„Zigeuner-Video“ von Österreich

„So meine Freunde Jetzt schick ich eich einmal wos Des is a Livebericht von mir Des is weder weitergschickt noch sonstwos I bin in Tulln Da stengan ungefähr so 150 200 Wohnwägn von de Zigeina inklusive Veranstaltungszelt Schau do sehgst ihrs Zeltverleih Gö Do is a Veranstoltungszelt Da tans jeden Tog auf Nocht Partys feiern drinnen wahrscheinlich De Orschlecha die Onbrennten Ja So schauts aus in Österreich Meine Freunde Schauts eich des on Is des schen Ha Campingplatz Tulln Nur Zigeuna unterwegs do Ha Schauts eich des do on Schauts wos do los is Huckan beieinonda tan grilln tan feiern tan Partys mochn Da Österreicha muass Maskn trogn im Supermorkt Schauts eich des on Wos do los is Scheißn in die Staudn brunzn überall zuwe da Mist liegt umanond Live aus Tulln Ja Jetzt grod Freunde Wahnsinn is des Ein Wahnsinn Do schauts amol des nimmt kein Ende Supa is des in Österrreich Weit homas brocht mei liaba Pfiat eich Gott Mahlzeit“

Es gibt keinen Wirbel um dieses Video mit Tonspur, das seit dem 27. Juli 2020 täglich rund um die Uhr aufgerufen werden kann, es gibt keinen Wirbel um dieses Video mit Tonspur der Ungeheuerlichkeiten, die seit weit über einem Jahr durchgehend 24 Stunden von Oe abgespielt werden können — oe24 verbreitet seit bald sechzehn Monaten die oben vollständig zitierten Ungeheuerlichkeiten, die hier wiedergegeben werden, um erfassen zu können, warum dies keinen Wirbel macht, das seit dem 27. Juli 2020 von dem Medium „Tageszeitung Österreich und oe24“ bis zum heutigen Tag, 19. November 2021, verbreitet und wohl weiter verbreitet werden wird – mit ungelöscher Tonspur.

Vor weit über einem Jahr gab es einen Wirbel. Über den auch das Medium Österreich berichtete, am 27. Juli 2020, mit der Schlagzeile: „Rassismus-Wirbel um ‚Zigeuner-Posting‘ von FPÖ-Politiker“ und dem Untertitel:

Stefan Hermann schreibt auf Facebook von ‚in der Gegend herumlungernden und in Partyzelten abfeiernden Zigeunern [Anmerkung: abschließendes Anführungszeichen fehlt]

Einen Wirbel für die gar kurze Zeit, die es braucht, eine Schlagzeile zu lesen, gab es, wie stets war die Aufregung von nicht langer Dauer. Was bleibt sind die Ungeheuerlichkeiten, mit einer Selbstverständlichkeit verbreitet, die Österreichs Normalität …

Steiermärkischer Landtagsabgeordneter Mag. Stefan Hermann, MBL schreibt vor weit über einem Jahr …

„Unfassbar – während bei heimischen Österreichern das #Gesetz gnadenlos greift, dürften auswärtige #Roma und Sinti (unsere Großeltern nannten sie Zigeuner) ohne Erlaubnis in der Gegend herumlungern und in #Partyzelten abfeiern!“

… ach, das war halt noch eine Generation, der „unsere Großeltern“ angehörten, die wußte nicht nur, wie Menschen zu nennen sind, sie wußte vor allem, wie mit so genannten Menschen zu verfahren ist — da kann ein Enkelchen nur gesinnungsselig vor ihr seinen Kotau … Wie schwer muß dem Enkelchen nun die Gegenwart sein, in der er sich am 18. November 2021 erwehren muß, eine „Regierungsburka“ — Frauen schützen sich und ihre Mitmenschen durch das Tragen einer FFP2-Maske unter ihrer Burka —

„Wir wollen und brauchen keine #Regierungsburka in der Steiermark, ÖVP, SPÖ und Grüne müssen endlich zur Vernunft kommen und Maßnahmen setzen, die auch wirken!“

ohne einer FFP2-Maske darunter überziehen zu müssen, wenn er, der doch so recht fesche Trachtenröcke sein eigen nennt, etwa im Landtag hintritt zum Pult — Es werden dem Enkelchen dabei wohl die empfohlenen Maßnahmen seines Oberanführers seiner Partei einfallen, die gar wirkungsreich für Tier und …

Österreich schreibt „Rassismus“ und nicht „Antiziganismus“ in seine oben zitierte Schlagzeile, und das kann in diesem Land Österreich nachvollzogen werden, in diesem Mannesland, in diesem Land der parlamentarisch behandelten hehren Frage, in dem weder der ein paar Monate noch im Amt befindliche Bundespräsident noch die derzeitige Regierung in Österreich es je wagen, Antiziganismus auszusprechen – da bleiben sie so recht ganz allgemein und österreichlich …

NS Das seit rund sechzehn Monaten auf oerundumdieuhr mit Tonspur abspielbare Video ist auch auf einer anderen Website eines Mediums heute noch abrufbar – allerdings ohne Tonspur.

So etwas wie ein Finanzminister

[…] für einen vollen Heizölkessel um rund sechzig Prozent mehr bezahlen. Gas ist laut Statistik Austria knapp sechzehn Prozent teurer, Strom etwa zehn Prozent. Wer mit dem Auto unterwegs ist, bezahlt für einen vollen Dieseltank fast fünfundreißig Prozent mehr, für den Benziner kostet es rund dreißig Prozent mehr. Vor allem die hohen Kosten für Treibstoffe und Energie lassen die Inflation auf den höchsten Wert seit dreizehn Jahren steigen. Auf ORF-Anfrage verweist ein Sprecher des Finanzministeriums auf Aussagen von Gernot Blümel vergangene Woche in Brüssel. Dort hat der Finanzminister gesagt, die Inflation bereite ihn schlaflose Nächte, denn: „Derzeit ist die Situation eine sehr unangenehme, vor allem für Sparerinnen und Sparer. Sie wissen, vierzig Prozent der privaten Geldvermögen in Österreich liegen auf Sparbüchern, d. h., dieses Geld wird de facto jedes Jahr weniger wert. Das ist so etwas wie eine Vermögenssteuer für den unteren Mittelstand, und das darf nicht auf Dauer so sein. Deswegen hoffe ich, daß die Experten Recht haben, und daß es sich wieder normalisiert oder daß die Zinsen auch steigen.“

Morgens um sieben Uhr ist die Radiowelt noch in Ordnung, auch an diesem Donnerstag, 18. November 2021, an einem Donnerstag, in dem im österreichischen Parlament das Budget 2022 beschlossen werden wird, wenn Ordnung heißt, weiter mit besonderen Wortmeldungen wie in der Vergangenheit versorgt zu werden.

Es gab Befürchtungen — kam doch erst vor kurzem ein Ordnungsgarant abhanden –, das muß eingestanden werden, die Radiowelt werde auch um sieben Uhr nicht mehr in Ordnung sein, aber die Befürchtungen sind unbegründet. Es gibt noch einen Ordnungsgaranten, der bei weitem nicht der einzige ist aus dieser Familie.

Und dieser Ordnungsgarant wird heute um sieben Uhr zitiert:

Sie wissen, vierzig Prozent der privaten Geldvermögen in Österreich liegen auf Sparbüchern, d. h., dieses Geld wird de facto jedes Jahr weniger wert.

Das ist so etwas wie eine Vermögenssteuer […]

Welche Geldanlageberatung wünschte sich nicht, einen solchen Finanzexperten als Mitarbeiter zu haben? Welche Steuerberatungskanzlei wäre nicht heilfroh, einen solchen Steuerexperten in ihrer Stube sitzen zu haben?

Wenn an diesem heutigen Tag das Budget für den österreichischen Staat im Parlament beschlossen wird, wird es das beste Budget aus seiner einer Welt sein. Denn. Die Einnahmen aus dem Titel Vermögenssteuer müssen astronomisch sein, wenn von dem großen, großen, großen Guthaben auf Sparbüchern eingehoben wird eine VermögenssteuerDie Summe der Einnahmen aus diesem Steuertitel muß eine Zahl mit enorm vielen Nullen sein, die richtig anzugeben nur einer garantiert kann.

Wahrscheinlich wurde diese Summe der Vermögenssteuer-Einnahme seit dem letzten Dienstag im Parlament noch nicht genannt und noch nicht stolz aufgeschrieben, weil eben nur einer weiß, mit wie vielen Nullen dieser Budgetposten zu schreiben ist.

Vielleicht wurde diese Summe auch deshalb noch nicht in den zurzeitigen parlamentarischen Budgetberatungen von seiner Familie belobend genannt und noch nicht in das Budget geschrieben, weil die so etwas wie Steuerbehörden seienden Banken noch nicht ihre Einnahmen aus der Vermögenssteuer, zu deren Einhebung sie als so etwas wie untergeordnete Steuerbehörden berechtigt sind, an die Obersteuerbehörde namens Finanzministerium gemeldet haben, möglicherweise aber auch, daß trotz Vorlage aller Summen es bislang noch kein Beamter der Obersteuerbehörde oder keine Beamtin des Finanzministeriums gewagt hat, dem so etwas wie zuständigen Finanzminister zu gestehen, bisher beim Schreiben der Gesamtsumme der Vermögenssteuer-Einnahmen bei der korrekten und also richtigen Wiedergabe der Nullen gescheitert zu sein.

Verlegung der Shoah-Namensmauer-Gedenkstätte auf den Karl-Lueger-Platz zur Erweiterung zu einem Shoah-Porajmos-Namensmauer-Erinnerungsort

Es ist nie zu spät, aus etwas Falschem etwas Richtiges zu machen.

Es ist nie zu früh, nicht die Augen vor etwas Falschem zu verschließen, das kommen soll, und auch so kommen wird, wenn …

Es soll eine „Kontextualisierung“ des Karl-Lueger-Denkmals kommen. Aber diese „Kontextualisierung“ wird eine sein, die sich einzig um Karl Lueger drehen wird: bequem, gefällig, betroffenheitsanimierend …

Falsch ist die Namens-Gedenkmauer bei der Nationalbank auch deshalb, weil deren Errichtung, einfach wie kurz gesagt, aus für die Regierung als opportunistisch notwendig erachteten Gründen forciert wurde.

Der für kurz gewesene Vizekanzler begeisterte sich für die Namens-Gedenkmauer: „Wundervoll“.

Diese begeisterte Zustimmung des für kurz gewesenen Vizekanzlers bezeugt allein schon die Falschheit dieses Mals. Seine für kurz gewesene Regierungspartei bediente im Jahr ’18 einen zweifachen Opportunismus, einmal den mit ihrer Zustimmung zur Namensmauer, ein zweites Mal den mit der Errichtung eines Denkmals für „Trümmerfrauen“ …

Genaugenommen, ist das falsch. Die für kurz gewesene Regierungspartei verhielt sich nicht opportunistisch, ganz im Gegensatz, einfach wie kurz gesagt, zur zweiten Partei in der für kurz gewesenen Regierung. Mit ihrem Stein für die „Trümmerfrauen“ setzte sie unübersehhbar mitten in Wien ein Zeichen ihrer Gesinnung.

Ihre Zustimmung zur Namensmauer wird ihr soher nachgesehen, wird ihr nicht zum Vorwurf, opportunistisch zu sein, wird es als das verstanden, was es ist: realpolitisch blenden, täuschen zu müssen.

Gesinnungsgemäß bildungsbürgerlich hätte diese für kurz gewesene Regierungspartei und nun weiter Parlamentspartei es vielleicht nicht ungern gehabt, wenn die Namensmauer ebenfalls ein Hölderlin-Zitat zierte, wie ihre Schöne auf der Mölker Bastei

Diese Regierung brauchte insgesamt, einfach wie kurz gesagt, eben rasch ein Entlastungsdenkmal. War doch gerade die eine Regierungspartei, deren Obmann der für kurz gewesene Vizekanzler zu dieser Zeit war, eine Partei, der nicht Anti-Antisemitismus vorgeworfen werden kann, und ist diese für kurz gewesene Regierungspartei eine Parlamentspartei, die weiter nicht im Verdacht steht, anti-antisemitisch

Nun ist diese für kurz gewesene Regierung nicht mehr an der Macht. Damit ist die Gelegenheit gegeben, das falsche Mal bei der Nationalbank abzutragen, dieses Alibi am Alsergrund wird nicht mehr gebraucht.

Und es wieder aufzubauen, am Karl-Lueger-Platz, erweitert zum Porajmos-Shoa-Gedächtnisort.

Kein Platz ist in Wien dafür mehr geeignet, als der KL-Platz, also genau auf der Stelle des von Leopold Kunschak, des ersten Nationalratspräsidenten in Österreich von 1945 bis 1953 und des Unterzeichners der österreichlichen Unabhängigkeitserklärung, forcierten Parteipolitdenkmals, des Leopold Kunschak, der im April 1920, zehn Jahre nach dem Tod von Karl Lueger, im österreichischen Parlament den Vorschlag einbrachte: „Konzentrationslager für Juden“ …

Kein Platz ist in Österreich dafür mehr geeignet, als der KL-Platz.

Das wäre dann auch beispielsweise hilfreich für Schriftstellerinnen, die in ihren Romanen je nicht mehr schreiben müßten, sie wüßten nicht, was aus Menschen geworden ist, ob sie je zurückgekehrt

Endlich ein Denkmal mit allen Namen der Menschen, ein Denkmal zugleich als Auftrag, all die anderen Denkmäler in Österreich endlich zu ändern, mit deren gedankenlos verfaßten Texten, mit deren antiziganistischen Bezeichnungen …

Mit dieser Bezeichnung, die zu den Massenmorden …

In diesem Land, Österreich, das weiter Vorbild ist, etwa für einen auch nicht lange gewesenen Innenminister, in der Gegenwart noch eine Frage zu stellen, die, einfach wie kurz gesagt, ungehörig ist, ist ein solches Denkmal auf dem KL-Platz mehr als gerechtfertigt.

Dieser Innenminister fand, einfach wie kurz gesagt, seine Verteidigerinnen, wo sonst als in Österreich …

Ein Mann aus Österreich schreibt „Die Zigeunerfrage“

In Österreich wird gefordert ein „Zigeuner-Sondergesetz“, ein „Spezialgesetz für die Zigeuner“ mit „stets Repressionsmaßnahmen …“: 1930 eingebracht im österreichischen Parlament von dem Abgeordneten DDr. Ernst Schönbauer.

„Eine große Gefahr für die Sicherheit besteht darin, daß die Zigeuner für die nichtkundigen Beobachter sich zum Verwechseln ähnlich sehen und daß viele den gleichen Namen führen. […] Die burgenländischen Gendarmerie- und Polizeibehörden haben sich dadurch geholfen, daß sie aus eigenem Antrieb eine Zigeunerevidenz errichteten. Es wurden von allen über 14 Jahre alten Zigeunern ein Fingerabdruck aufgenommen und diese Registratur alljährlich im Monat August ergänzt durch Aufnahme derer, die inzwischen 14 Jahre alt geworden sind.“

Das ist im Mai 1930 in den „Innsbrucker Nachrichten“ zu lesen.

Ein Mann aus Deutschland, der an den Kommentaren zur Rassengesetzgebung mitschreibt, bekommt in Österreich das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“

„Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und Zigeuner.

So war Globke auch an der Ausarbeitung von Verordnungen im Zusammenhang mit der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich beteiligt.“

Das sind Verdienste, die in Österreich nur gewürdigt werden können …

Kein geeigneter Platz in diesem Land als der KL-Platz in Wien also für einen Shoah-Porajmos-Namensmauer-Erinnerungsort …

Sunday riders in Vienna, without horses

Alexander Schallenberg anerkennt, wie er sagt, wer in der Gesellschaft bisher alles richtig gemacht hat, zwei Drittel der Gesellschaft hätte bisher alles richtig gemacht, und ein Drittel …

Es muß aber dann auch welche geben, die bisher alles falsch gemacht haben und weiter falsch machen. Denn. Sonst wäre die Lage nicht derart katastrophal, wie diese katastrophal nun ist.

Im Sommer 2021 hat seine türkis getupfte christschwarze Partei plakatiert: „Die Pandemie gemeistert.“

Gemeistert, von seiner Regierung nichts.

Plakate nur gekleistert.

Und dann spricht Alexander Schallenberg – im englischsprachigen Raum würde sein Name möglicherweise mit Banghill übersetzt werden; Mountain wäre denn doch ein zu großes Wort – weiter von der Solidarität, von der er recht gerne spricht.

So falsch er Solidarität generell bemüht, so falsch ist es auch jetzt, im Angesicht der katastrophalen Lage, in der sich Österreich befindet, weil seine Regierung alles, nur nichts richtig gemacht hat, zwei Drittel der Regierung nichts gemacht hat, und ein Drittel der Regierung alles …

Es muß nicht über all die Unwägbarkeiten gesprochen, es müssen nicht alle offenen Fragen angesprochen, es müssen nicht alle gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Bedenken ausgeführt werden, die mit den von Lex Banghill nun verbal plakatierten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie einhergehen. Denn. Eines ist klar. Ein medizinisches Problem durch mutwillige Aufhetzung der Mehrheit gegen eine Minderheit lösen zu wollen, Solidarität mißbräuchlich zu bemühen, kann ein medizinisches Problem nicht lösen, sondern nur noch tiefer in die Katastrophe führen, nicht nur weiter in eine medizinische Katastrophe, sondern vollends in eine gesellschaftliche Katastrophe.

In der Impfung sieht Lex Banghill den letzten Ausweg, die letzte Ausfahrt aus der Pandemie. Aber mit seiner Herangehensweise, in der Zerteilung der Gesellschaft in ungeimpfte und geimpfte Menschen, spaltet er den Ausweg in viele Wege auf, die letztlich kein Ausgang aus der Pandemie sein werden, sondern Einfahrten zur absoluten Katastrophe in jedweder Hinsicht …

Mit „Shot“ wird im Englischen das Spritzen eines Impfstoffes oder mit einem Betäubungsmittel bezeichnet.

shot. 9. Informal. an injection of a vaccine or narcotic drug.

Während zwei Drittel der Menschen in Österreich mit einem Impfstoff sich haben schützen lassen — fraglich, ob dabei Solidarität eine Hauptrolle spielte –, dürfte seine gesamte Regierung sich mit power drug betäubt haben und weiter betäuben.

Lex Banghill will „die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen“ … Das ist wohl das Malheur Österreichs, an der sogenannten Spitze des Staates stets Sonntagsreiter … Und wenn sie nicht mehr, wenn auch nur für kurz Sonntagsreiterinnen in der österreichischen Regierung sind, wechseln sie als Sonntagsreiter in das österreichische Parlament und reiten dort spiegelbildlich zu seiner Regierung alles richtig zugrunde

Wien, Museum

Einem Eintrag der freien Enzyklopädie zufolge, besitze das „Wien Museum“ Werke von Josef Bock.

Mit Bestimmtheit kann eines gesagt werden, im Museum Wien sind Werke von Josef Bock aufgestellt, an einem Platz führt die Linie bereits vorbei, an einem weiteren Platz im Museum Wien ist unbedingt eine Haltestelle für die „Linie Österreich“ …

Dem Eintrag der freien Enzyklopädie zufolge, sei Josef Bock bis 1938 Mitglied der Secession gewesen, danach gehörte er dem Künstlerhaus … Keinen Eintrag in der freien Enzyklopädie gibt es dazu, daß Josef Bock Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste Wien war, Mitgliedsnummer B 3819.

Nicht nur er ein Mitglied der Reichskammer, sondern auch von der Bildhauerin der Knienden bis, bis zum Diener zweier Herren

Bei nicht wenigen wird wohl der Überblick verlorengehen, wie vielen sie dienten

Auch die Biographie von Josef Bock läßt daran denken, daß das heutzutage so oft gehörte identitäre Geplärre um Identität tatsächlich bloßes Gewinsel ist, Gewinsel nach einem rechten Herrn, der eine Frau oder ein Mann oder in heutiger Zeit beides oder x-faches für sich sein kann, zum Dienen, für das sofort die Identität gewechselt wird, schneller als das Handy

Eine besondere Leistung ist es, das ist anzuerkennen, Werbung für die Ausstellung „Auf Linie“ im Wien Museum zu plakatieren – im Museum Wien selbst für die Ausstellung zu werben, die von Menschen bereits besucht werden, möglicherweise auch – so vergeßlich wie Menschen nun einmal sind – um sie daran zu erinnern, daß sie gerade im Museum Wien …

Diener kranker Herren

Als sein erster kranker Herr 1938 in der Türkei stirbt, kehrt Heinrich Krippel 1938 nach Österreich heim, um seinem zweiten Herrn zu dienen, der seine industriellen Massenmorde noch vor sich hat. Sieben Jahre später stirbt auch sein zweiter Herr, auch er krank, aber er stirbt nicht an einem Leiden, sondern er entzieht sich durch seinen Selbstmord seiner Verurteilung für die von ihm mitverursachten Massenverbrechen und Massenmorde in Letztverantwortung.

Den Tod seines zweiten massenmordenden Herrn Führers erlebt Heinrich Krippel, der bis in die Gegenwart bespeichelte „berühmteste Bildhauer Ober St. Veits“, nicht mehr. Er stirbt am 5. April 1945.

Er war einer der erfolgreichsten Bildhauer seiner Zeit. Er ist zeitlebens seinen eigenen Weg gegangen, und der lief schnurgerade. Sein Schaffen war an keine Schule oder Stilart gebunden, sein künstlerischer Wille ist in seinen Werken aber klar erkennbar: einen bestimmten geistigen Inhalt klar und eindeutig zum Ausdruck zu bringen. Das Wuchtige lag ihm genauso wie das Weiche, Liebliche. Krippels geistige Art wurde durch die kühn erdachten Grabdenkmäler und Mausoleen offenkundig. Einfühlungsvermögen und persönliche Schaffenskraft dokumentieren sich auch im Wiener Neustädter Kriegerdenkmal.

Heinrich Krippel also „lief schnurgerade“, wie es so schön formuliert auf der Website

als Nachschlagewerk für Historisches aus Ober St. Veit und „Umgebung“

heißt, von dem einen zu anderen massenmordenden Herrn. Wie offenkundig Krippels geistige Art war, die stellte er 1944 noch einmal gar klar und eindeutig aus, nicht nur mit seiner Büste des Totenkopfanhängers seines zweiten nun endgültig kranken Herrn.

Als sein erster kranker Herr 1938 stirbt, kehrt Krippel also schnurgerade heim, wie sein zweiter Herr zur gleichen Zeit nach Österreich mit einem ganzen Land als sein Mitbringsel für seine Heimat heimkehrt, kehren sie beide 1938 heim, der eine von dem einen Ende der Linie, der andere von dem anderen Ende der Linie, um fortan Diener und Herr auf Linie

Das Einfühlungsvermögen des Mitglieds der Reichskammer der bildenden Künste seit seinem Heimkehrerjahr 1938 dokumentiert auf rechte Weise sein „Wiener Neustädter Kriegerdenkmal“, das er wohl auf einem von seinem ersten Herrn gewährten Heimaturlaub schmiedete, mit dem Spruch, der seinen geistigen Willen zum Ausdruck bringt: „Allzeit getreu“ …

In welch einer anderen Zeitschrift kann nur eine Beschreibung von Krippel Heinrich als in der Zeitschrift „Der getreue Eckart“ von dem nationalsozialistischen Verleger Adolf Luser erscheinen? Aber bereits in der Nummer 12 von 1934/35. So weit reicht es zurück. Wer schrieb nicht alles für den allzeit getreuen Eckart, nicht nur Luftballon-Franz, sondern auch u.v.a.m. Wehe-den-Besiegten-allen-Bruno, der auch für eine Zeit sein Herausgeber

Und auf Linie bis …

Leopold Kunschak auf dem Karl-Lueger-Platz, beauftragt Josef Müllner

Nun wird an diesem Sonntag, am 7. November 2021, ein Kolloquium abgehalten, zum Umgang mit dem Leopold-Kunschak- Denkmal auf dem K.-L.-Platz, das als Karl-Lueger-Mal bekannt ist. Geschaffen wurde es, das zumindest wird erwähnt, von Josef Müllner, ohne Hinweis aber, wer Josef Müllner war.

Es wird wieder um den Antisemitismus von Karl Lueger gehen, darum werden mutig die Gespräche kreisen.

Es steht auf dem K.-L.-Platz Karl Lueger.

Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Mals war er schon weit über ein Jahrzehnt tot.

Wer nicht tot war, das waren u. v. a. m. federführend Leopold Kunschak und der Meißel schwingende Josef Müllner, die Karl Lueger für sich und für deren eigene Propaganda auf diesen Platz stellten.

Leopold Kunschak, der erste Vorgänger von Wolfgang Sobotka auf dem Sitz des Nationalratspräsidenten in der zum zweiten Mal geschaffenen Republik Österreich …

Leopold Kunschak, wie viele haben mit Stolz und Ehrfurcht den Preis entgegengenommen, diesen nach dem „österreichischen Streicher“ benannten Preis …

Und niemand von diesen wagte es, den kunschakschen Antisemitismus anzusprechen, sie dankten artig für die Verleihung. Nur einmal sprach ein Preisträger den streicherischen Antisemitismus an, aber das war kein Österreicher …

Fragen, ob es denn keine Proteste gegeben, ob denn den Preis je wer abgelehnt hätte, gab es, aber nicht aus Österreich, sondern aus Luxemburg.

So österreichisch werden wohl auch heute die Gespräche ablaufen, mutig gegen den Antisemitismus von Karl Lueger, aber mutlos gegen die Erschaffer und Auftraggeberinnen des Mals am K.-L.-Platz.

Was auf den KL-Platz gehört, wenn es denn schon kein denkmalloser Park werden soll, ist ein Mahnmal ohne das bequeme und gemütliche Starren auf Karl Lueger, sondern …

Anschlußfähig

Und war doch andock- und anschlußfähig für spätere wenig erfreuliche Deutungen. „Ihre Kraft ist ihre Freude“ kommt schon wörtlich vor.

Es mag durchaus eine anschlußfähige Deutung gewesen sein, von „Ihre Kraft ist ihre Freude“ auf „Kraft durch Freude“ zu kommen. Und ist inhaltlich doch zu unterscheiden. Ihre Kraft, von der Hyperion schreibt, ist den „Söhnen der Sonne“ bereits ihre ganze Freude, sie erfreuen sich allein an ihrer Kraft, sie brauchen sonst nichts, vor allem keine zusätzliche Freude, nur ihre bloße Kraft, um ihre Freude zu haben, ihre Kraft ist ihnen an Freude mehr als genug. Hingegen sah die Massenmordmacht des deutschen reiches die Menschen wohl als zu kraftlos an, um ihre Massenverbrechen zu begehen. Darum ihr Plan, mit ihrem Freizeitwerk „KdF“ den Menschen durch Aktivitäten, die Freude machen, Kraft zu verleihen. Zu den kraftaufbauenden Freizeitaktivitäten der Freude in physischer und psychischer Hinsicht gehörten u. v. a. m. Sport, Theaterbesuche, Erholungsurlaube …

„Wie wird Sprache zu Literatur? Was ist Manier, was ist Jargon, und in welche Fehlerfallen tappen fast alle? Wie müssen die Elementarteilchen zusammenspielen für den perfekten Prosasatz? Wer Maars Buch zuschlägt das zwar gelehrt, vor allem aber vernüglich ist, wird künftig anders lesen – und besser schreiben.“

So wird „Die Schlange im Wolfspelz – Das Geheimnis großer Literatur“ von Michael Maar im Buch selbst angepriesen.

Das wird gerne aufgenommen, künftig nicht anders zu lesen, sondern auch Michael Maar genauer zu lesen. Künftig, das ist nicht richtig. Es ist damit begonnen worden, von der ersten Seite an. Beinahe wäre es auch dabei geblieben, lediglich die erste Seite zu lesen. Lohnt es denn, hätte gefragt werden können, ein Buch zu lesen, mit der Berufung auf den „Stilkundler Ludwig Reiners“ gleich auf der ersten Seite?

Genau gelesen, auf Seite 201, kommt „Kraft durch Freude“ bei Friedrich Hölderlin nicht „schon wörtlich vor“, und inhaltlich ist es hinterfragenswert, ob „Ihre Kraft ist ihre Freude“ als „Kraft durch Freude“ gedeutet werden kann.

Auf Seite 308 schreibt Michael Maar:

In Wien, wo man den gewissen Kunstmaler in die Akademie hätte aufnehmen sollen, was der Welt viel Grauen erspart hätte.

Mit diesem seinem Elementarteilchen dockt Michael Maar an ein Geschichtsverständnis an, legt Michael Maar offen, wie anschlußfähig er zu einer Deutung der Geschichte ist, die unsäglich zu nennen ist.

Die Akademie hätte Millionen von Menschen (aus Österreich und Deutschland) aufnehmen müssen – das hätte der Welt viel Grauen erspart.

Es wurden auch andere nicht in die Akademie aufgenommen, beispielsweise Wolfgang Paalen, ohne daß deshalb je Menschen im Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde umgekommen sind, ohne daß deshalb je Menschen das Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde gegen die Menschen …

Unmittelbar vor seinem Satz mit dem Kunstmaler schreibt Michael Maar:

Die letzte Vermutung ist historisch falsch, Freud entkam nach England, was höheren Ortes hätte verhindert werden können. Aber bleiben wir in Wien, wo nicht nur Sigmund Freud seinen Sitz hatte. In Wien, wo […]

Wessen Vermutung war „historisch falsch“? Nach Meinung von Michael Maar die von Thomas Mann in seinem Essay von 1938. Und dafür zitiert Maar unmittelbar davor aus „Bruder Hitler“:

Wie muß ein Mensch wie dieser die Analyse hassen! Ich habe den stillen Verdacht, daß die Wut, mit der er den Marsch auf eine gewisse Hauptstadt betrieb, im Grunde dem alten Analytiker galt, der dort seinen Sitz hatte, seinem wahren und eigentlichen Feinde, – dem Philosophen und Entlarver der Neurose, dem großen Ernüchterer, dem Bescheidwisser und Bescheidgeber selbst über das „Genie“.

Falsch ist die „Vermutung“ von Thomas Mann und falsch ist die „Vermutung“ über die „Vermutung“ von Michael Maar, wenn überhaupt von falsch gesprochen werden will. Eine äußerst elitäre Haltung wird Thomas Mann dazu verleitet haben, den wahren und eigentlichen Feinde im Geistesmenschen sehen zu wollen, den für ihn Sigmund Freud exemplarisch und stellvertretend wohl für ihn selbst verkörpert. Die Geschichte, auch die vom Marsch auf Wien, der eigentlich kein Marsch war, sondern ein Aufeinanderzugehen, erzählt nichts von nur einem Grund, nichts von nur einem Feind, sondern von vielen Gründen, von vielen Feinden als Anlässe für Ereignisse. Vielleicht wollte Thomas Mann damit in einer geistlos beherrschten Zeit den Geist retten, den Stellenwert des Geistes für die Menschen verteidigen, behaupten. Welche Gründe es auch waren, Thomas Mann ging dabei vorsichtig vor, er äußerte lediglich einen stillen Verdacht. Hingegen Michael Maar den stillen Verdacht als „historisch falsch“ aburteilt.

Sigmund Freud „entkam“ nicht. Die Massenmordmacht ließ Sigmund Freud ausreisen, sie ließ ihn gegen Bezahlung ausreisen, sie hob von ihm die „Reichsfluchtsteuer“ ein. Vom März bis zu seiner Ausreise im Juni 1938 war er und seine Familie zwar Schikanen ausgesetzt, zugleich aber wurden die Formalitäten für seine Ausreise erledigt. „Höheren Ortes“ werden die Gründe dafür, Sigmund Freud ausreisen zu lassen, überwogen haben. „Höheren Ortes“ wurde verhindert, daß die Schwestern von Sigmund Freud entkamen. Sie waren nicht Sigmund Freud. Eine starb in Theresienstadt, drei wurden in Treblinka ermordet.

Michael Maar bemüht in seinem Buch, das zu lesen durchaus vergnüglich ist, einige Male Ludwig Reiners. Im Anhang, mit Beginn auf Seite 553, informiert er auch über Reiners, das NSDAP-Mitglied mit dem vornehm vorgebrachten Antisemitismus, den Plagiator.

Ob Reiners nur Mitläufer oder aktiver Nationalsozialist war, ist umstritten.

Es wird nicht gewußt, ob Michael Maar ein Österreicher ist. Eine solche Unterscheidung spräche dafür, daß er ein Österreicher ist. Sollte er es nicht sein, so ist er doch anschlußfähig an das Österreich, in dem zur Rettung der Reputation von nationalsozialistischen Menschen recht fein unterschieden wird. Wenn einer ein „aktiver Nationalsozialist“ war, was war dann einer, der nur ein „Nationalsozialist“ war – ein passiver? Sind unter Nur-Nationalsozialistinnen, unter passive Nationalsozalisten Menschen zu verstehen, die in Österreich als „gemäßigt“, als „idealistisch“ …

Der von Ludwig Reiners geplünderte Eduard Engel findet im Buch von Michael Maar nur im Anhang Erwähnung, nach dem Register auf den Seiten 554 f,, 559, 584, 587 f,, 593, 614, 639, der Plünderer Reiners hingegen auf den Seiten 11 (das ist die erste Seite der „Schlange im Wolfspelz“, 234, 553-557, 561, 568, 570, 574, 578, 581 f,, 584, 587, 593 f., 614, 639.

Am Rande hinzuzufügen wäre, daß Engel, nicht untypisch für Überassimilation, einen patriotischen Feldzug gegen das Fremdwort führte. […] Es zählt zu den Ironien dieser Geschichte, daß der fünf Jahre später verfemte Engel nationalistischer war als Reiners, der sich zur Fremdwortfrage sehr ausführlich, aber letztlich moderat ausläßt.

Das macht es verständlich, daß mit Reiners das Buch eröffnet wird, und nicht mit dem nationalistischeren Engels, der noch dazu einen patriotischen Feldzug führte, aktiv war, patriotisch aktiv, wie es heute noch Menschen in Österreich sind …

Es muß eingestanden werden, wäre in der Buchhandlung als erste Seite die Seite 547 mit dem „Dank“ aufgeschlagen worden, wäre die „Schlange im Wolfspelz“ wohl kaum erworben worden.

Den Anstoß zu diesem Buch gab Eva Menasse. Ihr sei es auch gewidmet.

Friedrich Hölderlin – Kraft durch Freude

Von ihren Taten nähren die Söhne der Sonne sich; sie leben vom Sieg, mit eignem Geist ermuntern sie sich, und ihre Kraft ist ihre Freude.

Das schreibt Hyperion an seinen deutschen Lieben, an Bellarmin, im ersten Band, vor bald 225 Jahren veröffentlicht. Es gibt Stellen in diesem Briefroman, die Männern rasch als Beweise gelten, Friedrich Hölderlin sei einer der ihren, die, wie es paulinisch heißt, auch mit Männern … Noch unmißverständlichere Stellen dafür sind zu finden in dem bald vor 200 Jahren erschienenen Briefroman – „Phaeton“, der „Hyperion“ von Friedrich Wilhelm Waiblinger …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich die Männer im Krieg von 1914 bis 1918, nähren sich die Männer im Krieg von 1939 bis 1945, die ihnen in ihre Tornister gepackt, die sie wohl sättigen sollen, wenn das Brot aufgegessen, die sie wohl wärmen sollen, in den Kriegswintern, wenn sie ohne geheizte Unterkünfte auf Feldern kauernd mehr wachend als schlafend eisige Nächte …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich auch Männer heute noch, wie die von „Nordglanz“. Und was für Männer das sind, das braucht nicht in Berichten vom Verfassungsschutz nachgelesen werden; es reichen dazu schon die Titel ihrer Lieder, wie „SS marschiert in Feindesland“, „Wir sind das deutsche Afrikakorps“: 2021 … Ein Lied von ihnen hat im Titel die hölderlin’schen „Söhne der Sonne“ mit dem mehr als deutlichen Refrain „Heil den Asen“. Und schwarz muß ihnen als deutliches Zeichen auch die Sonne sein. Zu ihren einschlägigen Liedern verkaufen sie auch Leibchen – zu erwerben so gar recht bequem von Jeff Bezos …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich Frauen und Männer auch heute noch, die sie in Stein schlagen lassen, der ihnen ein einschlägig gesinnungsgemäßes Denkmal ist. Jahrzehnte zuvor nährte sich auch ein Mann mit Klumpfuß von Hölderlin, zu dessen Schirmherrn er sich erhob …

Und ihrem zurzeitigen Anführer, für kurz Innenminister, ist Hölderlin ein Vorbild …

Was für eine Zeilenteilung über Jahrzehnte! Die Nordglanz-Mannen nehmen sich „Söhne der Sonne“ und Jahrzehnte zuvor nehmen sich die Frauen und Männer um den Klumpfuß „ihre Kraft ist ihre Freude“, ändern diese Zeile ein wenig nach ihrem Geist und schicken unter diesem Titel Urlaubsdampfer …

Die Nordglanz-Mannen nennen ihre Propaganda eine „ariosophische“ … ohne Männer aus Österreich hätten sie keine „ariosophische Propaganda“, vielleicht nicht einmal eine „Propaganda“ …

„Phaeton“ ist in Österreich berühmt – Phaeton von VW ist in Österreich berühmt, recht berühmt seit den Tagen, als diesen ein Mann fuhr, der vielleicht den Phaeton von Waiblinger kannte, so bildungsbürgerlich die Frauen und Männer dieser identitären Parlamentspartei und für kurz gewesenen Regierungspartei sind, und er wollte damit, daß er einen Phaeton fuhr, auf eine diskrete Art sein „Phaeton-Geheimnis“ offenbaren, „das keines war“,wie eine Tageszeitung schrieb …

Es gibt Zeilen in diesem Briefroman von Friedrich Hölderlin, die alle oben Genannten gesinnungsgemäß weigern, sich von diesen zu nähren …

Und siehe, mein Bellarmin ! wenn manchmal mir so ein Wort entfuhr, wohl auch im Zorne mir eine Träne ins Auge trat, so kamen dann die weisen Herren, die unter euch Deutschen so gerne spuken, die Elenden, denen ein leidend Gemüt so gerade recht ist, ihre Sprüche anzubringen, die taten dann sich gütlich, ließen sich beigehn, mir zu sagen : klage nicht, handle! O hätt ich doch nie gehandelt ! um wie manche Hoffnung wär ich reicher ! – […]

Ich habe nichts, wovon ich sagen möchte, es sei mein eigen. Fern und tot sind meine Geliebten, und ich vernehme durch keine Stimme von ihnen nichts mehr. Mein Geschäft auf Erden ist aus. Ich bin voll Willens an die Arbeit gegangen, habe geblutet darüber, und die Welt um keinen Pfenning reicher gemacht. Ruhmlos und einsam kehr ich zurück und wandre durch mein Vaterland, das, wie ein Totengarten, weit umher liegt […]

Wie haß ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht !

Das ist der Gewinn, den uns Erfahrung gibt, daß wir nichts Treffliches uns denken, ohne sein ungestaltes Gegenteil.

Mögen die alle oben Genannten sich nähren von den Zeilen, die sie von Hölderlin sich zum Nähren nehmen, aber die alle Anderen beherzigen das Gegenteil ihrer ungestalten Sprüche.

Zum Lachen nach Klagenfurt

Zum Lachen nach Klagenfurt hinuntergehen, hat es früher geheißen, als die Menschen noch zu Fuß gingen. Heutzutage, da kein Mensch mehr zu Fuß geht, heißt es aber einfach wie kurz weiterhin: Zum Lachen nach Klagenfurt …

Klagenfurt lädt ein, an vielen Ecken, in vielen Gassen, auf vielen Plätzen gut und laut zu lachen.

In der Paradeisergasse zum Beispiel. Wer von der Paradeisergasse 3 hinaufsieht, nicht in den Himmel, sondern auf die Fassade, auf die weit über dem Boden angebrachte Ehrentafel, wird sofort zu lachen beginnen, wird aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, wird vor lauter Lachen die wenigen Zeilen nicht flüssig laut lesen können, wird immer wieder durch Lachanfälle das Lautlesen unterbrechen …

IN DIESEM HAUSE
WOHNTE UND SCHRIEB
JOSEF FRIEDRICH PERKONIG
1890 — 1959
EIN DICHTER KÄRNTENS
DEM WORTE UNTERTAN UND
DER TOLERANZ VERPFLICHTET

Ohne das Lesen durch Lachen unterbrechen zu müssen, ist die erste Zeile, die dritte Zeile verleitet aber schon zu einem Schmunzeln, darüber, wem hier eine Tafel gespendet; Geburts- und Todesjahr läßt sich ohne Lachen noch lesen, ab der fünften Zeile aber gibt es kein Halten mehr, das Lesen kommt gegen das Lachen nicht mehr an, wer einen Bauch hat, muß sich diesen vor lauter Lachen halten – en ichter, e ort Unrtn … Und die letzte Zeile geht in einer einzigen Lacherei unter, es wünschte sich ein jeder Mensch zwei oder vier Bäuche, um sich diese vor lauter Lachen zu halten – dr Tlarnz vpflchtt

Ach, wenn darunter nur der Name stünde, wer diese Zeilen schrieb, damit dafür gedankt werden könnte, in noch einer klagenfurterischen Gasse zu lachen, mit diesen Zeilen den Ruf der Stadt, wie es heutzutage heißt, nachhaltig verfestigt zu haben:

Klagenfurt, stets eine Lachreise wert.

Es kämen wohl viele in Klagenfurt in Frage, die dazu befähigt berufen, solche Lachzeilen zu verfassen. Nach der Erholung vom Lachen ist der kurze Fußweg von der Paradeisergasse in die Sponheimer Straße doch mühelos in wenigen Minuten zu bewältigen. In der Sponheimer Straße 13 sind zwar keine Lacheinladungschilder angebracht, aber zum Lachen ist das, was aus dem Haus mit der Nummer 13 zu hören ist, auch zu dem Mann, der r rnz flcht, ebenso

„Herzschlag in Einsamkeit“, wie einfühlsam der Bereuende schon 1943 doch war, so einfühlsam, daß seine Zeilen an den ostmärkischen Lyriker Anton Paul Keller, der ihm wohl in seinem Schmerz über den frühen Tod seines Vaters in einer Zeit, als so viele Männer gerade geschlechtsreif im ersten Stadium ohne ein gezeugtes Kind mordend ihr Leben lassen mußten, ebenso einfühlsam zur Seite stand, noch zweiundzwanzig Jahre später veröffentlicht werden: „Leben, Werk, Vermächtnis, Band 1, von Erich Nussbauer, Verlag Heyn 1965“ …

Er polarisiert auch heute noch. Schuld daran ist sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später bereute.

Josef Friedrich Perkonig polarisiert, wie auch heute noch Adolf Hitler polarisiert. Hätte sich Adolf Hitler nicht durch Selbstmord der Verantwortung entzogen, wäre er wohl, was sonst wäre ihm nach der von ihm mitverursachten Katastrophe in Letztverantwortung anderes auch geblieben, als wieder Künstler zu werden, der er war, bevor er sich in den nationalsozialistischen Dienst des Ruinierens in jedweder Hinsicht stellte, und es hätte sich mit Sicherheit wer gefunden, in Österreich gefunden, und allein nur in Österreich sich wer gefunden, gesinnungsgemäß bevorzugt aus Klagenfurt oder aus einer anderen kärntnerischen Ortschaft, der über ihn dann ebenso gesagt hätte, er polarisiere auch heute noch, Schuld daran sei sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später …

Hingegen andernorts: so trocken wie tolerant unvollständig auch über diesen chter krntns etwa, von höchster wissenschaftlicher Kompetenzseite …