„Fest der Freude“ der „Wiener Symphoniker“ auf dem Heldenplatz

Es will gar nicht nachgesehen werden, ob Nachkommen von jenen ermordeten Menschen, deren Namen zu lesen in Wien, in Österreich unerwünscht ist,

an diesem 8. Mai auf dem Heldenplatz zu Wien, Österreich, endlich an diesem 8. Mai 2023 auf dem Heldenplatz ein Wort, wenigstens ein Wort zu sprechen erlaubt ward

Ein „Fest der Freude“ wird es dem Orchester „Wiener Symphoniker“ aber allemal wieder gewesen sein, anders als für die Menschen, die auch dieser Montag kein Festtag gewesen sein wird, wo immer sie auf diesem Kontinent leben, sondern für sie Alltag der Gewalt gegen sie, mag das Land Schweden heißen, mag es Portschyland

Und dieser 8. Mai 2023 wird für das Orchester „Wiener Symphoniker“ ein besonderes „Fest der Freude“ gewesen sein, konnte es doch einen Komponisten prominent auf der Website „Fest der Freude“ platzieren, mit einem Werk von ihm, dem das Orchester „besonders nahesteht“ —

„Das Buch mit sieben Siegeln“

Ach, bloßes Werk des „Trostes in schweren Zeiten“

Oh, Werk der Hoffnung, der Vorsehung Versprechen eines „ewigen Reiches“ werde sich erfüllen, Werk der freudigen Botschaft, „Christus entjudaisiert“ —

Oh, Werk: „mustergültige Aufführung unter einem deutschen Dirigenten“, im Oktober 2022, in der Kirche zum Musikverein zu Wien, Österreich,

die einzig rechter Ort für die Aufbahrung des Komponisten war, an seinem Sarg die Rechtbesten des tausendjährigen Staates ihm ihre Ehre …

Da ist nur recht und billig, daß auf der Website des Orchesters selbst am 8. Mai 2023 über solch einen Komponisten und dessen Werk zu lesen ist, als wäre es eine biblische Erzählung, von einem Manne, der die rechten Worte überall in der Stadt feierlich

Und auch die Churchsite des Musikvereins erfüllt von dem Wissen, wie durch das Verkürzen Botschaften spannend zu gestalten …

Kurz ist es her, daß ein Mann der gelehrten Fernsehworte der Vermutung sich hingab, das könne sich vielleicht in ein paar Jahren wieder ändern, und also wieder Werke nicht eines Komponisten, aber eines Schriftstellers aufgeführt werden, freilich nur in Salzburg … Wie könnte das, um diesen tiefen Gedanken des Gelehrten aufzunehmen, in ein paar Jahren in Wien, in ganz Österreich sich ändern?

Vielleicht schon im nächsten Jahr?

Welches Werk könnte dann das Orchester „Wiener Symphoniker“,

vielleicht gar schon zum 8. Mai 2024 prominent auf der Website „Fest der Freude“ platzieren, vielleicht schon auf dem Heldenplatz in einer „mustergültigen Aufführung unter einem …“

Vielleicht „… Auferstehung“?

Dieses Auferstehungswerk zu vollenden, war dem Buchversiegler von seinem Herrn verwehrt geblieben,

aber ein Wagner stellte es nach genauen Vorgaben des Buchversieglers fertig, trieb es hin zum Ende

Windsor, Charles Philip Arthur George zur Krönung in der goldenen Staats-Kutsche aus dem Sklavenhandel in jahrhundertalter Tradition

Es wird nun durchaus mit Anerkennung und Verneigung vor Charles Philip Arthur George Windsor berichtet, er nehme es ernst und stimme einer Erforschung der „royalen Verbindung zur Sklaverei“ zu.

Wie schönfärberisch im Zusammenhang mit Sklaverei allein schon „Verbindung“ klingt … Und dann, auch das, als würde bis jetzt nichts gewußt worden sein, von der königlichen Involvierung in die Sklaverei, als müßte das alles erst und erstmals erforscht werden.

Dabei, wenn ein Mann wie Charles Philip Arthur George Windsor zu seiner Familienfeier in einer „Jahrhunderte alten Tradition“ fährt, um in dieser zum King Charles Philip Arthur George III. gekrönt zu werden, in einer Kutsche, die in der Zeit des Königs Georg III. erbaut, und das auch weiß, aus welcher Zeit diese Kutsche stammt, braucht dieser Mann dann noch eine Erforschung der tataktiven Rolle seiner Familie?

Wenn er um die Geschichte dieser Kutsche weiß, dann weiß er auch um die familientäterische Geschichte im Kolonialismus, und er müßte sich, morgen schon, nur hinstellen und es als Familienmitglied selbst erzählen, was ohnehin alle Welt weiß, und das seit 1776, zum Beispiel als Thomas Jefferson darüber sprach … und nach seiner Erzählung morgen schon die Konsequenzen daraus ziehen —

Und wenn King … George III. um die Geschichte dieser Kutsche weiß, und das wird er, sonst hätte er sie wohl nicht aus der Garage für seine Krönung, auf deren bombastische Zeremonien andere royale Familien lange schon verzichten, holen lassen, und das ohne davor einer Erforschung der Geschichte der Kutsche zustimmen zu müssen, und wenn er mit dieser Kutsche zu seiner bombastischen Familienzeremonie fährt, heißt das, er steht zur Geschichte seiner Familie, er will die Geschichte seiner Familie über alle Zeiten hinweg verkörpern, er ist die Gesamtgeschichte seiner Familie, aber die Geschichte läßt sich nicht zweiteilen, in eine, die goldengenehm herzeigbar ist, und in eine, die nicht herzeigbar ist, die zu verschweigen ist und von der so getan werden kann, als hätte sie mit der eigenen Familie gar nichts, gar nichts zu tun und für die keine Verantwortung zu übernehmen ist, für die keine Entschuldigung vonnöten ist, für die keine Kompensationszahlungen zu leisten sind, aber dennoch so großzügig ist — und das wird sich Charles P. A. George III. hoch anrechnen –, zuzustimmen, es doch einmal beforschen zu lassen, das dann wieder für ein paar Jahre Aufschub

Es soll nicht unerzählt bleiben, daß 1807 Georg III. doch das Gesetz unterzeichnete: das Verbot des Handels mit Sklavinnen. Rechtskräftig wurde das Verbotsgesetz erst ein Jahr später. Aber wer Sklaven besaß, durfte sie weiter … Daß es überhaupt zum Verbot kam, war das Verdienst eines jahrzehntelangen Kampfes gegen den Sklavenhandel, gegen die Sklaverei, unter anderem auch dadurch, daß Hunderttausende von Menschen keinen Zucker mehr kauften, der von als Sklavinnen gehaltenen Menschen …

Es soll auch nicht unerzählt bleiben, daß Thomas Jefferson Rede und Tun nicht in Einklang brachte, er selbst Sklaven und Sklavinnen …

Es will dazu kein weiteres Kapitel geschrieben werden. Deshalb soll das hier noch erwähnt werden, also die enormen Kosten für diese bombastische Familienfeier mit fremden Geld, und weil es doch auch passend ist zur goldenen Kutsche, in der das Ehepaar zur Familienkrönung fährt, und Steuerzahlerinnen in Großbritannien fragen, gerade auch noch in einer Zeit, in der es ihnen wirtschaftlich nicht besonders geht, weshalb sie die Kosten für eine Familie aufzubringen haben, die nicht die ihre ist.

Und weil Familienfeiern doch auch etwas Rührendes haben, soll auch noch das schnell erzählt werden, weil es wohl das Rührendste an dieser Familienfeier ist, ein Ehepaar aus Österreich fährt zur Familienkrönung und der Ehemann schreibt dazu:

Hier in #London liegt Vorfreude in der Luft. Es ist für mich eine große Ehre, Österreich bei der Krönung von König Charles III. & Königin Camilla zu vertreten. Das Vereinigte Königreich gehört – trotz Brexit – zu #Europa. Um diesen #Zusammenhalt zu stärken, bin ich hier.

Das Rührendste aber steuern halt — wenn auch sonst nichts zur Weltpolitik, zur Weltgeschichte, aber was wäre die Weltpolitik, die Weltgeschichte ohne das Rührende — Menschen aus Österreich bei, ganz gleich, ob sie nach London reisen, oder nach Moskau oder in den Libabon oder oder …

… George III, the Coronation: Slave trade

Wer in Österreich lebt, kommt nicht umhin, auf das zu reagieren, was eben in Großbritannien passiert, am 6. Mai 2023, nicht, weil diese Familienfeier interessiert, sondern durch den Fehler, den österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufzudrehen, sich dem Exzeß der Berichterstattung über eine Familie auszusetzen … Familien dürften in dieser öffentlich-rechtlichen Anstalt Österreichs überhaupt sehr beliebt sein, es gibt noch eine, über die in dieser Anstalt unentwegt schmeichelnd Sendungen ausgestrahlt werden, so wird es ein wenig verstehbar, warum auch in der sogenannten heutigen Politik, genauer, in der heutigen österreichischen Parteipolitik gewisse Leute zur Familie

Aber durch die Mattscheibe zurück zur englischen … Das ist also ein „Außenseiter“ für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreich — was für ein Märchen, von dem jede Außenseiterin auch in Österreich nur träumen kann, am Ende eines langen Lebens in Sack und Asche doch noch Königin zu werden, für jeden Außenseiter am Ende eines langen Lebens in Obdachlosigkeit auch in Österreich Lebensanker der Hoffnung, am Schluß doch noch König

Das ist an diesem Tag in Österreich bei aufgedrehtem Fernsehapparat mit dem ausgestrahlten Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Österreich zu lesen:

[König Georg III.] hat einen grausamen Krieg gegen die menschliche Natur selbst geführt und dabei ihre heiligsten Rechte auf Leben & Freiheit in den Personen eines fernen Volkes verletzt, das ihn nie beleidigt hatte, indem er sie gefangen nahm & und in einer anderen Hemisphäre in die Sklaverei verschleppte oder sie bei ihrer Beförderung dorthin einen elenden Tod erleiden ließ. Diese piratenhafte Kriegsführung, die Schande ungläubiger Mächte, ist die Kriegsführung des christlichen Königs von Großbritannien, der entschlossen ist, einen Markt offen zu halten, auf dem MENSCHEN (men) gekauft & verkauft werden sollen.

The Declaration of Independence. Thomas Jefferson. Unabhängigkeitserklärung. Omri Boehm. Radikaler Universalismus, Jenseits von Identität.

“[King George III] is at this time transporting large Armies of foreign Mercenaries,” wrote Jefferson in the Declaration, “to compleat the works of death, desolation and tyranny, already begun with circumstances of Cruelty & perfidy scarcely paralleled in the most barbarous ages.”

But in fact, the main purpose of the Declaration of Independence was to present a compelling case that King George III and the British Parliament had broken their own laws, leaving the American colonists no choice but to cut ties and “throw off” British rule. To accomplish that, Jefferson and the Continental Congress compiled a laundry list of grievances—27 in total—meant to prove to the world that King George was a “tyrant” and a lawbreaker.

Stockbetten, des Arbeitsministers Luxus für arbeitende Menschen in Österreich

§ 47. (9) Es gilt abweichend von § 428 Abs. 5 LAG für das Verbot von Etagenbetten gemäß § 37 Z 6 in
Vorarlberg und Tirol eine Übergangsfrist bis 1. Jänner 2032.

Die Produktionsgewerkschaft weist bereits auf diese kocherische Verordnung zum Profit aus Arbeit hin und schreibt dazu:

Am 26. April wurde eine Verordnung zum Landarbeitsgesetz 2021 veröffentlicht, die am 1. Juni 2023 in Kraft tritt. Geregelt werden darin unter anderem die Anforderungen an Arbeitsstätten und Wohnräume für Landarbeiter:innen. „Diese Verordnung ist skandalös. Arbeitsminister Martin Kocher lässt zu, dass drei Menschen für drei Wochen in einem Container mit 13,88 m² untergebracht werden dürfen. Pro Person stehen somit 4,6 m² zur Verfügung. Das grenzt an Sklavenhaltung“, betont der Bundesvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Rainer Wimmer. Der Gewerkschafter verweist darauf, dass in der zweiten Tierhalteverordnung für drei Hunde ein Zwinger von 25 m² vorgeschrieben ist, den Erntearbeiter:innen gestehe man also nicht einmal die gleiche Fläche wie Hunden zu. 

Die Gewerkschaft bezieht sich in ihrer Kritik lediglich auf die zeitlich auf drei Wochen eingeschränkte Unterbringung von drei Menschen in einem Container von 13,88 Quadratmeter. Um aber das „skandalös[e]“ Ausmaß dieser kocherischen Verordnung zu ermessen, ist die gesamte kocherische Verordnung in bezug auf „Wohnräume“ zu zitieren, die sich nicht auf einen eingeschränkten kurzen Zeitraum der Unterbringung bezieht, sondern auf eine zeitlich uneingeschränkte Unterbringung von Menschen, die in der österreichischen Landwirtschaft arbeiten.

In der Verordnung wird gar von „Wohnen“ der „untergebrachten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ gesprochen, von „Räumen“ zur „Nächtigung oder […] „Wohnen“; es geht wohl in erster Linie um das Nächtigen, und da ist die kocherische Denke ganz und gar nachvollziehbar, denn welcher Mensch, der abends abgearbeitet vom Feld kommt, wird noch wohnen wollen, ja, überhaupt noch wohnen können, nur noch schlafen, einerlei, ob in einem Einzelbett oder in einem Etagenbett, das Schlafen ganz allein in einem Einzelbett oder ganz allein oben oder unten in einem Stockbett, so viel zugestandener Luxus, und das in einer Verordnung festzuschreiben, zeichnet Martin Kocher als Arbeitsminister aus.

Gegen einen Arbeitsminister von dieser Güte kann es „keine Bedenken“ geben, wie der so zutreffend wie stets in seinen Urteilen sattelfeste hohe Herr vor einem knappen Jahr feststellte:

Aber wir haben’s jetzt mit Martin Kocher zu tun. Martin Kocher war vorher Arbeitsminister, nicht Wirtschaftsminister. Martin Kocher, finde ich, weiß sehr genau, was er macht. Er kennt die Mechanismen am Arbeitsmarkt sehr gut. Wenn er jetzt die Wirtschaftsagenden dazubekommt, finde ich persönlich keine Bedenken, was da alles passieren kann.

Wohnräume

§ 37. (1) Zur Nächtigung oder vorübergehendem Wohnen dürfen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern von der Arbeitgeberin bzw. dem Arbeitgeber nur Räume zur Verfügung gestellt werden, die den nachfolgenden Mindestanforderungen entsprechen:
1. Sie müssen ihrem Zweck entsprechend benutzbar, in hygienisch einwandfreiem Zustand (insbesondere frei von Schimmel und Ungeziefer und mit verputzten Wänden) sein und dürfen keine Gefahr für Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen.
2. Sie müssen ein direkt ins Freie führendes Fenster haben, sowie ausreichend beleuchtbar, auf mindestens 21° C beheizbar und mit angemessenen Schutzvorkehrungen vor Lärm versehen sein.
3. Die lichte Höhe hat mindestens 2,5 m zu betragen.
4. Sie müssen versperrbar sein sowie mit ausreichend großen Tischen und mit mindestens einer Sitzgelegenheit mit Rückenlehne und einer Stromsteckdose für jede untergebrachte Arbeitnehmerin und jeden untergebrachten Arbeitnehmer ausgestattet sein.
5. Der freie, durch das Volumen von Einbauten nicht verringerte Luftraum muss pro Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer mindestens 10 m³ betragen.
6. Für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer muss ein versperrbarer Kasten und ein Bett mit Bettzeug zur Verfügung stehen. Etagenbetten, Schlafkapseln oder Schlafkojen sind nicht zulässig.

Ein Privileg der arbeitenden Menschen in Tirol und in Vorarlberg, das Schlaferlebnis in Etagenbetten noch bis 1. Jänner 2032 genießen zu dürfen, ihnen diesen Luxus nicht sofort zu verbieten. Es werden womöglich die anderen Bundesländer diese Übergangsfrist noch nachträglich einfordern, um nicht durch das Etagenbettenverbot einen Wettbewerbsnachteil …

7. Schlafräume müssen versperrbar sein. Sie müssen nach Geschlechtern getrennt benutzbar sein und auch gesonderte Zugänge haben.
8. Es müssen Einrichtungen zum Zubereiten und Wärmen sowie zum Kühlen von Speisen und Getränken zur Verfügung stehen. Werden diese Einrichtungen von mehr als drei untergebrachten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern benutzt, sind diese Räumlichkeiten getrennt von den Schlafräumen einzurichten.

Wie muß doch drei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Gemeinschaftsgefühl stärken, wenn sie gemeinsam alles in einem einzigen Raum miteinander teilen dürfen: das Zubereiten und Wärmen sowie Kühlen von Speisen und Getränken und das Schlafen.

9. Es müssen Mittel für die Erste Hilfe zur Verfügung stehen.
10. Es müssen geeignete Einrichtungen zum Trocknen nasser Kleidung zur Verfügung stehen.
11. Sofern Raucherinnen und Nichtraucherinnen nicht in getrennten Räumen untergebracht sind, ist das Rauchen zu untersagen.

Was für eine kocherische Rücksichtnahme auf Raucher, die nicht in getrennten Räumen untergebracht sind, den Rauchern, so kann Z. 11 nur verstanden werden, ist das Rauchen nicht zu untersagen, und die nichtrauchenden Männer, sofern diese mit rauchenden Männern nicht in getrennten Räumen untergebracht sind, werden das, sie sind ja Männer, verstehen, daß rauchende Männer, einfach wie kurz gesagt, rauchen müssen, immer und überall, also auch dann, wenn der Raum zusätzlich als Schlafraum … und gibt es auf Erden etwas Schöneres, und das wird auch ein Mann wie Kocher nur zu recht wissen, im Bett zu liegen, übermüde, nach eines langen Tages Arbeit in die Nacht, kurz vor dem Einschlafen noch eine Zigarette —

12. Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern müssen geeignete und ohne Erkältungsgefahr benutzbare sowie gut zugängliche Duschen, Waschgelegenheiten und Toiletten zur Verfügung stehen. Duschen und Toiletten müssen von innen versperrbar sein. Hinsichtlich Anzahl und Beschaffenheit gelten die §§ 32 bis 34 sinngemäß. Duschräume und Toiletten sind jedenfalls nach Geschlechtern getrennt vorzusehen, soweit sie von mehr als acht Personen genutzt werden.

Wie wird auch das die Gemeinschaft der Untergebrachten stärken, wenn beispielsweise vier Frauen und vier Männer gemeinsam die Dusche teilen, und werden sich neun Untergebrachte fragen, wie es denn um ihr Arbeitsklima bestellt ist, so mit getrennten Duschräumen und Toiletten.

13. Pro untergebrachter Arbeitnehmerin bzw. untergebrachtem Arbeitnehmer müssen zur Verfügung stehen:
a) mindestens 11 m² Bodenfläche in den Gesamträumlichkeiten (Wohn- und Aufenthaltsraum, Schlafraum, Küche, Sanitäranlagen, Wasch- und Trockenraum, Vorzimmer) oder
b) mindestens 6 m² Bodenfläche im Schlafraum. 24 von 29 BGBl. II – Ausgegeben am 26. April 2023 – Nr. 122 Vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung errichtete Wohnräume können bis 31.12.2034 von den vorgesehenen Mindestbodenflächen im Ausmaß von 10 % abweichen.
14. Schlafräume dürfen maximal belegt werden
a) mit vier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wenn die Schlafräume ab dem Inkrafttreten der Verordnung errichtet wurden;
b) ab 1. Jänner 2028 mit sechs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, wenn die Schlafräume vor dem Inkrafttreten der Verordnung errichtet wurden;
c) ab 1. Jänner 2035 mit vier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, wenn die Schlafräume vor dem Inkrafttreten der Verordnung errichtet wurden.
15. Container dürfen als Unterkunft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt werden. Dabei
a) müssen abweichend von Z 13 pro untergebrachter Arbeitnehmerin bzw. untergebrachtem Arbeitnehmer mindestens 5 m² Bodenfläche zur Verfügung stehen;
b) ist abweichend von Z 14 im Standardcontainer (13,88 m²) eine Belegung zulässig mit
aa) höchstens zwei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern;
bb) höchstens drei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für maximal drei Wochen pro Jahr, wenn dies außergewöhnliche Umstände erforderlich machen. Die außergewöhnlichen Umstände, die Namen der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Dauer der Maßnahme müssen von der Arbeitgeberin bzw. dem Arbeitgeber dokumentiert werden. Bei einer Kontrolle ist diese Dokumentation vorzuweisen.
(2) Auf Wohnräume, die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurden, sind Abs. 1 Z 8 letzter Satz, Z 12 letzter Satz und Z 13 erst ab 1. Jänner 2028 anzuwenden.
(3) § 47 ist abweichend von Abs. 1 Z 3 in Tirol auf Wohnräume anzuwenden, deren lichte Höhe aufgrund baurechtlicher Vorschriften weniger als 2,5 m beträgt mit Inkrafttreten dieser Verordnung. Benutzbarkeit von sanitären Vorkehrungen und Sozialeinrichtungen

Die Gewerkschaft hat zu den Vorgaben der „Bodenfläche“ für die Untergebrachten einen Vergleich zur Tierhalteveordnung angestellt, allerdings einen ungerechten, für Hunde ist nicht eine zeitliche Beschränkung vorgeschrieben. Wenn, wie oben gelesen werden kann, die Vorgaben der „Bodenfläche“ für die Untergebrachten ohne zeitliche Beschränkung auf drei Wochen pro Jahr durchgegangen wird, hätte die Gewerkschaft noch weitere Vergleiche heranziehen können, zum Beispiel: „Die Gehege haben bis zu einer Zahl von höchstens 5 Tieren folgende Maße aufzuweisen: Außengehege (Mindestmaße) 500 Quadratmeter, Innengehege (Mindestmaße) 300 Quadratmeter, Höhe (Mindestmaße, bei geschlossenen Anlagen) 5 Meter.“ Bei fünf Tieren sind das im Innengehege 60 Quadratmeter bei einer Höhe von 5 Metern pro Tier.

Bei zwei Untergebrachten in einem Standardcontainer sind es 6,94 Meter bei einer Höhe von 2,5 Metern pro Person das ganze Jahr. Für ohne zeitliche Einschränkung Untergebrachte pro Person elf Quadratmeter Bodenfläche in den Gesamträumlichkeiten, sechs Quadratmeter im Schlafraum, 2,5 Meter Höhe; es will aber kein Vergleich mit der Tierhaltung herangezogen werden, schließlich sind es keine Tiere, die auf den Feldern und Äckern der österreichischen Landwirtschaft arbeiten — zu diesen kocherischen Bodenflächenmaßen fallen andere Maße im Vergleich ein, zum Beispiel

Wird in einem sonstigen barrierefreien Sanitärraum auch ein Toilettensitz angeordnet, sind dafür
die Anforderungen gemäß Punkt 7.1.3 einzuhalten. Die Mindestgröße eines kombinierten barrierefreien Sanitärraums mit Toilette, Waschbecken und Dusche beträgt 5,00 m².

OIB-Richtlinie 4 Ausgabe März 2015

Ein Bad sollte, heißt es, eine Größe von acht Quadratmetern haben, in Österreich sollen sechzig Prozent der Bäder zwischen vier und zehn Quadratmetern haben. Martin Kocher wird, sitzt er in seinem Vier-Quadratmeter-Bad nicht mit Neid, sondern in der Gewißheit sitzen, was für ein großartiger und großzügiger Arbeitsminister er doch sei, der den Untergebrachten auf dem Lande derartige Bodenflächen verordnet, während er auf einer Bodenfläche von vier Quadratmetern gar, die nach der Richtlinie eine Barrierefreiheit nicht zulassen, mit seiner ganzen Familie —

Kocherische Großzügigkeit in jedweder Hinsicht, auch bei den Bodenflächen Übergangsfristen, großzügiger Abzug von zehn Prozent der Bodenfläche, na ja, nicht so großzügig, was sind schon zehn Prozent, im Vergleich, gerade mal so viel in etwa wie die derzeitige Teuerung …

§ 47. (9) Es gilt abweichend von § 428 Abs. 5 LAG für das Verbot von Etagenbetten gemäß § 37 Z 6 in Vorarlberg und Tirol eine Übergangsfrist bis 1. Jänner 2032.

Schlussbestimmungen

§ 48. (1) Gemäß § 431 Abs. 1 LAG wird festgestellt, dass in § 25 Abs. 2 Z 2, Abs. 4 Z 3, Abs. 7 und in § 46 Abs. 2 dieser Verordnung Abweichungen von § 204 Abs. 6 sowie in § 32 Abs. 4 Abweichungen von § 202 Abs. 2 festgelegt werden.
(2) Diese Verordnung tritt am 1. Juni 2023 in Kraft.
[…]

Kocher

Und daß es zu einer im Gesamten derart großzügigen kocherischen Verordnung überhaupt kommen kann, am 26. April 2023, ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, daß vor mehr oder weniger kurzer Zeit ein Herr K. eine Erntehelferin besuchte und sah, wie die Unterbringung …


„Vom neuen Glauben“ und der „Bereitschaft“ in Österreich

Vom neuen Glauben ist nun eine Partei in Österreich wieder einmal ergriffen, aus ihren Reihen könnte wieder einer zum „Volkskanzler“ gesinnungsgemäß von der Vorsehung erwählt werden, ihr neuer Glaube speist sich aus der Erfahrung der Bereitschaft in Österreich, es wird schon wieder nachgegeben werden —

und das könnte, wenn auf Geschichte Wert gelegt werden will, Hindenburg-Syndrom genannt werden –,

einen Mann aus ihren Reihen zwar nicht dazu zu wählen, aber ihn dazu zu machen,

weil vielleicht, wenn überhaupt, ein äußerst schwaches Drittel der Wahlberechtigten in Österreich dieser Partei in der nächsten Nationalratswahl, so es nach den jetzigen Umfragen geht, ihre Stimme geben könnte, sie mit einem äußerst schwachen Drittel zur stimmenstärksten Partei in Österreich gewählt werden könnte, sie jetzt schon an die Bereitschaft in Österreich glaubt, er könnte zu dem gemacht werden, was er für seine Partei „Volkskanzler“ nennt, weil sie aus Erfahrung weiß, ein „Volkskanzler“ wird nicht vom „Volk“ gewählt, ein Mann wird zum „Volkskanzler“ gemacht, und das von sehr wenigen, von einer Handvoll an einem Tisch hinter verschlossenen Türen, zumeist von einer Handvoll Männern an einem Tisch hinter verschlossenen Türen zum „Volkskanzler“ gemacht wird,

und es von ihnen dann verkauft wird, als hätte das „Volk“ zu einhundert Prozent ihn zum „Volkskanzler gewählt“, während es in Wahrheit gerade einmal, wenn überhaupt, ein äußerst schwaches Drittel diese Partei wieder einmal gewählt haben wird, und für deren Wahl nicht der Anführer dieser Partei ausschlaggebend sein wird, sondern die Verhältnisse, deren Änderung für ein äußerst schwaches Drittel der Wahlberechtigten sich gegen ihre eigenen Erfahrungen mit dieser Partei erste Motivation wieder sein wird, diese Partei zu wählen, und der Anführer dieser Partei weit abgeschlagener Beweggrund sein wird, diese Partei zu wählen, aber am Tisch hinter verschlossenen Türen wird er zu dem gemacht,

zu dem er je nicht gewählt,

hinter verschlossenen Türen wird er je zu dem gemacht,

zu dem er nicht gewählt.

Eine Partei, ein Traum.

Die Partei will also „Volkskanzler“ werden. Korrekter. „Volkskanzlerin“. Genauer. Ihr zurzeitiger Anführer. Auch ihr zurzeitiger Anführer. Will etwas mit der Endung „kanzler“ werden. Ein Traum. Ein Traum, der so lange schon geträumt wird, in dieser Partei, daß ihr im Traum zwölf Minuten wie tausend Jahre rasch vergehen, so dehnbar ist im Traum nun einmal die Zeit.

Vor Jahrzehnten hatten sie einen damaligen zurzeitigen Anführer, der das auch werden wollte, damals noch „Bundeskanzler“ werden wollte. Geworden ist er es nie.

Dann kam der nächste zurzeitige Anführer, der wollte nicht mehr Bundeskanzler werden, sondern „Bürgerkanzler“. Gekommen ist er in dieses Amt nie. Auf das Amt muß er, einfach wie kurz gesagt, allenthalben, als Bürger – ohne Kanzler.

Dann kam für recht kurz der nächste zurzeitige Anführer, der wollte weder Bundeskanzler noch Bürgerkanzler werden, dafür aber „Deine-Heimat-dein-Präsident“, auch wenn das österreichische Gesetz ein solches Amt Deine-Heimat-dein-Präsident nicht vorsieht, ebenso das Amt eines Bürgerkanzlers, ebenso das Amt eines Volkskanzlers.

Vielleicht erfindet diese Partei derartige Ämter nur deshalb, weil sie es in ihrem Inneren weiß, für die vom österreichischen Gesetz vorgeschriebenen Ämter ist sie nicht gut genug, nicht fähig genug …

Es wird auch diesmal, einfach wie kurz gesagt, nichts aus dem Volkskanzler werden, so wie es nichts aus dem Bürgerkanzler wurde, wie es nichts aus dem Deine-Heimat-dein-Präsidenten wurde …

Nicht erklärlich ist dabei eines. Wie kommt der zurzeitige Anführer dieser Partei auf „Volkskanzler“, ist er doch einer, der recht Philosophisches liest und es auch zitiert, etwa erst im letzten Jänner in einer Halle, einen Mann, der mit dem Volks nichts, gar nichts, absolut nichts gemein hatte.

In der kurzen Zeit, in der Gómez Dávila die ererbten Unternehmungen geführt habe, sei er einmal in der Woche mit Monokel, Spazierstock und weißen Gamaschen im Büro erschienen und habe den Verwalter ermahnt: „Wir brauchen höhere Einnahmen, Don Antonio!“, bevor er sich zum Mittagessen in den Jockey-Club begeben habe, so berichten alten Freunde.

Die Intellektualität Gómez‘ ist skeptisch gesinnt, von unbesiegbarem Mißtrauen gegenüber dem Menschen und allen seinen Hervorbringungen, seinen politischen Formen, seinen moralischen Beweggründen, seiner Philosophie, seiner Unschuld, seinen wissenschaftlichen Analysen und Entdeckungen. Dieser Skeptizismus ist rücksichtslos und von gelegentlich zynischer Härte. Philantropia erscheint ihm nur in dem ursprünglichen Gebrauch dieses Wortes, wie die orthodoxe Kirche ihn bewahrt, ein zulässiger Begriff — nämlich als unbegreifliche Eigenschaft Gottes.

So Martin Mosebach, in seinem Vorwort.

Wäre es für den zurzeitigen Anführer nicht eine tatsächliche Aufgabe, statt zu träumen, diesem Mann nachzueifern, im Haus zu bleiben, wachen, lesen, lesen, einfach nur lesen und vielleicht ab und an für eine Website, für die sein „gescheiter Mensch“ ebenfalls recht zitierabel ist, lange Einträge schreiben; darüber hinaus, teilen sie, der zurzeitige Anführer und sein für das Volk nichts übrighabender gescheiter Mann, Erfahrungen mit Rappen, wenngleich nicht glückliche …

Die anderen Wochentage verbrachte er in seiner Bibliothek, mit über 30 000 Büchern. Manchmal auch im Jockey-Club von Bogotá, an dessen galanter Lässigkeit er gern teilnahm. Bis sie ihm fast zum Verhängnis wurde: Bei dem Versuch, sich im Sattel eine Zigarre anzuzünden, scheute sein Pferd und ging durch. Er wurde abgeworfen und erlitt komplizierte Knochenbrüche, die ihm später das Gehen schwermachten.

Den Ästheten Dávila gruselt es, wohin er blickt. Die modernen Metropolen bezeichnet er als »Krankheit« und »Müll«. Und die Kultur bietet für ihn keinen Ausweg, denn »Kultur wird niemals die Muße des Arbeitenden ausfüllen, da sie nur die Arbeit des Müßiggängers ist«. Sofern Kultur denn überhaupt noch existiere. Das, was Dávila unter Kultur versteht, Bildung, Kenntnis der Antike, hält er für längst gesellschaftlich verpönt.

Dávilas apodiktischer Stil unterwirft die Gegenwart nicht konstruktiver Kritik, er lehnt sie schlicht ab. Seine Aphorismen sind geprägt vom ästhetischen und religiösen Ekel vor der Verwandlung des Menschen in einen Verbraucher. Eine Metamorphose, die Dávila sowohl von den westlichen Demokratien betrieben sah wie vom Kommunismus, der ja auch nur »die Ermöglichung eines grenzenlosen Konsums« anstrebe. Der Kommunismus sei im Zweifel aber noch schlimmer als die Demokratie, denn er lasse keine oberen Gesellschaftsschichten zur Orientierung mehr zu: »Die Polizei ist in der klassenlosen Gesellschaft die einzige soziale Struktur.«

»Die Parteigänger einer Sache sind in der Regel die besten Argumente gegen sie.«

Entzauberte Welt. Doja Hacker. 5. 2. 2006. Der Spiegel.

Das muß zurückgenommen werden, dem zurzeitigen Anführer, der für seine Wahrheit, der für seine Genauigkeit, der für sein Wissen, der für seine Glaubwürdigkeit reihum bekannt ist, er könnte für diese Website lange Einträge schreiben, für eine Website die nicht einmal das weiß, daß der Kopf, der ihr Signet ist, sie als solcher bereits nicht symbolisch, sondern tatsächlich kenntlich macht, nicht „Junglingsgestalt“ heißt, sondern Arno Breker seine Figur, von der sie ihren Kopf nahm, einen Titel gab: „Herold“.

Bliebe er, der zurzeitige Anführer, still in seinem Haus, allein mit seinen Büchern, seiner Genauigkeit, seinem Wissen, seiner Wahrheit, seiner Glaubwürdigkeit, sein Ansehen im elterlichen Tal wüchse übers Jahr schon ins Unermeßliche —

Helmut Dietlof Reiche und „der Prophet des Schönen“ des Ernst Fuchs

Arno Breker würdigte den Autor und Künstlerfreund Ernst Fuchs in seinem Buch „Schriften“: „Was an Fuchs besticht, ist seine hohe Intelligenz, seine enorme Belesenheit und seine sprühende Fantasie, die sich wie eine lang aufgestaute Quelle ergießt und alles in Begeisterung mitreißt. Sie scheint nie zu versiegen. In ihm hat man eine Kultur von dreitausendjähriger Herkunft vor sich, die er mit seinen Werk repräsentiert!“

Eine Statue ist aus „Der Prophet des Schönen. Skulpturen aus den Jahren 1920-1982. Mit Texten von Ernst Fuchs. Mchn., R.P. Hartmann 1982. 240 S., OLeinenband m. OUmschlag Folio Mit einem beiliegenden Echtheits-Zertifikat von Arno Brker signiert. Sehr gutes Exemplar.“

Eine Statue ist aus „Bereitschaft, Sonderschrift des Oberkommandos der Wehrmacht/Abt. Inland, Volk u. Reich-Verlag, Berlin o.J. (1943/1944), 52 S., 23 Abb. zu Reliefen u. Plastiken von Arno Breker, Gedichte von Helmut Dietlof Reiche, illustr. Karton, berieben/bestoßen …“

Helmut Dietlof Reiche, dessen Dichtername wie ein Pseudonym klingt, hätte vielleicht gesagt, meine Siegerin passe so recht zur einen wie zur anderen Statue.

Meine Siegerin passe recht zur ersten und zur zweiten Statue. Das wird Helmut Dietlof Reiche nicht gesagt haben können, scheint er doch lange, lange vor 1982 verstorben zu sein; jedenfalls klingt ein Buch mit dem Titel Helmut Dietlof Reiche. Bildnis eines märkischen Dichters aus 1943 wie zu seinem Andenken, zum Gedächtnis als ewiges Band mit ihm, dem Heimgegangenen, geschrieben von Hans Borgelt, der dafür vielleicht Pausen einschob in seine Arbeit als Zensor für die Propagandaabteilung im Krieg von 1939 bis 1945.

Vielleicht verstarb Helmut Dietlof Reiche an seiner „Bereitschaft“, vielleicht fiel der lyrische Band zu brekerischen Werken deshalb so recht dünn aus. Dann wäre ihm, dem Reiche, zu seinem Heil erspart geblieben, das Bittere zu erfahren, ausgesondert zu werden.

Jüngling im Volksgarten des Schönen von Wien, Österreich

Arno Breker: Da war inzwischen Hitler da gewesen und war hell begeistert, und wie er den Mann mit dem Schwert sieht, sagt er, das ist die Wehrmacht. Nicht? Der Mann mit der Fackel, das ist die Partei.

Es wollte eigentlich nicht so viel aus dem Märcholog, das Ernst Fuchs und Arno Breker miteinander führen, zitiert werden, es wollte schnell wieder zu Dombrowski und vor allem nach Graz zurückgekehrt werden, aber wer kennt das nicht, einmal einem Märchen ausgesetzt, hat es nicht die Wirkung, einzuschlafen, es will weiter und weiter zugehört werden, und Kinder vor allem stimmt es traurig, wenn Großmütter und Großväter einschlafen, bevor das von ihnen erzählte Märchen zu Ende ist, aber dieses Märchen, von Arno Breker und Ernst Fuchs in geteilten Rollen vorgetragen, endet nicht, es finden sich immer wieder neue, die es erzählen, nur ihre Namen wechseln …

Was wären die brekerischen Jünglinge, die Hitler die Wehrmacht und die Partei waren, dem Stalin gewesen, wenn Breker inzwischen seine Jünglinge in Moskau aufgestellt hätte, wäre er, Stalin, ebenso höllisch begeistert gewesen, hätte er auch gleich gesagt, der Mann mit dem Schwert ist die Rote Armee, der Mann mit der Fackel ist die Partei —

Was wären die brekerischen Jünglinge dem Alexander gewesen, unter dem Breker durchaus zu arbeiten ebenfalls bereit gewesen wäre, und das wohl aus seiner Erfahrung mit Herrschenden heraus in der Annahme, daß er, Alexander wie Stalin wie Hitler Breker ebenfalls seinen Respekt und seine Hochschätzung zu seinen Füßen —

Im Volksgarten, in Wien, vor dem Theseustempel, steht ein Jüngling, der nicht von Arno Breker ist, sondern von dem Mann, der für den ersten Nationalratspräsidenten, als er noch kein Nationalratspräsident war, eine Statue schuf, die sein Nachfolger aus Furcht vor cancel culture ewiglich stehen sehen möchte – auf dem KL-Platz zum Appell

Selbstantretungsbefehl der

Der Jüngling im Volksgarten zu Wien, Österreich, ohne Schwert noch, ohne Fackel noch, aber wer genau hinsieht, sieht den brekerischen Jüngling mit Wehrmacht, mit Partei

Verfallen der Schönheit nicht nur beide,

der Bildhauer der Reiche und

der Bildhauer des Nationalratspräsidenten …

Es wird, ehe zum Weinkameraden des Dombrowski nach Graz zurückgekehrt werden kann, davor doch noch auf Reiche …

Favoriten

Das wird sich in Salzburg in den nächsten Jahren vielleicht wieder ändern.

Das sagt Konrad Paul Liessmann hinein, als Matthias Dusini etwas zum Aufführen von Stücken des Bert Brecht sagt: sie werden kaum mehr eine spielen, net?

Oh, kaum gewinnt eine KPÖ in Salzburg mehr, als ihr demokratieknirschend zugestanden, sieht der freisinnige Geisteskopf eine Oppositionspartei nun mit etwas mehr als elf Prozent so liebhaberisch mächtig, wieder Brecht nach Salzburg zurück — Tiktok

Kurz davor hat Liessmann selbst lehrreich Bert Brecht ins Spiel gebracht, doziert,

Wir leben in einer Stadt, die nach dem zweiten weltkrieg Bertold Brecht canceln wollte, wie wir wissen. Jeder freisinnige Mensch, jeder Liebhaber der Literatur mußte sich damals dagegen wehren, daß Brecht nicht am Burgtheater aufgeführt wird. Wenn wir die moralischen Maßstäbe, die wir heute haben, an Bertold Brecht anlegen würden, dürfte er nie wieder am Burgtheater aufgeführt werden. Und allein daran sieht man, wie prekär das Ganze ist, und ich kann nur wiederholen, was Heinz Sichrovsky gesagt hat, ich hätte dann gern wirklich eine Liste der Vergehen, die tolerabel sind und der Vergehen, die nicht mehr tolerabel sind, und da kommen wir natürlich in Teufelsküche. Aber das macht ja wahrscheinlich eine gewisse Freude aus, darüber zu diskutieren.

Peter Fässlacher: Eine gute Frage

Ich muß da gleich einhaken, als einzige Frau in der Runde

Konrad Paul Liessmann: Aber was bedeutet das jetzt für die Stücke

Matthias Dusini: Sie werden kaum eine spielen, nit.

Konrad Pau Liessmann: Das wird sich in Salzburg vielleicht in den nächsten Jahren wieder ändern.

wie es war, als Bert Brecht in Österreich verhindert werden wollte, ohne freilich die Namen der Anführer für Aufführungsverbote zu nennen — Hans Weigel und Friedrich Torberg

Heinz Sichrovsky: Jetzt grod, und das sind wunderbare Leute, wohl gemerkt, die da grade am Werk sind, aber daß man gerade die läppischen Landeshymnen, die von einer so unglaublichen Miserabillität sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, daß man auf die losgeht, also, und das sind qualifizierte Menschen, die das wollen, das ist irgendwie lächerlich. Was ich aber vorher noch sagen wollte.

Ich habe einmal das Vergnügen gehabt, mit Reich-Ranicki zu sprechen, über Weinheber, über Josef Weinheber, der ein wirklich gestandener Nazi war, und der Reich-Ranicki hat mir gesagt

Matthias Dusini: Das ist vielleicht, historisch nicht ganz

Heinz Sichrovsky: Er hat sich, er war dankbar, daß er endlich rausgehoben wurde, ein bißchen, aus seiner Unterschätztheit, wohlgemerkt, ein toller Lyriker. Und der Reich-Ranicki hat mir gesagt: Junger Mann, der Mensch hat sich umgebracht, mehr kann man wirklich nicht verlangen.

Das wird der Gesinnungsgemeinschaft des Josef Weinheber in Dankbarkeit freuen, daß Matthias Dusini — und sie wird, wie sie es stets in solch einem Fall tut, darauf hinweisen, daß das doch ein Unverdächtiger von einer Wochenzeitung, die es mit dem Historischen ganz genau hält, sagt — es historisch nicht ganz, daß Josef Weinheber ein …

Es ist nicht das erste Mal, daß „wunderbare Leute“ und „qualifizierte Menschen“ das Neutexten der Landeshymnen favorisieren, so etwa vor neun Jahren ein wunderbarer und qualifizierter und nicht nur in den Grenzen Österreichs bekannter Mensch

Landeshymnen, Brecht, Weinheber wurden u. v. a. m. in dieser Sendung „Streitzeit“ am 25. April 2023 von Liessmann, Sichrovsky, Dusini, Fässlacher, in der es, wie es in der Sendungsbeschreibung heißt, …

Von Picasso bis Spacey – Kann man das Werk vom Künstler trennen?

Darf man Pablo Picassos Kunstwerke noch reinen Gewissens betrachten? Muss man den Fernseher abdrehen, wenn Kevin Spacey zu sehen ist? Darf man Filme, Musik oder Literatur lieben aber ihre Erschaffer ablehnen? Diese und andere Fragen diskutiert Peter Fässlacher in einer neuen Ausgabe „Streitzeit“ mit seinen Gästen, u.a. mit profil-Journalistin Angelika Hager, Matthias Dusini, Leiter des Falter Feuilleton, dem Kulturjournalisten Heinz Sichrovsky und dem Philosophen Konrad Paul Liessmann.

Es ist keine Unhöflichkeit, wie Sie vielleicht vermuten werden wollen, daß oben der Name der einzigen Frau in dieser Tiktokrunde nicht genannt wird, es ist die Unsicherheit, welche einzige Frau es tatsächlich ist, ist es Frau Flossmann, als die Peter Fässlacher sie in der Sendung selbst anspricht, ist es Frau Hager, als die sie in der Sendungsbeschreibung angeführt ist, wie es auch noch heute am 29. April 2023 gelesen werden kann.

Worum geht es in dieser Tiktoksendung? Um cancel culture, also um Anekdoten, und auch um woke

Der dafür als Aufhänger gewählte Name Picasso erinnert daran wie vor 33, vor dreiundreißig Jahren etwa Ernst Fuchs und Arno Breker, der Pablo Picasso nicht besucht, weil er ein „Menschenquäler“, darüber —

Es war keine „Streitzeit“ zwischen Breker und Fuchs, Tiktok des Einvernehmens …

Ernst Fuchs: Wenn man das Charakterbild des Künstlers verwechseln wollte mit seiner Begabung, dann ist man auf jeden Fall auf dem Holzweg.

Arno Breker: Ja klar.

Ernst Fuchs: Das hat doch eine nichts mit dem anderen zu tun.

Arno Breker: Natürlich.

Ernst Fuchs: Ich meine, wenn jeder der fromm ist, auch ein El Greco der Malerei wäre, dann könnte man sagen: Okay.

Arno Breker: Ja.

Ernst Fuchs: Aber so ist es nicht.

Arno Breker: Mich haben zwei Leute, haben mich hochgeschätzt, und von dem, den ich Dir jetzt nenne, hatte ich keine Ahnung, so lange ich Molotow noch nicht kannte. Ich hab‘ mal ein langes Gespräch mit Molotow in Berlin gehabt. Und er überbrachte mir die herzlichsten Grüße seines Chefs.