Zusatztafel beschmiert

Die Zusatztafel zum Denkmal des umstrittenen ehemaligen Wiener Bürgermeisters Dr. Karl Lueger wurde beschmiert.

Im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste rund um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd haben Demonstranten in Großbritannien und in den USA Statuen von Sklaventreibern und ­Kolonialisten beschmiert und gestürzt.

Auch in Wien wurde die Statue des umstrittenen ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger verunstaltet. War beim ersten Mal die Farbe Rosa im Spiel und Teil der Protest-Aktion, so wurde das Denkmal in der Nacht auf Freitag mit roter Farbe beschmiert. Und in der Nacht auf Montag wurde zudem die Zusatztafel von Oliver Rathkolb beschmiert. Und eine Botschaft hinterlassen: „Schade“. Die Zusatztafel wurde derart beschmiert, daß der Name des Bildhauers, der das Karl-Lueger-Denkmal gestaltete, nicht mehr leicht zu entziffern ist.

Es kann nur vermutet werden, ob die Tafel eigentlich mit „Schande“ verunstaltet werden wollte, aber aufgrund einer Rechtschreibschwäche daraus ein „Schade“ wurde.

Beinahe wäre die tatverdächtige Person erwischt worden. Zwei Passanten mit Zivilcourage verfolgten die tatverdächtige Person bis in die Johannesgasse, in der sie ihre Spur verloren. Ihre zwei Verfolger meinten gesehen zu haben, daß die tatverdächtige Person in den Ginzkeyhof flüchtete. Sie haben diesen wichtigen Hinweis sofort der Polizei gemeldet. Die Polizei zögerte keine Sekunde, mit dem Durchkämmen des Ginzkeyhofes zu beginnen, die gesamte Johannesgasse abzuriegeln.

Bis zur Stunde ist nicht bekannt, ob die tatverdächtige Person in einer der Gemeindebauwohnungen aufgegriffen werden konnte.

PS Oliver Rathkolb ist ein österreichischer Neuzeithistoriker an der Universität Wien.

„Der blonde Neger“ in „Giovannis Zimmer“

Nun ist in diesem Jahr in einer Neuübersetzung der Roman „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin erschienen.

In den Buchbesprechungen wird stets nur davon geschrieben, Baldwin beschreibe die Liebe zwischen „zwei weißen Männern“. Freilich die dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG aus München läßt bereits mit ihrem Klappentext

„Baldwin brach mit ‚Giovannis Zimmer‘ 1956 gleich zwei eherne Tabus: Als schwarzer Schriftsteller schrieb er über die Liebe zwischen zwei Männern, zwei weißen Männern.“

keine andere Deutung in Rezensionen zu, als eben die, Baldwin beschreibe „zwei weiße Männer“ …

Giovanni ist ein Italiener. Was von ihm erzählt wird, auch von seiner Zeit in Italien, verleitet nicht dazu, über seine Hautfarbe zu spekulieren. Die Haut wird „weiß“ sein, so „weiß“ die Haut des „weißen Mannes“ eben „weiß“ ist.

David ist ein Amerikaner. David ist der zweite „weiße Mann“. Jedenfalls nach dem Klappentext und nach den diesem darein folgenden Buchbesprechungen.

Und was im Roman deutet denn darauf hin, daß er, David, tatsächlich ein „weißer Mann“ ist?

„My blond hair gleams.“

„Meine blonden Haare glänzen.“ Von seinem blond glänzenden Haar ist bereits im ersten Absatz auf der ersten Seite des Romans zu lesen. Und wessen Haar „blond glänzt“, kann, auch 2020, nach wie vor nur ein „weißer Mann“ sein.

Vielleicht muß er gar kein „weißer Mann“ sein. Nur weil sein Haar „blond glänzt“, muß er nicht zwingend ein „weißer Mann sein“.

Bereits 1923 schrieb Joseph Roth für die „Neue Berliner Zeitung“: „Der blonde Neger Guilleaume“.

„Guilleaume“ wird der „blonde Neger“ von Joseph Roth genannt und „Guillaume“ nennt James Baldwin seine Figur, die neben David mit seinem blond glänzenden Haar, Giovanni, Hella und Jacques eine sehr wesentliche Person in diesem Roman ist, und vielleicht, wenn an ihr Schicksal in diesem Roman gedacht wird …

Tatsächlich aber muß eingestanden werden, es ist nicht wirklich von Interesse, welche Hautfarben die Menschen im Roman von James Baldwin haben. Ein jeder Mensch, der diesen Roman liest, und dabei ein wenig unaufmerksam ist, und etwa „blond“ überliest, ist ein glücklicher Mensch zu nennen. Denn er entgeht der Falle, darüber, auch darüber noch nachzudenken, ob die Hautfarben der Figuren eine Bewandtnis haben, oder diese keine haben. Er erspart sich das Geschwefel über … auch von einem seit Kurzem einen Minister gebenden Mann in Österreich …

Wenn aber an das Geschwefel über Hautfarben gedacht wird, dieses nach wie vor gesellschaftsfähige und nach wie vor recht hoch wählbare Geschwefel, auch in Österreich, muß einfach der gesamte Text von Joseph Roth zitiert werden, den er vor bald einhundert Jahren in einer Zeitung veröffentlichte, und was ihm, Roth, damals zu Hitler einfiel, kann bald einhundert Jahre später zu vielen einfallen, kurz gesagt:

„Und nach einer Viertelstunde sah ich, daß dieser Neger nicht nur weit mehr wußte als Hitler aus dem Negerstamm der Oberösterreicher […]“

Kurz ist die Zeit, die gebraucht wird, um den gesamten Text von Joseph Roth zu lesen, darum soll dieser auch in seiner Gesamtheit hier wiedergegeben werden. Wie wird doch behauptet, der Mensch sei das Lebewesen der Geschwindigkeit. Nun, was das anbelangt, bis zum Wissen von Roth zu gelangen, das er vor bald einhundert Jahren bereits hatte, ist der „weiße Neger“, wo immer er wohnt, ob in München oder in Mittelberg, langsamer als eine Schnecke, die noch dazu körperlich beeinträchtigt ist, genügend Schleim abzusondern, um ihre Geschwindigkeit im gesunden Zustand zu erreichen.

Der blonde Neger Guilleaume

Jenen blonden Neger, den Widerspruch seiner selbst, das lebendige Dementi der schwarzen Schmach, den deutlichen Neger mit den blauen Augen, kurz eine Dinter-Gestalt, sprach ich auf der Fahrt von Wiesbaden nach Koblenz. Es saßen viele gute Burger im Zug, und in der Ecke am Fenster saß der Neger. Sagte ich Neger? Der Mann hatte aufgeworfene Lippen, schöne weiße Zähne, starke Backenknochen, aber veilchenblaue Augen und blondes gekrauseltes Haar. Alle im Coupé sahen auf den Neger. Er trug die französische Uniform und las ein Buch. Es war ein deutsches Buch. Schließlich konnte ein dicker Herr, ein Allerweltskerl, ein Reisender, hilfreicher Mann, der jedem mit ungewünschtem Rat beiseite stand und das Kursbuch auswendig kannte, seine Neugier nicht bezähmen. Er neigte sich liebevoll zu dem blonden Neger hinüber und fragte: »Was lesen Sie für ein Buch?« Der Neger sagte: »Von Sven Elvestad, ein gewöhnlicher Kriminalroman.« Also seine Überlegenheit dem Frager gegenüber erweisend, welcher keine Ahnung hatte von Sven Elvestad und dem nach der ganzen Konstruktion anzusehen war, daß er Kriminalromane nicht gewöhnlich finden konnte.

Nun war eine Verbindung hergestellt, und der Neger begann zu sprechen. Er sprach deutsch. Ein fließendes Deutsch mit einer tiefen, klangvollen, angenehmen Stimme. Vier Monate war er schon in Europa. Er kannte große deutsche Städte wie Köln, Frankfurt am Main, Hannover, Koblenz, Düsseldorf. Er fühlte sich sehr wohl in Deutschland. Man wunderte sich allgemein über das blonde Haar. Als er für einen Augenblick hinausging, sagte der dicke Allerweltsherr zu seinem Nachbarn: »Fragen Sie ihn doch, warum er blond ist. « Aber als der Neger wieder da war, fragte ihn niemand.

Wir stiegen zusammen in Koblenz aus. Das Coupé hatte er mit einem freundlichen süddeutschen Gruß verlassen. Er sagte: »Grüß Gott.« Ein Grüßsigott-Neger. Eine herrliche Mischung, fast rein arisch. In Koblenz am Bahnhof erregte er Aufsehen. Er war groß, breitschultrig, hochhüftig, ein prachtvoller Mensch. Vor dem Gepäckschalter warteten wir beisammen eine Weile. Er mußte einen schweren Koffer abgeben. Ich ließ ihm den Vortritt. Er lehnte ab. Wir stritten fünf Minuten darum, wer von uns beiden den Koffer abgeben sollte. Es wuchs sich langsam zu einer schwarzen Schmach heraus. Schließlich kamen wir in ein vertrautes Gespräch, und der blonde Neger erzählte: Er heißt Guilleaume. Er heißt nicht nur Guilleaume, er heißt auch Thiele. Er heißt also Wilhelm Thiele und ist ein Sergeant und gehört der Okkupationsarmee an und ist sozusagen ein Feind Deutschlands.

Ein Neger und blond und blauäugig, aus lauter Gegensätzen zusammengesetzt. Ein politisches, ein ethnologisches Paradox. Sein Vater war ein Fremdenlegionär, seine Mutter eine Schwarze. Vom Vater hat er also das blonde Haar, seine Muttersprache ist Deutsch. Seine Mutter lebte eine Zeitlang in München und war Stenotypistin in einem großen Bankgeschäft. Er blieb indessen bei seinen Großeltern. Er ist nicht nur ein Deutscher, er ist ein Süddeutscher. Gelegentlich sagt er »nit«. Wie es ihm zumute ist in Deutschland, als »Feind«, fragte ich ihn. Er habe sich sehr gefreut, sagte er, als er nach Deutschland kam. Unter seinen Kameraden halte er Vorträge. Er lese ihnen manchmal aus Goethe vor. Sein Lieblingsdichter ist Lenau. Und nach einer Viertelstunde sah ich, daß dieser Neger nicht nur weit mehr wußte als Hitler aus dem Negerstamm der Oberösterreicher, sondern sogar, daß er eine intuitiv tiefere Verbundenheit mit dem deutschen Wesen besaß als zum Beispiel ein Professor von Freytagh-Loringhoven oder Rothe; daß dieser Neger Guilleaume in der Reinheit seiner Seele weit über der angeblichen Rassereinheit Dinters stand und daß er der blauen Augen und der blonden Haare gar nicht bedurft hatte, um ein Deutscher zu sein. Er wohnte in einem kleinen Bauernhaus in der Nähe von Koblenz, und ich war bei ihm am Nachmittag. Er spielte Geige. Dabei sah ich, daß er schlank war und große Hände und Finger hatte. Ich sah das Bild seines Vaters, eines Mannes mit blondem aufgezwirbeltem Schnurrbart. Dieser Mann war in Frankreichs Diensten gestorben. Und dann sah ich das Bild eines jungen Mädchens aus München, die die Braut des Negers werden soll. Nachher, natürlich, wenn alles zu Ende ist. Ich fürchte, es wird noch lange nicht alles zu Ende sein, zumindest nicht in München, wo die weißen Neger wohnen und wo man bestimmt nicht die Braut eines französischen blonden deutschen Schwarzen sein darf, ohne von Hakenkreuzlern gepeinigt zu werden.
Joseph Roth, Neue Berliner Zeitung –
12-Uhr-Blatt, 28. 12. 1923

Tu Karl Austria

Eine Frau, eine trübe Erinnerung daran, hat vor Jahrzehnten eine gewichtige Rolle an der Seite eines Kanzlers für einen Kanzler in Österreich gespielt, verbreitet auf der Plattform des Unternehmens Twitter ein Bild „3 Kanzler auf 1 Bild“, im Juni ’20 …

Dabei kann schon mal Nostalgie aufkommen.

Drei Kanzler auf einem Bild, die für österreichische Tradition stehen, auf mannigfache Weise tu karl austria verkörpern.

Es soll von diesen österreichischen Werten nur einer herausgegriffen werden, weil von diesem in den letzten Wochen auch wieder gar viel zu hören und zu lesen war.

Es ist die Tradition des großzügig geführten Wertekampfes gegen den Antisemitismus.

Auf dem Bild der Frau an der Wand Leopold Figl, der die gesamte harte Zeit über in seiner Wohnung auf der Landstraße ausharrte, und an den der dritte Kanzler vor seinem Wandbild erst vor kurzem dankbar erinnerte …

Leopold Figl, der erste Wandbildkanzler, entschieden großzügig gegen den Antisemitismus …

Wolfgang Schüssel, der zweite Kanzler vor dem ersten Wandbildkanzler, mit ihm kann nicht nur sein Geburtstag 75 Jahre gefeiert werden, sondern auch 20 Jahre Regierungsunfähigkeit und Regierungsunwürdigkeit der identitären Parlamentspartei.

Wolfgang Schüssel, auch er entschieden großzügig gegen den Antisemitismus … Und wie sehr, das macht ebenfalls ein Bild mehr als deutlich. Der zweite Kanzler mit dem Mann mit seinem „gewissen Kreis von der Ostküste“ und dessen Hang, wie hypogut bekannt ist, zur ordentlichen Wirtschaftspolitik in einem Porsche, der einst der Wagen des Volkes hätte werden sollen, auf ihrem Weg entschieden großzügig gegen Antisemitismus …

Sebastian Kurz, der dritte Kanzler vor dem ersten Wandbildkanzler, auch er entschieden großzügig gegen den Antisemitismus … Von einem gemeinsamen ins Feld ziehen in einem Porsche ist nichts in Erinnerung. Vielleicht verbrachten sie aber stattdessen miteinander feingeistige Abende, zu denen sein Vizekanzler die Lektüre mitbrachte aus der reichhaltigen Bibliothek seiner Partei, von Freyenwald über Ginzkey bis Verbelen, Weinheber …

Vielleicht haben sie auch ab und an gemeinsame Nachtspaziergänge durch die Wiener Innenstadt gemacht, der dritte Kanzler und sein Vizekanzler, wie könnte dabei der dritte Kanzler seinen Vizekanzler mit Bewunderung angesehen haben, der plötzlich vor dem Ginzkeyhof in der Johannesgasse ein Gedicht von dem „neuromantischen Lyriker“ aus dem Gemeindebau vortrug, oder einen Körner, einen Goethe … vielleicht begleitet von dem für kurz gewesenen Innenminister, der in den Kanon mit einem Hölderlin …

Wenn einst alle drei Kanzler als Wandbilder auf einem Bild zu sehen sein werden, wer wird vor ihnen stehen? Möglicherweise ein Bundespräsident, der mit zwei Kanzlern sehr viel zu tun hatte, seine Verantwortung für den dritten Kanzler …

Zum Geburtstag 75 Jahre wurde aufgetischt: Tafelspitz und Palatschinken mit Marillenmarmelade. Persönlich servierte der Präsident dem Geburtstagskind zu Ehren noch eine zweite Nachspeise, nämlich die Restitutionsgesetz mit Aussöhnung

Vorerst nur das Bild mit drei Kanzlern und das Bild mit einem Kanzler und einem Bundespräsidenten.

Vielleicht aber gibt es einmal ein Foto mit Wandbildern von drei Kanzlern und einem ehemaligen Bundespräsidenten davor auf einem Bild, und was wird er sich beim Anblick der Wandbilder denken können, wie nostalgisch wird dann seine Nostalgie ausfallen können, vor allem über seine eigene Zeit zwischen dem zweiten Kanzler und dem dritten mit dem kunschakschen Herzen …

Herr K spricht zu Frau A, über Attraktivität

Herr K macht einen Spaziergang. Und kommt dabei vom Weg ab. Er klopft an eine Tür, um nach dem Weg zurück zu fragen.

Frau A bitten ihn sogleich herein in die gar gute Stube.

In kurzen Sprechpausen sind Satzfetzen, einzelne Wörter

Schöne … Furchtbar … Wunderbare … Fruchtbar … Der Natur so nah … Menschlich … Rot im Kalender … Das Allerschönste … Nur recht und billig … Das Schönste aber unter so viel Schönem … Gar ganz wie eine Firma … Unternehmerin auf Augenhöhe

aus dem Radio deutlicher zu hören. In manchen Pausen auch nur ein paar Takte „Aus der schönen neuen Welt“. Es klingt nach einem Hörspiel.

Frau A: Ich arbeite regelmäßig in der Ernte. Eine harte Arbeit.

Herr K: Es muß attraktiv sein, arbeiten zu gehen —

Frau A: Ich erlebe Überraschungen.

Herr K: Ja, weil wir im internationalen Vergleich teilweise ein höheres Arbeitslosengeld haben als viele andere Staaten.

Frau A: Überraschungen. Wir schlafen zu zehnt in einem völlig desolaten Haus. Für mich ist es einfach, einfach —

Herr K: Wir haben ja auch in der Arbeitslosigkeit viele Menschen —

Frau A: Es gibt Schimmel, Kakerlaken.

Frau A geht auf Herrn K zu.

Frau A: Das Fenster läßt sich nicht richtig schließen.

Herr K tritt ausweichend zurück.

Frau A: Wir haben kaum Pausen. Wie Sklaven werden wir behandelt. Das Verhalten der Auftraggeberin ist einfach unmenschlich.

Herr K: Wo es wichtig ist einfach, daß es nach wie vor.

Frau A: Seit dem April keinen Tag frei. Und die mit 14 Arbeitsstunden.

Herr K: Attraktiv ist, auch arbeiten zu gehen. Gerade auch, Sie wissen, es gibt viele Bereiche, wo es trotz hoher Arbeitslosigkeit schwierig ist, Arbeitskräfte zu finden, von den Erntehelfern bis —

Frau A: Und der Lohn – weniger als ausgemacht. Für das Quartier das Doppelte zu zahlen, als ein Kollektivvertrag es erlaubt.

Herr K tritt über die Schwelle.

Frau A: Eine nicht näher definierte Pönale zahlen.

Wieder auf dem Pfad zwischen den Feldern fällt Herrn K nicht ein, nach dem Weg gefragt zu haben.

„Seit Montag sind glockerte CoV-Regelungen in Kraft.“

Sebastian Kurz: „Also, Herr Wolf, Sie reden von sehr fiktiven Fällen. Das Arbeitslosengeld in Österreich ist 55 Prozent des Einkommens, das man davor hatte. Sie werden nicht viele Menschen finden, die da jetzt wesentlich mehr Arbeitslosengeld haben, als jemand der arbeiten geht, und das ist auch gut so. Es muss attraktiv sein, arbeiten zu gehen.“

Am 15. Juni ’20 in der Nachrichtensendung im österreichischen Fernsehen nach 22.00 Uhr.

Ein zweites Mal in diesem Interview betont der zurzeitige Bundeskanzler in Österreich, es müsse attraktiv sein, arbeiten zu gehen. Also, es ist ihm der Prozentsatz schon einmal untergekommen.

Sie erinnern sich, ein paar Minuten zuvor in diesem Interview sagt der zurzeitige Bundeskanzler, in Österreich im internationalen Vergleich ein höheres Arbeitslosengeld. Er scheint Tabellen verkehrt herum gelernt zu haben, was unten ist, ist höher, und was höher ist, ist tiefer …

Sie werden sich vielleicht wundern, weshalb gerade diese Überschrift für dieses Kapitel gewählt wurde. Diese scheint passend. Ein Dank an den österreichischen Rundfunk für diesen Tippfehler in der Einleitung zum Interview von Sebastian Kurz: „Glock…“

PS Sebastian Kurz bestätigt mit diesem Interview auch den seit Kurzem im Amt seienden Bildungsminister, daß es im Sommer nur eine Nachhilfe im Unterrichtsfach „Deutsch“ zu geben brauche. Denn in allen anderen Fächern, wie Rechnen, Logik , sind Menschen in Österreich bestens ausgebildet, wie Sebastian Kurz stellvertretend eindrucksvoll belegt. Durch seine Kompetenz, etwa beeindruckende Schlüsse in bezug auf Steuersenkung ziehen zu können …

Sebastian Kurz: „Es wird Ihnen jeder Experte sagen, daß die Arbeit in Österreich relativ hoch besteuert ist. Ist eine Frage der Gerechtigkeit, daß Menschen, die hart arbeiten, kleine Einkommen haben, daß denen netto etwas mehr überbleibt als bisher, darum freue ich mich, daß wir diese Senkung der untersten Einkommensstufe jetzt schon vorziehen. Wir wollen auch diejenigen entlasten, die arbeiten gehen, aber so wenig verdienen, daß sie gar keine Steuern zahlen, daher auch diese Negativsteuer von 100,00 Euro. Na ja, weil, Herr Wolf, eine Steuersenkung an sich hat, daß es zu einer Senkung der Steuer für die Menschen kommt, die auch Steuern zahlen. Wir können natürlich darüber diskutieren, ob wir nicht jedem Menschen noch mehr direkt an Subvention zukommen lassen sollte. Und wir sind ein Land, in dem arbeitende Menschen sehr sehr hohe Steuern bezahlen, wir sind ein Land, in dem ganz viele Menschen, ob das Tischler sind, Supermarktkassiererinnen, Automechaniker, Beamtinnen und Beamte, sehr sehr hart arbeiten dafür, daß sie nicht nur ein Einkommen haben, sondern auch die Allgemeinheiten mit ihrer Steuerlast finanzieren.“

„Unternehmen Ernte“

Armin Wolf: „Alle Parteien, außer der ÖVP, fordern, das Arbeitslosengeld erhöhen sollte. Das machen Sie nicht. Stattdessen bekommen die Arbeitslosen im September eine einmalige Zahlung von 450,00 Euro, wenn sie im Sommer auch arbeitslos sind. Warum diese einmalige Zahlung und nicht die Erhöhung des Arbeitslosengeldes?“

Sebastian Kurz: „Ja, weil wir im internationalen Vergleich teilweise ein höheres Arbeitslosengeld haben als viele andere Staaten. Wir haben ja auch in der Arbeitslosigkeit viele Menschen aus anderen europäischen Ländern und aus Drittstaaten, wo es wichtig ist einfach, daß es nach wie vor attraktiv ist, auch arbeiten zu gehen. Gerade auch in niederqualifizierten Bereichen. Sie wissen, es gibt viele Bereiche, wo es trotz hoher Arbeitslosigkeit schwierig ist, Arbeitskräfte zu finden, von den Erntehelfern bis zu […]“

Sebastian Kurz am Montag, 15. Juni ’20, im Interview in der Nachrichtensendung im österreichischen Fernsehen.

Die Nachrichtensendung am Dienstag, 16. Juni ’20, zeigt dazu die Bilder. Diese Bilder machen deutlich, was Sebastian Kurz darunter versteht, es müsse nach wie vor „attraktiv“ sein, arbeiten zu gehen.

Zu so einer seiner attraktiven Arbeitswelt, wie diese „Erntehelfern“ bereits zu ihrem Arbeitsglück und wohl zum Neid von sehr vielen Menschen in Österreich, die noch nicht in diese seine attraktive Arbeitswelt aufgenommen sind, verwirklicht ist, möchte der zurzeitige Bundeskanzler mit seinem mehr als christlichem Herzen, das Lob ist nicht zu gering, mit seinem kunschakschen Herzen allen Menschen, die noch außerhalb dieser seiner attraktiven Arbeitswelt ihr Leben kümmerlich fristen müssen, den Zugang öffnen.

Mit Sehnsucht erwarten sich so viele Menschen in Österreich, von Sebastian Kurz eingelassen zu werden in seine attraktive Arbeitswelt, um endlich auch von ihrem glücklichen Arbeitsleben in der kurzschen attraktiven Arbeitswelt erzählen zu dürfen, wie die Frau in der Nachrichtensendung am 16. Juni ’20:

„Frau A. arbeitet regelmäßig in der Ernte. Harte Arbeit, das weiß sie. Erlebt sie eine böse Überraschung. Schlafen soll sie mit zehn anderen in einem völlig desolaten Haus. ‚Für mich war es furchtbar, einfach furchtbar, es gab Schimmel, Kakerlaken, das Fenster ließ sich nicht richtig schließen.‘ Auch die Arbeit sei härter gewesen als sonst. ‚Für mich war das Allerschlimmste, daß wir kaum Pausen hatten. Ich fand, daß wir wie Sklaven behandelt wurden. Das Verhalten der Auftraggeberin war einfach unmenschlich.‘ Seit Ende April habe sie keinen Tag freigehabt. In ihren Zeitaufzeichnungen notiert sie mitunter 14-Stunden-Tage. Am Ende soll ihr weniger Lohn bleiben als ausgemacht. Für das Quartier seien 150,00 Euro abgezogen worden, doppelt so viel wie laut Kollektivvertrag erlaubt. Außerdem 100,00 einer nicht näher definierten Pönale.“

Von Erntehelferinnen wird gewußt, wie es ihnen in vielen europäischen Ländern ergeht, zu oft bereits in einer noch „attraktiveren“ Arbeitswelt sich glücklich schätzen dürfen, ihr Arbeitsleben zu verbringen. Wenn also Sebastian Kurz betont, er möchte Österreich an die Weltspitze führen, kann spätestens jetzt verstanden werden, zu welcher Weltspitze er Österreich führen möchte, zum attraktivsten Arbeitsland der Welt nach kurzschem Maß …

Es kann nur vermutet werden, daß es für diesen Plan auch einen Decknamen gibt, ungewöhnlich wäre das nicht, Pläne werden, seit es Pläne gibt, recht gern mit Codes versehen. Gesinnungsgemäß erschiene für diesen kurzschen ein Code „Unternehmen Ernte“ recht treffend …

„Unter dem Siegel geistlicher Amtsverschwiegenheit“

Es hat etwas von Tollkühnheit, daß ein Journalist dem Präsidenten zugesteht, mehr, einen sogenannten Persilschein ausstellt, er, der Vorsitzende, habe „mit der Ablehnung des Ibiza-Videos leider recht“ …

Nach einer genauen Lektüre von „Rechtliche Einschätzung – Zur Frage der Vorlage des ‚Ibiza-Videos‘ durch einen Rechtsanwalt“ hätte der Journalist durchaus die Frage stellen können. Warum hat der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses sich nicht anders entschieden? Also für die Annahme des „Ibiza-Videos“. Auch das gibt die „Rechtliche Einschätzung“ selbst bereits her, auf die sich der Vorsitzende als Basis für seine Ablehnung der Annahme des „Ibiza-Videos“ bezieht.

„Zu erwähnen ist, dass im Ausland ansässige Personen ersucht werden können, sich dem UsA freiwillig als Auskunftsperson zur Verfügung zu stellen.“

„Die Annahme von Beweismittel von Dritten wird hingegen in der VO-UA nicht erwähnt (auch nicht in den Erläuterungen bzw. Ausschussberichten), sie ist aber auch nicht explizit ausgeschlossen.“

„Ein formelles Verfahren für die Vorlage von Beweismittel von Dritten fehlt. Die Vorlage von Beweismitteln wird jedenfalls beim Vorsitzenden zu erfolgen haben, der den UsA gemäß § 6 Abs. 1 VO-UA nach außen vertritt.“

„Gemäß § 23 VO-UA kann als Beweismittel grundsätzlich ‚alles verwendet werden, was geeignet ist, der Untersuchung im Rahmen des Untersuchungsgegenstands zu dienen‘.“

„Abgesehen davon bleibt die Vorlage verbotener Beweismittel für den Vorsitzenden, die Funktionärinnen/Funktionäre und Mitglieder eines UsA folgenlos.“

Es hätte also der Vorsitzende auf Grundlage seiner eigenen Einholung einer rechtlichen Einschätzung anders entscheiden, vorgehen können, den Rechtsanwalt als „Auskunftsperson“ … Die Tollkühnheit der Persilscheinausfertigung des Journalisten ist aber, muß zugegeben werden, eine Nebensache, ebenso eine Nebensache ist die Entscheidung des Vorsitzenden …

Weshalb diese „rechtliche Einschätzung“ überhaupt Interesse wecken konnte, ist folgende Passage in dieser:

„Ein weiteres Beweismittelverbot (Beweisaufnahmeverbot) ergibt sich aus der Unzulässigkeit der Befragung bestimmter Personen als Auskunftsperson gemäß § 34 VO-UA. Das ist das
Verbot der Befragung von […] unfähig sind, die Wahrheit anzugeben‘, sowie von „Geistliche[n] in Ansehung dessen, was ihnen in der Beichte oder sonst unter dem Siegel geistlicher Amtsverschwiegenheit anvertraut wurde‘.“

Es gibt tatsächlich in Österreich nach wie vor diesen Paragraphen:

§ 155 StPO – Strafprozeßordnung 1975

(1) Als Zeugen dürfen bei sonstiger Nichtigkeit nicht vernommen werden:

1. Geistliche über das, was ihnen in der Beichte oder sonst unter dem Siegel geistlicher Amtsverschwiegenheit anvertraut wurde,

2. Beamte (§ 74 Abs. 1 Z 4 bis 4c StGB) über Umstände, die der Amtsverschwiegenheit unterliegen, soweit sie nicht von der Verschwiegenheitspflicht entbunden wurden,

3. Personen, denen Zugang zu klassifizierten Informationen des Nationalrates oder des Bundesrates gewährt wurde, soweit sie gemäß § 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Informationsordnung des Nationalrates und des Bundesrates, BGBl. I Nr. 102/2014, zur Verschwiegenheit verpflichtet sind,

4. Personen, die wegen einer psychischen Krankheit, wegen einer vergleichbaren Beeinträchtigung ihrer Entscheidungsfähigkeit oder aus einem anderen Grund unfähig sind, die Wahrheit anzugeben.

(2) Eine Verpflichtung zur Verschwiegenheit nach Abs. 1 Z 2 besteht jedenfalls nicht, soweit der Zeuge im Dienste der Strafrechtspflege Wahrnehmungen zum Gegenstand des Verfahrens gemacht hat oder Anzeigepflicht (§ 78) besteht.

„Unter dem Siegel geistlicher Amtsverschwiegenheit“!

„Unter dem Siegel geistlicher Amtsverschwiegenheit“?

Was für seltsame Gesetze vor 45 Jahren in Österreich beschlossen wurden, zu einer Zeit also, von der erzählt wird, es sei die Zeit des Aufbruchs in die Moderne gewesen, in Österreich … Ein weiterer Zeuge für die Moderne in Österreich, der Paragraph 188 StGB …

Es wird jetzt viel davon gesprochen, die Amtsverschwiegenheit werde oder solle abgeschafft werden, in Österreich. Ob die „geistliche Amtsverschwiegenheit“ fallen werde? Wer Geld verlieren will, kann darauf wetten, daß die „geistliche Amtsverschwiegenheit“ auch abgeschafft werde …

Dabei, wie viel könnte erfahren werden, wenn es die „geistliche Amtsverschwiegenheit“ nicht mehr geben würde, ein Priester zum Beispiel auch über einen oft in der Öffentlichkeit Herumstehenden mit geistig gefalteten Händen, wenn also dieser „Geistliche“ von seiner „geistlichen Amtsverschwiegenheit“ entbunden wäre, was könnte dieser alles lang und breit berichten, aus dem Gedächtnis, ganz ohne Videoaufnahme, über …

Virusgewinnlerei

Ob Alois Gauper, „Autor aus Hietzing“, seinen Beitrag „Corona – Alles ein Schwindel? 60 % von Natur aus resistent WHO Studie“ auf „meinbezirk.at“ an diesem Sonntag, 14. Juni ’20, zuerst auf der Website „Unzensuriert“ unter der Überschrift „Coronavirus Der nächste Schlag für Kanzler Kurz: 60 Prozent von Natur aus resistent gegen Coronavirus“ veröffentlichte, das die Uhrzeiten der Hochladungen auf „Unzensuriert“ und auf „meinbezirk.at“ vermuten lassen können, ist vollkommen unerheblich, gleichgültig auch, ob Alois Gauper tatsächlich der „Autor“ auch von „Unzensuriert“ oder ein Weiterverbreiter respektive Wiederverwerter, ein Abschreiber, der verschämt seine Quelle verschweigt, von „Unzensuriert“ ist, und auf „meinbezirk.at“ so tut, als ob er der Schreiber …

Was lösen ein Rentner und eine Hautärztin aus? Einen Corona-Fehlalarm.

Einen Unterschied gibt es dabei. Auf „meinbezirk.at“ peppt Alois Gauper „seinen Beitrag“ mit der Werbung für ein Buch von Karina Reiß und Sucharit Bhakdi auf.

Mit dem Titel ihres Buches erklärt sich auch die Witzfrage: Was lösen ein Rentner und eine Hautärztin aus? „Corona-Fehlalarm“ …

Zum Rentner muß nichts mehr gesagt werden. Einen Unterschied zwischen „Unzensuriert“ und Alois Gauper, dem „Autor“ von meinbezirk.at, die Autorinnen von „meinbezirk.at“ scheinen durch die besondere Bezeichnung „Regionauten“ geadelt zu sein, gibt es allerdings nicht, was die Anerkennung des Rentners als höchste wissenschaftliche Kapazität …

Das Buch „Corona Fehlalarm?“ aus dem Goldegg-Verlag … es wäre wohl nicht verkaufsförderlich, stünde bei dem Autor, er sei lange schon Rentner, und wohl auch nicht umsatzsteigernd, stünde bei der Autorin, sie arbeite in der „Universitäts-Hautklinik Kiel“ … Gewinnsteigernd hingegen wohl der Hinweis des Goldegg-Verlags, ihre fachliche Qualifikation sei durch über 60 Veröffentlichungen …

Die Liste der Veröffentlichungen der Hautärztin auf der Website der Hautklinik offenbart, daß sie der Liste zufolge seit 2016 nichts mehr veröffentlicht hat. Seit 2016 nichts mehr. Und für 2016 ist in der Liste nicht angeführt, ihr gemeinsames Buch „Schreckgespenst Infektionen Mythen, Wahn und Wirklichkeit“ mit dem Rentner, ebenfalls im Goldegg-Verlag …

Erstaunlich, diese Veröffentlichung nicht in ihrer Publikationsliste angeführt zu finden, eine Publikation in einem derart renommierten Verlag, in dem sogar eine der höchst angesehene Wissenschaftlerin wie Gerade Rogers publiziert …

PS Sie werden vielleicht meinen wollen, dieses Kapitel sei eines zum Coronavirus, zu Covid-19, zu Infektionen. In keiner Weise ist es ein Kapitel zu Krankheit, Gesundheit, zum Umgang damit. Sondern zu dieser allerorten festzustellenden Virusgewinnlerei …

Wohnen im Wiener Herzen

Das Herzstück von Wien, so wird es jedenfalls bezeichnet, ist die Innenstadt, der erste Bezirk.

Im Herzen von Wien das Gedenken an Egon Caesar Conte Corti mit einer Tafel auf dem Haus am Franziskanerplatz 1, an Franz Karl Ginzkey mit einem Gemeindebau in der Johannesgasse 9-13.

Wenn das österreichische Fernsehen eine Dokumentation über die Geheimnisse der Johannesgasse bringen würde, fiele diese wohl so aus wie über den Judenplatz, in der prominent vom Mahnmal der Rachel Whiteread salbungsvoll berichtet wird.

Kein Wort aber in „Geheimnisse der Inneren Stadt“ zu dem bis zum heutigen Tag auf dem Judenplatz in die Mauer getriebenen Antisemitismus …

Im Herzen von Wien das Haus Judenplatz 2 eine Pilgerstätte für …

Es gibt Geheimnisse in den „Geheimnissen“, die sollen eben Geheimnisse bleiben, weiter Früchte tragen, zu nähren kommende Generationen, mit Inhaltsstoffen, die auf den Verpackungen nicht angeführt sind

Wenn das österreichische Fernsehen eine Dokumentation über die Geheimnisse der Johannesgasse bringen würde, würde wohl die Gedenktafel auf dem Haus Johannesgasse 4 salbungsvoll verlesen werden …

„Zum Gedenken an jene Menschen, die hier im Juli 1934 von nationalsozialistischen Putschisten beim Sturm auf das Haus der RAVAG, des damaligen österreichischen Rundfunks, ermordet wurden.“

Und dann würde wohl eilig die Johannesgasse Richtung Kärntner Straße verlassen werden, um ja nicht vom Gemeindebau Johannesgasse 9-13 berichten zu müssen, vom Geheimnis „Ginzkeyhof“ …

Wohnen im Wiener Herzen, wie der „neuromantische Lyriker“ …

Vom Ginzkeyhof zum Franziskanerplatz zur Gedenktafel für Egon Cäsar Conte Corti ist es nicht weit, ein paar Minuten, ein zu kurzer Weg, um alles in Erinnerung zu rufen, was in Erinnerung gerufen werden kann, zu Corti, dem Völkischen, dem Volksbundillegalen, zum „Schutzverband der österreichischen Schriftsteller im Verband der geistig Schaffenden Österreichs“, der ihm, Corti, die Tafel widmete und Ginzkey einen Ring stiftete, mit dem er, der Schutzverband, „Verdienste im Sinne Ginzkeys“ auszeichnet …

Einen Ring für „Verdienste im Sinne Ginzkeys“ zu bekommen, welche Verdienste werden das wohl sein müssen? Etwa für dieselben Magazine gotthörig schreiben, wie Ginzkey es tat, beispielsweise für den „Eckartboten“, der heutzutage noch recht rege und recht bekannt unter seinem verkürzten Namen „Eckart“ ist, vor allem bei den Mannen und Frauen der Partei, die für kurz Regierungspartei war, wieder einmal Regierungspartei war, wieder mit dem bekannten und vor allem mit dem Ergebnis, das enormer Aufwand für Behörden

Kurz auch der Weg vom Franziskanerplatz zum Karl-Lueg… nein, der Spaziergang dorthin wird nicht fortgesetzt, die Wanderung kurz entschlossen abgebrochenzu viele wieder, wie kürzlich erst berichtet, machen sich nach einem Besuch ihres Pilgerhauses auf dem Judenplatz wieder auf, um sich zu betätigen, im Sinne der Streichers

Show your support for Donald Trump, in short, again for such a white old man – Alexander Schallenberg: „Ja, es ist ein streitbarer Präsident. Aber haben wir doch Vertrauen in diesen Partner.“

Wo immer, wann immer Unterstützung gefordert, da steht Alexander Schallenberg, seit Kurzem Außenminister in Österreich, seinen Mann, ob an den Grenzen Griechenlands, ob als Posten auf der Anhöhe am Lainzer Sattel — tu karl austria!

Schallenberg, ein Frontmann der Solidarität

Even more. Schallenberg, a man alone as a bulwark of support

Ein Mann, der dem Volke Vertrauen gibt, weil er eben ein Mann ist, der selbst vertraut – , „Aber haben wir doch Vertrauen in diesen Partner“ –, wie er gestrig im ganzen Lande vom Sattel aus zu hören war …

Lou Lorenz-Dittlbacher: Sie wissen, daß die Opposition von Ihnen dringend klarere Worte, von Ihnen und vom Bundeskanzler in Richtung US-Präsident Trump fordert, verlangt.

Alexander Schallenberg: Ich muß aber sagen, Rassismus ist kein amerikanisches Phänomen. Und es ist kein Phänomen der Trump-Administration. Man tut sich etwas leicht, wenn man das so formuliert. Das ist eine Geisel, die in jeder Gesellschaft leider Gottes präsent ist. Wir sind alle aufgerufen, dagegen zu arbeiten. Ich finde daher auch toll, wenn die Menschen hier in Österreich sozusagen ein Zeichen setzen.

Lou Lorenz-Dittlbacher: Wir wissen, US-Präsident Trump, bei aller Wertschätzung und bei allem Respekt, paßt vielleicht nicht ganz in die Reihe der US-Präsidenten, die wir in der Geschichte bisher gesehen haben, handelt anders, überrascht viele. Es gibt auch sehr viel Kritik in seiner eigenen Partei. Diese Proteste haben sehr sehr viel Rückhalt in der Bevölkerung, dennoch will er, droht sozusagen damit, das Militär einzusetzen. Ist das richtig? Kann das richtig sein?

Alexander Schallenberg: Ja, es ist ein streitbarer Präsident, und ja es ist ein Präsident, der keinem Konflikt aus dem Weg geht, und auch nicht davor zurückschreckt, sozusagen, antagonisierende Wortmeldungen abzugeben. Aber haben wir doch Vertrauen in diesen Partner.“

Ein streitbarer Partner, der auch nicht davor zurückschreckt, das Militär einzusetzen, in so einen Partner Vertrauen zu haben, ist beim weißen Barte Gottes das heiligste Gebot, wer sonst könnte alle vor dem Lesen schützen, vor dem Lesen von Gedichten, die vom Entwirren der Knoten erzählen, während andere „Paragraphe“ schreiben, aber nicht, kurz gesagt, für die Trump-Administration …

Schallenberg, nicht nur ein Mann, der für sich allein schon ein ganzes Bollwerk der Unterstützung ist, nicht nur ein Mann aus dem schönen tu karl austria mit seinen schöneren Bärtchen, schöner gewachsen als irgendwo sonst auf der Welt, sondern auch ein Mann der Bildung, mehr noch, ein Mann der höchsten Bildung. Mit welch einer Leichtigkeit er das ausspricht: „antagonisierende Wortmeldungen“ …

Das Wort „Antagonism“ wird er, Schallenberg, seinem Partner, dem er vertraut, wohl in einer vertraulichen Stunde, kurz gesagt, erklären müssen, vor allem, woher dieses Wort kommt, wird doch von seinem Partner erzählt, er habe als erwachsener Mann nie ein Buch gelesen … Und als Teenager? Vielleicht Buffalo Bill, die Heftchen, den Comic, aber nicht von Éric Vuillard …

Seinem Partner könnte er zur Erklärung den „vierten Satz“ aus „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ aus 1784 von Immanuel Kant vorlesen …

Das Mittel, dessen sich die Natur bedient, die Entwickelung aller ihrer Anlagen zu Stande zu bringen, ist der Antagonism derselben in der Gesellschaft, so fern dieser doch am Ende die Ursache einer gesetzmäßigen Ordnung derselben wird. Ich verstehe hier unter dem Antagonism die ungesellige Geselligkeit der Menschen; d. i. den Hang derselben, in Gesellschaft zu treten, der doch mit einem durchgängigen Widerstande, welcher diese Gesellschaft beständig zu trennen droht, verbunden ist. Hiezu liegt die Anlage offenbar in der menschlichen Natur. Der Mensch hat eine Neigung, sich zu vergesellschaften; weil er in einem solchen Zustande sich mehr als Mensch, d. i. die Entwickelung seiner Naturanlagen, fühlt. Er hat aber auch einen großen Hang, sich zu vereinzelnen (isolieren); weil er in sich zugleich die ungesellige Eigenschaft antrifft, alles bloß nach seinem Sinne richten zu wollen, und daher allerwärts Widerstand erwartet, so wie er von sich selbst weiß, daß er seiner Seits zum Widerstande gegen andere geneigt ist. Dieser Widerstand ist es nun, welcher alle Kräfte des Menschen erweckt, ihn dahin bringt, seinen Hang zur Faulheit zu überwinden, und, getrieben durch Ehrsucht, Herrschsucht oder Habsucht, sich einen Rang unter seinen Mitgenossen zu verschaffen, die er nicht wohl leiden, von denen er aber auch nicht lassen kann. Da geschehen nun die ersten wahren Schritte aus der Rohigkeit zur Kultur, die eigentlich in dem gesellschaftlichen Wert des Menschen besteht; da werden alle Talente nach und nach entwickelt, der Geschmack gebildet, und selbst durch fortgesetzte Aufklärung der Anfang zur Gründung einer Denkungsart gemacht, welche die grobe Naturanlage zur sittlichen Unterscheidung mit der Zeit in bestimmte praktische Prinzipien, und so eine pathologisch-abgedrungene Zusammenstimmung zu einer Gesellschaft endlich in ein moralisches Ganze verwandeln kann. Ohne jene, an sich zwar eben nicht liebenswürdige, Eigenschaften der Ungeselligkeit, woraus der Widerstand entspringt, den jeder bei seinen selbstsüchtigen Anmaßungen notwendig antreffen muß, würden in einem arkadischen Schäferleben, bei vollkommener Eintracht, Genügsamkeit und Wechselliebe, alle Talente auf ewig in ihren Keimen verborgen bleiben: die Menschen, gutartig wie die Schafe die sie weiden, würden ihrem Dasein kaum einen größeren Wert verschaffen, als dieses ihr Hausvieh hat; sie würden das Leere der Schöpfung in Ansehung ihres Zwecks, als vernünftige Natur, nicht ausfüllen. Dank sei also der Natur für die Unvertragsamkeit, für die mißgünstig wetteifernde Eitelkeit, für die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben, oder auch zum Herrschen! Ohne sie würden alle vortreffliche Naturanlagen in der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht; aber die Natur weiß besser, was für seine Gattung gut ist: sie will Zwietracht. Er will gemächlich und vergnügt leben; die Natur will aber, er soll aus der Lässigkeit und untätigen Genügsamkeit hinaus, sich in Arbeit und Mühseligkeiten stürzen, um dagegen auch Mittel auszufinden, sich klüglich wiederum aus den letztern heraus zu ziehen. Die natürlichen Triebfedern dazu, die Quellen der Ungeselligkeit und des durchgängigen Widerstandes, woraus so viele Übel entspringen, die aber doch auch wieder zur neuen Anspannung der Kräfte, mithin zu mehrerer Entwickelung der Naturanlagen antreiben, verraten also wohl die Anordnung eines weisen Schöpfers; und nicht etwa die Hand eines bösartigen Geistes, der in seine herrliche Anstalt gepfuscht oder sie neidischer Weise verderbt habe.“

Ob sein Partner in den kantischen Ausführungen sich erkennen würde? Unwichtig, wesentlich daran, der breiteste Widerspruch gegen …

Freilich gehört Immanuel Kant nicht zu den Schreibenden, die das Lesen je schmackhaft machen können, schon gar nicht so einem Partner. Von Kant wird Donald Trump wohl schon gehört haben, einiges von ihm nicht aus eigener Lektüre, aber vom Hörensagen kennen, mit dem er seinem bildungsbürgerlich hochgebildeten Bollwerkpartner aus Tu-karl-Austria wohl beeindrucken könnte, etwa mit dem Satz:

„Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“