Benjamin stemmt sich derzeit mit allen Kräften gegen den drohenden Amtsverlust.
Nicht mehr lange Regierungschef?
Vor dieser Überschrift berichtet die Tageszeitung „Die Presse“ über das verbale Aufziehen der Bibi-Flagge …
Und unter dieser Überschrift
Nicht mehr lange Regierungschef?
berichtet „Die Presse“ darüber, wie es in diesem Staat jetzt zugeht, über den Ablauf, dessen Schluß sein soll, daß der gerade noch Regierungschef nicht mehr Regierungschef sein wird.
Und am Ende, „Die Presse“:
In einer früheren Version dieses Artikels stand im Titel: „Kurz stärkt Netanjahu vor drohendem Amtsverlust den Rücken“. Nach der Klarstellung des Bundeskanzleramts haben wir die Überschrift konkretisiert.
„Diese Chats in allen Fällen sind grauslich. Dass sie veröffentlicht werden dürfen, auch was den persönlichen Bereich anlangt, ist ebenso grauslich. Das gibt es nirgends, auch in Deutschland nicht.“
Hermann Schützenhofer, Landeshauptmann in der Steiermark, am Sonntag, 6. Juni ’21. In der „Pressestunde“. Im österreichischen Rundfunk.
Das würde es nirgends geben. Sagt ein österreichischer Landeshauptmann. Das gibt es, sogar in Österreich. Zum Beispiel Chats von Männern und Frauen, die Verschwörungen anhängen. Chats, die auch den persönlichen Bereichanlangen, in geschlossenen Gruppen, also nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die ebenfalls zu Hausdurchsuchungen beispielsweise führen.
Nach der Sicht dieses Landeshauptmannes müßte es wohl ebenso grauslich sein, die Chats der Männer und Frauen der Verschwörungen zu veröffentlichen. Für die Veröffentlichung dieser Chats aber würden dem Landeshauptmann mit Bestimmtheit Argumente einfallen, warum das Veröffentlichen dieser Chatsnicht grauslich …
Was aber macht den Unterschied zwischen den Chats aus, deren Veröffentlichung grauslich und deren Veröffentlichung nicht grauslich?
Der Landeshauptmann sagt, das Veröffentlichen der Chats ist grauslich, auch was den persönlichen Bereich anlangt. Nun, bei Chats gehört es offensichtlich dazu, auch den persönlichen Bereich einzubringen, das Persönliche beizumengen. Auch bei den Chats, deren Veröffentlichen nicht grauslich, ist es nicht anders, wenn etwa eine Frau berichtet, sie wäre bei verschiedenen Einheiten des Bundesheeres gewesen, etwa ein Mann berichtet, er wäre Oberleutnant der Reserve, etwa ein Mann berichtet, er hätte gedient und wäre freiwillig im Kosovo gewesen, in den Chats also Persönliches, Biographisches nicht verschwiegen wird, zwischen den Chats, in denen es beispielsweise um Verschwörungen …
Kniender Herr in Lederhose (flüsternd): Haben Sie ihn gesehen? — (Laut:) Den Polizisten!
Kniender Mann in voller Wichs (flüsternd): Ärgerlich ist das wirklich. Seit einer Ewigkeit und drei Tag‘ mit laufendem Motor —
Kniender Herr in Lederhose (laut): Ohne Motor!
Kniende Ministranten schauen ihn streng an.
Kniender Herr in Lederhose (wieder flüsternd und dabei auf seinem Smartphone ein Foto herzeigend): Ohne — —
Kniender Mann in voller Wichs: Nicht mit laufendem Motor?
Herr in Lederhose: Nein.
Kniender Mann in voller Wichs: Ist ihm jetzt halt schon warm genug.
Herr in Lederhose: Er ist ohne Wagen dort.
Kniender Mann in voller Wichs: Wo sitzt er dann?
Herr in Lederhose: Er steht.
Kniender Mann in voller Wichs: Wowie?
Herr in Lederhose: Direkt vor der Haustür steht er.
Kniender Mann in voller Wichs: Ist ihm jetzt halt warm genug.
Herr in Lederhose: Wird schon so sein.
Ein kniender Mann im Trachtenjanker: Aber wenn es nur ein wenig kälter wieder wird, dann sitzt er wieder im Wagen. (Laut:) Mitmit laufendem Motor wieder am Stand!
Kniende Dame im Dirndl schaut ihn streng an.
Ein Mann im Trachtenanzug (flüsternd): Ist ja wirklich eine Frechheit, eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen.
Kniender Mann in voller Wichs: Wem sagen Sie das. (Laut:) Dieser Gestank! Noch ein kniender Herr in Lederhose (laut): Unsereiner brennt wie ein Luster, wenn du nur eine Minute bei laufendem Motor — Kniender Mann in voller Wichs (weiter laut): Eine Luftverpestung sondergleichen!
Kniende Ministranten, kniende Dame im Dirndl schauen die Lautgewordenen streng an.
Ein weiterer kniender Mann in voller Wichs (flüsternd): Seit einer Ewigkeit und drei Tag‘ meid‘ ich die Marschgasse — —
Kniende Ministrantin (flüsternd): Polizeiliche Klimaleugnung ist das.
Kniender Herr in Lederhose (wieder flüsternd): Wir ja auch, meine Schwester und ich.
Kniende Dame im Dirndl: Meine Kinder können auch nicht mehr durch die Marschgasse zur Schule. Dabei wäre die Marschgasse für sie der kürzeste Weg nach Hause, aber sie können nicht mehr durch die Marschgasse. Kaum gehen sie beim angelassenen Polizeiwagen vorbei, bekommen sie schon keine Luft mehr, keine Luft und verpestet augenblicklich verpestet ihre Kleider. Seit einer Ewigkeit müssen meine Kinder die Marschgasse weitläufig — (Laut:) Und das nur wegen dem Stinker da!
Kniender Pfarrer und kniende Schwester des knienden Herrn in Lederhose sehen sie streng an.
Kniende Dame im Dirndl (wieder flüsternd): Verzeih’n Sie meine unchristlichen Worte. Aber das ist doch wahr!
Junger Mann in voller Wichs (laut): Wen bewachen die denn da überhaupt?
Kniende Ministranten, kniender Pfarrer, kniende Schwester des Herrn in Lederhose und kniende Dame im Dirndl schauen ihn streng an.
Junger Mann in voller Wichs (flüsternd): Wen bewachen die denn?
Kniender Herr in Lederhose zuckt mit den Schultern.
Kniender Mann im Trachtenanzug: Muss ein ganz Wichtiger sein.
Kniender Herr in Cordhose und Lodenüberzieher: Na ja.
Noch eine kniende Dame im Dirndl: Doch, das muß ein ganz Hoher sein.
Junger Mann in einer Krachledernen: Oder eine ganz Wichtige.
Kniender Mann in voller Wichs: So ein Hoher kann das nicht sein, wenn er immer daheim ist.
Ein älterer Herr im Lodenmantel: Muß aber eine Höchstwichtige sein, sind ja oft nicht nur ein Polizist (zeigt ein Foto auf seinem Smartphone her) — —
Junger Mann in voller Wichs: Immer daham?
Kniender Herr in Lederhose: Muß er wohl, die Polizei steht ja immer vorm Haus, und das seit — (laut:) Tag und Nacht!
Kniender Pfarrer und kniender junger Mann in voller Wichs schauen ihn streng an.
Kniende Dame im Dirndl: Nicht mal am Sonntag mehr kann ich wegen dem mit den Kindern durch die Marschgasse zur Kirch‘ — —
Eine sehr alte Dame mit Kopftuch: Werk- wie feiertags steht er auf der Marschgoss’n. Ich laß‘ mir ja nur noch alles in die Wohnung liefern. Ich wohn‘ auf der Marschgoss’n und kann nicht mehr auf die Marschgoss’n.
Kniender Pfarrer (laut): Deswegen nicht mehr in die Kirche zu —
Alle schauen den Pfarrer streng an.
Noch ein junger Mann in voller Wichs: Die Polizei tät ja sonst nicht immer vor seiner Tür steh’n, wenn er nicht ständig z’aus —
Eine kniende junge Frau: Ich will nicht mehr auf der Marschgassen sein. Meine Geranie am Fenster hab‘ ich jedenfalls wegschmeissen müssen, so gestunken hat sie.
Die Gebete sind zu Ende. Alle erheben sich nacheinander. Die Demonstration setzt sich in Bewegung.
Wenn diese zweite Landkarte, so wird bereits gemunkelt, ebenso einschlägt wie die erste, sollen weitere Herstellungen von Landkarten nicht ausgeschlossen sein, die Überlegungen hierzu sollen, so wird bereits gemunkelt, schon recht im Gange sein, welche Gruppierungen noch auf Landkarten mit allen notwendigen Daten für differenzierte Diskusssionen dargestellt werden können, die einer besonderen Sicherheitsbehandlung zu unterwerfen sind.
Ich bedaure sehr, dass es in den letzten Tagen vermehrt zu politischer Instrumentalisierung gekommen ist und dass mittlerweile auch verschiedenste Rechtsextremisten den Zweck dieses Projektes völlig konterkarieren. Die soeben bekannt gewordenen Warnschilder an verschiedenen Orten Wiens sind erschütternd und verstörend und ich verurteile derartige Aktionen auf das Schärfste. Die Islamlandkarte wollte eine differenzierte Diskussion über das islamische Leben in Österreich ermöglichen und einen positiven Beitrag leisten. Es sollte die Vielfalt des islamischen Lebens in Österreich aufgezeigt werden – in all seinen Schattierungen. Dennoch möchte ich festhalten, dass zweifellos dringende Notwendigkeit an einer sachlichen Debatte über den Islam in Österreich besteht. Die Islamlandkarte kann dazu einen sinnvollen Beitrag leisten. Nicht zuletzt tat sie das bereits seit ihrer ersten Veröffentlichung 2012. Dass die Erweiterung dieses Projektes derartige Diskussionen hervorruft, bedaure ich sehr. Ich fordere alle Seiten zur Rückkehr zu einer sachlichen, wissenschaftlich fundierten Diskussion auf.
Zu was sonst soll ein parteipolitisches Instrument führen, als zu einer Instrumentalisierung der Politik?
Mit einer Landkarte eine differenzierte Diskussion zu führen, führt zur nächsten Frage. Seit wann werden Diskussionen mit einer Landkarte in der Hand geführt? Was würden das für Fernsehsendungsdiskusssionen beispielsweise werden, alle eine eigene Landkarte vor sich ausgebreitet, mit auf den Landkarten kreuz und quer herumfahrenden Fingern, die diskutieren …
Die durch Steuergeld finanzierte Landkarte: „Service“der von der türkis getupften christschwarzen Partei angeführten österreichischen Bundesregierung zum bequemen Planen der Einsätze von „Rechtsextremen“; diese brauchen ab sofort nicht mehr selbst mühsam Adressen herauszusuchen, mühsam Wegbeschreibungen zusammenzustellen, um zu ihren Einsätzen auszurücken.
Für Marschbefehle sind Landkarten unerläßlich.
„Dass der legitime Kampf gegen den Politischen Islam von extremistischen Gruppierungen missbraucht wird, ist völlig inakzeptabel und klar zu verurteilen“, sagte Raab.
Die Dokumentationsstelle Politischer Islam äußerte sich am Mittwochnachmittag zu der Angelegenheit: Man distanziere sich „dezidiert von der Vereinnahmung der Inhalte der Islamlandkarte der Universität Wien bzw. ihrer eigenen Publikationen durch rechtsextreme Aktivisten und Akteure“, heißt es in einem Statement. „Das Anbringen von feindseligen Schildern und Botschaften vor Glaubenseinrichtungen ist aus Sicht der Dokumentationsstelle Politischer Islam nicht tragbar und steht in direktem Widerspruch zu Pluralität, Religionsfreiheit und Demokratiebewusstsein, denen sich die Stelle verschrieben hat.“
Man fordere die „umgehende Entfernung dieser Schilder und Botschaften“ und „verbitte“ sich, mit rechtsradikalem und extremistischem Aktivismus in irgendeine Verbindung gebracht zu werden. Die Sicherheitsbehörden seien in Kenntnis gesetzt worden.
Was ist eine solche Landkarte anderes als die staatliche Vereinahmung von „Rechtsextremen“ für den türkis integrativen „Kampf“? Was kann mehr „in direktem Widerspruch zu Pluralität, Religionsfreiheit und Demokratiebewusstsein“ stehen, als eine solche Landkarte? Wie kann es verbeten werden, „in irgendeine Verbindung mit rechtsradikalem und extremistischen Aktivismus gebracht zu werden“, wenn die „Verbindung“ zu solchem selbst hergestellt wird? Wie kann „die umgehende Entfernung dieser Schilder und Botschaften“ gefordert werden, wenn diese Landkarte als das gelesen wird, was sie ist, eine Einsatzlandkarte zum Aufstellen solcher Botschaftsschilder?
Eine solche Landkarte ist nichts anderes als eine staatliche „schwarze Liste“, wie sie gerade auch in Österreich zur Genüge aus der Vergangenheit gekannt wird, auch aus anderen Ländern gekannt wird, und nicht nur aus der Vergangenheit.
Was an dieser österreichischen staatlichen schwarzen Liste das Besondere ist, ist die Aufforderung zur Mitarbeit an dieser Landkarte,
Sollten Sie Mitglied in einem der beschriebenen Vereine sein, in einem Verein arbeiten oder dem Vereinsvorstand angehören und auf unserer Seite Fehler entdecken, möchten wir Sie ebenfalls bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen.
Das Ministerium wies die Suppe allerdings als „köstliches Arme-Leute-Essen“ aus, zumindest bis Montag. Da änderte sich die Beschreibung des Posts plötzlich. Aus dem „Arme-Leute-Essen“ wurde plötzlich eine “einfache Mahlzeit”. Das zeigt der Bearbeitungsverlauf des Posts. Besonders interessant dazu ist der zeitliche Zusammenhang, dass ZackZack nur wenige Stunden zuvor Chats des ÖBAG-Chefs Thomas Schmid veröffentlichte, der sich über den „Pöbel“ ausließ.
Von Thomas Schmid gibt es also weitere, einfach wie kurz gesagt, Beweise seiner Intellektualität …
Mit dem Dienstpass für Regierungsangehörige gibt er sich nicht zufrieden, er will seinen geschätzten Diplomatenpass vom BMF behalten. Doch es nützt nichts: „Wenn ich weiterhin Diplomatenpass haben will müssen wir das Gesetz ändern.“ Schmid gibt auf: „Da werden wir passen müssen. Das ist einfach vorbei.“ Als Schmid realisiert, dass er wie andere Menschen reisen wird müssen, ist er verzweifelt: „Oh Gott, reisen wie der Pöbel.“ Laure hat aber noch eine Idee: ÖVP-Großspender Schütz „hat auch einen roten Pass. Müssen mal fragen, wie der sich seinen Pass organisiert hat.“ Laure und Schmid vermuten, dass Schütz Honorarkonsul ist. Dessen Frau Eva soll deshalb konsultiert werden: „Das wäre ja ein Skandal. Der schon und ich nicht“, so Schmid, der nicht glauben kann, warum er leer ausgehen sollte.
Thomas Schmid hatte in seiner Zeit als Kabinettsmitarbeiter von ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger die Aufnahmeprüfung für den diplomatischen Dienst, das sogenannte Préalable abgelegt, war jedoch nie im diplomatischen Dienst tätig. In Diplomatenkreisen heißt es, Schmids Fremdsprachenkenntnisse seien so schlecht, dass er die Prüfung eigentlich nicht hätte bestehen dürfen – außer durch Schiebung. Wie weit entfernt Schmid von den Menschen, die seine Partei wählen sollen, zu sein scheint, zeigt sich auch in einem weiteren Gespräch nur zwei Tage später. Am 14. März 2019 muss Schmid einen lästigen Behördengang erledigen: er braucht für seine Bestellung zum Alleinvorstand der Beteiligungen der Republik in Höhe von rund 26 Milliarden Euro einen sauberen Strafregisterauszug. Den muss er freilich selbst holen. Als er sich mit Laure wegen Terminen koordiniert, lässt er sich über die anderen Wartenden aus: „Ich hasse euch dass ich da herkommen muss zu diesen Tieren für Strafregister.“ Laure erklärt ihrem Chef, dass der Auszug nicht ewig gelte und Schmid womöglich irgendwann wieder selbst zur Behörde müsse: „Der gilt nur 6 Monate.“ Schmid: „Ich weiß eh. Ich hasse das hier.“
Die von Thomas Schmid so eindrucksvoll zur Schau gestellte Intellektualität in jedweder Hinsicht ragt wahrlich heraus, prädistiniert ihn zum unbestrittenen Anführer eines jedweden Fußballfanklubs, sein Fußballfanklubvizeanführer könnte ebenso unbestritten Andreas Hanger, der Abgeordnete, sein, der Mann also, der in den letzten Wochen, einfach wie kurz gesagt, mit kraftvollen Auftritten ebenso seine Intellektualität, sein Wissen um erbrachte Leistungen etwa eines Thomas Schmid, seine fundierte psychiatrischen Ausbildung eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Es würde nicht verwundern, erhielte Andreas Hanger von Fußballfanklubs, die oft abgekürzt einfach Hooligans genannt werden, massenweise Ersuchen, ihr Anführer zu werden, allein schon seine Frisur mag ihnen genug an Qualifikation …
Es ist die Vorstellung nicht von der Hand zu weisen, daß nationalsozialistische Gesinnungsgänger der Literatur in Gedichtsammlungen ihren Unterschlupf bis heute finden. In denen nationalsozialistische Gesinnungsgängerinnen der Literatur bis heute wohlbehütet sind, in denen sie als nichts anderes erscheinen, als ach, gar zarte Menschen des lyrischen Worts, gänzlich ohne Biographie.
Besonders in Anthologien, die bereits in ihren Titeln von Jahrhunderten sprechen, wie „Zeit und Ewigkeit – Tausend Jahre österreichische Lyrik“ etwa, oder eben auch „Der ewige Brunnen – Ein Hausbuch deutscher Dichtung – Gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners“ mit der Klappentextankündigung, „in den Gedichten spiegeln sich die Lebenserfahrungen aus acht Jahrhunderten“ …
In beiden Gedichtsammlungen, um diese zwei nur als Bespiele heranzuziehen, sind dieselben zu finden – Weinheber, Ginzkey, Mell …
Durch die Jahrzehnte, freilich raffinierter geworden. Von „Zeit und Ewigkeit“ aus dem Claassen-Verlag, in der „2. völlig neu bearbeiteten und erweiterteren Auflage 1980“, zum „Hausbuch Der ewige Brunnen“ aus dem Verlag C. H. Beck, „4. Auflage der Jubiläumsausgabe, 2015, gesammelt und herausgegeben von Ludwig Reiners, aktualisiert und erweitert von Albert von Schirnding“.
Durch die Jahrzehnte raffinierter geworden? Nein. Und Ja. Dies endgültig zu beantworten, vielleicht nicht möglich.
Albert von Schirnding schreibt in seinem Vorwort, „Ludwig Reiners hat seine bewunderswerte und überaus erfolgreiche Sammlung deutsche Gedichte 1955 …“ und „ein ‚Hausbuch‘ gehört (beinahe wie die Bibel) zum täglichen Dasein, ist möglichst immer griffbereit,“ und so weiter und so fort.
Ludwig Reiners, ein NSDAP-Mitglied mit vornehm vorgebrachten Antisemitismus, das ist von ihm, Schirnding, und vom Verlag, Beck, in diesem Buch nicht zu erfahren. Raffiniert? Vielleicht.
Raffiniert hingegen die schirndingsche Feststellung im Vorwort:
Der Bearbeiter sah sich der grundsätzliche Frage konfrontiert, ob es sich bei einer so umfangreichen lyrischen Sammlung eher um ein Nachschlagewerk oder eine Anthologie handelt. Wohl um beides; wo aber Konflikte bei den leitenden Auswahlkriterien auftraten, fiel die Entscheidung zugunsten der Qualität und einer gewissen Überzeitlichkeit. So wird man die „Wacht am Rhein“ in der Neuausgabe nicht mehr finden und hoffentlich auch nicht vermissen. Inzwischen ist man auch gegen manche Autoren, die trotz der ihnen im Dritten Reich zuteil gewordenen Förderung in den fünfziger Jahren noch immer angesehen waren, kritischer eingestellt. Begabungen wie Agnes Miegel oder Börries von Münchhausen sollen nicht ganz fehlen, sie waren aber meines Erachtens bei Reiners überrepräsentiert. Selbstverständlich haben Gedichte von Karl Bröger, Heinrich Lersch oder gar Edwin Erich Dwinger in einem Hausbuch deutscher Dichtung nichts mehr zu suchen.
Ach, die armen, armen Autorinnen, gegen ihren Willen, ach, die armen, so armen Autoren, wehrlos gegen die ihnen im Dritten Reich zuteil gewordene Förderung …
„Wikipedia“ erzählt ebenfalls nichts im Beitrag über den „ewigen Brunnen“, daß Ludwig Reiners ein NSDAP-Mitglied war. Immerhin aber ist aus diesem Beitrag über den „ewigen Brunnen“ zu erfahren, daß vom Herausgeber neu aufgenommen wurde: Georg Britting — —
Oh, was einer beruflichen Stellung alles geschuldet ist …
Die Herausgeber von „Zeit noch Ewigkeit“ und auch von „Der ewige Brunnen“ fühlten wohl, eine Hausbibel ohne die „Todesfuge“ von Paul Celan wäre unvollständig. Aber so raffiniert war Ludwig Reiners noch nicht, die „Todesfuge“ in sein „Volksbuch deutscher Dichtung“ aufzunehmen, obgleich er es hätte kennen müssen. 1948 erstmals in „Der Sand aus den Urnen“ veröffentlicht, die „Todesfuge“, ein zweites Mal 1952 in „Mohn und Gedächtnis“, zweimal veröffentlicht also, bevor es zur ersten Veröffentlichung des Volksbuchs deutscher Dichtung …
Ja, „Der ewige Brunnen“ wurde einst auch als „Volksbuch deutscher Dichtung“ betitelt, ehe es zum „Hausbuch“ wurde, das beinahe wie die Bibel …
Im „Volksbuch deutscher Dichtung“ darf „Lili Marleen“ von Hans Leip – auch einer, der sich der Förderung im Dritten Reich nicht erwehren konnte – nicht fehlen, in der Rubrik „Aus der Geschichte“, auf Seite 533, auf Seite 535 dann die „Todesfuge“ unter „Aus der Geschichte“, auf Seite 543 als Abschluss von „Aus der Geschichte“ dann „An die Völker der Erde 1945“, dies wohl gedacht als Moral der Geschichte, was aus der Geschichte gelernt werden nur kann: Raffinesse …
Denn eine dermaßen raffinierte Einreihung des Nationalsozialismus zu den üblichen Verbrechen der Völker, eine derart raffinierte Schuldverteilung auf „alle Völker der Erde“ wurde noch nicht gelesen, eine derart raffinierte Eigenerhebung zum Opfer, eine derart raffinierte Verkleinerung der eigenen Taten zu den üblichen Taten der Völker wurde noch nicht gelesen, und noch einmal raffinierter auch dadurch, daß es ein Gedicht von Werner Bergengruen …
Völker der Erde, Ihr haltet Euer Gericht Völker der Erde, vergeßt dieses Eine nicht: Immer am lautesten hat sich der Unversuchte entrüstet, immer der Ungestoßne gerühmt, daß er niemals gefallen. Völker der Welt, der Ruf des Gerichts gilt uns Allen. Alle verklagt das gemeinsam Verratne, gemeinsam Entweihte. Völker, vernehmt mit uns Allen das göttliche: Metanoeite!
Alle sollen Buße tun. Wie muß dies einem NSDAP-Mitglied aus dem Herzen gesprochen haben, wie müssen Ludwig Reiners das 1955, als sein „Volksbuch“ zum ersten Mal erschien, und mit ihm so viele in Deutschland die Tränen wie aus Kübeln geflossen sein, beim Lesen dieses Gedichts in Erinnerung an ihre zwölf Jahre der Versuchung, an ihre zwölf Jahre des Gestoßenseins, an ihre zwölf Jahre der Folterung und des Leidens, Tränen eimerweise weiter fließen, beim heutigen Lesen dieses Gedichts, sie sich dabei an die Geschichten ihrer Großeltern, Eltern erinnern, an deren zwölfjährige Folterung, zwölfjähriges Leiden, zwölfjähriges Gestoßenseins, Versuchung …
Völker, Ihr zählt, was an Frevel in diesem Jahreszwölft geschehen. Was gelitten wurde, hat keiner von Euch gesehen, keiner die Taufe, darin wir getauft, die Buße, zu der wir erwählt, und der Engel allein hat Striemen und Tränen gezählt. Er nur vernahm durch Fanfarengeschmetter, Festrufe und Glockendröhnen der Gefolterten Schreien, Angstseufzer und Todesstöhnen, er nur den flatternden Herzschlag aus nächtlichen Höllenstunden, er nur das Wimmen der Frau’n, denen die Männer verschwunden, er nur den lauernden Schleichschritt um Fenster und Pforten, er nur das Haßgelächter der Richter und Häftlingseskorten — Völker der Welt, die der Ordnung des Schöpfers entglitt, Völker, wir litten für Euch und für Verschuldungen mit. Litten, behaust auf Europas uralter Schicksalsbühne, litten stellvertretend für Alle ein Leiden der Sühne. Völker der Welt, der Abfall war allen gemein:
PS „Alte Traditionen“ leben wieder auf, „im Stile Tschechows“, wie aus einer Programmankündigung für den 29. Jänner 2022 zu lesen ist, Ben Becker werde aus dem „Volksbuch Der Ewige Brunnen“ deutsche Verse sprechen, menschgemäß um einige durch ihn, Becker, als passend empfundene Gedichte erweitert, vielleicht um jene, die Albert von Schirnding nicht mehr … zu befreien, oh ehrenhaftes Ansinnen, von Verstaubtheit, die nur angeblich wie die Zeit nun so reif, aus Staub neues Leben zu erwecken …
Karl Lueger war nicht nur für den Diktator Adolf Hitler ein Mann von recht besonderer Gesinnung, sondern auch für den Dollfuß-Nachfolger als Diktator, der gesinnungsgemäß bei der ganztägigen Feier zum 25. Todestag des Karl Lueger mit dabei war, mit Bekränzung des Karl-Lueger-Denkmals auf dem KL-Platz in Wien, Österreich, am 10. März 1935.
„Reichspost“ ließ es sich nicht nehmen, wieder nicht nehmen, darüber ausführlich zu berichten …
Das war gestern ein Tag der Weihe, gewidmet dem Andenken des großen Bürgermeisters. Er begann mit feierlichem Auftakt in der Votikvkirche und schloß mit einer überaus eindrucksvollen Huldigung und einem Treugelöbnis der akademischen Jugend für das geistige Vermächtnis Dr. Karl Luegers.
Es könnte auch dieser Bericht der „Reichspost“ zur Gänze ausgebessert zitiert werden, aber so denkwürdig ist dieser Tag dennoch nicht. Aber wiedergegeben soll der Bericht der „Reichspost“ dennoch genau werden, als ausgespuckter Scan des Originals …
Gerade die Wiener Arbeiterführer Leopold Kunschak, der Chefredakteur der Reichspost, Friedrich Funder und der Wiener Finanzreferent Viktor Kienböck traten entschieden für die Monarchie ein. Diese Unterstützung trieb auf Seiten des CSP mit Herannahen des Kriegsendes immer dubiosere und radikalere Blüten. So fand am 2. Juli 1918 im Wiener Rathaus eine „vaterländische Massenkundgebung“ statt über die in der Reichspost ausführlich berichtet wurde. Demnach waren der Festsaal und der Arkadenhof „Schauplatz einer gewaltigen, machtvollen Kundgebung des christlichen Wien, die ein begeistertes Treuebekenntnis aller Schichten der Bevölkerung zu unserem Herrscherhause darstellte.“ 92 Ignaz Seipel und der Wiener Kardinal Pfiffl wohnten dieser Propagandaveranstaltung bei. Es gab zwei Festredner. Der eine war Leopold Kunschak, der andere Friedrich Funder. Beide übertrafen sich dabei in Lobhuldigungen für den Kaiser und seine Kaiserin. „Das gemeinsame Vertrauen zur Dynastie ist es, das die Völker der Habsburgermonarchie einigt. Wer die Krone schützt, der schützt Österreich, wer die Krone anrührt, der rührt Österreich an, wer Liebe und Vertrauen zur Dynastie in Österreich zerstören könnte, der würde Österreich zerstören,“ meinte etwa Funder. Und Kunschak erklärte: „Und doch will ich sagen, was unser Leitspruch in dieser trostlosen Zeit sein soll: Kopf hoch und ruhig Blut! Unsere Liebe zum Kaiser und zur Landesmutter darf nicht ins Wanken kommen!“93 In der Entschließung die an diesem Tag beschlossen wurde stand geschrieben: „Das unter Führung des Volksbundes versammelte christliche Volk von Wien bittet ihre Majestäten, die Gefühle unwandelbarer Treue und Ergebenheit … zu Füßen legen zu dürfen …“94
Die Frage, was ist seit dem die Veränderung, bleibt offen. Was jedoch gesagt werden kann, ist, wandelbar aber ist die christlichsoziale Partei – innerhalb von wenigen Wochen von einer Propagandistin der Monarchie zur —
Unverändert seit damals das Wissen um den Wert der „inneren Propaganda“, die damals wie heute, einfach wie kurz gesagt, immer eine Unterstellung, ein Vorwurf an die Anderen, und wird doch stets nur selbst massiv betrieben, wofür keine Kosten gleicher welcher Art gescheut werden, wie der erst vor wenigen Monaten von der derzeitigen Regierung in Österreich für sich selbst erhöhte Werbeetat.
Eine vaterländische Massenkundgebung in Wien Eine Doppelversammlung des Volksbundes im Wiener Rathause Gegen die feindlichen Ausstreuungen und Giftmischereien.
Die weiten Räume der Wiener Volkshalle und des Arkadenhofes im Rathause waren heute abend der Schauplatz einer gewaltigen, machtvollen Kundgebung des christlichen Wien, die ein begeistertes Treuebekenntnis aller Schichten der Bevölkerung zu unserem Herrscherhause darstellte und eine entschiedene Abweisung aller versteckten und offenen Ausstreuungen war, die in der letzten Zeit täglich die Bevölkerung zu beunruhigen suchten. Es nahmen an der Versammlung mindestens 6000 Menschen teil; schon lange vor Versammlungsbeginn war die Halle mit Menschen erfüllt, so dicht, daß die Redner kaum noch das Podium erreichen konnten. Es mußte eine zweite Versammlung gleichzeitig im Hofe improvisiert werden, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen, die in der Volkshalle nicht Platz gefunden hatten.
Der Versammlung wohnte auch Kardinal-Fürsterzbischof Dr. Piffl bei. Univ.-Prof. Dr. Seipel eröffnete die Versammlung im Saale mit einer herzlichen Begrüßung der imposanten Volksmenge und erteilte sodann dem ersten Redner das Wort.
Chefredakteur Dr. Funder:
In diesem Weltkriege war Oesterreich-Ungarn militärisch und politisch vor die schwierigste Aufgabe unter allen Staaten gestellt. Im Osten hatte sich ein mächtiger slavischer Gegner erhoben, im Westen, Süden und Südosten im Bunde mit den Angelsachsen das Romanentum und es vereinigten sich mit England und Frankreich zur Zerstörung Oesterreichs Rußland im Namen der Slaven, Italien und Rumänien im Namen der Romanen. Während alle anderen Staaten als national geschlossene Einheiten für ein nationales Ideal in den Krieg zogen, schien es Oesterreichs Rolle zu sein, gegen das nationale Ideal aussichtlos kämpfen und dabei unterliegen zu müssen. Von Krakau bis Czernowitz, von Czernowitz bis zum Noten-Turm-Paß und zum Eisernen Tor, vom Eisernen Tor bis zur Drina und bis hinab nach Spizza, vom äußersten Süden Dalmatiens bis hinauf nach Görz und Gradiska und hinüber bis zum Gardasee rannte der Gegner mit dem Schlagwort der „nationalen Befreiung“ an und suchte damit alle diese Grenzgebiete in Brand zu stecken.
Heute wissen die Gegner, daß die Mittelmächte militärisch unbesiegbar sind (Beifall) und daß selbst der Anschlag, mit dem sie die Monarchie zu zerrütten gedachten, die Revolutionierung der Nationalitäten, in dem erwarteten Haupterfolge fehlgegangen ist. Es hat Schurken und Judasse und viele von ihnen Verführte gegeben und gibt sie noch (Rufe: Leider!), aber das Herz Oesterreichs ist treu und rein geblieben (großer Beifall), das haben die Heldenregimenter der verschiedensten Nationen Oesterreichs auf hundert Schlachtfeldern bewiesen.
Als ich vor zehn Tagen unsere Linien an der Front bei Asiago entlang ging, sagte mir ein ungarischer Kommandant einer Sturmtruppe: „Ich bin Magyare, ein Szekler, und habe früher zeitlebens die Rumänen als unverläßliche Bürger gehaßt und verachtet, aber ich bekenne, ich war im Irrtum, und heute salutiere ich voll Ehrfurcht vor dem letzten meiner rumänischen Soldaten. Das sind Kerle von Gold und Eisen!“ (Beifall.) Die Leute da draußen, die täglich dem Tode ins Auge sehen, sind nicht freigebig mit solchen Worten, denn sie wissen, was Treue und Verläßlichkeit heißt, so wie sie die Untreue hassen gelernt haben. Und wer in der zehnten Isonzoschlacht mitten im feindlichen Massenfeuer, in einer Hölle von Feuer und Rauch, tschechische Regimenter unerschütterlich vorgehen sah, freilich unter der Führung von Offizieren, die nicht von dem Geiste gewisser staatlicher tschechischer Mittel- und Hochschulen angefressen waren (Sehr richtig!), der weiß, daß auch in der Nation, auf die sich die feindliche Verführungskunst konzentriert, die Treue, Gott sei Dank, nicht in der Wurzel ausgerottet ist. Das soll im deutschen Wien von einem, der stolz ist, ein Deutscher zu sein, einmal gesagt sein! (Beifall) Die Berechnung der Feinde ist mißlungen. Richard v. Kralik sagt von Oesterreich, ihm liege das Geheimnisvolle alles ursprünglichen Lebens zugrunde, „es ist unzerstörbar wie jeder wahre Gedanke, es erhält sich durch seine echte, aus den Urgründen des Seins quellende Lebenskraft‘, weil es durch innere Naturnotwendigkeit geworden ist. Und der alte österreichische Publizist Sporschil sagt dies in einer 1847 erschienenen Schrift mit den Worten: „Oesterreich sei keineswegs ein Erzeugnis von tausend glücklichen Zufälligkeiten, sondern eine Schöpfung der Hand Gottes, welche die Weisheit seiner Regenten seit Jahrhunderten wunderbar unterstützt hat.“ Diese uralten Zusammenhänge fanden immer ihren stärksten Ausdruck und ihre Kraft in dem innigen vertrauensvollen Zusammenhange des Volkes mit der alten Dynastie. (Lebhaftes Zustimmung). Dann war Oesterreich immer am ’stärksten und, glorreichsten — unter Kaiser Leopold, Maria Theresia und Kaiser Franz — wenn die Zusammenhänge des Volkes mit der Dynastie am lebendigsten waren, und dann war es am schwächsten, wenn — wie in der Zeit der Erbteilungen — diese geistige Einheit gewichen schien. Die Monarchie gleicht einem kunstvollen Schrank, wie ihn die Meister des Gewerbes vergangener Jahrhunderte erfanden, mit zahllosen Lädchen, alle mir zu öffnen durch eine geheimnisvolle Feder. Drückt man an diese, so springen alle Läden auf und bieten ihren kostbaren Inhalt dar. Wer das Geheimnis dieser Feder nicht kennt, dem bleibt der Schrank verschlossen. Das gemeinsame Vertrauen zur Dynastie ist es, das den Inhalt der zahlreichen Läden und Lädchen der Habsburger Monarchie öffnet, und niemals hat diese Feder noch einem Habsburgischen Kaiser den Dienst versagt. (Beifall.) So haben wir auch in diesen Tagen, die so voll heftiger Kämpfe sind, wieder die Führer der noch so weitgetrennten Parteien ihren Weg zum Kaiser finden sehen, die Deutschen ebenso wie die Polen und Ukrainer. Tschechen und Slovenen, und selbst die Führer der Sozialdemokratie zollten der Krone den Tribut der Anerkennung ihrer unentbehrlichen Stellung in diesem Völkerstaate. Deshalb: Wer die Krone schützt, der schützt Oesterreich, wer die Krone anrührt, der rührt Oesterreich an, wer Liebe und Vertrauen zur Krone und Dynastie in Oesterreich zerstören könnte, der würde Oesterreich zerstören» (Stürmische Zustimmung.)
Darauf aber kommt es jetzt den Feinden an, nachdem alle ihre anderen Angriffsmittel versagt haben! Man schreibt mit Recht oder Anrecht dem ertrunkenen englischen Generalissimus Lord Kitschner die Äußerung zu, Hand in Hand mit der militärischen Bekämpfung müsse die moralische Zermürbung des Gegners gehen: während man ihn an den äußeren Fronten mit den Waffen bekriege, müße man ihn an seiner inneren Front zu packen suchen durch die Organisation des Meldedienstes, durch Spionage, Ausnützung seiner inneren politischen Schwächen, durch Verbreitung falscher Nachrichten und durch Erschütterungen seines Selbstvertrauens. Man muß gestehen, England hat dieses Programm großartig und ohne mit seinen Mitteln sparsam zu sein, in die Tat umzusetzen versucht. Wir wissen, wie es ihm gelungen ist, Länder gegen den Willen der Mehrheit des Volkes in den Krieg hineinzuziehen, Portugal, Rumänien, Griechenland. Wir wissen auch, daß Lord Northcliffe mit der sogenannten inneren Propaganda in den feindlichen Ländern betraut worden ist und ihm dafür die Millionen des englischen Riesenschatzes zur Verfügung stehen, und wir kennen auch die britische Zähigkeit in der Ausführung ihrer Kriegspläne. Je mehr sich unsere Feinde überzeugten, daß sie Oesterreich-Ungarn militärisch nicht niederzuwerfen imstande seien, desto mehr lag es für sie nahe, ihre Hoffnungen auf diese ihre „innere Propaganda“ zu richten!
Einfach wie kurz ist die Frage, die beim Lesen der Geschichte der Zerrissenheit in Zeiten des Umbruchs der christlichsozialen Partei in Wien sich einstellt:
Die Geschichte der christlichsozialen Partei zwischen 1910 und 1934 schrieb Dr. Markus Benesch, der seine Karriere in der „Jungen ÖVP“ begann, von der „Jungen ÖVP“ in das „Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung“ als Kabinettschef des Bundesministers Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann.
Einfach wie kurz kann die Frage auch so gestellt werden:
Ist die Veränderung, von der der ehemalige Obmann der „JPV“ heute noch spricht, eine Rückänderung in die Zeit ab 1910 bis …
Einfach wie kurz kann die Frage auch so gestellt werden:
Ist die Dissertation von Markus Benesch dafür die Anleitung?
Also die Anleitung für die Rückänderung, die, großzügig gesehen, soher durchaus als eine Veränderung gesehen werden könnte, auch wenn nicht gesagt werden kann, was dabei die Veränderung ist, wenn nur zu etwas zurückgekehrt wird, das es schon einmal gab. Die von Markus Benesch geschriebene Geschichte der christlichsozialen Partei ab 1910 als eine vom ehemaligen Obmann der „Jungen ÖVP“ verwendete Bedienungsanleitung für ab 2017 bis …
Die Dissertation von Markus Benesch aus 2010 hatte noch den Titel: „Die Geschichte der Wiener christlichsozialen Partei zwischen dem Ende der Monarchie und dem Beginn des Ständestaates“. Dann als Buch veröffentlicht in 2013 mit dem Titel: „Die Wiener Christlichsoziale Partei 1910–1934: Eine Geschichte der Zerrissenheit in Zeiten des Umbruchs“. Es wäre vielleicht nicht uninteressant zu vergleichen, wie sehr Buch und Dissertation voneinander sich unterscheiden, ob es einen Menschen veranlaßte zu sagen, den Unterschied möchte er Klavier spielen können. Die verschiedenen Titel lassen bereits die Vermutung zu, die Dissertation die eines Historikers, das Buch das eines ÖVP-Bezirksrates, wie es auch als Resümee in mancher Rezension des Buches …
Deshalb soll hier das Buch außen vor gelassen, nur die Dissertation herangezogen sein, um einiger Beispiele aus dieser zu erzählen, wie sie vom ehemaligen Obmann als Bedienungsanleitung …
Es sind sehr teure Wahlkämpfe zu führen.
Kunschak ergänzte den Bericht um einige Ausführungen über die Arbeiten und die Finanzierung des geplanten Lueger Denkmals. Auf Grund dieses Berichtes sah sich der Meidlinger Gemeinderat Josef Müller gleich zu Beginn des Parteitages veranlasst, eine wilde Attacke gegen Kunschak und andere Bezirksparteien – allen voran die Bezirksgruppe – Wieden zu reiten. „Von den guten Bezirken, ich erinnere da an Meidling, wird gar nichts erwähnt, darüber geht man zur Tagesordnung über. Aber weil wir 30 oder 40 Millionen beim Lueger Denkmal ausgegeben haben […]
Protokoll des Parteitages der Wiener Christlichsozialen Partei vom 13. und 14. 3. 1926, Archiv der Wiener Christlichsozialen Partei, Karton Nr. 109, S. 5
Ein sehr teurer Wahlkampf muß bereits jener von 1927 gewesen sein. Für diesen kam das 1926 fertiggestellte Karl-Lueger-Denkmal zum Einsatz, für das die christlichsoziale Partei „30 oder 40 Millionen ausgegeben“ hat, wie dem Protokoll des Parteitages vom März 1926 zu entnehmen ist.
Das hätte es finanziell also auch billiger geben können, Karl Lueger als Wahlkampffigur, beispielsweise aus Pappmaché, mit dem Vorteil aufgrund des viel geringeren Gewichts der leichten Lagerung und leichten Hervorholung aus einem Magazin für Wahlkämpfe.
Karl Lueger, der Übervater der Christlichsozialen Partei, wurde in der Wiener Wahlpropaganda stark eingesetzt. In diesem Zusammenhang wurde eine eigene Wahlzeitschrift die „Wahrheit“ herausgegeben. Die Ausgabe vom 9. April zierte eine große Zeichnung an deren Spitze fast überdimensional auf einer Statue Lueger thronte. Flankiert wurde seine Statue von zwei Kopfportraits von Leopold Kunschak und Ignaz Seipel. Betitelt wurde diese Zeichnung mit den Worten: „In diesem Zeichen werden wir siegen“.
Das Wort „Bashing“ kam wohl noch nicht zum Einsatz, aber „Wien-Bashing“ wurde auch damals praktiziert, als erfolgsversprechendes christlichsoziales Rezept …
„Seit 13 Jahren“, stand dazu in einem CSP-Wahlaufruf in der Reichspost zu lesen, „regieren die Sozialdemokraten im Wiener Rathaus. Ihre Tätigkeit war eine Kette sozialistischer Experimente, die das Leben der einst so blühenden und glücklichen Luegerstadt an den Rand des Grabes gebracht haben…die Steuerpolitik wird von Hass und Demagogie diktiert, die Wohnbaupolitik löst die Wohnungsfürsorge nur für Parteifunktionäre …, das Schulwesen verwahrlost, das Verkehrswesen verödet, und der Zustand der Straßen ist ein Skandal. …“807 . Seipel, zu dem Zeitpunkt physisch verbraucht und krank, konnte in diesem Wahlkampf nicht als Redner oder Zugfigur eingesetzt werden. An seine Stelle trat der Kurzzeitkanzler Vaugoin. Vaugoin tourte durch die Wiener Bezirke und war alleine im April Hauptredner auf über 50 Großveranstaltungen. Überall machte er klar, dass eine Koalition mit den Sozialdemokraten für ihn nicht in Frage kam. In einer Wählerversammlung am 13 April 1932 in Erdberg erklärte er dazu: „Wenn heute noch jemand von den Möglichkeiten einer Koalition mit den Sozialdemokraten daherredet dann sage ich: Kein aufrechter Wiener und kein aufrechter Christlichsozialer kann dieses Wort in den Mund nehmen. So wie es keine Vereinigung von Feuer und Wasser geben kann, so wenig kann es eine Vereinigung von Christlichsozialen und Sozialdemokraten geben“808. Auch in diesem Wahlkampf wurde von Seiten der Christlichsozialen Partei Karl Lueger als altes Zugpferd bemüht. „Christlichsoziale Wiener, schart euch einig und geschlossen um die Fahne Luegers, des großen Volksbürgermeisters, der allein die Größe Wiens und das Glück seiner Bewohner begründet hat. Schart euch um die Fahne Luegers – helft sein Erbe lebendig zu machen, zu neuem Heil für unsere Stadt und eure Familien.“809
Was hat sich seit dem verändert?“ Verändert in dieser Partei, auf deren Parteitag vor bald einhundert Jahren, nämlich 1924, Leopold Kunschak dies sprach:
Der zweite Tag des Parteitages begann mit der Rede des Parteivorsitzenden. Insbesonders der erste Teil der Rede war von ihm emotional gestaltet. Dies lag sicherlich auch an dem Themenschwerpunkt, der von ihm gesetzt worden war, nämlich der Glöckel ́ sche Bildungs- und Schulpolitik, gegen die er heftig polemisierte. Er sprach in diesem Zusammenhang von anarchischen Zuständen an Wiens Schulen und einer allgemeinen Vernachlässigung der Bildungsaufgaben421 und verwies dabei auf die von der Wiener Stadtregierung forcierte Zurückdrängung der christlichen Elemente im Unterricht (vor allem das Morgengebet, aber auch das Aufhängen von christlichen Symbolen). Gleichzeitig vermied er es jedoch an dieser Stelle seiner Rede eine inhaltliche Totalopposition zum Ausdruck zu bringen und bekräftigte das grundsätzliche Bekenntnis seiner Partei sich an einer Reform des Wiener Schulwesens aktiv zu beteiligen. Der von Glöckel vorangetriebene Ausbau des Aufklärungsunterrichts in den Schulen scheint ihn auch als Person wirklich in Rage gebracht zu haben. Mit Bezug auf die verwendeten Materialien meinte er dazu: „Ich darf jetzt hier kurz noch auf eine zweite Erscheinung hinweisen. Das ist das Umsichgreifen einer Literatur, die als das Niedrigste bezeichnen werden muss … es auch unter den Literaten Schmutzfinken gibt und dass es unter den Literaten auch Leute gibt, die den Saustall mit dem Studierzimmer verwechseln …“422 Dann erklärte auch noch dazu: „Was uns mit Besorgnis erfüllen muss, ist der Umstand, dass solches Gelichter über den Rahmen des Bordells und der Herrenabende hinaus sich Geltung zu verschaffen vermag. Und was uns mit Entrüstung erfüllen muss ist, dass die Behörden selbst dann, wenn sie … auf die Gefahren einer solchen Literatur aufmerksam gemacht werden, nicht gegen die Schweineliteraten, sondern gegen die Jugend auftreten … Wir sehen also in Wien, wie sich hier auf dem Gebiete des Sittenlebens der Bewohner unserer Stadt…ein Unglück …erweist!“423
Was Lehrerpostenbesetzungen betraf gab der Wiener Landesvorsitzende unumwunden zu von Zeit zu Zeit mit der SDAP und Glöckel Kompromisse schließen zu müssen. „Und dann müssen wir uns halt hinsetzen und miteinander beraten, wie wir möglichst viel herausbringen und dann muss zunächst mein Freund Rummelhardt anfangen rechtzeitig zu packeln und von langer Hand her mit dem Glöckel, mit dem Speiser zu reden. Und während der Verhandlungen sollen wir den Herrn Glöckel im Stadtschulrate abohrfeigen und im Gemeinderate den Herrn Speiser? Halten Sie das für möglich, ich glaube das geht nicht!“427
Übrigens, Otto Glöckel war u.v.a.m. bereits dafür, die Gesamtschule einzuführen. Glöckel war eben kein christlichsozialer Parteipolitiker … Markus Benesch gibt in seiner Dissertation zwar an, daß Otto Glöckel bis 1934 Stadtschulratspräsident war, aber er verrät nicht mehr, was ihm 1934 geschah; Otto Glöckel wurde 1934 im christlichsozialen Anhaltelager Wöllersdorf inhaftiert … und verstarb im Jahr darauf.
Auch nur nebenher: 1897 verlor Otto Glöckel, der sich gegen die „Diskriminierung von sozialdemokratischen Junglehrern“ einsetzte, wegen seiner Weltanschauung seine Arbeit; er wurde von Karl Lueger aus dem Schuldienst entlassen …
Was sind seit dem die Veränderungen?
Denken Sie dabei auch an die Medienarbeit. Wie Sie zurzeit praktiziert wird. Das Damalige, einfach wie kurz gesagt, als Anleitung:
Beim Thema Medienarbeit wurde erneut deutlich wie gespannt das Verhältnis der Christlichsozialen Partei zu den freien Printmedien war. Die Bezirkspartei Alsergrund ging dabei am Weitesten und forderte in einem eigens eingebrachten Antrag eine Revision des 523 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.48 524 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.54 525 Protokoll Parteitag 1926, erster Tag, S.54 225 Pressegesetzes durch die die Konfiszierung von Medien vereinfacht werden sollte. […] „Wir haben Blätter, die uns wertvolle, außerordentlich dankenswerte Dienste leisten, die aber bei jeder Gelegenheit bereit sind zuzugeben, dass sie keine Parteiblätter sind … Was eine grosse Partei braucht sind ist eine Presse, die nichts anderes kennt und tut, als die Ziele der Partei zu verfolgen.
Es ließen sich – wer die Muße dafür hat, möge dies tun – wohl noch weitere Beispiele aus der Geschichte der christlichsozialen Partei, wie sie Markus Benesch in seiner Dissertation niederlegte, ziehen, für die Beantwortung der zentralen Frage, was sind seit dem über den Wechsel der Farbe hinaus Veränderungen …
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