Leopold Kunschak auf dem Karl-Lueger-Platz, beauftragt Josef Müllner

Nun wird an diesem Sonntag, am 7. November 2021, ein Kolloquium abgehalten, zum Umgang mit dem Leopold-Kunschak- Denkmal auf dem K.-L.-Platz, das als Karl-Lueger-Mal bekannt ist. Geschaffen wurde es, das zumindest wird erwähnt, von Josef Müllner, ohne Hinweis aber, wer Josef Müllner war.

Es wird wieder um den Antisemitismus von Karl Lueger gehen, darum werden mutig die Gespräche kreisen.

Es steht auf dem K.-L.-Platz Karl Lueger.

Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Mals war er schon weit über ein Jahrzehnt tot.

Wer nicht tot war, das waren u. v. a. m. federführend Leopold Kunschak und der Meißel schwingende Josef Müllner, die Karl Lueger für sich und für deren eigene Propaganda auf diesen Platz stellten.

Leopold Kunschak, der erste Vorgänger von Wolfgang Sobotka auf dem Sitz des Nationalratspräsidenten in der zum zweiten Mal geschaffenen Republik Österreich …

Leopold Kunschak, wie viele haben mit Stolz und Ehrfurcht den Preis entgegengenommen, diesen nach dem „österreichischen Streicher“ benannten Preis …

Und niemand von diesen wagte es, den kunschakschen Antisemitismus anzusprechen, sie dankten artig für die Verleihung. Nur einmal sprach ein Preisträger den streicherischen Antisemitismus an, aber das war kein Österreicher …

Fragen, ob es denn keine Proteste gegeben, ob denn den Preis je wer abgelehnt hätte, gab es, aber nicht aus Österreich, sondern aus Luxemburg.

So österreichisch werden wohl auch heute die Gespräche ablaufen, mutig gegen den Antisemitismus von Karl Lueger, aber mutlos gegen die Erschaffer und Auftraggeberinnen des Mals am K.-L.-Platz.

Was auf den KL-Platz gehört, wenn es denn schon kein denkmalloser Park werden soll, ist ein Mahnmal ohne das bequeme und gemütliche Starren auf Karl Lueger, sondern …

Anschlußfähig

Und war doch andock- und anschlußfähig für spätere wenig erfreuliche Deutungen. „Ihre Kraft ist ihre Freude“ kommt schon wörtlich vor.

Es mag durchaus eine anschlußfähige Deutung gewesen sein, von „Ihre Kraft ist ihre Freude“ auf „Kraft durch Freude“ zu kommen. Und ist inhaltlich doch zu unterscheiden. Ihre Kraft, von der Hyperion schreibt, ist den „Söhnen der Sonne“ bereits ihre ganze Freude, sie erfreuen sich allein an ihrer Kraft, sie brauchen sonst nichts, vor allem keine zusätzliche Freude, nur ihre bloße Kraft, um ihre Freude zu haben, ihre Kraft ist ihnen an Freude mehr als genug. Hingegen sah die Massenmordmacht des deutschen reiches die Menschen wohl als zu kraftlos an, um ihre Massenverbrechen zu begehen. Darum ihr Plan, mit ihrem Freizeitwerk „KdF“ den Menschen durch Aktivitäten, die Freude machen, Kraft zu verleihen. Zu den kraftaufbauenden Freizeitaktivitäten der Freude in physischer und psychischer Hinsicht gehörten u. v. a. m. Sport, Theaterbesuche, Erholungsurlaube …

„Wie wird Sprache zu Literatur? Was ist Manier, was ist Jargon, und in welche Fehlerfallen tappen fast alle? Wie müssen die Elementarteilchen zusammenspielen für den perfekten Prosasatz? Wer Maars Buch zuschlägt das zwar gelehrt, vor allem aber vernüglich ist, wird künftig anders lesen – und besser schreiben.“

So wird „Die Schlange im Wolfspelz – Das Geheimnis großer Literatur“ von Michael Maar im Buch selbst angepriesen.

Das wird gerne aufgenommen, künftig nicht anders zu lesen, sondern auch Michael Maar genauer zu lesen. Künftig, das ist nicht richtig. Es ist damit begonnen worden, von der ersten Seite an. Beinahe wäre es auch dabei geblieben, lediglich die erste Seite zu lesen. Lohnt es denn, hätte gefragt werden können, ein Buch zu lesen, mit der Berufung auf den „Stilkundler Ludwig Reiners“ gleich auf der ersten Seite?

Genau gelesen, auf Seite 201, kommt „Kraft durch Freude“ bei Friedrich Hölderlin nicht „schon wörtlich vor“, und inhaltlich ist es hinterfragenswert, ob „Ihre Kraft ist ihre Freude“ als „Kraft durch Freude“ gedeutet werden kann.

Auf Seite 308 schreibt Michael Maar:

In Wien, wo man den gewissen Kunstmaler in die Akademie hätte aufnehmen sollen, was der Welt viel Grauen erspart hätte.

Mit diesem seinem Elementarteilchen dockt Michael Maar an ein Geschichtsverständnis an, legt Michael Maar offen, wie anschlußfähig er zu einer Deutung der Geschichte ist, die unsäglich zu nennen ist.

Die Akademie hätte Millionen von Menschen (aus Österreich und Deutschland) aufnehmen müssen – das hätte der Welt viel Grauen erspart.

Es wurden auch andere nicht in die Akademie aufgenommen, beispielsweise Wolfgang Paalen, ohne daß deshalb je Menschen im Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde umgekommen sind, ohne daß deshalb je Menschen das Grauen der Massenverbrechen und der Massenmorde gegen die Menschen …

Unmittelbar vor seinem Satz mit dem Kunstmaler schreibt Michael Maar:

Die letzte Vermutung ist historisch falsch, Freud entkam nach England, was höheren Ortes hätte verhindert werden können. Aber bleiben wir in Wien, wo nicht nur Sigmund Freud seinen Sitz hatte. In Wien, wo […]

Wessen Vermutung war „historisch falsch“? Nach Meinung von Michael Maar die von Thomas Mann in seinem Essay von 1938. Und dafür zitiert Maar unmittelbar davor aus „Bruder Hitler“:

Wie muß ein Mensch wie dieser die Analyse hassen! Ich habe den stillen Verdacht, daß die Wut, mit der er den Marsch auf eine gewisse Hauptstadt betrieb, im Grunde dem alten Analytiker galt, der dort seinen Sitz hatte, seinem wahren und eigentlichen Feinde, – dem Philosophen und Entlarver der Neurose, dem großen Ernüchterer, dem Bescheidwisser und Bescheidgeber selbst über das „Genie“.

Falsch ist die „Vermutung“ von Thomas Mann und falsch ist die „Vermutung“ über die „Vermutung“ von Michael Maar, wenn überhaupt von falsch gesprochen werden will. Eine äußerst elitäre Haltung wird Thomas Mann dazu verleitet haben, den wahren und eigentlichen Feinde im Geistesmenschen sehen zu wollen, den für ihn Sigmund Freud exemplarisch und stellvertretend wohl für ihn selbst verkörpert. Die Geschichte, auch die vom Marsch auf Wien, der eigentlich kein Marsch war, sondern ein Aufeinanderzugehen, erzählt nichts von nur einem Grund, nichts von nur einem Feind, sondern von vielen Gründen, von vielen Feinden als Anlässe für Ereignisse. Vielleicht wollte Thomas Mann damit in einer geistlos beherrschten Zeit den Geist retten, den Stellenwert des Geistes für die Menschen verteidigen, behaupten. Welche Gründe es auch waren, Thomas Mann ging dabei vorsichtig vor, er äußerte lediglich einen stillen Verdacht. Hingegen Michael Maar den stillen Verdacht als „historisch falsch“ aburteilt.

Sigmund Freud „entkam“ nicht. Die Massenmordmacht ließ Sigmund Freud ausreisen, sie ließ ihn gegen Bezahlung ausreisen, sie hob von ihm die „Reichsfluchtsteuer“ ein. Vom März bis zu seiner Ausreise im Juni 1938 war er und seine Familie zwar Schikanen ausgesetzt, zugleich aber wurden die Formalitäten für seine Ausreise erledigt. „Höheren Ortes“ werden die Gründe dafür, Sigmund Freud ausreisen zu lassen, überwogen haben. „Höheren Ortes“ wurde verhindert, daß die Schwestern von Sigmund Freud entkamen. Sie waren nicht Sigmund Freud. Eine starb in Theresienstadt, drei wurden in Treblinka ermordet.

Michael Maar bemüht in seinem Buch, das zu lesen durchaus vergnüglich ist, einige Male Ludwig Reiners. Im Anhang, mit Beginn auf Seite 553, informiert er auch über Reiners, das NSDAP-Mitglied mit dem vornehm vorgebrachten Antisemitismus, den Plagiator.

Ob Reiners nur Mitläufer oder aktiver Nationalsozialist war, ist umstritten.

Es wird nicht gewußt, ob Michael Maar ein Österreicher ist. Eine solche Unterscheidung spräche dafür, daß er ein Österreicher ist. Sollte er es nicht sein, so ist er doch anschlußfähig an das Österreich, in dem zur Rettung der Reputation von nationalsozialistischen Menschen recht fein unterschieden wird. Wenn einer ein „aktiver Nationalsozialist“ war, was war dann einer, der nur ein „Nationalsozialist“ war – ein passiver? Sind unter Nur-Nationalsozialistinnen, unter passive Nationalsozalisten Menschen zu verstehen, die in Österreich als „gemäßigt“, als „idealistisch“ …

Der von Ludwig Reiners geplünderte Eduard Engel findet im Buch von Michael Maar nur im Anhang Erwähnung, nach dem Register auf den Seiten 554 f,, 559, 584, 587 f,, 593, 614, 639, der Plünderer Reiners hingegen auf den Seiten 11 (das ist die erste Seite der „Schlange im Wolfspelz“, 234, 553-557, 561, 568, 570, 574, 578, 581 f,, 584, 587, 593 f., 614, 639.

Am Rande hinzuzufügen wäre, daß Engel, nicht untypisch für Überassimilation, einen patriotischen Feldzug gegen das Fremdwort führte. […] Es zählt zu den Ironien dieser Geschichte, daß der fünf Jahre später verfemte Engel nationalistischer war als Reiners, der sich zur Fremdwortfrage sehr ausführlich, aber letztlich moderat ausläßt.

Das macht es verständlich, daß mit Reiners das Buch eröffnet wird, und nicht mit dem nationalistischeren Engels, der noch dazu einen patriotischen Feldzug führte, aktiv war, patriotisch aktiv, wie es heute noch Menschen in Österreich sind …

Es muß eingestanden werden, wäre in der Buchhandlung als erste Seite die Seite 547 mit dem „Dank“ aufgeschlagen worden, wäre die „Schlange im Wolfspelz“ wohl kaum erworben worden.

Den Anstoß zu diesem Buch gab Eva Menasse. Ihr sei es auch gewidmet.

Friedrich Hölderlin – Kraft durch Freude

Von ihren Taten nähren die Söhne der Sonne sich; sie leben vom Sieg, mit eignem Geist ermuntern sie sich, und ihre Kraft ist ihre Freude.

Das schreibt Hyperion an seinen deutschen Lieben, an Bellarmin, im ersten Band, vor bald 225 Jahren veröffentlicht. Es gibt Stellen in diesem Briefroman, die Männern rasch als Beweise gelten, Friedrich Hölderlin sei einer der ihren, die, wie es paulinisch heißt, auch mit Männern … Noch unmißverständlichere Stellen dafür sind zu finden in dem bald vor 200 Jahren erschienenen Briefroman – „Phaeton“, der „Hyperion“ von Friedrich Wilhelm Waiblinger …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich die Männer im Krieg von 1914 bis 1918, nähren sich die Männer im Krieg von 1939 bis 1945, die ihnen in ihre Tornister gepackt, die sie wohl sättigen sollen, wenn das Brot aufgegessen, die sie wohl wärmen sollen, in den Kriegswintern, wenn sie ohne geheizte Unterkünfte auf Feldern kauernd mehr wachend als schlafend eisige Nächte …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich auch Männer heute noch, wie die von „Nordglanz“. Und was für Männer das sind, das braucht nicht in Berichten vom Verfassungsschutz nachgelesen werden; es reichen dazu schon die Titel ihrer Lieder, wie „SS marschiert in Feindesland“, „Wir sind das deutsche Afrikakorps“: 2021 … Ein Lied von ihnen hat im Titel die hölderlin’schen „Söhne der Sonne“ mit dem mehr als deutlichen Refrain „Heil den Asen“. Und schwarz muß ihnen als deutliches Zeichen auch die Sonne sein. Zu ihren einschlägigen Liedern verkaufen sie auch Leibchen – zu erwerben so gar recht bequem von Jeff Bezos …

Von den Zeilen Hölderlins nähren sich Frauen und Männer auch heute noch, die sie in Stein schlagen lassen, der ihnen ein einschlägig gesinnungsgemäßes Denkmal ist. Jahrzehnte zuvor nährte sich auch ein Mann mit Klumpfuß von Hölderlin, zu dessen Schirmherrn er sich erhob …

Und ihrem zurzeitigen Anführer, für kurz Innenminister, ist Hölderlin ein Vorbild …

Was für eine Zeilenteilung über Jahrzehnte! Die Nordglanz-Mannen nehmen sich „Söhne der Sonne“ und Jahrzehnte zuvor nehmen sich die Frauen und Männer um den Klumpfuß „ihre Kraft ist ihre Freude“, ändern diese Zeile ein wenig nach ihrem Geist und schicken unter diesem Titel Urlaubsdampfer …

Die Nordglanz-Mannen nennen ihre Propaganda eine „ariosophische“ … ohne Männer aus Österreich hätten sie keine „ariosophische Propaganda“, vielleicht nicht einmal eine „Propaganda“ …

„Phaeton“ ist in Österreich berühmt – Phaeton von VW ist in Österreich berühmt, recht berühmt seit den Tagen, als diesen ein Mann fuhr, der vielleicht den Phaeton von Waiblinger kannte, so bildungsbürgerlich die Frauen und Männer dieser identitären Parlamentspartei und für kurz gewesenen Regierungspartei sind, und er wollte damit, daß er einen Phaeton fuhr, auf eine diskrete Art sein „Phaeton-Geheimnis“ offenbaren, „das keines war“,wie eine Tageszeitung schrieb …

Es gibt Zeilen in diesem Briefroman von Friedrich Hölderlin, die alle oben Genannten gesinnungsgemäß weigern, sich von diesen zu nähren …

Und siehe, mein Bellarmin ! wenn manchmal mir so ein Wort entfuhr, wohl auch im Zorne mir eine Träne ins Auge trat, so kamen dann die weisen Herren, die unter euch Deutschen so gerne spuken, die Elenden, denen ein leidend Gemüt so gerade recht ist, ihre Sprüche anzubringen, die taten dann sich gütlich, ließen sich beigehn, mir zu sagen : klage nicht, handle! O hätt ich doch nie gehandelt ! um wie manche Hoffnung wär ich reicher ! – […]

Ich habe nichts, wovon ich sagen möchte, es sei mein eigen. Fern und tot sind meine Geliebten, und ich vernehme durch keine Stimme von ihnen nichts mehr. Mein Geschäft auf Erden ist aus. Ich bin voll Willens an die Arbeit gegangen, habe geblutet darüber, und die Welt um keinen Pfenning reicher gemacht. Ruhmlos und einsam kehr ich zurück und wandre durch mein Vaterland, das, wie ein Totengarten, weit umher liegt […]

Wie haß ich dagegen alle die Barbaren, die sich einbilden, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben, alle die rohen Unholde, die tausendfältig die jugendliche Schönheit töten und zerstören, mit ihrer kleinen unvernünftigen Mannszucht !

Das ist der Gewinn, den uns Erfahrung gibt, daß wir nichts Treffliches uns denken, ohne sein ungestaltes Gegenteil.

Mögen die alle oben Genannten sich nähren von den Zeilen, die sie von Hölderlin sich zum Nähren nehmen, aber die alle Anderen beherzigen das Gegenteil ihrer ungestalten Sprüche.

Zum Lachen nach Klagenfurt

Zum Lachen nach Klagenfurt hinuntergehen, hat es früher geheißen, als die Menschen noch zu Fuß gingen. Heutzutage, da kein Mensch mehr zu Fuß geht, heißt es aber einfach wie kurz weiterhin: Zum Lachen nach Klagenfurt …

Klagenfurt lädt ein, an vielen Ecken, in vielen Gassen, auf vielen Plätzen gut und laut zu lachen.

In der Paradeisergasse zum Beispiel. Wer von der Paradeisergasse 3 hinaufsieht, nicht in den Himmel, sondern auf die Fassade, auf die weit über dem Boden angebrachte Ehrentafel, wird sofort zu lachen beginnen, wird aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, wird vor lauter Lachen die wenigen Zeilen nicht flüssig laut lesen können, wird immer wieder durch Lachanfälle das Lautlesen unterbrechen …

IN DIESEM HAUSE
WOHNTE UND SCHRIEB
JOSEF FRIEDRICH PERKONIG
1890 — 1959
EIN DICHTER KÄRNTENS
DEM WORTE UNTERTAN UND
DER TOLERANZ VERPFLICHTET

Ohne das Lesen durch Lachen unterbrechen zu müssen, ist die erste Zeile, die dritte Zeile verleitet aber schon zu einem Schmunzeln, darüber, wem hier eine Tafel gespendet; Geburts- und Todesjahr läßt sich ohne Lachen noch lesen, ab der fünften Zeile aber gibt es kein Halten mehr, das Lesen kommt gegen das Lachen nicht mehr an, wer einen Bauch hat, muß sich diesen vor lauter Lachen halten – en ichter, e ort Unrtn … Und die letzte Zeile geht in einer einzigen Lacherei unter, es wünschte sich ein jeder Mensch zwei oder vier Bäuche, um sich diese vor lauter Lachen zu halten – dr Tlarnz vpflchtt

Ach, wenn darunter nur der Name stünde, wer diese Zeilen schrieb, damit dafür gedankt werden könnte, in noch einer klagenfurterischen Gasse zu lachen, mit diesen Zeilen den Ruf der Stadt, wie es heutzutage heißt, nachhaltig verfestigt zu haben:

Klagenfurt, stets eine Lachreise wert.

Es kämen wohl viele in Klagenfurt in Frage, die dazu befähigt berufen, solche Lachzeilen zu verfassen. Nach der Erholung vom Lachen ist der kurze Fußweg von der Paradeisergasse in die Sponheimer Straße doch mühelos in wenigen Minuten zu bewältigen. In der Sponheimer Straße 13 sind zwar keine Lacheinladungschilder angebracht, aber zum Lachen ist das, was aus dem Haus mit der Nummer 13 zu hören ist, auch zu dem Mann, der r rnz flcht, ebenso

„Herzschlag in Einsamkeit“, wie einfühlsam der Bereuende schon 1943 doch war, so einfühlsam, daß seine Zeilen an den ostmärkischen Lyriker Anton Paul Keller, der ihm wohl in seinem Schmerz über den frühen Tod seines Vaters in einer Zeit, als so viele Männer gerade geschlechtsreif im ersten Stadium ohne ein gezeugtes Kind mordend ihr Leben lassen mußten, ebenso einfühlsam zur Seite stand, noch zweiundzwanzig Jahre später veröffentlicht werden: „Leben, Werk, Vermächtnis, Band 1, von Erich Nussbauer, Verlag Heyn 1965“ …

Er polarisiert auch heute noch. Schuld daran ist sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später bereute.

Josef Friedrich Perkonig polarisiert, wie auch heute noch Adolf Hitler polarisiert. Hätte sich Adolf Hitler nicht durch Selbstmord der Verantwortung entzogen, wäre er wohl, was sonst wäre ihm nach der von ihm mitverursachten Katastrophe in Letztverantwortung anderes auch geblieben, als wieder Künstler zu werden, der er war, bevor er sich in den nationalsozialistischen Dienst des Ruinierens in jedweder Hinsicht stellte, und es hätte sich mit Sicherheit wer gefunden, in Österreich gefunden, und allein nur in Österreich sich wer gefunden, gesinnungsgemäß bevorzugt aus Klagenfurt oder aus einer anderen kärntnerischen Ortschaft, der über ihn dann ebenso gesagt hätte, er polarisiere auch heute noch, Schuld daran sei sein Engagement für den Nationalsozialismus, das er aber später …

Hingegen andernorts: so trocken wie tolerant unvollständig auch über diesen chter krntns etwa, von höchster wissenschaftlicher Kompetenzseite …

Linie Österreich – Allzeit getreu

Wer sonst als Männer aus Österreich hätten für Atatürk Denkmäler errichten können, für einen Diktator.

Unumstritten der Personenkult um Atatürk bis herauf in die Gegenwart, die um 9.05 Uhr angehaltene Uhr in seinem Sterbezimmer, sein Mausoleum, sein Portrait auf Geldscheinen …

Hanak, Thorak und Holzmeister sind nicht die ersten aus Österreich, die einem Diktator mit einem Denkmal huldigen. Davor bereits Heinrich Krippel. Unzählige Denkmäler für Atatürk von Heinrich Krippel. Wer sonst als einer aus Österreich kann je auf die Idee kommen, einen autoritären Führer, verantwortlich u. a. auch für Massenmorde an kurdischen Menschen, einen blutigen Kriegsmann als harmlosen und friedlichen Zivilisten in der Pose eines demokratisch anmutenden Staatsmannes darzustellen?

1938 kehrte Krippel nach Wien zurück. Für das Heeresgeschichtliche Museum schuf er Büsten von August von Mackensens und Paul von Hindenburgs, die am 10. Jänner 1944 enthüllt wurden.

Von wem sonst sollte er, „der berühmteste Bildhauer Ober St. Veits“, Büsten schaffen, als von einem Totenkopfanhänger Hitlers und von Hindenburg — in gar so einer friedlichen Zeit von 1944 wenigstens eine Abwechslung durch Büstenenthüllungen, als Kriege im Museum waren, woran das Heeresgeschichtliche Museum in der Gegenwart traurig erinnern muß: „Kriege gehören ins Museum“ …

Die Frage, ob Anton Hanak für Margarete Hanusch und Josef Thorak ein schlechter Lehrer war, wurde bereits gestellt, und kann beantwortet werden, er war ihnen ein recht guter Lehrer. Hätte sonst Josef Thorak sein begonnenes Denkmal für Atatürk fertigstellen können, seine Linie fortsetzen können? Und hat Margarete Hanusch mit ihrer „Knienden“ nicht bestätigt, wie gut er ihr als Lehrer war? Ihre Kniende sollte nicht in der Neulinggasse aufgestellt werden, sondern direkt neben der „Knienden“ von Anton Hanak in der Radetzkystraße, als sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Lehrer und Schülerin …

Der Bus Linie Österreich sollte auch an den zwei Knienden halten. Eine Haltestelle der Linie Österreich wäre unbedingt in Wiener Neustadt einzuplanen, am Domplatz, direkt vor dem Dom mit dem Ritter in Eisen von Heinrich Krippel, über dessen Kopf kein Kernstock-Vers, sondern „Allzeit getreu“ prangt, von wo aus der Bus Linie Österreich weiterfährt zu seiner Endstelle im Gülhane-Park —

Linie Österreich – Allzeit getreu …

Auf Linie gleich welcher Gesinnung

Würde Wehrmann Müllner gefragt werden, welche Werke er in der Ausstellung „Auf Linie“ vermisse, so würde er vielleicht antworten, die „Gänseweide“ von Margarete Bistron-Lausch.

Auf den Einwand, Bistron-Lausch habe die „Gänseweide“ – Apotheose der Unschuld Österreichs – erst Jahre nach der Zeit der totalen Macht seiner Gesinnung, geschaffen, würde er vielleicht antworten, aber Bistron-Lausch, seine Gesinnungskameradin, war mit ihrer „Gänseweide“ ganz auf Linie der danach zur strikten Befolgung gezogenen Linie in Österreich, wie es in Österreich eben traditionell üblich ist, auf Linie von allen zu sein, auf Linie gleich welcher Gesinnung ...

Und wenn es, wie es der Titel der Ausstellung verheißt, schon um „Auf Linie sein“ geht, kann die Zeit vor und die Zeit nach den madigen sieben Jahren der Heimholung Deutschlands ins Österreich

Linie Österreich

Der Wehrmann in Eisen, Pförtner am Eingang zum Wien Museum MUSA in der Felderstraße würde sich, wenn er gefragt werden würde, welches der Kunstwerke in der Ausstellung „Auf Linie NS-Kunstpolitik in Wien“ am besten gefiele, vielleicht antworten, alle gefielen ihm gesinnungsgemäß recht außerordentlich, aber für ihn würde Margarete Hanusch mit ihrer Knienden doch einen recht besonderen Stellenwert einnehmen, ist sie, Hanusch, doch dafür beispielhaft leuchtendes Vorbild, die Linie nie verlassen zu haben.

Im Akt der „Reichskammer der bildenden Künste Wien“ von Margarete Hanusch ist vermerkt: „1938 befreit“ … Damit ist nicht gemeint, sie wäre 1938 aus einer Diktatur befreit worden; vielleicht empfand sie es selbst als ihre Befreiung in eine Totaldiktatur … Banal wurde mit diesem Eintrag lediglich vermerkt, sie, Hanusch, ist von der Beitragsleistung an die Reichskammer befreit

Hinzufügen würde der Pförtner in Eisen vielleicht noch, wie bedauerlich er es fände, daß die Kniende nach dem 24. April 2022 wieder in irgendein Lager … dabei, dabei gebe es doch einen hervorragenden Platz für die dauerhafte Aufstellung der Knienden, nämlich am Beginn der Neulinggasse nahe dem Schwarzenbergplatz, auf dem er selbst einst seinen ersten Dienst antrat, eher er in die Felderstraße versetzt wurde, steht doch an der Mündung der Neulinggasse in die Landstraßer Hauptstraße seit fünfundsechzig Jahren die „Familie“ der Margarete Hanusch – auf einer direkten Linie von der Knienden zur Familie

Mit auch noch der Knienden würde die Neulinggasse als gesinnungsgemäße Dauerausstellung ihren Ruf recht verfestigen können. Eine Dauerausstellung im Freien zwar, dennoch wetterunabhängig. Denn durch die Neulinggasse wird die Buslinie 4 A geführt, eine Besichtigung der Werke in dieser Dauerausstellung auch bei Regen, Kälte, Schneefall ist dadurch garantiert, geschützt und bequem im Warmen vom Bus aus …

Die Linie 4 A in „Wiener Linie“ umzubenennen, brächte zumindest zwei Vorteile mit sich. Menschen, die die Dauerausstellung besuchen wollen, wüßten sofort, ohne Erkundigungen lange einholen zu müssen, welchen Bus sie nehmen müssen, der sie durch die Ausstellung führt – „Wiener Linie“, und für das Verkehrsunternehmen wohl eine enorme Erhöhung der Auslastung des Busses. Da es aber durch den Namen des Verkehrsunternehmens zu einer Verwechslung kommen könnte, wäre es angebrachter, den Bus 4 A in „Linie Österreich“ umzubenennen. Eine Umbenennung, die durchaus nicht falsch ist, eine Umbenennung, die auch zutreffender ist.

Die Umbenennung der Buslinie 4 A in Linie Österreich wäre menschgemäß mit einer entsprechenden Werbekampagne zu begleiten, ein Slogan dafür könnte lauten:

Ob Regen, Schnee, Eis und Kälte, und auch bei Sonnenschein – Linie Österreich führt Dich sicher und geschützt durch die Ausstellung

Linie Österreich müßte aber nicht allein auf die Neulinggasse beschränkt bleiben. Sie könnte als besonderes Service des Verkehrsunternehmens ausgeweitet werden. In der Ausstellung Auf Linie in Wien ist gleich neben der Knienden ein Bild der anbetungsreichen Paula Wessely zu sehen … Eine Haltestelle der Linie Österreich müßte unbedingt der Paula-Wessely-Weg sein, ihre Endstelle vielleicht der Kahlenberg, der für so manche Ausgangspunkt für ihren Marsch war, der Beginn ihres Weges, der jedoch schon zu Ende war am Paula-Wessely-Weg …

Es gibt von Margarete Hanusch eine Figur, die von Hermann Göring angekauft wurde, wie aus dem Katalog zur Auf Linie in Wien zu erfahren ist:

[O]der die Hanak-Schülerin und „Illegale“ Margarete Hanusch. Ihre Arbeiten waren auch auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen zu sehen. Eine dort 1937 exponierte 2,30 m hohe Eichenholzfigur war von Hermann Göring für sein Gut „Carinhall“ angekauft worden.

Vielleicht wäre es möglich, ihre recht massive Eichenholzfigur zurückzukaufen, um diese irgendwo entlang der Linie Österreich ebenfalls aufzustellen. Diese Eichenholzfigur muß in diesem Kapitel nicht ein weiteres mal gezeigt werden, im Kapitel Ausstellung, Saal Neulinggasse ist diese bereits abgebildet zu sehen …

Eine seltsam anmutende Linie zwischen den zwei Ausstellungen ist die, daß, wer immer sich mit Margarete Hanusch befaßt, stets betont wird, sie sei eine „Hanak-Schülerin“ … So auch in der Sonderausstellung ihr zu Ehren im Bezirksamt im dritten Bezirk vom Herbst 2020 bis zum Frühjahr 2021. Ein recht zutreffendes Motto ward für die Sonderausstellung gefunden: „Skulpturen einer starken Frau für ein zerstörtes Wien“ – von einer „Illegalen“ … Der Kurator der Sonderausstellung nennt sie nicht schriftlich, aber mündlich, im Sommer 2021 als es ihm ein Bedürfnis war, über sie zu sprechen, die ihm wichtig ist, selbst mit einem selten gehörten Wort, eine „Nazisse“; sie ist nicht die einzige und nicht einzig von ihm in Österreich, die mit Nachsicht und Zuneigung

Es ist, nebenher gesagt, eine verbreitete Unsitte vor allem in der Kunst, einen Menschen ein Leben lang und sogar noch als toten Menschen weiter als Schüler von irgendwem zu bezeichnen. Und was heißt das denn im Konkreten. War Margarete Hanusch eine schlechte Schülerin, oder war Anton Hanak ein schlechter Lehrer, war Hanak ein schlechter Lehrer und Hanusch zugleich eine schlechte Schülerin? Auch eine Linie, die von Hanak zum Wiener-Werkstätten-Meister Hoffmann, nach dessen Plänen etwa 1938 bis 1945 unweit der Linie 4 A ein Botschaftspalais umgebaut wurde, der von der Reichskammer mit Weiterentwicklungen beauftragt wurde und nach 1945 offizielle Aufgaben für Österreich, wie die des Generalkommissars für die Biennale in Venedig, übernahm, zum vaterländischen Front-Holzmeister, zum Führerkünstler Thorak, der in Ankara fertigstellte, was Hanak nicht mehr fertigstellen konnte —

Linie Österreich, die alle Gesinnungen anfährt …

Noch etwas nebenher. Es war nicht nur Hanusch eine Schülerin von Hanak, sondern auch Josef Thorak; dies ist jedoch nicht aus dem Katalog Auf Linie in Wien zu erfahren … es will nicht darüber spekuliert werden, weshalb gerade bei Josef Thorak auf die oben genannte Unsitte …

Wer könnte aber damit beauftragt werden, die Linie Österreich zu etablieren, weitere Kunstwerke in der Stadt entlang der Linie Österreich aufzustellen? Die Felderstraße mit ihrem Pförtner in Eisen läßt sofort an das Institut denken, das auch nach Felder benannt ist, zumal sich dieses Institut erst vor kurzem mit einem neuen Denkmal selbst dafür empfohlen hat. An diesem Mal müßte die Linie Österreich unzweifelhaft gesinnungsgemäß ebenfalls halten.

Das ist Wien

Sie werden Josef Müllner, der Sie am Eingang zur Ausstellung

Auf Linie
NS-Kunstpolitik
in Wien
Die Reichskammer
der bildenden Künste

persönlich begrüßt, Sie einlädt, diese seine Ausstellung zu besuchen, nicht erkennen. Denn. Josef Müllner als Ausstellungsempfangsherr hat dafür eine recht besondere Uniform gewählt. Eine Rüstung. Mit geschlossenem Visier. Ein Namensschild trägt Josef Müllner nicht. Josef Müllner, der Wehrmann in Eisen, der Namenlose, der unbekannte Soldat

Wer wäre auch mehr dafür geeignet, Sie in die Ausstellung Auf Linie in Wien zu bitten als ein unbekannter Soldat, der hier, mitten in Wien, seine ewige Pflicht erfüllt …

Josef Müllner wird diese Aufgabe recht freuen, Sie in die Ausstellung hereinrufen zu dürfen – eine für ihn wenn auch nur für kurze Zeit wohl willkommene Abwechslung in seinem sonst drögen Wachdienst. Die Verse über seinem Kopf sind ihm als einzige Lektüre lange schon zu …

Seinen sonst drögen Wachdienst mitten in Wien wird er sich wohl mit Erinnerungen erträglicher zu gestalten wissen. Erinnerungen daran, wie er kein unbekannter Wehrmann war, sondern ein bekannter Soldat eines Frontstaats.

Josef Müllner wird an seinen Karl Lueger denken. Er wird vielleicht Überlegungen anstellen, was es wohl für Diskussionen gegeben hätte, wären die Denkmäler für Houston Stewart Chamberlain und für Georg Ritter von Schönerer auch noch in Wien errichtet worden. Wer sich für den Fortbestand der zwei Denkmäler eingesetzt hätte, ob die gottbegnadete Sängerin Arien für Chamberlain gesungen hätte …

Mit der Ausschreibung eines geladenen Wettbewerbs zur Errichtung eines Denkmals für Houston Stewart Chamberlain am 8. Februrar 1941 sollte neben Georg Ritter von Schönerer ein weiterer NS-Wegbereiter geehrt werden. Mit Houston Stewart Chamberlain (1885-1927) wollte man den „‚Seher von Bayreuth‘, den Vorkämpfer des aufrechten Rassengedankens und einer germanischen Weltanschauung würdigen“. Der englisch-deutsche Schriftsteller hatte sich von 1890 bis 1920 als antisemitischer Vordenker in der Kulturszene von Wien und Bayreuth sowie als Schwiegersohn Richard Wagners einen Namen gemacht. Für Hitler und die Nationalsozialisten war er ein Ideengeber des deutschen NS-Kulturbegriffs. Als Aufstellungsort wählte man den rückwärtigen Teil des Esterházyparks. Eine Zusammenarbeit zwischen Bildhauern und Architekten sei anzustreben. Zur üblichen Jury wurden Josef Müllner […]

Im Esterházypark hätte Chamberlain also stehen sollen, beim Flakturm, von dem ein Kunstwerk entfernt wurde, gegen dessen Entfernung keine Chamberlain-Leserin wagnerisch angesungen hat.

Bis zum 24. April 2022 wird Wehrmann Müllner in Eisen Menschen in die Ausstellung Auf Linie in Wien einladen, ihr Ausrufer sein, und danach wird er wieder seinen drögen Wachdienst pflichterfüllt schieben, wieder als der unbekannte Soldat weiter ein recht beliebtes Photomodell für Menschen, die Wien besuchen, sein. Sie werden, während sie sich mit dem Wehrmann fotographieren lassen, vielleicht ausrufen: Das ist in Wien.

Das ist Wien. Vielleicht zu diesem Ausspruch unbewußt verleitet, weil sie von dem kitschglückischen Film hörten, der vor Jahrzehnten in den Kinos zu sehen war, mit dem Titel „38 – Auch das war Wien“, mit dem für kurz der Traum verbunden war, einen Oscar – aber die Hoffnung enttäuscht zuerst …

Das ist Wien. Das ist vielleicht eine Wehrmann Müllner und seinen Kameraden, der auch in der Ausstellung präsent ist, glücklich machende Feststellung, wenn sie durch ihre in Wien aufgestellten Werke miteinander reden, als Nachbarinnen am Modenapark

Das ist Wien.

Werden sie einander zurufen, der Kamerad hinauf zu seinem Kameraden und der Kamerad hinunter in den Park zu seinem Kameraden – das ist Wien! Und es wird Bedauern dabei sein, dieses Wien nicht mehr selbst zu erleben. Es wäre den Gesinnungskameraden eine Ehre gewesen, diese Ausstellung zu eröffnen, durch die Ausstellung der Werke ihrer Gesinnung zu führen, ja, mehr noch, sie hätten selbst eine solche Ausstellung vorgeschlagen, es wäre ihnen eine Selbstverständlichkeit gewesen, die Ausstellung ihrer Werke auszurichten.

Wie recht gut er es mit seinem Platz getroffen hat, wird Wehrmann Müllner vielleicht auch denken, der Wehrmann in Eisen in Wieselburg hat es mit seinem Platz nicht so gut getroffen, ohne Vers, ohne Ausstellung, nur das Zählen der defilierenden Traktoren ihm als schnöde Abwechslung …

Staatspolitik in Österreich

Weil an diesem Sonntag, 17. Oktober 2021, in der „Runde der Chefredakteurinnen und Chefredakteure“ im österreichischen Rundfunk, in der auch die Chefredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ vertreten war, geradeso als gehörte Deutschland wieder zu Österreich, so wie einst als ein Österreicher Deutschland nach Österreich heimholte, über die identitäre Parlaments- und für kurz gewesene Regierungspartei gesprochen ward, besonders über Herbert Kickl gesprochen wurde, ist festzuhalten, daß in Deutschland eben bekannt wurde, daß der Verfassungsschutz das „Institut für Staatspolitik“ als „gesichert rechtsextreme Gruppierung eingestuft hat.

Hubert Patterer: Jetzt nach dieser zittrigen Einigung ist der einzige Profiteur dieser gegenwärtigen Stimmungslage der Parteiobmann der freiheitlichen Partei, Herbert Kickl, der hat Kirchtag gehabt die letzten Tage, er hat dunklere Anzüge angezogen und hat mit seiner schneidenden Rhetorik die Szenerie beherrscht, und er hat noch miterleben dürfen, wie all jene Parteien, die ihn jahrzehntelang geächtet haben, die die Partei geächtet haben, hinter den Kulissen offenbar einen Pakt geschmiedet haben, wie immer man jetzt bemüht ist, diesen abzusoften in der Deutung hinterher.

Matthias Schrom: Weil Sie Israel angesprochen haben. Da gibt es de facto auch eine Links-Rechts-Koalition, wenn man so will, SPÖ und FPÖ, nur noch ein bißchen extremer gegen Netanjahu.

Alexandra Föderl-Schmid: Das hält. Eine Acht-Parteien-Koalition sogar, unvorstellbar, niemand hätte gedacht, daß das eben über die 100 Tage zu schaffen wäre, das ist passiert, und es passiert sogar relativ geräuschlos. Die schweißt tatsächlich zusammen, daß sie gegen Netanjahu sind. Da sind sogar arabische Parteien drinnen und eher links positionierte, also wirklich ganz ganz extrem, noch extremer als man sich dies in Österreich vorzustellen vermag.

Matthias Schrom: Ist das jetzt nicht trotzdem so, daß Herbert Kickl jetzt plötzlich wieder im politischen Spiel ist. Norbert Hofer galt sozusagen als, ja letztlich, der ÖVP sehr nahe, ist die FPÖ wieder im Spiel?

Christian Rainer: Hubert Patterer hat in seiner gewohnt bildhaften Sprache wirklich gut zum Ausdruck gebracht. Der dunklere Anzug. Herbert Kickl ist aufgetreten wie ein Staatsmann, plötzlich auf Augenhöhe gehoben worden. Das kann man jetzt nicht kleinreden. Pamela Rendi-Wagner hat im Auge gehabt, eine Koalition, die vielleicht nicht so heißt, der Werner Kogler hat gesagt, daß wäre eine Allianz gewesen, aber plötzlich wäre da die FPÖ dabei gewesen.

Am Sonntag zuvor, am 10. Oktober 2021, hat Alexander Van der Bellen in seiner falschen Entschuldigung, die von dem zweimal für sehr kurz gewesenen Bundeskanzler zu leisten gewesen wäre und nach wie vor eine richtige Entschuldigung von ihm zu leisten ist, Herbert Kickl gedankt. Gedankt dafür, daß Herbert Kickl nun in recht dunklen Anzügen auftritt? Wer in Österreich in einem dunklen Aufzug auftritt, ist in Österreich zweifellos ein Staatsmann, und als solcher über jeden Zweifel erhaben.

Das „Institut für Staatspolitik“ (IfS) wird laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextreme Gruppierung“ eingestuft. Das geht aus einem bisher unveröffentlichten Verfassungsschutzbericht des Jahres 2020 hervor, der der Zeitung vorliegt. Sachsen-Anhalts Geheimdienst sieht das IfS als eine Art „Gravitationszentrum“ des neurechten Netzwerks in Deutschland. Es richte sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, so der Befund der Verfassungsschützer.

Telefonüberwachung und V-Männer

Sie betonen auch die wichtige Rolle des IfS für Deutschlands äußerste Rechte: „Als gegenwärtiger ideologischer Ideengeber ist das IfS wichtigster Stratege und Schulungsort für die übrigen Organisationen des Netzwerks der ‚Neuen Rechten‘.“ Durch die neue Einstufung ist es den Beamten nun erlaubt, geheimdienstliche Mittel zur Überwachung des IfS einzusetzen. So dürfen beispielsweise Telefone und Emails überwacht oder V-Männer eingesetzt werden.

Kubitschek gilt als Vordenker der Neuen Rechten

Bereits 2020 hatte der Verfassungsschutz das „Institut“ des neurechten Verlegers Götz Kubitschek als „Verdachtsfall“ eingestuft. Das IfS gilt als Kaderschmiede der AfD und als neurechter Thinktank.

Alexander Van der Bellen war eben erst wieder einmal in Polen zum Gedenken. Alexander Van der Bellen ist ein Vorbild im Gedenken. So soll auch hier ihm nachgedacht werden, gedacht werden der Gegenwart, der Gegenwart in Österreich gedacht werden.

An einem Montag im Dezember 2017 hat Alexander van der Bellen nicht nur Herbert Kickl als Innenminister in einer von ihm dafür geschaffenen freundlichsten Atmosphäre angelobt, sondern mit ihm auch eine Gesinnung, gegen die Gedenkveranstaltungen wohl einst auch geplant gewesen sein dürften.

An diesem Montag im Dezember 2017 wird in Schnellroda wohl ein Sieg gefeiert worden sein, vom Einbruch der Dunkelheit bis … Der Institutsleiter wird vielleicht zu recht später Stunde in sektseliger Erinnerung an die gemeinsamen Stunden im Herbst 2016 in Linz einige Schnurren von sich gegeben haben, wie ihr nun zum Innenminister aufgestiegener Gesinnungskamerad und er auf dem Kongreß der Vertei…

Während der Institutsführer in Deutschland den Verfassungsschutz, der ihm vom Gesetz her zuhören muß, einzig als Zuhörenden noch hat, ist er, der Institutsführer, einer, dem in Österreich recht gern zugehört wird, ganz ohne gesetzlichen Auftrag, etwa in der Sendungsanstalt von Herrn Mateschitz im November 2019, aber, wer weiß, vielleicht ist Herr Mateschitz oder Herr Fleischhacker oder vielleicht sind Herr Fleischhacker und Herr Mateschitz in Wirklichkeit V-Männer

Die Männer und Frauen der afd fahren recht gern nach Schnellroda, in Schnellroda sind sie recht willkommen — und das ist ja auch ganz recht biokorrekt, sind sie doch eine einzig einig‘ Gesinnungskameraderie –, so recht willkommen wie der für kurz gewesene Innenminister bei der afd, zu der er, kurz gewesener Innenminister, recht gern fährt, wie im Februar 2020. Auf das Treffen mit seiner Gesinnungskameradschaft wird er sich wohl recht gefreut haben, so wie der zweimal für kurz gewesene Bundeskanzler sich ’18 freute, sie zu treffen … Und wenn der für kurz gewesene Innenminister in den Prater ruft, dann kommt die Kameraderie auch aus Deutschland nach Wien, wie etwa jener Schollenwirt von der afd im März 2021, der es sich gesinnungsgemäß nicht nehmen ließ, auf seinem Weg zum für kurz gewesenen Innenminister, einer Gedenkstätte seine biokorrekte Aufwartung zu machen, um seinen biokorrekten Vergleich zu ziehen zwischen dem Impfstoff gegen das Coronavirus und Z…

Diese Gedenkstätte ist in jenem Bundesland, in dem es vor kurzem Wahlen gab, in dem Bundesland, das wohl wieder von einer Koalition der christschwarzen Partei mit der identitären Partei regiert werden wird, mit einem Mann an der Spitze, der recht gütig ist gegen das, was in anderen Länderen als extrem

Der für kurz gewesene Vizekanzler gab einst sein Bekenntnis ab, er und seine Partei seien die „wahre Pegida“. Auf seinen Lohn dafür mußte er nicht allzu lange warten, in Österreich werden biokorrekte Bekenntnise rasch belohnt, seine Belohnung war die Angelobung zum Vizekanzler, wenn auch nur für kurz … Vielleicht hat ihm der Herr Bundespräsident für seine Angelobung abgerungen, seine Gesinnung möge er als österreichisches Regierungsmitglied in die Bildungskarenz schicken. Der Herr Bundespräsident dürfte den für kurz gewesenen Vizekanzler zu nichts verpflichtet haben können, nicht dazu, seine kurze Regierungszeit für eine Bildungskarenz zu nutzen, nicht dazu, seine Gesinnung für die seine gesamte kurze Regierungszeit zu beurlauben.

Der für kurz gewesene Vizekanzler hat aber seine kurze Regierungszeit durchaus genutzt, auch für seine gesinnungsgemäß biokorrekte Bildung, so vertiefte er beispielsweise seine Videokenntnisse … So gesinnungsgemäß biokorrekt angereichert gebildet wird er nun recht biobewußt nach Deutschland aufgebrochen sein, wie an diesem Montag, 18. Oktober 2021, in Österreich berichtet wird, um in Dresden die „deutsche Hymne bei Pegida-Demo“ zu singen … In Dresden, wird an diesem 18. Oktober ’21 berichtet, wurde mit der israelischen Fahne gewedelt … In Österreich wird auch die israelische Flagge aufgezogen, nicht von Pegida, sondern – das könnte zum Grübeln bringen …

Hier wie dort wird einfach nicht gedacht worden sein. Sie haben ihre „Vordenker“, hier wie dort, also vor allem Männer vor dem Denken, und die, die den vor dem Denken Seienden nachdenken, sind Männer und Frauen, die nach dem Denken sind. Und das, was es zwischen dem Vor und dem Nach gibt, nämlich das Denken, gibt es hier wie dort nicht, wie ein Philosoph es ausführt.

Übrigens, der Führer des „Instituts für Staatspolitik“ ist einer der Vordenker der Pegida

In dem am 15. Oktober 2021 veröffentlichten Bericht über das „Institut für Staatspolitik“ als „gesicherte rechtsextreme Gruppierung“ wird auch dieser Gesinnungskamerad erwähnt, den vielleicht Herbert Kickl in einer recht stillen Minute am Kongreß der …eidigen fragen konnte, ob er auch so wie für den für kurz gewesenen Vizekanzler für ihn eine Wahrheit …

So höflich ist die biokorrekte Kameraderie gegeneinander, eine Reise nach Deutschland zum Singen der Hymne war ja längst überfällig, kamen doch biokorrekte Männer und Frauen aus Deutschland einst zum Nationalfeiertag ’18 nach Wien, als ihr Kamerad noch zuversichtlich war, für lange, lange für kurz den Vizekanzler zu machen, um vor dem Eingang zum Büro des Bundespräsidenten die „deutsche Hymne“ zu singen. Daß sie dabei nicht das Shirt mit dem Vizekanzler trugen, verwunderte damals doch, ist er doch der recht Fescheste von den auf das Shirt gebügelten Köpfen …

In dem Bericht über das „Institut für Staatspolitik“ als „gesicherte rechtsextreme Gruppierung“ werden auch erwähnt: Semlitsch, auch eine Gesinnungskameradin, diese hier mehr als zu erwähnen ist nicht mehr notwendig, auch zu diesem einen Verlag muß nichts mehr geschrieben werden; Rezensionen finden sich auch in der ehrwürdigen Wiener Zeitung, von einer Edelfeder nach österreichischem Maßstabe … Und weitere Gesinnungskameradinnen, biokorrekte Kameraden, aber deren Namen noch einmal zu erwähnen, wozu …

Wenn zu Beginn geschrieben wurde,
als wäre Deutschland nach Österreich heimgeholt,
muß zum Ende dieses Kapitels geschrieben werden,
das ist das Erfreuliche, Deutschland läßt sich nicht
mehr nach Österreich holen, nach Österreich,
von dem aus alles in der Welt extrem erscheint,
was in Österreich normal

Kurz zur von der falschen Person vorgebrachten falschen Entschuldigung

Lassen Sie mich noch kurz etwas zum Sittenbild sagen, das wir gesehen haben. Die Respektlosigkeit, die wir gesehen haben. Diese Respektlosigkeit will ich nicht achselzuckend übergehen. Und daher möchte ich mich als Bundespräsident in aller Form dafür entschuldigen, welches Bild die Politik hier abgegeben hat.

Alexander Van der Bellen hat damit, am 10. Oktober ’21, nicht nur eine falsche Entschuldigung abgeliefert, sondern darüber hinaus ist er auch die falsche Person sogar für die falsche Entschuldigung; die richtige Entschuldigung von der richtigen Person steht nach wie vor aus.

Die Person, die eine ehrliche Entschuldigung abzugeben hat, ist jene, die zweimal Bundeskanzlerin war für kurz. Kurz Bundeskanzlerin war, die es zweimal nicht einmal zwei Jahre schafft, Bundeskanzlerin zu sein, die zweimal schon nach je wenigen Monaten als Bundeskanzlerin abzutreten hatte.

Die von der falschen Person abgegebene Entschuldigung ist deshalb eine falsche Entschuldigung, weil Alexander Van der Bellen behauptet, die „Politik“ hätte dieses „Sittenbild der Respektlosigkeit“ abgegeben, aber es ist nicht die „Politik“, die dieses „Bild der Politik“ abgibt, sondern es ist die türkis getupfte christschwarze Parteipolitik. Deshalb, weil dieses Bild die türkise Parteipolitik abgibt, ist die Entschuldigung des Bundespräsidenten sogar als falsche Entschuldigung die Entschuldigung von einer dafür gänzlich falschen Person.

Recht genau besehen, war es nicht einmal die Parteipolitik, die dieses Sittenbild, diese Respektlosigkeit abgibt, sondern es ist, einfach wie kurz gesagt: die türkise Familie.

Die für die Entschuldigung falsche Person sagt in seiner diesmal ohne Psalme auskommenden Predigt auch das:

Diese Regierungskrise ist beendet. Morgen mittag werde ich den neuen Bundeskanzler und einen neuen Außenminister angeloben. Und die Arbeit für unser Land kann weitergehen. Ich bedanke mich bei Sebastian Kurz. Mit seinem Schritt hat er Schaden vom Amt ferngehalten und einen wichtigen Beitrag geleistet, daß die Intre, die Integrität unserer Institutionen geschützt wird. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch ausdrücklich bei Werner Kogler, bei Pamela Rendi-Wagner, bei Herbert Kickl und Beate Meinl-Reisinger sowie […] Ist mit der Regierungsumbildung nun alles erledigt? Ist es deswegen alles in bester Ordnung? Nein, ist es nicht. Denn in den letzten Tagen ist einmal mehr das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Politik erschüttert worden, massiv erschüttert worden […] Worte allein genügen hier nicht. Das geht nur durch ernsthafte und konzentrierte Arbeit und noch einmal Arbeit. Meine Damen und Herren, wir haben in den letzten Tagen öfter über den Begriff Handlungsfähigkeit gesprochen. Handlungsfähigkeit hat eine Voraussetzung, wechselseitiges Vertrauen, und dieses muß jetzt unter der Leitung des bisherigen Außenministers und nun designierten Bundeskanzlers, Alexander Schallenberg, erarbeitet werden […]

Nicht nur die Entschuldigung der für eine solche Entschuldigung falschen Person ist eine falsche Entschuldigung, sondern auch seine Dankverteilung. Alexander Van der Bellen dankt der Person, die neuerlich für eine Regierungskrise ursächlich verantwortlich ist, er lobt die Person, die das Amt ursächlich verantwortlich beschädigt hat, er dankt dieser Person für deren geleisteten Beitrag, deren tatsächliche Leistung die ist, dem Amt Schaden beigefügt zu haben. Alexander Van der Bellen katapultiert damit Österreich weit zurück in die Vergangenheit, als in Österreich nur von der Unschuld von allen in Österreich, von Österreich nur als das Opfer gesprochen wurde, alle in Österreich nur Opfer waren, alle in Österreich nur unschuldig.

Alexander Van der Bellen mit seinem Gedenkveranstaltungen-Abonnement wird wissen, was damit gemeint ist.

Alexander Van der Bellen verkauft den Schritt dieser Person als einen Schritt nach vorne, dabei war es tatsächlich ein Schritt zurück. Ein Rücktritt, in Wahrheit. Das sagt auch alles über die Zustände, die Mißkultur der Rücktrittskultur in Österreich. Wenn nicht einmal der Bundespräsident das Wort „Rücktritt“ aussprechen kann. Das ist weit nicht das einzige Wort, das in Österreich nicht über die Lippen gebracht wird, von der sogenannten Staatsspitze bis hinunter zu …

Alexander Van der Bellen dankt auch Herbert Kickl. Der österreichische Bundespräsident verfestigt damit die Salonfähigkeit dieser Gesinnung, die Herbert Kickl als Anführer dieser Gesinnungsgemeinschaft präsentiert.

Alexander Van der Bellen machte diese Gesinnung mit seiner ersten Angelobung der identitären türkis getupften christschwarzen Regierung bereits salonfähig und nun die Erneuerung, Bestärkung, Verfestigung …

„Worte allein genügen hier nicht.“ Sagt Alexander Van der Bellen. Wie klug, so einfach wie kurz, von ihm gesprochen. Und weil der nun seit dem 11. Oktober im Amt Sitzende ein ebenso kluger Mann ist, hat er diese präsidiale Weisheit sofort in die zwei Taten umgesetzt, schon an seinem ersten Tag im österreichischen Parlament, schon an seinem ersten Tag im Parlament seine von Willfährigkeit angetriebene Handlungsfähigkeit einfach kurz willig bewiesen

So wert sind die Worte des Bundespräsidenten, daß diese bereits zwei Tage später erfüllt sind. An diesem Tag, 12. Oktober ’21, hat der wohl auch nur für kurz bleibende Bundeskanzler das, einfach wie kurz gesagt, das „wechselseitige Vertrauen“ vollständig erarbeitet.