Alpenweltstammtischklassiker

Vor fünfzig Jahren, im Juli 1972, bringt „Der Spiegel“ einen Artikel über Thomas Bernhard mit „Alpenbeckett“ in der Schlagzeile. Siebzehn Jahre danach, am 12. Februar, der ein Sonntag war, stirbt Thomas Bernhard. Dreiunddreißig Jahre nach seinem Tod wird gemeint, gemeinhin in Österreich, Thomas Bernhard: „Weltautor“ …

Weltautor, das ist keine falsche Beurteilung. Denn. Wer wie Thomas Bernhard die Gegend von Nathal bis Hausruck beschreibt, beschreibt Welt.

Genau gesagt, ist Thomas Bernhard also ein Alpenweltautor – auf den ersten zwei Silben zu betonen.

Die fünfzig Jahre alte Beurteilung von Thomas Bernhard ist eine zur Hälfte richtige:

Thomas Bernhard ist alles, was die Alpen sind, er ist nichts, was Beckett ist.

Seit seinem Tod wird in Österreich die Meinung vertreten, wohl deshalb, weil im selbstverschuldeten geographisch geschrumpften, aber im Geistigen je kleinen Österreich die Sehnsucht nach Großem herrscht, Thomas Bernhard sei ein „Klassiker“.

Warum ihm dies nicht zugestehen, ein Klassiker zu sein.

Bloß, es muß dies genau gesagt sein. Thomas Bernhard ist ein Alpenweltstammtischklassiker – auf der vierten und fünften Silbe zu betonen.

Als Weltautor […] Oberösterreich zu Hause […] Kurz vor seinem 91. Geburtstag erscheint ein neues Buch des deutschen Entertainers Harald Schmidt, das sich auf kulinarische Spurensuche in Leben und Werk des 1989 verstorbenen Schriftstellers begibt. „In Bücher gehen wir hinein, wie in Gasthäuser – hungrig und durstig.“ Ein Satz, mit dem Thomas Bernhard sein kulinarisches Verständnis gekonnt zusammenfasst.

Wie aus Büchern und Gasthäusern in Österreich herausgekommen wird, hat Thomas Bernhard allerdings nicht preisgegeben. Dabei ist dies so einfach wie kurz sagbar:

Aus Büchern und Gasthäusern gehen wir heraus, und ebenso aus der Social Media: abgefüllt und gemästet mit Ressentiments.

Sie, die Thomasse, beieinander an ihren Stammtischen, tränken einander, füttern sich gegenseitig an, gehen auseinander, zufrieden mit den Ergebnissen in ihren Büchern

Wer wagt, gewinnt

Ohne 2-G-Nachweis das Geschäft zu betreten, wird überlegt, muß zur Konsequenz haben, sofort des Geschäftes verwiesen zu werden, ist doch auf der Eingangstüre groß angeschlagen, ZUTRITT NUR FÜR GENESENE UND GEIMPFTE, NACHWEIS UND AUSWEIS SIND BEREIT ZU HALTEN; ohne Grünen Pass, wird kurz noch gezögert, trotzdem in das Geschäft zu gehen, das muß doch zur Folge haben, sofort unmißverständlich aufgefordert zu werden, augenblicklich das Geschäft zu verlassen …

Aber wer nicht wagt, gewinnt nicht.

Die Eingangstür öffnet sich an diesem ersten Montag im zweiten Coronafeber automatisch, der Eingang wird passiert, das 2-G-Nachweiszutrittsschild nun im Rücken kann nicht mehr gelesen werden und ist, schon weit in das Geschäft vorgedrungen, gleich ganz vergessen. Es wird auch nicht nach dem 2-G-Nachweis gefragt. Ohne 2-G-Nachweis kann im Geschäft umhergangen werden. Es wird der 2-G-Nachweis nicht kontrolliert. Es kann im Erdgeschoß des Geschäfts flaniert werden. Es gibt kein Abhalten davon. Das Goustieren der Ware im ersten Stock des Geschäfts mit nicht lautem, aber doch hörbarem und sehbarem Niesen wird vom Personal nicht gestört, es hat nicht die Konsequenz, jetzt aber rasch aufgefordert zu werden, auf der Stelle nachzuweisen, geimpft oder genesen zu sein, oder ohne 2-G-Nachweis augenblicklich das Geschäft schnellen Schrittes zu verlassen.

Die Produkte im Geschäft können zu ebener Erd‘ und im ersten Stock besehen, betastet, in aller Ruhe aus den Regalen genommen, probiert, zurückgelegt werden. Keine Vertreibung aus dem Geschäft. Verkäufer beraten freundlich, drängen höflich zum Ausprobieren. Die seit etwa eineinhalb Jahren getragene und also in eineinhalb Jahren nie gewechselte und also in eineinhalb Jahren nie gewaschene Maske unter das Kinn geschoben, um deutlich die Fragen, die Wünsche artikulieren zu können, veranlaßt keine der immer wieder abwechselnd kontaktierten Verkäuferinnen, ihr Verkaufsgespräch zu beenden, aufzufordern, die seit eineinhalb Jahren getragene und also nie gewechselte und also nie gewaschene Maske wieder ordnungsgemäß über Nase und Mund zu ziehen. Auch Kundinnen stoßen sich nicht daran, daß mitten unter ihnen mit unter das Kinn gezogenener Maske gehustet wird, es sind keine fortwährenden Hustenanfälle, aber es ist doch ein kontinuierliches und für Verkaufspersonal hörbares und sehbares Husten, das ab und an unterbrochen durch für Kunden hörbares und sehbares Niesen.

Nach etwa einer halben Stunde Aufenthalt im Geschäft, das ausschließlich mit einem regierungsverordneten 2-G-Nachweis zu betreten erlaubt ist, geht es mit den vielen, wirklich vielen ausgewählten Artikeln noch einmal durch alle Geschäftsstockwerke laufend zur Kassa – wer wagt, gewinnt.

Zeigen Sie mir bitte Ihren grünen Pass.

Es sind wirklich viele Produkte, erschreckend viel zu zahlen —

Den grünen Pass bitte.

Viel zu viel ausgesucht —

Ohne 2-G-Nachweis darf ich nichts verkaufen —

Es ist viel, wirklich viel zu viel zu zahlen —

Aber seit einer dreiviertel Stunde …

Auch beim Gespräch an der Kassa die seit eineinhalb Jahren nie gewechselte und nie gewaschene Maske unterm Kinn, Nase und Mund frei —

Ohne 2-G-Nachweis dürfen wir nichts verkaufen.

Beinahe einen ganzen Monatslohn jetzt zu zahlen. Das alles wird —

Bitte, Ihren Nachweis und Ihren Ausweis.

ja gar nicht gebraucht, ganz unnötig in Wahrheit, aber mal so lustvoll, so unbeschwert, so aufmerksam bedient, mal so sorglos zu shoppen, ist doch —

Den Nachweis.

Der Rucksack wird geöffnet, im Sack gekramt, die Brieftasche herausgeholt, mit deren Inhalt können die in einer dreiviertel Stunde ausgewählten —

Ohne Nachweis dürfen wir nicht.

und zur Kassa geschleppten Produkte nicht gezahlt werden, und ohne Kreditkarte, das Konto weit überzogen —

Dürfen wir nicht.

Die Brieftasche wird zurückgesteckt, der Nachweis, genesen und geimpft zu sein, nicht aus dem Rucksack geholt, und der Kassier räumt schon, während ihm, nach einer Stunde im Geschäft aufhältig gewesen zu sein, weiter hüstelnd und niesend gesagt wird, keinen Nachweis zu haben, die zur Kassa geschleppten Artikel zur Seite und ihm der nah, ganz nah danebenstehende Kunde seinen grünen Pass

Wer nicht wagt, gewinnt nicht.

Das Rot ist nicht schwarz geworden, dafür das Schwarz türkis, und das Türkis schwarz vor schamesrot.

Vielleicht hat Johanna Mikl-Leitner nur mal auch moderne Kommunikationstechnik ausprobieren wollen, und dafür hat sie sich wohl an einen über zwanzig Jahre alten Witz erinnert.

Haider zum Schüssel: “Bin neugrig wie lang des linke Gsindl no demonstriert!” Schüssel: “Bis SCHWARZ wern!”

Von ihr: schlecht erinnert, schlecht wiedergegeben.

„Rote bleiben Gsindl.“

Die Wirklichkeit ist die nicht abgeschmeckte Speise besonders von politischen Witzen mit Würze.

Das Rot ist nicht schwarz geworden, dafür das Schwarz türkis, und das Türkis schwarz vor schamesrot.

Kein Witz ist, was Andreas Khol, der einmal das war, was Wolfgang Sobotka jetzt einmal ist, sagte:

„Rote Gfrieser, die er nicht mehr im ORF sehen will.“

Die von Mikl-Leitner gemachte Feststellung, Rote würden Gsindl bleiben, ist ja mehr Resignation als Beleidigung, das von Khol Ausgestoßene hingegen ein Aufruf, eine Forderung zum gsindlfreien, zum gfrieserfreien … Vertreibung gibt es nicht ohne Gewalt; und mittlerweile hat der Präsident sich auch entsprechend radikalisiert, und daran ist, wird ihm und seiner Partei die Schuldfrage gestellt, das Gsindl, sind die Gfrieser selber schuld, wenn sie nicht den Mund halten können, rufen sie selbst danach, ihnen eine aufzulegen.

Es tagt bald wieder ein Ausschuss.

Günstigste Zeit also für Witze, neue, endlich neue Witze. Nahrung für diese, nur eine von den vielen, vielen Beilagen, auch gemeinsame Werbebriefe an Zivildienstleistende mit schönen Fotos, wie diese sonst von Inseraten etwa für Wahlkämpfe gekannt werden, von Johanna Mikl-Leitner und Sebastian Kurz …

„Staatsaffäre um rot-weiß-rote Atatürk-Statue“

Die „Reichskammer der bildenden Künste Wien“ ist keine Kammer der rot-weiß-roten Republik Österreich, deren Mitglied der Diener zweier kranker Herren war, aber es gibt in dieser rot-weiß-roten demokratischen Republik Österreich Kammern reich an Sammlungen von Textseltsamkeiten …

„In der Nacht nach dem erfolglosen Anschlag versammelten sich dann Tausende Menschen in Samsun rund um das rot-weiß-rote Atatürk-Denkmal, um eine Mahnwache abzuhalten – und so die Ehre ihres Helden wiederherzustellen.“

Das schreibt Klaus Loibnegger am 8. Februar 2022 in der Tageszeitung, die die Krone des österreichischen Pressestandards trägt …

Das Mitglied der nationalsozialistischen Reichskammer der bildenden Künste Wien hat also in der Türkei ein „rot-weiß-rotes“ Denkmal für seinen kranken Herrn Atatürk geschaffen, aber er hat nicht nur eines geschaffen, er hat mehrere Atatürk-Denkmäler und also „rot-weiß-rote“ Denkmäler in der Türkei geschaffen, aber auch in Österreich hat er, nach seiner Heimkehr zu seinem zweiten kranken Herrn, Denkmäler geschaffen, die dann nach dem Kronenkammergeist auch „rot-weiß-rote“ Denkmäler zu nennen sind, etwa die Büste des Totenkopfpudelmützenträgers, von ihm zu einer Zeit geschaffen, als Österreich ganz und gar bei sich rot-weiß-rot

„Er gilt als der Vater der modernen Türkei – bis heute wird Mustafa Kemal Atatür, der das Land nach dem 1. Weltkrieg als erster Präsident in eine westlich orientierte Richtung führte, als Nationalheld gefeiert. Selbst im gegenwärtigen Rechtssystem der Türkei stehen abfällige Äußerungen über den einstigen Soldaten unter Strafe.“

Wer sonst als ein rot-er-weiß-roter Fahnenstangenschwinger könnte noch so über einen kranken Herrn, der ihm väterlicher Soldat, schreiben – fortwährende rot-weiß-rote Erziehung zur Hörigkeit gegenüber kranken Herren.

„Und ausgerechnet dieses Werk des Wiener Bildhauers geriet vor einigen Tagen ins Visier von Vandalen – und in die Schlagzeilen. Mit einem Seil versuchten zwei Cousins im Schutze der Dunkelheit die Statue mit einem SUV vom Sockel zu ziehen. Doch die Aktion scheiterte – das Seil riss. Das Denkmal blieb unbeschädigt – nicht allerdings der türkische Nationalstolz: Und so dauerte es auch nicht lange, bis dank Überwachungsbildern die Handschellen klickten und das Duo in der Folge als Schwerverbrecher den Medien vorgeführt wurde.“

Vandalistischen Schwerverbrechern muß unmißverständlich gesagt werden, wie können sie es wagen, ausgerechnet das Werk eines allzeit getreuen Mannes aus dem reichen Kammerland zerstören zu wollen, ihnen muß mit fester Stimme gesagt sein, es ist ein durch und durch rot-weiß-rotes Werk eines durch und durch rot-weiß-roten Mannes, hinter den sein rot-weiß-rotes Land sich wie ein Soldat zu stellen, in der Stunde des Angriffs und der Not, seinem rot-weiß-roten Land Stolz und Ehre …

„Nach dem gescheiterten Protest-Akt hielten Tausende Menschen am Denkmal eine Ehrenwache.“

In der Türkei also werden wie in Österreich „Ehrenwachen“ gehalten, an Denkmälern, „Mahnwachen an den Sockeln“ – der Unterschied zwischen den Ehrenwachtern an dem einen Sockel und den Ehrenwachterinnen an dem nächsten Sockel kann am Klavier nicht gespielt werden.

Wahlen. Nicht wundern.

Es wird an diesem Sonntag, 6. Februar 2022, berichtet, Alexander Van der Bellen plane bereits seinen Wahlkampf, weil er, der begnadet in Reden Geübte, noch einmal …

Am letzten Freitag, 4. Februar 2022, hat Alexander Van der Bellen die Impfpflicht beurkundet, damit ein Gesetz abgesegnet, gegen das es die größten Bedenken, die größten Vorbehalte mannigfacher Weise gibt, vor allem auch verfassungsrechtliche. Hätte er, Van der Bellen, der doch so in die Schönheit der Verfassung verliebt ist, dem die Verfassung Leitbild sein soll, dieses Bundesgesetz nicht zurückschicken müssen, allen die Arbeit ersparen müssen – vor allem dem Verfassungsgerichtshof, der ohnehin schon genug mit den Gesetzen dieser Regierung sich herumschlagen hat müssen –, mit einem verfassungsrechtlich hoch bedenklichen Gesetz weiter sich herumschlagen zu müssen …

Es überrascht nicht, daß Alexander Van der Bellen noch einmal kandidieren wird, sind ihm doch zwei, nein, einfach wie kurz gesagt, drei Stimmen recht gewiß. Und daß er kandidieren wird, das war spätestens mit dem 19. Dezember 2021 klar, als er die Kickl-Karte spielte, von der er meint, diese sei wieder ein Joker, Kickl sei „doch eine große Belastung“ gewesen, der von ihm angelobte Innenminister, mit dem Kickl-Joker, mit dem FPÖ-Schmäh will er also noch einmal die Wahl gewinnen, wie er mit dem Hofer-Joker die Wahl gewann …

Kurz und einfach gesagt: Einen Joker gibt es nur einmal zum Ausspielen, ein Schmäh zieht nur einmal …

Na ja, es kommt auf das Land an. In Österreich wird der Joker fortwährend ausgespielt, daß er schon ganz abgenudelt ist, aber alle tun so, als würde ein nigelnagelneuer Joker zum ersten Mal gespielt werden, in Österreich schreien, um das Wort des österreichischen Wirtshausklassikers der Wiederholungen zu verwenden, wie „sechseinhalb Millionen Debile“, wenn sie einen Schmäh hören: Noch einmal! Noch einmal! Den Schmäh, noch einmal! Schreien in Österreich, wie von einem anderen die Zahl mittlerweile und notwendigerweise valorisiert, acht Millionen …

So kann es kommen, daß Alexander Van der Bellen mit diesem abgenudelten Joker, mit diesem ranzfettigen Schmäh noch einmal … Und wenn danach die Nationalratswahl ein Ergebnis bringt, daß für Herbert Kickl und seine Partei ein …, dann wird es wieder heißen, das Wahlergebnis würde keine andere Regierung, keinen anderen Bundeskanzler als …

Wie immer in diesem Jahr die Wahl um das Amt der Bundespräsidentin ausgehen wird, eines ist gewiß, Alexander Van der Bellen kann sich auf eine herzliche Retourgratulation aus Teheran freuen, sei es zum Wahlgewinn oder zum erdienten Pensionsantritt im sehr hohen Rentenalter.

Die tatsächliche Größe des Karl Lueger, gemessen an der Höhe seines Denkmals

„Thomas Mießgang portraitiert […] die mehr als 20 Meter hohe Gedenkstätte, gekrönt von der Lueger-Statue des Bildhauers Johann Müllner […]

So beginnt am 31. Jänner 2022 die erste Sendung von vier Sendungen des Portraits des Karl Lueger von Thomas Mießgang, von denen bereits erzählt wurde, unter dem Titel: „Die Trivialität der Klüngels“.

Und bereits zu Beginn seines Portraits im Bildungsradio von Österreich in einem Satz zwei falsche Angaben.

Der Bildhauer hieß nicht „Johann“, sondern „Josef“.

Das steht sogar richtig auf der dem Denkmal beigestellten Zusatztafel von dem Historiker, der in diesen Mießgang-Sendungen öfters und wie immer gar gewichtig zu Wort kommt, der mit Vornamen nicht Karl heißt, aber ein Vorname wäre, den er sich …

Die zweite falsche Angabe in diesem Satz betrifft die Höhe der Gedenkstätte: „mehr als 20 Meter“. Es ist nicht Mießgang allein, der dies verbreitet. Das schreiben viele. Er redet halt nach, was er irgendwo gelesen, irgendwo gehört hat, daß das Denkmal eine Höhe von 20 Meter habe, aber er, Mießgang, möchte es noch größer haben, wünscht sich Karl Lueger noch größer: „mehr als 20 Meter“ …

Dabei. Es genügt. Einmal vor dem Denkmal zu stehen, um zu sehen, es hat keine Höhe von „mehr als 20 Metern“, es hat keine Höhe von „20 Metern“. Es hat keine Höhe von „18 Metern“. Es ist niedriger. Es ist viel niedriger. Es ist sehr viel niedriger. Vielleicht reden alle nur einer Überlegung von Otto Wagner nach, der zur Errichtung eines Lueger-Denkmals meinte, als es noch darum ging, vielleicht irgendwann, wenn überhaupt, ein Lueger-Denkmal auf dem Rathausplatz, der einmal Dr.-Karl-Lueger-Platz, für madige sieben Jahre Adolf-Hitler-Platz hieß, hinzustellen:

Was nun die Platzwahl betreffe, so meinte er, wenn man ein Lueger-Denkmal auf dem Platz vor dem Rathaus hinstelle, so bedeute ein solches Vorhaben einen Schuss weit über das Ziel hinaus. Ein Denkmal an dieser Stelle müsste eine Höhe von mindestens 18 bis 20 Metern haben, um mit der Größe des Platzes und der Höhe der umliegenden Bauwerke im Einklang zu stehen.

Es ging also Otto Wagner nicht um eine Darstellung der Größe des Karl Lueger, sondern um den Einklang mit den umliegenden Bauwerken. 112 Jahre später ist eine Überlegung des Otto Wagner für viele ihre Wirklichkeit geworden, was dem Otto Wagner noch seine Meinung war, ist 112 Jahre später vielen Wirklichkeit, daß das Lueger-Denkmal eine Höhe von 20 Metern … nicht aber wegen des Einklangs mit den umliegenden Bauwerken, sondern in ergebener Sehnsucht, Karl Lueger selbst derart groß dargestellt haben zu wollen.

Wird aber die tatsächliche Höhe des Denkmals am KL-Platz zum Maß der Größe von Karl Lueger genommen, ergibt das die tatsächliche Größe des Karl Lueger als Bürgermeister, und die ist um die Hälfte kleiner.

Die Größe des Karl Luegers ist die Hälfte von der ihm untertänig zugeschriebenen Größe. Die ihm heute hochgeschriebene Größe. Vor 99 Jahren wurde aber dies genau gewußt, daß das kunschaksch-müllnerische Denkmal nur zu einem Zweck errichtet zu werden hat, Karl Lueger zu einer Größe für die eigene Propaganda und Wahl hochzuziehen, die er nicht …

Die Trivialität des Klüngels

An vier Tagen dieser Woche – 31. Jänner, 1. Februar, 2. Februar, 3. Februar 2022, wurde Karl Lueger portraitiert.

Gestaltet von Thomas Mießgang. Vom „Bildungsradio von Österreich …“

Wer A (Lueger) sagt, sagt nicht auch B (Müllner), wer B (Müllner) nicht sagt, sagt auch nicht A …

In vier Sendungen mit einer Gesamtsendezeit von 49 Minuten fiel nicht einmal der Name Leopold Kunschak.

In neunundvierzig Minuten wurde einmal der Name Müllner erwähnt. Gleich in der ersten Sendung am 31. Jänner , deren Auftakt der „ideologische Streit“ um das „Dr.-Karl-Lueger-Denkmal“ auf dem KL-Platz war. Das Denkmal dürfte auch hauptmotivatorischer Anlaß für das Bildungsradiokollegportrait des Karl Lueger gewesen sein. Müllner wird mit dem Vornamen „Johann“ genannt im Bildungsradio von Österreich.

Wenn wer etwas mehr über „Johann Müllner“ erfahren will, und „Johann Müllner“, darin dem Bildungsradio folgend, in eine Suchmaschine zum Beispiel des Konzerns Google eingibt, wird auf der ersten Ergebnisseite zu „Johann Müllner“ ausgespuckt bekommen: Weingüter, Heurige …

Weingüter, Heurige sind als Suchergebnisse, wenn es um Karl Lueger und also auch um Wien geht, wohl nicht unpassend, und es könnte gedacht werden, Suchmaschinen besitzen einen Sinn für feinen Humor.

Wer aber etwas über den Bildhauer Müllner erfahren will, darf nicht dem Bildungsradio folgen, muß seinen tatsächlichen Vornamen in die Suchmaschine eingeben: „Josef“. Mit Josef Müllner sind gleich auf der ersten Ergebnisseite der Suchmaschine Informationen zum Bildauer Josef Müllner gelistet. Mehr als den falschen Vornamen wird in vier Sendungen, in 49 Minuten nichts zu Josef Müllner gesagt. Dabei. Was wäre nicht alles zu Josef Müllner zu sagen. Es erhellte auch, wohin der Weg führte, den Karl Lueger einschlug, etwa seinen Schöpfer Josef Müllner direkt in den Nationalsozialismus. Aber, über Josef Müllner wird geschwiegen. Josef Müllner führte direkt in die Republik Österreich nach 1945, in der er ein Ausgezeichneter, ein Ehrenbürger; wer will etwas davon hören, wird gemütlich bei einem Glaserl Wein dem Lied über die Hand rührselig lauschend gesessen beim Heurigen …

Stattdessen in 49 Minuten immer wieder der Versuch, der krampfhafte Versuch, Karl Lueger vom Nationalsozialismus zu trennen, bei gleichzeitigem Hochreden seines Wirkens, sogar damit, er sei der „geistige Vater des Antisemitismus“. Aber. Jeder Vater hat einen Vater, und ein Vater erschien erst vor kurzem auf dem Bildschirm in einem Film, der einem Nachrichtensprecher beeindruckend war, der unbegreiflich fand, daß …

Ein Name aber kommt in 49 Minuten gar nicht vor, dieser Name kommt nicht einmal mit einem falschen Vornamen vor. Dabei. Oh, was für falsche Vornamen hätten sich für ihn angeboten. Karl etwa. Auch „Julius“ …

Schweigen, auch zu „Julius“, dessen Vorname Leopold war.

Ihn zu nennen, führte zu tief in die Republik Österreich nach 1945. Diesen Weg zu gehen, soll kommenden Generationen als Erbe …

Auch wenn Leopold Julius nicht erwähnt wird, ganz wird auf die Republik Österreich nach 1945 nicht vergessen, geht es sogar tief in die Gegenwart hinein, wenn nicht verschwiegen wird, wer nun die sind, die Lueger verteidigen, die Lueger für sich reklamieren, es werden die von der Straße genannt …

Daß auch in diesen 49 Minuten Leopold Julius nicht erwähnt wird, nichts zu seiner Hauptrolle als Schöpfer des Denkmals am KL-Platz gesagt wird, ist wohl keiner, um eine zitierte Formulierung des Nachrichtensprechers ein wenig abgeändert zu verwenden, bösen Absicht geschuldet. Sondern. Der Trivialität der Freunderlwirtschaft.

Die Trivialität der, – mit dem österreichischen Nationalwort, das Männer und Frauen gleichermaßen berechtigt einschließt, gesagt – Freunderlschaft beherrscht dieses kleine und aberkleine Österreich, in dem alle miteinander auf unterschiedliche Weise mehr oder weniger verbunden sind. Wer schon möchte einen Freund, eine Bekannte, einen Kollegen, kurzum, wer möchte schon Menschen, zu denen es berufliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche Kontakte gibt, die Leopold-Julius-Preisträger sind, mit Leopold Julius in Verbindung bringen, Leopold-Julius-Preisträgerinnen ihren Stolz auf ihre Leopold-Julius-Preise mindern, die guten Kontakte zu ihnen mutwillig beschädigen …

Und es gibt zuhauf Leopold-Julius-Preisträger, daß die Gefahr doch recht groß ist, über Leopold Julius zu informieren, damit eine Leopold-Julius-Preistträgerin zu verärgern, nur wegen der Geschichte Schaden für das eigene Wohlergehen, für das eigene Fortkommen mutwillig in Kauf zu nehmen.

Wohin das Denkmal zu schicken ist, damit es dann dort von seiner Eigentümerin und Schöpferin aufgestellt werden kann, um endlich den „ideologischen Streit zu beenden, die Adresse ist bekannt. Von dort könnten hinkünftig dann auch Sendungen zur Geschichte ausgestrahlt werden vom Bildungsradio von Österreich – einen authentischeren Ort für Geschichtserzählungen dieser Art als dieses Museum …

Verpacken und Verschicken

Vor kurzem wurde von Österreich 1 im Zusammenhang mit dem Karl-Lueger-Denkmal wieder die Denkmalschutzfrage aufgeworfen, vom „ideologischen Streit“ um das Karl-Lueger-Denkmal geschrieben, der seit …

Wie leicht aber ist das doch zu lösen.

Es muß das Karl-Lueger-Denkmal einfach verpackt und zugestellt werden.

Die einzige Frage, die dabei zu klären ist, soll es an seine Eigentümerin oder gleich direkt an den Ort seiner Wiederaufstellung verschickt werden.

Dort, in Texing, wieder aufgestellt werden. Vor dem Haus in Privatbesitz. Und steht Karl Lueger unzerstört auf dem Privatgrund, ist dem Denkmalschutz Genüge getan.

Was steht doch nicht alles auf Privatgründen, und darf auf Privatgründen selbverständlich herumstehen. Und steht Karl Lueger auf einem Privatgrund, ist damit augenblicklich der „ideologische Streit“ beendet. Was auf einem Privatgrund geschieht, eignet sich nicht für einen „ideologischen Streit“. Auf einem Privatgrund darf gemacht werden, was gemacht werden will. Es kann gebadet werden, es kann Karl Lueger dabei stehen, der die Badende

Freilich, Auseinandersetzungen sind nie ganz zu vermeiden, aber das sind keine „ideologischen“ Auseinandersetzungen, sondern nur Aufregungen von Anrainerinnen, die meinen, ein Recht zu haben, sich einzumischen, was auf einem Privatgrund passiert, Anrainer, die sich erregen, wenn sie an einem Privatgrund vorbeimaschieren, auf diesem etwas zu sehen bekommen, daß sie …

Und ist Karl Lueger endlich verpackt und endlich verschickt, steht er dann dort endlich auf einem Privatgrund, kann auf dem luegerbefreiten öffentlichen KL-Platz in Wien das geschaffen werden, was längst überfällig ist, ein Erinnerungsort, der davon erzählt, daß der Holocaust nicht allein eine Shoah war, sondern auch ein Porajmos.

Was in Österreich aber nicht zu vermeiden ist, und mögen noch so viele Mahnmale errichtet werden, noch so viele Tage der ergriffenen Mahnung sogar höchststaatsspitzlich zelebriert werden, ist das Vorführen von Menschen, genauso, als hieße in Wien der jetzige Bürgermeister Karl Lueger, als wäre Leopold Kunschak Nationalratspräsident, als wäre das Vorführen von Menschen unter Denkmalschutz gestellt. Und von dem wird reichlich Gebrauch gemacht, in Österreich wissenschaftlich Gebrauch gemacht, wie wieder vor kurzem, als Österreich 1 über ideologischen Streit und Schutz des Demonstrationsdenkmals

Demonstrationsdenkmal: Wer der Beteiligten mit Namen vorzuführen ist, in Österreich – wer nicht

In Österreich begeht die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt – ORF – die Tage nach sogenannten Gedenktagen nach einer recht besonderen Weise.

Am Tag nach der Erinnerung an die „Wannseekonferenz“ wird ein Nazilied gespielt, das dem Radiopublikum als „Gustohappen“ serviert.

Zwischen dem 20. Jänner und dem 27. Jänner wird dem Fernsehpublikum ein Film vorgeführt und in der anschließenden Nachrichtensendung vom Darsteller und Nachrichtensprecher abgefeiert als Dokument des — als Dokument, das Reinhard Heydrich nach einigen Korrekturen freigegeben hätte, wie dieser Film ihm, der Blutziege, schmeichelt, in dem die Henkersziege nicht mit seiner Fistelstimme zu hören ist, sondern mit einer wahrlich männlichen Stimme, die in bestem Burgtheaterdeutsch Sätze spricht, als wären sie höchste Theaterliteratur:

„Wenn der Bauer sein Feld bestellen will, muß er doch auch erst den Spaten in die Erde treiben.“

Und auch Adolf Eichmann, müßte er sich noch einmal verteidigen, er würde auf diesen Film verweisen, genauso sei es wirklich gewesen, er habe sich mit der Stenografin einen winzigen Beistelltisch teilen müssen, mit ihr habe er zu protokollieren gehabt, was die hohen Herren am großen Tisch, ja und, das wolle er nicht verschweigen, das könne er einbekennen, Dauer der Pausen habe er ansagen dürfen …

Einzig erhalten gebliebenes Exemplar des Protokolls der „Wannseekoferenz“ ist jenes von Martin Luther, zu dem er mit deftigen Worten selbst beitrug, es aber nicht selbst, wie es sonst seine Gepflogenheit, zur Gänze schrieb.

Später habe er, Adolf Eichmann, in Argentinien für Mercedes Benz gearbeitet und so endet der Korso der Automobile – mit schwarzen Limousinen zur Besprechung 1933, mit schwarzen Limousen zur Besprechung 1942 … Es wird wohl ein neuer Film über die „Besprechung mit anschließendem Frühstück um 12“ notwendig geworden sein, um dem Publikum zu ersparen, sich weiter Filme Film über eine Besprechung politisch inkorrekt ansehen zu müssen, in denen ungeniert geraucht wird …

Am Tag nach dem 27. Jänner 2022 ist auf der Website der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt – ORF, Ö1 Wissenschaft, Martin Haidinger – zu lesen, am Tag nach dem Gedenken an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz ist also am 28. Jänner 2022 zu lesen:

„Mitunter gerät der Denkmalschutz in hochpolitische Affären. So tobt seit Jahren ein ideologischer Streit um das Lueger-Denkmal an der Wiener Ringstraße. Die Statue für den christlich-sozialen Bürgermeister Karl Lueger – der vor 120 Jahren Wien mit seinen Reformen zwar in die Moderne führte, aber auch ein antisemitischer Populist war, die antijüdische Stimmung kräftig anheizte und mithalf, den ohnehin bereits vorhandenen Antisemitismus noch fester in derösterreichischen Gesellschaft zu verankern – wurde 1926, in der Ersten Republik, lange nach dem Tod Luegers errichtet; und zwar von einer ungewöhnlich breitgefächerten Allianz: Unter der Ägide des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz und finanziert von christlich-sozialen Spendern auf der einen und einer umfangreichen Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild auf der anderen Seite.“

Karl Seitz aber richtig geschrieben. Nicht so falsch also wie sein Name lange auf der Tafel auf dem Stephansdom stand: „Seit“. Die Geschichtstafel der äußerst bedenklichen Art wurde dann doch vor zehn Jahren vom Stephansdom entfernt, nicht von einem Tag auf den anderen, es bedurfte doch einige Jahre, bis die Tafel vom Stephansplatz endlich entfernt wurde.

Am Tag nach dem Gedenktag an die Befreiung des Vernichtungslagers nennt Österreich 1 die Schuldigen an diesem Denkmal, am „ideologischen Streit“ um dieses Denkmal am KL-Platz beim Namen: Karl Seitz, sozialdemokratischer Bürgermeister, Rothschild, jüdische Industriellenfamilie.

Es muß eine derartige „umfangreiche Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild“ gewesen sein, es muß eine um so viel umfangreichere Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild gewesen sein, daß die „30 oder 40 Millionen“, die die christlichsoziale Partei für das Lueger-Denkmal ausgegeben hat, gar nicht ins Gewicht fallen, derart für Österreich 1 zu vernachlässigen sind, die 30 Millionen je erwähnen zu müssen.

Mit den 40 Millionen der christsozialen Partei allein hätte dieses Denkmal ja nie errichtet werden können, nur erst mit der Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild … daran ist also für Österreich 1 namentlich zu erinnern, was eine jüdische Familie alles verschuldet, nicht nur das Denkmal, sondern — wie keine andere Partei weiß das die christlichsoziale Partei zu benennen, hat diese den Mut, dies öffentlich zu machen, auch in Massenkundgebungen im Rathaus …

Massenkundgebungen in der Volkshalle des Wiener Rathauses nicht „unter der Ägide des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz“, sondern angeführt von KZ-Poldi Kunschak …

Die Schuld vom sozialdemokratischen Bürgermeister Karl Seitz an dem Denkmal wiegt so schwer, daß er von Österreich 1 namentlich genannt werden muß. Wie belanglos hingegen, wie vernachlässigbar für Österreich 1 hingegen die von KL-Kunschak gespielte Hauptrolle bei der Errichtung dieses Denkmals.

Was von „christlich-sozialen Spendern“ für das Denkmal beigesteuert wurde, das muß ja so gering gewesen sein, daß Österreich 1 deren Namen zurecht nicht nennt, ein bedeutungsloser Betrag im Vergleich zur umfangreichen Dotation der jüdischen …

Wie schwer wiegt die Verantwortung des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz und der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild für dieses Denkmal, wie leicht hingegen, wie frei von Verantwortung hingegen die vom Erschaffer des Denkmals, für die Ö1-Wissenschaft so vernachlässigbar, daß sie seinen Namen gar nicht zu nennen braucht.

Prozessionen

Prozession am Samstag, 15. Jänner in welchem Jahrhundert, in welchem Jahrtausend kann nicht so kurz und einfach beantwortet werden; eines nur ist gewiß, im dritten Jahrtausend, im 21. Jahrhundert ist 22 …

Ob diese Prozession Herbert Achternbusch dazu verführt hätte, aus dieser und allen dieser gleichenden Prozessionen einen Film, doch wieder einen Film zu machen?

Er machte wohl und brauchte keinen neuen Film aus diesen Prozessionen zu machen.

Denn.

Dreifaltigkeitskorona oder Heilt Jesus oder Herbert, wie immer dieser Film sich nennen will, ist bereits der vollständig abgedrehte Film der Prozessionen. So manche Herbertine, wie der Film, sind doch etliche Marschierrollen und Rederollen mit Frauen besetzt, sich auch nennen könnte wollen, wird still für sich den Film Wir waren Helden nennen, in glorifizierter Erinnerung with transfigured face from defiles

Ein paar Fotos aus dem Video, alle der Sequenz Prozession #w1501 entnommen, geben allein schon einen tiefen Einblick, worum es in diesem völlig abgedrehten Film geht. Das Moderne an solchen Prozessionen: daß auch für diese Prozessionen sogenannte Hashtags – verwendet werden. Hashtag, unübersetzt verwendet im Deutschen. Was bei den vielen Bedeutungen sowohl von hash als auch von tag dieses zusammengesetzten Wortes alles an Übersetzungen einfallen könnte — vielleicht einmal eigens ein Kapitel dazu, in dem von Faschieren, Haschen, Verpatzen, Zerhacken, Fangen, Doppelkreuzschlag …

Es soll bereits geplant sein, mit Standfotos aus dem Prozessionsvideo ein großes Altarbild zu schaffen, um das herum eine Kirche zu bauen. Uneinigkeit soll nur über den Standort der Kirche noch herrschen. Nicht wenige sollen dafür sein, wegen des Nahbezugs zu Nürnberg die Kirche doch in Nürnberg zu bauen, nicht wenige sollen dafür sein, die Kirche doch in einem der Orte, aus denen die zu Sendboten auserkorenen Herberte stammen, zu bauen, als Dank an sie, daß sie senden und senden und senden und alles abermals senden, als Preisung ihrer Sendungen, als Opfergabe auch an deren Schöpfer, die alle sind, die sich in den Schöpfern als deren Schöpferinnen … noch ehe aber der erste Ziegel gesetzt, soll aber einmütig der Name der Kirche schon beschlossen worden sein:

Dom in Korona der Dreifaltigkeit

Eifrig bereits sollen Frauen und Männer daran sein, Fotos zu selektieren, die für das Altarbild im Koronadom genommen werden könnten. Das Altarbild soll freilich von einem schöpferischen Menschen dann gestaltet werden, von einem aber, der bereits Zeugnis seines gesinnungsgemäßen Schaffens ablegte, dessen Name allein schon eine Zeit auferstehen läßt, in der Plätze noch Anger, Städte noch Dörfer und Dörfer schon Städte, in der einem jedem Menschen der von der Vorsehung ihm zugewiesene Platz lebenslängliche Bestimmung, sichere Verwahrung, haltende Orientierung und nie zu lösende Richtschnur in der Korona der Dreifaltigkeit …

Die Letztauswahl der Fotos für das Altarbild soll freilich – so soll es entschieden und kann im Land, in dem die Freiheit der Kunst über allem schwebt, nicht anders sein – der Künstler, der auch, so soll das Ansinnen von einigen sein, eine Künstlerin wird dürfen sein, treffen, die, sollte der hohe Auftrag wieder an ihn ergehen, vielleicht, ihre Kunstfreiheit sich ganz und gar nehmend, auf die Fotos verzichtet, ein gemaltes Bild noch einmal malt, ganz so, wie er einmal schon die …

Wie letztlich das Altbarbild auch aussehen wird mögen, ob es oben gezeigte Videostills des Defiles geklebt haben wird, oder auch nicht, eines wird mit Bestimmtheit fehlen, das bei Altarbildern immer fehlt, eine Zusatztafel mit den Erklärungen, was die Fotos zeigen, was mit ihnen erzählt wird.

Auf einer Zusatztafel, die es auch im Koronadom nicht geben wird, würde das Altarbild so erklärend beschrieben werden müssen, wofür beispielhaft eine digitale Zusatztafel mit Verlinkungen zu weiteren und vertiefenden Informationen dienen soll, unter der Annahme, die oben gezeigten Videostills wären das Altarbild:

Standfoto „Nürnberger Prozess“: Ein stets wiederkehrendes Sehnsuchtsmotiv, oftmals auch als „Nürnberg 2.0“ bezeichnet …

Standfotos: „Impfung macht frei“: Mit diesen werden mehrere Sehnsüchte beschworen: Auferstehung des Österreichers, Wiederkehr des Koronaumstrahlten als Führer, auf daß ihnen gemeinsam eine Kirche zu errichten befohlen.

Standfoto Südstaatenflagge: Sehnsuchtsfahne der Herrenmenschen, auf daß die Sklavinnen wieder die sind, die für sie rechtmäßige Sklaven, und nicht sie, zu denen sie meinen, wieder einmal gemacht zu sein.

Standfoto „Für Gott Freiheit Vaterland“: Wäre auch „Ehre“ bei diesem Spruch angeführt, wären alle burschenschaftlichen Wahlsprüche … Nicht alles auf einem Altarbild kann erklärt werden. Manches bleibt ein Rätsel. Wie um diesen Spruch. Wurde auf „Ehre“ einfach vergessen? Ist „Ehre“ ein Wert, den die Prozessionistinnen nicht besitzen? Wollte bloß vermieden werden, es könnte gesagt werden, auch das noch gesagt werden, die Prozession sei burschenschaftlich

Standfoto Pelzmantel mit Inschrift „Gott schütze Herbert Kickl, den einzigen wahren Diener des Volkes!“ … Nicht alles auf einem Altarbild ist auch erklärenswert, manches bloß zum Anschauen, zum Staunen, ein Titel einer Novelle aus dem Österreichischen könnte zu diesem Videostill einfallen und animieren, diesen ein wenig abzuändern: Volk im Pelz

Standfoto Diener und Dienerin des parteieigenen Senders in gemeinsamer Prozessionsinterviewandacht … Ein Videostill, das keiner Erklärung bedarf.

Standfoto einer Prozessionsrednerin im Moment ihres Schweigens. Alles, das sie durch ihr Schweigen zum Ausdruck bringt, ist von ihr mit Fakten belegt.

Standfoto Ochsengeschirrte Männer mit Kuhglocken: Sie nehmen an den Prozessionen teil, um ihre allmächtige Dreifaltigkeit zu bitten, Städte in Dörfer wieder, in Almdörfer zu wandeln.

Standfoto „Nein! zum Impfzwang“: Die Zeichnung dazu zeigt eine junge Frau, der von einer alten Frau eine Spritze angeboten wird. Es ist ein altes Motiv. Nur, statt einen Apfel diesmal eine Spritze. Darüber hinaus keine Neuerung. Die Verführerin zur Spritze muß eine Frau sein, weil es in der Impfpflichtbundesregierung in Österreich keinen Mann, nur Frauen gibt, und als Frau darf sie und kann sie nichts anderes sein als eine Hexe, mit einer Nase, aber mit einer Nase, damit sofort alle wissen, woher die Hexe … So weit paßte das Bild mit der Frau als Hexe, etwa zu den ochsengeschirrten Männern, aber daß alle Schneewittchen … Es muß bei diesem Standfoto um ein noch viel älteres Motiv handeln. Bei dem es auch um einen Apfel geht, der nun gewandelt zur Spritze, aber nicht um die Verführung zur Spritze, sondern um eine Warnung – Warnung vor Erkenntnis …

Standfoto Mutter und Tochter schenken Polizisten weiße Rosen: Das Kind wird für gesinnungsgemäße Gesten mißbraucht. Und auch die weiße Rose, einst Symbol des Widerstands, wird mißbraucht …

Zwei Standfotos mit je zwei Herberte: Wenn die Inhalte gehört wurden, könnte eine Frage noch offen sein, nämlich die nach der Redereihenfolge. Das aber ist nicht mehr zu klären, welcher Herbert und welche Herbertine wann sprach, welche Herbertine auf welchen Herbert …

Der eine Herbert spricht dies:

— Die Bühne betreten
um mit Eich gemeinsam
diejenigen gegen die
Mächtigen zu verteidigen
die sich sölba nit wehrn
kennan
Liebe Freinde
ich versprech Eich
so wahr ich hier stehe
wir werdn weitermochn
für unsera Kinda
für unsere Würde
für unser Österreich
und wenn es sein muß
bis zum letzten Atemzug
bis wir unsere Freiheit wieda hobn

So also der eine Herbert.

Und der nächste oder der vorherige Herbert, der vollbärtige Herbert, der sich Andrä rufen lassen soll, psalmisch:

— Schafe
Wir sind die Wölfe
Wir verlassen den Wald
Und gehen auf die Straße

Und wir tragen sie mit Stolz all diese Narben
Gezeichnet in zwei Jahren mit verschiedenen Farben
Aber wir sind bereit
Auch für die nächste Zeit
Denn wir gaben diesen Eid
Lieber stehend sterben
Als kniend schweigen

Ob in Deutschland, ob in Österreich sind vor allem Männer auf der Suche nach ihrer Identität, und in der Wandlung zum vierbeinigen Wolfskörper erhoffen sie für sich ihre identitäre Erfüllung.

Es sollen diese Psalmen so inhaltsreich im Koronadom in Endlosschleifen tagaus und nachtein ertönen, nur während des Hochamts nicht.

Standfoto Armstreckübung: Andrä Herbert sagt Armstreckübungen an und zeigt Armsteckübungen vor, unterstützt dabei von einem Herbert …

Frei
Heit
Hu
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu

Diese Armstreckübung soll im Koronadom einer jeder Messe Höhepunkt sein. Zu Beginn des Hochamts vorgebetet und vorgezeigt und am Ende der Messe der von allen unter Armstreckungen gebetet zum feierlichen Auszug …

Die Bedeutung des Psalms? Es soll der Freudenpsalm als Dank an Hu, den Schöpfungsgott aus einem recht alten Reich, sein, in der Sprache des Dialekts. Standardsprachlich würde der Dank nicht so freudig und dankbar tief aus dem Herzen kommend klingen: Frei heute!

Standfotos Reichskriegsflagge: Von den Plätzen unten bis zu den Gipfeln oben muß die Reichskriegsflagge mit, ist diese doch wärmende Winterkleidung denen im Volke im Pelz, deren Pelz noch nicht fertig maßgeschneidert … Als Leibwäsche darunter genügt manchen ein T-Shirt, und so manch abgehärtetem Soldat genügt auch im Winter ein Shirt vollauf, das ihm Flagge seiner Gesinnung …

Soldaten aber, die des Volkes Pelzes nicht würdig, werden in Geckoanzüge gesteckt, auf daß sie …

Standfoto Holzpferd: Auch Prozessionen dieser Art fühlen sich der Tradition im Lande verpflichtet und sie führen ein Holzpferd mit. Es ist zugleich Ausdruck ihres offenen Geistes, ihrer Toleranz, ihrer endlosen Fähigkeit zum Aufsaugen aller Einflüsse. Denn. Das Holzpferd ist von ihnen von ihnen gänzlich gesinnungsfernen Demonstrationen übernommen, die es in Österreich vor rund 35 Jahren gab. Wenn es ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal für Prozessionen dieser Art in Österreich gibt, das die Prozessionen in Österreich von Prozessionen in anderen Ländern unterscheidet, dann ist es das Pferd.

Es sollen manche der Prozession bedauert haben, daß ihr recht größter Dichter nicht mehr unten ihnen weilt. Er, gestorben fern der Heimat nah.

Was für Prozessionsverse aber hätte er ihnen wahrlich geschenkt. So soll mit Schwur schon beschlossen sein, daß die Hauptlesung eines jeden Hochamts im Koronadom seine Pferdeverse …

Standfoto „Kauft nicht bei Impf Faschisten“: Auch mit diesem Psalm wird auf eine Tradition gesetzt, die vor allem in Österreich gepflegt wird, diese Aufforderung ist auch eine Aufforderung, woanders, weil gekauft muß werden, einzukaufen, und zwar in Deutschland …

Standfoto „Österreich ist frei. Jesus ist König!“: Es wird nicht nur an einem Tag in diesem Land ausgerufen, daß Österreich frei sei, sondern an vielen Tagen im Jahr, und alle diese Tage erzählen ihr Freisein von Österreich …

„Jesus ist König!“ Diese Forderung ist ebenfalls eine recht alte Forderung, die allenthalben erhoben wird, einen Toten, von dem nach rund zweitausend Jahren nichts mehr existiert, den Würmer in zweitausend Jahren tausendmal ratzeputz aufgefressen haben, zum König zu machen. Mit dieser Forderung wandelt sich die Prozession zum polnischen Parlament, das auch schon einmal einen von Würmern mit Haut und Haar Verschlungenen zum König

Standfoto „Seht eure Schuld ein und dreht um!“: Die Bedeutung dieses Psalms wird unterschiedlich gedeutet. Manche wollen darin die Fähigkeit zur sogenannten Selbstreflexion erkennen, mehr noch, zur Selbstkritik. Diese Deutung ist jedoch sehr umstritten.

Standfoto „?Warum? ?Macht? ?Ihr das?“: Auch bei diesen Fragen kommt es zu unterschiedlichen Deutungen. Wenige allerdings wollen in dieser Frage eine sogenannte selbstkritische Frage erkennen …