Österreichs Hollerjahre

Aber soll ich jetzt Leute an die Regierung holen, damit sie dort viel Schaden anrichten, damit sie nachher entzaubert sind? Das leuchtet mir nicht ein.

In ein paar Tagen werden es fünf Jahre her sein, als Staatsoberhaupt dies sagte, von der „Zeit“ im Juni 2017 veröffentlicht. Staatsoberhaupt holte „Leute an die Regierung“ – und dann kam in alphabetischer Reihung: Chäta türkis, Corona, Ibiza, Krieg

Fünf Jahre später erzählt Staatsoberhaupt, wieder in einem Interview, seine Geschichte, die er einem Bundespräsidenten angemessen für die Staatsgeschichte hält; was dann kam, nachdem er diese Leute „an die Regierung“ holte, „damit sie dort viel Schaden anrichten“, war, und er zählt seine Abfolge der Geschichte in seiner ihm wichtigen und genehmen Reihung auf: Ibiza, Pandemie, Krieg —

Staatsoberhaupt fragt dabei aber nicht, wie er bei Ibiza nach dem dritten Punkt fragt, was war das Vierte; es soll ja nicht wer auf die Idee gebracht werden, es könnte über Ibiza noch etwa gegeben haben und immer noch geben, an das zu erinnern ist, an das aber im Grunde zu erinnern gar nicht gebraucht wird, denn es schadet und schadet, schadet weiter …

Vor fünf Jahren sagt Alexander Van der Bellen: „Staatsoberhaupt? Das ist ja irreführend.“ Und fünf Jahre später, ruft er sich selbst „Staatsoberhaupt“ —

Vor fünf Jahren wird er gefragt, ob er sich mächtig fühle. Seine Antwort: „Nein. Der Bundespräsident gilt als Staatsoberhaupt, das ist ja irreführend. In ganz wenigen Fällen, also wenn es nach der Nationalratswahl um die Regierungsbildung geht, ist der Präsident ziemlich frei in seinen Entscheidungen.“ Vor fünf Jahren sagt Alexander Van der Bellen, der sich nun selbst „irreführend“ Staatsoberhaupt ruft, zu Armin Wolf: „Ein Gerücht, dass er nach dem Platzen der Großen Koalition eine Minderheitsregierung unter SPÖ-Kanzler Kern verhindert habe, wollte Van der Bellen nicht kommentieren. „Vertrauliche Gespräche bleiben auch hinterher vertraulich,“ —

Wie wird doch um Transparenz, um Aufhebung der Amtsverschwiegenheit in Österreich gerungen, und da tritt Staatsoberhaupt immer wieder hin, mit seinem Beharren auf Vertraulichkeit, zieht mit dieser nun in seinen letztnächsten Wahlkampf —

Staatsoberhaupt hat die Verhinderung einer Minderheitsregierung unter SPÖ-Kanzler Kern nicht dementiert. Er will das nur vertraulich haben. Also hat Staatsoberhaupt dies aktiv verhindert. Sollte Staatsoberhaupt aber das unangenehm sein, so steht es ihm frei, den Weg der Transparenz zu wählen, das altbackene Verständnis von Amtsverschwiegenheit, das ihm wohl gelehrt, als er ein Volksschulkind war, aufzugeben; um es endgültig zu klären —

Er ist, sagt Staatsoberhaupt, ziemlich frei in seinen Entscheidungen, wenn es um die Regierungsbildung geht. Was Staatsoberhaupt nicht verhinderte, sondern aktiv frei entschied, war, identitäre Leute an die Regierung zu holen, die dort, was von ihnen zu erwarten war, viel Schaden anrichteten, aber auch noch Leute an die Regierung holt, die dort, von denen es nicht in diesem Ausmaß zu erwarten war, noch mehr Schaden

ZEIT: Ist die FPÖ für Sie eine rechte Partei? Van der Bellen: Das ist eine triviale Frage, ich werde sie nicht beantworten. ZEIT: Erklären Sie mir, warum man so eine einfache Frage nicht beantworten kann. Van der Bellen: Wenn Sie ausländische Medien lesen, dann variiert die Beschreibung zwischen rechts außen, rechtsextrem, weit rechts. In Österreich ist man ein bisschen sensibel bei diesen Zuschreibungen. Historisch gesehen ist es nicht unheikel. Rechts waren traditionell Militaristen, Kriegshetzer. Das ist für mich rechts. Davon ist die FPÖ natürlich weit entfernt.

Vor fünf Jahren will Staatsoberhaupt eine „triviale Frage“ nicht beantworten, und er beantwortet sie dann doch sogleich. Beharrt ein weiteres Mal darauf, in seinem fortgesetzen Gang der Entcouragierung, in Österreich, als das er sich versteht, sensibel bei diesen Zuschreibungen

Für Staatsoberhaupt sind „Militaristen, Kriegshetzer traditionell rechts“ und „natürlich ist die FPÖ“ für ihn „davon weit entfernt.“ Wie weit entfernt sie davon ist, hat besonders der von Staatsoberhaupt für kurz angelobte Vizekanzler beispielhaft vermessen: kein Militarist, nur ein Paintballspieler, kein Kriegshetzer, nur ein Bürgerkriegsherbeireder, ja, nicht einmal ein Nationalist, nur ein Patriot, wie Putin beispielsweise auch einer ist

Nun aber ist für Staatsoberhaupt, länger schon als offiziell verkündet, Wahlkampfzeit, und es muß wieder der Joker her, der einzige wohl, um noch einmal die Wahl …

Vor fünf Jahren sagt Staatsoberhaupt auch dies:

„Wünschen kann ich mir viel“, war am Montag sein Kommentar. Wenn man das fordere, müsse man sich der Situation in Libyen bewusst sein. Die Macht der dortigen Zentralregierung sei “sehr beschränkt, um es vornehm auszudrücken“, mehrere „Stämme“ und Gruppen hätten in verschiedenen Landesteilen das Sagen – und somit sei nicht klar, mit wem man über die Rücknahme von Flüchtlingen verhandeln könnte. Sinnvoller wäre es, wenn man die Migrationsursachen in den Herkunftsländern untersucht und versucht, mit diesen Regierungen Maßnahmen zu ergreifen, um die Abwanderung zu stoppen, meinte Van der Bellen.

Abwanderung zu stoppen, sagt Staatsoberhaupt, andere sagen stattdessen, und wer diese sind, muß nicht ein weiteres Mal ausgeführt werden, Einwanderung zu stoppen, das klingt menschgemäß nicht so vornehm

Das war vor fünf Jahren die Antwort von Staatsoberhaupt auf die Frage, in der das Wort „Vollholler“ fiel, das 2017 gleich zum „Wort des Jahres“ gewählt wurde.

„Vollholler“, Wort des Jahres. So viel Holler in all den Jahren. In die Geschichtsbücher werden diese Jahre Österreichs eingehen als

Die Hollerjahre von Österreich —

Von Juni bis Juni in Österreich Holler-Saison, und ein einziger, der den Holler pflückt; der Holunderpflücker dafür zwar unbezahlt und dabei doch reichlich versorgt, und unterstützt von Staatsoberhaupt, der ihm die Stange seines Hollerpflücksackes …

Iran, auf dem Weg zur Atombombe und das von Staatsoberhaupt „sehr geschätzte freundliche Gesicht des Terrors“ im Paradies des Antisemitismus

Westliche Diplomaten warnen seit Monaten, dass die Wiederherstellung des Atomabkommens von 2015 immer unwahrscheinlicher werde, je weiter der Iran insbesondere die Uran-Anreicherung vorantreibe. Der Iran nähert sich laut Internationaler Atomenergiebehörde (IAEA) einer signifikanten Hürde bei der Herstellung von atomwaffentauglichem Material. Die Islamische Republik habe 43,1 Kilogramm Uran bis zu einem Reinheitsgrad von 60 Prozent angereichert, hieß am Montag in einem Bericht der Organisation in Wien. Rund 50 Kilogramm würden für eine Atomwaffe genügen, falls das Material noch etwas höher auf 90 Prozent angereichert würde, sagte dazu ein hochrangiger Diplomat, der das iranische Atomprogramm seit langem beobachtet. Der Iran verfügt nach Angaben der IAEA über 18-mal mehr angereichertes Uran als im internationalen Atomabkommen von 2015 vereinbart. Laut dem Bericht befanden sich Mitte Mai schätzungsweise 3.809,3 Kilogramm angereichertes Uran in den Beständen des Landes. In dem Abkommen, das 2018 von den USA einseitig aufgekündigt worden war, hatte sich der Iran zu einer Höchstgrenze von 202,8 Kilogramm verpflichtet. Die USA stiegen unter dem früheren Präsidenten Donald Trump 2018 einseitig aus dem Abkommen aus. In der Folge hielt auch Teheran seine Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht mehr ein und weitete sein Atomprogramm wieder aus.

Ein grey boy hat das Abkommen aufgekündigt, also von dem „Aber wir haben doch Vertrauen in diesen Partner“

Wegen dieses „Partners“ war Staaatsoberhaupt die Pflicht auferlegt, dem „Schlächter von Teheran“ über alle Maßen zu gratulieren, auf daß mit ihm den „Iran-Atomdeal neu verhandelt“ werde, das ein Interesse Österreichs sei —

Es bestehe eine „Resthoffnung“, dass es mit einem „Hardliner der iranischen Innenpolitik“ vielleicht eher zu einer Regelung komme, als mit dem „von mir sehr geschätzten Präsidenten (Hassan) Rouhani, der aber zu wenig innenpolitischen Rückhalt hatte, um das umzusetzen, was er wollte“, erklärte Van der Bellen weiter. Die Glückwunsche seien mit dem Außenministerium abgesprochen gewesen.

„Die Glückwünsche seien mit dem Außenministerium abgesprochen gewesen“, also mit dem von dem Partner des Vertrauens geführten Ministerium —

Der „Schlächter von Teheran“ – ein „Hardliner“, mit dem es „vielleicht eher zu einer Regelung komme“, so Staatsoberhaupt, „als mit dem …“ nach den aktuellsten Berichten bleibt es wohl nur beim „Vielleicht“. Bei keinem „Vielleicht“ bleibt es nach den aktuellsten Berichten mit dem Hardliner von Teheran beim Bau der Atombombe …

… „von mir sehr geschätzten Präsidenten (Hassan) Rouhani, der aber zu wenig innenpolitischen Rückhalt hatte, um das umzusetzen, was er wollte“ — Ach, der arme, arme, herzensgute Präsident, der, ohne innenpolitischen Rückhalt, nicht umsetzen konnte, was er wollte … Und weil der von Staatsoberhaupt „sehr geschätzte Präsident“ nicht umsetzen konnte, was er wollte, setzte er um, wofür er reichlich innenpolitischen Rückhalt hatte —

Völlig zu Recht rühmte Rohani sich, dass durch sein Verhandlungsgeschick gegenüber den EU-3 (Großbritannien, Frankreich und Deutschland) das iranische Atomprogramm während seiner Zeit als Chefunterhändler unter dem Präsidenten Khatami entscheidend vorangekommen ist. So könnte es nun weitergehen: Rohani wird mit dem Segen Khameneis versuchen, durch neue Verhandlungsrunden Zeit zu schinden, die das Regime nutzen kann, seine nukleare Option zu verwirklichen.

Ein Präsident aber läßt es nicht nur dabei, eine Sache umzusetzen, die er will, sondern es bleibt reichlich Zeit für viele Umsetzungen, zum Beispiel:

Es war nach 1945 einer der opferreichsten antisemitischen Anschläge außerhalb Israels: 1994 explodierte eine Bombe im jüdischen Gemeindezentrum in Buenos Aires. 85 Menschen wurden ermordet, hunderte schwer verletzt. Die argentinische Justiz macht bis heute die Machthaber in Teheran und die Hisbollah für den Anschlag verantwortlich. Interpol sucht Spitzen des iranischen Regimes wegen der Attacke mit internationalem Haftbefehl. In einem Bericht des argentinischen Generalstaatsanwalts, Alberto Nisman, kann man nachlesen, dass die Entscheidung zu dem Massaker von einem Sonderausschuss gefällt wurde, der eng mit dem Nationalen Sicherheitsrat des iranischen Regimes verbunden war. Hassan Rohani, der dauerlächelnde Sieger der iranischen Präsidentschaftswahlen, war zu dieser Zeit als enger Vertrauter des Obersten Geistlichen Führers, Ali Khamenei, Sekretär des Rates.

Doch auch jenseits seiner Mitverantwortung für die Ermordung von 85 Menschen in der argentinischen Hauptstadt ist Rohani in keiner Hinsicht jener „Mann des Ausgleichs und der Versöhnung”, als der er in zahlreichen Medienberichten verklärt wird, oder gar ein „bärtiger Hoffnungsträger mit Herz“, als den ihn die deutsche „taz“ porträtiert hat. An der Verfasstheit der „Islamischen Republik“, die in den letzten Jahrzehnten tausende Iraner das Leben gekostet und Millionen ins Exil getrieben hat, wird sich nichts Wesentliches ändern. Die das Regime konstituierenden, miteinander konkurrierenden Fraktionen streiten nicht darüber, was die grundsätzlichen Ziele der „Islamischen Republik“ sind, sondern wie diese am besten umgesetzt werden können.

Rohani forderte 1999 die Todesstrafe für protestierende Studenten. Israel ist für ihn wie für alle Vertreter des iranischen Regimes ein „elendes Land“, der „große zionistische Satan“, gegen den er die „vollständige Wiederherstellung der Rechte des palästinensischen Volkes“ fordert – was das Gleiche meint wie jene Äußerung seines Chefs Khamenei, dass Israel ein „Krebsgeschwür“ sei, „das herausgeschnitten werden sollte und herausgeschnitten werden wird“. Doch Rohani ist bestens in der Lage, in jenem pseudodiplomatischen Jargon zu formulieren, der auf die Bedürfnisse feinfühliger Europäer etwas mehr Rücksichten nimmt, als Ahmadinejad das getan hat.

So ein Präsident kann für einen Bundespräsidenten Österreichs, dem das Gedenken täglich umgesetzte Evangeliumslektüre ist, freilich nur ein „sehr geschätzter Präsident“ sein, ist doch sein Land nicht bloß im Glauben existierendes, sondern ein wirkliches Paradies, das wirklich besucht werden kann, in das vor allem Männer wirklich vor der hiesigen Hölle der Geschichtsschreibung fliehen können, in das für sie einzige Paradies ihrer geschichtlichen Wahrheit

In einer Sache steht Österreich dem vor allem der Männer Paradies nicht nach, auch in diesem vom Meer umbrandeten Land, gibt es einen Mann, reichgelobt für sein „freundliches Gesicht“ , ob seines freundlichen Gesichts wählbar für mehr als zwei Drittel …

Das wird Staatsoberhaupt wohl gekränkt haben, daß in der Partei, die er einst führte, seine Wünsche an den Hardliner von Teheran ihm kein Lob einbrachten, sondern …

Deutliche Kritik an Van der Bellens Gratulation nach der Wahl im Iran hatten die Grünen geäußert. „Bei aller Wichtigkeit bilateraler Beziehungen: Diese nicht notwendige Aufwertung des menschenverachtenden und verbrecherischen Regimes und seiner Protagonisten im Iran ist für viele zu Recht befremdlich“, hatte damals die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ewa Ernst-Dziedzic, der „Presse“ gesagt.

Ein paar Monate später, einen auch in Österreich wahrgenommenen Krieg später, beläßt es diese seine Partei nicht damit, Wünsche zu senden, sondern reist in Länder, die …

Wer weiß, wohin sie noch reisen wird, wenn dieser für Österreich so unangenehm wahrgenommene Krieg noch länger dauert, es ein für Österreich ofenkalter Winterkrieg werden könnte, dann könnte das bis jetzt vor allem für Männer seiende Paradies entdeckt werden, auch als ein wärmespendendes Paradies …

Guarantors

Jetzt, da die Ermittlungserkenntnisse des Untersuchungsausschusses bekannt sind,

Trump habe die Demonstranten zu Ausschreitungen „angestachelt“, sagte der Ausschussvorsitzende Bennie Thompson. Die Kapitol-Erstürmung sei „der Höhepunkt eines Putschversuchs“ gewesen, „eines dreisten Versuchs, die Regierung zu stürzen“. „Donald Trump stand im Zentrum dieser Verschwörung“, fuhr Thompson fort. „Die Gewalt war kein Zufall“. Der damals scheidende Präsident habe „den Mob herbeigerufen, den Mob versammelt und die Flamme dieses Angriffs entzündet“, sagte auch Liz Cheney.

muß, was seit dem Tag der Erstürmung des Kapitols im Grunde schon klar war, aber in Österreich zu Beistandsbekundungen für Trump führte, gerade mit Blick auf die Wahl in seinem Spätherbst, das Verhalten von Staatsoberhaupt in Erinnerung gerufen werden, der am Tag des Sturms auf das Kapitol, der am Tag des Putschversuches schreibt:

„I am following with deep concern the populist prodded, anti-democracy attack on the #Capitol in #Washington, the heart of US democracy. The respect for the results of free elections and the peaceful transfer of government power is the foundation of democracy. I am convinced the US will protect these democratic rules even if the current president hesitates. (vdb)“

als hätte Trump – Garant dafür, der Demokratie zu widerstehen – mit seinen Burschenschaften damit gar nichts zu tun, er hat also im Jänner 2021 nicht gezögert, gegen die „demokratischen Regeln“ mit jedweder Gewalt vorzugehen, auch mit Gewalt – Schwerverletzte und zehn Tote – und Staatsoberhaupt hat im Jänner 2021 ebenfalls nicht gezögert zu beweisen, daß er ein Garant dafür ist, nicht zu widerstehen, nicht zu benennen, was klar benannt werden kann, weich an der Seite, die klar als die zu benennen ist, für die demokratische Regeln nichts sind und alles für ihren Mißbrauch, für ihren Gebrauch zum Ausradieren von allen demokratischen Regeln.

Vielleicht dabei beraten vom Wieder-Außenminister „Aber haben wir doch Vertrauen in diesen Partner.“

Der „Partner“: Trump —

Vielleicht hatte Staatsoberhaupt auch nur das mehr oder weniger kurz davor abgelegte Treuegelöbnis auf coup plotter with his proud boys noch im Gedächtnis —

Was sagt das über Staatsoberhaupt, der Seb. K. so lange schon die Stange hält?

Wenn man einen eingebildeten Ungebildeten die Welt erklären lässt. Der 2. WK endete mit einer bedingungslosen Kapitulation.

Das schreibt G. Karner, der nicht Innenminister ist, auf der Plattform des Unternehmens Twitter, am 4. Juni 2022.

Was Sebastian Kurz sagt, wann immer, wie jetzt in einem „Blick“-Interview etwa, hat die Qualität der Unzitierbarkeit, der Nichtwiederholbarkeit, der Belanglosigkeit, eben eines „eingebildeten Ungebildeten“.

G. Karner, der nicht Innenminister ist, zieht zu Recht das Beispiel des Krieges von 1939 bis 1945 heran, zeigt gerade dieser beispielhaft, daß Eingebildete nicht einmal durch ihre vielen, vielen, vielen Besuche von Veranstaltungen des Gedenkens Geschichte zu lernen fähig —

Und das schreibt G. Karner, der nicht Innenminister ist, auch:

Der Mann war Bundeskanzler und hat über mehr als fünf Jahre die Politik in Österreich beschädigt. Wir sollten nachdenken, wie wir geeignetere Menschen in die Politik bringen können.

Nachzudenken ist auch und vor allem ist nachzudenken darüber, wie „geeignete Menschen“, die in der „Politik“ sind, die es auf so vielen politischen Ebenen gibt, aber auch mit den höchsten politischen Ämtern endlich betraut werden, die von so vielen besetzt wurden und werden von … so lange besetzt werden können, ihnen so lange, wie es nach einer alten Redewendung heißt, die Stange gehalten wird —

Die Stange gehalten wird, etwa, um bei diesem von G. Karner, der nicht Innenminister ist, genannten Mann als Beispiel zu bleiben, von Staatsoberhaupt, der dem „eingebildeten Ungebildeten“ so lange, so lange die Stange hielt und weiter die Stange hält, wie sogar seine Bekanntgabe seiner Wiederkandidatur, die er auch mit seinen „Erfahrungen“, die er für das Amt der Bundespräsidentin einbringen könne, als eine gerechtfertigte Kandidatur begründet, und seine versuchten Erklärungen seiner Wiederkandidatur in einem Interview vor zwei Wochen deutlich vor Augen führt.

Staatsoberhaupt, der so viel Wert auf Erinnerung legt, der auch selbst danach eindringlich fragt: „Erinnern Sie sich an gar nix?“ – Ja. Die Erinnerung daran, daß nicht nur Staatsoberhaupt ihm weiter die Stange hält, sondern so viele so lange die Stange hielten, und für ihn so lange bereit waren, zu verdrehen, was nur zu verdrehen ist, für ihn etwa bereit waren, öffentlich einzugestehen, nicht rechnen zu können, für ihn und seine „Familie“ bereit waren, Prozentsätze zu erfinden und zu verbreiten, die nicht das tatsächliche Ergebnis der Wahl —

So lange, so lange bereit waren, am familiären Hütchenspiel, dessen erster „Hütchenspieler“ – wie er sogar von dem für kurz gewesenen Vizekanzler erkannt und bezeichnet wurde, den es dennoch nicht abschreckte, auch mit ihm zu spielen – er war, sich aktiv einzubringen.

Und es ist nicht vorbei. Es ist nicht nur Staatsoberhaupt, der ihm weiter die Stange hält, und vielleicht meint, ihm am besten die Stange weiter halten zu können, wenn auch er weiter im Amt der Bundespräsidentin … es ist vielleicht auch demütige Dankbarkeit dabei, weil auch so viele ihm die Stange halten —

Für einen Moment zwar ließ eine Tageszeitung – für alle, die in ihr schreiben und für sie schreiben wollen, wohl die Krone des österreichischen Journalismus – davon ab, ihm die Stange zu halten und stellte einfach wie kurz fest: „Historischer Holler“, was der „eingebildete Ungebildete“ in einem schweizerischen Medium von sich gab, aber dann besann sie sich anscheinend wieder, wem in Österreich letztlich die Stange zu halten ist, und ließ den Artikel – das ist „Pressefreiheit“, die auch Staatsoberhaupt ein hohes Gut – augenblicklich wieder verschwinden, unaufrufbar, unnachlesbar, aber das hat auch etwas Rührbares, zu meinen, es könne durch Löschen je noch irgend etwas aus der Welt geschafft werden …

Von der freiwilligen Vollstreckung

Kurz nannte Russland eine „Supermacht“. Russland habe eine große Bedeutung in Krisenherden wie Syrien und der Ostukraine, aber auch eine „starke Verantwortung“: „Wir hoffen und erwarten uns auch, dass Russland seinen Beitrag leistet, dass die Menschen dort endlich das erleben können, was sie sich so sehnlich wünschen, nämlich Frieden“, betonte Kurz. Er sprach von nötigen Lösungen am Verhandlungstisch und nicht durch kriegerische Auseinanderaussetzung.

Das sagte der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, im Juni 2018. Als auch Staatsoberhaupt Vladimir Putin Blumen streute – zum Anlaß der Unabhängigkeit der Ökonomie von der Ökologie.

Das im Juni 2018 von der sogenannten Staatsspitze in Österreich Verbreitete ist einfach wie kurz zusammenzufassen: Willige Vollstreckung der putin’schen Propaganda. Die „große Bedeutung“ von dem putinisch geführten Rußland in der Ostukraine kann beispielsweise im Jahresbericht 2013/2014 der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland gelesen werden:

Ukraine / Russland Seit Ende November 2013 kommt die Ukraine nicht zur Ruhe. Die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch gegen das Assoziierungs-/Freihandelsabkommen mit der EU führte zu monatelangen Protesten in der Ukraine, insbesondere auf dem Kiewer Maidan-Platz. Nach der Ablösung Janukowitschs im Frühjahr 2014 folgte erst die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und seit dem Sommer gewalttätige Auseinandersetzungen im Osten des Landes. Durch Russland auch militärisch unterstützte Separatisten suchen die Abspaltung dieses Landesteils und den Anschluss an die Russische Föderation. Der Abschuss einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 298 Todesopfern über der Ostukraine am 17. Juli hat die Situation weiter verschärft. Die EU und die internationale Gemeinschaft begegnen Russland mit einer Politik aus Dialog und Sanktionen. In einer Vielzahl von Gesprächen und Telefonaten hat die Bundesregierung gemeinsam mit europäischen Partnern darauf hingewirkt, Staatspräsident Putin zu einer konstruktiven Haltung gegenüber der Ukraine zu bewegen. In der Folge gab es eine Reihe von Fortschritten, wie die Durchführung der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine im Mai, die Anerkennung des neu gewählten ukrainischen Präsidenten durch Moskau oder die Einrichtung von zwei Beobachtungsmissionen der OSZE. Dennoch hat die Destabilisierung der Ukraine durch Russland angehalten. Deshalb hat die EU in mehreren Stufen Sanktionen verhängt: Nach der Aussetzung des EU-Russland-Gipfels, der Verhängung von Einreise- und Kontensperrungen für einzelne Personen und Unternehmen, der Aussetzung von EU-Projektförderungen in Russland und Handelssanktionen gegenüber der Krim beschloss die EU am 31. Juli 2014 sektorale Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland und verstärkte sie am 12. September. Die Lage in der Ukraine bleibt Ende 2014 angespannt. Die am 5. September 2014 in Minsk von der Ukraine und den prorussischen Separatisten unter Vermittlung der OSZE vereinbarte Waffenruhe ist brüchig. Zusätzlich destabilisierend wirkte die positive Reaktion Russlands auf die illegalen „Parlaments- und Präsidentschaftswahlen“ in den ostukrainischen Regionen Lugansk und Donezk am 2. November 2014.

Mit Verständnis für das Völkerrechtswidrige zog Staatsoberhaupt zwei Jahre später, als es ihm noch nicht mehr als ein Traum war, sich einst Staatsoberhaupt zu rufen, in den Wahlkampf und weitere zwei Jahre später, als ihm der Traum erfüllt, sich Staatsoberhaupt zu rufen, verkündet Staatsoberhaupt, es gibt keine Vertrauenskrise mit dem von Putin geführten Rußland.

Der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, und das nur nebenher noch zur Erinnerung gesagt, streicht auch hervor die „große Bedeutung“ des Führers Rußlands in Syrien – als wäre es der Staatsspitze in Österreich eine von der Dreifaltigkeit auferlegte Pflicht der „Führer“ willige …

„Krisenherde“, ach, die stehen einfach wie Herde in Wohnungen, von denen je nicht gesagt werden kann, wie diese in die Wohnungen kamen, wer die Ofenbauenden waren, wie Nachmietende von Wohnungen auf dem Einzugsfest nur sagen können, der Herd sei schon in der Wohnung gewesen, wer aber diesen gebaut, wer aber diesen zum ersten Mal eingeheizt, kann nicht gesagt werden, bloß, es ist ein Herd der Marke Krise, die bekannt für ihr zuverlässiges Brennen …

Die „Führer“, und das scheint das große Lernen aus der Geschichte zu sein, werden nicht mehr „Führer“ genannnt, sondern, wie von dem Zweimaligen, „Player“, die „einzubinden“ sind, nachgerade so, als wären die „Player“ nicht die, die das Feuer entfachen, sondern …

Und was den Zweimaligen mit Staatsoberhaupt, der auch davon träumt, ein Zweimaliger zu werden, auch eint, ist ihr Wunsch nach „Frieden“ für die Menschen. Für Staatsoberhaupt, dem, wie es scheint, sein Traum in Erfüllung gehen wird, ebenfalls ein Zweimaliger zu werden, kann dem Volk, wie Staatsoberhaupt die Menschen nennt, den „Frieden“ nur bringen ein „Player“ —

Welches zweite Land auf dieser Welt könnte noch so selig stolz wie Österreich auf seine über alle Parteigrenzen hinweg gelebte Willigkeit verweisen, der „Player“ Vollstreckungsinstrumente … Auch in diesem Juni 2018 bewies die dritte Parlamentspartei und für kurz gewesene Regierungspartei ein weiteres Mal, williges Instrument für den Player zu sein, mit dem er spielen kann, was ihm in seinen Ohren die süßeste Melodei …

Putin war auch mit Vizekanzler Christian Strache (FPÖ) zu einem Gespräch zusammengekommen. Strache postete im Anschluss Fotos des „persönlichen Gedankenaustauschs im Österreichischen Bundeskanzleramt“ auf Facebook. Im Vorfeld des Treffens hatte er sich für eine Aufhebung der „leidigen“ Sanktionen ausgesprochen. Seine Partei hat seit 2016 einen Freundschaftsvertrag mit der Kreml-Partei Einiges Russland.

Willig sind in Österreich nicht nur die Männer der Parteien als Vollstrecker des Players Propaganda, sondern auch die Frauen der Parteien, soweit gediehen ist in Österreich die Gleichberechtigung,

Am Abend legte Putin am Schwarzenbergplatz einen Kranz nieder, um an die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung von Wien im April 1945 zu erinnern. Begleitet wurde Putin von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) sowie der Staatssekretärin im Innenministerium, Karoline Edtstadler (ÖVP). Nach kurzem Innenhalten brach Putin zum nächsten Termin Richtung Wirtschaftskammer auf.

Wenn wer aus der Geschichte etwas gelernt hat, genauer, wer es aus dem Gedenken gelernt hat, dann sind es die „Player„, die wissen, es muß mit der Propaganda frühzeitig begonnen, es muß die Propaganda ständig betrieben werden, es muß die Proganda bei jeder sich bietenden Gelegenheit eingesetzt werden, damit sie ihre volle Entfaltung erreicht, wenn sie gebraucht wird, so wie jetzt in der Ukraine, wenn es gilt zu verbreiten, es gehe um die „Befreiung vom Nationalsozialismus“.

Und so standen im Juni 2018 dem Player willig zur Seite zwei Parteifrauen, die eine, die mit ihm in Sulz tanzte, die andere, die auch keine Gelegenheit ausläßt, sich als eine zu präsentieren, die aus der Geschichte das gelernt hat, was für die Gegenwart zu lernen Gebot, für seine Inszenierung als „Befreier vom Nationalsozialismus“

Staatsoberhaupt, von dem gewußt wird, daß er ein Freund der Lyrik, könnte dem Lande Österreich eine neue Hymne schreiben, gibt es doch nicht wenige, die nicht so recht zufrieden sind mit der jetzigen – einen ersten Vers für seine hat er schon gedichtet, einen tief aus der Tradition des Landes empfundenen — oh, was für eine wunderbare Hymne könnte diese werden, steuerte die Melodey auch noch bei der Mann der poetischen Töne …

Mag schon sein, aber was bringt das jetzt?

Blumen für Putin zur Unabhängigkeit der Ökonomie von der Ökologie

Martin Thür: Aber Sie wollen die großen Leitlinien im Blick haben. Verstehen Sie die da Enttäuschungen einiger, daß ausgerechnet ein grüner Bundespräsident nicht vor diesen katastrophalen Auswirkungen gewarnt hat, vor der großen Abhängigkeit Österreichs vor russischer Energie, die dazu führt, daß Putin diesen Angriffskrieg führen konnte.

Der Wiederkandidat: Ich bitte Sie. Seit 40 Jahren beschäftige ich mich mit den Folgen der Klimakrise, seit 25 Jahren ungefähr bin ich in der Politik und habe unermüdlich dafür gearbeitet, daß wir diese Klimakrise ernstnehmen […] Also mir vorzuhalten, daß ich die Energiekrise nicht ernstgenommen hätte […]

Am 5. Juni 2018 muß Staatsoberhaupt befunden haben, vierzig Jahre mit den Folgen der Klimakrise sich zu beschäftigen, fünfundzwanzig Jahre dafür unermüdlich zu arbeiten, sind mehr als genug.

„Genug ist genug“, wie es der Mann ausdrückte, so einfach und kurz ausdrückte, für den Staatsoberhaupt „Bundespräsident“ war, der mit der umfassendsten Expertise, die sich denken läßt, eben wußte: „Wir hatten die Klimakrise“ … Vielleicht hatte er Staatsoberhaupt darüber schon lange davor in Kenntnis gesetzt, ehe er es öffentlich kundtat, hinter der Tapetentür, wo das Refugium der Vertraulichkeit

Van der Bellen sagte auf eine Journalistenfrage, ob es Druck von Seiten des Westens gäbe: „In letzter Zeit gibt es Vorhalte mancher US-Politiker, dass die Abhängigkeit der EU in dieser Beziehung von Russland zu groß ist. Es wird dabei übersehen, dass der Preis für amerikanisches Flüssiggas zwei- oder dreimal höher ist.“ Aus ökonomischer Sicht mache ein Wechsel des Gaslieferanten „wenig Sinn“.

Nach dem die Klimakrise gemeistert, in diesem Land, in dem gar so recht vieles gemeistert, macht ein Sichtwechsel von der Ökologie zur Ökonomie menschgemäß Sinn, ist die unabhängige Hinwendung zu Lieferländern, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie Kriege führten, so nah, wie Bregenz Wien nah, von denen nicht zu erwarten ist, zu überraschen, daß sie „unsere Werte“ je bedrohten, so daß Staatsoberhaupt zum Handeln gezwungen, Panzer der Type Edelweiß in das Wien nahe Bregenz zur …

Staatsoberhaupt hat seine Pflicht getan.

Martin Thür: Kommen wir zum weiteren großen Thema dieser Tage, dem Ukraine-Krieg. Sie warnen heute auch davor, daß – Zitat – Putin-Freunde versuchen würden nach der Macht zu greifen, aber wie paßt das denn zusammen, daß Sie selbst immer wieder in der Vergangenheit auch Verständnis für Wladimir Putin aufgebraucht haben, so wie auch die Bundesregierungen zu dieser Zeit. Können Sie da glaubwürdig vor Putin-Freunden warnen?

Der Wiederkandididat: Ich bin ja kein Putin-Freund nur deswegen, weil ich meine Pflicht als Staatsoberhaupt und Bundespräsident wahrnehme und selbstverständlich auch zum Präsidenten der Russischen Förderation Kontakte hatte.

Martin Thür: Aber Sie haben ja auch zum Beispiel gesagt, es gäbe keine Vertrauenskrise mit Rußland, Sie haben 2016 im Wahlkampf Verständnis für die Annexion der Krim geäußert. Also Sie haben schon Dinge gesagt, die Sie nicht unbedingt hätten sagen müssen.

Der Wiederkandididat: Hätte ich nicht unbedingt sagen müssen. Und ich habe auch schon zugegeben, auch ich, auch ich, bin von den Ereignissen seit dem 24. Februar dieses Jahres überrascht worden. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Auch their best man, once more, their best man, wurde überrascht von den Ereignissen, die acht Jahre zuvor schon hätten passieren können – hätte dann zwei Jahre später der Kandidat im Wahlkampf Verständnis für die Auslöschung der Ukraine gezeigt? Sechs Jahre nach diesem österreichischen Wahlkampf um das Amt der Bundespräsidentin gibt es nur eine Person, nicht auch noch eine Person, sondern nur eine Person, die überrascht sein kann, nämlich Putin, nur Putin darüber überrascht sein kann, nicht in zwei Wochen Kiew einnehmen zu können

Was ist das nur für eine Seltsamkeit mit der Pflicht in diesem Land Österreich, daß zuletzt alle, gleich welcher Weltanschauung sie anhängen, bloß ihre Pflicht gegenüber diktatorischen Regimen …

„Staatsoberhaupt“ scheint ein Spitzname zu sein, der dem Wiederkandidaten selbst allzu gut zu gefallen scheint, wenn er sich selbst so nennt. In der auch in diesem Interview von ihm wieder einmal ob ihrer Schönheit, ihrer Eleganz, ob der Klugheit der sie Schaffenden gelobten österreichischen Verfassung wird so schlicht wie kurz der „Bundespräsident“ „Bundespräsident“ genannt, ein „Staatsoberhaupt“ kommt in ihr nicht vor, dafür – wenn das Alter der Verfassung bedacht wird, ist es keine Überraschung – ein anderes Wort, das auch Staatsoberhaupt bei jeder ihm gebietenden Gelegenheit gar so eindringlich beschwört, gegen das zu sein, was dieses Wort gebiert, was mit diesem Wort bis heute weiter angerichtet wird … Der Wiederkandidat, der derzeit den Beruf des Bundespräsidenten ausübt, ruft sich selbst beim Spitznamen Staatsoberhaupt, oder der derzeit den Beruf des Bundespräsidentenden Nachgehende meint einer Doppelbelastung durch zwei Berufe ausgesetzt zu sein, die des Staatsoberhauptes und die des Bundespräsidenten, wobei es nach der Verfassung nur den Beruf des Bundespräsidenten … wenn das Alter der Verfassung bedacht wird, überrascht es nicht, daß in dieser der Bundespräsident nur ein Mann ist, daß in dieser nicht festgelegt ist, daß auch eine Frau dieses Amt innehaben kann. Und für Staatsoberhaupt als Fan der Verfassung, die vierundzwanzig Jahre vor seiner Geburt eingesetzt wurde, ist eines klar beantwortet: „Es braucht ihn“. Also den Mann als Bundespräsidenten.

Das ist auch so eine Seltsamkeit in diesem Land Österreich. Es wird schon brav und ordentlich gegendert, wie es modern heißt – öffentlich; es will ganz und gar nicht gehört werden, was dazu gedacht wird … Aber es wird gemacht, das Gendern. Nur, wenn es um das Amt des „Staatsoberhauptes“ geht, sprechen doch alle nur vom „Bundespräsidenten“, vom Mann, der einzig dieses Amt … Auch in diesem Interview beispielhaft Bundespräsident und Interviewer. Sonst ist auch der derzeitige Bundespräsident, auch er, ein geübter, braver und fleißiger Genderer. Wie es „ihn“, meint Staatsoberhaupt am Strand mit dem Horizont vor ihm, braucht, braucht es die Frauen, so ist es nach der nun hundertundzwei Jahre alten Verfassung in Österreich abgesegneten Verteilung, bloß, um zu wählen

PS Es hätte das Kapitel einen anderen Verlauf nehmen sollen, aber es hat sich selbständig gemacht, es hat wohl befunden, es ist wichtiger, darüber zu schreiben, wie die Rollen der Geschlechter in diesem Land seit Gottes Griff in die Mannesbrust … Und das Kapitel will auch nicht, daß es mit dem, was in diesem Kapitel eigentlich geschrieben werden wollte, fortgsetzt wird. Das kann auch, so essentiell es ist , in einem weiteren Kapitel —

Arbeitsprofit

Martin Thür: Eine ganz essentielle Aufgabe des Bundespräsidenten ist die Angelobung. Hundertsechsundfünfzigmal mußten Sie bereits Personen angeloben, in unterschiedlichsten Funktionen. Ein recht ordentlicher Wert. Die hundertsiebenundfünfzigste wird vermutlich Martin Kocher werden. Er soll mit dem neuen Ministeriumsgesetz Arbeits- und Wirtschaftsminister werden. Ist das vernünftig, diese Ministerien zusammenzulegen?

Der Wiederkandidat: Es ist nicht das erste Mal, daß das passiert.

Martin Thür: Sie haben das damals schon kritisiert. Ich habe mir das herausgesucht. Haben Sie gesagt: „Wer bei dieser Politik draufzahlt, liegt auf der Hand“. Und haben das sogar eine „feindliche Übernahme“ genannt, als damals Schwarzblau das Arbeits- und Wirtschaftsministerium zusammengelegt hat.

Der Wiederkandididat: Aber wir haben’s jetzt mit Martin Kocher zu tun. Martin Kocher war vorher Arbeitsminister, nicht Wirtschaftsminister. Martin Kocher, finde ich, weiß sehr genau, was er macht. Er kennt die Mechanismen am Arbeitsmarkt sehr gut. Wenn er jetzt die Wirtschaftsagenden dazubekommt, finde ich persönlich keine Bedenken, was da alles passieren kann.

Their best man on the sea schaut auf den Horizont hinaus, konzentriert auf das Mittelfristige, überlegt das Langfristige. Das Kurzfristige vor ihm auf dem Boden ist nur vom Horizont aus zu sehen, wenn von dem aus auf das Angestrandete —

Wer kommt kurzfristig in diesem kurzsichtigen Land nach der hundertsiebenundfünfzigsten als hundertachtundsiebenfünfzigste Person in das Amt des Arbeitswirtschaftsministeriums? Die Weitsichtigkeit des am Strand am Steuerrad stehenden Kandidaten eine nicht hoch genug einzuschätzende Eigenschaft der Elastizität, die er sich selbst wohl hoch anrechnen wird, erlaubt diese ihm doch, in Situationen, die das opportun erfordern, am Steuerrad herumzureißen, den einst eigenen Kurs … es kann doch nie und nimmer eine „feindliche Übernahme“ mehr sein, wenn das Wirtschaftsministerium von der Person übernommen wird, die vorher nicht Wirtschaftsministerin war, sondern Arbeitsminister —

Es muß tatsächlich keine Bedenken geben, daß kurzfristig eine Person Martin Kocher als Wirtschaftsarbeitsministerin ablösen könnte, die für eine Politik steht, bei der es auf der Hand liegt, wer draufzahlt

Martin Kocher könnte durchaus bis zum Ende dieser Bundesregierung in diesem Amt der Wirtschaftsarbeit bleiben – das nicht ein mittelfristig, nicht ein langfristig, sondern ein kurzfristig eintretendes …

Their best man führt gegenüber dem Interviewenden aus, er, Martin Kocher, sei vorher Arbeitsminister gewesen. Aber war er vorher Arbeitsminister? Freilich, dem Titel nach war es Martin Kocher, aber war er vorher schon ein Wirklicher Arbeitsminister oder nur einer, dem in diesem hofrätlich mit Titeln reichlich gesegnetem Land der Ehrentitel Arbeitsminister verliehen wurde? Martin Kocher kenne, sagt their best man, die Mechanismen am Arbeitsmarkt sehr gut, er wisse sehr genau, was er macht, und, das kann hinzugefügt werden, er, Kocher, weiß ebenso sehr genau, was er mag: Profit.

Es ist in so harten Zeiten mehr als opportun, eine Bundesregierung mit geballter „Wirtschaftsbildung“, um ein Wort eines Mannes aus Steyr zu verwenden, zu haben, nicht nur der Arbeitsminister weiß sehr genau um die Opportunitätskosten, auch der kurz gewesene Innenminister und für kurzfristig eingesprungene Bundeskanzler etwa wäre selbst ein ausgewiesen befähigter Wirtschaftsarbeitsminister, der sehr genau den Profit aus Arbeit zu berechnen weiß.

Ball the bubble

Martin Thür: Sie haben mit Herbert Kickl auch erstmals einen Minister dem Amt enthoben. Sie haben später gesagt, Zitat: er sei eine Belastung gewesen. Aber warum eigentlich, gegen ihn wurden ja keinerlei Vorwürfe im Rahmen von Ibiza erhoben.

Their best man: Darf ich Sie daran erinnern, daß ich Herbert Kickl nicht einfach entlassen habe. Das darf ich nämlich gar nicht, das könnte ich gar nicht.

Martin Thür: Auf Vorschlag des Bundeskanzlers.

Their best man: Auf Vorschlag des Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Und diesem Vorschlag bin ich nachgekommen.

Martin Thür: Aber Sie empfanden ihn eine Belastung, also zu dieser Entlassung stehen Sie nach wie vor?

Their best man: Nach wie vor.

Martin Thür: Öffentlich haben Sie Sebastian Kurz nach den Hausdurchsuchungen vom 6. Oktober des letzten Jahres ja nie zum Rücktritt aufgefordert. Haben Sie damals eigentlich hinter den Kulissen gemacht?

Their best man: Was hinter den Kulissen, das heißt, im diskreten Rahmen hinter der Tapetentür –

Martin Thür: Im persönlichen Gespräch.

Their best man: Persönlichen Gespräch besprochen wird, bleibt, ist vertraulich und bleibt vertraulich.

Martin Thür: Aber hätte Sebastian Kurz nach dem 6. Oktober Ihr Vertrauen gehabt?

Their best man: Nach dem 6. Oktober letzten Jahres?

Martin Thür: Nach den Hausdurchsuchungen, nach den ganzen Vorwürfen.

Their best man: Er hat die Konsequenzen gezogen und das ist seine persönliche Entscheidung. Ich habe dann gedacht, wenn Sebastian Kurz ins Parlament geht, als Abgeordneter, als Klubobmann, das wird nicht lange dauern, weil das Parlament ist nicht seine Bühne, das war offenkundig.

Sebastian Kurz, zweimal für kurz gewesener Bundeskanzler, schlägt dem Kandidaten als Bundespräsidenten, das ist auch die Aufgabe einer Bundeskanzlerin, Herbert Kickl als Minister vor, und der Bundespräsident als Wiederkandidat hievt Herbert Kickl in das Amt einer Ministerin. Sebastian Kurz, zweimal für kurz gewesener Bundeskanzler, schlägt dem Kandidaten als Bundespräsidenten vor, Herbert Kickl als Minister zu entlassen, und der Bundespräsident als Wiederkandidat enthebt Herbert Kickl seines Amtes als Minister — ein Ball in diesem nicht videogefilmten Spiel des Sebastian Kurz, des zweimal für kurz gewesenen Bundeskanzlers, das findige Programmierende vielleicht genannt hätten: Ball the bubble.

Der Spielverlauf hätte aber auch dieser sein können, wenn Sebastian Kurz, der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler, sein Spiel gewonnen hätte. Dann hätte Sebastian Kurz als Bundeskanzler Herbert Kickl noch einmal dem Bundespräsidenten für das Amt eines Ministers vorgeschlagen, jedoch für ein anderes Ressort, und der Bundespräsident hätte Herbert Kickl wieder in das Amt einer Ministerin gehievt, wie segensreich das gewesen wäre, das hätten alle Menschen in Österreich kurz darauf erfahren, Österreich coronaerstrahlt —

Und der Wiederkandidat hätte an diesem letzten Montag, 23. Mai 2022, gesagt, wenn er dann je zur Angelobung gefragt worden wäre, er stünde nach wie vor zur Angelobung von Herbert Kickl als Sozialminister

Das Spiel ging anders aus. Das lag nicht am Wiederkandidaten. Der Spieler konnte darauf Vertrauen, bis zuletzt, auch noch bis nach dem 6. Oktober, daß dieser auf der vorgeschlagenen Bahn … Nur, der Spieler brachte nicht mehr alle seine aufgeschlagenen Bälle … Es gab also keinen weiteren Vorschlag, Herbert Kickl erneut in ein Amt eines Ministers zu heben, aber sein Trost für spätere Zeiten wird sein, einst zu seiner Ehr‘ stolz erzählen zu können, der Herr Bundespräsident habe ihm gedankt …

Gespielt aber muß werden, und es wird weiter gespielt, und jetzt will der Kandidat selbst spielen, nicht mit Bällen, sondern mit Karten

Die erste Karte spielte er kurz vor den letzten Weihnachten aus und gleich den Joker als große Ansage in großer Zuversicht, wieder damit …

„Das ist glatter Betrug so etwas!“

Martin Thür: Der wohl berühmteste Satz Ihrer ersten Amtszeit ist das bekannte „So sind wir nicht“, gesagt nach Ibiza, gemünzt ganz dezidiert auf Heinz Christian Strache und seine Aussagen dort. Nach den zahlreichen Chat-Affären und Korruptionsermittlungen gegen Mitglieder der ÖVP-Bundesregierung habe ich ähnliche klare Worte von Ihnen nicht gehört. Was ist denn an Ibiza anders als an der ÖVP-Chat-Affäre?

Their best man: Da sehe ich schon deutliche Unterschiede. Wenn Sie sich erinnern an diesen Freitag, glaube ich, wo im ORF abends dieses Video gespielt wurde, da waren doch drei Dinge. Der bewußte Versuch der Untergrabung der Pressefreiheit, Stichwort Übernahme der Kronen-Zeitung, da war, das, äh, äh, der Versuch in dieser Rede zu erklären, wie man denn Ausschreibungen so manipulieren kann, daß sie nur einer bestimmten Firma zukommen und anderen nicht. Das ist, das ist glatter Betrug so etwas. Und den dritten Punkt, was war der dritte Punkt überhaupt? Es waren jedenfalls Sachen, wo man sich sagen mußte, so geht das wirklich nicht, ein Politiker, der so denkt, ist in seinem Amt fehl am Platz.

Martin Thür: Aber bei der ÖVP, die Vorwürfe gegen Sebastian Kurz und seine Mannschaft, gegen Sophie Karmasin und gegen andere sind ja geschobene Umfragen, auch die Beeinflußung von Medien, zum Teil auch der Einsatz von Steuermitteln dafür. Das erinnert Sie nicht auch an Ibiza?

Their best man: Meines Wissens ermittelt hier die Justiz, die Staatsanwaltschaft wird bei passender Gelegenheit zu entscheiden haben, wird das Verfahren fallengelassen oder gehen sie vor Gericht. Und bis dahin gilt für mich die Unschuldsvermutung.

Martin Thür: Das tut sie auch bei Ibiza.

Ein Videospiel. Gespielt bis tief in die Nacht hinein. Und wenn Männer spielen, muß es mit viel Alkohol sein. Aufgedunsen durch Alkoholika und, spielen Männer auch noch vor Frauen, plustern sich Männer, um Frauen zu gefallen, zusätzlich auf, ihr Gelalle summt ihnen wie der schönste Lockgesang im eigenen Ohr.

Ein Videospiel – ohne „Einsatz von Steuermitteln“, ohne „Beeinflußung von Medien“ – löst beim Kandidaten aus, zu denken, „ein Politiker, der so denkt, ist in seinem Amt fehl am Platz“, das ist dem Kandidaten „glatter Betrug“, beweist der Kandidat, frei von jedweder Unschuldsvermutung zu sein, so gar recht unabhängig, Schuld und Unschuld zu vermuten.

Das Amt, für das der „Politiker“ dem Kandidaten nach dem Videospiel „fehl am Platz“ war, plötzlich fehl am Platz war, erhielt dieser von dem Kandidaten höchstselbst zu einem Zeitpunkt, als sein alkoholfreies und gesangloses Denken mehr als bekannt war, sein durch Handlungen und Verbindungen offenbartes Denken

Es könnte Ironie genannt werden, daß dieser „Politiker“ ausgerechnet auf einer Insel vom Platz fiel, während er auf der sicheren Insel für sein Gedankengut auf den Platz gehievt wurde, durch den Kandidaten auf den Platz auf der gesinnungsseligen Insel gelobt wurde.

Ein Kandidat, der denkt, daß „ein Politiker, der so denkt“ …

Recht genau weiß der Kandidat die Unterschiede im So-Denken der „Politiker“, die er an seinem Hauptleistungstag – das Interview mit Martin Thür war auch an einem solchen Tag – in die videospielfreien Ämter brachte, zu benennen. Es ist nicht der dritte Punkt, der dem Kandidaten nicht einfiel, aber ein Punkt, der recht schön die Unterschiede belegt. Wie des Kandidaten Denken auch ganz um das Wohl der Kinder kreist, ist des unterschiedenen „Politikers“ Denken ein durch und durch Denken um das Wohl der Kinder, daß es ihnen „gar …“

Der Fragekandidat fragt Martin Thür:

„Erinnern Sie sich an gar nix?“

Ja, doch, an vieles, das hat Martin Thür sich nicht nur gedacht, sondern auch ausgesprochen, und vor den Bildschirmen werden sich Menschen an vieles weitere erinnert und sich notiert haben, für den ihm Tag im Spätherbst, der kein Montag …