Chäta türkis

Die „Ära Sebastian Kurz“, von Barbara Coudenhove-Kalergi so genannt, war, wenn diese Zeit überhaupt irgendwie benannt werden kann, eine Chäta türkis

In der Chäta türkis. wurde recht viel, vor allem von ihm selbst, davon gesprochen, Österreich wieder an die Spitze führen zu wollen.

Dazu hat, einfach wie kurz gesagt, es hinten und vorne nicht gereicht.

Es hat nicht einmal dazu gereicht, daß er, Sebastian Kurz, sich selbst auf den ersten Platz hieven konnte, es reichte für ihn gerade einmal, unter die fünf zu kommen, gleich auf mit Ghani, Erdoğan, Al-Assad. Es gewann Lukashenko, die Spitze, von der er, Sebastian Kurz, stets träumte, errang Alexsandr Lukashenko. Er wird nun vielleicht damit hadern, daß nicht bereits alles im „Ibiza-Ausschuss“ … er wird möglicherweise, da er die Spitze, den ersten Platz verfehlte, gegenüber Karoline Edtstadler eine andere Sicht der „Dinge“ als sie …

Der Ibiza-Ausschuss habe gezeigt, „das Dinge, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hätten, an diese gespielt wurden“.

Wäre nur alles rechtzeitig vor dem Finale … es hätte sogar Österreich für die Spitze wahrscheinlich mehr als gereicht, wäre das auch schon öffentlich gewesen:

[…] Hure der Reichen […]

Damit hätte er Lukashenko ausgebremst, ihn überholt, sich an die Spitze gesetzt, uneinholbar … Nein. Das hätte nicht dazu gereicht, daß er persönlich sich an die Spitze katapultieren hätte noch können. Er war nicht der Empfänger, als „Hure der Reichen“ wurde er nicht bestimmt.

Jedoch, Österreich als Land hätte damit 2021 die Korruptionsweltspitze einnehmen können, und er, Sebastian Kurz, hätte in jedem Bewerbungsgespräch stolz darauf verweisen können, in diesem Team gewesen zu sein, das Österreich endlich an eine Spitze …

Von überfälligen Pensionierungen und vom österreichischen Standard der Geschichtsdemenz

Aber etwas Positives hat das ganze Schlamassel doch gebracht: Die FPÖ ist endlich für alle sichtbar als das offenbar geworden, das sie ist: eine extreme rechtspopulistische Gruppierung, die es so bald nicht mehr in eine Bundesregierung schaffen wird. Das war bekanntlich nicht immer so. Nicht nur in der Ära Sebastian Kurz regierten die Freiheitlichen mit, schon unter Bruno Kreisky gab es kurzzeitig eine blaue Regierungsbeteiligung. Und auch dazwischen war immer wieder für die großen Volksparteien ÖVP und SPÖ die Versuchung da, es mit dem dritten Lager, das auch einen Teil des liberalen Bürgertums vertrat, zu versuchen. Damit ist es vorerst vorbei. Seit Herbert Kickl Parteichef ist, kann es sich keine im Parlament vertretene demokratische Partei mehr leisten, auch nur daran zu denken, diesen Mann zum Vizekanzler zu machen und gemeinsam mit diesem und den Seinen eines Tages eine Regierung zu bilden.

Auch dieser Absatz vom 23. Dezember 2021, schon allein, legt mehr als nahe, daß es für Barbara Coudenhove-Kalergi hoch an der Zeit ist, in Rente zu gehen. Oder, auch, aber eine ebenso dringende Möglichkeit, die Tageszeitung österreichischen Qualitätszuschnitts, leistet sich eine Angestellte, die das Geschreibe der Barbara Coudenhove-Kalergi korrigiert, ehe Ihres in Druck geht.

Ein Absatz der Fehler, oder es ist doch abgründiger, schlicht wie kurz: österreichische Geschichtsdemenz.

Es gab keine „blaue Regierungsbeteiligung unter Bruno Kreisky“, nicht einmal „kurzzeitig“. Was es gab, war eine „Minderheitsregierung unter Bruno Kreisky“ vom April 1970 bis Oktober 1971, geduldet durch die FPÖ, die sich ihre Duldung teuer abkaufen ließ, durch eine sie bevorzugende Wahlrechtsreform. Erst unter Sinowatz gab es eine „blaue Regierungsbeteiligung“, ab 1983 mit Norbert Steger als Vizekanzler, der sich im Rentenalter nicht mehr erinnert, wie liberal er war als Vizekanzler, in einer Regierung, die Franz Vranitzky 1986 sofort beendete, als Jörg Haider die FPÖ übernahm, dessen treuergebener Untergebener auch schon Herbert Kickl irgendwann bald darauf wurde …

Und auch dazwischen, so Coudenhove-Kalergi, sei von ÖVP und SPÖ die Versuchung groß gewesen, also vor der „Ära Sebastian Kurz“, mit der FPÖ es zu versuchen. Es war nicht nur eine Versuchung, sondern es wurde tatsächlich mit der FPÖ regiert. Das verschweigt Barbara Coudenhove-Kalergi. Oder es fällt ihr, einfach wie kurz gesagt, der Name Wolfgang Schüssel nicht und nicht oder nicht mehr ein. Oder es ist doch abgründiger. Es ist dabei sehr verwegen, von einer „Ära Sebastian Kurz“ zu sprechen.

Was diese Zeit mit Sebastian Kurz war, wird eines Tages vielleicht einfach wie kurz so genannt werden: „Chäta“ …

So bald, schreibt Coudenhove-Kalergi, werde die identitäre Parlamentspartei es nicht wieder in eine Bundesregierung schaffen. Es ist äußerst kurz her, und sie wäre wieder in einer Regierung gesessen, erst im Oktober 2021 wurde versucht, und dies nicht nur von ÖVP und SPÖ, sondern auch von NEOS und den Grünen, eine Regierung für den Fall der Fälle zu konstruieren, an der auch die FPÖ beteiligt …

Ein Mann, ebenfalls hoch im Rentenalter, hat erst im Oktober 2021 genau diesem Herbert K. gedankt, der ihm nun, im Dezember 2021, eine „große Belastung“ war, in dem Amt, zu dem er, der Mann im Rentenalter, ihn angelobte, ihm, dem Mann im hohen Rentenalter, erst zu „großen Belastung“ ward, durch seine Angelobung, der sich dann aber letztlich doch würdig erwies, den Dank des Mannes im hohen Rentenalter zu empfangen.

Verfassung Österreich – 90.198 Mal „Rasse“

Neunzigtausendeinhundertachtundneunzig Mal wird „Rasse“ ausgeworfen, wenn nach „Rasse“ im Rechtsinformationssystem des Bundes der Republik Österreich auf bka.gv.at gesucht wird, am 23. Dezember 2021

Neunzigtausendeinhundertachtundneunzig Mal ist also „Rasse“ in das österreichische Recht und in die österreichische Rechtsprechung geschrieben; so wird es bei dieser Menge nur verständlich, daß auch die derzeitige Bundesregierung nicht in ihr Regierungsprogramm aufgenommen hat, „Rasse“ aus der Bundesverfassung zu streichen.

Ein Regierungsprogramm hat freilich eine gänzlich andere Verantwortungsqualität als ein Koalitionsvertrag. In einen Koalitionsvertrag hätten diese zwei Parteien oder diese, wenn das Resttürkise als eigene Partei angezählt wird, drei Parteien womöglich die Streichung des Begriffs „Rasse“ geschrieben, wie es die neue Bundesregierung in Deutschland tat.

„Rasse“ kommt in dermaßen vielen Gesetzen in Österreich vor, auf Gemeindeebene, auf Landesebene, auf Bundesebene, in Erkenntnissen des Verwaltungsgerichtshofes, in Kundmachungen, daß es hier den Platz sprengte, alle aufzuzählen – Verfassung, Tierzuchtverordnung, Verordnung zur Durchführung Pflanzenschutzmaßnahmen, Schweinerassen-Verordnung, Haltung und Zucht von Bienen, Landes-Verwaltungsabgaben-Verordnung, Antidiskrimierungs-Richtlinie und so weiter und so weiter und so fort.

Was von „Rasse“ zu halten ist, was „Rasse“ bedeutet, wem „Rasse“ zugeordnet ist, wer Menschen nach „Rassen“ selektiert, ist dem österreichischen Gesetz nicht fremd, ist der österreichischen Rechtssprechung nicht unbekannt, darüber gibt das Versorgungsrecht unmißverständlich Auskunft:

Ausführungen zur Frage der Versorgungsberechtigung bei Zugehörigkeit zum Rasse- und Siedlungshauptamt der SS; Ergänzungsbedürftigkeit wegen möglicher Abstellung oder Abkommandierung an Waffen-SS. Norm: KOVG, Index: Versorgungsrecht, Verwaltungsgerichtshof.

„Rasse“ allein aus der Verfassung zu streichen, das stellte die derzeitige Regierung wohl vor eine unlösbare Aufgabe, hätte es doch für das gesamte Recht und für die gesamte Rechtssprechung in Österreich Folgen.

Hingegen muß die ihr gestellte Aufgabe, eine medizinische Aufgabe zu lösen, von der derzeitigen Bundesregierung geradezu als eine Beleidigung empfunden werden, sie derart zu unterfordern …

¡Austria: Adiós a la Vacunación obligatoria!

Spanien hat zwar eine der höchsten Impfquoten weltweit, dennoch sind die Coronavirus-Neuinfektionen zuletzt explodiert. Die Behörden meldeten zuletzt einen neuen Rekord von 49.823 Infektionen an einem Tag. Die Omikron-Variante macht fast die Hälfte der Neuinfektionen aus. Manche Regionen wie Katalonien wollen deshalb striktere Regelungen und könnten bald wieder eine nächtliche Ausgangssperre verhängen.

Das wird heute, 22. Dezember 2021, berichtet, nicht von der Fernsehanstalt des Süßwasserkleberabfüllers, die dem antisemitischen NS-Deutschland-Verharmloser mit zu einer gemeingefährlichen Bekanntheit verhalf, sondern vom österreichischen Rundfunk des öffentlichen Rechts.

Reiche Länder sind mit ihren Auffrischungsimpfungen für alle nach Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich für eine Verlängerung der Coronavirus-Pandemie verantwortlich. Wären die dafür verwendeten Impfdosen an Gesundheitspersonal und gefährdete Menschen in ärmeren Ländern gegangen, hätten schon im September 40 Prozent der Menschen in allen Ländern geimpft werden können.

WHO, 22.12.2021Mehr Videos im ORF.at-Newsroom

Die WHO geht davon aus, dass bei einer globalen Impfrate von 40 Prozent in jedem Land die akute Phase der Pandemie beendet wäre. Stattdessen verpassten mehr als die Hälfte der WHO-Mitglieder das 40-Prozent-Ziel auch bis Ende des Jahres, sagte heute WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Flächendeckende Auffrischungsprogramme werden die Pandemie wahrscheinlich verlängern, anstatt sie zu beenden“, sagte Tedros. Das liege daran, dass Impfdosen in Länder geliefert würden, die bereits eine hohe Durchimpfungsrate haben. Diese Impfdosen fehlten in ärmeren Ländern. Das gebe dem Virus die Gelegenheit, sich in unterversorgten Gegenden auszubreiten und dort neue Varianten zu bilden.

Das wird heute, am 22. Dezember 2021, berichtet, nicht von der Fernsehanstalt des Süßwasserkleberabfüllers, deren Berichte auch in geringster Dosierung ungenießbar und gesundheitsabträglich sind, sondern vom österreichischen Rundfunk des öffentlichen Rechts.

Und in Österreich?

Wien – Österreich hat wegen seiner mageren Impfquote von rund 68 Prozent die allgemeine Corona-Impfpflicht auf den Weg gebracht. Ein Gesetzentwurf aus dem Sozialministerium in Wien liegt vor und befindet sich in der parlamentarischen Beratung, schon am 1. Februar 2022 könnte das Gesetz in Kraft treten. Ein Kernpunkt: „Die Impfpflicht wird nicht mit physischem Zwang durchgesetzt“, heißt es in dem Entwurf. Aber die Strafen bei einer Missachtung sind auch nicht ohne. Geplant sind vierteljährlich sogenannte Impfstichtage, an dem jeder geimpft sein muss, es sei denn er fällt unter Ausnahmeregelungen.

In Österreich wird eine Impfpflicht verordnet, so berichtet es am 22. Dezember 2021 die Stuttgarter Zeitung. Und in Österreich wird getrommelt und getrommelt für das Impfen. Mehr als getrommelt, gefeuert aus allen Werbepillenröhrchen, die mit den Marken der Impfstoffabfüllungsfabriken gebrandet sind, vor allem für die sogenannte Auffrischungsimpfung.

Das Internationale daran ist einzig der massive Einsatz des Wortes „Boost“, und sie alle kommen sich, sprechen sie „Boost“ aus, im von Bergen eingeschlossenen Land recht weltläufig vor.

Es geht hier nicht, um möglichen Einwänden klar zu widersprechen, gegen das Impfen, es geht hier nicht für das Impfen, das Impfen ist hier ohne Belang, es will hier kein weiteres und also unnötiges Kapitel geschrieben geleistet werden, zu einer Frage, die zu einer destruktiven Glaubensfrage der Reichen verkommen ist, wie so viele Fragen der Menschen davor, wie etwa die Frage, wie konnte Gott Frau Maria ohne Geschlechtsverkehr schwängern, oder was hatte Frau Maria von dem Geschlechtsverkehr mit einem inexistenten Wesen, außer daß sie schwanger wurde …

Eine Impfpflicht aber verordnen zu wollen, als einzige Heilsbringung, zu meinen es könne je eine nationale Heilung geben, kann nur verursacht sein, unfähig zu sein, über den sogenannten Tellerrand sehen zu können, wie auch, dermaßen von Bergen eingeschlossen, ist der Blick aus Österreich hinaus in die Welt schon naturbedingt verunmöglicht. Wo werden, das ist eine Frage, der durchaus nachzugehen ist, wo wird in Österreich Derartiges, zum Beispiel eine Impfflicht, ersonnen? In einer Keuschen im Niederösterreichischen?

Auf etwas zu setzen, das die „Pandemie wahrscheinlich verlängern [wird], anstatt sie zu beenden“, in vollkommener nationaler oder berglerischer Ignoranz der Weltgegebenheiten und Weltbedingungen im Hochamt der Miasanmiamentalität, kann nicht länger, nicht nur wegen dieser einen und neuesten Mitteilung der WHO, je noch argumentiert werden.

Eine Impfpflicht heißt auch, der Argumentation der WHO zufolge, Menschen dafür zu strafen, wenn sie sich dem Verlängern der Pandemie verweigern.

Ein Beitrag zum Beenden der Pandemie wird die Impfflicht nicht sein, die angesichts der globalen Situation der Ungleichgewichte nicht argumentierbare Impfflicht wird nur die Beendigung der Zivilisation als Prozeß der Zivilisation sein, wie sie in Österreich fort und fort entwickelt wird: das Befehlen als höchstes und letztes Zivilisationsziel …

Reaktionszeit vier Jahre

Nun wird verstanden, was Günther Platter mit „Tiroler Mentalität“ meint, die er als die Empfehlung anführt, für den Verbleib von Alexander Van der Bellen in der Hofburg, als Bundespräsident, nach 2022, noch weitere …

Es ist die Reaktionszeit. Wie nun fast auf den Tag genau vier Jahre später im Dezember 2021 erfahren werden darf: Die Reaktionszeit von Alexander Van der Bellen beträgt vier Jahre.

Vier Jahre ist die Reaktionszeit von Alexander Van der Bellen …

Hätte Alexander Van der Bellen am 18. Dezember 2017 für die Angelobung von und nicht nur von Herbert Kickl vier Jahre Zeit gehabt, hätte er, Van der Bellen, also erst nach Ablauf seiner erforderlichen Reaktionszeit von vier Jahren Zeit gehabt, Herbert Kickl und nicht nur Herbert Kickl anzugeloben, er, Van der Bellen, hätte Kickl und nicht nur Kickl am 18. Dezember 2017 nicht angelobt

Auch wenn es immer gesagt wird, das Wichtigste ist die Gesundheit, aber wirklich erfahrbar wird dies erst, tatsächlich erlebbar wird dies erst, wenn die Gesundheit derart angegriffen ist, wie nun seit bald zwei Jahren, daß die Gesundheit das höchste Gut des Menschen ist, und in dieser Stunde der Gesundheitsnot für dieses Gut gilt es dann einzutreten, mutig in die Fenster Kerzen zu stellen, zu bekennen, mit mutigen Reden, jene zu maßregeln, von denen, so werden wohl die schwarzblinkenden Signale sein, auf absehbare Zeit nicht Gefahr droht, sie angeloben zu müssen

„Rückblickend würde ich sagen, Herbert Kickl als Innenminister war wirklich eine große Belastung“, sagte das Staatsoberhaupt im Interview mit der „Kleinen Zeitung“. Zudem hätte sich Kickl und mit ihm die Freiheitlichen politisch selbst aus dem Spiel genommen, meinte Van der Bellen in der „Tiroler Tageszeitung“ auf die Frage, ob Kickl noch ministrabel sei.

„Tiroler Mentalität“. Reaktionszeit vier Jahre. Aber nur dann derart kurz, wenn die Bedingungen stimmen, die Gegebenheiten für eine so kurze Reaktionszeit günstig sind. Und nun sind die Bedingungen, die Gegebenheiten begünstigt durch die dominiernde Frage der Gesundheit, die, so darf angenommen werden, zur tirolerischen Mentalität gehört wie der Andrä zum

Wäre die Gesundheit nun nicht ein derart zentrales Thema, wäre die Reaktionszeit von Van der Bellen mit vier Jahren nicht so kurz ausgefallen, sondern sie würde dauern und dauern und dauern, dauern … bis eine Reaktion, ein Handeln … das kann nur spekuliert werden, weitere zehn Jahre, zwanzig Jahre, vierzig Jahre, vierundachtzig Jahre, einhundertunddrei Jahre?

Fünfundachtzig Jahre in etwa wird Van der Bellen dann alt sein, wenn er, sollte der dringliche Wunsch von Wolfgang Sobotka in Erfüllung gehen, ihn, Van der Bellen, weitere sechs Jahre in der Hofburg zu halten, nach weiteren sechs Jahren im Hofburgschlafzimmer endgültig in die Rente gehen, in das Ausgedinge, wie es auf dem Land heißt, vielleicht auch auf dem Tirolerischen …

Die Freiheitlichen hätten sich, so Van der Bellen nach seiner vierjährigen Reaktionszeit, nun aus dem Spiel genommen, weil sie im Angesicht der prekären Gesundheitslage nicht so agieren, wie es sich ein mit tirolerischer Mentalität gesegneter Kerniger vorstellt, für den die Gesundheit sitzt zur Rechten Gottes, die näher noch zu Gott als Sohn und Taube, sie, die Gesundheit, ihre Einflüsterin …

Vor vier Jahren hat sich Kickl und nicht nur Kickl, als die Reaktionszeit von Van der Bellen wieder einmal zu ticken begann, nicht aus dem Spiel genommen, sondern wurde die identitäre Parlamentspartei als identitäre Regierungspartei von Van der Bellen ins Spiel gebracht, er brachte sie nicht aktiv ins Spiel, sondern er erfüllte seine Pflicht; das Ausführen von erteilten Aufträgen wohl auch untrennbarer Teil tirolerischer Mentalität.

Wer eine große Belastung ist, soll dennoch nicht unbedankt sein, welche Gründe es auch immer sein mögen, für eine große Belastung zu danken, so wie Alexander Van der Bellen erst vor kurzem, im Oktober 2021, sich bei Herbert Kickl ausdrücklich und namentlich bedankt …

Alexander Van der Bellen selbst wird wohl noch unbedankt sein, von jenem Mann, der für ihn einer ist, der die Sehnsüchte und Hoffnungen eines ganzes Volkes

Unbedankt wohl noch von einem Mann, der gesinnungsgemäß mehr mit dem Mann und seiner Partei gemein hat, dem Alexander Van der Bellen im Oktober 2021 so aufrichtig dankte …

Es ist nicht bekannt, ob der von Alexander Van der Bellen bedankte Mann, jenem aus Deutschland Angereisten dankte, für seinen Auftritt im Oberösterreichischen, für sein Kommen nach Wien, um ihn, den von Alexander Van der Bellen Bedankten, zu hören …

Hätte Alexander Van der Bellen nicht den Namen des Innenministers genannt, sondern nur gesagt, der Innenminister eine große Belastung … es hätte auch dieser Innenminister oder jener Innenminister gemeint sein können, auch dieser, wieder an einem Montag von Alexander Van der Bellen angelobter

NS Der von Alexander Van der Bellen bedankte Mann schreibt in einem sogenannten offenen Brief viel von Mut, zum Beispiel es würde ihm, Van der Bellen, an Mut fehlenDieser von Van der Bellen bedankte Großbelastete vergißt dabei, daß Alexander Van der Bellen ein gänzliches anderes Konzept mutig verfolgt: die Entcouragierung …

Dies ist der Mut von Alexander Van der Bellen, aber der Reichbelastete wird seinen Blick ängstlich und scheu von den Plakaten je abgewendet haben, von denen Alexander Van der Bellen von Wien bis in die Berge und Täler Südtirols den Ruf nach Mut erschallen …

Zerschlagen, immer noch Schweigen in der Nacht

Es gibt eine Übersetzung von „SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT)“: „ZERSCHMETTERT IN STÜCKE (IM FRIEDEN DER NACHT)“ …

Es wird beim Übersetzen, vielleicht in der Nacht, möglicherweise zu viel an die eigene Nacht gedacht worden sein, im Frieden der eigenen Nacht passierte möglicherweise die Übersetzung irgendwo auf dem Land, aber die Nacht ist keine Zeit des Friedens, auch nicht auf dem Land, nur ist die Nacht auf dem Land dunkler als in der Stadt, ist es im Gegensatz zur Stadt auf dem Land in der Nacht mehr noch finster.

Wenn aber auf dem Land in der Nacht ein Flaschenhals abgeschlagen und dieser in den Hals eines Menschen, vornehmlich einer Frau gerammt wird, hört sich dies mitten in der Nacht, in der Stille der Nacht anders an, als wenn es mitten am Tag passiert. Lawrence Weiner habe, so wird es berichtet, seinen Flakturmtext in diesem Sinne kommentiert, daß sich beides völlig unterschiedlich anhöre, wenn man in Wien auf der Straße gehe und am hellichten Tag eine Flasche zerbreche und wenn man das Gleiche dann auch in der Nacht mache.

Weder am Tag noch in der Nacht: Frieden. Beunruhigender jedoch ist die Nacht, mit ihrer Stille. Die Nacht herrscht immer noch, auch am Tag, mit verordneter Stille, mit verordnetem Schweigen, mit diktiertem Schlaf. Und auch im Schlaf in der Nacht kein Frieden. Nirgendwo wird das besser gewußt als in Wien. Wo es aufkam, sich am Tage auf eine Couch zu legen, um die Friedlosigkeit der Nacht des Schlafens zu bereden, zu bearbeiten, aufzuarbeiten, um zu, vielleicht, einem Frieden zu gelangen.

In der Übersetzung das Wort „Frieden“: putzig, kitschig, sentimental, adventlich, fehl am Platz. Fehl am Platz ist das Wort „Frieden“ auch deshalb, weil Lawrence Weiner mit seinem Flakturmtext sich auf etwas Konkretes bezog, auf einen genau zu datierenden Zeitraum, als der Flakturm im Schlachtengebrauch war, weil die Nächte alles andere als friedlich waren, weil die Nächte keine Nächte der Stille waren, sondern … Er habe, heißt es, den Flakturm neu interpretiert, vom „Symbol des Nationalsozialismus zum Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ …

Es heißt auch, der Flakturmtext könne als Aufruf zum Handeln verstanden werden. Die derzeitige Bundesregierung in Österreich könnte dem gefolgt sein, danach handeln; es gibt keinen Faschismus mehr – jedenfalls in ihrem Regierungsprogramm

Am 2. Dezember 2021 ist Lawrence Weiner gestorben. Sein Flakturmtext kann auch anders übersetzt werden. Er jedoch kann nicht mehr befragt werden, ob er mit dieser Übersetzung einverstanden wäre …

ZERSCHLAGEN (IN DER NACHT IMMER NOCH SCHWEIGEN)

Vor dreißig Jahren, als Lawrence Weiner seinen Text auf den Flakturm schrieb … es will nicht spekuliert werden, welche Übersetzung zu der Zeit vor dreißig Jahren mehr —

Worüber jedoch spekuliert werden kann, ist, wie wollen jene, die den Flakturmtext auf einem anderen Gebäude als dem Flakturm angebracht haben und in der Nacht hell erleuchten lassen, und mit ihrer Platzwahl dabei völlig fehlgegangen sind, ihren zweisprachigen Text verstanden wissen. Vor allem die Wahl ihrer Textfarben. Grün: ZERSCHMETTERT IN STÜCKE“. Rot: „SMASHED TO PIECES“.

Ist alles zerschmettert in Stücken, hat sich alles zerschlagen, was einst vom politischen Grün erhofft und erwartet? Grün schon nach eineinhalb Jahren völlig entblößt? In grün „Zerschmettert in Stücken“ ist erst seit dem Mai 2021 auf diesem Gebäude zu lesen, nach knapp eineinhalb Jahren grüner Regierungsbeteiligung … Ist alles zerschmettert in Stücken, hat sich alles zerschlagen, was einst vom politischen Rot … Die Hoffnung auf eine grünrote Regierung zerschmettert in Stücke, die Sehnsucht nach einer rotgrünen Regierung zerschlagen? Dennoch ein Klammern daran?

Auf diese Weise verstanden, ist dieses Gebäude kein falsch gewählter Ort für diese Übersetzung in diesen Farben, wie auch das Parlament, das Bundeskanzleramt, die Hofburg weitere gut gewählte Orte wären für diese Übertragung in diesen Farben.

Für den Text von Lawrence Weiner jedoch gibt es nur einen Platz: den auf dem Flakturm. Und auf einem Flakturm ist der Text nach wie vor, nicht mehr auf dem Flakturm im Esterházypark, dafür auf dem Flakturm im Arenbergpark, kaum mehr als zehn Minuten Fußweg entfernt von dem Gebäude, auf dem dieser in einer Verdoppelung mit der Übersetzung grünrot … schwarz jedoch: „IN THE STILL OF THE NIGHT“; die Klammern jedoch rot. Schwarz auch: „IM FRIEDEN DER NACHT“, die Klammern jedoch grün. Schwarz ist der Frieden niemals. Soher ist „Frieden“ für die Übersetzung kein falsch gewähltes Wort, die schwarze Farbe widerspricht dem Wort …

Weshalb noch ein Kapitel zum Flakturmtext, könnte gefragt werden. Nun, vielleicht deshalb, weil an diesem letzten Adventsamstag, und der Advent soll ja die stillste, die friedlichste Zeit am Tag und in der Nacht im Jahr sein, der Weg in die Innenstadt an diesem Gebäude mit der grünroten Übertragung vorbeiführt, in einem Advent, an einem Samstag, der weder bei Tag noch bei Nacht still, friedlich …

Vielleicht auch deshalb, weil es als notwendig erachtet wird, festzuhalten, daß ein Flakturm nicht das „Symbol des Nationalsozialismus“ ist. Denn. Flaktürme haben alle, gleich welcher Gesinnung, Weltanschauung sie sich verpflichtet fühlen. Das Symbol des Nationalsozialismus ist, auf österreichischem Boden: Mauthausen. Drei Minuten entfernt von diesem Gebäude mit der grünroten Übersetzung steht eine von nicht wenigen nach wie vor verteidigte Figur als Symbol dafür, wohin es führen kann, wenn geschwiegen, und wenn weiter und immer noch verschwiegen, wer vor allem …

Die Flaktürme in Wien sind weithin sichtbare Zeichen für den Abfall ihres Glaubens an den Nationalsozialismus, für das Zertrümmern der Hoffnungen, für das Zerschlagen der Sehnsüchte der Menschen, die sie wohl persönlich mit dieser Gesinnung verbanden: ein gutes Fortkommen wohl, Frieden in der Nacht und am Tag, Sicherheit, einfach wie kurz gesagt: ein gutes Leben.

Aber mit dem Bau der Flaktürme entblößte sich diese Gesinnung völlig, daß sie nichts halten konnte und vor allem nichts halten wollte, das sie versprach. Wie wurde etwa von dieser Gesinnung noch im September 1938 der „Frieden“ gefeiert, der „Frieden von München“ zelebriert. Es vergingen gerade einmal elf Monate, nicht einmal ein ganzes Jahr war um, als diese Gesinnung einen Weltkrieg mit Abermillionen von Ermordeten und Mordenden …

(ZERSCHMETTERT) IN DER NACHT WEITER BESCHWICHTIGT

Velwechserungsklamotte

Nun hat Eva Blimlinger in einem Interview mit „Standart“ über „Strukturdebatten“ und „Kulturbaustellen“ gesprochen, veröffentlicht am 16. Dezember 2021 …

Der Begriff wird weiter verwendet werden, das ist mir schon klar, aber mir ging es auch darum, ein bissel aufmerksam zu machen, woher Begriffe kommen und wie sie sich sozusagen entwickelten. Er wird weiter verwendet werden, ich habe auch kein Problem damit, daß er weiter verwendet wird, aber man soll wissen, was der Kontext ist.

Es hat Eva Blimlinger nicht über den Begriff „Antiziganismus“ gesprochen, der in Österreich ohnehin nicht verwendet wird, der im „Regierungsprogramm“ dieser türkis ausgewaschenen christschwarzgrünen Regierung auch nicht verwendet wird.

Sie, die eine, wie es in diesem Interview genannt wird, der maßgeblichen Mitverhandlerinnen dieses „Regierungsprogramms“ war, hat auch nicht über den Begriff „Rasse“ gesprochen, der im Regierungsprogramm vorkommt, als Bestandteil von Wörtern, die mit dem Inhaltlichen des Begriffs „Rasse“ nicht zu tun haben.

Sie hat also kein Problem damit, daß Begriffe weiter verwendet, nicht verwendet

Wenn du nicht weiter weißt, dann hol dir die Kunst. Ja. Also die Kunst soll etwas reparieren, kontextualisieren, wiewohl ich diesen Begriff nicht ausstehen kann. Man könnte ja einfach auch Historiker bitten, das zu kontextualisieren. Ich war damals in der Jury, 2009, und ich habe die Idee, das Denkmal zu neigen oder schief zu stellen, eigentlich wunderbar gefunden. Ist natürlich eine Kostenfrage. Aber die sollte dann letztlich nicht entscheidend sein, wie das umgesetzt wird. Ich fürchte, es wird ein künstlerischer Wettbewerb sein, ja, und dann, entweder ist er schon so ausgeschwemmt, eh nur Vorschläge kommen, die umsetzbar sind, dann wird es aber keinen Aufschrei geben, oder es ist wirklich ein offener künstlerischer Wettbewerb. Wenn dann ein Vorschlag kommt, wird man sagen, den kann man leider nicht umsetzen. Es ist bissel a Farce. Wenn es eine bessere Idee, jederzeit gerne. Die bessere war sicher, ihn zu neigen, aber man kann ihn ja neigen und davor ein Herzl-Denkmal, natürlich kein figuratives, […] aber so, daß der Lueger immer im Schatten steht.

Mit einem Historiker wurde es probiert, seine Zusatztafel, nun, eine Kontextualisierung österreichlich: eine Karlisierung …

Eine Farce, ein Debakel, ein Dilemma ist es, schon seit Kunschak sich aufgemacht hat, Geld für dieses Demonstrationsdenkmal aufzustellen und Müllner zu meißeln ….

Das Denkmal schief zu stellen, das Denkmal zu neigen, mit Theodor Herzl davor, eine Idee, die sich Eva Blimlinger hoch anrechnen wird, aber es ist schief gedacht, realpolitischen Gegebenheiten freundlich zugeneigt gedacht … wem dies von der Schiefdenkenden, der Neigungsdenkenden wohl gefallen haben dürfte, Theodor Herzl dem Lueger beizugesellen, nun, für diese müßte sie ihre Idee nicht weiter … aber es gibt wohl so etwas wie eine Treue, und darüber hinaus, wer weiß, wie die nun Diktierenden es aufnehmen würden, kämen andere Ideen, die nicht österreichlich …

Wahrscheinlich werden manche mir das nicht verziehen haben, die meisten aber schon. Mit der Andrea [Mayer] habe ich sehr viel zu tun, weil wir uns in vielen Dingen besprechen, wie wir es anlegen, grad in der ganzen Frage der Corona-Hilfen und des Aufsperrens. Wir haben einen regelmäßigen Austausch. Ich würde sagen, wir haben ein wunderbares Verhältnis. Wir kennen uns ja, da wir beide schon lange in dem Betrieb tätig sind, auch schon lange. Wir kennen uns noch, wie sie im Bereich der Wissenschaft war, beim Wissenschaftsministerium. Wir kennen uns lange, wir können gut miteinander, es lauft wunderbar. Mit Werner Kogler habe ich zu tun, aber weniger in diesen Kunst- und Kulturagenden, weil […]

Eva Blimlinger wurde gefragt, ob ihr verziehen worden sei, daß sie einer Parteikollegin in den Rücken gefallen sei. Ihre Parteikollegin mußte gehen, mußte fallen, damit der Minister für Kunst und Kultur weiter auffallen kann, als Minister für Nichtkunst und Nichtkultur, während sie, Blimlinger, mit ihm in Kunst- und Kulturagenden weniger – aber wie auch?

Ich kann mir das tatsächlich vorstellen. Was nicht heißt, zusperren, daß dort nichts mehr passiert. Als Raum muß es sozusagen bleiben und für die Kunst und Kultur bleiben. Die Frage ist nur, komme ich mit einem klassischen Theater, also mit einem Aufführungstheater, wo ich Stück um Stück spiel, Repertoire, wie auch immer […] Ich bin ja keine Theaterfrau, ja, aber ich denke, es wär doch eine Superherausforderung, ob ma in einem Theater nicht gänzlich etwas anderes machen kann. […] Was ich mir wahnsinnig wünschen würde, ist, daß man vielleicht, einer der Intendanten, Intendantinnen, angesichts der Pandemie hie und da ein Lustspiel spielt. […] Was gibt es für Alternativen zum Theater, zum klassischen bürgerlichen Theater, das ist es ja. Also zur Aufführung, wo das Publikum um 19.30 Uhr oder 19.00 Uhr, je nachdem wie lange das Stück halt dauert, hingeht und der Vorhang geht auf und dann geht er wieder zu.

Was für eine außergewöhnliche Idee einer Denkerin der Neigungsgruppe, und so recht traditionsreich, Lustspiele in Zeiten der Schwere, um den Menschen das Vergessen ihres gemarterten Alltags zu schenken … aber diese Lustspiele, diese Velwechserungsklamotten, Intendantinnen kommen schon lange dem blimlingerschen Wunsche nach, werden aufgeführt, etwa: Sunday riders in Vienna, without horses …

Und was für eine Befreiung, endlich keinen Schiller mehr, keinen Goethe mehr, keinen Raimund mehr, keinen Nestroy mehr, keinen Beckett mehr, keine Jelinek mehr, keinen Tschechow mehr, keinen Ibsen mehr, keinen Schnitzler mehr, keinen Krenek, keinen Bernhard mehr, keinen Jarry, keinen Ionesco mehr, keinen Jandl, keinen Handke mehr, keine … und keinen mehr und keine … vor allem keinen Shakespeare mehr, der bloß von der Gegenwart erzählt, was der Vergangenheit in der Gegenwart fernen

Es gehe, sagt Eva Blimlinger in diesem Abschnitt zu Musik, Museen und Theater, darum, was die Bevölkerung will. Das kann weder pauschal noch letztgültig beantwortet werden. Aber was diese Regierung will, im Angesicht der Pandemie konnte ein Eindruck davon gewonnen werden … die Schipisten werden dafür auf Dauer nicht ausreichen, es werden weitere Räume dafür gebraucht werden, wie passend wären dafür doch die vielen Theaterräume als Ganzjahralmadventpunschhütten für den fressend, saufend und betend kulturlos und kunstbarbarisch schifahrend gewollten Menschen …

Ein Regierungsprogramm österreichischer Traditionskunst: Null Faschismus. Null Austrofaschismus. Null Ständestaat.

Auch dieser Innenminister aus dem Tal ebenfalls seit einem Montag angelobter Innenminister wird dem Ruf leicht gefolgt sein, vor alle hinzutreten, und zu bekennen, er trete mit freudigem Herzen und reinem Denken einer Regierung bei, deren Regierungsprogramm ein Regierungsprogramm der Zukunft sei.

Denn. Es ist ein Regierungsprogramm von Männern und Frauen, die mit der Vergangenheit abgeschlossen haben, die nicht nach unten in die Vergangenheit, sondern nach oben in die Zukunft schauen. Nichts bringt dies besser und deutlicher zum Ausdruck, als der in diesem fehlende Verweis auf den Faschismus, der unerwähnte Austrofaschismus, der ausgelassene Ständestaat …

So wird auch dieser Innenminister seine Arbeit frohen Gemutes auf dem Grunde der Zukunft, der auch ihm das Regierungsprogramm ein trittfester Boden sein wird, reinen Gewissens tun können, unbelastet von der Vergangenheit fernen.

Der Innenminister wird sich nicht herumschlagen müssen mit einem Faschismus, den es im Österreich der Herzlichkeiten ohnehin nie gab, nur verschwörerisch herbeigeredet von jenen, denen nun sein zum Hauptinnenminister oder zum Innenbundesministerkanzler aufgestiegener menschenrechtlich in Alternativen Denkender an den Kopf warf das sie vernichtetende Wort vom Austromarxismus.

Das offenbar für ihn zu Kleingedruckte im Regierungsprogramm hat der ebenfalls montagsangelobte Innenminister möglicherweise nicht erlesen, das doch von der Vergangenheit handelt, ein-, zwei- oder sogar dreimal im Jahr ausrücken zu müssen, zum Gedenken an den Nationalsozialismus.

Möglicherweise hat er, der ebenfalls an einem Montag gewordene Innenminister, dies nicht überlesen, sondern er wußte sofort, zukunftsreich wie er ist, wie dieses Gedenken hinkünftig von ihm historisch gerichtet zu gestalten sein wird, mit Einladungen ins Museumstal …

Rasse der Verfassung Österreichs: Schönheit und Eleganz

Was in Deutschland schlicht „Koalitionsvertrag“ genannt wird, heißt in Österreich „Regierungsprogramm“, und das zu Recht.

Denn. Das Regierungsprogramm ist mehr als nur eine Vereinbarung des Besten aus zwei Welten, es ist das Regierungsprogramm der neuen Welt

„Wir wollen den Begriff ‚Rasse‘ in der Bundesverfassung ersetzen.“

Allein dieser Satz beweist, daß dies das Programm einer Regierung der neuen Welt für eine neue Welt

67 Versorgungsrecht. Ausführung zur Frage der Versorgungsberechtigung bei Zugehörigkeit zum Rasse- und Siedlungshauptamt der SS; Ergänzungsbedürftigkeit wegen möglicher Abstellung oder Abkommandierung an Waffen-SS. Im RIS seit 22.05.2001. Dokumentennummer JWR_1963000691_19640320X01. Verwaltungsgerichtshof (VwGH).

Mit dieser Blut-und-Boden-Geschichte Österreichs wäre es vor Jahrzehnten bereits mehr als angemessen und vor allem notwendig gewesen, „Rasse“ aus der Bundesverfassung zu streichen. Jedoch. Es mußten Jahrzehnte vergehen, bis zum Eintritt der Partei Die Grünen – Die Grüne Alternative in die österreichische Bundesregierung im Jahr ’20, daß in einem österreichischen Regierungsprogramm klar und konkret festgeschrieben ward, den Begriff „Rasse“ in der Bundesverfassung zu …

Nun aber endlich heißt es unmißverständlich und konkret, wortwörtlich zitiert:

Wir wollen den Gleichbehandlungsartikel des Grundgesetzes (Artikel 3 Absatz 3 GG) um ein Verbot der Diskriminierung wegen sexueller Identität ergänzen und den Begriff „Rasse“ im Grundgesetz ersetzen.

Den Artikel 3 gibt es, auch in Österreich, nicht aber im Grundgesetz, sondern in einem, das in Österreich mit Wiederbetätigung zu tun hat; es ist also doch kein Satz aus dem Regierungsprogramm der christgrünschwarzen Regierung in Österreich, sondern aus dem schlicht genannten Koalitionsvertrag der Parteien in Deutschland

In Deutschland also soll der Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz heraus, in Österreich bleibt der Begriff „Rasse“ in der Bundesverfassung; es ist ja auch ein zu elegantes Wort, wohl wert, daß es in einem schönen Werk …

Von der Eleganz und der Schönheit des Wortes „Rasse“ muß auch die christgrünschwarze Regierung überzeugt. Auch davon zeugt das ihr Regierungsprogramm. Und das ist nachvollziehbar. Nur mit einem schönen Wort lassen sich derart viele elegante Wörter bilden. Die christgrünschwarze Regierung hat viele von diesen gefunden und in ihr Regierungsprogramm geschrieben; wie „Trassen“, „Zweinutzungsrassen“ … Die Suchfunktion zeigt auch „Stellungsstraße“, „Straßenverkehr“, „Straßenbau“ an, aber dies ist wohl dem geschuldet, daß die Suchfunktion meint, eine liechtensteinsche oder eine schweizerische Suchfunktion zu sein, oder die Suchfunktion ihre Orientierung verloren hat, überall sucht, auch in Ländern, wo sie nicht suchen soll, soher auch Ergebnisse anzeigt aus Ländern, in denen die korrekte Schreibweise „Strassenverkehr“, „Strassenbau“, „Stellungsstrasse“ …

Weniger schön und weniger elegant scheint der christgrünenschwarzen Regierung „Roma“ zu sein, hierfür fand sie für ihr Regierungsprogramm nur zwei Wörter, in denen „roma“ enthalten ist ...

Karl Heinz Grünsteidl, ein Idealist ist nicht mehr

Freilich blieb Karl Heinz Grünsteidl bis zuletzt die Antwort schuldig, was für ein wie geleiteter Idealist er ist, er, der zu antworten wußte, mit „fehlgeleitetem Idealismus“ …

Nun, da er, der Idealist mit dem nicht fehlgeleiteten Idealismus nicht mehr ist, kann bloß in aller Wahrheit — wie es sich an der Bahre eines Menschen eben stets geziemt, ehrlich und aufrichtig zu sprechen — festgehalten werden, es wurde nie auf seine Antwort gewartet, denn die Antwort, was ein nicht fehlgeleiteter Idealismus ist, gibt seine Partei täglich.

Und wenn an diesem Samstag, dem 11. Dezember ’21, sein Freund, wie berichtet wird, auf der Straße wieder unterwegs sein wird, um seinen nicht fehlgeleiteten Idealismus zu demonstrieren, ist es nur eine weitere Antwort dieser Partei, was für eine Idealistin sie ist, freilich eine Antwort als Fleißaufgabe, da sie es längst überreich beantwortet hat, was für eine Idealistin sie

Karl Heinz Grünsteidl war nicht nur ein professioneller und höchst loyaler Mitarbeiter, der die FPÖ durch viele Höhen und Tiefen an vorderster Front begleitet hat. Karl Heinz war mir auch persönlich ein wahrer Freund, wie man nur wenige im Leben findet. Ich bin ihm unendlich dankbar für seine jahrzehntelange aufopferungsvolle Tätigkeit und für all das, was ich von ihm beruflich und in menschlicher Hinsicht in vielen Stunden des persönlichen Miteinanders lernen durfte. Er war ein großartiger Charakter, voller Herzlichkeit und Tiefgang.

Nur einer, der selbst ein Mann des Tiefgangs ist, kann einen Mann des Tiefgangs erkennen … Nun, an diesem Samstag, wird der Verwaiste allein an vorderster Front — nein, es wird ihm Trost zuteil werden, von jenen, die kommen werden, zu ihm auf den Front, so heißt der Platz, von dem die Wollzeile weggeht, Männer und Frauen, ebenso überreich an nicht fehlgeleitetem Idealismus, Herzlichkeit und Tiefgang, wie er selbst und sein nun in die große Armee des Idealismus abberufener Freund