Wort beigebracht haben, so kann er auch nicht dagegen „ankämpfen“, so kann es ihm auch nicht angelastet werden …

Werner Kogler wird nicht mit einem solchen Satz des Outens als Kämpfer für den „Nationalismus“ zitiert. Jedoch. Die Grünen haben mit der türkis getupften schwarzen Partei ein Regierungsprogramm vereinbart, in dem der Einsatz gegen „Antizionismus“, also der Einsatz für den „Zionismus“, für den „Nationalismus“ festgeschrieben ist. Vielleicht kam die Festschreibung des Einsatzes für den Nationalismus aus der Welt der türkis getupften schwarzen Partei, als das Beste aus ihrer Welt, und von den Grünen bloß die Zustimmung dazu. Einerlei. Nach einem sehr alten Kalenderspruch kann zum Programm gesagt werden: Das Beste aus zwei Welten bringt nichts für eine Welt.

George Orwell ist nicht der einzige, der den „Zionismus“ als „Nationalismus“ … an seine Zuzählung des „Zionismus“ zum „Nationalismus“ zu erinnern, drängt sich schlicht wie kurz auf, bei diesem Fünfundsiebzigjährigen.

Vor 75 Jahren zählte Orwell nicht nur den „Zionismus“ zum „Nationalismus“, sondern auch weitere „Bewegungen und Neigungen“. Viel wird vom „politischen Islam“ gesprochen und geschrieben, auch in Österreich, eine recht besondere Neigung dazu hat der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, von dem „politischen Islam“ zu reden und zu schreiben. Wovon in Österreich aber nicht gesprochen und nicht geschrieben wird, ist vom „politischen Katholizismus“, den vor 75 Jahren George Orwell auch beim „Nationalismus“ einreihte …

Der „politische Katholizismus“ in den Reihen des „Nationalismus“, mit einer 75 Jahre alten Zuschreibung die beste zur Welt von …

„Doch was kennzeichnet nationalistisches Denken? Unter anderem der besessene Glaube an die eigene Überlegenheit und der Unwille, sein Handeln an realen Fakten auszurichten.“

Und weil als Beispiel, wie der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich über den „politischen Islam spricht, in die Collage aufgenommen wurde, in dem er das Symbolegesetz anspricht, darf an das Kapitel erinnert werden, was für ein Zeichen mit diesem Gesetz gesetzt wurde. Orwell hätte es, das Symbolegesetz, vor 75 Jahren vielleicht als ein Zeichen des „politischen Katholizismus“ unter der Flagge „Nationalismus“ …

Es könnte weiteres aus „Notes on Nationalism“ zitiert werden, das auf die Situation 75 Jahre später übertragen werden könnte, auch auf die in Österreich — aber … George Orwell stellt die „englische Intelligenzia“ in den Mittelpunkt seines Schreibens über den „Nationalismus“ … und damit fällt die Übertragung gar nicht mehr leicht. Wer aus der Intelligenzia spräche, um ein Beispiel zu nennen, mit dem Wissen über den gesamten „Zionismus“ sich dafür aus, undifferenziert, unreflektiert „gegen alle Formen des Antizionismus anzukämpfen“?

Nicht nur gegen „Antizionismus“, sondern auch „gegen alle Formen des Antisemitismus anzukämpfen“, ist im Zitat heute zu lesen, hierzu soll doch etwas noch von Orwell kurz zum Schluß zitiert werden, nein, lediglich ein Hinweis auf eine Stelle, in der es darum geht, daß Nationalistinnen „überhören“, wenn „Verwerfliches“ aus der eigenen „Einheit“ …

Auschwitz, Oberwart und weiter

Am 4. Februar 20 werden es 25 Jahre her sein, daß vier Menschen ermordet wurden.

Der Grund für die vier Morde ein Abgrund wie der Abgrund der Morde 50 Jahre davor.

Verantwortlich und Ausgangspunkt dafür Gesetze des Abgrunds, die vor 85 Jahren erlassen wurden.

Und in Österreich Jahrzehnte später der Abgrund, den Abgrund wieder beleben zu wollen …

„Unter den Tätern finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher.“ Das sagt nun der österreichische Bundespräsident.

Es muß also gesucht werden, um „Österreicherinnen und Österreicher“ dann doch auch „unter den Tätern“ zu „finden“. War wohl kein leichtes Finden unter so vielen Täterinnen aus gar vielen Ländern.

Der Hitlerismus war für die oben erwähnten Rassengesetze verantwortlich. Adolf Hitler, deren Schöpfer, ein Österreicher. Ein Österreicher, der nicht „unter den Tätern“ zu finden, ein Österreicher, der über den „Tätern“ thront, weithin sichtbar, ein Österreicher, der nicht gesucht werden muß, um ihn zu „finden“. Wen „unter Tätern zu finden“, klingt, wie nach unter bloßen Mitlaufenden zu suchen und zu finden, die also gar keine führenden Positionen …

„Unter den Tätern finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher.“ Wenn wer schriebe, unter den Komponisten von Fidelio finden sich auch Österreicherinnen und Österreicher, was würde erwidert werden?

Mit dem Komponisten von Fidelio kann zu einer nach wie vor beliebten nationalen Zuordnung gekommen werden, aber auch zu einem beabsichtigten Gesetz in Österreich, das nicht vor 85 Jahren beabsichtigt zu verabschieden, sondern 85 Jahre später in Österreich …

An Auschwitz wird seit Jahrzehnten gedacht, auch in Österreich, und es wird vor 25 Jahren an die Befreiung ebenfalls gedacht worden sein, also kurz bevor ein Mann, nur wenige Tage später, sich ein Mann auf seinem christlich abendländischen Weg machte, mit einer Bombe, nach Oberwart, und kurz danach ein christlich abendländisch geprägter Mann den Menschen, aus deren Gemeinschaft vier Menschen das Leben lassen mußte, unterstellte, es werde wohl eine Fehde … die Ermordeten also selber verdächtigte …

„Wir dürfen nicht nur an Auschwitz-Birkenau denken, an die vielen anderen KZs, sondern die Vorgeschichte bedenken, wie es dazu kommen konnte.“ Sagt nun der österreichische Bundespräsident, der 22 Jahre nach den Morden von Oberwart Wegbegleiterinnen und Wegekameraden des leichtfertigen Autofahrers, nun selbst nicht mehr aus eigener Schuld am Leben, an einem Montag angelobte.

Was dieser verantwortungslose und leichtsinnige Autofahrer wohl heute Vergleiche ziehen würde über die Streitereien zwischen Männern dieser Partei? Keinen anderen, darf angenommen, als jenen, der ihm einmal schon einfiel, als um die schwarze und die rote Partei ging.

„Das Gedenken allein genügt nicht.“ Ein weiser Mann, der Präsident …

Was ist in den 25 Jahren seit den Morden in Oberwart für die Menschen gemacht worden? Es ist für sie nicht besser geworden, in diesem Europa. Es wird ihnen, vor allem in Österreich, im Portschyland, nicht einmal ein Wort zugestanden. Als wäre es ein Geschenk an sie, das sie nicht verdienten, würde hinzugefügt werden, wenn gegen Antisemitismus und gegen Rassismus gesprochen und geschrieben wird, würde auch hinzugefügt werden: gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus. Es dürfte wohl die Furcht zu groß sein, ihnen etwas zu geben, nicht einmal ein Wort, daß sie dann bleiben, statt zu gehen, statt Österreich zu verlassen. Ist doch allerorten in Österreich die Taktik Empfehlung, nichts geben, dann sind sie fort …

An einem Montag vor drei Jahren Männer und Frauen angelobt aus einer Partei aus dem Bündnis mit einem Innenminister, der von seinen Gesinnungsbegehren her auch Tobias Portschy hätte heißen können.

Die Gewalt gegen Menschen, die dem Antiziganismus, dem Antiromaismus ausgesetzt sind, hat seit den Gesetzen von vor 85 Jahren nicht, auch mit dem Ende von Auschwitz vor 75 Jahren nicht und auch nicht nach den Morden vor 25 Jahren aufgehört. Es scheint sich dabei das Paradoxe einzustellen, daß sich das Nationalistische, wenn es gegen diese Menschen geht, internationalistisch gebärdet, in so vielen Ländern in Europa sind Menschen auch dem gewalttätigen Antiziganismus, dem Antiromaismus, Pogromen ausgesetzt.

75 Jahre Porajmos, 25 Jahre Oberwarter Morde

An diesem Tag, 27. Jänner 20, wieder einmal Bekenntnisse in Österreich gegen „Antisemitismus, Rassismus, Haß und Hetze.“

Ein Bekenntnis fehlt auch diesmal: gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus.

Dabei ist gerade in Österreich ein Bekenntnis gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus wie in keinem anderen Land abzulegen, in Österreich, in dem Land, in dem die Schrift gegen die darunter weiter zu leidenden Menschen verfaßt wurde.

Am 4. Februar 2020 wird es 25 Jahre her sein, daß vier Menschen in Oberwart ermordet wurden, 50 Jahre nach Auschwitz wieder aus dem Geist, der Auschwitz gebar, vier Menschen ermordet wurden.

Dennoch wird in Österreich weiter davor zurückgeschreckt, ein Bekenntnis gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus abzulegen. Ein Zurückschrecken davor von allen Parteien in Österreich.

Auch das aktuelle Programm der aus der türkis getupften schwarzen und der grünen Partei bestehenden Bundesregierung in Österreich kommt gänzlich ohne ein Bekenntnis gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus aus und vor allem, was noch schwerer wiegt, gänzlich ohne Ankündigung von beabsichtigten Handlungen gegen Antiromaismus, gegen Antiziganismus, gänzlich ohne Vorhaben aus, die Lage der darunter leidenden Menschen in Österreich im besonderen und in Europa im allgemeinen verbessern zu wollen.

Womit das wohl zusammenhängt? Vielleicht auch damit, daß mit einem Bekenntnis gegen Antiziganismus, gegen Antiromaismus es wohl schwerer fiele, gegen die darunter leidenden Menschen Gesetze zu erlassen, das zwar nicht offen ausgesprochen wird, aber im Grunde doch gegen sie …

Gruppenbild mit Sobotka

„Auch ÖVP-Abgeordneter Martin Engelberg hat am Samstag Kritik an […] geübt. Das Foto spreche eine ‚deutliche Sprache‘ und sei Beleg dafür, dass sämtliche Kritik an der fehlenden Distanz […] zum rechten Rand begründet ist. Für Engelberg ist es ‚völlig inakzeptabel‘ sich als Chef einer demokratischen Partei mit Vertretern der Identitären zu zeigen. Er empfehle […] eine klare Haltung gegen Identitäre und Extremismus, so der Nationalratsabgeordnete.“

Was für eine Aufregung um ein Foto mit zwei Männern auf der Akademikerballbude. Fehlte auf diesem Foto der Mann von den außerparlamentischen Identitärinnen, bleibt immer noch ein Mann auf dem Foto, nämlich ein Mann von der identitären Parlamentspartei.

Es ist also eine Aufregung um ein falsches Foto.

Schlicht wie kurz: eine unnütze Aufregung.

Denn. Jedes Foto mit Männern und Frauen dieser Partei ist ein identitäres Foto.

Ein Witz dabei ist, daß Martin Engelberg hierbei meint, sich besonders hervortun zu müssen, der – kurz ist das her – im Parlament durch den berüchtigten Klubzwang zustimmen mußte zu den Vorlagen der, kurz gesagt, auch identitär besetzten Bundesregierung, und soher wohl auch zu den Vorlagen des für kurz gewesenen Ministers des Identitären, den er nun … und wie er sich auch außerhalb des Parlaments für die kurz gewesene identitäre Regierungspartei einsetzte – unnütz und auch unnütz, es zu wiederholen …

Keine falsche Aufregung wäre es, kein Aufzäumen eines Pferdes von der falschen Seite wäre es, wenn es über das Gruppenbild mit Sobotka — oder sollte nicht schon von Gruppenbildern gesprochen werden –, Aufregung geben würde, auch von einem Martin Engelberg … Von ihm, Engelberg, kann das wohl nicht erwartet werden, jedenfalls bis zu dem Tag, an dem er nicht mehr zu den Vorlagen der türkis getupften schwarzen Partei im Parlament den Arm zur Zustimmung gen seinem katholischen Jungscharobergruppenleiter strecken darf.

Die identitäre Parlamentspartei selbst zäumt ein weiteres Mal das Pferd von der falschen Seite auf, wenn sie nun im Zusammenhang mit diesem Foto darauf verweist, über sich selbst einen Freispruch fällt, es habe auch Alexander Van der Bellen sich mit einem Mann der außerparlamentarischen Identitärinnen ablichten lassen. Das kann ihm, dem Präsidenten, nicht angelastet werden, gerade im Zuge von Wahlveranstaltungen ist es für einen Kandidaten unmöglich zu wissen, wer sich ein Foto mit einer Kandidatin von einer Sekunde auf die andere erschleichen will, um es sich für und im Grunde gegen den Kandidaten auszuschlachten. Daß aber der Präsident ihm bestens bekannte Identitärinnen so einfach, so gemütlich, so heiter angeloben konnte, das wird von ihm und seiner Präsidentschaft bleiben …

Kurz zum Schluß. Die selbst gefällten Freisprüche der identitären Parlamentspartei im Zusammenhang mit Fotos, auf denen auch außerparlamentarische Identitärinnen zu sehen sind, je mit Verweis auf den Bundespräsidenten offenbaren ein weiteres Mal eindrücklich die Ununterscheidbarkeit von der strachischen identitären Regierungspartei und von der hoferischen identitären Parlamentspartei – ein eineiiger Zwilling, eine Partei aus einem einzig befruchteten Ei, gleich wer es trägt …

Im „langen Schatten“ des Fälschers

„Heute gedenkt die Kirche des Hl. Kirchenvaters Augustinus. Augustinus schreibt in einem Brief: ‚Seelisch bin ich noch kraftlos. Was ich brauche, sind die Arzneien der Heiligen Schrift. Diese muss ich notwendig studieren, bis jetzt hatte ich keine Zeit dazu. Ich weiß jetzt aus erster Hand, was ein Mann benötigt […] Augustinus […] intensiv die Heilige Schrift zu studieren […] sie weitgehend auswendig […] keine Seltenheit, dass man die Heilige Schrift weitgehend auswendig […] heute noch viele Menschen gibt, die den Koran auswendig können, schon Kinder, die ganz stolz vorgeführt werden.“

Kurz ist es erst her, daß Christoph Schönborn, dem Schöpfer zum Geschenk zur Versteigerung für einen guten Zweck kreiert wurden, wieder einmal einen Mann stolz vorführte …

Augustinus —

„Das spanische Königreich des 15. Jahrhunderts, das sowohl auf der Theologie wie den misogynen und rassistischen Vorurteilen des Augustinus fußte, wirft seinen langen Schatten auf jenes blutige Abenteuer, das manche die Conquista und andere die Invasion der beiden Amerikaes nennen.“

Es könnte noch weiter aus „Die verborgene Bibliothek“ von Alberto Manguel zitiert werden. Etwa, wie es dann weiterging, in Amerika, „Tausende Manuskripte und Artefakte der Ureinwohner zu verbrennen, die im Widerspruch zum einzig wahren Glauben, um die Neukonvertiten mit dem Katechismus zu versorgen.“

Das muß nicht noch einmal erzählt werden. Es ist bekannt, die blutige Geschichte unter dem Schatten des von Christoph Schönborn angebeteten Mannes, des Fälschers mit dem Namen Augustinus.

Der „lange Schatten von Augustinus“, von dem Manguel schreibt, ist es, der veranlaßt, noch einmal Augustinus in einem Kapitel zu erwähnen, diesen Mann, von dem bis zu diesem Tage herauf so viele noch die Hostie Misogynie empfangen, sich von ihm mit der Hostie Rassismus nähren lassen. Es ist nicht allein Christoph Schönborn, auch sein Chef feiert Augustinus, der die Wertigkeit der Frau weit, weit unter die des Mannes festlegt, dem der Haß auf die Frau höchstes Sakrament ist, zu dem er wohl durch Auswendiglernen von den einzigen Schriften, die nicht unter den verbrannten etwa in Amerika waren …

Unter diesem „langen Schatten“ liegt Österreich. Es ist Au. W. nicht allein in diesem unter dem „langen Schatten“ liegenden Österreich, der „stolz die Kinder vorgeführt“ haben möchte, die nicht nur seinen Koran auswendig aufsagen können, sondern auch „stolz die Kinder vorgeführt“ haben will, die nur und ewiglich seine Partei wählen, die ihm seinen christlichen Lohn aus der Schatulle zahlt, die nicht von seiner Partei gefüllt wird.

Und mit der von Manguel erwähnten „Conquista“ kann in Österreich auch zugesehen werden, wie Österreich unter diesem „langen Schatten“ kriecht, auf der Stelle kriecht

Kurz ist es her, daß also Christoph Schönborn den „langen Schatten“ wieder einmal anbetete:

„Augustinus ist überzeugt, dass nirgendwo so deutlich das Fundament des christlichen Lebens gezeigt wird, wie in der Bergpredigt. Dass gerade hier die vollkommene Weise des christlichen Lebens vorliegt, schließt Augustinus aus den Worten Jesu, mit denen die Bergpredigt schließt: ‚Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der‘ […] Bergpredigt ist also die Charta des christlichen Lebens.“

„Wer diese meine Worte hört und danach handelt“ … Nun, wie danach gehandelt wird, erzählt, und muß nicht wieder erzählt werden, die blutige Geschichte unter dem „langen Schatten“ des Fälschers … Was aber nicht erzählt wird, ist, was dieser Mann in der Hand hält, als er davon spricht, „wer diese meine Worte hört und danach handelt“ … Gehandelt wird nach dem Eisen, das er in der Hand hält, so ward es gesehen, und dieses todbringende Eisen wird weiter fest umklammert, nicht nur von einem Manne, auch in diesem unter dem „langen Schatten“ weiter auf der Stelle kriechenden Österreich fest umklammert das Schwert, das ihnen Handeln genug …

Das Schwert, das im Kreuze angebetete Schwert, das Kreuz der Lehre zum Zustechen

Auf Sicherungshaft über den Bodensee

1
Im Morgenjournal von diesem 23. Jänner 20 spricht sich Landeshauptmann Markus Wallner vehement für die „Sicherungshaft“ aus. Er redet irgend etwas von einem genauen „Hinschauen“.

Was führt er an für sein Begehren der „Sicherungshaft“?

Einzig den Fall aus Dornbirn.

Es hätte gedacht werden können, die Stute Sicherungshaft ist seit dem Abgang des Gesinnungshammer schwingenden Innenministers bereits zu Tode geritten.

Aber nein.

Stute Sicherungshaft wird nun von der türkis getupften schwarzen Partei geritten. Oder die türkis getupfte schwarze Partei gibt der nun grün gesattelten Sicherungshaft die Sporen, bis sie gänzlich zerschunden, erschöpft daran …

Mit dem Fall von Dornbirn kann kein Pferd, kann ein Pferd nicht einmal von der falschen Seite aufgezäumt werden. Im Grunde müßig, es zu wiederholen. Nachdem aber auch nicht wenige Medien mit Breitenwirkung mit dem Fall von Dornbirn für eine „Sicherungshaft“ galoppieren, muß es wiederholt werden.

Wie in Österreich „hingeschaut“, gar genau hingeschaut wird, das hat Tradition.

Oh, du lieber Augustin, alles is hin, auch’s schaun.

Hitler war ein Deutscher, Beethoven ein Österreicher. So wird in Österreich nach wie vor die Vergangenheit Österreichs heiter gemütlich verklärt.

Und die Gegenwart Österreichs wird in Österreich so verklärt. In Dornbirn wird ein Österreicher getötet, und der Mann, der ihn ersticht, ist ein „Asylwerber“.

Es muß ein „Asylwerber“ sein, weil es einfach nicht sein kann, was ist, daß nämlich dieser „Asylwerber“ in Österreich geboren wurde, daß dieser „Asylwerber“ in Österreich sozialisiert wurde, daß dieser „Asylwerber“ erst mit weit über zwanzig Lebensjahren Jahren Österreich verlassen mußte, weil in Österreich vieles versäumte wurde, weil von österreichischer staatlicher Seite auch Bestimmungen mißachtet …

Möglicherweise ist er erst durch diese in und durch Österreich verursachte Biographie zu dem Mann geworden, der nicht wahllos irgendeinen, sondern einen bestimmten und ihm sehr lange schon bekannten Mann, mit dem ihn eine sehr lange Geschichte verband, tötet.

Es darf dies alles nicht als Entschuldung eines Mannes, der tötet, gelesen werden. Das ist er. Ein gewaltbereiter Mann. Was er aber nicht ist, beim genauen Hinschauen auf seine gesamte Biographie, was er nicht ist: ein „Asylwerber“.

Und nun wird er seit dem identitären Innenminister in Österreich als „Asylwerber“ mißbraucht. Er taugt ganz und gar nicht als Argument für die Einführung einer „Sicherungshaft“. Er wird mißbraucht für die Gier nach Einführung einer „Sicherungshaft“.

Der Mißbrauch als Argument.

Aber er wird nicht nur dafür mißbraucht, sondern auch zur Entsicherung der Gesinnung, die in keiner Weise sicherheitsförderlich …

2

Wohin beim Ritt auf Sicherungshaft ganz und gar nicht geschaut wird. Wie wirkt sich denn eine „Sicherungshaft“ auf einen Menschen aus?

Angenommen, nur für eine Sekunde angenommen, für eine Sekunde, die es nach dieser Annahme je nicht gegeben hat, somit auch nie die Annahme.

Ein Mensch wird in „Sicherungshaft“ genommen, weil er, so die Einschätzung von wem auch immer und aufgrund welcher Einschätzungen auch immer, gefährlich sei, hat ein solcher Mensch nach beispielsweise sechs Monaten „Sicherungshaft“ seine „Gefährlichkeit“ gänzlich verloren? Und aufgrund welcher Maßnahmen soll aus einem „gefährlichen“ Menschen nach sechs Monaten ein gänzlich „ungefährlicher“ Mensch werden?

Ist dafür die „Maßnahme“ „Sicherungshaft“ vollkommen ausreichend? Ein „gefährlicher“ Mensch muß nur sechs Monate in einem Gefängnis sitzen, um als gänzlich „ungefährlicher“ Mensch das Gefängnis zu verlassen?

Erzählen nicht gerade die Gefängniskarrieren von so vielen Menschen, vor allem von so vielen Männern das genaue Gegenteil? Den Gesellenbrief, den Meisterbrief zum hauptberuflichen Kriminellen erst nach Aufenthalten in Gefängnissen wirklich erworben. Das Gefängnis, Schmiede der Radikalisierung. Das Gefängnis, Einstiegsstelle zum Extremismus. Das Gefängnis, Fachhochschule mit Abschluß zum Gewaltmaster. Das Gefängnis, Universität der Promotion zum Doktor der Gemeingefährlichkeit.

3

Passend zu diesem Tag, 23. Jänner 2020, an dem an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren international gedacht wird.

Die auf Sicherungshaft Hockenden hämmern schlicht wie kurz unaufhörlich, die „Sicherungshaft“ hätten doch schon so viele andere Staaten auch, weshalb solle dann Österreich nicht auch die „Sicherungshaft“ haben können dürfen …

Wie gut, daß vor achtzig Jahren Regierungen anderer Staaten nicht mit Hinweis auf das deutsche reich riefen, Deutschland habe ja auch schon sein Auschwitz, weshalb solle dann nicht auch … sein Auschwitz haben können dürfen …

Es muß nicht alles gehabt werden wollen, nur weil es irgendwer schon hat.