Europa der Nacht

Eilmeldung!

Nach noch nicht gesicherten Informationen ist es gestern Abend (31.3.17) in der rumänischen Stadt Gheorgheni (Gyergyószentmiklos/Niklasmarkt) zu einem Pogrom gegen Angehörige der örtlichen jüdischen Bevölkerung gekommen.

Eine Gruppe von ethnischen Ungarn hat eine Hütte, die von mehreren Juden bewohnt wird, angezündet. Es ist die Rede von mehr als 150 Personen, vor dem brennenden Haus müssen Fotos nach zu urteilen mehrere hundert Menschen versammelt gewesen sein. Es gibt direkt vom Geschehen bisher keine Fotos oder Aufnahmen, was auch daran liegt, dass die Presse daran gehindert wurde. Die Gruppe zog weiterhin zu anderen in Gheorgheni und den umliegenden Gemeinden lebenden jüdischen Familien in der Stadt, bedrohten sie und verwüsteten oder zerstörten teilweise weitere Hütten. An dem Eintritt in die größte lokale Siedlung wurden sie von Sondereinsatzkräften gehindert.

Die Menschen der betroffenen Gegend konnten die gesamte Nacht nicht schlafen, leben seitdem in Angst und werden von der Polizei bewacht.

In einer geschlossenen Facebookgruppe der Stadt mit einer Userzahl von ca. 5.500 Usern kommentierten währenddessen einzelne Nutzer „Ich spende Benzin“, „Sie sollen alle brennen“ oder „Jetzt gibt’s wieder J[…]braten“. In den Kommentarspalten sozialer Netzwerke äußern sich Menschen rassistisch wie folgt: 

„Der J[…] ist einer wie der Z[…] oder der Moslem. Sie können ungehindert alles tun, weil sie immer mit Rassismus ankommen.“

Nur wenige Kilometer entfernt findet jeden Sommer die Veranstaltung „EMI Tábor“ der rechtsextremen Jobbik-Partei aus Ungarn statt, die über ein umfangreiches Netzwerk in der Gegend verfügt.

Die EU muss ihre Bürger_innen schützen! Gegen die Diskriminierung von Juden und für eine gleichberechtigte Teilhabe aller! Straftäter_innen konsequent verfolgen!“

Das ist der Bericht von Ecoleusti vom 1. April 2017. Der oben zitierte Bericht wurde zur Gänze wortgetreu übernommen.  Nur eines wurde verändert. Es geht nicht um Juden, sondern um Roma. Es wird von Ecoleusti also nicht von einem „antisemitischen“, sondern von einem „antiromaistischen“ Pogrom berichtet, wie gelesen werden kann.

Sie werden sich fragen. Was soll das? Nun. Dabei sollten Sie sich tatsächlich fragen, weshalb müssen Roma und Sinti zu jüdischen Menschen umgeschrieben werden, um darauf aufmerksam zu machen, ein weiteres Mal darauf aufmerksam zu machen, wie es diesen Menschen in Europa geht.

Die Antworten darauf sind denkbar einfach.

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Es gibt zum Glück heutzutage eine hohe Sensibilität in Europa gegen Antisemitismus. Auch wenn es diesen leider nach wie vor auch noch gibt, gibt es zugleich eine starke und sofortige Bereitschaft, Antisemitismus breit entgegenzutreten, diesen breit zu verurteilen, diesen breit abzulehnen. Kennen Sie zugleich diese breite Ablehnung und breite Verurteilung von Antiromaismus in Europa?

2

Es ist kein Tabu mehr, bei sogenannten historischen Persönlichkeiten darauf hinzuweisen, sie wären antisemitische gewesen. Hingegen keine breite Erwähnung bei denselben sogenannten historischen Persönlichkeiten, die sich in Wort und Erlässen barbarisch gegen Roma und Sinti verhielten. Exemplarisch für dieses Schweigen über die Vergehen sogenannter historischer Persönlichkeiten können genannt werden:

die kaiserliche Ahnherrin der Integration in Österreich,

die zum Weltkulturerbe ernannten luderischen Schriften.

3

Es wird zum Glück heutzutage bereits breit empfunden, Antisemitismus ist unverzeihlich. Hingegen darf ein Mensch mit Nachsicht und Großzügigkeit der Gebildeten rechnen, der über Roma und Sinti … Exemplarisch kann ein Ethnologe hierfür genannt werden, gerühmt für seine Feldforschungen …

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Es kann im Grunde die Argumentation abgekürzt werden, wenn Sie hier einfach die Kapitel aufrufen, wie über Menschen, die dieser Ethnie zugerechnet werden, heutzutage noch breit geschrieben und breit geredet wird, und dabei so selbstverständlich für sie eine Bezeichnung verwendet wird, die hier nicht noch einmal verwendet werden will.

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Auch wenn es heutzutage nicht nur eine breite Ablehnung des Antisemitismus gibt, sondern wie selbstverständlich vom „jüdisch-christlichen Abendland gesprochen wird, darf keiner Illusion erlegen werden. Denn. Diese Integration des Jüdischen kann mehr der Suche nach Verbündeten geschuldet sein, als einer wahren Ablehnung des Antisemitismus. Verbündete gegen den nun auserwählten „Feind“, dem der Name Islam gegeben wurde.  Das in einem Kapitel bereits angesprochen wurde. Aber das kann sehr schnell wieder umschlagen, wie nicht nur jener Mann es vor 500 Jahren bereits bewies, der jüdische Menschen als Verbündete haben wollte, und diesen dann wünschte, als sie nicht taten wie er wollte, es solle ihnen ergehen wie den …

Auch in Österreich, durch das Mirbeau allerdings nicht fuhr … wie, muß gesagt werden, schade! … was hätte er dann nicht alles über Österreich zu sagen gewußt, stattdessen gibt es bloß das Lahmkonservative eines Thomas Bernhard …

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Sie werden fragen. Was hat das mit Österreich zu tun, was in Rumänien passiert? Nun. In dem oben zitierten Bericht von Ecoleusti findet, wie nicht anders zu erwarten, eine Partei Erwähnung, die für eine österreichische Parlamentspartei keine ist, die sie als eine mit negativen Anschauungen empfindet …

Es sind auch vor allem diese Menschen gemeint, wenn es um bettelnde Menschen geht, und wie selbstverständlich über alle Parteigrenzen hinweg die Forderungen und auch rechtlichen Umsetzungen von Verboten

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Es ist notwendig zu erinnern, was „Pogrom“ heißt. Es mag vielen schon harmlos klingen. Es heißt „Verwüstung“, „Zerstörung“. Und in dieser heutzutage vorstellungsarmen Zeit ist es wohl mehr denn je, wieder, notwendig zu erinnern, was „Verwüstung“, „Zerstörung“ heißt. Octave Mirbeau schildert eine solche Zerstörung, die als Beispiel für dieses Barbarische zitiert werden soll. Es geht hierbei um Pogrome gegen jüdische Menschen. Damit Sie eine Vorstellung bekommen, wie Menschen, die heutzutage, im Jahr 2017, unter Pogromen zu leiden haben, wurde die Erzählung entsprechend adaptiert:

Eines Abends erteilte der Gouverneur den romaischen Läden die Genehmigung, bis zehn Uhr geöffnet zu bleiben. Das ganze Viertel brach in Freude aus. Man hatte die Auslagen noch sorgfältiger bestückt und sich für Beleuchtung in Unkosten gestürzt, um die Kunden anzulocken… Plötzlich um viertel nach neun, brach eine Horde in die kleine Gasse ein, in der sich sein Laden befand, und eine Salve von Geschossen zertrümmerte sämtliche Scheiben. Sein jüngster Sohn war ihm, Blut erbrechend, in die Arme gesunken, und noch während er mit dem Leichnam beladen war, hatte der Vater gesehen, wie ein Besoffener dem älteren Sohn zwei Finger in die Augen bohrte, Und da sei er in Ohnmacht gefallen. Als er wieder zu sich kam, war ihm der Bart ausgerissen, ein Ohr mit einem Säbelhieb abgeschlagen, aber was besonders schmerzte, war sein Kinn … Es war stockfinster in dem Laden, er strauchelte über leblose Körper, und er unterbrach sein Schreien nur, um nach den sich entfernenden Schüssen zu horchen, nach dem Stöhnen, das von der Gasse, von den Dielen, vom Innern der Mauern, von unter der Erde zu kommen schien. Im Schein einer Talgfunzel konnte er feststellen, daß nicht ein einziges Kleidungsstück mehr in den Auslagen verblieben war. Die Plünderer hatten alles zertrümmert, alles mitgenommen … Auf den Stufen zum Kontor, hinten im Laden, lag zwischen leeren Schubladen, zerschlagenen Schubladen, zertrampelten und blutverschmierten Gegenständen seine Frau, die ihm zunächst nur bewußtlos schien. „Ich hab ihre Röcke wieder herabgezogen!“, fügte er ganz leise hinzu … Und er schloß die Augen. Und noch leiser: „Sie waren hochgeschoben! A Frau von mehr als fünfzig Jahr! …“ Dann erkannte er, daß sie tot war, erwürgt, mit offenen Augen. Es kam Leben in ihn. Sein Atem wurde unerträglich. Mir fiel auf, daß er fast ohne Zorn und wie ohne Schmerz redete … Vielleicht hatte er nicht mehr die Kraft, etwas davon auszudrücken! … Ich spürte, daß es meine Augen waren, die sich mit Tränen füllten … „Das war noch nicht genug … Sie haben die Leichen mitgenommen … sie wollten die Leichen nich‘ wieder ausrücken, alle hatten sie sie, egal, ob Tote oder Verwundete, bei Nacht, ma‘ weiß nich‘ wo, verscharrt .. . Sie haben Roma massakriert und sie haben geplündert sieben Tage … Wir konnten uns nicht widersetzen … Wie denn auch? Und sie haben uns geohrfeigt … und sie haben uns in’nen Bauch getreten … und sie haben auch noch auf uns gespuckt … Wozu nur? Ach! … Wozu? …“ Feuerbrünste brauchen aus, die man nicht gelöscht hat … Der größte Teil des Viertels wurde zerstört … Einer seiner Kinder starb noch im Spital an einem Tritt mit dem Stiefelabsatz, der ihm den Schädel gespalten hatte … Und während sie vorher neun gewesen waren und mehr oder weniger glücklich in ihrem Elend, verließen sie, aller Habe beraubt, in Trauer auf ewig, zu fünft diese fluchbeladene Stadt … Ich lauschte der Erzählung des Elends, des Unrechts, der Entbehrungen und langen Wanderungen von Stadt zu Stadt, von Städten, die für Roma verboten waren, zu Dörfern, von wo man sie mit Steinwürfen, mit Sensenhieben verjagte … Er wußte nicht mehr, wovon oder wie sie in jenen furchtbaren Zeiten gelebt hatten  …

Der schreckliche Bericht geht noch weiter. Aber, es versagen die Finger, Sogar die Finger versagen. Sie verweigern, im Angesicht der Gegenwart, zu schreiben, was längst der Vergangenheit angehören sollte, in diesem Europa, und nicht nur in Europa, was vor über einhundertzehn Jahren Octave Mirbeau als Bericht eines Menschen wiedergab, der unter Pogromen zu leiden hatte. Und über einhundertzehn Jahre später, in Europa, ist „Pogrom“ immer noch nicht ein Begriff, der nur noch mit unmenschlichen Handlungen weit zurück in der Vergangenheit erklärt werden könnte, weil es eben keine mehr gibt, diese endlich überwunden sind.

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Sie werden vielleicht sagen, darüber wird in den sogenannten sozialen Medien ja doch ausführlich … in den sogenannten sozialen Medien gibt es eine Fürsprache, Berichte, wenn es gegen Roma und Sinti … Auch das, mehr als enttäuschend, ernüchternd. Heute, am 2. April 2017, eine Suchprobe auf der Plattform des Unternehmens Twitter. Das Ergebnis sehen Sie in der Collage: „Seltsamerweise wurde nichts für deine Suchanfrage gefunden.“ Nichts für „antiromaistische pogrome“. Nichts für „antiziganistische pogrome“.  Sie können die Gegenprobe machen. Sie werden aber Suchergebnisse bekommen, auch auf Twitter, zu „antisemitische pogrome“.

Antiromaistischer Pogrom - Twitter

Hat der Geehrte, Armin Thurnher, sich selbst geehrt?

Bedankt sich der Geehrte Armin Thurnher bei sich selbst.jpg

Hat der Geehrte, Armin Thurnher, sich selbst geehrt? Und die Frage ist hinzuzufügen: Hat der Geehrte, Armin Thurnher, sich dann auch noch bei sich selbst bedankt, daß er mit sich selbst geehrt hat?

Es hätte durchaus nachgefragt werden können, ob das Jury-Mitglied Armin Thurnher mitstimmte oder gar nicht daran teilnahm, als es darum ging, ihm, Thurnher, den Bruno-Kreisky-Preis für das publizistische Gesamtwerk …

Nun, wie das tatsächlich war, wie der geehrte Juror sich dabei wirklich verhielt, das ist nicht weiter wichtig, das wird auch nicht bemäkelt. Es will bloß dieses Farbfleckerl aufbewahrt gewußt werden.

Dieses Farbfleckerl auf dem Sittenbild. Und was zu diesem Sittenbild des Landes so alles einfällt beim Lesen, auch beim Lesen der Preisrede des Geehrten, des „Doyen des österreichischen Journalismus“ … was für ein Glück, ihn, Thurnher, als aktiven Journalisten zu haben, was für ein wohltuender Gegensatz zum „bürgerlichen Gewissen der österreichischen Publizistik“

Zuerst fiel dazu ein, ob nicht alle diese Farbpatzer zusammen ein Gesamtbild der Sitten in diesem Land malen, der Sitten, die das Erstarken der identitären Kraftlackerln so recht begünstigten und weiter begünstigen

Und dann beim Lesen der Preisrede drängte sich die Erinnerung an eine Betriebsrätin auf, die in einem ihrer jährlichen Leistungsberichte in der Belegschaftsversammlung nicht vom eigenen Betrieb, nicht von der eigenen Betriebsratsarbeit sprach, sondern eine Rede zur Lage der Welt hielt. Der Geehrte spricht viel von der Welt, von der Sozialdemokratie, von der Sozialdemokratie in anderen Ländern, und dabei von den Männern der Vergangenheit, und der österreichischen Sozialdemokratie rechnet er es wohl hoch an, nicht diesen fatalen Willen eines Schröders, eines Blairs … Dieses Verdienst ist wohl mehr einem Land geschuldet, in dem es nicht so offen und klar die Gemeinheit, aber unter der Tuchent … gefederter Neoliberalismus, wie es eben gemeiniglich so gemütlich gefällt auf österreichische Bauernart … In einem Land, in dem sich sogar ein Führender aus der Industriellenvereinigung beispielsweise in der Pressestunde streckenweise anhören kann, als wäre er ein Sozialdemokrat oder gar noch …

Der Doyen spricht von Bruno Kreisky, von seinen sozialdemokratischen Nachfolgern im Kanzleramt nicht, nein, doch, er sagt: „… lieber Alfred Gusenbauer, ich habe zu danken.“ Er spricht viel etwa von Donald Trump, er weiß viel Konkretes zu berichten, aus anderen Ländern, er bleibt sehr im Allgemeinen, mit dem Österreich gemeint sein könnte … ein Doyen ist eben zu interpretieren, wie ein Kardinal, der von seiner Kanzel herab spricht, oder eine Kammerschauspielerin, die das Käthchen von Heilbronn gibt … Konkret spricht er etwa an die von Donald Trump geplanten Streichungen von Subventionen für Kultur und Medien … Konkretes, das aus Österreich zu berichten wäre, zu Kultur und Medien … ein Doyen ist auch ein vornehmer Mensch, er läßt die anderen das Konkrete sprechen, die haben schließlich einen Plan, gar einen sozialdemokratischen Plan A: Kunst und Kultur machen keine Arbeit mehr. Endlich.

Zu den Medien fällt ihm doch etwas Konkretes ein, das mit Österreich zu tun hat, die Familie Dichand und die „Krone und ihre noch widerlicheren Enkel“ … Ein Doyen ist kein Marktschreier, und das macht es verständlich, daß er hier nicht lobend erwähnte, den sozialdemokratischen Plan der Förderung, ach, wie löblich, nicht nur im Vergleich mit Trump: Österreich heute: Krone der Kultur

Der Geehrte fragt: „Warum scheint Politik nach Art Bruno Kreisky aus einer anderen Epoche zu stammen?“ Er fragt nicht, aus welcher Epoche stammt die Parteipolitik von Christian Kern … aus der Zeit, als es „Ostarbeiter“ … er hätte auch fragen können, wie bastelt sich der derzeitige sozialdemokratische Kanzler seine Welt? Dann könnte eine Antwort lauten: Die kronenreale Welt des Christian Kern … und ein bißchen imperialgelbliches Holz gehört auch zum Weltbasteln dazu, das aber wird beim gemeinschaftlichen Basteln von der sozialdemokratischen und christschwarzen Regierung eingesetzt: 300 Jahre Ahnherrin der Integration in Österreich

Kurier der Kaiserin, der ein König trotz seines Krieges gegen sie nie ihr ein Feind war

Es heißt, Menschen müssen stets aus ihrer Zeit, die sie prägt, heraus verstanden und vor allem in ihrer Zeit beurteilt werden, und das wird besonders verlangt, wenn es um sogenannte historische Persönlichkeiten geht.

Es ist schlecht bestellt um die Gegenwart, wenn im März des Jahres 2017  zum Andienen als Kurier der Kaiserin auf diese Art …

„Selbst Friedrich II., ihr lebenslanger Gegner, zollte ihr zuletzt noch Respekt, als er aus Anlass ihres Todes schrieb: ‚Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht; ich habe mit ihr Krieg geführt, aber ich war nie ihr Feind.'“

Das führt also der Kurier der Kaiserin des Jahres 2017 zur ihrer Lobpreisung an, den gezollten Respekt eines Königs, der mit ihr Krieg geführt habe, aber nie ihr Feind war. Dies im Jahr 2017 noch anzuführen, ja, es ist schlecht bestellt um die Gegenwart, das noch als ein positives Wort anzuführen, er habe mit ihr Krieg geführt, aber er sei nie ihr Feind gewesen, weil sie habe ihrem Thron und ihrem Geschlecht, also dem habsburgischen Geschlecht Ehre gemacht.

Diese Lobhudeley des Kuriers der Kaiserin ist Sinnbild für das Unverständnis der Zeit, in der dieser Kurier lebt, ebenso Sinnbild des Unverständnisses wie der einer „Reserl“-Tochter untergeschobene Satz von dem Kuchen, den das sogenannte Volk essen solle, wenn es kein Brot habe.

Freilich mußte der König kein Feind der Kurierkaiserin sein, die Knochenarbeit des Krieges hatten andere zu erledigen, Fritzerl und Reserl standen nicht selber auf den Wiesen gegeneinander und schlugen sich ganz allein gegenseitig die Schädel ein. Dennoch waren die Wiesen mit Blut überschwemmt, mit dem Blut der Menschen, die kein Brot und keinen Kuchen … Fritzerl und Reserl hatten das bloße Vergnügen des Krieges für sich allein, auf irgendwelchen Anhöhen gemütlich zu hockerln, umsorgt, reichlich mit Brot, Kuchen und andere Delikatessen versorgt, konnten sie mit ihren Landkarten spielen, auf denen sie die Brotlosen und Kuchenlosen hin- und herschoben, ätsch, und tot sind deine Losen … ganz nach Lust, Laune, Tagesverfassung, spielerischer Freude, Blutdurst, Leibhunger …

Und wenn sie einmal keine frommen Kriegslüste hatten, dann kümmerten sie sich um Integrationsmaßnahmen, wie das Reserl mit ihrem Sohn, die für das heutige Österreich noch Vorbildwirkung …

Fritzerl starb für die damalig Zeit wohl hochbetagt gemütlich und umsorgt in seinem Stuhlchen, und Reserl starb für die damalige Zeit ebenso gemütlich und umsorgt in ihrem Schlösserl, vielleicht auch auf ihrem Sesserl. Sie starben ohne, wie es heißt, Fremdeinwirkung, kein Krieg, den sie anzettelten, raffte sie hinweg, die Kriege, die sie anzettelten, raffte die Brotlosen und Kuchenlosen hinweg. Sie war nicht die einzige, die umhegt, gepflegt … als Octave Mirbeau den unten zitierten Text schrieb, regierte in Österreich ein Greis, der wohl selbst nicht mehr die Brotlosen und Kuchenlosen auf der Landkarte – das wird ihm wohl ein Lakai nach sabbernden Anweisungen …

Diese Lobhudeley ist dermaßen absurd, und besonders absurd ist diese vom Kurier der Kaiserin, das nicht umhin zu kommen ist, in Erinnerung zu rufen, was vor über einhundert Jahren Octave Mirbeau …

Aristokratie - Octave Mirbeau - Gedächtnistafel für Redaktionen.jpgDas Grausame schreckt nicht ab. Im Gegenteil, ja, es ist schlecht um die Gegenwart bestellt. Dient das noch zur Glorifizierung von solchen Figuren, die nicht zum Gaudium der Brotlosen und Kuchenlosen, damit sie ihr Hungern und ihr Krepieren für die Höfe vergessen, im Hippodrom liefen, sondern die Wirklichkeit und die Welt zu ihrem Hippodrom der Grausamkeit … In allen Redaktionsstuben der Medien, auch der österreichischen Medien, die so ehrerbietig von den Kabinetten des Grauens auch heute noch berichten, sollte eine Wandtafel mit den Worten von Mirbeau angebracht werden, vielleicht bringt das mehr Einsicht, welcher Groteske sie Schreibknechte, welchem Karneval sie Schreibmägde …

„Dazu beitragen, den Völkern zu demonstrieren, daß das Königtum in unserer Zeit etwas völliges Nutzloses, völlig Unmodernes, ja fast so etwas Groteskes ist wie jene alten Ritterrüstungen, die hie und da noch heute die Vorzimmer und Flure in einigen Schlössern reichgewordener Schuster zieren … Eigentlich dürfte es nur noch in den Operetten existieren, obwohl die Librettisten der Ansicht sind, daß dieses Thema schon stark angestaubt ist. Ich frage Sie in allem Ernst: Kommen die Höfe von Österreich, von Deutschland, von Spanien mit der Albernheit ihres Zeremoniells, mit der karnevalesken Pracht ihrer Kostümierungen heute nicht wie törichte Theaterkulissen, wie erbärmliche Inszenierungen für Hippodrom-Aufführungen vor?“

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

In den letzten Wochen gab es nicht wenige Jubelberichte über Maria Theresia in österreichischen Medien, in einer sogenannten Qualitätszeitung für den Tag wurde gar eine Feministin bemüht, Maria Theresia zu einem heutigen Rollenvorbild für … eine mediale Andienerei und Lobhudeley, als wäre Maria Theresia am Leben und regierte als – die sie nie war – Kaiserin von Österreich … der Anlaß dafür Austellungen über Ausstellungen zu ihrem Geburtstag oder einem Jubiläumsjahr ihrer Regentschaft …

Wer Jubeleien in den Zeitungen von der österreichischen Provinz bis zur österreichischen Provinz, also von der Bundeshauptstadt, in den März-Wochen des Jahres 2017 überflog, konnte eine Vorstellung davon bekommen, wie eine gleichgeschaltete Presse funktioniert, ohne die Presse monarchisch gleichschalten zu müssen. Hervortat sich die oben erwähnte Qualitätszeitung für den Tag noch mit einem weiteren … der Herr Journalist, so berichtet er, steht mit „leiser Wehmut vor den Prunkkutschen“ seiner Kaiserin – „die junge, lebenslustige, dabei kunstsinnige und allgemein als gutherzig beschriebene Habsburgerin“. Pflichtschuldig erwähnt er wohl, daß sie gegen Juden … ihr Vorgehen gegen Roma und Sinti aber, nun, das scheint überhaupt ein Merkmal der heutigen Presse zu sein, das Vorgehen und das Schreiben gegen Roma und Sinti einer sogenannten historischen Persönlichkeit nicht anzulasten, darüber zu schweigen, und es kann, so scheint es, den sogenannten historischen Persönlichkeiten kein Vorwurf deshalb gemacht zu werden, es sei von diesen wohl kein Unrecht gewesen, dermaßen gegen

Wer schließlich sind Roma und Sinti? Bloß Menschen, gegen die weiter geschrieben und vorgegangen wird wie ehemals – oh, glückseliges Österreich, mit deiner Maria Theresia, die endlich Kaiserin …

Und was hat sie denn getan?

Es war von ihr doch nur „gutherzig“ gemeinet, ihre Erlässe gegen die „Zigeuner“:

  • Besitz von Pferden und Kutschen untersagen
  • ihre Häuser und Dörfer nur gegen Erlaubnis
    und genauer Zielangabe verlassen dürfen
  • Verbot von Ehen zwischen Roma
  • ihnen alle Kinder über fünf Jahre wegnehmen und an Bauernfamilien zur christlichen Erziehung übergeben
  • Verpflichtung zur Übernahme von Kleidung und Sprache der Dorfbevölkerung
  • Strafen für Verwendung der „Zigeunersprache“: 24 Stockschläge

Beteiligt daran ist auch ihr Sohn Josef … Mutter und Sohn, die in Österreich als Reformerin und als Reformer gefeiert, gewürdigt, geehrt, verehrt … eine sonderliche Vorstellung in diesem Land, auch noch im 21. Jahrhundert, von Reformen … auch von Aufklärung, wie eine Aufgeklärte in der oben erwähnten Zeitung für den Tag im vorigen Jahr mit verklärten Augen dem Sohne Marias …

Es war von ihnen doch nur „gutherzig“ gemeinet … „Integrationsmaßnahmen“ halt …

Wen erinnert das nicht an das Fremdenrecht dieser Tage – Mutter Maria und Sohn Josef: Ahnherrin und Ahnherr österreichischer Integretationsmaßnahmen … Es werden die sogenannten Fremden darüber nur jubeln und aus lauter Dank ebenfalls einen Rosenkranz sich um den Hals binden müssen. Denn schließlich. Für sie wird nur das Beste aus Jahrhunderten genommen, alles, was sich gar so durch die Jahrhunderte bewährte,  wie „Zigeuner“, denen sie nun traditionsreich gleichgestellt sind, ihnen bestätigen können.

Ach, wie gutherzig doch alles gemeinet, auch für das Strafrecht eine bessre Ahnherrin kann nit gfund’n ….

Maria Theresia - Ahnherrin österreichischer Integration.jpg

Neues braucht die Stadt, mehr noch das gesamte Land

Heumarkt - Weltkulturerbe

Besonders in Wien fehlt ein Denkmal für Octave Mirbeau, gerade jetzt, da so viele – vielleicht verursachen Furunkel an ihren Gesäßen zu große Schmerzen – meinen, aufstehen zu müssen, zum Hinknien, um die Vergangenheit anzubeten und herbeizubeten, wird schmerzlich ein Denkmal für Octave Mirbeau vermißt, in das für die Schreienden und Rasenden eingraviert ist:

„Und sehen Sie: Sobald es darum geht, eine Gruppe von alten, vermoderten Häusern niederzureißen, die Spitzhacke in Gassen zu schlagen, die mit dem Unrat der Jahrhunderte angefüllt sind, damit die Luft, Licht, Gesundheit eindringt, dann gibt es nur Proteste, Geschrei und Raserei.

Vereine zum Schutz von Kunst und Geschichte formieren sich, lärmende Ausschüsse werden tätig, Zeitungen ergehen sich in den verrücktesten Propaganden, erhitzen sich selbst und gegenseitig in dem Kampf darum, das, was sie auch die Schätze unseres nationalen Erbes nennen, vor dem, was sie als einen Akt des Vandalismus bezeichnen,
zu bewahren.

Am Ende schreckt die Regierung zurück vor der Gefahr, die bei Wahlen immer besteht, eine Sanierung vorzunehmen. Um die Geschichte zu ehren, wird sie jene gefürchteten Infektionsherde bewahren und konservieren. Sie wird sogar noch mehr tun: Sie wird zu ihrer Konservierung einen Konservator ernennen.“

Es muß aber ein mobiles Denkmal sein.

Rettet die Karlskirche - WeltkulturerbeDenn es ist an vielen Orten aufzustellen. Besser noch, um es gleichzeitig aufstellen zu können, gleich mehrere mobile Denkmäler derselben Ausführung. Aktuell ist ein solches aufzustellen: eines vor der Karlskirche im Resselpark, eines auf dem Heumarkt.

Wie viele hätte es schon in den letzten Jahren bedurft, etwa vor dem Karl-Lueger-Denkmal auf dem Karl-Lueger-Platz. Gerade statt Karl Lueger ein stationäres Denkmal für Octave Mirbeau und gleich den Karl-Lueger-Platz umzubennen in Octave-Mirbeau-Platz …

Octave Mirbeau statt Karl LuegerAuch an anderen Orten in Wien wäre das mobile Mirbeau-Denkmal mit dieser Inschrift angebracht gewesen, beispielsweise im Museumsquartier, wo ein Leseturm nicht gebaut werden durfte, oder im Arenbergpark, wo die Flaktürme bleiben mußten, wie sie waren oh, nationales Erbe … vor jedem alten Haus, das nicht … weil schreiend und rasend gemeint wird, es sei zu erhalten …

Diese geistigen Infektionsherde des Glaubens und des Nationalen … wer könne sich da noch wundern, daß alles zurückkehrt, und es kann doch nur eines verwundern, weshalb noch die Furcht vor der Wiederkehr, wo doch so viele für das Bewahren des nationalen und religiösen Erbes rasen und schreien …

Statt Stephansdorf Octave-Mirbeau-LeseturmAuch an anderen Orten in Wien ist das mobile Mirbeau-Denkmal vonnöten. Besonders vor der Stephanskirche auf dem Stephansplatz. Ist der Domabriß nicht längst überfällig, um hier, spät aber doch den Leseturm, der im Museumsquartier nicht errichtet werden durfte, zu bauen, den Octave-Mirbeau-Leseturm, einen Leseturm zu errichten, denn zum Lesen hat die Stadt, das gesamte Land viel – mit dem Entfernen des größten Furunkels hörten augenblicklich die Schmerzen auf und niemand bräuchte mehr für eine menschgemäß nur vorübergehende Erleichterung sich hinzuknien …

Mobiles Denkmal Octave Mirbeau - Gegen Infektionsherde des National und des Glaubens

Schriften von Martin Luther – 500 Jahre Weltkulturerbe Antiziganismus

Unesco Weltkulturerbe Schriften Martin Luther

Es gibt nun eine recht große Freude unter den Wiedergängern und Nachgängerinnen von Martin Luther, daß Schriften von ihm Weltkulturerbe … so passend und hilfreich zu den Propagandafeiern 500 Jahre …

Und was je zum Erbe erkoren wird. Dafür scheint es ein Leitbild zu geben, bestehend aus einem einzigen Satz: Das Weltkulturerbe ist gut.

Vollständig aber müßte es heißen: Das Weltkulturerbe ist gut, aber der Mensch, der Mensch ist nicht so. Und auch Martin Luther ist … Was er ist, was er heute allen sein sollte –  es gibt hierzu bereits einige Abschnitte, wie gelesen werden kann …

Weltkulturschönung wäre wohl die zutreffendere Bezeichnung für das Listerl Weltkulturerbe.

Oder: Weltkulturerbe, eine Albernheit. Und es ist auch albern. Eine besondere Albernheit fällt hierzu ein, die mit dem Burgerl als Versteck von Luther sogar zusammenhängt, nämlich die Albernheit

WKR-Ball, der nun Aka…

um wienerische Bälle als … albern nicht nur, wenn es um Säbeltänze geht, was für ein albernes Geschrei ist aktuell auf dem Eislaufplatz oder aus dem Resselpark

Kurz Grasser oder Franz …

Sebastian Kurz- Christliche Sodilarität

Die letzten Aussagen von Sebastian Kurz werfen endgültig ein recht weißes Licht auf seine christschwarze Partei, kurz und sobotka gesagt, die ÖVP ist nun zu einer Gebärmaschine von FPlerinnen mutiert.

Den ersten, den sie gebar, ist Sebastian Kurz.

Vor ein paar Jahren mußte sie FPLer noch adoptieren. Sie werden sich noch, vielleicht an Karl-Heinz Grasser oder an Marcus Franz erinnern. Der eine war auch einmal in der ÖVP für die ÖVP im Gespräch: als Vizekanzler und als Parteiobmann. So wie jetzt eben Sebastian Kurz im Gespräch ist, als Parteiobmann.

Er, Kurz, kann, kaum in die Politwelt geworfen, schon reden als FPler: „NGO-Wahnsinn“, „Systemwechsel“ …  So viele Kombinationen mit „Wahn“ und mit „System“ sind von der identitären Parlamentspartei her bekannt.

Erschreckend dabei ist aber,

Sebastian Kurz kann stolz auf sich sein, für Uncut-News ist er ein „forscher Außenminister“

wie recht für Sebastian Kurz geworben wird.

Auch mit Umfragen. Ob er, Kurz, daran ganz unbeteiligt ist, daß es diese ungewöhnlichen Umfragen gibt? Es wird nun seit einiger Zeit abgefragt, wie würde die ÖVP mit einem Parteiobmann Kurz abschneiden. Es ist nicht erinnerlich, daß je noch vor diesem von der ÖVP gezeugten FPler abgefragt wurde, wie würde eine Partei mit ihrem Obmann und zugleich wie würde diese Partei mit einem anderen Obmann in Wahlen abschneiden.

Und das Erschreckendste daran ist, die ÖVP würde mit einem Obmann, der nicht Mitterlehner ist, sondern mit dem von ihr gezeugten FPler, in einer Nationalratswahl stärkste Partei werden.

Absolut erschreckend, wie viele in diesem Land die Sicht von dem gezeugten FPler teilen, was „christliche Solidarität“ … Kurzsche Solidarität aber ist Nullsolidarität. Eine Lektion in Solidarität erhielt dieser erst vor kurzem …

Unterrichtsstunde für Sebastian Kurz

sigmar-gabriel-sebastian-kurz-lehrer-und-schuler

Auch von eigenen Kindern kann der Mensch sich trennen, wenn deren Vernunft alles andere als Vernunft gebiert, sondern … Die ÖVP hat Erfahrung mit Kindesweglegung. Wenn etwa an das dann rasch wieder losgewordene zur Pflege übernommene …

Der für NR Marcus Franz unfaßbare Tod des Udo Ulfkotte

Als Octave Mirbeau vor einem Schaufenster mit Smartphones steht …

sieht er keine Smartphones an, sondern red rubber, also roten Kautschuk. Und beim Ansehen der Kautschukmuster sieht er im Nu etwas anderes, das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen. Das ist lange her. Über einhundertzehn Jahre. Heutzutage sehen sich Millionen von Menschen im Internet Bilder und Videos vom Eigentlichen, vom Wesentlichen, vom Verbrechen an. Aber wenn die Millionen von Menschen vor den Auslagen stehen, sehen sie das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen nicht, sondern nur Smartphones, und dann stürmen sie sofort die Geschäfte, um den Geschäftskönigen Millionen, Milliarden …

Smartphones in Auslagen

Octave Mirbeau braucht keine Collage dazu, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen, wenn er in die Auslage mit den Kautschukmustern sieht.  Heutzutage muß eine Collage erstellt werden, um zu zeigen, was tatsächlich zu sehen ist, wenn in Auslagen Smartphones gesehen werden. So arm ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es ihm nicht mehr möglich ist, Bilder und Videos im Internet mit der in Auslagen ausgestellten Ware in Verbindung zu bringen. Heutzutage im Westen, in der ach so kreativen Zeit.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, und das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen sieht, gab es einen Menschen, der Geschäftskönig genannt wurde. Leopold von Belgien, verheiratet mit einer Habsburgerischen aus dem tirolerischen Österreich. So reich ist der Mensch des Westens seither geworden, daß es viele Geschäftskönige gibt. Und es gibt wohl nicht wenige Geschäftskönige, die immer noch ganz begierig darauf sind, mit einer Frau aus der Familie Habsburg aus dem tirolerischen Österreich verheiratet zu werden. So nichts hat sich seither im Westen verändert. Aber das ist nicht das Schlimme, eine Frau aus der Operette … Das ist hier auch ganz nebensächlich.

Als Octave Mirbeau vor der Auslage steht, geht es um den Kongo. Und auch heute geht es um den Kongo, nicht nur um den Kongo, aber auch und weiter um den Kongo, wenn in den Auslagen das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen zu sehen ist. So nichts hat sich seither verändert, daß es nicht notwendig ist, über seltene Erden, über Kobalt, über Smartphones zu schreiben, um das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen in die Auslage zu stellen. Nur weil es heutzutage andere Produkte sind, muß nicht so getan werden, als hätte es einen Fortschritt gegeben.

Heutzutage ist ebendas Smartphone der Hauptkautschuk.

Über das Eigentliche, das Wesentliche, das Verbrechen kann auch über einhundertzehn Jahre später geschrieben werden, indem einfach zitiert wird, was Octave Mirbeau schreibt, über den Kautschuk. Freilich muß die heutige Einfalt berücksichtig werden, und also stets, wenn Kautschuk genannt wird, Smartphone hinzugeschrieben werden. Korrekter wäre es, Kobalt, seltene Erden … aber die Einfalt, die Kombinationsmängel des westlich gebildeten Menschen … sonst aber, wie bitter für die heutige Zeit der ständigen Weiterbildung und Fortbildung, muß nichts geändert, nichts hinzugefügt werden.

„Der rote Kautschuk [Smartphone]

Dieses Schaufenster wirkt harmlos; der Laden macht einen friedlichen Eindruck. Und doch beginnen mich diese Muster allmählich zu faszinieren. Schließlich kann ich meine Augen nicht mehr von diesen Kautschukstücken [Smartphonestücken] lösen. Warum gibt es keine erläuternden Bilder, keine Photos in diesem Schaufenster? … Meine Phantasie ersetzt sie im Nu.

Ich denke an die Wälder, an die Seen, an das Märchenhafte dieses Paradieses voller Sonne und Blumen … Ich denke an die kindlichen Neger, an die bezaubernden Neger, die zu den gleichen Freundlichkeiten und den gleichen Roheiten wie die Kinder fähig sind. Ich erinnere mich an jenen Satz eines Forschungsreisenden: ‚Sie sind hübsch und sanftmütig wie jene Kaninchen, die man abends am Rande der Wälder sieht, wie sie sich putzen oder im duftenden Grase spielen.‘ Was ihn im übrigen nicht daran hinderte, sie zu töten … Ich sehe die vollendeten Bronzen der Frauenkörper und die Kleinen mit ihren geblähten Bäuchen umherrennen. Ich sehe große Teufel, so schön wie antike Statuen, über einen Lendenschurz, über Glasperlenschmuck ungeduldig mit den Füßen stampfend um Uhren, um Phonographen, um all den erbärmlichen Nippes drängen, den wir für sie herstellen; sich in die Brust werfen, hin- und herschwanken, als würden sie sich lustig machen, sich lustig machen über uns oder über sich selbst; den Kopf hin und her wiegen wie Kinder, die sich genieren. Ich sehe an ihren Frauen, die den Karessen der Weißen zugänglich sind, die linkische Gebärde einer Bäuerin, die ein Städter vor Freude zum Erregen bringt.

Und auf einmal sehe ich über ihnen – und sie bedrohend – die Peitsche des Händlers, des Kolonisten und des Beamten. Ich sehe nur noch solche, die mit dem Revolver in der Faust zur Arbeit geführt werden und so brutal wie die Soldaten in unseren afrikanischen Strafkolonien behandelt werden und die hundemüde, die Haut übersät mit Striemen, weniger zahlreich als sie aufgebrochen waren, von der Arbeit zurückkehren. Ich sehe Hinrichtungen, Massaker, Folter, unter denen, wahllos durcheinander, blutüberströmt, Athleten aufschreien, die gefesselt sind und gekreuzigt werden, Frauen, deren Martern ein abscheulich wollüstiges Schauspiel bieten, Kinder, die, die Hände schützend über ihren Kopf haltend, mit ihren kleinen krummen Beinen unter ihren hervortretenden Bäuchen die Flucht ergreifen. Ganz deutlich habe ich in einer grauen Scheibe, in einer schwarzen Kugel den zu hübschen Rumpf einer vergewaltigten und enthaupteten Negerin erkannt und habe darin auch verstümmelte Greise gesehen, die im Sterben liegen und deren ausgetrocknete Glieder knacken. Und ich muß die Augen schließen, um den Anblick all dieser Greuel zu entgehen, zu denen sich diese Kautschukmuster [Smartphonemuster], die dort so reglos, so neutral daliegen, urplötzlich belebt haben.

Dies sind die Bilder, die eigentlich fast jeder Pneu, der vorrüberrollt, und fast jedes in seinen isolierenden Mantel gehüllte Kabel erwecken müßte. Aber man weiß nicht immer, woher der Kautschuk [Smartphone] stammt. Hier weiß man es: Er stammt aus dem Congo. Er ist tatsächlich jener red rubber, der rote Kautschuk [Smartphone]. In Antwerpen landet davon nicht ein einziges Gramm an, das nicht in Blut getränkt ist.

Im tropischen Amerika, in Malaysia, in Indien ist die Ausbeutung der Kautschukpflanzen [Smartphoneerden] nur eine landwirtschaftliche Industrie. Im Congo ist sie dagegen die schlimmste Ausbeutung der Menschen. Zu Beginn hat man nur die Rinde der Bäume eingeritzt wie in Amerika und in Asien, doch dann hat man, als die Händler aus Europa und die Industrie ihren Bedarf immer mehr erhöhten und die Handelsgesellschaften, die den Reichtum des Königs Leopold ausmachen, immer höhere Einkünfte benötigen, schließlich die Bäume und die Lianen ganz ausgerissen. Nie liefern die Dörfer genug von diesem kostbaren Rohstoff. Man peitscht die Neger aus, da einen die Ungeduld packt, wenn man sie so gemählich arbeiten sieht. Die Rücken übersäen sie mit blutigen Tätowierungen. Entweder sind sie Faulpelze, oder aber sie verstecken ihre Schätze irgendwo. Expeditionen werden organisiert, die jeden Winkel durchsuchen, alles beschlagnahmen, ganze Stämme gefangennehmen. Man nimmt sich Geiseln, die jüngsten unter den Frauen, ja sogar Kinder, mit denen man sich ja wohl noch vergnügen darf, um sich ein wenig zu beschäftigen, oder Greise, an deren Schmerzensschreien man etwas zu lachen hat. Man wiegt den Kautschuk [Smartphone] vor den versammelten Negern ab. Ein Offizier schlägt in einer Notizkladde nach. Es genügt bereits eine Nichtübereinstimmung von zwei Ziffern, und schon fließt das Blut, und ein Dutzend Köpfe rollen zwischen den Hütten.

Und wir brauchen immer noch mehr Pneus, immer noch mehr Regenmantel, immer noch mehr Vernetzungen für unsere Telephone, immer noch mehr Isolationsmaterial für die Kabel der Maschinen. Also ritzt man genauso, wie man die Rinde der Pflanzen einritzt, die Haut der beklagenswerten Eingeborenenrassen ein, und mit der gleichen Roheit, mit der man die Lianen ausreißt, reißt man dem Land seine menschlichen Pflanzen aus.

Zum Teufel mit den Engländern, die eifersüchtige Kerle sind und es dem König Leopold nicht verzeihen, daß er sie an der Nase herumgeführt und bestohlen hat! Zum Teufel mit den Zeitungsschmierern und Radaumachern! Wenn an all unseren Pneus [Smartphone], an all unseren Kabeln Negeblut klebt, dann ist das doch ein gutes Geschäft! Können wir die niederen Rassen denn besser mit unserer Zivilisation verbünden, sie enger in die Bedürfnisse unseres Handels und unseres Lebens einbinden? … Außerdem sind Leopolds Paläste, seine Launen, seine Reisen, seine Sinnenfreuden kostspielig. Muß man nicht auch die Dividenden der Aktionäre erhöhen, die Zeitungen bezahlen, damit sie den Mund halten, das Interesse des belgischen Parlaments wachrütteln, damit e dafür stimmt, und das Interesse der anderen Regierungen einlullen, damit sie über diese Greuel die Augen verschließen?

Aber das ist egal. Wenn ich König Leopold noch einmal begegne, während er sich in Monte Carlo, in Trouville oder in der Rue de la Paix herumtreibt, wenn ich unterm Glase sein Auge strahlen sehe, während er die Schmuckschatullen eines Juweliers betrachtet, die Bluse oder die Lippen einer vorübergehenden Dame taxiert, wenn ich die zu reife Begleiterin einer sehr hübschen Demoiselle in einem Restaurant an den Champs-Élysées dem Souverän etwas ins Ohr tuscheln sehe, dann werde an dieses Schaufenster hier denken, und dann wird mit die Lust zu lachen vergehen …

‚Wir haben auch noch ganz wundervolles Elfenbein …‘, meinte der Mann im Gehrock zu mir, während er mich zurück bis zur Tür begleitete.“

„Das ist das Gebein von Elfen.“

Andre Heller - Uhren gibt es nicht mehr.jpgEin blinder Mensch, dem die Stimmen von Peter Turrini und André Heller unbekannt sind, kam beim Anhören des Gespräches von Herrn Heller mit seiner einhundertzweijährigen Mutter ins Schwärmen und rief aus: Was für eine kindhafte Stimme Frau Heller doch hat!

Anders erging es dem blinden Menschen, dem die Stimmen von Peter Turrini und André Heller unbekannt sind, beim Anhören des Gespräches von Herrn Turrini mit dem vierjährigen Nachbarskind. Er stellte verwundert fest: Was für eine greisenhafte Stimme das Kind doch hat.

Er war nicht davon zu überzeugen, die Tonträger vertauscht zu haben. Er blieb dabei, es ist das Gespräch zwischen Herrn Heller und seiner Mutter zu hören, während in Wirklichkeit das Gespräch zwischen Herrn Turrini und dem Nachbarskind abgespielt wurde, und ebenso beharrte er während des Abspielens des Gespräches zwischen Herrn Turrini und dem Nachbarskind darauf, das ist das Gespräch zwischen Herrn Heller und seiner Mutter.

Wäre bloß ein kompetenter Mensch anwesend gewesen, einer, dem der blinde Mensch Autorität zuerkennt, wie schnell wäre dieses sich in die Länge ziehende Gespräch über die Verwechslung von Tonträgern beendet gewesen. Aber so endete es erst nach Stunden, erst als der blinde Mensch endlich sagte, er sei nun müde. Und aus dem Halbschlaf heraus murmelte er, es müsse seine Mutter in Wahrheit noch viel älter sein, wie sonst könne er sie fragen, ob sie Tschaikowsky noch …

AAndrea Schurian - Andre Heller - Blicke bis auf den Grund der Seelech, wäre bloß Andrea Schurian an diesem Nachmittag anwesend gewesen, wie schnell wäre dieses sich in die Länge ziehende Gespräch beendet gewesen, die Verwechslung aufgeklärt. Denn. Der blinde Mensch hält viel auf ihr Urteil. Ihr Artikel in der besten Tageszeitung des Landes war es schließlich auch, der ihn zum Kauf veranlaßte. Sie werden jetzt vielleicht denken, die Zeitung gibt es in Blindenschrift. Nein, es ist die Reinigungskraft, die ihm täglich, ehe sie mit dem Staubwischen beginnt, aus dieser vorliest. Den Tonträger mit dem Gespräch zwischen Herrn Turrini und dem Nachbarskind erwarb er einige Tage zuvor, aufgrund einer Empfehlung vom besten Radiosender dieses Landes. Die Reinigungskraft muß ihm nicht jeden Artikel vorlesen, aber sie hat den Auftrag, ihm unbedingt alle von Andrea Schurian vorzulesen. Und auch der Artikel von ihr über André Heller und Uhren, die es nicht mehr gibt, aber zu tragen sind, verfehlte bei ihm nicht seine Wirkung, von einer Qualität, poetisch, wie der blinde Mensch sagt, als würde André Heller selbst … todesmutig stürze sie sich in die Sprache, wie eben nur eine Meisterin, die über einen Meister … und der Meister werde die Meisterin nicht wie seine Mutter fragen müssen, ob sie eine Meisterin sei, sondern ausrufen: sie ist eine Meisterin! Denn auch das werde er wissen, wie er so vieles wisse, was zum Beispiel Gott sei, auch das wisse er, der Franzi, wie ihn, ist zu lesen, seine Mutter …. von der der blinde Mensch auch heute wieder meint, beim Abspielen des Gespräches zu Topfenstrudel mit Schlag und Tee, sie habe so eine …

Prozgenta

Inri - Wir sind das Volk - Prozgenta.jpg

„Der französische Laizismus ist, glaube ich, nicht unser österreichisches Modell. Wir wollen nicht eine Gesellschaft, in der religiöse Zeichen einfach verschwinden.“

Das sagt der Kardinal, auch, im Zuge der Erregungen um Foulards, wie gelesen werden kann in

Die Angst des Kardinals vor dem „Burkaverbot“.

Ob dies die Ansage ist zur Gründung der Prozession gegen die Entkreuzung des Abendlandes (schlicht und kurz: Prozgenta)  und wann werden die ersten Märsche auf dem Stephansplatz oder anderswo im tirolerischen Österreich … mit dem Kardinal voran, der ein Kreuztransparent mit dem Slogan inri – prozgenta – wir sind das volk in die Höhe …