Es geht wieder extrem los, mit den massiven Forderungen nach Verurteilungen von Kriegsverbrechen im Krieg, seit dem Einmarsch in die Ukraine, seit dem Angriff auf die Ukraine, und die Forderung nach Verurteilung von Kriegsverbrechern im Krieg ist das Legitimieren von Krieg, Kriegsverbrecherinnen im Krieg zu verurteilen zu wollen, heißt, den Krieg an sich zu rechtfertigen, den Krieg an sich als etwas Gutes zu deuten.
Es könnte gesagt werden, das sei ein Fortschritt der Menschen, daß Kriegsverbrechen zu verurteilen sind, aber es ist kein Fortschritt, daß es Regeln gibt, nach denen das eine und das andere Kriegsverbrechen, nach denen das eine und andere nicht Kriegsverbrechen sind, solange Krieg an sich nicht als Verbrechen in den Strafgesetzbüchern der Staaten dieser Welt geführt wird, solange Krieg an sich nicht als Kapitalverbrechen in den Strafgesetzbüchern der Staaten festgeschrieben ist, haben Menschen das Recht verwirkt, je von einem Fortschritt der Menschheit zu sprechen.
Dies ein Satz über Vilém Flusser, von Rüdiger Zill, zitiert von Raimar Zons in „Die Welt flach legen“ —
Rüdiger Zill erinnert in unserem Zusammenhang an einen anderen Ikarus redivivus, dessen Autobiographie nicht zufällig den Titel Bodenlos trägt. Als die deutsche Wehrmacht 1939 in Prag einmarschierte, begann für den Juden Vilém Flusser die Zeit des Exils […] Das städtische Vorkriegs-Prag, aus dem Vilém Flusser stammte, war durchaus keine ländliche Scholle und kein erdverbundenes, bäuerliches Leben wie das Palästina der zionistischen Schwärmer, noch war es vielmehr der feste Boden, das Symptom der Verwurzelung: sich selbst im Zentrum der Welt zu sehen. Wie Ikarus wurde dem „Luftmenschen“ Flusser dieser Boden entzogen, ja, die absurde Bodenlosigkeit des Flüchtlings und die Grenzenlosigkeit des Luftraums der Geschichte nimt seiner Existenz jegliche Begründung […] Juden, diese „Flugmenschen“, sind ohne Tiefe und ohne Transzendenz. Flusser kehrte solche antisemitsche Zuschreibung für seine eigene Erfahrung des Exils einfach um, indem er Nomadentum nicht nur die Herkunft, sondern auch die Zukunft der Menschen in einer weltweiten Netzgesellschaft nannte. Das Exil sensibilisierte ihn für alle Varianten der Bodenlosigkeit: „Er sei entwurzelt wie eine Pflanze, die aus dem Boden herausgerissen sei, er habe den Grund unter seinen Füßen verloren, schwebe frei in der Luft.“ Die existentielle Erfahrung der Freiheit des Migranten machte ihn also nicht nur immun gegen jeden Nationalismus, sie stiftet auch die Grundlage seiner polylotten, telematischen Medientheorie.
Es erweckt den Anschein, als ob, so wie Zill von Zons zitiert wird, Vilém Flusser selbst sich so sah, wie eine aus dem Boden herausgerissene Pflanze, schwebend frei in der Luft —
Das Wort »absurd« bedeutet ursprünglich »bodenlos«, im Sinn von »ohne Wurzel«. Etwa wie eine Pflanze bodenlos ist, wenn man sie pflückt, um sie in eine Vase zu steilen. Blumen auf dem Frühstückstisch sind Beispiele eines absurden Lebens. Wenn man versucht, sich in solche Blumen einzuleben, dann kann man ihren Drang mitfühlen, Wurzeln zu schlagen und diese Wurzeln in irgendeinen Boden zu treiben. Dieser Drang der entwurzelten Blumen ist die Stimmung des absurden Lebens.
Aber, wie Vilém Flusser es in „Bodenlos“ beschreibt, herausgerissene Pflanzenschweben nicht frei in der Luft, Pflanzen werden ausgerissen, um sie irgendwo zu irgendeinem Zweck aufzubewahren; Blumen auf einen Frühstückstisch etwa, wo sie in einem Vasenkäfig welken —
Auf dem Franz-Jonas-Platz in Floridsdorf beim zufälligen Erblicken eines Koffers, in dem abgerissenes Geäst steckt, wird gedacht, das ist ein anonym errichtetes Kunstwerk, bei dem es nicht um den Namen des schöpferischen Menschen geht, sondern allein darum, Begriffe anschaulich darzustellen, Begriffe, die ohne Anschauung leer sind —
Anschauung ohne Begriffe aber ist blind. Der Koffer mit seiner herausgerissenen und in ihm eingezwängten Staude auf dem Franz-Jonas-Platz in Wien ist, wird weiter sofort gedacht, die Anschauung der Begriffe Exil, Migration, Freiheit, Bodenlosigkeit —
Anschauung mit Begriffen ist jedoch erst das halbwegs gute Sehen mit einem Auge. Um mit einem Auge gut zu sehen, muß die Darstellung zur Anschauung auch das von den Begriffen Exil, Migration, Freiheit, Bodenlosigkeit beherrschte Leben eines Menschen vermitteln, und dies tut der in den Koffer gesteckte Strauch.
Das verkündeten Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) am Mittwoch nach dem Ministerrat. Man tue dies, sagt der Bundeskanzler, um der Unsicherheit und den Desinformationen durch den Kriegstreiber Russland entgegenzuwirken. Einerseits wurde am Dienstag verordnet, dass das Großverbraucher ihren Energie-Antrieb umrüsten und für Erdöl bereit machen sollen. Zweitens wurde die Bevölkerung offiziell aufgerufen, beim Energiesparen mitzuhelfen. Gewessler betont dabei, dass es jetzt wichtig sei, die Therme warten zu lassen, die Heizungen zu entlüften und andere Energiesparmaßnahmen umzusetzen. Damit könne bis zu 15 Prozent des Gasverbrauchs gespart werden.
Dies ist in der Tageszeitung „Kurier“ am 6. Juli 2022 zu lesen.
Wenn Xi Jinping in dem Beitrag vom 19. April 2006 „die sozialistischen Dörfer neuen Typs“ erwähnt, spricht er die erlittenen Verluste und den hohen Preis an, den die Menschen beim Eintritt in die Industriegesellschaft gerade in den ländlichen Gebieten zu zahlen hatten. Bewusst bezieht sich Xi Jinping bei seinen Vorstellungen von der Modernisierung auf Friedrich Hölderlin und dessen Hymne „In lieblicher Bläue“, auf den sich im deutschen Modernisierungsdiskurs auch Martin Heidegger immer wieder bezieht, so wenn er den Satz zitiert: „Schwer verlässt / Was nahe dem Ursprung wohnet, den Ort“. Xi Jinping will dafür sorgen, dass die „Menschen im Einklang mit der Natur leben und ihnen lückenlose öffentliche Dienstleistungen […] zur Verfügung stehen, adressiert mit seinem Hinweis auf Hölderlin dann doch aber weniger die Landbewohner als die Literaten und damit die Elite.
Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt, Oh ihr Guten! auch wir sind Tatenarm und gedankenvoll!
Der vorliegende Band vereinigt das gesamte poetische Werk Friedrich Hölderlins und ordnet die Gedichte in chronologischer Reihenfolge, einschließlich der Entwürfe, größeren Fragemente und Skizzen (1791-1806), der Pläne, Bruchstücke und Notizen sowie der späteren Gedichte, die in der Zeit der geistigen Umnachtung (1807-1843) entstanden sind.
„In lieblicher Bläue“ soll 1808, so die bevorzugte Datierung, entstanden sein, also in der Zeit „geistiger Umnachtung“, wenn es denn von Friedrich Hölderlin, und ihm von Waiblinger gestohlen für seinen Briefroman, der für „In lieblicher Bläue“ einzig gedruckter Nachweis ist. Ein handschriftliches Original von „In lieblicher Bläue“ von Hölderlin gibt es nicht. Oder „In lieblicher Bläue“, das nicht als Titel im Briefroman Phaëton geführt ist, sondern „In lieblicher Bläue“ ist einfach wie kurz der Beginn des ersten Satzes: „In lieblicher Bläue blühet mit dem metallenen Dache der Kirchthurm.“, doch von Waiblinger selbst —
Es herrscht deswegen Angst, und neue Tabus werden errichtet. So wird etwa das Zeichen cui 翠, das in China für die Farbe „Smaragdgrün“, aber auch für den Eisvogel steht, in den sozialen Netzwerken Chinas zensiert, weil es aus Elementen besteht, die den Familiennamen des Staatsoberhauptes Xi Jinping 習近平 / 习近平 bezeichnen, nämlich xi 習 „Lernen“, verbunden mit dem Zeichen zu 卒, welches für „Sterben“ steht.
Das berichtet Helwig Schmidt-Glintzer in „Der Edle und der Ochse – Chinas Eliten und ihr moralischer Kompass“.
Durch seine Angst vor den Menschen, die in seinem Namen die Zeichen vorfinden, die ihn bis zur Kenntlichkeit entblößen, entblößt er sich durch Zensureinsatz bis zur Lächerlichkeit —
Im Buch von Helwig Schmidt-Glintzer nehmen „Literaturbeamte“ einen prominenten und wichtigen Platz ein, so endet das Buch auch folgerichtig mit einem.
Zur Aufösung der aus solchen Ängsten resultierenden Lähmung und zur Freisetzung von Lebendigkeit und Kreativität bedarf es nicht zu letzt des „hehren Beamten“, der sowohl im Bild des Ochsen als auch des Edlen tradiert wird. Einen solchen Typus beschwört auch […]
Es ist aber nicht Xi Jinping, von dessen Heranziehung seines Vaters im Buch auch gesprochen wird, der einen solchen Typus beschwört —
in seinem Vater, dem Dichter Ai Qing 艾青 (1910-1996), vom dem er schreibt: „Stoisch ertrug er sämtliche Schicksalschläge. Er war als tolerant, redlich und selbstlos bekannt. Trotz allen Unglücks hat er weder den Glauben an die Gerechtigkeit noch seine freimütige Unschuld verloren […]
Sie werden wohl nicht gelesen haben, was er über seinen Vater schreibt, das auch nicht das Entscheidende ist; das Wesentliche ist, was Sie lesen sollten, wenn Sie es nicht schon gelesen haben, was er, der Sohn, über die Ihnen so nahen Unternehmen schreibt, sagt, die —
Es ist gut, von der Angst der Diktatoren vor einem Zeichen zu erfahren, denn sie, die Diktatorinnen wissen zu genau, ein Zeichen genügt, und es ist mit ihren Diktaturen vorbei, und das hat das Wissen von allen zu sein, daß ein Zeichen genügt, und es vorbei ist, mit jedweder Diktatur, mit einem einzigen Zeichen ist jedwede Diktatur zu stürzen, und mit jedweder gestürzten Diktatur verschwindet zugleich auch jedwede Lächerlichkeit, die Lächerlichkeit, die nicht erst wie beim Österreicher im Nachhinein festgestellt werden wollte, sondern die während jedweder Diktatur festzustellen ist, die das Regime jedweder Diktatur ist, die Lächerlichkeit, die Wesenskern ist einer jedweden Diktatur —
Es wird immer noch weiter und weiter von Patriotismus unaufhörlich geschwefelt, besonders aber wieder seit dem Februar 2022, nicht nur von jenen, die morden, aber besonders von jenen, die für den Patriotismus morden und die für den Patriotismus sich morden lassen, und die bestätigen, wieder einmal, seit dem Februar 2022 wieder einmal besonders, was Jules Renard vor weit einhundertzwanzig Jahren zum Patriotismus schreibt:
Zuletzt steckt in jedem Patriotismus der Krieg.
Jules Renard zog vor weit über einhundertzwanzig Jahren die Konsequenz daraus, den Satz, daß zuletzt in jedem Patriotismus der Krieg steckt, mit dem Bekenntnis zu beenden:
Beinahe ein Jahrzehnt zuvor schreibt Jules Renard, vor weit über einhundertdreißig Jahren:
Ein Volk sollte den Krieg fürchten wie der einzelne den Tod.
Die Liebe zur Fahne, zum Vaterland, dies eben ist es, was dort ganz verloren in den hinteren Reihen den kleinen Soldaten, der seinen Fuß nachzieht und dessen Gesicht vor lauter Wagenschmiere glänzt, doch noch glauben läßt, alle schauten nur auf ihn, so als wäre er ein Oberst zu Pferd.
Es ist bedauerlich, dass mit der Indexierung der Familienbeihilfe erneut ein derart zentrales Integrationsvorhaben von einem Höchstgericht gekippt wurde.
Das schreibt Laura Sachslehner, Generalsekretärin der christschwarzen Partei in Österreich, auf der Plattform des Konzerns Twitter, am 16. Juni 2022, und es kann, einfach wie kurz gesagt, verstanden werden, daß ihr, Sachslehner, „Deutschkenntnisse zentraler Baustein“ sind.
Deshalb setzen wir uns weiter dafür ein, dass Deutschkenntnisse zentraler Baustein einer erfolgreichen Integration sind. Wir werden weiter dafür kämpfen, den politischen Islam in d. Schranken zu weisen und bei Sozialleistungen zu unterscheiden, ob jemand im In- oder Ausland lebt.
Denn. Wer nur „Deutschkenntnisse“ hat, wird nicht fragen, wie eine „Indexierung der Familienbeihilfe“ ein „Vorhaben“ der „Integration“ sein kann. Wer bloße „Deutschkenntnisse“ hat, wird meinen, Desintegrationsvorhaben bedeutet dasselbe wie Integrationsvorhaben, wer nur Deutschkenntnisse hat, setzt sich dafür ein, daß DesintegrationsvorhabenIntegrationsvorhaben gleichgestellt,
Aber: Wir lassen uns nicht von unserem Kurs abbringen. Es braucht Gerechtigkeit im österreichischen Beihilfensystem!
Desintegrationsvorhaben als Integrationsvorhaben „Gerechtigkeit“ widerfährt —
Das „hier-sein“ alleine könne, schreibt Laura Sachslehner zum Beweis ihrer tiefsten Deutschkenntnisse, keinesfalls reichen.
Wer als Zuwanderer die Staatsbürgerschaft erlangen will, muss einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und sich zuvor in Österreich integrieren. Das ‚hier-sein‘ alleine kann dafür keinesfalls reichen. (5/5)
Tiefste Deutschkenntnisse gepaart mit tiefster Inhaltlichkeit, aber auch gepaart
Insgesamt 16.000 Asylansuchen wurden heuer bereits gestellt. Die allermeisten Asylwerber stammen aus Afghanistan & Syrien. Damit leidet Österreich an der pro Kopf zweithöchsten Belastung durch Asylanträge in der EU. Zwischen den Kriegsvertriebenen aus der Ukraine & allen anderen Migranten, die meist aus wirtschaftlichen Gründen nach Österreich wollen, muss unterschieden werden.
Keine zweite Mandatarin auf dieser Welt, keine zweite Funktionärin einer Partei auf dieser Welt hat die Gabe, hat die Kenntnisse, eine derart inhaltsreiche, eine derart politisch fundierte Website zu schaffen, kann mit einer einzigen Website auf so beeindruckende Weise darstellen, zutiefst integriert zu sein —
Laura Sachslehner HERZLICH WILLKOMMEN! JETZT UNTERSTÜTZEN
Generalsekretärin der Volkspartei Landtagsabgeordnete & Gemeinderätin in Wien
* Mit Absenden dieses Formulars erkläre ich mich damit einverstanden, dass mich Laura Sachslehner und ihr Team per E-Mail über aktuelle politische Themen und Ereignisse, geplante Veranstaltungen und Berichte darüber informiert und meine Daten zu diesem Zweck verarbeitet. Datenschutzerklärung
So führen die Wege mit dem Dichter nach Steyr. So führen die Wege mit der Maschinenfabrik Augsburg–Nürnberg, in der Rudolf Diesel seinen Dieselmotor entwickelte, nach Steyr, wo ihr Werk erst vor kurzem von einem übernommen wurde, den alle, als wären, einfach wie kurz gesagt, in diesem Land alle mit ihm befreundet, verwandt, aus seiner Familie, zärtlich bei seinem Spitznamen rufen, vielleicht aber rufen ihn alle deshalb bei seinem Spitznamen, aus Bewunderung, weil er gar erfindungsreich und dichtfreudig mit Steuern …
Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg ist lange schon unter einem anderen Namen bekannt. Vor langer, langer Zeit bereits nannte sie sich um, und ist nun bekannt als „MAN“ —
Kurz ist es also her, daß der erfindungsreiche Steuerdichtfreudige das Werk in Steyr von MAN übernahm. Es kann dabei ins Grübeln gekommen werden. Was wäre gewesen, wenn das Rudolf-Diesel-Konzept „einer solidarischen Wirtschaft, bei der die ehemals abhängig Beschäftigten die Finanzierung, Produktion und Verteilung von Gütern selbst in die Hand nehmen“, bereits real existierte, und das nicht nur in Österreich —
Wie wäre es gewesen, kann auch mit Blick in die Vergangenheit weiter gegrübelt werden, wenn das Rudolf-Diesel-Konzept zur Lösung der sozialen Frage bereits vor gut einhundertzwanzig Jahren weltweit real umgesetzt gewesen wäre, die solidarische Wirtschaft, in der die ehemals abhängig Beschäftigten die Finanzierung, Produktion und Verteilung von Gütern selbst in der Hand haben —
Hätte es dann dennoch Konzerne gegen die Menschlichkeit gegeben? Wie beispielsweise MAN, die heute, wie in diesem Juni 2022 auf dessen Website zu lesen ist, noch so tapfer sich darstellen …
[i]m Zweiten Weltkrieg sind die Werke Nürnberg und Augsburg immer wieder Ziel von Luftangriffen. Dennoch wird die Produktion von zivilen Nutzfahrzeugen so lange wie möglich aufrechterhalten. Gleichzeitig werden vor allem Panzer oder auch Busse und Lkw als Heeresfahrzeuge hergestellt, z.B. der „Einheitsdiesel“ mit Allradantrieb. Ende 1944 werden die Hallen und Produktionsmaschinen fast vollständig zerstört.
Trotz der von MAN wohl als Unmenschlichkeit, empfundenen Luftangriffe hielt MAN so lange wie möglich die Produktion aufrecht – und was für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit muß es MAN immer noch erscheinen, ihm, dem Konzern, die Hallen und Produktionsmaschinen zerstört zu haben … Was für eine Tat der Menschlichkeit hingegen, mit Zwangsarbeit, mit Panzern, mit Heeresfahrzeugen und so fort dem Österreicher beigestanden zu haben – sein Profit die Ehre, tapfer für ein Volk, ein Reich, ein Motor —
Konzept einer solidarischen Wirtschaft,bei der die ehemals abhängig Beschäftigtendie Finanzierung, Produktion und Verteilung von Güternselbst in die Hand nehmen.
Im Studio 2 am letzten Montag hat Fritz Dittlbacher, Historiker des Studios 2 und ZIB-Chefreporter, von Rudolf Diesel erzählt. Anlaß: 125 Jahre Dieselmotor. Präsentation des ersten Dieselmotors am 16. Juni 1897.
Fritz Dittlbacher weiß viel von Rudolf Diesel zu erzählen, von seiner Herkunft, von seinem Geburtsland, von seiner Schul- und Studiumszeit, von seiner mit Linde gemeinsamen Erfindung von Kühlschränken und Kühlmaschinen.
Fritz Dittlbacher weiß viel von Rudolf Diesel zu erzählen, von der Entwicklung des Dieselmotors, von seinem schweren Unfall, von seinem Tod knapp ein Jahr vor dem Krieg von 1914 bis 1918.
Fritz Dittlbacher weiß zu erzählen, daß „Carl Linde dabei geschickt war – „die Linde AG ist heute noch ein Milliardenkonzern mit fünfundsiebzigtausend Mitarbeitern weltweit […] Diesel ist relativ rasch aus diesem Geschäft ausgestiegen“ — Fritz Dittlbacher weiß, daß Rudolf Diesel „ein genialer Techniker war, aber ein ganz schlechter Kaufmann“ —
Fritz Dittlbacher weiß zu erzählen, „der Name ist so berühmt, daß sich wirklich sogar ein Milliardenkonzern in Frankreich, ein Modekonzern, sich Diesel genannt hat“ —
Fritz Dittlbacher weiß auch zu erzählen, „seine Frau hat allerdings dann festgestellt, auch das hat zu Rudolf Diesel dazugehört, er war fast bankrott, er hat noch ein bissel Bargeld gehabt, aber nichts mehr am Konto“ —
Und Fritz Dittlbacher spekuliert, „aber möglicherweise jetzt, wenn der Dieselmotor eben verboten wird, wie letzte Woche im EU-Parlament für Europa beschlossen, vielleicht verblaßt dann auch der Name.“ Und Birgit Fenderl: „Wir haben schon gewitzelt, daß es dann E-Jeans vielleicht gibt“ —
Fritz Dittlbacher hat zu seiner Erzählung über Rudolf Diesel auch ein Foto herausgesucht, wie Rudolf Diesel kurz vor seinem Tod ausgesehen hat, als er „etwas über fünfzig Jahre alt“ war.
Kein Foto hat Fritz Dittlbacher von der „Hauptleistung“ des Rudolf Diesel herausgesucht und in der Sendung hergezeigt – das hätte ein Foto von einem Buchumschlag sein müssen. Fritz Dittlbacher zeigt kein Foto von der Leistung her, die Rudolf Diesel selbst als seine „Hauptleistung“ einstufte. Deshalb wurde hier ein Foto herausgesucht, das den Buchumschlag seiner Hauptleistung zeigt. Es ist kein Dieselmotor abgebildet, sondern eine Druckerei, die Produkte des Lesens herstellt; eine bessere und passendere Abbildung zur Hauptleistung des Rudolf Diesel kann es nicht geben: Druckereien, Inbegriff der Bildung —
Die Erfindung des Dieselmotors war für Rudolf Diesel selbst eine, der er keine große Bedeutung zumaß; für ihn eine Nebensache, die aber für, auch für Fritz Dittlbacher die Hauptsache —
Daß ich den Dieselmotor erfunden habe, ist schön und gut. Aber meine Hauptleistung ist, daß ich die soziale Frage gelöst habe.
Er wußte wohl um die Vergänglichkeit von technischen Erfindungen, von der Unerheblichkeit technischer Entwickungen, und er wußte wohl um den unvergänglichen Wert der „sozialen Frage“. Nach einhundertfünfundzwanzig Jahren ist es beschlossen, der Dieselmotor wird aus der Welt verschwinden, an den in Museen wohl nostalgisch erinnert werden wird, zur Verklärung des Fortschritts der Menschheit, der in Wahrheit stets doch nur im Technischen einer ist, wenn dies denn Fortschritt genannt werden will; ein Fortschritt, der „schön und gut ist“. Aber“ —
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