Fernsehchor der Objektivität

„Bei der Antritts-Pressekonferenz des neuen FPÖ-Generalsekretärs Michael Schnedlitz am heutigen Freitag in Wien gab es auch deutliche Worte von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer Richtung ORF:

Wir werden schon auch überlegen, wie wir in Zukunft  mit dem ORF umgehen – wenn Sie mir das erlauben – weil ich feststelle, dass viele private Sender in weiten Bereichen objektiver arbeiten als der ORF. Und ich habe jetzt Kontakt gehabt mit einem Unternehmen, das heißt NOGIS, und wir werden ganz genau aufzeigen – auch sehr breit im Netz – was Menschen tun können, um sich die GIS-Gebühren von mehr als 300 Euro im Jahr zu sparen, weil es gibt Sender wie ServusTV und andere auch, die ein besseres Programm haben, wo man nichts bezahlen muss.“

Kurz ist es her, daß die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Parlamentspartei über die gemeinsame Pressekonferenz von Norbert-Normalpartei-Hofer und dem identitären Willkommenseinpeitscher etwas brachte, gegen den ORF und für die Dietrich-Mateschitz-Fernsehanstalt …

Es kann Norbert Hofer verstanden werden, daß der Dosenabfüller für ihn ein „besseres Programm“ hat, treten doch in dieser Fernsehhalle Personen auf und hin, vor das das Publikum, denen Norbert Hofer vor der Mattscheibe nur mit den gesinnungsgemäß rührendsten, treuherzigsten Blicken …

Männer und Frauen, wie Mölzer, Wiesinger, Kubitschek, Tichy, Tögel, Zellenberg, Fleischhacker, Kelle, Zeitz, Stadler, Odin, Reichel … Fernsehchor der Objektivität —

Für diesen Fernsehchor der Objektivität hat sich erst vor kurzem die Website um Aufnahme beworben, mit einem selbst komponierten Objektivitätslied für Afrika …

„Objektiver arbeiten als …“ Hat es das Wort Objektivität vor dem Bau dieser Fernsehhalle überhaupt gegeben? Kam dieses Wort nicht erst in die Welt, als Dietrich Mateschitz Servus, Fernsehen und zugleich Servus, Objektivität sagte?

„Objektiver arbeiten, besseres Programm haben“ … Das kann nur wahr sein, denn, würde sich sonst ein Philosoph von Weltgeltung dazu herablassen, sich in dieser Halle eine telegene Denkstube zu richten …

Worauf Norbert Hofer wohl in seiner Begeisterungsaufgeregtheit für diese Fernsehhalle vergaß, auch argumentiver gehe es in dieser Fernsehhalle doch recht zu, besonders gegen „Gebühren“ …

„Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“

„Die nationalsozialistische ‚Zigeunerpolitik‘1 hatte mit dem Auschwitz-Erlaß Himmlers vom 16. Dezember 1942 die endgültige und totale Vernichtung der Minderheit eingeleitet, und sie wurde mit den nachfolgenden Deportationen praktisch durchgeführt. Sie endete danach keineswegs, sondern wurde von den Instanzen des NS-Regimes bis zur Befreiung durch die Alliierten Streitkräfte weiterverfolgt. So ordnete das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS im Herbst 1944 noch die Entlassung von SS-Angehörigen an, die mit einer Jüdin oder Zigeunerin verheiratet seien, während per Verfügung der Parteikanzlei vom 9. Dezember 1944 Juden und ‚Zigeuner‘ und ‚Mischlinge‘ zum Volkssturm oder Einheiten der Wehrmacht herangezogen wurden, um so – vorläufig von der Endlösung verschont – für den ‚Endsieg der Herrenmenschen‘ kämpfen zu müssen.2 Nach der Befreiung aus den Lagern waren mehrere hunderttausend Sinti und Roma aus ganz Europa Opfer der NS-Vernichtungspolitik geworden.“

Die, kurz ist das her, so schicklich österreichisch gewählten Worte des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich verleiten, ein weiteres Mal, dazu, in die Vergangenheit zu gehen.

Einmal, um ein weiteres Mal, auf die Ungleichbehandlung, auf die Ungleichbeachtung in der Gegenwart hinzuweisen.

Einmal auch, um … es wird gar nicht gewußt, wie das formuliert werden soll, um den Aberwitz von Menschen, die von Antisemitismus, von Antiziganismus, von Rassismus zerfressen sind …

Es zeigt sich an diesem Beispiel aus der Vergangenheit, daß auch für Menschen, die von Antiziganismus, von Rassismus, von Antisemitismus vollkommen zerfressen sind, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus jede Bedeutung, jede Wichtigkeit verlieren kann, wenn sie ihr Hauptaugenmerk auf etwas anderes legen, in diesem Fall auf den „Endsieg“.

Dann sind Menschen, die von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus vollkommen zerfressen sind, heute auf morgen bereit, mit den Menschen, die für sie keine Menschen sind, sondern zu Ermordende, Auszurottende, Schulter an Schulter zu kämpfen, vertrauen sie diesen Menschen, die für sie Auszurottende sind, an, für sie den „Endsieg“ zu erkämpfen.

Es wird nicht gewußt, ob es zur „Verfügung der Parteizentrale vom 9. Dezember 1944“ auch entsprechende Aufrufe gegeben hat. Bei der gesinnungsgemäßen Liebe zu Aufrufen, zu Parolen könnte es durchaus welche gegeben haben. Wie könnte so ein gesinnungsgemäßer Aufruf gelautet haben?

Vielleicht: „Juden, Zigeuner, Mischlinge, erkämpfet für das Deutsche Reich den Endsieg! Euer Lohn soll Eure Endlösung sein.“

Was in „Sinti und Roma – 600 Jahre in Deutschland“ beschrieben ist, erzählt von Vergangenheit und von der Fortsetzung der Vergangenheit nach 1945, auch von Menschen mit ihren Karrieren vor 1945 und nach 1945 in Deutschland. Zum angesprochenen „Rassenhygienische Institut“ fällt sofort das „Rassenbiologische Institut“ in Innsbruck ein, mit seinen Männern und ihren Karrieren vor 1945 und nach 1945 mit Gesinnungsweitertragung; einer aus diesem Institut soll, ein weiteres Mal, stellvertretend genannt werden, ein Mann in hohen politischen Funktionen, ein Mann, der sich berufen fühlte, Bundespräsident in Österreich …

Dieser Mann vom „Rassenbiologischen Institut“ und SA-Sturmführer saß etliche Jahre im österreichischen Parlament und beschloß Bundesgesetze mit. In Österreich, eine Tradition, daß antiziganistische und rassistische … kurz erst ist es her, daß ein antiziganistischer und rassistischer Mann, von dem aber nicht bekannt ist, daß er auch antisemitisch ist, an einem österreichischen Bundesgesetz mitschrieb, bezeichnenderweise am Waffengesetz …

„Um sich ein genaues Bild von den Auswirkungen des Völkermords an den Sinti und Roma – Genozid, Zwangsarbeit, Verfolgungen, medizinische Experimente, eugenische Maßnahmen und der Zerstörung großer Teile ihrer Kultur – nach dem Kriegsende machen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, den Charakter und den Modus der nationalsozialistischen ‚Zigeunerpolitik‘ in seiner Komplexität ineinandergreifender und/oder konkurrierender Instanzen und Institutionen zu verstehen, die sich nach Kräften mühten, Städte, Kommunen, Behörden, Schulen etc. ‚juden- und zigeunerfrei‘ zu machen.3 Gerade die sich ergänzenden bzw. sich gegenseitig überbietenden Radikalisierungs- und Entkoppelungsprozesse der Administrationen und Institutionen scheinen die furchtbare Gründlichkeit der Vernichtungsmaßnahmen bewirkt zu haben: Vom rassistischen Diskurs der Wissenschaften, der Förderung ‚rassenhygienischer Forschungen‘ und sogenannter ‚Rassengutachten‘ durch die deutsche Forschungsgemeinschaft, den eugenischen Maßnahmen der Gesundheitsämter, der polizeilichen Totalerfassung durch die ‚Zigeunerleitstellen‘, der Amtshilfe der christlichen Kirchen bis hin zu jenen Organisationen und Tätern, die unmittelbar an der Deportation und Ermordung beteiligt waren.

Die Analyse dieses komplexen Prozesses ist nicht nur für das Begreifen der NS-Vernichtungspolitik wesentlich, sondern sie ermöglicht ebenso ein Verständnis für die behördlichen, wissenschaftlichen, politischen, juristischen Diskurse und Praktiken, mit denen die überlebenden Sinti und Roma, die aus den Konzentrationslagern nach Deutschland zurückkehrten, konfrontiert wurden.4 Obwohl die Geschichte behördlichen und politischen Handelns gegenüber den Sinti und Roma im Nachkrieg noch nicht hinreichend erforscht worden ist, kann man ohne Übertreibung feststellen:

– die Planer, Organisatoren und Vollstrecker des Völkermords an den Sinti und Roma blieben ungestraft und konnten nach dem Krieg ihre Karrieren unbehelligt fortsetzen; beispielsweise Paul Werner, SS-Standartenführer und für die Planung der Maideportationen zuständig, machte bis in die 60er Jahre hinein Karriere als Ministerialbeamter in Baden-Württemberg; Robert Ritter, Leiter des Rassenhygienischen Instituts, der den Völkermord mit vorbereitete, leitete nach 1945 bis zu seinem Tod 1951 in Frankfurt die Fürsorgestelle für Gemüts- und Nervenkranke und Joseph Eichberger, der im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) die ‚Zigeunertransporte‘ organisierte, wurde Leiter in der ‚Landfahrerzentrale‘ im Landeskriminalamt in München.

– die personelle Kontinuität und die strukturellen Grundlagen der NS-Zigeunerpolitik wurden nicht hinreichend gebrochen und abgeschafft; vielmehr leugneten Juristen bis zum BGH den Völkermord an den Sinti und Roma und übernahmen in ihren Urteilen explizit NS-Sprachregelungen; relativierten Mediziner und Amtsärzte die physischen und psychischen Verfolgungs- und Gesundheitsschäden der Überlebenden; nahmen Polizeibeamte Sondererfassungen der Sinti und Roma vor und setzten die ethnische Diskriminierung fort und schließlich versäumten es die Gesellschaftswissenschaften, den Völkermord an den Sinti und Roma aufzuarbeiten, über den Antiziganismus aufzuklären und die gesellschaftliche Ausgrenzung zu analysieren.

– der gesellschaftliche Antiziganismus und die ‚Zigeunerbilder‘ lebten in den Köpfen und den Amtsstuben weiter und dienten zur Rechtfertigung gegenwärtiger und künftiger Ungleichbehandlung und Ausgrenzung der überlebenden Sinti und Roma, die nun mit zweifelhaften rechtsstaatlichen Mitteln praktiziert wurden.“

Antiziganismus, Alexander Van der Bellen, nicht einfach Rassismus

„Heute vor 25 Jahren erschütterte das schreckliche Roma-Attentat in Oberwart die Republik #Österreich. Wir gedenken der Opfer der politisch motivierten & rassistischen Anschlagserie. Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“

Was für eine hehre Ansage des derzeitigen Bundespräsidenten in Österreich.

„Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!“

Geht eine Aussage zum Gedenken an ein konkretes Verbrechen, zur Ermordung von bestimmten Menschen noch allgemeiner? Ja, österreichischer. Allgemein kann wie folgt gesteigert werden: allgemein, allgemeiner, allgemeinst, österreich.

Die Morde in Oberwart waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Morde waren antiziganistisch.

Dennoch spricht Alexander Van der Bellen ganz österreichisch von „Rassismus“, während er sehr gut zu unterscheiden vermag zwischen „Antisemitismus“ und „Rassismus“ …

Damit ist er ganz und gar im Einklang mit der derzeitigen Regierung in Österreich …

Die Massenmorde etwa in Auschwitz waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Massenmorde waren antisemitisch.

Die Massenmorde etwa in Auschwitz waren rassistisch. Aber in einem speziellen Auswuchs: die Massenmorde waren antiziganistisch.

Dennoch kann Alexander Van der Bellen so leichthin kurz sagen, „es darf keine Toleranz gegenüber Antisemitismus und Rassismus geben.“

Was er, Alexander Van der Bellen, auch er nicht sagen kann, ist: Es darf keine Toleranz gegenüber Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus geben.

Das Wort „Antiziganismus“ wird also auch von Alexander Van der Bellen gescheut. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, daß er in den Gemächern der Maria Theresia arbeitet. Wie Maria Theresia es wohl gescheut hat, ihre Brust ohne Christuskreuz zu zeigen.

Alexander Van der Bellen kann sich der breitesten Zustimmung zu seiner allgemeinsten, zu seiner österreichischen Aussage, es dürfe keine Toleranz gegenüber Rassismus geben, gewiß sein.

Wer ist nicht gegen Rassismus?

Sogar jene, die …

Mehr noch, vor allem beim Gedenken an vergangene Verbrechen überwinden sogar jene den Rassismus vollkommen und öffnen ihr Herz für Afrika …

Und, oh, wie gut er stets zu sprechen vermag, stets weiß er, welche Worte nicht schicklich sind …

Wie unösterreichisch, also nicht allgemein, hingegen spricht der ehemalige Innenminister, der ein Kamerad der von Alexander Van der Bellen angelobten Männer und Frauen ist, dieser ehemalige Innenminister spricht nicht österreichisch von der „Rassen-Frage“, sondern er spricht konkret von der „Roma-Frage“ …

Wie gut vorstellbar doch ein Gespräch zwischen dem ehemaligen Innenminister und Alexander Van der Bellen ist, das stattfinden könnte, vielleicht während einer Entspannungsstunde im Strandbad …

Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Innenminister a. D.: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Der Innenminister a. D. setzt sich, nach ein paar Längen Brustschwimmen, wieder zum Bundespräsidenten.

Innenminister a. D.: Die Roma-Frage ist zu lösen, endgültig.

Bundespräsident: Es darf keine Toleranz gegenüber Rassismus geben!

Innenminister a. D.: Jawoll — —

Ein Gesinnungsherz für Afrika

„Angesichts der Gedenkfeiern zum 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen stellt sich die Frage, warum andere außergewöhnliche Gräueltaten in diesem Krieg nicht ebenso beachtet werden –“

Nach dieser Einleitung der gesinnungsgemäß zensurierten Website der identitären Parlamentspartei am 31. Jänner 20 wird ein Kommentar von einem Mann – es darf angenommen werden, es ist der Kommentar eines Mannes – unter einem Pseudonym gebracht, bei dem angenommen werden darf, es ist das Pseudonym eines Höchsten aus dieser Gesinnungsschaft …

Der anonymisierte Höchste aus dieser identitären Gesinnungsschaft beginnt seine Gegenrechnung zum „Totengedenken“ sogleich mit:

„Die feige Torpedierung des ehemaligen ‚Kraft durch Freude‘-Urlaubsdampfers durch das sowjetische U-Boot S-13 gilt als die mit Abstand größte Schiffskatastrophe der Seefahrtsgeschichte mit rund 9.000 Toten, das sind sechsmal so viele wie beim Untergang der Titanic.“

Nun, kurz gesagt, „Auschwitz“ und „Wilhelm Gustloff“ in einen Vergleich zu zwängen, mag dem Höchsten durch seine Gesinnung redlich erscheinen, ist aber aus mannigfachen Gründen ein nicht haltbarer Vergleich, zuletzt auch durch die unmittelbaren Begebenheiten, die zur Versenkung des Schiffes führten, und durch die unmittelbaren Ereignisse rund um die Rettungsversuche respektive unterlassenen Rettungsversuche …

In seine Gegenrechnung nimmt der Höchste gesinnungsgemäß anschließend sofort auf:

„Warum gibt es keine Gedenkfeiern für die rund 14 Millionen vertriebenen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten im heutigen Polen, im bis heute teilweise russisch besetzten Ostpreußen oder der Tschechei?“ 

Hierbei nicht die „Dekrete“ als fixe Konstante in der Gleichung zu führen, für den Höchsten eine gesinnunsgemäß undenkbar. Gesinnungsgemäß ist dem Höchsten vorgeschrieben, Tschechien als „Tschechei“ zu führen, wie es von Höchsten in dieser Gesinnungsschaft eben Brauch ist, also mit einer Bezeichnung, die ihre höchste Verbreitung fand, als …

Und in der Gegenrechnung offenbart der Höchste aus dieser Gesinnungsschaft seine Anteilnahme für Menschen aus Afrika, wie weh ist dem Höchsten zumute, wie schwer schlägt dem Höchsten sein Gegenrechnungsherz, erinnert er an das Leid besonders der Menschen im Kongo.

„Ein Stiefkind in der Totengedenk-Kultur sind nicht zuletzt die fast zwölf Millionen Afrikaner, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert als Sklaven von Afrika vor allem nach Amerika verkauft wurden und oft unter ähnlichen Umständen ihr Dasein fristen mussten wie die späteren Insassen der Konzentrationslager.

Als besonders grausam erwiesen sich die Belgier im Kongo, die bei der systematischen Ausplünderung ihrer Kolonie bis ins 20. Jahrhundert hinein eine extrem brutale Art der Versklavung pflegten, die etwa im Abhacken der Hände gipfelte, wenn nicht fleißig genug gearbeitet wurde. Man schätzt, dass das Schreckensregime der Belgier in nur wenigen Jahrzehnten die Hälfte der damaligen Kongo-Bevölkerung von 25 Millionen Menschen das Leben kostete. König Leopold II. (1835 bis 1909), der den Kongo als persönlichen Besitz sah und sich immens bereicherte, musste sich nie dafür verantworten.“

Ja, erst in einer Gegenrechnung offenbart auch ein Höchster sein wahres Herz, sein für „Neger“ leidendes Herz …

Uns was insbesondere den Kongo angeht, wie gut, daß es dort auch Männer gab, deren Gedenken sich eine solche Gesinnungsschaft nicht zu schämen braucht, es ihr als Ehre …

Und was für ehrentreue Männer das der Gesinnungsschaft sind, die gen Konto zogen, kann ermessen werden, wenn sogar ein Adorno an sie zu erinnern …

Leopold II. war mit einer aus der Familie Habsburg verheiratet. Aber sie wird nichts davon gewußt haben, was ihr Ehemann im vom ehelichen Herd fernen Kongo … Und sie kann auch nichts gewußt haben, denn sonst würde der zurzeitige Höchste der FPÖ nie und nimmer eine so enge Bande mit einer Familie haben, wäre diese nicht ganz und gar unschuldig …

Identitärer Wiener Stadtwanderweg zum Jordan

Vom Kahlenberg zum Cobenzl durch den Paula-Wessely-Weg geht es zurück in die Innenstadt, wo es, soll erzählt sein, zum letzten Gesinnungshöhepunkt kommt für die eingeladenen Identitärinnen: auf dem Judenplatz.

Auf dem Judenplatz werden sie noch auf einen Trunk, soll weiter erzählt sein, eingeladen, bei der Wirtin gleich neben dem Haus mit dem Wappenrelief. Das Bier und das von hier aus bequem zu fotografierende Wappenrelief ist ihnen ein gelungener Abschluß ihres Gesinnungsgedenkwandertages im Paradies, in das sie nach bald 600 Jahren wieder einmal …

Es wird auch, soll erzählt sein, für Gruppenbilder mit dem Wappenrelief die Trinkzeit recht ordentlich genutzt, manche gehen vor bis fast zum Lessing-Denkmal, um die Tafel und die gesamte identitäre Gruppe auf das Bild zu bringen, mit ihren erhobenen Biergläsern, gesinnungsfröhlich dem Wappenrelief zuprostend …

Der Tafel mit der lateinischen Inschrift, die für jene eine Quelle, die des Lateinischen kundig und willig, deren Inhalt weiterzutragen, aber nicht in lateinischer Sprache, sondern in einer Sprache, die heute alle verstehen …

The world’s first identitarian hiking trail in Vienna, Austria: Cobenzl -Kahlenberg

Wenn Identitäre nach Wien einladen, dann gehört es, so wird es erzählt, zur Pflicht, mit den nach Wien eingeladenen Identitärinnen einen Wiener Stadtwanderweg abzuschreiten, einen ganz bestimmten, nämlich den Gesinnungswanderweg vom Cobenzl auf den Kahlenberg.

Die Pflichtabschreitung beginnt mit einer Einkehr in der Schießstätte zum Mittagessen. Nach dem Verzehr der Nudelsuppe und des Tafelspitzes in Schnittlauchsauce mit Röstkartoffeln und Apfelkren ist der Sammelplatz gleich hinter dem Waldwirtshaus beim Karl-Lueger-Denkmal, das „errichtet von dankbaren Bürgern – im Jahre 1915“ …

Dermaßen von Nudelsuppe, Tafelspitz und luegerischer Gesinnung gesättigt geht es dann mit festem Schritt und Tritt auf den Kahlenberg, auf dem eine weitere gesinnungsgemäße Belohnung — um welche es sich handelt, wird von den einladenen Identitären aber nur geheimnisvoll angedeutet — auf die eingeladenen Identitärinnen wartet, es sind Verse von Josef Weinheber.

Recht gerne wird für den Rückweg nach unten, wird weiter erzählt, der Paula-Wessely-Weg genommen, dessen Beschreiten ihnen stets Empfindungen eines Heimgangs …

Tief unten in der Stadt sollen, wird erzählt, die einladenden Identitären recht darauf achten, mit ihren eingeladenen Identitärinnen nicht an der Karl-Lueger-Tafel im Resselpark vorbeizukommen. Denn es könnte die geladenen Identitärinnen verärgern, mehr noch, sie könnten, nach diesem gesinnungserhebenden Wanderweg, mit einem recht schlechten letzten Eindruck von Wien Österreich wieder verlassen, wenn sie auf der Tafel im Resselpark Geschichtliches gegen ihre Gesinnung zu Karl Lueger lesen müßten, sie müßten mit der Enttäuschung Wien verlassen, Wien sei untreu, ehrlos und voller Haß gegen … Das ist aber eine vollkommen grundlose Befürchtung, die geschichtliche Erklärung zu Karl Lueger auf der Tafel im Resselpark ist derart leseunfreudlich gehalten, daß kein Mensch und schon gar nicht in Eile seiende Besucherinnen mit einem Massenstadtbesichtigungsprogramm sich je die Mühe antun, dies zu lesen. Eine Tafel, die signalisiert, eine Tafel mit Schrift, aber keine Tafel zum Lesen zu sein.

Es könnte gesagt werden, eine für Wien, überhaupt für Österreich typische Lösung repräsentiert diese Tafel, es werde ja nichts, gar nichts verschwiegen, alles liege offen vor, Schrift um Schrift, Tafel um Tafel, zum Lesen aber …

25 Jahre Jörg Haider – Herbert Kickl. Von Zigeuner zu Zigeuner.

Vor 25 Jahren diffamiert Jörg Haider die Menschen in Oberwart, die …

25 Jahre später fährt Herbert Kickl nach Deutschland, zu einer Partei, die für Menschen, die vor über 75 Jahren in Auschwitz massenweise umgebracht wurden, die vor 25 Jahren in Oberwart ermordet wurden, um den 75jährigen Gedenktag und kurz vor dem 25jährigen Gedenktag fährt also Herbert Kickl nach Deutschland, zu einer Partei, die für die Menschen, die in diesen vergangenen Jahrzehnten ermordet wurden, nach wie vor nichts anderes haben, als ein Wort der Abwertung: „Zigeuner“.

Wohin sonst sollte Herbert Kickl fahren? Mit wem sonst sollte Herbert Kickl die Zusammenarbeit intensivieren wollen?

Als eben mit dieser Partei.

Mit der Partei von gleicher Gesinnung, die in einem Wort kenntlich gemacht ist, die mit einem Wort ihren gesamten Inhalt unmißverständlich kurz zusammenfaßt: „Zigeuner“.

Herbert Kickl, der für kurz gewesene Innenminister, aus einer Partei mit der Hingabe zu einem ebenfalls kurz gewesenen Innenminister, zerfressen von einer einzigen Frage, die „Zigeuner-Frage“, die vor Jahrzehnten von einem Österreicher im tiefen Burgenland in eine „Denkschrift“ ergoßen, aus der auch Auschwitz gezeugt …

Herbert Kickl fährt nach Deutschland zur Eiderneuerung auf die Zusammenarbeit mit einer Partei, mit einem Mann an deren Führungsspitze im Verdacht der Steuerhinterziehung.

Das ist das serienehrliche Gesinnungsumfeld der Partei des Herbert Kickl, wie es gekannt wird, wie es gekannt werden wird …

Obgleich alles gekannt wird, alles bekannt ist, alles gewußt wird, von Parteien solcher Gesinnung nie etwas anderes zu erwarten war, nie etwas anderes zu erwarten sein wird, wird nicht damit aufgehört, solchen Parteien breitesten öffentlichen Raum zu geben, breitest medial darüber sich zu verbreiten, schon wird wieder über die zukünftige Rolle in Wien, in Österreich etwa von Herrn Strache breitest sich ausgelassen, also für ihn geworben, weil durch diese breiteste Beschäftigung mit ihm Wesentliches, Inhaltliches verdrängt wird, obgleich er nichts, absolut je nichts beitragen kann zum Wesentlichen, zum Inhaltlichen …

Herr Strache ist nun nicht mehr auf Bildern mit den Männern und Frauen von der Partei aus Deutschland zu sehen, dafür Herbert Kickl aus der Partei, die zur Zeit von einem auch für kurz gewesenen Minister angeführt wird. Sonst hat sich seit Heinz-Christian Strache, seit Jörg Haider, seit … nichts, absolut nichts geändert. Und für diese absolute Nichtveränderung steht auch beispielhaft der eben zum Generalsekretär dieser Partei gewählte Mann …

Es ist hoch an der Zeit, für eine Veränderung. Nicht für eine Veränderung dieser Parteien, die sind zur Veränderung nicht fähig.

Zeit für eine Veränderung des Umgangs mit solchen Parteien, Zeit für das Ende der breitesten Werbung für solche Parteien und ihr Umfeld.

Das wäre, kurz gesagt, eine Veränderung zum Positiven, auch und endlich in Österreich, aber, das ist die österreichische Misere, kurz zusammengefaßt, ebenso unfähig zur positiven Veränderung zu sein wie derartige Gesinnungsparteien … Genauer gesagt, die Unfähigkeit zur positiven Veränderung in Österreich von jenen, die den breiten öffentlichen, den breiten medialen Diskurs — Diskurs ein gänzlich falsches Wort in Verbindung mit Österreich –, die Unfähigkeit zur positiven Veränderung in Österreich von jenen, deren Stammtisch das Öffentliche, das Mediale in Österreich ist …

NS 25 Jahre Jörg Haider – Herbert Kickl. Von Zigeuner zu Zigeuner. Zigeuner ist nicht in Anführungszeichen gesetzt, weil es nach wie vor nicht der Wirklichkeit entspricht, in der Wirklichkeit noch viel zu viele dieses Wort verwenden, wie es Jörg Haider verwendete, wie es der „Vogelschiß“-Mann in Deutschland verwendet, soher Herbert Kickls Weg von „Zigeuner“ zu „Zigeuner“, ohne Anführungszeichen, sogar dann, wenn es im Gedenken an Auschwitz geht …

„Unwort des Jahrhunderts: Menschenmaterial“

Als Appendix von Zita Maria delle Grazie Habsburg-Lothringen, geb. von Bourbon-Parma, die mit „Unser Menschenmaterial“ offen ihr christlich seliges Verständnis von Menschen definiert, die katholisch heilige Praxis ihrer Familie durch etliche Jahrhunderte beschreibt, ist doch besonders noch zu erwähnen, daß „Menschenmaterial“ vor rund zwanzig Jahren zum „Unwort des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

Sie hängt mit dem „Unwort des Jahrhunderts“ ihr Familienbild selbst in die Galerie, in der auch beispielsweise das Bild von Adolf Hitler hängt, der sein Verständnis von Menschen als „Menschenmaterial“ in „seinem Kampf“ offen definiert.

„Menschenmaterial“, das „Unwort des Jahrhunderts“, das „Unwort des 20. Jahrhunderts“, könnte gemeint werden, wird im 21. Jahrhundert nicht mehr verwendet. Dem ist aber nicht so.

Um ein Beispiel aus dem 21. Jahrhundert hierfür anzuführen. Ein Premierminister bezeichnet Menschen als „bad human material“, und was mit derart bezeichneten Menschen gemacht werden soll, nun, das kann etwa in Österreich tief unter der Erde, kurz ist es her, erfahren …

„Unser Menschenmaterial“

„Unser Menschenmaterial, unser Nahrungsmaterial und alles was dazu notwendig war, um einen Krieg zu führen, war erschöpft oder nahezu völlig erschöpft. Daher war die Notwendigkeit, einen Frieden um jeden Preis zu erringen das Notwendigste, das Wichtigste.“

Die Ehefrau sagt das, die Ehefrau von dem Mann, der noch einhundert Jahre später nicht wenigen ein „Friedenskaiser“ sein will, der selig gesprochen wurde, aus einem wichtigen und triftigen Grund, wie alle Gründe für Heiligsprechungen wichtig und triftig sind – Krampfadern.

Das „Material“ bloß haben sie „erschöpft“, das „Menschenmaterial“ haben sie „erschöpft“, verkrüppelt …

Es ist gut, daß der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich die zwei Sendungen über die Abrechnung und die Zita im der letzten Winterwoche des Jänners 20 ausstrahlt, in der ihr nun altes Enkelkind in einer der zwei Sendungen klagt, seine Familie wäre in Eckartsau fast verhungert … wie muß doch seine gar arme Familie mit Neid auf das „Menschenmaterial“ geschaut haben, für das das Übriggebliebene von Österreich ein Schlaraffenland zur selben Zeit gewesen sein muß, mit täglich fünf Mahlzeiten, Fleisch, Milch, Honig, Kaviar, Champagner, Kaffee, Tee, Kuchen …

Wie wird sich seine Familie wohl gewünscht haben, auch „Menschenmaterial“ nur zu sein, statt aus Menschen „Material“ zu machen.

Was sich wohl jene davon erhoffen, die nach wie vor für Österreich mit den Insignien Opferstock und Rosenkranz eine Monarchie erträumen? Vielleicht erhoffen sie sich nichts, wollen einfach nur wieder das sein: „Menschenmaterial“ …

… das am Wochenende hinausgekarrt wird in die Wachau, zur Großmutter mit dem Hackbrett …

Nach Auschwitz

In Österreich einen „Newsletter“ vom Reisebüro Ernesto Travel zu erhalten, noch dazu unaufgefordert, zwei Tage nach dem Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, mit dem Reisen nach Auschwitz angeboten werden, an den Ort, an dem …

„Die Nazis ermordeten in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, aber auch Polen, Zigeuner […]“

Und der Newsletter von Ernesto Travel vom 29. Jänner 2020 endet:

„Es ist ein Ort, den jeder lieber vergessen möchte, aber wir dürfen es nie vergessen, denn wie eine Inschrift von Primo Levi in einer der Baracken sagt: ‚Diejenigen, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben.'“

Deshalb wohl vergißt das Reisebüro es nicht, die Menschen – ganz ohne Anführungszeichen – Zigeuner zu nennen, damit sie zu dazu verurteilt bleiben, ihre Vergangenheit weiter zu erleben …

Wenn ein Reisebüro aus Polen für Pilgerinnen mit diesem Wort für Reisen nach Auschwitz wirbt, kann bereits ermessen werden, wie es um die Lebensbedingungen von den Menschen, die in Europa unter dem Antiziganismus zu leiden haben, in Polen, auch in Polen bestellt ist.

Ein Schlaraffenland ist es für sie gewiß nicht, nicht einmal ein Land.

Kurz das noch zum Schluß. Beinahe könnte beim Lesen von Zigeuner ohne Anführungszeichen gemeint werden, in Österreich haben Bildung und Gedenkveranstaltungen doch etwas bewirkt, weil zumindest auf einer Gedenktafel im tiefen Burgenland Zigeuner in Anführungszeichen …