„Bei der Antritts-Pressekonferenz des neuen FPÖ-Generalsekretärs Michael Schnedlitz am heutigen Freitag in Wien gab es auch deutliche Worte von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer Richtung ORF:
Wir werden schon auch überlegen, wie wir in Zukunft mit dem ORF umgehen – wenn Sie mir das erlauben – weil ich feststelle, dass viele private Sender in weiten Bereichen objektiver arbeiten als der ORF. Und ich habe jetzt Kontakt gehabt mit einem Unternehmen, das heißt NOGIS, und wir werden ganz genau aufzeigen – auch sehr breit im Netz – was Menschen tun können, um sich die GIS-Gebühren von mehr als 300 Euro im Jahr zu sparen, weil es gibt Sender wie ServusTV und andere auch, die ein besseres Programm haben, wo man nichts bezahlen muss.“
Kurz ist es her, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei über die gemeinsame Pressekonferenz von Norbert-Normalpartei-Hofer und dem identitären Willkommenseinpeitscher etwas brachte, gegen den ORF und für die Dietrich-Mateschitz-Fernsehanstalt …
Es kann Norbert Hofer verstanden werden, daß der Dosenabfüller für ihn ein „besseres Programm“ hat, treten doch in dieser Fernsehhalle Personen auf und hin, vor das das Publikum, denen Norbert Hofer vor der Mattscheibe nur mit den gesinnungsgemäß rührendsten, treuherzigsten Blicken …
Männer und Frauen, wie Mölzer, Wiesinger, Kubitschek, Tichy, Tögel, Zellenberg, Fleischhacker, Kelle, Zeitz, Stadler, Odin, Reichel … Fernsehchor der Objektivität —
„Objektiver arbeiten als …“ Hat es das Wort Objektivität vor dem Bau dieser Fernsehhalle überhaupt gegeben? Kam dieses Wort nicht erst in die Welt, als Dietrich Mateschitz Servus, Fernsehen und zugleich Servus, Objektivität sagte?
„Die nationalsozialistische ‚Zigeunerpolitik‘1 hatte mit dem Auschwitz-Erlaß Himmlers vom 16. Dezember 1942 die endgültige und totale Vernichtung der Minderheit eingeleitet, und sie wurde mit den nachfolgenden Deportationen praktisch durchgeführt. Sie endete danach keineswegs, sondern wurde von den Instanzen des NS-Regimes bis zur Befreiung durch die Alliierten Streitkräfte weiterverfolgt. So ordnete das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS im Herbst 1944 noch die Entlassung von SS-Angehörigen an, die mit einer Jüdin oder Zigeunerin verheiratet seien, während per Verfügung der Parteikanzlei vom 9. Dezember 1944 Juden und ‚Zigeuner‘ und ‚Mischlinge‘ zum Volkssturm oder Einheiten der Wehrmacht herangezogen wurden, um so – vorläufig von der Endlösung verschont – für den ‚Endsieg der Herrenmenschen‘ kämpfen zu müssen.2 Nach der Befreiung aus den Lagern waren mehrere hunderttausend Sinti und Roma aus ganz Europa Opfer der NS-Vernichtungspolitik geworden.“
Einmal auch, um … es wird gar nicht gewußt, wie das formuliert werden soll, um den Aberwitz von Menschen, die von Antisemitismus, von Antiziganismus, von Rassismus zerfressen sind …
Es zeigt sich an diesem Beispiel aus der Vergangenheit, daß auch für Menschen, die von Antiziganismus, von Rassismus, von Antisemitismus vollkommen zerfressen sind, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus jede Bedeutung, jede Wichtigkeit verlieren kann, wenn sie ihr Hauptaugenmerk auf etwas anderes legen, in diesem Fall auf den „Endsieg“.
Dann sind Menschen, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus vollkommen zerfressen sind, heute auf morgen bereit, mit den Menschen, die für sie keine Menschen sind, sondern zu Ermordende, Auszurottende, Schulter an Schulter zu kämpfen, vertrauen sie diesen Menschen, die für sie Auszurottende sind, an, für sie den „Endsieg“ zu erkämpfen.
Es wird nicht gewußt, ob es zur „Verfügung der Parteizentrale vom 9. Dezember 1944“ auch entsprechende Aufrufe gegeben hat. Bei der gesinnungsgemäßen Liebe zu Aufrufen, zu Parolen könnte es durchaus welche gegeben haben. Wie könnte so ein gesinnungsgemäßer Aufruf gelautet haben?
Vielleicht: „Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“
„Um sich ein genaues Bild von den Auswirkungen des Völkermords an den Sinti und Roma – Genozid, Zwangsarbeit, Verfolgungen, medizinische Experimente, eugenische Maßnahmen und der Zerstörung großer Teile ihrer Kultur – nach dem Kriegsende machen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, den Charakter und den Modus der nationalsozialistischen ‚Zigeunerpolitik‘ in seiner Komplexität ineinandergreifender und/oder konkurrierender Instanzen und Institutionen zu verstehen, die sich nach Kräften mühten, Städte, Kommunen, Behörden, Schulen etc. ‚juden- und zigeunerfrei‘ zu machen.3 Gerade die sich ergänzenden bzw. sich gegenseitig überbietenden Radikalisierungs- und Entkoppelungsprozesse der Administrationen und Institutionen scheinen die furchtbare Gründlichkeit der Vernichtungsmaßnahmen bewirkt zu haben: Vom rassistischen Diskurs der Wissenschaften, der Förderung ‚rassenhygienischer Forschungen‘ und sogenannter ‚Rassengutachten‘ durch die deutsche Forschungsgemeinschaft, den eugenischen Maßnahmen der Gesundheitsämter, der polizeilichen Totalerfassung durch die ‚Zigeunerleitstellen‘, der Amtshilfe der christlichen Kirchen bis hin zu jenen Organisationen und Tätern, die unmittelbar an der Deportation und Ermordung beteiligt waren.
Die Analyse dieses komplexen Prozesses ist nicht nur für das Begreifen der NS-Vernichtungspolitik wesentlich, sondern sie ermöglicht ebenso ein Verständnis für die behördlichen, wissenschaftlichen, politischen, juristischen Diskurse und Praktiken, mit denen die überlebenden Sinti und Roma, die aus den Konzentrationslagern nach Deutschland zurückkehrten, konfrontiert wurden.4 Obwohl die Geschichte behördlichen und politischen Handelns gegenüber den Sinti und Roma im Nachkrieg noch nicht hinreichend erforscht worden ist, kann man ohne Übertreibung feststellen:
– die Planer, Organisatoren und Vollstrecker des Völkermords an den Sinti und Roma blieben ungestraft und konnten nach dem Krieg ihre Karrieren unbehelligt fortsetzen; beispielsweise Paul Werner, SS-Standartenführer und für die Planung der Maideportationen zuständig, machte bis in die 60er Jahre hinein Karriere als Ministerialbeamter in Baden-Württemberg; Robert Ritter, Leiter des Rassenhygienischen Instituts, der den Völkermord mit vorbereitete, leitete nach 1945 bis zu seinem Tod 1951 in Frankfurt die Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke und Joseph Eichberger, der im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die ‚Zigeunertransporte‘ organisierte, wurde Leiter in der ‚Landfahrerzentrale‘ im Landeskriminalamt in München.
– die personelle Kontinuität und die strukturellen Grundlagen der NS-Zigeunerpolitik wurden nicht hinreichend gebrochen und abgeschafft; vielmehr leugneten Juristen bis zum BGH den Völkermord an den Sinti und Roma und übernahmen in ihren Urteilen explizit NS-Sprachregelungen; relativierten Mediziner und Amtsärzte die physischen und psychischen Verfolgungs- und Gesundheitsschäden der Überlebenden; nahmen Polizeibeamte Sondererfassungen der Sinti und Roma vor und setzten die ethnische Diskriminierung fort und schließlich versäumten es die Gesellschaftswissenschaften, den Völkermord an den Sinti und Roma aufzuarbeiten, über den Antiziganismus aufzuklären und die gesellschaftliche Ausgrenzung zu analysieren.
– der gesellschaftliche Antiziganismus und die ‚Zigeunerbilder‘ lebten in den Köpfen und den Amtsstuben weiter und dienten zur Rechtfertigung gegenwärtiger und künftiger Ungleichbehandlung und Ausgrenzung der überlebenden Sinti und Roma, die nun mit zweifelhaften rechtsstaatlichen Mitteln praktiziert wurden.“
„Heute vor 25 Jahren erschütterte das schreckliche Roma-Attentat in Oberwart die Republik #Österreich. Wir gedenken der Opfer der politisch motivierten & rassistischen Anschlagserie. Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“
Was für eine hehre Ansage des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich.
„Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“
Dennoch spricht Alexander Van der Bellen ganz österreichisch von „Rassismus“, während er sehr gut zu unterscheiden vermag zwischen „Antisemitismus“ und „Rassismus“ …
Alexander Van der Bellen kann sich der breitesten Zustimmung zu seiner allgemeinsten, zu seiner österreichischen Aussage, es dürfe keine Toleranz gegenüber Rassismus geben, gewiß sein.
Wie gut vorstellbar doch ein Gespräch zwischen dem ehemaligen Innenminister und Alexander Van der Bellen ist, das stattfinden könnte, vielleicht während einer Entspannungsstunde im Strandbad …
Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
Innenminister a. D.: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
Der Innenminister a. D. setzt sich, nach ein paar Längen Brustschwimmen, wieder zum Bundespräsidenten.
Innenminister a. D.: Die Roma-Frage ist zu lösen, endgültig.
Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!
„Angesichts der Gedenkfeiern zum 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen stellt sich die Frage, warum andere außergewöhnliche Gräueltaten in diesem Krieg nicht ebenso beachtet werden –“
Der anonymisierte Höchste aus dieser identitären Gesinnungsschaft beginnt seine Gegenrechnung zum „Totengedenken“ sogleich mit:
„Die feige Torpedierung des ehemaligen ‚Kraft durch Freude‘-Urlaubsdampfers durch das sowjetische U-Boot S-13 gilt als die mit Abstand größte Schiffskatastrophe der Seefahrtsgeschichte mit rund 9.000 Toten, das sind sechsmal so viele wie beim Untergang der Titanic.“
Nun, kurz gesagt, „Auschwitz“ und „Wilhelm Gustloff“ in einen Vergleich zu zwängen, mag dem Höchsten durch seine Gesinnung redlich erscheinen, ist aber aus mannigfachen Gründen ein nicht haltbarer Vergleich, zuletzt auch durch die unmittelbaren Begebenheiten, die zur Versenkung des Schiffes führten, und durch die unmittelbaren Ereignisse rund um die Rettungsversuche respektive unterlassenen Rettungsversuche …
In seine Gegenrechnung nimmt der Höchste gesinnungsgemäß anschließend sofort auf:
„Warum gibt es keine Gedenkfeiern für die rund 14 Millionen vertriebenen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten im heutigen Polen, im bis heute teilweise russisch besetzten Ostpreußen oder der Tschechei?“
Und in der Gegenrechnung offenbart der Höchste aus dieser Gesinnungsschaft seine Anteilnahme für Menschen aus Afrika, wie weh ist dem Höchsten zumute, wie schwer schlägt dem Höchsten sein Gegenrechnungsherz, erinnert er an das Leid besonders der Menschen im Kongo.
„Ein Stiefkind in der Totengedenk-Kultur sind nicht zuletzt die fast zwölf Millionen Afrikaner, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert als Sklaven von Afrika vor allem nach Amerika verkauft wurden und oft unter ähnlichen Umständen ihr Dasein fristen mussten wie die späteren Insassen der Konzentrationslager.
Als besonders grausam erwiesen sich die Belgier im Kongo, die bei der systematischen Ausplünderung ihrer Kolonie bis ins 20. Jahrhundert hinein eine extrem brutale Art der Versklavung pflegten, die etwa im Abhacken der Hände gipfelte, wenn nicht fleißig genug gearbeitet wurde. Man schätzt, dass das Schreckensregime der Belgier in nur wenigen Jahrzehnten die Hälfte der damaligen Kongo-Bevölkerung von 25 Millionen Menschen das Leben kostete. König Leopold II. (1835 bis 1909), der den Kongo als persönlichen Besitz sah und sich immens bereicherte, musste sich nie dafür verantworten.“
Wenn Identitäre nach Wien einladen, dann gehört es, so wird es erzählt, zur Pflicht, mit den nach Wien eingeladenen Identitärinnen einen Wiener Stadtwanderweg abzuschreiten, einen ganz bestimmten, nämlich den Gesinnungswanderweg vom Cobenzl auf den Kahlenberg.
Die Pflichtabschreitung beginnt mit einer Einkehr in der Schießstätte zum Mittagessen. Nach dem Verzehr der Nudelsuppe und des Tafelspitzes in Schnittlauchsauce mit Röstkartoffeln und Apfelkren ist der Sammelplatz gleich hinter dem Waldwirtshaus beim Karl-Lueger-Denkmal, das „errichtet von dankbaren Bürgern – im Jahre 1915“ …
Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.
„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.
„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“
In Österreich einen „Newsletter“ vom Reisebüro Ernesto Travel zu erhalten, noch dazu unaufgefordert, zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, mit dem Reisen nach Auschwitz angeboten werden, an den Ort, an dem …
„Die Nazis ermordeten in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Zigeuner […]“
Und der Newsletter von Ernesto Travel vom 29. Jänner 2020 endet:
„Es ist ein Ort, den jeder lieber vergessen möchte, aber wir dürfen es nie vergessen, denn wie eine Inschrift von Primo Levi in einer der Baracken sagt: ‚Diejenigen, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben.'“
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