„Staatsaffäre um rot-weiß-rote Atatürk-Statue“

Die „Reichskammer der bildenden Künste Wien“ ist keine Kammer der rot-weiß-roten Republik Österreich, deren Mitglied der Diener zweier kranker Herren war, aber es gibt in dieser rot-weiß-roten demokratischen Republik Österreich Kammern reich an Sammlungen von Textseltsamkeiten …

„In der Nacht nach dem erfolglosen Anschlag versammelten sich dann Tausende Menschen in Samsun rund um das rot-weiß-rote Atatürk-Denkmal, um eine Mahnwache abzuhalten – und so die Ehre ihres Helden wiederherzustellen.“

Das schreibt Klaus Loibnegger am 8. Februar 2022 in der Tageszeitung, die die Krone des österreichischen Pressestandards trägt …

Das Mitglied der nationalsozialistischen Reichskammer der bildenden Künste Wien hat also in der Türkei ein „rot-weiß-rotes“ Denkmal für seinen kranken Herrn Atatürk geschaffen, aber er hat nicht nur eines geschaffen, er hat mehrere Atatürk-Denkmäler und also „rot-weiß-rote“ Denkmäler in der Türkei geschaffen, aber auch in Österreich hat er, nach seiner Heimkehr zu seinem zweiten kranken Herrn, Denkmäler geschaffen, die dann nach dem Kronenkammergeist auch „rot-weiß-rote“ Denkmäler zu nennen sind, etwa die Büste des Totenkopfpudelmützenträgers, von ihm zu einer Zeit geschaffen, als Österreich ganz und gar bei sich rot-weiß-rot

„Er gilt als der Vater der modernen Türkei – bis heute wird Mustafa Kemal Atatür, der das Land nach dem 1. Weltkrieg als erster Präsident in eine westlich orientierte Richtung führte, als Nationalheld gefeiert. Selbst im gegenwärtigen Rechtssystem der Türkei stehen abfällige Äußerungen über den einstigen Soldaten unter Strafe.“

Wer sonst als ein rot-er-weiß-roter Fahnenstangenschwinger könnte noch so über einen kranken Herrn, der ihm väterlicher Soldat, schreiben – fortwährende rot-weiß-rote Erziehung zur Hörigkeit gegenüber kranken Herren.

„Und ausgerechnet dieses Werk des Wiener Bildhauers geriet vor einigen Tagen ins Visier von Vandalen – und in die Schlagzeilen. Mit einem Seil versuchten zwei Cousins im Schutze der Dunkelheit die Statue mit einem SUV vom Sockel zu ziehen. Doch die Aktion scheiterte – das Seil riss. Das Denkmal blieb unbeschädigt – nicht allerdings der türkische Nationalstolz: Und so dauerte es auch nicht lange, bis dank Überwachungsbildern die Handschellen klickten und das Duo in der Folge als Schwerverbrecher den Medien vorgeführt wurde.“

Vandalistischen Schwerverbrechern muß unmißverständlich gesagt werden, wie können sie es wagen, ausgerechnet das Werk eines allzeit getreuen Mannes aus dem reichen Kammerland zerstören zu wollen, ihnen muß mit fester Stimme gesagt sein, es ist ein durch und durch rot-weiß-rotes Werk eines durch und durch rot-weiß-roten Mannes, hinter den sein rot-weiß-rotes Land sich wie ein Soldat zu stellen, in der Stunde des Angriffs und der Not, seinem rot-weiß-roten Land Stolz und Ehre …

„Nach dem gescheiterten Protest-Akt hielten Tausende Menschen am Denkmal eine Ehrenwache.“

In der Türkei also werden wie in Österreich „Ehrenwachen“ gehalten, an Denkmälern, „Mahnwachen an den Sockeln“ – der Unterschied zwischen den Ehrenwachtern an dem einen Sockel und den Ehrenwachterinnen an dem nächsten Sockel kann am Klavier nicht gespielt werden.

Wahlen. Nicht wundern.

Es wird an diesem Sonntag, 6. Februar 2022, berichtet, Alexander Van der Bellen plane bereits seinen Wahlkampf, weil er, der begnadet in Reden Geübte, noch einmal …

Am letzten Freitag, 4. Februar 2022, hat Alexander Van der Bellen die Impfpflicht beurkundet, damit ein Gesetz abgesegnet, gegen das es die größten Bedenken, die größten Vorbehalte mannigfacher Weise gibt, vor allem auch verfassungsrechtliche. Hätte er, Van der Bellen, der doch so in die Schönheit der Verfassung verliebt ist, dem die Verfassung Leitbild sein soll, dieses Bundesgesetz nicht zurückschicken müssen, allen die Arbeit ersparen müssen – vor allem dem Verfassungsgerichtshof, der ohnehin schon genug mit den Gesetzen dieser Regierung sich herumschlagen hat müssen –, mit einem verfassungsrechtlich hoch bedenklichen Gesetz weiter sich herumschlagen zu müssen …

Es überrascht nicht, daß Alexander Van der Bellen noch einmal kandidieren wird, sind ihm doch zwei, nein, einfach wie kurz gesagt, drei Stimmen recht gewiß. Und daß er kandidieren wird, das war spätestens mit dem 19. Dezember 2021 klar, als er die Kickl-Karte spielte, von der er meint, diese sei wieder ein Joker, Kickl sei „doch eine große Belastung“ gewesen, der von ihm angelobte Innenminister, mit dem Kickl-Joker, mit dem FPÖ-Schmäh will er also noch einmal die Wahl gewinnen, wie er mit dem Hofer-Joker die Wahl gewann …

Kurz und einfach gesagt: Einen Joker gibt es nur einmal zum Ausspielen, ein Schmäh zieht nur einmal …

Na ja, es kommt auf das Land an. In Österreich wird der Joker fortwährend ausgespielt, daß er schon ganz abgenudelt ist, aber alle tun so, als würde ein nigelnagelneuer Joker zum ersten Mal gespielt werden, in Österreich schreien, um das Wort des österreichischen Wirtshausklassikers der Wiederholungen zu verwenden, wie „sechseinhalb Millionen Debile“, wenn sie einen Schmäh hören: Noch einmal! Noch einmal! Den Schmäh, noch einmal! Schreien in Österreich, wie von einem anderen die Zahl mittlerweile und notwendigerweise valorisiert, acht Millionen …

So kann es kommen, daß Alexander Van der Bellen mit diesem abgenudelten Joker, mit diesem ranzfettigen Schmäh noch einmal … Und wenn danach die Nationalratswahl ein Ergebnis bringt, daß für Herbert Kickl und seine Partei ein …, dann wird es wieder heißen, das Wahlergebnis würde keine andere Regierung, keinen anderen Bundeskanzler als …

Wie immer in diesem Jahr die Wahl um das Amt der Bundespräsidentin ausgehen wird, eines ist gewiß, Alexander Van der Bellen kann sich auf eine herzliche Retourgratulation aus Teheran freuen, sei es zum Wahlgewinn oder zum erdienten Pensionsantritt im sehr hohen Rentenalter.

Die tatsächliche Größe des Karl Lueger, gemessen an der Höhe seines Denkmals

„Thomas Mießgang portraitiert […] die mehr als 20 Meter hohe Gedenkstätte, gekrönt von der Lueger-Statue des Bildhauers Johann Müllner […]

So beginnt am 31. Jänner 2022 die erste Sendung von vier Sendungen des Portraits des Karl Lueger von Thomas Mießgang, von denen bereits erzählt wurde, unter dem Titel: „Die Trivialität der Klüngels“.

Und bereits zu Beginn seines Portraits im Bildungsradio von Österreich in einem Satz zwei falsche Angaben.

Der Bildhauer hieß nicht „Johann“, sondern „Josef“.

Das steht sogar richtig auf der dem Denkmal beigestellten Zusatztafel von dem Historiker, der in diesen Mießgang-Sendungen öfters und wie immer gar gewichtig zu Wort kommt, der mit Vornamen nicht Karl heißt, aber ein Vorname wäre, den er sich …

Die zweite falsche Angabe in diesem Satz betrifft die Höhe der Gedenkstätte: „mehr als 20 Meter“. Es ist nicht Mießgang allein, der dies verbreitet. Das schreiben viele. Er redet halt nach, was er irgendwo gelesen, irgendwo gehört hat, daß das Denkmal eine Höhe von 20 Meter habe, aber er, Mießgang, möchte es noch größer haben, wünscht sich Karl Lueger noch größer: „mehr als 20 Meter“ …

Dabei. Es genügt. Einmal vor dem Denkmal zu stehen, um zu sehen, es hat keine Höhe von „mehr als 20 Metern“, es hat keine Höhe von „20 Metern“. Es hat keine Höhe von „18 Metern“. Es ist niedriger. Es ist viel niedriger. Es ist sehr viel niedriger. Vielleicht reden alle nur einer Überlegung von Otto Wagner nach, der zur Errichtung eines Lueger-Denkmals meinte, als es noch darum ging, vielleicht irgendwann, wenn überhaupt, ein Lueger-Denkmal auf dem Rathausplatz, der einmal Dr.-Karl-Lueger-Platz, für madige sieben Jahre Adolf-Hitler-Platz hieß, hinzustellen:

Was nun die Platzwahl betreffe, so meinte er, wenn man ein Lueger-Denkmal auf dem Platz vor dem Rathaus hinstelle, so bedeute ein solches Vorhaben einen Schuss weit über das Ziel hinaus. Ein Denkmal an dieser Stelle müsste eine Höhe von mindestens 18 bis 20 Metern haben, um mit der Größe des Platzes und der Höhe der umliegenden Bauwerke im Einklang zu stehen.

Es ging also Otto Wagner nicht um eine Darstellung der Größe des Karl Lueger, sondern um den Einklang mit den umliegenden Bauwerken. 112 Jahre später ist eine Überlegung des Otto Wagner für viele ihre Wirklichkeit geworden, was dem Otto Wagner noch seine Meinung war, ist 112 Jahre später vielen Wirklichkeit, daß das Lueger-Denkmal eine Höhe von 20 Metern … nicht aber wegen des Einklangs mit den umliegenden Bauwerken, sondern in ergebener Sehnsucht, Karl Lueger selbst derart groß dargestellt haben zu wollen.

Wird aber die tatsächliche Höhe des Denkmals am KL-Platz zum Maß der Größe von Karl Lueger genommen, ergibt das die tatsächliche Größe des Karl Lueger als Bürgermeister, und die ist um die Hälfte kleiner.

Die Größe des Karl Luegers ist die Hälfte von der ihm untertänig zugeschriebenen Größe. Die ihm heute hochgeschriebene Größe. Vor 99 Jahren wurde aber dies genau gewußt, daß das kunschaksch-müllnerische Denkmal nur zu einem Zweck errichtet zu werden hat, Karl Lueger zu einer Größe für die eigene Propaganda und Wahl hochzuziehen, die er nicht …

Die Trivialität des Klüngels

An vier Tagen dieser Woche – 31. Jänner, 1. Februar, 2. Februar, 3. Februar 2022, wurde Karl Lueger portraitiert.

Gestaltet von Thomas Mießgang. Vom „Bildungsradio von Österreich …“

Wer A (Lueger) sagt, sagt nicht auch B (Müllner), wer B (Müllner) nicht sagt, sagt auch nicht A …

In vier Sendungen mit einer Gesamtsendezeit von 49 Minuten fiel nicht einmal der Name Leopold Kunschak.

In neunundvierzig Minuten wurde einmal der Name Müllner erwähnt. Gleich in der ersten Sendung am 31. Jänner , deren Auftakt der „ideologische Streit“ um das „Dr.-Karl-Lueger-Denkmal“ auf dem KL-Platz war. Das Denkmal dürfte auch hauptmotivatorischer Anlaß für das Bildungsradiokollegportrait des Karl Lueger gewesen sein. Müllner wird mit dem Vornamen „Johann“ genannt im Bildungsradio von Österreich.

Wenn wer etwas mehr über „Johann Müllner“ erfahren will, und „Johann Müllner“, darin dem Bildungsradio folgend, in eine Suchmaschine zum Beispiel des Konzerns Google eingibt, wird auf der ersten Ergebnisseite zu „Johann Müllner“ ausgespuckt bekommen: Weingüter, Heurige …

Weingüter, Heurige sind als Suchergebnisse, wenn es um Karl Lueger und also auch um Wien geht, wohl nicht unpassend, und es könnte gedacht werden, Suchmaschinen besitzen einen Sinn für feinen Humor.

Wer aber etwas über den Bildhauer Müllner erfahren will, darf nicht dem Bildungsradio folgen, muß seinen tatsächlichen Vornamen in die Suchmaschine eingeben: „Josef“. Mit Josef Müllner sind gleich auf der ersten Ergebnisseite der Suchmaschine Informationen zum Bildauer Josef Müllner gelistet. Mehr als den falschen Vornamen wird in vier Sendungen, in 49 Minuten nichts zu Josef Müllner gesagt. Dabei. Was wäre nicht alles zu Josef Müllner zu sagen. Es erhellte auch, wohin der Weg führte, den Karl Lueger einschlug, etwa seinen Schöpfer Josef Müllner direkt in den Nationalsozialismus. Aber, über Josef Müllner wird geschwiegen. Josef Müllner führte direkt in die Republik Österreich nach 1945, in der er ein Ausgezeichneter, ein Ehrenbürger; wer will etwas davon hören, wird gemütlich bei einem Glaserl Wein dem Lied über die Hand rührselig lauschend gesessen beim Heurigen …

Stattdessen in 49 Minuten immer wieder der Versuch, der krampfhafte Versuch, Karl Lueger vom Nationalsozialismus zu trennen, bei gleichzeitigem Hochreden seines Wirkens, sogar damit, er sei der „geistige Vater des Antisemitismus“. Aber. Jeder Vater hat einen Vater, und ein Vater erschien erst vor kurzem auf dem Bildschirm in einem Film, der einem Nachrichtensprecher beeindruckend war, der unbegreiflich fand, daß …

Ein Name aber kommt in 49 Minuten gar nicht vor, dieser Name kommt nicht einmal mit einem falschen Vornamen vor. Dabei. Oh, was für falsche Vornamen hätten sich für ihn angeboten. Karl etwa. Auch „Julius“ …

Schweigen, auch zu „Julius“, dessen Vorname Leopold war.

Ihn zu nennen, führte zu tief in die Republik Österreich nach 1945. Diesen Weg zu gehen, soll kommenden Generationen als Erbe …

Auch wenn Leopold Julius nicht erwähnt wird, ganz wird auf die Republik Österreich nach 1945 nicht vergessen, geht es sogar tief in die Gegenwart hinein, wenn nicht verschwiegen wird, wer nun die sind, die Lueger verteidigen, die Lueger für sich reklamieren, es werden die von der Straße genannt …

Daß auch in diesen 49 Minuten Leopold Julius nicht erwähnt wird, nichts zu seiner Hauptrolle als Schöpfer des Denkmals am KL-Platz gesagt wird, ist wohl keiner, um eine zitierte Formulierung des Nachrichtensprechers ein wenig abgeändert zu verwenden, bösen Absicht geschuldet. Sondern. Der Trivialität der Freunderlwirtschaft.

Die Trivialität der, – mit dem österreichischen Nationalwort, das Männer und Frauen gleichermaßen berechtigt einschließt, gesagt – Freunderlschaft beherrscht dieses kleine und aberkleine Österreich, in dem alle miteinander auf unterschiedliche Weise mehr oder weniger verbunden sind. Wer schon möchte einen Freund, eine Bekannte, einen Kollegen, kurzum, wer möchte schon Menschen, zu denen es berufliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche Kontakte gibt, die Leopold-Julius-Preisträger sind, mit Leopold Julius in Verbindung bringen, Leopold-Julius-Preisträgerinnen ihren Stolz auf ihre Leopold-Julius-Preise mindern, die guten Kontakte zu ihnen mutwillig beschädigen …

Und es gibt zuhauf Leopold-Julius-Preisträger, daß die Gefahr doch recht groß ist, über Leopold Julius zu informieren, damit eine Leopold-Julius-Preistträgerin zu verärgern, nur wegen der Geschichte Schaden für das eigene Wohlergehen, für das eigene Fortkommen mutwillig in Kauf zu nehmen.

Wohin das Denkmal zu schicken ist, damit es dann dort von seiner Eigentümerin und Schöpferin aufgestellt werden kann, um endlich den „ideologischen Streit zu beenden, die Adresse ist bekannt. Von dort könnten hinkünftig dann auch Sendungen zur Geschichte ausgestrahlt werden vom Bildungsradio von Österreich – einen authentischeren Ort für Geschichtserzählungen dieser Art als dieses Museum …

Verpacken und Verschicken

Vor kurzem wurde von Österreich 1 im Zusammenhang mit dem Karl-Lueger-Denkmal wieder die Denkmalschutzfrage aufgeworfen, vom „ideologischen Streit“ um das Karl-Lueger-Denkmal geschrieben, der seit …

Wie leicht aber ist das doch zu lösen.

Es muß das Karl-Lueger-Denkmal einfach verpackt und zugestellt werden.

Die einzige Frage, die dabei zu klären ist, soll es an seine Eigentümerin oder gleich direkt an den Ort seiner Wiederaufstellung verschickt werden.

Dort, in Texing, wieder aufgestellt werden. Vor dem Haus in Privatbesitz. Und steht Karl Lueger unzerstört auf dem Privatgrund, ist dem Denkmalschutz Genüge getan.

Was steht doch nicht alles auf Privatgründen, und darf auf Privatgründen selbverständlich herumstehen. Und steht Karl Lueger auf einem Privatgrund, ist damit augenblicklich der „ideologische Streit“ beendet. Was auf einem Privatgrund geschieht, eignet sich nicht für einen „ideologischen Streit“. Auf einem Privatgrund darf gemacht werden, was gemacht werden will. Es kann gebadet werden, es kann Karl Lueger dabei stehen, der die Badende

Freilich, Auseinandersetzungen sind nie ganz zu vermeiden, aber das sind keine „ideologischen“ Auseinandersetzungen, sondern nur Aufregungen von Anrainerinnen, die meinen, ein Recht zu haben, sich einzumischen, was auf einem Privatgrund passiert, Anrainer, die sich erregen, wenn sie an einem Privatgrund vorbeimaschieren, auf diesem etwas zu sehen bekommen, daß sie …

Und ist Karl Lueger endlich verpackt und endlich verschickt, steht er dann dort endlich auf einem Privatgrund, kann auf dem luegerbefreiten öffentlichen KL-Platz in Wien das geschaffen werden, was längst überfällig ist, ein Erinnerungsort, der davon erzählt, daß der Holocaust nicht allein eine Shoah war, sondern auch ein Porajmos.

Was in Österreich aber nicht zu vermeiden ist, und mögen noch so viele Mahnmale errichtet werden, noch so viele Tage der ergriffenen Mahnung sogar höchststaatsspitzlich zelebriert werden, ist das Vorführen von Menschen, genauso, als hieße in Wien der jetzige Bürgermeister Karl Lueger, als wäre Leopold Kunschak Nationalratspräsident, als wäre das Vorführen von Menschen unter Denkmalschutz gestellt. Und von dem wird reichlich Gebrauch gemacht, in Österreich wissenschaftlich Gebrauch gemacht, wie wieder vor kurzem, als Österreich 1 über ideologischen Streit und Schutz des Demonstrationsdenkmals

Demonstrationsdenkmal: Wer der Beteiligten mit Namen vorzuführen ist, in Österreich – wer nicht

In Österreich begeht die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt – ORF – die Tage nach sogenannten Gedenktagen nach einer recht besonderen Weise.

Am Tag nach der Erinnerung an die „Wannseekonferenz“ wird ein Nazilied gespielt, das dem Radiopublikum als „Gustohappen“ serviert.

Zwischen dem 20. Jänner und dem 27. Jänner wird dem Fernsehpublikum ein Film vorgeführt und in der anschließenden Nachrichtensendung vom Darsteller und Nachrichtensprecher abgefeiert als Dokument des — als Dokument, das Reinhard Heydrich nach einigen Korrekturen freigegeben hätte, wie dieser Film ihm, der Blutziege, schmeichelt, in dem die Henkersziege nicht mit seiner Fistelstimme zu hören ist, sondern mit einer wahrlich männlichen Stimme, die in bestem Burgtheaterdeutsch Sätze spricht, als wären sie höchste Theaterliteratur:

„Wenn der Bauer sein Feld bestellen will, muß er doch auch erst den Spaten in die Erde treiben.“

Und auch Adolf Eichmann, müßte er sich noch einmal verteidigen, er würde auf diesen Film verweisen, genauso sei es wirklich gewesen, er habe sich mit der Stenografin einen winzigen Beistelltisch teilen müssen, mit ihr habe er zu protokollieren gehabt, was die hohen Herren am großen Tisch, ja und, das wolle er nicht verschweigen, das könne er einbekennen, Dauer der Pausen habe er ansagen dürfen …

Einzig erhalten gebliebenes Exemplar des Protokolls der „Wannseekoferenz“ ist jenes von Martin Luther, zu dem er mit deftigen Worten selbst beitrug, es aber nicht selbst, wie es sonst seine Gepflogenheit, zur Gänze schrieb.

Später habe er, Adolf Eichmann, in Argentinien für Mercedes Benz gearbeitet und so endet der Korso der Automobile – mit schwarzen Limousinen zur Besprechung 1933, mit schwarzen Limousen zur Besprechung 1942 … Es wird wohl ein neuer Film über die „Besprechung mit anschließendem Frühstück um 12“ notwendig geworden sein, um dem Publikum zu ersparen, sich weiter Filme Film über eine Besprechung politisch inkorrekt ansehen zu müssen, in denen ungeniert geraucht wird …

Am Tag nach dem 27. Jänner 2022 ist auf der Website der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt – ORF, Ö1 Wissenschaft, Martin Haidinger – zu lesen, am Tag nach dem Gedenken an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz ist also am 28. Jänner 2022 zu lesen:

„Mitunter gerät der Denkmalschutz in hochpolitische Affären. So tobt seit Jahren ein ideologischer Streit um das Lueger-Denkmal an der Wiener Ringstraße. Die Statue für den christlich-sozialen Bürgermeister Karl Lueger – der vor 120 Jahren Wien mit seinen Reformen zwar in die Moderne führte, aber auch ein antisemitischer Populist war, die antijüdische Stimmung kräftig anheizte und mithalf, den ohnehin bereits vorhandenen Antisemitismus noch fester in derösterreichischen Gesellschaft zu verankern – wurde 1926, in der Ersten Republik, lange nach dem Tod Luegers errichtet; und zwar von einer ungewöhnlich breitgefächerten Allianz: Unter der Ägide des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz und finanziert von christlich-sozialen Spendern auf der einen und einer umfangreichen Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild auf der anderen Seite.“

Karl Seitz aber richtig geschrieben. Nicht so falsch also wie sein Name lange auf der Tafel auf dem Stephansdom stand: „Seit“. Die Geschichtstafel der äußerst bedenklichen Art wurde dann doch vor zehn Jahren vom Stephansdom entfernt, nicht von einem Tag auf den anderen, es bedurfte doch einige Jahre, bis die Tafel vom Stephansplatz endlich entfernt wurde.

Am Tag nach dem Gedenktag an die Befreiung des Vernichtungslagers nennt Österreich 1 die Schuldigen an diesem Denkmal, am „ideologischen Streit“ um dieses Denkmal am KL-Platz beim Namen: Karl Seitz, sozialdemokratischer Bürgermeister, Rothschild, jüdische Industriellenfamilie.

Es muß eine derartige „umfangreiche Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild“ gewesen sein, es muß eine um so viel umfangreichere Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild gewesen sein, daß die „30 oder 40 Millionen“, die die christlichsoziale Partei für das Lueger-Denkmal ausgegeben hat, gar nicht ins Gewicht fallen, derart für Österreich 1 zu vernachlässigen sind, die 30 Millionen je erwähnen zu müssen.

Mit den 40 Millionen der christsozialen Partei allein hätte dieses Denkmal ja nie errichtet werden können, nur erst mit der Dotation der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild … daran ist also für Österreich 1 namentlich zu erinnern, was eine jüdische Familie alles verschuldet, nicht nur das Denkmal, sondern — wie keine andere Partei weiß das die christlichsoziale Partei zu benennen, hat diese den Mut, dies öffentlich zu machen, auch in Massenkundgebungen im Rathaus …

Massenkundgebungen in der Volkshalle des Wiener Rathauses nicht „unter der Ägide des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz“, sondern angeführt von KZ-Poldi Kunschak …

Die Schuld vom sozialdemokratischen Bürgermeister Karl Seitz an dem Denkmal wiegt so schwer, daß er von Österreich 1 namentlich genannt werden muß. Wie belanglos hingegen, wie vernachlässigbar für Österreich 1 hingegen die von KL-Kunschak gespielte Hauptrolle bei der Errichtung dieses Denkmals.

Was von „christlich-sozialen Spendern“ für das Denkmal beigesteuert wurde, das muß ja so gering gewesen sein, daß Österreich 1 deren Namen zurecht nicht nennt, ein bedeutungsloser Betrag im Vergleich zur umfangreichen Dotation der jüdischen …

Wie schwer wiegt die Verantwortung des sozialdemokratischen Bürgermeisters Karl Seitz und der jüdischen Industriellenfamilie Rothschild für dieses Denkmal, wie leicht hingegen, wie frei von Verantwortung hingegen die vom Erschaffer des Denkmals, für die Ö1-Wissenschaft so vernachlässigbar, daß sie seinen Namen gar nicht zu nennen braucht.

Prozessionen

Prozession am Samstag, 15. Jänner in welchem Jahrhundert, in welchem Jahrtausend kann nicht so kurz und einfach beantwortet werden; eines nur ist gewiß, im dritten Jahrtausend, im 21. Jahrhundert ist 22 …

Ob diese Prozession Herbert Achternbusch dazu verführt hätte, aus dieser und allen dieser gleichenden Prozessionen einen Film, doch wieder einen Film zu machen?

Er machte wohl und brauchte keinen neuen Film aus diesen Prozessionen zu machen.

Denn.

Dreifaltigkeitskorona oder Heilt Jesus oder Herbert, wie immer dieser Film sich nennen will, ist bereits der vollständig abgedrehte Film der Prozessionen. So manche Herbertine, wie der Film, sind doch etliche Marschierrollen und Rederollen mit Frauen besetzt, sich auch nennen könnte wollen, wird still für sich den Film Wir waren Helden nennen, in glorifizierter Erinnerung with transfigured face from defiles

Ein paar Fotos aus dem Video, alle der Sequenz Prozession #w1501 entnommen, geben allein schon einen tiefen Einblick, worum es in diesem völlig abgedrehten Film geht. Das Moderne an solchen Prozessionen: daß auch für diese Prozessionen sogenannte Hashtags – verwendet werden. Hashtag, unübersetzt verwendet im Deutschen. Was bei den vielen Bedeutungen sowohl von hash als auch von tag dieses zusammengesetzten Wortes alles an Übersetzungen einfallen könnte — vielleicht einmal eigens ein Kapitel dazu, in dem von Faschieren, Haschen, Verpatzen, Zerhacken, Fangen, Doppelkreuzschlag …

Es soll bereits geplant sein, mit Standfotos aus dem Prozessionsvideo ein großes Altarbild zu schaffen, um das herum eine Kirche zu bauen. Uneinigkeit soll nur über den Standort der Kirche noch herrschen. Nicht wenige sollen dafür sein, wegen des Nahbezugs zu Nürnberg die Kirche doch in Nürnberg zu bauen, nicht wenige sollen dafür sein, die Kirche doch in einem der Orte, aus denen die zu Sendboten auserkorenen Herberte stammen, zu bauen, als Dank an sie, daß sie senden und senden und senden und alles abermals senden, als Preisung ihrer Sendungen, als Opfergabe auch an deren Schöpfer, die alle sind, die sich in den Schöpfern als deren Schöpferinnen … noch ehe aber der erste Ziegel gesetzt, soll aber einmütig der Name der Kirche schon beschlossen worden sein:

Dom in Korona der Dreifaltigkeit

Eifrig bereits sollen Frauen und Männer daran sein, Fotos zu selektieren, die für das Altarbild im Koronadom genommen werden könnten. Das Altarbild soll freilich von einem schöpferischen Menschen dann gestaltet werden, von einem aber, der bereits Zeugnis seines gesinnungsgemäßen Schaffens ablegte, dessen Name allein schon eine Zeit auferstehen läßt, in der Plätze noch Anger, Städte noch Dörfer und Dörfer schon Städte, in der einem jedem Menschen der von der Vorsehung ihm zugewiesene Platz lebenslängliche Bestimmung, sichere Verwahrung, haltende Orientierung und nie zu lösende Richtschnur in der Korona der Dreifaltigkeit …

Die Letztauswahl der Fotos für das Altarbild soll freilich – so soll es entschieden und kann im Land, in dem die Freiheit der Kunst über allem schwebt, nicht anders sein – der Künstler, der auch, so soll das Ansinnen von einigen sein, eine Künstlerin wird dürfen sein, treffen, die, sollte der hohe Auftrag wieder an ihn ergehen, vielleicht, ihre Kunstfreiheit sich ganz und gar nehmend, auf die Fotos verzichtet, ein gemaltes Bild noch einmal malt, ganz so, wie er einmal schon die …

Wie letztlich das Altbarbild auch aussehen wird mögen, ob es oben gezeigte Videostills des Defiles geklebt haben wird, oder auch nicht, eines wird mit Bestimmtheit fehlen, das bei Altarbildern immer fehlt, eine Zusatztafel mit den Erklärungen, was die Fotos zeigen, was mit ihnen erzählt wird.

Auf einer Zusatztafel, die es auch im Koronadom nicht geben wird, würde das Altarbild so erklärend beschrieben werden müssen, wofür beispielhaft eine digitale Zusatztafel mit Verlinkungen zu weiteren und vertiefenden Informationen dienen soll, unter der Annahme, die oben gezeigten Videostills wären das Altarbild:

Standfoto „Nürnberger Prozess“: Ein stets wiederkehrendes Sehnsuchtsmotiv, oftmals auch als „Nürnberg 2.0“ bezeichnet …

Standfotos: „Impfung macht frei“: Mit diesen werden mehrere Sehnsüchte beschworen: Auferstehung des Österreichers, Wiederkehr des Koronaumstrahlten als Führer, auf daß ihnen gemeinsam eine Kirche zu errichten befohlen.

Standfoto Südstaatenflagge: Sehnsuchtsfahne der Herrenmenschen, auf daß die Sklavinnen wieder die sind, die für sie rechtmäßige Sklaven, und nicht sie, zu denen sie meinen, wieder einmal gemacht zu sein.

Standfoto „Für Gott Freiheit Vaterland“: Wäre auch „Ehre“ bei diesem Spruch angeführt, wären alle burschenschaftlichen Wahlsprüche … Nicht alles auf einem Altarbild kann erklärt werden. Manches bleibt ein Rätsel. Wie um diesen Spruch. Wurde auf „Ehre“ einfach vergessen? Ist „Ehre“ ein Wert, den die Prozessionistinnen nicht besitzen? Wollte bloß vermieden werden, es könnte gesagt werden, auch das noch gesagt werden, die Prozession sei burschenschaftlich

Standfoto Pelzmantel mit Inschrift „Gott schütze Herbert Kickl, den einzigen wahren Diener des Volkes!“ … Nicht alles auf einem Altarbild ist auch erklärenswert, manches bloß zum Anschauen, zum Staunen, ein Titel einer Novelle aus dem Österreichischen könnte zu diesem Videostill einfallen und animieren, diesen ein wenig abzuändern: Volk im Pelz

Standfoto Diener und Dienerin des parteieigenen Senders in gemeinsamer Prozessionsinterviewandacht … Ein Videostill, das keiner Erklärung bedarf.

Standfoto einer Prozessionsrednerin im Moment ihres Schweigens. Alles, das sie durch ihr Schweigen zum Ausdruck bringt, ist von ihr mit Fakten belegt.

Standfoto Ochsengeschirrte Männer mit Kuhglocken: Sie nehmen an den Prozessionen teil, um ihre allmächtige Dreifaltigkeit zu bitten, Städte in Dörfer wieder, in Almdörfer zu wandeln.

Standfoto „Nein! zum Impfzwang“: Die Zeichnung dazu zeigt eine junge Frau, der von einer alten Frau eine Spritze angeboten wird. Es ist ein altes Motiv. Nur, statt einen Apfel diesmal eine Spritze. Darüber hinaus keine Neuerung. Die Verführerin zur Spritze muß eine Frau sein, weil es in der Impfpflichtbundesregierung in Österreich keinen Mann, nur Frauen gibt, und als Frau darf sie und kann sie nichts anderes sein als eine Hexe, mit einer Nase, aber mit einer Nase, damit sofort alle wissen, woher die Hexe … So weit paßte das Bild mit der Frau als Hexe, etwa zu den ochsengeschirrten Männern, aber daß alle Schneewittchen … Es muß bei diesem Standfoto um ein noch viel älteres Motiv handeln. Bei dem es auch um einen Apfel geht, der nun gewandelt zur Spritze, aber nicht um die Verführung zur Spritze, sondern um eine Warnung – Warnung vor Erkenntnis …

Standfoto Mutter und Tochter schenken Polizisten weiße Rosen: Das Kind wird für gesinnungsgemäße Gesten mißbraucht. Und auch die weiße Rose, einst Symbol des Widerstands, wird mißbraucht …

Zwei Standfotos mit je zwei Herberte: Wenn die Inhalte gehört wurden, könnte eine Frage noch offen sein, nämlich die nach der Redereihenfolge. Das aber ist nicht mehr zu klären, welcher Herbert und welche Herbertine wann sprach, welche Herbertine auf welchen Herbert …

Der eine Herbert spricht dies:

— Die Bühne betreten
um mit Eich gemeinsam
diejenigen gegen die
Mächtigen zu verteidigen
die sich sölba nit wehrn
kennan
Liebe Freinde
ich versprech Eich
so wahr ich hier stehe
wir werdn weitermochn
für unsera Kinda
für unsere Würde
für unser Österreich
und wenn es sein muß
bis zum letzten Atemzug
bis wir unsere Freiheit wieda hobn

So also der eine Herbert.

Und der nächste oder der vorherige Herbert, der vollbärtige Herbert, der sich Andrä rufen lassen soll, psalmisch:

— Schafe
Wir sind die Wölfe
Wir verlassen den Wald
Und gehen auf die Straße

Und wir tragen sie mit Stolz all diese Narben
Gezeichnet in zwei Jahren mit verschiedenen Farben
Aber wir sind bereit
Auch für die nächste Zeit
Denn wir gaben diesen Eid
Lieber stehend sterben
Als kniend schweigen

Ob in Deutschland, ob in Österreich sind vor allem Männer auf der Suche nach ihrer Identität, und in der Wandlung zum vierbeinigen Wolfskörper erhoffen sie für sich ihre identitäre Erfüllung.

Es sollen diese Psalmen so inhaltsreich im Koronadom in Endlosschleifen tagaus und nachtein ertönen, nur während des Hochamts nicht.

Standfoto Armstreckübung: Andrä Herbert sagt Armstreckübungen an und zeigt Armsteckübungen vor, unterstützt dabei von einem Herbert …

Frei
Heit
Hu
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu
Frei
Heit
Hu

Diese Armstreckübung soll im Koronadom einer jeder Messe Höhepunkt sein. Zu Beginn des Hochamts vorgebetet und vorgezeigt und am Ende der Messe der von allen unter Armstreckungen gebetet zum feierlichen Auszug …

Die Bedeutung des Psalms? Es soll der Freudenpsalm als Dank an Hu, den Schöpfungsgott aus einem recht alten Reich, sein, in der Sprache des Dialekts. Standardsprachlich würde der Dank nicht so freudig und dankbar tief aus dem Herzen kommend klingen: Frei heute!

Standfotos Reichskriegsflagge: Von den Plätzen unten bis zu den Gipfeln oben muß die Reichskriegsflagge mit, ist diese doch wärmende Winterkleidung denen im Volke im Pelz, deren Pelz noch nicht fertig maßgeschneidert … Als Leibwäsche darunter genügt manchen ein T-Shirt, und so manch abgehärtetem Soldat genügt auch im Winter ein Shirt vollauf, das ihm Flagge seiner Gesinnung …

Soldaten aber, die des Volkes Pelzes nicht würdig, werden in Geckoanzüge gesteckt, auf daß sie …

Standfoto Holzpferd: Auch Prozessionen dieser Art fühlen sich der Tradition im Lande verpflichtet und sie führen ein Holzpferd mit. Es ist zugleich Ausdruck ihres offenen Geistes, ihrer Toleranz, ihrer endlosen Fähigkeit zum Aufsaugen aller Einflüsse. Denn. Das Holzpferd ist von ihnen von ihnen gänzlich gesinnungsfernen Demonstrationen übernommen, die es in Österreich vor rund 35 Jahren gab. Wenn es ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal für Prozessionen dieser Art in Österreich gibt, das die Prozessionen in Österreich von Prozessionen in anderen Ländern unterscheidet, dann ist es das Pferd.

Es sollen manche der Prozession bedauert haben, daß ihr recht größter Dichter nicht mehr unten ihnen weilt. Er, gestorben fern der Heimat nah.

Was für Prozessionsverse aber hätte er ihnen wahrlich geschenkt. So soll mit Schwur schon beschlossen sein, daß die Hauptlesung eines jeden Hochamts im Koronadom seine Pferdeverse …

Standfoto „Kauft nicht bei Impf Faschisten“: Auch mit diesem Psalm wird auf eine Tradition gesetzt, die vor allem in Österreich gepflegt wird, diese Aufforderung ist auch eine Aufforderung, woanders, weil gekauft muß werden, einzukaufen, und zwar in Deutschland …

Standfoto „Österreich ist frei. Jesus ist König!“: Es wird nicht nur an einem Tag in diesem Land ausgerufen, daß Österreich frei sei, sondern an vielen Tagen im Jahr, und alle diese Tage erzählen ihr Freisein von Österreich …

„Jesus ist König!“ Diese Forderung ist ebenfalls eine recht alte Forderung, die allenthalben erhoben wird, einen Toten, von dem nach rund zweitausend Jahren nichts mehr existiert, den Würmer in zweitausend Jahren tausendmal ratzeputz aufgefressen haben, zum König zu machen. Mit dieser Forderung wandelt sich die Prozession zum polnischen Parlament, das auch schon einmal einen von Würmern mit Haut und Haar Verschlungenen zum König

Standfoto „Seht eure Schuld ein und dreht um!“: Die Bedeutung dieses Psalms wird unterschiedlich gedeutet. Manche wollen darin die Fähigkeit zur sogenannten Selbstreflexion erkennen, mehr noch, zur Selbstkritik. Diese Deutung ist jedoch sehr umstritten.

Standfoto „?Warum? ?Macht? ?Ihr das?“: Auch bei diesen Fragen kommt es zu unterschiedlichen Deutungen. Wenige allerdings wollen in dieser Frage eine sogenannte selbstkritische Frage erkennen …

Martin Luther in der Besprechung am Wannsee

Es wird jetzt viel geredet über einen Film, der nicht Besprechung mit anschließendem Frühstück zum 20. Jänner um 12.00 heißt, sondern: „Wannseekonferenz“, von dem viele beeindruckt sind, erschüttert, den Film empfehlen, sich diesen unbedingt anzusehen.

Ein Moderator gesteht gar seine Unbegreiflichkeit ein, daß keiner – die Protokollantin wird er wohl mit meinen – in diesen neunzig Minuten einmal sagt: seid ihr alle verrückt geworden. Warum das nicht gesagt wird? Zu den bereits gemachten Ausführungen dazu kann noch eine Erklärung hinzugefügt werden, die aber nicht aus der Historie resultiert, sondern die der Film selbst anbietet. Der Darsteller des Heinrich Müller, der Darsteller des „Gestapo-Müller“ hat den gesamten Film über alle zum Frühstück mit vorheriger Besprechung Geladenen mit einem geheimstaatspolizeilich strengen Blick im Visier – der Besprechungsraum ein Panoptikum; wer wagte es je zu sagen, ihr …

Worüber aber nicht geredet wird, was nicht unbegreiflich erscheinen will, ist, daß an dieser Besprechung Martin Luther teilnimmt.

Ah, sagen Sie, bloß eine Namensgleichheit. Aber was für eine Namensgleichheit! Und vor allem, bei der Tagesordnung, zu der Martin Luther gewichtig was zu sagen hat.

Martin Luther gegen die jüdischen Menschen.

Martin Luther, der Einfluß nimmt.

Martin Luther, der Gefeierte.

Martin Luther wird es noch erleben, daß ihm auch noch ausgerichtet werden: 1000-Jahresfeier zur Wiederkehr seines Geburstages und auch tausendjähriges Jubiläum seiner Thesen …

Einem Vorwurf aber ist Martin Luther in dieser Besprechung in der Villa am Wannsee nicht ausgesetzt, einen Verdacht gegen ihn mußte Martin Luther nicht empört zurückweisen, daß er nämlich ein „Zigeuner“

Und auch in dieser Hinsicht also doch nichts Neues bei den Frühstücksherren. Einer muß sich halt immer gegen Gerüchte erwehren, ein „Zigeuner“ zu sein, ein „Jude“ zu sein. Ein „Jude“ zu sein, mit dem Gerücht muß der mit Martin Luther in der Besprechung sitzende Reinhard Heydrich sich immer wieder in seinem Leben herumschlagen, so wie Martin Luther zurückweisen muß, ein „Zigeuner“ zu sein.

Ein einziges Mal wird in diesem Film das Wort „Zigeuner“ gesagt, nicht als Verdacht gegen Anwesende, und diesmal nicht von Martin Luther, der „Juden wie Zigeuner“ behandelt sehen will. Martin Luther beruft dazu keine Besprechung mit anschließendem Frühstück ein, er bespricht sich mit seinem Führer, der ihm das verheißt, was Martin Luther und seine Frühstückskameraden dafür an „organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen“ schaffen werden, um „Juden wie Zigeuner zu behandeln“.

Es wird vor allem über die Sprache der Frühstücksherren im Film nun viel gesprochen, viel geschrieben, mit viel Erschütterung, mit viel Betroffenheit Sprachlosigkeit artikuliert, über diese Besprechungssprache, die die Wahrheit, wie nun gesagt wird, versteckt …

Sprachlosigkeit herrscht auch zur Sprache, die heutzutage die Wahrheit versteckt, ohne aber die Sprachlosigkeit zu artikulieren, ohne viel zu sprechen, ohne viel zu schreiben, ohne viel zu tun hingenommen ohne Erschütterung, ohne Betroffenheit. Denn. Es sind ja Probleme sachlich, organisatorisch, materiell zu lösen, in Sitzungen …

Besprechungen mit Tagesordnung und anschließend an die Kasse

„Armin Wolf: Ich begrüße Philipp Hochmair jetzt im Wiener Burgtheater. Guten Abend. Herr Hochmair, der Reinhard Heydrich, der Chefplaner des Holocaust, den Sie im Film zeigen, ist kein polterndes Nazimonster, sondern ein höflicher, kultiviert auftretender ruhiger Mann. Wie sehr ist das der reale Heydrich?“

Das fragt am 24. Jänner 2022 Armin Wolf in der Nachrichtensendung des österreichischen Rundfunks —

Am 21. Jänner 2022 spielt der kultivierte Radiosender dieser öffentlichen-rechtlichen Anstalt in Österreich „Tomorrow belongs to me“, am Morgen nach der Nacht des Tages 20. Jänner, an dem die „Wannseekonferenz“ stattfand, ist für den kultivierten österreichischen Radiosender the anthem „ein kleiner musikalischer Gustohappen“, der für die „polternde[n] Nazimonster“, wie Armin Wolf sich diese vorstellt und, dabei einem kultivierten Weltbild des Guten verpflichtet, sie so sehr weiter so dargestellt zu sehen sich wünscht, vor achtzig Jahren noch kein Festgesang ist, weil es diesen Choral vor achtzig Jahren noch nicht gab, aber der „kleine musikalische Gustohappen“ ist den Wiedergängerinnen der „Nazimonster“, der „kleine musikalische Gustohappen“ ist den das Erbe der „Nazimonster“ Angetretenen ein Lobgesang, eine Hymne.

„Philipp Hochmair: Es war unser Versuch, einen heutigen Zugang zu diesem finsteren Thema zu schaffen und einen Kontakt zu heute herzustellen. Wir haben den 80. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar dieses Jahres gehabt. Und dieser Film soll einen Impuls geben über diesen Event, diesen schrecklichen Event nachzudenken. Wir haben versucht, einen heutigen Ton zu finden, also wir haben so sehr den sogenannten Nazisprech im Ohr, die polternden, lauten Nazis, aber vielleicht ist diese Konferenz auch so abgelaufen, daß die Leute auch wirklich ganz ruhig diese Abläufe auch so besprochen haben.
[…]
Es geht wirklich um diese Konferenz, die Kräfte, die da gewirkt haben, und es ist vielleicht wirklich mit einer heutigen Vorstandssitzung, einem großen Konzern vergleichbar.“

Wie anders hätte diese Konferenz auch ablaufen sollen? Sie traten nicht in einer Turnhalle auf, etwa in Ried, ihr Auftrag war nicht, polternd durch die Gassen zu marschieren

Ihr Auftrag war, eine Tagesordnung abzuarbeiten. Im Auftrag von Hermann Göring, einem kultivierten Kunsteinsammler. Auch nicht so kultivierte und gebildete Menschen machen sich die Kultur von Besprechungen zu eigen, benehmen sich kultiviert, höflich, ruhig. Das Maß für solche Konferenzen waren wohl damals schon die Besprechungen mit Tagesordnung der Herren – und waren es nur Herren – der Konzerne, wie jene Besprechung mit Tagesordnung auch an einem 20., am 20. Februar 1933, an der Hermann Göring und sein österreichischer Führer — wie gelesen werden kann in „Die Tagesordnung“ …

„Unterwürfig öffnete man ihnen den Wagenschlag, sie schälten sich aus ihren dicken schwarzen Limousinen und passierten nacheinander die schweren Sandsteinsäulen. Sie waren vierundzwanzig bei den toten Bäumen am Ufer, vierundzwanzig schwarze, braune oder cognacfarbene Übderzieher, vierundzwanzig mit Wolle gepolsterte Schulterpaare, vierundzwanzig Dreiteiler, und die gleiche Anzahl breitgesäumter Bundfaltenhosen. Die Schatten stießen in das große Vestibül des Reichstagspräsidentenpalais vor; doch bald sollte es keine Reichstagsversammlung mehr geben, keinen Präsidenten, und in ein paar Jahren sogar keinen Reichstag mehr, nur noch einen Haufen schwelender Trümmer. Einstweilen werden vierundzwanzig Filzhüte vom Kopf gezogen und vierundzwanzig kahle Schädel oder weiße Haarkränze entblößt. Würdevoll reicht man einander die Hand, bevor man auf die Bühne steigt. Die ehrwürdigen Patrizier stehen dort im großen Vestibül; sie wechseln ein paar scherzhafte, respektable Worte; man könnte meinen, dem etwas steifen Vorgeplänkel einer Gartenparty beizuwohnen.
[…]
Um den Tisch versammelt sind außer ihm [Wilhlem von Opel] Gustav Krupp, Albert Vögler, Günther Quandt, Friedrich Flick, Ernst Tengelmann, Fritz Springorum, August Rosterg, Ernst Brandi, Karl Büren, Günther Heubel, Georg von Schnitzler, Hugo Stinnes Jr. Eduard Schulte, Ludwig von Winterfeld, Wolf-Dietrich von Witzleben, Wolfgang Reuter, August Diehn, Erich Fickler, Hans von Lowenstein zu Loewenstein, Ludweig Grauert, Kurt Schmitt, August von Finck und Doktor Stein. Wir sind im Nirwana der Industrie und Finanz. Bisher sind alle still und manierlich […] Mit solchen Treffen kennt man sich aus, alle sitzen in Verwaltungs- oder Aufsichtsräten, alle gehören irgendeinem Arbeitgeberverband an. Ganz zu schweigen von den trostlosen Familientreffen dieses knochentrockenen, öden Patriacharts.
[…]
Endlich betritt der Reichstagspräsident den Raum: Hermann Göring. Und das – es überrascht nicht im Geringsten – ist im Grunde ein ganz banales Ereignis, Routine. Im Geschäftsleben sind Partisanenkämpfe nicht der Rede wert. Politiker und Industrielle sind gewohnt, miteinander umzugehen. Göring macht seine Hausherrenrunde, hat für jeden ein persönliches Wort und schüttelt wohlmeinend sämtliche Hände.
[…]
Diejenigen, die ihm noch noch nie begegnet sind, harren neugierig auf seinen Anblick. Hitler lächelt, wirkt entspannt, überhaupt nicht wie man es sich vorstellt, leutselig, ja geradezu liebenswürdig, sehr viel liebenswürdiger als gedacht. er hat für jeden ein Wort des Dankes […] Sie hören zu. Die wesentliche Aussage lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es gelte, mit einem schwachen Regime Schluss zu machen, die kommunistische Bedrohung abzuwehren, die Gewerkschaften abzuschaffen und jedem Chef zu erlauben, in seinem Unternehmen ein Führer zu sein. Die Rede dauert eine halbe Stunde. Als Hitler fertig ist, steht Gustav auf, tritt einen Schritt vor und dankt ihm im Namen aller anwesenden Gäste, endlich die politische Situation geklärt zu haben. Der Kanzler dreht noch eine kurze Runde und bricht wieder auf. Man beglückwünscht ihn, zeigt sich zuvorkommend. Die alten Industriellen wirken erleichtert. Sobald er gegangen ist, ergreift Göring das Wort, wiederholt nachdrücklich ein paar Ideen und kommt erneut auf die Wahlen vom 5. März zu sprechen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, der bisherigen Sackgasse zu entkommen. Doch um einem Wahlkampf zu führen, brauche man Geld; und der Wahlkampf rücke näher. In diesem Augenblick erhebt sich Hjalmar Schacht, lächelt in die Versammlung und ruft: „Und nun, meine Herren, an die Kasse!“

Seine zugegebenermaßen etwas zackige Aufforderung ist für diese Männer nichts sonderlich Neues; sie sind mit Bestechungs- und Schmiergeldern bestens vertraut. Im Budget großer Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung. Die Mehrheit der Gäste zahlt umgehend etliche hunderttausend Reichsmark. Gustav Krupp spendet eine Million, Georg von Schnitzler vierhunderttausend, und so kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising.“

So höflich, so kultiviert, so ruhig laufen Besprechungen mit Tagesordnung eben ab, ob in 1933, ob in 1942, ob … eine alltägliche und banale Episode im Leben von Menschen, die an Konferenzen mit Tagesordnung Abschaffung der Demokratie oder Fundraising oder Endlösung oder … teilnehmen.

„Armin Wolf: Wie sehr haben sie sich mit der realen Figur Heydrich beschäftigt? Philipp Hochmair: Sehr, sehr viel, aber […]“

Reinhard Heydrich, vom Österreicher gepriesener „Blutzeuge“, kultivierter Violinist und Träger von Spitznamen: „Henker“ und „Ziege“, dem Philipp Hochmair eine allzu männliche Stimme leiht, die so gar nicht zu „Ziege“ passen will, auf die Heydrich wegen seiner Fistelstimme getauft, wegen der er gehänselt …

Von Reinhard Heydrich gibt es das – nicht in dieser Besprechung mit Tagesordnung gesagte – Bekenntnis: „Als Nationalsozialist bin ich Zionist.“ Wie beruhigend, daß Österreich ein Land ist, in dem sich auch die Bundesregierung, in dem die Regierung an der Spitze gegen den Zionismus

Reinhard Heydrich besaß auf Fehmarn ein Sommerhaus. Zum Richtfest zur Sonnwendfeier kam 1935 auch Heinrich Himmler … Oberhalb der Eingangstür des Sommerhauses von der Familie Heydrich eine Rune, Runen, die auch Jahrzehnte später noch einen rechten Reiz vor allem auf die Mannen ausüben, zu Taten auch auf Inseln …

Nicht einmal fünf Monate nach dieser Konferenz mit Tagesordnung ist Reinhard Heydrich tot. Und was zu sagen ist, hat Thomas Mann in einer Radioansprache gesagt, nicht als Nachruf auf Heydrich, sondern gegen den Totenkult, den die Nazissen mit Himmler und seinem Österreicher an der Spitze mit dem Heydrich im Sarg

„Seit dem gewaltsamen Tode des Heydrich, dem natürlichsten Tode also, den ein Bluthund wie er sterben kann, wütet überall der Terror krankhaft-hemmungsloser als je. Es ist absurd und lässt wieder einmal den Ekel hochsteigen vor der Mischung aus Brutalität und kreischender Wehleidigkeit, die von jeher für das Nazitum kennzeichnend war […] Wohin dieser Mordknecht kam, floss das Blut in Strömen. Überall, auch in Deutschland, hieß er recht und schlecht ‚der Henker’ […] Nun also, er ist ermordet worden. Und wie nehmen die Nazis das auf? Sie stellen sich an, als sei die unfasslichste Missetat geschehen, der Menschheit Höchstes angetastet, die Krone, das Palladium entwendet […] Zu Hause wird ihm ein pomphaftes Staatsbegräbnis verordnet, und ein anderer Metzgermeister sagt ihm am Grabe nach, er sei eine reine Seele und ein Mensch von hohem Humanitätsgefühl gewesen.“

Es ist nachvollziehbar, daß in dieser Zeit der nationalsozialistischen Gewaltorgien Thomas Mann im „gewaltsamen Tod“ den „natürlichsten Tod“ für Heydrich sieht. Doch. An ihrem Morden soll kein Beispiel genommen werden. Das ist ihre Tat gemäß ihrer Blutdurstgesinnung, ihre Tat, die dann ihre einzige anständige Tat ist, wenn sie Selbstmord begehen. Wie es ein bis in das Heute hinein in Österreich verehrter Versemann als anständige Tat gesetzt hat.

Und auch jener

„Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte. Im Allgemeinen können wir jedoch sagen, dass wir diese schwierigste Aufgabe aus Liebe zu unserem eigenen Volk ausgeführt haben. Und wir haben dabei unserem inneren Selbst, unserer Seele und unserem Charakter keinen Schaden zugefügt. “

Mann, der in Posen von der Anständigkeit redete, am 4. Oktober 1943, beging diese seine einzige anständige Tat: Selbstmord. Diese seine einzige anständige Tat beging er wenige Wochen nach der ebenfalls einzigen anständigen Tat des Selbstmords seines Österreichers, der ihm Führer war.

Dann übernimmt die Funktionen von Heydrich ein Mann aus Ried, Österreich

„Armin Wolf: Das waren überhaupt relativ junge Männer, es waren viele Akademiker, es waren Bürokraten aus Ministerien. Heute erscheint uns unbegreiflich, daß man so, wie man es im Film sieht, über den geplanten Massenmord an elf Millionen Menschen sprechen kann, und keiner sagt in diesen neunzig Minuten auch nur einmal: seid ihr denn alle verrückt geworden.“

Unbegreiflich daran, es heute noch unbegreiflich finden zu können. Nahezu rührend, wie Armin Wolf dies unbegreiflich finden kann, daß keiner widerspricht, keiner sagt, seid ihr denn alle verrückt … Wie hätte das auch passieren können, wer hätte es denn wagen können, in dieser Konferenz sich von einer Sekunde auf die andere vom nationalsozialistischen Paulus zum Saulus zu wandeln? Es sind Männer und eine Protokollantin vereint in ein und derselben Blutdurstgesinnung. Wer von diesen Männern hätte das tun sollen? Wilhelm Stuckart? Sein Rassegesetzverfassungskamerad Globke nimmt an dieser Konferenz nicht teil. Und mit dem Rassegesinnungskameraden von Stuckart stellt sich tatsächlich die Frage nach der Unbegreiflichkeit. Wie kann Globke nach der Shoah eine der höchsten österreichischen Auszeichnungen bekommen, wie kann erst in 2018, dann wieder 2020 und dann wieder 2021 die Forderung nach einer Aberkennung dieser österreichischen Auszeichnung …

Sind denn alle in Österreich nach 1945 verrückt geworden? Nein. Sie sind gemäß ihrer weltanschaulichen Orientierung normal geblieben, wie die Männer und die Protokollantin dieser Konferenz gemäß ihrer Gesinnung des Blutdurstes ihre Normalität leben.

Darüber hinaus kommen diese Männer mit ihrer Protokollantin zusammen, um eine Tagesordnung abzuarbeiten, die ihnen nur eines vermittelte, sich einer Aufgabe zu stellen, die gemäß ihrer Gesinnung für sie eine vollkommen normale Aufgabe ist, wie sie Hermann Göring ihnen gewissenserleichternd formuliert: ihm „in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage“ vorzulegen. Und es hätte alles anders kommen können, das deutsche reich hätte schon viel früher, als es tatsächlich zusammenbrach, zusammenbrechen können, mehr, müssen, dann wäre dieser „Gesamtentwurf“ dieser Konferenz nichts gewesen, nur vergilbtes und vergessenes Papier einer vergessenen Konferenz, die dann belanglos, bedeutungslos, verschwendete neunzig Minuten für einen Entwurf, der nicht Tat wurde. Diese Konferenz aber bekam Bedeutung, weil der „Gesamtentwurf“ tatsächlich Tat wurde …

Umso unbegreiflicher, daß der nach diesem „Gesamtentwurf“ geschehene forciert extensive industrielle Massenmord 1956 Globke das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich …

Neunzig Minuten dauert diese Konferenz am Wannsee, die erst nach 1945 zu einer Konferenz geadelt wird – Konferenz: uneingestandene, unbewußte Bewunderung für eine Zusammenkunft von Männern mit Protokollantin und sie Bedienenden, die sich, so ist die Einladung formuliert, einfach treffen zu einer

„Besprechung mit anschließendem Frühstück
zum 20. Januar 1942 um 12.00 Uhr
Berlin, Am Großen Wannsee 56-58″.

Besprechungen mit Tagesordnung laufen nicht nur so höflich, so kultiviert, so ruhig ab, sie ähneln einander auch in ihrer Dauer. Neunzig Minuten soll aber Hitler in der Besprechung am 20. Februar allein für sich und seine Ausführungen in Anspruch genommen haben. Dann geht es gleich zur „Kasse“. Schacht hat es wohl vergessen, in die Einladung die Aufforderung zum Kassengang zu schreiben, deshalb muß er es in der Besprechung sagen, die Einladung hätte sonst wohl gelautet:

Besprechung mit anschließender Kasse
zum 20. Februar 1933 …

Irgendwann in diesem Interview kann es nicht ausbleiben, daß Armin Wolf … „Hannah Arendt hat über Adolf Eichmann, der ja eine zentrale Figur bei dieser Konferenz war, die berühmte Formulierung von der Banalität des Bösen geprägt. Gilt das auch für Heydrich, für die anderen? Philipp Hochmair: Würde ich schon sagen, also Heydrich war kein Genie […]“

„Banalität des Bösen“ – Bildungsfolkore. Es fielen viele Varianten zu dieser Formulierung ein, wenn das „Böse“ für das Menschgemäße würde verwendet werden wollen, und es wären alles Paraphrasen, deren Zentrum Kultiviertheit

Manchen fiele dazu wohl sofort ein, so eine Formulierung wie: Das kultivierte Böse. Anderen vielleicht: Das Böse der Kultiviertheit. Es kann kein Mensch daran gehindert werden, sich an solchen Formulierungen zu versuchen, eine Zustimmung können sie nicht erwarten.

Zur Kultiviertheit fällt sofort das Burgtheater ein, nicht weil Philipp Hochmair im Burgtheater das Interview gibt, sondern weil es u. v. a. m. ein Ort kultivierter Schauspielerinnen …

Auch die Staatsoper, ein Palais der Kultiviertheit, wie die Volksoper … die Säle der Bälle … Der Film „Besprechung mit anschließender Kasse“, nein, der Film „Besprechung mit anschließendem Frühstück“, nein, der Film „Wannseekonferenz“ wurde vor dieser Nachrichtensendung am 24. Jänner 2022 gezeigt, und in dieser Besprechung wird auch über RigaRiga, so weit von Österreich, und doch so nah zur Gegenwart

Der morgige Tag ist ein Tag nach dem 26. Jänner, der wieder so ein Tag der Tage in Österreich, die Sondertage des Erinnerns …

NS Wird in Österreich der Wannsee einmal ein Thema, dann aus gesinnungsgemäßer Sorge um den Wannsee, genauer, um das Strandbad am Wannsee. Gesinnungsgemäße in Österreich es als ihre Pflicht empfinden, auch in der Ferne ein „Kultur-Problem“ zu ersehen. Die Antwort aus Berlin wird sie gesinnungsgemäß nicht beruhigt haben.

„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen“

an diesem Freitag, 21. Jänner 2022. So lieblich, so freundlich, so appetitlich wird um 7.47 Uhr das nachkommende Lied angekündigt …

„Und hier ein kleiner musikalischer Gustohappen.“

Dann wird in der Radiosendung „Guten Morgen Österreich“ das Lied gespielt:

„Tomorrow belongs to me“.

Gesendet vom ORF, Radio Ö1, in Österreich, am 21. Jänner 2022.

Und wer dieses Lied schon einmal gehört hat, wird am Frühstückstisch sitzen, wie der alte Mann am Tisch saß, als er sich das von einem strammstehenden deutschen Jüngelchen in deutscher Sprache gesungene Lied anhören und ansehen muß, wie immer mehr junge und immer mehr alte Menschen, Männer und Frauen, in das Lied einstimmen, das Lied im Chor singen, aufstehen zum ergriffenen Strammstehen.

Nach dem Ende des Lieds ist von der Sprecherin noch zu erfahren:

Tomorrow belongs to me: Das war der Original-Broadway cast von Cabaret, Leitung Harold Hastings, aufgenommen 1966 in den CBS 30th Street Studios, New York. 7.49 Uhr […]“

Mehr wird zu diesem Lied in der Sendung „Guten Morgen Österreich“ nicht gesagt.

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich mit seinem Bildungsauftrag, für Österreich 1, ist ein Nazi-Lied ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.

„Kleiner musikalischer Gustohappen“ ist also für das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich das Nazi-Lied. Das Nazissenlied ist für Österreich 1 mit seinem von der Bildungsschicht für die Bildungsschicht gemachten Radioprogramm in diesem Land ein „kleiner musikalischer Gustohappen“.

Es ist nicht nur deshalb ein Nazissen-Lied, weil es in „Cabaret“ von einem Hitlerjungen gesungen wird, es von Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen in Uniform und in ziviler Kleidung gesungen wird.

Das reichte im Grunde bereits, um „Der morgige Tag ist mein“ nicht zu senden, sich für ein anderes Lied von den vielen Liedern in „Cabaret“ zu entscheiden. Oder zumindest, nicht zu verschweigen, daß es ein Nazi-Lied ist.

Es ist nicht von ungefähr, daß dieses Nazissen-Lied einen Eintrag auf „Metapedia“ hat. Eben deshalb, weil es ein Nazi-Lied ist.

Es ist gesinnungsgemäß recht schlüssig, daß Metapedia gleich dazu einlädt, „Morgen die ganze Welt“ aufzurufen, sich auch dieses Lied von Hans Baumann …

Es ist auch ein Nazissen-Lied, weil — es reicht mehr als aus, hierzu Wikipedia noch zu zitieren:

„Tomorrow Belongs to Me“ is a song from the 1966 Broadway musical Cabaret, and the 1972 film of the same name. It is not a historically authentic song, but instead was written and composed by two Jewish musicians – John Kander and Fred Ebb – as part of an avowedly anti-fascist work; the nationalist character of the song serves as a warning to the musical’s characters of the rise of Nazism. Nonetheless, „Tomorrow Belongs to Me“ has at times been adopted by right-wing, neo-Nazi, and alt-right groups as an anthem.
The music of the song bears a passing similarity to a 19th-century German song named „Lorelei“, with music by Friedrich Silcher to a poem by Heinrich Heine.[a] The pastoral tone of the lyrics is also somewhat similar; however, the content of the lyrics is entirely different. There is also an authentic Nazi song „Es Zittern die Morschen Knochen“ („The Frail Bones Tremble“), which, while unmistakably different to listen to, contains the lyrics „For today Germany belongs to us/and tomorrow the whole world“. The extent to which either of these songs was an influence on Kander and Ebb is not known.[2] Almost immediately after the first stage performances of Cabaret, it became clear that „Tomorrow Belongs to Me“ could widely be misunderstood. There were complaints from people who were insistent that they had heard the song in use as a genuine Nazi anthem. Others seemed to embrace its lyrics at face value, without political context; a Jewish youth group requested permission to use it in their summer camp show.[3] In 1973, concerned parents at a largely Jewish school in New York State raised a petition against the song being included in a school performance; school administrators determined that it would go ahead as planned.[2] Subsequent adoption The National Socialist League, an American neo-Nazi organization for gay men, used the slogan „Tomorrow Belongs to You!“ in 1974 recruiting advertisements, referencing the popular musical.[4] By the late 1970s, „Tomorrow Belongs to Me“ had become an unofficial anthem of the Federation of Conservative Students, a student wing of the British Conservative Party.[5] Alan Clark, a Conservative politician who flirted with the idea of joining the far-right National Front, recalls in his diaries watching the „uplifting“ song in a TV airing of the film.[6] When the satirical comedy show Spitting Image looked for a fascist-themed song to satirize the Conservative Party victory in the 1987 United Kingdom general election, they used „Tomorrow Belongs to Me“.[7] The song has also been covered by white supremacist bands. The first such cover was in 1979 by Skrewdriver, a British band whose performances have been described as being like Nazi rallies. Skrewdriver’s lead singer Ian Stuart Donaldson also covered it with his other bands The Klansmen and Ian Stuart and Stigger. Stuart was well-known to the German neo-Nazi scene and it is likely he introduced the song to a German neo-Nazi audience. After Stuart’s death, German Rechtsrock bands including Endstufe, Radikahl and Wolfsrudel have recorded versions, Endstufe’s being dedicated to Stuart.[2] So have the American neo-Nazis Prussian Blue and the Swedish Saga. Saga’s version was cited by Anders Behring Breivik as being among the musical inspirations for his terrorist attacks.[8] „Tomorrow Belongs to Me“ could also be frequently heard at rallies for Jörg Haider, the Austrian right-wing nationalist politician.[9] The U.S. alt-right activist Richard B. Spencer appeared to embrace the song as a neo-Nazi anthem: Kander’s nephew responded by noting the song was written by a Jew in a same-sex marriage.[10]

Mit diesem Zitat ist nun mehr als alles gesagt, was zu diesem Nazilied, das für den österreichischen Rundfunk ein „musikalischer Gustohappen“ ist, zu schreiben ist.

Dieses Lied kann, wenn es außerhalb dieser Gesinnungsschaften denn gesendet sein soll, nicht gespielt werden, ohne den Hinweis, daß es in „Cabaret“ das Nazi-Lied, daß es in der Realität Hymne von Rechtsextremen, Neo-Nazissen …

Und unter ihnen: Jörg Haider.

Wie anders als in der Welt wird Jörg Haider in Österreich nun …

Noch ein Name darunter, der in Österreich nicht unbekannt ist – in gesinnungsgemäßen Kreisen: Richard B. Spencer …

Und ebenfalls zu lesen unter ihnen der Name Breivik, Verteidigungsgesang für ihn auch in Österreich

Beim Lesen des Namens „Lorelei“ ist am Tag auch an Österreich zu denken,, wo die Lorelei ein Nostalgieschiff in seinem Bundesland der Nostalgie

In der deutschsprachigen Wikipedia-Ausgabe gibt es nicht den Artikel „Tomorrow belongs to me“, der davon berichtet, von wem dieses Lied als Hymne angenommen wurde; das ist auch ohne Übersetzung zu verstehen.

Und dann, 8.20 Uhr an diesem Freitag, 21. Jänner 2022, die Ö1-Sendung „Hard Times – Pasticcio“. Das „Quartett für Streicher in a-moll DV 804 op. 29“ von Franz Schubert wird lyrisch angekündigt:

„[…] Und wo wir schon in Griechenland sind, rufen wir Hölderlin zu Hilfe. Patmos. Nah ist und schwer zu fassen der Gott/Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch […]“

Ja, wahrlich eine Gesinnungshilfe.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Einem Mann aber in Griechenland wird das ein schöner Tag gewesen sein. Er wird über so viel Schöngehörtes so früh am Tag schon vom Küchentisch mit vollrechter Freude aufgesprungen sein und zum Denkmal mit dem Rettungsvers gelaufen sein, zu dem er es ja nicht weit hat, um seinem Vorbild von solch einem heimatlichen Radioprogramm …