„In der Nacht nach dem erfolglosen Anschlag versammelten sich dann Tausende Menschen in Samsun rund um das rot-weiß-rote Atatürk-Denkmal, um eine Mahnwache abzuhalten – und so die Ehre ihres Helden wiederherzustellen.“
„Er gilt als der Vater der modernen Türkei – bis heute wird Mustafa Kemal Atatür, der das Land nach dem 1. Weltkrieg als erster Präsident in eine westlich orientierte Richtung führte, als Nationalheld gefeiert. Selbst im gegenwärtigen Rechtssystem der Türkei stehen abfällige Äußerungen über den einstigen Soldaten unter Strafe.“
„Und ausgerechnet dieses Werk des Wiener Bildhauers geriet vor einigen Tagen ins Visier von Vandalen – und in die Schlagzeilen. Mit einem Seil versuchten zwei Cousins im Schutze der Dunkelheit die Statue mit einem SUV vom Sockel zu ziehen. Doch die Aktion scheiterte – das Seil riss. Das Denkmal blieb unbeschädigt – nicht allerdings der türkische Nationalstolz: Und so dauerte es auch nicht lange, bis dank Überwachungsbildern die Handschellen klickten und das Duo in der Folge als Schwerverbrecher den Medien vorgeführt wurde.“
Vandalistischen Schwerverbrechern muß unmißverständlich gesagt werden, wie können sie es wagen, ausgerechnet das Werk eines allzeit getreuen Mannes aus dem reichen Kammerland zerstören zu wollen, ihnen muß mit fester Stimme gesagt sein, es ist ein durch und durch rot-weiß-rotes Werk eines durch und durch rot-weiß-roten Mannes, hinter den sein rot-weiß-rotes Land sich wie ein Soldat zu stellen, in der Stunde des Angriffs und der Not, seinem rot-weiß-roten Land Stolz und Ehre …
„Nach dem gescheiterten Protest-Akt hielten Tausende Menschen am Denkmal eine Ehrenwache.“
Es wird an diesem Sonntag, 6. Februar 2022, berichtet, Alexander Van der Bellen plane bereits seinen Wahlkampf, weil er, der begnadet in Reden Geübte, noch einmal …
„Thomas Mießgang portraitiert […] die mehr als 20 Meter hohe Gedenkstätte, gekrönt von der Lueger-Statue des Bildhauers Johann Müllner […]
So beginnt am 31. Jänner 2022 die erste Sendung von vier Sendungen des Portraits des Karl Lueger von Thomas Mießgang, von denen bereits erzählt wurde, unter dem Titel: „Die Trivialität der Klüngels“.
Und bereits zu Beginn seines Portraits im Bildungsradio von Österreich in einem Satz zwei falsche Angaben.
Der Bildhauer hieß nicht „Johann“, sondern „Josef“.
Die zweite falsche Angabe in diesem Satz betrifft die Höhe der Gedenkstätte: „mehr als 20 Meter“. Es ist nicht Mießgang allein, der dies verbreitet. Das schreiben viele. Er redet halt nach, was er irgendwo gelesen, irgendwo gehört hat, daß das Denkmal eine Höhe von 20 Meter habe, aber er, Mießgang, möchte es noch größer haben, wünscht sich Karl Lueger noch größer: „mehr als 20 Meter“ …
Dabei. Es genügt. Einmal vor dem Denkmal zu stehen, um zu sehen, es hat keine Höhe von „mehr als 20 Metern“, es hat keine Höhe von „20 Metern“. Es hat keine Höhe von „18 Metern“. Es ist niedriger. Es ist viel niedriger. Es ist sehr viel niedriger. Vielleicht reden alle nur einer Überlegung von Otto Wagner nach, der zur Errichtung eines Lueger-Denkmals meinte, als es noch darum ging, vielleicht irgendwann, wenn überhaupt, ein Lueger-Denkmal auf dem Rathausplatz, der einmal Dr.-Karl-Lueger-Platz, für madige sieben Jahre Adolf-Hitler-Platz hieß, hinzustellen:
Was nun die Platzwahl betreffe, so meinte er, wenn man ein Lueger-Denkmal auf dem Platz vor dem Rathaus hinstelle, so bedeute ein solches Vorhaben einen Schuss weit über das Ziel hinaus. Ein Denkmal an dieser Stelle müsste eine Höhe von mindestens 18 bis 20 Metern haben, um mit der Größe des Platzes und der Höhe der umliegenden Bauwerke im Einklang zu stehen.
Es ging also Otto Wagner nicht um eine Darstellung der Größe des Karl Lueger, sondern um den Einklang mit den umliegenden Bauwerken. 112 Jahre später ist eine Überlegung des Otto Wagner für viele ihre Wirklichkeit geworden, was dem Otto Wagner noch seine Meinung war, ist 112 Jahre später vielen Wirklichkeit, daß das Lueger-Denkmal eine Höhe von 20 Metern … nicht aber wegen des Einklangs mit den umliegenden Bauwerken, sondern in ergebener Sehnsucht, Karl Lueger selbst derart groß dargestellt haben zu wollen.
Wird aber die tatsächliche Höhe des Denkmals am KL-Platz zum Maß der Größe von Karl Lueger genommen, ergibt das die tatsächliche Größe des Karl Lueger als Bürgermeister, und die ist um die Hälfte kleiner.
Es muß das Karl-Lueger-Denkmal einfach verpackt und zugestellt werden.
Die einzige Frage, die dabei zu klären ist, soll es an seine Eigentümerin oder gleich direkt an den Ort seiner Wiederaufstellung verschickt werden.
Dort, in Texing, wieder aufgestellt werden. Vor dem Haus in Privatbesitz. Und steht Karl Lueger unzerstört auf dem Privatgrund, ist dem Denkmalschutz Genüge getan.
Freilich, Auseinandersetzungen sind nie ganz zu vermeiden, aber das sind keine „ideologischen“ Auseinandersetzungen, sondern nur Aufregungen von Anrainerinnen, die meinen, ein Recht zu haben, sich einzumischen, was auf einem Privatgrund passiert, Anrainer, die sich erregen, wenn sie an einem Privatgrund vorbeimaschieren, auf diesem etwas zu sehen bekommen, daß sie …
„Wenn der Bauer sein Feld bestellen will, muß er doch auch erst den Spaten in die Erde treiben.“
Und auch Adolf Eichmann, müßte er sich noch einmal verteidigen, er würde auf diesen Film verweisen, genauso sei es wirklich gewesen, er habe sich mit der Stenografin einen winzigen Beistelltisch teilen müssen, mit ihr habe er zu protokollieren gehabt, was die hohen Herren am großen Tisch, ja und, das wolle er nicht verschweigen, das könne er einbekennen, Dauer der Pausen habe er ansagen dürfen …
„Mitunter gerät der Denkmalschutz in hochpolitische Affären. So tobt seit Jahren ein ideologischer Streit um das Lueger-Denkmal an der Wiener Ringstraße. Die Statue für den christlich-sozialen Bürgermeister Karl Lueger – der vor 120 Jahren Wien mit seinen Reformen zwar in die Moderne führte, aber auch ein antisemitischer Populist war, die antijüdische Stimmung kräftig anheizte und mithalf, den ohnehin bereits vorhandenen Antisemitismus noch fester in derösterreichischen Gesellschaft zu verankern – wurde 1926, in der Ersten Republik, lange nach dem Tod Luegers errichtet; und zwar von einer ungewöhnlich breitgefächerten Allianz: Unter der Ägide des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz und finanziert von christlich-sozialen Spendern auf der einen und einer umfangreichen Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild auf der anderen Seite.“
Am Tag nach dem Gedenktag an die Befreiung des Vernichtungslagers nennt Österreich 1 die Schuldigen an diesem Denkmal, am „ideologischen Streit“ um dieses Denkmal am KL-Platz beim Namen: Karl Seitz, sozialdemokratischer Bürgermeister, Rothschild, jüdische Industriellenfamilie.
Prozession am Samstag, 15. Jänner in welchem Jahrhundert, in welchem Jahrtausend kann nicht so kurz und einfach beantwortet werden; eines nur ist gewiß, im dritten Jahrtausend, im 21. Jahrhundert ist 22 …
Ein paar Fotos aus dem Video, alle der Sequenz Prozession #w1501 entnommen, geben allein schon einen tiefen Einblick, worum es in diesem völlig abgedrehten Film geht. Das Moderne an solchen Prozessionen: daß auch für diese Prozessionen sogenannte Hashtags – verwendet werden. Hashtag, unübersetzt verwendet im Deutschen. Was bei den vielen Bedeutungen sowohl von hash als auch von tag dieses zusammengesetzten Wortes alles an Übersetzungen einfallen könnte — vielleicht einmal eigens ein Kapitel dazu, in dem von Faschieren, Haschen, Verpatzen, Zerhacken, Fangen, Doppelkreuzschlag …
Es soll bereits geplant sein, mit Standfotos aus dem Prozessionsvideo ein großes Altarbild zu schaffen, um das herum eine Kirche zu bauen. Uneinigkeit soll nur über den Standort der Kirche noch herrschen. Nicht wenige sollen dafür sein, wegen des Nahbezugs zu Nürnberg die Kirche doch in Nürnberg zu bauen, nicht wenige sollen dafür sein, die Kirche doch in einem der Orte, aus denen die zu Sendboten auserkorenen Herberte stammen, zu bauen, als Dank an sie, daß sie senden und senden und senden und alles abermals senden, als Preisung ihrer Sendungen, als Opfergabe auch an deren Schöpfer, die alle sind, die sich in den Schöpfern als deren Schöpferinnen … noch ehe aber der erste Ziegel gesetzt, soll aber einmütig der Name der Kirche schon beschlossen worden sein:
Dom in Korona der Dreifaltigkeit
Eifrig bereits sollen Frauen und Männer daran sein, Fotos zu selektieren, die für das Altarbild im Koronadom genommen werden könnten. Das Altarbild soll freilich von einem schöpferischen Menschen dann gestaltet werden, von einem aber, der bereits Zeugnis seines gesinnungsgemäßen Schaffens ablegte, dessen Name allein schon eine Zeit auferstehen läßt, in der Plätze noch Anger, Städte noch Dörfer und Dörfer schon Städte, in der einem jedem Menschen der von der Vorsehung ihm zugewiesene Platz lebenslängliche Bestimmung, sichere Verwahrung, haltende Orientierung und nie zu lösende Richtschnur in der Korona der Dreifaltigkeit …
Wie letztlich das Altbarbild auch aussehen wird mögen, ob es oben gezeigte Videostills des Defiles geklebt haben wird, oder auch nicht, eines wird mit Bestimmtheit fehlen, das bei Altarbildern immer fehlt, eine Zusatztafel mit den Erklärungen, was die Fotos zeigen, was mit ihnen erzählt wird.
Auf einer Zusatztafel, die es auch im Koronadom nicht geben wird, würde das Altarbild so erklärend beschrieben werden müssen, wofür beispielhaft eine digitale Zusatztafel mit Verlinkungen zu weiteren und vertiefenden Informationen dienen soll, unter der Annahme, die oben gezeigten Videostills wären das Altarbild:
Standfoto „Für Gott Freiheit Vaterland“: Wäre auch „Ehre“ bei diesem Spruch angeführt, wären alle burschenschaftlichenWahlsprüche … Nicht alles auf einem Altarbild kann erklärt werden. Manches bleibt ein Rätsel. Wie um diesen Spruch. Wurde auf „Ehre“ einfach vergessen? Ist „Ehre“ ein Wert, den die Prozessionistinnen nicht besitzen? Wollte bloß vermieden werden, es könnte gesagt werden, auch das noch gesagt werden, die Prozession sei burschenschaftlich …
Standfoto Pelzmantel mit Inschrift „Gott schütze Herbert Kickl, den einzigen wahren Diener des Volkes!“ … Nicht alles auf einem Altarbild ist auch erklärenswert, manches bloß zum Anschauen, zum Staunen, ein Titel einer Novelle aus dem Österreichischen könnte zu diesem Videostill einfallen und animieren, diesen ein wenig abzuändern: Volk im Pelz …
Standfoto Diener und Dienerin des parteieigenen Senders in gemeinsamer Prozessionsinterviewandacht … Ein Videostill, das keiner Erklärung bedarf.
Standfoto einer Prozessionsrednerin im Moment ihres Schweigens. Alles, das sie durch ihr Schweigen zum Ausdruck bringt, ist von ihr mit Fakten belegt.
Standfoto Ochsengeschirrte Männer mit Kuhglocken: Sie nehmen an den Prozessionen teil, um ihre allmächtige Dreifaltigkeit zu bitten, Städte in Dörfer wieder, in Almdörfer zu wandeln.
Standfoto „Nein! zum Impfzwang“: Die Zeichnung dazu zeigt eine junge Frau, der von einer alten Frau eine Spritze angeboten wird. Es ist ein altes Motiv. Nur, statt einen Apfel diesmal eine Spritze. Darüber hinaus keine Neuerung. Die Verführerin zur Spritze muß eine Frau sein, weil es in der Impfpflichtbundesregierung in Österreich keinen Mann, nur Frauen gibt, und als Frau darf sie und kann sie nichts anderes sein als eine Hexe, mit einer Nase, aber mit einer Nase, damit sofort alle wissen, woher die Hexe … So weit paßte das Bild mit der Frau als Hexe, etwa zu den ochsengeschirrten Männern, aber daß alle Schneewittchen … Es muß bei diesem Standfoto um ein noch viel älteres Motiv handeln. Bei dem es auch um einen Apfel geht, der nun gewandelt zur Spritze, aber nicht um die Verführung zur Spritze, sondern um eine Warnung – Warnung vor Erkenntnis …
Zwei Standfotos mit je zwei Herberte: Wenn die Inhalte gehört wurden, könnte eine Frage noch offen sein, nämlich die nach der Redereihenfolge. Das aber ist nicht mehr zu klären, welcher Herbert und welche Herbertine wann sprach, welche Herbertine auf welchen Herbert …
— Die Bühne betreten um mit Eich gemeinsam diejenigen gegen die Mächtigen zu verteidigen die sich sölba nit wehrn kennan Liebe Freinde ich versprech Eich so wahr ich hier stehe wir werdn weitermochn für unsera Kinda für unsere Würde für unser Österreich und wenn es sein muß bis zum letzten Atemzug bis wir unsere Freiheit wieda hobn
— Schafe Wir sind die Wölfe Wir verlassen den Wald Und gehen auf die Straße
Und wir tragen sie mit Stolz all diese Narben Gezeichnet in zwei Jahren mit verschiedenen Farben Aber wir sind bereit Auch für die nächste Zeit Denn wir gaben diesen Eid Lieber stehend sterben Als kniend schweigen
Frei Heit Hu Hu Frei Heit Hu Frei Heit Hu Frei Heit Hu Frei Heit Hu Frei Heit Hu
Diese Armstreckübung soll im Koronadom einer jeder Messe Höhepunkt sein. Zu Beginn des Hochamts vorgebetet und vorgezeigt und am Ende der Messe der von allen unter Armstreckungen gebetet zum feierlichen Auszug …
Die Bedeutung des Psalms? Es soll der Freudenpsalm als Dank an Hu, den Schöpfungsgott aus einem recht alten Reich, sein, in der Sprache des Dialekts. Standardsprachlich würde der Dank nicht so freudig und dankbar tief aus dem Herzen kommend klingen: Frei heute!
Standfoto „Österreich ist frei. Jesus ist König!“: Es wird nicht nur an einem Tag in diesem Land ausgerufen, daß Österreich frei sei, sondern an vielen Tagen im Jahr, und alle diese Tage erzählen ihr Freisein von Österreich …
Standfoto „?Warum? ?Macht? ?Ihr das?“: Auch bei diesen Fragen kommt es zu unterschiedlichen Deutungen. Wenige allerdings wollen in dieser Frage eine sogenannte selbstkritische Frage erkennen …
Es wird jetzt viel geredet über einen Film, der nicht Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Jänner um 12.00 heißt, sondern: „Wannseekonferenz“, von dem viele beeindruckt sind, erschüttert, den Film empfehlen, sich diesen unbedingt anzusehen.
Worüber aber nicht geredet wird, was nicht unbegreiflich erscheinen will, ist, daß an dieser Besprechung Martin Luther teilnimmt.
Ah, sagen Sie, bloß eine Namensgleichheit. Aber was für eine Namensgleichheit! Und vor allem, bei der Tagesordnung, zu der Martin Luther gewichtig was zu sagen hat.
„Armin Wolf: Ich begrüße Philipp Hochmair jetzt im Wiener Burgtheater. Guten Abend. Herr Hochmair, der Reinhard Heydrich, der Chefplaner des Holocaust, den Sie im Film zeigen, ist kein polterndes Nazimonster, sondern ein höflicher, kultiviert auftretender ruhiger Mann. Wie sehr ist das der reale Heydrich?“
Das fragt am 24. Jänner 2022 Armin Wolf in der Nachrichtensendung des österreichischen Rundfunks —
„Philipp Hochmair: Es war unser Versuch, einen heutigen Zugang zu diesem finsteren Thema zu schaffen und einen Kontakt zu heute herzustellen. Wir haben den 80. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar dieses Jahres gehabt. Und dieser Film soll einen Impuls geben über diesen Event, diesen schrecklichen Event nachzudenken. Wir haben versucht, einen heutigen Ton zu finden, also wir haben so sehr den sogenannten Nazisprech im Ohr, die polternden, lauten Nazis, aber vielleicht ist diese Konferenz auch so abgelaufen, daß die Leute auch wirklich ganz ruhig diese Abläufe auch so besprochen haben. […] Es geht wirklich um diese Konferenz, die Kräfte, die da gewirkt haben, und es ist vielleicht wirklich mit einer heutigen Vorstandssitzung, einem großen Konzern vergleichbar.“
„Unterwürfig öffnete man ihnen den Wagenschlag, sie schälten sich aus ihren dicken schwarzen Limousinen und passierten nacheinander die schweren Sandsteinsäulen. Sie waren vierundzwanzig bei den toten Bäumen am Ufer, vierundzwanzig schwarze, braune oder cognacfarbene Übderzieher, vierundzwanzig mit Wolle gepolsterte Schulterpaare, vierundzwanzig Dreiteiler, und die gleiche Anzahl breitgesäumter Bundfaltenhosen. Die Schatten stießen in das große Vestibül des Reichstagspräsidentenpalais vor; doch bald sollte es keine Reichstagsversammlung mehr geben, keinen Präsidenten, und in ein paar Jahren sogar keinen Reichstag mehr, nur noch einen Haufen schwelender Trümmer. Einstweilen werden vierundzwanzig Filzhüte vom Kopf gezogen und vierundzwanzig kahle Schädel oder weiße Haarkränze entblößt. Würdevoll reicht man einander die Hand, bevor man auf die Bühne steigt. Die ehrwürdigen Patrizier stehen dort im großen Vestibül; sie wechseln ein paar scherzhafte, respektable Worte; man könnte meinen, dem etwas steifen Vorgeplänkel einer Gartenparty beizuwohnen. […] Um den Tisch versammelt sind außer ihm [Wilhlem von Opel] Gustav Krupp, Albert Vögler, Günther Quandt, Friedrich Flick, Ernst Tengelmann, Fritz Springorum, August Rosterg, Ernst Brandi, Karl Büren, Günther Heubel, Georg von Schnitzler, Hugo Stinnes Jr. Eduard Schulte, Ludwig von Winterfeld, Wolf-Dietrich von Witzleben, Wolfgang Reuter, August Diehn, Erich Fickler, Hans von Lowenstein zu Loewenstein, Ludweig Grauert, Kurt Schmitt, August von Finck und Doktor Stein. Wir sind im Nirwana der Industrie und Finanz. Bisher sind alle still und manierlich […] Mit solchen Treffen kennt man sich aus, alle sitzen in Verwaltungs- oder Aufsichtsräten, alle gehören irgendeinem Arbeitgeberverband an. Ganz zu schweigen von den trostlosen Familientreffen dieses knochentrockenen, öden Patriacharts. […] Endlich betritt der Reichstagspräsident den Raum: Hermann Göring. Und das – es überrascht nicht im Geringsten – ist im Grunde ein ganz banales Ereignis, Routine. Im Geschäftsleben sind Partisanenkämpfe nicht der Rede wert. Politiker und Industrielle sind gewohnt, miteinander umzugehen. Göring macht seine Hausherrenrunde, hat für jeden ein persönliches Wort und schüttelt wohlmeinend sämtliche Hände. […] Diejenigen, die ihm noch noch nie begegnet sind, harren neugierig auf seinen Anblick. Hitler lächelt, wirkt entspannt, überhaupt nicht wie man es sich vorstellt, leutselig, ja geradezu liebenswürdig, sehr viel liebenswürdiger als gedacht. er hat für jeden ein Wort des Dankes […] Sie hören zu. Die wesentliche Aussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein. Die Rede dauert eine halbe Stunde. Als Hitler fertig ist, steht Gustav auf, tritt einen Schritt vor und dankt ihm im Namen aller anwesenden Gäste, endlich die politische Situation geklärt zu haben. Der Kanzler dreht noch eine kurze Runde und bricht wieder auf. Man beglückwünscht ihn, zeigt sich zuvorkommend. Die alten Industriellen wirken erleichtert. Sobald er gegangen ist, ergreift Göring das Wort, wiederholt nachdrücklich ein paar Ideen und kommt erneut auf die Wahlen vom 5. März zu sprechen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, der bisherigen Sackgasse zu entkommen. Doch um einem Wahlkampf zu führen, brauche man Geld; und der Wahlkampf rücke näher. In diesem Augenblick erhebt sich Hjalmar Schacht, lächelt in die Versammlung und ruft: „Und nun, meine Herren, an die Kasse!“
Seine zugegebenermaßen etwas zackige Aufforderung ist für diese Männer nichts sonderlich Neues; sie sind mit Bestechungs- und Schmiergeldern bestens vertraut. Im Budget großer Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung. Die Mehrheit der Gäste zahlt umgehend etliche hunderttausend Reichsmark. Gustav Krupp spendet eine Million, Georg von Schnitzler vierhunderttausend, und so kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising.“
„Armin Wolf: Wie sehr haben sie sich mit der realen Figur Heydrich beschäftigt? Philipp Hochmair: Sehr, sehr viel, aber […]“
Reinhard Heydrich, vom Österreicher gepriesener „Blutzeuge“, kultivierter Violinist und Träger von Spitznamen: „Henker“ und „Ziege“, dem Philipp Hochmair eine allzu männliche Stimme leiht, die so gar nicht zu „Ziege“ passen will, auf die Heydrich wegen seiner Fistelstimme getauft, wegen der er gehänselt …
Von Reinhard Heydrich gibt es das – nicht in dieser Besprechung mit Tagesordnung gesagte – Bekenntnis: „Als Nationalsozialist bin ich Zionist.“ Wie beruhigend, daß Österreich ein Land ist, in dem sich auch die Bundesregierung, in dem die Regierung an der Spitze gegen den Zionismus …
Reinhard Heydrich besaß auf Fehmarn ein Sommerhaus. Zum Richtfest zur Sonnwendfeier kam 1935 auch Heinrich Himmler … Oberhalb der Eingangstür des Sommerhauses von der Familie Heydrich eine Rune, Runen, die auch Jahrzehnte später noch einen rechten Reiz vor allem auf die Mannen ausüben, zu Taten auch auf Inseln …
Nicht einmal fünf Monate nach dieser Konferenz mit Tagesordnung ist Reinhard Heydrich tot. Und was zu sagen ist, hat Thomas Mann in einer Radioansprache gesagt, nicht als Nachruf auf Heydrich, sondern gegen den Totenkult, den die Nazissen mit Himmler und seinem Österreicher an der Spitze mit dem Heydrich im Sarg …
„Seit dem gewaltsamen Tode des Heydrich, dem natürlichsten Tode also, den ein Bluthund wie er sterben kann, wütet überall der Terror krankhaft-hemmungsloser als je. Es ist absurd und lässt wieder einmal den Ekel hochsteigen vor der Mischung aus Brutalität und kreischender Wehleidigkeit, die von jeher für das Nazitum kennzeichnend war […] Wohin dieser Mordknecht kam, floss das Blut in Strömen. Überall, auch in Deutschland, hieß er recht und schlecht ‚der Henker’ […] Nun also, er ist ermordet worden. Und wie nehmen die Nazis das auf? Sie stellen sich an, als sei die unfasslichste Missetat geschehen, der Menschheit Höchstes angetastet, die Krone, das Palladium entwendet […] Zu Hause wird ihm ein pomphaftes Staatsbegräbnis verordnet, und ein anderer Metzgermeister sagt ihm am Grabe nach, er sei eine reine Seele und ein Mensch von hohem Humanitätsgefühl gewesen.“
„Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte. Im Allgemeinen können wir jedoch sagen, dass wir diese schwierigste Aufgabe aus Liebe zu unserem eigenen Volk ausgeführt haben. Und wir haben dabei unserem inneren Selbst, unserer Seele und unserem Charakter keinen Schaden zugefügt. “
„Armin Wolf: Das waren überhaupt relativ junge Männer, es waren viele Akademiker, es waren Bürokraten aus Ministerien. Heute erscheint uns unbegreiflich, daß man so, wie man es im Film sieht, über den geplanten Massenmord an elf Millionen Menschen sprechen kann, und keiner sagt in diesen neunzig Minuten auch nur einmal: seid ihr denn alle verrückt geworden.“
Sind denn alle in Österreich nach 1945 verrückt geworden? Nein. Sie sind gemäß ihrer weltanschaulichen Orientierung normal geblieben, wie die Männer und die Protokollantin dieser Konferenz gemäß ihrer Gesinnung des Blutdurstes ihre Normalität leben.
Neunzig Minuten dauert diese Konferenz am Wannsee, die erst nach 1945 zu einer Konferenz geadelt wird – Konferenz: uneingestandene, unbewußte Bewunderung für eine Zusammenkunft von Männern mit Protokollantin und sie Bedienenden, die sich, so ist die Einladung formuliert, einfach treffen zu einer
„Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Januar 1942 um 12.00 Uhr Berlin, Am Großen Wannsee 56-58″.
Besprechungen mit Tagesordnung laufen nicht nur so höflich, so kultiviert, so ruhig ab, sie ähneln einander auch in ihrer Dauer. Neunzig Minuten soll aber Hitler in der Besprechung am 20. Februar allein für sich und seine Ausführungen in Anspruch genommen haben. Dann geht es gleich zur „Kasse“. Schacht hat es wohl vergessen, in die Einladung die Aufforderung zum Kassengang zu schreiben, deshalb muß er es in der Besprechung sagen, die Einladung hätte sonst wohl gelautet:
Irgendwann in diesem Interview kann es nicht ausbleiben, daß Armin Wolf … „Hannah Arendt hat über Adolf Eichmann, der ja eine zentrale Figur bei dieser Konferenz war, die berühmte Formulierung von der Banalität des Bösen geprägt. Gilt das auch für Heydrich, für die anderen? Philipp Hochmair: Würde ich schon sagen, also Heydrich war kein Genie […]“
„Banalität des Bösen“ – Bildungsfolkore. Es fielen viele Varianten zu dieser Formulierung ein, wenn das „Böse“ für das Menschgemäße würde verwendet werden wollen, und es wären alles Paraphrasen, deren Zentrum Kultiviertheit —
Manchen fiele dazu wohl sofort ein, so eine Formulierung wie: Das kultivierte Böse. Anderen vielleicht: Das Böse der Kultiviertheit. Es kann kein Mensch daran gehindert werden, sich an solchen Formulierungen zu versuchen, eine Zustimmung können sie nicht erwarten.
Auch die Staatsoper, ein Palais der Kultiviertheit, wie die Volksoper … die Säle der Bälle … Der Film „Besprechung mit anschließender Kasse“, nein, der Film „Besprechung mit anschließendem Frühstück“, nein, der Film „Wannseekonferenz“ wurde vor dieser Nachrichtensendung am 24. Jänner 2022 gezeigt, und in dieser Besprechung wird auch über Riga … Riga, so weit von Österreich, und doch so nah zur Gegenwart …
an diesem Freitag, 21. Jänner 2022. So lieblich, so freundlich, so appetitlich wird um 7.47 Uhr das nachkommende Lied angekündigt …
„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen.“
Dann wird in der Radiosendung „Guten Morgen Österreich“ das Lied gespielt:
„Tomorrow belongs to me“.
Gesendet vom ORF, Radio Ö1, in Österreich, am 21. Jänner 2022.
Und wer dieses Lied schon einmal gehört hat, wird am Frühstückstisch sitzen, wie der alte Mann am Tisch saß, als er sich das von einem strammstehenden deutschen Jüngelchen in deutscher Sprache gesungene Lied anhören und ansehen muß, wie immer mehr junge und immer mehr alte Menschen, Männer und Frauen, in das Lied einstimmen, das Lied im Chor singen, aufstehen zum ergriffenen Strammstehen.
Nach dem Ende des Lieds ist von der Sprecherin noch zu erfahren:
„Tomorrow belongs to me: Das war der Original-Broadway cast von Cabaret, Leitung Harold Hastings, aufgenommen 1966 in den CBS 30th Street Studios, New York. 7.49 Uhr […]“
Mehr wird zu diesem Lied in der Sendung „Guten Morgen Österreich“ nicht gesagt.
Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich mit seinem Bildungsauftrag, für Österreich 1, ist ein Nazi-Lied ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.
„Kleiner musikalischer Gustohappen“ ist also für das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich das Nazi-Lied. Das Nazissenlied ist für Österreich 1 mit seinem von der Bildungsschicht für die Bildungsschicht gemachten Radioprogramm in diesem Land ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.
Es ist nicht nur deshalb ein Nazissen-Lied, weil es in „Cabaret“ von einem Hitlerjungen gesungen wird, es von Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen in Uniform und in ziviler Kleidung gesungen wird.
Es ist auch ein Nazissen-Lied, weil — es reicht mehr als aus, hierzu Wikipedia noch zu zitieren:
„Tomorrow Belongs to Me“ is a song from the 1966 Broadway musicalCabaret, and the 1972 film of the same name. It is not a historically authentic song, but instead was written and composed by two Jewish musicians – John Kander and Fred Ebb – as part of an avowedly anti-fascist work; the nationalist character of the song serves as a warning to the musical’s characters of the rise of Nazism. Nonetheless, „Tomorrow Belongs to Me“ has at times been adopted by right-wing, neo-Nazi, and alt-right groups as an anthem. The music of the song bears a passing similarity to a 19th-century German song named „Lorelei“, with music by Friedrich Silcher to a poem by Heinrich Heine.[a] The pastoral tone of the lyrics is also somewhat similar; however, the content of the lyrics is entirely different. There is also an authentic Nazi song „Es Zittern die Morschen Knochen“ („The Frail Bones Tremble“), which, while unmistakably different to listen to, contains the lyrics „For today Germany belongs to us/and tomorrow the whole world“. The extent to which either of these songs was an influence on Kander and Ebb is not known.[2] Almost immediately after the first stage performances of Cabaret, it became clear that „Tomorrow Belongs to Me“ could widely be misunderstood. There were complaints from people who were insistent that they had heard the song in use as a genuine Nazi anthem. Others seemed to embrace its lyrics at face value, without political context; a Jewish youth group requested permission to use it in their summer camp show.[3] In 1973, concerned parents at a largely Jewish school in New York State raised a petition against the song being included in a school performance; school administrators determined that it would go ahead as planned.[2] Subsequent adoption The National Socialist League, an American neo-Nazi organization for gay men, used the slogan „Tomorrow Belongs to You!“ in 1974 recruiting advertisements, referencing the popular musical.[4] By the late 1970s, „Tomorrow Belongs to Me“ had become an unofficial anthem of the Federation of Conservative Students, a student wing of the British Conservative Party.[5]Alan Clark, a Conservative politician who flirted with the idea of joining the far-right National Front, recalls in his diaries watching the „uplifting“ song in a TV airing of the film.[6] When the satirical comedy show Spitting Image looked for a fascist-themed song to satirize the Conservative Party victory in the 1987 United Kingdom general election, they used „Tomorrow Belongs to Me“.[7] The song has also been covered by white supremacist bands. The first such cover was in 1979 by Skrewdriver, a British band whose performances have been described as being like Nazi rallies. Skrewdriver’s lead singer Ian Stuart Donaldson also covered it with his other bands The Klansmen and Ian Stuart and Stigger. Stuart was well-known to the German neo-Nazi scene and it is likely he introduced the song to a German neo-Nazi audience. After Stuart’s death, German Rechtsrock bands including Endstufe, Radikahl and Wolfsrudel have recorded versions, Endstufe’s being dedicated to Stuart.[2] So have the American neo-Nazis Prussian Blue and the Swedish Saga. Saga’s version was cited by Anders Behring Breivik as being among the musical inspirations for his terrorist attacks.[8] „Tomorrow Belongs to Me“ could also be frequently heard at rallies for Jörg Haider, the Austrian right-wing nationalist politician.[9] The U.S. alt-right activist Richard B. Spencer appeared to embrace the song as a neo-Nazi anthem: Kander’s nephew responded by noting the song was written by a Jew in a same-sex marriage.[10]
Mit diesem Zitat ist nun mehr als alles gesagt, was zu diesem Nazilied, das für den österreichischen Rundfunk ein „musikalischer Gustohappen“ ist, zu schreiben ist.
Dieses Lied kann, wenn es außerhalb dieser Gesinnungsschaften denn gesendet sein soll, nicht gespielt werden, ohne den Hinweis, daß es in „Cabaret“ das Nazi-Lied, daß es in der Realität Hymne von Rechtsextremen, Neo-Nazissen …
Und dann, 8.20 Uhr an diesem Freitag, 21. Jänner 2022, die Ö1-Sendung „Hard Times – Pasticcio“. Das „Quartett für Streicher in a-moll DV 804 op. 29“ von Franz Schubert wird lyrisch angekündigt:
„[…] Und wo wir schon in Griechenland sind, rufen wir Hölderlin zu Hilfe. Patmos. Nah ist und schwer zu fassen der Gott/Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch […]“
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.