Es ist gut, wenn es einhundert Jahre später eine Ausstellung gibt, in Wien, in der gezeigt wird, was von dieser Familie hinterlassen wurde: Not, Elend, Hunger, Tod.
Und es ist gut, daß so viele Menschen in diese Ausstellung gehen, wie etwa am heutigen Tag, es Massen sind.
Eben erst hat wieder eine solche Familie im Hauptdorf eines Bundeslandes dieses Zugehen, das ja nie ein positives ist, oder wie einer aus des zurzeitigen Ministers Gesinnungsreihen gesagt hätte, „wie bei den Zigeunern“, bestätigt, aber, wie es in diesen Familien zugeht, das interessiert nicht, ist ohne Belang, mögen sie miteinander umgehen, wie sie wollen, mögen sie auf ihre Weise unglücklich sein, wie sie wollen, und mag ihr Unglücklichsein noch so ein besonders Unglücklichsein sein, besondere Familien werden sie dadurch in keiner Weise, Familien eben, Wehrburgen des Unglücks.
Anders freilich ist es, wenn solche Familien regieren, Macht über ein ganzes Land haben, und davon erzählt und daran erinnert auch diese Ausstellung: „Die erkämpfte Republik“.
„Ich war zu naiv … Die Ehre eines Kardinals darf nie über dem Schutz der Betroffenen stehen … 1995 haben uns die Ereignisse überrumpelt, wir waren hilflos. Es dauerte viel zu lange, bis wir erkannten, dass die schonungslose Wahrheit der einzige Weg ist.“
Eines aber geschah nie. Der „Kardinal“ wurde nie in Österreich nach österreichischem Recht angeklagt, der „Kardinal“ wurde nie in Österreich nach österreihcischem Recht verurteilt.
„Schutz der Betroffenen“ und „Gesetze“ haben im Fall von verübten und also vollendeten Verbrechen nichts miteinander zu tun. Um den Schutz von Menschen ist präventiv zu sorgen, um Verbrechen zu verhindern. Im Fall des Kardinals war es in bezug auf den Schutz zu spät, beim Kardinal waren nur noch die Gesetze anzuwenden, aber die wurden nicht angewandt. Der Kardinal blieb ein freier Mann, und damit weiterhin eine Gefahr. Schutz gab es für den Kardinal, aber ihm Menschen weiterhin schutzlos ausgeliefert. Der einzige Schutz für Menschen war wohl das hohe Alter des Kardinals, das Menschen dafür schützte, vielleicht davor schützte, seine nächsten Opfer zu werden. Der Kardinal war ja ein Serientäter …
Es hätte die Diskussion eines Lesers und einer Leserin, die sich darüber unterhielten, weshalb in diesem Roman Figuren auftauchen und wieder verschwinden, die so unvermutet und plötzlich und unvorbereitet, wie sie auftauchen, auch wieder verschwinden, sang- und klanglos aus dem Roman geschmissen sind, eine andere Wendung genommen, wenn der Leserin und dem Leser erklärt worden wäre, wie die Figuren in diesen Roman hinein- und wieder herauskommen, aber das hätte bedeutet, sich um einen Genuß zu bringen, einem Gespräch von Lesenden zuzuhören, von ihnen unbemerkt.
So fiel die Entscheidung leicht, zu schweigen, sich nicht zu erkennen zu geben, und ihnen einfach nur zuzuhören, während sie meinten, es wird ihnen nicht zugehört.
Seltsamerweise erwählen sie für ihre Diskussion eine Figur, die tatsächlich schon lange in keinem Kapitel mehr vorkam. Eine Figur, die vor langer Zeit in einigen Kapiteln eine Rolle spielte. Eine Figur jedoch fast mit dem Versprechen, eine Hauptfigur zu werden. Sie hätten gerne gewußt, der Leser und die Leserin, was aus ihr geworden ist, wie es mit ihr weitergegangen ist, aber plötzlich, aus, nichts mehr, kein Wort mehr von ihr und über sie, ist sie fortgegangen, hat sie den Beruf gewechselt, ist sie eine andere geworden … Beinahe könnte, wird ihnen zugehört, das Gewissen ein schlechtes werden. Aber, es trifft keine Schuld, es gibt keine Verantwortung dafür. Schuld sind allein und ausschließlich die Figuren. Verantwortlich sind allein und ausschließlich die Figuren. Sie tauchen plötzlich und unvermutet auf, ebenso plötzlich und unvermutet tauchen sie wieder unter, um dann wieder, irgendwann, sich in ein Kapitel zu drängen, wie eben jetzt wieder, diese Figur, die sich die zwei für ihre Diskussion aussuchen, seltsamerweise nach so langer Zeit sich gerade an diese Figur erinnern …
An Belakowitsch.
„Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“
Was diese Figur unter „Handeln“ versteht, eines kann sie darunter nicht verstehen: Arbeit, jedenfalls keine eigene Arbeit, denn die Arbeit hatte nicht sie, sie mußte bloß …
Diesen Satz der NR nicht als Strafarbeit einhundertmal zu lesen, sondern als Merksatz für jedwede kommende Wahl, um davor gefeit zu sein, je eine Partei zu wählen, die offen zum Gesetzesbruch und noch dazu in dem Gebäude der Gesetze aufruft. Aber auch keine, die mit einer solchen Partei in eine Regierung will, weiter will.
Was ist ihr „uns in unserem Handeln behindern“, ihr „Handeln“? Von dem die NR spricht, in Marsch gesetzt zu Verteidigung ihres Innenministers. Es ist das Handeln gegen jedwedes Recht, das nicht der Gesinnung dieser Partei entspricht. Es ist ihr Handeln nach ihrer Maxime: Das Recht hat der Gesinnung zu folgen. Wohin das führte und wohin das immer wieder führen kann, darüber gibt es im Kapitel Kurz zum Gesinnungsrecht ein paar Ausblicke, aber nicht ins Helle, sondern in das Tiefschwarze.
Rufen Sie sich diesen NR-Satz immer wieder und besonders oft vor jedweder Wahlentscheidung, vor der Sie stehen, in Erinnerung, sagen Sie sich diesen Satz laut vor, sobald Sie einen NR oder eine NR aus dieser Partei in gleicher welcher Funktion am Fernsehen oder im Radio hören in der gesamten Interviewlänge vor, so daß Sie vom Interview nichts hören, nur sich selbst, wenn Sie diesen Satz hören, und wenn Sie nur diesen Satz
Regierungspartei: „Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern!“
An diesem Mittwoch, dem 30. Jänner, wieder ein Frauenmord in Österreich. Es ist nicht der erste und es wird nicht der letzte gewesen sein.
Allerdings geschieht der Frauenmord vor 130 Jahren. Der Mörder: Rudolf H. Nachdem er die Frau ermordete, tötete er sich selbst. Noch einhundertdreißig Jahre später gibt es nicht wenige, die es nicht als Mord und Selbstmord sehen wollen, es als Romanze, als Liebestod verklären, andere als diesen Prinzen von einem Mann als Mörder oder Mörderinnen haben möchten.
Nur deshalb, um einen Mann davon reinzuwaschen, ein Frauenmörder zu sein.
Viel dazu beigetragen hat auch seine Familie. Kaum war der Mord und der Selbstmord bekannt, begann das Vertuschen. Das Vertuschen gehört zur österreichischen Tradition, wie die Finsternis zur Nacht.
Das Vertuschen und Reinwaschen des Mannes ging damals weit, sehr weit, bis zum unglaublichen Vorwurf, bis zur Beschuldigung, die Frau hätte den Mann ermordet.
Ob sich die Frau gar so freiwillig ermorden ließ, darf sehr bezweifelt werden. Dieser Mann war schon vor M. V. auf der Suche nach einer Frau, die sich von ihm ermorden lassen sollte wollen, wenn er sich selbst tötet.
Allein kann halt ein recht traditionsgebundener Mann nicht aus dem Leben. Zumindest eine Frau muß mit ihm mit in den Tod. Ob es aber eine Frau sein muß, die er wirklich liebt, um sie mit in den Tod zu nehmen … eine Frau jedenfalls muß es sein, gleichgültig wie groß die Liebe ist, gleichgültig, ob es überhaupt Liebe ist, denn so eines rechten Mannes dieser Tradition größte Liebe ist der Tod, und den will er nur mit einer Frau gemeinsam besteigen.
Das Vertuschen gehört zur österreichischen Tradition, wie die Dunkelheit zur Nacht. Und auch, daß der Mann in Österreich ohne Frauenmord nicht leben kann.
Ist es dafür nicht bezeichnend, sagt das nicht alles über Österreich aus, wenn Édouard Louis in seinem 2018 erschienenen Buch „Qui a tuè mon pére“ nicht einen Menschen, um einen Kontinent zu nennen, aus Afrika zitiert, wenn er vom Schicksal seiner Mutter, vom Schicksal einer Frau erzählt, sondern einen Menschen aus Europa, einen aus Österreich:
„Als Frau in diese Umstände geboren zu werden, ist von vornherein schon tödlich gewesen.“
Édouard Louis, 1992 geboren, erzählt das Schicksal einer Frau in der zweiten Hälfte und am Ende des 20. Jahrhunderts und greift dabei zurück auf Peter Handke, der vom Schicksal einer Frau aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzählt, das Schicksal seiner Mutter, die 1971 ihr Leben beendete, durch Selbstmord …
Louis lebt in Frankreich. Und was einem in Frankreich also augenblicklich einfällt, wenn es um die Umstände geht, in die Frauen hineingeboren werden, ist Peter Handke aus Österreich. Dieses Land mit diesen Umständen seit … jedenfalls länger als nur seit 130 Jahren.
Ein Netzwerk der Rechtfähigsten in diesem Staat, in das Robert Holzmann eingebunden ist, bei ihrer Zusammenkunft unterm Dach der Hofburg – ein Nemeth, ein … und so weiter und so fort.
„Ließ er sich von Afrikaner ‚inspirieren‘? Unfassbar: Abartiger Wiener attackiert gezielt und brutal Frauen“
Die Karoline Edtstadler wird am 22. Jänner 2019 zitiert:
„Man gewinnt den Eindruck, dass hier Nachahmungstäter am Wort (sic) sind, Menschen, die sich in dieser schrecklichen Wertehaltung wohl bestätigt fühlen.“
Durch die zeitlich nur wenige Tage voneinander getrennten Aussagen ist es schwer, darin keine Nachahmungsschreibe zu erkennen …
Der Wochenblick, ein von Edtstadler „Inspirierter“?
Amüsant dabei ist noch eines. Vor etwa einem Jahr veröffentlichte Karoline Edtstadler auf der Plattform des Unternehmens Twitter ein Foto, das sie mit Herbert Kickl zeigt; er überreicht ihr die „Bestallungsurkunde“ … Amüsant daran ist, wenn von den vielen Bedeutungen von „Bestallungsurkunde“ im Deutschsprachigen eine besondere herangezogen wird: die Bestallung zum Vormund eines Mündels. In Anlehnung an Peter Handke ist das eine nicht unberechtigte Frage oder mehr schon eine Feststellung, entscheiden Sie darüber selbst: Das Mündel will Gesinnungsvormund sein.
Ein Jahr an der Seite des Vormunds scheint auszureichen, um alles Vormundgesinnungsgemäße gelernt zu haben, verinnerlicht zu haben, sich reif genug zu fühlen, die Gesinnungsvormundschaft vollständig zu beanspruchen, zu übernehmen, nicht mehr nur Nachahmerin von der Nachahmungspartei zu sein, und das dürfte auch der Wochenblick spüren, daß es möglicherweise Zeit ist, sich umzuschauen, die Umfragewerte für die Nachahmungspartei sind auch nicht besonders, im Sinken begriffen, bei wem es sich mehr lohnen könnte, nachzuschreiben …
NS Die Nachschreibe des Wochenblicks ist nicht einmal eine Spekulation zu nennen, sondern tatsächlich nur „gezielt und brutal“. Allein die Biographie dieses Mannes widerspricht seiner Nachschreibe. Dieser Mann mußte bei seinen Streifzügen durch Wien nicht erst irgendwo eine ein paar Jahre alte Tageszeitung mit einem Bericht über den Brunnenmarkt finden, um dann etwas nachzuahmen. Allein seine Biographie erzählt von keiner Nachahmung, aber viel von der Verankerung, vom Gefangensein im traditionellen österreichischen Rollenbild, das der Mann nach wie vor …. Dieser Mann beging kein Verbrechen auf dem Brunnenmarkt, aber Wochenblick veröffentlicht zur Bekräftigung seiner Nachschreibe dazu einen Stadtplanausschnitt vom Brunnenmarkt, damit den Lesenden ja nur der Brunnenmarkt in Erinnerung bleibt, wo ein Mann aus …
Vorgestriger Kommentar der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Regierungspartei mit der Schlagzeile „Politische Verharmlosung von links: Die Morde 2018 in Wien und ihre Täter“ …
Ein Kommentar, nicht zu kommentieren. Worum es dabei geht, ist offensichtlich. Das muß auch nicht ausgeführt werden. Es reicht dafür aus, den Kommentar zu diesem Kommentar zu zitieren, geschrieben von einer Person, die vorvorvorvorgestrig in der Hofburg zum Tanz war, einer Verbindung angehört:
„genau so muss man das sehen, wien ist ein habsburgischer appendix den man eigentlich ohne das gesamte zu schaedigen entfernen kann. nicht dass ich etwas gegen die habsburger habe im gegenteil aber in der derzeitigen aufstellung ist wien eher ein krebsgeschwuer.“
„Wien entfernen kann.“ Gegen Wien geht es. Und dafür werden auch skrupellos Mordopfer instrumentalisiert, mißbraucht.
Gegen Wien geht es. Das heißt: es geht gegen die Großstadt. Das Land, die Provinz, gegen die Großstadt. Es will gar nicht gewußt werden, wie viele der Anbeter der Provinz, wie viele der Anbeterinnen der Scholle gegen die Großstadt in der Großstadt, also in Wien, leben.
Das ist verantwortungslos. Und zugleich vollkommen an der Wirklichkeit vorbei. Das ist aber kein Vorwurf gegen die FPÖ unzensuriert allein. Es ist generell eine öffentliche und mediale Hysterie, die in Österreich ausgebrochen ist, geschuldet wohl der tiefsitzenden Ablehnung des sogenannten Fremden.
Statt darauf zu verweisen, in welch einer glücklichen Lage sich Österreich befindet, was für eine glückliche Entwicklung Österreich genommen hat, um einen Zeitraum beispielhaft herauszunehmen, in den letzten vierundvierzig Jahren, was die Tötungsdelikte anbelangt, wird gekreischt und mit allen Fingern gefuchtelt gegen die, nein, nicht gegen die vorwiegend männlichen Täter und wenigen weiblichen Täterinnen, sondern gegen das Fremde …
Mit dem Verweis auf die Statistik will lediglich festgehalten werden, es gibt keinen Anlaß für Hysterie, aber sehr viel Grund, gelassen und besonnen zu agieren, verantwortungsvoll Schritte zu setzen, die diese erfreuliche Entwicklung, die es in den letzten Jahrzehnten in Österreich gab, nicht zum Stoppen bringt.
Mit Unverständnis reagiert zur Zeit die identitäre Regierungspartei in Österreich auf die berechtigte Kritik an dem zurzeitigen Innenminister, mit gespielter Unwissenheit weist sie jedwede Kritik an ihm zurück, von der Parteispitze abwärts, die zum Teil zur Zeit auch Spitze des Staates ist, stellt sich diese Gesinnungskameraderie hinter ihren Innenminister.
Jedoch die Aussage des Innenministers ist, auch wenn er und seine Kameraderie sie in deutscher Sprache vorbringt, zuerst einmal zu übersetzen. „Das Recht hat der Politik zu folgen“ ist identitär gesinnungswörtlich zu übersetzen: Das Recht hat der Gesinnung zu folgen.
Es ist nur gesinnungsfolgerichtig, daß die zensurierte Website der identitären Regierungspartei augenblicklich den Marschbefehl (ob diesen sich selbst gegeben oder erhalten, ist dabei ohne Belang) ausführt und für den Innenminister stürmt, als könnte er dafür je verteidigt werden, am 26. Jänner 2019: „Chronologie einer linken Hetze mit Unterstützung des Bundespräsidenten“.
Das Recht hat der Gesinnung zu folgen. Sollte Ihnen das zu abstrakt zu sein, eine handfestere Übersetzung der Aussage vom Innenminister gibt es von zungl888:
„so ist es 75.1% für eine rechts gehaltene regierung und dann fahr ma euer gnaden.“
Und die Antwort von zungl888 auf die Warnung, dann könnte es „Bürgerkrieg“ geben:
„die paar armseligen antifa typen sollte man doch markieren und ruhigstellen koennen.“
Wie zungl888 Gesinnungsrecht zu exekutieren sich vorstellt, nun, nicht mit Gesetzesbüchern in der Hand, sondern mit „9 mm para“ … aber legitimiert penibel und pedantisch Gesinnungsgesetzesbüchern dabei folgend —
Ob zungl888 bereits alle „17 neuwertigen 9 mm para“ schon verschenkt hat, eine wenigstens für sich selber behalten hat, wird nicht gewußt. Vielleicht trug zungl888 eine recht nah am Herzen unterm Frack zum vorgestrigen Ballbesuch in der Hofburg, dabei recht ergriffen
Wenn nun Karoline Edtstadler ihre Aufgaben, für die sie vom Staat angestellt ist, vernachlässigen wird, zur Gänze nicht mehr erfüllen wird, um etwas Größerem zu dienen, dann verdient sie dafür den größten Respekt, und nichts kann größer sein, als sich in die Wahlschlacht zu werfen, gegen den Kulturimport Sturm zu laufen.
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