Schließlich leben neben Martin Luther und den M. T. Habsburgs Menschen

Schließlich leben neben den Roma Menschen.“

Diese zitierte Äußerung ist keine aus der sogenannten Nazi-Zeit, ist keine von einem sogenannten bildungsfernen Menschen, ist keine von einem mit Mindestsicherung in einem Gemeindebau lebenden Menschen, es ist eine Äußerung aus dem Juni 2017, getätigt von der „frühe­ren Regierungs­spre­che­rin der Nea Dimokratia, der Jour­na­lis­tin, Heraus­gebe­rin und Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten“ …

Wieder einmal, Juni 2017, „Pogromstimmung“ gegen Roma und Sinti, diesmal Griechenland, diesmal Athen …

„Schließlich leben neben den Roma Menschen“ … Das ist der Geist in Europa auch noch 2017, der Geist, der zugleich jedwede Gelegenheit nutzt zum pathetischen „Nie wieder“, wenn es um den Nationalsozialismus, um den Faschismus geht.

Was für eine ungeheuerliche Aussage das ist, kann mit einer Gegenprobe leicht untermauert werden. Es könnte irgendein Beispiel genommen werden, aber 2017 bietet sich Österreich an, in dem Maria Theresia Habsburg bejubelt wird, als lebte sie, und vor allem als regierte sie. Die Habsburg mit ihrem frommen Antiziganismus. Was gäbe es für einen Aufschrei, schriebe wer: Schließlich leben neben der Maria Theresia Habsburg Menschen.

Nicht minder wohl der Aufschrei, schriebe wer: Schließlich leben neben Martin Luther Menschen. Mit Luther kann auf Österreich als Beispiel verzichtet werden, wie überhaupt mit Luther auf ein Beispielland verzichtet werden kann.

Und in was für einem Europa Roma und Sinti nach wie vor leben müssen, im Jahr 2017, und ein Ende ist nicht abzusehen, kann mit einer weiteren Gegenprobe leicht, und es soll beim Beispiel Österreich geblieben werden, zu verdeutlichen. Niemand in Österreich käme auf die Idee, wenn etwa ein Niederösterreicher ein Kind aus Wien entführt, einen Pogrom gegen alle Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher …

Europa 2017 für Roma und Sinti kein Europa 2017

 

Der Sendenden Wissen und Gottes Immer

Kurier Gottes weiß um Ent-Menschlichung im Aufrag AllahsWie groß ist nun die Erschütterung, über die toten Kinder und Jugendlichen in Manchester. Im Westen.

Wie gehört es hingegen zur Alltäglichkeit, die sekündlich jeden Tag durch Hunger sterbenden Kinder und Jugendlichen. Im Westen. Das sekündliche Sterben der Kinder ist dem Westen dermaßen selbstverständlich, daß es auf keine Tagesordnung kommt. Jean Ziegler nennt das Mord.

Mord war es auch in Manchester.

Der Hungertod der Kinder aber wird nicht als Mord wahrgenommen. So ist eben der Tag des Menschen, und Gottes Wege sind eben unergründlich. Im Westen.

Was für ein Aufschrei nun, über die Morde in Manchester. Exemplarisch hierfür der Leitartikel von Helmut Brandstätter vom 25. Mai 2017, in der Tageszeitung „Kurier“.

Was für ein Schweigen über das sekündliche Sterben an jedem Tag im Jahr. Aber es ist kein Sterben, das im Westen passiert, sondern …

Österreich: Ein toter Pudel bekommt mehr Platz als 16.000 Kinder, die täglich sterben

Es wird ausgeritten, um Gott zu retten. Auch er, Helmut Brandstätter reitet aus, um Gott zu retten:

„Ein Gott will, dass Kinder ermordet werden. Niemals. Warum kann man das trotzdem jungen Leuten einreden?“

Weil. Gott ist immer Einrede.

Weil. Gott ist ein anderes Wort für Entmenschlichung. Denn. Wer sein Menschenleben einem menschenfernen Wesen widmet, wem ein menschenfernes Wesen die erste Ansprechperson ist, wem ein menschenfernes Wesen die erste Sorge gilt, wer das Heil eines menschenfernen Wesens über das des Menschen stellt, ist entmenschlicht. Das menschenferne Wesen ist ein vom Menschen geschaffenes Wesen. Und das menschenferne Wesen ergreift Besitz von dem an das menschenferne Wesen glaubenden Menschen, der dadurch selbst zum menschenfernen Wesen wird, somit aufhört Mensch zu sein. Ist entmenschlicht, auch dann, wenn ein solcher Mensch mit seinem einem menschenfremden Wesen geweihten Leben keine einzige Tat je setzt, die üblicherweise als „entmenschlichte“ Tat verstanden wird.

Der Mörder von Manchester war entmenschlicht, weil er an einen Gott glaubte, der für ihn Allah hieß, aber seine Morde werden nicht deshalb entmenschlicht genannt, sondern deshalb, weil er den für den Westen unverzeihlichen Fehler begann, nicht in der Reihe zu bleiben.

Was tatsächlich die Motive des Mörders waren, wird nicht gewußt; es geht hier auch nicht um den Mörder, sondern um die Motive der breiten medialen Darstellung der Morde in Manchester, also exemplarisch konkret um die Motive des Helmut Brandstätter, der nicht nur zu wissen vorgibt, genauestens unterrichtet zu sein, in wessen Auftrag der Mörder mordete, sondern auch, was Gott niemals will.

Es ehrt Helmut Brandstätter sein Vertrauen in das, was Gott ihm erzählt. So ein Leben ohne Zweifel muß ein gutes Leben sein, behaglich und sicher unter einem Giebeldach. Niemals den Verdacht zu hegen, Gott könnte lügen im Angesicht der Geschichte, mit den auch ermordeten Kindern, Kinder Opfer zur Lobpreisung der Götter werden, es Gott-der-Allah-auch-Genannte nicht schmeicheln würde, wenn ihm nicht nur die Hinfälligen, die Ohnehin-Nicht-mehr-Langlebenden, sondern die Jüngsten geopfert werden, daß es ihm dermaßen schmeichelt, er seine Wünsche nach weiterem jüngsten und also unwelken Menschenfleisch geschickt zu plazieren weiß … So viele Todesopfer durch die Jahrtausende, eine Zahl die für das menschliche Vorstellungsvermögen viel zu groß ist, faßbar vielleicht noch dadurch, die Millionen in einer kleinen Zahl hinzuschreiben: zweiundzwanzig Ermordete.

Helmut Brandstätter schreibt, es sei auffällig, daß die „Attentäter zumeist in Europa geboren wurden“ … Wo sonst können sie in dieser Eindringlichkeit je lernen, daß das Leben eines Kindes, daß das Leben eines Menschen keinen Wert hat? Als in der westlichen Gesellschaft, in der das Leben eines Kindes, eines Menschen keinen Wert hat, wenn es mit dem von Westen behafteten Makel geboren wird, nicht in Europa geboren zu werden. Um das zu verstehen, reicht es aus, noch einmal einen Namen zu nennen: Jean Ziegler. Und selbst wenn ein Kind in Europa geboren wird, sein Wert wird doch täglich verhandelt, unterliegt den Sekundenkursen; daran hat sich nichts geändert: der Wert des Menschen wird nach seiner Herkunft, nach seiner Stellung in der Gesellschaft bemessen, fällt die Entschädigung für seinen Lebensverlust durch die Versicherung danach aus, wie es vor über einhundert Jahren eindringlich und gültig für das Heute etwa Octave Mirbeau beschreibt. Wundersame Wandlung nur, wenn ein Kind durch einen „Attentäter im Auftrag Allahs“ getötet wird, dann wird jedes Kind zum König, zur Kaiserin, mag es bis zu seiner Tötung ein Kind eines Bankiers gewesen sein, mag es bis zu seiner Tötung in ärmlichsten Verhältnissen unter steigendem Druck sozialstaatlicher Kürzungen, die wirtschaftsergeben als naturnotwendig erachtet werden, zu leben gehabt haben, im Angesicht seiner Tötung durch einen „Attentäter im Auftrag Allahs“ bricht in Europa die Gerechtigkeit aus, wird im Westen das Bekenntnis zur Gleichwertigkeit aller Menschen abgelegt, bricht in Europa für einen Moment der Tag an, um sogleich wieder Nacht werden zu lassen, bis zum nächsten Attentat …

Helmut Brandstätter schreibt, die „Attentäter“ fänden sich in der „westlichen Gesellschaft“ nicht zurecht und würden die „Beute radikaler Prediger“ … Wenn sie die „Beute“ der radikalen Predigt westlicher Wirtschaftsstrukturen blieben, wäre alles gut, für den Westen, der Westen beließe ihnen gnädig ihren Gott, der ihnen Allah heißt. Allah hat der westlichen Wirtschaftsstruktur zu dienen, sonst ist er kein Gott. Allah hat den Kapitalismus anzubeten, oder er wird nicht sein.

„Wer hat ihr Gewissen getötet und ihnen jegliches Gefühl genommen? Wie verläuft ein solcher Prozess der Ent-Menschlichung?“

Das sind die Fragen, die Helmut Brandstätter als Ministrant westlicher Strukturenmessen stellt. Einer von vielen Ministrantinnen. Er wird nur stellvertretend namentlich genannt. Als Vorgabe, was öffentlich zu diskutieren ist, dienen solche Fragen. Das sind Varianten der Fragen für die Breite. Sie sind mehr als nur Fragen, sie sind Psalme, Gebote zur Schließung der Reihen.

Wie verläuft ein solcher Prozeß der Entmenschlichung. Was für eine Frage. Als gäbe es darauf keine Antwort. Helmut Brandstätter hätte zu dieser seiner Frage die Antwort gleich dazuschreiben können, mit einem einzigen Wort: Manchesterkapitalismus. Es geht hierbei nicht um eine differenzierte Betrachtung des Manchestertums, sondern wofür Manchesterliberalismus steht, ein frühes oder ein altes Wort für Raubtierkapitalismus. Jede Zeit hat ihre modischen Begriffe. Was aber unveränderbar ist, was unreformierbar ist, was mit wechselnden Begriffen beschrieben, ausgedrückt wird. Deshalb will hier der frühe oder alte Begriff Manchestertum beibehalten werden.

Zeigt das Manchestertum nicht täglich auf, wie ein solcher Prozeß der Entmenschlichung verläuft? Die Entmenschlichung im Sinne von Unmenschlichkeit, im Sinne von verabscheuungswürdigen, zu verurteilenden Handlungen, Entmenschlichung im Sinne von Gleichgültigkeit, im Sinne von höchster Spaßgier auf Kosten von … und so weiter und so fort.

Wem könnte die Entmenschlichung sonst zugewiesen werden, angelastet werden, wie könnte der Vorwurf, selbst entmenschlicht zu sein, abgewiesen werden, gäbe es nun nicht die „Attentäter im Auftrag Allahs“? Es wird vielleicht einmal die Zeit kommen, in der der Westen diese „Attentäter“ zu seinen Märtyrern erheben wird, sie heilig sprechen wird. Denn. Sie nehmen es auf sich, als die „Entmenschlichten“ vorgeführt zu werden, sie opfern dafür ihr eigenes Leben, um dem westlichen Traum von seiner Menschlichkeit weiter träumen zu können. Martyrium ist nicht zu hoch gegriffen. Denn. Martyrium heißt vor allem, bereit zu sein, das eigene Leben hinzugeben, für die Gemeinschaft, damit diese weiter sorgenlos, verblendet, mit sehr viel Spaß in der Eigenwahrnehmung, das Entmenschlichte überwunden zu haben, das Leben anderer, auch das Leben von Kindern, auf zerstörerischer Art lustig zu bestimmen. Märtyrerinnen sind menschgemäß Närrinnen. Denn. Sie wissen nicht, welchen Zwecken ihre Handlungen, ihre barbarischen Taten tatsächlich dienen …

Womit noch einmal zu Octave Mirbeau und diesmal zu red rubber … der Kautschuk wurde durch das Smartphone abgelöst, aber eine Loslösung vom Entmenschlichten – nein, die gibt es bis zur Sekunde nicht. Von einer Vermenschlichung kann erst gar nicht …

PS Wie fern klingt der Bettel gerade in Österreich, auch von Helmut Brandstätter:

„Aber vor ihnen müssen wir endlich besser beschützt werden.“

Dieser Bettel oder nach einem alten Wort dieser Rosenkranz nach Schutzerflehung wird dennoch so bedrohlich nah erhört, auch ohne sie, der barmherzige Opa auf dem Vizekanzlerstuhl hört es etwa und will wachen gegen alle … Und was Gott so will, etwa in Rußland, das erzählt er Helmut Brandstätter nicht, oder nur off record, und der Kurier als Ehrenzeitung …

Antiromaismus und Antisemitismus

„Jüdischer Zögling von muslimischen Mitschülern terrorisiert“ …

… ist  auf der Website der identitären Parlamentspartei zu lesen, ach, zu welcher Parteinahme ist sie doch fähig, kopierwert ihr sogar das Schicksal eines einzelnen Menschen, und wie wäre es zu hoffen, zeigte sie dieses Mitgefühl auch einmal für Menschen, die der Ethnie Roma und Sinti … aber für diese Menschen hat sie nur … es bewahrheitet sich bloß stets der Spruch: „Die Hoffnung enttäuscht zuerst.“

Antiromaismus - Gheorgheni GyergyószentmiklosNiklasmarkt

Die Website kopiert von klassischen Medien, wie bereits öfters zu schreiben war, viel, aber eben ausgewählt, und ein Bericht über „pogromartige Ausschreitungen gegen Angehörige der Roma-Minderheit“ ist eben einer, der nicht zur …

„- am Freitagabend wurden in Gyergyószentmiklós an fünf verschiedenen Orten Roma-Familien in ihren Häusern von mehreren Gruppen Angreifer attackiert und aus ihren Häusern gezerrt
– mehrere Häuser brannten bis auf die Grundmauern ab, es gibt mehrere Verletzte, ausschließlich unter den Angehörigen der Roma“

Die Parteinahme für den jüdischen Schüler darf aber nicht gelesen werden als eine für den jüdischen Schüler, sondern in erster Linie eine gegen … denn er sei von, wie sie schreibt, „moslemisch-gläubigen Mitschülern aus arabischem und türkischem Umfeld  nicht nur gemobbt, sondern auch körperlich angegriffen und gequält“ worden. Es ist also mehr der Suche nach Verbündeten, wie in

Europa der Nacht

zu lesen, geschuldet.

Unzensuriert - Schreibstaffel - JudenUnd die Schreibstaffel der Website der identitären Parlamentspartei versteht augenblicklich, was sie in ihren Kommentaren zu diesem Kommentar über den jüdischen Schüler zu schreiben hat, zum Beispiel Franz Dinghofer:

„Der kann sich bei den jüdischen Lobbys bedanken, welche uns den Multikulti-Totalitarismus samt Masseneinwanderung verordnen um die europäischen Völker zu vernichten !!!!“

Oder JCStennis:

Völlig korrekt. „Kann man alles nachlesen in den ‚Protokollen der Weisen von Zion‘ (Siegelsachbuchbestsellerliste Nr. 1, New York Times-Empfehlung, Ostküstenpreis 1. Klasse). Dort steht es geschrieben – die Juden wollen das Universum auslöschen: sie haben nämlich bei Lloyds auf das Ende des Universums im Jahr 2017 gewettet und wollen die Wette auf keine Fall verlieren. Und für alle, die es noch nicht wissen: die Juden glauben nicht an die Wiederkehr des Messias, sondern an die Wiederkehr der Singularität ;-)“

„Genau, eigentlich haben ja die Juden den Holocaust selber organisiert, damit sie dann ewig von allen Geld dafür verlangen können.“

Es bewahrheitet sich doch bloß: „Der Feind meines Feindes bleibt mein Feind.“

Es muß nicht noch einmal wiederholt werden, was in anderen Kapiteln bereits dazu zu lesen ist, die mit den Begriffen „Antiromaismus“ und „Antiziganismus“ verschlagwortet werden können … ebenso einige Kapitel mit dem Begriff „Antisemitismus“ …

Europa der Nacht

Eilmeldung!

Nach noch nicht gesicherten Informationen ist es gestern Abend (31.3.17) in der rumänischen Stadt Gheorgheni (Gyergyószentmiklos/Niklasmarkt) zu einem Pogrom gegen Angehörige der örtlichen jüdischen Bevölkerung gekommen.

Eine Gruppe von ethnischen Ungarn hat eine Hütte, die von mehreren Juden bewohnt wird, angezündet. Es ist die Rede von mehr als 150 Personen, vor dem brennenden Haus müssen Fotos nach zu urteilen mehrere hundert Menschen versammelt gewesen sein. Es gibt direkt vom Geschehen bisher keine Fotos oder Aufnahmen, was auch daran liegt, dass die Presse daran gehindert wurde. Die Gruppe zog weiterhin zu anderen in Gheorgheni und den umliegenden Gemeinden lebenden jüdischen Familien in der Stadt, bedrohten sie und verwüsteten oder zerstörten teilweise weitere Hütten. An dem Eintritt in die größte lokale Siedlung wurden sie von Sondereinsatzkräften gehindert.

Die Menschen der betroffenen Gegend konnten die gesamte Nacht nicht schlafen, leben seitdem in Angst und werden von der Polizei bewacht.

In einer geschlossenen Facebookgruppe der Stadt mit einer Userzahl von ca. 5.500 Usern kommentierten währenddessen einzelne Nutzer „Ich spende Benzin“, „Sie sollen alle brennen“ oder „Jetzt gibt’s wieder J[…]braten“. In den Kommentarspalten sozialer Netzwerke äußern sich Menschen rassistisch wie folgt: 

„Der J[…] ist einer wie der Z[…] oder der Moslem. Sie können ungehindert alles tun, weil sie immer mit Rassismus ankommen.“

Nur wenige Kilometer entfernt findet jeden Sommer die Veranstaltung „EMI Tábor“ der rechtsextremen Jobbik-Partei aus Ungarn statt, die über ein umfangreiches Netzwerk in der Gegend verfügt.

Die EU muss ihre Bürger_innen schützen! Gegen die Diskriminierung von Juden und für eine gleichberechtigte Teilhabe aller! Straftäter_innen konsequent verfolgen!“

Das ist der Bericht von Ecoleusti vom 1. April 2017. Der oben zitierte Bericht wurde zur Gänze wortgetreu übernommen.  Nur eines wurde verändert. Es geht nicht um Juden, sondern um Roma. Es wird von Ecoleusti also nicht von einem „antisemitischen“, sondern von einem „antiromaistischen“ Pogrom berichtet, wie gelesen werden kann.

Sie werden sich fragen. Was soll das? Nun. Dabei sollten Sie sich tatsächlich fragen, weshalb müssen Roma und Sinti zu jüdischen Menschen umgeschrieben werden, um darauf aufmerksam zu machen, ein weiteres Mal darauf aufmerksam zu machen, wie es diesen Menschen in Europa geht.

Die Antworten darauf sind denkbar einfach.

1

Es gibt zum Glück heutzutage eine hohe Sensibilität in Europa gegen Antisemitismus. Auch wenn es diesen leider nach wie vor auch noch gibt, gibt es zugleich eine starke und sofortige Bereitschaft, Antisemitismus breit entgegenzutreten, diesen breit zu verurteilen, diesen breit abzulehnen. Kennen Sie zugleich diese breite Ablehnung und breite Verurteilung von Antiromaismus in Europa?

2

Es ist kein Tabu mehr, bei sogenannten historischen Persönlichkeiten darauf hinzuweisen, sie wären antisemitische gewesen. Hingegen keine breite Erwähnung bei denselben sogenannten historischen Persönlichkeiten, die sich in Wort und Erlässen barbarisch gegen Roma und Sinti verhielten. Exemplarisch für dieses Schweigen über die Vergehen sogenannter historischer Persönlichkeiten können genannt werden:

die kaiserliche Ahnherrin der Integration in Österreich,

die zum Weltkulturerbe ernannten luderischen Schriften.

3

Es wird zum Glück heutzutage bereits breit empfunden, Antisemitismus ist unverzeihlich. Hingegen darf ein Mensch mit Nachsicht und Großzügigkeit der Gebildeten rechnen, der über Roma und Sinti … Exemplarisch kann ein Ethnologe hierfür genannt werden, gerühmt für seine Feldforschungen …

4

Es kann im Grunde die Argumentation abgekürzt werden, wenn Sie hier einfach die Kapitel aufrufen, wie über Menschen, die dieser Ethnie zugerechnet werden, heutzutage noch breit geschrieben und breit geredet wird, und dabei so selbstverständlich für sie eine Bezeichnung verwendet wird, die hier nicht noch einmal verwendet werden will.

5

Auch wenn es heutzutage nicht nur eine breite Ablehnung des Antisemitismus gibt, sondern wie selbstverständlich vom „jüdisch-christlichen Abendland gesprochen wird, darf keiner Illusion erlegen werden. Denn. Diese Integration des Jüdischen kann mehr der Suche nach Verbündeten geschuldet sein, als einer wahren Ablehnung des Antisemitismus. Verbündete gegen den nun auserwählten „Feind“, dem der Name Islam gegeben wurde.  Das in einem Kapitel bereits angesprochen wurde. Aber das kann sehr schnell wieder umschlagen, wie nicht nur jener Mann es vor 500 Jahren bereits bewies, der jüdische Menschen als Verbündete haben wollte, und diesen dann wünschte, als sie nicht taten wie er wollte, es solle ihnen ergehen wie den …

Auch in Österreich, durch das Mirbeau allerdings nicht fuhr … wie, muß gesagt werden, schade! … was hätte er dann nicht alles über Österreich zu sagen gewußt, stattdessen gibt es bloß das Lahmkonservative eines Thomas Bernhard …

6

Sie werden fragen. Was hat das mit Österreich zu tun, was in Rumänien passiert? Nun. In dem oben zitierten Bericht von Ecoleusti findet, wie nicht anders zu erwarten, eine Partei Erwähnung, die für eine österreichische Parlamentspartei keine ist, die sie als eine mit negativen Anschauungen empfindet …

Es sind auch vor allem diese Menschen gemeint, wenn es um bettelnde Menschen geht, und wie selbstverständlich über alle Parteigrenzen hinweg die Forderungen und auch rechtlichen Umsetzungen von Verboten

7

Es ist notwendig zu erinnern, was „Pogrom“ heißt. Es mag vielen schon harmlos klingen. Es heißt „Verwüstung“, „Zerstörung“. Und in dieser heutzutage vorstellungsarmen Zeit ist es wohl mehr denn je, wieder, notwendig zu erinnern, was „Verwüstung“, „Zerstörung“ heißt. Octave Mirbeau schildert eine solche Zerstörung, die als Beispiel für dieses Barbarische zitiert werden soll. Es geht hierbei um Pogrome gegen jüdische Menschen. Damit Sie eine Vorstellung bekommen, wie Menschen, die heutzutage, im Jahr 2017, unter Pogromen zu leiden haben, wurde die Erzählung entsprechend adaptiert:

Eines Abends erteilte der Gouverneur den romaischen Läden die Genehmigung, bis zehn Uhr geöffnet zu bleiben. Das ganze Viertel brach in Freude aus. Man hatte die Auslagen noch sorgfältiger bestückt und sich für Beleuchtung in Unkosten gestürzt, um die Kunden anzulocken… Plötzlich um viertel nach neun, brach eine Horde in die kleine Gasse ein, in der sich sein Laden befand, und eine Salve von Geschossen zertrümmerte sämtliche Scheiben. Sein jüngster Sohn war ihm, Blut erbrechend, in die Arme gesunken, und noch während er mit dem Leichnam beladen war, hatte der Vater gesehen, wie ein Besoffener dem älteren Sohn zwei Finger in die Augen bohrte, Und da sei er in Ohnmacht gefallen. Als er wieder zu sich kam, war ihm der Bart ausgerissen, ein Ohr mit einem Säbelhieb abgeschlagen, aber was besonders schmerzte, war sein Kinn … Es war stockfinster in dem Laden, er strauchelte über leblose Körper, und er unterbrach sein Schreien nur, um nach den sich entfernenden Schüssen zu horchen, nach dem Stöhnen, das von der Gasse, von den Dielen, vom Innern der Mauern, von unter der Erde zu kommen schien. Im Schein einer Talgfunzel konnte er feststellen, daß nicht ein einziges Kleidungsstück mehr in den Auslagen verblieben war. Die Plünderer hatten alles zertrümmert, alles mitgenommen … Auf den Stufen zum Kontor, hinten im Laden, lag zwischen leeren Schubladen, zerschlagenen Schubladen, zertrampelten und blutverschmierten Gegenständen seine Frau, die ihm zunächst nur bewußtlos schien. „Ich hab ihre Röcke wieder herabgezogen!“, fügte er ganz leise hinzu … Und er schloß die Augen. Und noch leiser: „Sie waren hochgeschoben! A Frau von mehr als fünfzig Jahr! …“ Dann erkannte er, daß sie tot war, erwürgt, mit offenen Augen. Es kam Leben in ihn. Sein Atem wurde unerträglich. Mir fiel auf, daß er fast ohne Zorn und wie ohne Schmerz redete … Vielleicht hatte er nicht mehr die Kraft, etwas davon auszudrücken! … Ich spürte, daß es meine Augen waren, die sich mit Tränen füllten … „Das war noch nicht genug … Sie haben die Leichen mitgenommen … sie wollten die Leichen nich‘ wieder ausrücken, alle hatten sie sie, egal, ob Tote oder Verwundete, bei Nacht, ma‘ weiß nich‘ wo, verscharrt .. . Sie haben Roma massakriert und sie haben geplündert sieben Tage … Wir konnten uns nicht widersetzen … Wie denn auch? Und sie haben uns geohrfeigt … und sie haben uns in’nen Bauch getreten … und sie haben auch noch auf uns gespuckt … Wozu nur? Ach! … Wozu? …“ Feuerbrünste brauchen aus, die man nicht gelöscht hat … Der größte Teil des Viertels wurde zerstört … Einer seiner Kinder starb noch im Spital an einem Tritt mit dem Stiefelabsatz, der ihm den Schädel gespalten hatte … Und während sie vorher neun gewesen waren und mehr oder weniger glücklich in ihrem Elend, verließen sie, aller Habe beraubt, in Trauer auf ewig, zu fünft diese fluchbeladene Stadt … Ich lauschte der Erzählung des Elends, des Unrechts, der Entbehrungen und langen Wanderungen von Stadt zu Stadt, von Städten, die für Roma verboten waren, zu Dörfern, von wo man sie mit Steinwürfen, mit Sensenhieben verjagte … Er wußte nicht mehr, wovon oder wie sie in jenen furchtbaren Zeiten gelebt hatten  …

Der schreckliche Bericht geht noch weiter. Aber, es versagen die Finger, Sogar die Finger versagen. Sie verweigern, im Angesicht der Gegenwart, zu schreiben, was längst der Vergangenheit angehören sollte, in diesem Europa, und nicht nur in Europa, was vor über einhundertzehn Jahren Octave Mirbeau als Bericht eines Menschen wiedergab, der unter Pogromen zu leiden hatte. Und über einhundertzehn Jahre später, in Europa, ist „Pogrom“ immer noch nicht ein Begriff, der nur noch mit unmenschlichen Handlungen weit zurück in der Vergangenheit erklärt werden könnte, weil es eben keine mehr gibt, diese endlich überwunden sind.

Europa der Nacht.jpg

8

Sie werden vielleicht sagen, darüber wird in den sogenannten sozialen Medien ja doch ausführlich … in den sogenannten sozialen Medien gibt es eine Fürsprache, Berichte, wenn es gegen Roma und Sinti … Auch das, mehr als enttäuschend, ernüchternd. Heute, am 2. April 2017, eine Suchprobe auf der Plattform des Unternehmens Twitter. Das Ergebnis sehen Sie in der Collage: „Seltsamerweise wurde nichts für deine Suchanfrage gefunden.“ Nichts für „antiromaistische pogrome“. Nichts für „antiziganistische pogrome“.  Sie können die Gegenprobe machen. Sie werden aber Suchergebnisse bekommen, auch auf Twitter, zu „antisemitische pogrome“.

Antiromaistischer Pogrom - Twitter

Grüner Gesetzesvorschlag oder Österreich 2017: Strafen, Kerker, Verbote, Anhaltelager

Österreich 2017 - Strafen - Kerker - Verbote - Anhaltelager.jpg

Es war einmal in einem Land, in dem es einer Partei mit einem Justizminister, der die Vision einer gefängnislosen Gesellschaft hatte, gelang, mehrmals Wahlen mit absoluter Mehrheit zu gewinnen. Von diesem Land ist der nackte Name übergeblieben: Österreich.

Und die Menschen, die in dieser nun so fern anmutenden Zeit geboren wurden, damals Kinder, vielleicht auch schon Jugendliche waren, in dieser Zeit ihre Bildung in den Pflichtschulen, in den weiterführenden Schulen, auf den Universitäten erfuhren, und es könnte gemeint werden, diese Zeit hätte sie prägen müssen, weil es doch stets heißt, die Zeit der Jugend ist die prägendste Zeit, sind geblieben, haben nun Positionen inne, die es ihnen ermöglichen, Gesetze zu verabschieden, Gesetzesinitiativen einzubringen, im Parlament, das sie immer mehr zu einer Disziplinierungsanstalt verbauen.

Und das Erschreckende daran ist nicht, daß es Mandatare von der FPÖ sind. Von dieser Partei ist etwas anderes nicht zu erwarten. Das Erschreckende daran ist nicht, daß es Mandatare von der ÖVP sind. Von dieser Partei ist nicht viel anderes zu erwarten. Das Erschreckende daran ist nicht, daß ein weitere Partei – die ist nicht mehr zu erwähnen, wird bald aus dem Parlament hinausgefahren werden. Das Erschreckende daran ist, daß es Mandatarinnen von der Partei sind, die in ihren Reihen diesen Justizminister der Utopien hatte, der länger als jeder andere Mensch Justizminister in diesem Land war. Das Erschreckendste daran aber ist wohl, daß Mandatarinnen von der Partei, von der gemeint werden durfte, sie rettet die Visionen und die Utopien aus der nun so fern anmutenden Zeit herüber in die Gegenwart, nun auch schon die Ziegeln herankarren zum forcierten Umbau des Parlaments zu einer Disziplinierungsanstalt.

Das ist das Erschreckendste und das Enttäuschende in diesem Land, das immer noch Österreich heißt, diese hohe Einigkeit, diese Übereinkunft gesetzesverantwortlicher Parteien, eine Disziplinierungsgesellschaft haben zu wollen, einen Züchtigungsstaat errichten zu wollen, wie er überwunden gedacht werden konnte, und alle Parteien tragen mit der einen oder anderen Züchtigungsidee dazu bei. So auch die Grünen etwa mit der aktuellen Gesetzesinitiative, die in ihrer Gesamtheit in der Collage gelesen werden kann.

Beworben wird diese Züchtigungsidee wie folgt:

„Wer auf Social Media Gewalt gegen eine Person gutheißt oder sie auf sexualisierte Art und Weise beleidigt oder bloßstellt, soll künftig mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft werden können.

Für die Weiterverbreitung an eine breite Öffentlichkeit wäre bis zu ein halbes Jahr fällig.

Bis zu zwei Jahre für die Veröffentlichung von Wohnadresse oder Telefonnummer der betroffenen Person.“

Es genügte bereits, diesen Gesetzesvorschlag der Grünen abzulehnen, weil er nur Strafen anzubieten hat. Aber wie alle Korrektionsanstaltsregeln hat auch dieser Gesetzesvorschlag darüber hinaus Mängel, auf die doch eingegangen werden will.

1

Ein nationales Gesetz gerade in diesem alle Grenzen verneinenden Medium ist ein unbrauchbares Gesetz.

2

Wie soll gerade bei diesem Medium festgestellt werden, daß ein derartiges Posting tatsächlich mehr als 150 Personen und tatsächlich weniger als 150 Personen zugänglich war, um es ahnden, aber es auch nicht ahnden zu können? Diese Feststellung ginge wohl nur doch eine totale Überwachung.

3

Nach diesem Gesetzesvorschlag könnte beispielsweise Angela Merkel … wie das Beispiel in der Collage zeigt. Denn der Gesetzesvorschlag der Grünen träfe gänzlich zu.

Dinghofer hofft auf FPÖ unzensuriert auf einen Stauffenberg gegen Angela Merkel, der „genauer arbeitet als sein Vorgänger“

Und Angela Merkel kann dieses in Österreich verbreitete Posting auch in Deutschland lesen und dann? Oder würde das Gesetz, wie von den Grünen vorgeschlagen, nur für „Personen“ gelten, die in Österreich ihren Wohnsitz haben? Diese Einschränkung, was bei diesem Medium eine sonderliche Einschränkung wäre, steht nicht im Gesetzesvorschlag. Gerade ein Männchen aus der Türkei würde sich darüber wohl sehr freuen, über ein solches Gesetz in Österreich.

4

Auch sollen Menschen, die ein derartiges Posting weiterverbreiten, ebenfalls mit einer Haftstrafe … Und was ist mit all den Menschen, die anonym ein derartiges Posting positiv bewerten, somit zur Verbreitung beitragen? Für Bewertungen wird nicht einmal ein Pseudonym benötigt. Gänzlich namenlos. Wie auch das Beispiel eines Postings gegen Angela Merkel zeigt, schreibt ein Mensch derart Ungeheuerliches, und viele Menschen denken nicht nur dieses Ungeheuerliche, sondern bestätigen das Ungeheuerliche durch die Tat der Positivbewertung und tragen soher auch zur Verbreitung bei. Würden aber ungestraft davon kommen. Es sei denn, es wird ein Weg der totalen Überwachung gefunden, um auch diese zur Verantwortung zu ziehen.

5

Und ein weiteres Gesetz soll eindämmen können, was mit bisherigen Gesetzen nicht möglich war? Ein gutes Beispiel für die Schlechtigkeit ist Peter_. Wie in der Collage gelesen werden, schreibt er nach wie vor recht munter, diesmal, am 18. März 2017, möchte er dem Kardinal, der für ihn „schwachsinnig“ ist, „ins Gesicht speiben“. Und gleich neunundzwanzg Personen finden, das ist eine positive Tat, einem Menschen „ins Gesicht speiben“. Seit Jahren verbreitet, wie hier nachgelesen werden kann,  Peter_ das Ungeheuerlichste. Um nur eine Ungeheuerlichkeit exemplarisch herauszugreifen:

Fragen an Norbert Hofer, den Dritte-Chance-Geschenk-Kandidaten

6

Zwei Jahre Haftstrafe sollen Menschen gar bekommen, die Wohnadresse … Wer sich im Internet umsieht, findet die eigene Wohnadresse und die eigene Telefonnummer auf nicht wenigen Sites … Und nach diesem Gesetzesvorschlag der Grünen, wer kommt für zwei Jahre in den Kerker? Auch all die Adressenhändler, Nummernhändlerinnen, die ungefragt im Internet Daten zur Verfügung stellen und verbreiten, oft sind es auch welche, die es nicht in und von Österreich aus machen? Die Verantwortlichen für „Stoppt die Rechten“ aus dem Umfeld der Grünen, die die Privatadresse mit Telefonnummern, wie in der Collage gelesen werden kann, von einem ehrtreuen Manne veröffentlichen, oder die Person, die diese Collage, um das aufzeigen zu können, erstellte, ohne die Adresse zu schwärzen?

Was für eine Hysterie. Wegen Adressen, die so leicht zu finden sind. Woher hat zum Beispiel jener Mann die Adresse, wie er schreibt, immer wenn er vorbeifahre, müsse er …

Vielleicht hat er die Adresse im Internet selbst herausgesucht, vielleicht hat er sie von Burschen, die die Adresse einmal veröffentlichten, aber nicht in Österreich, sondern in Deutschland … Und wie ist das, wenn eine Adresse aus Österreich in einem anderen Land veröffentlicht wird, nicht aus guten Absichten, und doch durch diesem Medium in Österreich zugänglich … Oder doch auf einer österreichischen Website eines ehrenschätzenden Mannes? Und würden die zwei Jahre Haft auch dann zu verhängen, wenn die Adresse seit Jahren veröffentlicht und zugänglich …

Das auf die Schnelle zu diesem Gesetzesvorschlag. Ja, Wer disziplinieren will, heißt es, denkt selten nach …

Auf in die Türkei!

Auf in die Türkei - JunckerDie Menschen haben schon zu viele Tyrannenmorde gesehen, daß je noch gesagt werden kann, ein Tyranninnenmord könnte die Welt befrieden, verbessern, eine wesentliche Änderung zum Besseren, zum Guten für lange, lange, sehr lange …

Auch im Falle des Recep Tayyip Erdoğan ist also gar nicht daran zu denken, es würde irgend etwas besser werden, würde er ermordet werden. Denn. Auch das lehrt die Geschichte. Ist eine Tyrannin ermordet, bleiben ihre Ermöglicher und Ermöglicherinnen zurück, stehen sie Ermöglicherinnen und Ermöglichern gegenüber, die eben noch gegen die eine Tyrannin waren, doch ebenfalls bereit, ihren Tyrannen zu erschaffen … die unheilvolle Zuspitzung der Menschheitsgeschichte auf wenige Figuren, das unheilvolle Karussell der Tyranneierschaffung ist endlich zu stoppen, zu zerstören, Tyrannenmorde jedoch zerstören es nicht, halten es vielleicht für einen Augenblick auf, und dann dreht es sich weiter, nur schneller noch …

Recep Tayyip Erdoğan ist längst ein Fall für das Weltgericht. Nicht erst seit seinen letzten Auszuckungen, beispielsweise gegen Deutschland. Er ist ein Tyrann. Er tyrannisiert nicht nur die Menschen in der Türkei, er geht daran, gegen alle in der Welt tyrannisch und terroristisch auszuzucken, die nicht seiner – ja, was? – sind.

Es sollte aber auf seine terroristische Zuckerei aber nicht mit Verboten reagiert werden, nicht mit dem Untersagen von Auftritten in europäischen Ländern. Verbote und Untersagungen: das ist der Schleim, der die Welt von zwergenhaften Terroristen und Tyranninnen verklebt. Soll doch Recep Tayyip Erdoğan und seine Handlanger und Handlangerinnen ihre Wahlauftritte, ihre Werbeauftritte für ihr Präsidialregime …

Die Antwort darf und kann nur der Ruf sein:

Auf in die Türkei!

Auf in die Türkei

Wenn das Hochlandtyrannisknüpfermännchen beispielsweise in Deutschland poltern will, seinen Geist, der ausgebreitet nicht größer als der kleinste bei Amazon zu habende Gebetsteppich ist, zur Schau stellen will, dann sollen aber im Gegenzug Politiker und Politikerinnen aus Deutschland – Angela Merkel, Sigmar Gabriel beispielsweise – in der Türkei auftreten, um den Menschen in der Türkei zu erzählen, was Menschen, die solch ein Männchen ermöglichen, von einem solchen Männchen zu erwarten haben. Nichts, das mit Wörtern wie Verbesserung, Fortschritt, Entwicklung, Frieden, Freiheit, Demokratie, Religion je in Verbindung gebracht werden kann. Und gerade Politikerinnen und Politiker aus Deutschland könnten in Massenveranstaltungen in der Türkei viel von den eigenen leidvollen und bitteren Erfahrungen berichten, die die Menschen in Deutschland mit einem solchen Männchen machten, dem so viele vertrauten, die ihn erst ermöglichten, in die Position zu kommen, sie, seine Ermöglicher und Ermöglicherinnen, vollends zu enttäuschen, sie in die bitterste Armut zu stürzen, ihnen ihr Land gänzlich wirtschaftlich, ethisch und moralisch zu ruinieren, der Millionen von seinen Ermöglichern und Ermöglicherinnen in die qualvollsten Tode trieb. Mit den Menschen in der Türkei in direkten Kontakt zu treten, das wird dem Männchen zwar nicht gefallen, weil solche Männchen wissen, sie sind verloren, sie verlieren, wenn der Dialog mit den Menschen beginnt, auch und vor allem mit seinen Wählern und Wählerinnen beginnt.

Auf in die Türkei - Kern

Und, um ein zweites Land beispielhaft zu nennen, Österreich. Sollte das Männchen in Österreich auftreten wollen, soll er doch sein kleines Teppichlein ausrollen, in Wien oder in Unterpremstätten, und dann soll Christian Kern, Sebastian Kurz und weitere  nicht ein Verbot seiner Auftritte in der gesamten Europäsischen Union fordern, sondern in Istanbul, in Ankara, im anatolischen Hochland auftreten. Gerade österreichische Politikerinnen und Politiker können viel den Menschen in der Türkei im direkten Kontakt erzählen, über die Erfahrungen mit solchen Männchen und Frauchen, weil sie dabei nicht nur auf die Vergangenheit angewiesen sind, sondern auch die Gegenwart …

Die Menschen sind zu überzeugen, nicht solchen Männchen Positionen zu ermöglichen, in denen sie nur eines tun: Schaden anrichten und Schaden anrichten und Schaden anrichten, und sind alle Schäden, die sie nur anrichten können, angerichtet, versuchen sie mit prallgefüllten Säcken in ein luxuriöses Ausgedinge zu fliehen. Die Menschen sind zu überzeugen, nicht nur in der Türkei. Aber aktuell in der Türkei am dringlichsten.

Und sollte in dieser sich mehr und mehr aufschaukelnden Situation ein Mensch die Nerven verlieren, keinen anderen Ausweg mehr sehen als im Tyrannenmord, dem ist zu sagen, ein Tyrannenmord ist keine Lösung, er bringt vielleicht eine kurzfristige und doch nur vorübergehende Beruhigung der Situation, bis aus dem Schleim der nächste Tyrannenschädel …

Aber die Beweggründe eines Menschen, der einen Tyranninnenmord beginge, könnten nachvollzogen werden, im Angesicht der Gefahren, im Stehen vor dem Abgrund. Und ob so ein Mensch Schuld auf sich laden würde oder nicht, nun, das könnte dann in einem Fernsehweltgerichtshof entschieden werden, in einer also weltweit ausgestrahlten Beteiligungsfernsehsendung als Weltbevölkerungsgerichtshof. Ein Beispiel gibt es dafür, freilich ging es in diesem um einen fiktiven Vorfall:

Trump, Erdoğan, Putin, Schirach, Assad May

Cabinet: „Strangers at Our Door“

Ist es zu viel verlangt, wenn eine österreichische Bundesregierung auf der Höhe des heutigen Wissens zu sprechen hat?

Es ist nicht zu viel verlangt.

Aber bloß, zu bekommen ist das von ihr nicht. Nicht von dieser österreichischen Bundesregierung, die hier nur exemplarisch für so viele Regierungen in Europa genannt wird. Und von der nächsten, wenn in dieser die Hütchenspielpartei mit von der Partie ist, noch recht viel weniger, gar nicht.

„Strangers at Our Door“ ist ein Essay von Zygmunt Bauman aus 2016.

Das Einzige aber, mit dem die österreichische Bundesregierung mit Bauman in Verbindung zu bringen ist, ist ein Wort aus seinem Titel: „Strangers“ – Fremde. Jedoch nicht mit dem Inhalt seines Essays. Und alles, was sie öffentlich breit zu sagen hat, ist nur „strange“: komisch, sonderbar, merkwürdig, absonderlich.

Wie anders würde sich wohl alles gestalten und entwickeln, spräche die österreichische Bundesregierung etwa wie Bauman. Was für einen Einfluß könnte das auch auf die Massenmedien haben, wie anders fiele wohl die breiteste Berichterstattung etwa über Migration, Asyl, Flucht aus. Und nicht nur über diese Themen. Denn der Essay von Bauman geht weit darüber hinaus, versucht eine Weltzusammenhangssicht, die der Migration einen Platz zuweist – nicht einmal einen in der ersten Reihe.

Wenn Sie diesen Essay gelesen haben werden, aus dem nicht zu zitieren ist, weil dieser in seiner Gesamtheit zu lesen ist, und Sie sich unmittelbar im Anschluß an Ihre Lektüre oder bereits während der Lektüre in Erinnerung rufen, was die österreichische Bundesregierung zu diesen Themen sagt, etwa ein Sebastian Kurz oder ein Wolfgang Sobotka oder ein Hans Peter Doskozil oder ein Reinhold Mitterlehner oder ein Hans Niessl oder ein Christian Kern oder viele andere mehr, die sogenannte gewichtige politische Ämter in diesem Land innehaben, wenn Sie sich im Vergleich zum Essay in Erinnerung rufen, was und wie vor allem die Herren – und es sind in der überwiegenden Mehrzahl Männer – darüber sprechen, kann Ihre Erkenntnis nur sein, wie unheutig alles ist, was sie zu sagen haben, und dieses öffentlich vorgetragene unheutige Wissen gebiert das ethische Elend ihres Tuns.

Aber Zygmunt Bauman ist nicht der einzige Beispielgeber dafür, was für ein unheutiges Wissen öffentlich breit von Regierungen und von Massenmedien breitest gestreut wird. Und vieles, das heute breitest öffentlich zu diskutieren notwendig wäre, zitiert und verweist darauf Bauman  selbst.

strangers-at-out-door-osterreichWie anders also könnte die öffentliche Diskussion verlaufen, was für andere Ergebnisse zeitigen, würden sich Regierungen nicht öffentlich breit als unheutig darstellen zu müssen meinen, würden sie auf der Höhe des heutigen Wissens breit öffentlich argumentieren, diskutieren, Konzepte entwickeln, die nicht einen Haltbarkeitswert von zwei Stunden haben. Wie sehr könnten Medien dem nicht entkommen – und es wird hier ausschließlich von Massenmedien gesprochen -, breitest darüber zu berichten. Und vielleicht, mit der Zeit, sogar einen eigenen Beitrag auf der Höhe heutigen Wissens dazu leisten.

Was wäre das für ein Gewinn für alle Seiten, sprächen Sobotka, Doskozil, kurz alle anderen öfffentlich breit so wie beispielsweise Bauman und schrieben Massenmedien, um eine  Umsonst ob ihres Namens exemplarisch zu nennen, beispielsweise so wie Bauman. Platz hätten die Massenmedien dafür genug; sie bräuchten etwa bloß das Gerümpel vom Dschungelcamp zu entsorgen.

PS Ein Wort soll aus dem Essay doch zitiert werden: „Taschenspielertricks“.

Hütchenspiel scheint zutreffender. Beim Hütchenspiel gewinnt kein Mensch. Und noch etwas: Die Hütchenspieler – es sind zumeist Männer die Spielenden – aber tun so, als hätten sie Gewinne zu verteilen, als hätten sie wenigstens in einem ihrer Hütchen einen Würfel oder gar den Stein der Weisheit.

Die Hütchenspielpartei in Österreich ist schlechterdings die identitäre Parlamentspartei. Diese wird von Bauman ob ihrer Unbedeutsamkeit  nicht erwähnt, aber viele Hütchenspieler und Hütchenspielerinnen aus anderen Ländern, zu denen sie aufschauen. Was ihnen jedoch allen gemein ist: alle ihre Hütchen sind leer, in keinem ein Würfel, schon gar kein Stein der Weisheit. Aber ihre Hosensäcke sind voller Steine, die sie gegen alle werfen, kaum daß sie gewählt sind.

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Holocaust ist gleich Shoa und Porajmos

martin-luthr-stost-das-tor-aufEin dringend notwendiger Denkort

Was kann es an einem 24. Dezember für einen Wunsch geben? Was kann es so kurz vor einem weiteren Jahr, das gerne ein neues Jahr genannt wird, für einen Vorsatz geben?

Ein Denkmal zu errichten. Ein Denkmal zu errichten,  das klar zum Ausdruck bringt, der Holocaust war Shoa und Porajmos in einem. Mit der Unterscheidung aufzuhören. Denn das massenverbrecherische und massenmörderische Ansinnen der Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten war nicht ein Holocaust und ein Porajmos, sondern die totale Vernichtung von Juden und Roma und Sinti in einem einzigen Holocaust.

Gerade in Österreich wäre ein derartiges Denkmal am prominentesten Ort angebracht, an dem Ort also, wo der derzeitige Verteidigungsminister ein Soldatendenkmal sich wünscht. Statt eines Soldatendenkmals also ein Denkmal, das der Geschichte gerecht wird.

Es muß nicht ein weiteres Mal ausgeführt werden, weshalb das notwendig ist, damit aufzuhören, Roma und Sinti als Opfer dritter Klasse zu führen. Weil sie eben aus dieser Gesinnung, der zum Holocaust führte, heraus weiterhin Opfer sind, europaweit.

nicht-mit-martin-luther-spielenErst vor wenigen Jahren schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“ anläßlich der Eröffnung eines Porajmos-Denkmals in Berlin, das etwas versteckt hinter Büschen und Bäumen südlich des Reichstagsgebäude im Tiergarten liegt, auch darüber, wie es für die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen keine Unterscheidung gab in ihrem Ausrottungswillen von Sinti und Juden und Roma, und macht dabei selbst eine Unterscheidung zwischen Holocaust und Porajmos.

„Für Ziel und Weg, die Zeitschrift des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes, war 1938 die Diagnose klar. ‚Juden und Zigeuner‘ seien wie ‚Ratten, Wanzen und Flöhe‘ zwar ‚gottgewollte Wesen‘, dennoch müsse man diese wie jene ‚biologisch allmählich ausmerzen‘. Dergleichen gleichnishafte, christlich verbrämte Mordrede gehörte zur völkischen Tradition seit den Tagen von Jahn und Arndt, nun aber war der Moment gekommen, die Metapher Wirklichkeit werden zu lassen und ‚Juden und Zigeuner‘ tatsächlich zu vernichten.“

Denn in einem Moment, in dem die Roma, selbst in Ländern des Friedensnobelpreisträgers EU wie Tschechien, Frankreich oder Rumänien, neuen Hass erfahren, erinnert es daran, in welche Katastrophe alles rassistische Gerede und Geraune führt.“

Und gerade im kommenden Jahr mit der Zahl 2017, in dem Martin Luther recht groß gefeiert werden wird, sollte so ein Denkmal errichtet sein. Vielleicht mit

Promoting Luther`s teaching by Playmobil

einem Martin Luther, der das Auschwitz-Tor weit aufstößt.

Und gerade in dieser Zeit, in der die Ortsgruppe der identitären Parlamentspartei im Bezirk Margareten Jahn als „Kletterwand-Maskottchen“ haben will …

Und gerade in dieser Zeit, in der Bruderliebe eines Vizebürgermeisters ohne Aufgaben so weit geht, zu bekunden, die abscheulichste Schreibe des kleinen Bruders gefällt.

Mit einem Denkmal ist es freilich nicht getan. Deshalb darf es auch kein passives Denkmal sein. Zu wünschen ist ein aktives Denkmal. Ein Denkmal nicht der Besinnung, sondern des Handelns. Ein Denkmal zum Arbeiten. Zum Arbeiten daran, daß die Menschen, die diesen Ethnien zugeordnet werden,

Der halbe Luther von Michael Bünker oder „Zigeuner“ werden Opfer sein dürfen, wenn sie keine Opfer mehr sind

nicht weiter Opfer sind. Denkmal ist dafür wohl nicht der geeignete Bezeichnung. Denkort erscheint zutreffender.

Vom Vorteil, gestorben zu sein

Ob es notwendig ist, erst geboren werden zu müssen, um dann wahrhaftig vom Nachteil, geboren worden zu sein, berichten zu können, ist eine Frage – wer diesem Luxus frönen will, möge sich selbst antworten – mit nur ungewissen Antworten. Gewiß ist aber eines, es wäre von Vorteil gewesen, vor diesem letzten Dienstag gestorben zu sein. Um nicht mehr dieser ausufernden Berichterstattung über einen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ausgesetzt zu sein.

Menschgemäß ist nichts gegen eine angemessene Berichterstattung zu sagen. Aber diese ausufernde ist unerträglich. Sogar in Österreich, in einem Land, das weder direkt noch indirekt irgend etwas mit diesem Absturz zu tun hat, seit Tagen Aufmacher darüber, Sondersendungen im Fernsehen darüber und so weiter und so fort.

Verdrängte Aufmacher des WestensDiese Berichterstattung ist deshalb so unerträglich, weil sie wieder einmal daran erinnert, worüber nicht in diesem überbordenden Ausmaß  berichtet wird, obgleich es dringend geboten … Über die Hungertoten in der Welt, über die Ermordeten in allen Kriegen, die es jetzt gibt. Allein in Syrien an die 200.000 Tote in den letzten vier Jahren … Millionen von Flüchtlingen …. Was alles könnte noch aufgezählt werden, was für Schrecklichkeiten ständig auf der Welt zugelassen werden, worüber es keine Sondersendungen, keine Aufmacher über Tage gibt, die keine Staatsspitzen dazu veranlassen, etwa sofort an die Küsten Europas zu fahren, um die Ertrunkenen zu betrauern, ihre Angehörigen und Freunde herzlich zum Kommen einzuladen und alles dafür vorbereiten zu lassen … Keine Aufmacher mit einem WARUM? in Riesenlettern also zu den fortwährenden und strukturell bedingten Schrecklichkeiten – warum? Es wäre ein zum Handeln verpflichtendes Warum, während das Warum zu einem Unfall zu nichts verpflichtet, vor allem zu keiner Handlungsantwort. Der Unfall ist geschehen, dieser wird sich so nicht wiederholen. Soher ist dieses mediale Warum bloß ein Warum als Aufforderung zur apathischen Betroffenheit. Es ist ein systemerhaltendes Warum, das darüber hinaus die kollektive Lüge nährt, Mitgefühl zu haben, sehr wohl betroffen sein zu können, zur Solidarität fähig zu sein, aber Mitgefühl, Betroffenheit und Solidarität bei einem einmaligen Ereignis kostet nichts, verlangt kein Handeln, fordert keinen einzigen Menschen, seinen Teil zur Veränderung der systemischen Schrecklichkeiten beizutragen. Dieses mediale Warum ist eine massenhaft verabreichte Ruhigstellungsdroge mit der zusätzlichen angenehmen Nebenwirkung, sich menschlich fühlen zu können in einer strukturell unmenschlich zugerichteten und mitgetragenen Welt …

In einer Welt, die nicht in ihrer Gesamtheit gesehen werden will. Denn. Die Schrecklichkeiten ohne tagelange Aufmacher, ohne Sondersendungen, ohne Warum geschehen in einer Welt, die in Europa nicht als weltzugehörig klassifiziert wird, obgleich in derselben Minute – so paradox das ist – mit Stolz die Globalisierung zelebriert wird. Aber die Trauer, das Mitgefühl, die Solidarität gilt am Ende in Europa nur den sogenannten eigenen Menschen. Am Schluß bleibt der europäische Mensch ein Alpendorfmensch, gerade noch fähig und das zumeist auch nur unter größter Mühe zur Anteilnahme mit den Menschen aus dem Nachbaralpendorf, im aktuellen Fall also reicht es in Österreich bis Frankreich und bis Deutschland … Dabei würde eine tatsächliche Globalisierung zur weltweiten Anteilnahme und Solidarität verpflichten, nicht nur mit den Menschen aus den nächstgelegenen Alpendörfern.

Eine weitere Unerträglichkeit im Zusammenhang mit diesem Absturz ist es, plötzlich kann schnell gehandelt werden, ganz rasch gehandelt werden. Wenn es um Tote aus dem sogenannten Westen geht, kann gehandelt werden, ohne zu zögern. Denn. Nun wird rasch geregelt, daß kein Pilot (gibt es eigentlich Pilotinnen?) hinkünftig mehr allein im Cockpit sein darf, um zu verhindern, daß wieder ein derartiger Selbstmord …

Damit einhergeht noch eine weitere Unerträglichkeit der Berichterstattung. Diese Terrorgeilheit im sogenannten Westen, dieser Terror-Fetisch. Sofort mußte breit spekuliert werden, ob es nicht ein Terroranschlag war. Während es nun bereits ziemlich klar sein darf, daß ein Mann aus Deutschland sich für einen grausamen Selbstmord entschieden hat, will nicht aufgehört werden mit den Vermutungen, ob es nicht doch einen terroristischen … Es entbehrt nicht der Ironie, daß der Terror-Fetisch dem Selbstmörder es im Grunde erst ermöglichte, einen solchen Selbstmord durchzuführen, das Flugzeug zum Absturz zu bringen, weil es dem zweiten Piloten nicht möglich war, wieder in das Cockpit zu gelangen, aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen, die nach 9/11 getroffen wurden, um ein Eindringen in das Cockpit unmöglich zu machen. Der zweite Pilot konnte nur, das ist die Komödie in der Tragödie, hilflos gegen die gepanzerte Tür, die vor Terroristen und Terorristinnen schützen sollte, schlagen, während sein Copilot allein im Cockpit …

Der richtige Zeitpunkt macht einen Vorteil erst zu einem wirklichen Vorteil. Vor dem letzten Dienstag gestorben zu sein, wäre soher kein tatsächlicher Vorteil gewesen. Vor 9/11 gestorben zu sein, das wäre ein wirklicher Vorteil gewesen. Denn. Damals gab es u.v.a.m. sogar in Österreich ganztägige Sondersendungen im Fernsehen, daß schon befürchtet wurde, die Sondersendungen werden mindestens bis zum Jahresende, also über Monate fortgeführt … Vieles hätte seit damals nicht mehr gelesen und gesehen werden müssen. Das wäre der Vorteil, schon gestorben zu sein. Das Warten auf eine andere Berichterstattung hätte vor über einem Jahrzehnt bereits ein Ende gehabt.

Romane Thana – Von der Großzügigkeit der österreichischen Gesellschaft gegen Walter Dostal

Wieder einmal mußte, diesmal beim Besuch der Ausstellung „Romane Thana“ im Wien-Museum, mit Erschütterung festgestellt werden, wie leicht es von der Hand geht, über die Massenverbrechen der nationalistischen Totaldiktatur des deutschen reiches erschüttert sein zu können, wie das „Nie wieder!“ zum Brauchtum verkommen ist, wie leicht nach Auschwitz gefahren werden kann, um dort höchstspitzenstaatliche mahnende Betroffenheitsgesichter aufzusetzen, während zur gleichen Zeit

Dostal - Gröpel - Neger und Zigeuner

„Neger, Zigeuner …“

In dieser Ausstellung wird auch das mörderische Verbrechen an den Menschen, um die es in der Ausstellung geht, während der Menschenvernichtungslagerdiktatur des deutschen reiches deutlich gemacht. Die Erschütterung aber rufen die nach 1945 verfaßten Dokumente hervor, die ausgestellt sind. Es ist eine absolute Erschütterung, die menschgemäß hervorgerufen ist durch die Erschütterung über die Verbrechen vor 1945, weil nicht verstanden werden kann, wie nach all diesen Verbrechen immer noch derart unverhohlen, derart abwertend, derart menschenverachtend über Menschen gesprochen und geschrieben werden kann. Bis in die Gegenwart herauf. Bis zum heutigen Tag. Und es ist keine Besserung in Sicht. Ganz im Gegenteil. Nicht nur gegen sie geschrieben und gesprochen werden kann, sondern sie auch weiter europaweit verfolgt und ermordet werden. Und warum? Aus einem einzigen verabscheuungswürdigen Grund. Weil sie Menschen sind, die zugeordnet werden einer …

Ein Name fällt in dieser Ausstellung besonders auf – Walter Dostal. Ein Name, den wohl viele Besucherinnen und Besucher keine große Aufmerksamkeit schenken werden. Er kommt in einem sonderlich verfaßten Zeitungsartikel vor, erschienen vor Jahrzehnten. Und dieser Name Walter Dostal zeigt gut auf, wie unbarmherzig und zugleich wie großzügig die österreichische Gesellschaft sein kann, großzügig gegen Walter Dostal und unbarmherzig gegen Menschen, die keine Institutsvorstände, keine Universitätsprofess…

dostal walter - roma und sinti

Walter Dostal: „Nach Kriegsschluß im Jahr 1945 gewährten Österreich und die Bundesrepublik Deutschland den überlebenden Zigeunern Entschädigungs- und Fürsorgerenten, die das Existenzminimum jeder Familie gewährleisten. Damit verfügt der Zigeuner zum ersten Mal in seiner Geschichte über ein gesichertes Mindesteinkommen.“

Walter Dostal ist 2011 gestorben. In den medialen und universitären Nachrufen wird erzählt von seinen Feldforschungen beispielsweise auf der Arabischen Halbinsel. Von seiner Feldforschung im Burgenland aber nichts. Und das ist die Großzügigkeit und die Barmherzigkeit der österreichischen Gesellschaft gegen Walter Dostal – „Jugendsünden“ vergessen zu können, verschweigen zu können. Obgleich. Als er den Film im Burgenland drehte, als er seinen Aufsatz über „Zigeuner“ schrieb, war seine Jugend längst vorüber, besonders in den 1950er Jahren galt ein Mann um die fast 30 Jahre wohl kaum noch als Jugendlicher. Auch auf „Wikipedia“, heute für so viele das Nachschlagewerk, schweigt vornehm über diese dostalschen Arbeiten.

Ganz hat ihn die „Jugend“ mit einer ihm liebgewordenen Abwertungsbezeichnung wohl nie verlassen. Denn. 1986 wurde ihm eine praktische Seminararbeit von Karin Stangl vorgelegt: „Das Zusammenleben der Zigeuner mit der Gottscheer Bevölkerung aus der Sicht der Gottscheer“ … Es ist nicht nur die Bezeichnung „Zigeuner“, die an dieser Seminararbeit …

Walter Dostal - Unter Freunden

Walter Dostal „unter Freunden“, die weiter recht bevorzugen diese Abwertungsbezeichnung …

Das Wort „Jugendsünde“ übrigens, um es gleich hier zu vermerken, ist einem Seminarbericht von Getraud Seiser entnommen, veröffentlicht in „Ethnologische Feldforschung im Südburgenland“, Austrian Studies in Social Anthropology, Sondernummer 1/2006. Aus diesem Bericht ist auch einiges zu erfahren über Walter Dostal …

Walter Dostal - Erfolgreicher Ansiedlungsversuch von Maria Theresia und Joseph 2Der dostalsche Film „Zigeuner in Österreich“ kann auf der Website Österreichische Mediathek aufgerufen und angesehen werden. Wer sich auch noch diesen Film ansieht, wird Walter Dostal verstehen können, weshalb er von seinen „Jugendsünden“ nichts mehr … Es beginnt bereits mit der Einleitung, in der von dem „erfolgreichen Ansiedlungsversuch durch Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II.“ … Wer gegen Maria Theresia und Kaiser Joseph 2 so großzügig und wohlwollend sein kann, verdient menschgemäß großzügig und wohlwollend behandelt zu werden von der österreichischen Gesellschaft, also Walter Dostal, nicht die Menschen, die er mit der Kamera besuchte … Wie es damals wirklich war, unter Maria T. und Joseph Habsburg, das nahm die dostalsche Kamera nicht auf … Es war ja auch eine andere Zeit, nur nicht für die Menschen, die noch heute unter Verdächtigungen zu leiden haben, die zurückgehen auf Maria und ihren Sohn … Dabei hätte Walter Dostal das allzu leicht filmen können, als Zeitgenosse von ihnen, wie er sich in diesem Film ausweist, wenn er sich darüber Gedanken macht, was einem Knaben es leicht machen wird, sich zu assimilieren …

Wie großzügig die österreichische Gesellschaft auch sein kann, mußte also beim Lesen des Namens Walter Dostal gedacht werden, wieder einmal gedacht werden, wenn es für … wie hart, unbarmherzig, informationsresistent, wenn es gegen …