„Es falle die Hülle!“

„Die Skulptur, erschaffen von Nicole Six und Paul Petritsch.“

In Wien wird es herrlich verstanden, zu feiern, aus jedem Wochentag, an dem eröffnet wird, einen Sonntag zu machen. Und es kann auch vorkommen, daß ein Sonntag einer Eröffnung tatsächlich auf einen Sonntag fällt.

Gestern war es wieder einmal soweit.

Zeitungen berichten über den „Huldigungsfestzuge“ ausführlich, allen voran die „Reichspost“, viele Seiten lang.

Es war ein wahrer Feiertag. Ganz Wien spürte seine Weihe. Dieselbe Ringstraße hinab, über die einst so oft der große Volksbürgermeister unter dem donnernden Jubel der Wiener gefahren war, zogen an diesem strahlenden Herbstmorgen unabsehbare Scharen, ein unaufhörlich quellender Strom der Menschen, Fahnen und Standarten, umrauscht von den Harmonien alter, ruhmreicher Märsche. Und wieder erfüllte der Name und Geist Luegers Herz und Sinnen, kein geisterhafter, ferner Schatten, sondern eine mächtige lebendige, von allen gefühlte Wirklichkeit. Das Denkmal ist schön, dem dieser Zug der Hunderttausende galt, aber schöner, herrlicher noch enthüllte sich gestern das unwandelbare treue Andenken, die Dankbarkeit und die Liebe des Wiener Volkes für den dahingegangen großen christlichen Führer und Bürger­meister. Und das waren nicht nur die Alten, jene, die ihn noch miterlebt und seine Kämpfe mitgerungen, das war Jugend, prachtvolle Jugend in unendlichen Scharen, aus allen Ständen, das kommende, das heranwachsende Wien — Zukunft, die aufs neue die alte Fahne Luegers hinaustragen will. Nicht eine Feier der Vergangenheit war es, die gestern Wien beging, sondern ein Fest zukunftssicheren Vertrauens in die Unbesiegbarkeit der Ideen, die einst Lueger verkündete, in Grundsätzen formte und zum geistigen Inhalt der christlichsozialen Bewegung machte. Hier offenbarte es sich: Das christliche Wien ist unabhängig von Tageskonjunktur und augenblicklichen Erscheinungen und Zufällen, es lebt mächtig in diesem Volke und es wird wieder hervortreten, sich gebieterisch auf dem ihm gebührenden Platze niederlassen, wenn seine Stunde gekommen ist. Diese Bekundung war erhebend, sie war auch lehrreich für manche Kleinmütige auf der einen und für viele Hochmütige auf der anderen Seite. Nach der wuchtigen, von tiefster Empfindung durchtonten Rede des Obmannes der Wiener Christlichsozialen […]

Das mag aus dem seitenlangen Bericht, um zu vermitteln, wie herrlich in Wien zu eröffnen verstanden wird, genügen.

Denn mehr von dem Manne, der an diesem Tag im Mittelpunkt steht, ist zu berichten, von einem Matador, dem die Feier auch und vor allem nicht eine der Vergangenheit ist, sondern ein Fest zukunftssicheren Vertrauens in die Unbesiegbarkeit der Ideen, die einst Lueger verkündete, in Grundsätzen formte und zum geistigen Inhalt der Bewegung machte, und hervortreten, sich gebieterisch auf dem ihm gebührenden Platze niederlassen, wenn seine Stunde gekommen, lehrreich

Die Zukunft, in die er sein Vertrauen propagandiert, die dann eine mit vielen, vielen, abervielen Matadorinnen, mit Hunderttausenden von Matadoren, die in keiner Arena mehr allein einen Stier töten, sondern mit ihrer einzigen Pflicht auf allen Plätzen, Menschen zu schlachten.

Ehe aber von diesem Mann, der auch ein Führer, berichtet wird, soll aus dem reichspostischen Huldigungsbericht noch eine Passage zitiert werden, die die Aufteilung in Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit auflöst, alles Gegenwart sein läßt.

Man braucht nur den Namen Breitner neben den Luegers stellen, um in die Abgrundtiefe zu schauen, welche die heutigen Fiskalisten und Zerstörer des Wohlstandes und des Erwerbes der Wiener Bevölkerung von demjenigen trennt, der diese Stadt aus der Ausbeutung landfremder und jüdischer Kapitalisten befreit und in Wien alle schaffenden Kräfte zu einem nie gesehenen Aufschwünge gesammelt hatte. Ein Bankdirektor, der mit Vorauszahlungen auf Gas- und Elektrizität bei sinkender Währung spekuliert, in Aktiengeschäften macht, eine Partei, die mit dem Ruin des Baugewerbes Handwerk und Industrie erschlägt, die Stadt mit dem Elend der Arbeitslosen anpropft, den Mittelstand mit erbarmungsloser Zielbewußtheit ausrottet, durch die steuerpolitische Erdrosselung des Kunstlebens selbst die Seele dieser schönheitsfreudigen Stadt in Fesseln legt […]

Nun aber zum Matador selbst, der, als das dieses Morden vorbei, wieder einen Sonntag seiner Erhebung erlebt, alle Übersetzungen für Matador überschrieben sind, überbleiben nur dürfen Stierkämpfer, allenfalls noch Schlüsselfigur

Nun trat Altbundeskanzler Dr. Seipel vor und wandte sich an die Versammelten: Wir gehen heute nicht von diesem Festplatze weg, ohne ein Wort des herzlichen Dankes unserem Freunde Kunschak gesagt zu haben. Ohne ihn, ohne seine treue Liebe zum Andenken Dr. Luegers, ohne seine Tatkraft, ohne seinen Mut, die Bevölkerung aufzurufen, hätten wir heute dieses Denkmal noch nicht vor uns gesehen. Er hat wackere Mitarbeiter aus den Reihen unserer Parteigenossen gefunden, aber sie alle sind einig mit mir, daß das eigentliche Verdienst an diesem Werke unserem Kunschak gebührt. (Zustimmung.) Wir begrüßen dankend unseren Kunschak, von dem wir zugleich alle Tage uns überzeugen, daß er es ist, der die Traditionen unserer Luegerzeit in Wien auch weiter aufrecht erhält. (Beifall.) Wir Christlichsoziale von Wien und von ganz Oesterreich werden ihm folgen und wenn er uns das Erbe Lueger auslegt und neu vor Augen stellt, dann werden wir wissen, wir handeln im Geiste des großen Mannes, der im Denkmal auf dich, lieber Kunschak und auf uns alle herabsieht. Stimmen Sie ein mit mir in den Ruf: „Kunschak der Erbe des Luegergeistes, er lebe hoch! hoch! hoch! (Begeisterte Hochrufe.)

Und diesen Manne, den Matador des Denkmals, die Schlüsselfigur, deren Preis so vielen, vielen zu Bedeutung erhob, nicht einmal zu erwähnen, wenn es gilt, das Denkmal geschichtlich darzustellen, wie es etwa Andreas Nierhaus auf Wien Museum – das mit des Matadors Künstlers Wehrmann vor seinem Tore selbst so um Geschichte bemüht, auch auf unergründlichen Wegen – unternimmt, diesem dem Vergessen Anheimgegebenen muß erinnernde Gerechtigkeit widerfahren, ihn selbst sprechen zu lassen, ist nur billig und recht:

Als die letzten Töne verrauscht waren, trat der Obmann des Denkmalkomitees Leopold Kunschak an die Stufen des Standbildes und hielt folgende Festrede: Zwei Ereignisse sind tief eingegraben in die Geschichte der Stadt Wien. Der erste Amtsantritt des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger und der Tod dieses großen Mannes. Dazwischen eingebettet liegt ein 13jähriger, glanzvoller Ausschnitt der ruhmreichen Geschichte unserer Vaterstadt. Die Vereinigung der ehemaligen Vororte mit dem alten Wien hatte für die Entfaltung der Stadt zur Großstadt den breiten Rahmen geschaffen. Diesen Rahmen auszufüllen mit blühendem Leben und selbst strahlenden Glanz zu geben, das war die Aufgabe, die dem Bürgermeister Dr. Lueger von der Geschichte überantwortet worden war. Diese Aufgabe restlos erfüllt zu haben, das ist Lebenswirkung über das Grab, Glanz, der den Schatten des Todes tilgt, das ist die Unsterblichkeit des Namens Lueger, dessen Glanz und Preis. Wir stehen vor einem anderen, bedeutungsvollen Ereignis — der Enthüllung des Denkmals für Dr. Karl Lueger. Nicht will ich dieses Ereignis als bedeutungsvoll bezeichnen, nur im Hinblicke auf Lueger und dessen Wirken. Lueger bedarf keines Denkmales aus Erz und Stein, sein Name ruht in der sicheren Hut seiner Daten, deren Spuren erkenntlich sein werden, so lange noch in dieser Stadt ein Stein auf dem anderen liegt. Die Bedeutung des heutigen Ereignisses liegt an uns, in uns, liegt an Wien und den Wienern, an Oesterreich und den Oesterreichern, deren Schicksal glücklich zu gestalten, Lueger mit klugem Verstand und selbstverleugnender Hingebung stets sich mühte. Des Wieners und des Oesterreichers Seelenschmuck ist sein, ihm aus christlich-deutscher Geistes- und Gemütskultur erfließendes Verbindlichkeitsbewußtsein, sein Sinn für hohe Ritterlichkeit und edlen Dank. Krieg und Umsturz, Auflösung und Zusammenbruch, zermürbende Sorgen um das nackte Alltagsleben mögen als Erklärung, ja selbst als Entschuldigung dafür gelten, daß dieser Seelenschmuck im Schatten vielfach aufgezwungener, widerlichen Tatenlosigkeit verdüsterte. Die Besinnung ist wiedergekehrt; man hat sich wiedergefunden und aufgerafft zu christlich-deutschem Tugendbekenntnis. Der böse Schatten ist gebannt und in hellem Lichte ragt empor als Zeuge der Dankbarkeit eines Volkes, dem so viel gegeben ward — das Denkmal des Bürgermeisters Dr. Karl Lueger! Das ist die eigentlich tiefste Bedeutung des heutigen Ereignisses. Glücklich der Mensch, der aus den Ereignissen zu lernen versteht! Unüberwindlich das Volk, dem die Ereignisse nicht blindes Walten, sondern Wege zur Erkenntnis sind! Möge das Ereignis von heute, möge der Aufblick zu Luegers Standbild im Bewußtsein unseres Volkes den Sinn, die Begeisterung, die feste Gebundenheit an Pflicht, die Liebe und Treue zu Volk und Vaterland, zu jenen Höhen tragen, auf welchen Dr. Luegers Lebensweg verlaufen. Ja, Lueger war der Mann der Pflicht, hart und unerbittlich, der Mann voll edler Begeisterung und siegender Tatkraft, in Liebe und Treue seinem Volke zugetan. Als Wiener durch und durch war Lueger der große Geist, der die Arbeit für Volk und Stadt an der Glut reinster, vaterländischer Gesinnung zu höchstem Weihedienst an Oesterreich gestaltet. Als stolzes Wahrzeichen Wiens, als ernste Mahnung zur Pflichterfüllung, als Ermunterung für die Zagenden und Wegweiser für die Tatfrohen möge dieses Denkmals Sprache hell bis in die fernsten Zeiten klingen. Des Denkmals Sprache künde auch das Lob, das auszusprechen die Pflicht als Obmann mir gebietet, das Lob, auf den Opferwillen der Bevölkerung, die gern und freudig Groschen um Groschen zum Baufonds häufte, das Lob des Künstlers, und das Lob der braven Arbeitshände, die des Künstlers genialen Geist aus Erz und Stein zu sprechender Wirklichkeit geformt. Es falle die Hülle!

In seiner Gegenwart, auf dem ersten gebieterisch eroberten Platze, wissen die Menschen um seine Bedeutung, ihm jubeln sie zu, zu ihm blicken sie auf, beim Demonstrationsdenkmal, gottergeben dankbar dafür, einem Denkmal aus Fleisch und Blut Treue zu schwören, ihm heilig zu versprechen, der Matadorinnen Zukunft zu bereiten, den Matadoren alle Plätze gebieterisch zu erobern, auf daß „wir diese schwierigste Aufgabe aus Liebe zu unserem eigenen Volk restlos“ —

Und dann geht es durch dreieinhalb Stunden weiter: Gruppe um Gruppe defiliert vor den Festgästen, Hunderte Fahnen, viele mit dem Luegerbild geschmückt, neigen sich grüßend vor dem erzenen Bild des unvergeßlichen Bürgermeisters. Ununterbrochen branden Rufe der Begeistsrung zu ihm empor. „Hoch Lueger!“ „Hoch der V o l k s b ü r g er m e i s t e r!“ ,,Hoch das christliche Wien!“ hallt es ohne Unterlaß. In diese Rufe mengen sich Kundgebungen für den Obmann des Luegerdenkmalkomitees Nationalrat Kunschak. „Hoch Lueger!“, „Hoch Kunschak!“, diese Rufe vereinen sich immer wieder, auch im gemütlichsten Wiener Dialekt Dann lauten sie ungefähr so: „Steig aber, Karl!“, „Servus Poldl!“ Auch den übrigen Festgästen, insbesondere Altbundeskanzler Dr. Seipel und Kardinal Erzbischof Dr. Pissl, jubeln die vorbeimarschierenden Gruppen zu. Immer wieder stimmen die Musikkapellen den Luegermarsch und das „O, du mein Oesterreich“ an, die sich fast symbolisch ergänzen. Einige Augenblicksbilder von der Defilierung: Die Pfadfinder ziehen mit zum Treueschwur erhobenen Fingern an dem Denkmal vorbei, die Turnerinnen grüßen es mit einem „Gut Heil!“ im Sprechchor. Stürmisch ist die Begeisterung der Frauen. Sie winken dem Denkmal zu, jauchzen und jubilieren und wollen gar nicht mehr weiterziehen. Die Ordner müssen sie fast mit Gewalt antreiben. Rührend der Aufmarsch der alten Garde, der Bürgervereinigung. Die graubärtigen Herren waren das treueste Gefolge des Mannes, dessen Erzbild sie nun huldigen. Es ist keine Schande, wenn da unwillkürlich die Erinnerung an verflossene glanzvolle Tage lebendig wird und sich in die Silberfäden des einen oder anderen Bartes eine Tränenperle hängt. Aus der Gruppe der Trachtenvereine treten zwölf Linzerinnen mit ihren glitzernden Goldhauben […]

So aber erklang zu Füßen des Luegerdenkmals aus dem Munde Doktor Seipels ein hundertmal verdientes Wort des Dankes und des Vertrauens zu Leopold Kunschak, dem einstigen Mitkämpfer Luegers und Führer der christlichsozialen Wiener Gemeinderatspartei. Hier ist der legitime Erbe Luegerischen Geistes. Dieser Feiertag wurde zum Gelöbnis. Es schwang nun auf in den begeisterten Kundgebungen am Ring, es klang aus der Rede Kunschaks, es brannte in den Augen und Herzen von Jungen und Alten, von Hunderttausenden, die gestern das christliche Wien verkörperten. Alten reinen Luegergeist zu pflegen und zu verbreiten, wird innere Aufgabe der christlichsozialen Bewegung sein, alten tapferen Luegermut, den Mut der Stürmer und Sieger der Neunziger Jahre, zu bewahren, die Aufgabe nach außen gegenüber einem Gegner, der unbekümmert um die Wohlfahrt des Volkes und des Staates, vor keinem Mittel zurückschreckt, seine tödliche Diktatur über das ganze Land aufzurichten. So wie gestern in allen Bezirken Wiens der alte befeuernde Klang des Luegermarsches ertönte und wiederum als Parole der alte Ruf „Hoch Lueger!“ erscholl, so soll auch in den kommenden Kämpfen unvergessen und gehalten sein Luegers Wort: „Kopf hoch, Nase zu und mittendurch!

Und Karl steigt herab, in Gestalt seines „legitimen Erben“, und ist unter ihnen, über ihnen, zu bleiben und zu bleiben

Es ist ihnen eine festliche Erweckung, wieder und wieder in Massen zu marschieren, wenn sie gerufen, zu diesem und jenem Platze, ins Rathaus, in sich aufzunehmen der Matadore Worte …

Zum Abschlusse doch noch ein wenig aus dem reichspostischen Bericht über diesen Sonntag, der kein Wochentag war, um zu zeigen, wie herrlich in Wien es verstanden wird, zu feiern, es keinen Menschen im Hause hält, von überall her Abordnungen deutschen Bekenntnisses strömen, aus Tirol, aus Bayern, aus Kärnten, aus Polen, aus der Tschechoslowakei und und und – sie alle werden angeführt, und menschgemäß namentlich alle „Ehrengäste“, so auch, um nur einen zu nennen, von dem erst vor kurzem die Rede war, Wilhelm Miklas, damals noch Präsident des Nationalrates …

150.000 Teilnehmer am Festzuge, über 300.000 Menschen bilden Spalier. Die Defilierung vor dem Denkmal dauert 3 1/2 Stunden. „Hoch Lueger!“ war die Losung des gestrigen Sonntages, an dem Wiens größter Bürgermeister sein Denkmal erhielt. Von den frühesten Morgenstunden bis in den Nachmittag hinein war das Stadtbild von einer Kundgebung beherrscht, wie eine gleich eindrucksvolle und mächtige schon seit Jahren nicht zu verzeichnen war. Eine Armee von über 400.000 Menschen war auf den Beinen, 150.000 marschierten im Festzug, dessen Defilierung vor dem Denkmal genau 3 1/2 Stunden dauerte; 300.000 standen einen halben Tag lang in dem dichten Spalier, das sich über den ganzen Ring zog. Frohe Marschweisen, begeisterter Jubel und unausgesetzte Hochrufe brausten zum Himmel empor, der sich wolkenlos und lachend über die Stadt spannte. Das christliche Wien, das christliche Oesterreich hat Dr. Karl Lueger gehuldigt und überwältigend dargetan, daß der Geist noch lebt, den der Gründer der christlichsozialen Partei geweckt hat … Morgens auf den Bahnen. Der Gedenktag des großen Volksführers sandte seine festlichen Strahlen weit über die Grenzen der Stadt. In der Umgebung Wiens, in den ländlichen Vororten an der Peripherie war trotz des strahlend schönen Sonntages ein viel stärkeres Zuströmen zur Stadt als umgekehrt zu bemerken. Auf der Südbahnstrecke sind die Züge, die in halbstündigen Pausen nach Wien abgelassen werden, mit Festgästen überfüllt. Aus Laxenburg, aus Perchtoldsdorf und aus Rodaun kamen Korporationen und Vereine, die Abzeichen und Fahnen mit reichem Blumenschmuck mit sich tragen. Weiß ist die Farbe des Tages. Eine Fülle von weißen Astern, Dahlien und Nelken sind dem großen Bürgermeister zu Ehren aus ländlichen Gärten mitgenommen worden. Unter den Fahrgästen gibt es eine Menge von alten Männern und Frauen, die sonst nicht so leicht die für ihre Begriffe mühselige und kostspielige Reise nach Wien unternehmen würden. Aber sie sind Altersgenossen des großen Verblichenen, sie haben den „Dr. Lueger“, oder „den Karl“ oder „den Bürgermeister“, wie sie ihn schlangweg nennen, gekannt, sie erzählen unterwegs den jüngeren Leuten von ihm und kramen allerlei Erinnerungszeichen aus, eine vertrocknete Blume, ein Abzeichen von einem Festzug bei dem „er“ mit dabei war. „So wollen wir halt dem Herrn Bürgermeister noch einmal auf der Erd‘ die Ehre erweisen, hevor wir ihn im Himmel wiedersehen“, sagt ein altes Mutterl, das mit ihrem weißhaarigen Ehegespons aus Wiener Neustadt zu der Wiener Festfeier gepilgert kommt.

Festlich die Eröffnung der Skulptur von Nicole Six und Paul Petritsch – über diese kann noch nicht aus seitenlangen Berichten erzählt werden, nur das kann schon gesagt werden, sie sind nicht auch noch der Mähr aufgesessen, das Denkmal des Leopold Kunschak sei „weit über zwanzig Meter“ hoch, und so haben sie ihre Skulptur nur so weit in die Höhe gesteckt, geschraubt, gezimmert, geleimt … nach dem tatsächlichen Maß der Skulptur des Leopold Kunschak eben; ein Verdienst, das sie sich hoch anrechnen —

Eric Frey

Naheliegend wäre es, gerade nach dieser Bundesmännerwahl, als Kapitelüberschrift etwas mit Kasperlei, mit Clownerei zu nehmen, aber das klänge, als wäre es mit der Kasperliade vorbei, wie es mit der Bundesmännerwahl vorbei ist, jedoch, es ist nicht vorbei, und die Clownerei begann auch nicht mit der Auslobung der Bundesmännerwahl für einen Sonntag des Herrn in Mehrzahl in Österreich im Herbst ´22, und deshalb soll das Kapitel einfach wie kurz Eric Frey genannt sein, nach einem Mann mit diesem Namen benannt, der einmal einen Stellvertreter als Hauptfigur in diesem Kapitel für die in diesem Land ewigwährende …

Nacht, schon in der Nacht des Bundesmännerwahlsonntages, meldet er sich zu Wort, der Mann, der es diesmal von einer Nebenfigur, als die er in wenigen Kapiteln bereits auftrat, zu einer Hauptfigur schafft, ist er eingeladen in ein Fernsehstudio, um die geschlagene Bundesmännerwahl zu anaylisieren.

Wer wäre mehr dazu befähigt als er, von der Fernsehanstalt vorgestellt als „Politikwissenschaftler und Autor“ und darüber hinaus als „Journalist“ einer Tageszeitung des österreichischen Medienstandards —

Wer in dieser Wahlnacht seinen Ausführungen lauschte, wird möglicherweise auf den zu späten Wunsch gekommen sein, mit ihm als achten Bewerber für dieses Staatsamt wäre die Auswahl vervollkommnet gewesen. Denn. Einen, der so tief zu denken vermag, wie wurde das von den Bewerbern vermißt, wie wurde einer mit einer derartigen Gedankentiefe herbeigesehnt, wieviel leichter wäre die Stimmabgabe —

So soll wenigstens nach geschlagener Wahl das von ihm vorgetragene Tiefgedachte festgehalten werden:

Ein Bundespräsident in Österreich hat nicht sehr viel politische Gestaltungsmöglichkeiten. Er kann auch nicht sehr viel falsch machen. Und deswegen hat auch Van der Bellen, hat auch nichts falsch gemacht. Deswegen hat er zurecht, hat er auch, wurde er wiedergewählt, so wie alle seine Vorgänger auch, die wieder angetreten sind. Er war ein flauer, ein ein lauer Wahlkämpfer. Das hat ihn sicher ein paar Stimmen gekostet. Was ihm wahrscheinlich viel Stimmen gekostet hat, war das Antreten von diesem Dominik Wlazny. Das sind ja eigentlich alles, fast alles Van-der-Bellen-Wähler, junge, eher links, grüne, Leute, die irgendwie gefunden haben, ach, ich möcht was Neues, was Frisches, was Junges, der ist ja auch völlig ohne Programm, ohne Alternative zum Van der Bellen angetreten. Da könnte man fast, diese diese Prozentzahlen, könnte man fast zu ihm dazuzuzählen. Er stand gegenüber vier rechten Kandidaten, die eigentlich gemeingefährlich waren in ihren Ansagen. Weil zu sagen, ich entlasse eine Regierung und löse eine Regierungskrise aus, ohne jetzt einen wirklichen Grund zu haben, eine demokatische, also lauter völlig verrückte Ansagen. Ich glaub, der Herr Rosenkranz hat sich gar nicht so wohl gefühlt damit, aber er hat halt mitmachen müssen, weil er halt auch da von Grosz und Wallentin und anderen, solchen Extremisten getrieben war. Daß da Van der Bellen wiedergewählt wird, ist schon einmal ein großes Glück für uns und daß es auch halbwegs ordentlich ist.

Nicht nur Alexander Van der Bellen wird diese tiefschürfende Analyse mit Interesse erfahren haben, daß er ein Programm hatte, daß auch für ein Amt „ohne viel Gestaltungsmöglichkeiten“ ein Programm gebraucht wird, soher er Dominik Wlazny war, der „ohne Programm angetreten“, und soher die „Prozentzahlen“ des Dominik Wlazny ihm, Van der Bellen, „dazuzuzählen“ —

Und. Wie viele werden nun Eric Frey dafür danken, ihnen die Augen geöffnet zu haben, wen sie eigentlich wählten, auch dafür, fortan nicht mehr ihren Augen zu trauen, wie in dieser letzten Wahl, in der sie sahen, sie kreuzen Dominik Wlazny an, und kreuzten in von Frey erkärter Wirklichkeit Alexander Van der Bellen —

Einen Verteidiger von Herrn Rosenkranz werden in dieser Nachtsendung viele sofort ausgemacht haben, in seinem Gesinnungskameraden in der Trachtenjacke, der in österreichische Fernsehanstalten stets eingeladen wird, wenn vorgeführt werden soll, auch in diesem Land gibt es Denkende, und nicht nur einen, sondern zuhauf, wie in dieser Nacht wieder vorgeführt wurde, die dem rosenkranzischen Gesinnungskameraden ebenbürtig sind.

Aber der wahre Verteidiger in dieser Nacht war nicht der Gesinnungskamerad im Trachtenrock, sondern der ihm ebenbürtige Denker, ein Denker von grenzenloser Tiefe mit Herz, mit dem größten Mitgefühl, das Menschen je aufgebracht —

„Herr Rosenkranz hat sich gar nicht so wohl gefühlt damit, aber er hat halt mitmachen müssen, weil er halt auch da von Grosz und Wallentin und anderen, solchen Extremisten getrieben war.“

Ein Mann, dessen Name allein bereits von seinem friedvollen, von seinem von Nächstenliebe überreichen Charakter bezeugt, mit der Leidenschaft für Spaziergänge kann nur, wie wahr von Eric Frey tief gedacht und tief empfunden, gänzlich unschuldig von „solchen Extremisten getrieben“ —

Das ist nicht die Aufgabe des Bundespräsidenten. Er hat nicht die Aufgabe, die großen Herausforderungen der Republik anzusprechen. Er kann schöne Worte sagen, er kann beruhigend sein. Er hat keine politische Funktion im Sinne von Gesetzgebung, Gestaltung. Er kann gelegentlich appellieren, er kann, das hat Van der Bellen immer wieder ganz gut gemacht. Aber gerade auch, was wir jetzt gesehen haben, in einer Stimmung, die eher polarisiert ist, wo es einige Jahre, wo es Leute mit Radikalen, Aggression auf die Straße gegangen sind, um gegen vernünftige Gesundheitsmaßnahmen zu protestieren, als würde ihnen, all das kann der Bundespräsident gar nicht das Land vereinen. Ich glaube, er wird weitermachen wie bisher, das ist auch richtig so. Er ist ein vernünftiger, kluger Mann, der sich, der der der, nicht irgendwelche auf Abenteuer sich einläßt. Und genau das ist das Richtige auch in der Hofburg. Die Queen of England oder der jetzige König hat auch keine politische Gestaltungsfunktion und trotzdem wurde die Queen […] findet sich eine Funktion für ein Staatsoberhaupt, was letztlich keine andere Aufgabe hat als Staatsoberhaupt zu sein. Und in ganz bestimmten, in wirklichen Krisensituationen möglicherweise einzugreifen. Von einer Krisensituation, wo die Republik wirklich gefährdet ist, sind wir zum Glück sehr sehr weit entfernt. Was gefährlich ist, eine Regierung zu entlassen und dann eine neue Regierung einzusetzen, die keine Mehrheit im Nationalrat hat, das ist eine Regierungskrise. Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine politische total fragile Situation ohne funktionale Regierung.

Er wird wieder zu seiner Bierpartei gehen, wird wieder Satire machen, ohne, völllig ohne Programm, Herr Grosz macht wahrscheinlich weiterhin bei oe24 seine eigene Sendung. Das Ganze war ein Werbegag für alle, für die drei bzw. für vier, für Herrn Staudinger auch. Eigentlich ein falsches System, wo man mit 6.000 Unterschriften, die man relativ leicht bekommen kann, eigentlich einen unglaublichen Werbewert, Gratisauftritte in allen Medien bekommen kann, ohne irgendwas wirklich ernsthaft […] Ich würde die Schwelle für das Antreten deutlich erhöhen. Sechstausend Unterschriften sind in der heutigen Zeit, wo man über soziale Medien oder wie im Falle von Herrn Wallentin über eine Doppelseite bei der Kronen-Zeitung sehr leicht aufbringen kann. Ist es zu einfach. Da kommen solche, Mischung aus aus aus Rabauken und Kasperln da hinein, die eigentlich nicht in einer Bundespräsidentschaftswahl antreten sollten.

Dazu lese ich gerne Twitter oder schaue mir andere soziale Medien, aber das ist doch nicht, für, ich meine, aber aber diese Leute haben ja nicht ernsthaft dieses Amt angestrebt. Sie haben alle gewußt, daß sie keine Chance haben. Was wirklich, also eine Art Selbstvermarktung gemacht. Das ist ein Mißbrauch der Demokratie in diesem Fall. Herr Staudinger will seine Schuh verkaufen, Herr Grosz möchte noch mehr Zu, Zu, Einschaltungen haben, bessere Quoten für seine seine Sachen. Das sind einfach keine, ich meine, da da, jetzt wird Herr Wlazny wieder Marco Pogo wahrscheinlich werden, wird mit seiner Bierpartei versuchen, die ja auch eine Scherzpartei ist, wird er versuchen, wieder hier ein paar Stimmen dazuzubekommen. Ich glaube, auf diese Weise wird unsere Demokratie mißbraucht, und da muß man sich was überlegen.

Aber dieses Staatsoberhaupt, man darf nicht von ihm erwarten, daß er jetzt politisch gestaltet, und er soll auch nicht politisch gestalten.

Es wurden in dieser Sendung noch viele andere Themen angesprochen, und zu allen Themen hatte Eric Frey Tiefgedachtes zu sagen, zu Inflation, Migration und so weiter und so fort.

Ein paar Zitate noch von seinem Tiefgedachten zu diesen Herausforderungen unten, nein, doch nicht …

Die Perlen seines Tiefgedachten sind oben bereits präsentiert.

Eine tiefgehendere Reformierung des „Bundespräsidentenwahlgesetzes“ als eben von Eric Frey vorgebracht, die Zahl der Unterstützungserklärungen zu erhöhen, eine wahre Erhebung der Demokratie zur Hürdendemokratie, so visionär wie Eric Frey gingen vielleicht nur noch die Männer von 1929 an das Denken heran, als sie die vom Gesinnungskameraden in dieser Nachtanalyse angesprochene Bundesverfassung

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Den Frauen das Zettelchen, den Männern das Ämtelchen

Vorbereitungen für die Bundespräsidentschaftwahl in ganz Österreich. Wichtig ist, daß sich die Wählerinnen und Wähler zurechtfinden, daß alles reibungslos funktioniert. Sieben Kandidaten treten an. Eine Frau hat sich nicht beworben.

„Eine Frau hat sich nicht beworben.“

Das verkündet die staatliche Fernsehanstalt am Vorabend der Männerschaftswahl, der Wahl in Österreich im Herbst.

Dies ist eine Verleumdung der Frauen.

„Eine Frau hat sich nicht beworben.“

Ein Verleumdungsgeschenk an die Männer, die nun, ist es doch zur Bundesmännerwahl verkündet in der Hauptnachrichtensendung der staatlichen Fernsehanstalt um 19.30 Uhr am 8. Oktober ´22, mit sich zufrieden sagen werden können, es sei nicht ihre Schuld, nicht der Männer Schuld, die Frauen selber werden wohl ein Einsehen haben, daß dieses gar schwere Amt nur ein Mann —

„Eine Frau hat sich nicht beworben.“

Aber brav, wie es modern heißt, wird gegendert, oh, und die Großzügigkeit, der Stimmzettel wird ihnen nicht vorenthalten, das wird ihnen zugetraut, einen Zettel auszufüllen, schließlich, das kennen und können sie, auf Zettel die Einkaufsliste zu schreiben, und wie einfacher hingegen muß es doch für sie dann sein, einen Stimmzettel … sie brauchen nicht einmal selbst zu schreiben, bloß ein Kreuz …

„Eine Frau hat sich nicht beworben.“

Es ist eine Leugnung der Wirklichkeit. Denn. Es haben Frauen sich beworben. Es haben Frauen ihre Kandidaturen für das Amt der Bundespräsidentin bekanntgegeben. Nur, diese Wirklichkeit ist eine Wirklichkeit, die dem Manne nicht gefällt, mag er in Redaktionsstuben hocken, mag er in einem Schlafzimmer hocken, diese Wahrheit, daß Frauen sich beworben haben, muß mannesmutig weggeredet werden, und dafür, die Wahrheit wegzureden, gibt es in Österreich an Erfahrungen reich —

Frauen, die sich beworben haben, können nicht antreten, weil sie nicht die dafür nötigen Unterstützungserklärungen bekommen haben.

Bei Berücksichtigung, was die antretenden Männer, die die dafür notwendigen Unterstützungserklärungen bekommen haben, vertreten, hätten auch die Frauen allemal die erforderlichen Unterstützungserklärungen bekommen müssen.

Bei Berücksichtigung, womit die Männer, die medial breiteste Unterstützung erfuhren, die medial mit Aufmerksamkeit reich beschenkt wurden, antreten, hätten auch die Frauen ebenfalls breiteste mediale Unterstützung erfahren müssen, hätten auch die Frauen ebenso medial mit Aufmerksamkeit reichlich beschenkt werden müssen.

So aber, wie diese Präsidentschaftswahl gelaufen ist, wurde nach uralten Auszählreimen verfahren: Den Frauen das Zettelchen, den Männern das Ämtelchen.

Mit Blick auf die antretenden Männer hätte sich also durchaus eine oder zwei oder drei der kandidierenden Frauen es sich mit Leichtigkeit verdient, antreten zu können, zur Wahl am morgigen Sonntag des Herrn in Mehrzahl.

Drei Frauen und sieben Männer hätten es dann gar auf den Stimmzettel bringen können, zehn Frauen und Männer, die für das Amt der Bundespräsidentin, die für das Amt des Bundespräsidenten … eine Auswahl, mit der Österreich nichts gewinnen kann, eine Auswahl, mit der Österreich nur noch alles verspielen kann, eine Auswahl, mit der Österreich nur noch mehr verlieren wird.

Ein gar munter heiteres Kerlchen im Wahlkampf

Es ist doch heiter, wenn Armin Wolf noch am 7. Oktober `22, kurz also vor dem Wahlsonntag des Herrn, tapfer versucht, Stimmung für einen Mitbewerber und gegen einen Bewerber zu machen.

Dass Herr Walentin seine Mitgliedschaft im St. Georgs-Orden „ruhend gestellt“ hat, geht jedenfalls aus dem Lebenslauf auf seiner akt. Website nicht hervor: https://wallentinlaw.com/assets/Uploads/Lebenslauf.pdf Die – an Politikern reiche – Liste der Ehrenmitglieder findet sich hier: https://georgsorden.at/de/ehrenritter/ /5

Aber gerade die Mitgliedschaft im St. Georgs-Orden disqualifiziert diesen Bewerber ganz und gar nicht, auch wenn Armin Wolf mit dieser seiner Abschlusskundgebung für einen Mitbewerber wohl meint, ein Bewerber um das Amt der Bundespräsidentin, die wieder ein Mann sein wird, müßte, sollte seine Mitgliedschaft zumindest „ruhend“

Recht im Gegenteil, in diesem Österreich, qualifiziert eine solche Mitgliedschaft auch diesen Bewerber für die höchsten Ämter im Staat —

Das ist doch heiter. Armin Wolf möchte gegen einen Bewerber Stimmung machen, und legitimiert damit erst recht einen Bewerber.Vielleicht hätte er davor den Herrn fragen, den Mitbewerber, fragen sollen, ob eine Mitgliedschaft in diesem Orden für ihn eine Disqualifikation darstelle.

Der Herr hätte ihm wohl in seiner ruhigen, in seiner überlegten, in seiner erfahrungsreichen Art geantwortet, daß eine solche Ordensmitgliedschaft höchste Qualifikation für jedwedes Amt in dieser seiner schönen Bergheimat mit ihrem für das Tischlerhandwerk goldenen Boden, in der der Beruf des Metzgers keine ausgestorberne Profession ist, sei, und er hätte vielleicht begonnen, für Armin Wolf in seinen Erinnerungen zu kramen, wie er, der Herr, einen angelobt habe, der diesem Orden ebenfalls so recht verbunden

Er einen angelobt habe, der die Bundesverfassung achte, vielleicht auch aus des Herrn Grunde, er sie ebenso schön und elegant — Ob er dereinst – mit Blick auf seine letzen Jahre wird es kurz über kurz recht bald wieder so weit sein – , wenn wieder ein Mann vor ihm zum Angelob stehen wird, diese fragen wird, wie sie es denn mit dem Ordensbund der Brüder halte —

Der lautere Wahlkampf hat Armin Wolf wohl davon abgehalten, etwa beim Bundesministerium für Landesverteidigung nachzufragen, wie ehrenwert dieser Orden als „wehrpolitisch relevanter“ —

Der Trägerverein des St. Georgs-Orden ist seitens des Bundesministeriums für Landesverteidigung in Österreich (BMLV) als „wehrpolitisch relevanter Verein“ – nunmehr mit dem Begriff „Partner des Bundesheeres“ bezeichnet – anerkannt. Darüber hinaus dürfen die Distinktionen des St. Georgs-Orden laut Trageordnung des BMLV zur Ausgangsuniform des ÖBH getragen werden.

Derart ehrenwert, daß zur „Ausgangsuniform des ÖBH die Distinktionen getragen“ … „Distinktion“, womit wohl gemeint die Umhänge mit den glänzenden Ketten —

Und dann, das Wichtigste wohl: die „Ordensregierung“!

Wenn dereinst wieder eine Regierung von nichtgewählten Mitgliedern benötigt werden sollte, wie in geschichtlichem Zeitraum gemessen erst vor kurzem gewesen, wird da der hohe Herr nicht froh und dankbar sein, zu wissen, da gibt es eine, die für ihn zum Angelob Habacht … eine Regierung mit ihren Komturen Hofburg, Ungarn, Serbien, gerade mit Ungarn und Serbien, mit denen nun mit heißem Bemühen gezimmert wird ein Bollwerk gegen —

Gar nicht heiter hätte Armin Wolf es wohl gehabt, hätte es auch noch zu den sechs Bewerbern eine Bewerberin gegeben. Was hätte er doch recht zu grübeln gehabt, Stimmung für den siebenten Bewerber und Stimmung gegen eine Bewerberin oder gar noch eine zweite, eine dritte, gar sechs Bewerberinnen zu machen, ohne dabei den Nimbus des erleuchteten Mannes in Feministo aufs Spiel zu setzen. Aber dieser Kelch —

Vonnöten, eine neue Verfassung des Landes

Bald ist wieder ein Sonntag des Herrn in Mehrzahl.

Eine Wahl steht an, am 9. Oktober ´22.

In Österreich im Herbst.

Eine Wahl, die wieder einmal auffällig macht, die Macht der Testosteronverklumpung, die Verfaßtheit des Landes: sieben Männer als Bewerber in einem Jahr, sieben Frauen als Bewerberinnen in siebenundsiebzig Jahren.

Eine Wahl steht an, zu der das sogenannte Volk wieder einmal aufgerufen ist, stolz rufen die sieben Bewerber alle auf, zur Wahl zu gehen, geradeso, als wäre die aufgestellte Auswahl Anreiz, als wäre diese Auswahl gar Belohnung für das Wahlrecht —

In Österreich will nicht und nicht von einer Bundesverfassung abgelassen werden, die vor allem einem altbackenen Herrn gar recht elegant und schön dünkt – vielleicht sogar in seinem Verständnis der Moderne modern, aber die doch weit hinter der modernen von 1920 zurückbleibt, mit dem demokratischen Willen, das Autoritäre hinter sich zu lassen, die Platte des Schreins zu sprengen, das Gefängnistor des Tabernakels zu öffnen, den Staat in die Freiheit des Säkularen zu entlassen.

Kurz und vonnöten: Eine neue Verfassung!

Gerade diese Wahl am kommenden Sonntag des Herrn in Mehrzahl zeigt mehr denn je auf, beim Anblick der sieben Herren, wie überfällig eine neue Bundesverfassung —

Sieben Männer in einem Jahr, die nicht als Gruppe der glorreichen Sieben aufreiten, von denen aber ein jeder für sich meint, ein Glorreicher zu sein, bewerben sich um das Amt der Bundespräsidentin, während in siebenundsiebzig Jahren es insgesamt nur sieben Frauen ermöglicht wurde, sich um das Amt der Bundespräsidentin zu bewerben, und alle sieben Frauen erfolglos aus den Wahlen hervorgingen – des Herrn in Mehrzahl Erfolg …

Und wie 1945 kann am kommenden Sonntag des Herrn in Mehrzahl im Jahr ´22 keine Frau der Wahl um das Amt der Bundespräsidentin sich stellen; eine Antwort darauf, ob ´22 vor oder nach 1945 ist, kann nicht gegeben werden, nur eines ist gewiß, als Zahl kommt 22 nach 20 —

Nicht nur eine neue Bundesverfassung ist vonnöten, sondern auch eine Reformierung des Gesetzes, das die Wahl der Bundespräsidentin regelt, welches geschrieben auf Knien vor dem Herrn in Mehrzahl —

Notfalls die Kunst der Unwahrheit Freiheit sagen

In einem Interview mit Conrad Seidl vor sieben Jahren skizziert Alexander Van der Bellen für politische Amtsträgerinnen, wann die Unwahrheit gesagt werden darf, und will dies nicht als sein „Programm eines Präsidentschaftskandidaten“ —

Sie besprechen sein Buch „Die Kunst der Freiheit“, aus dem sieben Jahre später die Tageszeitung von Conrad Seidl zitiert:

„Kaum wo wird da die Position vertreten, dass die Annexion der Krim im März 2014 auch eine Vorgeschichte hatte, nämlich verantwortungsloses Gerede von einem Nato-Beitritt der Ukraine, womit Russland vom Schwarzen Meer praktisch abgeschnitten gewesen wäre. Glaubte wirklich jemand, Wladimir Putin würde dem tatenlos zusehen? Wer Kritik an der ukrainischen Regierung übt, wird sofort als ‚Putin-Versteher‘ abgestempelt. Gerät auch die Unabhängigkeit der Meinungsbildner ins Wanken? Ist aus der Pressefreiheit, die sich durch eine Vielfalt an Meinungen auszeichnen sollte, eine freiwillige Gleichschaltung der Medien geworden?“

Wie sparsam, wird nun gedacht, damals das Buch nicht gekauft zu haben, in dem Sätze stehen, die mit „Kaum wo wird da“ beginnen … Und menschgemäß verspricht allein dieses Zitat nicht nur kein Lesevergnügen, sondern auch inhaltlich keinen Gewinn. Als wäre es aus einem Verlag, der Heimstatt für identitäre —

Und es wird ein weiteres Zitat aus diesem vor sieben Jahren besprochenen Buch mit seinem Credo für die Unwahrheit nun am 1. Oktober 2022 von der Tageszeitung des Conrad Seidl gebracht:

Offenkundig gibt es nicht nur einzelne Leute, sondern ganze Gruppen, die sich durch Plakate mit mehr oder weniger entblößten Frauen beleidigt fühlen. Vielleicht fehlt das Pendant: entblößte Männer. Ich hätte gedacht: It’s a free country! Man sollte sexuelle Anspielungen und erotische Chiffren unter Erwachsenen nicht so ernst nehmen.“

Dieses Tiefgedachte hat der siebente Bewerber sich bewahrt, muß jetzt gedacht werden, wenn er nun nur mehr davon spricht, es brauche ihn, den Bundespräsidenten, also es brauche für ihn den Mann, sie brauche es für ihn nicht, die Bundespräsidentin, also die Frau, ihr mag es doch ein erfüllendes Leben sein, Männer aus dem Schnapsfäßchen zu nähren … Und kann es je eine schönere Gleichheit für Frauen, je eine schönere Gleichberechtigung für Frauen geben, wenn dereinst das Tiefgedachte von Staatsoberhaupt Wirklichkeit ward, Plakate mit nackerten Männerhaarbusen —

Was an Staatsoberhaupt tatsächlich aber bemerkenswert genannt werden kann, ist seine Konstante des Tiefgedachten, wie etwa das vor sieben Jahren zu Vladimir Putin, wie etwa das vor einem Jahr zu Ebrahim Raisi in einer Gratulation, wie etwa die vor nicht einmal einem Monat zu Giorgia Meloni angestellte Einschätzung der Bedeutung ihres Wahlsieges

Gerade etwas mehr als ein Jahr später bestätigt Ebraim Raisi das Tiefgedachte von Staatsoberhaupt bestechend. Auch er, der Präsident, gedenkt wie Staatsoberhaupt der Vergangenheit, und er, der Präsident, weiß ihre Fackel anzuzünden: für Gegenwart und Zukunft —

Und Vladimir Putin, nun, zu diesem hat Staatsoberhaupt sieben Jahre später tiefgedachte Erklärungen parat, zu seiner Einschätzung von, ach, wie lange sei das doch her, und was bringe das jetzt, wo kaum da die —

Und was Meloni und ihre Brüder anbelangt, es sind ja gerade erst einmal zwei Wochen her, seit deren Wahlsieg; das ist zu kurz, für sie und ihre Brüder, um Staatsoberhaupt der Wahrheit zu zeihen

The president and his useful friends …

Eine Woche vor der Wahl in Österreich, eine Woche nach der Wahl in Italien ist es ein guter Zeitpunkt, daran zu erinnern, was beispielsweise „The Guardian“ am 7. Juni 2018 über Wien und Rom schrieb, über die „Achse“ also, die der ehemalige und also gescheiterte kurzzeitige österreichische Bundeskanzler recht groß sehen wollte, nämlich als „Achse Berlin-Wien-Rom“, in seiner Weitsicht, dessen Weitsicht in Österreich nur noch vom derzeitigen Bundespräsidenten, dessen Amtsperiode demnächst ausläuft, übertroffen wird.

Es war genau eine Woche nach dem Erscheinen des Artikels im „Guardian“, als der Kurzkurzkanzler von der „Achse Berlin-Wien-Rom“ sprach, wofür er kritisiert wurde, in Deutschland, nicht in Österreich; ganz unerwähnt konnte es dann in Österreich dennoch nicht bleiben; so berichtet am 14. Juni 2018 der „Kurier“ u. a. darüber:

Kurz in Deutschland wegen „Achse Berlin-Wien-Rom“ in Kritik
Medien kritisieren mangelndes „sprachliches Feingefühl“ und sogar „Nazi-Rhetorik“ mit Blick auf die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg. So titelten mehrere Regionalzeitungen der Funke-Mediengruppe gleichlautend in ihren Online-Ausgaben: „Kurz eckt mit Nazi-Rhetorik an.“ Weiters hieß es: „In den sozialen Medien fand die begriffliche Verirrung des österreichischen Bundeskanzlers am Mittwoch ein großes Echo. Abgesehen davon, dass eine ‚Achse Rom-Berlin-Wien‘ rein optisch irgendwie einen Knick hätte, gab es Kritik an der Wortwahl, aber auch Kopfschütteln über die offensichtliche Gedankenlosigkeit bei der Formulierung.“ Historisch gesehen, so die Funke-Medien, „ist die ‚Achse Berlin-Rom‘ eine Bezeichnung für das Bündnis zwischen den Machthabern Adolf Hitler in Nazi-Deutschland und Benito Mussolini in Italien, das beide 1936 besiegelten. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs 1938 gehörte dann gewissermaßen auch Wien dazu. Japan komplettierte den Pakt der ‚Achsenmächte‘.“

Wie wäre der Artikel des „Guardian“ über die Zusammensetzung der österreichischen Bundesregierung, die vom unübertroffenen weitsichtigen Bundespräsidenten angelobt, wohl ausgefallen, in dem von „rechtsextremen Parteien“ in den Regierungen geschrieben wird, wäre der Artikel erst eine Woche nach der „Nazi-Rhetorik“ des Kurzkurzkanzlers —

Das schrieb vor vier Jahren und ein paar Monaten der „Guardian“ u. a. über die vom Kurzkurzkanzler noch recht größer gesehen gewollte „Achse“:

„Russian president in contact with two capitals that share belief in nation-first politics and mistrust of alliances.“

„Zwei Hauptsstädte [Wien, Rom], mit denen der russische Präsident in Kontakt ist, die mit ihm den Glauben an eine Nation-Zuerst-Politik [Austria first, Italy first] und das Mißtrauen gegen Allianzen teilen.“

„Suddenly, Vladimir Putin has some useful friends in the west.“

„[…] Vladimir Putin hat einige nützliche Freunde im Westen.“

„As he looks to improve relations with Europe, at a new low since the March nerve-agent attack on Sergei Skripal and his daughter Yulia in Salisbury, the Russian president knows he can count on the backing of at least two capitals.“

„[…] der russische Präsident weiß, er kann zumindest auf die Unterstützung von zwei Hauptstädten [Wien, Rom] zählen.“

„Both Austria and Italy’s new governments, formed late last year and last month, include populist, far-right parties that make little secret of their sympathy for Moscow – and have even signed cooperation agreements with Putin’s ruling United Russia party.“

„Österreichische und italienische neue Regierungen […] mit populistischen, rechtsextremen Parteien verheimlichen nicht ihre Sympathie für Moskau – und haben sogar Kooperationsvereinbarungen mit Putins regierender Partei Einiges Rußland unterzeichnet.“

„The FPÖ leader, Heinz-Christian Strache – now also Austrian vice-chancellor – went further, telling local media that Europe must “end these sanctions … and normalise political and economic relations with Russia”.

„Der freiheitliche Führer Heinz-Christian Strache – jetzt auch österreichischer Vizekanzler – ging noch weiter, er sagte Medien, Europa müsse die Sanktionen beenden … und die politischen und ökonomischen Beziehungen zu Rußland normalisieren.“

„EU–Russian relations have been badly strained by Russia’s actions in Crimea, Eastern Ukraine and Syria, as well as by accusations of interference in assorted European elections and, most recently, the Skripal affair. But Putin, apparently now eager to build bridges, has recently begun signalling a clear desire to re-engage with Europe. Russia “does not aim to divide the EU”, he assured Austrian broadcaster ORF ahead of his Vienna visit. ‚We want to see a united and prosperous EU, because the EU is our biggest trade and economic partner. The more problems there are within the EU, the greater the risks and uncertainties for us.‘ Those words may ring hollow in most EU capitals, which – unlike Vienna and Rome – responded favourably and fast to Britain’s request for a coordinated diplomatic response to the Salisbury attack.“

„[…] Diese Worte mögen in den meisten EU-Hauptstädten hohl klingen, die – im Gegensatz zu Wien und Rom – positiv und schnell auf die Bitte Großbritanniens um eine koordinierte diplomatische Reaktion auf den Angriff von Salisbury reagierten.“

„The previous Italian government decided only belatedly to expel two Russian diplomats, in a move immediately criticised by the League – then in opposition – while Austria declined to send anyone back to Moscow because it wanted “to keep lines of communication to Russia open”.

„Die frühere italienische Regierung entschied erst verspätet, zwei russische Diplomaten auszuweisen, was von der Lega – damals in der Opposition – sofort kritisiert wurde, während Österreich sich weigerte, jemanden nach Moskau zurückzuschicken, weil es „die Kommunikationswege nach Russland offen halten“ wollte.“

„The FPÖ and the League, both now junior coalition partners, signed ill-defined ‚cooperation accords‘ with Putin’s United Russia last year based on their shared beliefs in nation-first politics and a mistrust of international alliances. Matteo Salvini, the League leader, has denied borrowing Russian money to fund his election campaigns, as Marine Le Pen of France’s far-right Front National has had no qualms doing. But Salvini has often expressed his admiration for Putin and said last month he wanted ‚to work for peace, not war‘. Austria’s Strache, meanwhile, besides calling frequently for EU sanctions to be lifted, has forcefully criticised Nato’s expansion eastwards, arguing it ‚wasn’t Russia who, in recent decades, has been the aggressor‘.

„[…] Der Österreicher Strache hat derweil nicht nur häufig die Aufhebung der EU-Sanktionen gefordert, sondern auch die Nato-Osterweiterung scharf kritisiert und argumentiert, dass ’nicht Russland in den letzten Jahrzehnten der Aggressor war‘.“

„It is too early to say what the consequences – if any – of this isolated outbreak of goodwill towards Moscow might be, for the sanctions or Russia-EU relations in general. Kurz was at pains to reassure his EU partners that Austria’s loyalty is of course to Brussels, not Moscow. But Putin will not be unhappy. This article was amended on 7 June 2018 to clarify that the Italian government belatedly agreed to expel Russian diplomats.“

Vier Jahre später beeindruckt der derzeit als Bewerber kurz noch Amtierende erneut mit seiner vortrefflichen Weitsicht, wenn er den „Brüdern“ bescheinigt, daß sie „Positionen vertreten“, die ihm: „Diese Tatsache beruhigt mich“.

Ein paar Tage nach der Wahl

Die Wahlsiegerin und Chefin der italienischen Rechtsaußenpartei Fratelli d’Italia (FdI/Brüder Italiens), Giorgia Meloni, und der Koalitionspartner und Lega-Chef Matteo Salvini sind heute in Rom zusammengetroffen, um das Wahlergebnis zu analysieren. Dabei signalisierten die beiden Parteichefs Kooperationsbereitschaft im Rahmen einer möglichen Rechtsregierung. Das Treffen, das erste nach dem Wahlsieg der Mitte-Rechts-Parteien, habe in einer „Atmosphäre der Zusammenarbeit und der Einigkeit statt“ stattgefunden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Parteien. „Beide Politiker haben ihre Genugtuung über das Vertrauen zum Ausdruck gebracht, das die Italiener der Koalition entgegengebracht haben, und das große Verantwortungsbewusstsein bekräftigt, das dieses Ergebnis mit sich bringt.“

tischlern sie am Rahmen für eine Rechtsregierung, er, der einmal für kurz Innenminister war, will wieder, auch wenn er und seine Partei in der letztwöchigen Wahl niederschmetternd verloren haben, in eine Regierung, vielleicht wieder als Innenminister, als ein Innenminister, der gar recht beruhigene Positionen

und sie, „Mutter, Christin“, und den „Brüdern“ auch ein „Bruder“, eine Bruder-Führerin einer Partei, deren Logo viele als eines zu Ehren, als eines in Treue, als eines im Geiste des Führers Benito Mussolini — Der Strich im Logo der Brüder-Partei symbolisiere, wird vorgebracht, das Grab von „Duce del Fascismo“, der das war, was sie werden will: „Ministerpräsident“ – in seinem Fall das Kosewort für Diktator, Massenverbrecher, Massenmörder, wie es auch heutzutage noch verwendet wird, etwa auch für einen Präsidenten in —

Nicht nur in einem Land, nicht nur für einen Präsidenten —

Aber zurück, doch etwas mehr zum Logo der Brüder.

Vor allem der Strich im Logo der Fratelli d’Italia gilt vielen als Symbol für das Grab des faschistischen Diktators Benito Mussolini. Neben dem weiteren Auffälligen zum Logo des Diktators, wie die Farben der Flagge, die von den Brüdern als Flamme symbolisiert. In einem Logo aber ist alles symbolisiert, auf das Notwendigste reduziert, und doch derart, daß es erkennbar bleibt. So kann der Strich der Brüder das Symbol sowohl für das Grab des Diktators als auch für das Rutenbündel mit Beil sein, wie beispielsweise in der Kampfflagge dargestellt, die von Benito Mussolini per Dekret angeordnet. Der Adler aber, könnte gesagt werden, würde im Logo der Fratelli fehlen. Nun. Fehlt der Adler tatsächlich? Über der Flaggenflamme schweben noch ein paar Striche, wie ein weiteres eigenes Symbol, etwas abgesetzt von der Flamme, somit nicht der Flamme zugehörig, damit auch einer symbolischen Darstellung der Flagge im Grunde widersprechend, stellte es mit diesen roten Strichen doch sofort eine gänzlich andere Flagge dar, von irgendeinem Land, das vielleicht gar nicht existiert. Was aber dieses Symbol über der symbolischen Flagge darstellen können soll, ist ein symbolischer Adler, ein stilisierter auffliegender Adler, ein Adler auf das Notwendigste und dennoch Erkennbare reduziert, auf seinen gen Himmel streckenden Kopf. So stellt der Strich im Logo der Brüder, wie gesagt wird, das Grab des Massenmörders und zugleich das Rutenbündel mit Beil mit darüber lodernder Flamme dar, die einen Adler in der Luft hält. Was Flammen aber einzig vermögen, das wurde nicht nur in der Vergangenheit bitter erfahren. Das Logo der Brüder somit auch eine unfreiwillige und, ohne sich selbst bewußt darüber im Klaren zu sein, eine dem Versprechen einer blühenden Zukunft widersprechende Botschaft: Wer aber unter einem solchen Banner marschiert, will eine Zukunft der Vergangenheit, nichts als verbrannte Erde hinterlassen, alles enden lassen in Not, Elend, Grab.

Vor vier Jahren schrieb der „Guardian“ über den Aufstieg der extremen Rechten in Österreich und Italien. Vier Jahre später kann wieder nur über den Aufstieg der extremen Rechte in Italien und in Österreich geschrieben werden.

In aktuellen Umfragen nähert sich die identitäre Partei in Österreich dem Stimmenanteil, den die Brüder Italiens letzte Woche in der Wahl bekamen, an, und ist wieder einmal zur zweitstärksten Partei in Österreich aufgestiegen, und so wohl wieder auf den Weg in die österreichische Bundesregierung. Es wird aber nichts mehr zu wundern geben, wer dann alles wieder angelobt werden wird, in freundlicher, herzlicher …

Warum muß für Thomas Mayer ein Präsident unschuldig und für ihn eine Frau die Verantwortung für ein nicht von ihr zurückgezogenes Interview übernehmen?

Thomas Mayer empfiehlt an diesem Tag, 28. September ’22:

Sie sollten den Thread von @amanpour lesen. Sie zog mit ihrem Team ab, nachdem sie sich geweigert hatte, beim Itv eine Kopfbedeckung zu tragen und der Präsident deswegen nicht erschien.

Zuerst ein Bild, das auch Thomas Mayer augenblicklich verstehen wird, wer da war, wer wartete und wartete und wartete, wer nicht das Interview „platzen“ ließ.

Und wer den „Thread“ las, verstand das Gelesene augenblicklich. Der Präsident war es, der nicht kam. Er ließ vierzig Minuten auf sich warten, um dann the aide zu schicken mit der ungehörigen Botschaft, seine Hilfskraft hatte auszurichten, sie, Amanpour, habe ein Kopftuch zu tragen, und wenn sie, Amanpour, kein Kopftuch trage, dann wird das Interview nicht stattfinden.

Christiane Amanpour war da, wartete, vierzig Minuten, der Präsident brachte weder Kraft noch Mut auf, ihr selbst seine Anmaßung nach einem Kopftuch zu überbringen, er schickte eine Hilfskraft vor, verschanzte sich hinter einer Hilfskraft. Zur Unhöflichkeit des Wartenlassens der Manneswahn, die unannehmbare Mannesforderung …

CNN berichtet selbst als tatsächlich Beteiligte darüber und stellt unmißverständlich klar, wer dieses Interview „platzen“ ließ; es war nicht CNN, es war nicht Christiane Amanpour, sondern der Präsident.

Iran’s President abandons CNN interview after Amanpour declines head scarf demand. Iranian President Ebrahim Raisi withdrew from a long-planned interview with CNN’s chief international anchor Christiane Amanpour at the United Nations General Assembly in New York on Wednesday, after she declined a last-minute demand to wear a head scarf.

Thomas Mayer, ein Vertreter des österreichischen Medienstandards, zu dessen Kriterien wohl auch das Qualitätskriterium zählt, auf die eigene Genauigkeit zu beharren.

Für Thomas Mayer läßt also nicht der Präsident das Interview „platzen“, sondern, für ihn ist es CNN, das heißt im konkreten Fall, eine Frau, die für Thomas Mayer das Interview „platzen“ läßt. Sie hätte also – niemand ist zu gering, um interpretiert zu werden – nach Thomas Mayer wohl artig vierzig Minuten warten sollen, sie hätte dann artig die durch eine Hilfskraft überbrachte Erpressung des Präsidenten, den durch eine Hilfskraft überbrachten Befehl des Präsidenten ausführen und also ein Kopftuch sich umbinden müssen, um dann weiter noch artig zu warten, dann mit Kopftuch schon, bis der Präsident irgendwann sich doch bequemte, zu kommen —

Hierzu könnten Fragen gestellt. Wie etwa diese. Was sagt das generell über den österreichischen Journalismusstandard aus, im besonderen, wenn es um Frauen geht?

A president applauding marchers who chanting „Death to Israel“, a president who distorts the Holocaust, a president who demands that the head be bandaged with a scarf, and a president who calls himself Raisi.

Es kann nicht überraschen, daß ein Präsident eines Landes, in dem die Leugnung des Holocausts extrem betrieben wird, selbst seinen prominenten Beitrag leistet, das Geschichtliche zu verzerren, mit Formulierungen, zu denen in einem weiteren Land weniger Prominente, aber nicht Unbekannte auch griffen, um sich vor Verurteilungen nach dem bestehenden Gesetz, das für die Leugnung des Holocausts Strafen vorsieht, zu schützen.

Es kann ebenfalls nicht überraschen, daß ein Präsident der eine solch zurecht getischlerte Vergangenheit bewohnt, in der Gegenwart Menschen mit Lob verwöhnt, die „Tod Israel“ auf den Straßen brüllen unter Bekundung ihres Bekenntnisses, ihren „Führern“ und deren „System“ zu „folgen“.

Es kann weiter nicht überraschen, daß ein solcher Präsident, wo immer er auf der Welt sich aufhält, damit eins in der Gesinnung mit den ihm Ergebenden, verlangt, daß Frauen, wo immer auf der Welt sie ihm und seinen Ergebenden begegnen, ihre Köpfe bandagieren müssen.

Überraschen mag es vielleicht, daß es in weiteren Ländern Menschen gibt, die für sich meinen, aus einer anderen Gesinnung heraus auf die Straße zu gehen, auf Plätzen sich zu versammeln, nahe der Burg, vielleicht deshalb so recht nahe der Burg, in der Hoffnung, im Vertrauen in die Vorsehung, es möge endlich einer „ihrer Führer“ die Burg bewohnen, es könne auch, so recht fortgeschritten sind sie bereits, eine „ihrer Führerinnen“ die Burg bewohnen, die nicht nur einem Präsidenten herzlich zu gratulieren versteht, die nicht nur Zutrauen zu einem Präsidenten bekundet, sondern ihre Gesinnung uneingeschränkt teilt, vertritt, wenn auch in Formulierungen, so verständnisvoll sind sie, die untadelig vor dem Gesetz, die aber auch Veranstaltungen meidet, die deren Gesinnung abhold

„But no sign of President Raisi. There is no law or tradition regarding headscarves. Der Bundespräsident spricht von einer ‚missglückten Kommunikation – Freiheitsrechte gegangen‘ …“

Protests are sweeping Iran & women are burning their hijabs after the death last week of Mahsa Amini, following her arrest by the “morality police”. Human rights groups say at least 8 have been killed. Last night, I planned to ask President Raisi about all this and much more. 1/7

This was going to be President Raisi’s first ever interview on US soil, during his visit to NY for UNGA. After weeks of planning and eight hours of setting up translation equipment, lights and cameras, we were ready. But no sign of President Raisi. 2/7

40 minutes after the interview had been due to start, an aide came over. The president, he said, was suggesting I wear a headscarf, because it’s the holy months of Muharram and Safar. 3/7

I politely declined. We are in New York, where there is no law or tradition regarding headscarves. I pointed out that no previous Iranian president has required this when I have interviewed them outside Iran. 4/7

The aide made it clear that the interview would not happen if I did not wear a headscarf. He said it was “a matter of respect,” and referred to “the situation in Iran” – alluding to the protests sweeping the country. 5/7

Again, I said that I couldn’t agree to this unprecedented and unexpected condition. 6/7

And so we walked away. The interview didn’t happen. As protests continue in Iran and people are being killed, it would have been an important moment to speak with President Raisi. 7/7

Das berichtet Christiane Amanpour am 22. September ’22 über ihre persönliche Erfahrung mit dem Präsidenten, der ein zugesagtes Interview verweigert, weil sie es ablehnt, das von ihm geforderte Kopftuch zu tragen, sie es ablehnt, den Präsidenten mit Kopftuch zu interviewen, der Präsident verlangt, sie müsse bei dem Interview in New York ein Kopftuch tragen, ohne Kopftuch kein Interview mit dem Präsidenten, und so ist es gekommen, daß es kein Interview mit dem Präsidenten im Fernsehen gab, nur einen Stuhl, der seine Abwesenheit zeigt.

Wäre der Ort für das geplante Interview Teheran gewesen, wäre Christiane Amanpour in Teheran und nicht der Präsident in New York gewesen, es wäre wohl anders abgelaufen, das Verlangen des Präsidenten gegen sie, ihren Kopf mit Tuch zu verbinden —

Dass viele Frauen das Kopftuch nicht freiwillig tragen, stimme sicher: „Insbesondere junge Mädchen werden von ihren Vätern dazu genötigt. Dem müssen wir mit Aufklärung entgegenwirken.“

[…] hatte bei einer Diskussionsveranstaltung im Haus der Europäischen Union erklärt: „Es ist das Recht der Frau, sich zu kleiden, wie auch immer sie möchte. Das ist meine Meinung dazu. Im Übrigen nicht nur die muslimische Frau, jede Frau kann ein Kopftuch tragen.“ Nachsatz: „Und wenn das so weitergeht bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“
Weiters brachte er einen Vergleich mit Dänemark während der Zeit der NS-Besatzung. Damals hätten Dänen begonnen, den Davidstern zu tragen – sozusagen als Geste des Widerstands gegen die Deportation ihrer jüdischen Mitbürger.

Christiane Amanpour hätte das Kopftuch vielleicht getragen, hätte es der Präsident wie ein strenger, aber doch gütiger Vater nicht verlangt, sondern sie herzlich darum gebeten, das Kopftuch doch aus „Solidarität“ zu binden – und auch aus „Respekt“, wird doch gerade Vater Präsident im eigenen Land nicht Respekt für seine Freiheitsrechte, sondern Protest entgegengebracht, da kann doch ein Vater von der Tochter auf amerikanischem Boden Unterstützung, von der Tochter, Solidarität mit ihm gegen die respektlosen Kopftuchlosen auf dem Kopf —

So aufgeklärt ist Vater Präsident nicht, so aufgeklärt wie beispielsweise Großvater Präsident, der um die Macht der Bitte weiß, aber auch darum, was alles schon aus Solidarität getragen wurde, der weiß, ein aufmunterndes „Auf geht’s Burschen!“ kann Siege einfahren …

An den Versammlungen hätten am Sonntag Tausende Menschen teilgenommen, um die andauernden Proteste von Regimekritikern zu verurteilen, berichteten Staatsmedien. Neben den üblichen Slogans „Tod Amerika!“ und „Tod Israel!“ skandierten die Menschen auch: „Wir folgen dem System und den islamischen Führern!“

Der Vater Präsident hätte sie, Christiane Amanpour, gewiß ebenso gelobt, hätte sie sich ein Kopftuch umgebunden, wie er „die Teilnehmer einer Gegendemonstration gelobt. Sie waren gestern Nachmittag für die Kopftuchpflicht und gegen die Demonstrationen nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amani in Polizeigewahrsam auf die Straße gegangen.“

Was die Vergangenheit betrifft, ist Vater Präsident aufgeklärt wie Großvater Präsident, gerade in seinem Land wird nur zu genau über die Vergangenheit Bescheid gewußt, werden doch in seinem Land über diese Konferenzen gar abgehalten, die die Vergangenheit in der Erkenntnis „Tod Israel“ zusamenfassen.

Was die Gegenwart betrifft, weiß Vater Präsident auch, wer, wie schon in der Vergangenheit, zum Einsatz geholt werden müsse, um die von ihm nicht zu lobenden Kopftuchlosen wieder auf den rechten Weg zu weisen, im Himmel so unter Erden