Es wird jetzt viel geredet über einen Film, der nicht Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Jänner um 12.00 heißt, sondern: „Wannseekonferenz“, von dem viele beeindruckt sind, erschüttert, den Film empfehlen, sich diesen unbedingt anzusehen.
Worüber aber nicht geredet wird, was nicht unbegreiflich erscheinen will, ist, daß an dieser Besprechung Martin Luther teilnimmt.
Ah, sagen Sie, bloß eine Namensgleichheit. Aber was für eine Namensgleichheit! Und vor allem, bei der Tagesordnung, zu der Martin Luther gewichtig was zu sagen hat.
„Armin Wolf: Ich begrüße Philipp Hochmair jetzt im Wiener Burgtheater. Guten Abend. Herr Hochmair, der Reinhard Heydrich, der Chefplaner des Holocaust, den Sie im Film zeigen, ist kein polterndes Nazimonster, sondern ein höflicher, kultiviert auftretender ruhiger Mann. Wie sehr ist das der reale Heydrich?“
Das fragt am 24. Jänner 2022 Armin Wolf in der Nachrichtensendung des österreichischen Rundfunks —
„Philipp Hochmair: Es war unser Versuch, einen heutigen Zugang zu diesem finsteren Thema zu schaffen und einen Kontakt zu heute herzustellen. Wir haben den 80. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar dieses Jahres gehabt. Und dieser Film soll einen Impuls geben über diesen Event, diesen schrecklichen Event nachzudenken. Wir haben versucht, einen heutigen Ton zu finden, also wir haben so sehr den sogenannten Nazisprech im Ohr, die polternden, lauten Nazis, aber vielleicht ist diese Konferenz auch so abgelaufen, daß die Leute auch wirklich ganz ruhig diese Abläufe auch so besprochen haben. […] Es geht wirklich um diese Konferenz, die Kräfte, die da gewirkt haben, und es ist vielleicht wirklich mit einer heutigen Vorstandssitzung, einem großen Konzern vergleichbar.“
„Unterwürfig öffnete man ihnen den Wagenschlag, sie schälten sich aus ihren dicken schwarzen Limousinen und passierten nacheinander die schweren Sandsteinsäulen. Sie waren vierundzwanzig bei den toten Bäumen am Ufer, vierundzwanzig schwarze, braune oder cognacfarbene Übderzieher, vierundzwanzig mit Wolle gepolsterte Schulterpaare, vierundzwanzig Dreiteiler, und die gleiche Anzahl breitgesäumter Bundfaltenhosen. Die Schatten stießen in das große Vestibül des Reichstagspräsidentenpalais vor; doch bald sollte es keine Reichstagsversammlung mehr geben, keinen Präsidenten, und in ein paar Jahren sogar keinen Reichstag mehr, nur noch einen Haufen schwelender Trümmer. Einstweilen werden vierundzwanzig Filzhüte vom Kopf gezogen und vierundzwanzig kahle Schädel oder weiße Haarkränze entblößt. Würdevoll reicht man einander die Hand, bevor man auf die Bühne steigt. Die ehrwürdigen Patrizier stehen dort im großen Vestibül; sie wechseln ein paar scherzhafte, respektable Worte; man könnte meinen, dem etwas steifen Vorgeplänkel einer Gartenparty beizuwohnen. […] Um den Tisch versammelt sind außer ihm [Wilhlem von Opel] Gustav Krupp, Albert Vögler, Günther Quandt, Friedrich Flick, Ernst Tengelmann, Fritz Springorum, August Rosterg, Ernst Brandi, Karl Büren, Günther Heubel, Georg von Schnitzler, Hugo Stinnes Jr. Eduard Schulte, Ludwig von Winterfeld, Wolf-Dietrich von Witzleben, Wolfgang Reuter, August Diehn, Erich Fickler, Hans von Lowenstein zu Loewenstein, Ludweig Grauert, Kurt Schmitt, August von Finck und Doktor Stein. Wir sind im Nirwana der Industrie und Finanz. Bisher sind alle still und manierlich […] Mit solchen Treffen kennt man sich aus, alle sitzen in Verwaltungs- oder Aufsichtsräten, alle gehören irgendeinem Arbeitgeberverband an. Ganz zu schweigen von den trostlosen Familientreffen dieses knochentrockenen, öden Patriacharts. […] Endlich betritt der Reichstagspräsident den Raum: Hermann Göring. Und das – es überrascht nicht im Geringsten – ist im Grunde ein ganz banales Ereignis, Routine. Im Geschäftsleben sind Partisanenkämpfe nicht der Rede wert. Politiker und Industrielle sind gewohnt, miteinander umzugehen. Göring macht seine Hausherrenrunde, hat für jeden ein persönliches Wort und schüttelt wohlmeinend sämtliche Hände. […] Diejenigen, die ihm noch noch nie begegnet sind, harren neugierig auf seinen Anblick. Hitler lächelt, wirkt entspannt, überhaupt nicht wie man es sich vorstellt, leutselig, ja geradezu liebenswürdig, sehr viel liebenswürdiger als gedacht. er hat für jeden ein Wort des Dankes […] Sie hören zu. Die wesentliche Aussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein. Die Rede dauert eine halbe Stunde. Als Hitler fertig ist, steht Gustav auf, tritt einen Schritt vor und dankt ihm im Namen aller anwesenden Gäste, endlich die politische Situation geklärt zu haben. Der Kanzler dreht noch eine kurze Runde und bricht wieder auf. Man beglückwünscht ihn, zeigt sich zuvorkommend. Die alten Industriellen wirken erleichtert. Sobald er gegangen ist, ergreift Göring das Wort, wiederholt nachdrücklich ein paar Ideen und kommt erneut auf die Wahlen vom 5. März zu sprechen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, der bisherigen Sackgasse zu entkommen. Doch um einem Wahlkampf zu führen, brauche man Geld; und der Wahlkampf rücke näher. In diesem Augenblick erhebt sich Hjalmar Schacht, lächelt in die Versammlung und ruft: „Und nun, meine Herren, an die Kasse!“
Seine zugegebenermaßen etwas zackige Aufforderung ist für diese Männer nichts sonderlich Neues; sie sind mit Bestechungs- und Schmiergeldern bestens vertraut. Im Budget großer Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung. Die Mehrheit der Gäste zahlt umgehend etliche hunderttausend Reichsmark. Gustav Krupp spendet eine Million, Georg von Schnitzler vierhunderttausend, und so kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising.“
„Armin Wolf: Wie sehr haben sie sich mit der realen Figur Heydrich beschäftigt? Philipp Hochmair: Sehr, sehr viel, aber […]“
Reinhard Heydrich, vom Österreicher gepriesener „Blutzeuge“, kultivierter Violinist und Träger von Spitznamen: „Henker“ und „Ziege“, dem Philipp Hochmair eine allzu männliche Stimme leiht, die so gar nicht zu „Ziege“ passen will, auf die Heydrich wegen seiner Fistelstimme getauft, wegen der er gehänselt …
Von Reinhard Heydrich gibt es das – nicht in dieser Besprechung mit Tagesordnung gesagte – Bekenntnis: „Als Nationalsozialist bin ich Zionist.“ Wie beruhigend, daß Österreich ein Land ist, in dem sich auch die Bundesregierung, in dem die Regierung an der Spitze gegen den Zionismus …
Reinhard Heydrich besaß auf Fehmarn ein Sommerhaus. Zum Richtfest zur Sonnwendfeier kam 1935 auch Heinrich Himmler … Oberhalb der Eingangstür des Sommerhauses von der Familie Heydrich eine Rune, Runen, die auch Jahrzehnte später noch einen rechten Reiz vor allem auf die Mannen ausüben, zu Taten auch auf Inseln …
Nicht einmal fünf Monate nach dieser Konferenz mit Tagesordnung ist Reinhard Heydrich tot. Und was zu sagen ist, hat Thomas Mann in einer Radioansprache gesagt, nicht als Nachruf auf Heydrich, sondern gegen den Totenkult, den die Nazissen mit Himmler und seinem Österreicher an der Spitze mit dem Heydrich im Sarg …
„Seit dem gewaltsamen Tode des Heydrich, dem natürlichsten Tode also, den ein Bluthund wie er sterben kann, wütet überall der Terror krankhaft-hemmungsloser als je. Es ist absurd und lässt wieder einmal den Ekel hochsteigen vor der Mischung aus Brutalität und kreischender Wehleidigkeit, die von jeher für das Nazitum kennzeichnend war […] Wohin dieser Mordknecht kam, floss das Blut in Strömen. Überall, auch in Deutschland, hieß er recht und schlecht ‚der Henker’ […] Nun also, er ist ermordet worden. Und wie nehmen die Nazis das auf? Sie stellen sich an, als sei die unfasslichste Missetat geschehen, der Menschheit Höchstes angetastet, die Krone, das Palladium entwendet […] Zu Hause wird ihm ein pomphaftes Staatsbegräbnis verordnet, und ein anderer Metzgermeister sagt ihm am Grabe nach, er sei eine reine Seele und ein Mensch von hohem Humanitätsgefühl gewesen.“
„Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte. Im Allgemeinen können wir jedoch sagen, dass wir diese schwierigste Aufgabe aus Liebe zu unserem eigenen Volk ausgeführt haben. Und wir haben dabei unserem inneren Selbst, unserer Seele und unserem Charakter keinen Schaden zugefügt. “
„Armin Wolf: Das waren überhaupt relativ junge Männer, es waren viele Akademiker, es waren Bürokraten aus Ministerien. Heute erscheint uns unbegreiflich, daß man so, wie man es im Film sieht, über den geplanten Massenmord an elf Millionen Menschen sprechen kann, und keiner sagt in diesen neunzig Minuten auch nur einmal: seid ihr denn alle verrückt geworden.“
Sind denn alle in Österreich nach 1945 verrückt geworden? Nein. Sie sind gemäß ihrer weltanschaulichen Orientierung normal geblieben, wie die Männer und die Protokollantin dieser Konferenz gemäß ihrer Gesinnung des Blutdurstes ihre Normalität leben.
Neunzig Minuten dauert diese Konferenz am Wannsee, die erst nach 1945 zu einer Konferenz geadelt wird – Konferenz: uneingestandene, unbewußte Bewunderung für eine Zusammenkunft von Männern mit Protokollantin und sie Bedienenden, die sich, so ist die Einladung formuliert, einfach treffen zu einer
„Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Januar 1942 um 12.00 Uhr Berlin, Am Großen Wannsee 56-58″.
Besprechungen mit Tagesordnung laufen nicht nur so höflich, so kultiviert, so ruhig ab, sie ähneln einander auch in ihrer Dauer. Neunzig Minuten soll aber Hitler in der Besprechung am 20. Februar allein für sich und seine Ausführungen in Anspruch genommen haben. Dann geht es gleich zur „Kasse“. Schacht hat es wohl vergessen, in die Einladung die Aufforderung zum Kassengang zu schreiben, deshalb muß er es in der Besprechung sagen, die Einladung hätte sonst wohl gelautet:
Irgendwann in diesem Interview kann es nicht ausbleiben, daß Armin Wolf … „Hannah Arendt hat über Adolf Eichmann, der ja eine zentrale Figur bei dieser Konferenz war, die berühmte Formulierung von der Banalität des Bösen geprägt. Gilt das auch für Heydrich, für die anderen? Philipp Hochmair: Würde ich schon sagen, also Heydrich war kein Genie […]“
„Banalität des Bösen“ – Bildungsfolkore. Es fielen viele Varianten zu dieser Formulierung ein, wenn das „Böse“ für das Menschgemäße würde verwendet werden wollen, und es wären alles Paraphrasen, deren Zentrum Kultiviertheit —
Manchen fiele dazu wohl sofort ein, so eine Formulierung wie: Das kultivierte Böse. Anderen vielleicht: Das Böse der Kultiviertheit. Es kann kein Mensch daran gehindert werden, sich an solchen Formulierungen zu versuchen, eine Zustimmung können sie nicht erwarten.
Auch die Staatsoper, ein Palais der Kultiviertheit, wie die Volksoper … die Säle der Bälle … Der Film „Besprechung mit anschließender Kasse“, nein, der Film „Besprechung mit anschließendem Frühstück“, nein, der Film „Wannseekonferenz“ wurde vor dieser Nachrichtensendung am 24. Jänner 2022 gezeigt, und in dieser Besprechung wird auch über Riga … Riga, so weit von Österreich, und doch so nah zur Gegenwart …
an diesem Freitag, 21. Jänner 2022. So lieblich, so freundlich, so appetitlich wird um 7.47 Uhr das nachkommende Lied angekündigt …
„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen.“
Dann wird in der Radiosendung „Guten Morgen Österreich“ das Lied gespielt:
„Tomorrow belongs to me“.
Gesendet vom ORF, Radio Ö1, in Österreich, am 21. Jänner 2022.
Und wer dieses Lied schon einmal gehört hat, wird am Frühstückstisch sitzen, wie der alte Mann am Tisch saß, als er sich das von einem strammstehenden deutschen Jüngelchen in deutscher Sprache gesungene Lied anhören und ansehen muß, wie immer mehr junge und immer mehr alte Menschen, Männer und Frauen, in das Lied einstimmen, das Lied im Chor singen, aufstehen zum ergriffenen Strammstehen.
Nach dem Ende des Lieds ist von der Sprecherin noch zu erfahren:
„Tomorrow belongs to me: Das war der Original-Broadway cast von Cabaret, Leitung Harold Hastings, aufgenommen 1966 in den CBS 30th Street Studios, New York. 7.49 Uhr […]“
Mehr wird zu diesem Lied in der Sendung „Guten Morgen Österreich“ nicht gesagt.
Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich mit seinem Bildungsauftrag, für Österreich 1, ist ein Nazi-Lied ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.
„Kleiner musikalischer Gustohappen“ ist also für das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich das Nazi-Lied. Das Nazissenlied ist für Österreich 1 mit seinem von der Bildungsschicht für die Bildungsschicht gemachten Radioprogramm in diesem Land ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.
Es ist nicht nur deshalb ein Nazissen-Lied, weil es in „Cabaret“ von einem Hitlerjungen gesungen wird, es von Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen in Uniform und in ziviler Kleidung gesungen wird.
Es ist auch ein Nazissen-Lied, weil — es reicht mehr als aus, hierzu Wikipedia noch zu zitieren:
„Tomorrow Belongs to Me“ is a song from the 1966 Broadway musicalCabaret, and the 1972 film of the same name. It is not a historically authentic song, but instead was written and composed by two Jewish musicians – John Kander and Fred Ebb – as part of an avowedly anti-fascist work; the nationalist character of the song serves as a warning to the musical’s characters of the rise of Nazism. Nonetheless, „Tomorrow Belongs to Me“ has at times been adopted by right-wing, neo-Nazi, and alt-right groups as an anthem. The music of the song bears a passing similarity to a 19th-century German song named „Lorelei“, with music by Friedrich Silcher to a poem by Heinrich Heine.[a] The pastoral tone of the lyrics is also somewhat similar; however, the content of the lyrics is entirely different. There is also an authentic Nazi song „Es Zittern die Morschen Knochen“ („The Frail Bones Tremble“), which, while unmistakably different to listen to, contains the lyrics „For today Germany belongs to us/and tomorrow the whole world“. The extent to which either of these songs was an influence on Kander and Ebb is not known.[2] Almost immediately after the first stage performances of Cabaret, it became clear that „Tomorrow Belongs to Me“ could widely be misunderstood. There were complaints from people who were insistent that they had heard the song in use as a genuine Nazi anthem. Others seemed to embrace its lyrics at face value, without political context; a Jewish youth group requested permission to use it in their summer camp show.[3] In 1973, concerned parents at a largely Jewish school in New York State raised a petition against the song being included in a school performance; school administrators determined that it would go ahead as planned.[2] Subsequent adoption The National Socialist League, an American neo-Nazi organization for gay men, used the slogan „Tomorrow Belongs to You!“ in 1974 recruiting advertisements, referencing the popular musical.[4] By the late 1970s, „Tomorrow Belongs to Me“ had become an unofficial anthem of the Federation of Conservative Students, a student wing of the British Conservative Party.[5]Alan Clark, a Conservative politician who flirted with the idea of joining the far-right National Front, recalls in his diaries watching the „uplifting“ song in a TV airing of the film.[6] When the satirical comedy show Spitting Image looked for a fascist-themed song to satirize the Conservative Party victory in the 1987 United Kingdom general election, they used „Tomorrow Belongs to Me“.[7] The song has also been covered by white supremacist bands. The first such cover was in 1979 by Skrewdriver, a British band whose performances have been described as being like Nazi rallies. Skrewdriver’s lead singer Ian Stuart Donaldson also covered it with his other bands The Klansmen and Ian Stuart and Stigger. Stuart was well-known to the German neo-Nazi scene and it is likely he introduced the song to a German neo-Nazi audience. After Stuart’s death, German Rechtsrock bands including Endstufe, Radikahl and Wolfsrudel have recorded versions, Endstufe’s being dedicated to Stuart.[2] So have the American neo-Nazis Prussian Blue and the Swedish Saga. Saga’s version was cited by Anders Behring Breivik as being among the musical inspirations for his terrorist attacks.[8] „Tomorrow Belongs to Me“ could also be frequently heard at rallies for Jörg Haider, the Austrian right-wing nationalist politician.[9] The U.S. alt-right activist Richard B. Spencer appeared to embrace the song as a neo-Nazi anthem: Kander’s nephew responded by noting the song was written by a Jew in a same-sex marriage.[10]
Mit diesem Zitat ist nun mehr als alles gesagt, was zu diesem Nazilied, das für den österreichischen Rundfunk ein „musikalischer Gustohappen“ ist, zu schreiben ist.
Dieses Lied kann, wenn es außerhalb dieser Gesinnungsschaften denn gesendet sein soll, nicht gespielt werden, ohne den Hinweis, daß es in „Cabaret“ das Nazi-Lied, daß es in der Realität Hymne von Rechtsextremen, Neo-Nazissen …
Und dann, 8.20 Uhr an diesem Freitag, 21. Jänner 2022, die Ö1-Sendung „Hard Times – Pasticcio“. Das „Quartett für Streicher in a-moll DV 804 op. 29“ von Franz Schubert wird lyrisch angekündigt:
„[…] Und wo wir schon in Griechenland sind, rufen wir Hölderlin zu Hilfe. Patmos. Nah ist und schwer zu fassen der Gott/Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch […]“
Herbert Achternbusch ist gestorben. Im zweiten Coronawinter.
Das wäre wohl etwas für ihn, Achternbusch, zum heiteren Kommentieren, wie nun von allen über ihn zu seinem Tod geschrieben wird, von den Medien des sogenannten Schunds bis hin zur Presse des sogenannten Qualitätsjournalismus:
Herbert Achternbusch kam als unehelicher Sohn einer Sportlehrerin und eines Zahntechnikers in München zur Welt und wuchs im Bayerischen Wald auf.
„Unehelicher Sohn“ — Es fehlt der Witz, es fehlt der Humor des Herbert Achternbusch, um eine solche, auch noch im Jahr 2022 verwendete Formulierung „unehelicher Sohn“ …
Ob der Sohn eines Zahntechnikers sudetendeutscher Herkunft einst den Witz und den Humor eines Herbert Achternbusch als Sohn eines Zahntechnikers haben wird, nun, vielleicht, aber doch eher nicht, wenn vor allem bedacht wird, was aus Kindern gerade in Österreich wird, die Väter haben, wie die mölzerischen, die gudenussen …
Tonfilm ‚Das Gespenst‘ von Herbert A*** hat durch die Darstellung des vom Kreuz herabgestiegenen Christus, der im Bett der Oberin eines Klosters gefunden wird, dadurch, daß er sich betrunken und torkelnd, rülpsend in der Klosterschenke bewegt, für Polizisten durch München geht und um Scheiße bettelt, Angst hat, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren und dann wieder ans Kreuz muß, diese Schmerzen aber nicht tragen will, sich nicht an die von ihm eingesetzte Eucharistie erinnern kann und will und sich darüber auch abschätzig äußert und die Oberin sexuelle Beziehungen zu ihm preisgibt und (durch) weitere herabwürdigende Äußerungen über Christus Gegenstände der Verehrung der im Inland bestehenden christlichen Kirchen und deren Glaubenslehre herabgewürdigt und verspottet, wobei das Medienwerk geeignet war, berechtigtes Ärgernis zu erregen.
Daraus folgt, daß die Beschwerde den punktuell bekämpften, aber nicht isoliert deut- und auslegbaren Begründungspassagen einen den übrigen Urteilstext vernachlässigenden Sinn beilegt, der den Entscheidungsgründen, insgesamt gesehen, nicht gerecht wird. Die Beschwerdeführerin geht also nicht vom richtig verstandenen Inhalt der Urteilsgründe aus, die – ihren Einlassungen zuwider – unmißverständlich darauf hinauslaufen, es sei nicht bloß § 188 StGB besonders krass verletzt, sodern auch gegen andere Grundrechte verstoßen worden. Auf dem Boden dieser Rechtsauffassung der beiden Gerichte argumentiert nach dem schon einleitend Gesagten aber auch die Generalprokuratur, deren Meinung sich in der Beschwerdeschrift – zusammengefaßt – folgendermaßen ausgedrückt findet:
„Die Strafbestimmungen zur Sicherung des religiösen Friedens (§ 188 f StGB) dienen der Erfüllung einer mittelbaren staatlichen Verpflichtung, die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art 14 StGG) gegebenenfalls auch mit Mitteln des Strafrechts zu schützen (Dokumentation, 184 f), und entsprechen einem im Freiheitsbegriff inkludierten Mißbrauchsverbot bei der Grundrechtswahrnehmung (Ermacora, Handbuch der Grundfreiheiten und Menschenrechte, 366). Wenn mit der Verbreitung eines als Kunstwerk angesehenen Films in mehrfacher und nachhaltiger Weise das Tatbild einer Herabwürdigung religiöser Lehren nach § 188 StGB verwirklicht wird, liegt eine Überschreitung jener Grenze der Kunstfreiheit vor, die sich aus dem im Grundrechtskatalog geschützten Wertsystem (s hiezu Neisser …) ergibt: Der für die Kunst geschaffene Freiheitsraum soll nämlich keineswegs den für die Ausübung des Grundrechtes der Glaubens- und Gewissensfreiheit durch andere vorgegebenen Bereich verkürzen. Eine solche Auswirkung wäre aber nach den (Urteils‑)Feststellungen über den Inhalt des Films ‚Das Gespenst‘ mit dessen Veröffentlichung verbunden, welche keinen zulässigen Gebrauch der Kunstfreiheit mehr, sondern als Verstoß gegen das auch diesem Freiheitsrecht innewohnende Mißbrauchsverbot einen jenseits seiner Schranken liegenden rechtswidrigen Exzeß darstellen würde. Aus diesen Erwägungen kann für die Verbreitung des in Rede stehenden Werkes nicht das Recht der Freiheit der Kunst in Anspruch genommen werden.“
Und seit bald vier Jahrzehnten verklebt dieser Schleim die Augen der Menschen völlig, so daß ihnen unmöglich gemacht, „Das Gespenst“ sich anzusehen; „Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch nämlich, das ein Beweis dafür wäre, daß das Gespenst der Freiheit der Kunst, sogar in Österreich, kein Gespenst …
Der Herbert Kickl in Deutschland sieht auch nicht wie Herbert Kickl in Österreich aus, er zeigt in Deutschland ein recht viel jüngeres Gesicht, als in Österreich, vielleicht deshalb, weil er in Deutschland nicht staatsmännisch auftreten muß. Was aber den Herbert Kickl in Deutschland, den Unbekannten von der Straße, als Herbert Kickl in Österreich identifiziert, ist das, was Herbert Kickl in Deutschland mit jungem Gesicht und Herbert Kickl in Österreich mit altem Gesicht sagt.
Ich sage Euch, wenn die KZs stehen, wo Ungeimpfte dann ihre Zangsimpfung bekommen, und ich komme da hin und sage, das ist ja ein KZ hier. Nein, das ist ja, das ist ja Verharmlosung, Holocaust-Verharmlosung, was Sie hier sagen. So wird das sein. So hat es angefangen. Genauso hat es angefangen. Sie spielen das gerade runter. Das hat nicht mit Konzentrationslagern angefangen. Es hat genauso begonnen. Ja, und wer sagt denn, daß wir nicht auch bald millionenfach ermordet werden. Och. Es ist ja grad voll im Gange.
Herbert Kickl in Deutschland, Punkt 12, 14. Jänner 2022 und Herbert Kickl in Österreich, ZIB 2, 28. Dezember 2021. Zwei Gesichter des einen und selben Geists …
Daß dieses totalitäre Regime, daß der Nationalsozialismus ja nicht mit einem Weltkrieg begonnen hat und nicht mit irgendwelchen Vernichtungslagern. Sondern er hat damit begonnen, daß man Menschen systematisch ausgegrenzt hat. Er hat damit begonnen, daß man z. B. Kinder, weil sie jüdischer Abstammung gewesen sind, nicht in die Schule gelassen hat.
Spannend belanglos an diesem Samstag, 15. Jänner 2022, wird das eine sein, mit welchem Gesicht Herbert Kickl hintreten wird, vor das Mikrophon, mit dem jungen oder mit dem alten Gesicht. Ob mit jungem oder mit altem Gesicht, der Geist wird ein und derselbe alte sein, in Österreich wie in Deutschland auch, mit einem Unterschied nur … in Deutschland ist der alte Geist auf der Straße, in Österreich ist der alte Geist im Parlament mit dem für kurz gewesenen Innenminister und den Seinigen, in Deutschland bleibt der alte Geist ohne Dank, in Österreich dankt dem alten Geist der Mann unter den Männern und Frauen im höchsten Rentenalter …
Schallenberg zollte dem Mittelmeerland Anerkennung für die Aufnahme von mehr als einer Million syrischer Flüchtlinge. Österreich helfe hier mit humanitärer Hilfe, der Frage nach einer Aufnahme von Flüchtlingen nach Österreich erteilte er aber erneut eine Absage. “Langfristiges Ziel ist es, dass die Menschen in ihre Heimat zurückkehren, das ist auch das, was sie wollen.” Er spreche als Vertreter eines Landes, dass im Jahr 2015 “sehr stark Opfer der sogenannten Flüchtlingskrise war”. Zwar seien die Zahlen nicht vergleichbar, aber Österreich habe mehr als 120.000 Menschen aufnehmen müssen und wolle diese integrieren, was Jahre dauern werde.
Von welcher Zahl spricht Alexander Schallenberg, wenn er die Zahl 120.000 nennt? Meint er die Zahl 120.000, die im September 2015 vom EU-Parlament als Quote beschlossen wurde?
Die EU-Abgeordneten billigten den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission ohne weitere Änderungen. Das heißt, dass die EU-Parlamentarier auf einem verbindlichen Verteilungsschlüssel beharrten, während unter den EU-Staaten zahlreiche Osteuropäer allenfalls freiwillige Zusagen akzeptieren wollen. Die legislative Entschließung wurde mit einer breiten Mehrheit von 372 Ja-Stimmen gegenüber 124 Nein-Stimmen und 54 Enthaltungen angenommen.
Österreich soll zusätzliche Flüchtlinge aufnehmen
Den größten Anteil übernimmt Deutschland laut dem vom EU-Parlament gebilligten Plan mit 31.443 Flüchtlingen. Österreich soll zusätzlich 3.640 Flüchtlinge aufnehmen. Von insgesamt 120.000 Asylbewerbern kommen 54.000 aus Ungarn, 50.400 aus Griechenland und 15.600 aus Italien.
Von dem Wollen der Integration kann bei Anträgen bei weitem nicht gesprochen werden, es sind bloß Anträge, die einer Entscheidung harren, ob die Menschen im Opferreich aufgenommen werden oder nicht, ob ihre Anträge je für sie positiv entschieden werden. Vielleicht wird das Alexander Schallenberg noch eines Tages aufklären, welche Zahl ihm tatsächlich in den Schopf kam, als er die Zahl 120.000 nannte, ob ihm die Erinnerung einen Streich spielte, einen gefälligen Streich, mit dem die Fortschreibung der Opfergeschichte Österreichs um einiges leichter von der Hand …
Wer aber auf diesen Tag der Aufklärung nicht warten will, bereits ahnt, daß dieser Tag der Aufklärung niemals kommen wird, kann die entsprechenden Statistiken aufrufen, um sich selbst über die schallenbergsche Zahl aufzuklären …
Und noch was kann von seiner Reise erzählt werden:
Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hat bei einem Treffen mit seinem libanesischen Amtskollegen Abdullah Bou Habib am Mittwoch in Beirut Libanons Regierung eindringlich zu Reformen aufgefordert. Er bewundere das libanesische Volk für seine Resilienz in der tiefen Krise, “die Elite muss nun beweisen, dass sie dieses Volk verdient”. “Es schmerzt zu sehen, in welcher politischen, sozialen und wirtschaftlichen Abwärtsspirale sich dieses Land befindet. Es schmerzt, dass viele Personen offensichtlich das Vertrauen in die Institutionen verloren haben und die Koffer packen und das Land verlassen”, sagte Schallenberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Österreich stehe an der Seite des Libanons, die Verantwortung liege aber bei der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes. “Nur sie hat es in der Hand, sich am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und das Klientel-Denken zu beenden”, so der Außenminister.
Oh, Schallenberg, auch wenn es Antonio Guterres nachgesprochen ist, ist es kein kluger Gedanke …
I urge the Lebanese leaders to deserve their people and I urge the international community to correspond to the generosity of the Lebanese people.
… denn auch das Nachsprechen ist ein Akt des Denkens, der dem Nachsprechen vorausgeht, jenen zumindest, die des … Es ist kein kluger, es ist gar kein Gedanke, aber ein demokratiepolitischer Offenbarungseid; auch das verwundert nicht, bei seiner Partei, deren Geist in einer Keusche …
Für 2022 aber schon sind Wahlen geplant. Dann wird in diesem Land nach bester demokratischer Art entschieden werden, bei wem tatsächlich die Verantwortung liegt, wer es tatsächlich in der Hand hat, den Schopf nicht aus dem Sumpf zu ziehen, sondern den Schöpfen des Sumpfs ihre Sümpfe trockenzulegen, die Klientelpolitik zu beenden …
Stammrechtssatz Benachteiligungen des Asylwerbers in seinem Heimatland auf Grund seiner Rasse (hier: Halbafrikaner, Staatsangehöriger der früheren SFRJ) können nur dann als gegen ihn gerichtete Verfolgungshandlungen gewertet werden, wenn sie seine Lebensgrundlage massiv bedrohen oder sonst aus objektiver Sicht betrachtet einen weiteren Verbleib in seinem Heimatland unerträglich erscheinen lassen. Die Beeinträchtigungen sind im Asylantrag bzw in der Berufung näher darzulegen. European Case Law Identifier (ECLI) ECLI:AT:VWGH:1994:1994190161.X01 Im RIS seit 20.11.2000 Dokumentnummer JWR_1994190161_19940310X01 41/02 Passrecht Fremdenrecht 49/01 Flüchtlinge Norm AsylG 1991 §1; AsylG 1991 §3; FlKonv Art1 AbschnA Z2;
Wie die Bundesverfassung in Österreich Rasse besitzt, die – ihr von einem Mann attestiert, durch ihre „Schönheit und Eleganz“ sich zeigt, so zeugt auch ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs in Österreich von Rasse …
Erst im vorletzten Jahr, im ersten Corona-Jahr, sprachen sich einige dafür aus, einem solchen Mann die Auszeichnung endlich abzuerkennen, Jahrzehnte später, Jahrzehnte zu spät, und würde es zu einer Aberkennung kommen, wäre diese für nicht wenige in diesem Land eine viel zu frühe, eine um Jahrzehnte, um ein Jahrtausend zu frühe Aberkennung.
PPS Das Impfen sei die Waffe, so er am vorgestrigen Tage, nicht der Impfstoff ist also die Waffe, nicht die zur Verabreichung des Impfstoffes benötigte Spritze ist also die Waffe, sondern das Impfen selbst ist die Waffe, das ist wie das Schießen ohne Gewehr und ohne Munition — Luftschießen …
Eine nacherzählte Pointe ist keine Pointe, nur die im Original vorgebrachte Pointe garantiert Lacher:
Impfen ist die Hauptwaffe, die strategische Waffe gegen das Virus. Und ich verwende absichtlich die Diktion Waffe, weil hier ist nicht Gewaltfreiheit angesagt. Das Virus fragt uns auch nicht, ob es kommen darf oder nicht. Das ist Gewalt. Gegen unsere Gesundheit. Daher müssen wir. Je besser wir aufgestellt sind, desto besser ist es. Die Impfung als die Hauptwaffe gegen das Virus bezeichnen. Eine zweite Waffe sind die Medikamente. Je treffsicherer wir diese Medikamente verwenden, desto besser schützen wir jene, die einen gefährlicheren Krankheitsverlauf vor sich haben könnten. Deswegen wird es darauf ankommen, wenn wir soviel Medikamente im Land haben, daß das außerhalb der Krankenanstalten verwendet werden kann, daß wir auf hohe Treffsicherheit zusteuern. Nicht einfach jeder, der positiv getestet ist, soll ein Medikament bekommen. Nein. Erst dann, wenn die Symptome kräftig kommen, aber vielleicht noch nicht eine Hospitalisierung notwendig ist. Das ist ein relativ schwieriger Prozeß, und da werden auch die Logistikexperten des Militärs entsprechend mitwirken, daß wir hier die richtige Entscheidung treffen.
Das beste Aufklärungsmittel, das wir haben, ist das Testen.
[…]
Abschließend möchte ich mit einer Fragestellung, Schrägstrich einem Appell enden. […] Die Hauptwaffe dagegen ist die Impfung. Und zwar so, wie es Katharina Raich gesagt hat, egal in welchem Zustand, je besser, desto besser. Eine zweite Waffe ist das Aufklärungsmittel des Testens. Jawohl!
[…]
Und wenn es dann darum geht, daß ab der nächsten Woche verschärfte Kontrollen stattfinden sollen. Ob auch die Eintrittsregeln in Gastronomie, im Handel entsprechend überprüft werden. So ersuche ich Sie, einen Beitrag dazuzuleisten, und zwar in der Form, daß Sie die Überprüfung erwarten. Gehen Sie in ein Geschäft und zeigen Sie von sich aus ihren grünen Paß beispielsweise her. Tun Sie das! Erwarten Sie von dem, wo sie hingehen, daß Sie überprüft werden. Es hat ja keinen Sinn zu sagen, okay, ich bin eh sicher. Nein. Wir wollen tatsächlich auch diejenigen, die hier zur Überprüfung herangehalten werden, dazu motivieren, das auch tatsächlich zu tun. Damit möchte ich meine Ausführungen beschließen.
Es wird seit Tagen kolportiert, diese Verserierung – von einer Verfilmung zu schreiben, wäre eine Verfehlung – bemühe sich um eine „zeitgemäßere“, um eine „historisch unterfüttertere“ … was?
Wenn diese Serie „gemäßer“ und „unterfütterter“ ist, dann ist diese eine marischkagemäßere und eine marischkaisch unterfüttertere … was in dieser Serie an Geschichte enthalten ist, kann mit einem Wort gesagt werden: Nichts. Es wird von der Darstellerin der Marischka-Sisi kolportiert, sie hätte viel Recherche betrieben. Es fragt sich nur, wo wurde recherchiert, welche Quellen wurden … gerade jetzt, im zweiten Coronawinter, kann festgestellt werden, ist der Rechercheeifer so weit verbreitet wie noch nie … Es sind keine Verschwörungen, denen die Marischkasisimachenden erliegen.
Was an dieser Serie aufmerkenswert ist, ist der Versuch der politischen Korrektheit, freilich ein sehr eigenwilliger. Die Marischkasisimachenden leiden bei diesem an einer Schizopolitkorrektheit.
Als ob sich je wer aus der Familie Inzucht je darum geschert hätte, was korrekt und was nicht korrekt, es wurden Kinder verheiratet, es wurde gefickt, was das Reich hält, mit Vorliebe untereinander, miteinander, je familiärer, desto …
Über 20 Generationen hinweg analysierten die Wissenschaftler den Stammbaum. Der durchschnittliche Inzuchtgrad der Habsburger liegt bei .093. Das bedeutet: Neun Prozent der mütterlichen und väterlichen Gene stimmen überein, weil die Eltern gleiche Vorfahren hatten. Zum Vergleich: Bei der Ehe zweier Cousins liegt der Wert bei .0625. Dann ließen sie Mund- und Kieferchirurgen die erhaltenen Porträts analysieren und auf die degenerativen Merkmale untersuchen. Je stärker das Habsburgergesicht – hervortretender Unterkiefer und eingesunkenes Mittelgesicht – ausgeprägt waren, umso höher war auch der Inzuchtwert. Er besaß einen Inzuchtwert von .25 – das entspricht den Kindern von Brüdern und Schwestern. Die Habsburger selbst taten nichts, um dem Verfall ihrer Blutlinie zu stoppen. Das ist erstaunlich. Denn auch ohne Kenntnis der modernen Genetik war der Zusammenhang von Inzucht und Erbkrankheiten bekannt. Die Habsburger wählten jedoch stets Macht vor Gesundheit. Ihr beherrschender Einfluss über Europa basierte darauf, dass die Zweige der Familie, die die verschiedenen Gebiete beherrschten, durch Ehen immer wieder miteinander verknüpft wurden. Hätte man diese Praxis unterlassen und andere geheiratet, hätten die Fremdehen den Zusammenhalt der Familie geschwächt. Vor allem sollte verhindert werden, dass die Heirat von Frauen, Herrschaftsgebiete über die Erbfolge in die Hand anderer Familien gebracht hätte.
Der Hinweis des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders in Österreich ist daher berechtigt: „Diese Sendung ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Das Video ist im Sinne des Jugendschutzes deshalb nur von 20.00 bis 6.00 Uhr verfügbar.“
Nur, der ORF-Hinweis ist nicht weit genug gefaßt, der ORF-Hinweis ist nicht genau genug formuliert. Der Hinweis müßte daher genaugenommen lauten:
Diese Sendung ist nicht geeignet. Das Video ist im Sinne des Historienschutzes deshalb nicht verfügbar.
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