Sunday riders in Vienna, without horses

Alexander Schallenberg anerkennt, wie er sagt, wer in der Gesellschaft bisher alles richtig gemacht hat, zwei Drittel der Gesellschaft hätte bisher alles richtig gemacht, und ein Drittel …

Es muß aber dann auch welche geben, die bisher alles falsch gemacht haben und weiter falsch machen. Denn. Sonst wäre die Lage nicht derart katastrophal, wie diese katastrophal nun ist.

Im Sommer 2021 hat seine türkis getupfte christschwarze Partei plakatiert: „Die Pandemie gemeistert.“

Gemeistert, von seiner Regierung nichts.

Plakate nur gekleistert.

Und dann spricht Alexander Schallenberg – im englischsprachigen Raum würde sein Name möglicherweise mit Banghill übersetzt werden; Mountain wäre denn doch ein zu großes Wort – weiter von der Solidarität, von der er recht gerne spricht.

So falsch er Solidarität generell bemüht, so falsch ist es auch jetzt, im Angesicht der katastrophalen Lage, in der sich Österreich befindet, weil seine Regierung alles, nur nichts richtig gemacht hat, zwei Drittel der Regierung nichts gemacht hat, und ein Drittel der Regierung alles …

Es muß nicht über all die Unwägbarkeiten gesprochen, es müssen nicht alle offenen Fragen angesprochen, es müssen nicht alle gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Bedenken ausgeführt werden, die mit den von Lex Banghill nun verbal plakatierten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie einhergehen. Denn. Eines ist klar. Ein medizinisches Problem durch mutwillige Aufhetzung der Mehrheit gegen eine Minderheit lösen zu wollen, Solidarität mißbräuchlich zu bemühen, kann ein medizinisches Problem nicht lösen, sondern nur noch tiefer in die Katastrophe führen, nicht nur weiter in eine medizinische Katastrophe, sondern vollends in eine gesellschaftliche Katastrophe.

In der Impfung sieht Lex Banghill den letzten Ausweg, die letzte Ausfahrt aus der Pandemie. Aber mit seiner Herangehensweise, in der Zerteilung der Gesellschaft in ungeimpfte und geimpfte Menschen, spaltet er den Ausweg in viele Wege auf, die letztlich kein Ausgang aus der Pandemie sein werden, sondern Einfahrten zur absoluten Katastrophe in jedweder Hinsicht …

Mit „Shot“ wird im Englischen das Spritzen eines Impfstoffes oder mit einem Betäubungsmittel bezeichnet.

shot. 9. Informal. an injection of a vaccine or narcotic drug.

Während zwei Drittel der Menschen in Österreich mit einem Impfstoff sich haben schützen lassen — fraglich, ob dabei Solidarität eine Hauptrolle spielte –, dürfte seine gesamte Regierung sich mit power drug betäubt haben und weiter betäuben.

Lex Banghill will „die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen“ … Das ist wohl das Malheur Österreichs, an der sogenannten Spitze des Staates stets Sonntagsreiter … Und wenn sie nicht mehr, wenn auch nur für kurz Sonntagsreiterinnen in der österreichischen Regierung sind, wechseln sie als Sonntagsreiter in das österreichische Parlament und reiten dort spiegelbildlich zu seiner Regierung alles richtig zugrunde

Wien, Museum

Einem Eintrag der freien Enzyklopädie zufolge, besitze das „Wien Museum“ Werke von Josef Bock.

Mit Bestimmtheit kann eines gesagt werden, im Museum Wien sind Werke von Josef Bock aufgestellt, an einem Platz führt die Linie bereits vorbei, an einem weiteren Platz im Museum Wien ist unbedingt eine Haltestelle für die „Linie Österreich“ …

Dem Eintrag der freien Enzyklopädie zufolge, sei Josef Bock bis 1938 Mitglied der Secession gewesen, danach gehörte er dem Künstlerhaus … Keinen Eintrag in der freien Enzyklopädie gibt es dazu, daß Josef Bock Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste Wien war, Mitgliedsnummer B 3819.

Nicht nur er ein Mitglied der Reichskammer, sondern auch von der Bildhauerin der Knienden bis, bis zum Diener zweier Herren

Bei nicht wenigen wird wohl der Überblick verlorengehen, wie vielen sie dienten

Auch die Biographie von Josef Bock läßt daran denken, daß das heutzutage so oft gehörte identitäre Geplärre um Identität tatsächlich bloßes Gewinsel ist, Gewinsel nach einem rechten Herrn, der eine Frau oder ein Mann oder in heutiger Zeit beides oder x-faches für sich sein kann, zum Dienen, für das sofort die Identität gewechselt wird, schneller als das Handy

Eine besondere Leistung ist es, das ist anzuerkennen, Werbung für die Ausstellung „Auf Linie“ im Wien Museum zu plakatieren – im Museum Wien selbst für die Ausstellung zu werben, die von Menschen bereits besucht werden, möglicherweise auch – so vergeßlich wie Menschen nun einmal sind – um sie daran zu erinnern, daß sie gerade im Museum Wien …

Diener kranker Herren

Als sein erster kranker Herr 1938 in der Türkei stirbt, kehrt Heinrich Krippel 1938 nach Österreich heim, um seinem zweiten Herrn zu dienen, der seine industriellen Massenmorde noch vor sich hat. Sieben Jahre später stirbt auch sein zweiter Herr, auch er krank, aber er stirbt nicht an einem Leiden, sondern er entzieht sich durch seinen Selbstmord seiner Verurteilung für die von ihm mitverursachten Massenverbrechen und Massenmorde in Letztverantwortung.

Den Tod seines zweiten massenmordenden Herrn Führers erlebt Heinrich Krippel, der bis in die Gegenwart bespeichelte „berühmteste Bildhauer Ober St. Veits“, nicht mehr. Er stirbt am 5. April 1945.

Er war einer der erfolgreichsten Bildhauer seiner Zeit. Er ist zeitlebens seinen eigenen Weg gegangen, und der lief schnurgerade. Sein Schaffen war an keine Schule oder Stilart gebunden, sein künstlerischer Wille ist in seinen Werken aber klar erkennbar: einen bestimmten geistigen Inhalt klar und eindeutig zum Ausdruck zu bringen. Das Wuchtige lag ihm genauso wie das Weiche, Liebliche. Krippels geistige Art wurde durch die kühn erdachten Grabdenkmäler und Mausoleen offenkundig. Einfühlungsvermögen und persönliche Schaffenskraft dokumentieren sich auch im Wiener Neustädter Kriegerdenkmal.

Heinrich Krippel also „lief schnurgerade“, wie es so schön formuliert auf der Website

als Nachschlagewerk für Historisches aus Ober St. Veit und „Umgebung“

heißt, von dem einen zu anderen massenmordenden Herrn. Wie offenkundig Krippels geistige Art war, die stellte er 1944 noch einmal gar klar und eindeutig aus, nicht nur mit seiner Büste des Totenkopfanhängers seines zweiten nun endgültig kranken Herrn.

Als sein erster kranker Herr 1938 stirbt, kehrt Krippel also schnurgerade heim, wie sein zweiter Herr zur gleichen Zeit nach Österreich mit einem ganzen Land als sein Mitbringsel für seine Heimat heimkehrt, kehren sie beide 1938 heim, der eine von dem einen Ende der Linie, der andere von dem anderen Ende der Linie, um fortan Diener und Herr auf Linie

Das Einfühlungsvermögen des Mitglieds der Reichskammer der bildenden Künste seit seinem Heimkehrerjahr 1938 dokumentiert auf rechte Weise sein „Wiener Neustädter Kriegerdenkmal“, das er wohl auf einem von seinem ersten Herrn gewährten Heimaturlaub schmiedete, mit dem Spruch, der seinen geistigen Willen zum Ausdruck bringt: „Allzeit getreu“ …

In welch einer anderen Zeitschrift kann nur eine Beschreibung von Krippel Heinrich als in der Zeitschrift „Der getreue Eckart“ von dem nationalsozialistischen Verleger Adolf Luser erscheinen? Aber bereits in der Nummer 12 von 1934/35. So weit reicht es zurück. Wer schrieb nicht alles für den allzeit getreuen Eckart, nicht nur Luftballon-Franz, sondern auch u.v.a.m. Wehe-den-Besiegten-allen-Bruno, der auch für eine Zeit sein Herausgeber

Und auf Linie bis …

Leopold Kunschak auf dem Karl-Lueger-Platz, beauftragt Josef Müllner

Nun wird an diesem Sonntag, am 7. November 2021, ein Kolloquium abgehalten, zum Umgang mit dem Leopold-Kunschak- Denkmal auf dem K.-L.-Platz, das als Karl-Lueger-Mal bekannt ist. Geschaffen wurde es, das zumindest wird erwähnt, von Josef Müllner, ohne Hinweis aber, wer Josef Müllner war.

Es wird wieder um den Antisemitismus von Karl Lueger gehen, darum werden mutig die Gespräche kreisen.

Es steht auf dem K.-L.-Platz Karl Lueger.

Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Mals war er schon weit über ein Jahrzehnt tot.

Wer nicht tot war, das waren u. v. a. m. federführend Leopold Kunschak und der Meißel schwingende Josef Müllner, die Karl Lueger für sich und für deren eigene Propaganda auf diesen Platz stellten.

Leopold Kunschak, der erste Vorgänger von Wolfgang Sobotka auf dem Sitz des Nationalratspräsidenten in der zum zweiten Mal geschaffenen Republik Österreich …

Leopold Kunschak, wie viele haben mit Stolz und Ehrfurcht den Preis entgegengenommen, diesen nach dem „österreichischen Streicher“ benannten Preis …

Und niemand von diesen wagte es, den kunschakschen Antisemitismus anzusprechen, sie dankten artig für die Verleihung. Nur einmal sprach ein Preisträger den streicherischen Antisemitismus an, aber das war kein Österreicher …

Fragen, ob es denn keine Proteste gegeben, ob denn den Preis je wer abgelehnt hätte, gab es, aber nicht aus Österreich, sondern aus Luxemburg.

So österreichisch werden wohl auch heute die Gespräche ablaufen, mutig gegen den Antisemitismus von Karl Lueger, aber mutlos gegen die Erschaffer und Auftraggeberinnen des Mals am K.-L.-Platz.

Was auf den KL-Platz gehört, wenn es denn schon kein denkmalloser Park werden soll, ist ein Mahnmal ohne das bequeme und gemütliche Starren auf Karl Lueger, sondern …

Anschlußfähig

Und war doch andock- und anschlußfähig für spätere wenig erfreuliche Deutungen. „Ihre Kraft ist ihre Freude“ kommt schon wörtlich vor.

Es mag durchaus eine anschlußfähige Deutung gewesen sein, von „Ihre Kraft ist ihre Freude“ auf „Kraft durch Freude“ zu kommen. Und ist inhaltlich doch zu unterscheiden. Ihre Kraft, von der Hyperion schreibt, ist den „Söhnen der Sonne“ bereits ihre ganze Freude, sie erfreuen sich allein an ihrer Kraft, sie brauchen sonst nichts, vor allem keine zusätzliche Freude, nur ihre bloße Kraft, um ihre Freude zu haben, ihre Kraft ist ihnen an Freude mehr als genug. Hingegen sah die Massenmordmacht des deutschen reiches die Menschen wohl als zu kraftlos an, um ihre Massenverbrechen zu begehen. Darum ihr Plan, mit ihrem Freizeitwerk „KdF“ den Menschen durch Aktivitäten, die Freude machen, Kraft zu verleihen. Zu den kraftaufbauenden Freizeitaktivitäten der Freude in physischer und psychischer Hinsicht gehörten u. v. a. m. Sport, Theaterbesuche, Erholungsurlaube …

„Wie wird Sprache zu Literatur? Was ist Manier, was ist Jargon, und in welche Fehlerfallen tappen fast alle? Wie müssen die Elementarteilchen zusammenspielen für den perfekten Prosasatz? Wer Maars Buch zuschlägt das zwar gelehrt, vor allem aber vernüglich ist, wird künftig anders lesen – und besser schreiben.“

So wird „Die Schlange im Wolfspelz – Das Geheimnis großer Literatur“ von Michael Maar im Buch selbst angepriesen.

Das wird gerne aufgenommen, künftig nicht anders zu lesen, sondern auch Michael Maar genauer zu lesen. Künftig, das ist nicht richtig. Es ist damit begonnen worden, von der ersten Seite an. Beinahe wäre es auch dabei geblieben, lediglich die erste Seite zu lesen. Lohnt es denn, hätte gefragt werden können, ein Buch zu lesen, mit der Berufung auf den „Stilkundler Ludwig Reiners“ gleich auf der ersten Seite?

Genau gelesen, auf Seite 201, kommt „Kraft durch Freude“ bei Friedrich Hölderlin nicht „schon wörtlich vor“, und inhaltlich ist es hinterfragenswert, ob „Ihre Kraft ist ihre Freude“ als „Kraft durch Freude“ gedeutet werden kann.

Auf Seite 308 schreibt Michael Maar:

In Wien, wo man den gewissen Kunstmaler in die Akademie hätte aufnehmen sollen, was der Welt viel Grauen erspart hätte.

Mit diesem seinem Elementarteilchen dockt Michael Maar an ein Geschichtsverständnis an, legt Michael Maar offen, wie anschlußfähig er zu einer Deutung der Geschichte ist, die unsäglich zu nennen ist.

Die Akademie hätte Millionen von Menschen (aus Österreich und Deutschland) aufnehmen müssen – das hätte der Welt viel Grauen erspart.

Es wurden auch andere nicht in die Akademie aufgenommen, beispielsweise Wolfgang Paalen, ohne daß deshalb je Menschen im Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde umgekommen sind, ohne daß deshalb je Menschen das Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde gegen die Menschen …

Unmittelbar vor seinem Satz mit dem Kunstmaler schreibt Michael Maar:

Die letzte Vermutung ist historisch falsch, Freud entkam nach England, was höheren Ortes hätte verhindert werden können. Aber bleiben wir in Wien, wo nicht nur Sigmund Freud seinen Sitz hatte. In Wien, wo […]

Wessen Vermutung war „historisch falsch“? Nach Meinung von Michael Maar die von Thomas Mann in seinem Essay von 1938. Und dafür zitiert Maar unmittelbar davor aus „Bruder Hitler“:

Wie muß ein Mensch wie dieser die Analyse hassen! Ich habe den stillen Verdacht, daß die Wut, mit der er den Marsch auf eine gewisse Hauptstadt betrieb, im Grunde dem alten Analytiker galt, der dort seinen Sitz hatte, seinem wahren und eigentlichen Feinde, – dem Philosophen und Entlarver der Neurose, dem großen Ernüchterer, dem Bescheidwisser und Bescheidgeber selbst über das „Genie“.

Falsch ist die „Vermutung“ von Thomas Mann und falsch ist die „Vermutung“ über die „Vermutung“ von Michael Maar, wenn überhaupt von falsch gesprochen werden will. Eine äußerst elitäre Haltung wird Thomas Mann dazu verleitet haben, den wahren und eigentlichen Feinde im Geistesmenschen sehen zu wollen, den für ihn Sigmund Freud exemplarisch und stellvertretend wohl für ihn selbst verkörpert. Die Geschichte, auch die vom Marsch auf Wien, der eigentlich kein Marsch war, sondern ein Aufeinanderzugehen, erzählt nichts von nur einem Grund, nichts von nur einem Feind, sondern von vielen Gründen, von vielen Feinden als Anlässe für Ereignisse. Vielleicht wollte Thomas Mann damit in einer geistlos beherrschten Zeit den Geist retten, den Stellenwert des Geistes für die Menschen verteidigen, behaupten. Welche Gründe es auch waren, Thomas Mann ging dabei vorsichtig vor, er äußerte lediglich einen stillen Verdacht. Hingegen Michael Maar den stillen Verdacht als „historisch falsch“ aburteilt.

Sigmund Freud „entkam“ nicht. Die Massenmordmacht ließ Sigmund Freud ausreisen, sie ließ ihn gegen Bezahlung ausreisen, sie hob von ihm die „Reichsfluchtsteuer“ ein. Vom März bis zu seiner Ausreise im Juni 1938 war er und seine Familie zwar Schikanen ausgesetzt, zugleich aber wurden die Formalitäten für seine Ausreise erledigt. „Höheren Ortes“ werden die Gründe dafür, Sigmund Freud ausreisen zu lassen, überwogen haben. „Höheren Ortes“ wurde verhindert, daß die Schwestern von Sigmund Freud entkamen. Sie waren nicht Sigmund Freud. Eine starb in Theresienstadt, drei wurden in Treblinka ermordet.

Michael Maar bemüht in seinem Buch, das zu lesen durchaus vergnüglich ist, einige Male Ludwig Reiners. Im Anhang, mit Beginn auf Seite 553, informiert er auch über Reiners, das NSDAP-Mitglied mit dem vornehm vorgebrachten Antisemitismus, den Plagiator.

Ob Reiners nur Mitläufer oder aktiver Nationalsozialist war, ist umstritten.

Es wird nicht gewußt, ob Michael Maar ein Österreicher ist. Eine solche Unterscheidung spräche dafür, daß er ein Österreicher ist. Sollte er es nicht sein, so ist er doch anschlußfähig an das Österreich, in dem zur Rettung der Reputation von nationalsozialistischen Menschen recht fein unterschieden wird. Wenn einer ein „aktiver Nationalsozialist“ war, was war dann einer, der nur ein „Nationalsozialist“ war – ein passiver? Sind unter Nur-Nationalsozialistinnen, unter passive Nationalsozalisten Menschen zu verstehen, die in Österreich als „gemäßigt“, als „idealistisch“ …

Der von Ludwig Reiners geplünderte Eduard Engel findet im Buch von Michael Maar nur im Anhang Erwähnung, nach dem Register auf den Seiten 554 f,, 559, 584, 587 f,, 593, 614, 639, der Plünderer Reiners hingegen auf den Seiten 11 (das ist die erste Seite der „Schlange im Wolfspelz“, 234, 553-557, 561, 568, 570, 574, 578, 581 f,, 584, 587, 593 f., 614, 639.

Am Rande hinzuzufügen wäre, daß Engel, nicht untypisch für Überassimilation, einen patriotischen Feldzug gegen das Fremdwort führte. […] Es zählt zu den Ironien dieser Geschichte, daß der fünf Jahre später verfemte Engel nationalistischer war als Reiners, der sich zur Fremdwortfrage sehr ausführlich, aber letztlich moderat ausläßt.

Das macht es verständlich, daß mit Reiners das Buch eröffnet wird, und nicht mit dem nationalistischeren Engels, der noch dazu einen patriotischen Feldzug führte, aktiv war, patriotisch aktiv, wie es heute noch Menschen in Österreich sind …

Es muß eingestanden werden, wäre in der Buchhandlung als erste Seite die Seite 547 mit dem „Dank“ aufgeschlagen worden, wäre die „Schlange im Wolfspelz“ wohl kaum erworben worden.

Den Anstoß zu diesem Buch gab Eva Menasse. Ihr sei es auch gewidmet.

Friedrich Hölderlin – Kraft durch Freude

Von ihren Taten nähren die Söhne der Sonne sich; sie leben vom Sieg, mit eignem Geist ermuntern sie sich, und ihre Kraft ist ihre Freude.

Das schreibt Hyperion an seinen deutschen Lieben, an Bellarmin, im ersten Band, vor bald 225 Jahren veröffentlicht. Es gibt Stellen in diesem Briefroman, die Männern rasch als Beweise gelten, Friedrich Hölderlin sei einer der ihren, die, wie es paulinisch heißt, auch mit Männern … Noch unmißverständlichere Stellen dafür sind zu finden in dem bald vor 200 Jahren erschienenen Briefroman – „Phaeton“, der „Hyperion“ von Friedrich Wilhelm Waiblinger …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich die Männer im Krieg von 1914 bis 1918, nähren sich die Männer im Krieg von 1939 bis 1945, die ihnen in ihre Tornister gepackt, die sie wohl sättigen sollen, wenn das Brot aufgegessen, die sie wohl wärmen sollen, in den Kriegswintern, wenn sie ohne geheizte Unterkünfte auf Feldern kauernd mehr wachend als schlafend eisige Nächte …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich auch Männer heute noch, wie die von „Nordglanz“. Und was für Männer das sind, das braucht nicht in Berichten vom Verfassungsschutz nachgelesen werden; es reichen dazu schon die Titel ihrer Lieder, wie „SS marschiert in Feindesland“, „Wir sind das deutsche Afrikakorps“: 2021 … Ein Lied von ihnen hat im Titel die hölderlin’schen „Söhne der Sonne“ mit dem mehr als deutlichen Refrain „Heil den Asen“. Und schwarz muß ihnen als deutliches Zeichen auch die Sonne sein. Zu ihren einschlägigen Liedern verkaufen sie auch Leibchen – zu erwerben so gar recht bequem von Jeff Bezos …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich Frauen und Männer auch heute noch, die sie in Stein schlagen lassen, der ihnen ein einschlägig gesinnungsgemäßes Denkmal ist. Jahrzehnte zuvor nährte sich auch ein Mann mit Klumpfuß von Hölderlin, zu dessen Schirmherrn er sich erhob …

Und ihrem zurzeitigen Anführer, für kurz Innenminister, ist Hölderlin ein Vorbild …

Was für eine Zeilenteilung über Jahrzehnte! Die Nordglanz-Mannen nehmen sich „Söhne der Sonne“ und Jahrzehnte zuvor nehmen sich die Frauen und Männer um den Klumpfuß „ihre Kraft ist ihre Freude“, ändern diese Zeile ein wenig nach ihrem Geist und schicken unter diesem Titel Urlaubsdampfer …

Die Nordglanz-Mannen nennen ihre Propaganda eine „ariosophische“ … ohne Männer aus Österreich hätten sie keine „ariosophische Propaganda“, vielleicht nicht einmal eine „Propaganda“ …

„Phaeton“ ist in Österreich berühmt – Phaeton von VW ist in Österreich berühmt, recht berühmt seit den Tagen, als diesen ein Mann fuhr, der vielleicht den Phaeton von Waiblinger kannte, so bildungsbürgerlich die Frauen und Männer dieser identitären Parlamentspartei und für kurz gewesenen Regierungspartei sind, und er wollte damit, daß er einen Phaeton fuhr, auf eine diskrete Art sein „Phaeton-Geheimnis“ offenbaren, „das keines war“,wie eine Tageszeitung schrieb …

Es gibt Zeilen in diesem Briefroman von Friedrich Hölderlin, die alle oben Genannten gesinnungsgemäß weigern, sich von diesen zu nähren …

Und siehe, mein Bellarmin ! wenn manchmal mir so ein Wort entfuhr, wohl auch im Zorne mir eine Träne ins Auge trat, so kamen dann die weisen Herren, die unter euch Deutschen so gerne spuken, die Elenden, denen ein leidend Gemüt so gerade recht ist, ihre Sprüche anzubringen, die taten dann sich gütlich, ließen sich beigehn, mir zu sagen : klage nicht, handle! O hätt ich doch nie gehandelt ! um wie manche Hoffnung wär ich reicher ! – […]

Ich habe nichts, wovon ich sagen möchte, es sei mein eigen. Fern und tot sind meine Geliebten, und ich vernehme durch keine Stimme von ihnen nichts mehr. Mein Geschäft auf Erden ist aus. Ich bin voll Willens an die Arbeit gegangen, habe geblutet darüber, und die Welt um keinen Pfenning reicher gemacht. Ruhmlos und einsam kehr ich zurück und wandre durch mein Vaterland, das, wie ein Totengarten, weit umher liegt […]

Wie haß ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht !

Das ist der Gewinn, den uns Erfahrung gibt, daß wir nichts Treffliches uns denken, ohne sein ungestaltes Gegenteil.

Mögen die alle oben Genannten sich nähren von den Zeilen, die sie von Hölderlin sich zum Nähren nehmen, aber die alle Anderen beherzigen das Gegenteil ihrer ungestalten Sprüche.

Zum Lachen nach Klagenfurt

Zum Lachen nach Klagenfurt hinuntergehen, hat es früher geheißen, als die Menschen noch zu Fuß gingen. Heutzutage, da kein Mensch mehr zu Fuß geht, heißt es aber einfach wie kurz weiterhin: Zum Lachen nach Klagenfurt …

Klagenfurt lädt ein, an vielen Ecken, in vielen Gassen, auf vielen Plätzen gut und laut zu lachen.

In der Paradeisergasse zum Beispiel. Wer von der Paradeisergasse 3 hinaufsieht, nicht in den Himmel, sondern auf die Fassade, auf die weit über dem Boden angebrachte Ehrentafel, wird sofort zu lachen beginnen, wird aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, wird vor lauter Lachen die wenigen Zeilen nicht flüssig laut lesen können, wird immer wieder durch Lachanfälle das Lautlesen unterbrechen …

IN DIESEM HAUSE
WOHNTE UND SCHRIEB
JOSEF FRIEDRICH PERKONIG
1890 — 1959
EIN DICHTER KÄRNTENS
DEM WORTE UNTERTAN UND
DER TOLERANZ VERPFLICHTET

Ohne das Lesen durch Lachen unterbrechen zu müssen, ist die erste Zeile, die dritte Zeile verleitet aber schon zu einem Schmunzeln, darüber, wem hier eine Tafel gespendet; Geburts- und Todesjahr läßt sich ohne Lachen noch lesen, ab der fünften Zeile aber gibt es kein Halten mehr, das Lesen kommt gegen das Lachen nicht mehr an, wer einen Bauch hat, muß sich diesen vor lauter Lachen halten – en ichter, e ort Unrtn … Und die letzte Zeile geht in einer einzigen Lacherei unter, es wünschte sich ein jeder Mensch zwei oder vier Bäuche, um sich diese vor lauter Lachen zu halten – dr Tlarnz vpflchtt

Ach, wenn darunter nur der Name stünde, wer diese Zeilen schrieb, damit dafür gedankt werden könnte, in noch einer klagenfurterischen Gasse zu lachen, mit diesen Zeilen den Ruf der Stadt, wie es heutzutage heißt, nachhaltig verfestigt zu haben:

Klagenfurt, stets eine Lachreise wert.

Es kämen wohl viele in Klagenfurt in Frage, die dazu befähigt berufen, solche Lachzeilen zu verfassen. Nach der Erholung vom Lachen ist der kurze Fußweg von der Paradeisergasse in die Sponheimer Straße doch mühelos in wenigen Minuten zu bewältigen. In der Sponheimer Straße 13 sind zwar keine Lacheinladungschilder angebracht, aber zum Lachen ist das, was aus dem Haus mit der Nummer 13 zu hören ist, auch zu dem Mann, der r rnz flcht, ebenso

„Herzschlag in Einsamkeit“, wie einfühlsam der Bereuende schon 1943 doch war, so einfühlsam, daß seine Zeilen an den ostmärkischen Lyriker Anton Paul Keller, der ihm wohl in seinem Schmerz über den frühen Tod seines Vaters in einer Zeit, als so viele Männer gerade geschlechtsreif im ersten Stadium ohne ein gezeugtes Kind mordend ihr Leben lassen mußten, ebenso einfühlsam zur Seite stand, noch zweiundzwanzig Jahre später veröffentlicht werden: „Leben, Werk, Vermächtnis, Band 1, von Erich Nussbauer, Verlag Heyn 1965“ …

Er polarisiert auch heute noch. Schuld daran ist sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später bereute.

Josef Friedrich Perkonig polarisiert, wie auch heute noch Adolf Hitler polarisiert. Hätte sich Adolf Hitler nicht durch Selbstmord der Verantwortung entzogen, wäre er wohl, was sonst wäre ihm nach der von ihm mitverursachten Katastrophe in Letztverantwortung anderes auch geblieben, als wieder Künstler zu werden, der er war, bevor er sich in den nationalsozialistischen Dienst des Ruinierens in jedweder Hinsicht stellte, und es hätte sich mit Sicherheit wer gefunden, in Österreich gefunden, und allein nur in Österreich sich wer gefunden, gesinnungsgemäß bevorzugt aus Klagenfurt oder aus einer anderen kärntnerischen Ortschaft, der über ihn dann ebenso gesagt hätte, er polarisiere auch heute noch, Schuld daran sei sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später …

Hingegen andernorts: so trocken wie tolerant unvollständig auch über diesen chter krntns etwa, von höchster wissenschaftlicher Kompetenzseite …

Linie Österreich – Allzeit getreu

Wer sonst als Männer aus Österreich hätten für Atatürk Denkmäler errichten können, für einen Diktator.

Unumstritten der Personenkult um Atatürk bis herauf in die Gegenwart, die um 9.05 Uhr angehaltene Uhr in seinem Sterbezimmer, sein Mausoleum, sein Portrait auf Geldscheinen …

Hanak, Thorak und Holzmeister sind nicht die ersten aus Österreich, die einem Diktator mit einem Denkmal huldigen. Davor bereits Heinrich Krippel. Unzählige Denkmäler für Atatürk von Heinrich Krippel. Wer sonst als einer aus Österreich kann je auf die Idee kommen, einen autoritären Führer, verantwortlich u. a. auch für Massenmorde an kurdischen Menschen, einen blutigen Kriegsmann als harmlosen und friedlichen Zivilisten in der Pose eines demokratisch anmutenden Staatsmannes darzustellen?

1938 kehrte Krippel nach Wien zurück. Für das Heeresgeschichtliche Museum schuf er Büsten von August von Mackensens und Paul von Hindenburgs, die am 10. Jänner 1944 enthüllt wurden.

Von wem sonst sollte er, „der berühmteste Bildhauer Ober St. Veits“, Büsten schaffen, als von einem Totenkopfanhänger Hitlers und von Hindenburg — in gar so einer friedlichen Zeit von 1944 wenigstens eine Abwechslung durch Büstenenthüllungen, als Kriege im Museum waren, woran das Heeresgeschichtliche Museum in der Gegenwart traurig erinnern muß: „Kriege gehören ins Museum“ …

Die Frage, ob Anton Hanak für Margarete Hanusch und Josef Thorak ein schlechter Lehrer war, wurde bereits gestellt, und kann beantwortet werden, er war ihnen ein recht guter Lehrer. Hätte sonst Josef Thorak sein begonnenes Denkmal für Atatürk fertigstellen können, seine Linie fortsetzen können? Und hat Margarete Hanusch mit ihrer „Knienden“ nicht bestätigt, wie gut er ihr als Lehrer war? Ihre Kniende sollte nicht in der Neulinggasse aufgestellt werden, sondern direkt neben der „Knienden“ von Anton Hanak in der Radetzkystraße, als sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Lehrer und Schülerin …

Der Bus Linie Österreich sollte auch an den zwei Knienden halten. Eine Haltestelle der Linie Österreich wäre unbedingt in Wiener Neustadt einzuplanen, am Domplatz, direkt vor dem Dom mit dem Ritter in Eisen von Heinrich Krippel, über dessen Kopf kein Kernstock-Vers, sondern „Allzeit getreu“ prangt, von wo aus der Bus Linie Österreich weiterfährt zu seiner Endstelle im Gülhane-Park —

Linie Österreich – Allzeit getreu …

Auf Linie gleich welcher Gesinnung

Würde Wehrmann Müllner gefragt werden, welche Werke er in der Ausstellung „Auf Linie“ vermisse, so würde er vielleicht antworten, die „Gänseweide“ von Margarete Bistron-Lausch.

Auf den Einwand, Bistron-Lausch habe die „Gänseweide“ – Apotheose der Unschuld Österreichs – erst Jahre nach der Zeit der totalen Macht seiner Gesinnung, geschaffen, würde er vielleicht antworten, aber Bistron-Lausch, seine Gesinnungskameradin, war mit ihrer „Gänseweide“ ganz auf Linie der danach zur strikten Befolgung gezogenen Linie in Österreich, wie es in Österreich eben traditionell üblich ist, auf Linie von allen zu sein, auf Linie gleich welcher Gesinnung ...

Und wenn es, wie es der Titel der Ausstellung verheißt, schon um „Auf Linie sein“ geht, kann die Zeit vor und die Zeit nach den madigen sieben Jahren der Heimholung Deutschlands ins Österreich

Linie Österreich

Der Wehrmann in Eisen, Pförtner am Eingang zum Wien Museum MUSA in der Felderstraße würde sich, wenn er gefragt werden würde, welches der Kunstwerke in der Ausstellung „Auf Linie NS-Kunstpolitik in Wien“ am besten gefiele, vielleicht antworten, alle gefielen ihm gesinnungsgemäß recht außerordentlich, aber für ihn würde Margarete Hanusch mit ihrer Knienden doch einen recht besonderen Stellenwert einnehmen, ist sie, Hanusch, doch dafür beispielhaft leuchtendes Vorbild, die Linie nie verlassen zu haben.

Im Akt der „Reichskammer der bildenden Künste Wien“ von Margarete Hanusch ist vermerkt: „1938 befreit“ … Damit ist nicht gemeint, sie wäre 1938 aus einer Diktatur befreit worden; vielleicht empfand sie es selbst als ihre Befreiung in eine Totaldiktatur … Banal wurde mit diesem Eintrag lediglich vermerkt, sie, Hanusch, ist von der Beitragsleistung an die Reichskammer befreit

Hinzufügen würde der Pförtner in Eisen vielleicht noch, wie bedauerlich er es fände, daß die Kniende nach dem 24. April 2022 wieder in irgendein Lager … dabei, dabei gebe es doch einen hervorragenden Platz für die dauerhafte Aufstellung der Knienden, nämlich am Beginn der Neulinggasse nahe dem Schwarzenbergplatz, auf dem er selbst einst seinen ersten Dienst antrat, eher er in die Felderstraße versetzt wurde, steht doch an der Mündung der Neulinggasse in die Landstraßer Hauptstraße seit fünfundsechzig Jahren die „Familie“ der Margarete Hanusch – auf einer direkten Linie von der Knienden zur Familie

Mit auch noch der Knienden würde die Neulinggasse als gesinnungsgemäße Dauerausstellung ihren Ruf recht verfestigen können. Eine Dauerausstellung im Freien zwar, dennoch wetterunabhängig. Denn durch die Neulinggasse wird die Buslinie 4 A geführt, eine Besichtigung der Werke in dieser Dauerausstellung auch bei Regen, Kälte, Schneefall ist dadurch garantiert, geschützt und bequem im Warmen vom Bus aus …

Die Linie 4 A in „Wiener Linie“ umzubenennen, brächte zumindest zwei Vorteile mit sich. Menschen, die die Dauerausstellung besuchen wollen, wüßten sofort, ohne Erkundigungen lange einholen zu müssen, welchen Bus sie nehmen müssen, der sie durch die Ausstellung führt – „Wiener Linie“, und für das Verkehrsunternehmen wohl eine enorme Erhöhung der Auslastung des Busses. Da es aber durch den Namen des Verkehrsunternehmens zu einer Verwechslung kommen könnte, wäre es angebrachter, den Bus 4 A in „Linie Österreich“ umzubenennen. Eine Umbenennung, die durchaus nicht falsch ist, eine Umbenennung, die auch zutreffender ist.

Die Umbenennung der Buslinie 4 A in Linie Österreich wäre menschgemäß mit einer entsprechenden Werbekampagne zu begleiten, ein Slogan dafür könnte lauten:

Ob Regen, Schnee, Eis und Kälte, und auch bei Sonnenschein – Linie Österreich führt Dich sicher und geschützt durch die Ausstellung

Linie Österreich müßte aber nicht allein auf die Neulinggasse beschränkt bleiben. Sie könnte als besonderes Service des Verkehrsunternehmens ausgeweitet werden. In der Ausstellung Auf Linie in Wien ist gleich neben der Knienden ein Bild der anbetungsreichen Paula Wessely zu sehen … Eine Haltestelle der Linie Österreich müßte unbedingt der Paula-Wessely-Weg sein, ihre Endstelle vielleicht der Kahlenberg, der für so manche Ausgangspunkt für ihren Marsch war, der Beginn ihres Weges, der jedoch schon zu Ende war am Paula-Wessely-Weg …

Es gibt von Margarete Hanusch eine Figur, die von Hermann Göring angekauft wurde, wie aus dem Katalog zur Auf Linie in Wien zu erfahren ist:

[O]der die Hanak-Schülerin und „Illegale“ Margarete Hanusch. Ihre Arbeiten waren auch auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen zu sehen. Eine dort 1937 exponierte 2,30 m hohe Eichenholzfigur war von Hermann Göring für sein Gut „Carinhall“ angekauft worden.

Vielleicht wäre es möglich, ihre recht massive Eichenholzfigur zurückzukaufen, um diese irgendwo entlang der Linie Österreich ebenfalls aufzustellen. Diese Eichenholzfigur muß in diesem Kapitel nicht ein weiteres mal gezeigt werden, im Kapitel Ausstellung, Saal Neulinggasse ist diese bereits abgebildet zu sehen …

Eine seltsam anmutende Linie zwischen den zwei Ausstellungen ist die, daß, wer immer sich mit Margarete Hanusch befaßt, stets betont wird, sie sei eine „Hanak-Schülerin“ … So auch in der Sonderausstellung ihr zu Ehren im Bezirksamt im dritten Bezirk vom Herbst 2020 bis zum Frühjahr 2021. Ein recht zutreffendes Motto ward für die Sonderausstellung gefunden: „Skulpturen einer starken Frau für ein zerstörtes Wien“ – von einer „Illegalen“ … Der Kurator der Sonderausstellung nennt sie nicht schriftlich, aber mündlich, im Sommer 2021 als es ihm ein Bedürfnis war, über sie zu sprechen, die ihm wichtig ist, selbst mit einem selten gehörten Wort, eine „Nazisse“; sie ist nicht die einzige und nicht einzig von ihm in Österreich, die mit Nachsicht und Zuneigung

Es ist, nebenher gesagt, eine verbreitete Unsitte vor allem in der Kunst, einen Menschen ein Leben lang und sogar noch als toten Menschen weiter als Schüler von irgendwem zu bezeichnen. Und was heißt das denn im Konkreten. War Margarete Hanusch eine schlechte Schülerin, oder war Anton Hanak ein schlechter Lehrer, war Hanak ein schlechter Lehrer und Hanusch zugleich eine schlechte Schülerin? Auch eine Linie, die von Hanak zum Wiener-Werkstätten-Meister Hoffmann, nach dessen Plänen etwa 1938 bis 1945 unweit der Linie 4 A ein Botschaftspalais umgebaut wurde, der von der Reichskammer mit Weiterentwicklungen beauftragt wurde und nach 1945 offizielle Aufgaben für Österreich, wie die des Generalkommissars für die Biennale in Venedig, übernahm, zum vaterländischen Front-Holzmeister, zum Führerkünstler Thorak, der in Ankara fertigstellte, was Hanak nicht mehr fertigstellen konnte —

Linie Österreich, die alle Gesinnungen anfährt …

Noch etwas nebenher. Es war nicht nur Hanusch eine Schülerin von Hanak, sondern auch Josef Thorak; dies ist jedoch nicht aus dem Katalog Auf Linie in Wien zu erfahren … es will nicht darüber spekuliert werden, weshalb gerade bei Josef Thorak auf die oben genannte Unsitte …

Wer könnte aber damit beauftragt werden, die Linie Österreich zu etablieren, weitere Kunstwerke in der Stadt entlang der Linie Österreich aufzustellen? Die Felderstraße mit ihrem Pförtner in Eisen läßt sofort an das Institut denken, das auch nach Felder benannt ist, zumal sich dieses Institut erst vor kurzem mit einem neuen Denkmal selbst dafür empfohlen hat. An diesem Mal müßte die Linie Österreich unzweifelhaft gesinnungsgemäß ebenfalls halten.