Lebensstrafe

Erst ist es Judas Iskariot, der offensichtlich eine politische Vorstellung von dem hat, was der Messias leisten soll. Mit den Zeloten, einer jüdischen Widerstandsgruppe, scheint er für eine gewaltsame Befreiung vom Joch der Römer zu sein.

An diesem Freitag, 15. April ’22, erzählt dies Jan-Heiner Tück in seiner Passionszeitsendung, daß Judas den Mann, der nach damaligen Recht zum Tod verurteilt wurde, verraten hätte, für die folgenschweren 30 Silberinge, für die, auch für die dann durch Jahrtausende vor allem jüdische Menschen …

Und das Stigma des Verrats ist ihnen bis herauf in die Gegenwart weithin sichtbar und unauslöschlich eingebrannt; ein verräterischer Mensch wird nicht „Iskariot“ beschimpft, sondern als „Judas“, bei dem nicht an einen einzelnen mit dem Namen Iskariot gedacht wird, sondern …

„Der Sog des Verrats“ nennt Tück seine karfreitagliche Passsionszeitsendung. Zutreffender: Der Sog des Fabulierens

Iskariot könnte, so vage erzählt es Tück, ein Mitglied der Widerstandsgruppe der „Zeloten“ gewesen sein, er könnte aber auch nur mit der Idee der Widerstandsgruppe übereinstimmt haben, der „gewaltsamen Befreiung vom Joch der Römer“ … Tück erzählt weiter, Iskariot habe den Mann aus Enttäuschung verraten. Auch dies erzählt Tück recht vage. War Iskariot von dem Mann enttäuscht, weil er sich nicht für die Widerstandsgruppe anwerben ließ? War Iskariot von dem Mann enttäuscht, weil er nicht mit ihm übereinstimmte, es könne nur eine „gewaltsame Befreiung vom Joch der Römer“ geben? Worin Tück nicht vage bleibt, ist, daß der von ihm angehimmelte Mann kein Mitglied der Widerstandsgruppe war.

Was immer die Gründe von Iskariot waren, er wird mit seinem Anführer, wenn er denn dies zu seinen Lebzeiten tatsächlich war und nicht erst nach seinem Tod zum Führer erhoben ward, wohl aus welchen Gründen auch immer unzufrieden gewesen sein, von dem aus anderen Quellen gewußt wird, daß er ein „Zelot“ war, daß er ein Widerständler war, und in welcher Zeit auch immer, unter welchem Regime auch immer, stets gibt es die harten und nur aus der Sicht der Unterjochenden zu rechtfertigenden Gesetze gegen den Widerstand, gegen die Befreiung.

Und auch an dem Freitag dieses Jahres wird wieder des Zeloten einzig gedacht, für den es, wie für jeden Menschen, bitter war, in so jungen Jahren schon das Leben zu verlieren, darüber hinaus noch gewaltsam, die Todesstrafe zu erleiden, aber es wird einzig an diesen Mann gedacht, der selbst der Gewalt nicht abgeneigt, der selbst verkündete, er werde sein Schwert nicht in der Scheide …

Nicht gedacht wird an diesem Freitag, auch nicht an dem heutigen Freitag, den die Anhängenden des Führers Karfreitag nennen, all der Namenlosen durch die Jahrhunderte, die nicht zum Tod auf dem Kreuz verurteilt wurden, aber die ihr Kreuz in den barockwarmen Boudoirs zu erleiden haben, gerichtslos verurteilt zur Lebenstrafe seit ihrer Kindheit an.

Das Kreuz deckt die Untaten

Das Kreuz deckt die lügnerischen Masken der Täter auf, die gerne so tun, als hätten ihre Taten gar nicht stattgefunden.

In der Passionszeit ’22 gibt Jan-Heiner Tück im österreichischen Rundfunk kurz vor sieben Uhr eine Definition des Organisierten Glaubens ab, die in ihrer Knappheit allumfassend den Charakter und das Wesen besonders des Organisierten Glaubens der römisch-katholischen Kirche end-gültig beschreibt.

„Ihre Taten“, die seit Anbeginn dieses Organisierten Glaubens Untaten und als solche zur Unterscheidung von Taten zu bezeichnen sind, damit Taten, die für das Wohl der Menschen gesetzt werden, klar getrennt sind von den Untaten, die die Täter – und es sind nahezu nur Täter, das nicht anders sein kann bei einem Organisierten Mannesglauben – gerne ewiglich vergraben hätten unter dem Kreuze, daß verborgen bliebe ihre seit Jahrhunderten bis herauf in die Gegenwart angebetete Passion für …

Es mag dieser Mann, der nach damaligen Recht zum Tod Verurteilte, an einem Tag für eine kurze Zeit gelitten haben, für sich allein gelitten haben, es ist schmerzlich, sein Leben zu verlieren, noch dazu auf die gewaltsamste Weise, aber seit dem haben die je nicht zu zählenden Kinder, vor allem die je nicht zu zählenden Knaben unter dem Kreuze gelitten, ist den je nicht zu zählenden Kindern und Jugendlichen von jenen Männern enormstes und extremstes Leid zugefügt worden, die nur das Leid eines Mannes als Leid anerkennen, der für sie gestorben ist, den sie für sich immer wieder auferstehen lassen, damit sie Leid und Elend über die Menschen und vor allem über die jüngsten Menschen bringen können.

Das Erbarmen mit ihrem Mann, der die Todesstrafe nach damaliger Gesetzgebung erleiden mußte, führte sie nicht dazu, sofort und entschieden gegen die Todesstrafe zu sein, sondern erst im dritten Jahrtausend kann sich dieser Organisierte Mannesglauben dazu durchringen, gegen die Todesstrafe …

Es kann Jan-Heiner Tück, um doch noch einen zweiten Satz aus seiner Passionszeitsendung zu zitieren, zugestimmt werden, es wäre tatsächlich heilsam, würde die Gnade im Eis einbrechen, untergehen, ertrinken, wird doch in dieser mannesgläubigen Organisation die Rechthaberei gnadenreich zelebriert, während der Mensch nicht der Gnade bedarf, sondern des Rechts, das diese mannesgläubige Organisation gnadenlos dem Menschen verweigert.

In einer Gesellschaft oft gnadenloser Rechthaberei könnte der Einbruch der Gnade eine heilsame Unterbrechung sein.

Tanken, Sonnenwissen

„Geheimdienstchef erzählt Polly“ könnte in Nachfolge einer Oper eine in österreichischen Verhältnissen spielende Dreigroschenoperette heißen, deren Inhalt …

Diese wird jedoch nicht geschrieben werden. Denn. Wer immer so eine schriebe, setzte sich dem schlimmsten Vorwurf des Plagiats aus. Die Wirklichkeit zu bestehlen.

Es soll aber nachgereicht und auch das nicht verschwiegen werden, wie einer, Gert René Polli, seine Tage verbringt, zwischen dem Schreiben seiner Büchern. Er tankt Sonne. Auch mit Corinna Miazga, einer Abgeordneten der AfD.

Im Sonnentank wird nicht nur der Grad der Bräunung erhöht, sondern gesinnungswohl auch das voneinander tankende Wissen …

Ein derart Wissender wie Polli kann seine Bücher nur in Verlagen der höchsten Güte veröffentlichen, im grazerischen Verlag, wie eben, und im Finanzbuchverlag, der überhaupt Bücher der ersten Güte vertreibt, etwa von einem Janich, nur so einem Verlag, der Bücher von Polli, Janich publiziert, kann die Biographie eines österreichischen Bundeskanzlers, dessen Stern für kurz …

Diei Biographie eines österreichischen Bundeskanzlers, deren erstes Wort Wissensstrahlen nur sein kann, falsch erinnert, dessen erstes Wort „Sonnenstrahlen bedecken mein Gesicht …“

NS Das österreichische Bundesheer wird es als seine Ehre empfinden, mit Stolz erfüllen, auch Polli entdeckt zu haben und zur Lektüre zu empfehlen …

Geheimdienstchef erzählt Polly …

Ares ist Gott der Kriege, der schrecklichen Massaker, der Blutbade. Das war es noch vor 2800 Jahren. Als Menschen durch Not und unerträgliche Angst sich Gottheiten schufen; heute, Jahrtausende später, lassen sich diese aus Not und Angst gezeugten Gottheiten dem Nichts nur zurückgeben, dem Nichts, das sie sind.

Jahrtausende später – blutbadende, massakrierende Ares wurde vor langer, langer, sehr langer Zeit wieder zum Nichts, aus dem es war – ist der Ares ein Verlag, in Österreich, in der Steiermark, in Graz …

Am 12. April 2022 bringt eine österreichische Tageszeitung als Kurier des Ares die mehrspaltige Botschaft …

Gert-René Polli schrieb ein Buch über die Schattenwelten der österreichischen Geheimdienste. Der KURIER konnte es vorab lesen und analysieren. Ex-BVT-Chef rechnet ab – mit der ÖVP und dem „tiefen Staat“ von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Es haben zwei Männer das Buch gelesen, zwei Männer haben das Buch analyisiert, und zwei Männer befinden, es ist nicht notwendig darauf hinzuweisen, in welchem Verlag das von ihnen Gelesene und Analysierte erscheint, es ist nicht notwendig, eine einzige Zeile zum Verlag zu schreiben.

Sie werden vielleicht sagen, bei einem Buch ist es nicht relevant, auf den Verlag hinzuweisen, wie bei einem Medikament auf die Nebenwirkungen aufmerksam zu machen. Bei diesem Verlag allerdings ist wie bei einer Impfung der Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen absolut notwendig. Schließlich, es ist der Ares-Verlag, dessen Produkt auf fast einer ganzen Seite …

Das Interessante – es soll diesem Buch, auch wenn es ungelesen für immer bleiben wird, das Interessante nicht abgesprochen werden – an diesem Buch ist, wo das Personal für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Österreich landet, wie eben jetzt dieser Mann: beim Ares. Woher das Personal für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in Österreich kommt, von des Landes heiligem Berg, wie jener Mann … Andere, zwar nicht dem Personal für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung zugehörig, steigen vom Berg hinab zum Aufstieg zum kurzen Vizekanzler in gesinnungswohliger Begleitung von dem Verlag aus Graz …

Recht interessant zu erfahren ist, nicht vom Kurier des Ares, sondern von Ares selbst, gerade in diesen Tagen der Massaker, der Blutbade, des Krieges, daß Polly Honorarprofessor an der „Ukrainian-American Concordia University“ in Kiew ist. Ein fast nicht zu vermeidender Werdegang für einen in Kärnten Geborenen und in der Steiermark Gelandeten: bei so viel Vergangenheit, die verbindet: Kärnten, Steiermark, Ukraine …

Und dann ist nicht zu vergessen, der Mann, der von keinem Berg kommt, sondern aus einem recht tief gelegenen Ort, von, könnte auch gesagt werden, einem Hügelhaufen etwas über dem Meeresspiegel, und dieser Mann läßt den Verlagsmann aus Graz zu sich kommen, in das Haus, als dessen Besitzer er nicht im Grundbuch …

Ein Requiem in Weiß-Blau-Rot

Wladimir Putin hat Respekt vor dem österreichischen Bundeskanzler. Er läßt ihn nicht stundenlang warten. In seiner Residenz im Waldstück. Wie einst der österreichische Bundeskanzler in der Residenz im Bergstück stundenlang auf ihn warten mußte.

Aber damals hieß der Bundeskanzler nicht Karl Nehammer.

Karl Nehammer hat zwar zu warten, aber nur siebzig Minuten. Von 14.00 bis 15.10 Uhr. Dann beginnt das „direkte Harte und Offene“. Es endet, wie das Bundeskanzleramt bestätigt, um 16.11 Uhr. Es endet also nach 61 Minuten, und das Bundeskanzleramt rechnet so schnell wie kurz das um: nach 75 Minuten …

So hält die Tageszeitung „Kleine Zeitung“ die Weltschicksalstunden des 11. April 2022 präzise fest.

Eine Stunde, das ist oft zu hören, ist schnell um. Aber 61 Minuten können sich schon mal auf 75 Minuten dehnen, wie eine Ewigkeit empfunden werden …

Vielleicht mußte gar Wladimir Putin auf den österreichischen Bundeskanzler warten, der doch um 14.50 Uhr noch in der österreichischen Botschaft in Moskau auf das „Offene und Harte“ sich wohl gewissenhaft wie stets vorbereitet, ehe er nach Nowo-Ogarjowo aufbricht, auf den putinischen Hof unweit …

So unwahrscheinlich mag das gar nicht klingen, bei dem Auswuchs an Ansehen Österreichs seit einst …

Der Bundeskanzler von einst gab seinen Memoiren den Titel „Ein Requiem in Rot-Weiß-Rot“, in denen er auch an seinen Besuch in der Residenz im Bergstück erinnert …

Vielleicht leiht einst Vladmir Putin für seine Memoiren nicht zuletzt oder vor allem wegen der bitteren Erinnerungen an dieses „direkte Harte und Offene“, auf das er warten und warten, so lange warten mußte, den Titel den österreichischen Bundeskanzlers aus: Ein Requiem in Weiß-Blau-Rot

Überfällige Auszeichnung für Christa Zöchling – Concordia-Preis, Kategorie Menschenrechte

Die diesjährigen Concordia-Preise für außerordentliche publizistische Leistungen gehen an „profil“-Redakteurin Christa Zöchling (Kategorie Menschenrechte) [..] Die Verleihung findet am 26. April in der Hofburg statt, Laudatoren sind Cathrin Kahlweit, Melita Šunjic und Armin Wolf.

Berichten Medien in diesen Tagen des Jahres 2022.

Der Preis in der Kategorie Menschenrechte, gestiftet von der Bank Austria, wird vergeben, um verantwortungsvolle, vorurteilsfreie publizistische Leistungen im Dienste der Menschenrechte zu fördern, und um Diskriminierungen jeglicher Art, sei es in religiöser, ethnischer oder geschlechtsspezifischer Hinsicht, entgegenzuwirken. Die ausgezeichneten Werke müssen in Österreich erschienen sein oder einen engen Bezug zu Österreich haben.

Informiert der Presseclub Concordia über die Kriterien des Preises der Kategorie Menschenrechte …

Plötzlich verliert die Berichterstattung an Bedeutung und die eingeübte journalistische Distanz macht keinen Sinn mehr. Meine profil-Story vom 22. August dieses Jahres über eine Richterin, die sich in Kabul aus Angst vor den Taliban in einem Keller versteckt hält, trägt den Titel „Ist da jemand?“ Die als Hilferuf gemeinte Frage ist eigentlich an die österreichische Regierung gerichtet, doch die meldet sich nicht. Kann ich es dabei bewenden lassen? Nein.

So beginnt Christa Zöchling ihre nun bepreiste Reportage.

Zöchling erhält den mit 4.000 Euro dotierten Menschenrechte-Preis für ihre Reportage „Der Hölle entrissen“.

Für Christa Zöchling wird wohl Melita Šunjić die Laudatio halten, sozusagen als Reportagenzeugin, deren Vorname aus Vorsichtsgründen, darf angenommen werden, in der Reportage ein wenig verändert …

Zwar meldet sich niemand aus einem österreichischen Ministerium, wohl aber andere, die sich betroffen fühlen. Melitta Šunjić etwa, die frühere Sprecherin des UNHCR in Österreich.

Der damalige und zurzeitige Außenminister Österreichs wird in dieser Reportage auch erwähnt. Für eine „Reaktion“ wird er je keine Zeit haben, stets beschäftigt, Männer an den „Verhandlungstisch“ … Darum aber geht es in diesem Kapitel nicht, es geht auch nicht um diese Reportage.

Es soll nur festgehalten werden, wie lange Christa Zöchling auf diesen Preis in der Kategorie Menschenrechte warten mußte. Sie, die vor Jahren schon mit einer Glanzleistung eingeübter journalistischer Distanz diesen Preis bekommen hätte müssen, mit der sie alle Kriterien

[..] verantwortungsvolle, vorurteilsfreie publizistische Leistungen im Dienste der Menschenrechte zu fördern, und um Diskriminierungen jeglicher Art, sei es in religiöser, ethnischer oder geschlechtsspezifischer Hinsicht, entgegenzuwirken. Die ausgezeichneten Werke müssen in Österreich erschienen sein oder einen engen Bezug zu Österreich haben.

für diese Kategorie übererfüllte – mit ihrer Reportage des „schönen Menschenschlags“ …

Die Verkehrung des „Gnadenlosen“ in Österreich

Es sind bald sieben Jahre her, daß Nikolaus Halmer – https://sciencev2.orf.at/stories/1759578/index.html – eine Würdigung zum Todestag von Vladmir Jankélévitch schrieb, und er wählte dafür den Titel: „Der gnadenlose Denker“.

Nikolaus Halmer nutzt das öffentlich-rechtliche Medium oder der österreichische Rundfunk benutzt Nikolaus Halmer, Vladimir Jankélévitch durch seine Würdigung zu schmähen, die der österreichischen Tradition der Verleugnung, je etwas mit dem „Horror des NS-Regimes“ zu tun gehabt zu haben, treu ergeben ist.

Der österreichische Rundfunk und Nikolaus Halmer schaffen es in recht bester österreichischer Manier über „Verzeihen?“ von Vladimir Jankélévitch zu schreiben, ohne je zu erwähnen, was in diesem seinem Essay zu Österreich gesagt wird.

Die Deutschen galten ihm zeitlebens als „Volk der Mörder und Henker“: Vladimir Jankélévitch, einer bedeutendsten französischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, konnte und wollte den Horror des NS-Regimes niemals hinter sich lassen. Verzeihen und Versöhnung lehnte er ab. Eine Würdigung anlässlich seines 30. Todestages am 6. Juni.

Einfach wie kurz kann das von Nikolaus Halmer und vom wissenschaftlichen österreichischen Rundfunk Verbreitete zusammengefaßt werden:

Es war das Deutschland, und nicht das Österreich.

Der Essay „Verzeihen?“ ist dem österreichischen Rundfunk und Nikolaus Halmer ein „Pamphlet“, also eine Schmähschrift, deren Kennzeichen es ist, nur „polemisch“, unwissenschaftlich, unredlich, diffamierend zu sein. Durch ihre Schmähung des Essays als „Pamphlet“ gewähren Nikolaus Halmer und der österreichische Rundfunk großzügig den „Deutschen“ Schutz vor dem „gnadenlosen“ Vladimir Jankélévitch, kehren es der österreichische Rundfunk und Nikolaus Halmer zur Rettung, zur Rehabilitierung um, nicht das „NS-Regime“ des Österreichers war „gnadenlos“, sondern „gnadenlos“ ist Vladmir Jankélévitch.

In seinem Pamphlet „Verzeihen?“ attackierte Jankélévitch mit leidenschaftlicher Vehemenz Philosophen wie Martin Heidegger, die sich weigerten, über ihr Engagement für die Nationalsozialisten zu sprechen. Hellsichtig war seine Kritik an Heidegger, den er den „Sturmabteilungen der deutschen Philosophie“ zurechnete – im Gegensatz zu den Repräsentanten der postmodernen Philosophen wie Jacques Derrida oder Jean-Francois Lyotard, die in Heidegger den „heimlichen König im Reich der Philosophie“ sahen. Polemisch äußerte sich der streitbare Philosoph aber auch über seine existenzialistischen Kollegen Jean-Paul Sartre und Maurice Merleau-Ponty, weil sie sich während des Zweiten Weltkrieges nicht der Résistance angeschlossen hatten und sich danach bequem im „Gehäuse des Existenzialismus“ eingerichtet hatten.

So wie es Nikolaus Halmer schreibt, so wie es der österreichische Rundfunk verbreitet, wird der Anschein erweckt, Jankélévitch hätte in „Verzeihen?“ gegen Jean-Paul Sartre und Maurice Merlau-Ponty „polemisch“ … Nur, die zwei Männer werden im Essay nicht genannt. Aus dem Vorwort von Jürg Altwegg ist jedoch ist zu erfahren:

Der Skandal platzte am Tage, an dem Jankélévitch zu Grabe getragen wurde. Die Zeitung „Libération“ druckte ein großes, mehrere Seiten umfassends Interview mit Jankélévitch, das im Hinblick auf eine Neuausgabe seines Essays „Pardonner?“ geführt worden war. In diesem Gespräch rechnete Jankélévitch mit den Philosophen ab, die im Nachkrieg Erfolg, im Krieg aber versagt und keinen Widerstand geleistet hatte. Er kritisierte Jean-Paul Sartre, der seine abwartende, leicht opportunistische und ziemlich unpolitische Haltung – seine Stücke wurden im besetzten Paris gespielt, seine Bücher mit dem Segen der Zensur veröffentlicht – nach der Befreiung mit dem Imperativ des Engagements und seinen politischen Stellungnahmen auf geradezu krankhafte Weise überkompensiert habe. Noch sprach niemand vom Judenstatut Vichys, mit dem Pétain sehr viel weiter gegangen war, als es die Deutschen je gefordert hatten […] Sehr viel verbitterter äußerte sich Vladimir Jankélévitch über Maurice Merlau-Ponty. Während Jankélévitchs Abwesenheit hatte sich Merlau-Ponty in seiner Pariser Wohnung eingenistet. Als man ihn aufforderte, etwas für die Résistance zu tun, lehnte er mit der Begründung ab, er schreibe gerade an seiner Habilitationsschrift.

„Hellsichtig“ gewesen zu sein, wenigstens in bezug auf Heidegger, gestehen Halmer und Rundfunk ihm dann doch zu. Ein Abschnitt im Essay, den im Ganzen zu zitieren es lohnt:

Warum sollten wir jenen verzeihen, die so wenig und so selten ihre Untaten bedauern? Heidegger ist verantwortlich, stellt Robert Minder nachdrücklich fest, nicht nur für all das, was er unter dem Nazismus gesagt hat, sondern auch für das, was er 1945 nicht gesagt hat. Ganz im Gegenteil scheint der Deutsche heute befallen zu sein von einem heftigen Juckreiz zu diskutieren, zu bestreiten und sogar anzuklagen; er tut von oben herab, verteilt Lob und Tadel: Auch er, er ist nicht einverstanden! Nicht einverstanden womit? Mit der Zahl der Opfer? Mit der Art des Gases, das verwendet wurde, um die Frauen und Kinder zu ersticken? Man glaubt zu träumen. Bald werden wir uns unsererseits, was die Deutschen anbelangt, schuldig fühlen und glücklich noch dazu, wenn sie uns zugestehen, daß beide Seiten Schuld tragen. Woher also nehmen sie diese Sicherheit? Woher kommt ihr verblüffend gutes Gewissen? Wir müßten zweifellos sagen: Diese vollständige Bewußtseinstrübung! Deutschland, soviel ist sicher, ist der Beleidigte, und es ist seine beachtenswerte Verlorenheit, von der die guten Geister beunruhigt sind. Müßten sich die Deportieren nicht ihrerseits entschuldigen, schon viel zu lange die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen zu haben? So wie die Dinge sich entwickeln, wird man schließlich entdecken, daß die Henker die wahren Opfer ihrer Opfer sind. Es sind nicht die Millionen Vernichteten, die unsere Sudetendeutschen des Pariser Journalismus interessieren, es ist das Los der unglücklichen Deutschen, die von den Slawen aus Preußen und Böhmen vertrieben wurden. Von nun an geht es nicht mehr um das ungeheure Massaker an Unschuldigen, um die Opfer der deutschen Raserei … Es geht darum zu wissen, ob M.[onsieur] Heidegger verleumdet worden ist; und wir sind es, die ihm Rechenschaft werden ablegen müssen! Millionen Unglücklicher sind an Hunger, Kälte und Elend in den Lagern gestorben; doch der große Denker wird im Bett des großen Denkers sterben. Im übrigen werden wir nicht das Gespräch mit den Metaphysikern des Nationalsozialismus anknüpfen oder mit ihren Freunden; noch mit den Freunden ihrer Freunde; oder mit den Sturmabteilungen* der deutschen Philosophie; denn wir erkennen ihnen nur das eine Recht zu: Beten, wenn sie Christen sind; uns um Verzeihung bitten, wenn sie es nicht sind. Und im jedem Fall: schweigen.

Es werden von Jankélévitch auch die „Sudetendeutschen“ angesprochen, und was für eine Rolle einer von diesen lange nach seinem Tod in Österreich spielte und weiter versucht zu spielen, von manchen weiter hofiert, das soll nur nebenher erinnert werden, macht dies doch verständlich, wie notwendig dieser Essay gegen die Verjährung, gegen das Vergessen in Frankreich war und in diesem Österreich notwendig ist.

Im Grunde kann nur eines empfohlen werden, den Essay in seiner Gesamtheit selbst zu lesen. Wie durchsichtig werden dann wie von selber die von Rundfunk und Halmer Beweggründe der Würdigung, vor allem durch die Unterschlagung des Anlasses für diesen Essay: Es geht um die Verjährung des Unverjährbaren. Zu einem Zeitpunkt, als es gerade um die zweieinhalb Jahrzehnte her war, daß dem Österreicher und seinen Helferinnenhelfern ihre Menschenvernichtungsfabriken geschlossen wurden.

Es ist ein Essay gegen „Schluß damit!“

Darüber hinaus hat es etwas Schockierendes zu sehen, wie die einstigen Unbürger, die frivolsten und egoistischsten Menschen, diejenigen, die weder gelitten noch gekämpft haben, uns das Vergessen der Kränkungen nahelegen; man führt die Pflicht der Nächstenliebe an und predigt den Opfern eine Verzeihung, um die die Henker selbst sie niemals gebeten haben. Diese Opfer schonend zu behandeln, auf ihre Wunden Rücksicht zu nehmen, ist dies nicht ebenfalls eine Pflicht der Barmherzigkeit? Was die Millionen Vernichteter, was die zu Tode gemarterten Kinder anbelangt, so sind sie genauso wert, die bekennenden Dozenten des Pardon [professeurs du pardon] zu rühren wie die Deutschen und sonstige Sudeten. Und wer, bitte, sind diese nachsichtigen Juristen? Warum haben sie es so eilig, die Seite umzublättern und mit den einstigen SS-Schergen zu sagen: Schluß damit*?

Das Sternchen bei „Schluß damit“ hat nicht die Bedeutung, dem es heute gegeben wird; hier bedeutet das Sternchen, daß diese zwei Wörter auch im französischen Original in deutscher Sprache sind.

Wo waren sie, was taten sie während des Krieges? In welcher Eigenschaft dürften sie es sich herausnehmen, in unserem Namen zu verzeihen? Wer hat sie damit beaufragt oder wer hat ihnen das Recht dazu gegeben? Es steht jedermann frei, die Kränkungen, die er persönlich erfahren hat, zu verzeihen, sofern er es für richtig erachtet. Doch mit welchem Recht würde er diejenigen der anderen verzeihen? Auch Jean Cassou wendet sich an die Freunde der Hitleranhänger. „Wer sind Sie, Sie, die Sie die Verteider der Naziverbrecher spielen? In wessen Namen, für wen, vermöge welcher Prinzipien, im Dienste welcher Interessen, mit welchen Zielen fühlen sie sich befugt zu verlangen, daß man alle gerichtlichten Schritte gegen sie einstellt, daß man sie für alle Zeiten in Ruhe läßt?“

Ein gerade in Österreich zum urösterreichischen Mantra gewordener Imperativ. Ein Imperativ der Schizophrenie. Denn. Gerade jene, die am lautesten und am beständigsten und unentwegt „Schluß damit!“ brüllen, kennen für sich kein Es muß endlich Schluß damit sein! Sie zelebrieren ihr Weiter! – etwa, um ein Beispiel zu nennen, auf der Karnerhöhe.

Was für Halmer und Rundfunk erstaunlich ist:

Als höchste Intensität bezeichnet der „gnadenlose Denker“ Jankélévitch erstaunlicherweise die Liebe. „Gewesen sein, gelebt und geliebt haben“ ist für ihn die einzige Strategie, um das Tremendum des Todes zu relativieren. „Geliebt haben und mehr nicht“ – dieses Erlebnis vermittelt den „ganzen Zauber eines geheimnisvollen Daseins“ […]

Wofür die rundfunklichen halmerischen Ausführungen tauglich sind, und das ist nicht erstaunlich: für eine Predigt in der Kirche. So predigt wortwörtlich Manfred Scheuer, Bischof, am 2. November 2018 im Mariendom Linz im Festgottesdienst zu Allerseelen. Der leitende Angestellte dieser Glaubensorganisation erwähnt Rundfunk und Halmer nicht, dankt ihnen in seiner Predigt nicht dafür, daß sie ihm einen so schönen Teil seiner Predigt verfaßten. Und in dieser Predigt spricht der leitende Angestellte auch von Simone Weil.

Nur eines käme ihm und so vielen vor allem in Österreich nicht in den Sinn, dies von Simone Weil zu zitieren: „Fakten kosten Mühe, Fiktionen nicht.“

Vladimir Jankélévitch sei, so die rundfunkliche halmerische Predigt im Mariendom zu Linz, „gnadenlos“, oh, wie „gnadenlos“ er nur sein konnte, so „gnadenlos“ wie der Österreicher und seine Helfershelferinnen nie hätten sein können, bezeugt auch diese Stelle in „Pardonner?“:

Zu sagen, daß es noch lange brauchen wird, um all die komplexen Verästelungen des Verbrechens aufzudecken, heißt nicht zu sagen, daß die Deutschen kollektiv oder als Deutsche veranwortlich seien: Es gab deutsche Demokraten in den Lagern, und wir verneigen uns tief vor diesen in der brüllenden Masse der anderen, in der Masse all der anderen verlorenen Elite. Man kann die erschütternde Geste von Kanzler Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos hier nicht mit Stillschweigen übergehen. Und auf der anderen Seite beweist der bewunderungswürdige Mut von Mme Beate Klarsfeld, daß die Elite der jungen deutschen Generation die Elite, von der wir sprechen, zu ersetzen wußte.

The sun shines – having no alternative – on the nothing new, in Austria.

Die Landeskameradschaft ehemaliger Fallschirmjäger Feldbach hatte 1954 das Fallschirmjägerdenkmal erbaut. Die Errichtung des Fallschirmjägerdenkmals an dem Platz, an dem es heute steht, hatte den Tod des ersten Fallschirmjägers hinter dem Haus Eckhart zum Grund, dem im Verlauf der Kämpfe noch 59 Soldaten folgen sollten. Von diesen Gefallenen konnten 40 Soldaten geborgen und bestattet werden, 20 blieben bis heute unauffindbar und vermisst. Diesen Kameraden wurde mit dem landenden Falken auf einem Obelisken eine Ruhestätte zum Gedenken auf der Karnerhöhe errichtet. Bereits bei der Erbauung gab es aufgrund der noch im Land befindlichen Besatzungsmächte große Schwierigkeiten. Zur feierlichen Einweihung wagten viele nicht zu erscheinen. Sogar mit der Sprengung des Denkmales wurde gedroht. Das Denkmal ist 13,5 Meter hoch, der Adler wiegt 2,5 Tonnen. 1992 wurde das Denkmal von der Gemeinde Gniebing und mit der Fusionierung der Ortsteilgemeinden Auersbach, Gniebing-Weißenbach, Gossendorf, Leitersdorf, Feldbach und Raabau 2013 von der Stadt Feldbach übernommen. Im Laufe der Jahre wurde das Denkmal 1988 und 2002 renoviert, jedoch stand in diesem Jahr 2019 eine dringende Generalsanierung an, um das Fallschirmjägerehrenmal vor der Schleifung zu retten.

Daß es bei der Erbauung aufgrund der noch im Land befindlichen Besatzungsmächte große Schwierigkeiten gab, kann verstanden werden, es wird den „Besatzungsmächten“ – oder wie sie tatsächlich genannt werden müßten: den Entsatzmächten –, es wird den Entsatzmächten wohl nicht gefallen haben, daß neun Jahre nach Auschwitz auf der Karnerhöhe ein nationalsozialistisches Denkmal nachgebaut wird, und es ist nichts anderes als ein nationalsozialistischer Zwilling des Denkmals auf Kreta, Griechenland, das das nationalsozialistische Massenmordregime 1941 in Chania erbaute.

Auf der Website der „Kameradschaft vom Edelweiß, Landesverband Steiermark“ ist das oben Zitierte im April 2022 zu lesen, und ebenfalls im April 2022 ist auf der Website „www.steiermark.com“ das der „Kameradschaft vom Edelweiß“ Nachgeschriebene oder von der „Kameradschaft vom Edelweiß“ Abgeschriebene zu lesen. Und so sind die Besitzverhältnisse, Gesellschafter der Nachschreibenden, der Abschreibenden ist das Land Steiermark zu einhundert Prozent:

Medieninhaber und Herausgeber sowie Dienstanbieter Steirische Tourismus und Standortmarketing GmbH- STG Impressum St.-Peter-Hauptstrasse 243 A-8042 Graz Tel.: +43 316 4003-0 Fax: +43 316 4003-10 Unternehmensgegenstand: Informations- und Serviceeinrichtung für Kunden und die interessierte Öffentlichkeit zur Förderung und Entwicklung des steirischen Tourismus. Aufsichtsbehörde: Magistrat der Stadt Graz Firmenbuchnummer: 40307a Firmenbuchgericht: Landesgericht für ZRS Graz
UID: ATU28810604 Mitglied der Wirtschaftskammer Steiermark info@steiermark.com www.steiermark.com Geschäftsführer: Erich Neuhold Gesellschafter: Land Steiermark (100 %) Aufsichtsrat: Landesrätin MMag.a Barbara Eibinger-Miedl (Generalversammlung) HR Mag. Ingo List (AR-Vorsitzender) NR KommR Karl Schmidhofer Dir. Mag. Gerhard Widmann KR Gerhard Wendl KR Lieselotte Sailer DI (FH) Anja Benesch MMag. Jörg Smolniker Veronika Jeitler-Trummer Brigitte Riedl Markus Leitner, MBA

Wenn das Unternehmen des Landes Steiermark nachschreiben oder abschreiben kann, muß es für die „Neue Stadt Feldbach“ eine recht zu erfüllende Pflicht sein, ebenfalls von der „Kameradschaft vom Edelweiß“ nachzuschreiben oder abzuschreiben oder mittelbar vom steiermärkischen Landesunternehmen abzuschreiben oder nachzuschreiben, wie auf ihrer Website im April 2022 zu lesen ist.

Zur „Kameradschaft vom Edelweiß“ ist ein Kapitel bereits geschrieben, die erhoben zu einer Bildungsbeauftragten des österreichischen Bundesheeres …

Österreich, Land der Blumenschule, in dem der Klimawandel längst abgeschlossen ist, und nur noch drei Blumen gedeihen: Edelweiß, Enzian und Kornblume.

Und wenn „Ritterkreuzträger“ auftreten, „besondere Haudegen“ anreisen, dann treten nicht nur die „Kameraden“ an, dann haben nicht Soldatinnen, aber Soldaten des österreichischen Bundesheeres anzutreten, die Ehre zu erweisen, einem Viktor Vitali, einem Max Zastrow. Und das ist zu verstehen.

Mit Max Zastrow wurde von Florian Berger und Christian Habisohn ein Buch geschrieben: „Der Gefreite mit dem Ritterkreuz“. Nun haben sie nicht nur in Feldbach keinen lebenden „Gefreiten“ mit solch einem Aufstieg mehr als „besonderen Haudegen“ zu begrüßen, auch der „Landwehr Echo“ bleibt nur mehr, den „Gefreiten“ nicht zu vergessen und weiter „sehr kluge Hinterfragungen zur Kriegsschuldfrage“ … und zu klagen: „Doch niemand spricht in staatlichen Einrichtungen und weitgehend gleichgeschalteten Massenmedien davon, was diesem Krieg vorausging“ …

Ohne den „Gefreiten“ werden die Sonnwendfeiern, die Gesinnungsfeiern der identitäre Parlamentspartei, auch nicht mehr so illustrer sein. Wie dankbar werden sie alle sein, daß der „Gefreite“ noch so kurz vor seinem Tod auf dem Cobenzl … Und für „Metapedia“ wird der „Gefreite“ das bleiben, was der „alternativen Enzyklopädie“ alle aus Österreich sind: „Deutscher“ …

Und bei all diesen Gesinnungsantritten wird recht gesungen, so auf dem Kahlenberg zu Wien, so auf der Karnerhöhe … Ein Lied recht besonders: „Rot scheint die Sonne“. Eine „Kretafeier“ in Feldbach ist nicht eine einmalige Feier, die „Kretafeier“ muß immer wieder begangen werden. Wie auf der Website der „Kameradschaft vom Edelweiß“ zu lesen ist, im April 2022, zur schönen Erinnerung an seliges Antreten auf der Karnerhöhe, ach, wie einst, wie einst …

Was muß das ein rechter „Haudegen“ erst gewesen sein, Ritterkreuzträger Friedrich Schäfer, ein komponierender und schreibender „Haudegen“ – von ihm sind „Worte und Musik“ von „Rot scheint die Sonne“ …

Kurz: Schäfer entsprach dem Ideltypus des mutigen, aber auch rücksichtslosen Frontoffiziers, der „rückhaltlos“ für den Nationalsozialismus eintrat und vom Regime auch entsprechend gefördert wurde. Für den Einsatz in Vercors erhielt Schäfer anschließend das Ritterkreuz.

Edelweiß, das wurde auch in die Ukraine getragen, eine Leistung, jedenfalls in den Augen der Edelweißbekränzten, und in den Augen der anderen wird im Angesicht des dutinischen Mordens die Leistung von Menschen aus der Urkraine einen höheren Stellenwert einnehmen, etwa die von Samuel Jankélévitch, eine Leistung, die auch Österreich zugute kam … ob ihm dies je so vom offiziellen Österreich gedankt wurde? Von einem Dank wird gewußt, dafür gibt es Gedenksteine, auch in Feldbach, aber dort wird nicht Menschen wie Samuel Jankélévitch gedacht, erinnert, gedankt, sondern jenen aus der Ukraine, die gesinnungsgemäß so nah, so nah, daß kein Zirkel irgendwo in Österreich erst eingestochen werden muß, um zu vermessen, wie nah, so nah, daß mit keinem Zirkel ein Kreis gezogen werden kann, weil das Zirkeleinstichloch schon der Kreis ist.

So wird gesungen und gesungen, so wird angetreten und angetreten, auch dann treten die edelweißbekränzte Kameraden – ob es Kameradinnen gibt? – an, wenn einer von ihnen heiratet, ein hohes Mitglied der identitären Parlamentspartei, auch die hohe Geistlichkeit tritt stets an, nicht nur, wenn eine identitär römisch-katholische Hochzeit zu feiern ist, wie die vom Obmann, der, als ob das je noch eine Überraschung sein könnte, ein Abgeordneter im österreichischen Parlament ist …

Die Sonne scheint, da sie keine Wahl hat, auf nichts Neues, in Österreich.

Schlecht gesagt.

In Österreich werden Sonnenstrahlen alternativlos braun reflektiert.

Ukraine, der Krieg der Erinnerungen in Österreich

Es hätte erwartet werden können, daß vor allem die Mannen der identitären Parlamentspartei nicht wanken, auf welcher Seite sie zu stehen haben, wohin sie zu eilen haben, für sie in dieser Stunde der Bewährung der Treue keinen edleren Auftrag als diesen geben kann: ein Land zu entsetzen. Sind es doch die Mannen und Frauen, die unentwegt der Türkenbelagerung Wiens so gesinnungshaftig gedenken, den Entsatz Wiens so inbrünstig feiern.

Zum erfolgreichen Entsatz trugen auch Menschen aus der Ukraine bei. Daran erinnern Denkmäler, jenes im Türkenschanzpark, jenes am Leopoldsberg …

Es könnte gesagt werden, sie kennen, obgleich Treue ein Leitwort ihrer Gesinnung, keine Treue, die Getreuen am schnellsten untreu werden.

Nein, sie werden nicht untreu, ihrer Gesinnung bleiben sie treu, und diese finden sie in der Ukraine im Jahr 2022 für sie nicht reichlich verbreitet genug, aber im dutinisch regierten Rußland, das ihnen verheißen als Wiederkehr der Herrschaft auch ihres Patriotismus

Das ist die erste Erinnerung, die der Angriff des Patrioten gegen die Ukraine in Österreich auslöst.

Die zweite Erinnerung, die der vom Patrioten entfachte Krieg in der Ukraine in Österreich auslöst, sind die Denkmäler in Österreich für Menschen aus der Ukraine, die Jahrhunderte später nicht als Entsatzheer aufgeboten, sondern als Divisionen des Entsetzens und Schreckens Tod, Elend und Verwüstung über Menschen zu bringen.

Es ist nicht nur ein einziges ihnen in Österreich errichtetes Denkmal. In Feldbach etwa gleich zwei Gedenkorte.

Die umstrittenen Ukrainer-Denkmäler in Feldbach bleiben bestehen. Die verbotenen Symbole darauf wurden aber entfernt.

Berichtet am 10. Jänner 2018 die Tageszeitung „Kleine Zeitung“. Und noch etwas schreibt diese Tageszeitung mit einer Selbstverständlichkeit: „Zigeuner“. Das ist zum Gedenken der Gegenwart, in der wieder und wieder davon zu berichten ist, daß Menschen, die von der Kleinen Zeitung wie selbstverständlich – nicht einmal in Anführungszeichen gesetzt – Zigeuner genannt werden, Diskriminierungen und noch weit darüber hinausgehenden Torturen ausgesetzt sind und zu erleiden haben, nun sogar als Menschen, die aus der Ukraine fliehen müssen.

Im Frühjahr 1945 wurde die 14. Ukrainische SS-Waffen-Grenadier-Division im Abwehrkampf um Feldbach gegen die Russen eingesetzt, was in dieser Division zu hohen Verlusten führte (siehe mehr zum geschichtlichen Hintergrund in der untenstehenden Infobox). Es gilt jedoch auch als bewiesen, dass sich die Ukrainer an Massakern gegen Juden und Zigeunern beteiligten.

Wie am 1. April 2022 in Deutschland berichtet wird:

Denkbar ist das insbesondere im Hinblick auf Diskriminierung. Ein Fall in Mannheim zeigt, dass sie als Geflüchtete teils anders behandelt werden, als ihre Landsleute. Auch Roma verlassen ihre ukrainische Heimat und suchen Zuflucht in einem anderen Teil der Ukraine* oder im Ausland. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass sich viele Roma verpflichtet fühlen, für ihr Heimatland zu kämpfen – laut Angaben von Roma-Organisationen haben sich bislang einige Hundert freiwillig gemeldet –, und das, obwohl sich Roma seit Jahren Überfällen durch Rechtsradikale ausgesetzt sehen.

So in der Steiermark, so auch in Kärnten. Eine Gedenktafel für das 15. Kosaken-Kavallerie-Korps der Wehrmacht und Waffen-SS gibt es, ja, wo sonst, als am Ulrichsberg. Ob es „Kosaken“ aus der Ukraine waren, so umfangreich wollte gar nicht recherchiert werden. Nur so viel: „Kosaken“ aus dem Auffanglager Cherson, Ukraine, waren dabei.

Der Tiroler FPÖ-Politiker und Nationalrat Gerald Hauser sorgt für helle Aufregung: Denn auf seiner Facebook-Seite verbreitet er jetzt einen Text des in der Katholischen Kirche als Verschwörungstheoretiker eingestuften Erzbischofs Carlo Maria Viganò zum Ukraine-Krieg. Darin schreibt der italienische Papst-Kritiker und ehemalige Nuntius in den USA, dass Wladimir Putin von einer aggressiven, von den USA unterstützten NATO in die Enge getrieben worden sei. Zudem versuche eine globalistische Elite, sowohl Russland als auch der Ukraine auf diese Weise eine Falle zu stellen. Letztlich, so Viganò, sei der Krieg Teil eines Plans zur Errichtung einer neuen Weltordnung. Die UNO, die NATO, der Internationale Währungsfonds, die EU und Milliardäre wie George Soros […]

Berichtet am 18. März 2022 die „Tiroler Tageszeitung“. Dieser Gesinnung wegen muß unweigerlich zu dutinischen Entlastung auch der Name eines jüdischen Menschen fallen, dessen Name seit langem schon nicht nur in Österreich als das Synonym für Antisemitismus in die Lexika aufgenommen gehörte. Und im Zusammenhang mit dem Antisemitismus ist an einen jüdischen Menschen aus Odessa zu erinnern, der vor etwa einhundertvierzig Jahren wegen der diskriminierenden Gesetze des russischen Reiches gegen jüdische Menschen („Maigesetze“ des Zaren Alexander III.) nach Frankreich auswanderte: Samuel Jankélévitch, der mehr für das Ansehen Österreichs in der Welt, vor allem in der französischsprachigen Welt getan hat, als je einer oder eine aus der hauserischen Partei, genauer: für das positive Ansehen von Österreich, das dieses Land Menschen wie Freud – Samuel Jankélévitch war der erste Übersetzer der Werke von Sigmund Freud in das Französische. Auch Otto Rank übersetzte er.

Wer je von Vladimir Jankélévitch, dem Sohn von Samuel Jankélévitch, „Verzeihen?“ 1971 oder erst lange danach gelesen hat, wird wohl gedacht haben, das ist zu rigoros. Wer „Pardonner?“ erst jetzt in der Gegenwart mit Blick auf die hauserische Partei und auf den österreichisch wohlgefälligen Umgang mit dieser hauserischen Partei zum ersten Mal liest, wird dieser Strenge nur zustimmen können.

Ist es an der Zeit, zu verzeihen oder mehr oder weniger zu vergessen? Zwanzig Jahre scheinen auszureichen, um das Unverzeihliche auf wundersame Weise verzeihlich werden zu lassen: Mit vollem Recht und von heute auf morgen ist das Unvergeßliche vergessen. Ein Verbrechen, das bis Mai 1965 unsühnbar war, hört also plötzlich von Juni an auf, es zu sein: wie durch Zauberei … Und so beginnt das offizielle oder legale Vergessen heute abend um Mitternacht. Es einem Verbrecher zwanzig Jahre lang übelzunehmen, ist legitim: Doch vom einundzwanzigsten Jahr an stürzen diejenigen, die noch nicht verziehen haben, ihrerseits unter dem Eindruck der Rechtsverwirkung und halten Einzug in die Kategorie der nachtragenden Menschen! Das ist die Frist. Und dennoch ist es das erste Mal, daß selbst die Gleichgültigsten das Grauen der Katastrophe in seinem ganzen Umfang erfassen. Ja, sie haben zwanzig Jahre gebraucht, um die gigantischen Dimensionen zu begreifen wie nach einem Verbrechen, das in keinem Verhältnis zu den gewöhnlichen Untaten, dessen Wirkungen und Reichweite man erst nach und nach ermißt; die Vernichtungsfabriken und namentlich Auschwitz, die überwältigendste unter ihnen, sind in der Tat in in dieser besonderen Rechtsproblematik von erheblichem Belang; ihre weitreichenden Konsequenzen erscheinen nicht mit einem Schlag, sondern entwickeln sich mit der Zeit und dehen sich immer weiter aus.

So beginnt Vladimir Jankélévitch. Jahrzehnte nach diesem Essay muß gesagt werden: das Unvergeßliche ist nicht vergessen. Davon zeugen all die inflationären Veranstaltungen des Erinnerns. Vergessen aber wird dabei auf die Unbelehrbaren des „Unverjährbaren“, die für sich meinen Belehrende zu sein, die in Österreich auf höchste Staatsämter angelobt werden, die in Österreich von höchst besonderer Stelle bedankt werden.

Das Erinnern an das Unvergeßliche ist das Erinnern der Massenverbrechen vor 1945, und dieses Erinnern geht einher mit dem Vergessen der Gegenwart, in der die Frage nach dem Verzeihen gar nicht gestellt wird, weil in diesem Österreich nichts geschieht, das verziehen werden müßte, weil in diesem Österreich alles der Großzügigkeit anheimfällt, wenn dabei nur brav bewegt dem Unvergeßlichen, das vor 77 Jahren massenmörderisch geschah, gedacht wird. Und das von ordentlich vielen Kameras in komponierten Betroffenheitseinstellungen aufgenommen und dann in hübscher Schwere verbreitet.

Wie mußte es in dieser Zeit, als Vladimir Jankélévitch dies schrieb, in Österreich zugegangen sein, daß er auf diesen rund vierzig Seiten mehrmals von Österreich sprechen mußte. Eine Vorstellung davon ist nicht nur durch die hauserische Partei, nicht nur durch den Umgang mit der hauserischen Partei in der Gegenwart zu bekommen, sondern etwa auch durch ein ganzseitiges Inserat in einer Tageszeitung vom 24. März 2022, mit dem geworben wird für eine Armbanduhr, mit der „wagemutigen Piloten“ und einem „der legendärsten Jagdflugzeuge“ die Menschen in Österreich gedenken sollen, die in ganz Europa im Einsatz waren, von Guernica bis …

Im Einsatz für den Österreicher. Im Einsatz dafür, daß all diese Massenverbrechen, all diese Massenmorde an so vielen Orten in Europa begangen werden konnten.

[…] ist ein ganzes Volk direkt oder indirekt an dem Unterfangen der gigantischen Vernichtung beteiligt gewesen; ein einmütig um seinen Führer versammeltes Volk, den es manches Mal wie besessen durch Plebiszit gewählt hatte, dem es so viele Male seine begeisterte Zustimmung bekräftigte, in dem es sich selbst wiedererkannte. Wir haben noch das abscheuliche Geschrei der Nürnberger Parteitage im Ohr. Daß ein gutmütiges Volk zu diesem Volk von tollwütigen Hunden hat werden können, ist ein unerschöpflicher Gegenstand der Ratlosigkeit und des sprachlosen Erstaunens. Man wird uns vorwerfen, diese Übeltäter mit Hunden zu vergleichen? Ich gestehe es in der Tat: Der Vergleich ist beleidigend für die Hunde. Hunde hätten weder die Verbrennungsöfen erfunden noch daran gedacht, Phenolspritzen in das Herz von kleinen Kindern zu setzen …

Zu diesem Österreich der Gegenwart hat Vladimir Jankélévitch gesagt, was gesagt werden kann, vor über fünfzig Jahren, in „Pardonner?“. Es bleibt nur eines, einmal all die Stellen daraus zur Kenntlichkeit Österreichs der Vergangenheit einmal zu zitieren:

Aber wir, was sollen wir angesichts dessen, was geschehen ist, tun? Im eigentlichen Sinn des Verbs „machen“ kann man heute nur ohnmächtige, symbolische und sogar unvernünftige Gesten wie zum Beispiel, niemals mehr nach Deutschland zu fahren … und noch weniger nach Österreich!

Aber ein Wort des Verständnisses hätten wir mit Dankbarkeit, mit Tränen in den Augen entgegengenommen. Ach! Was die Reue anbelangt, haben uns die Österreicher den schändlichen Freispruch der Henker zum Geschenk gemacht.

Gewisse skandalöse Entscheidungen, besorgniserregende Zeichen, alles verkündet den eklatant bösen Willen, den die Deutschen … und die Österreicher bei der Verfolgung der Verbrecher mehr und mehr an den Tag legen, von denen loszusagen sie sich in ihrem tiefsten Innern nicht entschließen können. Wenn sie sie ohne Überzeugung und widerwillig verfolgen, dann deshalb, weil sie sich in ihnen wiedererkennen.

Längst ist alles vergeben und vergessen. Es müssen nur noch Oradour und München zu Partnerstädten erklärt werden. Gewisse, bemerkenswert wenig nachtragende Franzosen fanden es ganz natürlich, sechs Monate nach dem Krieg die einträglichen Verbindungen des Geschäfts und der Zerstreuung mit den alten Henkern ihres Vaterlandes neu zu knüpfen. Als beträfe die entsetzliche Demütigung von 1940 sie nicht. Als hätte die Schande der Kapitulation sie nicht getroffen. Ja, verbringen Sie Ihre Ferien in Deutschland. Österreich heißt Sie willkommen.

In Österreich ist Oradour auch Jahrzehnte später nicht vergessen, denn in diesem Österreich werden weiter Freisprüche, nicht Verurteilungen gewollt, besonders von der hauserischen Partei, die wieder einmal Regierungspartei für kurz …

Nein, Geschäfte sind nicht alles. Nein, Ferien sind nicht alles; und der Tourismus auch nicht, noch die schönen Reisen oder die Festivals, und wären sie österreichisch.

Bei der Erwähnung des Festivals, und wären sie österreichisch, muß unweigerlich an die Operndiva gedacht werden, die Jahrzehnte später im österreichischen Fernsehen sagen wird, es wären ja nicht alle „Nazis“ gewesen, aber von ihr nicht so gemeint, wie es Jahrzehnte zuvor Vladimir Jankélévitch schrieb …

Die Nachkommen der Henker sind gut gelaunt, und sie finden es ganz natürlich, als wenn nichts gewesen wäre, in lärmenden Scharen quer durch dieses Europa zu spazieren, das ihre Armeen unlängst mit Feuer und Schwert verwüsteten. Niemand hier unten hat ein schlechtes Gewissen, das ist hinlänglich bekannt. Niemand ist schuldig, weil niemand jemals Nazi war, so daß der abscheuliche Genozid, die Katastrophe an sich, wie Erdbeben, Flutwellen und die Ausbrüche des Vesus, die Schuld von niemandem ist.

Wie dieses Kapitel schließen? Mit einem Satz von Vladimir Jankélévitch, vor Jahrzehnten von ihm geschrieben, aber so gültig, als wäre dieser erst heute geschrieben worden, menschgemäß nicht in Österreich, aber für Österreich bestimmt, wie für kein zweites Land dieser Vergangenheit:

Im übrigen ist der Nazismus keine „Meinung“, und wir dürfen es uns nicht zur Gewohnheit werden lassen, darüber mit seinen Advokaten zu diskutieren.

Speichelmühle Österreich

Es wäre das Interview mit Christoph Grissemann, von „Weekend.at“ am 24. März 2022 veröffentlicht, nicht zu erwähnen, wiese dieses nicht weit über ihn hinaus, erzählte dieses nicht exemplarisch stellvertretend für so viele, die dafür sorgen, daß das Rad der Mühle zur Speichelerzeugung niemals stillsteht.

Gleich zu Beginn ist die Rede von dem Alpenweltstammtischklassiker,

Mir kommt tatsächlich vor, dass sein Ruhm ein bisschen verblasst in der jüngeren Generation. Bei unseren Auftritten sagen viele junge: „Das sind tolle Texte. Wie heißt der Autor? Kann man den live erleben?“ Verbunden fühle ich mich nicht. Vorbild kann man auch nicht sagen. Er ist unter anderem der Grund, warum man selbst kein Buch schreibt. Warum sollte man sich einer Disziplin üben, bei der man schon im Vorhinein weiß, das man höchstens dritt- oder viertklassig ist? Bei mir reicht es gerade zum TV-Fuzzi, das geht sich gerade noch in Österreich aus.

der für seine Bergstammtischübertreibungen von Talstammtischhockenden vergöttert wird, könnte mit einer einzigen Übertreibung gezeigt werden, wie leicht es ist, ganze Bücher in seiner Disziplin erstklassig zu schreiben,

Österreich ist kein
Land in Wirklichkeit ist
Österreich eine

Speichelmühle
das ist die Wahrheit

wofür aber keine einzige Übertreibung als Beispiel angeführt werden muß, reichen doch die faktenbefreiten grissemannschen Auslassungen in diesem Interview völlig als Beispiel für den Inhalt der Alpenweltstammtischbücher, nach dem Buch um Buch in gleicher erstklassiger Qualität …

Die Speichelmühle Österreich hält auch ein Christoph Grissemann, für dessen eigenen dünnflüssigen Speichel wird er von dem einen oder der anderen ob seiner Schmackhaftigkeit durchaus Einschmeichelndes hören, mit in Betrieb.

Nach den Auslassungen über den Alpenweltstammtischklassiker ergießt sich sein dünnflüssiger Speichel weiter auf das Rad der Speichelmühle Österreich. Wie in der Speichelmühle traditionell üblich, hat er seinen Speicheltank beim Heurigen Zur schönen Unterwerfung mit frischem Speichel aufgefüllt, der ihm köstlich mundet, so sehr mundet, daß er jeden Tropfen, der danebengeht, etwa auf seine Finger, sofort genüßlich aufleckt.

Als es Türkis-Blau noch gab, waren wir nicht so zurückhaltend. Jetzt mit Schwarz-Grün gibt es auch nicht mehr diesen politischen Feind. Ich bin kein Freund von der ÖVP, aber das ist schon okay, wenn sie in der Regierung sitzt. Ohne Kurz sind da jetzt wieder die alten, normalen, faden Politiker von früher. Was mich massiv stört ist, wenn Rechtsradikale in der Regierung sitzen. Ich finde sogar Nehammers Performance besser als gedacht, mir ist der sogar richtig sympathisch geworden in den letzten Monaten. Dass er diese Mentalität, die er als Innenminister noch gehabt hat, nicht mehr hat. Und vor allem, dass er nicht diese kurzen „Blümel-Phrasen“ draufhat, sondern ganz normal antwortet – vieles ist auch nicht so unvernünftig. Flüchtlingspolitik muss ich auch nicht mit ihm besprechen, aber alles andere macht er sehr ordentlich, finde ich.

Wer nun in der Regierung sitzt — —

Was für ein Fortschritt, daß nun keine Rechtsradikalen in der Regierung sitzen, wie gut nun alles geworden ist, mit Nehammer, es sitzen keine Rechtsradikalen mehr in der Regierung, wie einst, als sie an der Seite des Innenministers saßen, nun sitzen in der Regierung Museumswarte

Daß er, Nehammer, ganz normal antwortet, mit seiner Mentalität, die er nun hat, mit dem Zirkel die Humanität zu vermessen, das ist eine, einfach wie kurz gesagt, die ihn wahrlich nur sympathisch werden lassen kann, und, ach, vieles sei auch nicht so unvernünftig, beispielsweise die Reise nach Moskau

Flüchtlingspolitik müsse er, Grissemann, auch nicht mit ihm, Nehammer, besprechen, wie wahr Grissemann doch spricht, macht er, Nehammer, doch alles andere sehr ordentlichordentlich etwa die Abschiebungen etwa gemäß seiner Auffassung von Rechtsstaatlichkeit alternativlos

Es würde doch sehr wundern, stünden im Bücherregal von Grissemann noch andere Bücher als jene vom Alpenweltstammtischprotokollanten, es würde doch nicht sehr wundern, wenn etwas von Carl Schmitt im Regal stünde, verwendet er, Grissemann, im Zusammenhang mit Politik doch seinen Begriff „Feind“

Zwingend jedoch muss es nicht einer Schmitt-Lektüre geschuldet sein, Politik als Feindschaft auszulegen , sondern einfach ausgelebter Stammtischmentalität.

Leitvers hierfür war Carl Schmitt, dem Freund-Feind-Theoretiker, dem Kronjuristen des Österreichers jener von Theodor Däubler:

„Der Feind ist unsre eigene Frage als Gestalt. Und er wird uns, wir ihn zum selben Ende hetzen.“

Daß die Definition von Carl Schmitt, Politik sei die Unterscheidung von Freund und Feind, Politik geschehe nur im Ausnahmezustand, eine unbrauchbare, eine falsche, eine destruktive, die Negation von Politik ist, die, wie vor allem aus der hiesigen Vergangenheit gewußt wird, stets nur in der Katastrophe, im Untergang endet, wird aktuell wieder in dieser zur verschwörerischen Freund-Feind-Zuspitzung einladenden Pandemie erlebt, von der Grissemann auch so profund zu sprechen weiß. In der Gefolgschaft von Herbert Kickl wird Carl Schmitt recht gelesen, wird der Feind theoriegestützt ausgemacht.

Wie anders als Herbert Kickl hat doch Karl Nehammer noch in dieser Pandemie mit seiner innenministerischen Mentalität gehandelt, er, Nehammer, kannte weder Freundin noch Feindin, nur Familie, die ihm nach wie vor das Heiligste ist, tapfer zu seinem, wie es für einen Großneffen gebührt, zu seinem Großonkel vom Lande, in dem er selbst parteipolitisch großgezogen …

weekend: Apropos Flüchtlinge: FPÖ-Chef Herbert Kickl ist auch nach der Regierungszeit immer wieder ein Thema bei euch. Habt ihr ihn einmal als Gast eingeladen? Nein, natürlich nicht! Kickl kann man nicht mit normalen Maßstäben messen, der ist ja wirklich an der Grenze zur Klapsmühle. Das kann man nicht ernst nehmen, er nimmt das ja selbst nicht ernst. weekend: Viele Menschen tun das aber sehr wohl. Grissemann: Wer ihn wählt, der kriegt ihn – und da ist der, der ihn wählt, genauso psychopathisch, wie der Gewählte selbst. Wir wissen ja alle, dass mindestens 25 Prozent der Bevölkerung vollkommen bescheuert sind. weekend: Trotzdem mobilisiert er. Bei den Corona-Demonstrationen hat man gesehen, dass Kickl ein wesentlicher Faktor war. Grissemann: Sicher, aber so viele sind das dann auch wieder nicht. Nur weil einmal 5.000 oder 10.000 Leute demonstrieren. Eine Spaltung wäre für mich 50 Prozent. weekend: Man sagt immer, dass da viele normale Bürger mitgegangen sind … Grissemann: Man kann kein normaler Bürger sein, wenn man weiß, dass man mit Nazis demonstriert. Alles wissen, dass dort Nazis an vorderster Front gehen – wenn ich das in Kauf nehme, bin ich kein normaler Bürger.

Ja, normale Bürgerinnen demonstrieren nicht mit solchen Feinden, ja, wie wahr Christoph Grissemann zu sprechen weiß, normale Bürger geloben die wirklich an der Grenze zur Klapsmühle an, normale Bürger bedanken sich bei solchen für