Willkommen. Heute ist ein Festtag der katholischen Kirche. Erst im 15. Jahrhundert festgelegt als Hohefest, als Tag der Empfängnis der allerheiligsten Gottesmutter durch Anna, und dann später genannt Marä Empfängnis, erst im Jahr 1708. Auch in Österreich gab es immer diesen Festtag. Über die Nazi-Zeit wurde er verboten. Und es war dann ein Volksbegehren, das ihn wieder auf den Festtagsplan setzte. Ein Festtag, ein Feiertag mit einer besonderen Einkaufserlaubnis.
Das ist keine Einleitung einer Sendung, ausgestrahlt am 8. Dezember 2022, von einer Rundfunkanstalt, die sich zum Beispiel Radio Maria nennt.
Das ist am 8. Dezember 2022 verbreitet von dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreich, von Österreich 1, um 8.05 Uhr, Pasticcio, gestaltet von und mit Irene Suchy.
„Jenseits von Eden“, auch am 8. Dezember 2022, um 7.05 Uhr, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs, Österreich 1, gestaltet von Doris Appel und Karoline Thaler:
Österreichs hat der Feiertag am 8. Dezember – genau neun Monate vor dem Fest „Mariä Geburt“ am 8. September – eine besondere Bedeutung. 1647 ließ Kaiser Ferdinand III. zum Dank für die Errettung Wiens aus den Gefahren des 30-jährigen Kriegs die Mariensäule auf dem Wiener Platz „Am Hof“ errichten und führte den Marien-Feiertag ein. Das NS-Regime hob den Feiertag auf. 1955 wurde der 8. Dezember aufgrund einer breiten Volksbewegung wieder zum Feiertag erklärt.
Was eine „breite Volksbewegung erklärt“, ward also augenblicklich Gesetz, und im österreichischen Parlament mußte am 18. November 1955 kein Gesetz mehr beschlossen werden, dem österreichen Parlament war nur eines noch zu tun überlassen, ihm von der „breiten Volksbewegung“ aufgetragen, am 7. Dezember 1955 der „breiten Volksbewegung“ Erklärung, das ihm Gesetz, schriftlich niederzulegen …
Konkordat (Heiliger Stuhl) Kundmachungsorgan BGBl. II Nr. 2/1934 Typ Vertrag – Heiliger Stuhl §/Artikel/Anlage Art. 9 Inkrafttretensdatum 01.05.1934 Außerkrafttretensdatum Index 79/06 Kirchen, Religionsgemeinschaften Text Artikel IX. Die Republik Österreich anerkennt die von der Kirche festgesetzten Feiertage, diese sind: alle Sonntage; Neujahrstag; Epiphanie (6. Jänner); Himmelfahrtstag; Fronleichnam; Fest der heiligen Apostel Peter und Paul (29. Juni); Mariä Himmelfahrt (15. August); Allerheiligen (1. November); Tag der unbefleckten Empfängnis 8. Dezember); Weihnachtstag (25. Dezember). Zuletzt aktualisiert am 26.05.2020
… wobei allerdings, wie am 7. Dezember 2022 auf der Website des Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich zu lesen ist, kein Außerkrafttretensdatum festgehalten ist —
Kann es sein, daß die „breite Volksbewegung“ einen Tag zum Feiertag erklärte, der als Feiertag nie außer Kraft gesetzt wurde?
Was für ein Feiertag, mit einer „besonderen Einkaufserlaubnis“, ein Tag der Erlaubnis, wie muß der allerheiligsten Gottesmutter gedankt werden, daß sie eine breite Volksbewegung gebar, dieser ein Volksbegehren empfangen ließ, ihre Zeugungsminute zum Verschnaufen vom Gehorchen …
Barbara Stöckl braucht am 6. Dezember 2022 gerade drei Sekunden nach einer halben Minute ihrer Einleitungspredigt, um die
und der traditionelle Hoffnungsträger Kirche verliert seine Gläubigen
Kirche ins Spiel und dann gleich auch
Ja, bevor wir dann gleich in die Runde gehen, hier noch ein kurzer Film als Impuls für unser Gespräch.
hauptrollend in Szene …
Wir haben im Film Bilder gesehen, ja, von meist jungen Menschen, die im Moment sehr deutlich ihr Mißtrauen der Politik gegenüber zeigen. Sie kleben sich an den Straßen fest, sie beschütten Bilder, um aufzufallen, ihr Thema deutlich zu machen. Was bedeutet dieser große Vertrauensverlust in die Politik, die Herr Liessmann auch schon skizziert hat, was bedeutet das für eine demokratische Geselllschaft?
Vor sechzig, fünfzig Jahren war es gang und gäbe, eine Frau mit dem Titel, mit dem Beruf ihres Mannes anzusprechen, es war eine Selbstverständlichkeit, daß sie beispielsweise im Lebensmittelgeschäft, in der Dorffleischerei mit Frau Doktor angesprochen wurde, vor allem dann, wenn nicht sie, sondern ihr Mann Doktor, Arzt war. Heutzutage, moderner geworden, würde vielleicht der Mann einer Frau, von der letztlich im Dorf doch nicht ganz genau gewußt wird, was für einen Titel sie hat, was für einen Beruf sie ausübt, aber priesterlicher als ein Priester auftritt, im Dorfbioladen mit Herr Pfarrer —
Homo faber, ein Begriff, der auf Menschen, von denen Barbara Stöckl – um aufzufallen, ihr Thema – spricht, zutreffen könnte, nicht aber mehr im Sinne von Einsatz der Technik zur Naturbewältigung und also Naturvernichtung, sondern die handeln, zur Rettung der Natur, die jetzt handeln, um zu retten, was noch zu retten ist. Und dieses Handeln zur Naturrettung ist ein Handeln, das gänzlich ohne die Frage nach dem Vertrauen auskommt, bei dem die Frage nach dem Vertrauen die überflüssigste ist.
Darauf unmittelbar antwortet Lisz Hirn, die wurde, was ihr Name ist,
Ich glaube, je stärker dieser Vertrauensverlust auch fortschreitet, desto radikaler werden auch die Aktionen werden. Das wäre jetzt einmal meine Prognose, aber da sollte man vorsichtig sein. Philosophisch gesehen ist eher interessant, wen man überhaupt einmal Vertrauen entgegenbringt. Also vertrauen wir nicht mehr oder vertrauen die Jungen nicht mehr den Politikerinnen und Politikern oder vertrauen sie dem politischen System nicht. Also daß Politikerinnen und Politikern nie zu trauen war, das belegt die Geschichte. Daß jetzt so viele Menschen nicht mehr dem politischen System vertrauen, zu dem wir übrigens alle gehören, also auch die Zivilgesellschaft, die Medien etc., das halte ich für das bedenklichere. Also die Frage ist tatsächlich, was läuft in diesem System falsch, daß dieses Vertrauen nicht mehr aufgebaut werden kann. Weil Vertrauen muß man nur dem gegenüber bringen, wo man nicht sicher ist, daß es die richtigen Entscheidungen oder lebenswerten Entscheidungen trifft, oder wo man nicht mehr das Vertrauen haben, sozusagen, daß dieser Wohlstand, diese Ressourcen so zur Verfügung stehen, daß sie sagen, na gut, dann investieren wir halt mal. Jetzt muß sozusagen mit dem gearbeitet werden, was da ist. Das könnte knapp werden.
Ein weiterer Philosoph in dieser Nachtrunde, die mit „Katholisches Forum“ zutreffender bezeichnet wäre, meint gleich zu Beginn, in seiner ersten Meinungsverkündung, er habe „Vertraue niemandem!“ nicht als „Imperativ, gleichsam als moralische Maxime“, sondern als „Zustandsbeschreibung gewählt“, ein Mann, der dem herrisch zu brüllenden Imperativ seines Namens treu: Liess! Mann!
„Wir suchen andere Begriffe, die Skepsis ist gefallen, die Vorsicht, brauchen wir eigentlich den mißtrauischen Bürger? Ist das der gesunde Zugang, der gesunde Bürger, die gesunde Bürgerin?“ Auf diese stöckl’sche Frage weiß er profund zu antworten:
Ich weiß nicht, ob wir ihn brauchen, er ergibt sich gleichsam, wie von selbst, genau dann, wenn Vertrauen enttäuscht wird. Also, ich glaube, wir können wirklich nur davon ausgehen, wir können nur gemeinsam leben und in Gemeinschaften leben, wenn wir alle Menschen gleichsam mit einem gewissen Vertrauensvorschuß ausstatten, ja. Ich kann nicht als Baby auf die Welt kommen und der Mutterbrust mißtrauen. Da werde ich nicht lange leben. Das heißt, der Vortrauensvorschuß, das Urvertrauen, wie es einmal […] genannt hat, muß da sein. Und Erwachsenwerden, Lebenserfahrung machen, heißt unter Umständen vielleicht nichts anderes, als die Erfahrung zu machen, wo dieses Vertrauen enttäuscht wird. Da geht es schon, sowohl im Kleinen als auch jetzt im großen politischen Maßstab, geht es sehr wohl um Vertrauen, Wenn die Ukraine, oder dieser Krieg Rußlands gegen die Ukraine kurz erwähnt wurde, natürlich hatten sehr viele westliche Politiker ungemeines Vertrauen in den Satz: Wandel durch Handel. Wenn man mit jemandem derart eng ökonomisch verquickt ist und jeder von den anderen abhängig ist, wechselseitige ökonomische Abhängigkeit schien uns die Garantie dafür, daß man nicht kriegerisch übereinander herfällt. Dieses Vertrauen ist ganz brutal gestört worden. Und natürlich fangt man jetzt an, sich zu überlegen, kann ich dann, kann ich so einem Prinzip noch vertrauen. Und wir haben jetzt die Debatte, wie intensiv dürfen die Handelsbeziehungen mit China sein. Das ist auch ein autoritärer Staat, ist auch eine Diktatur, hat auch aggressive Pläne gegenüber Taiwan. Kann ich mich jetzt auf Gedeih und Verderb technologisch, gerade was alternative Technologien betrifft, solch einer Gesellschaft, solch einer Diktatur ausliefern? Oder wird dieses Vertrauen, das wir jetzt notgedrungen China gegenüber an den Tag legen, wird das in wenigen Jahren genauso enttäuscht werden, fundamental enttäuscht werden, wie das Vertrauen, daß sehr viele Politiker gegenüber Rußland und Putin hatten.
Nur das Vertrauen ist es also, das das Baby sich ernähren läßt … was für ein entzückend kleiner Film wäre das, in dem ein Baby gezeigt wird, wie es mißtrauisch die Mutter beäugt, tagelang, und sich dann doch dazu entschließt, Vertrauen in die Mutter zu haben – na gut, dann wird halt von Mutters Brust getrunken …
Lisz Hirn fehlt das „Mißtrauen gegen uns selbst und unseren eigenen Meinungen und Positionen, da würde ich gar nicht Skepsis sagen, sondern ein bissel so im nietzscheanischen Sinn, sich selber zu hinterfragen, warum folge ich welchen Meinungen“; das ist für den Selbsterhaltungsexperten ein „interessanter Widerspruch: Selbstmißtrauen versus Selbstvertrauen“ … worauf Barbara Stöckl, „auch wenn es schon heiß hergeht“, gerne einen kurzen Zwischenschritt machen möchte, um die Begriffe zu klären, was ist überhaupt das Vertrauen, von dem wir reden, Urvertrauen, Gottvertrauen, alles ist durcheinander gefallen, können wir es ein bißchen ordnen“.
Wenn ich das Vertrauen in die Politik verliere, dann, denk ich mir, wozu brauche ich einen Rechtsstaat. Ich mache jetzt die Klimaaktion, von der ich glaube, daß sie richtig ist, denn dieser Institution ist nicht mehr zu trauen. Auf der anderen Seite, ich wäre überfordert Rachefeldzüge durchzuführen, ich bin auch überfordert, das Klima zu retten. Also mich wundert nicht, daß dieses Mißtrauen seinen eigenen Fähigkeiten gegenüber korreliert mit dem Vertrauensverlust in Institutionen, die genau deshalb geschaffen worden sind, damit ich entlastet bin. Wenn ich das Vertrauen in das Bildungssystem verliere, ich kann meine Neffen, meine Kinder nicht alle selber erziehen, aber was mache ich denn dann.
In dem sehr „kurzen Film als Impuls“ ist ein Transparent zu sehen, das leicht übersehen werden kann, so viele Pfarrer verstellen die Sicht, auf dem zu lesen ist:
Für Frau Pfarrer steht gesinnungsgemäß das „Gottvertrauen“ im Mittelpunkt, auf das sie immer wieder zu sprechen kommt: „Ist denn, Herr Filipovic [„auch Theologe“], die Vertrauenskrisen, die wir gerade erleben, auch mit der Glaubenskrise zu tun?“ – „Das mag sicher sein …“
„Welche Auswirkungen hat das zunehmende Wegbrechen des Glaubens nun auf die Gesellschaft“, fragt Frau Pfarrer, „wer oder was tritt da ein, Herr Filipovic? Sind sogar die Klimaaktivisten von Apocalypses, ist, so, wird so oft geredet, und zwar nicht nur von den Aktionisten, sondern auch von politisch Verantwortlichen wie […]“.
„Mit einem Klick kann man sich heute jedes, auch jedes verquere Weltbild bestätigen lassen.“ Diese tiefe Einsicht kann nur von einem Menschen kommen, der aus der Geschichte seinen Glaubens weiß, mit einem Kreuzkuß kann man vom Herrn seit Urgedenken alles bestätigen lassen, das jeder Frau und jedes Herrn Pfarrer Bild der Welt …
Es fällt unweigerlich auch die Erwähnung einer Umfrage, nach der „erstmals hat da keine Mehrheit mehr die Frage nach einem, die Forderung nach einem starken Mann abgelehnt. Was schließen sie daraus?“ Bemerkenswert darauf die Antwort von dem „Gastgeber“ des Katholischen Forums:
Es ist schon eine, wie soll ich sagen, eine reflexionsbedürftige Untersuchung bzw. reflexionsbedürftiges Ergebnis. Es käme jetzt auch auf die genaue Fragestellung darauf ein, weil ich denke, wir sind hier auch sehr ambivalent. Auf der einen Seite diese Frage, Menschen wollen einen starken Mann, dann glauben wir sofort, die sind jetzt alle in ein, meistens sagen wir dann, rechtspopulistisches oder rechtsradikales Lager übergewechselt. Wir haben aber nicht gefragt, ob sie nicht lieber einen Stalin hätten, ja. Es könnten genauso, also die Linken haben mit Diktaturen genauso immer kokettiert und sie auch durchgeführt wie die Rechten. Warum man das immer gleich mit politisch rechts assoziiert […] mit dem starken Mann, also Stalin, Mao Tse-tung, Pol Pot, Gorbatschow, waren lauter starke Männer, ja, also, und Linke […]
Wie läßt sich Vertrauen wiedergewinnen? Wie läßt es sich wieder herstellen?
Das Format dieser Sendung wäre also mit „Katholisches Forum“ zutreffender benannt. Und die Verkündigung der Botschaft des katholischen forums vom 6. Dezember 2022 ein Imperativ: Gehorche!
Aber diesem Forum ist eines durchaus bewußt, das Gehorchen funktioniert nicht mehr so einfach, wie etwa zur gottergebenen Zeit eines Prälaten, und vor allem von alleine, so muß mit dieser Frage, wie läßt sich Gehorchen wieder zur moralischen Maxime erheben, herumgeschlagen werden, es bedarf Anstrengungen, jedwedes Medium muß dafür genutzt werden, Gehorchen wiederzugewinnen, Gehorchen wiederzuherstellen, statt wie früher einfach wie kurz den Befehl Gehorche! von der Domkanzel herunter …
Die Botschaft der Biene Dem Volksmund nacherzählt von Max Mell
Als Gott die Welt erschaffen hatte, sandte er die Biene an den Teufel ab, damit sie diesen um Rat frage, ob er den Menschen erschaffen solle oder nicht. Die Biene flog zum Teufel und trug ihm die Frage des Herrn vor. Der Teufel fühlte sich hochgeehrt und wollte eine Antwort geben, die den Herrn zufriedenstellen sollte, aber er wollte seinen Gewinn dabei haben, und so dachte er angestrengt nach, wie er das wohl anstellte, und wurde immer nachdenklicher und versonnener. Die Biene aber hatte sich inzwischen auf seinen Kopf gesetzt, weil sie seine Gedanken belauschen wollte.
Des Teufels Kopf muß ein offenes Ding gewesen sein, damit die Biene, wenn für einen Moment mit aller Nachsicht zugestanden werden will, daß Gedanken belauscht werden können, sofern die Schädeldecke dafür auch offen, seine Gedanken belauschen wollte, aber, sie wollte, sie wollte Teufels Gedanken belauschen, jedoch, belauschte sie tatsächlich Teufels Gedanken, und waren Teufels Gedanken, damit die Biene diese, so denn sie tatsächlich belauschte, auch verstehen konnte, ein Summen im Summen der Bienen
Ja, was haben die Bienen nicht für feine Sinne! Du weißt es, hast dich doch oft genug gewundert, wie sie beim Einsammeln des Honigs weit und breit jede Blüte erspähen und dabei weiß der Himmel wie weit kommen und doch immer nach dem Stock zurückfinden, in dem sie zu Hause sind. Der Teufel aber dachte das folgende: Es ist gut, wenn der Mensch ist. Denn des Menschen Herz ist schwach, und ich kann darin mein Reich aufschlagen, und es wird unendlich groß darin sein. Es ist gut, wenn der Mensch ist.
Ein Schriftsteller von solch einem Rang wie Max Mell wußte stets, was er nachzureden, was er vorzureden, das er nicht nur vom Volke, sondern vor allem von seines Herrn Lippen gelesen, und was er vorredete, was er nachredete, was er vorschrieb, und was er nachschrieb, war stets vom Größten und vom Klügsten, wie dies in dieser seiner nachgeschriebenen Erzählung. Teufel mußte ein Prophet wie beispielweise Jesus gewesen sein, wußte Teufel doch bereits, als der Mensch noch gar nicht geschaffen ward, als das kleinste Kügelchen für des Menschen Körper noch nicht einmal auf den Küchentisch gelegt und also noch weit enfernt davon, je noch zum winzigsten seiner Fingerchen geknetet zu werden, daß des Menschen Herz schwachist
Der Teufel dachte aber auch das folgende: Jedoch das Herz des Menschen ist ein offenes Ding. Und es wird ein Glanz von der Glorie des Allmächtigen darin einziehen und dort eine reine Stätte haben, daß es wird wie ein Spiegelbild des Himmelreiches. Es ist gut, wenn der Mensch nicht ist. Danach dachte der Teufel wieder: Er wird aber davon abfallen und seine Taten werden wie Finsternis sein, und er wird dessen inne werden und sich gegen sich selbst wenden in Grauen und Verzweiflung. Er wird verdammt sein und unsäglich mir gehören. Es ist gut, wenn der Mensch ist.
Es kann durchaus sein, daß Teufel beispielsweise wie Jesus bereits so viele bittere und also äußerst schlechte Erfahrungen mit dem Können Gottes gemacht, die eigene offene Schädeldecke Teufel daran gemahnt, daß Teufel es augenblicklich klar ist, was immer noch Gott zu machen gedenkt, am Küchentisch zu kneten und zu basteln beabsichtigt, kann nur ein weiteres Montagsprodukt sein. Der Mensch mußte also für Teufel noch gar nicht geschaffen sein, um zu wissen, was für Mängel der geschaffene Mensch, was für Mängel der von Gott erst zu knetende und zu bastelnde Mensch nur haben wird können: ein schwaches, offenes Ding
Danach dachte der Teufel wieder: Nein! Der Herr wird sich des Elends der Menschheit erbarmen und wird sie erlösen. Und da wird im Menschen das gewaltige Geschehen der Gnade vor sich gehen und ein Erzittern seiner Seele sein wie niemals der Erdboden erzittert, und ein Umkehren und ein Hingeworfensein: und dies zu erschauen, wie die Seele wie in einem Strahl erglüht und schmilzt, das wird es sein, was die himmlischen Heerscharen zum Jubeln bringen wird. Und es überwältigte den Teufel der Neid und seine Verworfenheit und er sagte laut als seinen Ausspruch: „Sage dem Herrn meinen Rat — wo bist du, kleiner Bote? — der Mensch soll nicht sein.“ Die Biene, die seine Gedanken belauscht hatte, flog auf seinem Kopf, und da er an ihrem Summen gewahrte, wo sie gesessen hatte, und begriff, warum sie das gemacht hatte, ergrimmte er und schlug mit seiner Peitsche nach ihr. Und er erreichte sie und hätte ihr mit dem Hieb beinahe den Leib durchgetrennt. Und seit damals ist sie in der Mitte so tief eingeschnitten.
Seit damals, wann immer das war, ist die Biene am Leben, ist sie nicht gestorben, und lebt sie noch heute, hat sie das ewige Leben, die Unsterblichkeit, ohne aber je sterben zu müssen, um dann aufzuerstehen, wie es angeblich ein einziger Prophet bis zum heutigen Tage je geschafft haben soll; freilich ist es ein behindertes ewiges Leben, der tiefe Einschnittin ihrer Leibesmitte wird sie ihr Leben nicht als leicht, angenehm und gut empfinden lassen, auch wenn sie sich damit wohl abgefunden haben wird müssen, ein Gram auf Gott wird geblieben sein, auf die Unfähigkeit Gottes, ihre Wunde ordentlich zu versorgen, sie ohne bleibenden körperlichen Schaden zu heilen, und zu dieser Gottes Unfähigkeit noch, das wird die Biene bis heute vielleicht am meisten erzürnen, Gottes Gleichgültigkeit ihr und ihrem Leid, ihrem Schmerz, ihrem fast entzweiten Körper gegenüber, so besessen wie Gott davon gewesen sein muß, von ihr Teufels Antwort endlich zu erfahren, endlich einen Rat zu bekommen, was Gott, dieses ratlose, ratabhängige Wesen, tun soll, mit all den aus Krämpfen herausgewundenen Ideen gegen peinigende Launen, gegen die zerrüttende Langeweile, ohne dabei aber zu überprüfen, ob sie, die Biene, Teufels Gedanken tatsächlich hörte und wirklich verstand, diese in ihre Sprache übersetzen konnte, oder ihr nur ihr Wollen einflüsterte, Teufel Gedanken gehört zu haben, und in welche Sprache mußte sie, die Biene, die tatsächlich gehörten oder die doch nur eingebildet gehörten Gedanken Teufels für Gott übersetzen, oder verstand Gott das Summen der Biene auf Anhieb, weil auch Gottes erste und vielleicht einzige Sprache das Summen …
Sie überbrachte dem Herrn den Rat des Teufels, und berichtete ihm‚ die Gedanken, die sie in seinem Kopfe wahrgenommen hatte. Und da erschuf Gott den Menschen.
Aus Unschlüssigkeit kann nichts Vollendetes entstehen. Und Gott muß unschlüssig, wankelmütig, unsicher, den eigenen Plänen, wenn es denn überhaupt Pläne und nicht nur Ideen aus Launen heraus, der Langeweile Schuld, mißtrauen, wenn Gott die eigene Entscheidung, ob der Mensch geschaffen werden soll oder nicht, von der Antwort Teufels, von einem also selber schon zu Mängeln geknetetes und gebasteltes Wesen, abhängig macht, von einem weiteren dem Menschen, wenn für einen Moment eine zeitliche Aufeinanderfolge angenommen werden will, vorangehendes Montagsprodukt Gottes
Der Mensch hat die Biene gern. Das kommt daher, weil er ihr, auch ohne recht davon zu wissen, dankbar ist, daß sie die Botschaft überbrachte, durch die er am Ende richtig erschaffen wurde. Du meinst, du hättest die Biene einzig wegen des Honigs gemocht? Aber, mein Lieber, der Honig ist ja ein Sinnbild für den treuen klugen Botendienst, den sie vollbracht hat: so mußt du schon ein Mehreres von ihr wissen und es recht bedenken. Alle Tiere haben irgendeine Botschaft dem Herrn zu überbringen und haben ihre Gestalt davon.
Dieser Volksmundsteller ist aber weit über die Grenzen Österreichs hinaus nach wie vor einer der Ersten …
Den Weltkrieg und den Zusammenbrach der Donaumonarchie erlebte er als Einbruch des Chaos. Dem Schriftsteller, der seit Jahrzehnten unvermindertes literarisches Ansehen genießt, das teils auf früher Anerkennung durch bedeutende Gönner (wie etwa Hugo von Hofmannsthal), teils auf dem festen Grund seiner christlichen Anschauung basiert, sind zahlreiche Ehrungen zuteil geworden und Preise verliehen worden, so der Große Österreichische Staatspreis (1954), die Stiftermedaille (1957) u. a. Zu den Werken Max Mells gehören: „Lateinische Erzählungen“ (1904), die Novellen „Die drei Grazien des Traums“ (1907), „Jägerhaussage“ (1910), „Morgenwege“ (1924), „Mein Bruder und ich“ (1934), die Gedichte „Das bekränzte Jahr“ (1911), „Gedichte“ (1919), die Erzählungen „Barbara Naderer“ (1914), „Das Donauweibchen“ (1937), „Gabe und Dank“ (1949), die Dramen „Das Apostelspiel“ (1922), „Das Nachfolge-Christi-Spiel“ (1927), „Das Spiel von den deutschen Ahnen“ (1935), die Trauerspiele „Die Sieben gegen Theben“ (1932), „Der Nibelunge Not“ 1 u. 2 (1944-1951). Prosa, Dramen und Verse erschienen 1962 in 4 Bänden. Max Mell gab zahlreiche Bücher heraus, u. a. „Das Wunderbrünndl“, „Deutsche Volksbücher“ (1922-1927), ein „Hausbuch deutscher Erzählungen“ (1936), ein „Alpenländisches Märchenbuch“ (l 946), u. a. Zu den letzten seiner Werke gehören „Vergelt’s Gott“ (1950), und „Aufblick zum Genius“, Reden (1955).
… für die „Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung“, in Bonn, in der, ebenfalls am 5. Dezember 2022 auf ihrer Website zu lesen ist,
„seit Einstellung der institutionellen Förderung keine Benennung: Vertreter der Regierung der Bundesrepublik Deutschland“
so kann auch ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich anhand von Förderung und Nichtförderung einfach wie kurz erklärt werden. Treu und stolz verweist die Kulturstiftung auf den gerade einmal acht Jahre älteren Gönner von Max Mell, für die Kulturstiftung wäre es wohl ehrlos zu zitieren, was Arthur Schnitzler, zwanzig Jahre älter als der Volksmundsteller, über Mell, der sich Schnitzler andienerte, notierte, nachdem er doch das Wesen von Mell, den er zu Beginn „sympathisch, begabt“ durchaus fand, erkannte:
„Max Mell, wie immer der gehässigste“
„Respektlos natürlich vor allem die Lausbuben […] Max Mell u. dergl.“
„Ein Schriftsteller dritten Ranges, insbesondre, bei techn. Qualitäten dürftige Persönlichkeit jesuitischer Couleur;– noch kein nennenswerther Erfolg;– früher meine Nähe, zum mindesten meine Zustimmung suchend; und von mir fallen gelassen;– und Trabant Hugos – keiner kann sich mir gegenüber mit Sympathie, ja nur objektiv behaupten, der von ihm influenzirt wird.–
„Der frechste und verlogenste (ganz wie erwartet) Max Mell“
Das „Gehässigste“, das „Frechste“, das „Verlogenste“, zu dem ist ein Mensch erfolgreich nur fähig in einer dafür hergerichteten und zugerichteten Umgebung, die also die frechste, gehässigste Verlogenste ist, und in der darüber hinaus alle in „Lausbuben“ sich verschauen.
Was sich im Rückblick nur mehr schwer nachvollziehen lässt, ist die allgemeine Begeisterung für Mells heute kaum mehr konsumierbare Mysterienspiele. Raoul Auernheimer nannte in der Neuen Freien Presse vom 1. Juli 1928 Mells Nachfolge Christi-Spiel einen der beiden Höhepunkte der Burgtheater-Saison. Schon die Premiere dieses „dramatischen Altarbilds“ aus der Zeit der Bauernaufstände hatte er am 22. Jänner 1928 ausführlich gewürdigt, auch wenn er die antisemitischen Spitzen sehr wohl registrierte. Das tat auch Alfred Polgar in der Weltbühne vom 31. Januar 1928 – „Fräulein Wilke als hochprozentige Jüdin, bei deren Anblick das Kreuz eigentlich einen Haken machen müßte“, –, bescheinigt aber dem Stück, das „seinem Dichter verdiente Ehren“ brachte, eine starke Wirkung. „Dichtkunst reinsten – ja modernen Geistes“, fand Soma Morgenstern in der Frankfurter Zeitung vom 14. März 1928. Schnitzler war bei der Generalprobe im Burgtheater und urteilte differenzierter: „Begabt und mir widerwärtig. […] Welch ein trauriger Gott wird von dieser Art Legendendichtung aufgestellt … Ein böser Troll, der probirt und ,prüft‘ – und foltert und nach Laune waltet (sie nennens ,Gnade‘) – und zum Schluss ,zaubert‘ er (wie Jupiter donnert oder ein Theaterarbeiter ans Becken schlägt – es ist keine Kunst für sie) – und alles ist wieder in Ordnung.–“
Die Akteure der autoritären Regime des Austrofaschismus und Nationalsozialismus haben sich mit ihrer Ehrungs- und Förderpolitik tief und nachhaltig in die Annalen eingeschrieben. Und die kulturpolitische Dominanz der Täter oder doch sehr aktiven Mitläufer des NS-Regimes wie Max Mell ergab zugleich ein effektives Netzwerk der Exklusion. Zum Beispiel all jener Autorinnen und Autoren, die von eben jenem Regime verfolgt, vertrieben oder ermordet worden waren.
Evelyne Polt-Heinzl, VOLLTEXT 3/2018 – 12. Oktober 2018
Max Mell fragte einst, in seinem Bekenntnis zum Herrn:
„Gewaltiger Mann, wie können wir dir danken?“
Er fragte, was längst beantwortet, geklärt war. Es wurde ihm bereits gedankt. Aber das summte ihm der Volksmund nicht, oder Max Mell überhörte, als er in der Furche lag, dies beim Belauschen …
In Österreich [i]n der NS-Zeit wurde der Feiertag am 8. Dezember abgeschafft. Nach Ende des Krieges führte ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren zur Wiedereinführung des Feiertages.
Das ist auf der offiziellen Website der katholischen Kirche in Österreich, deren Herausgeber und Medieninhaber die im reinen Männerbunde organisierten Bischöfe sind, zu lesen, am 3. Dezember 2022, geschrieben respektive „zuletzt bearbeitet am 8. Dezember 20121“ …
Das ist also auf der offiziellen Website des Organisierten Glaubens am 3. Dezember 2022 zu lesen, das, wie es wahrlich geschrieben steht, zuletzt bearbeitet am 8. Dezember 20121:
In Österreich hat der Feiertag am 8. Dezember eine jahrhundertelange Tradition, die bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück reicht. In der NS-Zeit wurde der Feiertag am 8. Dezember abgeschafft. Nach Ende des Krieges führte ein von hunderttausenden Österreichern getragenes Volksbegehren zur Wiedereinführung des Feiertages. Der Nationalrat beschloss im Jahr 1955, dass der 8. Dezember wieder als Feiertag begangen werden soll – als Dank für die wiederlangte Freiheit Österreichs. So ist der 8. Dezember seither wieder ein gesetzlicher Feiertag in Österreich und somit arbeitsfrei. Wie an anderen gesetzlichen Feiertagen, mussten die Geschäfte auch am 8. Dezember geschlossen bleiben. Aufgrund wirtschaftlicher Verluste und des Umstandes, dass der Feiertag in die Vorweihnachtszeit fällt, wurde 1995 das Ladenöffnungsgesetz geändert. Seither öffnen die Geschäfte auch an „Mariä Empfängnis“ am 8. Dezember und sorgen für einen der umsatzstärkten Einkaufstage in der Vorweihnachtszeit. In den vergangenen Jahren sorgte die Erlaubnis zum Offenhalten der Geschäfte am 8. Dezember immer wieder für Debatten.
Brauchtum
„Mariä Empfängnis“ hat als Hochfest in der katholischen Kirche augrund seiner Glaubensaussage eine besondere Bedeutung. Allährlich begeht der Papst den Feiertag mit einem Gebet an die Jungfrau Maria an der Piazza di Spagna.
Mit dem Bericht des Bruders Pater Waldemar Schulz soll dieses Kapitel beendet sein, aus dem noch weitere recht spezielle Kenntnisse der Brüder zu erfahren sind, etwa, darin sie wahre Medizinmänner sind, ihr Wissen über Krankheiten, wie gegen Drachen zu kämpfen ist, wie und welche Plagen zu bekämpfen sind, wer Österreich den Staatsvertrag brachte – nur so viel, es war nicht die Reblaus, und es war nicht die Reblaus …
Die erste Inschrift (Rückseite des Monumentes) beinhaltet die Widmung durch Kaiser Ferdinand III.: „Dem allerbesten, größten, höchsten Gott, Herrn des Himmels und der Erde, durch welchen die Könige regieren, der ohne Erbsünde empfangenen jungfräulichen Gottesgebärerin, durch welche die Fürsten herrschen, dieser, die wir aus besonderer Andacht zur mächtigen Frau und Patronin von Österreich erwählt haben, vertraut, übergibt und opfert sich, seine Kinder, Völker und Kriegsheere, Länder und all das Seinige Ferdinand III., Römischer Kaiser, der zu dieser Sache ewigen Gedächtnis diese Säule gemachten Gelübdes wegen aufrichtet. Den 18. Maji 1647.“
Wiederbelebung nach dem Krieg
Am 30. Mai 1946 wurde mit einer eindrucksvollen religiösen Feier die Wiederaufrichtung der zum Schutz vor den Kriegsgefahren des 2. Weltkrieges geborgenen Statue der Unbefleckten begangen. Und am 18. Mai 1947 feierte Wien das 300-Jahr-Jubiläum der Mariensäule, bei dem Kardinal Theodor Innitzer die Immaculata erneut zur Herrin und Schutzfrau Österreichs erwählte. Das erste große Volksbegehren im marianischen Jahr 1954 brachte die (1938 geraubte) staatliche Anerkennung des 8. Dezember als Feiertag zurück; 1955 folgte der Staatsvertrag nach viel Rosenkranzgebet.
Am Pfingstsonntag, den 18. Mai 1997, wurde immerhin noch durch ein Glaubensfest „Totus tuus“ (Ganz Dein) mit gegen 2000 Gläubigen und Kardinal Schönborn sowie dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Donato Squicciarini, der 350-Jahr-Feier gedacht, wobei Kardinal Christoph Schönborn laut Presseberichten unterstrich, durch diese Weihe solle „niemand vereinnahmt werden“, denn wo der Name Mariens genannt werde, würden Menschen nicht gegeneinander aufgehetzt, dort geschehe vielmehr Versöhnung. In Erinnerung an das biblische „Sprachenwunder“ zu Pfingsten wären besonders die fremdsprachigen Gemeinden der Erzdiözese zur Mitfeier eingeladen gewesen. Neben einer Botschaft Papst Johannes Paul II. (der an diesem Tag seinen 77. Geburtstag feierte, weshalb sein Papstmotto auch für das Glaubensfest verwendet wurde) und mehreren Zeugnissen von Laien über ihre Glaubenserfahrung, waren die Teilnehmer dazu aufgerufen worden, in persönlicher Weise ihren Bund mit Gott – auch vor einem anwesenden Priester – zu erneuern. Zwar wurde die Säule im Jahre 2000 renoviert, aber gebetet wird inzwischen dort schon lange kaum mehr, weder an Samstagen noch an „Frauentagen“ noch am 8. Dezember noch an sonstigen Tagen; Blumenschmuck oder Beleuchtung (wie bei anderen Mariensäulen noch üblich) ist auch seit langem nicht mehr erkennbar. Hat der inzwischen abgewanderte Christkindlmarkt früher noch irgenwie dorthin gepasst, schaut die Immaculata heute nur mehr auf Jahr-, Floh- und Tauschmärkte, Würstlstandl oder getösereiche Zeltfeste statt auf gläubige Seelen und Marienverehrer. Mit einer Ausnahme! Seit 1997 wallfahrtet das Priorat St. Klemens Maria Hofbauer der Priesterbruderschaft St. Pius X. von ihrer großen Kapelle St. Joseph im VII. Wiener Gemeindebezirk (Bernardgasse) aus alljährlich in feierlicher Prozession zur Mariensäule Am Hof, um die fast entschlafene Weihe Österreichs und die besondere Verehrung der Unbefleckten in diesen Landen am Leben zu erhalten und zu erneuern. Heuer (2007) ist es das zehnte Mal, daß unter Begleitung der Musikkapelle „Original Kaiserjäger“ fromm und andächtig der Gottesmutter Ehrengeleit und Huldigung gezollt wurde (im wesentlichen nach dem Andachtsprogramm und dem Weihetext von 1904, aber mit Einfügung des heute besonders bedeutungsvollen Credo), damit Maria gemäß der überlieferten Verheißung an Kaiser Ferdinand II. allezeit durch ihre Fürbitte Österreich großzügig beschützen und erhalten möge, auch wenn es nur mehr eine kleine Herde ist, die noch in Treue zu ihr verharrt; jedoch schaut Gott und auch die allerseligste Jungfrau viel mehr auf Herz und Gesinnung als auf die Zahl. Sind wir nach unseren schwachen Kräften treu, wird unsere gute Mutter und Königin sich an Treue und Hilfe von nichts und niemandem als nur noch vom Lieben Gott – und auch Er schaut besonders auf die Marienkinder – übertreffen lassen. Überaus notwendig ist uns nämlich, und vielleicht heute mehr denn je, die helfende Gnade Gottes und der Schutz der Immaculata im Kampf mit dem alten Drachen. Zwar bedrohen uns nicht mehr die Schweden, aber um so mehr der überall um sich greifende, teils sehr aggressive Unglaube. Und die Plagen unserer Zeit sind vielleicht die Ketzerei des falschen Ökumenismus und Indifferentismus (alle Religion ist gleich gut), der geistige Krieg gegen den Glauben, der Hunger nach der heute nicht mehr unverkürzt und unverfälscht verkündeten Wahrheit, die Pest der Unmoral in Stadt und Land. Gebe Gott auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau, der Großen Mutter Österreichs, wir möchten mit der Engel Beistand die geistigen Plagen niederringen und vor den leiblichen bewahrt bleiben.
Tatsächlich bewahrte die Unbefleckte Wien 1683 vor den Türken,
schenkte wiederholt Österreich und dem Hause Habsburg ihre Huld für die schon alte, stets treue Verehrung, hatte doch schon 1389 der berühmte 1. Rektor der damals neugegründeten Wiener Universität Heinrich (Heinbuch) von Langenstein, zuvor Professor und Vizekanzler an der Sorbonne in Paris, in Maria am Gestade über diesen Vorzug Mariens gepredigt. Bis 1782 hatten die Theologen der Wiener Universität auch den Eid auf die Unbefleckte Empfängnis abzulegen, wollten sie zur Erteilung von Vorlesungen zugelassen werden.
Die Immaculata-Säule Am Hof blieb bis ins 20. Jahrhundert Mittelpunkt marianischer Feiern. Dabei galt das Beten bzw. Singen der Lauretanischen Litanei stets als Höhepunkt der Huldigung, später (ab 1904) dann auch das jeweilige Weihegebet.
An der Jahrhundertfeier 1747 mit prächtiger Prozession nahm Kaiserin Maria Theresia teil. Papst Pius VI. erteilte bei seinem Besuch in Wien 1782 bei Kaiser Joseph II., um dessen Staatskirchentum zu dämpfen – in dieser Hinsicht blieb die Visite erfolglos –, vom Vorbau der ehemaligen Karmeliter-, dann Jesuitenkirche zu den neun Chören der Engel gegenüber der Mariensäule am Osterfest den Wienern den päpstlichen Segen.
Am 22. Juli 1855 wurde unter Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth mit dem gesamten Hofstaat vom Stephansdom weg mit einer großen Prozession zur Mariensäule an meist reich geschmückten Häusern vorbei angeführt von Fürsterzbischof Joseph Othmar Ritter von Rauscher, dem päpstlichen Nuntius Viale Prelà und allen auf dem damals in Wien stattfindenden Provinzialkonzil anwesenden Bischöfen und Prälaten, eine Festfeier zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis anläßlich der feierlichen Dogmatisierung durch den Heiligen Vater, Papst Pius IX., am 8. Dezember des Vorjahres gehalten. Die Geistlichkeit, viele religiöse und bürgerliche Vereine, Schulen und Klöster, Gemeinderat und Magistrat vereinten sich mit vielen Tausend Gläubigen, um die Lauretanische Litanei als Höhepunkt der Huldigung der allerseligsten Jungfrau darzubringen.
Pater Waldemar Schulz Quelle: Ursprung und Ziel, Mai 2008
Das Oratorium verhaltener Trauer und seelenstarker innerer Erhebung, das Johannes Brahms nach dem Tod seiner Mutter zu ihrem Andenken komponiert hat, war die richtige Ostermusik unserer Tage, und gab dem Karfreitagkonzert der Gesellschaft der Musikfreunde den Charakter einer Manifestation des deutschen Wesens in seinem gewaltigsten Ringen um sein Leben und seine Geltung. Die Wiener Philharmoniker, der Wiener Staatsopernchor, die ausgezeichneten Gesangskünstler der Wiener Staatsoper Irmgard Seefried und Alfred Poell und Orgelmeister Franz Schütz hatten sich unter der klaren, ungekünstelt disponierenden Leitung Hans Knappertsbuschs zusammengetan, um mit ihrer heute doppelt bewundernswerten Kunst, und mit voller Hingabe dem herrlichem Werk des großen Wiener Meisters, wie wir Brahms wohl nennen dürfen, zu dienen. Es grub sich dies in Herz und Gemüt der Zuhörerschaft ein. Wenn die machtvollen, von gebannten Rhythmus getragenen Klänge des Chors und Orchesters, die wie aus überirdischen Höhen dringende Stimme des Soprans oder die von Zuversicht und Schicksalsglauben erfüllten Worte des Baritons ertönten und zu der gewaltigen Steigerung führten, die als Krönung des Werkes gegen den Schluß gesetzt ist: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg; Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Heinrich Damisch.
Ein Betrachtung, wie die von „Kleine Wiener Kriegszeitung“ am 4. April 1945 gebrachte, kann, auch wenn sie von einem aus der ersten Garnitur geschrieben wurde, einem derartigen Ereignis, das zur Legende wurde, nie und nimmer gerecht werden, dem österlichen Ereignis, das sich 1945 zugetragen hat, von dem heute noch vor allem die damals Ältesten der dritten und zweiten Ukrainischen Front berichten, es hätte sich genauso zugetragen, daß sie keine Landkarten benötigten, um den Weg nach Wien zur Befreiung von Wien zu finden, da sie von Karfreitag an bis zu ihrem Eintreffen in Wien am 13. April 1945 unaufhörlich der Gesang von Irmgard Seefried dirigierte, in die Richtung, in der Wien liegen mußte, der Gesang von Irmgard Seefried sie in ihrer Entscheidung, in welche Richtung gen Wien sie zu marschieren haben, bestärkte, den Lauten von Irmgard Seefried sie nur zu folgen brauchten, um nach Wien zu gelangen, und je lauter und je verständlicher der Gesang von Irmgard Seefried wurde, desto gewißer war ihnen, sie sind keine vierzehn Tage vor Wien, sie sind keine zehn Tage vor Wien, sie sind keine acht Tage vor Wien, sie sind keine drei Tage vor Wien, sie stehen unmittelbar vor Wien, sie sind in Wien auf dem Platz vor der Kirche zum Musikverein …
Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?
So hat das Luther übersetzt, das dem Musikbetrachter Krönung, das noch Jahrzehnte später des rechten Mannes Leibverse … Den unmittelbar daran anschließenden korinthischen Vers werden sie heutzutage wohl nur für sich aufsagen
Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.
und bitterlich in sich hinein klagen, was seit dem für sie sündige Gesetze gegen ihre reinen Mannesgesetze etwa beschlossen wurden …
Es kann auch dies nicht verwundern, daß im Reich der Legenden die Erscheinungen der Gottbegnadeten überreich. Viele von ihnen auch auferstanden an diesem Karfreitage zum Erscheinen in der Kirche zum Musikverein als Manifestation des deutschen Wesens in seinem gewaltigsten Ringen um sein Leben und seine Geltung, auferstanden die gottbegnadeten Wiener Philharmoniker, auferstanden der gottbegnadete Hans Knappertsbusch, auferstanden die gottbegnadete Irmgard Seefried …
Die Wiener Philharmoniker waren nicht nur gottbegnadet, sie waren auch gottgesegnet, für ganze weitere zweiundfünfzig Jahre, erst 1997 verließ sie Gott, so muß ihre Klage geklungen haben, als ihnen von außen auferlegt wurde, ihren reinen Männerbund aufzugeben, in ihre Reihen Frauen aufzunehmen. Etwas gottgesegnet sind sie aber bis heute noch, beträgt der Frauenanteil in diesem Orchester heute noch gerade einmal 15,6 Prozent … was war das doch für ein reines Reich Gottes, als der Frauenanteil null Prozent und vierzig Prozent der Orchestermänner Mitglieder der Partei der Listenwarte, die nicht nur Listen der Gottbegnadeten, sondern auch und noch eifriger lange, lange, lange Transportlisten erstellten, waren …
Und auch dies kann nicht verwundern, im kommenden Jahr werden es fünfundsiebzig Jahre her sein, daß die gottbegnadete Sängerin und der gottbegnadete Geiger in gottgerngesehener Ehe zueinanderfanden, vielleicht auch zum gegenseitigen Troste über das verlorene so gottreich gesegnete Reich, und die Listenwarte, wären sie zum Zusammenschluße von dem Mitglied der Partei mit den Listen Schneiderhan und Seefried nicht schon drei Jahre tot gewesen, sie hätten es wohl nicht abgelehnt, Trauzeugen der Gottbegnadeten zu sein; aber, so erzählt eine Legende, sie seien auferstanden, ein der Eheschließung beiwohnendes Kind habe seinen Eltern noch in derselben Nacht erzählt, es habe die Listenwarte an der Seite des Ehepaares gerade in dem Augenblick gesehen, als Mann und Frau einander ihr Jawort —
In Österreich wird Jahr für Jahr der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zelebriert, und seit einiger Zeit wird dieser 8. Mai als „Fest der Freude“ gefeiert —
Es ist wahr
Der 8. Mai ist der Tag der „bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht und des offiziellen Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa, der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft“
Der 8. Mai ist auch der Tag der Befreiung des Faschismus – der Faschismus wurde von seinem Verbot befreit
Am 8. Mai 1945 wurde das Verfasssungsgesetz über das Verbot des Nationalsozialismus beschlossen, nicht beschlossen aber wurde ein Verbot des Faschismus, dem Faschismus wurde sein Verbot erlassen
Sein für ganz wenige Jahre herrschendes Regime in Österreich wird in diesem Verfassungsgesetz jedoch herangezogen, als Beweis, als Begründung zur Strafverfolgung, in welcher Zeit in Österreich eine nationalsozialistische Betätigung
Artikel III: Bestimmungen gegen „Illegale“, schwerer belastete Nationalsozialisten und Förderer. § 10. Wer in der Zeit zwischen dem 1. Juli 1933 und dem 13. März 1938, wenn er innerhalb dieser Zeit das 18. Lebensjahr erreicht hat, jemals der NSDAP oder einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK) angehört hat („Illegaler“), hat sich des Verbrechens des Hochverrates im Sinne des § 58 österr. Strafgesetz schuldig gemacht und ist wegen dieses Verbrechens mit schwerem Kerker in der Dauer von fünf bis zehn Jahren zu bestrafen. Die Verfolgung wegen dieses Tatbestandes findet jedenfalls statt, wenn sie die Provisorische Staatsregierung im Falle des Überhandnehmens hochverräterischer Umtriebe allgemein anordnet. Die Verfolgung hat ferner stattzufinden, wenn sich der Täter neuerlich für die NSDAP, eine ihrer Gliederungen oder einen ihrer Verbände irgendwie betätigt, sich eines Verbrechens, eines Vergehens oder einer Übertretung gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung oder einer auf Gewinnsucht beruhenden Übertretung schuldig gemacht oder sonst eine auf verwerflichen Beweggründen beruhende Handlung begangen hat. § 11, Ist jedoch ein „Illegaler“ als politischer Leiter vom Ortsgruppenleiter und Gleichgestellten aufwärts oder in einem der Wehrverbände als Führer vom Untersturmführer und Gleichgestellten aufwärts tätig gewesen oder ist er Blutordensträger oder Träger einer sonstigen Parteiauszeichnung gewesen oder hat ein „Illegaler“ in Verbindung mit seiner Betätigung für die NSDAP oder einen ihrer Wehrverbände Handlungen aus besonders verwerflicher Gesinnung, besonders schimpfliche Handlungen oder Handlungen, die den Gesetzen der Menschlichkeit gröblich widersprechen, begangen, so wird er mit schwerem Kerker von zehn bis zwanzig Jahren und dem Verfall des gesamten Vermögens bestraft, wenn die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung strenger strafbar ist. § 12. In gleicher Weise ist strafbar, wer in der Zeit zwischen dem 1. Juli 1933 und dem 13. März 1938 durch beträchtliche finanzielle Zuwendungen die NSDAP einen ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK), ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände oder eine nationalsozialistische Organisation oder Einrichtung überhaupt gefördert hat oder wer durch Schädigung des österreichischen Wirtschaftslebens für Zwecke einer der angeführten Organisationen den Bestand des selbständigen Staates Österreich zu untergraben unternommen hat.
[1945] § 13. Amnestiebestimmungen und Gnadenerlässe stehen der Verurteilung wegen eines nach diesem Artikel strafbaren Verhaltens nicht entgegen.
[1947] § 14. Amnestiebestimmungen und Gnadenerlässe stehen der Verurteilung wegen eines nach diesem Artikel strafbaren Verhaltens nicht entgegen.
[1945] § 27. Ausnahmen von der Behandlung nach den Bestimmungen der Artikel II, III und IV sind im Einzelfalle zulässig, wenn der Betreffende seine Zugehörigkeit zur NSDAP oder einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK) niemals mißbraucht hat und aus seinem Verhalten noch vor der Befreiung Österreichs auf eine positive Einstellung zur unabhängigen Republik Österreich mit Sicherheit geschlossen werden kann; darüber entscheidet […]
[1947] § 27. (1) Der Bundespräsident kann auf Antrag der zuständigen Bundesminister Ausnahmen von der Behandlung nach den Bestimmungen der Artikel III und IV und von den in besonderen Gesetzen enthaltenen Sühnefolgen in Einzelfällen teilweise oder ganz bewilligen, wenn der Betreffende seine Zugehörigkeit zur NSDAP, zu einem ihrer Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK), zum NS-Soldatenring oder zum NS-Offiziersbund niemals mißbraucht hat, mit Sicherheit auf seine positive Einstellung zur unabhängigen Republik Österreich geschlossen werden kann und die Ausnahme im öffentlichen Interesse oder sonst aus einem besonders berücksichtigungswürdigen Grund gerechtfertigt erscheint. Ein solcher berücksichtigungswürdiger Fall liegt insbesondere bei Personen vor, die – wenn auch nicht in den Reihen der alliierten Armeen – mit der Waffe in der Hand gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben.
Das Verbotsgesetz, ein Gesetz im Verfassungsrang, soll also nun, wieder einmal, reformiert werden, ohne freilich, wieder einmal, es auf ein Verbot, davon ist nichts zu vernehmen, des Faschismus auszuweiten. Das seit siebenundsiebzigJahren dem Faschismus währende Erlassen seines Verbotes in Österreich steht ein weiteres Mal der Reformierung des Verbotsgesetzes nicht entgegen.
Das österreichische „Verbotsgesetz“ ist wieder einmal im Gerede. Diesmal aber nicht, weil es Einschlägige wieder einmal abgeschafft haben möchten, sondern, weil es reformiert werden soll.
Geradeso, als wäre der Nationalsozialismus kein Faschismus, geradeso, als würde außerhalb der österreichischen Gesetzgebung ebenfalls von einem Hitler-Faschismus nicht gesprochen und nicht geschrieben werden, als wäre der Faschismus dieses Österreichers kein Faschismus.
Es wäre dabei eine so leichte Übung, in das Verbotsgesetz Faschismus aufzunehmen. Bei manchen Paragraphen reichte es, Nationalsozialismus durch Faschismus zu ersetzen – beispielhaft dafür genannt folgende Paragraphen des Verbotsgesetzes:
§ 3f. Wer einen Mord, einen Raub, eine Brandlegung, ein Verbrechen nach §§ 85, 87 oder 89 des Strafgesetzes oder ein Verbrechen nach § 4 des Sprengstoffgesetzes als Mittel der Betätigung im [faschistischen] nationalsozialistischen Sinn versucht oder vollbringt, wird mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung auch mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. § 3g. Wer sich auf andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im [faschistischen nationalsozialistischen] Sinn betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung strenger strafbar ist, mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung bis zu 20 Jahren bestraft. § 3h. Nach § 3g wird auch bestraft, wer in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder wer sonst öffentlich auf eine Weise, daß es vielen Menschen zugänglich wird, den nationalsozialistischen Völkermord oder andere [faschistische nationalsozialistische] Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.
Freilich wären neue Paragraphen in das österreichische Verbotsgesetz zusätzlich zu schreiben, die spezifisch den Faschismus, dessen Machtübernahme die österreichische Gesetzgebung in einem wohl recht gern schnell vergessenen Paragraphen mit dem 5. März 1933 datiert, betreffen. In dieses Verbotsgesetz zu schreiben, mit dem seit 75 Jahren so getan wird, als würde es diesen Faschismus nicht gegeben haben, nicht geben. Dabei ist der österreichischen Gesetzgebung der Faschismus nicht unbekannt, wie eben das
„Bundesgesetz vom 21. Dezember 1945, betreffend die Einstellung von Strafverfahren und die Nachsicht von Strafen für Kämpfer gegen Nationalsozialismus und Faschismus“
belegt:
§ 1. Gegen Personen; die a) im Kampfe gegen den Nationalsozialismus oder Faschismus, b) oder zur Unterstützung des Österreichischen Freiheitskampfes oder in der Absicht, ein selbständiges, unabhängiges und demokratisches Österreich wiederherzustellen, strafbare Handlungen begangen haben, ist kein Strafverfahren einzuleiten; ein etwa eingeleitetes Strafverfahren ist einzustellen. § 2. Allen Personen, die wegen einer oder mehrerer der in § 1 bezeichneten Handlungen rechtskräftig verurteilt worden sind, ist die Strafe nachgesehen, wenn sie noch nicht vollstreckt ist. § 3. Ergibt sich nicht bereits aus dem Strafverfahren, daß die Bestimmungen des § 1 auf die begangene strafbare Handlung anzuwenden sind, so kann derjenige, für den die Begünstigungen dieses Gesetzes in Anspruch genommen werden, den Beweis dafür, daß es sich um Straftaten der in § 1 angegebenen Art handelt, auch noch anläßlich dieser Inanspruchnahme durch Urkunden oder andere in der Strafprozeßordnung vorgesehene Beweismittel erbringen. § 4. Die Amnestie ist auf alle Personen anzuwenden, welche strafbare Handlungen des in § 1 bezeichneten Charakters in der Zeit vom 5. März 1933 bis zum Tage des Wirksamkeitsbeginnes dieses Bundesgesetzes begangen haben.
Eine gesetzlich festgelegte Amnestie von Menschen also, die gegen Nationalsozialismus und Faschismus gekämpft haben, nicht erst seit dem 12. März 1938, sondern schon, als Österreich noch ganz für sich war,
seit dem 5. März 1933; so verwundert es doch, nein, so ist Österreich, es verwundert nicht, daß es in Österreich kein Verbot des Faschismus gibt, sondern lediglich des jedenfalls in der selbstnützlichen Darstellung von außen nach Österreich hereingetragenen Nationalsozialismus …
Am 9. Dezember 2022 wird es ein Jahr her sein, daß die identitäre Partei, die für kurz Regierungspartei war, einen Entschließungsantrag im österreichischen Parlament einbrachte, das „Kruckenkreuz“ ebenso gesetzlich verbieten zu wollen, ja, diese Partei hat neben ihrer Gesinnung und ihrer gesinnungsgemäßen Verbotsallergie auch Ironie — Die zwei Regierungsparteien in ihrer unendlichen Klugheit fanden darauf die einzig rechte Antwort: sie lehnten das Kruckenkreuzverbot ab. Schließlich ist es doch ein ewiges Symbol des „Klerikalfaschismus“, wie der Generalsekretär der identitären Partei den Faschismus in seiner Begründung des Verbots des Kruckenkreuzes nannte, und weder Faschismus noch Klerikalfaschismus ist ja nach dem österreichischen Verbotsgesetz in Österreich verboten, so kann auch das Kruckenkreuz, das ja kein Hakenkreuz, keine Odal-Rune, kein Lambda-Zeichen ist, kein Kaukasus-Emirat-Symbol, sondern Gottes Einsatzbefehlsstempel, nicht verboten werden.
Als was für eine Anmaßung müssen es der derzeitige Kanzler und die Partei seiner Familie, der derzeitige grünheutige Vizekanzler und der Präsident empfinden, ob dieses Lied verboten sei, nein, nicht als Anmaßung, aus Güte und Nachsicht anworten sie nicht darauf, sie möchten keinen Menschen ob seiner Dummheit, nach einem Verbot eines Lieds fragen, dessen Gesinnung in Österreich straflos erlaubt, bloßstellen, und es wird sie wohl auch mit Sorge erfüllen, daß sie nach Verboten gefragt werden, sie, die für nichts mehr, als für Freiheit von …
Der Politiker muss diese Aussagen künftig unterlassen und auf Telegram richtig stellen. Dort hatte er die Behauptungen zuvor verbreitet. Der Identitären-Chef wurde außerdem dazu verdonnert, die Kosten für sämtliche Schäden und den Prozess zu übernehmen.
Was wohl für Nachschlagewerke in den Umsonststuben aufliegen, aus denen in dieser Umsonst die Definition für Politikerinnen gesogen wird, nach der ein Martin Sellner als Politiker geführt werden kann? Das muß eine Definition sein, nach der, um ein Beispiel zu nennen, auch allenthalben Taten begehende Prediger – und bei diesen kann auf die weibliche Form verzichtet werden, sind es doch nach deren eigenem Verständnis ausschließlich Männer – Politiker …
Es kommen aber, das dürfte mehr zutreffen, in den Umsonststuben keine Nachschlagewerke zum Einsatz, wie in diesen auch keine Geschichtsbücher herumstehen dürften, denn sonst wäre es kaum, wäre es gar nicht möglich, eine derartige Werbung zu schalten —
„Außerdem dazu verdonnert, die Kosten für sämtliche Schäden und den Prozess zu übernehmen.“ Verdonnert, was so ein Politiker alles auf sich zu nehmen hat, da ist ein Wort der Urteilseinschätzung und der Erhebung zum verdonnerten Politiker nicht fehl am Platz, und das hat so ein Politiker einem Landeshauptmann zu verdanken, der solch einem Politiker das Gericht auf den Hals hetzt, das ihn dann …
Mit dem Mißbrauch der Ehe wurde begonnen, mit Sterilisierung und Fruchttötung wurde fortgesetzt; schließlich übte man leider nicht selten die sogenannte „Euthanasie“, man rottete das ‚angeblich „lebensunwerte“ Leben in Irrenanstalten und Konzentrationslagern durch systematische Morde aus‚und krönte alle diese furchtbaren Verbrechen durch den blutigsten aller Kriege
Zum Schutz des keimenden Lebens erhebt „angesichts ernster Vorkommnisse“ Kardinal Erzbischof Doktor Innitzer eindringlich seine Stimme. In einer Verlautbarung, die das: „Wiener Diözesanblatt“ Nr. veröffentlicht. Er erinnert an die kirchlichen Grundsätze, die von Pius XI. bei der Enzyklika „Casti connubii“ zusammengefaßt hat, wonach „das keimende Leben auch unter den schwersten Umständen heilig zu halten und zu schützen“ sei. „Bei dieser Einstellung“, sagt das oberhirtliche Mahnwort, „darf aber niemand glauben, daß es der Kirche an Verständnis und tiefstem Mitgefühl für die mit diesem Grundsatz so oft verbundenen schweren seelischen, leiblichen und sozialen Nöte fehlte. Aber um solche Nöte zu beseitigen, wäre die Tötung des keimenden Lebens das denkbar schlechteste Mittel; dieses würde auf weitere Sicht unter allen Umständen gerade die Frauen am meisten schädigen und benachteiligen. Es gibt andre und bessere Mittel, den Notständen abzuhelfen. Die Kirche war immer und ist heute mehr denn je entschlossen, mit allen Kräften mitzuhelfen, um die seelischen und materiellen Bedrängnisse zu überwinden, vor allem müssen die besten Möglichkeiten für die Erziehung der künftigen Kinder gesichert werden, die nicht innerhalb einer Familie aufwachsen können. Wir wünschen alle ehrlich aus ganzem Herzen, daß nie mehr ein Krieg das geborene Leben in so furchtbarer massenhafter Weise vernichte, wie wir davon Zeugen sein mußten. Am meisten werden sicher die Frauen diesen Wunsch haben. Wenn man nun das Leben heilig halten und schützen will, muß man mit dem des Lebens anfangen. Denn sonst ist damit wieder das Abgleiten auf eine schiefe Ebene unvermeidbar. Die letzten Jahrzehnte haben uns in der Hinsicht Erschütterndes gezeigt. Mit dem Mißbrauch der Ehe wurde begonnen, mit Sterilisierung und Fruchttötung wurde fortgesetzt; schließlich übte man leider nicht selten die sogenannte „Euthanasie“, man rottete das ‚angeblich „lebensunwerte“ Leben in Irrenanstalten und Konzentrationslagern durch systematische Morde aus‚ und krönte alle diese furchtbaren Verbrechen durch den blutigsten aller Kriege, wie in der ganzen Menschheitsgeschichte keiner noch verzeichnet, ist.
Von solch einem Mann, der so klar und unmißverständlich zu benennen weiß, wie es zu Massenverbrechen, Massenmorden nur kommen konnte, den seinen „Geburtstag mit einer stilvollen Feier im Großen Musikvereinssale“ nicht nur von seiner Familie begehen zu lassen, sondern von „Wien“; das ist würdig und recht, in Wahrheit ist es würdig und recht, den Musikverein, wann immer es nicht billig, aber recht, in eine Kirche zu wandeln.
Im Anschluß, nach solch tiefen Welterklärungen, kann, auch das ist würdig und recht, unmittelbar nur die Vorausschau auf die stilvolle Feier in der Musikvereinskirche kommen, für die Karten zu lösen sind – nicht in der Kirche, das wäre wohl frevelhaft -, sondern im „Generalsekretariat der Katholischen …“
Wien begeht den 70. Geburtstag des Oberhirten seiner Diözese, des Kardinal-Erzbischofs Dr Theodor Innitzer, am 21. Dezember, mit einer stilvollen Feier im Großen Musikvereinssaale. Die Veranstaltung ist in das Zeichen des Wahlsprüches des Kardinals „In caritate servire“ gestellt. Diesem Thema ist eine Kantate von Professor Dr. Ernst Tittel gewidmet, die unter Professor Dr. Andreas Weißenbäck als Dirigenten zur Uraufführung gelangt. Univ.-Doz. Dr. August Knoll hält die Feierrede. Das Präludium und die Fuge C-dur von Bach (an der Orgel Domorganist Professor Walter), ein Prolog von Dr. Rudolf Henz gesprochen; von Burgtheaterdirektor Raoul Aslan, und das Brucknersche Te Deum. (Mitwirkende: Erika Rokyta, Rosette Anday, Anton Dermota, Adolf Vogl, der Domchor, der Kirchenchor von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, das Niederösterreichische Landessymphonieorchester. Dirigent: Domkapellmeister Hofrat Professor Ferdinand Habel) ergänzen das Programm. Karten im Generalsekretariat der Katholischen Akademie“, Freyung 6, und bei Herder.
An die Abgeordneten wird es wohl nicht sein. Es kann der Familie Abgeordneten daher nur geraten werden, bereits jetzt ihre Bewerbung an die Wirtschaftsuniversität Wien zu schicken, um 2023 endlich doch den ihnen zustehenden Preis verliehen zu bekommen. Erfüllen sie doch alle Kriterien auf das höchste … Schon allein damit, für „Fruchttötung“ einen recht modernen und wissenschaftlich untermauerten Begriff eingeführt zu haben: „Abtreibung“.
Der zweite Weltkrieg läßt eine fast unabsehbare Reihe von politischen, ökonomischen und sozialen Krisen zurück. Ganze Staaten müssen einen Zustand erleben, der noch schlimmer ist als der Krieg. Man sagt uns, daß eine neue überstaatliche Organisation zu bewaffnetem völkerrechtlichem Schutz des Friedens in Aussicht genommen sei. Die gegenwärtige Lage läßt erst ungewisse Umrisse dafür erkennen. Der Ausblick könnte nicht ernster sein. Weltliche Weisheit hat ihr Können in höchsten Anstrengungen erschöpft.
Der Gang der Pflugschar durch den Heimatboden ist Anfang, Vorbereitung; in die Furche fällt der Same, der, so Gott will, Frucht bringen wird.
Erprobung
Und das Volk hat die große Parole verstanden. „Österreich!“, Hilfe für das Land, Beistand, da es in schweren Wunden liegt, Arbeit, Wirtschaft, Frieden! So haben es die Wähler gehört und dafür haben sie gestimmt, als sie, über drei Millionen an der Zahl — bis zum letzten Mann – könnte man fast sagen — zu den Urnen gezogen kamen. Dieses Dreimillionenheer hat nicht eine wohleingespielte Parteienapparatur in Bewegung gesetzt. Während der Hitler-Diktatur war ja doch alles zerschlagen worden, was nicht nationalsozialistische Formung war. Auch die gesamte Führung der Arbeiterschaft, des Gewerbes, der Bauernschaft, die in Vorbereitung der berufsständischen Verfassung bis 1938 aufgebaut worden waren, bis in die untersten Zellen hinab jener Gewaltherrschaft verfallen gewesen. Nicht alles hatte nachgeholt werden können. An vielen Orten fehlten zudem die alten Techniker der Wahlorganisation. So war mehr als je die innere Anteilnahme des Volkes für den Wahlentscheid bestimmend geworden. Nach alten politischen Gesetzen hätte man nach dem schrankenlosen Parteiabsolutismus der letzten sieben Jahre einen starken Ruck nach links erwarten können. Aber unser Volk hat sich für ein Programm der Mäßigung entschieden, für einen Weg der Mitte, der zwischen zeitgebotenen sozialen und wirtschaftlichen Reformen auf der einen und idealistischen und doktrinären Überspannungen auf der anderen Seite verläuft. In den Wählerziffern der Österreichischen Volkspartei sprach sich dieses Volksvotum ebenso unwiderleglich aus, wie in dem jähen Absturz, der die Kommunisten aus ihren kurzen Blütenträumen in die bitterharte Welt der politischen Realitäten riß. So sehr man es verstehen kann, daß es unbequem ist, die vielen daraus folgenden Veränderungen persönlicher und sachlicher Art in Staatsämtern, Rathäusern und Landesverwaltungen auf sich zu nehmen, wäre es doch imposanter gewesen, wenn es bei der guten Haltung, die auch von den schwer Geschlagenen unter dem ersten Eindruck des Volksentscheids eingenommen wurde, geblieben wäre. Mit anderer demokratischer Würde hat sich die große Sozialistische Partei zu den gegebenen Tatsachen gestellt. Das in Mandaten ausgedrückte Stärkeverhältnis im neugewählten Nationalrat ähnelt jenem, das Dollfuß beim Antritt seiner Kanzlerschaft vorfand. Damals versagte jeder Versuch eines Brückenschlages von einem Ufer zum anderen. Heute begegnen sich die ernsthaften Betrebungen der beiden großen Parteien in der Bejahung ihrer gemeinsamen Verantwortung. Es wäre ein müßiges Spiel, auserrechnen zu wollen, um wieviel kleiner und entlastender das Maß der Mitverantwortung am Staatsruder gegenüber Land und Volk für eine Partei von der Stimmenmacht der sozialistischen ist, einer Partei, der zudem die Führung in der Kapitale zugefallen ist. Das geschaffene Kräfteverhältnis muß richtig verstanden, dazu führen, daß es die einen wie die anderen in weisem Maßhalten bestärkt, hinlenkt zu dem Wichtigsten, das wir in der Bedrängnis unseres Landes am Nötigsten haben: Zur sorgfältigen Hut für den inneren Frieden.
Das ist u. v. a. m. auf der ersten Seite des Wochenblatts „Die Furche“ vom 1. Dezember 1945 zu lesen. In der Ausgabe Nr. 1. Wer das geschrieben hat? Es wird wohl keine allzu falsche Annahme sein, daß es der Furchengründer selbst gewesen sein könnte
Politische, ökonomische, soziale Krisen: ein Zustand, der noch schlimmer ist als der Krieg
Weltliche Weisheit hat ihr Können in höchsten Anstrengungen erschöpft
Zu den Urnen – dieses Dreimillionenheer
Mit anderer demokratischer Würde hat sich die große Sozialistische Partei zu den gegebenen Tatsachen gestellt. Das in Mandaten ausgedrückte Stärkeverhältnis im neugewählten Nationalrat ähnelt jenem, das Dollfuß beim Antritt seiner Kanzlerschaft vorfand. Damals versagte jeder Versuch eines Brückenschlages von einem Ufer zum anderen
In der Mitte dieser ersten Seite des Bekenntnisses, daß ein Zustand ohne Krieg noch viel schlimmer sei als ein Krieg, in der Mitte dieser ersten Seite der Reinwaschung des eigenen Parteikeikameraden, dem jeder Versuch eines Brückenschlages versagt worden sei, in der Mitte dieser ersten Seite der Schuldzuschreibung, wer dem eigenen Parteikameraden jeden Versuch des Brückenschlages versagte, die Schuldzuschreibung an eine Partei, die sich nicht mit anderer Würde zu den gegebenen Tatsachen gestellt habe, in die Mitte dieser ersten Furchenseite vom 1. Dezember 1945 ist das Gedicht „Saatbereites Ackerland“ gesetzt, von einem Priester namens Rochus Kohlbach —
Bekenntnisbuch österreichischer Dichter. (Herausgegeben vom Bund deutscher Schriftsteller Oesterreichs; Krystall-Verlag, Wien 1938.)
Ein Geleitwort in gehobener Sprache erzählt, wie und warum es zum Zusammenschluß der nationalen Dichter Oesterreichs im Dezember 1936 gekommen war. „In der Zeit unerträglichster Verfolgungen und Verfemungen des deutschen Menschen ihres Heimatlandes.“ Sie wollten Herolde höchster und heiligster deutscher Ideale sein, und das war damals Grund genug, ihnen keinen Platz zu geben, von dem aus sie sprechen hätten können. Das Blatt Papier, ob in der Zeitung, der Zeitschrift oder im Buch, wurde ihnen irgendwie gern verwehrt. Ja, noch mehr! Es ging tückisch von Mund zu Mund in den einflußreichen Kreisen, daß der und jener Mitglied des nationalen Dichterbundes sei. Also, daß man ihn und sie alle, die Aufrechten, die für die Einigung des deutschen Volkes eintraten, zurückdränge. Und wenn auch dabei die Existenz des einzelnen zugrunde ging. Das war Verfolgung! Verfolgung des deutschen Dichters im eigenen deutschen Land! Und deshalb hat dieses „Bekenntnisbuch“ zweifachen Wert. Es stellt nicht nur die Leute vor, die sich dasmals zusammengefunden wie eine Schar letzter Kämpfer, es zeigt vor allem ihre Gedanken auf. Das Bekenntnisbuch wurde nun kürzlich bei einem Festabend im Rathaus an 2000 Gäste verschenkt. Mit dem ungesprochenen Wort: „So, hier ist der Geist der Verfemten!“ – Blättert man das Buch durch, so findet man das ganze Leben umschlossen; das Werden und Sinnen des deutschen Volkes. Von seiner stolzen Vergangenheit angefangen („Andreas Hofer und Major Schill“ oder „Deutsches Schicksal, deutsche Größe“, über seinen urewigen Quell („Meine deutsche Mutter“) und Segen des Kampfes („Wir wollen entbehren, entsagen; wir wollen kein frommes Behagen“ oder „Ein Schelm, der Gold sucht, anstatt Brot“) und den der Kunst („Ein deutsches Requiem“) bis zu den Jubelliedern über den Zusammenschluß der beiden deutschen Lande! 71 Autoren sind in diesem Buch vereinigt, fast eine Hundertschaft. Was sie wollten, damals, heute und immer, und weswegen sie verfolgt worden waren, damals, heute und immer — wenn die Kraft und Zähigkeit deutschen Geistes nicht gesiegt hätten —, läßt sich in einem Vers, der hier aus dem Buch entnommen ist, zusammenfassen […] A. Anders
Alle diese Gedichte allein aus den vier Ausgaben des Wintermonates Dezember 1945 von der herausragenden Qualität eines Liedes, das Rudolf Henz vor 1936 dichtete, und weil Rudolf Henz ein Lyriker von Weltrang, darf auch er nicht mit einem Gedicht im Dezember 1945 fehlen, und weil Rudolf Henz ein Schriftsteller von Weltrang, muß darüber hinaus auch von Beginn an ein Roman von ihm in den Ausgaben der Dezemberfurche veröffentlicht sein.
Stellvertretend für die Qualität und dem Setzen auf eine neue Zeit, die vergessen machen läßt, was war, von all diesen Gedichten sollen die Strophen von Henz zitiert sein.
Ihr Jungen, schließt die Reihen gut, Ein Toter führt uns an. Er gab für Österreich sein Blut, Ein wahrer deutscher Mann. Die Mörderkugel, die ihn traf, Die riß das Volk aus Zank und Schlaf. Wir Jungen stehn bereit Mit Dollfuß in die neue Zeit!
Für Österreich zu kämpfen lohnt, daß es gesichert sei, vor jedem Feind, wo er auch thront, und vor der Verräterei. Gewalt und Lüge schreckt uns nicht, Wir kennen nur die frohe Pflicht. Wir Jungen stehn bereit! Mit Dollfuß in die neue Zeit!
Zerschlagt was uns noch hemmen mag und nach dem Gestern weist. Die neue Zeit steigt in den Tag und will den neuen Geist. Christlich, deutsch, gerecht und frei von Klassenhaß und Tyrannei. Wir Jungen stehn bereit! Mit Dollfuß in die neue Zeit!
O Österreich, o Vaterland, zu großem Sein verjüngt. Wir hüten dich mit deutscher Hand, daß dir dein Bau gelingt. Zum Weiser einer alten Welt bist du von Gott vorangestellt. Die Front steht schon bereit. Mit Dollfuß in die neue Zeit. Die Front steht schon bereit. Mit Dollfuß in die neue Zeit. In die neue Zeit.
Das daraufhin von Rudolf Henz (Text) und A. Dostal (Melodie) geschaffene Lied sollte zu einer Art zweiten Bundeshymne werden. Im November 1936 verfügte das Bundesministerium für Landesverteidigung, dass das D.-L. von den Militärmusiken im Anschluss an die Bundeshymne zu spielen ist. In Anlehnung daran sollte es bei allen Veranstaltungen auf die Bundeshymne gespielt werden.
Verordnungsblatt des Stadtschulrates für Wien, 15. Dezember 1936
Nr. 200. „Lied der Jugend“ (Dollfuß-Lied): Spiel im Anschluß an Bundeshymne. Das Bundesministerium für Handen und Verkehr hat zufolge Erlasses vom 10. November 1936 verfügt, daß bei allen Anlässen, insbesondere bei weltlichen Schulfeiern, bei denen die Bundeshymne gespielt oder gesungen wird, unmittelbar anschließend an diese Hymne auch stets das „Lied der Jugend“ (Dollfuß-Lied) Zu spielen oder zu singen ist. Die Direktionen (Leitungen) werden daher angewiesen, für die einwandfreie Erlernung sowohl der Bundeshymne als auch des Liedes der Jugend Sorge zu tragen.
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